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Dienstag, 30. November 2010

Gran Torino









Gran Torino
(Gran Torino)
mit Clint Eastwood, Christopher Carley, Bee Vang, Ahney Her, Brian Haley, Geraldine Hughes, Dreama Walker, Brian Howe, John Carroll Lynch, William Hill, Brooke Chia Thao, Chee Thao, Choua Kue, Scott Eastwood, Xia Soua Chang
Regie: Clint Eastwood
Drehbuch: Nick Schenk / Dave Johannson
Kamera: Tom Stern
Musik: Kyle Eastwood / Michael Stevens
FSK 12
Deutschland / USA / 2008

Der Korea-Kriegsveteran und pensionierte Automechaniker Walt Kowalski mag es nicht, wie sich sein Leben und seine Nachbarschaft verändert haben. Auch seine Nachbarn, die Hmong- Immigranten aus Südostasien, kann er überhaupt nicht leiden. Aber die Situation erfordert es, dass Walt diese Nachbarn gegen eine örtliche Gang verteidigen muss, die Angst und Schrecken verbreitet.


Nicht selten wird "Gran Torino" mit dem britischen Film "Harry Brown" verglichen und in einigen Belangen ist dieser Vergleich auch durchaus berechtigt. Dennoch unterscheiden sich beide Werke doch ganz erheblich in ihrer Art, wobei "Harry Brown" wohl der etwas actionreiche Vertreter ist. Eastwoods Werk ist aber auf seine Art einfach grandios und der alte haudegen stellt wieder einmals sehr eindrucksvoll unter Beweis, das er sowohl als Schauspieler wie auch als Regisseur zu ganz aussergewöhnlichen Leistungen in der Lage ist. Die Rolle als knochiger und mürrischer Korea-Veteran mit ziemlich rassistischen Charakterzügen ist ihm wie auf den Leib geschneidert, kein anderer Darsteller wäre so dermaßen in dieser Rolle aufgegangen und hätte sie so eindrucksvoll und glaubwürdig interpretiert, wie Herr Eastwood höchstpersönlich. Diese kantigen Rollen des unbequemen Mitmenschen passen ganz einfach zu ohm wie die Faust aufs Auge, was ja auch schon in etlichen seiner Filme mehr als deutlich zum Ausdruck kam.

In vorliegender Geschichte ist es insbesondere die Beziehung, die sich zwischen ihm und seinen verhassten Nachbarn (Hmong-Immigranten) entwickelt, stellt sie doch das Herzstück eines Filmes dar, der den Zuschauer mit der gesamten Gefühlspalette bedient, die man sich nur vorstellen kann. Gibt es immer wieder Momente, in denen man vor allem über die markigen Sprüche lachen kann, die hier zum Besten gegeben werden, so entstehen auch immer wieder Phasen, in denen einen die kalte Wut packt, wenn man den Verlauf der Geschehnisse verfolgt. Und dann sind da auch noch die tief emotionalen Passagen, die sich in erster Linie in der aufblühenden Freundschaft zwischen Walt Kowalsky (Clint Eastwood) und dem Nachbarsjungen Thao (Bee Vang) entwickelt. Nachdem Thao nämlich im Auftrag einer Gang Kowalsky's Auto (Gran Torino) stehlen sollte und somit besonders schlecht im Ansehen bei dem knöchernen Griesgram steht, entspannt sich das Verhältnis der beiden immer mehr und nimmt schon fast Züge einer Vater-Sohn Beziehung an. Selbstverständlich werden selbst die emotionalen Momente immer mit markigen Sprüchen unterlegt, mit denen Eastwood die aufkommenden Gefühle für den Jungen praktisch wegreden will.

Seine Taten und sein Bemühen um Thao, aber auch um den Rest seiner Familie sprechen dabei allerdings eine ganz andere Sprache, merkt man doch ganz deutlich, das unter der extrem rauhen Schale ein sehr weicher Kern verborgen ist. So nimmt das Geschehen dann auch seinen Lauf und entfaltet eigentlich mit den bescheidendsten Mittel ein hohes Maß an Intensität, dem man sich als Zuschauer nicht erwehren kann. Tragische Momente mischen sich der Geschichte bei, die insbesondere zum Ende hin ihren Höhepunkt erreichen und dem Betrachter vor allem beim finalen Showdown fast die Tränen in die Augen treiben. Ist doch Kowalsky's Methode, den jungen Thao und seine Familie endgültig vor den Übergriffen der Straßengang zu schützen, an Dramatik und Tragik beim besten Willen nicht zu überbieten. Er trifft eine Entscheidung, die sich nicht nur bei den Protagonisten, sondern auch beim Zuschauer prakrisch unauslöschlich in das Gedächtnis einbrennt und einen sehr nachhaltigen Beigeschmack hinterlässt.

