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Dienstag, 29. Juni 2010

I Am Omega






I Am Omega
(I Am Omega)
mit Mark Dacascos, Geoff Meed, Jennifer Lee Wiggins, Ryan Lloyd, Joshua Schlegel, Gregory Paul Smith, Matthew Bolton, Myles McLane, Frank Forbes, Afton Forbes, Hayden Forbes, Charles Peeke Jr., Wil Braithwaite, Marlon Nash, Bob Landau
Regie: Griff Furst
Drehbuch: Richard Matheson (Roman) / Geoff Meed
Kamera: Alexander Yellen
Musik: David Raiklen
FSK 16
USA / 2007

Nachdem nahezu die gesamte Menschheit von einer rätselhaften Seuche ausgerottet wurden, nimmt Ranchard als letzter Überlebender den Kampf gegen menschenfressende Zombiewesen auf, die nun die Welt beherrschen. Auf der Suche nach einem Gegenmittel erhält er plötzlich einen verzweifelten Notruf. Mitten in der Brutstätte der Mutanten lebt versteckt eine Frau, die immun gegen die Seuche zu sein scheint. Könnte sie die letzte Rettung der Menschheit sein? In einem dramatischen Wettlauf gegen die zeit setzt Ranchard alles daran sie zu retten. Doch seine gnadenlosen Gegner sind in der Überzahl und verdammt hungrig...


Im Prinzip ist ja nichts dagegen einzuwenden, das die Firma Asylum es sich zur Aufgabe gemacht hat, dieversen Blockbustern einen ähnlich gestrickten B Movie hinterherzuschieben, der die gleiche Thematik bearbeitet. So geschehen auch im vorliegenden fall, denn "I Am Omega" ist nichts anderes als die Billig-Verison von "I Am Legend", der widerum die Neuauflage des Klassikers "The last Man on Earth" darstellt. Im Übrigen gibt es auch noch "Der Omega-Mann", denn auch dieser Film basiert auf dem Roman "I Am Legend" von Richard Matheson. Doch genug der Einführung, besinnen wir uns wieder auf den vorliegenden Film, der ganz eindeutig die mit Abstand schwächste Verfilmung der literarischen Vorlage darstellt, was wohl ausser Frage stehen dürfte.Ganz egal, wie auch immer man zu den anderen 3 Verfilmungen stehen mag, das hier dargestellte Szenario ist so dermaßen billig und dämlich, das einem fast die Worte dafür fehlen. Und selbst, wenn man das Werk von Griff Furst als reinen Trash ansehen würde, dann handelt es sich ohne Frage um Trash der ganz üblen Machart, was prinzipiell in fast jeder Sequenz erschreckend deutlich zum Ausdruck kommt.

In der Hauptrolle ist hier Mark Dacascos zu sehen, der ja vor geraumer Zeit einmal als vielversprechendes talent gegolten hat, aber leider nie so richtig über diesen Status hinausgekommen ist. Wenn man nun sein darstellerisches vermögen lediglich von diesem Film abhängig machen würde, ist dies auch sehr gut nachzuvollziehen, denn das an den Tag gelegte schauspiel ist absolut unterirdisch, was man allerdings auch von den restlichen Akteuren behaupten kann, die sich im gegenseitigen Unvermögen fast stetig überbieten. Hinzu kommen hier noch die vollkommen belanglosen Dialoge, so das man sich nicht gerade selten bei dem gedanken ertappt, wie schön es doch wäre, wenn es sich um einen Stummfilm handeln würde.

War bei den anderen verfilmungen eigentlich immer eine gute bis exzellente Atmosphäre vorhanden, so sucht man diese hier leider vollkommen vergebens. Zu keiner Zeit ist die absolut notwendige Endzeit-Stimmung zu spüren, die aufgrund der vorhandenen Thematik eigentlich zwingend vorhanden sein sollte. Doch ganz egal wie sehr man sich auch bemüht, die gegebene Situation in sich aufzunehmen, es gelingt in keiner Phase der Geschichte, die vor Dümmlichkeit und Peinlichkeiten nur so strotzt. Dafür steht allein schon das Ansinnen der beiden "Helfer", die Dacascos und eine junge Frau, die anscheinend in ihrem Blut den Anti-Virus besitzt, in ein Lager von Überlebenden bringen wollen, in Wirklichkeit aber vollkommen andere Ziele verfolgen. Diese sind aber so unglaublich grotesk, das es einem schon die Sprache verschlagen kann, da kein normaler Mensch so reagieren würde. Fairerweise sollte man allerdings anmerken, das es zu dem insgesamt extrem schlechten Gesamtbild passt, das man von diesem Film gewinnt und dieses noch einmal zusätzlich weiter nach unten drückt.

Nun könnte man als Zuschauer ja immer noch die Hoffnung hegen, das es wenigstens einigermaßen spannend zur Sache geht, doch selbst dieser Illusion wird man recht zeitig beraubt, denn der Spannungsbogen ist ungefähr so straff wie die Hängebrüste einer 90-jährigen Oma. Noch nicht einmal ansatzweise ist etwas wie Bedrohlichkeit oder etwas anderes zu erspähen, so das im Endeffekt das einzig Positive der Abspann dieses "Meisterwerkes" ist, der jedoch endlos lange 85 Minuten auf sich warten lässt. Letztendlich ist man dann aber doch heilfroh über die Tatsache, das man diesen Müll unbeschadet überstanden hat und sich nun wieder den besseren Filmen zuwenden kann die es auch verdient haben, das man sie sich ansieht.


Fazit:


Diesen Müll als B Movie zu bezeichnen, ist schon fast eine Beleidigung, denn gibt es doch in dieser Kategorie genügend Vertreter, die ganz ausgezeichnet sind. Dieses Prädikat muss man allerdings der vorliegenden Verfilmung eines Klassikers in wirklich allen Belangen energisch absprechen. Streckenweise hat man es schon fast mit einer Beleidigung der eigenen Augen zu tun und muss sich nach Ende des Films schonungslos eingestehen, das man die knapp 90 Minuten Lebenszeit mit durchaus sinnvolleren Tätigkeiten hätte ausfüllen können.


2/10

Samstag, 26. Juni 2010

Wanted






Wanted
(Wanted)
mit James McAvoy, Morgan Freeman, Angelina Jolie, Terence Stamp, Thomas Kretschmann, Common, Kristen Hager, Marc Warren, David O'Hara, Konstantin Khabensky, Dato Bakhdadze, Chris Pratt, Lorna Scott, Spphya Hague, Brian Caspe
Regie: Timur Bekmambetov
Drehbuch: Michael Brandt / Derek Haas
Kamera: Mitchell Amundsen
Musik: Danny Elfman
Keine Jugendfreigabe
Deutschland / USA / 2008

Wesley Gibson (James McAvoy) ist ein langweiliger Durchschnittstyp, der gute Gründe hat, sein Leben zu hassen: Seine Chefin schikaniert ihn pausenlos und seine Freundin schläft mit seinem besten Freund. Doch dann trifft er die aufregende Fox (Angelina Jolie), gerät mitten in eine Schießerei und erfährt, dass sein verschollener Vater gerade erst brutal ermordet wurde. Wes lernt die Bruderschaft kennen, einen mächtigen Geheimbund, der die Geschicke der Menschheit lenkt. Das frühere Weichei entwickelt durch Fox' knallharte Ausbildung blitzschnelle Reflexe und übermenschliche Geschicklichkeit. Schließlich tritt Wes in die Fußstapfen seines Vaters, um Rache zu nehmen. Doch auch die Bruderschaft hat eine dunkle Seite und Wes muss entscheiden, wer eigentlich über sein Leben bestimmen soll...


Eine Bruderschaft von eiskalten Killern, die übermenschliche Reflexe besitzen und dabei sogar um die Ecke schießen können und ein uralter Webstuhl, der Namen von Menschen preisgibt, die von diesen Killern getötet werden, um das Gleichgewicht der Menschheit zu halten sind hier die Eckpfeiler einer Geschichte. Das man nun aufgrund dieser beiden Dinge keine Story erwarten darf, die insbesondere durch ihren Realitätsgehalt besticht dürfte also von Beginn an klar sein, doch dafür ist dieser Film auch überhaupt nicht ausgerichtet, der den Zuschauer einfach nur erstklassig unterhalten will. Und das gelingt ihm auch ausgesprochen gut, denn präsentiert sich doch Popcorn-Kino der allerersten Sahne, bei dem man niemals die Frage nach Logik oder Realität stellen darf, denn von diesen beiden Begriffen ist die Geschichte fast soweit entfernt, wie die Erde vom Mond.

Dafür wird hier der geneigte Action-Fan zu 100 % auf seine Kosten kommen, offenbart sich ihm doch eine extrem temporeiche Inszenierung, die größtenteils ein wahres Action-Spektakel darstellt, in dem man mit Stunt-Feuerwerk der Extraklasse belohnt wird, das wie schon erwähnt sehr unglaubwürdig, dafür aber bestens unterhaltend daherkommt und den Betrachter phasenweise mit offenem Mund vor dem Bildschirm sitzen lässt. Es ist wirklich unglaublich, mit welch rasanten und spektakulären Effekten man hier konfrontiert wird, streckenweise entpuppt sich der Film als ein wahres Action-Feuerwerk, das einfach nur einen Heidenspaß macht und so kurzweilig gestaltet ist, das man gar nicht merkt, wie schnell doch die Laufzeit vergeht.

