Follower

Freitag, 29. Mai 2009

Diary of the Dead






Diary of the Dead
(Diary of the Dead)
mit Michelle Morgan, Joshua Close, Shawn Roberts, Amy Ciupak Lalonde, Joe Dinicol, Scott Wentworth, Philip Riccio, Chris Violette, Tatiana Maslany, Todd Schroeder, Daniel Kash, Laura DeCartaret, Martin Roach, Megan Park, George Buza
Regie: George A. Romero
Drehbuch: George A. Romero
Kamera: Adam Swica
Musik: Norman Orenstein
Keine Jugendfreigabe
USA / 2007

Der Filmstudent Jason, seine Freundin Debra und ein aus Mitstudenten bestehendes Filmteam drehen in den Wäldern Pennsylvanias einen Horrorfilmfür ihre Uni, als im Radio erste Meldungen von wiederauferstehenden Toten laufen. Verzweifelt und verängstigt versucht die Gruppe, sich zu ihren Familien und Freunden durchzuschlagen. Doch Jason beschäftigt ein ganz anderes Problem: Weil er die Verlogenheit der Berichterstattung anprangert, lässt er auf der Flucht vor den Untoten gnadenlos seine Kamera mitlaufen und dokumentiert den Angriff der Zombies, um sie später über das Internet der Allgemeinheit zugänglich zu machen.



Da haben wir ihn nun endlich, den mittlerweile fünften Streich des "Herrn der Zombies" George A. Romero. Man könnte dem Film auch den Nebentitel "Wie alles begann" verleihen, denn nachdem sich die ersten vier Teile der Dead-Reihe immer kontinuierlich weiterentwickelt haben, geht dieser Teil zurück zum eigentlichen Ausbruch der Seuche. Nachdem es in den letzten Jahren sehr beliebt ist, auch Zombiefilme in einem dokumentarischen Stil zu drehen ([REC], The Zombie Diaries), hat sich nun auch der Altmeister dieses Stilmittels bedient und das Endergebnis ist meiner Meinung nach absolut gelungen. Ausserdem ist es schön zu sehen, das sich Romero auch in diesem Film treu geblieben ist, denn im Gegensatz zu den mittlerweile populären rennenden und schnellen Untoten gibt es hier einmal wieder die "Oldschool-Zombies" zu bewundern, die man ja eigentlich nur noch aus der Vergangenheit kennt.

Wie in allen Teilen der Dead-Reihe zieht sich auch hier ein straff gezogener Spannungsbogen durch den gesamten Film und es entwickelt sich diese wunderbare Endzeit-Atmosphäre, die diese Filme so auszeichnet. Kaum ein anderer Regisseur vermag es, eine so dichte und düstere Stimmung zu erzeugen, wie es Romero immer wieder gelingt. Es entsteht ein extrem beklemmendes Gefühl, das fast zwangsläufig auf den Zuschauer überspringt und so für ein sehr angespanntes Sehverhalten sorgt. Durch den dokumentarischen Drehstil überkommt einen nicht selten das Gefühl, das man selbst ein Teil der Geschichte ist und man vergisst teilweise, das es sich lediglich um einen Film handelt. Das ist ein unbeschreibliches Phänomen, das einem fast ausschließlich Filme vermitteln, die in diesem Stil gedreht wurden. Alles wirkt ganz einfach viel autenthischer und das Gesehene vermittelt einen viel intensiveren Eindruck, der dazu führt, das man tiefer in das Geschehen eintauchen kann und sich mit der Szenerie viel stärker identifiziert.

Nun wäre Romero nicht er selbst, wenn in diesem Film nicht auch wieder eine sozialkritische Note vorhanden wäre. So wird natürlich in erster Linie die Berichterstattung der Medien angeprangert, die das Geschehen immer beschönigen und auch verharmlosen. Andererseits wird gerade zum Ende des Films auch das Verhalten der Menschen kritisiert, als einige schießwütige sich einen Spaß daraus machen, die Untoten nicht nur ganz normal endgültig ins Jenseits zu befördern, sondern es richtiggehnd zelebrieren indem sie eine Art Spiel daraus machen. So erscheint dann auch die im Hintergrund von Debra gestellte Frage: "Seid ihr es überhaupt wert, gerettet zu werden?" in einem ganz anderen Licht und stimmt einen nachdenklich.

Die SFX sind wie immer erstklassig und von einer sehr hohen Qualität, das kann man nicht anders sagen. Auch von der Anzahl her kann man hier nicht meckern, jeder fan wird hier ohne Frage auf seine Kosten kommen. Dennoch hält sich der Härtegrad in einem überschaubaren Rahmen, manch einem Gorehound wäre es vielleicht sogar lieber gewesen, wenn man noch mehr Splatter/Gore Szenen eingearbeitet hätte. Meiner Meinung nach wurde hier aber genau das richtige Maß gefunden, das dem Film so auch noch mehr Autenzithät verleiht

Schlussendlich kann man "Diary of the Dead" als einen sehr guten Film einordnen, in dem auch die darsteller einen überzeugenden und ausdrucksstarken Eindruck hinterlassen. Romero hat es noch keineswegs verlernt, seinen Fans das zu bieten, was sie sehen wollen, nämlich einen erstklassigen und kompromisslosen Zombiefilm, der sehr spannend ist und einen extrem düsteren Eindruck eines Szenarios hinterlässt, das Gott sei Dank nur eine Fiktion ist und so nie eintreten wird.


8/10

Montag, 25. Mai 2009

The Strangers






The Strangers
(The Strangers)
mit Liv Tyler, Scott Speedman, Glenn Howerton, Gemma Ward, Kip Weeks, Laura Margolis, Alex Fisher, Peter Ckayton-Luce
Regie: Bryan Bertino
Drehbuch: Bryan Bertino
Kamera: Peter Sova
Musik: tomandandy
Keine Jugendfreigabe
USA / 2008

Nach der Hochzeit eines Freundes fahren Kristen (Liv Tyler) und James (Scott Speedman) in ihr abgelegenes Sommerhaus. Schon kurz nach ihrer Ankunft stellen sie fest, dass sie nicht allein sind : Zuerst klopft es an der Tür, dann erscheinen maskierte Gestalten im Wald. Aus Unruhe wird blanke Angst, als sich Kristen und James einer tödlichen Bedrohung gegenüber sehen, die sich nicht erklären will.


