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Dienstag, 31. August 2010

Must Love Death






Must Love Death
(Must Love Death)
mit Sami Loris, Manon Kahle, Jeff Burrell, Peter Farkas, Philipp Rafferty, Lucie Pohl, Katjana Gerz, Tobias Schenke, Jörg Buttgereit, Bob Lenox, Ben Posener, Tim Sander, Matthias Schweighöfer, Milton Welsh
Regie: Andreas Schaap
Drehbuch: Andreas Schaap / Fabian Winkelmann
Kamera: Jakub Bejnarowicz
Musik: Enis Rotthoff
Keine Jugendfreigabe
Deutschland / 2009

Musiker Norman hat Pech im Beruf sowie in der Liebe und würde sich deshalb am liebsten eine Kugel in den Schädel jagen, wofür er zum Glück zu feige ist. Als er im Internet auf Gleichgesinnte trifft, die sich ebenfalls wegen Nichtigkeiten umbringen wollen, verabredet er sich mit ihnen zum Treffen. Doch Norman ist einer Bande sadistischer Killer auf den Leim gegangen und hat sich außerdem den dafür denkbar schlechtesten Zeitpunkt ausgewählt. Denn plötzlich zeigt die schöne Kellnerin Jennifer aufrichtiges romantisches Interesse an Norman. Aber ist der noch zu retten?


"Die äusserst witzige Folter-Anleitung für Anfänger"



"Eine romantische Folterhorrorkomödie", so steht es auf der Vorderseite des DVD-Covers und diese Worte treffen den Nagel auf den Kopf, entpuppt sich doch die hier erzählte Geschichte genau als solcher Mix, der zudem noch wirklich vortrefflich funktioniert und dem Betrachter ein äusserst kurzweiliges und extrem unterhaltendes Film-Vergnügen offeriert, an dem man seine helle Freude hat. Das Erstaunliche an der Sache ist die Tatsache, das dieses Werk wirklich aus deutschen Landen kommt, was man eigentlich nicht für möglich halten möchte, denn ist man doch gerade im Bezug auf deutsche Horrorfilme in den letzten Jahren nicht unbedingt verwöhnt worden und musste sich zumeist mit Amateur-Produktionen zufriedengeben, die aber auch nicht immer das Gelbe vom Ei darstellen. Mit "Must Love Death" haben wir nun endlich auch einmal einen wirklich sehenswerten Genre-Beitrag abgeliefert, der zudem noch recht aussergewöhnlich daherkommt. Denn das Zusammenspiel einer zart aufkeimenden Romante im Zusammenhang mit Backwood-und Survivalhorror-Elementen hat man in dieser nahezu perfekten Kombination wohl noch nicht gesehen.

Regisseur Andreas Schaap, der bisher lediglich für die Regie bei einigen Kurzfilmen verantwortlich zeichnete, hat gleich mit seinem Langfilm-Debut einen echten Volltreffer gelandet, das meiner bescheidenen Meinung nach sogar das Zeug zum Kultfilm hat, denn beinhaltet das Werk doch sogar innovative Elemente, die dem Gesamtbild eine ungeheure Menge an Frische und Charme verleihen. Sicherlich ist das nicht unbedingt auf die Horrorelemente bezogen, sondern vielmehr auf die ungewöhnliche Mixtur, die Andreas Schaap gefunden hat, um seinem Film das besondere Etwas zu verleihen. Dazu zählt mit Bestimmtheit auch der amerikanische Look, der dem Geschehen beigefügt wurde, wobei einige Passagen auch wirklich in New York gedreht wurden. So kommt man auch nicht zwangsläufig auf die Idee das es sich hierbei um eine deutsche Produktion handelt, sondern hat vielmehr das Gefühl, einen sehr gut inszenierten amerikanischen B-Movie präsentiert zu bekommen, der trotz sicherlich nicht allzu hohem Budget eine Menge Klasse beinhaltet.

Dazu zählt beispielsweise der vorhandene Humor, der teilweise ziemlich schwarz und böse ist, aber auch immer wieder zum schmunzeln anregt. Erstklassige Situationskomik, herrlicher Wortwitz und bitter-böse Satire geben sich hier gegenseitig die Klinke in die Hand, so das einem phasenweise die Tränen in die Augen treten. Dabei wirkt der Humor an keiner Stelle auch nur ansatzweise albern oder überzogen, sondern trifft immer punktgenau die einzelnen Situationen, so das man ihn durchaus als hochklassig und fein aufeinander abgestimmt bezeichnen kann. Damit diese Art von Humor auch wirklich zünden kann muss man selbstverständlich auch überzeugende Darsteller mit an Bord haben und das ist hier der Fall. Vor allem die 4 Hauptcharaktere Norman (Sami Loris), Jennifer (Manon Kahle), Sean (Jeff Burrell) und Gary (Peter Farkas) bieten eine herrlich erfrischende Kostprobe ihres Könnens ab. Insbesondere die beiden letztgenannten, die ihreszeichens als sadistische Psychophaten agieren, haben hier absolut brillant ihre Charaktere verkörpert und stellen als vollkommen unterschiedliches Folter-Duo einen der absoluten Höhepunkte dieses Filmes dar. Ist Sean doch eher der eiskalte Folterknecht, der auch ganz eindeutig die Fäden in der Hand hält, so entpuppt sich Gary doch vielmehr als der folgsame Nitläufer, der alles tut, was ihm aufgetragen wird. Zudem hat er noch einen ausgeprägten Putzfimmel und sorgt sich hauptsächlich darum, das seine Blockhütte nur nicht schmutzig wird. So erscheint er dann auch während der Ereignisse größtenteils mit einer Schürze bekleidet und hat immer die richtigen Reinigungsmittel zur Hand. Allein diese Tatsache verleiht der Szenerie schon etwas unglaublich Witziges, so das einem nicht gerade selten ein Schmunzeln entfleucht.

Doch auch alle anderen Akteure liefern hier absolut überzeugende Leistungen ab, wie beispielsweise Hauptcharakter Norman, der sich ja freiwillig, aber unter falschen Vorraussetzungen in die Hände des psychophatischen Folter-Duos begibt, die sich dann als wahre Sadisten entpuppen und dem zum Selbstmord bereiten Norman das Leben zur Hölle machen. Da werden die einzelnen Finger gebrochen, Nägel in die Arme geschlagen und noch so einige andere sadistische Spielchen gemacht, die nicht nur Norman über sich ergehen lassen muss. Teilweise eröffnet sich dabei auch ein ziemlich ordentlicher Härtegrad, der aber zu keiner Zeit übertrieben in den Vordergrund rückt und nie den Rahmen sprengt. Dennoch werden auch die Freunde der härteren-und blutigen Gangart voll auf ihre Kosten kommen und so ihre Freude an diesem herrlichen Film-Spaß haben.

Und zwischen den ganzen Greueltaten schimmern dann auch immer wieder die Elemente der zunächst unglücklichen Romanze zwischen Norman und Jennifer durch, denn spielt die Geschichte sich zumeist auf 2 verschiedenen Zeitebenen ab. Einerseits ist da die Gegenwart in der Blockhütte, wo das sadistische Treiben sich immer mehr dem Höhepunkt nähert, auf der anderen Seite werden dem Zuschauer Rückblenden präsentiert die einem aufzeigen sollen, wie es überhaupt dazu kommen konnte, das Norman an die beiden Sadisten geraten ist. Und darasu ergibt sich dann wie schon erwähnt dieser erstklassig unterhaltende Genre-Mix, dessen Witz und Charme kaum in Worte zu fassen ist. Wenn mir einmal einer erzählt hätte, das ich von einer deutschen Horror/Romantik-Kombination so begeistert bin, hätte ich ihn für verrückt gehalten, doch bin ich ganz fest der meinung, das dieses Werk längst nicht nur meinen Geschmack treffen wird, sondern eine ziemlich große Fan-Base erreichen wird.

So kann man letztendlich ohne Übertreibung behaupten, das "Must Love Death" die Bezeichnung "Folterhorrorkomödie" auch wirklich verdient, denn dieser Film bietet ganzzeitig erstklassige und sehr unterhaltsame Filmkost aus deutschen landen. Man kann eigentlich nur hoffen, das Andreas Schaap seiner Linie treu bleiben wird, denn dann gibt es durchaus berechtigte Hoffnung, das insbesondere der ziemlich verwaiste Horror-Sektor in Deutschland wieder neu erblüht.


Fazit:


Es scheint also doch noch möglich zu sein, das auch in unserem land Horror-Produktionen entstehen können, die nicht ausschließlich im Amateur-bereich angesiedelt sind. Zudem scheint es möglich, diesen Filmen auch Klasse und extrem viel Charme zu verleihen, wofür "Must Love Death" ein Paradebeispiel darstellt. Ganzzeitig witzige Horrorkost, gepaart mit einer zarten Romanze, tollen Darstellern und einigen recht heftigen Passagen ergeben ein Gesamtbild, das man kaum besser hätte gestalten können. Ein Film, den man jedem bedenkenlos empfehlen kann und den vor allem Horror-Fans gesehen haben müssen. Wer dieses Werk trotzdem an sich vorrüberziehen lässt, hat es nicht besser verdient und wird nie erfahren, welch grandiose Horror-Komödie er verpasst hat.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch / Englisch
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 89 Minuten


9/10

Sonntag, 29. August 2010

The Driller Killer






The Driller Killer
(The Driller Killer)
mit Abel Ferrara, Carolyn Marz, Baybi Day, Harry Schultz, Alan Wynroth, Maria Helhoski, James O'Hara, Richard Howorth, Louis Mascolo, Tommy Santora, Rita Gooding, Chuck Saaf, Gary Cohen, Janet Dailey, Joyce Finney
Regie: Abel Ferrara
Drehbuch: Nicholas St. John
Kamera: Ken Kelsch / James Lemmo
Musik: Joe Delia
Ungeprüft
USA / 1979

Dem Maler Reno Miller wachsen die Probleme über den Kopf: Geldnöte, Ärger mit seinem Händler, Pech in der Liebe und nicht zuletzt die Rock-Band, die direkt neben seinem Apartment bis spät in die Nacht laut herumschraddelt machen ihm zu schaffen. Die nervliche Belastung wird für Reno so stark, dass er den Verstand verliert. Um seinem Ärger Luft zu machen, schleicht er nachts durch die Straßen New Yorks und tötet wahllos Obdachlose mit einem Akku-Bohrer...


Abel Ferrara höchstpersönlich spielt die Hauptrolle in diesem Frühwerk seiner Regie-Arbeiten und er verleiht dem Charakter des immer mehr dem Wahsinn verfallenden Malers Reno Miller ein nahezu erschreckendes Maß an Authenzität. Allein schon wenn man in seine Augen schaut, kann einen eine Gänsehaut überkommen, denn springt einen der immer weiter auswuchernde Wahnsinn schon förmlich an. Doch es ist nicht nur Ferrara's exzellente Darstellung des psychophatischen Bohrmaschinen-Killers, die diesen Film so absolut sehenswert macht, denn bekommt der Zuschauer doch auch gleichzeitig ein gesamtwerk geliefert, das die damalige Zeit nahezu perfekt widerspiegelt. Örtlich im New Nork der 70er Jahre angesiedelt hat Ferrara es hervorragend verstanden, dem Betrachter das damalige Lebensgefühl vieler junger Leute näherzubringen, zu dem ganz eindeutig die Musikrichtung des Punk-Rocks zählt und bei dem Drogen mindestens so wichtig wie die Luft zum atmen waren. So wird man dann auch mit etlichen teils schon skurril erscheinenden Charakteren konfrontiert, die eben dieses Gefühl ausleben und sich durch ständigen Drogenkonsum phasenweise jenseits der Realität bewegen, da sie ihre Umwelt nur im Drogenrausch wahrnehmen und so auch kaum etwas davon mitbekommen, was um sie herum geschieht.

Inmitten dieser Scheinwelt lebt auch Reno, der sich zu Beginn eigentlich nur als exzentrischer Maler zu erkennen gibt, eine Charaktereigenschaft, die man ja immer wieder den Pinsel-Künstlern nachsagt. Schon in den frühen Phasen des Filmes hat man dadurch den Anschein, das der Mann nicht so richtig tickt und insbesondere in den ersten 30 Minuten wird der Übergang zum totalen Wahnsinn besonders intensiv und gut herausgearbeitet. Reno verändert sich immer mehr und wird auch von Tagträumen und Visionen geplagt, die keinesfall etwas Gutes verheissen. Es handelt sich dabei zumeist um Visionen der blutigen und brutalen Art und es dauert nicht lange, bis der junge Mann diese auch in die Tat umsetzt. Als Werkzeug für seine Morde, die er hauptsächlich an Obdachlosen begeht, hat er sich einen Akku-Bohrer ausgesucht, mit dem er seine Opfer an allen möglichen Körperstellen maltretiert, bis sie letztendlich das Zeitliche segnen. Der dabei entstehende Härtegrad kann sich durchaus sehen lassen, denn bekommt man doch so einige wirklich harte und blutige Passagen geboten, so das auch Freunde der harten Gangart sehr wohl auf ihre Kosten kommen werden.

