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Sonntag, 31. Januar 2010

Doghouse






Doghouse
(Doghouse)
mit Danny Dyer, Stephen Graham, Noel Clarke, Terry Stone, Christina Cole, Lee Ingleby, Keith-Lee Castle, Emil Marwa, Neil Maskell, Adele Silva, Toby Richards, Emily Booth, Alison Carroll, Billy Murray, Tree Carr
Regie: Jake West
Drehbuch: Dan Schaffer
Kamera: Ali Asad
Musik: Richard Wells
Keine Jugendfreigabe
Großbritannien / 2009

Um Ihren Kumpel Vince nach seiner Scheidung aufzumuntern packen ihn seine Freunde, Neil, Mickey, Matt, Patrick, Graham und Banksy, um mit ihm ein Wochenende in Moodly einem Dorf, in dem statistisch auf je einen männlichen Einwohner vier Frauen kommen. Doch dort angekommen merken sie recht schnell, dass das vermeintliche Paradies sich als bestialisches Höllenloch entpuppt. Ein von der Armee freigesetzter Virus hat alle Ladys in garstige Männer fressende Furien verwandelt. Verbarrikadiert im örtlichen Spielzeugladen nehmen die Männer den Geschlechterkampf auf - und dieser ist blutig...


Es scheint ja wirklich Leute zu geben, die diese britische Horror-Komödie absolut nicht lustig finden, was ich nach der Sichtung des Films umso weniger nachvollziehen kann. Sicher, Geschmäcker sind verschieden und nicht jede Art von Humor ist Jedem zugänglich, aber die hier in Szene gesetzte Geschichte ist so herrlich skurril und witzig, das es einfach nur einen Riesen-Spaß macht, das blutige Geschehen zu verfolgen, in das Vince und seine Freunde hier hineingeraten sind. Regisseur Jake West hat genau die richtige Mischung aus Horror-und Humor gefunden und das Ganze mit einer wirklich ordentlichen Portion Splatter-und Gore angereichert, so das man im Endeffekt einen mehr als nur gelungenen Genre-Beitrag präsentiert bekommt, der über einen extrem hoch angesiedelten Unterhaltungsfaktor verfügt und ganzzeitig äusserst lustige und kurzweilige Unterhaltung darbietet.

Das Frauen manchmal zu wahren Furien mutieren können, ist nun nicht gerade eine weltbewegende Neuigkeit, allerdings wurde diese Tatsache wohl noch nie so drastisch und vor allem blutig in Szene gesetzt, denn für eine Horror-Komödie geht es stellenweise äusserst blutig und hart zur Sache, weswegen man die Freigabe des Films auch durchaus nachvollziehen kann. Dadurch, das die Geschichte einen stark humorigen Anteil beinhaltet, kommt einem die vorhandene Härte allerdings gar nicht einmal so extrem vor, was sicherlich ein generelles Phänomen der sogenannten Fun-Splater Filme ist. Schon Filme wie "Braindead" oder "Evil Aliens" der übrigens auch unter der Regie von Jake West entstanden ist, haben dies eindrucksvoll unter Beweis gestellt, der Überschuss an Humor lässt einen Horrorfilm vollkommen anders erscheinen, als wenn es sich um einen vollkommen ernsthaften Vertreter des Genres handeln würde.

Und so ist auch diese britische Produktion vollgestopft mit dem teilweise staubtrockenen britischen Humor, phasenweise genialer Situationskomik, aber auch mit Szenen, die als absolute Schenkelklopfer bezeichnet werden können. Allein schon die Darstellung der weiblichen Furien kann man als ein Highlight dieses Werkes ansehen, denn die Masken sind äusserst gelungen und animieren den Zuschauer zu so manch herzhaften Lacher. Aber auch die männlichen Darsteller tragen ihren Teil zum insgesamt sehr guten Gesamteindruck bei, Danny Dyer & Co. geraten in die skurrilsten Situationen und auch ihre dabei an den Tag tretenden Verhaltensweisen unterstreichen die witzige Seite des Films noch einmal zusätzlich.

So entwickelt sich der Wochenendausflug innerhalb kürzester Zeit zu einem wahren Horror-Szenario, bei dem kein Auge trocken bleiben dürfte. Das bei einem Gemetzel, wie es dem Betrachter hier geboten wird auch Verluste zu verzeichnen gibt, versteht sich fast von selbst und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, das auch die Anzahl der Freunde mit der Zeit sichtlich dezimiert wird. Doch wer überlebt und wer nicht, das sollte man sich schon selbst ansehen und sich dabei von dieser irrwitzigen und temporeichen Geschichte begeistern lassen, die wirklich alles beinhaltet, was eine gute Horror-Komödie auszeichnet. Und obwohl hier die humorige Seite ganz eindeutig im Mittelpunkt steht, entwickelt sich auch ein durchgehend konstanter Spannungsbogen, der sich mit einer sehr dichten und phasenweise bedrohlichen Atmosphäre vermischt. Denn dadurch, das sich das Geschehen in diesem kleinen Dorf abspielt, erhält das Szenario sogar eine leicht klaustrophobische Note, die dem Film sehr gut zu Gesicht steht.

Letztendlich ist "Doghouse" ein weiterer großer Wurf unserer britischen Nachbarn und man fragt sich fast automatisch, warum unsere Filmemacher nicht dazu in der Lage sind, auch einmal einen ähnlich guten Genre-Beitrag abzuliefern. Die Briten haben das wirklich gut drauf, wie dieser Beitrag einmal mehr unter Beweis stellt. Hier wird man von der ersten bis zur letzten Minute erstklassig unterhalten und kann sich gleichzeitig an einer ordentlichen Portion Härte wie auch an dem brillanten Humor erfreuen, so das man im Endeffekt gar nicht mitbekommt, wie schnell doch die Zeit vergeht und diese köstliche Horror-Komödie sich dem Ende nähert.


Fazit:


Wer bei "Doghouse" nicht lachen kann, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen, denn dieser Film ist stellenweise so witzig, das einem die Tränen in die Augen treten. Dabei enthält dieses Werk genau den angemessenen Härtegrad, der keineswegs zu hoch angesiedelt ist, sondern genau im richtigen Verhältnis zum vorhandenen Humor steht und so für ein extrem kurzweiliges und blutiges Sehvergnügen der Extraklasse sorgt. Ein Film, an dem kein echter Fan vorbeikommt, der Horror in Kombination mit Humor zu schätzen weiss und für den man bedenkenlos eine dicke Empfehlung aussprechen kann.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch / Niederländisch
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 86 Minuten
Extras: Making of, Making of Bloopers, Deleted Scenes, TV Spots, Trailer



8,5/10

Freitag, 29. Januar 2010

Twilight Thirst






The Twilight Thirst
(The Thirst)
mit Matt Keeslar, Clare Kramer, Jeremy Sisto, Serena Scott Thomas, Neil Jackson, Adam Baldwin, Ave Rose Rodil, Alicia Morton, Charlotte Ayanna, Erik Palladino, Michael Mantell, Dawn Weld, Ellie Cornell, Blaine Pate, Tom Lenk
Regie: Jeremy Kasten
Drehbuch: Ben Lustig / Liz Maccie
Kamera: Raymond Stella
Musik: Joe Kraemer
Keine Jugendfreigabe
USA / 2006

Max und Lisa sind ein Paar. Doch Lisa stirbt an einer Krankheit, was Max total aus der Bahn wirft. Als Max eines Nachts seine tot geglaubte Freundin in einem Underground-Club erblickt, traut er zuerst seinen Augen nicht. Doch er ist sich sicher: Das war Lisa. Und er muss sie finden. Bald trifft er auf den geheimnisvollen Darius und sein Gefolge, dem auch Lisa angehört: Sie ist, wie sie Max erklärt, dem Tod nur halb entkommen. Lisa ist zum Vampir geworden. Wenn Max mit seiner Freundin nun eine Zukunft haben möchte, muss auch er diesen Pfad beschreiben. Doch er hat die Wucht der ständigen Gier nach Menschblut unterschätzt...


"The Twilight Thirst" stellt meiner Meinung nach einen der besseren neuen Vertreter des Genres dar, das sich mit der Vampir-Thematik beschäftigt. Nostalgiker und Freunde des Vampirfilms alter Schule hingegen werden wohl eher die Nase rümpfen, den von alten Schlössern oder der ehemals schaurig-gruseligen Atmosphäre ist hier eigentlich gar nichts mehr zu spüren. Rein inhaltlich gesehen schlägt der Film in eine ähnliche Kerbe wie zum Beispiel "Near Dark" oder "The lost Boys", wobei bei vorliegendem Werk noch ein ordentlicher Härtegrad hinzukommt, denn teilweise geht es recht hart und extrem blutig zur Sache, was ganz besonders die Freunde der etwas härteren Gangart erfreuen dürfte.

Dabei ist es längst nicht nur die Härte, die diesen neumodischen Vampirfilm auszeichnet, denn auch die Geschichte an sich ist absolut sehenswert, wenn auch nicht gerade neu, denn es wird nichts geboten, was man nicht schon einmal gesehen hätte. Und dennoch lässt man sich als Betrachter besonders gern von der dreckigen und teils sehr düster gehaltenen Atmosphäre gefangennehmen, die ihre Wirkung keinesfalls verfehlt und der Geschichte ein würdiges Ambiente verleiht. Dabei geht es gleich zu Beginn einmal so richtig zur Sache und man wird schon einmal darauf eingestimmt, das man es mit einem härteren Vertreter seiner Art zu tun bekommt und sich keinesfalls auf einem Kindergeburtstag befindet, denn insbesondere der erste in Szene gesetzte Mord ist von sehr brachialer Natur. Gleichzeitig wird auch das von der ersten Minute an eingeschlagene rasante Erzähltempo jederzeit beibehalten, so das langatmige Passagen erst gar nicht entstehen und man ganzzeitig kurzweilige Unterhaltung genießen kann.

Das ist auch darin begründet, das "The Twilight Thirst" auch durchaus seine humorigen Momente hat und jenseits jeden Mainstream-Films angesiedelt ist. Denn dieser Film wirkt teilweise schräg und leicht skurril, in manchen Phasen sogar etwas billig, aber auch sehr sexy und stellenweise etwas trashig. Was sich jetzt im ersten Moment eventuell eher negativ anhört, zeigt vielmehr die Stärken des Werkes auf, die insbesondere den Fans gefallen dürften, die ein Faible für etwas nicht alltägliche Filme haben. Echte Mainstreamer werden wohl weniger Freude an diesem sehr blutigen Spektakel haben, denn das gesamte Geschehen wird auf sie wohl eher einen sehr gewöhnungsbedürftigen Eindruck hinterlassen, wohingegen die wahren Fans mit einer leicht trashigen und harten Splatter/Gore Granate belohnt werden, die wirklich alles beinhaltet, was Filme dieser Art so auszeichnet und absolut sehenswert macht.

Dazu zählt auch die Darsteller-Riege, die durch ihre dargebotenen Leistungen eine Menge zum insgesamt sehr guten Gesamtbild beitragen, die einzelnen Charaktere werden excellent dargestellt und passen durch die vorhandene und nicht übersehbare Skurrilität absolut perfekt in das schräge Szenario, das sich einem hier offenbart. Letztendlich hat Regisseur Jeremy Kasten hier einen Film geschaffen, der ganz sicher nicht jeden Geschmack treffen wird, der aber in Fan-Kreisen ganz bestimmt sehr wohlwollend aufgenommen wird und gerade durch seine temporeiche Erzählweise und die knackig verpackte Story jederzeit überzeugen kann. Hinzu kommt der nicht zu verachtende Härtegrad und auch die schrillen und lauten Momente des Films heben ihn von den üblichen Genre-Vertretern positiv ab und machen ihn in meinen Augen zu etwas Besonderem.