Regisseur Bryan Bertino hat mit "The Strangers" dem in den letzten Jahren sehr beliebten Terror-Kino einen wirklich sehenswerten und interessanten Beitrag hinzugefügt. Allerdings sollte man erwähnen, das es sich um einen eher ziemlich unblutigen Vertreter handelt, der seine Wirkung fast ausschließlich über die psychische Schiene entfaltet. Thematisch gesehen ist dieser Film fast mit dem französischen Genre-Kollegen "Them" identisch, nur das meiner Meinung nach nicht die gleiche Intensität erreicht wird, "Them" wirkte doch irgenwie noch dichter und bedrohlicher und löste ein noch stärkeres Gefühl der Beklemmung beim Zuschauer aus. Auch sind gewisse Anlehnungen an "Funny Games" nicht von der Hand zu weisen, so das man es hier mit einem recht interessanten Mix zu tun bekommt.

Was man hier als sehr gelungen ansehen kann, ist der gelungene Spannungsaufbau, vor allem in den ersten 30 Minuten spürt man förmlich, wie die Anspannung zwar langsam, dafür aber sehr intensiv ansteigt. Gerade diese langsame Steigerung sorgt dafür, das auch die vorherrschende Grundstimmung eine extreme Wandlung vollzieht. Aus anfänglicher Unsicherheit wird Angst, die sich zusätzlich noch mit Panik vermischt. Die Situation nimmt stark bedrohliche Ausmaße an und das drohende Unheil liegt förmlich in der Luft. Das merkt man auch den beiden Hauptdarstellern an, die die aufsteigenden Gefühle durchaus autenthisch und glaubwürdig zum Betrachter transportieren. Die aufsteigende Panik wird sehr gut zum Ausdruck gebracht, was aber nichts daran ändert, das auch hier wie so oft in dieser Art von Filmen einige Handlungsweisen der Opfer recht unlogisch erscheinen.

Gerade wenn man versucht, sich in die Situation von Kristen und James hineinzuversetzen, kann man den psychischen Druck einigermaßen nachvollziehen, unter dem die beiden leiden müssen, da ihre Gegner auch nur selten für sie sichtbar sind. Ganz generell fand ich es sehr gut, das die Täter für den Zuschauer absolut anonym bleiben und man ihre Gesichter zu keiner Zeit zu sehen bekommt. Denn so kann man keinen Bezug zu ihnen entwickeln und sie so als gesichtslose Killermaschinen ansehen. Auch die Motive für ihre Tat bleiben einem verschlossen, die einzige Antwort auf die Frage "Warum tut ihr das?" ist die banale, aber auch sehr aussagekräftige Antwort "Weil ihr zu Hause seid". Dadurch, das die drei Täter hier keinerlei Gesicht haben und man wirklich rein gar nichts über sie weiss, kann man sich noch intensiver mit den Opfern beschäftigen und durchlebt deren Situation teilweise mit, was nicht gerade dazu führt, das man sich in der eigenen Haut besonders wohlfühlt.

"The Strangers" bietet gutes, aber nicht herausragendes Terror-Kino, an Spannung und Atmosphäre gibt es eigentlich nicht viel zu beanstanden. Dennoch finde ich, das der Film nicht ganz an die Qualität von "Them" herankommt, der ganz einfach noch intensiver war und dem Zuschauer noch stärker unter die Haut gegangen ist. Dennoch bekommt man es auch hier mit einem durchaus intensiven Filmerlebnis zu tun, das auf jeden Fall sehenswert ist und auch nicht ganz spurlos an einem vorbeizieht.


7/10

Freitag, 22. Mai 2009

Bikini Bloodbath






Bikini Bloodbath

(Bikini Bloodbath)
mit Debbie Rochon, Thomas Edward Seymour, Russ Russo, Leah Ford, Margaret Rose Champagne, Carmine Capobianco, Robert Cosgrove Jr., Dana Fay Ensalata, Anna-Karin Eskilsson, Olja Hrustic, Matt Ford, Sheri Lynn, Natasha Nielsen, Phil Hall, Philip Guerette
Regie: Jonathan Gorman / Thomas Edward Seymour
Drehbuch: Jonathan Gorman / Thomas Edward Seymour
Kamera: Keine Informationen
Musik: Tim Kulig
Keine Jugendfreigabe
USA / 2006

Die Regeln zum Überleben: Schau in keine dunkle Ecke! Vertraue keiner halboffenen Tür! Sei nie allein in einem Raum! Wundere dich wenn deine Freunde spurlos verschwunden sind! Glaube nicht, dass das Blut auf dem Boden nicht echt ist und vor allem, gehe nie mit deinen 7 besten Freundinnen auf eine Party, wenn ein verrückter Chefkoch mit seinem blutigen Beil auf Menschenjagd geht!


Es gibt immer wieder Filme, die man ganz einfach nicht mit den üblichen Maßstäben messen kann und dieser hier zählt meiner Meinung nach ganz eindeutig dazu. Wenn man in irgendeiner Form Qualität von diesem Werk erwartet, dann sollte man die Finger von "Bikini Bloodbath" lassen, denn es gibt hier rein gar nichts, was ein "normaler" Film beinhalten sollte. Keine gute Story, keine Spannung oder gar Atmosphäre und schon gar keine anständigen Schauspieler. Rein filmisch gesehen bewegt man sich hier etwas oberhalb der Qualität eines Films von Jochen Taubert und jeder, der schon einmal ein Werk von Herrn Taubert gesehen hat, der weiss, was das bedeutet.

Wenn man jetzt aber lediglich den Unterhaltungswert und den Spaßfaktor berücksichtigt, den dieser Film beinhaltet, dann bewegt man sich auf einem extrem hohen Level, vorausgesetzt, das man ein ausgeprägtes Faible für Trash-Produktionen hat, denn nichts anderes liegt einem hier vor. Diese absolute Low Budget Produktion treibt dem Betrachter wirklich teilweise die Tränen in die Augen, denn der hier gezeigte Trash verdient diese Bezeichnung wirklich. Alles ist so herrlich dilletantisch inszeniert, das man sich teils vor lachen nicht mehr einkriegt, jedenfalls erging es mir so.

