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Samstag, 6. Februar 2010

Invasion der Zombies






Das Leichenhaus der lebenden Toten
(Non si deve profanara il sonno dei morti)
mit Cristina Galbo, Ray Lovelock, Arthur Kennedy, Aldo Massasso, Giorgio Trestini, Roberto Posse, Jose Lifante, Jeannine Mestre, Gengher Gatti, Fernando Hilbeck, Vera Drudi, Vicente Vega, Francisco Sanz, Paul Benson, Anita Colby
Regie: Jorge Grau
Drehbuch: Sandro Continenza / Marcello Coscia
Kamera: Francisco Sempere
Musik: Giuliano Sorgini
Ungeprüft
Spanien / Italien / 1974

George ist ein Londoner Kunsthändler und will das Wochenende in seinem neuen Sommerhaus in Windemere verbringen. Auf dem Weg dorthin demoliert eine junge Frau namens Edna an einer Tankstelle sein Motorrad. Da die Reparatur einige Tage in Anspruch nimmt, fährt George in Edna´s kleinem Wagen mit und prompt verfahren sich die beiden. Sie wollen einen Bauern nach dem Weg fragen. Er spricht gerade mit zwei Männern vom Landwirtschaftsministerium, die mit dem Bauern zusammen eine neue Art von Schädlingsbekämpfung ausprobieren, wobei man mit Ultraschall auf das Nervensystem der Viecher einwirken will. Während die vier Männer sich unterhalten, wird Edna von einem Mann belästigt. Als die Vier wiederkommen, ist er weg, doch man sagt ihr, daß sei Guthrie gewesen, ein verrückter Penner, doch eigentlich sei er letzte Woche ertrunken. Edna und George lassen diese verstörende Situation hinter sich und fahren zu der Schwester, die in der Nähe wohnt, die sich gerade heftig mit ihrem Mann Martin streitet wegen ihres Heroin-Konsums. Da kommt plötzlich der zombieartige Guthry, tötet Martin und verschwindet wieder. Die Polizei vermutet, daß Katie ihn getötet hat, der Sergeant mag auch den langhaarigen George nicht. Katie kommt ins Krankenhaus und hier werden gerade sehr seltsame Fälle von verrückten Babys beobachtet. George erzählt von den Ultraschall-Experimenten, welche die Insekten verrückt werden läßt, so daß sie sich gegenseitig ausrotten. Der Doktor vermutet, daß diese Schallwellen auch auf das Nervensystem der Babys wirkt. Einige Zeit darauf kommen die Zombies, die Toten steigen aus den Gräbern, weil die Schallwellen ihr Nervensystem beeinflußen...


Nun endlich, nach so vielen Jahren, konnte ich endlich eine große Wissenslücke schließen, denn diesen europäischen Zombie-Klassiker hatte ich bisher noch nicht gesehen. Nach Sichtung von Jorge Grau's Werk weiss ich nun endlich, was für ein toller Film mir bis jetzt durch die Lappen gegangen ist. Nun sollte man diesen Film nicht unbedingt mit den ersten beiden Dead-Teilen von Romero vergleichen, zwischen denen dieser Klassiker erschien, denn die Machart ist schon ziemlich unterschiedlich, jedoch braucht sich "Invasion der Zombies" rein qualitätsmäßig keineswegs hinter den besten Filmen des Sub-Genres zu verstecken. Das liegt insbesondere an der wirklich erstklassigen Geschichte, die hier erzählt wird und auch richtig gut durchdacht erscheint. Von Beginn an wird man dabei von der äusserst gelungenen Atmosphäre ergriffen, die sich im Laufe der Zeit zusehends verdichtet und extrem bedrohliche Ausmaße annimmt.

Nun ist der hier vorhandene Härtegrad sicherlich nicht mit den Romerowerken zu vergleichen, obwohl das Geschehen teilweise recht blutig geraten ist, doch anders als bei den amerikanischen Zombiefilmen ist hier das Hauptaugenmerk nicht unbedingt auf die Splatter-und Gore Szenen gelegt worden, sondern vielmehr auf die sehr interessante geschichte, die erzählt wird. Dennoch werden ganz sicher auch die Freunde der etwas härteren gangart durchaus auf ihre Kosten kommen, aber bestimmt nicht in dem Ausmaß, das man von vielen anderen Genre-Vertretern gewohnt ist. Das ist allerdings auch gar nicht weiter störend, oder gar als negativ zu bewerten, denn ich habe nur ganz wenige andere Zombiefilme gesehen, die derart stimmig sind und ein insgesamt nahezu perfektes Gesamtbild abgeben. Hier wird nicht absolut sinnlos rumgemetzelt, wie man es insbesondere aus vielen Filmen der heutigen Zeit her kennt, denn die härteren Passagen wurden wohlbedacht an den genau richtigen Stellen eingesetzt. So bekommt man als Zuschauer einen wirklich niveauvollen Genre-Beitrag präsentiert, der keine der handelsüblichen und teils vollkommen sinnbefreiten Schlachtfeste darstellt, die heutzutage gerade die jüngere Generation so begeistern.