Fazit:


Witzig, schräg, skurril, laut, hart, blutig und kompromisslos, all das sind Bezeichnungen, die "The Twilight Thirst" perfekt beschreiben, so das man sich von Anfang an darüber im Klaren sein sollte, auf welche Art Vampirfilm man sich hier einlässt. Durch seine Laufzeit von gerade einmal gut 80 Minuten ist das ganze Geschehen knackig und kompakt verpackt worden, langatmige Phasen sucht man vergebens. Ein leicht trashiger Anstrich verleiht diesem Werk seine ganz eigene Note, so das man im Endeffekt mit einem hervorragend unterhaltendem Vampirfilm konfrontiert wird, den man sich auf jeden Fall anschauen sollte, wenn man auf der Suchenach kurzweiliger und blutiger Unterhaltung ist, denn die wird hier definitiv geboten.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,78:1 (16:9)
Laufzeit: 82 Minuten
Extras: Trailer, Trailershow



8/10

Mittwoch, 27. Januar 2010

Cold Prey 2 Resurrection - Kälter als der Tod






Cold Prey 2 Resurrection - Kälter als der Tod
(Fritt vilt II)
mit Ingrid Borse Beldal, Marthe Snorresdotter-Rovik, Kim Wifladt, Johanna Merck, Fridtjov Saheim, Per Schaaning, Andreas Cappelen, Mats Eldeen, Vetle Qvenild Werring, Mads Sjogard Pettersen, Robert Follin, Bernhard Ramstad, Inger Johanne Ravn, Charlotte Grundt, Viktoria Winge
Regie: Mats Stenberg
Drehbuch: Thomas Moldestad
Kamera: Anders Flatland
Musik: Magnus Beite
Keine Jugendfreigabe
Norwegen / 2008

Nach der blutigen Tragödie in den Bergen Norwegens hat nur Jannicke aus der Gruppe der Snowboarder überlebt. Halb erfroren und geschwächt schafft sie es eben so wieder zurück in die Zivilisation und in ein Krankenhaus. Doch als sie Stunden später im Krankenbett erwacht, ist es dunkel und ruhig im Krankenhaus. Schnell merkt Jannicke, dass hier etwas nicht stimmt: DER ALPTRAUM IST NOCH NICHT VORBEI


Es gibt sie also doch noch, die Sequels zu einem erfolgreichen und guten Horrorfilm, auf die sich das Warten durchaus lohnt. Wer erinnert sich nicht gern an den norwegischen Überraschungserfolg "Cold Prey" aus dem Jahr 2006, der zwar nicht unbedingt sehr viel Wert auf inhaltliche Originalität gelegt hat, aber einen sehr guten europäischen Slasher aus Europa darstellt. Und dieser Nachfolger knüpft nahtlos da an, wo der erste Teil aufgehört hat, wobei sich die Fortsetzung der Geschichte dieses Mal nicht in der malerischen norwegischen Winterlandschaft, sondern in einem Krankenhaus abspielt, das kurz vor der Schließung steht und lediglich nur noch mit einer absoluten Notbesetzung am Leben gehalten wird. Nachdem Jannicke, die einzige Überlebende des Massakers aus Teil 1 eingeliefert wird, glaubt ihr zunächst keiner so richtig die Geschichte, die sie erzählt. Nachdem aber die Leichen in der Gletscherspalte geborgen-und in das Krankenhaus eingeliefert werden, sieht die Sach ganz anders aus, vor allem, nachdem im wahrsten Sinne des Wortes die Hölle losbricht und die ersten Toten zu beklagen sind.

Wie schon der Vorgänger besticht auch dieser Film in erster Linie durch seinen dramaturgisch absolut gelungenen Spannungsaufbau und die excellente unheimliche Atmosphäre, die sich im Laufe der Geschichte immer mehr verdichtet und so für absolute Hochspannung sorgt. Mats Stenberg, der dieses Mal für die Regie verantwortlich war ist es vortrefflich gelungen, nach einem eher ruhigen Beginn die Spannungsschraube kontinuirlich immer fester zu ziehen und so auch dafür Sorge trägt, das sich das Sehverhalten des Zuschauers mit der Zeit drastisch verändert. Denn sitzt man zu Beginn noch verhältnismäßig entspannt vor dem Bildschirm, so entwickelt sich doch mit der Zeit ein sehr starkes Gefühl der Anspannung, das einem phasenweise fast zwangsläufig schweissnasse Hände beschert. Hervorgerufen wird dies insbesondere durch die kühle Optik des Films, die nicht zuletzt für die ein oder andere Gänsehaut verantwortlich ist.

Hierbei tut sich insbesondere der Schauplatz des fast verlassenen Krankenhauses hervor, die Jagd durch die einsamen und düster erscheinenden Korridore entwickelt sich immer mehr zu einem gnadenlosen Katz-und Maus-Spiel, das an Spannung und Intensität nur schwerlich zu überbieten ist. Beim Versuch, sich selbst in die vorherrschende Situation hineinzuversetzen, überzieht sich die eigene Haut nicht gerade selten mit einem dünnen Schweissfilm und man ist heilfroh über die Tatsache, das man das Geschehen aus sicherer Entfernung verfolgen kann, was schon vollkommen ausreichend ist, eine gewisse Nervosität aufsteigen zu lassen. Diese steigert sich zum Ende des Films und nach etlichen Toten noch einmal zusehends, als sich das Szenario aus dem Krankenhaus in das alte Hotel verlagert, das im Vorgänger der Schauplatz der Geschehnisse war und hier als Kulisse für den endgültigen und finalen Showdown dient.

Neben dem fantastischen Spannungsaufbau und der erstklassigen Atmosphäre beinhaltet der Film auch einen in meinen Augen angemessenen Härtegrad, der aber keineswegs übertrieben ist, sondern sich in einem durchaus annehmbaren Rahmen bewegt. Allerdings hätte wohl auch eine 16er Freigabe vollkommen ausgereicht, denn viel mehr harte Szenen als im ersten Teil gibt es auch hier nicht zu begutachten. Dennoch werden auch die Freunde der etwas härteren Gangart voll auf ihre Kosten kommen, wobei man aber keinesfalls ein Splatter-und Gore Festival erwarten sollte. Das wäre aber auch vollkommen unpassend gewesen und hätte den hervorragenden Gesamteindruck des Films auch nur unnötig getrübt, denn hier zählt wirklich das Gesamtpaket und das ist einfach äusserst gut gelungen, da auch im schauspielerischen Bereich wieder absolut Überzeugendes geboten wird.


Fazit:


Das Warten hat sich gelohnt, denn mit "Cold Prey 2" ist ein Sequel entstanden, das wirklich gelungen ist und seinem Vorgänger in Nichts nachsteht. Ein weiteres beispiel dafür, das auch in Europa immer mehr gute und spannende Horrorfilme produziert werden, die so manche US-Produktion locker in die Tasche stecken. Dabei muss es nicht immer inhaltliche Innovation sein, die den Zuschauer begeistert, denn wenn altbewährte Zutaten so toll und interessant verpackt werden wie hier, gibt es gar keinen Grund zur Beschwerde. Fans des Genres sollten sich diesen tollen Film auf jeden fall besorgen, denn spannende und sehr kurzweilige Unterhaltung ist hier garantiert.


Die DVD:

Vertrieb: Sunfilm
Sprache / Ton: Deutsch DTS, DD 5.1 / Norwegisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 86 Minuten
Extras: Audiokommentar, Making of, Deleted Scenes, Outtakes, Trailer, Special Effects/Featurette


8/10

Montag, 25. Januar 2010

Evil Ground






Evil Ground
(Hallowed Ground)
mit Jaimie Alexander, Brian McNamara, Ethan Phillips, Chloe Moretz, Ned Vaughn, Jim Cody Williams, Tamara Clatterbuck, Nick Chinlund, Hudson Leick, Dan Warner, Randy Ross, Steve Larkin, Fred Meyers, Time Winters, William Stanford Davis
Regie: David Benullo
Drehbuch: David Benullo
Kamera: Keith J. Duggan
Musik: Neal Acree
Keine Jugendfreigabe
USA / 2007

Im Jahr 1896 nageln die Einwohner von Hope Menschen an Kreuze, auf dass sie als lebende Vogelscheuchen die Krähen von den Feldern fernhalten. Als die Menschen der Nachbarstadt Liberty davon erfahren, ziehen sie los, um den Prediger, der diesem Treiben vorsteht, auf selbe Art und Weise den Garaus zu machen. Mehr als ein Jahrhundert später verschlägt es Liz nach Hope. Ihr Wagen ist liegen geblieben. Und sie sitzt fest. In einer Stadt, in der die Menschen den Geist der Vogelscheuche anbeten. Dieser wird lebendig und sucht nach neuen Opfern.


Mit seinem Langfilm-Debut hat Regisseur David Benullo einen Film kreiert, der eine recht interessante Mischung aus "Scarecrow" und "Kinder des Zorns" darstellt und gerade durch diese interessante Kombination die Aufmerksamkeit des Zuschauers erregt. Dennoch handelt es sich bei vorliegender Geschichte einmal mehr um ein Szenario, bei dem Einiges an sicherlich vorhandenem Potential verschenkt wurde. Insbesonder in atmosphärischer Hinsicht kann das Geschehen aber vollkommen überzeugen, denn fast von Anfang an herrscht hier eine bedrochliche und unheilvolle Grundstimmung vor, die sich im Laufe der Zeit immer mehr verdichtet. Dies ist sicher auch darin begründet, das fast der gesamte Film bei Nacht spielt, wodurch das gesamte Szenario einen sehr unheilvollen Eindruck beim Zuschauer hinterlässt.

So entwickelt sich auch in kürzester Zeit ein sehr konstanter Spannungsbogen, der sich durch den gesamten Film zieht und auch keine größeren Einbrüche zu verzeichnen hat. Und trotz dieser wirklich positiven Eigenschaften fehlt es der Story etwas an Highlights, was jetzt aber nicht auf den vorhandenen Härtegrad bezogen ist, der zwar nicht besonders hoch, aber doch durchaus angemessen ist. Allerdings sind die vorhandenen CGI-Effekte nicht unbedingt von hoher Qualität, was aber meiner Meinung nach nicht weiter ins Gewicht fällt. Es fehlt einfach das gewisse Etwas, das aus einer durchaus spannenden und interessanten Geschichte eine hochklassige macht, doch leider hat man es versäumt, dieses Etwas mit einzufügen.

Und trotzdem ist "Evil Ground" ein wirklich sehenswerter Genre-Beitrag, in dem auch die Darsteller-Riege durch solides Schauspiel mit dazu beiträgt, den Zuschauer größtenteils kurzweilig und spannend zu unterhalten. Vor allem die fanatischen Sekten-Mitglieder hinterlassen dabei einen äusserst überzeugenden Eindruck und nicht selten überkommt einen das Gefühl, das die "Kinder des Zorns" erwachsen geworden sind und ihre Geschichte hier weitererzählt wird. Die Freigabe des Films (Keine Jugendfreigabe) kann man vor allem in der ersten Filmhälfte nicht so ganz nachvollziehen, da sich die härteren Szenen hier doch auf ein Minimum beschränken, zum Ende hin bekommt man dann aber doch einige etwas härtere Passagen geboten, jedoch erscheint der Härtegrad zu keiner Zeit übermäßig hoch, sondern hält sich in einem überschaubaren Rahmen.

Letztendlich hat David Benullo fast alles richtig gemacht, er hat zwei unterschiedliche Themen recht gut miteinander kombiniert, es nur leider etwas vernachlässigt, das Gesamt-Szenario noch etwas besser und intensiver darzustellen. Doch dafür wird man andererseits mit einer erstklassigen und sehr bedrohlichen Grundstimmung konfrontiert, die sich sehen lassen kann und ihre Wirkung auf den Betrachter keinesfalls verfehlt.


Fazit:


"Evil Ground" ist ein durchaus sehenswerter und größtenteils kurzweilig unterhaltender Genre-Beitrag, der meiner Meinung nach am oberen Durchschnitts-Bereich anzusiedeln ist. Durch Einfügung einiger Highlights und etwas besseren Effekten hätte jedoch ein Film entstehen können, der weit über das Mittelmaß hinausgeschossen wäre. Dennoch handelt es sich um einen Horrorfilm, dessen Sichtung sich auf jeden fall lohnt und an dem man durchaus seine Freude haben kann.


Die DVD:

Vertrieb: Sunfilm
Sprache / Ton: Deutsch DTS, DD 5.1 / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,85:1 (16:9)
Laufzeit: 92 Minuten


6/10

Samstag, 23. Januar 2010

Mutants






Mutants
(Mutants)
mit Helene de Fougerolles, Francis Renaud, Dida Diafat, Marie-Sohna Conde, Nicolas Briancon, Luz Mandon, Driss Ramdi, Gregory Givernaud, Justine Bruneau de la Salle, Jeremy Loth, Sebastien Rouquette, Frederic Troussier, Cyrill Hipaux, Nicolas Lepretre, Cecile Corsalan
Regie: David Morlet
Drehbuch: Louis-Paul Desanges / David Morlet
Kamera: Nicolas Massart
Musik: Keine Information
Keine Jugendfreigabe
Frankreich / 2008

Ein Virus hat die überwiegende Menschheit in blutrünstige, zombieartige Wesen verwandelt. Marco und Sonia, ein junges Paar, fliehen vor den Mutanten und versuchen, sich zu einer Militärbasis durchzuschlagen. Doch als Marco bei einem Angriff selbst infiziert wird, muss die schwangere Sonia ihren schlimmsten Feind bekämpfen: den Mann, den sie liebt...


