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Sonntag, 28. Februar 2010

Klass






Klass
(Klass)
mit Vallo Kirs, Part Uusberg, Lauri Pedaja, Paula Solvak, Mikk Mägi, Riina Ries, Joonas Paas, Kadi Metsla, Triin Tenso, Virgo Ernits, Karl Sakrits, Liina Joonas, Saara Kadak, Kaspar Kannelmäe, Britta Kikas
Regie: Ilmar Raag
Drehbuch: Ilmar Raag
Kamera: Kristjan-Jaak Nuudi
Musik: Martin Kallasvee / Paul Oja / Timo Steiner
FSK 16
Estland / 2007

Wegschauen oder eingreifen? Mitmachen oder sich in den Weg stellen? Auch wenn das eigene Leben in Gefahr gerät? Joosep ist der Prügelknabe der Klasse. Auch für Kasper. Doch eines Tages kommt Kasper seinem Klassenkameraden zu Hilfe und gerät damit ebenfalls in die Schusslinie. Ein System von Demütigungen und Gewalt wird in Gang gesetzt. Schließlich sehen die beiden Jungen nur noch einen Ausweg. KLASS erzählt in dokumentarisch anmutenden Bildern die ebenso beunruhigende, wie erschütternde Vorgeschichte eines Amoklaufs, bei der die Grenzen zwischen Opfern und Tätern fließend sind.


Die Chronik eines Amoklaufs



Wie oft ist man in den letzten Jahren mit Amokläufen an Schulen konfrontiert worden, so das schon teilweise der Eindruck entstanden ist, das es sich um eine Art neuen Volkssport handelt? Und immer wieder trauert man um die Opfer, die aus scheinbar nicht nachzuvollziehenden Gründen ihr junges Leben lassen mussten. Die Täter hält man für psychisch krank und sieht in ihnen zumeist seelenlose Monster, die sich anscheinend einen Spaß daraus machen, ihre Mitschüler scheinbar mutillig und vollkommen willkürlich zu töten. Das eine solche Tat aber auch aus vollkommen anderen Beweggründen geschehen kann, zeigt dieser estnische Beitrag auf sehr schockierende, aber auch äusserst eindrucksvolle Art und Weise. Bei "Klass" bekommt es der Zuschauer mit einem Jugenddrama zu tun, das schonungslos das perfide System des Schulmobbings durchleuchtet und dabei eine so ungeheure Intensität entwickelt, das einem die Haare zu Berge stehen. Wenn man diesen Film gesehen hat, gibt es zwar immer noch keinen Grund, die Taten eines Amokläufers zu rechtfertigen, aber man ist doch dazu in der Lage, eine gewisse Art von Verständniss dafür aufzubringen, ohne jedoch die Taten gutzuheissen.

Im Vordergrund der Geschichte steht nicht die Tat an sich, sondern vielmehr eine Chronik der Geschehnisse, die zu ihr geführt haben. Regisseur Ilmar Raag erzählt diese Chronik, die lediglich 7 Tage dauert, in einer schockierenden, gleichzeitig aber auch absolut faszinierenden Art, die einem phasenweise kalte Schauer über den Rücken jagt. Das ist ganz sicher auch in der extrem realistischen und authentischen Szenerie begründet, die sich dem Zuschauer offenbart, denn nicht selten entsteht der Eindruck, das man sich vielmehr in einem wirklich geschehenden Szenario befindet, als das man einen Spielfilm schaut. Das Geschehen fesselt einen auf seine ganz eigene Art, wirkt aber gleichzeitig auch abstossend und vollkommen schockierend. Man fühlt sich nicht selten einer Ohnmacht nahe, denn möchte man doch einerseits den beiden Mobbingopfern Jossep und Kaspar zur Hilfe eilen und sich mit ihnen zusammen gegen den restlichen Klassenverbund entgegenstemmen, der unter dem Befehl des Anführers Anders steht, muss aber andererseits die Hilflosigkeit akzeptieren, zu der man als Zuschauer verdammt ist.

Und gerade dieses ohnmächtige Gefühl der Hilflosigkeit ist es, das sich durch den gesamten Film zieht und eine unbändige Wut in einem selbst aufsteigen lässt. Das geschieht aber keineswegs nur deshalb, weil man selbst zur Untätigkeit verdammt ist, sondern auch deshalb, weil hier wirklich alle Personen wegsehen, oder genau die falschen Hilfeleistungen anbieten. So ist es die gesamte Schule, die hier im Prinzip über das vorherrschende Mobbing informiert ist, jedoch findet sich nicht eine Person, die wirklich etwas gegen die immer mehr eskalierenden Handlungen unternimmt. Und dann sind da noch die Eltern von Joseep, die selbst, als er mit mehreren Hämatomen aus der Schule kommt, noch von harmlosen Hänseleien sprechen. Vor allem sein Vater, der einem typischen Macho gleicht, hat keinerlei Verständnis für die Opferrolle seines Sohnes und rät ihm lediglich, das er umso fester zurückschlagen soll. Seine Mutter hingegen macht den grössten Fehler, indem sie die Schule informiert, das ihr Sohn mishandelt wird.

Nun ergibt es sich dadurch schon fast zwangsläufig, das sich das Mobbing immer weiter verstärkt und dabei Ausmaße annimmt, die nicht mehr zu kontrollieren sind. Selbst einige Mitschüler wenden sich angewidert von den Rädelsführern ab, da sie ihre Taten nicht mehr gutheissen können. Doch ist es mittlerweile schon viel zu spät und eine Situation am Strand, die vollkommen eskaliert und eine Demütigung sondergleichens an den tag legt, ist der Funke, der das Fass zum explodieren bringt. Die sich daraus ergebende Reaktion der beiden Opfer ist schon fast als logisch anzusehen und so nimmt das Unheil seinen Lauf und endet am nächsten tag in der Schule in dem finalen Showdown, der sich im Amoklauf der beiden Mobbingopfer äussert. Dabei ist es nicht nur die Tötung mehrerer Schüler, die einen absolut fassungslos macht, sondern insbesondere die mehr als tragische Reaktion von Joseep, kurz bevor die Polizei eintrifft. Denn in seiner Reaktion auf die Ereignisse liegt die gesamte Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit eines jungen Menschen, der innerlich schon längst gestorben ist und nicht aus seiner Hilflosigkeit heraus kann.

Ilmar Raag hat hier ein wirklich beeindruckendes Stück Film geschaffen, das mit einer ungeheuren Härte auf den Betrachter einschlägt und ihn in gewisser Weise selbst zu einem hilflosen Opfer macht, da er zum Zuschauen verdammt ist und trotz des vorhandenen Willens zu keiner Zeit in das Geschehen eingreifen kann. Die Intensität, die diese estnische Produktion entfaltet, ist extrem hoch angesiedelt und so manche Situation ist wie ein körperlicher Tiefschlag, den man förmlich spüren kann. Dazu tragen vor allem die herausragenden Jung - Darsteller bei, die dem Geschehen einen mehr als authentischen Eindruck verleihen. Ihr dargebotenes Schauspiel ist erschreckend realistisch und hält dem Zuschauer die Verrohung der heutigen Jugend auf erschreckende Art und Weise vor Augen. Begriffe wie Rücksicht, Anteilnahme oder Hilfe scheinen hier absolute Fremdworte zu sein. Ohne Rücksicht auf die gefühlslage eines anderen Menschen werden hier systematisch zwei junge Menschen zerstört und gedemütigt, bis sie im Endeffekt keinen anderen Ausweg mehr sehen, als das sie sich von ihren Peinigern für immer befreien.


Fazit:


"Klass - Chronik einer Katastrophe" sollte ein mahnendes Beispiel dafür sein, wie schnell aus anfänglichen Hänseleien eine Katastrophe entstehen kann, die eigentlich jederzeit hätte aufgehalten werden können, wenn sich einige Personen etwas intensiver mit den Vorfällen beschäftigt hätten. Gleichzeitig wird einem aber auch die teilweise vorhandene Gleichgültigkeit der heutigen Zeit vor Augen geführt, so das Situationen immer erst eskalieren müssen, bevor sich einem die Ernsthaftigkeit der Handlungen und deren Wirkung auf andere erschließt. Ein Film, der sehr nachdenklich stimmt und auch einen sehr nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis des Betrachters hinterlässt. Das hier gezeigte Geschehen ist absolut realistisch und zeigt einmal mehr, das wegschauen nicht immer die richtige Maßnahme ist, manchmal sollte man die innere Gleichgültigkeit überwinden und vielmehr eine ordentliche Portion Zivilcourage an den Tag legen, um eventuell deeskalierend einwirken zu können.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch DD 2.0
Bild: 1,85:1 (16:9)
Laufzeit: 98 Minuten
Extras: Trailershow


10/10

Freitag, 26. Februar 2010

Jack Ketchums Beutegier






Beutegier
(Offspring)
mit Jessica Butler, Holter Graham, Stephen Grey, Amy Hargreaves, Art Hindle, Erick Kastel, Spencer List, Pollyanna McIntosh, Scott Mellema, Emma Elizabeth Messing, Andrew Elvis Miller, Will Miller, Preston Mulligan, Ed Nelson, Tommy Nelson
Regie: Andrew van den Houten
Drehbuch: Jack Ketchum
Kamera: William M. Miller
Musik: Ryan Shore
Keine Jugendfreigabe
USA / 2009

In Dead River im Bundesstaat Maine passieren grauenvolle Morde. Die Opfer werden zerstückelt aufgefunden und den Leichen fehlen Körperteile. Doch weitaus schlimmer: Haben die Ermordeten kleine Kinder, so fehlt von Ihnen nach den Vorfällen jede Spur. Als die mit dem Fall betrauten Gesetzeshüter nicht mehr weiter wissen, wenden sie sich an George Peters, ein Polizist im Ruhestand, der bereits vor 10 Jahren mit ähnlichen Vorfällen konfrontiert war. Damals hatte ein Klan Kannibalen sich seine Opfer unter der Bevölkerung gesucht. Und alle Indizien deuten darauf hin, dass der Stamm seinerzeit nicht ausgerottet wurde, sondern sich sogar noch vermehrt hat. Und die größere Anzahl der Kannibalen bedeutet vor allem eins: Ein viel größerer Bedarf an frisch geschlachtetem Menschenfleisch .


Was wäre es doch schön gewesen, wenn man Ketchums Erstlingswerk "Beutezeit" verfilmt hätte, denn dann würde man die Zusammenhänge zu vorliegendem Film viel besser erkennen, was die erzählte Geschichte viel schlüssiger und nachvollziehbarerer gemacht hätte. So aber bekommt der Zuschauer zwar einen recht interessanten Film präsentiert, der allerdings größtenteils unfertig und zusammengestückelt erscheint. Zwar ist es nicht unbedingt zwingend erforderlich, hier die Vorkenntnisse der Geschichte zu kennen, denn die Kannibalen-Thematik ist auch so nicht besonders schwer zu verstehen, aber das Gesamtbild wäre doch um Einiges aufgewertet worden und würde nicht diesen schalen Nachgeschmack hinterlassen.