Regisseur Jorge Grau hat sehr darauf geachtet, das seine Inszenierung auch Qualität und Niveau beinhaltet, was vielen bei einem Zombiefilm eventuell etwas befremdlich vorkommen mag. Aber auch bei diesen Filmen gibt es ganz gewaltige Unterschiede, die sich hier besonders bemerkbar machen. Die Grundidee der Geschichte war dabei gerade zur damaligen Zeit sicherlich als sehr innovativ anzusehen und stellt in meinen Augen etwas ganz Besonderes dar, das ganze Szenario ist vollkommen logisch nachvollziehbar und lässt keinerlei Fragen offen. Hierzu tragen auch die erstklassigen Darsteller ihren Teil bei, denn jeder Einzelne besticht durch ausdrucksstarkes und sehr glaubwürdiges Schauspiel. Hierbei hat mir ganz besonders die Darstellung der ermittelnden Polizisten gefallen, denn durch das intelligent dargestellte Geschehen ist es absolut nachvollziehbar, das sie die Geschichte von den auferstandenen Toten nicht glauben, da sie keinen einzigen von ihnen zu Gesicht bekommen. Und wenn dem doch so ist, müssen es die dementsprechenden Personen mit ihrem Leben bezahlen. Das führt fast schon zwangsläufig dazu, das die Morde George und Edna angehängt werden, da die beiden sich immer an den Schauplätzen der Morde befunden haben.

Da wir schon beim Thema Intelligenz sind, kann man das hier auch durchaus auf die lebenden Toten anwenden, denn ihre Darstellung empfand ich als nahezu grandios. Erst einmal hat mir das Aussehen sehr zugesagt, denn bis auf eventuelle Wunden im Gesicht und rot unterlaufene Augen erwecken sie im Prinzip gar nicht unbedingt den Eindruck, das es sich bei ihnen um wiederauferstandene Tote handelt. Es gibt keine bläulichen Romero-Zombies und auch nicht die teilweise vollkommen entstellte Zombie-Version von Lucio Fulci. Und dennoch geht von ihnen ein sehr hohes Maß an Bedrohlichkeit aus, was meiner Meinung nach daran liegt, das sie ganz einfach viel menschlicher wirken. Auch ihre Handlungsweisen deuten auf ein noch vorhandenes Maß an Intelligenz hin, denn ihre Handlungen wirken teils sehr durchdacht, was ich persönlich auf die Tatsache beziehe, das es sich hier fast ausschließlich erst kürzlich Verstorbene handelt. So bekommt Jorge Grau's Werk in meinen Augen noch einmal zusätzlich eine enorm innovative Note verliehen, die man wirklich in nur ganz wenigen Zombiefilmen beobachten kann.

So kann man letztendlich zu der Erkenntnis kommen, das "Invasion der Zombies" wirklich zu den ganz großen und qualitativ hochwertigen Vertretern des Sub-Genres zählt. Und auch wenn der Film vielleicht nicht den Bekanntheitsgrad der Romero-oder Fulci Filme hat, so braucht er hinter diesen keineswegs zurückzustehen. Diese Perle des Zombiefilms muss man einfach kennen und sollte sich auch nicht daran stören, das es eventuell nicht ganz so hart zur Sache geht, wie man es aus anderen Vertretern kennt, denn dafür wird man mit einer faszinierenden und sehr gut durchdachten Story belohnt, die jederzeit spannend und interessant ist und keinerlei langatmige Passagen beinhaltet.


Fazit:


Meiner Meinung nach zählt "Invasion der Zombies" ganz eindeutig zu den besten Zombiefilmen, die je gedreht wurden. Hier verbindet sich ein angemessener Härtegrad mit einer excellenten und innovativen Geschichte, die durch die Bank mit hervorragenden Darstellern besetzt ist und mit einem schon als sarkastischen zu nennenden Finale aufwarten kann, das aber auch gleichzeitig das einzig logische sein konnte. Ein Film, der nicht nur Nostalgikern wärmstens zu empfehlen ist, auch jüngere Freunde dieser Filmart sollten einmal einen Blick riskieren, und sei es lediglich aus dem Grund, einmal einen richtig gelungenen Genre-Vertreter zu Gesicht zu bekommen.



9,5/10

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