Das die Franzosen im Bezug auf Horrorfilme den Amerikanern vollkommen ebenbürtig und bei einigen Produktionen der letzten Jahre teilweise sogar überlegen waren, haben Filme wie "High Tension" oder auch "Inside" eindrucksvoll unter Beweis gestellt, so war es eigentlich lediglich eine Frage der Zeit, wann der erste Horrorfilm aus Frankreich erscheint, der sich mit der Zombie - Thematik beschäftigt. Mit "Mutants" hat Regisseur David Morlet nun auch diese Frage beantwortet, wobei bei vielen Leuten sicherlich wieder die Diskussion aufkommen wird, ob es sich um echte Zombies oder lediglich um Menschen handelt, die sich aufgrund eines Virus in zombieähnliche Wesen verwandeln. Wie dem auch sei, auf jeden Fall ist hier ein sehr guter und eindrucksvoller Genre-Beitrag entstanden, weswegen ich die teilweise sehr schlechten Bewertungen die der Film erhält, nicht so ganz nachvollziehen kann. Denn verhält es sich doch so, das "Mutants" alle Zutaten beinhaltet, die einen Film dieser Art so absolut sehenswert machen und dennoch scheint der Film bei vielen doch eher auf Ablehnung zu stossen.

Ich kann mir das lediglich so erklären, das manch Einer einen weitaus größeren Härtegrad erwartet hat, als wie er sich ihm hier eröffnet, denn haben doch gerade die französischen Produktionen in diesem Bereich in den letzten Jahren neue Maßstäbe gesetzt. Zugegeben, im Vergleich zu den oben von mir erwähnten Filmen fällt "Mutants" im Bereich Härte etwas ab, was aber noch lange nicht bedeutet, das auch die Freunde der harten Welle hier nicht auf ihre Kosten kommen würden. Eher das Gegenteil ist der Fall, denn dem Zuschauer präsentiert sich sogar ein ziemlich harter Film, nur liegt das Problem wohl viel eher darin begründet, das es sich dabei nicht um eine 9o minütige Schlachteplatte handelt, sondern die Geschichte sich auch Zeit für etwas tiefergehende Momente nimmt, die phasenweise schon dramatische Züge tragen.

Doch gerade diese Momente heben dieses Werk meiner Meinung nach von den üblichen SFX-Spektakel ab und verleihen ihm ein hohes Maß an Qualität und einen Tiefgang, wie man ihn nicht in vielen Vertretern dieser Art zu sehen bekommt. Bevor es allerdings zu diesen tiefergehenden Situationen kommt, legt das Geschehen erst einmal mit einem mörderischen Tempo und einigen wirklich harten Passagen los, so das die ersten gut 20 Minuten fast wie im Flug an einem vorbeiziehen. Danach beruhigt sich das Szenario merklich und läutet den Mittelteil des Films ein, der sich hauptsächlich mit der Thematik beschäftigt, wie Sonia verzweifelt versucht, die voranschreitende Infektion ihres Freundes Marco aufzuhalten. Insbesondere in dieser Phase der Geschichte leidet man als Zuschauer mit den beiden Hauptcharakteren mit, man kann die aufkommende Verzweiflung und die kurz danach auftretende Enttäuschung fast körperlich spüren, als sich immer mehr herauskristallisiert, das alle Versuche den Virus aufzuhalten, vollkommen fehlschlagen. Die ungeheuer stark auftretende Intensität, die das Geschehen gerade in dieser Phase des Films erreicht, ist in dem absolut authentischen und sehr überzeugenden Schauspiel der beiden Hauptpersonen zu suchen, das kaum besser hätte sein können. Es überzieht einen selbst mit einer Gänsehaut, wenn man sieht, mit welcher Vehemenz und Inbrunst hier versucht wird, das Unvermeidliche aufzuhalten und gerade Sonia alles in die Waagschale wirft, um ihre große Liebe nicht zu verlieren.

Es mag durchaus möglich sein, das es nicht wenige Leute gibt, die den Mittelteil des Films als etwas langatmig und ereignislos ansehen, jedoch passt er nahezu perfekt in die erzählte Story und ist in meinen Augen absolut notwendig, um auch das letzte Filmdrittel glaubwürdig und authentisch erscheinen zu lassen. Und in diesem letzten Teil nimmt das Szenario noch einmal so richtig an Fahrt auf und wird gerade den Gorehounds noch einmal das Herz im Leibe höher schlagen lassen. Tempo-und actionreich geht es nun zur Sache und auch die Splatter-und Gore Szenen nehmen noch einmal rapide zu und bieten dabei noch einige optische Schmankerl, an denen man sich erfreuen kann. Insgesamt gesehen ist "Mutants" ein wirklich mehr als gelungener Genre-Beitrag, der nicht nur im Bezug auf die Härte überzeugen kann, sondern als Gesamtpaket einfach vollkommen überzeugt. Tolle Darsteller, jede Menge Spannung und eine ganzzeitig sehr unheilvolle und bedrohliche Grundstimmung hinterlassen einen überdurchschnittlich guten Eindruck beim Betrachter, der insbesondere durch die kühle Optik des ganzen noch einmal zusätzlich verstärkt wird.


Fazit:


Sicher ist jeder Film Geschmackssache, aber wirklich schlechte Bewertungen hat "Mutants" wirklich nicht verdient, vor allem dann nicht, wenn einem vielleicht nur etwas mehr Härte gefehlt hat. Die hier gefundene Mixtur aus Horrorfilm und dramatischen Zügen serviert einem im Endeffekt einen qualitativ hoch angesiedelten Beitrag aus Frankreich, der sich auch nicht hinter anderen Produktionen unserer Nachbarn zu verstecken braucht, die in den letzten Jahren veröffentlicht wurden. Mir hat dieser Film jedenfalls äusserst gut gefallen und ich kann ihn vollkommen bedenkenlos weiterempfehlen.


Die DVD:

Vertrieb: Sunfilm
Sprache / Ton: Deutsch DTS, DD 5.1 / Französisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 86 Minuten
Extras: Trailer


8,5/10

Donnerstag, 21. Januar 2010

Lady Blood






Lady Blood
(Lady Blood)
mit Emmanuelle Escourrou, Philippe Nahon, Serge Riaboukine, Shirley Bousquet, Luc Shiltz, Lola Giovannetti, Frans Boyer, Philippe Chain, Xavier Gens, Abel Jafri, Julie Nicolet, Richard Sammel, Bruno Solo
Regie: Jean-Marc Vincent
Drehbuch: Hubert Chardot / Emmanuelle Escourrou
Kamera: Thibaud Danton
Musik: Keine Information
Leine Jugendfreigabe
Frankreich / 2008

Yanka, die als junge Frau einst Schreckliches durchmachen musste, hat ihr Leben inzwischen im Griff: Sie ist verheiratet, hat eine süße Tochter und arbeitet als Polizistin. Die dunklen Schatten ihrer Jugend scheinen überwunden. Doch plötzlich passiert Merkwürdiges in der Stadt. Eine übel zugerichtete Leiche nach der anderen wird aufgefunden, und während alle Welt an das Werk eines wahnsinnigen Serienmörders glaubt, hat Yanka einen schrecklichen Verdacht: Die Dämonen ihrer Vergangenheit sind zurückgekehrt, um sie zu jagen!


Bei "Lady Blood" handelt es sich um das offizielle Sequel des 90er Jahre Low Budget Films "Baby Blood", was es zwar nicht zwingend erforderlich, aber doch ratsam erscheinen lässt, wenn man sich im Vorfeld den ersten Teil dieser Geschichte anschaut, da es ansonsten eventuell zu leichten Verwirrungen oder Irritationen kommen könnte. Zwar werden zu Beginn einige Zeitungsausschnitte gezeigt, die auf das Geschehen vor 20 jahren eingehen, aber wenn man den ersten Teil nicht gesehen hat, kann man nicht unbedingt viel damit anfangen. Auch die hier in Szene gesetzte Weiterführung der Geschichte dient nicht unbedingt dazu, Verwirrungen vorzubeugen, denn einige Passagen erscheinen einem ohne Vorkenntnisse doch etwas zusammenhanglos, so das es teilweise recht schwierig ist, durch alles so richtig hindurchzusteigen.

Und trotzdem bekommt der Zuschauer eine doch äusserst spannende Story präsentiert, in der auch die damalige Hauptdarstellerin Emmanuelle Escourrou wieder die Hauptrolle spielt und im Laufe der Zeit von den Schatten ihrer Vergangenheit eingeholt wird. Denn auch, wenn die Polizei bei den begangenen Morden von den Taten eines wahnsinnigen Serienkillers ausgeht, weiss Yanka es besser und hegt schon äusserst früh den Verdacht, das die Morde mit ihrer Vergangenheit zusammenhängen. So entwickelt sich mit der Zeit eine recht temporeiche und spannende Story, die insbesondere durch eine sehr dichte und bedrohliche Atmosphäre auffällt. Und auch in Sachen Härte hat Regisseur Jean-Marc Vincent nicht gerade gegeizt, denn es gibt so einige Einstellungen, die äusserst blutig und auch derbe in Szene gesetzt sind. Man sollte allerdings zu keiner Zeit ein regelrechtes Splatter/Gore Spektakel erwarten, vielmehr sind die angesprochenen Passagen gut über die gesamte Laufzeit verteilt worden.

Trotzdem gibt es auch immer wieder kleinere Phasen, die den Eindruck von Langatmikkeit entstehen lassen, scheinbar belanglose Dialoge und verwirrend daherkommende Bildeinstellungen können durchaus dafür sorgen, das einen das Gefühl überkommt, ein Kapitel übersprungen zu haben. Das sind dann die Phasen des Films, in denen es wichtig wäre, wenn man den Vorgänger gesehen hätte, um die genauen Zusammenhänge für sich selbst herzustellen. Fast zwangsläufig stellt sich auch die Frage, ob es unbedingt sinnvoll war, mit einer Fortsetzung der geschichte geschlagene 20 Jahre zu warten, doch diese Frage muss sich ein jeder selbst beantworten. Nichtsdestotrotz bekommt man eine insgesamt durchgehend spannende und interessante Story-Line präsentiert, deren Spannungsbogen als konstant bezeichnet werden kann.

Das dargebotene Schauspiel bewegt sich in einem soliden Rahmen, ohne das sich ein Darsteller durch eine herausragende darbietung hervortun würde. Am überzeugendsten von allen Akteuren ist immer noch Emmanuelle Escourrou, die in der Rolle der Yanka durchaus überzeugen kann, wohingegen ihre Kollegen doch eher in den Hintergrund gedrängt werden, da sich der Focus der Geschichte vollkommen auf die Figur der Yanka ausrichtet.


Fazit:


"Lady Blood" ist sicherlich kein schlechter Film, aber es wäre doch sehr ratsam, sich im Vorfeld den Vorgänger "Baby Blood" anzuschauen, um der Story-Line auch ohne Probleme lückenlos folgen zu können. Ein solider Spannungsbogen, eine dichte Atmosphäre und einige härtere Passagen machen diesen Film aber auf jeden Fall sehenswert und lassen über eventuell auftretende Verwirrungen hinwegsehen, die sehr wohl entstehen können, wenn einem der erste Teil der Geschichte nicht bekannt ist.


6,5/10

Dienstag, 19. Januar 2010

Staunton Hill






Staunton Hill
(Staunton Hill)
mit Kathy Lamkin, Cristin Coppen, David Rountree, Kiko Ellsworth, Christine Carlo, Paula Rhodes, Charlie Bodin, B.J Hendricks, Cooper Huckabee, Sherry Weston, Reema Anbari
Regie: G. Cameron Romero
Drehbuch: David Rountree
Kamera: Andrew Mclean
Musik: Jesper Kid
Keine Jugendfreigabe
USA / 2008

Virginia im Herbst 1969: Ein Gruppe Studenten trampt Richtung Washington D.C., um dort gegen den Vietnam-Krieg zu demonstrieren. Doch der lange Weg durch die Weiten des Landes findet sein Ende auf dem abgelegnen Anwesen der Familie Staunton. Und bei dieser Sippe hat nicht nur der geistig arg zurückgebliebene Sohn Buddy Spaß am Ermorden und Zerlegen junger Körper, auch Kathy und Shelley Staunton erfreuen sich an der Menschenjagd und brutalen Terrorspielen. Die jungen Leute erwartet ein blutiger Aufenthalt bei den Stauntons, den sie, einer nach dem anderen, auf drastische Art und Weise mit ihren Leben bezahlen müssen...


Romero's Staunton Hill



Dieser Schriftzug fällt dem geneigten Horrorfan sofort auf, wenn man das Cover der deutschen DVD begutachtet und weckt ganz sicher auch so einige Erwartungen, die sich aber nach der Sichtung dieses Films in Schall und Rauch auflösen, da sie nicht wirklich erfüllt werden können. Cameron Romero hat mit seinem Regie-Debut in Spielfilmlänge lediglich einen weiteren 08 / 15 Backwood-Slasher geschaffen, der keinerlei neue Ideen beinhaltet und dem Zuschauer ein Szenario darbietet, das man gerade in den letzten Jahren viel zu oft gesehen hat. Das es sicherlich nicht gerade leicht ist, in die Fußstapfen seines Vaters George A. Romero zu treten, der ja insbesondere mit einigen seiner Zombiefilme echte Meilensteine des Horror-Genres geschaffen hat, müsste Cameron von Anfang an bewust gewesen sein, allerdings liefert das noch längst keine Rechtfertigung für einen derart unterdurchschnittlichen Film, wie er hier dem Betrachter präsentiert wird.