Dieser Nachgeschmack mag allerdings auch teilweise in der stark gekürzten Version des Films liegen (gut 6 Minuten), die mir zur Ansicht vorlag, denn durch die phasenweise gravierenden Kürzungen will zu keiner Zeit ein wirklich flüssiger Erzählfluss aufkommen, das ganze Geschehen wirkt seltsam aneinandergestückelt und sorgt so nicht gerade für ein ganzzeitig angenehmes Seh-Vergnügen. In manchen Passagen kommt es einem so vor, als wenn irgendwelche Video-Clips aneinandergereiht wurden, die eigentlich kein klar erkennbares Gesamtbild erkennen lassen. Hinzu kommt auch noch die insgesamt sehr kurz geratene Laufzeit, die in dieser gekürzten Fassung noch stärker in den Vordergrund tritt, denn bei einer Laufzeit von gerade einmal knapp 70 Minuten !!! ist der Film schon zu Ende, bevor er so richtig losgeht.

Gerade inhaltlich kann sich gar nichts entfalten, das liegt einerseits an der von Haus aus sehr dünnen Story, aber auch an der äusserst kurzen Laufzeit. Hier kommt man fast zwangsläufig wieder zum Punkt der Vorgeschichte, die jetzt besonders wichtig gewesen wäre, um Zusammenhänge zu den damaligen Ereignissen herzustellen. Man würde "Beutegier" aus einer vollkommen anderen Sichtweise sehen und könnte auch ganz sicher über so einige inhaltliche Schwächen hinwegsehen, die dieses Werk definitiv offenbart.

Doch es sind nicht lediglich die inhaltlichen Defizite, auch die Darsteller bieten nicht gerade brillantes Schauspiel an. Nun kann man sich die Frage stellen, ob bei einem Film dieser Art unbedingt herausragendes Schauspiel notwendig ist und diese Frage kann man wohl getrost mit nein beantworten, doch recht überzeugend sollten die Darstellungen schon sein und das ist meiner Meinung nach nur phasenweise der Fall. Am unglaubwürdigsten treten die ermittelnden Polizisten in Aktion, die insbesondere durch vollkommen unlogisches Verhalten auffallen, das man an einigen Stellen nur recht schwerlich nachvollziehen kann.

Doch nun genug der Kritik, der Film ist trotz aller Mankos dennoch sehenswert und kann vor allem in atmosphärischer Hinsicht voll überzeugen. Die ganze Zeit über liegt hier ein starkes Gefühl der Bedrohlichkeit in der Luft, man kann das drohende Unheil förmlich spüren. Hierzu trägt sicherlich auch das extrem agressive Auftreten der Kannibalen bei, das man als sehr gelungen bezeichnen kann.

Als Gesamtwerk gesehen kann "Beutegier" keinesfalls gänzlich überzeugen, schon gar nicht in der stark gekürzten Version. Ob der Film allerdings durch die knapp 6 Minuten zusätzliche Härte unbedingt auch filmisch stark aufgewertet wird bleibt abzuwarten, ich persönlich kann es mir nicht so recht vorstellen. Dennoch wird es genügend Fans geben, die großen Gefallen an diesem Werk finden werden, von dem ich mir allerdings etwas mehr erwartet hätte.


Fazit:


"Beutegier" ist eine weitere Verfilmung eines Romans von Jack Ketchum, die man sich auf jeden Fall anschauen sollte, um sich selbst ein Urteil bilden zu können. In meinen Augen ist es auf jeden Fall die schwächste bisher erschienene Verfilmung Vielleicht waren aber auch lediglich meine Erwartungen und die Vorfreude zu hoch, so das die vorhandene Enttäuschung über das Gesehene momentan noch ziemlich groß ist.


Die DVD:

Vertrieb: Sunfilm
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,85:1 (16:9)
Laufzeit: 70 Minuten
Extras: Webisodes, Trailer, Bildergalerie




4,5/10

Mittwoch, 24. Februar 2010

The Lost






The Lost
(The Lost)
mit Armand Assante, Dina Meyer, Lacey Chabert, Sergi Mateu, Ferran Lahoz, David Selvas, Jorge Bosch, Ricard Sales, Miquel Gelabert, Toby Harper, Bert Palmen, Cristina Garcia Borras, Momo Ballesteros, Ariadna Zhang, Tamara Hubert
Regie: Bryan Goeres
Drehbuch: Dan Dworkin / Jay Beattle
Kamera: Jaques Haitkin
Musik: Sean Murray
FSK 16
Spanien / 2009

Kevin war einmal Psychiater, ehe er eine erfolgreiche Karriere als Autor begann. Während der Präsentation seines neuesten Buches in New York bittet ihn Mira, die Schwester einer ehemaligen Patientin, um Hilfe. Er soll mit ihr nach Barcelona zurückkehren, wo ihre Schwester Jane aufgrund seines Gutachtens vor drei Jahren in eine geschlossene Anstalt eingeliefert wurde und seitdem extrem leidet. Ein Fall von Schizophrenie oder war es doch eine Fehldiagnose? Von Schuldgefühlen geplagt, willigt Kevin ein. Doch schon seine Ankunft in der spanischen Stadt, in der er einst gelebt und gearbeitet hat, bestärkt ihn in dem Bewusstsein, einen Fehler begangen zu haben. Je mehr er in den Fall eintaucht, desto klarer wird: Jane ist nicht nur Jane, sondern viele Persönlichkeiten ... Und eine davon hat ein Verbrechen begangen.


Wenn man Filme wie "Identität" oder "Dedales" schon kennt, dann könnte es durchaus sein, das die hier erzählte Geschichte auf den Zuschauer nicht unbedingt neu oder besonders innovativ erscheint, da in den letzten Jahren doch einige Filme erschienen sind, die sich mit der Thematik der Schizophrenie beschäftigen. Dennoch bekommt man einen wirklich spannenden und interessanten Psycho-Thriller geboten, der auch größtenteils dazu in der Lage ist, einen richtiggehend zu fesseln. Bestimmt wird es auch wieder einmal genügend Leute geben, die diesem Werk nicht sehr viel abgewinnen können, da sie einen wirklichen Aha-Effekt vermissen. Nun gut, es könnte durchaus möglich sein, das der Film auf viele eventuell etwas vorhersehbar erscheint, ich war jedoch vom vorhandenen Ende sichtlich überrascht, da ich nicht damit gerechnet hatte.

Doch bis dorthin ist es ein langer Weg, der einen zum miträtseln einlädt, in einigen Phasen aber auch etwas verwirrend wirken kann. Wenn man jedoch aufmerksam und konzentriert bei der Sache bleibt, dann erscheint doch die gesamte Story recht schlüssig. Trotzdem beinhaltet das Drehbuch auch einige kleinere Schwächen, die man sicherlich hätte vermeiden können. Unverständlicherweise wird der Focus des Ganzen manchmal auf eher nebensächliche Dinge gerichtet, anstatt sich noch intensiver auf die eigentliche Hauptperson Jane zu richten, die der Mittelpunkt des Geschehens ist. Und hier sind wir auch gleichzeitig bei einem absoluten Highlight des Films, denn die Figur der Jane wird von Lacey Chabert absolut beeindruckend und überzeugend dargestellt. Mit äusserst viel Ausdruckskraft und einer überragenden Mimik spielt sie die einzelnen Persönlichkeiten, die in ihr schlummern und drückt so dem Film ihren eigenen Stempel auf. Im Gegensatz zu vielen anderen empfand ich auch Armand Assante als durchaus überzeugend, auch wenn man ihn sicher schon in besseren Rollen gesehen hat.

Meiner Meinung nach zieht sich auch ein sehr konstanter Spannungsbogen durch den Film, der sich bis auf wenige kleine Ausnahmen immer aufrecht erhält. Diese Ausnahmen beziehen sich auf die schon erwähnten Passagen, wenn der Focus von der Hauptperson weggerichtet wird und sich um Nebensächlichkeiten kümmert, die nicht zwingend wichtig für den Erzählstrang sind. Es ist aber längst nicht so, das diese Sequenzen Langeweile verbreiten würden, nur kann man die leichten Spannungseinbrüche ganz einfach nicht ignorieren. Und dennoch strahlt das Geschehen eine sehr dichte und teils beklemmnde Atmosphäre aus, der man sich eigentlich nicht erwehren kann, da man ständig mitfiebert und endlich seine durch den Film erweckte Neugier befriedigen will. Im Laufe der Zeit stellt man selbst so einige Vermutungen an, wie sich das Rätsel zum Ende hin auflösen wird, doch ehrlich gesagt ist des Rätsels Lösung nicht unbedingt vorhersehbar und bietet so letztendlich doch den berühmten Aha-Effekt, den ein Werk mit dieser Thematik bieten sollte.

Schlussendlich wird einem hier nicht der beste Psycho-Thriller aller Zeiten präsentiert, aber dennoch ein sehr gelungenes Gesamtwerk, dessen absolutes Highlight die weibliche Hauptdarstellerin ist, das aber auch ganz generell durch sehr gute Schauspielleistungen zu überzeugen weiss. Ein bis auf wenige Ausnahmen äusserst gelungener Spannungsbogen und eine tolle, beklemmende Grundstimmung tun ihr Übriges dazu, um dem Betrachter ein interessantes, wenn auch gerade in der ersten Filmhälfte leicht wirres Szenario zu bieten, an dem man jederzeit seine Freude haben kann.


Fazit:


Gerade, wenn man noch nicht viele Filme mit einer gleichen, oder ähnlich gelagerten Thematik gesehen hat, dürfte "The Lost" sehr viel Interessantes bieten. Zwar bewegt sich der Film nicht auf dem gleichen hohen Niveau wie zum Beispiel "Identität", bietet aber immer gute und niveauvolle Unterhaltung, die man sich ruhig einmal zu Gemüte führen sollte. Mir persönlich hat dieses Werk trotz seiner kleinen Defizite extrem gut gefallen, so das ich es ohne Bedenken weiterempfehlen kann.


7,5/10

Montag, 22. Februar 2010

The End (Dokumentation)






The End
(The End)
mit Victor Dark, Les Falco, Bobby Reading, Jimmy Tibbs
Regie: Nicola Collins
Drehbuch: Dokumentation
Kamera: Nicola Collins
Musik: Nick Page
FSK 16
USA / 2008

Das Londoner East End ist eine heruntergekommene Gegend. Gewalt steht hier auf der Tagesordnung. Brutalität gehört zum täglichen Brot. Hautnah und in eindrucksvollen Schwarz-weiß-Aufnahmen präsentiert Regisseurin Nicola Collins in ihrer vielfach preisgekrönten Dokumentation eine authentische Geschichte über die Londoner Unterwelt. Der Hauptakteur: ihr Vater. Denn LES FALCO und seine Kumpanen gehörten einst zu Englands berüchtigsten Gangstern. Ein mitreißender und schonungsloser Einblick in eine Welt voller Korruption und Gewalt, aus der es kein Entkommen gibt...

Ganz sicher hat man sich schon oft genug die Frage gestellt, wie Kinder eines ehemaligen Gangsters mit dem Vorleben ihrer Väter umgehen, mit "The End" wird dem Zuschauer eine der möglichen Antworten gegeben. Denn Regisseurin Nicola Collins ist die Tochter von Les Falco, einem ehemals berüchtigten Gangsters aus dem Londoner East End, die ganz einfach diese mehrfach preisgekrönte Dokumentation geschaffen hat, in der ihr Vater und einige seiner ehemaligen Kumpanen recht freimütig über ihre kriminelle Vergangenheit plaudern. Und das diese Doku mehrere Preise eingeheimst hat, kann man nach der Sichtung des Werkes durchaus nachvollziehen, da äusserst ehrlich und schonungslos über gewisse Ereignisse geredet wird, wie man es in dieser Offenheit bisher wohl eher selten gesehen hat.

