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Freitag, 16. Juli 2010

Die Horde






Die Horde
(La Horde)
mit Claude Perron, Jean-Pierre Martins, Eriq Ebouaney, Aurelien Recoing, Doudou Masta, Antoine Oppenheim, Jo Prestia, Yves Pignot, Adam Pengsawang, Sebastien Peres, Laurent Dernianoff, Alain Figlarz, Stephane Orsolani, Maud Heywang, Ali Karamoko
Regie: Yannick Dahan / Benjamin Rocher
Drehbuch: Arnaud Bordas / Yannick Dahan
Kamera: Julien Meurice
Musik: Christopher Lennertz
Ungeprüft
Frankreich / 2009

Eine Gruppe von korrupten französischen Cops schwört blutige Rache, als ein Kollege auf brutale Weise umgebracht wird. Schon bald finden sie heraus, dass sich die Gangster in einem verlassenen Hochhaus im Norden von Paris verschanzt haben. Der Vergeltungsakt endet jedoch in einem Fiasko, als sich die Cops in der Gewalt der Verbrecher wiederfinden. Ihrem Ende ins Auge blickend, werden sie überraschend befreit - von Horden entstellter Zombies, die von nichts anderem getrieben werden als von ihrem unstillbaren Hunger.


Dem Sub-Genre des Zombiefilms etwas Innovatives und Neues beizufügen, ist gar nicht einmal so leicht, gerade wenn man die regelrechte Schwemme an genre-Vertretern sieht, die in den letzten Jahren über uns gekommen ist. Zumeist versuchen die Macher der jeweiligen Filme, ihre Filme durch explizite Gewaltdarstellungen aufzupeppen und damit vor allem das junge Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Nicht anders verhält es sich bei "Die Horde", der rein auf den vorhandenen Härtegrad vollkommen überzeugen kann, denn blutige Passagen und jede Menge Splatter-und Gore sind hier keine Seltenheit. Da dies aber noch längst nicht alles für einen rundum gelungenen Film und ein kurzweiliges Film-Vergnügen ist, hat man bei vorliegendem Werk anscheinend vergessen, denn die Geschichte weist doch so einige unübersehbare Defizite auf, die man beim besten Willen einfach nicht übersehen kann. Ausserdem ist es auch ziemlich unverständlich, das die deutsche DVD um einige Minuten erleichtert wurde, denn härter und brutaler als einige vergleichbare Zombiefilme der letzten Jahre (Dawn of the Dead-Remake, 28 Weeks later usw.) ist "Die Horde" keineswegs, was einmal mehr den Verdacht der Willkür bei der FSK aufkommen lässt, denn logisch ist dieses Phänomen nicht zu erklären.

So kommen also die Freunde der härteren Welle hier durchaus auf ihre Kosten und es wird ganz sicher nicht wenige Leute geben, die schon einmal den Kultstatus ausrufen werden, doch um diesen zu erreichen, fehlt dem Film doch Einiges an Klasse. Die Geschichte an sich ist ganz einfach viel zu dünn geraten, so erfährt man überhaupt nicht, wie sich auf einmal die verheerende Zombie-Seuche entwickelt hat, die lieben Untoten sind einfach da und man hat es als Zuschauer zu akzeptieren. Sicherlich wirkt sich diese "Null Informations-Politik" nicht unbedingt negativ auf den Unterhaltungswert der Geschichte aus, der prinzipiell die ganze Zeit über vorhanden ist, aber ganz ehrlich gesagt wären einige Hintergrundinformationen doch ganz nett gewesen und hätten das gewonnene Gesamtbild schlüssiger erscheinen lassen. Statt sich aber darüber Gedanken zu machen, haben die Macher viel lieber auf teilweise äusserst überzogene Action-Passagen gesetzt, die zwar zugegebenermaßen sehr viel Spaß machen, aber stellenweise so unlogisch sind, das man sich nur an den Kopf fassen kann.

