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Donnerstag, 27. Mai 2010

Colin - Die Reise des Zombie






Colin - Die Reise des Zombie
(Colin)
mit Alastair Kirton, Daisy Aitkins, Kate Aldeman, Leanne Pammen, Tat Whalley, Kerry Owen, Leigh Crocombe, Justin Mitchell-Davey, Dan Weekes, Dominic Burgess, Rami Hilmi, Simba Ngei, Clare-Louise English, Mari-Claire Turley, Sarah Strong
Regie: Mark Price
Drehbuch: Mark Price
Kamera: Keine Information
Musik: Jack Elphick / Dan Weekes
Keine Jugendfreigabe
Großbritannien / 2008

Colin (Alastair Kirton) wird von einem Zombie angefallen. Er überlebt die Attacke und mutiert nun zusehends selbst zum Zombie. Eine urbane Odyssee beginnt, Colin ist auf der Suche nach Nahrung. COLIN ist mehr eine Versinnbildlichung des menschlichen Charakters als ein typischer Zombie-Splatter. Der Regisseur arbeitet nahezu ausschließlich mit Sound und visuellen Effekten. Anfangs ist Colin noch von moralischen Grundsätzen geplagt, doch mit fortschreitendem Zombie-Sein wird auch das weniger.


Man muss diesem Low Budget Werk von Regisseur Mark Price schon einen gewissen Respekt zollen, denn dafür, das der Film angeblich nur 50 Pfund gekostet haben soll, bekommt man eine ganze Menge geboten. Allein schon die sehr innovative Idee, das Geschehen aus der Sicht eines Zombies zu erzählen, kann man als äusserst gelungen bezeichnen. Ist es doch einmal eine sehr willkommene Abwechslung, das der Überlebenskampf der Menschen eher im Hintergrund steht und alle Ereignisse aus der Sicht von Colin gezeigt werden. So wird der Zuschauer auch von der ersten Minute an sofort ins kalte Wasser geschmissen, denn ohne jegliche Einführung ist man mit der Zombie-Seuche konfrontiert, die in Großbritannien ausgebrochen ist, ohne das man auch nur den Ansatz einer Erklärung erhält, wie und wann diese überhaupt ausgebrochen ist. Das mag für viele Leute eventuell etwas unbefriedigend erscheinen, verleiht der Geschichte aber von Anfang an ein hohes Maß an Intensität und schafft sofort eine extrem beklemmend und äusserst bedrohliche Atmosphäre, die auch in keiner einzigen Phase des Films an Intensität verliert.

So wird auch Colin gleich zu Beginn gebissen, allerdings erfährt man am Ende der Story, das hier nicht der Grund für die Infizierung zu suchen ist, sondern das diese schon früher entstanden ist. Die letzten Minuten sind nämlich ein Rückblick und zeigen die Passagen, in denen Colin mit dem Virus in Berührung kommt und wer für seine Verwandlung in einen Zombie wirklich verantwortlich zeichnet. Bis dahin jedoch ist es für Colin ein weiter Weg, der ziemlich beeindruckend in Szene gesetzt wurde, man wird mit äusserst harten Straßenschlachten zwischen Mensch und Zombie konfrontiert, die stellenweise auch sehr blutig daherkommen. Das Einzige, was mir hier nicht so besonders gefallen hat, sind die teils extrem hektischen Bildschnitte und die Wackel-Optik, da man durch diese Drehweise des Geschehens einige Szenen nicht zu 100 % verfolgen kann, da alles viel zu schnell geschieht.

Beeindruckend ist hingegen die Tatsache, das bis auf wenige Ausnahmen auf Dialoge verzichtet wird und Mark Price lediglich mit einer sehr bedrohlichen Sound-Untermalung arbeitet, die den jeweiligen Passagen perfekt angepasst ist und die Bedrohlichkeit der Situation noch einmal zusätzlich hervorhebt. Durch die fehlenden Dialoge kommt es allerdings auch zu einigen Sequenzen, die etwas langatmig erscheinen können und für so manchen Zuschauer ein Manko darstellen könnten, da gewisse Teile der Geschichte doch ziemlich zähflüssig erscheinen und so eine gewisse Beeinträchtigung des Seh-Vergnügens darstellen könnten. Nun sollte man allerdings die messlatte für diesen Film nicht zu hoch legen, den gerade unter der Berücksichtigung des Budgets, wenn man dies überhaupt so nennen kann, ist hier ein erstklassiger Zombiefilm entstanden, der die Thematik einmal von einer ganz anderen Seite beleuchtet und somit auch für äusserst frischen Wind im Genre sorgt.

"Colin - Die Reise des Zombies" ist ganz sicher einer der aussergewöhnlichsten, aber auch gewöhnungsbedürftigsten Zombiefilme überhaupt und die Meinungen über dieses Werk werden auch äusserst stark auseinandergehen, denn bekommt der Betrachter einen Film präsentiert, der sich doch grundlegend von anderen Genre-Kollegen unterscheidet. Was für viele Fans als innovativ und genial erscheinen mag, wird von anderen sicherlich ganz anders gesehen. Doch eine ganz wichtige Sache sollte man keinesfalls ausser acht lassen, denn hier ist mit einem "Trinkgeld" eine kreative und innovative Geschichte umgesetzt worden, die besonders viele Stärken, aber auch kleinere Schwächen beinhaltet. Jedoch gibt es genügend Genre-Filme, die "Colin" nicht das Wasser reichen können, denn hier liegt ein Paradebeispiel dafür vor, wie man praktisch ohne Geld einen wirklich sehenswerten und interessanten Film kreieren kann, den ein jeder gesehen haben sollte.


Fazit:


"Colin - Die Reise des Zombies" ist alles andere als ein handelsüblicher Zombiefilm, denn wird das Geschehen hier doch einmal aus der Sicht eines Untoten gezeigt, was an sich schon einmal etwas Besonderes ist. Hinzu kommt die Tatsache, das fast ausschließlich mit Sound-Untermalung gearbeitet wird und Dialoge nur in den seltensten Fällen vorkommen. Sicher ist dieses Werk äusserst gewöhnungsbedürftig, aber kein echter Fan dieser Filme sollte sich dieses Film-Vergnügen entgehen lassen, das sich als Gesamtpaket vollkommen überzeugend präsentiert, so das man auch ruhig einmal über die ein oder andere kleine Schwäche hinwegsehen kann.


7/10

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