Was mich allerdings am stärksten beeindruckt hat, ist die größtenteils kranke Atmosphäre, die von diesem Film ausgeht und die eine unglaublich starke Faszination auf den Zuschauer ausübt. Ferrara ist es ganz einfach vortrefflich gelungen, das damals vorherrschende Lebensgefühl in Szene zu setzen und die Rollen in seinem Film auch noch mit den extrem authentisch agierenden Darstellern zu besetzen, bei denen zu keiner Zeit das Gefühl entsteht, das sie hier lediglich eine Rolle spielen. Und dennoch ragt Ferrara selbst noch einmal heraus, denn seine Darstellung des sich immer mehr dem totalen Wahnsinn nähernden Malers ist absolut brillant und somit einer der absoluten Höhepunkte dieses beklemmenden Filmes, der nahezu perfekt die Genres Horror, Drama und Thriller miteinander verbindet. Somit entsteht ein Gesamtpaket, über das man sich als Zuschauer nur freuen kann, denn ist doch ein äusserst intensives und sehr kurzweiliges Film-Vergnügen vorprogrammiert.

Insgesamt gesehen ist "Driller Killer" ein absolut überzeugender Film, in dem sich ganzzeitig eine sehr beklemmende-und teils bizarre Grundstimmung entfaltet, die dem Betrachter so manche Gänsehaut über den Rücken jagt. Das perfekt eingefangene Lebensgefühl der damaligen Zeit und die ausgezeichneten Darsteller sorgen dafür, das die Geschichte jederzeit authentisch erscheint, was die ausgehende Intensität der Ereignisse noch einmal zusätzlich hervorhebt. Und dann wären da noch die vorhandenen Passagen, in denen die Härte zum Ausdruck kommt, denn diese können sich durchaus sehen lassen und sind zudem noch reichlich vorhanden. Schade ist nur die Tatsache, das es zu diesem tollen Film noch keine DVD-Veröffentlichung gibt, die auch eine deutsche Tonspur beinhaltet, so das man das Werk lediglich im englischen Original genießen kann.


Fazit:


Dieses Frühwerk von Abel Ferrara ist ein wirklich absolut überzeugender und streckenweise auch äusserst heftiger Film, dessen Härte aber nicht ausschließlich durch die SFX entsteht, denn ist es doch das entstehende Gesamtbild, das sich tief im Kopf des Zuschauers eingräbt und dort einen sehr nachhaltigen Eindruck hinterlässt, dessen man sich beim besten Willen nicht erwehren kann. Wer es noch nicht getan hat, sollte sich "Driller Killer" unbedingt anschauen, denn ansonsten wird man nie erfahren, welch guter Film hier an einem vorbeigezogen ist.


8,5/10

Freitag, 27. August 2010

3. Halbzeit






3. Halbzeit
(The Firm)
mit Paul Anderson, Calum McNab, Daniel Mays, Doug Allen, Joe Jackson, Richie Campbell, James Kelly, Jaf Ibrahim, Tommy Nash, Eddie Webber, Camille Coduri, Billy Seymour, Joanne Matthews, Ebony Gilbert, Michael Davis
Regie: Nick Love
Drehbuch: Al Ashton / Nick Love
Kamera: Matt Gray
Musik: Laura Rossi
FSK 16
Großbritannien / 2009

Bex ist ein richtig cooler Typ. Werktags gibt er den Immobilien-Makler im Anzug, aber am Wochenende ist Krieg. Da herrscht Bex als Chef der Inter City Firm von West Ham United über seine Hooligan-Truppe. Jede Woche ein neues Spiel, jede Woche ein neuer Fight, am liebsten gegen den Erzrivalen Millwall. Als Dom sich in der Disco mit Bex anlegt, weiß er nicht, dass er sich für seinen Übermut den ganz Falschen ausgesucht hat. Doch Bex findet Gefallen an dem renitenten 17jährigen und rekrutiert ihn für seine Truppe. Der Wochenend-Schläger wird schnell zum Idol für Dom. Dann werden die Kämpfe härter und die Waffen tödlicher...


Mittlerweile gibt es genügend erstklassige Filme, die sich mit der Thematik der englischen Hooligan-Szene beschäftigen. Die meisten strotzen dabei vor visueller Härte, so das man allein schon vpm Zusehen fast körperliche Schmerzen verspürt. In vorliegendem Werk von Regisseur Nick Love verhält sich das etwas anders, zwar gibt es auch hier einige Passagen zu sehen in denen es zu körperlicher Gewalt kommt, jdoch ist der Schwerpunkt der Geschichte doch vielmehr auf die Beziehung zwischen dem jungen Dom und dem Anführer der Firma (Bex) gelegt. Im London der 80er Jahre fühlt sich der 17-Jährige Dom nämlich sehr stark zu dem coolen Anführer der West Ham-Firma hingezogen und tut alles, um in die Gruppe aufgenommen zu werden. Er erliegt der Faszination, die von dem smarten und scheinbar absolut coolem Bex ausgeht, der im normalen Leben ein erfolgreicher Immobilien-Makler ist, sich aber am Wochenende in einen fanatischen Schläger verwandelt, der scheinbar eine ungeheure Macht über seine Artgenossen besitzt.

Der Film arbeitet insbesondere die schon fast hündische Ergebenheit von Dom heraus, der einfach alles tut, um Bex in irgendeiner Art zu gefallen. Dabei tritt vor allem die naive Art der Verehrung in den Vordergrund, denn ohne an irgendwelche Konsequenzen zu denken wird hier in absoluter Ergebenheit alles getan, was der Chef der Firma anordnet. So folgt die gesamte Gruppe nahezu blind den Anordnungen ohne darüber nachzudenken. Das dies größtenteils aus purer Angst geschieht, erfährt man erst im Laufe der Zeit, denn die Vormachtsstellung von Bex ist fast ausschließlich auf Angst aufgebaut, da jeder einzelne ganz einfach Angst vor persönlichen Konsequenzen hat, wenn er dem Chef widersprechen würde. Gerade dieser Aspekt ist meiner Meinung nach äusserst wichtig für die Geschichte, die sich im Laufe der Zeit immer dramatischer entwickelt. So kommt auch insbesondere zum Ende hin der pure Fanatismus von Bex zum Vorschein, dem scheinbar alles vollkommen egal ist, nur die Firma scheint zu zählen.

Und an dieser Stelle kommt nun eine ganz neue Seite in den Film, den man in anderen Genre-Kollegen eher selten oder gar nicht zu sehen bekommt. Wenn ansonsten die Hooligan-Gruppen immer wie Pech und Schwefel zusammenhalten, so kommt es einem hier fast so vor, als wenn die Gruppe kurz vor dem Zusammenbrechen steht. Denn nachdem sie eine empfindliche Niederlage gegen eine konkurriererende Firma einstecken musste, bei der es ziemlich heftig zur Sache ging und auch Waffen zum Einsatz kamen, zieht bei einigen die Erkenntnis ein, was sie alles zu verlieren haben. Auch Dom merkt auf einmal, auf was er sich da eigentlich eingelassen hat und meldet Bex gegenüber Bedenken an, als dieser eine Racheaktion starten will. Doch schon im nächsten Moment muss er feststellen, das diese Bemerkungen im Keim erstickt werden, da der Anführer längst seinem eigenen Fanatismus erlegen ist, den man förmlich in seinen Augen sehen kann. Vorbei ist die Zeit der Bewunderung, die harte Realität hat dem jungen Dom die Augen geöffnet und rein gar nichts ist mehr von dem einst charismatischen Anführer der Gang zu sehen, zurückgeblieben ist lediglich ein Mann, der sein eigenes Leben aufs Spiel setzt und dem auch die gesundheit seiner Mitstreiter so ziemlich egal ist.

So kommt es dann am Ende auch so, wie es eigentlich nicht anders sein könnte, die beiden feindlichen Hooligan-Gruppen treffen in einem Kampf aufeinander, der ein tragisches Ende nimmt, das allerdings das einzig logische in diesem tollen Drama ist. Die Katastrophe ist praktisch vorprogrammiert und nicht jeder überlebt diesen Kampf. Nun sind die gezeigten Kämpfe zwar keineswegs so hart in Szene gesetzt worden, wie man es aus anderen ähnlich gelagerten Filmen her kennt, was ich persönlich aber gar nicht so vermisst habe, da die geschichte auch so genügend Intensität freisetzt und schon unter die Haut geht. Hinzu kommen wirklich ausgezeichnete Darsteller, die dem Ganzen eine äusserst authentische und glaubwürdiege Note verleihen. Insgesamt gesehen hat man es so mit einem überdurchschnittlich guten Film zu tun, der auch einmal eine etwas andere Sichtweise in eine altbekannte Thematik hineinbringt und seinen Focus nicht nur auf visuelle Härte setzt, sondern eindrucksvoll aufzeigt, wie man aus einer falschen Bewunderung heraus in Dinge hineinrutschen kann, dessen Konsequenzen man vor lauter Blindheit nicht erkennt.


Fazit:


Mir persönlich hat "3. Halbzeit" wirklich sehr gut gefallen, weil sich der Film auch einmal von anderen Genre-Vertreter abhebt. Glaubwürdig wird dem Zuschauer vermittelt, das die englischen Firmen nicht lediglich aus Leuten bestehen, die aus reiner Überzeugeung dabei sind, hier treten auch Skrupel bei Mitgliedern auf und es gibt Bedenken gegen bestimmte Aktionen. Ansonsten werden die Hooligans eigentlich immer als primitive Schläger ohne Gewissen dargestellt, was in vorliegender Geschichte einmal etwas anders dargestellt wird. Denn selbst unter diesen leuten gibt es sicherlich genügend, die auch ein Gewissen haben, aber aus Angst vor persönlichen Konsequenzen zu Mitläufern mutieren die alles tun, was die Anführer verlangen, um nicht in den Focus derer Agressionen zu gelangen. Ich kann diesen Film jedenfalls bedenkenlos weiterempfehlen, denn es wird Unterhaltung geboten, die auch nachdenklich stimmt.


Die DVD:


Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch DTS 5.1, DD 5.1 / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,35:1 (16:9 Widescreen)
Laufzeit: 86 Minuten
Extras: Originaltrailer, Deleted Scenes, Der "Karaoke-Fight", Als Statist bei "The Firm", Die Fights, Interviews, Making Of, Mini-Making Of, Trailershow


8/10

Mittwoch, 25. August 2010

Sadisticum






Sadisticum
(Sadisticum)
mit Christian Wewerka, Thomas Harbort, Katie Pfleghar, Dominik Bliefert, Christina Gatterer, Nico Josef Zitek, Silke Walter, Witalij Kühne, Dieter Schmidt, Manuel Teichert, Taktloss, Ivo Noack
Regie: Sebastian Radtke
Drehbuch: Sebastian Radtke
Kamera: Sebastian Radtke
Musik: Kid Atari
Ungeprüft
Deutschland / 2008

Sadisticum erzählt die Geschichte eines Mannes, für den es im Leben nur eine einzige Aufgabe zu geben scheint, das quälen und töten seiner Mitmenschen. Im Alter von 17 Jahren hat er bereits 2 Menschen umgebracht. Doch es gelingt ihm seinen Trieb für viele Jahre zu unterdrücken. Sein halbes Leben verbrachte er damit zu arbeiten und sich äußerlich der Gesellschaft anzupassen. Doch die Leere in seinem Leben wurde stetig größer, bis es eines Tages wieder geschieht, er tötet. Nur dieses mal würde er nicht aufhören, dieses mal würde er seinen Trieben freien Lauf lassen. Doch selbst durch das brutale Töten seiner Mitmenschen erfährt er keine Befriedigung mehr. Sein stetig wachsendes Geltungsbedürfnis treibt ihn dazu, eine Art Folterseminar ins Leben zu rufen. Dort würde er ausgewählten Gleichgesinnten zeigen auf welche Art und Weise man am besten einen Menschen foltert, ohne diesen frühzeitig zu töten. Doch es bleibt nicht bei einem Seminar, seine Sucht nach Aufmerksamkeit und Bewunderung wächst ins unermeßliche, immer grausamere Foltermethoden probiert er aus. Doch eines Tages nimmt die Geschichte eine erstaunliche Wendung...


Nachdem mir schon Radtkes Film "Psychotica" sehr gut gefallen hat, hat auch "Sadisticum" meine Erwartungen voll erfüllt. Der Film trägt seinen Titel durchaus zurecht, denn die dargestellten Geschehnisse beinhalten eine so große Portion Sadismus, das es einem phasenweise kalte Schauer über den Rücken jagt. Das liegt insbesondere darin begründet, das Sebastian Radtke seinem Werk keinesfalls durch explizite Gewaltdarstellungen Härte verleihen will, sondern eine äusserst gute Mixtur aus visueller Härte und psychischer Härte gefunden hat, die sich im Kopf des Betrachters mit der Wucht eines Keulenschlages entfaltet. Das soll jetzt aber nicht heissen, das in der vorliegenden Story keinerlei visuelle Effekte vorhanden sind, doch die einzelnen Folterungen werden zumeist lediglich angedeutet, womit der Rest der fantasie des Zuschauers überlassen wird.

