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Sonntag, 29. August 2010

The Driller Killer






The Driller Killer
(The Driller Killer)
mit Abel Ferrara, Carolyn Marz, Baybi Day, Harry Schultz, Alan Wynroth, Maria Helhoski, James O'Hara, Richard Howorth, Louis Mascolo, Tommy Santora, Rita Gooding, Chuck Saaf, Gary Cohen, Janet Dailey, Joyce Finney
Regie: Abel Ferrara
Drehbuch: Nicholas St. John
Kamera: Ken Kelsch / James Lemmo
Musik: Joe Delia
Ungeprüft
USA / 1979

Dem Maler Reno Miller wachsen die Probleme über den Kopf: Geldnöte, Ärger mit seinem Händler, Pech in der Liebe und nicht zuletzt die Rock-Band, die direkt neben seinem Apartment bis spät in die Nacht laut herumschraddelt machen ihm zu schaffen. Die nervliche Belastung wird für Reno so stark, dass er den Verstand verliert. Um seinem Ärger Luft zu machen, schleicht er nachts durch die Straßen New Yorks und tötet wahllos Obdachlose mit einem Akku-Bohrer...


Abel Ferrara höchstpersönlich spielt die Hauptrolle in diesem Frühwerk seiner Regie-Arbeiten und er verleiht dem Charakter des immer mehr dem Wahsinn verfallenden Malers Reno Miller ein nahezu erschreckendes Maß an Authenzität. Allein schon wenn man in seine Augen schaut, kann einen eine Gänsehaut überkommen, denn springt einen der immer weiter auswuchernde Wahnsinn schon förmlich an. Doch es ist nicht nur Ferrara's exzellente Darstellung des psychophatischen Bohrmaschinen-Killers, die diesen Film so absolut sehenswert macht, denn bekommt der Zuschauer doch auch gleichzeitig ein gesamtwerk geliefert, das die damalige Zeit nahezu perfekt widerspiegelt. Örtlich im New Nork der 70er Jahre angesiedelt hat Ferrara es hervorragend verstanden, dem Betrachter das damalige Lebensgefühl vieler junger Leute näherzubringen, zu dem ganz eindeutig die Musikrichtung des Punk-Rocks zählt und bei dem Drogen mindestens so wichtig wie die Luft zum atmen waren. So wird man dann auch mit etlichen teils schon skurril erscheinenden Charakteren konfrontiert, die eben dieses Gefühl ausleben und sich durch ständigen Drogenkonsum phasenweise jenseits der Realität bewegen, da sie ihre Umwelt nur im Drogenrausch wahrnehmen und so auch kaum etwas davon mitbekommen, was um sie herum geschieht.

Inmitten dieser Scheinwelt lebt auch Reno, der sich zu Beginn eigentlich nur als exzentrischer Maler zu erkennen gibt, eine Charaktereigenschaft, die man ja immer wieder den Pinsel-Künstlern nachsagt. Schon in den frühen Phasen des Filmes hat man dadurch den Anschein, das der Mann nicht so richtig tickt und insbesondere in den ersten 30 Minuten wird der Übergang zum totalen Wahnsinn besonders intensiv und gut herausgearbeitet. Reno verändert sich immer mehr und wird auch von Tagträumen und Visionen geplagt, die keinesfall etwas Gutes verheissen. Es handelt sich dabei zumeist um Visionen der blutigen und brutalen Art und es dauert nicht lange, bis der junge Mann diese auch in die Tat umsetzt. Als Werkzeug für seine Morde, die er hauptsächlich an Obdachlosen begeht, hat er sich einen Akku-Bohrer ausgesucht, mit dem er seine Opfer an allen möglichen Körperstellen maltretiert, bis sie letztendlich das Zeitliche segnen. Der dabei entstehende Härtegrad kann sich durchaus sehen lassen, denn bekommt man doch so einige wirklich harte und blutige Passagen geboten, so das auch Freunde der harten Gangart sehr wohl auf ihre Kosten kommen werden.

Was mich allerdings am stärksten beeindruckt hat, ist die größtenteils kranke Atmosphäre, die von diesem Film ausgeht und die eine unglaublich starke Faszination auf den Zuschauer ausübt. Ferrara ist es ganz einfach vortrefflich gelungen, das damals vorherrschende Lebensgefühl in Szene zu setzen und die Rollen in seinem Film auch noch mit den extrem authentisch agierenden Darstellern zu besetzen, bei denen zu keiner Zeit das Gefühl entsteht, das sie hier lediglich eine Rolle spielen. Und dennoch ragt Ferrara selbst noch einmal heraus, denn seine Darstellung des sich immer mehr dem totalen Wahnsinn nähernden Malers ist absolut brillant und somit einer der absoluten Höhepunkte dieses beklemmenden Filmes, der nahezu perfekt die Genres Horror, Drama und Thriller miteinander verbindet. Somit entsteht ein Gesamtpaket, über das man sich als Zuschauer nur freuen kann, denn ist doch ein äusserst intensives und sehr kurzweiliges Film-Vergnügen vorprogrammiert.

Insgesamt gesehen ist "Driller Killer" ein absolut überzeugender Film, in dem sich ganzzeitig eine sehr beklemmende-und teils bizarre Grundstimmung entfaltet, die dem Betrachter so manche Gänsehaut über den Rücken jagt. Das perfekt eingefangene Lebensgefühl der damaligen Zeit und die ausgezeichneten Darsteller sorgen dafür, das die Geschichte jederzeit authentisch erscheint, was die ausgehende Intensität der Ereignisse noch einmal zusätzlich hervorhebt. Und dann wären da noch die vorhandenen Passagen, in denen die Härte zum Ausdruck kommt, denn diese können sich durchaus sehen lassen und sind zudem noch reichlich vorhanden. Schade ist nur die Tatsache, das es zu diesem tollen Film noch keine DVD-Veröffentlichung gibt, die auch eine deutsche Tonspur beinhaltet, so das man das Werk lediglich im englischen Original genießen kann.


Fazit:


Dieses Frühwerk von Abel Ferrara ist ein wirklich absolut überzeugender und streckenweise auch äusserst heftiger Film, dessen Härte aber nicht ausschließlich durch die SFX entsteht, denn ist es doch das entstehende Gesamtbild, das sich tief im Kopf des Zuschauers eingräbt und dort einen sehr nachhaltigen Eindruck hinterlässt, dessen man sich beim besten Willen nicht erwehren kann. Wer es noch nicht getan hat, sollte sich "Driller Killer" unbedingt anschauen, denn ansonsten wird man nie erfahren, welch guter Film hier an einem vorbeigezogen ist.


8,5/10

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