Angefangen bei den sogenannten Darstellern, die allesamt absolut talentfreie Zonen sind, aber hier perfekt hineinpassen und gerade durch ihr unglaubliches schlechtes Schauspiel einen großen Anteil daran haben, das der geneigte Trash-Fan hier voll auf seine Kosten kommt. Das Verhalten der Protagonisten ist so skurril und grotesk, das es einfach nicht in Worte zu fassen ist, das muss man wirklich selbst gesehen haben, sonst kann man es einfach nicht glauben. Alles ist so herrlich übertrieben dargestellt und vollkommen unlogisch, das es eine wahre Pracht ist. Dazu tragen auch die vorhandenen Dialoge bei, die so dermaßen hohl und strunzdoof sind, das sie schon wieder zum lachen animieren. Auch der hoffnungslos übertriebene Dialekt der beiden russischen Trainer, die hier mitwirken ist schon irgendwie genial, hinzu kommt auch noch der herlliche Nachname der weiblichen Trainerin, der da "Vaginowitsch" lautet. Und natürlich darf man auch nicht die Football-Spieler vergessen, die ihre eigene Party feiern. Einige von ihnen entdecken hier auch ihre homosexuelle Seite, was man allein schon an den Vorschlägen der Party-Spiele merkt, die hier für einige echte "Schenkelklopfer" sorgen.

Doch der absolute Hammer ist hier der Mörder, ein bayrischer Koch, dessen Spezialität es ist, Leute zu töten, wobei er aber immer die Umgangsformen wahrt, denn immer, bevor er zuschlägt, grüßt er mit einem freundlichen: "Servus, ich bin der Rubenbauer". Das ist wirklich Situationskomik pur, wirkz aber erst richtig, wenn man diese ganze vollkommen abstruse Geschichte im Zusammenhang selbst gesehen hat. Ausserdem gibt es auch nicht gerade viele Morde zu sehen und die sogenannten SFX spotten eigentlich jeder Beschreibung, was aber perfekt passt und nicht weiter ins Gewicht fällt. "Bikini Bloodbath" ist in meinen Augen ein absoluter Party-Film, der auf jeden Fall die Stimmung steigen lässt und zum ablachen animiert. Sicherlich ist der Film nicht für Leute geeignet, die cineastischen Anspruch erwarten, wer aber einmal einen Trash-Film sehen will, der so schlecht ist, das er schon wieder gut wird, der kann hier voll auf seine Kosten kommen, denn skurriler als hier kann es schon fast nicht mehr zugehen. Der Film nimmt sich selbst auf den Arm und nimmt sich zu keiner Zeit auch nur ansatzweise ernst, was man wirklich in jeder Einstellung sehen kann.

Wie wenig Budget hier vorhanden war, sieht man allein schon an der Tatsache, das hier zwei kleinere Passagen nicht vertont sind. Allerdings kann ich nicht beurteilen, ob das beabsichtigt ist, oder ob es ganz einfach nur vergessen wurde. Aber wie dem auch sei, Trash-Liebhaber sollten hier zugreifen, denn dieser Film ist eine absolute Spaß-Granate, die allerdings keinerlei Anspruch auf Niveau erhebt. Ich habe mich jedenfalls köstlich amüsiert und nicht selten Tränen gelacht. Leider war dieser herrliche Spaß nach genau 60 Minuten schon zu Ende, denn da setzt schon der Abspann ein, nach dem man noch mit einem Musikvideo beglückt wird. Ganz generell sollte man noch anmerken, das die sehr rockige Musik-Untermalung des Films exzellent gelungen und passend ist.


Die DVD:

Vertrieb: Sunfilm
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch Dolby Stereo
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,85:1 (16:9)
Laufzeit: 75 Minuten
Extras: Trailer


7/10 Trash Punkte

Dienstag, 19. Mai 2009

Martyrs






Martyrs
(Martyrs)
mit Morjana Alaoui, Mylene Jampanoi, Catherine Begin, Robert Toupin, Patricia Tulasne, Juliette Gosselin, Xavier Dolan-Tadros, Isabelle Chasse, Emilie Miskdjian, Mike Chute, Gaelle Cohen, Anie Pascale, Jessie Pham, Erika Scott
Regie: Pascal Laugier
Drehbuch: Pascal Laugier
Kamera: Stephane Martin / Nathalie Moliavko-Visotzky
Musik: Alex Cortes / Willie Cortes
SPIO / JK
Frankreich / Kanada / 2008

Frankreich, Anfang der 70er Jahre, ein verlassenes Industriegebäude. Keine Menschenseele ist zu sehen, als sich die zehnjährige Julie schreiend und bkutend durch die staubigen Strassen schleppt, dem Wahnsinn nahe, auf der Flucht vor unbekannten Peinigern. Als sie endlich aufgefunden wird, weist ihr geschundener Körper die Merkmale monatelanger Entbehrungen auf, aber keinerlei Anzeichen sexueller Gewalt. Das Mädchen wird in ein Krankenhaus eingewiesen. Täter und Motiv bleiben im Dunkeln. 15 Jahre später klingelt es an der Tür einer vierköpfigen Familie.Als der Herr des Hauses öffnet, sieht er sich Julie gegenüber - und dem todbringendem Lauf eines Jagdgewehrs.


Ich empfinde es als einen sehr gelungenen Schachzug, das diese Inhaltsangabe auf der Rückseite des DVD Covers lediglich einen ziemlich kleinen Teil dessen verrät, was den Zuschauer in diesem Film erwartet. Denn nur so ist es möglich, das sich das hier gezeigte Geschehen so richtig im Kopf des Betrachters entfalten kann. Und die hier erzählte Geschichte ist der absolute Hammer und frisst sich mit einer beängstigenden Intensität in die Eingeweide des Zuschauers, ohne das es auch nur im geringsten zu verhindern wäre. Ich habe in meinem Leben schon sehr viel an Härte und Brutalität gesehen, doch hier ist selbst mir manchmal die Luft weggeblieben, denn das Geschehen ist so extrem hart, das es teils schwerfällt, den Film bis zum bitteren Ende anzusehen.