Und genau dort entwickelt sich ein immenses Maß an Brutalität, denn allein schon die Vorstellung, was mit den sogenannten "Probanten" geschieht ist äusserst intensiv, hinzu kommt die Eiseskälte des sadistischen Psychophaten, der regelrechte Folter-Seminare abhält, die von Gleichgesinnten besucht werden, die sich bis jetzt anscheinend nur noch nicht dazu durchringen konnten, ihrem perversen trieb nachzugehen. Besonders gut hat mir vor allem die Tatsache gefallen, das die Ereignisse aus der Sicht des Täters erzählt werden, der einem einen Einblick in sein abartiges Leben gestattet. So wird man mit Rückblenden konfrontiert, die bis zu seinem ersten Mord zurückgehen, den er im zarten Alter von 17 Jahren begangen hat und dort das erste Mal festgestellt hat, welche befriedigung ihm seine Tat gebracht hat. Nach gut 30 Jahren, in denen er sich der Gesellschaft angepasst hat um nicht aufzufallen, löst dann ein Überfall auf ihn selbst wieder den ungeheuren Drang aus, andere Menschen zu quälen und zu töten.

Wie schon bei "Psychotica" hat Radtke auch hier einen Film kreiert, der mit noch nicht einmal einer Stunde Laufzeit recht kurz erscheint, doch kommt diese auf den ersten Blick sehr kurze laufzeit dem Gesamtpaket sehr zugute, da das geschehen extrem kompakt und intensiv erscheint. Von der ersten Minute an erliegt man der grausamen Faszination der Geschichte, die mit sonorer Stimme vom Täter erzählt wird, der auch durch seine optische Wirkung wie ein Mensch erscheint, der eine seltsam kalte und unheimliche Wirkung auf einen hat. Und insbesondere diese Ausstrahlung verleiht dem Charakter ein sehr hohes Maß an Glaubwürdigkeit und Authenzität, so das man schon allein bei seinem Anblick eine leicht aufkommende Gänsehaut verspüren kann. Man traut diesem mann auf jeden Fall seine Taten zu und verspürt das verlangen, ihm nie selbst zu begegnen.

Die restlichen Akteure, die doch bis auf das überraschende Ende kaum im Focus der Geschichte stehen kann man recht schlecht bewerten, da ihre Auftritte doch eher sporadischer Natur sind. Lediglich ein Polizist tritt zum Ende hin auf im ersten Moment doch recht eigenartige Art und Weise in den Vordergrund, denn kann man sein Verhalten gegenüber dem Täter erst absolut nicht nachvollziehen, so erhält man schon im nächsten Moment die Erklärung für das seltsame Verhalten und ist doch ziemlich von der auftretenden Wendung überrascht, mit der man nun wirklich nicht zwangsläufig rechnen konnte. So erhält dieser insgesmt sehr gute Independent-Film zum Schluß noch einmal eine doch überraschende Note verliehen, was den guten Gesamteindruck noch einmal zusätzlich aufwertet.


Fazit:


Sebastian Radkte hat mit "Sadisticum" wieder eine erstklassige Independent-Produktion abgeliefert und so wieder einmal sein durchaus vorhandenes Talent unter Beweis gestellt. Vor allem seine Fähigkeit, visuelle Härte nicht unbedingt in den Focus zu rücken und so mehr Wert auf den psychischen Faktor zu legen, ist sehr symphatisch und verleiht seinen Filmen etwas Besonderes. Freunde von deutschen Amateur-Horrorfilmen sollten hier voll auf ihre Kosten kommen und ihre Freude an diesem gelungenen Werk haben.


7/10

Montag, 23. August 2010

Break






Break
(Break)
mit Lili Schackert, Esther Maaß, Ralph Willmann, Marina Anna Eich, Thelma Buabeng, Sebastian Badenberg, Patrick Jahns, Meelah Adams, Annette Kreft, Christian Jungwirth
Regie: Matthias Olof Elch
Drehbuch: Matthias Olof Elch
Kamera: Robert von Münchhofen
Musik: Thorsten Engel
Keine Jugendfreigabe
Deutschland / 2009

Um sie von ihren Problemen mit Ihrem Ex-Freund abzulenken, laden die 3 Mädels Rose, Clare und Anna ihre Freundin Sarah zu einem Wochenende in den kanadischen Wäldern ein. Nach einer langen Wanderung erreicht das Quartett einen wunderschönen und scheinbar von Menschen unberührten See. Das warme Wetter und ein paar kühle Bier lassen die Clique schnell ihre Großstadt-Probleme vergessen ... bis Anna auf einen Haufen Eingeweide stößt ... neben dem ein paar menschliche Füße von einem Baum hängen. Schnell wird den Frauen klar, dass irgendjemand in dieser Gegend Jagd auf Menschen anstatt auf Tiere macht. Doch die Erkenntnis kommt zu spät. Die für die Mordfälle verantwortlichen Rednecks greifen die Mädchen-Gruppe mit Pfeil und Bogen an. Clare wird tödlich verletzt, während Anna und Rose gefangen genommen werden. Nur Sarah kann entkommen und versucht, Hilfe zu holen. Doch die Jäger sind ihr bereits auf der Spur. Und sie kennen ihr Territorium weitaus besser als Sarah ...


Was soll man schon im Vorfeld von einem Backwood-Slasher erwarten, der in der hier vorliegenden Version um fast 8 Minuten !!! geschnitten werden musste, um das Zertifikat "Keine Jugendfreigabe" zu erhalten? Man schraubt von Anfang an die Erwartungen ziemlich nach unten und harrt der Dinge, die dann auf einen zukommen. Nun entpuppt sich aber diese Version als gar nicht einmal so unblutig, wie man aufgrund der Kürzungen erwarten könnte, denn es gibt durchaus einige härtere Passagen und auch das Kunstblut ist in ausreichender Menge vorhanden, so das sich die eigentlichen Defizite dieser deutschen Amateur-Produktion an ganz anderen Stellen äusserst offensichtlich in den Vordergrund rücken. Sicherlich ist das Bemühen von Regisseur Matthias Olof Elch durchaus zu erkennen, hier einen Backwood-Horrorfilm an den Start zu bringen, der an amerikanische Genre-Vertreter wie beispielsweise "Wrong Turn" erinnern soll, doch die Umsetzung der doch extrem ausgedünnten Geschichte ist nicht so ganz gelungen, um es einmal vorsichtig auszudrücken.

"Break" wird ganz sicher in seiner ungeschnittenen Version eine gewaltige Schippe in Sachen Härte und Brutalität zulegen, was ja in der heutigen Zeit als vollkommen ausreichend erscheint, um einen Großteil der Horror-Fans zufriedenzustellen, wer allerdings immer noch ein wenig Anspruch an einen Film stellt, der wird hier nicht unbedingt auf seine Kosten kommen. Die Story ist ganz einfach viel zu platt und kommt über einige gute Ansätze einfach nicht hinaus. Zudem gestaltet sich die erste Filmhälfte äusserst langatmig und vollkommen ereignislos, denn der Zuschauer wird lediglich mit den 4 Mädchen und ihren ständigen gegenseitigen Neckereien konfrontiert, die ausserdem noch mit recht sinnbefreiten Dialogen angereichert wurden, die keinerlei Substanz bieten und streckenweise sogar eher befremdlich erscheinen. Es werden nur Beziehungsthemen diskutiert oder sexuelle Anspielungen gemacht, so das man den Gesprächen nun wirklich nicht viel abgewinnen kann.

Als dann nach gut 40 Minuten endlich einmal etwas Action Einzug in die Story hält, werden die aufkeimenden Hoffnungen aber auch gleich wieder zerstört, denn was sich dem betrachter nun präsentiert, ist doch an unlogischem Verhalten und einem Geschehen fernab jeglicher Realität kaum zu überbieten. Sicherlich ist unlogisches Verhalten der Protagonisten in Horrorfilmen keine weltbewegende Neuigkeit, kennt man das doch aus etlichen Genre-Vertretern, doch die hier stattfindenden Ereignisse tragen phasenweise schon recht grotesk anmutende Züge und tragen nicht unbedingt dazu bei, das bis hierher gewonnene Gesamtbild aufzuwerten. So übertreffen sich Jäger wie auch Gejagte an dümmlichen Verhalten, stellvertretend dafür sei nur die Passage angeführt, wo eines der Mädchen ihrem Peiniger in einer Höhle mit spielerischer Leichtigkeit entkommen kann, um dann postwendend gegen einen Baum zu laufen, um ohnmächtig zu werden. Dabei ist diese Szene noch als eine der etwas realistischeren anzusehen, denn die realitätsfremde Inszenierung hat damit noch längst nicht ihren Höhepunkt erreicht. Hier werden auch die anatomischen Grundgesetze vollkommen ad absurdum geführt, denn offensichtlich plazierte Bauchschüsse oder Kugeltreffer knapp neben dem Herzen sind keineswegs als Behinderung der Getroffenen anzusehen, die sich munter weiterbewegen und gar nicht daran denken, das Zeitliche zu segnen.

Selbst ein offener Knochenbruch am Bein stellt kaum eine Behinderung dar, viel eher scheint dies als zusätzliche Motivation zu gelten, so das die Betroffene Person letztendlich sogar noch über sich hinauswächst und sich einen fast schon heldenartigen Status erarbeitet. Desweiteren können auch leichte Explosionen ein Auto nicht daran hindern, immer noch fahrtüchtig zu sein und letztendlich als Hilsmittel zu gelten, um die Stätte des Massakers lebend zu verlassen. Diese und andere Peinlichkeiten sind in diesem Film zur Genüge vorhanden und können dem ganzen sogar eine extrem trashige Note verleihen, so das man das Werk von Matthias Olof Elch widerum als gelungenen Trashfilm ansehen könnte, nur ist er ganz sicher nicht als solcher produziert worden. Es fällt äusserst schwer, dieses Werk selbst unter dem Gesichtspunkt, das es sich um eine Amateur-Produktion handelt ernst zu nehmen, denn die teilweise vorhandene Absurdität der Ereignisse sind selbst für eingefleischte Horror-Fans nicht leicht zu verdauen, es fehlt dem Film an allen Ecken und Enden an Authenzität und Glaubwürdigkeit. Hinzu kommen die extrem farblosen Charaktere, denn deren Darsteller übertreffen sich in einer Ansammlung an schauspielerischem Unvermögen, das ganzzeitig im Vordergrund einer Geschichte steht, die seltsam unausgegoren daherkommt und zu keiner Zeit wenigstens etwas Faszination ausstrahlt, die sich auf den Zuschauer übertragen könnte. Auch echte Spannung oder eine für einen solch gelagerten Film fast zwingende Atmosphäre kommt so gut wie nie auf. Auch wenn es sich um eine Low Budget Produktion (geschätzte 300.000 Euro) handelt, hätte man selbst mit diesem eher geringen Budget eine Menge mehr bewerkstelligen können, doch Dinge wie Innovation oder Kreativität sind hier leider überhaupt nicht zu erkennen, so das im Endeffekt nicht mehr übrigbleibt als ein weiterer Horrorfilm, der sich maximal in den unteren Gefilden des Genres ansiedeln kann.


Fazit:


"Break" ist ein Horrorfilm, der ganz sicher keinen nachhaltigen Eindruck beim Zuschauer hinterlässt, eine sehr stumpfe und flache Geschichte wurde zudem noch recht realitätsfremd und ohne jegliche Logik umgesetzt. So stören noch nicht einmal in erster Linie die fehlenden gut 8 Minuten, die das Werk zwar sicherlich erheblich härter erscheinen lassen, es ist die fehlende Substanz einer Story, die bis auf diverse peinlichkeiten eigentlich nichts zu bieten hat. Wenn man dem Schnittbericht glauben darf, werden Gorehounds bei der ungeschnittenen Version bestimmt auf ihre Kosten kommen, wer jedoch etwas mehr als nur Härte erwartet, der sollte sich genau überlegen, ob dieser Film das Richtige für ihn ist. Meine Erwartungen wurden jedenfalls total enttäuscht, wobei ich anmerken möchte, das diese nicht unbedingt auf den Härtegrad bezogen waren. Horrorvielseher können sicher einen Blick riskieren, doch eine wirkliche Empfehlung kann ich leider nicht aussprechen.