"Gran Torino" ist definitiv ein Film der eher leiseren Töne, entfacht aber dennoch eine teilweise ungeheure Wucht und trifft den Zuschauer mitten ins Herz. Besetzt mit grandiosen Darstellern, die durch ihre exzellenten Leistungen jederzeit überzeugen können, bietet der Film ein Sehvergnügen, das einen streckenweise in einen wahren Gefühls-Zwiespalt versetzt. Immer hin-und her pendelnd zwischen Rührung, Wut und auch etlichen Schmunzelmomenten lässt man sich gern von der Faszination der Geschichte gefangennehmen, die man nicht besser hätte in Szene setzen können. Zudem hat Eastwood es perfekt verstanden, nicht in blinden Aktionismus zu verfallen, in dem er übertriebene Action-Passagen eingefügt hat, die dem Gesamtbild nur geschadet hätten. Vielmehr stehen die zwischenmenschlichen Beziehungen der einzelnen Figuren zueinander im Mittelpunkt, was dem Werk eine immense Stärke und Wirkung verleiht. Die wenigen etwas härteren Stenen sind dem Geschehen angemessen und so kann man im Prinzip nur einen brillanten Gesamteindruck von einem Film gewinnen, der merklich unter die Haut geht und sicherlich keinen unberührt lässt.


Fazit:


Es mag sich eventuell komisch anhören, aber sind es doch gerade die leisen Töne und die eher ruhige Erzählweise der Geschichte, die "Gran Torino" letztendlich seine Stärke verleihen. Entwickelt sich doch eine Intensität, die man kaum in Worte fassen kann und die unwillkürlich auf den Betrachter überspringt. Und so lässt man sich nur zu gern mitreissen und ergötzt sich fürmlich am hier gezeigten Schauspiel, das in jeder Phase des Filmes abslut herausragend ist und diesem Film seinen Stempel aufdrückt.


9/10

Sonntag, 28. November 2010

Im Angesicht des Verbrechens









Im Angesicht des Verbrechens
(Im Angesicht des Verbrechens)
mit Max Riemelt, Ronald Zehrfeld, Misel Maticevic, Marie Bäumer, Alina Levshin, Mark Ivanir, Arved Birnbaum, Georgii Povolotskyi, Katja Nesytowa, Uwe Preuss, Yevgeni Sitokhin, Marko Mandic, Anton Lewit, Bernd Stegemann
Regie: Dominik Graf
Drehbuch: Rolf Basedow
Kamera: Michael Wiesweg
Musik: Sven Rossenbach / Florian van Folxem
FSK 16
Deutschland / 2010

In Berlin herrscht Krieg. Banden der Russenmafia liefern sich in Berlins Unterwelt einen Kampf um die Vorherrschaft im Menschen- und illegalen Zigarettenhandel. Die beiden jungen Polizisten Sven Lottner (Ronald Zehrfeld) und Marek Gorsky (Max Riemelt) wollen die Drahtzieher hinter Gitter bringen. Doch Marek, Sohn baltisch-jüdischer Einwanderer, steht bald zwischen den Fronten. Sein Bruder ist vor Jahren von der Russenmafia ermordert worden, seine Schwester Stella (Marie Bäumer) mit einem Mafiaboss (Misel Maticevic) verheiratet.