Hinzu kommt die Tatsache, das eine Darsteller-Riege verpflichtet werden konnte, die dem Spektakel auch noch ihren Stempel aufdrückt, denn bis in die kleinsten nebenrollen sind sämtliche Charaktere absolut brillant besetzt worden. Das Schauspiel ist wirklich überzeugend, wobei man sicherlich anmerken sollte, das in einem solchen Werk keinerlei tiefergehende Charakterrollen zu erwarten sind. Doch man merkt den agierenden Akteuren schon an, das sie eine Menge von ihrem Fach verstehen, denn sie verleihen den von ihnen gespielten Figuren doch sehr viel Authenzität und Glaubwürdigkeit, wenn man das bei einer Geschichte dieser Art überhaupt so nennen kann. Mir persönlich hat vor allem James McAvoy in der Hauptrolle äusserst gut gefallen, denn insbesondere die wandlung vom vollkommen verunsicherten jungen Mann zum Superkiller wird von ihm besonders gut dargestellt und ist meiner Meinung nach ein Höhepunkt des Filmes.

"Wanted" ist mit absoluter Sicherheit kein Film für Leute, die Wert auf Realität und Tiefgang legen, dieses Werk ist ganz einfach nur absolut erstklassige Popcorn-Unterhaltung, die einfach nur hervorragend zu unterhalten weiss. Die temporeiche und extrem actionreiche Geschichte ist ein wahres Freudenfest für jeden Action-Fan, der sich auch keinesfalls am fehlenden Realitätsgehalt stören wird. Erstklassige, wenn auch vollkommen überzogene Stunts tun ihr Übriges, um hier für ein insgesamt brillantes Feuerwerk zu sorgen, das man einfach nur genießen sollte, wenn man ein Freund solcher Filme ist.


Fazit:


"Wanted" ist in meinen Augen ein Paradebeispiel dafür, wie perfektes Popcorn-Kino aussehen sollte. Das hier kein Film für Freunde des Kopf-Kinos entstanden ist, steht sicherlich ausser Frage, doch wenn man sich nur um den reinen Unterhaltungswert kümmert, ist man hier genau an der richtigen Stelle. Gehirn ausschalten und die hier gezeigte Action genießen, das sollte die Devise sein, denn mit dieser Einstellung kann man einfach nichts verkehrt machen und wird extrem gut bedient, da in keiner Phase des Filmes auch nur annähernd so etwas wie Langeweile aufkommt.


8/10

Donnerstag, 24. Juni 2010

All Souls Day






All Souls Day: Dia de los Muertos
(All Souls Day: Dia de los Muertos)
mit Marisa Ramirez, Travis Wester, Nichole Hiltz, Laz Alonso, Laura Harring, David Keith, Julia Vera, Danielle Burgio, Mircea Monroe, Jeffrey Combs, Elie Cornell, Noah Luke, David Figlioli, Danny Trejo
Regie: Jeremy Kasten
Drehbuch: Mark A. Altman
Kamera: Christopher Duddy
Musik: Joe Kraemer
Keine Jugendfreigabe
USA / 2005

Der kleine mexikanische Ort Santa Bonita war schon immer ein Hort des Bösen. Alle 50 Jahre, am traditionellen Tag der Toten, öffnet sich das Tor zur Hölle, welches der finstere Großgrundbesitzer Vargaz Diaz Ende des 19. Jahrhunderts aufstieß, um ewiges Leben zu erhalten. An diesem Tag erheben sich die Toten aus ihren Gräbern, was nur durch ein Menschenopfer verhindert werden kann. Doch davon ahnen Joss und Alicia nichts, als sie die Zeremonie versehentlich stören. Das junge amerikanische Pärchen, das sich eigentlich nur auf der Durchreise befand, steuert unversehens auf einen furchtbaren Alptraum zu, bei dem die aufgebrachten Bewohner Santa Bonitas das kleinste Problem darstellen. Ein altes Hotel erweist sich schließlich als letzter Zufluchtsort vor der unvermeidlichen Invasion der Zombies am Tag der Toten...


Laut dem Text auf der Rückseite des DVD-Covers kann der Zuschauer durchaus die Hoffnung hegen, es hier mit einem harten und atmosphärisch stimmigen Zombiefilm zu tun zu bekommen, allerdings erfüllt sich diese Hoffnung im Endeffekt nur teilweise, da das Werk von Regisseur Jeremy Kasten (Twilight Thirst, Wizard of Gore) zwar über eine wirklich gelungene Atmosphäre verfügt, sich aber im Bezug auf den Härtegrad doch merklich zurückhält. Denn im Prinzip präsentieren sich erst in den letzten gut 20 Minuten des Filmes einige Passagen, die etwas blutiger geraten sind und auch etwas Splatter-und Gore enthalten. So werden also wahre Gorehounds hier wohl eher nicht unbedingt auf ihre Kosten kommen und letztendlich etwas enttäuscht sein, wobei man aber fairerweise anmerken sollte, das es sich insgesamt gesehen um keinen schlechten Film handelt.

Es verhält sich eigentlich wie so oft bei vielen Filmen dieser Art, das eine recht interessante Geschichte erzählt wird, die auch genügend Potential enthält, um wirklich etwas daraus zu machen. Gleichzeitig stösst man aber auch auf das eigentliche Problem dieses Werkes, denn das vorhandene Potential wurde nicht annähernd ausgeschöpt, so das letztendlich ein Film übrigbleibt, der hauptsächlich von seiner dichten und teils bedrohlichen Grundstimmung lebt, für einen echten Zombiefilm aber ganz eindeutig zu wenig Action bietet. Und dennoch haben die Macher des Filmes es geschafft, den Zuschauer durch einen gut gelungenen Spannungsbogen bei Laune zu halten, der einem jederzeit das Gefühl vermittelt, das in den nächsten Minuten etwas passiert. Bis es dann aber wirklich soweit ist, vergeht doch eine geraume Zeit, die mit einigen doch schon fast langatmig erscheinenden Nichtigkeiten überbrückt werden soll.

Man selbst ertappt sich dabei immer wieder dabei, wie die Vorfreude auf das anscheinend folgende Zombie-Spektakel stetig ansteigt, um dann aber wieder in sich zusammenzuffallen, bis dann endlich gut 20 Minuten vor dem Ende endlich etwas passiert und man doch noch für die aufgebrachte Geduld belohnt wird. Es verhält sich wirklich ziemlich komisch mit dem Geschehen, denn obwohl sich die Geschichte über eine Stunde lang phasenweise recht zäh gestaltet, steht man selbst unter Spannung und fiebert auch der Auflösung des Ganzen entgegen, die sich auch erst kurz vor Schluß offenbart und die ganzen Zusammenhänge plausibel erscheinen lässt. Wenn man in den ersten beiden Dritteln etwas mehr Zombie-Action eingebaut hätte, wäre hier zwar immer noch kein Meisterwerk entstanden, wohl aber ein sehr guter Zombiefilm, der Fans des Genres bestimmt voll überzeugt und ganzzeitig kurzweilig unterhalten hätte.

Da dies aber leider versäumt wurde, muss man sich letztendlich mit einem Film zufriedengeben, der durchaus seine starken Momente hat und insbesondere atmosphärisch absolut überzeugen kann, in seiner Gesamtheit aber nicht über das Mittelmaß hinauskommt. Daran sind teilweise auch die recht blassen und nicht übermäßig authentischen Schauspieler dran schuld, die stellenweise seltsam farblos erscheinen und sich auch im Bezug auf logisches Verhalten nicht gerade hervortun. Das äussert sich vor allem in der Passage, in der man den Versuch startet, den Zombies mit dem Auto zu entkommen, denn hier wird ein Verhalten an den Tag gelegt, das ziemlich schwer nachzuvollziehen ist. Trotz der aufgezähleten und teils offensichtlichen Defizite handelt es sich um einen Genre-Beitrag, den man sich gut anschauen kann, da hat man insbesondere unter den Zombiefilmen schon weitaus schlechtere Vertreter zu Gesicht bekommen. Schade ist lediglich wieder einmal die Tatsache, das viel mehr möglich gewesen wäre, als der Film im Endeffekt zu bieten hat.


Fazit:


"All Souls Day" verspricht leider mehr, als der Film letztendlich präsentiert und dennoch schafft er es irgendwie, den Zuschauer zu faszinieren, was in erster Linie an seiner ausgezeichneten Atmosphäre liegt. Hinzu kommt ein cleverer Spannungsaufbau, der Vieles erhoffen lässt, aber im Endeffekt nicht Alles bietet. Mit etwas mehr Action und besserer Ausschöpfung des vorhandenen Potentials wäre hier ein richtig guter Zombiefilm entstanden, so aber handelt es sich "nur" um einen sehenswerten, aber keineswegs überdurchschnittlich guten Genre-Vertreter, der aber sicherlich auch seine Fan-Gemeinde finden wird, dessen bin ich mir sicher.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,85:1 (16:9)
Laufzeit: 90 Minuten
Extras: Making Of, Faces of Death (Make Up Effects), Jailhouse Rock, Audiokommentar



6/10

Montag, 21. Juni 2010

Baise-moi (Fick mich!)