Sicher, einer der Gründe, warum dieses Werk zu keiner Zeit so richtig überzeugen kann ist die Tatsache, das in den letzten Jahren zu viele dieser Backwood-Slasher auf den Markt kamen, die fast immer nach dem gleichen Schema abliefen, so das man als Fan dieser Filme mittlerweile ganz einfach übersättigt ist. Doch das ist es nicht allein, der Hauptgrung ist meiner Meinung nach die Tatsache, das die hier erzählte Geschichte ganz einfach dreist zusammengeklaut ist, denn zu offensichtlich sind doch die Anleihen bei anderen Genre-Vertretern. Die größte Ähnlichkeit gibt es sicherlich zum Kultfilm "The Texas Chainsaw Massacre" von Tobe Hooper, nur das hier alles um einige Klassen schlechter in Szene gesetzt wurde. Nun ist es ja manchmal gar nicht so schlimm, wenn man sich bei anderen Filmen der gleichen Art bedient, wenn dann das Endprodukt wenigstens gut und spannend umgesetzt wurde, wovon diese Produktion aber leider ziemlich weit entfernt ist.

Es dauert immerhin gute 45 Minuten, bis hier endlich einmal etwas passiert, was immerhin schon über die Hälfte der Gesamtspielzeit ist, da der Film gerade einmal gut 80 Minuten läuft. Und diese 45 Minuten sind nicht unbedingt besonders kurzweilig gestaltet, vielmehr werden einem sehr dialoglastige Passagen serviert, die absolut belanglos erscheinen. Wäre hier wenigstens einer eingehende Charakterzeichnung der einzelnen Personen vorhanden, dann würde man das ja noch verstehen, doch so etwas hat der Film leider auch nicht zu bieten. Allerdings muss man die vorhandenen Personen auch nicht weiter eingehend beleuchten, da die Darsteller allesamt erschreckend blass und jederzeit austauschbar wirken, was das Gesamtbild dieses Werkes nicht gerade aufwertet.

Wer jetzt der Meinung ist, wenigstens mit einem ordentlichen Härtegrad etwas entschädigt zu werden, der wird auch nur bedingt zufrieden sein, es gibt zwar einige ganz nette Szenen zu begutachten, doch insgesamt gesehen bewegt sich der Härtegrad in einem durchaus überschaubaren Rahmen. Das liegt natürlich auch daran, das diese Version des Films um 102 Sekunden erleichtert wurde, doch auch die zusätzlichen Szenen würden das Gesamtwerk nicht wesentlich verbessern. Letztendlich gelangt man zu der Erkenntnis, das "Staunton Hill" nicht annähernd die Erwartungen erfüllt, die man eventuell an ihn gestellt hat, der Film baut nur sehr mäßig Spannung auf und kann auch in atmosphärischer Hinsicht nur bedingt überzeugen. Es wäre sicher ratsam gewesen, wenn Cameron Romero wenigstens einige eigene Ideen eingebracht hätte, doch davon ist leider überhaupt nichts zu sehen, so das im Endeffekt ein Film übrigbleibt, in dem das gesamte Szenario von anderen Genre-Vertretern dreist zusammengeklaut ist und das noch nicht einmal sehr gut.


Fazit:


"Staunton Hill" bietet absolut nichts Neues und ist so nur Leuten zu empfehlen, die noch nicht so viele Backwood-Slasher gesehen haben. Auf alle anderen dürfte dieser Film vielmehr ermüdend wirken, da einem das Geschehen so bekannt vorkommt und dadurch zu keiner Zeit der Funke überspringen kann. Alles ist so dermaßen vorhersehbar, das man eher gelangweilt dem Geschehen folgt und eigentlich ganz froh darüber ist, wenn nach knapp 80 Minuten der Abspann einsetzt und man sich wieder anderen Dingen widmen kann.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,85:1 (16:9)
Laufzeit: 84 Minuten
Extras: Making of, Behind the Scenes, Trailer, Trailershow


3,5/10

Sonntag, 17. Januar 2010

Legion der Vampire






Legion der Vampire
(Blood on the Highway)
mit Deva George, Nate Rubin, Robin Gierhart, Tony Medlin, Laura Stone, Chris Gardner, Nicholas Brendon, Tom Towles, Jeff Ayala, Saundra Gardner, James Hoke, Nicole Holt, John Phelan, Eric Rhoades
Regie: Barak Epstein / Blair Rowan
Drehbuch: Chris Gardner / Blair Rowan
Kamera: Clay Liford
Musik: Paul Nichols
Keine Jugendfreigabe
USA / 2008

Nach einer Autopanne landen Bone, Sam und Carrie, auf der Suche nach dem Highway, in einer kleinen einsamen texanischen Stadt. Nicht ahnend, dass hier die Einkaufstempelkette Consumart die Einwohner in Vampire verwandelt hat. Auf ihrer Flucht stolpern sie über die einzigen überlebenden Menschen. Aber die Vampire wollen nicht auf das Frischfleisch verzichten und so beginnt der Kampf gegen die Legion der Blutsauger


Freunde der Vampir-Thematik in Horrorfilmen werden sich bei diesem Indipendent-Movie sicherlich die Augen reiben, denn mit den Blutsaugern, die man üblicherweise erwartet, haben die in dieser skurrilen Geschichte mordenden Bestien herzlich wenig zu tun. Hier wird sogar für mehr Blut demonstriert, was schon einmal ganz klar zeigt, in welche Richtung dieser Film tendiert. So sollte man also keineswegs einen Vampirfilm im herkömmlichen Sinne erwarten, sondern vielmehr eine blutige und sehr trashige Low Budget-Horror-Komödie, die einem phasenweise die Tränen in die Augen treibt. Doch trotzdem kann der Film auch in atmosphärischer Hinsicht recht gut überzeugen, wobei natürlich nicht die Bedrohlichkeit eines ernsten Vampirfilms aufkommt, doch dadurch, das eigentlich die gesamte Geschichte bei Nacht spielt, kann schon einmal kurzzeitig ein echtes Vampir-Feeling aufkaommen, das sich allerdings durch die ständig auftretenden Gags nie so richtig entfalten kann.

Praktisch minütlich wird der Zuschauer mit den skurrilsten Situationen konfrontiert, in die die drei Freunde Bone, Sam und Carrie geraten, die Lachmuskeln werden extrem beansprucht, so das hier wirklich kein Auge trockenbleibt. Gemischt mit einer Menge Blut und einigen netten Splatter-und Goreeinlagen ergibt sich im Endeffekt ein Trash-Werk, das über einen äusserst hohen Unterhaltungswert verfügt. Nun verhält es sich zwar so, das man teilweise etwas länger auf die härteren Einlagen warten muss und der Film in manchen Teilen eventuell etwas zu dialoglastig ist, jedoch sind die vorhandenen Dialoge so dermaßen grotesk und witzig, was die fehlende Härte in manchen Phasen fast vergessen macht.

Vor allem die Darsteller sind es, die diesem Film ihren ganz persönlichen Stempel aufdrücken, wird manch Einer jetzt behaupten, das die darstellerischen Leistungen extrem schlecht sind, so bin ich viel eher der Meinung, das sie perfekt in das hier gezeigte Szenario hineinpassen. Man kann das hier gezeigte Schauspiel nicht mit normalen Maßstäben messen, sondern sollte zu keiner Zeit ausser acht lassen, das es sich um eine Trash-Komödie handelt und zwar um eine sehr gute. Dementsprechend sind natürlich auch die Charaktere des Films ausgelegt, wie auch die unter ihnen geführten Dialoge. Wenn man dies während des Films immer im Hinterkopf hat, dann kann man das dargebotene Schauspiel sogar als brillant bezeichnen, denn es passt ganz einfach vortrefflich in das vollkommen durchgeknallte Szenario.

So werden auch die städigen sexuellen Anspielungen, die sich durch die gesamte Geschichte ziehen, sowohl verbal als auch visuell hervorragend hervorgehoben und sorgen für so manch witigen Moment in dieser blutigen Story. Hinzu kommt noch ein kleiner Schuss Sozialkritik an der heutigen Konsum-Gesellschaft, der auch mit einem leichten Augenzwinkern zu betrachten ist. Alles zusammengenommen kann man also "Legion der Vampire" als sehr gelungenen Genre-Beitrag ansehen, der teilweise herrlich erfrischend wirkt und dem Zuschauer jede Menge Spaß und Abwechslung beschert. Letzteres bezieht sich insbesondere auf die verschiedenen Tötungsarten, die man hier zu Gesicht bekommt, denn in dieser Beziehung bekommt man teilweise wirklich Abwechslungsreiches geboten. Mich hat dieser Movie jedenfalls bestens unterhalten und jede Menge Spaß gemacht und ich kann mir sehr gut vorstellen, das dies auch bei vielen anderen Leuten der Fall sein wird.


Fazit:


Barak Epstein und Blair Rowan haben mit "Legion der Vampire" eine herrlich trashige Horror-Komödie geschaffen, die man natürlich zu keiner Zeit auch nur annähernd ernst nehmen darf. Eine gelungen Mischung aus skurrilem Humor und einem annehmbaren Härteanteil sorgen für einen excellenten und äusserst witzigen Film-Spaß, den man in dieser Form nicht jeden Tag geboten bekommt. Freunde der witzig-trashigen Horrorkost kommen an diesem Werk nicht vorbei und werden allerbestens bedient, so das man den Film bedenkenlos weiterempfehlen kann.


8/10

Freitag, 15. Januar 2010

Löwenkäfig






Löwenkäfig
(Leonera)
mit Martina Gusman, Elli Medeiros, Rodrigo Santoro, Laura Garcia, Tomas Plotinsky, Leonardo Sauma, Walter Cignoli, Roberto Maciel, Ricardo Ragendorfer, Clara Sajnovetsky
Regie: Pablo Trapero
Drehbuch: Alejandro Fadel / Martin Mauregui
Kamera: Guillermo Nieto
Musik: Keine Information
FSK 12
Argentinien / Brasilien / Südkorea / 2008

Die 25-jährige Studentin Julia muss sich nach einer wilden Nacht der Realität stellen. Ihr Freund Ramiro liegt schwer verletzt in seinem Blut, sein Geliebter - der Vater auch von Julias werdendem Kind - ist erstochen. Ramiros Aussage führt dazu, dass Julia wegen Mordes zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt wird. In einem Teil des Gefängnis, der Müttern mit ihren Kindern vorbehalten ist, bringt sie Sohn Tomas zur Welt. Langsam erst lernt sie ihn lieben, doch dann ist Julia endlich bereit, für ihren Jungen zu kämpfen.


Hier handelt es sich einmal wieder um einen dieser Filme, mit denen man auf den ersten Blick nicht sofort etwas anfangen kann, da einem der Titel nicht unbedingt viel verrät. Wenn man dann aber weiss, um welche Thematik es sich hier handelt und sich auf die erzählte Geschichte einlässt, dann wird man im Endeffekt mit einem tiefgründigen und teils sehr emotionalen Drama der Extraklasse belohnt. Dies ist meiner Meinung nach insbesondere der fantastischen darstellerischen Leistung von Martina Gusman zu verdanken, die gleichzeitig auch die Frau von Regisseur Pablo Trapero ist und die Figur der inhaftierten Julia mit einer enormen Inbrunst und Ausdruckskraft erfüllt, die man nicht besser hätte bewerkstelligen können.

Doch es ist längst nicht nur ihr grandioses Schauspiel, auch der Einblick in die Welt eines argentinischen Frauenknasts und die dort vorherrschenden Zustände hinterlässt beim Betrachter einen durchaus nachhaltigen Eindruck und werfen auch Fragen über das dort herrschende Rechtssystem auf. Denn die Gerichtsverhandlung, die einem während des Films präsentiert wird, ähnelt so gar nicht denen, die man normalerweise aus europäischen Ländern her kennt und wirkt so doch schon ziemlich gewöhnungsbedürftig und ungewohnt. Jedoch stellt sie eigentlich einen eher unwesentlichen Teil der Geschichte dar, denn im Mittelpunkt steht ganz eindeutig der Charakter der Hauptdarstellerin und der in den Jahren ihrer Inhaftierung stattfindende Wesenswandel, der besonders gut zur Geltung kommt und einen nicht unberührt lässt.