Das Faszinierende an diesem Film sind ganz eindeutig die einzelnen Personen, denn sie lösen doch sehr unterschiedliche Gefühle beim Zuschauer aus. Einerseits sieht man den meisten von ihnen schon an, das es sich wirklich um harte Jungs handelt, mit denen man nicht unbedingt in Streit geraten will, da man sich denken kann, wie ein solcher Streit für einen selbst ausgehen würde. Auf der anderen Seite sammeln sämtliche in dieser Doku vorkommenden Personen jede Menge Symphatiepunkte beim Betrachter, denn selten hatten ehemalige Verbrecher eine so positive und symphatische Ausstrahlung, wie es in vorliegendem Film der Fall ist. Dabei sprechen sie ganz offen über das Londoner East End, schildern Phasen aus ihrer Kindheit , so das man einen guten und tiefen Einblick über eines der berüchtigsten Viertels Londons erhält und sich sehr gut vorstellen kann, das man dort schon im frühesten Kindesalter das Recht des Stärkeren kennengelernt hat.

Nachvollziehbar und vollkommen logisch wird dabei geschildert, das eigentlich das gesamte Leben der betreffenden Personen von Beginn an ein einziger Machtkampf war, in dem nur die Stärksten und Härtesten überleben konnten. Aus den Erzählungen geht ganz eindeutig hervor, das Schwächen nicht erlaubt waren, worüber schon allein die geschilderten Erziehungsmethoden der Eltern Auskunft geben. So haben die Protagonisten ihre Körper schon in frühester Jugend in Box-Clubs gestählt und sich dort auch die nötige Härte für ihr zukünftiges Leben geholt. Die Erzählungen über diese Zeit werden dem Zuschauer dabei so authentisch nähergebracht, das man sich jederzeit in der Lage fühlt, sich in die jeweiligen Situationen hineinzuversetzen. Das ist auch ganz generell die ganz große Stärke dieser Dokumentation, alles wirkt extrem authentisch und sehr realistisch, man glaubt jedes Wort, das den Beteiligten über die Lippen kommt. Ausserdem ist die Erzählweise so spannend und interessant gestaltet, das zu keiner Zeit auch nur der Anflug von langeweile aufkommen würde.

"The End" zeichnet auf sehr eindrucksvolle Art und Weise das kriminelle Leben der Beteiligten nach und vermittelt dabei jederzeit den Eindruck, das hier keine Märchen, sondern die schonungslose Realität erzählt wird. Durch die vorhandene s/w Optik wird dem Ganzen noch eine ganz besondere Note verliehen, die erzählten Geschehnisse erreichen dadurch eine noch viel stärkere Intensität, so das man sich als Zuschauer phasenweise selbst als ein Teil der Geschichte sieht und das Gefühl bekommt, live dabei zu sein. Das vorliegender Film mehrfach mit Preisen ausgezeichntet wurde, ist wirklich absolut nachvollziehbar und meiner Meinung nach auch vollkommen gerachtfertigt, denn allein die aufkommende Authenzität des Erzählten muss man selbst gespürt haben, um die dabei entstehende Intensität so richtig in sich aufsaugen zu können. So kann man diese tolle Doku nur wärmstens empfehlen, denn die Mixtur aus Ehrlichkeit, Charme und entsehender Härte muss man ganz einfach selbst gesehen haben, um sich ein eigenes Urteil zu bilden.


Fazit:


Auch wenn ich im Normalfall nicht unbedingt ein großer fan von Dokumentationen bin, hat mich dieser Film doch ziemlich stark beeindruckt. Es ist schon absolut faszinierend, hier den Legenden des Londoner East Ends zuzuhören, wie sie über ihre kriminelle Vergangenheit sprechen und dabei dennoch so äusserst symphatisch wirken, wie man es sich kaum vorzustellen vermag. Ein ausgesprochen starkes Stück Film über das Leben einiger Ganoven, in dem Loyalität, Ehre und ein sogenannter Ehren-Kodex die wichtigsten Bestandteile sind, gegen die man keinesfalls verstossen darf. Ein Film, den man absolut bedenkenlos empfehlen kann und der einem spannende und jederzeit interessante Unterhaltung garantiert.


Die DVD:

Vertrieb: Sunfilm
Sprache / Ton: Deutsch DTS, DD 5.1 / Englisch DD 2.0
Untertitel: Deitsch
Bild: 1,85:1 (16:9)
Laufzeit: 78 Minuten
Extras: Audiokommentar, Trailer



9/10

Samstag, 20. Februar 2010

The Good, The Bad, The Weird






The Good, The Bad, The Weird
(Joheunnom nabbeunnom isanghannom)
mit Kang-ho Song, Byung-hun Lee, Woo-sung Jung, Kyeong-hun Jo, Kwang-il Kim, Cheong-a Lee, Dong-seok Ma, Dal-su Oh, Seo-won Oh, Seung-su Ryu, Byung-ho Son, Young-chang Song, Ji-won Uhm, Je-mun Yun
Regie: Ji-woon Kim
Drehbuch: Ji-woon Kim / Min-suk Kim
Kamera: Seung-Chul Oh / Mo-gae Lee
Musik: Dalparan / Yeong-gyu Jang
FSK 16
Südkorea / 2008

In den frühen 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts soll der Outlaw Chang-yi mit seiner Armee von Halsabschneidern eine angebliche Schatzkarte aus einem gut bewachten Reisezug im von Japanern besetzten Grenzland zwischen Korea und China stehlen. Der kühne Plan läuft fast perfekt, doch kurz vor dem Ziel kommt ihnen der dreiste Abenteurer Tae-goo zuvor und flieht mit der Karte. Postwendend an seine Fährte heften sich die Banditen, ein wortkarger Kopfgeldjäger, die Schwarzmarktmafia, diverse Patrioten und das komplette kaiserliche Heer.


Was Regisseur Ji-woon Kim mit diesem sehr stylischen Werk auf die Beine gestellt hat, kann sich mehr als nur sehen lassen, denn bekommt der Zuschauer doch einen äusserst gelungenen Genre-Mix zu sehen, der größtenteils eine asiatische Hommage an die beliebten Italo-Western darstellt, in einigen Phasen aber auch durchaus an Abenteuerfilme in der Art von "Indiana Jones" erinnert. Am auffälligsten dürften aber wohl die Ähnlichkeiten an Sergio Leones Meisterwerk "Zwei glorreiche Halunken" sein, die man ganz einfach nicht übersehen kann. Auch wenn es zu Beginn vielleicht noch etwas ungewohnt erscheint, einen südkoreanischen Western zu sehen, so dauert es nicht lange, bis man dem Charme und der Faszination dieses Werkes erliegt und sich nur allzu gern von der temporeichen und witzigen Geschichte fesseln lässt.

Zeitlich ist die Story in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts angesiedelt und als Schauplatz dient die Mandschurei, in der sich laut einer Schatzkarte ein riesiger Schatz befinden soll. Und dieser unbekannte Platz ist das Ziel aller hier beteiligten Personen, die ganzzeitig versuchen, in den Besitz der ominösen Schatzkarte zu kommen. Dabei handelt es sich nicht nur um die drei Titelhelden Yoon Tae-goo (The Weird), Park Chang-yi (The Bad) und Park Do-won (The Good), denn auch andere Banden und selbst die japanische kaiserliche Armee tun ihr Möglichstes, um an den Schatz zu gelangen. Nun kann man sich sicherlich gut vorstellen, das ein solches Szenario ziemlich tempo-und actionreich vonstatten geht, was hier auch über die gesamte Laufzeit der Fall ist.

So bekommt der Zuschauer etliche wilde Verfolgungsjagden präsentiert und wird Zeuge von so manch wüster Schießerei. Aber auch sehr gut choreographierte Kämpfe sind ausreichend vorhanden, wobei es ziemlich egal ist, ob diese im Zug, auf Pferden oder Motorrädern stattfinden, da der Unterhaltungswert immer äusserst hoch angesiedelt ist. Untermalt wird das ganze Szenario von einem wirklich gelungenem Soundtrack, der teilweise so richtig gut ins Ohr geht und einem phasenweise seltsam bekannt vorkommt. Das ist aber auch nicht weiter verwunderlich und tritt insbesondere bei der langen und wilden Verfolgungsjagd durch die Wüste der Mandschurei in den Vordergrund, an der alle Gruppen beteiligt sind, denn hier hört man auf einmal die Instrumental-Version des 70er Jahre Disco-Klassikers "Don't let me be Misunderstoud" von Santa Esmeralda. Und gerade diese Version des unzählige Male gecoverten Songs, der nämlich aus dem Jahr 1964 stammt, ist die perfekte musikalische Untermalung für die action-und temporeiche Hatz und verleiht dem Ganzen eine erstklassige Note.

Bei all der gelungenen Action darf hier aber auch nicht unerwähnt bleiben, das der Film auch seine durchaus witzigen Momente hat. Das Schöne daran ist, das es sich hierbei nicht um den sonst so oft stark überzogenen und manchmal schon albernen asiatischen Humor handelt, den man aus unzähligen asiatischen Produktionen kennt, hier handelt es sich um größtenteils äusserst gelungene Situationkomik, die einem so manchen Schmunzler abringen kann und für diese Geschichte absolut passend erscheint. Letztendlich kann man also ohne Übertreibung von einem sehr gelungenem Genre-Mix sprechen, der sicherlich kein filmisches Meisterwerk darstellt, aber über einen extrem hohen Unterhaltungswert verfügt, der den Zuschauer zu begeistern weiss und so auch bei einer Laufzeit von knapp über 2 Stunden in keiner Phase langweilig erscheint.

Dazu tragen auch die Darsteller bei, die hier allesamt sehr authentisch und glaubwürdig wirken und durch ihr überzeugendes Schauspiel ein wichtiger Mosaikstein in einem gänzlich gelungenem Gesamtwerk sind. Wer also ein Fan von asiatischen Filmen ist und einen sehr stylischen Genre-Mix zu schätzen weiss, der sollte sich diesen südkoreanischen Film auf jeden Fall besorgen, der vor allem in der hier vorgestellten Veröffentlichung auch ein optischer Blickfang ist. Denn die Firma Splendid hat sich nicht lumpen lassen und den Film in einem wunderschönen 3 Disc-Mediabook herausgebracht, das neben dem Hauptfilm noch eine Bonus-Disc und eine Soundtrack-Disc beinhaltet und zu einem durchaus erschwinglichen Preis erhältlich ist.


Fazit:

"The Good, The Bad, The Weird" ist eine äusserst gelungene Hommage an den sogenannten "Spaghetti-Western", die zusätzlich noch mit Elementen des Abenteuerfilms angereichert wurde. Es handelt sich um ein Werk, das einfach Freude macht und die Zeit wie im Flug vergehen lässt. Neben tollen Action-Passagen und guten Darstellern sorgt ein äusserst gelungener Soundtrack dafür, das hier insgesamt ein extrem positiver Eindruck zurückbleibt.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Koreanisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch / Niederländisch
Bild: 2,39:1 (anamorph /16:9)
Laufzeit: 125 Minuten
Extras: Soundtrack, Making of, Deleted Scenes, Interviews, Alternative Enden, Audiokommentar


8,5/10

Donnerstag, 18. Februar 2010

Blood River






Blood River
(Blood River)
mit Andrew Howard, Tess Panzer, Ian Duncan, Sarah Essex
Regie: Adam Mason
Drehbuch: Simon Boyes / Adam Mason
Kamera: Stuart Bereton
Musik: Keine Information
Keine Jugendfreigabe
USA / 2009

Irgendwo im Nirgendwo - mitten in der Wüste. Ausgerechnet hier hat das frisch vermählte Ehepaar Summer und Clark einen Autounfall. Sie machen sich auf den Weg zur nächsten Siedlung, die Hitze ist schier unerträglich. Als sie, mit ihren Kräften am Ende, dort ankommen, müssen sie feststellen, dass es eine Geisterstadt ist. Verzweifelt suchen sie nach Wasser, die Sonne brennt erbarmungslos herunter. Auf einmal taucht Joseph auf: Er scheint ihre Rettung zu sein. Nach und nach merken die beiden jedoch, dass Joseph ein dunkles, schreckliches Geheimnis hat... Sie wollen vor ihm flüchten, doch er hat nicht vor, sie wieder gehen zu lassen...


