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Donnerstag, 18. Februar 2010

Blood River






Blood River
(Blood River)
mit Andrew Howard, Tess Panzer, Ian Duncan, Sarah Essex
Regie: Adam Mason
Drehbuch: Simon Boyes / Adam Mason
Kamera: Stuart Bereton
Musik: Keine Information
Keine Jugendfreigabe
USA / 2009

Irgendwo im Nirgendwo - mitten in der Wüste. Ausgerechnet hier hat das frisch vermählte Ehepaar Summer und Clark einen Autounfall. Sie machen sich auf den Weg zur nächsten Siedlung, die Hitze ist schier unerträglich. Als sie, mit ihren Kräften am Ende, dort ankommen, müssen sie feststellen, dass es eine Geisterstadt ist. Verzweifelt suchen sie nach Wasser, die Sonne brennt erbarmungslos herunter. Auf einmal taucht Joseph auf: Er scheint ihre Rettung zu sein. Nach und nach merken die beiden jedoch, dass Joseph ein dunkles, schreckliches Geheimnis hat... Sie wollen vor ihm flüchten, doch er hat nicht vor, sie wieder gehen zu lassen...


Irgendwo im Nirgendwo



Treffender kann man das hier stattfindende Geschehen kaum bezeichnen, spielt sich die Szenerie doch irgendwo in der Wüste Arizonas ab, weitab jeglicher Zivilisation. Und genau hier entwickelt sich ein kammerspielartiger Thriller, der vor allem in atmosphärischer Hinsicht vollkommen zu überzeugen weiss. Regisseur Adam Mason (Broken - Keiner kann dich retten) ist es wieder einmal gelungen, mit nahezu minimalistischen Mitteln sehr viel aus einer Geschichte rauszuholen, in der lediglich drei Personen mitwirken. Im Prinzip handelt es sich anscheinend um den handelsüblichen 08/15 Einheitsbrei, in dem zwei unbescholtene Menschen auf einen Psychophaten treffen, doch diese Annahme stellt sich im Verlauf der Geschichte als vollkommen falsch heraus, da der Film im letzten Drittel eine doch ziemlich überraschende Wendung nimmt, die dem Ganzen sehr gut zu Gesicht steht.

"Blood River" ist ein Film, der keineswegs durch visuelle Härte glänzt, sondern vielmehr ein atmosphärisch ungeheuer dichter Thriller, dem einige ganz zarte Horror-Elemente beigemischt wurden, die allerdings nicht unbedingt im Vordergrund stehen. Es ist die Beziehung, die sich zwischen den drei Charakteren entwickelt, von denen der des Joseph ganz eindeutig der interessanteste ist und dem Geschehen auch seinen Stempel aufdrückt, was mit zunehmender Laufzeit immer stärker zum Ausdruck kommt. Von seiner Person geht eigentlich von Anfang an etwas sehr mysteriöses und geheimnisvolles aus, das man sich zu Beginn noch nicht so ganz erklären kann. So vermutet man in ihm schon fast zwangsläufig den psychophatischen Serienkiller, der in einem so angelegten Szenario eigentlich nicht fehlen darf und ist zum Ende hin dann umso überraschter, wenn man die wahre "Identität" seiner Person erkennt.

Bis man jedoch die wahren Hintergründe des Ganzen präsentiert bekommt, hat man es mit einer Story zu tun, die nicht unbedingt ereignisreich erscheint, aber dabei zu keiner Zeit auch nur annähernd langweilig wäre. Sie lebt hauptsächlich von der schier aussichtslosen lage, in der sich die Protagonisten befinden und aus der es anscheinend keinen Ausweg gibt. Dabei entfaltet sich eine ungeheuer beklemmende Atmosphäre, die man kaum in Worte fassen kann und auch als Zuschauer fühlt man sich nicht unbedingt sehr wohl in seiner Haut. Gerade bei dem Versuch, sich in die Lage der Hauptpersonen hineinzuversetzen, steigt in einem selbst ein panikartiges Gefühl auf, dessen man sich kaum erwehren kann. Denn um nichts in der Welt will man jemals selbst in eine solch gelagerte Situation kommen, die einfach nur trostllos und ohne jede Chance auf Rettung erscheint. Ist es doch insbesondere die schier unendliche Weite der Wüste, die ein Gefühl der Trostlosigkeit entstehen lässt, hinzu kommt die verlassene Geisterstadt "Blood River", die mitten im Nirgendwo liegt und die nicht ohne Grund als Geisterstad bezeichnet werden kann. Diese gewählten Schauplätze sind für den Film nahezu perfekt ausgewählt worden und verfehlen auch keinesfalls ihre extrem intensive Wirkung auf den Zuschauer.

Doch diese Wirkung geht längst nicht nur von den Schauplätzen aus, vielmehr ist es das perfekte Gesamtbild, das hier seine volle Intensität entwickelt, die sich schon zwangsläufig auf den Betrachter überträgt. Man erliegt der Faszination, die allgegenwärtig ist und mit den minimalistischsten Mitteln erzeugt wird. Hinzu kommt das wirklich sehr authentische und äusserst glaubwürdige Schauspiel der Darsteller, bei denen vor allem Andrew Howard in der Rolle des Joseph heraussticht. Die unheimliche Präsenz, die von ihm ausgeht ist es allein schon wert, sich dieses Werk anzuschauen, denn zu Anfang wird man aus diesem Charakter einfach nicht schlau. Neben den Hinweisen, die auf einen psychophatischen Killer hindeuten, wirkt er phasenweise auch richtig symphatisch und gütig, um im nächsten Moment aber wieder eine unnachgiebige Härte an den Tag zu legen. Die Darstellung dieser Gefühlspalette wird dabei äusserst gut umgesetzt, so das man von dieser Figur fast magisch angezogen wird.

Im letzten Drittel des Films gibt es dann auch einige kleine Passagen zu sehen, die etwas blutiger geraten sind, ohne das jedoch ein Härtegrad entstehen würde, den man als hoch bezeichnen könnte. Man sollte aber auch anmerken, das "Blood River" keinerlei Härte benötigt, da der Film an sich vollkommen überzeugend daherkommt und jederzeit spannende und sehr interessante Unterhaltung bietet. Hierzu trägt auch das gewählte Ende bei, das manche Leute eventuell als etwas unbefriedigend ansehen könnten, da genügend Spielraum für eigene Interpretationen gelassen wird, was mir persönlich sehr gut gefallen hat, da so ein nachhaltiger Eindruck im Gedächtnis des Zuschauers hinterlassen wird.


Fazit:

"Blood River" ist ein Paradebeispiel dafür, wie man mit verhältnismäßig bescheidenen Mitteln ein hohes Maß an Spannung und Intensität erzeugen kann. Eine interessante Geschichte, die eine Wendung an den Tag legt, die man wirklich nicht vorhersehen konnte und ausgezeichnete Darsteller, die ausdrucksstark und authentisch agieren, ergeben ein in allen Belangen ein überdurchschnittlich gutes Gesamtwerk, das man sich keinesfalls entgehen lassen sollte.


8/10

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