Wer der Meinung ist, das Filme wie "Saw" oder "Hostel" brutal und hart wären, der kann "Martyrs" noch nicht gesehen haben, denn gegen diesen Film wirken andere Terror-Filme viel eher wie ein netter Kindergeburtstag. Vor allem die extreme Härte, die dieser Film auf die Psyche des Betrachters ausübt, dürfte selbst hartgesottenen Genre-Freunden stark an die Substanz gehen. Denn gerade, wenn man im Laufe des Films mehr über die Motive erfährt und wer hinter dem Ganzen steckt, wirkt die gesamte Szenerie noch um ein Vielfaches härter und intensiver, als sie von Haus aus schon ist. Dafür sind aber auch die fantastischen Darsteller verantwortlich, dir durch die Bank so überzeugende Leistungen abliefern, wie man bei weitem nicht in jedem Film zu sehen bekommt. Ausdrucksstärke und Autenzhität sind hier das Aushängeschild eines wirklich erstklassigen Schauspieler-Ensembles.

Besonders die sich hier entfaltende Stimmung ist kaum in Worte zu fassen, das muss man wirklich selbst erlebt haben. Man ist geschockt, kann seine Blicke aber dennoch zu keiner Zeit vom Gesehenen abwenden, eine gewisse Faszination zwingt einen förmlich, die Augen weiterhin auf den Bildschirm zu richten. Vielleicht liegt es allein an der eigenen Fassungslosigkeit über den hier extrem auftretenden Sadismus, der einfach keine Grenzen kennt. Verzeweifelt sucht man nach irgendeiner Rechtfertigung für die Dinge, die sich hier abspielen, findet aber noch nicht einmal den Ansatz einer Rechtfertigung, was einen umso betroffener macht. Ein Gefühl der vollkommenen Beklemmung macht sich breit, dessen man sich einfach nicht erwehren kann, selbst wenn man es wollte.

Und obwohl man sich beim hier Gezeigten spürbar nicht wohl in seiner Haut fühlt, in gewissen Phasen des Films sogar ein Würgegefühl nur mühsam unterdrücken kann und auch so manchen Schweissausbruch erdulden muss, ist man auf der anderen Seite wie gebannt und der unheimlichen Faszination von "Martyrs" hilflos ausgeliefert. Man leidet richtiggehend mit und hat nicht selten das Gefühl, das man körperlich ausgezehrt ist. Doch am härtesten ist hier ganz eindeutig der psychische Druck, der nur schwer auszuhalten ist, wofür insbesondere die autenthische Darstellung der Härte verantwortlich zeichnet. Und Härte gibt es in diesem Werk mehr als nur genug, das steht absolut ausser Frage. Und da frage ich mich ganz automatisch, wie dieser Film bei uns in Deutschland ungeschnitten auf DVD erscheinen kann, was mich persönlich natürlich sehr freut, aber gerade beim momentanen Schnittwahn irgendwie nicht logisch nachvollziehbar ist. Vielleicht wollte man ja auch einfach einmal den Liebhabern des genres eine echte Freude machen.

Desweiteren ist die Story viel komplexer, als es die Inhaltsangabe aussagt. Man sollte schon einigermaßen konzentriert sein, um den Sinn des Filmes auch zu verstehen, denn es geht meiner Meinung nach um mehr, als nur darum, die gezeigten SFX in sich aufzusaugen. Und gerade zum Ende hin, wenn man weiss, worum es eigentlich wirklich geht, kommt dann dieses echte "Hammer-Ende", das einen erst einmal mit offenem Mund zurücklässt und Spielraum für eigene Interpretationen lässt. Ein offenes Ende, das hier aber nahezu einen perfekten Schlusspunkt unter einen extrem verstörenden und brutalen Film setzt, der einen auch noch lange nach dem Abspann nicht wirklich abschalten lässt, weil er dafür ganz einfach zu viele Eindrücke vermittelt hat, die man erst einmal in Ruhe verarbeiten muss.


Letztendlich ist "Martyrs" ein weiterer schockierender Film aus unserem nachbarland Frankreich, das ja in den letzten Jahren schon mit Werken wie "High Tension" oder auch "Inside" zu überzeugen wusste und uns hier den nächsten vollkommen kompromislosen Terror-Schocker präsentiert. Ein Film, der zartbesaiteten Leuten nicht unbedingt zu empfehlen ist, aber für jeden Genre-Freund ein absoluter "Must See Film" sein dürfte.


10/10

Samstag, 16. Mai 2009

Revolver






Revolver
(Revolver)
mit Jason Statham, Ray Liotta, Vincent Pastore, Andre Benjamin, Terence Maynard, Andrew Howard, Mark Strong, Francesca Annis, Anjela Lauren Smith, Elana Binysh, Faruk Pruti, Shend, Bill Moody, Stephen Walters, Vincent Riotta
Regie: Guy Ritchie
Drehbuch: Luc Besson / Guy Ritchie
Kamera: Tim Maurice-Jones
Musik: Nathaniel Mechaly
FSK 16
Frankreich / Großbritannien / 2005

Dank versierter Zellennachbarn ist Jake Green bei seiner Haftentlassung ein perfekter Zocker. In kürzester Zeit häuft er ein immenses Vermögen an. Aber Jake ist nicht zufrieden, solange er nicht Casinoboss Macha kräftig über den Tisch gezogen hat. Dem hat er nämlich die sieben Jahre Knast zu verdanjen. Doch Macha ist ein harter Gegner und keinesfalls gewohnt, zu verlieren. Er setzt Jake ganz oben auf seine Abschussliste und schickt ihm seinen besten Killer auf den Hals. Als sich auch noch eine Menge zwielichtige Typen in den Privatkrieg einmischen - allen voran der undurchsichtige "Mystery Man" Mr. Gold - lösen sich Jakes Pläne zusehends im Chaos auf...