Irgendwo im Nirgendwo



Treffender kann man das hier stattfindende Geschehen kaum bezeichnen, spielt sich die Szenerie doch irgendwo in der Wüste Arizonas ab, weitab jeglicher Zivilisation. Und genau hier entwickelt sich ein kammerspielartiger Thriller, der vor allem in atmosphärischer Hinsicht vollkommen zu überzeugen weiss. Regisseur Adam Mason (Broken - Keiner kann dich retten) ist es wieder einmal gelungen, mit nahezu minimalistischen Mitteln sehr viel aus einer Geschichte rauszuholen, in der lediglich drei Personen mitwirken. Im Prinzip handelt es sich anscheinend um den handelsüblichen 08/15 Einheitsbrei, in dem zwei unbescholtene Menschen auf einen Psychophaten treffen, doch diese Annahme stellt sich im Verlauf der Geschichte als vollkommen falsch heraus, da der Film im letzten Drittel eine doch ziemlich überraschende Wendung nimmt, die dem Ganzen sehr gut zu Gesicht steht.

"Blood River" ist ein Film, der keineswegs durch visuelle Härte glänzt, sondern vielmehr ein atmosphärisch ungeheuer dichter Thriller, dem einige ganz zarte Horror-Elemente beigemischt wurden, die allerdings nicht unbedingt im Vordergrund stehen. Es ist die Beziehung, die sich zwischen den drei Charakteren entwickelt, von denen der des Joseph ganz eindeutig der interessanteste ist und dem Geschehen auch seinen Stempel aufdrückt, was mit zunehmender Laufzeit immer stärker zum Ausdruck kommt. Von seiner Person geht eigentlich von Anfang an etwas sehr mysteriöses und geheimnisvolles aus, das man sich zu Beginn noch nicht so ganz erklären kann. So vermutet man in ihm schon fast zwangsläufig den psychophatischen Serienkiller, der in einem so angelegten Szenario eigentlich nicht fehlen darf und ist zum Ende hin dann umso überraschter, wenn man die wahre "Identität" seiner Person erkennt.

Bis man jedoch die wahren Hintergründe des Ganzen präsentiert bekommt, hat man es mit einer Story zu tun, die nicht unbedingt ereignisreich erscheint, aber dabei zu keiner Zeit auch nur annähernd langweilig wäre. Sie lebt hauptsächlich von der schier aussichtslosen lage, in der sich die Protagonisten befinden und aus der es anscheinend keinen Ausweg gibt. Dabei entfaltet sich eine ungeheuer beklemmende Atmosphäre, die man kaum in Worte fassen kann und auch als Zuschauer fühlt man sich nicht unbedingt sehr wohl in seiner Haut. Gerade bei dem Versuch, sich in die Lage der Hauptpersonen hineinzuversetzen, steigt in einem selbst ein panikartiges Gefühl auf, dessen man sich kaum erwehren kann. Denn um nichts in der Welt will man jemals selbst in eine solch gelagerte Situation kommen, die einfach nur trostllos und ohne jede Chance auf Rettung erscheint. Ist es doch insbesondere die schier unendliche Weite der Wüste, die ein Gefühl der Trostlosigkeit entstehen lässt, hinzu kommt die verlassene Geisterstadt "Blood River", die mitten im Nirgendwo liegt und die nicht ohne Grund als Geisterstad bezeichnet werden kann. Diese gewählten Schauplätze sind für den Film nahezu perfekt ausgewählt worden und verfehlen auch keinesfalls ihre extrem intensive Wirkung auf den Zuschauer.

Doch diese Wirkung geht längst nicht nur von den Schauplätzen aus, vielmehr ist es das perfekte Gesamtbild, das hier seine volle Intensität entwickelt, die sich schon zwangsläufig auf den Betrachter überträgt. Man erliegt der Faszination, die allgegenwärtig ist und mit den minimalistischsten Mitteln erzeugt wird. Hinzu kommt das wirklich sehr authentische und äusserst glaubwürdige Schauspiel der Darsteller, bei denen vor allem Andrew Howard in der Rolle des Joseph heraussticht. Die unheimliche Präsenz, die von ihm ausgeht ist es allein schon wert, sich dieses Werk anzuschauen, denn zu Anfang wird man aus diesem Charakter einfach nicht schlau. Neben den Hinweisen, die auf einen psychophatischen Killer hindeuten, wirkt er phasenweise auch richtig symphatisch und gütig, um im nächsten Moment aber wieder eine unnachgiebige Härte an den Tag zu legen. Die Darstellung dieser Gefühlspalette wird dabei äusserst gut umgesetzt, so das man von dieser Figur fast magisch angezogen wird.

Im letzten Drittel des Films gibt es dann auch einige kleine Passagen zu sehen, die etwas blutiger geraten sind, ohne das jedoch ein Härtegrad entstehen würde, den man als hoch bezeichnen könnte. Man sollte aber auch anmerken, das "Blood River" keinerlei Härte benötigt, da der Film an sich vollkommen überzeugend daherkommt und jederzeit spannende und sehr interessante Unterhaltung bietet. Hierzu trägt auch das gewählte Ende bei, das manche Leute eventuell als etwas unbefriedigend ansehen könnten, da genügend Spielraum für eigene Interpretationen gelassen wird, was mir persönlich sehr gut gefallen hat, da so ein nachhaltiger Eindruck im Gedächtnis des Zuschauers hinterlassen wird.


Fazit:

"Blood River" ist ein Paradebeispiel dafür, wie man mit verhältnismäßig bescheidenen Mitteln ein hohes Maß an Spannung und Intensität erzeugen kann. Eine interessante Geschichte, die eine Wendung an den Tag legt, die man wirklich nicht vorhersehen konnte und ausgezeichnete Darsteller, die ausdrucksstark und authentisch agieren, ergeben ein in allen Belangen ein überdurchschnittlich gutes Gesamtwerk, das man sich keinesfalls entgehen lassen sollte.


8/10

Dienstag, 16. Februar 2010

Ring of Death






Ring of Death
(Ring of Death)
mit Aesop Aquarian, Justin Bethancourt, Freddy Bouciegues, Jonathan Chase, Shannon Garnett, Meredith Giagrande, Jawara, Stacy Keach, John Koyama, Nelson Lee, Michael McGrady, Sam McMurray, Johnny Messner, David Newham, Charlotte Ross, Uriah Shelton, Frank Sivero
Regie: Bradford May
Drehbuch: Matthew Chernov / Dan Fitzsimons
Kamera: Maximo Munzi
Musik: Justin Caine Burnett
Keine Jugendfreigabe
USA / 2008

Ex-Polizist Burke Wyatt wird undercover in das brutale Gefängnis Cainesville gebracht, um dort eine unheimliche Mordserie aufzuklären. Einmal drin, erfährt er auch schon bald die schreckliche Wahrheit: Die Gefangenen müssen in einem vom Gefängnis-Direktor geschaffenen Kampfring auf Leben und Tod kämpfen. Um den Fall aufzuklären sieht Burke nur eine einzige Möglichkeit: Er muss selbst in den Ring of Death steigen und um sein Leben kämpfen...


Die in diesem Film erzählte Geschichte ist ganz sicher alles andere als innovativ, denn schon etliche Male hat man die vorhandene Thematik in anderen Action-Filmen gesehen. Dennoch ist es Regisseur Bradford May gelungen, einen sehr atmosphärischen und kompromisslosen Knastfilm zu schaffen, der ganzzeitige beste und sehr kurzweilige Unterhaltung bietet. Ob das sich hier abspielende Geschehen dabei realistisch oder doch ziemlich überzogen dargestellt wird, steht dabei auf einem vollkommen anderen Blatt. Ich persönlich bin der Meinung, das die hier gezeigten Zustände in der Strafanstalt doch sehr überspitzt wirken, denn es ist doch eher schwer nachzuvollziehen, das nicht nur der Direktor, sondern auch die gesamte Wachmannschaft in die Geschehnisse involviert ist und nicht einmal ein ehrlicher und pflichtbewuster Gesetzeshüter zu finden ist, der auch nur annähernd ein schlechtes Gewissen erkennen lässt.

Das ändert aber überhaupt nichts daran, das dem Zuschauer hier ein knallharter Action-Film präsentiert wird, in dem man etliche äusserst derbe Kampfszenen zu sehen bekommt, was Freunden harter Knast-Filme sehr zugute kommen dürfte. Und von der Glaubwürdigkeit des Ganzen einmal abgesehen, bekommt man von der ersten Minute an eine sehr temporeich erzählte Geschichte serviert, die über einen sehr konstanten Spannungsbogen verfügt und durch die vorhandene Thematik auch eine teils sehr beklemmende Atmosphäre beinhaltet. In diesem Knast will man keinesfalls eingesperrt sein, dieser Gedanke schießt einem fast automatisch durch den Kopf, denn allein schon wenn man die Insassen sieht, läuft es einem kalt den Rücken runter.

Dabei ist die Auswahl der Darsteller richtig gut gelungen, in dieser Beziehung wirkt der Film absolut authentisch. Dabei hat man sehr darauf geachtet, das es nicht ausschließlich muskelbepackte Typen zu sehen gibt, sondern auch ganz normale Durschnittstypen, was dem Film dann doch einen wenigstens teilweise glaubwürdigen Eindruck verleiht. Trotzdem gibt es auch einige richtige "Monster" zu begutachten, ich verweise da nur auf "President", den ungeschlagenen Champion in der Kampf-Arena, der übrigens der Einzige ist, der nicht gezwungenermaßen zum Kampf antritt, sondern dies aus vollkommen freien Stücken tut. Es macht ihm einfach Spaß, anderen Schmerz zuzufügen und sie zu töten, wobei man ihm die Freude daran richtiggehend ansehen kann.

Letztendlich bietet "Ring of Death" wirklich gutes und solides Action-Kino und beinhaltet eigentlich alle Zutaten, die man bei einem solchen Film erwartet. Jede Menge Action, solide Darsteller und eine nette Rahmenhandlung, bei der man nicht gesteigerten Wert auf Glaubhaftigkeit legen sollte. Ganz generell sollte man bei einem solchen Werk die Ansprüche nicht zu hoch ansetzen, denn hier wird sicherlich kein cineastisches Meisterwerk geboten, aber ein Action-Kracher, der die Fans dieses Genres vollkommen zufriedenstellen dürfte.