Baise-moi (Fick mich!)
(Baise-moi)
mit Karen Lancaume, Raffaela Anderson, Celine Beugnot, Adama Niane, Christophe Claudy Landry, Tewfik Saad, Delphine McCarty, Ouassini Embarek, Patrick Kodjo Topou, Lisa Marshall, Hacene Beddrouh, Ian Scott
Regie: Virginie Despentes / Coralie
Drehbuch: Coralie / Virginie Despentes (Roman)
Kamera: Benoit Chamallard
Musik: Varou Jan
FSK 18
Frankreich / 2000

Nach einer Vergewaltigung begeht Nadine einen Mord im Affekt. Auf der Flucht trifft sie Manu, die ebenfalls Schreckliches erlebt hat. Gemeinsam begeben die beiden sich auf eine wilde Tour durch die französische Provinz. Jenseits aller Konventionen und Wertvorstellungen führen sie ein Leben, aus dem es kein zurück gibt.


Nun haben die Franzosen in den letzten Jahren in Sachen Härte teilweise neue Maßstäbe gesetzt, was man insbesondere bei einigen Horrorfilmen feststellen konnte.Doch auch vorliegendes Werk aus dem Jahr 2000 präsentiert dem Betrachter ein Szenario, das kaum härter hätte ausfallen können. Nun könnte man es sich ziemlich leicht machen und den Film als gewaltverherrlichendes Werk ansehen, das mit pornographischen Elementen nur sp durchsetzt ist, doch damit würde man dem Film meiner Meinung nach nicht annähernd gerecht werden. Eines ist jedoch absolut sicher, die hier erzählte und umgesetzte Geschichte spaltet die Meinungen extrem und das ist auch durchaus nachvollziehbar. Von Beginn an entfaltet sich eine äusserst harte Grundstimmung, die einem sofort unter die Haut geht und bis zum bitteren Ende nicht mehr loslässt. Dabei ist es von großer Wichtigkeit, das sich die Story relativ realiistisch und intensiv darstellt, was in meinen Augen auch ganz hervorragend gelungen ist und in erster Linie den beiden exzellenten Hauptdarstellerinnen zu verdanken ist, die absolut glaubhaft agieren.

So ist es vor allem die Selbstverständlichkeit, mit denen die beiden ihre Taten begehen, die einem schon so manchen kalten Schauer über den Rücken jagen, hinzu kommt die scheinbare Eiseskälte, die von beiden ausgeht und der fast körperlich spürbare Männerhass, der vortrefflich herausgearbeitet wird und so dafür Sorge trägt, das man sich gerade als männlicher Zuschauer bei der Sichtung dieses Filmes nicht gerade wohl in der eigenen haut fühlt. Man wird mit 2 Frauen konfrontiert, die den Männern lediglich als Lustobjekte gedient haben und nun den Spieß einmal vollkommen umdrehen. Dies geschieht allerdings auf wirklich schon fast erschreckend-drastische Art und Weise, so das man nicht selten bei einigen Einstellungen die Luft anhalten muss, um die zur Schau gestellte Brutalität zu ertragen. Die gesamte Laufzeit über spürt man dabei ein ungeheuer beklemmendes Gefühl, was auch dem authentischen Eindruck zu verdanken ist, den die Geschichte hinterlässt. Hier kommt es dem Gesamtbild auch sehr zugute, das es sich um keinen Blockbuster handelt, sondern das ganze Geschehen einen eher sehr nüchternen und fast schon billigen Eindruck hinterlässt.

Schon die Gegend, aus der die beiden Damen kommen, vermittelt einem das Gefühl von Tristesse, denn scheint es sich doch weniger um Nobelgegenden, sondern vielmehr um soziale Brennpunkte zu handeln, in denen Umgangsformen und ein sorgenfreies Leben kaum vorstellbar sind, Drogenhandel, Vergewaltigungen und andere Arten der Gewalt scheinen an der Tagesordnung zu sein, was die beiden Frauen auch zu spüren bekommen. Zwar kann man deren Taten durch ihre eigenen Erlebnisse keinesfalls gutheissen, es entsteht aber eine gewisse Art von Verständis für die sich entladende Gewaltspirale. Die Wut, die hinter den Morden steht, kommt dabei immer brachialer zur Entladung und eine Hemmschwelle ist überhaupt nicht zu erkennen. Ganz im gegenteil, denn wenn man den beiden Killerinnen ins Gesicht schaut, bemerkt man sogar eine diebische Freude und ein hohes Maß an Befriedigung, wenn sie ihre Opfer quälen und danach hart und absolut kompromisslos töten.

Sind diese Passagen des Filmes schon als äusserst hart und brutal anzusehen, so mischen sich der Szenerie noch die etlichen pornographischen Sequenzen bei, in denen die Kamera keineswegs abschwenkt, sondern Genitalien und diverse Sex-Praktiken voll erfasst, was sicherlich bei vielen Leuten die Frage aufwirft, ob diese expliziten Hardcore-Szenen unbedingt notwendig waren. Ich persönlich bin der Meinung, das dies in einem Film dieser machart fast zwingend notwendig war, um der Geschichte nichts von ihrer Authenzität und Intensität zu nehmen. Nur so ist das Geschehen glaubhaft und hinterlässt diese absolut schockierende Wirkung, die beim Zuschauer schon fast zwangsläufig entsteht. Man mag nun geteilter Meinung darüber sein, ob es überhaupt notwendig ist, solche Filme zu produzieren, die im Prinzip einen einzigen Gewalt-Exzess darstellen, doch wenn man es schon tut, ist die hier gefundene Herangehensweise genau die richtige, denn "Baise-moi" will schockieren und verstören, dabei gelingen beide Dinge ganz ausgezeichnet.

Letztendlich ist hier eine absolut harte und kompromisslose Mixtur aus Drama, Sex- und Road Movie entstanden, die sicherlich nicht jeden Geschmack trifft, aber auf jeden Fall sehr nachdenklich stimmt und auch nachhaltig im Kopf des Betrachters hängenbleibt. Ein Film, den man nicht so schnell vergessen wird, was auch den hervorragenden Hauptdarstellerinnen zu verdanken ist, die den von ihnen dargestellten Charakteren sehr viel an Glaubhaftigkeit verleihen und so zu einem insgesamt herausragenden Gesamtbild beitragen, das man von diesem schockierend harten Werk erhalten kann.


Fazit:


"Baise-moi" ist ein Film, der fernab des üblichen Mainstreams angesiedelt ist und der definitiv nur Leuten zu empfehlen ist, die gern einmal einen richtig harten Film sehen möchten. Für das übliche Massen-Publikum eher vollkommen ungeeignet entpuppt sich eine Geschichte, die von der ersten bis zur letzten Minute extrem harte Film-Kost offenbart, bei der man schon etwas hartgesottener sein sollte. Hinzu kommen die expliziten Hardcore Passagen, die für viele eventuell abstossend, aber für diesen Film zwingend notwendig waren um das Ganze noch authentischer wirken zu lassen. Wie fast immer bei so palarisierenden Werken gehen die Meinungen auch hier extrem auseinander, aber man sollte diesen Film wirklich selbst gesehen haben, um sich sein eigenes Urteil zu bilden.


8/10

Samstag, 19. Juni 2010

El Superbeasto






Rob Zombies El Superbeasto
(The Haunted World of El Superbeasto)
Zeichentrick
Regie: Rob Zombie
Drehbuch: Mike Bell / Joe Ekers
Kamera: Keine Information
Musik: Tyler Bates
FSK 16
USA / 2009

Einst war El Superbeasto ein berühmter Wrestler, doch inzwischen kippt das heruntergekommene Kraftpaket lieber Tequilas und hält nach hübschen Senoritas Ausschau. In der heißen Stangentänzerin Velvet van Black wird er fündig, doch wie der Zufall es so will, hat auch Superbösewicht Dr. Satan in der Stripperin die Frau seiner Träume entdeckt. Um die Entführte aus Satans Festung zu befreien, tut sich El mit Schwesterherz und Crime Fighterin Suzi zusammen. Die bekämpft gerade eine Armee von Nazizombies und hat deshalb noch eine Hand frei.


Das Rob Zombie wohl ein uneingeschränktes Multitalent zu bescheinigen ist, wird dem Zuschauer mit vorliegendem Film wieder einmal auf beeindruckende Art und Weise vor Augen geführt. Hat er sich bisher nicht nur in der Musik (White Zombie) und als Regisseur einiger Horrorfilme (Haus der 1000 Leichen) einen Namen gemacht und gerade den Filmen seinen ganz eigenen Stempel aufgedrückt, so hat er hier nun auch seinen eigenen Zeichentrickfilm auf den Markt gebracht, der auf seinem eigens gestalteten Comic-Book basiert. Und das es sich hierbei um ein waschechtes Zombie-Werk handelt, wird dem Zuschauer extrem schnell bewust, wird einem doch ein äusserst schrill-buntes Universum eines Superhelden präsentiert, in dem die eigentliche Geschichte doch im Prinzip eher nebensächlich erscheint und man sich viel eher an den skurrilen Figuren und der schrillen Welt des "El Superbeasto" erfreut.

So muss sich der Held der Story mit einer Horde Nazi-Zombies herumschlagen und trifft auch auf einige altbekannte Charaktere, die man aus diversen Filmen von Rob Zombie kennt. Es gibt beispielsweise ein Wiedersehen mit Michael Myers, doch auch Captain Spaulding oder Otis & Baby Firefly kreuzen den Weg des bunten Superhelden und sind somit ein Teil dieses wahnwitzigen Szenarios, das man kaum bunter hätte gestalten können. Doch ist das nur ein typisches Markenzeichen für einen Film, der unter der Regie von Zombie entstanden ist und so dürfen auch ein ordentlicher Schuß Erotik und jede Menge Härte nicht fehlen, was auch der 16er Freigabe durchaus ihre Berechtigung verleiht.