Es ist nicht wirklich nachvollziehbar, warum es ein intelligenter Film wie "Revolver" nicht in die deutschen Kinos geschafft hat und ihm erst im letzten Jahr endlich eine DVD-Veröffentlichung spendiert wurde, die sich aber vor allem in der mir vorliegenden Special Edition wirklich sehen lassen kann. Doch dieses Phänomen konnte man ja in den letzten Jahren öfter bewundern, denn auch eine intelligente und witzige Thriller/Komödie wie "Lucky#Slevin" schaffte nicht den Sprung in die deutschen Lichtspielhäuser. Das ist insbesondere erstaunlich, wenn man einmal bedenkt, welcher Müll teilweise in die Kinos kommt, doch Filme, die Innovation beinhalten und auch ein gewisses Maß an Anspruch besitzen, lediglich auf DVD erscheinen. Doch vielleicht hat man auch gerade Angst davor, das Filme bei denen man auch mitdenken sollte, nicht besonders gut beim Publikum ankommen.

Mitdenken sollte man bei "Revolver" auf jeden Fall, denn was hier im ersten Moment eventuell wie ein weiterer stinknormaler Gangsterfilm wirkt, entwickelt sich im Laufe der Zeit ein Filmerlebnis, in dem man mit philosophischen Sprüchen und auch mit psychologischen Elementen konfrontiert wird, die wirklich dafür sorgen könnten, das Leute, die lediglich seichte Filmkost erwarten, nichts mit diesem Werk anfangen können. Man sollte also von Beginn an wissen, auf was man sich bei diesem Film einlässt. Und wenn man das tut, dann präsentiert sich einem ein Filmerlebnis erster Klasse.

Wird die Geschichte am Beginn noch recht gradlinig erzählt, so entwickeln sich doch in ziemlich kurzer Zeit mehrere Neben-Erzählstränge, was auf den ersten Blick doch sehr verwirrend wirken kann, vor allem wenn man bedenkt, das viele Sequenzen erst durch im Nachhinein eingefügte Rückblenden erklärt werden und so erst richtig nachvollziehbar werden. Doch genau das ist eine der großen Stärken dieses Werkes, man wird ständig aufs Neue überrascht und immer, wenn man der Meinung ist, das nichts Überraschendes mehr kommen kann, sieht man sich wenig später eines Besseren belehrt. Sicher mag es jetzt Leute geben, die der Meinung sind, das man schon ziemlich früh erkennen kann, wer wirklich die Fäden in der Hand hält, doch muss ich gestehen, das ich ziemlich lange im Dunkeln getappt habe, bis sich mir alles restlos erschlossen hat.

Der absolute Höhepunkt des Filmes sind jedoch meiner Meinung nach die hervorragenden Darsteller, die durch die Bank einen mehr als überzeugenden Job abliefern. Dennoch sollte man die beiden Haupfiguren Jack Green (Jason Statham) und Macha (Ray Liotta) besonders erwähnen, denn ihr Schauspiel ist geradezu grandios. Liotta besticht hier einmal mehr durch seine erstklassige Mimik und zeigt hier sein sicher vorhandenes schauspielerisches Potential, was es mir persönlich sehr schwer macht nachzuvollziehen, warum er nie zu den ganz Großen seiner Branche gezählt hat. Doch auch Statham weiss absolut zu brillieren, auch wenn es im ersten Moment gewöhnungsbedürftig ist, das der Mann auch richtige Haare haben kann.

Und auch, wenn hier noch etliche andere Darsteller an der Geschichte beteiligt sind, so stellt sich doch im Laufe der Zeit ziemlich deutlich heraus, das der Focus der Geschichte fast ausschließlich auf Green und Macha liegt, wodurch alle anderen eher zu Statisten degradiert werden, was aber keineswegs eine Abqualifizierung darstellen soll, sondern in der Story selbst begründet liegt. Doch diese Tatsache offenbart sich einem erst im letzten Drittel des Films, jedenfalls habe ich es vorher nicht so gesehen, was sicherlich in den verschiedenen Wendungen begründet ist, die diese Geschichte ständig einschlägt.

Für mich jedenfalls stellt "Revolver" ein sehr aussergewöhnliches und intelligentes Filmerlebnis dar, bei dem die eigenen grauen Zellen ordentlich mitarbeiten müssen. Man sollte seine Aufmerksamkeit und die Konzentration nie schleifen lassen, denn sonst könnte es leicht passieren, das man den roten Faden verliert. Wer einen anspruchsvollen Gangsterfilm der etwas anderen Art sehen möchte, der auch noch mit erstklassigen Schauspielern besetzt ist, der sollte sich dieses Werk von regisseur Guy Ritchie auf keinen Fall entgehen lassen.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DTS 5.1, DD 5.1
Untertitek: Deutsch
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 103 Minuten
Extras: Disc 1: Audiokommentar von Guy Ritchie, Originaltrailer, Trailershow Disc 2: Entfernte und erweiterte Szenen kommentiert von GR, Making of-Musik, Videoclip, Das Konzept: Interview mit Guy Ritchie und James Herbert, Making of, Outtakes, Trailershow


8,5/10

Mittwoch, 13. Mai 2009

Albino Farm






Albino Farm
(Albino Farm)
mit Tammin Sursok, Chris Jericho, Richard Christy, Duane Whitaker, Sunkrish Bala, Nick Richey, Alicia Lagano, Kevin Spirtas, Christopher Michael White, Alex Neustaedter, Bianca Barnett, Paul Ford, Joe Koenig, James Koenig, Doris Rapp
Regie: Joe Anderson / Sean McEwen
Drehbuch: Joe Anderson / Sean McEwen
Kamera: Rene Jung
Musik: Scott Rockenfield
FSK 18
USA / 2009

Das Ozark-Gebirge, tief im Süden von Missouri: Vier Studenten reisen durch die weitläufige Landschaft, um einen Studienbericht über das ursprüngliche Amerika zu erarbeiten. Eine Autopanne zwingt sie zum Aufenthalt in der ländlichen Gegend, wo sie unter den sehr gottesfürchtigen Einwohnern verstärkt auf körperlich defomierte Menschen treffen. Eine alte Legende besagt, das es hier eine geheime Farm geben soll, in der missgebildete oder verkrüppelte Menschen Zuflucht vor den "Normalen" gesucht haben. Durch genetische Inzucht haben die Nachfahren der Bewohner jegliche Menschlichkeit verloren und leben als kannibalistische Mutanten unter der Erde. Als die Studenten das Gebiet der "Albino Farm" betreten, ahnen sie noch nicht, das sie schon längst als "Studentenfutter" auserkoren sind. Eine mörderische Jagd beginnt...