Fazit:


"Ring of Death" hat mich wirklich positiv überrascht, hier bekommt man ganzzeitig sehr actionreiche Kost geboten und genau das erwartet man sich doch von solch einem Film. Eine tiefergehende Story oder brillante Schauspielleistungen sollte man nicht unbedingt erwarten, dafür gibt es genügend andere Filme. So haben sich auch die Macher des Films auf das Wesentliche konzentriert, nämlich die Action und davon gibt es genügend zu sehen. Für Fans des Genres jedenfalls ist dieses Werk eine absolute Empfehlung.


7/10

Sonntag, 14. Februar 2010

The Cottage






The Cottage
(The Cottage)
mit Andy Serkis, Reece Searsmith, Jennifer Elison, Steven O'Donnell, James Bierman, Cat Meacher, Danny Nussbaum, Logan Wong, Jonathan Chan-Pensley, Simon Schatzberger, Doug Bradley, Dave Legeno, Katy Murphy, Georgia Groome, Eden Watson
Regie: Paul Andrew Williams
Drehbuch: Paul Andrew Williams
Kamera: Christopher Ross
Musik: Laura Rossi
Keine Jugendfreigabe
Großbritannien / 2008

Nachdem ihr Entführungskomplott gescheitert ist, verstecken sich die ungleichen Brüder David und Peter in einem einsamen Haus auf dem Land - wo ihre Nerven auf eine harte Probe gestellt werden. Mit einer Geisel im Schlepptau, die sich standhaft weigert, den Mund zu halten oder sich fesseln zu lassen, werden die beiden schnell zu Gefangenen ihres eigenen Opfers. Richtig ernst wird die Lage allerdings, als die drei die Bekanntschaft ihres psychotischen, Axtschwingenden Nachbarn machen.


Bei "The Cottage" handelt es sich um eine rabenschwarze und irrsinnig witzige Horror-Komödie, die diese Bezeichnung auch wirklich verdient. Der typisch britische Humor, den man ja gerade in den letzten jahren in mehreren Horror-Komödien begutachten konnte (Shaun of the Dead, Doghouse), kommt hier besonders gut zur Geltung und sorgt so für ein extrem kurzweiliges Film-Vergnügen der Extraklasse. Dafür sorgen allein schon die herrlich skurrilen und teils vollkommen überzeichneten Charaktere, die für ein Highlight nach dem anderen sorgen. Insbesondere die 3 Entführer stechen hier besonders hervor, denn sie geraten in die unmöglichsten Situationen, die sie allerdings größtenteils durch ihr eigenes Verhalten hervorrufen, das phasenweise schon so grotesk wirkt, das man sich vor lachen kaum noch halten kann.

So entsteht nicht gerade selten eine ungeheure Situationskomik, die noch zusätzlich durch sehr witzige Dialoge unterstützt wird und so das Sehvergnügen noch lustiger gestalten, als es sich schon von Haus aus präsentiert. Doch es ist nicht nur der geniale Humor, der diesen Film so absolut sehenswert macht, auch die Horror-Elemente kommen keineswegs zu kurz. Dabei sollte man allerdings anmerken, das "The Cottage" zwei vollkommen unterschiedliche Filmhälften zeigt, die jedoch beide absolut überzeugen können. Dreht sich in der ersten Hälfte noch alles um die Entführung, die sich mit der Zeit als vollkommen fehlgeschlagen darstellt, so bitet die zweite Filmhälfte ein recht blutiges und hartes Szenario, bei dem alle Horror-Fans auf ihre Kosten kommen dürften. Das geschehen hat sich nämlich vollkommen gedreht und die Entführer wie auch ihre Geisel sehen sich mit einem psychophatischen Killer konfrontiert, der nichts anderes im Sinn hat, als seine Opfer frühzeitig aus ihrem Leben zu entlassen.

Das auch die anschließenden teils sehr blutigen Passagen mit einer gehörigen Portion schwarzem Humor versehen sind, versteht sich fast schon von selbst und so folgt ein Schlachtfest, das dem Betrachter in so einigen Szenen die Tränen in die Augen treibt. Der vorhandene Härtegrad ist dabei recht beachtlich, was auch die Freigabe des Films verständlich und nachvollziehbar macht.

Doch das eigentlich Highlight sind ganz eindeutig die hier agierenden Darsteller, die man meiner Meinung nach nicht besser hätte auswählen können. Ganz besonders fällt einem da Reece Searsmith auf, der im Laufe der Geschichte wirlich so Einiges über sich ergehen lassen muss und wahre Nehmerqualitäten entwickelt. Nicht nur, das er gleich zu Beginn von der gefesselten Geisel mit Kopfnüssen bombadiert wird, im weiteren geschehen verliert er auch noch einen halben Fuß und erscheint auch ansonsten wie der geborene Pechvogel. Doch auch die anderen Charaktere werden absolut brillant dargestellt und tragen so ihren Teil zu einem sehr unterhaltsamen und kurzweiligen Film-Vergnügen bei.

Insgesamt gesehen bekommt man einen äusserst gelungenen Genre-Beitrag serviert, der so dermaßen kurzweilig ist, das man gar nicht bemerkt, wie schnell doch die Zeit vergeht. Eine nahezu perfekte Mischung aus britischem schwarzem Humor und einer gehörigen Portion Horror sorgt dafür, das noch nicht einmal der Anflug von Langeweile entsteht. Hervorragende Darsteller, die von einem Fettnäpfchen in das andere treten, sorgen durch ihre schauspielerische Leistung für eine wahre Flut von Lachsalven, so das die Lachmuskeln des Zuschauers phasenweise schon arg strapaziert werden. Und ganz nebenbei entfaltet sich auch noch eine wirklich gelungene und sehr dichte Atmosphäre, die dadurch, das sich das Szenario nur bei Nacht abspielt, auch recht bedrohliche Ausmaße annimmt. Wenn man alle diese positiven Eigenschaften zusammennimmt, dann kann man Regisseur Paul Andrew Williams (London to Brighton) zu einem weiteren sehr gelungenem Film gratulieren.


Fazit:


"The Cottage" ist eine wirklich mehr als gelungene Horror-Komödie, die insbesondere durch den vorhandenen schwarzen Humor zu überzeugen weiss. Allerdings kommen in der zweiten Filmhälfte auch die Freunde der härteren Welle voll auf ihre Kosten, so das man von einer absolut gelungenen Mixtur sprechen kann. Das Besondere sind hier die vollkommen unterschiedlichen Filmhälften, die aber beide absolut kurzweilig und sehr unterhaltsam sind. Kein echter Fan sollte sich dieses teilweise schon skurrile Werk durch die Lappen gehen lassen, denn ansonsten hätte man wahrlich etwas verpasst.


8/10

Freitag, 12. Februar 2010

Ein Engel im Winter






Ein Engel im Winter
(Afterwards)
mit Romain Duris, John Malkovich, Evangeline Lilly, Pascale Bussieres, Sara Waisglass, Reece Thompson, Bruno Verdoni, Joan Gregson, Mark Camacho, Robin Wilcock, Edward Yankie, Carlo Mestroni, Gkenda Braganza, Leni Parker, Henri Pardo
Regie: Gilles Bourdos
Drehbuch: Michel Spinosa / Gilles Bourdos
Kamera: Pin Bing Lee
Musik: Alexandre Desplat
FSK 12
Deutschland / Frankreich / Kanada / 2008

FÜRCHTE DEN BOTEN DES TODES. Kann man den genauen Todes-Zeitpunkt eines Menschen vorhersehen? Der mysteriöse Doktor Kay (John Malkovich) behauptet genau das. Er sucht die Todgeweihten als Bote auf, um sie auf ihr Ende vorzubereiten. Das Leben des erfolgreichen New Yorker Anwalts Nathan gerät plötzlich aus den Fugen, als Kay in seiner Kanzlei erscheint. Nathan will nicht glauben, dass auch er bald sterben soll. Nach und nach kommt der junge Anwalt hinter den wahren Grund für Kays Besuch und macht eine unheimliche Entdeckung...


Immer wieder mal trifft man auf Filme, die die Seele des Zuschauers berühren und ihn auf eine geheimnisvolle Art und Weise in ihren Bann ziehen. "Ein Engel im Winter" ist einer dieser Filme, jedenfalls hat er bei mir diese Wirkung ausgelöst. Nun wird es sicherlich viele Leute geben, auf die diese äusserst gelungene Mixtur aus Drama, Thriller und Mystery-Film etwas langatmig und zu ruhig wirken mag, was ganz einfach in der doch sehr ruhigen und geradezu sanft erscheinenden Erzählweise der Geschichte begründet liegt, die aber jederzeit absolut fesselnd und interessant daherkommt. Ob die Story so stark von der literarischen Vorlage abweicht, wie es teilweise behauptet wird, mag ich nicht beurteilen, da ich den Roman nicht kenne. Das sehe ich aber durchaus als Vorteil an, denn nur so kann man die Verfilmung einigermaßen objektiv beurteilen. Und dieser Film ist einfach nur wunderschön, er berührt einen im tiefsten Inneren und auch wenn die Thematik eher in den Bereich des Fantastischen gehört, lässt man sich gern von ihrer Faszination gefangennehmen und fühlt sich auf eine schon magische Art und Weise von ihr verzaubert.

Das äusserst ruhige Erzähl-Tempo wird aber auch in einigen Passagen durch brachiale Gewalt unterbrochen, die gerade dadurch eine extreme Wucht entwickeln, da man nicht mit ihnen gerechnet hat. So wirken diverse Todesszenen, die in einem Horrorfilm ganz normal erscheinen würden viel härter , als man es im Normalfall gewohnt ist. Dieses Gefühl ist gar nicht so leicht zu beschreiben, aber wenn man der Magie dieses Films erlegen ist und sich ihr voll und ganz hingibt, dann erwartet man diese "Schockmomente" einfach nicht und möchte sie im Prinzip auch gar nicht sehen. Dennoch sind sie für die Geschichte sehr wichtig und haben so auch ihren Berechtigten Platz in dieser ansonsten äusserst emotionalen und tief berührenden Inszenierung, die einem tief unter die Haut geht und keinesfalls unberührt lässt.

Zum insgesamt excellenten Gesamteindruck, den "Ein Engel im Winter" bei mir hinterlassen hat, gehören ganz sicher auch die erstklassigen Schauspieler, die allesamt einen mehr als nur überzeugenden Job abliefern. Insbesondere muss man auf jeden Fall John Malkovich hervorheben, der in der Rolle als "Todesbote" einfach nur brillant agiert. Seine sanfte und gefühlvolle Art, diese Figur zu interpretieren, hat mich sehr nachhaltig beeindruckt und war so in meinen Augen das absolute Highlight des Films. Allein seine ruhige und bedächtige Stimme vermittelt einem dabei ein absolutes Gefühl von Sicherheit und man fühlt sich fast geborgen, obwohl seine Botschaften genau das Gegenteil ausdrücken, da sie schließlich den bevorstehenden Tod eines Menschen ankündigen. Doch in keiner einzigen Phase des Geschehens entsteht beim Zuschauer der Eindruck, das damit etwas Negatives angekündigt wird, sondern lediglich das Unvermeidbare, das einfach passieren muss. Überkommt einen ansonsten bei dem Gedanken an den Tod immer ein Gefühl der Endgültigkeit, so erscheint es hier so, als wenn die Opfer eventuell nur in eine andere Dimension eintreten, in der es ihnen besser geht, jedenfalls erging es mir so.