Insbesondere auf dem Spannungssektor herrscht bei uns in Deutschland schon seit etlichen Jahren ein riesiges Defizit und auch die Krimis sind längst nicht mehr das, was sie einmal waren. Umso erfreulicher ist deshalb die Tatsache, das mit "Im Angesicht des Verbrechens" endlich einmal wieder eine wirklich spannende und erstklassig inszenierte Krimi-Serie erschienen ist, deren Sichtung man nur dringendst empfehlen kann. In 10 Episoden mit jeweils circa 50 Minuten Spielzeit hat Regisseur Dominik Graf dabei ein authentisches Szenario geschaffen, das dem Zuschauer einen tiefen Einblick in den Bandenkrieg der Berliner Russenmafia gewährt, in dem es um die Vorherrschaft in der Hauptstadt geht. Besonders gut hat mir der Aspekt gefallen, das Graf hier nicht in blinden Aktionismus verfällt und ein actionüberladenes Geschehen in Szene gesetzt hat, sondern dem Betrachter eine glaubwürdige Geschichte präsentiert, die auch Platz für Emotionen und menschliche Schicksale bietet.

Im Focus steht das Polizisten-Duo Marek Gorsky und Sven Lottner, deren eigentlicher Traum es ist, irgendwann beim LKA zu arbeiten. Dieser Traum erfüllt sich dann auch schneller als vermutet, ist allerdings auch mit einigen Problemen behaftet. Ermitteln die beiden doch gegen die Russenmafia und versuchen dabei, hinter die weitverzweigten Strukturen dieser kriminellen Organisation zu schauen, was insbesondere durch Mareks familiäre Herkunft zusehends erschwert wird. Nicht nur das er baltisch-jüdische Wurzeln hat, auch die Tatsache, das seine Schwester mit einem der Bosse der Russenmafia verheiratet ist, erschwert die Ermittlungen ungemein, da er in den reihen der Russen als Verräter gilt, denn Polizisten sind dort nicht gern gesehen. Zudem will Marek auch endlich den Mörder finden, der 10 Jahre zuvor seinen Bruder Grisha erschossen hat. Und so entwickelt sich innerhalb kürzester Zeit ein absolut vielschichtiges und abwechslungsreiches Geschehen, das sehr temporeich und jederzeit spannend in Szene gesetzt wurde. Man wird mit etlichen für die Geschichte wichtigen Charakteren konfrontiert, die auch größtenteils eine tiefergehende Beleuchtung erfahren, so das man zu den meisten auch eine Art Beziehung aufbauen kann. Dabei filtern sich äusserst schnell gewisse Symphatieträger heraus, ebenso entpuppen sich recht schnell einige Fieslinge, denen man von Beginn an nicht so richtig aufs Fell schauen kann. Doch ganz egal, welche Figuren einem mehr zusagen und welche nicht, alle werden von erstklassigen Darstellern interpretiert, deren exzellentes Schauspiel nicht unwesentlich zum authentischen Eindruck der Serie beitragen.

Man kann sich äusserst gut vorstellen, das die hier gezeigten Ereignisse sich auch in der Realität recht ähnlich abspielen könnten und wie schwer es für die Ermittlungsbehörden sein muss, einen richtigen Einblick in die vorherrschenden Strukturen zu erlangen, um so die Hintermänner überführen zu koönnen. Die Beweispflicht ist schwerlich beizubringen, die Hintermänner so gut wie unantastbar und selbst die Handlanger der Russenmafia sind kaum zu greifen, da alles scheinbar perfekt durchorganisiert ist, so das die Polizei trotz ihrer Abhörmethoden nichts erfährt, was ihr wirklich weiterhelfen könnte. Zudem gibt es auch hier Intrigen, Korruption und Verrat, was die Ermittlungsarbeiten noch zusehends erschwert. Diese ganzen Dinge sind absolut glaubwürdig in die Geschichte placiert worden, so das nicht selten der Eindruck beim Zuschauer entsteht, es hier mit einer Reality-Doku zu tun zu haben, was ganz eindeutig für die realistische Umsetzung des Ganzen spricht und dieser tollen Serie ein hohes Maß an Klasse verleiht, wie man es in den letzten Jahren kaum in einer deutschen Produktion gesehen hat. Das kommt auch durch die vielen kleineren Nebenerzählstränge zum Ausdruck, die einzelne Schicksale wie das der beiden ukrainischen Mädchen Jelena und Swetlana, oder auch die Beziehung zwischen Marek und seiner Schwester Stella behandeln. In diesen Nebenschauplätzen wird praktisch die gesamte Gefühlspalette bedient, von Liebe, Hoffnung, Angst und Wut ist alles vertreten, was man sich nur vorstellen kann.