Die Logik scheint aber ganz generell nicht als Stärke der Story angesehen werden, so schnallt es anscheinend keiner der Protagonisten, das die Zombies nur durch Kopfschüsse endgültig zu töten sind, denn anders ist es nicht zu erklären, das die gesamte Laufzeit über tausende von Patronen in die Leiber der Untoten gejagt werden und diese nach kurzer Zeit wieder aufstehen, damit ihre Oberkörper die nächste Salve aus einem maschinengewehr entgegennehmen können. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, das diverse Sequenzen des Geschehens schon einen fast skurrilen Anstrich aufzeigen, zu unglaubwürdig und hanebüchen wirkt das Szenario. Die Krönung des Ganzen ist aber, das auch etliche Nahkämpfe mit den Zombies stattfinden, in denen diese minutenlang mit Tritten, Fäusten und Gegenständen maltretiert werden, bis endlich einmal jemand auf die Idee kommt, den Viechern das Genick zu brechen. Nun ist es bei einem Film dieser Art sowieso äusserst schwer, einen Begriff wie realitätsnah zu gebrauchen, doch die hier gezeigten Kampfszenen sind schon extrem unrealistisch, das selbst für einen Zombiefilm neue Maßstäbe gesetzt werden.

Stellvertretend für diese Behauptung möchte ich nur die Stelle anführen, an der einer der Polizisten kurz vor dem Ende auf einem Autodach stehend gegen hunderte von Untoten kämpft und diesen kampf doch wirklich einige Minuten durchhalten kann, bevor endlich einmal ein Zombie auf die Idee kommt, auch auf das Dach zu steigen. In der Zwischezeit hat der Polizist selbstverständlich etliche Gegner beseitigt, was einem als Zuschauer schon fast ein Schmunzeln auf die Lippen zaubert. Man sollte meine Kritik aber nicht in den falschen Hals bekommen, das Ganze ist sehr unterhaltsam und auch actionreich inszeniert worden und auch der vorhandene Härtegrad ist sehr ansehnlich, aber etwas mehr Story und realistischere Action-Passagen hätten dem Gesamtbild ganz sicher nicht geschadet. So aber reduziert sich "Die Horde" doch selbst fast ausschließlich auf die vorhandenen Splatter-und Gore Szenen, was ich persönlich etwas schade finde. Zudem ist es auch nicht wirklich gelungen, eine überzeugende Endzeit-Atmosphäre zu schaffen, lediglich an einigen wenigen Stellen kommt diese wirklich zum Vorschein, was den gewonnenen Gesamteindruck nicht wirklich aufwertet.

Dafür bekommt man es allerdings mit äusserst überzeugenden und authentisch agierenden Charakteren zu tun, denn Polizisten wie auch die Gangster hinterlassen einen sehr realistischen Eindruck. Besonders gut hat mir die Tatsache gefallen, das eigentlich kein wirklicher Symphatieträger vorhanden ist, denn selbst auf der Seite der Ordnungshüter gibt es eher Charaktere mit Ecken und Kanten zu begutachten, die alles andere als äusserst symphatisch erscheinen. Letztendlich kann man so von einem Zombiefilm sprechen, der insgesamt gesehen als recht gelungen bewertet werden kann, sich allerdings nicht als der Überfilm offenbart, den viele in ihm erwartet haben.


Fazit:


"Die Horde" bitet stellenweise sehr harte, aber auch vollkommen unlogische Zombie-Unterhaltung, die rein auf die Härte reduziert absolut überzeugen kann. Wenn man allerdings seine Ansprüche etwas höher angesetzt hat, kann es durchaus zu einer kleinen Enttäuschung kommen. Für mich persönlich bewegt sich dieses Werk im oberen Mittelmaß, ohne jedoch daraus herausstechen zu können. Rein filmisch gesehen kann es der Film jedenfalls mit keinem der anderen harten Werke aus Frankreich aufnehmen, die in den letzten Jahren das Herz eines jeden Horror-Fans haben höher schlagen lassen.


6/10

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