Mittlerweile ist es ja schon Standard, das Filme, in denen Hinterwäldler oder Mutanten mitspielen, nicht gerade viel Innovation in das Horror-Genre einbringen, einige Dinge werden geringfügig geändert, aber im Prinzip hat man fast immer den gleichen Story-Ablauf. Auch "Albino Farm" macht da ganz sicher keine Ausnahme, jedoch sollte man anerkennen, das hier Altbewährtes ganz hervorragend in Szene gesetzt wurde und dem Zuschauer ein absolut kurzweiliges Filmvergnügen bietet.

Besonders sollte man hier den Spannungsaufbau erwähnen, der in meinen Augen absolut gelungen ist. Nachdem die erzählte Geschichte ziemlich unbefangen und teilweise witzig beginnt, so wird hier sehr gekonnt die Spannungsschraube immer ein wenig fester gezogen, bis man es kaum noch aushalten kann. man fiebert mit den Studenten mit, versucht sich in ihre Situation hineinzuversetzen. Bei diesem Versuch läuft einem so manch kalter Schauer über den Rücken und man ist doch sehr froh, das man das Treiben lediglich auf dem Bildschirm verfolgt und nicht selbst daran beteiligt ist.

Nachdem man zu Beginn des Films das Geschehen doch relativ entspannt verfolgen kann, so ändert sich das mit der Zeit grundlegend. Es entwickelt sich eine äusserst dichte Stimmung die vor allem in den Passagen, die in der Nacht spielen, sehr bedrohliche und unheilvolle Ausmaße annimmt, die sich logischerweise auch auf das eigene Sehverhalten auswirken. Die Anspannung nimmt minütlich zu und bis zum Ende von "Albino Farm" nicht mehr ab.

Der existierende Härtegrad ist meiner Meinung nach genau richtig gewählt, er hält sich zwar in einem überschaubaren und angemessenem Rahmen, aber die vorhandenen härteren Szenen sind meist schon etwas derberer Natur. In dieser Beziehung haben die Macher des Films genau das richtige Mittelmaß gefunden, denn zuviel Härte hätte dem Film auch nicht gut zu Gesicht gestanden.

Die Schauspieler machen einen guten Job, das hat man in dieser Filmgattung auch schon weitaus schlechter gesehen. Man darf hier allerdings auch keine Wunderdinge erwarten und auch einige unlogische und nicht nachvollziehbare Handlungsweisen sind hier vorhanden, aber das ist ja auch bei diesen Filmen üblich. Und wenn ich ganz ehrlich bin, würde mir auch etwas fehlen, wenn alle sich immer logisch verhalten.

Insgesamt gesehen bietet "Albino Farm" nicht unbedingt etwas Neues, aber das Geschehen ist sehr gut verpackt worden und beinhaltet sämtliche Zutaten, die ein guter und vor allem spannender Backwood / Slasher benötigt, um die Fans des Genres zufriedenzustellen. Man sollte sich den Film auf jeden Fall ansehen, denn der Unterhaltungsfaktor ist sehr hoch.


Die DVD:

Vertrieb: Sunfilm
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1:1,85 (16:9)
Laufzeit: 84 Minuten


7,5/10

Sonntag, 10. Mai 2009

Ein Kind zu töten






Ein Kind zu töten
(Quien puede matar a un nino?)
mit Lewis Fiander, Prunella Ransone, Maria Luisa Arias, Miguel Narros, Marisa Porcel, Antonio Ranzo, Marian Salgado, Cristina Torres
Regie: Narciso Ibanez Serrador
Drehbuch: Juan Jose Plans / Narciso Ibanez Serrador
Kamera: Jose Luis Alcaine
Musik: Waldo de los Rios
Keine Jugendfreigabe
Spanien / 1976

Ein kleines spanisches Küstenstädtchen im Sommer: Aus dem Reisebus steigen Tom und seine hochschwangere Frau Evelyn, die vor der Geburt ihres Kindes noch ein paar ruhige Tage am Meer verbringen wollen. Ziel ihrer Reise ist ein kleines Fischerdorf auf der abgelegenen Insel Almanzora - vier Stunden entfernt vom geschäftigen Trubel des Festlands. Als beide im kleinen Hafen anlegen, werden sie von einer Gruppe spielender Kinder empfangen. Alles scheint friedlich. Doch als sie durch die Gassen des kleinen Dörfchens schlendern, kommt es ihnen seltsam ruhig und verlassen vor. Kein Erwachsener ist zu sehen. Offenbar sind alle auf einem Fest am anderen Ende der Insel. Dann wird Tom Zeuge eines unfassbaren Vorfalls. Irgendetwas stimmt nicht mit den Kindern.


"Ein Kind zu töten"


Allein dieser Titel des Films löst in jedem normalen Erwachsenen eine wohl nicht zu überschreitende Hemmschwelle aus, denn zu abwegig wirkt doch die Vorstellung, diesen Satz auch in die Tat umzusetzen. Und genau mit der gegensätzlichen Seite beginnt dieser Film, denn in den ersten Minuten wird der Zuschauer mit Filmmaterial aus diversen Kriegen überhäuft, in dem hauptsächlich tote oder schwer entstellte Kinder zu sehen sind, die vollkommen unschuldig zu Opfern der Erwachsenen wurden, die diese Kriege geführt haben. Manch einem mögen diese ersten Minuten zunächst etwas befremdlich vorkommen, doch ergeben sie im Laufe des Films einen immer tieferen Sinn, der sich einem vielleicht nicht auf den ersten Blick erschließt.