Nach gut zwei Dritteln der Story sieht man selbst auch den Titel des Filmes mit ganz anderen Augen, da sich aus der zu Beginn eher gleichgültig wirkenden Julia eine sehr gefühlsbetonte junge Frau herauskristallisiert, die es erst mit der Zeit lernt, ihren im Gefängnis geborenen Sohn Tomas mit jeder Faser ihres Herzens absolut bedingungslos zu lieben. Als der ihr dann von ihrer eigenen Mutter unter Vorspielung falscher Tatsachen entzogen wird, entdeckt Julia die Löwin in sich selbst und kämpft mit ungeheurer Vehemenz dafür, das ihr Sohn zu ihr in das Gefängnis zurückkehrt. Da ihre Versuche allerdings erfolglos bleiben, sieht sie letztendlich nur noch eine Möglichkeit, um wieder mit ihrem geliebten Sohn zusammenzukommen.

Es sind vor allem die Passagen der Geschichte, in denen sich Julias Charakter verändert, die den Zuschauer absolut in ihren Bann ziehen und in denen das dargebotene Schauspiel ganz besonders herausragend ist, denn Martina Gusman verleiht der von ihr dargestellten Figur extrem viel Glaubwürdigkeit und Authenzität. So beeindrucken insbesondere die Schwankungen ihrer Gefühlswelt, bei denen sich Stärke und Schwäche, aber auch Verzweiflung und teilweise vorhandene Hoffnungslosigkeit abwechseln. Und ganz egal, in welcher Gefühlslage sie sich gerade befindet, alle werden äusserst intensiv und glaubwürdig zum Ausdruck gebracht, was dem ganzen Szenario einen noch intensiveren und realistischen Touch verleiht.

So bietet "Löwenkäfig" ein in allen Belangen beeindruckendes Drama, das zu keiner Zeit überzogen oder unrealistisch wirkt und mit glanzvollen schauspielerischen Leistungen vollkommen zu überzeugen weiss, wobei man Martina Gusman in der Hauptrolle noch einmal gesondert erwähnen muss, denn sie ist in meinen Augen das absolute Highlight dieses Werkes, dem es nicht gerade an Höhepunkten mangelt. Ein Film, der absolut hochklassige und niveauvolle Unterhaltung bietet, die man sich keinesfalls entgehen lassen sollte.


Fazit:


Mit "Löwenkäfig" hat Regisseur Pablo Trapero ein beeindruckendes Stück Film geschaffen, in dem seine Frau in der Hauptrolle absolut brillantes Schauspiel darbietet. Besonders interessant ist hier auch der Einblick in das argentinische Rechts-und Gefängnissystem, das einen teilweise schockierenden Eindruck vermittelt und auch das Wort Gerechtigkeit so manches Mal in Frage stellt. Auf jeden Fall bekommt man es hier aber mit einem Film zu tun, der nachhaltige Spuren hinterlässt.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch / Spanisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 109 Minuten
Extras: Trailer, Trailershow


9/10

Mittwoch, 13. Januar 2010

Trick 'r Treat






Trick'r Treat - Die Nacht der Schrecken
(Trick'r Treat)
mit Dylan Baker, Rochelle Aytes, Quinn Lord, Lauren Lee Smith, Moneca Delain, Tahmoh Penikett, Brett Kelly, Britt McKillip, Isabelle Deluce, Jean-Luc Bilodeau, Alberto Ghisi, Samm Todd, Anna Paquin, Brian Cox, Leslie Bibb
Regie: Michael Dougherty
Drehbuch: Michael Dougherty
Kamera: Glen MacPherson
Musik: Douglas Pipes
Keine Jugendfreigabe
USA / 2008

Vier Geschichten, die sich zu Halloween ereignen, stehen auf unheimliche Weise miteinander in Verbindung: Eine Gruppe von Kindern kommt hinter das dunkle Geheimnis der Stadt. Eine junge Frau wird von einem maskierten Stalker auf dem Halloweenfest verfolgt. Ein zänkischer alter Mann schließt ein finsteres Geschäft ab und ein Serienkiller vergiftet alle Süßigkeiten.


Als erstes sollte man anmerken, das man sich bei "Trick'r Treat" keinesfalls von der Freigabe des Films irritieren lassen sollte, die meiner Meinung nach etwas zu hoch gegriffen ist, denn eine 16er Freigabe hätte hier vollkommen ausgereicht. Deswegen könnte es auch durchaus einige Leute geben, die nach Sichtung dieses Werkes etwas enttäuscht sind, da im Bezug auf visuelle Härte nicht viel geboten wird. Das soo jetzt aber keineswegs als negative Kritik zu verstehen sein, denn dieser Film von Regisseur Michael Dougherty ist ein teilweise niedlicher und sehr atmosphärischer Horrorfilm, der dem Zuschauer das perfekte Halloween-Feeling präsentiert, das von der ersten Minute an vorherrscht und sich wie ein roter Faden durch die gesamte Geschichte zieht.

Dabei wird man mit 4 verschiedenen Episoden-Geschichten konfrontiert, die alle auf eine unheimliche Art und Weise miteinander verbunden sind und ganzzeitige schaurig-schöne Halloween-Unterhaltung bieten. Insbesondere die von Anfang an vorherrschende Atmosphäre nimmt den Betrachter dabei voll in Beschlag und zieht ihn richtiggehend in ihren Bann. Gespannt verfolgt man das gruselige Treiben, das auch in einigen Phasen für die ein oder andere Gänsehaut sorgt, was auch den hervorragenden Schauplätzen zu verdanken ist. Denn diese heben das besondere Halloween-Ambiente noch einmal zusätzlich hervor, ganz egal, ob man sich im tiefen Wald befindet, in dem sich einige hübsche Mädchen zu einer ganz besonderen Party versammelt haben, oder in einem düsteren und baufälligen Haus, in dem ein alter Mann sich gegen eine Art Geistwesen zur Wehr setzen muss.

So wird der Zuschauer hier ganzzeitig mit einem Film konfrontiert, der jederzeit durch einen konstanten Spannungsbogen, eine tolle Atmosphäre und perfekt ausgewählte Schauplätze zu überzeugen weiss und dabei das wirklich herausragende Halloween-Ambiente vermittelt, das man kaum besser hätte in Szene setzen können. Es ist nun einmal diese eine besondere Nacht im Jahr, in der man sich noch intensiver gruselt als sonst und genau dieses Gefühl bekommt man hier vermittelt. Da fällt es auch nicht weiter ins Gewicht, das Gorehoungs wohl nicht auf ihre Kosten kommen werden, denn bis auf 2-3 Szenen wird im Bezug auf Härte nichts geboten. Meiner Meinung nach hätte übermäßige Härte dem Film auch mehr geschadet, als das es ihm genutzt hätte, denn es ist ganz eindeutig die vorherrschende Grundstimmung, die im Focus dieses charmanten Gruselfilms steht.

Das insgesamt schon sehr gute Gesamtbild wird durch die guten Darsteller noch zusätzlich abgerundet, man wird hier zwar auf keinerlei oscarreife Schauspielleistungen treffen, aber alle Schauspieler liefern solide und überzeugende Arbeit ab, die sehr gut in einen Film dieser Art hineinpasst. Besonders gut haben mir persönlich die Kinder gefallen, die teilweise überraschend ausdrucksstark und authentisch agiert haben und dem Geschehen eine sehr glaubhafte Note verliehen haben. Der Eindruck der Glaubwürdigkeit ist hierbei jedoch auf die im Film entstehenden Situationen bezogen, wobei die Geschichte an sich natürlich viel eher in den Bereich der Märchen gehört und so hat "Trick'r Treat" auch etwas märchenhaftes an sich, das insbesondere durch die Kombination mit den Horror-Elementen sehr gut zur Geltung kommt.


Fazit:


"Trick'r Treat" kann man durchaus als schaurig-schönes Horror-Märchen ansehen, jedenfalls ging mir bei der Sichtung dieses Filmes dieser Gedanke öfter durch den Kopf. Allerdings sollte man das hier stattfindende Geschehen auch nicht zu sehr verniedlichen, da der Film auch durchgehend sehr spannend und atmosphärisch inszeniert wurde. Ein Film, der einem an jedem Tag des Jahres das perfekte Halloween-Gefühl beschert und jederzeit bestens und sehr kurzweilig zu unterhalten weiss. Hier kann man ohne Gewissensbisse eine absolute Empfehlung aussprechen.


8/10

Montag, 11. Januar 2010

Largo Winch - Tödliches Erbe






Largo Winch - Tödliches Erbe
(Largo Winch)
mit Tomer Sisley, Kristin Scott Thomas, Miki Manojilovic, Melanie Thierry, Gilbert Melki, Karel Roden, Steven Waddington, Anne Consigny, Radivoje Bukvic, Nicolas Vaude, Benedict Wong, Gerard Watkins, Wolfgang Pissors, Theodore Thomas, David Gasman
Regie: Jerome Salle
Drehbuch: Philippe Francq / Julien Rappeneau
Kamera: Denis Rouden
Musik: Alexandre Desplat
FSK 16
Frankreich / 2008

Der schwerreiche Konzern-Mogul Nerio Winch kommt unter mysteriösen Umständen ums Leben. Beim Gerangel um die Firmennachfolge taucht plötzlich sein bisher unbekannter Adoptivsohn auf - LARGO WINCH. Dieser soll nun den Chefposten übernehmen, worüber die Führungsetage wenig begeistert ist zumal der lässige Abenteurer nicht gerade ins Firmenprofil passt. Doch Largo ist mit allen Wassern gewaschen und kennt die knallharten Regeln der Weltwirtschaft. Allerdings will er zuerst diejenigen finden, die für den Tod seines Vaters verantwortlich sind. Eine Verschwörung in den eigenen Reihen wird zu einem lebensgefährlichen Abenteuer und Largo gerät in ein mörderisches Geflecht aus Geld, Macht und Korruption ...


Das dieser Film auf einer belgischen Comic-Serie beruht und es sogar schon eine gleichnamige TV-Serie gibt, war mir im Vorfeld überhaupt nicht bekannt, so das ich vorbehaltlos und ohne jegliche Vorkenntnisse an diesen Thriller herangehen konnte. Nun ist es ja nicht selten so, das gerade Filme, die sich in der Welt der Hochfinanz abspielen, manchmal etwas langatmig daherkommen und es auch nicht immer leicht ist, der eigentlichen Thematik lückenlos zu folgen, wenn man sich mit der Materie nicht so gut auskennt. Umso überraschter war ich dann, als sich hier ein wirklich erstklassig inszenierter Thriller offenbarte, der ein phasenweise extrem rasantes Erzähltempo vorlegt und in dem es überhaupt gar keine langatmigen Phasen gibt. Eher das Gegenteil ist der Fall, die Geschichte ist sehr actiongeladen und es gibt auch überhaupt keine Probleme, der Story zu folgen, da sie leicht verständlich gehalten wurde und so für einen sehr hohen Unterhaltungswert garantiert.

Die Welt der Hochfinanz ist hier auch lediglich als notwendiges Beiwerk anzusehen, im Focus steht ganz eindeutig der Hauptcharakter (Largo Winch), der die Verantwortlichen für den Mord an seinem Adoptiv-Vater zur Rechenschaft ziehen will und dabei sein Milliarden-Erbe gegen Angriffe aus den eigenen Reihen verteidigen muss. So entwickelt sich in ziemlich kurzer Zeit ein sehr temporeiches Intrigen-Spiel, das immer wieder mit erstklassigen Action-Passagen angereichert wurde, so das man von der ersten bis zur letzten Minute ein äusserst unterhaltsames Filmerlebnis beschert bekommt, das absolut packend und fesselnd auf den Betrachter wirkt. Durch immer wieder eingestreute Rückblenden in die Vergangenheit des Largo Winch werden dem Zuschauer auch die Zusammenhänge nähergebracht, wie und warum es überhaupt zur Adoption des charismatischen Hauptcharakters gekommen ist, der von Beginn an sehr viel Symphatiepunkte sammeln kann.

Besonders gelungen ist vor allem der dramaturgische Spannungsaufbau der Geschichte, der sich mit der Zeit immer mehr verdichtet, da einem Stück für Stück immer mehr Puzzle-Teile des gesamtbildes offenbart werden, bis sich zum Ende hin alles nahtlos ineinanderfügt und so im Endeffekt keinerlei Fragen offenlässt. Hierbei wurde sorgsam darauf geachtet, die stattfindende Intrige nur stückchenweise aufzulösen und nie zuviel auf einmal zu verraten. Dadurch wird man teilweise auf falsche Fährten gelockt und hat doch so einige Charaktere als Drahtzieher des Ganzen im Auge, bevor sich erst im letzten Drittel des Films die wirklichen Drahtzieher zu erkennen geben, wobei man auch mindestens bei einer mitwirkenden Person sichtlich überrascht ist, weil man sie so gar nicht auf der Liste der Verdächtigen hatte. Und so ist wirklich ganzzeitig für ein hohes Maß an Spannung gesorgt, ein rasantes Tempo und tolle Action-Szenen sorgen zusätzlich dafür, das nie auch nur der Anflug von Langeweile entsteht und der Zuschauer sich an einem richtig gelungenem Action-Thriller erfreuen kann, der qualitätsmäßig auch locker mit so manchem Hollywood-Blockbuster mithalten kann.