Die DVD:

Vertrieb: Sunfilm
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Bild: 1:2,35 (16:9)
Laufzeit: 80 Minuten
Extras: Trailer, Musikvideo, Websodes


3/10

Freitag, 20. August 2010

District 9






District 9
(District 9)
mit Sharlto Copley, Jason Cope, Nathalie Boltt, Sylvaine Strike, Elizabeth Mkandawie, John Sumner, William Allen Young, Greg Melvill-Smith, Nick Blake, Morena Busa Sesatsa, Themba Nkosi, Mzwandile Nqoba, Barry Strydom, Jed Brophy, Louis Minnaar
Regie: Neill Blomkamp
Drehbuch: Neill Blomkamp / Terri Tatchell
Kamera: Trent Opaloch
Musik: Clinton Shorter
FSK 16
Neuseeland / USA / 2009

Vor über 20 Jahren nahmen Außerirdische das erste Mal Kontakt mit der Erde auf. Daraufhin rechneten die Menschen mit einem feindlichen Angriff oder einem technologischen Fortschritt. Die Kreaturen waren aber Flüchtlinge und wurden aus diesem Grund vorübergehend in einem Notauffanglager interniert - im District 9. Nach Verhandlungen über die Zukunft der Außerirdischen haben die Nationen der Welt ein privates Unternehmen, die MNU, mit der Überwachung der ungeliebten Besucher beauftragt. Der Konzern verfolgt jedoch nur ein Ziel, mit den Waffen der Aliens Profit zu machen. Zur Aktivierung benötigt man jedoch Alien-DNA. Als sich der MNU-Agent Wikus van der Merwe mit einem mysteriösen Virus infiziert, das seine DNA verändert, wird er zum meistgesuchten und gleichzeitig verletzlichsten Mann der Erde.


Endlich einmal ein Film, der wirklich frischen Wind in das Genre des SCI/FI Filmes hineinwehen lässt, denn die Geschichte, die sich hier dem Zuschauer offenbart, ist so herrlich originell, das man seine wahre Freude an ihr haben muss. Gespickt mit jeder Menge Action, teilweise für eine 16er Freigabe recht blutiger Passagen, unverhohlenem Rassismus und extrem viel Satire und Sarkasmus präsentiert sich ein Film-Vergnügen der ganz besonderen Art. Allein schon die Idee, das die Außerirdischen ausgerechnet in Südafrika stranden, ist schlichtweg genial, herrschte dort doch bis vor einigen Jahren immer noch die Apartheid. Und genau dieser Zustand lebt hier wieder auf, den werden doch die Aliens im sogenannten "District 9" wie Aussätzige gehalten und leben unter vollkommen unmenschlichen Verhältnissen. Abwertend als "Shrimps" bezeichnet, fristen sie dort ein mehr als karges Dasein, anscheinend ohne jede Hoffnung, ihre Heimat je wiederzusehen. Viele dienen den Menschen lediglich als medizinische Versuchsobjekte, ausserdem soll die Waffentechnologie der Aliens entschlüsselt werden, die anscheinend nur in Verbindung mit deren DNA funktioniert.

Was sich hier jetzt eher sehr ernst anhört, ist aber auch immer mit einem lachenden Auge zu sehen, denn trieft der Film doch geradezu vor bitterbösem Humor und jeder Menge Sarkasmus. Hinzu kommt die äusserst temporeiche Erzählweise der Geschichte, die den Zuschauer immer auf Trab hält und so erst gar keinen Freiraum für etwaige langatmige Passagen lässt. Bei der ganzen Action und den teilweise sehr bkutigen Passagen sie zu bestaunen sind, fällt es manchmal gar nicht so leicht, den immer wieder aufkommenden Sarkasmus und die unverhohlenen rassistischen Anspielungen nicht aus den Augen zu verlieren. Die entstehende Kombination der vorhandenen Zutaten ist so dermaßen hererfrischend und originell, das es ganz einfach jede Menge Spaß bereitet, dem actiongeladenen Treiben zu folgen.

Zudem ist hier mit Sharlto Copley (Das A-Team) ein erstklassiger Hauprdarsteller am Start, der dem von ihm gespielten Charakter Wikus van der Merwe zu einer Menge Glanz verhilft. Erscheint er zu Beginn noch als scheinbar etwas unbeholfener und überdrehter Mitarbeiter der MNU, die alle Aliens umsiedeln soll, so muss er später am eigenen Leibe miterleben was es heisst, ein Ausgestossener zu sein. Das dabei an den Tag gelegte Schauspiel kann sich wirklich sehen lassen, vor allem in der Phase als sein Umdenken gegenüber den Außerirdischen stattfindet sammelt er dabei jede Menge Symphatiepunkte beim Zuschauer und drückt dem Film auch insgesamt einen persönlichen Stempel auf. Ihm gegenüber stehen ansonsten eigentlich durch die Bank unsymphatische Charaktere, denn handelt es sich dabei doch größtenteils um Mitglieder der MNU, die einzig und allein auf Profit aus sind und denen ein Menschenleben, geschweige denn das eines Aliens überhaupt nichts wert ist. Es ist schon wirklich bemerkenswert, wie die unterschiedlichen Charaktereigenschaften hier glasklar in den Vordergrund treten und wie intensiv ein Mensch doch umdenken kann, sobald er von etwas betroffen ist, was ihn selbst zu einem Ausgetsossenen macht und ihn somit aus der gewohnten Welt hinausreisst.

Was mir besonders gut gefallen hat, sind die immer wieder eingestreuten Interviews, mit denen man beispielsweise schon ganz am Anfang konfrontiert wird, bevor die Geschichte eigentlich so richtig losgeht. Dort geben Menschen ihre Meinung zu Wikus van der Werde ab, man sieht aber auch ein Interview mit ihm selbst, bevor man dann mit den eigentlichen Geschehnissen konfrontiert wird. Das gibt dem ganzen auch einen äusserst authentischen und phasenweise sogar dokumentarischen Anstrich, was dem Gesamtbild sehr gut zu Gesicht steht. Insgesamt gesehen entpuppt sich "District 9" als absolut gelungener Genre-Beitrag, der extrem originell und unterhaltsam daherkommt. Die Mischung aus SCI/FI, Action, Rassismus, Sarkasmus und jeder Menge Humor machen den Film zu etwas ganz Besonderem und bereiten dem Betrachter ein kurzweiliges Film-Vergnügen, das man in dieser Form wohl noch nicht gesehen hat. Dazu zählt auch die Idee, das die Menschen sich mit der anderen Lebensform ohne jegliche Probleme unterhalten kann, obwohl die Aliens keinerlei Sprache sprechen, die von dieser Welt stammt. Wer also wirklich offen ist für einen Film, der irgendwie so ganz anders ist als andere SCI/FI Filme, der kommt an diesem Werk nicht vorbei und dürfte bei dessen Sichtung jede Menge Freude haben.


Fazit:


Mit "District 9" hat Regieneuling Neill Blomkamp ein aussergewöhnliches und innovatives Langfilm-Debut hingelegt, das ganu sicher einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt. Auch wenn Peter Jackson hier lediglich als Produzent auftritt, bin ich mir doch sehr sicher, das auch er bei der Geschichte einen gewissen Einfluss genommen hat, was aber im Prinzip vollkommen egal ist, da das Endergebnis vollkommen gelungen ist.


8/10

Mittwoch, 18. August 2010

High Lane






High Lane
(Vertige)
mit Fanny Valette, Johan Libereau, Raphael Lenglet, Nicolas Giraud, Maud Wyler, Justin Blanckaert
Regie: Abel Ferry
Drehbuch: Johanne Bernard / Louis-Paul Desanges
Kamera: Nicolas Massart
Musik: Jean-Pierre Taieb
FSK 16
Frankreich / 2009

Zwei junge, befreundete Pärchen machen sich auf den Weg zu einer Kletterpartie im Hochgebirge. Dies soll ihr letztes Abenteuer werden, bevor sie sich in den stressigen Berufsalltag stürzen. Das fünfte Rad am Wagen ist Loic, der Ex-Freund von Chloe, der von Anfang an Probleme bereitet. Nachdem sich ihre Routenplanung nicht umsetzen lässt, beschließen die Fünf, freestyle Richtung Himmel zu klettern. Als sie bei dem lebensbedrohlichen Aufstieg feststellen, dass sie nicht allein sind, wird der Kletterausflug schnell zum Albtraum...


Und schon sind wir bei der nächsten französischen Produktion, die es wieder einmal in sich hat. Zwar ist dieses Mal nicht ein so expliziter Härtegrad vorhanden, wie bei einigen Filmen der letzten Jahre, die unsere Nachbarn uns beschert haben, dafür bekommt man eine äusserst gelungene Kombination aus Extremsport-und Horror/Thriller geboten. Diese Kombi kann man phasenweise sogar schon als wirkliche Adenalin-Granate bezeichnen, denn es kommt ziemlich oft vor, das die extreme Spannung dem Zuschauer schweissnasse Hände beschert, die man beim besten Willen nicht verhindern kann. Was hier mit erstklassig in Szene gesetztem Bergsteigen beginnt und doch schon sehr an den Film "Cliffhanger" erinnert, entwickelt sich mit der Zeit zu einem äusserst dichten und sehr spannenden Horror/Thriller, der über seine gesamte Laufzeit von knapp 80 Minuten jederzeit beste und sehr kurzweilige Unterhaltung bietet und einem dabei einen Adrenalinkick nach dem anderen versetzt, denn durch die eher etwas knapp bemessene Laufzeit bleibt keinerlei Zeit, sich von diversen Ereignissen erst einmal zu erhölen, da das nächste nicht lange auf sich warten lässt.

So entstehen erst gar keine irgenwie langatmig geartete Passagen, als Betrachter steht man förmlich ganzzeitig unter Strom und hat stellenweise Schwierigkeiten, dem sehr temporeichen und actiongeladenen Geschehen zu folgen. Das beginnt schon mit dem verbotenen Aufstieg der 5 jungen Leuten, denn die ausgesuchte Kletterstrecke ist gesperrt. Fast selbstverständlich umgeht man das Verbot und macht sich trotzdem daran, einen Berg zu erklimmen. Man sollte jetzt aber nicht zu viel Wert auf Logik legen, denn es ist doch ziemlich befremdlich, das einer der Jugendlichen unter starker Höhenangst leidet, sich aber dennoch an dem Aufstieg beteiligt, um seiner Freundin zu imponieren. Ganz generell ergeben sich während der Geschichte noch einige Dinge, die etwas realitätsfremd erscheinen, doch fällt das eigentlich nicht weiter ins Gewicht, da "High Lane" ein so rasantes Tempo vorlegt, das man gar nicht dazu kommt, einige unlogische Verhaltensweisen der Protagonisten zu analysieren.

Viel lieber lässt man sich von der Faszination in Beschlag nehmen, die insbesondere von den erstklassig eingefangenen Kletterszenen ausgeht, bei denen man schon fast unweigerlich einige Male die Luft anhalten muss und einige gut eingesetzte Schockmomente überstehen muss. Wer jetzt aber denkt, das nach dem letztendlich doch noch gelungenem Aufstieg erst einmal Ruhe einkehrt, der sieht sich schnell getäuscht, denn jetzt beginnt erst der wahre Horror, der die Gruppe wie ein Keulenschlag trifft. So fallen einige einem zuerst unsichtbaren Gegner zum Opfer, der scheinbar wahllos eine Jagd auf Menschen veranstaltet und dabei äusserst hart und brachial zur Sache geht. Es entwickelt sich eine wirklich mörderische Hatz, die bis zur letzten Minute anhält und kaum Zeit für kleinere Verschnaufspausen bietet. Die zuvor schon hervorragende Atmosphäre des Films verdichtet sich noch einmal zusätzlich und nimmt jetzt zudem noch extrem bedrohliche Ausmaße an. Auch der von Haus aus schon straff gezogene Spannungsbogen verdichtet sich immer mehr, bis sich die angesammelte Spannung zum Ende hin vollends entladen kann. Gerade das gewählte Ende sorgt noch einmal für eine ordentliche Portion Adrenalin und lässt den Zuschauer so richtig mitfiebern, allerdings wird man nicht mit einem Happy End konfrontiert, was bei diesem Film aber meiner Meinung nach auch vollkommen abwegig gewesen wäre.

Letztendlich kann man "High Lane" als äusserst gelungenen Genre-Mix bezeichnen, der zwar teilweise mit Klischees behaftet ist und auch nicht unbedingt immer durch logische Verhaltensweisen seiner Protagonisten glänzt, jedoch kann man über diese kleinen Defizite locker hinwegsehen, da man jederzeit mit sehr temporeicher und unheimlich spannender Filmkost bedient wird, die einen ganzzeitig in Atem hält. Hinzu kommen auch die gut agierenden Schauspieler, die trotz teils unlogischer Verhaltensweisen einen guten und überzeugenden Eindruck hinterlassen und so zum insgesamt sehr guten gesamtbild beitragen, das man hier gewonnen hat.


Fazit:


"High Lane" ist ein extrem temporeicher Genre-Mix, der den Zuschauer ganzzeitig unter Strom setzt und kaum Platz für kleinere Erholungsphasen lässt. Immer, wenn man der Meinung ist, das erst einmal etwas Ruhe einkehrt steht schon das nächste Highlight vor der Tür, so das man erst gar nicht zur Ruhe kommt und fasziniert dem Geschehen folgt, das sich auf dem Bildschirm abspielt. Die gelungene Mixtur aus Extremsport-und Horror tut ihr Übriges, um diesen Film aus der breiten Masse hervorstechen zu lassen. Wer Lust auf eine gehörige Portion Adrenalin verspürt, kommt an diesem Werk von Regisseur Abel Ferry ganz einfach nicht vorbei.