Insbesondere diese Vielfältigkeit ist es, die "Im Angesicht des Verbrechens" so absolut sehenswert macht und diese Serie auch erheblich von anderen abhebt. Dominik Graf ist es ganz einfach gelungen, eine ganz besondere Mischung zu finden, die den Zuschauer fast zwangsläufig in ihren Bann zieht und sich jederzeit seiner ungeteilten Aufmerksamkeit erfreuen kann. Ohne es zu merken, erliegt man der vom Geschehen ausgehenden Faszination und fiebert richtiggehend mit. Nun mag es auch sicherlich wieder genügend Leute geben, die eventuell den nicht gerade übermäßig vorhandenen Action-Anteil bemängeln werden, doch ist das meiner Meinung nach vollkommen unberechtigt. Hier steht ganz eindeutig die Geschichte im Vordergrund, die in ihrer höchst realistischen Umsetzung an Spannung und Intensität schwerlich zu überbieten ist. Zudem gibt es ja auch Action-Passagen, nur wurde auf ein action-überladenes Szenario verzichtet, denn dieses hätte das gewonnene Gesamtbild doch erheblich getrübt und hätte der Serie viel von ihrer Stärke genommen.


Fazit:


"Im Angesicht des Verbrechens" ist endlich einmal wieder ein Beitrag im deutschen Spannung-Sektor, den man sich unbedingt anschauen sollte. Das beste Beispiel dafür, das auch bei uns immer noch Einiges möglich ist, wenn es darum geht dem Zuschauer spannede und interessante Krimi-Kost zu bieten. Sehr gute Schauspieler, die der Serie durch ihre überzeugenden leistungen ihren Stempel aufdrücken und eine Geschichte, die von der ersten bis zur letzten Minute äusserst spannend ist, sorgen für ein auch nachhaltig beeindruckendes Sehvergnügen, das nicht umsonst schon preisgekrönt daherkommt.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch DD 2.0 Stereo / Französisch DD 2.0 Stereo
Untertitel: Deutsch, Englisch, Portugiesisch, Russisch, Spanisch
Bild: 1,78:1 (16:9)
Laufzeit: 488 Minuten
Extras: Making Of, Trailershow


9/10

Freitag, 26. November 2010

Bear








Bear
(Bear)
mit Brendan Michael Coughlin, Patrick Scott Lewis, Katie Lowes, Bill Rampley, Mary Alexandra Stiefvater
Regie: John Rebel
Drehbuch: Roel Reine / Ethan Wiley
Kamera: Keine Information
Musik: Trevor Morris
FSK 16
USA / 2010

Zwei junge Paare fahren durch einen abgelegenen Wald, als ihr Auto stehen bleibt. Als ein Zusammentreffen mit einem neugierigen Grizzly-Bären mit dem Erschießen des Bären endet, tritt ein weiterer Bär ins Geschehen und attackiert rachlustig ihren Van. Die Paare sind gefangen in dem fahrunfähigen Van und müssen sich clevere Wege einfallen lassen um zu überleben. Als sie gegen das überraschend intelligente Wesen kämpfen und sich Gedanken über ihr ungewisses Schicksal machen, dringen Geheimnisse ans Tageslicht die die Gruppe auseinander zu reißen drohen, bevor es der Bär tut.


Gerade im Bereich des Tierhorrors trifft der geneigte Horror-Fan doch zumeist auf eher durchschnittliche bis schlechte Filme und es gibt nur ganz wenige Ausnahmen, die vollkommen zu überzeugen wissen (Der weisse Hai, Die Vögel). Umso mehr freut man sich, wenn einmal ein neuer und scheinbar vielversprechender Titel auf den Markt kommt, der eventuell wirklich gute und spannende Unterhaltung bietet. Nun zählt "Bear" aber leider zu den Filmen, die man maximal im breiten Durchschnittsbereich ansiedeln kann, denn erööfnet sich dem Zuschauer hier doch eine recht seichte Geschichte, die nur in sehr wenigen Passagen wirkliche Spannung aufkommen lässt. Die Rahmenhandlung an sich ist dabei schon äusserst dünn und bietet daher auch kaum inhaltliche Substanz, was man ja durchaus noch verschmerzen könnte, wenn sich das Geschehen spannend und atmosphärisch weiterentwickeln würde, doch größtenteils muss der Betrachter in dieser Beziehung mit einer Enttäuschung rechnen, denn echter Tierhorror wird eigentlich nicht geboten.