Ein weiteres Markenzeichen sind die äusserst überzeugenden Darsteller, wobei insbesondere Tomer Sisley in der Rolle des Weltenbummlers Largo Winch zu überzeugen weiss. Seine extrem charismatische und lässige Darstellung der Hauptfigur ist eines der absoluten Highlights dieses Filmes. Gerade der offensichtliche Kontrast zwischen seiner Person und den teils blasiert wirkenden Mitglieder des Aufsichtsrates ist immer wieder herrlich anzusehen und verleiht dem Geschehen auch an einigen Stellen eine leicht humorige Note, die aber nie übertrieben oder gar deplaciert wirken würde. So kann man letztendlich von einem absolut gelungenem und sehenswerten Film sprechen, den sich kein fan des Genres entgehen lassen sollte, denn ansonsten hat man wirklich etwas verpasst.


Fazit:


"Largo Winch - Tödliches Erbe" ist für mich persönlich eine absolut positive Überraschung, denn ich bin eigentlich ohne großartige Erwartungen an diesen Film herangegangen. Das sich dieses Werk als erstklassiger und sehr temporeicher Action-Thriller entpuppt, hätte ich ehrlich gesagt kaum für möglich gehalten. Der Film bietet gut 100 Minuten sehr kurzweilige Unterhaltung, so das man kaum merkt, wie schnell die Zeit hier vergeht. Ein Film, den man absolut bedenkenlos weiterempfehlen kann und den man sich auch gern mehrmals ansieht.


Die DVD:

Vertrieb: Sunfilm
Sprache / Ton: Deutsch / Französisch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch / Englisch
Bild: 1:2,35 (16:9)
Laufzeit: 104 Minuten
Extras: Making Of, Die Stunts von Largo Winch, Das Training, Interviews, Storyboard / Film-Vergleich

Samstag, 9. Januar 2010

Das Gesicht der Wahrheit






Das Gesicht der Wahrheit
(Freedomland)
mit Samuel L. Jackson, Julianne Moore, Edie Falco, Ron Eldard, William Forsythe, Aunjanue Ellis, Anthony Mackie, La Tanya Richardson, Clarke Peters, Peter Friedman, Domenick Lombardozzi, Aasif Mandvi, Philip Bosco, Fly Williams III, Portia
Regie: Joe Roth
Drehbuch: Richard Price
Kamera: Anastas N. Michos
Musik: James Newton Howard
FSK 16
USA / 2006

Mitten in der Nacht stolpert die völlig verstörte Brenda in die Notaufnahme des Dempsy Medical Center in New Jersey. Der herbeigerufen Polizei erzählt sie, dass ein Schwarzer sie aus ihrem Wagen gezerrt habe und davongefahren sei - mit ihrem kleinen Sohn, der auf der Rückbank schlief. Police Detective Lorenzo Council beginnt, in dem Fall zu ermitteln. Auch die Aktivistin einer Organisation, die vermisste Kinder aufspürt, beteiligt sich in einem Wettlauf gegen die Zeit an der verzweifelten Suche nach dem entführten Jungen. Als der Täter in einer der heruntergekommenen Siedlungen am Stadtrand vermutet wird, in der überwiegend Farbige wohnen, spitzt sich die Lage zwischen den Einwohnern und der überwiegend weißen Polizei gefährlich zu. Es kommt zu wütenden Protesten. Doch ist der Täter tatsächlich hier zu suchen? Detective Council hat Zweifel, ob die Mutter wirklich die Wahrheit sagt. Oder verschweigt sie etwas, das zu schrecklich wäre, um es auszusprechen?


Warum dieses Thriller-Drama fast ausschließlich mittelmäßige Kritiken erhält, ist eigentlich nicht so ganz nachvollziehen, bekommt man doch eine zugegebenermaßen äusserst klischeebehaftete, aber jederzeit spannende und interessante Geschichte präsentiert, die zudem noch mit sehr guten Darstellern besetzt ist. Und gerade diese Darsteller sind es anscheinend, die manch Einem wohl nicht so zugesagt haben, weil sie angeblich eine eher mittelmäßige Kostprobe ihres Könnens zur Schau stellen. Dabei sind es doch insbesondere die beiden Hauptcharaktere Samuel L. Jackson und Julianne Moore, die diesem Film ihren Stempel aufdrücken und durch ihr ausdrucksstarkes Schauspiel dazu beitragen, das sich hier eine ganz eigene Dynamik entwickelt, die den Betrachter unweigerlich in ihren Bann zieht. Jackson als Prototyp des klischeebehafteten schwarzen Polizisten, der als Vermittler und Schlichter bei den drohenden Rassen-Unruhen dient und diese Rolle mit Bravour meistert und Julianne Moore als aphatisch und verwirrt scheinende Mutter des verschwundenen Kindes, die man getrost als Auslöser für die aufkommenden Unruhen ansehen kann.

Nun bemerkt man im Laufe der Geschichte ziemlich eindeutig, das Regisseur Joe Roth wohl das Ansinnen hatte, die Rassen-Thematik in den Vordergrund zu stellen, gerät doch der eigentliche "Entführungsfall" immer mehr in den Hintergrund und nimmt phasenweise sogar den Stellenwert eines eher nebensächlich erzählten Nebenerzählstrangs ein. So ist es dann auch nicht weiter verwunderlich, das man schon nach kurzer Zeit ahnen kann, in welche Richtung die Geschichte weiterläuft. Ich persönlich sehe das aber keinesfalls als Schwäche des Drehbuchs an, da die sogenannte "Entführung" in meinen Augen lediglich dazu dient, die eigentliche Thematik des Films herauszuarbeiten und das gelingt auf sehr beeindruckende Art und Weise.

Die Vorgehensweise der Polizei gegen die schwarzen Einwohner einer Wohnsiedlung und die damit verbundenen Vorurteile werden nämlich auf eine äusserst schonungslose Art dargestellt, die einen nicht unberührt lässt. Und auch, wenn hier sämtliche Klischees bedient werden, geht von diesen Passagen des Films auch ein hohes Maß an Authenzität aus und verdeutlicht einmal mehr, das auch in der heutigen Zeit noch längst nicht alle Menschen gleich behandelt werden. Besonders gelungen ist vor allem die stetig ansteigende Bedrohlichkeit der Situation, wirkt zu Beginn trotz aufkommender Wut noch alles weitgehend unter Kontrolle, so steigert sich die Ablehnung zwischen Polizei und den schwarzen Bewohnern immer weiter, aus Wut wird teilweise purer Hass, so das die Szenerie zum Ende hin auch eskaliert, das Schlimmste aber unter großen Mühen gerade noch verhindert werden kann.

Im Endeffekt hat man es eigentlich größtenteils vielmehr mit einem Rassen-Drama als mit einem Entführungs-Thriller zu tun, doch ganz egal, von welcher Seite aus man dieses Werk betrachtet, strahlt es auf jeden Fall eine ungeheure Faszination auf den Zuschauer aus und entwickelt dabei eine sehr starke Intensität, die allein schon in der Thematik der Geschichte begründet ist. Von Langewile oder schlechten Schauspielern ist man hier meilenweit entfernt, ein sehr hoch angesiedelter Spannungsbogen und eine mehr als gelungene Atmosphäre sorgen dafür, das man fast zwangsläufig mitfiebert und sich gern der Faszination des Geschehens hingibt.


Fazit:


Trotz vieler eher bescheidener Kritiken handelt es sich bei "Das Gesicht der Wahrheit" meiner Meinung nach um einen Film, der es vorzüglich versteht, einen Entführungs-Thriller mit einem Rassen-Drama zu kombiniern. Erstklassige Darsteller tragen Sorge dafür, das die erzählte Geschichte ihre volle Intensität entfalten kann, die dem Betrachter stellenweise richtiggehend unter die Haut kriecht und ihm so ein richtig gelungenes Filmerlebnis beschert. Ein Film, der bedenkenlos zu empfehlen ist.


8/10

Donnerstag, 7. Januar 2010

Tunnel der lebenden Leichen






Tunnel der lebenden Leichen
(Death Line)
mit Donald Pleasence, Norman Rossington, David Ladd, Sharon Gurney, Hugh Armstrong, June Turner, Clive Swift, James Cossins, Heather Stoney, Hugh Dickson, Jack Woolgar, Ron Pember, Colin McCormack, Gary Winkler, James Culliford, Christopher Lee
Regie: Gary Sherman
Drehbuch: Ceri Jones / Gary Sherman
Kamera: Alex Thomson
Musik: Wil Malone / Jeremy Rose
Ungeprüft
Großbritannien / 1973

Der Tod geht um zwischen den U-Bahn-Stops Holborn und Russell Square in London, denn dort verschwinden immer wieder Menschen für immer. Für Inspektor Calhoun (Donald Pleasence) zunächst ein Rätsel, doch dann findet er eine Spur, die zu einer Gruppe von Arbeitern führt, die um die Jahrhundertwende beim U-Bahnbau bei einem Höhleneinsturz für immer verschwanden. Offensichtlich leben ihre Nachkommen immer noch unter der Erde und sie haben Hunger...


Auch wenn der Titel dieses britischen Horror-Klassikers es eventuell vermuten lassen könnte, handelt es sich hier keineswegs um einen Zombiefilm, vielmehr könnte man dieses Werk von Regisseur Gary Sherman als "Großvater" des Films "Creep" bezeichnen, denn die beiden Geschichten weisen doch frappierende Ähnlichkeiten auf. Selbstverständlich ist "Tunnel der lebenden Leichen" nicht so temporeich in Szene gesetzt worden, das Erzähltempo des Geschehens ist hier um Einiges bedächtiger und ruhiger, was jetzt aber keinesfalls negativ zu bewerten ist. Es handelt sich ganz einfach um einen älteren, aber sehr spannenden Film aus einer Zeit, wo Härte, visuelle Brutalität und teure Effekte noch nicht so tonangebend waren, wie es in der heutigen Zeit der Fall ist. So bekommt der Zuschauer hier noch überdurchschnittlich gute Horrorkost geboten, die insbesondere in atmosphärischer Hinsicht vollkommen zu überzeugen weiss.

Dazu sind natürlich die Katakomben der Londoner U-Bahn geradezu fantastisch geeignet, in denen sich Teile der Geschichte abspielen und die durch ihre herrlich düstere Optik für so manch kalten Schauer sorgen können, der dem Betrachter über den Rücken läuft. Wie auch in "Creep" verschwinden hier Menschen spurlos und erst ganz am Ende des Films kommt die Polizei überhaupt erst auf die Idee, diese in den unterirdischen Katakomben zu suchen. Ganz generell wird gerade die Ermittlungsarbeit der Beamten auf eine geradezu naive Art und Weise dargestellt, die einem aus heutiger Sicht viel eher ein Schmunzeln auf die Lippen zaubert und dem Geschehen einen ganz eigenen Charme verleiht. Dazu trägt in erster Linie auch Donald Pleasence bei, der den Charakter des Inspektor Calhoun mit äusserst viel Symphatie erfüllt, so das man auch großzügig über den fehlenden kriminalistischen Spürsinn hinwegsehen kann.

Trotz der ziemlich ruhigen Erzählweise der Geschichte entwickelt sich ein durchaus konstanter Spannungsbogen, der zwar nicht unbedingt die vollkommene Hochspannung präsentiert, sich aber in einem soliden Rahmen bewegt. Ob das allerdings gerade für die jüngere Generation ausreichend ist, die ja doch eher auf rasantes Tempo, Härte und Brutalität geeicht ist, wage ich zu bezweifeln, denn auch richtig derbe Szenen gibt es in diesem Film nicht zu verzeichnen. Zwar gibt es gerade in der zweiten Filmhälfte einige etwas härtere und blutige Einstellungen, die allerdings nach heutigen Kriterien eher harmlos anmuten. Dafür wird man aber durch die schon kurz erwähnte, erstklassige Atmosphäre entschädigt, die einen fürmlich in ihren Bann zieht und so ihre Wirkung auf den Betrachter keineswegs verfehlt.

Leider gibt es von diesem wirklich gelungenem Horror-Thriller immer noch keine offizielle deutschsprachige Veröffentlichung auf DVD, was eigentlich sehr schade ist, denn der Film hätte es wirklich verdient. So müssen sich Fans dieser alten Klassiker weiterhin gedulden und hoffen, das sich irgendwann ein label erbarmt und dieses britische Werk endlich offiziell auf einer DVD rausbringt.


Fazit:


"Tunnel der lebenden Leichen" ist ein Film, an dem kein Liebhaber der älteren Horrorfilme vorbeikommt. Eine nette Geschichte, die spannend und sehr atmosphärisch umgesetzt wurde, verbreitet hier ihren schaurig-schönen 70er Jahre Charme, dem sich kein Nostalgiker entziehen kann. Jedem, dem "Creep" gefallen hat, könnte auch dieser Film zusagen, denn die Ähnlichkeiten sind erstaunlich, allein das Tempo der Filme unterscheidet sich ziemlich stark.