8,5/10

Montag, 16. August 2010

Battle in Seattle






Battle in Seattle
(Battle in Seattle)
mit Ray Liotta, Woody Harrelson, Andre Benjamin, Jennifer Carpenter, Isaach De Bankole, Martin Henderson, Joshua Jackson, Tzi Ma, Ivana Milicevic, Connie Nielsen, Michelle Rudriguez, Charlize Theron, Channing Tatum
Regie: Stuart Townsend
Drehbuch: Stuart Townsend
Kamera: Barry Ackroyd
Musik: Neil Davidge / Robert del Najy
FSK 16
USA / 2007

Im November 1999 findet in Seattle ein Treffen der Welthandelsorganisationen statt. Tausende von Demonstranten treffen in der Stadt ein, um gegen dieses Treffen zu protestieren. Unter den Demonstranten sind auch Django, Sam, Lou und Jay, die alle aus persönlichen Gründen in Seattle sind. Als aus der Demonstration durch den wütenden Mob ein gewalttätiger Aufstand wird, müssen sie sich entscheiden, wofür es sich zu kämpfen lohnt...


Stuart Townsend, der vielen wohl eher als Darsteller (Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen, Chaos Theory) bekannt sein dürfte, hat mit diesem spannenden Action-Drama ein sehr beachtliches Regie-Debut hingelegt, das auf wahren Begebenheiten beruht. Mit einer Riege von erstklassigen Darstellern besetzt, erzählt der Film die Geschichte der Proteste und Demosnstrationen, die sich 1999 in Seattle abgespielt haben, als die WTO dort ein entscheidendes Treffen abhalten wollte. Townsend hat es hier absolut erstklassig verstanden, dem Zuschauer die vorherrschende Situation näherzubringen, in der sich innerhalb kürzester Zeit aus einer zu Beginn friedlichen Demosnstration eine wahre Schlacht entwickelt, in der die Gewalt phasenweise richtiggehend eskaliert. Dabei wurden geschickt die Bilder des Filmes mit echtem Archiv-Material angereichert, so das man streckenweise das Gefühl bekommt, es nicht unbedingt mit einem Spielfilm, sondern mit einem Tatsachenbericht zu tun hat, der sich gerade jetzt vor den eigenen Augen abspielt.

Ein großes Plus ist ganz sicher die mit Stars gespickte Darsteller-Riege, die hier an den Start geht, neben Woody Harrelson trifft man auf so bekannte Gesichter wie Charlize Theron, Ray Liotta oder auch Michelle Rodriguez, die gleichzeitig auch die tragenden Rollen in dieser äusserst interessanten und spannenden Geschichte spielen. Nun gibt es einige Leute, die Stuart Townsend vorwerfen, das er in seinem Werk den Focus zu sehr auf einige Einzelschicksale als auf die eigentlichen Geschenisse gelegt hat, doch meiner Meinung nach ist es gerade die Vermischung der vorhandenen Grundsituation mit den dargestellten Einzelschicksalen, die der Geschichte eine ganz besondere Note verleiht, denn sind doch die Ereignisse untrennbar miteinander verbunden. So spielt besispielsweise Ray Liotta den Bürgermeister von Seattle, der in einen argen Gewissenskonflikt kommt, als er von höherer Stelle die Order bekommt, den Ausnahmezustand über seine Stadt zu verhängen und die Polizei zum Einsatz von Gewalt aufzurufen. Woody Harrelson hingegen spielt einen der Ordnungshüter, dessen Ehefrau (Charlize Theron) während der auftretenden Tumulte von einem Schlagstock in den Bauch getroffen wird und daraufhin ihr Baby verliert. Michelle Rodriguez widerum ist als eine der führenden Demosnstranten zu sehen, die sich mitten im immer mehr eskalierenden Geschehen befindet.

Ich finde, das Townsend es perfekt verstanden hat, die immer mehr eskalierenden Ereignisse mit tollen und intensiven Bildern in Szene zu setzen, dabei aber auch genügend Raum für einzelne Charaktere gelassen hat, die dem Betrachter eindrucksvoll nähergebracht werden. Nur so kann man auch gewisse aus der jeweiligen Situation geborene handlungsweisen nachvollziehen, wie beispielsweise die Passage, in der Harrelson die Beherrschung verliert und den Anführer der Demonstranten krankenhausreif schlägt. Doch "Battle in Seattle" beschäftigt sich auch mit dem Umdenken einiger Delegierter der WTO, denen das auf den Straßen stattfindende Gemetzel nicht entgeht. So wird gerade zum Ende der Geschichte hin den Demonstranten immer mehr Verständnis und Symphatie entgegengebracht und man kann ihre Beweggründe viel besser verstehen. Und so entsteht insgesamt ein erstklassiges Gesamtbild eines Filmes, der insbesondere auch durch die sehr intensiven Straßenschlachten extrem unter die Haut geht und einen keinesfalls unberührt lässt.

Das Regie-Debut von Stuart Townsend ist ein wirklich imposanter Film, der hauptsächlich durch seine fantastischen Darsteller und sein hohes Maß an Intensität zu überzeugen weiss. Die Darstellung, wie aus einer zu Beginn sehr friedlichen Demonstration eine eskalierende Gewaltspirale hervorgeht, wurde dabei äusserst authentisch und streckenweise auch hart in Szene gesetzt, so das die Geschehnisse einen erschreckend realen Anstrich erhalten. Zudem verfügt der Film über eine sehr temporeiche und flüssige Erzählstruktur, so das erst gar keine Langeweile aufkommen kann. Wie schon einmal kurz erwähnt, hat man stellenweise gar nicht unbedingt das Gefühl, das man einen Spielfilm sieht, denn oft genug fühlt man sich selbst als ein teil der Ereignisse, was die Authenzität des Filmes noch einmal zusätzlich hervorhebt.


Fazit:


Ein Spielfilm, der nicht selten den Eindruck einer Tatsachen-Doku vermittelt und den Zuschauer so fast schon zwangsläufig in die vorhandene Geschichte einbindet, so kann man "Battle in Seattle" wohl am besten beschreiben. Man fühlt sich involviert und aufgrund diverser Ereignisse schon fast ohnmächtig, da die Geschehnisse einen in ihren Bann ziehen. Der Film macht sprachlos, aber auch sehr wütend, denn werden doch den Menschen phasenweise die Bürgerrechte genommen, wohingegen Polizei-Willkür stark in den Vordergrund rückt. Ein intensives-und teilweise recht hartes Film-Erlebnis, das man sich keinesfalls entgehen lassen sollte.


Die DVD:

Vertrieb: KSM
Sprache / Ton Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,85:1 (16:9)
Laufzeit: 95 Minuten


8/10

Freitag, 13. August 2010

Rampage






Rampage
(Rampage)
mit Brendan Fletcher, Shaun Sipos, Michael Pare, Matt Frewer, Lynda Boyd, Robert Clarke, Malcolm Stewart, Steffen Mennekes, Katey Grace, Laurie Brunetti, Mark Brandon, Julie Patzwald, Katharine Isabelle, Colette Perry, Michaela Mann
Regie: Uwe Boll
Drehbuch: Uwe Boll
Kamera: Mathias Neumann
Musik: Jessica de Rooij
Keine Jugendfreigabe
Kanada / Deutschland / 2009

Globale Erwärmung, Welthunger, Überbevölkerung und maßloser Konsum: Bill Williamson (Brendan Fletcher, Alone In The Dark, 88 Minutes) hat die Schnauze voll. Er ist genervt von seinem aussichtslosen Job, seinen unerträglichen Mitmenschen und der Welt im Allgemeinen. Doch er hat einen unglaublichen Plan, der ein besonders blutiges Zeichen setzen und ihm ein besseres Leben liefern soll. Mit einer selbst konstruierten Kevlar-Rüstung und bis an die Zähne bewaffnet, startet er eine Tötungsorgie und nimmt scheinbar grundlos eine gesamte Kleinstadt auseinander…


Es gibt ja nun genügend Leute, die Filme von Uwe Boll schon aus Prinzip nierdermachen und wenn es sich um Videospiel-Verfilmungen handelt, mögen diese Menschen sogar Recht haben. Doch in den letzten Jahren hat der äusserst umstrittene Regisseur auch einige Filme gedreht, die zwar immer noch keine Meisterwerke darstellen, aber doch äusserst gut gelungen sind und dem Zuschauer gute Unterhaltung bieten. "Rampage" zählt meiner Meinung nach ganz eindeutig zu diesen Filmen und auch wenn die deutsche DVD weit über 4 Minuten gekürzt ist, bekommt man hier ein sehr beklemmendes Action-Drama zu sehen, das auch jederzeit äusserst nachdenklich stimmt und jede Menge Gesellschaftskritik beinhaltet. Ganz generell wird der Eindruck erweckt, das die gesamte Welt vor dem Kollaps steht, dies wird durch ständige TV-oder Radio-Nachrichten explizit untermalt, die man den ganzen Film über immer wieder hört. Hinzu kommen Aussagen von Evan, dem besten Kumpel von Bill, der immer wieder über die kaputte Gesellschaft siniert, dabei aber nichts davon ahnt, was Bill schon längst geplant hat.

Und der unscheinbare Bill hat einen Plan gefasst, der absolut teuflisch ist und den er auch schon bald in die Tat umsetzt. Was sich dann entwickelt, ist ein Action-Drama, das es wirklich in sich hat und in seiner ungeschnittenen Fassung ganz sicher noch um ein Vielfaches intensiver erscheint, wie es in dieser zensierten Form schon der Fall ist. Denn bei der deutschen Veröffentlichung muss man sich leider hauptsächlich auf die Härte beschränken, die im Kopf des Zuschauers entsteht, wenn man dem Geschehen und dem damit verbundenden Amoklauf folgt, da die visuelle Härte auf ein Minimum beschränkt wurde. Das Schlimme daran ist aber, das die Schnitte äusserst offensichtlich gesetzt wurden, was man vor allem bei der Passage im Frisier-Salon zu spüren bekommt. Einerseits nimmt das der Geschichte schon etwas von ihrer Intensität, doch andererseits wird dies einigermaßen von der extrem beklemmenden Grundstimmung kompensiert, die hier ganzzeitig hervorragend zum Ausdruck kommt.

Und auch wenn der visuelle Härtegrad zum Großteil der Schere zum Opfer fiel, entfaltet sich ein psychischer Härtegrad, der wirklich nicht von schlechten Eltern ist und von der darstellerischen Leistung eines Brendan Fletchers noch zusätzlich unterstützt wird. Denn seine Darstellung des scheinbar eiskalten Amokläufers kann man als äusserst authentisch und überzeugend ansehen und ist ein Paradebeispiel dafür, das man es einem menschen nicht im gesicht ablesen kann, das er kurz vor einer Explosion steht. Die Vorgehensweise bei seinen Taten ist so überlegt und durchdacht, wirkt zudem noch so selbstverständlich, das es einem als Betrachter schon den ein oder anderen kalten Schauer über den Rücken jagen kann. Schon fast zynisch erscheint dabei die Tatsache, das Bill auch noch der Meinung ist, seinen Opfern einen Gefallen zu tun, indem sie nicht mehr in dieser kaputten und korrupten Welt leben müssen. man nimmt ihm jederzeit ab, das er von diesem Gedanken wirklich überzeugt ist, hat aber zu keiner Zeit den Eindruck, das irgendetwas in seinem Kopf nicht stimmen würde. Zu selbstbeherrscht erscheint er bei seinen wahllosen Morden und begeht diese mit einer Selbstverständlichkeit und Kälte, die einem das Blut in den Adern gefrieren lässt.

Das "Rampage" Probleme mit der Zensur bekommen würde, wird spätestens nach der Sichtung des Filmes klar, den die deutschen Moralhüter waren fast schon selbstverständlich der meinung, das viele hier gezeigten Dinge zu menschenverachtend in Szene gesetzt wurden. Eventuell ist da sogar etwas dran, doch sollte man nicht gerade in der heutigen Zeit, in der Amokläufe schon fast an der Tagesordnung sind, einen solchen Film nicht auch ungeschnitten veröffentlichen, da es ja auch durchaus als Abschreckung angesehen werden kann? Nein, da wird lieber gekürzt, was das Zeug hält und sogar noch das Ende des Filmes abgeändert, denn während in der ungeschnittenen Original-Verion zum Ende hin eine Texttafel eingeblendet wird auf der man die Information erhält, das der Täter ungeschoren davonkommt, so steht in der deutschen Version, das er noch überführt und hingerichtet wurde. Um etwas mehr Verständnis einkehren zu lassen: Bill begeht hier zwar die ganzen Morde, kann aber eigentlich nicht dafür belangt werden. Warum das so ist, möchte ich hier nicht verraten, um keinem die Spannung zu nehmen, aber sein Plan ist wirklich erschreckend genial und erfordert jede Menge Vorplanung, um eine solche Perfektion zu erfahren, wie es in vorliegendem Film der Fall ist.