Dabei ist die Ausgangssituation doch im Prinzip für einen spannenden Film wie geschaffen, entfaltet sich doch zu Beginn des Filmes eine dichte und auch bedrohliche Grundstimmung, die zudem noch klaustrophobische Züge erkennen lässt, da die 4 Protagonisten auf engstem Raum in einem Van eingesperrt sind und diesen nicht verlassen können, ohne eventuell dem Bären in die Arme zu laufen. Ausserdem spielt das Ganze auch noch in der Nacht, was die Szenerie noch unheimlicher erscheinen lässt. Doch statt diese idealen Grundvorraussetzungen für sich zu nutzen, hat Regisseur John Rebel die Story dann in eine Richtung laufen lassen, die mit Tierhorror eigentlich recht wenig zu tun hat. Bekommt man doch auf einmal sehr dialoglastige Passagen serviert, in denen die zwischenmenschlichen Probleme der 4 Hauptcharaktere untereinander in den Focus gelangen. So artet alles vielmehr in eine Art Beziehungs-und Geschwister-Drama aus, das man nun wirklich nicht erwartet hatte und das man auch gar nicht sehen will.

Noch uninteressanter werden die Ereignisse durch die Tatsache, das hier nicht unbedingt die besten Darsteller am Werk sind, um es einmal diplomatisch auszudrücken. Die Dialoge wirken aufgesetzt und das Schauspiel teilweise extrem gekünstelt und unglaubwürdig, so das die Situation der Akteure auch nicht gerade authentisch erscheint. Der Bär, der ja im Prinzip die eigentliche Hauptfigur des Geschehens sein sollte, rückt lediglich im letzten Drittel des Filmes stärker in den Vordergrund, wobei es allerdings zu keinen echten Kämpfen zwischen Mensch und Tier kommt, da die Attacken in nur recht kurzen Ansätzen zu erkennen sind. Selbst für eine 16er Freigabe ist dieser Film im höchsten Maße unblutig und von einer soliden Härte ist weit und breit keine Spur zu finden, die das Geschehen eventuell etwas interessanter gestalten würde.

Letztendlich muss man dann leider feststellen, das diese offensichtliche Billig-Produktion einen relativ guten Anfang beinhaltet, dann aber die sehr guten Vorraussetzungen nicht konsequent umsetzt. Kann man zu Beginn noch auf einen vielversprechenden Vertreter des Tierhorrors hoffen, zerschlägt sich diese Hoffnung spätestens zu dem Zeitpunkt, als die Geschichte in eine Art Beziehungs-Drama abdriftet, was den Gesamteindruck doch ziemlich nach unten drückt. Denn leider bekommt die Story zu keiner Zeit die Kurve und versinkt so schon fast in der totalen Belanglosigkeit. Hier wäre trotz der sehr dünnschichtigen rahmenhandlung und der unsymphatischen Charaktere viel mehr möglich gewesen, doch kann sich eigentlich nie ein konstanter Spannungsbogen aufbauen, der die ungeteilte Aufmerksamkeit des Zuschauers auf sich ziehen kann.


Fazit:


Leider muss man "Bear" zu den Vertretern des Tierhorrors zählen, in die man doch einige Erwartungen setzt, die sich dann letztendlich nicht annähernd erfüllen. Zwar kann man sich dieses Werk durchaus einmal ansehen und es gibt noch weitaus schlechter Vertreter des Sub-Genres, allerdings sollte man die eigenen Erwartungen auf ein Minimum beschränken, damit die Enttäuschung am Ende nicht zu groß ausfällt.