8/10

Dienstag, 5. Januar 2010

A Tale of Two Sisters






A Tale of Two Sisters
(Janghwa, Hongryeon)
mit Kap-su Kim, Jung-ah Yum, Su-jeong Lim, Geun-Young Moon, Seung-bi Lee
Regie: Ji-woon Kim
Drehbuch: Ji-woon Kim
Kamera: Mo-gae Lee
Musik: Byung-woo Lee
FSK 16
Südkorea / 2003

Es ist ein strahlender Sommertag als die Schwestern Su-mi und Su-yeon in ein abgelegenes Haus am See gebracht werden. Sie waren seit dem Tod ihrer Mutter in einer Heilanstalt. In der Eingangshalle wartet bereits die verhasste Stiefmutter. Su-mi, die Ältere, zeigt sich der Frau gegenüber offen feindselig, während Su-yeon fast furchtsam auf Abstand geht. Bald schon gleicht das Haus einem geisterhaften Folterkeller, in dem der Wahnsinn kalt und grausam in den Ecken lauert.


Im Prinzip sollte man jedem Film ganzzeitig seine volle Aufmerksamkeit schenken, um möglichst sämtliche Handlungsabläufe und auch die kleineren Details mitzubekommen. Bei einigen Filmen ist es aber auch nicht weiter tragisch, wenn man sich selbst einmal eine kleinere Konzentrationspause gönnt, denn zumeist geht der rote Faden dadurch nicht verloren. Ganz anders verhält es sich bei dieser südkoreanischen Produktion, bei der gerade die Kleinigkeiten eminent wichtig sind, um dem ganzen einen Sinn zu verleihen. Wenn man hier auch nur einmal für kurze Zeit die Aufmerksamkeit schleifen lässt, kann es durchaus passieren, das die gesamte Handlung auf einmal nur noch verwirrend und sehr schwer nachvollziehbar ist. Denn beginnt die Geschichte zu Anfang noch recht überschaubar, so entwickelt sich doch recht schnell ein Geschehen, das einige Fragen aufkommen lässt, die sich erst ganz am Ende des Films hundertprozentig beantworten lassen.

Doch bis dahin ist es ein ziemlich langer, aber auch sehr spannender und interessanter Weg, den man allerdings sehr gern beschreitet, da der Film von Anfang an eine ungeheure Faszination auf einen ausübt, der man sich nur schwerlich entziehen kann. Wer einen reinen Gruselfilm erwartet, der muss recht schnell feststellen, das sich dieses Werk wohlwollend von den üblichen Vertretern dieser Art abhebt, denn bekommt man doch vielmehr eine äusserst intensive und gelungene Mixtur aus Psycho-Drama-und Gruselfilm präsentiert, die im Laufe der Zeit eine sehr intensive Wirkung auf den Zuschauer ausübt. Kaum merklich verdichtet sich dabei die die von Haus aus schon sehr dichte Grundstimmung des Films und nimmt mit zunehmender Laufzeit immer bedrohlichere und unheimliche Züge an, die ihre Wirkung auch keinesfalls verfehlen. Denn nimmt man zu Beginn das Geschehen noch äusserst entspannt zur Kenntnis, so verändert sich das eigene Sehverhalten immer mehr und vermittelt einem nicht selten ein Gefühl der Beklemmung, das fast zwangsläufig in einem aufsteigt und auch für den ein oder anderen kalten Schauer sorgt, der einem über den Rücken läuft.

Dafür sorgt in erster Linie der sehr schleichend entstehende Horror, tritt er zu Beginn noch kaum spürbar in Erscheinung, so gibt es insbesondere im letzten Filmdrittel doch so einige Passagen, die einem fast die Haare zu Berge stehen lassen. In dieser Phase ist man dann auch sichtlich überrascht, wenn die vielleicht selbst schon erahnte Lösung des Ganzen präsentiert wird, obwohl der Film noch gute 30 Minuten Restspielzeit aufweist. Wer jetzt aber denkt, das alles schon erzählt wurde, der sieht sich ziemlich schnell getäuscht, da auch die letzten Minuten noch einige Überraschungen parat haben, bevor man erst ganz am Ende die ganze schreckliche Wahrheit offenbart bekommt.

"A Tale of Two Sisters" ist ein Film, der sicherlich nicht jeden Geschmack treffen wird, aber über eine Sache dürfte es eigentlich keine Streitereien geben und das ist die visuelle Ausdrucksstärke. Die Bilder sind einerseits von einer schlichten Schönheit, die dadurch ein sehr hohes Maß an Ästhetik ausdrücken, andererseits beeindrucken sie durch das äusserst kraftvolle Farbenspiel, das einem von der ersten Minute an ins Auge fällt. Dies ist aber lediglich eine der Stärken, die dieser Film offenbart, eine weitere ist meiner Meinung nach die Erzählart der Geschichte, die vielen eventuell etwas behäbig und langsam erscheinen mag. Aber es ist doch gerade dieses bedächtige und ruhige Erzähltempo, das den später aufkommenden Horror erst so intensiv zur Geltung kommen lässt, denn eigentlich rechnet man gar nicht so richtig damit, was die Intensität noch um ein Vielfaches erhöht.

So bekommt man letztendlich ein in allen Punkten absolut überzeugendes Filmerlebnis geboten, in dem auch die Darsteller durch Ausdruckskraft und hervorragendes Schauspiel zu überzeugen wissen. Hinzu kommt die ästhetische Ausstrahlung des Ganzen, die einen sehr nachhaltigen Eindruck beim Betrachter hinterlässt. Nicht selten entseht dabei der Eindruck, das man von den herrlich farbenprächtigen Kulissen regelrecht magisch angezogen fühlt, jedenfalls habe ich persönlich das so empfunden.


Fazit:


"A Tale of Two Sisters" ist für mich ein ästhetisches Meisterwerk, das gekonnt die Elemente des Psycho-Dramas mit denen des Gruselfilms kombiniert. Ein intelligent durchdachter Film, der durch etliche Überraschungen und Wendungen die volle Aufmerksamkeit des Zuschauers beansprucht. Schleichend aufkommender Horror und ein dramaturgisch erstklassiger Spannungsaufbau sorgen für einen aussergewöhnlich guten Filmgenuss, den sich kein echter Filmfreund entgehen lassen sollte.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch DTS, DD 5.1 / Koreanisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,85:1 (Widescreen anamorph)
Laufzeit: 110 Minuten
Extras: Audiokommentar, Originaltrailer, Making of, Bildergalerie, Hidden Features uvm.


9/10

Sonntag, 3. Januar 2010

Caligula






Caligula
(Caligola)
mit Malcolm McDowell, Teresa Ann Savoy, Guido Mannari, John Gielgud, Peter O'Toole, Giancarlo Bandessi, Bruno Brive, Adriana Asti, Leopoldo Trieste, Paolo Bonacelli, John Steiner, Mirella D'Angelo, Helen Mirren, Rick Parets, Paula Mitchell
Regie: Tinto Brass / Bob Guccione
Drehbuch: Gore Vidal
Kamera: Silvano Ippoliti
Musik: Bruno Nicolai / Renzo Rossellini
Ungeprüft
Italien / USA / 1979

Rom im Jahre 37 n. Chr: Kaiser Tiberius (Peter O'Toole), ein 77-jähriger tyrannischer Alkoholiker, der schwer von Syphilis gezeichnet ist, will seine Nachfolge regeln. Seine Wahl fällt auf Gaius (Malcom MacDowell), auch genannt Caligula. Zunächst gewinnt der neue Imperator die Gunst der öffentlichen Meinung, doch schon bald zeigt er sein wahres Gesicht. Die meiste Zeit verbringt er mit ausschweifenden Affären und grausamen Gladiatorenkämpfen. Rom verkommt zu einem gewaltigen Sündenpfuhl, in dem Perversion, Gewalt und Willkür herrschen. Als Caligula sich zum Gott proklamiert und beginnt seine Senatoren selbst zu liquidieren, ist sein Ende besiegelt...


Es gibt wohl nicht sehr viele Filme, die sich mit der Bezeichnung "Skandalfilm" schmücken können, doch das vorliegender Film von Tinto Brass ganz eindeutig zu dieser kleinen Gruppe von Filmen gehört, ist wohl absolut unbestritten. "Caligula" erntete schon kurz nach seinem Erscheinen äusserst barsche Kritik und Darsteller wie Peter O'Toole und auch Malcolm McDowell distanzierten sich so auch ziemlich schnell von diesem Film, wobei McDowell sein Mitwirken mit seinen damaligen Drogen-und Alkoholproblem begründete. Diese Erklärung kann man nach Sichtung des Films auch durchaus für glaubhaft halten, denn das dargebotene Schauspiel McDowells wirkt doch größtenteils erschreckend glaubwürdig, so das nicht selten der Eindruck entsteht, das es ihm keinesfalls Mühe bereitet, den anscheinend psychophatischen Cäsaren zu spielen.

Nun handelt es sich hier um einen Film, den man schwerlich in eine Bewertungs-Kategorie einordnen kann, ob man das hier Gezeigte als gut oder schlecht einordnet, ist wohl ganz extrem vom eigenen Geschmack abhängig. Doch man sollte sich schon allein interessehalber einmal dieses schockierende Werk anschauen, denn was einem hier geboten wird, sieht man nun wirklich nicht alle Tage und man kann ziemlich schnell nachvollziehen, warum es sich hier um einen sogenannten"Skandalfilm handelt. Denn wenn man ansonsten in vielen Geschictsfilmen immer ein strahlendes Rom zu sehen bekommt, das die ungeheure Stärke eines weltbeherrschenden Imperiums darstellt, so sieht man hier einmal eine vollkommen andere Seite dieser berühmten Stadt am Tiber, die einem wahren Sündenpfuhl gleicht. Statt kämpfender Helden in einer glänzenden Rüstung wird man mit Menschen konfrontiert, die anscheinend frei von jeglicher Moral sind und keinerlei Anstand besitzen.

Insbesondere wird dies durch die explizite Daestellung jeglicher Sexualpraktiken hervorgehoben, nicht selten entsteht dabei der Eindruck, das man es mit einem reinen Hardcorefilm zu tun hat, denn die Sexszenen wurden knallhart in Szene gesetzt, vom unzensierten Oralverkehr bishin zum richtigen Geschlechtsakt wird hier alles gezeigt, ohne das die Kamera dabei wegschwenken würde. Allein diese Tatsache mag viele Menschen schon davor zurückschrecken lassen, sich diesen Film überhaupt anzuschauen, jedoch geht von dem hier gezeigten geschehen auch eine ganz eigenartige Faszination aus, die man sich nur schwerlich erklären kann. Besteht doch ein Großteil der Geschichte aus hemmungslosen Orgien und sinnloser Gewalt, so ist es doch einmal sehr interessant zu sehen, das das damalige Rom auch eine anscheinend sehr dunkle und dreckige Seite zu bieten hatte.

Und diese Seite wirkt umso faszinierender, wenn man Malcolm McDowell hier bei seiner Darstellung des "Caligula" zuschaut, denn obwohl er sich schnell von diesem Film distanziert hat, so schmälert das in keinster Weise sein brillantes Schauspiel. Er verkörpert hier die Figur des Cäsars mit einer Vehemenz und Darstellungskraft, die ihresgleichen sucht. Seine Darstellung dieser "Bestie" kann man getrost als grandios bezeichnen und wenn man nicht wüsste, das es sich hier lediglich um eine Rolle handelt, so könnte man sehr schnell zu der Meinung gelangen, das er sein eigenes Leben zum Besten gibt. Allein ein Blick in seine aussergewöhnlichen Augen lässt nicht selten den puren wahsinn erkennen, von dem "Caligula" anscheinend ergriffen war.

Insgesamt gesehen bekommt man es hier mit einem Film zu tun, den man nicht einfach als gut oder schlecht bezeichnen kann, zumindest aber sollte man dieses Werk einmal gesehen haben und sei es allein aus dem Grund, das man mitreden kann. In gewisser Art und Weise muss man den Film schon zu den Klassikern zählen und sei es auch nur in der Kategorie "Skandalfilme".


Fazit:


"Caligula" bietet einen wirklich schockierenden und schonungslosen Einblick in eine Seite Roms, die man in dieser Form sicherlich noch nicht gesehen hat. Dabei wird ganz sicher nicht jeder geschmack getroffen, wer jedoch ein Faible für kontroverse Filme wie zum Beispiel "Die 120 Tage von Sodom" hat, der sollte sich auch diesen Film keinesfalls entgehen lassen, denn die schockierende Wirkung ist hier nicht weniger gering.