Denn obwohl es sich um einen Zeichentrickfilm handelt, so ist es doch immerhin einer, den man Kindern nicht unbedingt zeigen sollte, da er eher für ein erwachsenes Publikum kreiert wurde. Man bekommt etliche gutgebaute und bildhübsche Mädchen präsentiert, die auch gern einmal eher spärlich bekleidet und phasenweise sogar nackt zu sehen sind, es gibt auch Passagen, in denen man den Geschlechtsakt zwischen Mann und Frau begutachten kann, was gerade in einer Zeichentrick-Version ganz besonders zum schmunzeln anregt. Doch auch im Bezug auf den vorhandenen Härtegrad wird eine Menge geboten, abgetrennte Körperteile und jede Menge Blut sind ein untrügliches Zeichen dafür, das Hier Rob Zombie höchstpersönlich am Werk war.

So kann man letztendlich zu der Erkenntnis kommen, das "El Superbeasto" alles das bietet, was man von diesem Film erwartet hat: Sex, Härte und eine Art von wahnwitzigem Humor, wie ihn wohl nur ein Rob Zombie auf Zelluloid bannen kann. Ein Zeichentrickfilm für Erwachsene, bei dem man nicht über Sinn oder Unsinn nachdenken muss, sondern an dem man einfach nur einen Heiden-Spaß hat und den man unbedingt gesehen haben sollte.


Fazit:


"El Superbeasto" ist wahrlich "Rob Zombie at his Best", denn bietet der Film doch sämtliche durchgeknallten Zutaten, die man aus den Horrorfilmen des Filme-Machers her kennt. Angereichert mit ordentlich bissigem Humor und einer knallbunten Welt bekommt man hier einen Film-Spaß geboten, der jederzeit bestens und extrem kurzweilig unterhält und keine Wünsche offen lässt.


Die DVD:

Vertrieb: Sunfilm
Sprache / Ton: Deutsch DTS, DD 5.1 / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,85:1 (16:99
Laufzeit: 75 Minuten
Extras: Geschnittene und alternative Szenen, Work In Progress Fassung


6/10

Donnerstag, 17. Juni 2010

So weit die Füße tragen






So weit die Füße tragen
(So weit die Füße tragen)
mit Heinz Weiss, Wolfgang Büttner, Edgar Mandel, Harro Riviere, Basar Abuschinow, Ferdinand Anton, Hans Bartels, Richard Beeck, Klaus Bauer, Heinrich Cornway, Harry Engel, Heinz Huels, Ernst Konstantin, Alois Kuttin
Regie: Fritz Umgelter
Drehbuch: Josef Martin Bauer / Fritz Umgelter
Kamera: Jochen Maass / Walter H. Schmitt
Musik: Keine Information
FSK 12
Deutschland / 1959

Im Herbst 1945 wird Oberleutnant Clemens Forell mit 3000 weiteren deutschen Kriegsgefangenen nach Sibirien verschickt für 25 Jahre Zwangsarbeit. Nur 1200 Männer werden diese Reise überleben und müssen fortan unter unmenschlichen Bedingungen in einem Bleibergwerk schuften.
Angetrieben von der Liebe zu seiner Frau und seinen beiden Kindern gelingt Forell nach mehreren erfolglosen Versuchen endlich die Flucht. Zu Fuß macht er sich auf den Weg nach Hause über 14.000 Kilometer in drei Jahren. Was er dabei erlebt, überschreitet unsere Vorstellungen von Leid: Auf seinem Weg durch die unendlichen sibirischen Eiswüsten, durch Wälder und Steppen muss er leben wie ein Tier, gegen Wölfe kämpfen, muss Bettler, Dieb und sogar Räuber werden, um zu überleben. Dabei trifft er immer wieder Gefährten auf Zeit Mongolische Hundezüchter, Goldsucher, Pelztierjäger, Mitglieder des armenischen Widerstands. Viele helfen ihm, doch manche werden zur tödlichen Gefahr...



Bei dieser TV Mini-Serie aus dem Jahre 1959 bekommt man es mit einem Stück deutscher Filmgeschichte zu tun, das nun endlich nach 50 Jahren dank der Firma Ascot Elite eine absolut würdige DVD-Veröffentlichung erhalten hat, die sich wirklich sehen lassen kann. Auf 3 DVD's kann man die 6 Teile der Serie ansehen und bekommt zudem noch eine Bonus-DVD mit jeder Menge Extras und zusätzlich beinhaltet die Jubiläumsedition noch eine Landkarte und ein sehr informatives Begleitheft, so das für den Film-Fan absolut keine Wünsche offen bleiben. Die hauptsache aber ist selbstverständlich die Serie an sich, bei der es sich laut dem "Lexikon des internationalen Films" um die erste wirkliche deutsche Fernseh-Eigenproduktion handelt, in der die Geschichte des Kriegsgefangenen Oberleutnant Clemens Forell (Heinz Weiss) erzählt, der 1949 aus einem sibirischen Bleibergwerk flieht, um wieder nach Hause zu kommen und sich dabei auf eine schier unendliche Reise durch die unendlich groß erscheinende sibirische Eiswüste macht, aus der es anscheinend kein Entkommen gibt. Auf seiner 3 Jahre dauernden Reise legt er dabei gut 14.000 Km zurück, was man sich als normaler Mensch kaum vorstellen kann.

Ganz exzellent wurden vor allem die damit verbundenen Gefahren und Leiden herausgearbeitet, wobei man sich als Zuschauer die wirklichen körperlichen und psychischen Belastungen des Mannes noch nicht einmal ansatzweise vorstellen kann. Heinz Weiss brilliert hier in der Rolle des Clemens Forell, denn seine schauspielerische Darbietung ist äusserst authentisch und überzeugend, so das der Betrachter einen sehr guten Eindruck der jeweiligen Situationen erhält, in denen sich der Flüchtige während seiner langen Reise befindet. Dabei wechselt insbesondere die Gefühlslage des Mannes ziemlich oft, denn schwankt er immer wieder zwischen aufkeimender Hoffnung und purer Hoffnungslosigkeit, wobei er aber trotz aller Strapazen nie den Mut gänzlich verliert und immer an seinem Ziel festhält, die Heimat wiederzusehen. Doch bis es soweit ist, muss Forell Jahre der Entbehrungen auf sich nehmen und etliche Gefahren überstehen. Zudem lernt er auf der langen Reise etliche menschen kennen, von denen ihm die meisten hilfreich zur Seite stehen, es aber auch andere gibt, die ihm vor lauter Gier das Leben nehmen wollen. Doch Forell lässt sich in keinster Weise unterkriegen und wird ganz am Ende der Geschichte für seinen Mut und den ausserordentlichen Überlebenswillen letztendlich belohnt.

"So weit die Füße tragen" war zur damaligen Zeit vor allem für die geschundene deutsche Volksseele eine wahre Labsal, denn nach den Schrecken des 2. Weltkrieges entstand mit der Figur des Clemens Forell doch eine Art neuer Held, der durch seine unglaubliche Willensstärke unbeirrt seinen Weg ging, um etwas schier Unglaubliches zu schaffen. Besonders wichtig war es dabei sicherlich auch, das es hier nicht um den bösen Deutschen ging, sondern lediglich um einen einzelnen Mann, der ganz einfach zurück in seine heimat will. Und so bekommt man auch rein gar nichts vom Krieg an sich zu sehen, da die Geschichte erst mit dem Transport der Kriegsgefangenen beginnt, die in das Bleibergwerk im tiefsten Sibirien gebracht werden, wo sie unter menschenunwürdigen Verhältnissen untergebracht werden und 25 Jahre absitzen sollen. Der Großteil der ersten beiden Serien-Teile dreht sich dann auch um die Vorbereitungen der Flucht, die äusserst intensiv vorbereitet wird und die Forell ohne Hilfe nie hätte bewerkstelligen können.

Der komplette Rest der Geschichte behandelt dann die eigentliche Flucht und bietet dabei auch für heutige Verhältnisse extrem spannende und interessante Unterhaltung. Und auch, wenn man sich kaum vorstellen kann, das ein einzelner Mensch den hier dargestellten Strapazen gewachsen ist, so kann man sich der von der Geschichte ausgehenden Faszination kaum erwehren, man fiebert mit der Hauptfigur mit und kann phasenweise sogar sein Leid mit ihm teilen, denn nicht selten überkommt einen das Gefühl, das man selbst unter Erschöpfungszuständen leidet, was ganz eindeutig aufzeigt, welch starke Intensität vom Geschehen ausgeht. Und so ist es dann auch nicht wirklich verwunderlich, das man mit der Hauptfigur mitleidet, die man im Laufe der Geschichte immer mehr in sein Herz schließt und sie teilweise sogar für ihre demonstrierte Stärke bewundert, da kann man sich die Wirkung dieses Mehrteilers auf die Menschen vor nun mittlerweile 51 Jahren noch viel besser vorstellen, da endlich einmal wieder etwas heroisches von einem Deutschen ausging, was man als sehr positiv ansehen konnte.