Und dann ist da noch dieses Ende der Geschichte, das für mich doch ziemlich überraschend war, da ich doch die ganze Zeit das eigentlich Offensichtliche nicht erkannt habe, weil ich zu sehr von der magischen Ausstrahlung beeindruckt war, die von diesem Film ausgeht und der ich mich beim besten Willen einfach nicht entziehen konnte. Es gibt wirklich nicht viele Filme, die so wunderschön sind, das sie meine Seele berühren, weshalb dieser Filmgenuss sich umso intensiver in meinem Inneren entfalten konnte und einen äusserst nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat.


Fazit:


"Ein Engel im Winter" ist ein Stück Film, das sicherlich nicht jeden Geschmack treffen wird. Viele mögen dieses Werk als langatmig oder zu emotional ansehen. Wer aber ein Werk zu schätzen weiss, das auch innerlich tief berührt, der ist hier genau an der richtigen Adresse. Man wird mit einer einerseits fantastischen, aber auch dramatischen Story konfrontiert, die einen im Prinzip traurig stimmen müsste, dies aber in keinter Weise tut, da man alles als unvermeidbar ansieht, was auch an einem fantastischen John Malkovich liegt, der den wohl sanftmütigsten und symphatischsten "Todesboten" spielt, den die Film-Welt je gesehen hat. Ein Film-Erlebnis, das man sich keinesfalls entgehen lassen sollte.


Die DVD:

Vertrieb: Sunfilm
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DTS, DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 104 Minuten
Extras: Interview, Trailer


9/10

Mittwoch, 10. Februar 2010

Ip Man






Ip Man
(Ip Man)
mit Donnie Yen, Simon Yam, Siu-Wong Fan, Ka Tung Lam, Yu Xing, You-Nam Wong, Chen Zhi Hui, Lynn Hung, Hiroyuki Ikeuchi, Yu-Hang To
Regie: Wilson Yip
Drehbuch: Edmond Wong
Kamera: Sing-Pui O
Musik: Kenji Kawai
Keine Jugendfreigabe
Hongkong / 2008

Im China der Vorkriegszeit ist IP Man der berühmteste Vertreter der Martial-Arts-Kampfkunst "Wing Chun". Doch als die Japaner ins Land einmarschieren und seine Heimatstadt gewaltsam einnehmen, kann er nicht mehr für seine Familie sorgen und sieht sich gezwungen, im Bergwerk zu arbeiten. Als nach einem Kampfpartner gefragt wird - gegen einen Sack Reis im Falle des Siegs - meldet er sich. Auch ein alter Freund IP Mans nimmt das Angebot an und stellt sich den Japanern in einem der brutalen Martial Arts-Kämpfe. Doch das fatale Duell endet für seinen Freund tödlich. Von Gerechtigkeit beflügelt versucht IP Man nun, den japanischen Soldaten auf seine eigene Art und Weise gegenüberzutreten. Es kommt zu einem alles entscheidenden Duell zwischen ihm und General Miura...


Nun gibt es ja nicht gerade wenige filmische Biografien, die sich qualitätsmäßig teils sehr drastisch unterscheiden, einige sind wirklich als recht gelungen anzusehen, wohingegen der größere Anteil wohl eher etwas schlechter ausfällt. Was Regisseur Wilson Yip jedoch mit diesem halbbiografischen Kampfsportfilm an den Start gebracht hat, ist mit Worten kaum zu beschreiben, da man nach Sichtung dieser Geschichte noch ziemlich lange unter dem äusserst nachhaltigen Eindruck steht, den die Geschehnisse hinterlassen. Das ist aber längst nicht nur auf die fantastischen Kampfszenen bezogen, die dem Zuschauer hier präsentiert werden, sondern an dem mehr als nur beeindruckenden Gesamtbild, das dieses Werk hinterlässt.

Erzählt wird hier die Geschichte des Großmeisters Yip Man, der als erster die chinesische Kampfkunst Wing Chun öffentlich unterrichtete und dessen berühmtester Schüler wohl die Martial Arts-Legende Bruce Lee sein dürfte. Zeitlich gesehen bezieht sich die Story allerdings lediglich auf die Zeitspanne des zweiten Japanisch - Chinesischen Krieges (1937 - 1945) und schildert dabei die Ereignisse in der chinesischen Stadt Foshan, in der Yip Man damals lebte. So stehen also inhaltlich gesehen hauptsächlich die Zustände der größtenteils zerstörten Stadt und das damit verbundene Leid der noch lebenden Bewohner im Vordergrund, aber auch das überhebliche und arrogante Machtgehabe der japanischen Invasoren, die sich gegenüber den Chinesen wie Übermenschen aufführen und ihre Gegner als absolut minderwertig ansehen.

Die Figur des Ip Man erscheint in dieser Zeit der Zerstörung und Unterdrückung seines Volkes wie ein ruhender Pol, der anscheinend durch nichts aus der Ruhe zu bringen ist, was sich aber im Laufe der Geschichte auch noch ändern soll, da die Ungerechtigkeiten ganz einfach Überhand nehmen. Hier muss man nun schon fast zwangsläufig auf die darstellerische Leistung von Donnie Yen eingehen, die man im Prinzip nur mit dem Prädikat fantastisch bezeichnen kann, denn er verleiht der Figur des Ip Man ein extrem hohes Maß an Authenzität und Glaubwürdigkeit. Gerade seiner ruhigen und phasenweise schon stoisch wirkenden Art ist es zu verdanken, das der Charakter überzeugend und realistisch erscheint. Kein übertriebenes oder gar theatrlisches Schauspiel, sondern immer sehr realitätsnah und sich seiner Stärken durchaus bewust, ohne diese jedoch irgendwie krampfhaft in den Vordergrund zu stellen. Insbesondere durch dieses ruhige Erscheinen wird er von vielen Gegnern stark unterschätzt, die diese Fehleinschätzung allerdings auf sehr schmerzvolle Art und Weise revidieren müssen und denen so nichts anderes übrigbleibt, als die Überlegenheit ihres Gegners anzuerkennen.

Die dabei in Szene gesetzten Kämpfe sind dabei von einer solch hohen Qualität, wie man sie schon länger nicht mehr in Filmen dieser Art gesehen hat. man bekommt Schlagfolgen zu sehen, bei denen es streckenweise schwerfällt, ihnen 100 %ig zu folgen, denn sie sind so extrem schnell, das hier die volle Konzentration des Betrachters erforderlich ist. Dabei wirkt hier auch nicht nur eine einzige Passage übertrieben oder künstlich, ganz davon abgesehen, das alle gezeigten Kämpfe auch noch einen sehr hohen ästhetischen Eindruck vermitteln. Die Choreografie der Kampfszenen ist absolut perfekt gelungen und gibt auch nicht den kleinsten Grund zur Beschwerde, was in nur sehr wenigen Kampfsport-Filmen der Fall ist.

Konnte man bei Filmen wie "Ong-Bak" noch geteilter Meinung über die inhaltliche Substanz der Story-Line sein, da viele die Geschichte als ziemlich dünn angesehen haben und der Focus eventuell zu stark auf die Kampfszenen gerichtet war, so dürfte dieses Argument bei vorliegendem Film nun wirklich nicht aufkommen, denn Wilson Yip ist es meisterhaft gelungen, grandiose Kampfszenen mit einer tiefergehenden Geschcihte zu verbinden, die viel Substanz und Qualität aufzuweisen hat. So ist es dann auch nicht wirklich verwunderlich, das dieser Film von der ersten bis zur letzten Minute zu begeistern weiss und keinerlei Längen beinhaltet. Ehe man sich versieht, ist der Film auch schon zu Ende und man hat gar nicht gemerkt, wie schnell die Zeit doch vergangen ist. Ein grösseres Kompliment kann man einem Film doch eigentlich gar nicht machen, denn zeigt diese Tatsache doch auf, das man spannend und kurzweilig unterhalten wurde. Letztendlich ist "Ip Man" in meinen Augen einer der besten Filme seiner Art, die je produziert wurden, wobei man sich schon jetzt auf den angekündigten Nachfolger freuen kann. Wenn dieser nur annähernd an das hohe Niveau und die vorhandene Qualität dieses Films herankommt, sind einem wieder spannende und niveauvolle Momente vor dem Bildschirm garantiert.


Fazit:


"Ip Man" ist einer der besten Vertreter seiner Art, die ich je zu Gesicht bekommen habe und das waren nicht gerade wenige. Was hier besonders auffällt, ist die Tatsache, das neben erstklassigen Kampfszenen auch eine stimmige und Substantielle Geschichte zugrunde liegt, die absolut fasziniert und überzeugt. Hinzu kommen ausgezeichnete Darsteller, die dem Ganzen noch einmal sehr viel an Authenzität verleihen. Herausragend ist dabei natürlich Donnie Yen, der dem Charakter des Ip Man sehr viel Ausdruck verleiht und durch seine Kampfkunst eines der absoluten Highlights dieses Werkes ist, das für Fans des Martial Arts-Films absolutes Pflichtprogramm ist.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Kantonesisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch / Niederländisch
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 102 Minuten
Extras: Making of, Deleted Scenes, Interviews Cast & Crew, Am Set von Ip Man



10/10

Montag, 8. Februar 2010

Bay of Blood






Bay of Blood
(Reazione a catena)
mit Claudine Augner, Luigi Pistilli, Claudio Camaso, Anna Maria Rosati, Chris Avram, Leopoldo Trieste, Laura Betti, Brigitte Skay, Isa Miranda, Paola Montenero, Guido Boccaccini, Roberto Bonanni, Giovanni Nuvoletti
Regie: Mario Bava
Drehbuch: Franco Barberi / Mario Bava
Kamera: Mario Bava
Musik: Stelvio Cipriani
Ungeprüft
Italien / 1971

In einer idyllisch gelegenen Bucht geschehen scheinbar willkürliche, zusammenhangslose Morde, die außergewöhnlich blutig und grausam erscheinen. Nach und nach stellt sich heraus, daß durchaus ein Zusammenhang besteht und es den Beteiligten um Geld, Eifersucht und Rache geht. Ein Blutrausch greift um sich, dem immer mehr Menschen zum Opfer fallen. Scheinbar will nun jeder alle anderen umbringen. Als am Schluß zwei übrigbleiben, geschieht etwas unerwartetes...

In den sogenannten Fachkreisen und auch bei den meisten Fans gilt ja eigentlich John Carpenter's "Halloween" als der Ur-Vater des Slasherfilms. In gewisser Art und Weise ist das auch sicherlich richtig, doch sollte man nicht vergessen, das es schon vorher einige wenige Filme gab, die für diese Filmgattung wegbereitend waren. Auch Mario Bava's "Bay of Blood" zählt ganz sicher zu diesen Filmen und kann ohne Übertreibung als einer der richtungsweisenden Filme dieses Sub-Genres angesehen werden. Storytechnisch verhält es sich wie bei fast allen Slashern, die Geschichte stellt im Prinzip nicht mehr als eine recht gelungene Rahmenhandlung dar, man sollte also keine tiefsinnige Story erwarten. Dafür bekommt es der Betrachter mit einem sehr gelungenen Spannungsbogen zu tun und insbesondere die sich hier entfaltende Atmosphäre kann sich sehen lassen.

