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Montag, 3. August 2009

Franklyn - Die Wahrheit trägt viele Masken






Franklyn - Die Wahrheit trägt viele Masken
(Franklyn)
mit Eva Green, Ryan Phillippe, Sam Riley, Richard Coyle, Jay Fuller, Jeanie Gold, Bernard Hill, Georgia Mackenzie, Art Malik, Kika Markham, Gary Pillai, Stephen Walters, Chris Wilson, Mark Wingett, Susannah York
Regie: Gerald McMorrow
Drehbuch: Gerald McMorrow
Kamera: Ben Davis
Musik: Joby Talbot
FSK 16
Frankreich / Großbritannien / 2008

Vier verdammte Seelen auf der Suche nach Erlösung. Alle haben einen tiefen Verlust erlitten und alle gehen unterschiedlich damit um. Sie erfinden sich rettende Emgel, begeben sich auf eine hoffnungslose Suche, spielen mit dem Tod. Einer von ihnen geht auf Menschenjagd in Meanwhile City, einer futuristischen Megalopolis, deren Bewohner von bizzaren religiösen Kulten beherrscht werden. Vier verletzte Seelen, die der Zufall an einem Ort zusammenführt und deren Schicksal vom Lauf einer einzigen Gewehrkugel abhängen wird. In der Vorhölle der verlorenen Seelen kann selbst der Tod Hoffnung bedeuten.


Es gibt sie immer wieder, die Filme, die einen nachhaltig beeindrucken und die so etwas wie Genialität beinhalten. In einer Zeit, in der rasante Action und bluttriefende Horrorfilme die Kultur des Filmkonsumenten bestimmen, ist ein Film wie "Franklyn" viel mehr als nur eine willkommene Abwechslung. Die hier erzählte Geschichte ist wie ein großes Puzzle, das am Anfang absolut zusammenhanglos auf den Zuschauer wirkt und obwohl man ahnt, das am Ende des Films alle Erzählstränge zueinander führen werden, ergibt sich erst im letzten Drittel des Filmes so langsam ein Überblick, auf was das Ganze hinausläuft. Erst dann erkennt man auch langsam, welcher Zusammenhang zwischen den einzelnen Personen besteht, die hier die tragenden Rollen spielen. Denn zu Anfang ist wirklich nicht zu deuten, was all diese Menschen miteinander verbindet, was sicherlich für etwas Verwirrung sorgen kann, die sich aber mit der Zeit verflüchtigt, wenn man der Story aufmerksam folgt.

Doch bis dahin ist es ein ziemlich langer und sehr spannender Weg, immer wieder wird man mit dem Kontrast einer sehr düsteren Fantasy-Stadt (Meanwhile City) und dem realen London der heutigen Zeit konfrontiert, wobei gerade die Darstellung von Menwhile City das optische Highlight dieses Werkes darstellt. In den dort spielenden Passagen von "Franklyn" entwickelt sich eine extrem düstere und dichte Atmosphäre, die sich schon fast zwangsläufig auch auf den Zuschauer überträgt und eine ungeheure Faszination auf ihn ausübt. Auf der anderen Seite wird man immer wieder mit der nüchternen Realität des gegenwärtigen London konfrontiert und gerade der hier entstehende Kontrast ist es in meinen Augen, der diesem Werk eine ganz besondere Note verleiht und ihn so außergewöhnlich macht.

Man ist ganzzeitig hin-und hergerissen zwischen Realität und Fiction, die dabei gewonnenen Eindrücke müssen erst einmal verarbeitet werden, damit man auch alle erkennbaren Puzzle-Teilchen richtig zusammensetzen kann. Dabei helfen immer wieder auftretende kleine Hinweise, die man aber auch nur erkennt, wenn man der Story seine volle Aufmerksamkeit schenkt, denn die Auflösung des Ganzen ist hier im Detail versteckt. Wenn man diese Details aufmerksam verfolgt, dann weß man nach gut zwei Dritteln der Laufzeit eigentlich, worauf die Geschichte hinausläuft, was ihr aber keineswegs schadet, geschweige denn ihr etwas von der vohandenen Spannung nimmt. Denn bis zur letzten Minute zieht sich ein sehr hoch angesiedelter Spannungsbogen durch den Film, der in keiner Phase auch nur ansatzweise einzubrechen droht, denn dafür wird die ineienander verschachtelte Story viel zu interessant erzählt.

Doch das gesamte Werk wäre nur halb so gut, wenn es nicht die meiner Meinung nach überzeugenden Darsteller hätte, die die von ihnen gespielten Charaktere sehr ausdrucksstark und überzeugend wiedergeben, auch wenn manche Leute das anders sehen mögen. Egal ob Eva Green, Ryan Phillippe oder auch Sam Riley, alle verleihen ihren Figuren ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit und tragen so zum sehr guten Gesamtbild bei, das ich von "Franklyn" gewonnen habe. Hier ist ein wirklich innovativer Film entstanden, der sicherlich nicht jeden Geschmack treffen wird, da es sich hierbei um keine seichte Filmkost handelt, von der man sich so nebenbei berieseln lässt, sondern ein Werk, das die volle Aufmerksamkeit des Zuschauers einfordert, damit man der Handlung auch folgen kann.

Gerald McMorrow's Film ist ein hochwertiges Filmereignis, das zu Beginn vom Stil her an "V wie Vendetta" erinnert, sich aber sehr schnell in eine vollkommen andere Richtung entwickelt und dem Betrachter jederzeit ein niveauvolles Sehvergnügen bereitet, das man nicht so schnell vergessen wird. Für Freunde von Filmen mit Anspruch ist dieser Film absolutes Pflichtprogramm. Intelligentes Kino, das zum mitdenken auffordert und die kleinen grauen Zellen in Betrieb hält.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch DTS 5.1, DD 5.1 / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,35:1 (16:9 Widescreen
Laufzeit: 94 Minuten
Extras: Trailer, Trailershow


9/10

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