So ist "So weit die Füße tragen" ganz sicher ein Stück deutscher Filmgeschichte, das nicht umsonst zu seiner Zeit ein absoluter Straßenfeger war, aber auch heute, nach über einem halben Jahrhundert rein gar nichts von seiner Faszination eingebüßt hat. Ganz nebenbei beinhaltet die Serie auch noch ihren ganz eigenen Charme, der insbesondere durch einige aus heutiger Sicht recht naiv gedrehten Passagen zum Vorschein kommt. Stellvertretend dafür kann man 2 Abschnitte aus der dritten Folge nehmen, gibt es dort doch die berühmte Floßfahrt zu sehen, in der das Floß anscheinend auf einer Art beweglichen Bühne steht und im Hintergrund der reißende Fluss eingeblendet wird. Natürlich merkt man sofort, das die Szene sehr künstlich wirkt, jedoch verleiht das dem Ganzen einen unglaublichen Charme, so das man dies kaum als Manko ansehen kann. Hinzu kommt die Stelle, an der einer von Forrel's Begleitern mit einem Braunbären kämpft, wenn man das überhaupt so nennen kann, denn die Passage animiert doch viel eher zum schmunzeln, als das sie in irgendeiner Form bedrohlich erscheinen würde. An diesen Szenen erkennt man natürlich das Alter der Serie, was aber echte Nostalgiker keineswegs stören dürfte und auch den insgesamt hervorragenden Gesamteindruck dieses Klassiker in keinster Weise schmälert.

Letztendlich handelt es sich hier meiner Meinung nach um einen absoluten Meilenstein des deutschen Films, nicht umsonst wurde der Geschichte, die auf einem Roman von Josef Martin Bauer beruht, im Jahre 2001 auch noch eine Film-Fassung spendiert, die aber an die Klasse des Originals nicht heranreichen kann. Denn dies ist doch viel ausführlicher ausgefallen und hat mit einer Gesamtlänge von gut 370 Minuten schon eher einen dokumentarischen Anstrich, da etliche Stationen einer jahrelangen Reise aufgeführt sind, was in einem einzelnen Film nur sehr schwer möglich sein dürfte.


Fazit:


"So weit die Füße tragen" ist ein Stück deutscher Fernsehgeschichte, das man auf jeden Fall gesehen haben sollte. Dabei ist diese Mini-Serie längst nicht nur Nostalgikern ans Herz zu legen, da wirklich ganzzeitig spannende und äusserst interessante Unterhaltung geboten wird. Dank Ascot Elite gibt es diesen Klassiker nun endlich auch auf DVD, zudem handelt es sich dabei auch noch um eine optisch und inhaltlich absolut lohnenswerte Anschaffung, die man sich gönnen sollte, denn dieses Meisterwerk wird man sich bestimmt nicht nur einmal anschauen, dessen bin ich mir sicher.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch DD 2.0
Bild: 1,33:1 (4:3)
Laufzeit: 371 Minuten
Extras: Interview mit Heinz Weiss und Fritz Umgelter, Interview mit Historiker Dr. Andreas Hilger, Restaurations-Featurettes, ZDF-History: So weit die Füße tragen, Landkarte, Begleitheft


9/10

Montag, 14. Juni 2010

I'll Never Die Alone






I'll Never Die Alone
(No morire mora)
mit Andres Aramburu, Gimena Blesa, Leonardo Canga, Leonardo Cuchetti, Magdalena De Santo, Andrea Duarte, Rolf Garcia, Marisol Tur, Victoria Witemburg
Regie: Adrian Garcia Bogliano
Drehbuch: Martin Frias / Adrian Garcia Bogliano
Kamera: Fabricio Basilotta
Musik: Herman Penner
Ungeprüft
Argentinien / Spanien / 2008

Auf einem Road Trip sehen die vier Freundinnen Moira, Carol, Leonor und Yasmine ein verletztes Mädchen am verlassenen Strassenrand liegen und kurz darauf drei Typen mit Gewehren im Wald. Die Mädchen bringen das Opfer zur Polizei, werden aber anschliessend selber verfolgt und von der Strasse abgedrängt. Die jungen Frauen werden im Wald verschleppt und nacheinander brutal missbraucht. Die Überlebenden nehmen blutige Rache an ihren Peinigern. Aber schmeckt Rache wirklich süss...?


Es ist schon ein äusserst hartes Stück Rape & Revenge Movie, das einem Regisseur Adrian Garcia Bogliano präsentiert, dies trifft allerdings nur zu, wenn man sich den Film in der ungeschnittenen Version anschaut. Was hier wie eine scheinbar lockere Autofahrt von 4 Freundinnen beginnt, verwandelt sich recht schnell in ein absolutes Horror-Szenario, aus dem es für die 4 Mädchen anscheinend kein Entrinnen gibt. Es ist die spartanische Ausstattung dieses Werkes, die es so extrem authentisch wirken lässt, denn bei einem geschätzten Budget von gerade einmal 6.000 $ waren die Möglichkeiten wohl sehr begrenzt, was sich aber letztendlich als ungeheurer Vorteil herausstellen soll. Denn wurde hier doch mit minimalstem Aufwand wirklich die maximale Wirkung beim Zuschauer erzielt, der eine immer stärker werdende Intensität der schockierenden Ereignisse verspürt, die man auch bis zum Ende nicht mehr los wird. Zu schockierend erscheint das Geschehen, das für die Freundinnen beginnt, als sie am Straßenrand ein totes Mädchen finden und die Leiche in einer nahen Polizeistation abgeben. Denn nachdem sie dort ihre Aussagen zu Protokoll gegeben haben, werden sie nach ihrer Abfahrt von einigen Männern verfolgt, von denen einer zudem wohl selbst ein höherrangiger Polizist zu sein scheint. Und nun beginnt für die Mädchen die wohl schlimmste Zeit ihres noch jungen Lebens, das für einige von ihnen schon bald beendet sein soll.

Was bei diesem Film ganz besonders auffällt ist die Tatsache, das ziemlich wenig mit Dialogen gearbeitet wird. Das mag vielleicht für viele etwas gewöhnungsbedürftig erscheinen, verleiht dem Ganzen aber meiner Meinung nach eine noch intensivere Wirkung, als von haus aus schon vorhanden ist. So wirken die einzelnen Passagen noch viel mehr nach, da die brutalen Bilder größtenteils für sich selbst sprechen und so auch keinerlei Kommentar nötig haben. Insbesondere die Szenen im Wald, wo die 4 Freundinnen jegliche Erniedrigung und Demütigung über sich ergehen lassen müssen, hinterlassen sichtliche Spuren beim Zuschauer, der sich phasenweise fast ohnmächtig fühlt, da er den Ereignissen hilflos ausgeliefert ist und nicht hilfreich eingreifen kann. Gerade die Vergewaltigungen sind doch sehr explizit in Szene gesetzt worden und lassen eine äusserst beklemmende Stimmung aufkommen, doch auch andere Misshandlungen wie beispielsweise das Verbrennen mit einer Zigarette hinterlassen ein extrem bedrückendes Gefühl, dessen man sich nicht erwehren kann. Das jetzt das eigentliche Katz-und Maus Spiel zwischen Peinigern und Opfern erst so richtig losgeht, kann man sich sofort denken, als die Männer die hilflosen Opfer im Wald allein lassen und mit dem Auto verschwinden.

Geschickt hat es Adrian Garcia Bogliano verstanden, die Wut beim Betrachter zu schüren, denn vor allem die Täter werden doch als eiskalt und scheinbar vollkommen emotionslos dargestellt, was es um ein Vielfaches leichter macht, einen regelrechten Hass gegen sie aufzubauen. Und so ertappt man sich selbst dann auch insbesondere im letzten Drittels des Filmes dabei, das man schon fast sehnsüchtig auf die Rache der Überlebenden Mädchen wartet, die dann natürlich auch so selbstverständlich kommt, wie das Amen in der Kirche. Auch wenn Selbstjustiz eigentlich nie als richtiges Mittel gelten sollte, kann man jede Menge Verständnis aufbringen und verspürt auch so etwas wie Genugtuung, nachdem es den Peinigern an den Kragen geht. Was mir dabei äusserst gut gefallen hat sind die fast schon spürbaren Gefühle, die sich in der Mimik der Überlebenden ausdrücken und die ein wirres Gemisch aus Hass, Wut, Schmerz und Genugtuung darstellen. Ganz generell haben die Darsteller einen sehr guten Eindruck hinterlassen und ohne viele Worte durch ausdrucksstarkes und authentisches Schauspiel überzeugt.

Nun kann man sich wie immer bei dieser Art von Film die Frage stellen, ob es unbedingt notwendig ist, Härte so explizit in Szene zu setzen. Ich finde, wenn man schon einen Rape & Revenge Film dreht, dann gehört das einfach dazu, um ein realistisches Szenario zu schaffen. Deshalb sollte man auch die Finger von der deutschen Veröffentlichung lassen, die ja scheinbar um ganze 15 Minuten erleichtert wurde und so ganz sicher einen vollkommen anderen Film präsentiert. Letztendlich zeichnet "I'll Never Die Alone" ein sehr hartes und brutales Szenario nach, über dessen Notwendigkeit man sicher geteilter Meinung sein kann und das insbesondere durch seine schon spartanische Ausstattung eine ungeheure Wucht erzeugt, die den Betrachter mit der Wucht eines Keulenschlages mitten in die Eingeweide trifft. Der Film ist ein Paradebeispiel, wie man mit wenigen Darstellern, einem sehr geringen Budget und nicht gerade vielen Worten einer Geschichte ein Höchstmaß an Intensität verleihen kann. Das schockierende Geschehen kriecht dem Zuschauer richtiggehend unter die Haut und setzt sich dort nachhaltig fest, so das man auch längst nach dem Ende der Story nachdenklich gestimmt ist .