Wie man es eigentlich bei fast allen Werken von Mario Bava gewohnt ist, bevorzugt der Meister-Regisseur auch in vorliegendem Film das äusserst kräftige Spiel mit den Farben, wofür ja gerade die italienischen Spannungsfilme der 70er-und 80er Jahre bekannt sind. Die hier auftretende Farbenpracht ist meiner Meinung nach für einen Slasher schon ziemlich ungewöhnlich, lässt aber das stattfindende Geschehen dafür umso intensiver wirken und übt phasenweise eine fast schon erschlagende Wirkung auf den Zuschauer aus. Gerade den teils malerischen Kulissen kommen die kräftigen Farben sehr entgegen, denn wirkt doch insbesondere die traumhaft schöne Bucht, die dem Film auch den Namen gab, noch idyllischer und einladender, als sie es von Haus aus schon ist. Teilweise ertappt man sich selbst bei dem Gedanken, wie es sein müsste, an diesen herrlichen Schauplätzen seinen Urlaub zu verbringen.

Und genau dort liegt die eigentliche Stärke des Films, denn wird man einerseits mit diesen einladenden Schauplätzen konfrontiert, die einen richtig ins schwärmen geraten lassen, so entpuppt sich diese wohlige und beruhigende Atmosphäre als äusserst trügerisch, wird sie doch mit einemmal durch die teils harten und blutigen Morde jäh zerstört, so das man mit einer ungeheuren Wucht aus seinen Tagträumen herausgerissen wird und nahezu brutal in der Wirklichkeit landet. Für damalige Verhältnisse war der vorhandene Härtegrad anscheinend zu hoch, denn wie sonst ist es zu erklären, das "Bay of Blood" aufgrund seiner Gewaltverherrlichung gemäß § 131 STGB beschlagnahmt wurde. Aus heutiger Sicht mag man darüber eher schmunzeln, vor allem wenn man sieht, was die Horrorfilme der heutigen Zeit zu bieten haben.

Das absolut herausragende dieses Werkes ist aber ganz sicher das gewählte Ende der Geschichte, das meiner Meinung nach nicht boshafter und makaberer hätte ausfallen können. Die Idee Bava's ist in meinen Augen schlichtweg genial und beschert einem so eines der wohl besten Filmenden der Filmgeschichte. Insgesamt gesehen kann man sich bestimmt darüber streiten, ob dieser Slasher zu den ganz großen Fiulmen seiner Art zu zählen ist, was auch eine Frage des persönlichen Geschmacks ist. Aber das es sich um einen Slasher-Klassiker handelt, der ganz maßgeblich für die Entwicklung des Sub-Genres war, das steht wohl ausser Frage. Für mich selbst bleibt "Halloween" unantastbar, aber aufgrund seiner Bedeutung und die Weiterentwicklung des Slashers ist Bava's Werk nicht minder wichtig, denn schließlich haben sich ja gerade Filme wie "Halloween" oder "Freitag der 13." an ihm orientiert.


Fazit:


"Bay of Blood" ist bestimmt nicht der beste Slasher aller Zeiten, was sowieso immer im Auge des Betrachters liegt, aber dieser Film war wegweisend für die ganzen Slasher, die uns Fans soviel Freude bereitet haben. Es ist gut vorstellbar, das es so manchen Film gar nicht gäbe, wäre da nicht ein gewisser mario Bava gewesen, der mit diesem Werk den Weg für eines der beliebtesten Sub-Genres bereitet hat, den etliche Regisseure nach ihm nur zu gern eingeschlagen haben. Kein echter Fan kann an diesem Klassiker vorbeikommen, für den man jederzeit eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen kann.



8/10

Samstag, 6. Februar 2010

Invasion der Zombies






Das Leichenhaus der lebenden Toten
(Non si deve profanara il sonno dei morti)
mit Cristina Galbo, Ray Lovelock, Arthur Kennedy, Aldo Massasso, Giorgio Trestini, Roberto Posse, Jose Lifante, Jeannine Mestre, Gengher Gatti, Fernando Hilbeck, Vera Drudi, Vicente Vega, Francisco Sanz, Paul Benson, Anita Colby
Regie: Jorge Grau
Drehbuch: Sandro Continenza / Marcello Coscia
Kamera: Francisco Sempere
Musik: Giuliano Sorgini
Ungeprüft
Spanien / Italien / 1974

George ist ein Londoner Kunsthändler und will das Wochenende in seinem neuen Sommerhaus in Windemere verbringen. Auf dem Weg dorthin demoliert eine junge Frau namens Edna an einer Tankstelle sein Motorrad. Da die Reparatur einige Tage in Anspruch nimmt, fährt George in Edna´s kleinem Wagen mit und prompt verfahren sich die beiden. Sie wollen einen Bauern nach dem Weg fragen. Er spricht gerade mit zwei Männern vom Landwirtschaftsministerium, die mit dem Bauern zusammen eine neue Art von Schädlingsbekämpfung ausprobieren, wobei man mit Ultraschall auf das Nervensystem der Viecher einwirken will. Während die vier Männer sich unterhalten, wird Edna von einem Mann belästigt. Als die Vier wiederkommen, ist er weg, doch man sagt ihr, daß sei Guthrie gewesen, ein verrückter Penner, doch eigentlich sei er letzte Woche ertrunken. Edna und George lassen diese verstörende Situation hinter sich und fahren zu der Schwester, die in der Nähe wohnt, die sich gerade heftig mit ihrem Mann Martin streitet wegen ihres Heroin-Konsums. Da kommt plötzlich der zombieartige Guthry, tötet Martin und verschwindet wieder. Die Polizei vermutet, daß Katie ihn getötet hat, der Sergeant mag auch den langhaarigen George nicht. Katie kommt ins Krankenhaus und hier werden gerade sehr seltsame Fälle von verrückten Babys beobachtet. George erzählt von den Ultraschall-Experimenten, welche die Insekten verrückt werden läßt, so daß sie sich gegenseitig ausrotten. Der Doktor vermutet, daß diese Schallwellen auch auf das Nervensystem der Babys wirkt. Einige Zeit darauf kommen die Zombies, die Toten steigen aus den Gräbern, weil die Schallwellen ihr Nervensystem beeinflußen...


Nun endlich, nach so vielen Jahren, konnte ich endlich eine große Wissenslücke schließen, denn diesen europäischen Zombie-Klassiker hatte ich bisher noch nicht gesehen. Nach Sichtung von Jorge Grau's Werk weiss ich nun endlich, was für ein toller Film mir bis jetzt durch die Lappen gegangen ist. Nun sollte man diesen Film nicht unbedingt mit den ersten beiden Dead-Teilen von Romero vergleichen, zwischen denen dieser Klassiker erschien, denn die Machart ist schon ziemlich unterschiedlich, jedoch braucht sich "Invasion der Zombies" rein qualitätsmäßig keineswegs hinter den besten Filmen des Sub-Genres zu verstecken. Das liegt insbesondere an der wirklich erstklassigen Geschichte, die hier erzählt wird und auch richtig gut durchdacht erscheint. Von Beginn an wird man dabei von der äusserst gelungenen Atmosphäre ergriffen, die sich im Laufe der Zeit zusehends verdichtet und extrem bedrohliche Ausmaße annimmt.

Nun ist der hier vorhandene Härtegrad sicherlich nicht mit den Romerowerken zu vergleichen, obwohl das Geschehen teilweise recht blutig geraten ist, doch anders als bei den amerikanischen Zombiefilmen ist hier das Hauptaugenmerk nicht unbedingt auf die Splatter-und Gore Szenen gelegt worden, sondern vielmehr auf die sehr interessante geschichte, die erzählt wird. Dennoch werden ganz sicher auch die Freunde der etwas härteren gangart durchaus auf ihre Kosten kommen, aber bestimmt nicht in dem Ausmaß, das man von vielen anderen Genre-Vertretern gewohnt ist. Das ist allerdings auch gar nicht weiter störend, oder gar als negativ zu bewerten, denn ich habe nur ganz wenige andere Zombiefilme gesehen, die derart stimmig sind und ein insgesamt nahezu perfektes Gesamtbild abgeben. Hier wird nicht absolut sinnlos rumgemetzelt, wie man es insbesondere aus vielen Filmen der heutigen Zeit her kennt, denn die härteren Passagen wurden wohlbedacht an den genau richtigen Stellen eingesetzt. So bekommt man als Zuschauer einen wirklich niveauvollen Genre-Beitrag präsentiert, der keine der handelsüblichen und teils vollkommen sinnbefreiten Schlachtfeste darstellt, die heutzutage gerade die jüngere Generation so begeistern.

Regisseur Jorge Grau hat sehr darauf geachtet, das seine Inszenierung auch Qualität und Niveau beinhaltet, was vielen bei einem Zombiefilm eventuell etwas befremdlich vorkommen mag. Aber auch bei diesen Filmen gibt es ganz gewaltige Unterschiede, die sich hier besonders bemerkbar machen. Die Grundidee der Geschichte war dabei gerade zur damaligen Zeit sicherlich als sehr innovativ anzusehen und stellt in meinen Augen etwas ganz Besonderes dar, das ganze Szenario ist vollkommen logisch nachvollziehbar und lässt keinerlei Fragen offen. Hierzu tragen auch die erstklassigen Darsteller ihren Teil bei, denn jeder Einzelne besticht durch ausdrucksstarkes und sehr glaubwürdiges Schauspiel. Hierbei hat mir ganz besonders die Darstellung der ermittelnden Polizisten gefallen, denn durch das intelligent dargestellte Geschehen ist es absolut nachvollziehbar, das sie die Geschichte von den auferstandenen Toten nicht glauben, da sie keinen einzigen von ihnen zu Gesicht bekommen. Und wenn dem doch so ist, müssen es die dementsprechenden Personen mit ihrem Leben bezahlen. Das führt fast schon zwangsläufig dazu, das die Morde George und Edna angehängt werden, da die beiden sich immer an den Schauplätzen der Morde befunden haben.

Da wir schon beim Thema Intelligenz sind, kann man das hier auch durchaus auf die lebenden Toten anwenden, denn ihre Darstellung empfand ich als nahezu grandios. Erst einmal hat mir das Aussehen sehr zugesagt, denn bis auf eventuelle Wunden im Gesicht und rot unterlaufene Augen erwecken sie im Prinzip gar nicht unbedingt den Eindruck, das es sich bei ihnen um wiederauferstandene Tote handelt. Es gibt keine bläulichen Romero-Zombies und auch nicht die teilweise vollkommen entstellte Zombie-Version von Lucio Fulci. Und dennoch geht von ihnen ein sehr hohes Maß an Bedrohlichkeit aus, was meiner Meinung nach daran liegt, das sie ganz einfach viel menschlicher wirken. Auch ihre Handlungsweisen deuten auf ein noch vorhandenes Maß an Intelligenz hin, denn ihre Handlungen wirken teils sehr durchdacht, was ich persönlich auf die Tatsache beziehe, das es sich hier fast ausschließlich erst kürzlich Verstorbene handelt. So bekommt Jorge Grau's Werk in meinen Augen noch einmal zusätzlich eine enorm innovative Note verliehen, die man wirklich in nur ganz wenigen Zombiefilmen beobachten kann.

So kann man letztendlich zu der Erkenntnis kommen, das "Invasion der Zombies" wirklich zu den ganz großen und qualitativ hochwertigen Vertretern des Sub-Genres zählt. Und auch wenn der Film vielleicht nicht den Bekanntheitsgrad der Romero-oder Fulci Filme hat, so braucht er hinter diesen keineswegs zurückzustehen. Diese Perle des Zombiefilms muss man einfach kennen und sollte sich auch nicht daran stören, das es eventuell nicht ganz so hart zur Sache geht, wie man es aus anderen Vertretern kennt, denn dafür wird man mit einer faszinierenden und sehr gut durchdachten Story belohnt, die jederzeit spannend und interessant ist und keinerlei langatmige Passagen beinhaltet.