Bewertung entfällt

Samstag, 2. Januar 2010

Bei Anruf Mord






Bei Anruf Mord
(Dial M for Murder)
mit Ray Milland, Grace Kelly, Robert Cummings, John Williams, Anthony Dawson, Leo Britt, Patrick Allen, George Leigh, George Alderson, Robin Hughes
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Frederick Knott
Kamera: Robert Burks
Musik: Dimitri Tiomkin
FSK 12
USA / 1954

Margot Wendice ist die reiche Ehefrau des Playboys Tony. Tonys Charakter ist nicht gerade einer der feinsten, kein Wunder, daß seine Frau eine Liaison mit dem Schriftsteller Mark Halliday eingeht. Um einer möglichen Scheidung auszuweichen, heckt Tony einen teuflischen Plan aus. Er zwingt einen ehemaligen Schulkameraden, der in Schwierigkeiten steckt, zum Mord an seiner Frau. Der minutiös ausgefeilte Plan droht zu scheitern, als Margot es mit letzter Kraft schafft, ihren vermeintlichen Mörder mit einer Schere zu erstechen. Doch Tony reagiert mit eiskalter Berechnung: Er liefert der Polizei Hinweise, die seine Frau auf den elektrischen Stuhl bringen könnten...


Ähnlich wie schon bei "Coktail für eine Leiche" aus dem Jahr 1948 hat es Hitchcock auch bei vorliegendem Film wieder einmal perfekte Spannung auf kleinstem Raum entstehen zu lassen und er tat gut daran, sich mit seiner Inszenierung sehr nah an der Vorlage des dazugehörigen Bühnenstücks zu orientieren und die Geschichte nicht grundlegend zu verändern. So entsteht hier dieser kammerspielartige Eindruck beim Zuschauer, denn bis auf ganz wenige Ausnahmen spielt sich das ganze Geschehen in einem einzigen Zimmer ab. Für manche leute mag das vielleicht etwas langweilig klingen, aber wer "Coktail für eine Leiche" gesehen hat, der weiss ganz genau, welch einzigartige Faszination von einem solch gedrehten Film ausgehen kann. Und nicht anders verhält es sich auch in vorliegendem Film, der insbesondere durch die sich entfaltende und sehr dichte Grundstimmung und seine erstklassigen Darsteller überzeugen kann.

Neben der unvergessenen und bildschönen Grace Kelly ist es vor allem Ray Milland, der als windiger und boshafter Ehemann eine schauspielerische Glanzleistung abliefert und nach einem missglückten Mordplan keinerlei Skrupel hegt, alles so zurechtzulegen, das seine Ehefrau zum Tode verurteilt wird. Seine Darstellung des fiesen Charakters ist absolut brillant und hinterlässt beim Zuschauer einen wirklich nachhaltigen Eindruck. Doch im Prinzip kann man das auch von den anderen Akteuren und ihrem Schauspiel behaupten, denn was hier an Ausdrucksstärke und genialer Mimik geboten wird, das ist schon die ganz hohe Schule der Schauspielkunst, wie man sie in heutiger Zeit doch viel zu selten antrifft. Dabei tritt hier aber zu keiner Zeit die manchmal etwas überzogen wirkende Theatralik an den Tag, die man in vielen älteren Filmen begutachten kann, vielmehr wirkt die gesamte Szenerie nahezu perfekt aufeinander abgestimmt und sorgt so für einen sehr authentischen Eindruck.

Natürlich gibt es hier keine große Action zu sehen, aber die Mischung aus Krimi-und Thriller, die Hitchcock hier geschaffen hat, ist in meinen Augen absolut gelungen und sorgt jederzeit für einen äusserst interessanten und spannenden Filmgenuss. Sicherlich ist das Werk extrem dialoglastig und das trifft nicht jeden Geschmack, aber die vorhandenen Dialoge sind ganz einfach großartig und zeugen von einer sehr hohen Qualität. Hierfür braucht man nur an das Gespräch zwischen dem Ehemann und dem gedungenen Killer denken,, das phasenweise wie eine Selbstverständlichkeit wirkt, obwohl gerade über einen Mord gesprochen wird. Auch in dieser Passage ist es ray Milland, der eine grandiose Kostprobe seines schauspilerischen Könnens zum Besten gibt, wie sie besser kaum sein könnte. Aber ganz prinzipiell ist es eine wahre Freude, allen Akteuren zuzusehen-und zu hören, denn nur durch sie kann der Film seine ganze Intensität und Faszination entwickeln, die hier ganzzeitig vorhanden ist.

Auch wenn "Bei Anruf Mord" für viele nicht unbedingt zu den absolut herausragenden Filmen Hitchcock's zählen mag, hat der Meister es wieder einmal geschafft zu beweisen, das man auch mit den geringsten Mitteln und räumlich begrenzt ein äusserst hohes Maß an Spannung-und Thrill zu erzeugen, das zu jeder Zeit dazu in der Lage ist, den Betrachter für sich einzunehmen und sich so seine ungeteilte Aufmerksamkeit zu sichern. Denn man braucht nicht mehr als eine wohldurchdachte und spannende Geschichte und einige erstklassige Schauspieler, die diese durch ihr ausdrucksstarkes Schauspiel zu einem wirklich fesselnden Erlebnis machen.


Fazit:


Egal, um welche Art von Film es sich handelt, der britische Meisterregisseur schafft es doch immer wieder, den Zuschauer aufs Neue zu begeistern und hat auch mit "Bei Anruf Mord" einen Film geschaffen, den man sich auch nach über einem halben Jahrhundert immer wieder fern anschaut, da dieses Werk im Laufe der Jahrzehnte überhaupt nichts von seiner Faszination verloren hat.


9/10

Freitag, 1. Januar 2010

Ein Leben für ein Leben - Adam Resurrected






Ein Leben für ein Leben - Adam Resurrected
(Adam Resurrected)
mit Jeff Goldblum, Willem Dafoe, Derek Jacobi, Ayelet Zurer, Hana Laszlo, Joachim Krol, Jenya Dodina, Tudor Rapiteanu, Veronica Ferres, Idan Alteman, Juliane Köhler, Dror Keren, Shmuel Edelman, Yoram Toledano, Mickey Leon
Regie: Paul Schrader
Drehbuch: Yoram Kaniuk (Roman) / Noah Stollman (Drehbuch)
Kamera: Sebastian Edschmid
Musik: Gabriel Yared
FSK 12
Deutschland / Israel / USA / 2008

Anfang der 60er Jahre grassiert in einer Heilanstalt für Holocaust-Traumatisierte der Wahnsinn...
Um im Konzentrationslager unter dem sadistischen Lagekommandanten Klein (WILLEM DAFOE) zu überleben, muss der einstmals gefeierte Berliner Varieté-Star Adam Stein (JEFF GOLDBLUM) lernen, buchstäblich wie ein Hund zu leben. Jahre danach wird Adam immer noch von den grausamen Dämonen der Vergangenheit gequält. Gemeinsam mit anderen Opfern lebt er in einem Sanatorium für Überlebende des Holocaust mitten in der Wüste Israels, wo er seinen Schmerz in wilden Kapriolen und Zaubertricks erstickt. Dann entdeckt Adam einen neuen Patienten, der bislang vor ihm verborgen wurde: ein zwölfjähriger Junge, der sich für einen Hund hält. Er redet nicht, sondern bellt. Er geht nicht, sondern kriecht. Durch seine magischen Fähigkeiten kann Adam dem kleinen Jungen helfen.



Man weiss kaum noch, wie viele Filme es gibt, die sich mit der Thematik des Holocaust beschäftigen und die damaligen Greueltaten beleuchten, die von den Nazis an den Juden begangen wurden. Fast alle davon laufen nach einem ähnlichen Schema ab und stellen die Massenvernichtung eines ganzen Volkes dabei in den Vordergrund. "Ein Leben für ein Leben" ist ein ganz anders gelagerter Film, der sich damit schon einmal sehr wohlwollend von anderen Vertretern abhebt, denn der Film beschäftigt sich vielmehr mit den Spätfolgen bei einem Überlebenden des Krieges, der sein Leben in einer Heilanstalt für Holocaust-Traumatisierte verbringt und jeglichen Respekt vor dem eigenen Leben verloren hat.

Der Film basiert auf dem Roman "Adam Hundesohn" vom israelischen Schriftsteller Yoram Kaniuk, der einst sehr umstritten war, doch mittlerweile zu einem Bestseller avanciert ist. Das hervorstechendste Merkmal dieses filmischen Dramas ist ganz sicher die brillante Darstellung eines Jeff Goldblums, der die Figur des ehemaligen Variete-Stars Adam Stein auf eine Art und Weise darstellt, wie man es besser und eindrucksvoller nicht hätte tun können. Besonders der Kampf gegen die eigenen Dämonen, die ihn auch Jahre nach dem Ende des Krieges immer noch verfolgen, wurde hier sehr eindringlich und überzeugend in Szene gesetzt, so das man als Zuschauer richtiggehend mit diesem Mann mitleidet, der einen scheinbar inneren Kampf mit sich selbst austrägt, den man sich nur ansatzweise vorstellen kann. Immer wieder wird dabei die Zeitebene gewechselt, in der sich die Geschichte abspielt, befindet man sich einerseits in der Heilanstalt, die irgendwo in einer Wüste, weitab von jeder Zivilisation steht, wird man man andererseits mit ständigen s/w Rückblenden konfrontiert, die Adams Leben im Konzentrationslager zeigen.

In den Passagen, die in der Anstalt spielen, lernt man Adam als Menschen kennen, der eigentlich gegen sämtliche Regeln verstösst, sich ständig mit Alkohol zu betäuben versucht, eine Affäre mit einer Krankenschwester hat, aber auch die gleichzeitig die wichtigste Bezugsperson für die anderen Patienten ist. Durch kleinere Zaubertricks versucht er dabei, sich von sich selbst abzulenken und die anderen zu unterhalten, was ihm auch fast immer gelingt. Und dann sind da immer wieder diese äusserst schockierenden Rückblenden, die sein Leben im KZ zeigen, das man eigentlich gar nicht als Leben bezeichnen kann. Denn Adam musste hier ein wahres Hundeleben führen, jede Handlung musste er wie ein Hund ausüben. Er kroch auf allen Vieren, musste essen wie ein Hund und durfte auch nur bellen, ausser der sadistische Lagerkommandant Klein, der übrigens großartig von Willem Dafoe gespielt wird, forderte ihn zum Reden auf. Und wenn das noch nicht genug wäre, hat er auch noch seine Nächte neben einem Schäferhund im Zwinger verbracht.

All diese Demütigungen und Erniedrigungen kann man sich als Betrachter des Szenarios kaum vorstellen, weshalb sie umso intensiver und schockierender auf einen einprasseln und es mehr als verständlich machen, das ein Mensch daran zerbricht. Erst die Einweisung eines Jungen, der auch wie ein Hund lebt, ändert die Situation und verhilft im Endeffekt Adam wie auch dem Jungen zu einer vollkommen anderen Sichtweise des Lebens, das mit einemmal wieder einen Sinn zu ergeben scheint. Dabei überträgt sich während der Geschichte eine so starke Faszination auf den Betrachter, der man sich einfach nicht entziehen kann. Durch die immense Intensität, die vom Geschehen ausgeht, ist man teilweise wie ohnmächtig, da man sich das Gesehene nur schwerlich vorstellen kann und sich fragt, wiviel Schmerz und Demütigung eine menschliche Seele aushalten kann, bevor sie vollkommen abgestorben ist.

Und genau diese Gefühle werden von Jeff Goldblum auf eine absolut brillante Art zum Ausdruck gebracht, er schafft es in jeder einzelnen Sequenz, dem Zuschauer die innere Zerrissenheit dieses Menschen näherzubringen, so das man phasenweise fast körperlich den Schmerz zu spüren, der hier den gesamten Film erfüllt. Es ist ganz einfach eine Darstellung der ganz großen Schauspielkunst, wie man sie in der heutigen Zeit nicht mehr allzu oft geboten bekommt. Doch auch die anderen Darsteller wissen in ihren Rollen vollkommen zu überzeugen und tragen so dazu bei, das dieses Werk seine volle Wirkung erzielen kann. In einigen Nebenrollen kann man auch Schauspiler der ersten deutschen Riege sehen, so wirken hier bekannte Gesichter wie Veronica Ferres, Moritz Bleibtreu oder Joachim Krol mit.


Fazit:


Regisseur Paul Schrader hat mit "Ein Leben für ein Leben" ein sehr bewegendes Drama geschaffen, das durch seine erzählte Geschichte und hervorragende Schauspieler zu überzeugen weiss, bei denen die Leistung von Jeff Goldblum ohne Übertreibung als brillant zu bezeichnen ist. Hier ist ein Film entstanden, der auch einen nachdrücklichen Eindruck hinterlässt und der keinesfalls spurlos an einem vorbei geht. Einfühlsam, bewegend und erschütternd sind wohl die Bezeichnungen, die diese Geschichte am besten charakterisieren und für ein grandioses Filmerlebnis stehen, das man sich keinesfalls entgehen lassen sollte.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,35:1 (Widescreen anamorph)
Laufzeit: 102 Minuten
Extras: Trailershow


9/10