Fazit:


Einen Film, im dem Vergewaltigungen und andere Qüälereien im Focus der Geschichte stehen als gut oder schlecht zu bewerten, ist immer so eine Sache. Vom authentischen Eindruck her ist "I'll Never Die Alone" als sehr gut zu bezeichnen, allerdings muss die Frage gestattet sein, ob man solche Filme überhaupt drehen muss. Für mich persönlich zählt dieses Werk zu den Filme, die man gesehen haben sollte, die man sich aber nicht unbedingt mehrmals anschauen muss.


7/10

Freitag, 11. Juni 2010

Der Blutige Pfad Gottes 2






Der Blutige Pfad Gottes 2
(Boondock Saints II: All Saints Day)
mit Sean Patrick Flanery, Norman Reedus, Billy Conolly, Clifton Collins Jr., Julie Benz, Bob Marley, Brian Mahoney, David Ferry, David Della Rocco, Peter Fonda, Daniel DeSanto, Gerard Parkes, Matthew Lemche, Robert Mauriell, Judd Nelson
Regie: Troy Duffy
Drehbuch: Troy Duffy
Kamera: Miroslaw Baszak
Musik: Jeff Danna
SPIO / JK
USA / 2009

Die beiden McManus-Brüder halten sich mit ihrem Vater, Il Duce, in den tiefen Tälern Irlands versteckt, weitab von ihrer früheren Existenz als Selbstjustiz-Rächer. Als ihnen zu Ohren kommt, dass ein geliebter Priester von dunklen Kräften innerhalb der Mafia umgebracht worden ist, kehren die Brüder nach Boston zurück, um gewaltsam und blutig die Mörder zur Verantwortung zu ziehen. Mit einem neuen Komplizen und einer sexy FBI-Agentin heften sie sich an ihre Fersen... Die Saints sind wieder da!


Es gibt Filme, da hätte man sich diverse Fortsetzungen getrost sparen können und dann gibt es wieder die Filme, bei denen man es kaum erwarten kann, das endlich eine Fortsetzung nachgeschoben wird. Nun, "Der Blutige Pfad Gottes 2" zählt ganz sicher zu den sehnlichst erwarteten Nachfolgern eines genialen ersten Teils, der bei den Fans schon längst den Kultstatus erreicht hat. Volle 10 Jahre musste man nun warten, bis die berüchtigten McManus Brüder wieder auf der Bildfläche erscheinen, doch das lange Warten hat sich durchaus gelohnt, denn präsentiert Regisseur Troy Duffy, der auch schon für den Vorgänger verantwortlich zeichnete, einen mehr als gelungenen Nachfolger, der eine temporeiche und extrem actionreiche Geschichte erzählt, in der es auch nicht am köstlichen Humor mangelt, der auch schon den ersten Teil so besonders ausgezeichnet hat.

Das Brüderpaar erhält bei seinem erneuten Rachefeldzug hilfreiche Unterstützung von dem quirligen Mexikaner Romeo, den sie zu Beginn nicht für voll nehmen, der sich aber im Laufe der Zeit als sehr hilfreich und wertvoll erweisen soll. Das schützt ihn aber keineswegs vor anfänglichen Sticheleien, denen er sich immer wieder ausgesetzt sieht und die auch äusserst witzig und humorvoll in Szene gesetzt wurden, so das selbst die teilweise harten Action-Passagen immer einen Hauch von Humor beinhalten, was dem Film insgesamt sehr zu Gute kommt. Desweiteren gibt es auch hier jede Menge coole Sprüche und teilweise vorhandene Situationskomik, so das dieser Film seinem Vorgänger in keinster Weise nachsteht, sondern sich in seiner Gesamtheit fast auf dem gleichen Level ansiedelt.

Sicherlich gab es im Vorfeld nicht gerade wenige Leute, die den Verlust von Willem Dafoe in der Rolle des FBI-Agenten Smecker als extrem negativ angesehen haben, doch diese Leute können durchaus beruhigt an diesen Film herangehen, denn die neue FBI-Lady (Lulie Benz) ist nicht nur unglaublich sexy, sie spielt ihren Part auch ebenso durchgeknallt und brillant, wie es einst Dafoe getan hat. Kommt sie zwar nicht ganz an das brillante Schauspiel ihres Vorgängers heran, so weiss sie doch vollends zu überzeugen und verleiht dem ganzen auch wieder diese ganz besondere Note, denn ihre Ermittlungs-Methode ist doch teilweise schon fast als skurril zu bezeichnen und verleiht so dem Geschehen wieder diesen besonderen Touch, den man auch aus dem Werk von 1999 her kennt. Letztendlich kann man also gar keine sehr großen Unterschiede zwischen den beiden Filmen ausmachen, es erweckt zu keiner Zeit den Anschein, das hier wirklich ganze 10 Jahre zwischen den Geschichten liegen und man hat auch die Boondock Saints sofort wieder in sein Herz geschlossen, als wären sie nie in der Versenkung verschwunden gewesen.

Die beiden sind in ihrer harten, aber sehr herzlichen Art einfach unglaublich symphatisch, der mexikanische Zuwachs und das Mitwirken ihres Vaters (Billy Connolly) rundet das Geschehen perfekt ab und sorgt so für extrem actionreiche und sehr kurzweilige Action-Kost allererster Sahne, das man sich einfach nicht entgehen lassen darf. In Kombination mit dem beigefügten Humor und den äusserst coolen Sprüchen ergibt sich letztendlich ein Gesamtbild, das kaum überzeugender hätte ausfallen können und zum Ende hin auch noch mit einer ziemlichen Überraschung aufwarten kann, die man nicht unbedingt erwarten konnte. Ausserdem lässt das Ende des Films die Hoffnung beim Zuschauer aufkommen, das dies nicht das letzte Abenteuer der Boondock Saints gewesen ist, wollen wir nur hoffen, das nicht wieder 10 Jahre vergehen müssen, bis man die symphatischen Brüder wieder bei ihren Straftaten begleiten kann.


Fazit:


Das lange Warten auf "Der Blutige Pfad Gottes 2" hat sich letztendlich wirklich gelohnt, präsentiert uns Troy Duffy doch eine tolle Geschichte, die mit den altbekannten Darstellern und einigen ebenso symphatischen Neuen besetzt ist. Zudem wird hier ein irres Tempo vorgelegt, das Geschehen ist extrem actionreich in Szene gesetzt worden und man bekommt jede Menge genialer Situationskomik präsentiert. Es ist also alles für einen äusserst gut unterhaltenden und sehr kurzweiligen Film-Abend vorbereitet, nun muss man sich diesen tollen Nachfolger nur noch besorgen, um ihn in aller Ruhe genießen zu können.


8,5/10

Dienstag, 8. Juni 2010

The Descent 2






The Descent 2
(The Descent: Part 2)
mit Michael J. Reynolds, Shauna MacDonald, Jessika Williams, Douglas Hodge, Joshua Dallas, Anna Skellern, Gavan O'Herlihy, Krysten Cummings, Doug Ballard, Josh Cole, Saskia Mulder, Natalie Jackson Mendoza, Alex Reid, Nora-Jane Noone, MyAnna Buring
Regie: Jon Harris
Drehbuch: J. Blakeson / James McCarthy
Kamera: Sam McCurdy
Musik: David Julyan
Keine Jugendfreigabe
Großbritannien / 2009

Ohne Erinnerungen und schwer traumatisiert wacht die Höhlenkletterin Sarah im Krankenhaus auf. Der örtliche Sheriff Vaines und sein Deputy stehen vor einem Rätsel und sind misstrauisch. Zu sechst waren Sarah und ihre Freundinnen vor ein paar Tagen zu einer gewagten Höhlentour aufgebrochen, doch nur sie überlebte. Alle Indizien sprechen gegen die junge Frau und die Behörden zwingen sie, sich dem Rettungsteam anzuschließen, das sich auf den Weg in das abgelegene Höhlensystem macht. Nicht wissend, dass sie direkt ins Verderben hinabsteigen, dämmert der Truppe bald, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt. Nach und nach kehren nicht nur Sarahs schreckliche Erinnerungen zurück - auch das unterirdische Grauen zeigt erneut sein blutrünstiges Gesicht...


Als erstes sollte man vielleicht anmerken, das man diese Fortsetzung des Überraschungshits von 2005 als durchaus gelungen bezeichnen kann. Der Film setzt genau dort an, wo der Vorgänger endete, so das man als Zuschauer sofort wieder mitten in dem klaustrophobischen Treiben drin ist, das sich einem damals präsentierte. Für mich persönlich lag aber genau darin auch das Problem des Filmes, der bei mir nicht so richtig gezündet hat, denn gestaltet sich das unterirdische Geschehen doch ziemlich vorhersehbar, so das der Funke nicht so richtig überspringen wollte. Bis auf die ausgetauschten Charaktere bekommt man nämlich kaum Neues geboten, so das es keinerlei besondere Überraschungsmomente vorhanden sind. Mir ergeht es hier ähnlich wie vielen anderen bei der Saw-Reihe, deren ständige Fortsetzungen ja so manch einem ein Dorn im Auge sind.