Fazit:


Mit "Rampage" hat Uwe Boll einen wirklich gelungenen Film abgeliefert, der so voller Gesellschaftskritik und Zynismus ist, das einem teilweise die Haare zu Berge stehen. Die sich hier entfaltende Intensität ist so gewaltig, das teilweise der Eindruck entsteht, das man sich in einer Art Dokumentation befindet und nicht unbedingt in einem Spielfilm. Der Film ist einerseits grausam und absolut schockierend, stimmt andererseits absolut nachdenklichund hinterlässt einen sehr nachhaltigen Eindruck. schade nur, das die deutschen Zuschauer nur eine zensierte version dieses bedrückenden Action-Dramas präsentiert bekommen und so wieder auf eine ungeschnitten Version unserer ausländischen Nachbarn warten müssen.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 77 Minuten
Extras: Audiokommentar von Uwe Boll, Making Of


8/10

Mittwoch, 11. August 2010

Valerie - Eine Woche voller Wunder






Valerie - Eine Woche voller Wunder
(Valerie a tyden divu)
mit Jaroslava Schallerova, Helena Anyzova, Petr Kopriva, Jiri Prymek, Jan Klusak, Libuse Komancova, Karel Engel, Alena Stojakova, Otto Hardecky, Martin Wielgus, Jirina Machalicka, Michaela Klocova, Zdenka Kovarova, Bedriska Chalupska, Robert Nezval
Regie: Jaromil Jires
Drehbuch: Vitezsval Nezval / Jaromil Jires
Kamera: Jan Curik
Musik: Lubos Fiser / Jan Klusak
FSK 16
Tschechoslowakei / 1970

Als der jungen Valerie eines Nachts ein paar Ohrringe gestohlen werden, erwacht sie gerade noch rechtzeitig, um den Dieb davonlaufen zu sehen. Siel läuft ihm nach, doch auf ihrem nächtlichen Streifzug wirkt alles auf einmal seltsam fremd. Als am nächsten Tag eine Truppe Schausteller in ihr Dorf kommt, um für ein Hochzeitsfest zu spielen, bekommt die bisher heile Welt von Valeries wohlbehütetem Zuhause langsam Risse. Eine furchterregende Fratze lächelt sie aus der Menge an und auch ihre Großmutter scheint irgendwie verändert, während Vampire, lüsterne Priester und Dämonen im Dorf plötzlich ihr Unwesen treiben.


Das Independent-Label Bildstörung ist ja mittlerweile sehr bekannt dafür, das es sich bei seinen Veröffentlichungen auf Filme speziallisiert hat, die nicht unbedingt der breiten Masse zugänglich sind, sondern vielmehr für eine kleinere Gruppe gedacht sind, die aussergewöhnliche Kunstwerke zu schätzen wissen. Und das "Valerie" ein solch aussergewöhnliches Kunstwerk darstellt, wird dem Zuschauer schon in den ersten Minuten des Filmes klar, denn offenbart sich doch von der ersten Minute an eine Film-Mixtur, die man recht schwierig mit Worten beschreiben kann, da man die Faszination dieses surrealistischen Meisterwerkes selbst erlebt haben muss, um die dabei entstehenden Eindrücke verarbeiten zu können. Im Prinzip dreht sich alles um die 13-Jährige Valerie, die mit ihrer ersten Menstruation konfrontiert wird und im Laufe der Geschichte die einzelnen Stufen der Pubertät durchlebt, die ein junges Mädchen auf dem Weg begleiten, wenn es langsam zu einer Frau heranreift. Es ist jedoch die surreale Darstellung dieser einzelnen Phasen, die hier absolut grandios in Szene gesetzt wurden und den Zuschauer auf eine Reise mitnehmen, während der die Grenzen zwischen Realität und Fiktion ineinander übergehen und so ein Szenario entstehen lassen, das wie ein wuchtiger Fiebertraum auf einen einwirkt.

Regisseur Jaromil Jires hat es absolut meisterhaft verstanden, teils märchenhafte Elemente mit denen des Horror-Genres zu kombinieren, was im Endeffekt diese einzigartige Mixtur ergeben hat, die einen hier vollkommen in ihren Bann zieht. Sicherlich werden die Meinungen über "Valerie" ziemlich stark auseinandergehen, denn diese symbolbehaftete Geschichte wird nicht jeden Geschmack treffen, jedoch ist es ein absolutes Erlebnis, sich an den hier präsentierten Bildern zu ergötzen, die wie ein wilder Rausch der Sinne auf den Betrachter einwirken und eine schon fast hypnotische Wirkung erzeugen können. Gern begleitet man das junge Mädchen auf ihrer Reise durch die unterschiedlichen Entwicklungsstufen, in denen sie sogar auf dem Scheiterhaufen ihr Leben verliert, um dann in der nächsten Phase wieder aufzuerstehen. Ebenso wie Traum und Realität verschwimmen hier auch Zeit und Raum und so mag es einige Passagen geben, in denen der Film scheinbar keinen Sinn ergibt. Vielleicht muss aber auch nicht alles einen Sinn ergeben und man sollte sich ganz einfach der visuellen Wucht der Bilder hingeben, die sich einem hier offenbaren.

Denn insbesondere in visueller Hinsicht ist dieses Werk eine absolute Granate, man kann sich seiner Bildgewalt und der dadurch entstehenden Intensität des Geschehens ganz einfach nicht entziehen, so das man fast schon zwangsläufig in den berauschenden Sog der Ereignisse hineingezogen wird und keinerlei Möglichkeit hat, sich diesem zu entziehen. Dieser rauschartige Zustand wird von einem absolut stimmigen Score untermalt, der teilweise märchenhaft schön mit einschmeichelnden Klängen aufwartet, um dann auf einmal fast schon brachiale und bedrohliche Ausmaße annimmt, die das surreale Element der Geschichte noch einmal zusätzlich hervorheben. Ganz generell sollte man auch die gelungene Kombination aus ästhetischer Schönheit und bedrohlichen Passagen hervorheben, denn neben den märchenhaften und einfach wunderschönen Phasen gibt es die immer wieder eingefügten horrorartigen Szenen, die insbesondere durch die teils dämonischen Charaktere in den Vordergrund treten. So muss sich Valerie in ihrer Entwicklung zur Frau mit vampirartigen Wesen, Dämonen und Hexen ausenandersetzen, die wohl symbolmäßig die negativen Seiten der Pubertät darstellen sollen. Das dabei entstehende Szenario nimmt so auch phasenweise recht bizzare Ausmaße an und dem Geschehen einen ganz besonderen Stempel aufdrücken.

Auch wenn "Valerie - Eine Woche voller Wunder" jenseits jeglichen Mainstreams angesiedelt ist, so kann man dieses Werk nur jedem Film-Freund ams herz legen, da es ein absolutes Erlebnis ist, sich von der ausgehenden Bildgewalt gefangennehmen zu lassen. Der Film ist wie ein visueller Fiebertraum, in dem die Grenzen zwischen Realität, Fiktion, Zeit und Raum vollkommen ineinander verschwimmen und so ein rauschartiges Film-Erlebnis offenbart, das eine ungeheure Faszination entfacht und sich zwangsläufig auch auf den Zuschauer überträgt. Und auch, wenn nicht jede Passage der Geschichte verständlich erscheint, sollte man sich dieses Werk auf jeden Fall anschauen, da es nicht sehr oft vorkommt, eine solch bizzare Mischung aus Märchen-und Horror zu Gesicht zu bekommen. Auch nach nunmehr vier Jahrzehnten, die der Film schon auf dem Buckel hat, ist rein gar nichts von seiner Faszination und seinem Reiz verlorengegangen, erst recht die immense Bildgewalt verfehlt keineswegs die Wirkung auf den Betrachter, der auch noch längst nach dem Ende des Filmes noch nachhaltig unter den gewonnenen Eindrücken steht, die man erst einmal sacken lassen muss.

Bildstörung hat mal wieder einen wirklich aussergewöhnlichen Film veröffentlicht, der eine gelungene Mischung aus Ästhetik und Bedrohlichkeit bietet, die man in dieser Form wohl noch nicht gesehen hat. Ein teils verwirrender Mix aus Märchen-und Horror, bizzare Charakter und eine herausragende Hauptdarstellerin sorgen für ein brillantes Film-Erlebnis, das auch nachhaltig im Gedächtnis des Zuschauers haften bleibt. Die DVD erscheint in der üblichen Aufmachung, die im Bezug auf Qualität einmal mehr keine Wünsche offen lässt. So gibt es wieder jede Menge Extras, wie beispielsweise eine Soundtrack-DVD, Audiokommentare uvm.


Fazit:


Freunde des aussergewöhnlichen Films werden bei "Valerie - Eine Woche voller Wunder" sicherlich auf ihre Kosten kommen, denn bietet der Film doch vor allem in visueller Hinsicht ein absolut berauschendes Erlebnis. Unterstützt von einer absolut stimmigen Filmmusik begibt man sich auf eine Reise, in der die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen, so das das gesamte Geschehen größtenteils wie ein wirrer, aber vollkommen genialer Fiebertraum anmutet, der durch die Kraft seiner Bilder besticht. Ein Film, den man gesehen haben sollte, allein um die gewaltigen Eindrücke wie ein Schwamm in sich aufzusaugen, die hier auf einen einprasseln und die nicht immer ganz verständlich erscheinen, was aber meiner Meinung nach durchaus beabsichtigt ist, um auch Spilraum für die eigene fantasie zu lassen.


Die DVD:

Vertrieb: Bildstörung
Sprache / Ton: Tschechisch DD 2.0 Mono
Untertitel: Deutsch
Bild: 1:1,30 (4:3 Vollbild
Laufzeit: 73 Minuten
Extras: Separate Soundtrack-CD mit der Filmmusik von Lubos Fiser, zusätzlicher Audiotrack mit der Musik von The Valerie Project, Audiokommentar von Peter Hames, "Waking Valerie" -- exklusive, ca. 40-minütige Dokumentation inkl. Interviews mit Darsteller Jan Klusak, DJ und Labelbetreiber Andy Votel, Trish Keenan von Broadcast und Gregory Weeks und Joseph A. Gervasi von The Valerie Project, ca. 50-seitiges Booklet mit Texten von Andy Votel, Peter Hames, Joseph A. Gervasi, Tanya Krzywinska, Daniel Bird


9/10

Montag, 9. August 2010

The Sniper






The Sniper
(Sun Cheung Sau)
mit Richie Ren, Xiaoming Huang, Edison Chen, Bowie Lam, Kai Chi Liu, Jack Kao, Wilfrid Lau, Mango Wong, Michelle Ye, Charmaine Fong, Patrick Tang, Lawrence Ah Mon, Anthony Carpio, Shek Chan
Regie: Dante Lam
Drehbuch: Wai Lun Ng
Kamera: Man Po Cheung
Musik: Keine Informationen
Keine Jugendfreigabe
Hongkong / 2009

Hartmann gilt als der beste Scharfschütze in seiner Polizeieinheit. Doch als sein ehemaliger Partner Lincoln, der ebenfalls ein exzellenter Sniper ist, aber wegen der versehentlichen Tötung einer Geisel in Haft saß, wieder auf freien Fuß kommt, wird Hartmann zur Zielscheibe. Lincoln ist von Rache beseelt, glaubt, dass Hartmann und seine Kollegen für seinen tiefen Fall verantwortlich seien und startet einen tödlichen Rachefeldzug. Der neue Scharfschütze Oj gerät immer weiter in den Bann Lincolns und wird so ebenfalls zur Gefahr für seine Kollegen. Als Lincoln Hartmanns Tochter entführt, kommt es zum ultimativen Showdown - einem tödlichen Duell der besten Scharfschützen in den Häuserschluchten Hongkongs


Wenn einem die hier erzählte Geschichte seltsam bekannt vorkommen sollte ist das nicht unbedingt verwunderlich, denn sind doch ziemlich offensichtliche Ähnlichkeiten zum 2003 erschienenen Film "S.W.A.T - Die Spezialeinheit" von Clark Johnson unverkennbar. Auch in vorliegender Geschichte stehen 2 ehemalige Kollegen im Focus des Geschehens, zwischen denen es noch eine persönliche und unbeglichene Rechnung gibt, die im Focus des interessanten und spannenden Szenarios steht. Interessant allein schon deshalb, weil man hier im gegensatz zu ähnlich gelagerten Genre-Vertretern auch einen etwas tieferen Einblick in die Arbeit eines Scharfschützen bekommt. Sehr authentisch und absolut glaubwürdig werden dem Zuschauer dabei die elementarsten Dinge präsentiert, die ein Sniper verinnerlichen muss, um einen guten Job abzuliefern. Aber ganz generell kann man die gesamte Geschichte als äusserst interessant bezeichnen, die man wohl am besten als Action/Thriller mit teils sehr dramatischen Zügen bezeichnen kann.