"Ein Kind zu töten" ist kein Film, der reisserische SFX oder übergroße ins Bild gesetzte Härte und Brutalität zeigt, obwohl es auch einige härtere Szenen gibt. Die Härte geht hier von der Thematik des Films und ihrer nahezu brillanten Umsetzung aus. Schon während man den Film sieht, entwickelt sich eine kaum für möglich gehaltene Brutalität im Kopf des Betrachters, das Gesehene ist wie ein Keulenschlag in die Eingeweide. Fassungslos und verstört verfolgt man das Geschehen auf dem Bildschirm, das einem kaum Zeit lässt, um es erst einmal sacken zu lassen. das, was einem hier präsentiert wird, ist so harter Tobak, das man erst nach Filmende die Zeit findet, das Gesehene in Ruhe Revue passieren zu lassen.

Doch selbst das ist fast unmöglich, da dieses Werk extrem stark nachwirkt, manmerkt erst jetzt richtig, wie schwer es ist, das Gesehene zu verarbeiten, denn es sollte doch immer noch ein tabu-Thema sein, "Ein Kind zu töten". Regisseur Narciso Ibanez Serrador ist es hier meisterhaft gelungen, zwiespältige Gefühle im Zuschauer wachzurufen, in dem er die behandelte thematik sehr gegensätzlich darstellt. Einerseits sieht man die lächelnden Kinder, die so lieb und friedlich wirken, auf der anderen Seite wird man auch mit dem konfrontiert, was sie auf der Insel getan haben. Der Grund für ihre Taten, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte, um keinem die Spannung zu nehmen, bleibt vollkommen im dunkeln und lässt Spielraum für eigene Interpretationen.

Und genau das macht die ganze Sache noch viel schockierender und den Film umso intensiver, denn das hier Gezeigte geht so dermaßen unter die Haut, das man teilweise nach Luft ringen muss, weil einem der Atem stockt. Die Geschichte, die hier in Szene gesetzt wurde, packt einen so intensiv, das man phasenweise gar nicht das Gefühl hat, einen Film zu sehen, sondern selbst ein Teil der Geschehnisse zu sein, die sich vor den eigenen Augen abspielen. Es ist erschreckend, sich in dieser Vorstellung wiederzufinden, denn man stellt sich fast zwangsläufig die Frage, wie man selbst als Erwachsener handeln würde, wenn man sich in der Situation des jungen Paares befinden würde. Und die Antwort auf diese Frage ist glaube ich gar nicht so leicht zu geben.

Auch wenn man zu keiner Zeit den Grund für die Taten der Kinder präsentiert bekommt, was ich übrigens perfekt finde, so kann man doch gerade wenn man die ersten Minuten des Films mit heranzieht, doch eine recht simple Interpretation finden, die dann sogar recht logisch und nachvollziehbar erscheint. Doch das soll natürlich jeder für sich selbst interpretieren und wahrscheinlich werden viele zu unterschiedlichen Meinungen kommen.

Besonders hervorheben möchte ich noch das Ende des Films, das in meinen Augen der absolute Hammer ist. War der ganze Film schon bisher sehr verstörend und hat eine extrem beklemmende Stimmung verbreitet, so hauen die letzten Minuten noch einmal so richtig in die Magengegend und lassen einen richtiggehend erschauern. Das, was man zu sehen bekommt, ist so unfassbar, passt aber perfekt in das brillante Gesamtbild dieses genialen Filmes. "Ein Kind zu töten" schafft es, das man Erwachsene wie auch Kinder mit ganz anderen Augen sieht. Und der Titel des Films ist leider in der heutigen Zeit kein Tabu-Thema mehr, denn gerade wie die letzten Jahre vermehrt gezeigt haben, fällt es manchen Erwachsenen gar nicht mehr so schwer, "Ein Kind zu töten".



9,5/10

Donnerstag, 7. Mai 2009

Jasper Park - Ausflug in den Tod






Jasper Park - Ausflug in den Tod
(Backwoods)
mit Jonathan Chase, Haylie Duff, Roshawn Franklin, Willow Geer, Verne Graham, John Hemphill, Eric Larkin, Mick Lea, Ryan Merriman, Mimi Michaels, Robert Allen Mukes, Danny Nucci, Nygell, David Reiner, Mark Rolston, Tony Swift, Craig Zimmerman
Regie: Marty Weiss
Drehbuch: Keine Information
Kamera: James W. Wrenn
Musik: Keine Information
FSK 18
USA / 2008

Der Videogame-Produzent Johnny Dash schickt seine Angestellten in den jasper Park, die sich dort einen Paintball-Kampf liefern sollen, um so mehr Gespür für Taktik zu bekommen. Als Belohnung winkt der siegreichen Gruppe ein Bonus. Doch es wird keine Gewinner geben, sondern nur Verlierer. Die Angestellten sind hier nämlich nicht allein, sondern befinden sich in einem ehemaligen Militägebiet, in dem sich auch eine religiös-fanatische Hinterwäldlerfamilie niedergelassen hat, die es besonders auf die weiblichen Angestellten abgesehen hat, denn diese sollen dazu dienen, das die Familie um einige Mitglieder in Form von Babys vergrößert wird. Ein wilder Überlebenskampf beginnt...


Mit "Backwoods" oder "Jasper Park", wie der deutsche Titel des Filmes lautet, hat Regisseur Marty Weiss einen sehr soliden Backwood / Slasher geschaffen, der zwar nicht gerade innovativ ist, jedoch ein insgesamt sehr gutes Gesamtpaket darstellt. Die Story beinhaltet zwar keine erwähnenswerten Neuerungen, die hier behandelte Thematik hat man so oder in leicht abgeänderter Form schon mehrmals gesehen, jedoch kann man die Umsetzung des geschehens als durchaus gelungen bezeichnen.

Ist die erste Hälfte des Films noch eher ruhig und beschaulich, so nimmt das Geschehen nach ca. 40 Minuten doch erheblich und urplötzlich ganz gehörig an Fahrt und Tempo auf. Vorbei ist es auf einmal mit den kleinen Sticheleien und Angebereien der Angestellten untereinander, es ist keinerlei Platz mehr für Späße vorhanden. Die Grundstimmung schlägt vollkommen um, aus Unbefangenheit wird tödlicher Ernst. Angst und Panik verbreitet sich rasend schnell, wird den Beteiligten doch erschreckend klar, das es hier um nicht weniger als ihr Leben geht.