Doch wie schon erwähnt, ist dies nicht das Problem des Filmes an sich, sondern liegt in der jeweiligen Sichtweise des Betrachters. Ganz generell gesehen bewegt sich dieser zweite Teil nämlich auf einem sehr hohen Qualitäts-Level, es entwickelt sich schon nach wenigen Minuten ein erstklassiger Spannungsbogen und auch die wirklich erstklassige Atmosphäre des Vorgängers kann sich rasend schnell entfalten, so das es in dieser Beziehung absolut keinen Grund zur Beanstandung gibt. Hinzu kommt die sehr temporeiche und rasante Erzählweise der Geschichte, die keinerlei Platz für langatmige Passagen lässt, so das gute und spannende Unterhaltung von der ersten bis zur letzten Minute vorprogrammiert ist. Lediglich die Gänsehaut, die ich beim Original verspürt habe, wollte sich nicht einstellen, denn dieses Mal wusste man ganz genau, was auf einen zukommen wird.

Dafür gibt es aber andere Dinge, die in "The Descent 2" besser gemacht wurden, beispielsweise waren die Kreaturen viel öfter im Bild und auch sehr gut zu erkennen, ausserdem konnte man auch die härteren Passagen und von denen gibt es eine ganze Menge, viel besser erkennen, da die Bilder hier nicht ganz so dunkel gehalten wurden, wie es noch im ersten teil der Fall war. Ganz generell empfand ich den Härtegrad etwas höher angesiedelt, was wohl insbesondere die Freunde der etwas härteren Gangart erfreuen dürfte, die auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen werden. Doch hauptsächlich ist es die unterirdische Hatz zwischen Monstern und Menschen, die den Zuschauer in Atem hält und dafür sorgt, das er dem Geschehen seine ungeteilte Aufmerksamkeit schenkt. Eine packende Story, die zwar fast zwangsläufig der des Vorgängers ähnelt, deswegen aber nicht minder spannend umgesetzt wurde, was letztendlich für einen sehr unterhaltsamen Film-Genuss sorgt.

Bis auf den fehlenden Überraschungsmoment gibt es im Prinzip überhaupt nichts, was man an diesem Film bemängeln könnte, der sich ansonsten durch alle Zutaten auszeichnet, die schon "The Descent" so besonders interessant gemacht haben. Dazu zählen auch die Darsteller, die hier einen sehr authentischen und überzeugenden Eindruck hinterlassen und so nicht gerade einen unwesentlichen Anteil an einem insgesamt hervorragenden Gesamtbild haben, das man von diesem Film gewinnt. Wem also Teil 1 schon gefallen hat, der wird auch seine Freude an der Fortsetzung des klaustrophobischen Höhlen-Horrors haben, der sich hier offenbart. Ein Film, der actionreich und teilweise recht hart in Szene gesetzt wurde und den Erwartungen des Zuschauers durchaus gerecht werden dürfte.


Fazit:


Das Warten hat sich gelohnt, was man ja nun wirklich nicht immer bei Fortsetzungen eines erfolgreichen Erstlings behaupten kann, doch Regisseur John Harris hat auf die Zutaten zurückgegriffen, die schon Neil Marshall seinem Werk von 2005 einverleibt hat. Das sorgt insbesondere für äusserst spannende und sehr atmosphärische Unterhaltung, die allerdings nicht ganz die Wirkung hat wie 5 Jahre zuvor. Viele mögen das eventuell ganz anders sehen, doch wer den ersten Teil gesehen hat, dürfte hier nicht das erstklassige Überraschungsgefühl erleben, bekommt aber einen ausgezeichneten und klaustrophobisch anmutenden Horrorfilm zu sehen.


8/10

Samstag, 5. Juni 2010

Mum & Dad






Mum & Dad
(Mum & Dad)
mit Perry Benson, Dido Miles, Olga Fedori, Ainsley Howard, Toby Alexander, Micaiah Dring, Mark Devenport, Chris Roebuck, Clare Dyer, Penny Andrews, Arthur Fox, Kelly Lammond, Leon Lammond, Dena Smiles, Yvonne Varnier
Regie: Steven Sheil
Drehbuch: Steven Sheil
Kamera: Jonathan Bloom
Musik: Keine Information
Keine Jugendfreigabe
Großbritannien / 2008

Lena hat Schmerzen - doch sie kann nicht schreien. Sie wurde in einen Albtraum aus Folter, Mord und Perversion katapultiert, seit sie den Bus vom Flughafen in die Stadt verpasst hat. Eine nicht alltägliche Familie - Mama, Papa und die "adoptierten" Kinder Birdie und Elbie - hat sie aufgegriffen und nun muss sie irre, blutige und sadistische Spielchen über sich ergehen lassen. Sie hat nur eine Chance: Sie muss sich in den Wahnsinn ziehen lassen und ein Teil der Familie werden - oder sie muss sterben...


Und wieder einmal ein tolles Beispiel dafür, welch erstklassige Horrorfilme die Briten produzieren, denn auch dieses Werk von Regisseur Steven Sheil verfügt über einen sehr hohen Unterhaltungswert und ist so ganz nebenbei auch noch ein richtig fieser Horrorfilm über eine Familie, zu der man nun wirklich nicht gehören möchte. Leider ist die deutsche Veröffentlichung einmal mehr der Schere zum Opfer gefallen, so das die Geschichte um gut 3 Minuten geschnitten wurde. Dennoch entfaltet sich hier eine Menge Härte, die zwar nicht unbedingt visuell in Szene gesetzt wurde, denn hier müssen die Fans wohl oder übel auf eine deutschsprachige DVD warten, die wohl über Österreich kommen wird. Es ist die skurril anmutende Situation an sich, die hier im Haus von "Mum & Dad" vorherrscht und die einem schon manch kalten Schauer über den Rücken jagen kann. Da werden junge Menschen bis aufs Blut gequält, werden aber gleichzeitig als Mitglieder der Familie angesehen. Vor allem Lena (Olga Fedori) muss diese schmerzliche Tortur über sich ergehen lassen, denn ist sie doch das neueste Opfer der Psycho-Familie, bei der ganz klar die beiden Familien-Oberhäupter im Mittelpunkt stehen.

Ist schon Dido Miles in der Rolle der Mutter ein absoluter Höhepunkt, so wird sie lediglich noch von Perry Benson in der Rolle des Vaters übertroffen, denn seine Darstellung eines vollkommen gestörten Mannes ist als nahezu brillant anzusehen. Das Schauspiel wirkt dabei absolut authentisch und glaubhaft, so das einen nicht selten das Gefühl überkommt, er würde sich selbst spielen. Und so lebt dieser Film dann auch hauptsächlich von seiner absolut kranken und bedrohlichen Atmosphäre, die äusserst gelungen ist und die den Zuschauer förmlich in ihren Bann zieht. Es ist phasenweise schon grotesk wenn man sieht, was sich hier für Dinge abspielen und wie sich auch die anderen Kinder verhalten, von denen man eigentlich nicht erfährt, ob es sich um leibliche Kinder handelt, oder ob auch sie nur Opfer des psychophatischen Eltern-Paares sind.

Der visuelle Härtegrad hält sich in einem recht überschaubaren Rahmen, was bei einer Kürzung von gut 3 Minuten auch nicht anders zu erwarten war, doch sollte man die im Kopf des Betrachters entstehende Härte keinesfalls unterschätzen. Denn gerade, wenn man versucht, sich in die Rolle des Opfers hineinzuversetzen, kann man deren Schmerzen und Qualen fast schon körperlich spüren. Hinzu kommt die Tatsache, das es anscheinend keinerlei Fluchtmöglichkeit gibt, da die Türen verschlossen sind und die familie mit Argusaugen über ihre Opfer wacht, damit diese nicht auf dumme Gedanken kommen. Insbesondere der perfide Psycho-Terror der hier ausgeübt wird, geht einem schon ziemlich unter die Haut und lässt einen keinesfalls unberührt. Man fiebert vor allem mit Lena mit und hofft inständig, das sie eine Möglichkeit findet, aus ihrer Hölle auszubrechen.

So kommt es dann zum Ende des Filmes auch zu einem unvermeidlichen Showdown, bei dem "Mum & Dad" dann auch feststellen müssen, das nicht immer alles so geschieht, wie sie es gerne hätten und das ihre "Kinder" auch aufmüpfig werden können, da sie sich nicht mehr alles gefallen lassen wollen. Um zu erfahren, wie das alles genau passiert, sollte man sich diesen gelungenen Film natürlich selbst anschauen, denn es lohnt sich wirklich. Wer natürlich auf einen etwas gesteigerten Härtegrad wert legt, der muss auf die Ösi-DVD warten, die sicher nicht lange auf sich warten lässt. Insgesamt gesehen bekommt man aber auch mit dieser deutschen VÖ einen äusserst sehenswerten Genre-Beitrag serviert, der ganzzeitig extrem kurzweilig daherkommt und durch eine sehr kranke Grundstimmung und ausgezeichnete Darsteller jederzeit zu überzeugen weiss.


Fazit:


Auch wenn "Mum & Dad" bei uns schon fast selbstverständlich nur geschnitten erscheint, ist dieser Film absolut sehenswert. Die hier vorherrschende äusserst kranke Stimmung und erstklassige Schauspieler sorgen für ein tolles Seherlebnis, an dem eigentlich jeder Fan seine Freude haben sollte. Mir jedenfalls hat der Film ausgezeichnet gefallen und ich fühltr mich die ganze Zeit über bestens unterhalten.