Die DVD:

Vertrieb: Axcot elite
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 2.0 Surround
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 80 Minuten
Extras: Audiokommentar, Interviews


4/10

Mittwoch, 24. November 2010

Van Diemen's Land









Van Diemen's Land
(Van Diemen's Land)
mit Oscar Redding, Arthur Angel, Paul Ashcroft, Mark Leonard Winter, Torquil Neilson, Greg Stone, John Francis Howard, Jonathan auf der Heide, Jason Glover, Adrian Mulraney, Ben Plazzer, Matt Wilson, Tom Wright
Regie: Jonathan auf der Heide
Drehbuch: Jonathan auf der Heide / Oscar Redding
Kamera: Ellery Ryan
Musik: Jethro Woodward
Keine Jugendfreigabe
Australien / 2009

Australien 1822: Der Verbrecher Alexander Pearce flüchtet zusammen mit sieben anderen aus einem unmenschlichen Gefangenenlager. In der weiten Wildnis von Tasmanien hoffen sie ihren brutalen Verfolgern zu entkommen. Sie ahnen nicht, dass sie für sich selbst die größte Gefahr darstellen. Von Verzweiflung und Hunger geplagt sehen die Flüchtlinge bald nur noch einen Ausweg: Kannibalismus.


Von Beginn an sollte man wissen, das dieser auf einer wahren Begebenheit beruhende Film kein kannibalenfilm im herkömmlichen Sinne ist, denn wer nun explizit in Szene gesetzte Härte erwartet, dürfte im Endeffekt eine eher herbe Enttäuschung erleben, denn ist dieses Werk doch nahezu vollkommen unblutig und ohne visuelle Härte ausgestattet, was aber dennoch keineswegs als Schwäche ausgelegt werden sollte. Vielmehr hat sich der Regissuer Jonathan auf der Heide bei der Erzählung dieser Geschichte auf die aufkommende Grundstimmung konzentriert, die beim Zuschauer doch ein recht hohes Maß an Tristesse und Beklemmung auslöst. Im Prinzip passiert eigentlich so gut wie nichts, es gibt keinerlei Action-Passagen zu begutachten, man wird lediglich mit der verzweifelten Flucht der Strafgefangenen konfrontiert, die sich fernab von jeglicher Zivilisation im australischen Urwald befinden. Und es sind gerade die hervorragend eingefangenen Bilder dieser "grünen Hölle", die hier für eine ungeheure Intensität sorgen, die sich ganz unweigerlich auch auf den Zuschauer überträgt. Man kann sich der beklemmenden Atmosphäre einfach nicht entziehen und kann förmlich die immer weiter ansteigende Hoffnungslosigkeit der Männer spüren, deren Hunger sich fast ins Unermessliche steigert, da der Urwald nichts Essbares hergibt, denn weder von Früchten geschweige denn von Tieren ist weit und breit etwas zu sehen, was das Überleben der Flüchtigen sichern könnte.

Vollkommen auf sich allein gestellt reift dann der furchtbare Entschluss in den Männern, das Mitglieder der Gruppe geopfert werden müssen, um das Überleben der anderen zu garantieren. Ganz bewust hat Jonathan auf der Heide hier auf explizite Gewaltdarstellungen verzichtet, lediglich die Tötungen werden ansatzweise ins Bild gerückt, ansonsten verlässt man sich insbesondere auf die vorherrschende Stimmung, die kaum bedrückender und schwermütiger sein könnte. Selbst als Zuschauer kann man die vorherrschende Tristesse fast körperlich spüren, wird man doch fast ausschließlich mit der farblosen Natur des Urwaldes konfrontiert, die eine schon äusserst deprimierende Wirkung erzielt, die sich auch im eigenen Sehverhalten niederschlägt. Das ganze Szenario schlägt dabei sehr stark auf das eigene Gemüt und man fühlt ein seltsames gefühl der Beklemmung, das sich fast wie eine zweite Haut über einen legt.