Auf sadistische Art und Weise werden sie von den Hinterwäldlern gepeinigt und gequält und anscheinend gibt es kein Entkommen aus dieser schier aussichtslosen Situation. Das sich abspielende Szenario ist hier sehr spannend und bedrohlich in Szene gesetzt worden, was auch dafür sorgt, das sich das Sehverhalten des Zuschauers grundlegend ändert. Hat man zu Beginn noch vollkommen entspannt vor dem Bildschirm gesessen, so nimmt die Anspannung nun von Minute zu Minute zu und man leidet mit den Gefangenen mit. Wenn man versucht, sich in ihre Lage zu versetzen, dann kann einem das schon die Luft zum atmen nehmen und sorgt automatisch für so manche Gänsehaut.

Auch die Darsteller machen hier durch die Bank einen guten Job, oscarreife Leistungen gibt es zwar nicht zu entdecken, doch für einen Film dieser Art sind die gezeigten Leistungen durchaus respektabel. Die religiöse Sippe wirkt autenthisch und glaubwürdig und die "Opfer" bringen dem Zuschauer die in ihrer Lage entstehenden Gefühle glaubhaft näher. Vor allem in der zweiten Filmhälfte legt "Jasper Park" auch in Sachen Härte einige Schippen drauf, es gibt einige sehenswerte Szenen zu begutachten, die auch Fans der etwas härteren Welle zufriedenstellen dürften.

Letztendlich bekommt man hier einen wirklich soliden und guten Backwood / Slasher serviert, den man auf jeden Fall gesehen haben sollte. Denn auch, wenn die Thematik nicht neu ist, so kann dieses Gesamtpaket absolut überzeugen und bietet sehr kurzweilige und spannende Unterhaltung.


Vorraussichtliche DVD-Daten:

Vertrieb: Sunfilm
Sprache / Ton: Deutsch DTS & DD 5.1 / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1:1,85
Laufzeit: 85 Minuten


7/10

Sonntag, 3. Mai 2009

Splinter






Splinter
(Splinter)
mit Shea Whigham, Paulo Costanzo, Jill Wagner, Rachel Kerbs, Charles Baker, Laurel Whitssett
Regie: Toby Wilkins
Drehbuch: Kai Barry / Ian Shorr
Kamera: Nelson Cragg
Musik: Elia Cmiral
FSK 16
USA / 2008

Zum Leben braucht es Fleisch und Blut - viel Blut. Jetzt ist es dort angekommen, wo auch die Menschen sind. Der alptraumhafte Überlebenskampf gegen eine unfassbare Kreatur beginnt! Nicht nur, dass sie aus ihren Opfern eine stachelige Masse aus aufgerissenem Fleisch und zerfetzten Eingeweiden macht, sie unterwirft die Toten wie ferngesteuerte Zombies ihrem Willen. Selbst abgetrennte Körperteile legen eine schaurige Beweglichkeit und Mordlust an den Tag. Die Ausgeburt der Hölle scheint unverletzlich und unbesiegbar zu sein.


Parasiten-Horror als Thematik für einen Film ist ja bekanntlich nicht gerade neu, doch was Regisseur Toby Wilkins hier mit seinem Langfilmdebut hingelegt hat, kann man als durchaus originell bewerten. Der hier auftretende und sehr stachelige Parasit ist richtig fies und an Boshaftigkeit nur schwerlich zu überbiten. Ein einziger kleiner Stich genügt, um sich mit der Zeit im Wirtskörper eines Menschen zu entfalten und über diesen Herr zu werden.

Meiner Meinung nach ist "Splinter" vollkommen zu recht auf diversen Film-Festivals ausgezeichnet worden, denn der Film versteht es durchgehend bestens und extrem spannend zu unterhalten. Da dieses Werk eine 16er Freigabe erhalten hat, war ich doch sichtlich überrascht, das doch einige ziemlich harte Szenen vorhanden sind und das es hier wirklich teilweise sehr blutig zur Sache geht. Es gibt wohl nicht viele Filme mit dieser Freigabe, die "Splinter" in dieser Beziehung das Wasser reichen können.

Doch die Härte ist gar nicht einmal das Wichtigste, vielmehr überzeugt der Film durch sehr viel Spannung und eine ausgezeichnete, sehr bedrohliche Grundstimmung, die sich durch die Tatsache, das sich fast die ganze Szenerie in einer kleinen, abgelegenen Tankstelle abspielt zusätzlich verdichtet. Es entfaltet sich ein klaustrophobisch anmutendes Gefühl, denn die Protagonisten scheinen dem Parasiten auf diesem kleinen und engen Raum scheinbar hilflos ausgeliefert zu sein und auch sämtliche Versuche zu entkommen scheinen aussichtslos zu sein.

Eine weitere große Stärke sind hier die geschickt eingefügten Überraschungs-und Schockmomente, die dafür sorgen, das man als Betrachter doch so manches Mal ganz heftig zusammenzuckt und das kann während des Films auch öfter passieren. Es handelt sich hier also um eine wirklich gelungene Produktion, die genau die richtige Mischung enthält, um den Horror-Fan ganzzeitig bestens und sehr kurzweilig zu unterhalten.

Besonders bemerkenswert finde ich noch die Tatsache, das hier eigentlich eher unbekannte Darsteller am Werk waren, die aber durch die Bank sehr überzeugende Leistungen dargebracht haben, was ja in vielen anderen Filmen des Horror-Genres nicht immer unbedingt der Fall ist. "Splinter" ist auf jeden Fall ein frischer und sehr origineller Horrorfilm, den sich kein Fan entgehen lassen sollte. Und Toby Wilkins ist vielleicht auch ein Name, den man sich für die Zukunft merken sollte.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch DTS 5.1, DD 5.1 / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Bild: 1.78:1 (16:9)
Laufzeit: 79 Minuten
Extras: Die Splinter-Kreatur, Die Konstruktion der Tankstelle, Wie macht man einen Splinter-Kürbis?, Der zaubermeister, Digitaler Dreh, Das Wetter in Oklahoma, Toby Wilkins über "Splinter", Die Entwürfe der Kreatur, Originaltrailer


8/10