Die DVD:

Vertrieb: KSM
Sprache / Ton: Deutsch DD 5.1 / Englisch DD 2.0
Bild: 1,78:1 (16:9)
Laufzeit: 82 Minuten
Extras: Interview mit dem Regisseur, Cast & Crew beim Frightfest, Behind the Scenes, Trailer, Biografien, Bildergalerie


7/10

Donnerstag, 3. Juni 2010

Overlord






Overlord
(Overlord)
mit Brian Stirner, Davyd Harries, Nicholas Ball, Julie Neesam, Sam Sewell, John Franklyn-Robbins, Stella Tanner, Harry Shacklock, David Scheuer, Ian Liston, Lorna Lewis, Stephen Riddle, Jack Le White, Mark Penfold, Micaela Minelli
Regie: Stuart Cooper
Drehbuch: Christopher Hudson / Stuart Cooper
Kamera: John Alcott
Musik: Paul Glass
FSK 16
Großbritannien / 1975

1944. England mobilisiert seine Truppen. Auch der junge Tom Beddows muss sein behütetes Leben hinter sich lassen. Nach einem letzten Besuch bei seinen Eltern macht er sich gefasst auf den Weg zum Bahnhof. Während der Zugfahrt hat er zum ersten Mal diesen Traum; verschwommen: Ein Soldat läuft durch den Sand, reißt plötzlich die Arme hoch... fällt... Die ersten Tage der Grundausbildung sind hart, doch nach und nach arrangiert er sich, wie all die anderen mit seinem neuen Leben als Soldat . Nur dieser Traum lässt ihn nicht los. So vergehen die Wochen. Dann kommt der Einsatzbefehl: Die Truppen sollen sich an der Südküste Englands sammeln.


"Ich habe nichts mehr.....ich habe alles weggeworfen"



Allein dieser eine Satz, der aus dem Tagebuch der Hauptfigur Tom Beddows stammt, zeigt ganz eindeutig das Ansinnen des Regisseurs Stuart Cooper, der mit "Overlord" einen sehr ruhigen, aber unglaublich intensiven Antikriegsfilm geschaffen hat, der sich von anderen Genre-Kollegen doch ziemlich stark unterscheidet. Ist es doch insbesondere die vollkommene Sinnlosigkeit des Krieges, die sich hier mit dem Verlust der eigenen Identität der Protagonisten vermischt, die dem Geschehen eine ungeheuer starke Authenzität verleiht. Nichts ist von den ansonsten üblichen heroischen Zügen der Soldaten zu sehen, die man so oft in anderen Filmen dieser Art serviert bekommt, es gibt keine der handelsüblichen und oft reisserisch in Szene gesetzten Schlachten zu beobachten, vielmehr bekommt der Zuschauer einen tiefen Einblick in den Alltag der Soldaten präsentiert, die sich auf die nahende Invasion vorbereiten. Dabei steht die eigentliche Invasion eigentlich mehr im Hintergrund des Geschehens und spielt somit eine eher untergeordnete Rolle.

Der Film verzichtet vollkommen auf spektakuläre Effekte, sondern legt sein Hauptaugenmerk vielmehr auf den immer stärker werdenden Identitätsverlust des Soldaten Tom Beddows, der von Brian Stirner absolut authentisch und glaubhaft dargestellt wird. Dabei werden immer wieder Traum-Sequenzen eingefügt, die den jungen Mann quälen und in denen er praktisch seinen eigenen Tod vorraussieht. So entsteht ein äusserst intensiver Mix aus Fiction und Realität, was dem ganzen Geschehen sehr viel Intensität verleiht, die für den Betrachter fast körperlich spürbar erscheint. Gleichzeitig entsteht durch die gezeigten Ereignisse, die immer wieder mit Original-Filmmaterial in Form von Luftangriffen und Bildern von zerstörten Städten untermalt werden, eine äusserst bedrückende und beklemmende Grundstimmung, die der Geschichte einen sehr realistischen Anstrich verleihen.

Trotz seiner eher ruhigen Erzählweise entwickelt "Overlord" eine ungeheure Wucht, die den Zuschauer wie ein Schlag in die magengrube trifft und auch eine gewisse betroffenheit entfacht. Es ist schon bewundernswert, wie hier der Verlust der eigenen Identität dargestellt wird und die Soldaten so gar nichts heroisches an sich haben, sondern lediglich wie kleine Rädchen in einer riesigen Kriegsmaschinerie erscheinen, in der auch das kleinste Teil funktionieren muss, um einen sinnlosen Krieg zu gewinnen, der doch lediglich Trostlosigkeit verbreitet und in dem alles menschliche in den Hintergrund gerät. Es zählt lediglich die Funktionalität des Einzelnen Soldaten, dem durch Drill und unbedingtem Gehorsam beigebracht wird, das ausschließlich der funktionierende Körper gefragt ist, das Gefühlsleben des Menschen aber nicht sonderlich interessiert. Ganz besonders diese Aspekte werden hier ganz hervorragend herausgearbeitet und von den einzelnen Darstellern fantastisch zum Ausdruck gebracht. Wenn man allein nur die Figur des Tom Beddows nimmt, kann man an seiner Person die Veränderung ganz fantastisch nachvollziehen, denn wirkt der junge Mann doch am Anfang der Geschichte noch lebenslustig und fröhlich, so verändert sich sein Gemütszustand doch immer mehr. Mit zunehmender Laufzeit erscheint sein Gesichtsausdruck dann auch maskenartig und fast schon leblos, als wenn man ihm sämtliche Gefühlsregungen entfernt hätte.

In Verbindung mit den immer wiederkehrenden Traum-Passagen, in denen er seinen eigenen Tod vorraussieht, kann man letztendlich das langsame Sterben seiner Identität perfekt nachvollziehen und leidet richtiggehend mit diesem jungen Mann mit, dessen leben sich auf so dramatische Art und Weise verändert hat. So schreibt er auch in einem Brief an seine Eltern, das er sich ganz sicher ist, diesen Krieg nicht zu überleben und so nahezu perfekt seine innerliche Trostlosigkeit und Hoffnungslosigkeit zum Ausdruck bringt. Und so ist es dann auch nicht weiter verwunderlich, das die hier erzählte Geschichte einen besonders starken Eindruck beim Zuschauer hinterlässt, der einen äusserst eindrucksvollen und bewegenden Antikriegsfilm zu sehen bekommt, der sich doch ganz erheblich von anderen Genre-Vertretern abhebt. Wenn man überhaupt etwas an diesem Werk bemängeln kann, dann ist es die doch verhältnismäßig kurze laufzeit von knapp 80 Minuten, in denen die Geschichte aber eine so starke Intensität aufbaut, die erst einmal verarbeitet werden muss. Hinzu kommt die hervorragende Kombination aus Traum-Passagen, Realität und Original-Filmaufnahmen, die insgesmat gesehen ein eindrucksvolles und sehr trostloses Bild eines Krieges und den damit verbundenen Verlusten eines einzelnen Menschen aufzeigt, wie man sie in vorliegender Form wohl eher selten zu sehen bekommt.

Im Endeffekt hat das Label "Bildstörung" mal wieder ein erstklassiges Drop Out abgeliefert und einem fantastischen Film zu einer weiteren, sehr lohnenswerten DVD-Veröffentlichung verholfen, bei der auch die Extras wieder einmal recht üppig ausfallen. So enthät die DVD beispielsweise ein 36-seitiges Booklet, einen Audiokommentar des Regisseurs, diverse Interviews, einen Kurzfilm uvm.. Wer Filme dieser Art mag, sollte sich dieses aussergewöhnlich gute und beeindruckende Werk auf keinen Fall entgehen lassen.


Fazit:


Regisseur Stuart Cooper hat mit "Overlord" einen äusserst starken Film geschaffen, der trotz seiner eher ruhigen Erzählweise wuchtig und hart erscheint. Dabei entsteht die Härte hauptsächlich durch die erschreckend realistische Darstellung seines Hauptdarstellers, der den Verlust seiner eigenen Identität nahezu perfekt zum Ausdruck bringt. Ohne viel vom eigentlichen Kriegsgeschehen zu sehen, erlangt man einen tiefen Einblick in die Schrecken des Krieges, die sich hier nicht unbedingt auf Kampfhandlungen beziehen, sondern auf den Verlust der Menschlickeit bezogen sind, so das Soldaten vielmehr als funktionierende, aber seelenlose Maschinenteile einer gewaltigen Kriegsmaschinerie dargestellt werden, die keinerlei Rücksicht auf menschliche Bedürfnisse nehmen kann, was auch im Laufe der Story sehr gut zum Ausdruck kommt.


Die DVD:

Vertrieb: Bildstörung
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 2.0 Mono
Untertitel: Seutsch
Bild: 1:1,66 (16:9 anamorph)
Laufzeit: 80 Minuten
Extras: Audiokommentar von Regisseur Stuart Cooper, Interviews mit Darsteller Nicholas Ball, Kameramann Doug O'Neans und Filmarchivist Roger Smither (IWM), Kurzfilm "A Test of Violence" von Stuart Cooper, Propagandafilm "Germany Calling", Dokumetarfilm "Cameramen at War", 36-seitiges Booklet


8,5/10