Nun ist "The Sniper" eventuell nicht ganz so actiongeladen, wie es sich manch einer erhofft hat, man sollte also keinesfalls ein wahres Action-Feuerwerk erwarten. Mir persönlich hat dieser Umstand sogar sehr gut gefallen, da die Macher es nicht explizit darauf angelegt haben, einen sinnbefreiten Actioner zu präsentieren, sondern auch Wert auf etwas inhaltlichen Tiefgang gelegt haben, der hier durchaus vorhanden ist. So bekommt man beispielsweise eine recht gute Charakterzeichnung der beiden Konkurrenten Hartmann und Lincoln offeriert, die im Laufe der Zeit immer tiefer geht und vor allem das Seelenleben des ehemaligen Snipers Lincoln hervorragend herausarbeitet. Bekommt man zu Beginn immer nur Bruchstücke der vier Jahre zuvor stattfindenden Ereignisse zu Gesicht, so verdichten sich diese einzelnen Fragmente mit der Zeit zu einem großen Ganzen und zeigen äusserst deutlich auf, was Lincoln in Wirklichkeit alles verloren hat. Auch wenn man dadurch seine Taten nicht gutheissen kann, so bringt man dem Mann doch einen gewissen Anteil an Mitleid entgegen und kann seine Beweggründe irgendwie menschlich nachvollziehen.

Auch wenn man nun wirklich nicht gerade mit übermäßiger Action berieselt wird, kommt erst gar keine Langeweile auf, denn dafür ist das geschehen viel zu interessant und spannend gestaltet. Man kann förmlich spüren, wie alles auf einen unausweichlichen Showdown hinausläuft, indem Lincoln und seine ehemaligen Kollegen aufeinandertreffen. Das diese Konfrontation nicht ohne Verluste ausgehen kann, liegt dabei schon fast zwangsläufig auf der Hand, so das der Schluss-Akkord der Geschichte nicht wirklich überraschend erscheint, aber dennoch sehr tragische Züge trägt, die aber auf keinen Fall übertrieben oder gar kitschig erscheinen. Ein großes Plus dieses Filmes sind auch ganz eindeutig die sehr authentisch wirkenden Darsteller, die dem Szenario ein durchaus glaubwürdiges Ambiente verleihen, hier wirkt rein gar nichts overcastet, nüchterne und realitätsnahe Darstellungen der einzelnen Charaktere sind an der Tagesordnung, was das von haus aus schon sehr gute Gesamtbild noch einmal zusätzlich aufwertet.

Letztendlich ist "The Sniper" ein wirklich mehr als gelungener Genre-Beitrag, dessen Thematik zwar nicht unbedingt neu, dafür aber sehr gut und authentisch umgesetzt wurde. Regisseur Dante Lam hat es dabei vortrefflich verstanden, eine interessante Story mit nicht als nötiger nötiger Action zu versehen und dem Geschehen auch dramatisch-tragische Züge beizufügen, wobei diese zu keiner Zeit übertrieben oder gar aufgesetzt erscheinen. Das Endergebnis ist dann ein absolut gelungener Action/Thriller, der jederzeit beste und spannende Unterhaltung bietet, die auf einem recht hohen Niveau angesiedelt ist. Kein stumpfsinniges Gemetzel, sondern ein Film, der über einen gewissen Anspruch verfügt und zudem noch einen guten Einblick in die Arbeit eines Scharfschützen gestattet.


Fazit:


Action/Thriller mit Niveau bekommt man nun nicht alle Tage geboten, "The Sniper" fällt meiner Meinung nach ganz eindeutig in diese Kategorie. Hier wurde genau die richtige Mischung gefunden, um ein authentisches Szenario zu kreieren, das auch höheren Ansprüchen genügen dürfte. So werden auch menschliche Schwächen aufgezeigt, die man als Sniper keinesfalls haben darf, wenn man nicht Gefahr laufen will, in seinem Job zu versagen. Erstklassige Darsteller sorgen dafür, das ein glaubwürdiger Eindruck der Ereignisse entsteht, so das man diesen Film bedenkenlos weiterempfehlen kann.


Die DVD:

Vertrieb: KSM
Sprache / Ton: Deutsch / Koreanisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 83 Minuten
Extras: Making Of, Trailer, Bildergalerie, Biografien


7,5/10

Freitag, 6. August 2010

Splintered






Splintered
(Splintered)
mit Holly Weston, David Bowen, Jace Desay, Sacha Dhawan, Nathan Doyle, Jane Drury, David Duckworth, Julie Glover, Sol Heras, Alexander Hill, Dominic Holmes, Chris Jack, Holly Messenger, Matthew Murphy, Sadie Pickering, Jonathan Readwin
Regie: Simeon Halligan
Drehbuch: Mat Archer / Simeon Halligan
Kamera: Michael Costelloe
Musik: Richard Bodgers
Keine Jugendfreigabe
Großbritannien / 2008

Ein abgelegener Teil von Nord-Wales. Irgendetwas Unheimliches hat Vieh gerissen und beginnt nun, den Menschen anzugreifen. Sophie, ein Teenager mit bewegter Vergangenheit, macht sich mit einigen Freunden auf die Suche nach diesem grauenhaften Etwas. Nach einem Angriff muss Sophie in ein verlassenes Gebäude flüchten, aus dem sie nicht wieder heraus kommt. Ihre einzige Chance besteht darin, zu hoffen, dass ihre Freunde das Ding finden, bevor es sie findet und in blutige Stücke reißt...


Und wieder einmal bekommt man es mit einem Horrorfilm zu tun, der prinzipiell über wirklich gute Ansätze verfügt, die aber leider im Endeffekt nicht richtig herausgearbeitet wurden. Eines aber muss man "Splintered" attestieren, der Film verfügt von Beginn an über eine sehr dichte und teils recht unheilvolle Grundstimmung, die sich auch auf den Zuschauer überträgt. So wird auch die Spannung gut aufgebaut und die Neugier des Betrachters geweckt, denn wartet man doch sehr gespannt darauf, das "Ding" endlich zu Gesicht zu bekommen. Der negative Aspekt der Geschichte liegt ganz einfach darin begründet, das es viel zu lange dauert, bis endlich einmal wirklich etwas passiert und man auch endlich erfährt, was es mit dem ominösen "Ding" denn auf sich hat. So dauert es eine geschlagene Stunde, bis der Film dann etwas an Fahrt aufnimmt, bis zu diesem Zeitpunkt kann das Werk von Regisseur Simeon Halligan zwar insbesondere in atmosphärischer Hinsicht überzeugen, doch ansonsten gibt es nicht viel zu begutachten, was besonders erwähnenswert wäre.

Hauptsächlich fehlt es dem Szenario etwas an Härte, damit meine ich jetzt keinesfalls, das eine brutale Szene sich an die nächste reiht, nur gibt es in dieser Beziehung in den ersten 60 Minuten rein gar nichts zu sehen. Erst im letzten Drittel des Geschehens wird man mit einigen etwas blutigeren Passagen konfrontiert, die einen normalen Rahmen aber zu keiner Zeit überschreiten. Echte Gorehounds werden hier also eher enttäuscht sein und sollten so ihre Erwartungen von Anfang an äusserst niedrig ansiedeln. Doch die teils fehlende Härte ist nicht das einzige Manko, denn vor allem im Mittelteil fehlt es der Story erheblich an Tempo, so das mehrere etwas langatmige Phasen enthalten sind, die man ganz sicher hätte vermeiden können. Es passiert ganz einfach zu wenig, so das es phasenweise richtig schwerfällt, die Konzentration aufrecht zu erhalten, streckenweise kommt sogar so etwas wie Langeweile auf.

Und auch die Auflösung, um wen es sich bei dem sogenannten "Ding" handelt, ist doch ziemlich enttäuschend, denn gingen doch die eigenen Gedanken in eine etwas andere Richtung. Mit einigen Rückblenden wird dem Zuschauer erklärt, wie alles begonnen hat und warum die ganzen Geschehnisse überhaupt stattgefunden haben. Auch im Bezug auf die Hauptfigur Sophie (Holly Weston) bekommt man immer wieder Rückblenden in deren Vergangenheit serviert, die einen Großteil der Laufzeit vielmehr wie unzusammenhängende Fragmente erscheinen, die irgendwie keinen richtigen Sinn ergeben wollen. Erst ganz zum Ende fügen sie sich wie ein Puzzle zusammen und werden so auch für den Betrachter verständlich gemacht. Insgesamt gesehen hätten die Macher des Filmes hier aber weitaus mehr herausholen können, denn einige Dinge wirken doch äusserst konstruiert und zwanghaft zusammengeschustert. Man erkennt durchaus das Bemühen, das dem Zuschauer hier eine recht logische Erklärung für alles geliefert werden sollte, doch gerade bei diesem Bemühen hat man sich meiner Meinung nach etwas verzettelt, wodurch einige Dinge selrsam aufgesetzt wirken.

Nun soll aber keineswegs der Eindruck entstehen, das es sich um einen schlechten Film handelt, denn man kann sich "Splintered" im Großen und Ganzen recht gut anschauen, jedoch sollte man die ziemlich offensichtlichen Defizite nicht übersehen. Etwas mehr Action und eine temporeichere Erzählweise hätte dem Film ganz sicher nicht geschadet, dafür wird man aber mit einer wirklich sehr dichten Grundstimmung belohnt, die streckenweise sogar recht unheivolle Züge trägt. Das liegt auch in den gut ausgewählten Locations begründet, denn allein schon das alte Gemäuer, in dem sich ein teil der Geschenisse abspielt, strahlt ein gehöriges Maß an Bedrohlichkeit aus. Leider kann man das von der Geschichte an sich nicht behaupten, die doch einige Längen aufweist und in der es auch immer wieder zu kleineren Spannungseinbrüchen kommt, die man bestimmt hätte vermeiden können. Etwas mehr Action in den ersten zwei Dritteln der Story hätten hier ganz sicher Abhilfe geschaffen und die Geschehnisse auch weitaus interessanter gestaltet.


Fazit:


Leider muss man "Splintered" im Endeffekt zu den Horrorfilmen zählen, die sich letztendlich im breiten Durchschnittsbereich ansiedeln und nicht unbedingt einen nachhaltigen Eindruck beim Zuschauer hinterlassen. Atmosphärisch zwar absolut stimmig, fehlt es dem Werk in anderen bereichen ganz offensichtig an Klasse. Dennoch handelt es sich um einen Genre-Beitrag, den man sich durchaus einmal anschauen kann, allerdings sollte man dabei die eigenen Erwartungen nicht zu hoch ansetzen, um am Ende nicht zu sehr enttäuscht zu sein.


Die DVD:

Vertrieb: KSM
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 91 Minuten
Extras: Splintered Trailer, Deleted Scenes, Behind the Scenes, Trailer, Bildergalerie


5,5/10

Dienstag, 3. August 2010

The Spiral - Tödliches Geheimnis






The Spiral - Tödliches Geheimnis
(Spiral)
mit Joel Moore, Amber Tamblyn, Zachary Levi, Tricia Helfer, David Muller, Annie Neal, Arlene Ancheta, Deb Blume, Jeremy Danial Boreing, Ryan Chase, Todd Chatalas, Amber Dahl, Kai Evans
Regie: Adam Green / Joel Moore
Drehbuch: Jeremy Danial Boreing / Joel Moore
Kamera: Will Barratt
Musik: Todd Caldwell / Michael Fish Herring
FSK 16
USA / 2007

Der erfolglose Maler Mason arbeitet, um zu überleben, in einem Call-Center. Er ist ein einsamer Einzelgänger - sein einziger Kontakt zur Welt ist sein Vorgesetzter. Das ändert sich, als er sich mit seiner geselligen Kollegin Amber anfreundet. Ihre offene Art verändert sein Leben und Mason öffnet sich. Aber hinter seiner Fassade lauern dunkle Abgründe. Als Amber eines Tages für Mason Modell steht, entdeckt sie eine Reihe von verstörenden Bildern, die auf ein grausames Geheimnis hinweisen ...


Nachdem Regisseur Adam Greene mit "Hatchet" einen überraschend guten Horrorfilm abgeliefert hatte, in dem es auch in Sachen Splatter / Gore ordentlich zur Sache ging, ist "The Spiral" ein vollkommen anders gearteter Film, der eine sehr gelungene Mischung aus Drama, Thriller-und Charakterstudie darstellt. Nun wird dieser Film ganz sicher die Meinungen spalten, denn für Freunde der action-und temporeichen Filmkost wird hier im Grunde genommen herzlich wenig geboten, vielmehr offenbart sich ein Werk mit einer eher bedächtigen und äusserst ruhigen Erzählstruktur, das den Zuschauer immer wieder an die Grenze zwischen Realität und Fiktion heranführt, die manchmal scheinbar verwischt wird, so das man sich nicht immer sicher sein kann, wie sich die Ereignisse zueinander verhalten. Doch gerade diese Tatsache ist es, die "The Spiral" so wahnsinnig interessant und faszinierend macht und in dessen Mittelpunkt der in sich vollkommen verschlossene Mason (Joel Moore) steht. Von ständigen Albträumen und Visionen geplagt bestreitet er mehr schlecht als recht sein karges Dasein und scheint ein düsteres Geheimnis zu hüten, das sich erst ganz am Ende der Geschichte offenbart.