Fazit:


Meiner Meinung nach zählt "Invasion der Zombies" ganz eindeutig zu den besten Zombiefilmen, die je gedreht wurden. Hier verbindet sich ein angemessener Härtegrad mit einer excellenten und innovativen Geschichte, die durch die Bank mit hervorragenden Darstellern besetzt ist und mit einem schon als sarkastischen zu nennenden Finale aufwarten kann, das aber auch gleichzeitig das einzig logische sein konnte. Ein Film, der nicht nur Nostalgikern wärmstens zu empfehlen ist, auch jüngere Freunde dieser Filmart sollten einmal einen Blick riskieren, und sei es lediglich aus dem Grund, einmal einen richtig gelungenen Genre-Vertreter zu Gesicht zu bekommen.



9,5/10

Donnerstag, 4. Februar 2010

Das Schwarze Herz






Das Schwarze Herz
(Tell-Tale)
mit Josh Lucas, Lena Headey, Brian Cox, Beatrice Miller, Dallas Roberts, Ulrich Thomsen, Pablo Schreiber, Jamie Harrold, Tom Riis Farrell, Michael K. Williams, Scott Winters, Tom Kemp, Cassandre Fiering, Kara Lund
Regie: Michael Cuesta
Drehbuch: Dave Callaham (Drehbuch) / Edgar Allan Poe (Kurzgeschichte "Tell-Tale")
Kamera: Terry Stacey
Musik: David Buckley
Keine Jugendfreigabe
Großbritannien / USA / 2009

Terry ist alleinstehender Vater, der sich um seine zehnjährige Tochter kümmert während sich sein Körper von der kürzlich erfolgten Herztransplantation erholt. Das Spenderherz wird vom Körper gut angenommen, doch bald beginnen seltsame Dinge zu passieren! Das Herz birgt ein dunkles Geheimnis und führt ihn auf einen gefährlichen Rachefeldzug. Er muss das Rätsel lösen, doch die Zeit rennt ihm davon ...


Mit "Das Schwarze Herz" hat Regisseur Michael Cuesta einen erstklassigen Organ-Thriller geschaffen, der durch seine zusätzlich enthaltenen Horror-Elemente zu fesseln und zu begeistern weiss und auf einer Kurzgeschichte von Edgar Allan Poe basiert. Die Frage, ob die hier erzählte Geschichte unbedingt realistisch oder glaubwürdig wirkt, sollte man bei der Sichtung des Films eher vernachlässigen, auf jeden Fall aber ist sie äusserst spannend und interessant in Szene gesetzt worden. Durch die eher ruhige Erzählweise, die immer wieder durch heftigere und auch teils harten Szenen jäh unterbrochen wird, entfaltet sich eine enorme Intensität des Ganzen, die sich fast schon zwangsläufig auch auf den Zuschauer überträgt und ihn phasenweise brachial aus seinem fast gemütlichen Sehverhalten herausreisst. Das ist auch die große Stärke des Films, denn einerseits werden einem hier äusserst emotionale Momente präsentiert, die sich vor allem im Umgang der beiden erwachsenen Hauptcharaktere (Vater / Doctor) zu der kleinen Tochter widerspiegeln und einen auch tief berühren, andererseits werden immer wieder diese wuchtig und hart wirkenden Momente eingefügt, in denen Menschen ihr Leben verlieren.

Gerade dieser Kontrast macht den Film meiner Meinung nach zu etwas ganz Besonderem, auch wenn manche Leute eventuell der Meinung sind, das man sich nicht richtig entscheiden konnte, in welche Richtung das ganze Geschehen eigentlich laufen soll. Vielmehr glaube ich, das diese Mischung ganz bewust so gewählt wurde, um gerade diese starke Intensität entstehen zu lassen, die hier auf den Betrachter mit der Wucht eines Keulenschlags einwirkt. Dabei entwickelt der Film auch in einigen Passagen ein immenses Maß an Härte, die auch visuell an etlichen Stellen sichtbar wird. Doch der Großteil der vorhandenen Härte entsteht meines Erachtens nach im Kopf des Betrachters und setzt sich dort richtiggehend fest, um im Laufe der Zeit ihre volle Wirkung zu entfalten, die nicht spurlos an einem vorrübergeht.

Als besonders gelungen kann man auch den Spannungsaufbau bezeichnen, den manch einer vielleicht als etwas mühsam ansehen mag, da er einem praktisch in mehreren kleinen Portionen serviert wird, wodurch aber eine ganz einzigartige Atmosphäre entsteht, die extrem dicht ist und in der man das drohende Unheil förmlich spüren kann. Gerade, bevor es immer wieder zu den härteren Momenten der Geschichte kommt, kann man die Bedrohlichkeit der anstehenden Situation fast greifen und erliegt der Faszination, die von diesen intensiven Momenten ausgeht. In diesen Passagen fühlt man sich selbst als ein Teil des Geschehens und erlebt alles fast körperlich mit, so das man im Endeffekt ganz froh darüber ist, wenn eine etwas ruhigere Sequenz folgt, in der man sich erst einmal wieder etwas erholen kann.

Ein weiterer Grund dafür, das dieses Werk so intensiv auf den Zuschauer einwirken kann, sind ganz sicher die erstklassig agierenden Schauspieler, die ein sehr wichtiger Bestandteil dieses hervorragenden Gesamtpaketes sind. Selbst in den kleinen Nebenrollen ist der Film ausgezeichnet besetzt, doch ganz besonders stechen die Hauptdarsteller hervor (Josh Lucas, Lena Headey, Brian Cox), die durch ihr ausdrucksstarkes Schauspiel für ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit und Authenzität, was den sowieso schon sehr guten Gesamteindruck noch einmal zusätzlich anhebt. Insgesamt gesehen bekommt man es also mit einem qualitativ sehr guten Film zu tun, der die verschiedensten Gefühle in einem hochholt und phasenweise in ein regelrechtes Wechselbad der Gefühle stürzt, aus dem es so schnell kein Entkommen gibt.


Fazit:


Auch wenn man über die Glaubwürdigkeit der Geschichte sicherlich geteilter Meinung sein kann, so bietet "Das Schwarze Herz" auf jeden Fall jederzeit spannende und sehr intensive Unterhaltung. Hier bekommt man es mit einer faszinierenden Mischung aus Organ-Thriller und Horrorfilm zu tun, die einen fesselt und nicht so schnell wieder loslässt. Ich fühlte mich jedenfalls bestens unterhalten und kann diesen tollen Film bedenkenlos weiterempfehlen.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,35:1 (16:9 anamorph)
Laufzeit: 89 Minuten
Extras: In O-Card

Dienstag, 2. Februar 2010

Final Destination 4






Final Destination 4
(The Final Destination)
mit Bobby Campo, Shantel VanSanten, Nick Zano, Haley Webb, Mykelti Williamson, Krista Allen, Andrew Fiscella, Justin Welborn, Stephanie Honore, Lara Grice, Jackson Walker, Phil Austin, William Aguillard, Brendan Aguillard, Juan Kincaid
Regie: David R. Ellis
Drehbuch: Eric Bress / Jeffrey Reddick
Kamera: Glen MacPherson
Musik: Brian Tyler
Keine Jugendfreigabe
USA / 2009

Eine seltsame Vorahnung bringt eine Freundesclique dazu, ein Autorennen zu verlassen, bevor Sekunden später eine Massenkarambolage brennende Wrackteile in die Tribüne schleudert und sie zum Einsturz bringt. Sie glauben, den Tod ausgetrickst zu haben, doch dieser fängt gerade erst an.


Die Innovation, die der erste Teil dieser Reihe im Jahr 2000 in das Horror-Genre hineinwehen lies, ist natürlich längst verflogen, so sollte man also in diesem mittlerweile vierten Teil keine großartigen Neuerungen oder Überraschungen erwarten. Dennoch bietet der Film im Prinzip genau die altbewährten Zutaten, die diese Film-Reihe bis jetzt immer so ausgezeichnet hat. Man bekommt wie immer eine solide Geschichte geboten, die mit mehreren teils einfallsreichen Kills bestückt ist, die auch einen ordentlichen Härtegrad beinhalten. Auch atmosphärisch wird wieder sehr solide Horrorkost angeboten, allerdings ist die vorherrschende Grundstimmung längst nicht mehr so bedrohlich, wie es noch im ersten Teil der Fall war, da man als Zuschauer ganz genau weiss, was auf einen zukommt.

Ebenso verhält es sich auch mit der aufkommenden Spannung, die zwar definitiv vorhanden ist, doch wenn man die drei vorherigen Teile gesehen hat, springt der Funke hier einfach nicht mehr so richtig rüber. Man nimmt die Geschehnisse vielmehr ziemlich gelassen hin, da das Strickmuster der Geschichte nur zu gut bekannt ist und einen so nicht mehr unbedingt vom Hocker haut.. So kann es auch durchaus möglich sein, das der Film auf viele Leute einen eher langweiligen Eindruck macht, da man ganz einfach keine Lust mehr verspürt, immer wieder die im Prinzip gleiche Story zu sehen, nur das es sich jedesmal um andere Schauspieler handelt und die Tötungsarten sich etwas unterscheiden.

Ich kann das sogar teilweise sehr gut nachvollziehen und dennoch zähle ich mich zu der Gruppe, die sich über jeden neuen "Final Destination-Teil" freut, da ich ein großer Fan dieser Filme bin.Dennoch muss ich zugeben, das es sich hier um den bisher schwächsten Film der Reihe handelt, der qualitätsmäßig vor allem nicht an die Klasse der ersten beiden Teile herankommt. Das mag auch daran liegen, das hier die Laufzeit mit knapp über 70 Minuten (o.A) doch sehr knapp geraten ist, doch in erster Linie liegt es an der Story an sich, die einfach nicht die Intensität der anderen Geschichten erreicht und phasenweise ziemlich lieblos hingeklatscht erscheint, so als wenn die Macher ma auf die Schnelle etwas gefilmt haben, nur um schnellstmöglich einen weiteren teil in die Kinos zu bringen.

Und dann ist da noch die 3D-Version, die mir überhaupt nicht gefallen hat, da mich die Effekte überhaupt nicht überzeugen konnten. Wenn ich da an "My Bloody Valentine" denke, liegen fast Welten zwischen den Effekten, da hätte man weitaus mehr erwarten können. Doch trotz dieser Defizite fand ich den Film insgesamt gesehen immer noch recht ordentlich, auch wenn man ganz sicher mehr hätte bewerkstelligen können. Mal schauen, was die Zukunft noch bringt und auf wie viele Teile man sich noch einstellen kann. Wenn noch weitere Fortsetzungen folgen sollten, dann kann man nur hoffen, das sich wieder etwas mehr Mühe gemacht wird, um die Filme wieder auf den alten Qualitätsstandard zurückzubringen.


Fazit:


"Final Destination 4" ist immer noch ein recht solider Teil einer Film-Reihe, die auf viele Leute mittlerweile wohl nicht mehr so prickelnd wirkt, wie es zwei Filme zuvor noch der Fall war. Die Innovation und der Überraschungseffekt haben sich aufgelöst, doch Freunde von Altbewährtem in einer netten und knackigen Verpackung kommen allemal noch auf ihre Kosten, auch wenn der große Glanz nicht mehr vorhanden ist.


6,5/10