Bis es jedoch soweit ist, wird man mit einer äusserst ruhig, aber dennoch sehr intensiven Story konfrontiert, in der zwar nicht unbedingt sehr viel passiert, die aber trotzdem ein hohes Maß an Spannung aufbaut, die fast im Minutentakt immer weiter ansteigt und so auch beim Betrachter für ein äusserst angespanntes Sehvergnügen sorgt. Geschickt haben es die Macher des Filmes verstanden, den Zuschauer immer wieder mit kleinen Puzzleteilchen zu füttern, die ihn anscheinend auf die richtige Spur führen, um das mysteriöse Geheimnis zu lüften, das den jungen Mason umgibt, der vollkommen abgeschottet von der Aussenwelt lebt, bis er die junge Amber kennenlernt, die anscheinend auch in seiner Firma arbeitet. Die zwischen den beiden langsam entstehende Beziehung ist von Beginn an geheimnisumwittert und erscheint auch in mehreren Passagen der Geschichte als nicht real, wofür man in den letzten Minuten des Filmes auch eine scheinbare Bestätigung erhält, bevor das Ganze noch einmal eine nicht für möglich gehaltene Wendung erhält, die einen letztendlich mit einem richtigen "Aha-Effekt" zurücklässt und so dafür sorgt, das ein sehr nachhaltiger und bleibender Eindruck des Geschehens zurückbleibt.

Insbesondere die darstellerische Leistung von Joel Moore sollte man besonders hervorheben, denn seine Interpretation des anscheinend gestörten und sehr in sich gekehrten jungen Mannes ist extrem eindrucksvoll, trotz seiner sehr ruhigen und verschlossenen Art wird man nie das Gefühl los, das etwas äusserst Bedrohliches von seiner Person ausgeht. Obwohl man es hier rein kürperlich gesehen mit einem absoluten Hänfling zu tun hat, laufen einem bei seinem Anblick kalte Schauer über den Rücken, denn der Mann wirkt irgendwie unheimlich und bedrohlich, obwohl man sich nicht richtig erklären kann, woran das eigentlich liegt. Als sich dann im Laufe der Zeit einige Ahnungen immer mehr verdichten, verstärkt sich dieses Gefühl immer mehr und nimmt extrem beklemmende Ausmaße an. Die Bruchstücke, mit denen man ständig gefüttert wird, scheinen endlich einen Sinn zu ergeben, was für das Verständnis der zu Beginn scheinbar zusammenhanglosen Puzzleteilchen sehr förderlich ist, aber immer noch genügend Unsicherheit zurücklässt, da man sich nie sicher sein kann, ob man das Geschehen wirklich richtig interpretiert.

Letztendlich wird hier wirklich teilweise sehr interlligentes Kopf-Kino geboten, bei dem man sich nie zu 100 % sicher sein kann, wie sich die Dinge zueinander verhalten. Selbst das Ende der Geschichte lässt noch einiges offen, so das "The Spiral" den Zuschauer auch nachhaltig beschäftigt, da man sich immer wieder dabei ertappt, wie man das eben Gesehene noch einmal im Kopf durchgeht, um die letztendlich richtigen Schlüsse zu ziehen. Ein erstklassiges und sehr ruhiges Drama, das mit leichten Thriller-Elementen angereichert wurde und als Gesamtpaket einen hervorragenden Gesamteindruck hinterlässt. Selten habe ich einen Film gesehen, der trotz seiner ruhigen und sehr bedächtigen Erzählweise einen so intensiven Eindruck vermittelt und ein Höchstmaß an Spannung entfacht. Ein absolut glänzender Noel Moore tut sein Übriges, um ein wirklich fantastisches Film-Vergnügen zu präsentieren, das man sich keinesfalls entgehen lassen sollte.


Fazit:


Auch wenn es sicherlich wieder viele Leute geben wird, die den Film eher als langatmig und uninteressant bezeichnen werden, entpuppt sich doch eine äusserst intensive und geheimnisvolle Geschichte, bei der man sich zu keiner Zeit wirklich sicher sein kann, wie die Auflösung ausfallen wird. Sehr gute Darsteller, extreme Spannung und eine sehr beklemmende Atmosphäre bieten ein tolles Film-Erlebnis, das meiner Meinung nach eine bedenkenlose Empfehlung wert ist.


8/10

Sonntag, 1. August 2010

The Wrestler - Ruhm, Liebe, Schmerz






The Wrestler - Ruhm, Liebe, Schmerz
(The Wrestler)
mit Mickey Rourke, Marisa Tomei, Evan Rachel Wood, Mark Margolis, Todd Barry, Wass Stevens, Judah Friedlander, Ernest Miller, Dylan Keith Summers, Rommy Farra, Mike Miller, Marcia Jean Kurtz, John D'Leo, Ajay Nadu, Gregg Bello
Regie: Darren Aronofsky
Drehbuch: Robert D. Siegel
Kamera: Maryse Alberti
Musik: Clint Mansell
FSK 16
Frankreich / USA / 2008

Randy "The Ram" Robinson ist ein Gladiator des Pop-Zeitalters. Als Wrestler feierten ihn früher die Fans von ganz Amerika. Doch der Preis dieses Ruhmes war hoch: Der Star von einst ist ein Wrack, er hält sich mit Billigkämpfen, für seine letzten, unverbesserlichen Anhänger über Wasser. Selbst mit der täglichen Dosis an Steroiden lässt sich der körperliche Verfall nicht mehr aufhalten. Nach einem Herzanfall erkennt Randy endlich die Grenzen dieser Existenz: Der Einzelgänger nimmt Kontakt zu seiner lang entfremdeten Tochter Stephanie auf, findet in der Stripperin Cassidy eine Seelengefährtin und wagt die ersten Schritte in ein gewöhnliches Berufsleben. Doch Wrestling ist mehr als ein Job, den man einfach so ablegt, es ist ein Schicksal... Gilt auch für "The Ram" die alte und brutale Ring-Weisheit "Sie kommen nie zurück"?


Das Mickey Rourke schon immer mit unendlich viel schauspielerischen Talent gesegnet war, konnte man schon in mehreren Filmen bewundern, das er sein Talent durch seine privaten Eskapaden teils sinnlos verschenkt hat, ist auch keine weltbewegende Neuheit. Was lag also näher, als ihn für die Rolle eines abgewrackten Wrestlers zu besetzen, der nach einem Herzinfarkt versucht, ein ganz normales Leben zu führen, letztendlich aber doch daran scheitert? Ganz sicher kamen ihm bei der Interpretation der Rolle seine eigenen Erfahrungen zugute, dennoch ist seine herausragende darstellerische Leistung nicht allein darin zu begründen. Die Authenzität und Glaubwürdigkeit des von ihm gespielten Charakters ist absolut beeindruckend, umso unverständlicher erscheint es, das er für diese Meisterleistung nicht mit dem Oscar belohnt wurde.

Doch sollte man "The Wrestler" nicht allein auf seinen alles überragenden hauptdarsteller reduzieren, denn präsentiert sich dem Zuschauer doch ein äusserst gefühlsbetontes Drama, das über sehr viel Tiefgang verfügt und einem zudem noch einen meiner Meinung nach extrem realistischen Einblick in die Welt der Wrestler gestattet. So wird man ziemlich oft mit Passagen aus der Umkleidekabine der modernen Gladiatoren konfrontiert, in denen Absprachen über die Gestaltung der bevorstehenden Kämpfe getroffen werden. Auch die Kämpfe an sich können sich durchaus sehen lassen und so manches Mal hat man dabei nicht zwangsläufig den Eindruck, das einem im Endeffekt lediglich eine nahezu perfekte Show geboten wird. Insbesondere diverse Neuheiten, die einen Kampf für das Publikum noch interessanter machen sollen, sind stellenweise schon als absurd zu bezeichnen, da werden Wrestler beispielsweise mit einem Tacker maltretiert oder durch Glasscheiben geworfen, was dem Zuschauer allein schon beim Anschauen Schmerzen bereitet.

Es ist gerade die hier gefundene Mixtur aus Action-Passagen und tiefgehendem Drama, die diesen Film von Darren Aronofsky so besonders macht, denn ist einerseits genügend Platz für die Wrestling-Fans vorhanden, so bezieht sich der Haupt-Erzählstrang der Geschichte ganz eindeutig auf die Figur des Randy, der körperlich wie auch psychisch eigentlich schon eine Abwrackprämie kassieren müsste, aber stattdessen immer noch in kleineren Showkämpfen mitmischt, um sich so sein Leben zu finanzieren. Erst ein herzinfarkt zwingt ihn zum Umdenken, er nimmt eine normale Arbeit an und baut den Kontakt zu seiner mittlerweise erwachsenen Tochter wieder auf. Vor allem in diesen Passagen des Films kann einen schon so manches Mal eine Gänsehaut überkommen, denn zeigt Mickey Rourke, der nach aussen hin wie eine zwar kaputter, aber dennoch harter Typ erscheint äusserst viel Emotion und seine weiche Seite. Es entwickeln sich sehr emotionale Dialoge- und Augenblicke mit seiner Tochter, die einem unter die Haut kriechen und nicht so schnell wieder aus dem Gedächtnis verschwinden. Und kurz danach kommt postwendend wieder eine Richtungsänderung in die Geschichte, die im Endeffekt auch mitverantwortlich für das hochdramatisch und ergreifende Ende der Story ist, das einen später erwartet.

Denn nachdem Randy seine Tochter wieder einmal sitzenlässt, bricht sie endgültig mit ihm und stösst die Tür der Verbindung für alle Zeiten zu. Als Randy dann auch noch von der Stripperin Cassidy (Marisa Tomei) stark gekränkt wird, die ihm äusserst ans Herz gewachsen ist, ist es mit seinem normalen Leben wieder vorbei. Er gibt sich selbst praktisch auf und widmet sich wieder dem Wrestling zu, obwohl er ganz genau weiss, das jeder kampf ihn töten kann. Ohne zuviel verraten zu wollen, kann sich wohl jeder ausmalen, wie der Film endet, denn es wäre fatal gewesen, diese absolut ergreifende Geschichte mit einem Happy End schließen zu lassen, das die gesamte Glaubwürdigkeit der Geschehnisse in Frage gestellt hätte. So aber wird man mit einem extrem tragischen, aber vollkommen authentischen Schlusspunkt konfrontiert, den man erst einmal sacken lassen muss, um dann den Gesamteindruck so richtig wirken zu lassen, den "The Wrestler" hinterlassen hat. Im Prinzip hat man es ja schon fast mit einem etwas abgeänderten Biopic von Mickey Rourke zu tun, der hier zu einer grandiosen Form aufläuft und ein weiteres Mal aufzeigt, wieviel schauspielerisches Können doch immer noch in ihm steckt. Andererseits ist man auch von seinem heutigen Aussehen geschockt und mag sich kaum vorstellen, das dies dieselbe Person ist, die einst ein vielumschwärmter Womanizer war. Die etlichen Gesichtsoperationen haben hier mehr zur Entstellung als zur Verschönerung beigetragen, aber Gott sei Dank keine negative Wirkung auf Rourke's schauspielerische Fähigkeiten gehabt und dafür sollte man dankbar sein.

Und so kommt man dann letztendlich in den Genuss eines aussergewöhnlich ergreifenden Dramas, das allerdings auch für Wrestling-Fans eine Menge zu bieten hat. Viel Gefühl, ergreifende Passagen und jede Menge Action sorgen für ein Film-Erlebnis der absoluten Extraklasse. Jedoch werden alle diese Dinge von einem alles überragenden Mickey Rourke noch einmal zusätzlich übertrumpft, der hier eine der besten Rollen seines Lebens spielt, wobei er ja im Prinzip größtenteils eigene Erfahrungen widergibt. Das tut er aber auf eine so beeindruckende Art, das man vom dargebotenen Schauspiel richtiggehend ergriffen ist und vielleicht sogar die ein oder andere Träne verdrückt.


Fazit:


Für mich persönlich ist "The Wrestler" einer der mit Abstand besten und auch ergreifendsten Filme der letzten Jahre. Die Wiederauferstehung des Mickey Rourke ist mit Worten kaum zu beschreiben, denn man sollte diese schauspielerische Meisterleistung wirklich mit eigenen Augen bewundern. Der Film offenbart ein Gesamtbild, das in wirklich allen Punkten überzeugend ist, so das es keinerlei Grund für irgendwelche Beanstandungen gibt. Deshalb kann es für dieses berührende Drama auch nur eine einzige Wertung gebn und das ist....


10/10