Hier kommt der Geschichte auch die extrem ruhige und bedächtige Erzählweise zu gute, die auf manch einen vielleicht einen vielmehr langatmigen Eindruck hinterlässt, jedoch in erster Linie dafür verantwortlich zeichnet, das das Geschehen seine ganze Intensität erst so richtig entfalten kann. Die kraftvollen Bilder, die zudem auch noch mit einem schwermütigen Score unterlegt sind, entfalten mit der Zeit ihre volle Wirkung und legen sich fast wie ein bleierner Schleier über den Betrachter, der sich der Faszination des Szenarios keinesfalls verschließen kann. Und das, obwohl sich die gesamte Härte des Geschehens einzig und allein in der eigenen Fantasie abspielt, was aber in vielen Fällen eine weitaus stärkere Wirkung haben kann, als wenn man eine gewisse Härte explizit in Szene setzt. Genau dieser Fall tritt bei "Van Diemen's Land" ein, denn selten habe ich einen Film über Kannibalismus gesehen, der im Prinzip ohne jegliche visuelle Härte eine solch starke Wirkung erzielen kann. Nicht ganz unbeteiligt sin daran auch die erstklassigen Darsteller, die den von ihnen dargestellten Charakteren genau das richtige Maß an Authenzität und Glaubwürdigkeit verleihen. Allein in der Mimik der Protagonisten kann man die schier hoffnungslose Situation ablesen, in der sie sich befinden, die Gesichter erscheinen vollkommen leblos und leer und in den Augen der Männer kann man die immer stärker werdende Hoffnungslosigkeit hervorragend ablesen.

Letztendlich ist "Van Diemen's Land" ein in allen Belangen überzeugender Film, der fast ausschließlich durch die Kraft seiner Bilder und die hervorragenden Darsteller einen äusserst nachhaltigen Eindruck beim Zuschauer hinterlässt. Trotz-oder gerade wegen seiner sehr ruhigen und bedächtigen Erzählweise wird dabei eine ungeheuer starke Intensität entfacht, die sich ganz automatisch auch auf den Betrachter überträgt. Auch wenn es sicherlich Leute geben wird die sich am bedächtigen Tempo der Geschichte stören werden, ist dies doch gerade die größte Stärke eines Werkes, das man sich keinesfalls entgehen lassen sollte, da man ansonsten einen stark nachhallenden Film verpasst, der sich förmlich in das Gedächtnis des Zuschauers einbrennt.


Fazit:


Jonathan auf der Heide hat mit "Van Diemen's Land" nicht unbedingt einen Film für das breite Mainstream-Publikum erschaffen, vielmehr dürfte die vorliegende Geschichte einer eher kleinen Zielgruppe zugänglich sein. Diese jedoch dürfte sich an einem intensiven und beeindruckenden Film erfreuen, der absolut faszinierend und einprägsam zugleich ist. Kraftvolle Bilder eines auf die Dauer deprimierend erscheinenden Schauplatzes legen sich auf das Gemüt des Zuschauers, der die ganze Laufzeit über ein starkes Gefühl der Beklemmung nie ablegen kann und grandiose Schauspieler sorgen für ein Filmerlebnis der höchsten Güteklasse.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,78:1 (16:9)
Laufzeit: 101 Minuten
Extras: Making Of, Interviews Crew, Booklet


8/10

Montag, 22. November 2010

Staten Island New York









Staten Island New York
(Staten Island)
mit Ethan Hawke, Vincent D'Onofrio, Seymour Cassel, Julianne Nicholson, Ian Brennan, Lynn Cohen, Bill Cwikowski, J.D. Daniels, Rosemary De Angelis, Dominic Fumusa, Michael Hogan, Dominic Marcus, Ken Marks, Adrian Martinez
Regie: James DeMonaco
Drehbuch: James DeMonaco
Kamera: Chris Norr
Musik: Frederic Verrieres
FSK 16
Frankreich / USA / 2009

Als der einfältige Sully beschließt, den Safe von Pate Parmie Tarzo zu knacken, besiegelt er nicht nur sein eigenes Schicksal. Parmies geliebte Mama wird bei dem Einbruch angeschossen und der Weg ihres Sohnes zu Macht und Ruhm empfindlich gestört. Parmie wird nie die Kontrolle über ganz Staten Island, den New Yorker Bezirk mit der höchsten Mobster-Dichte, übernehmen. Und während sich die Lage für alle Beteiligten immer mehr zuspitzt, macht der taubstumme alte Jasper das, was er immer getan hat: im Hinterzimmer seines Delis Mafia-Opfer zerlegen, schweigen und abwarten ...


Man sollte sich von Beginn an darüber im Klaren sein, auf welche Art von Film man sich hier einlässt, denn es handelt sich keineswegs um einen actiongeladenen Mafiafilm, wie manch Einer eventuell aufgrund der Inhaltsangabe vermuten könnte. Vielmehr entpuppt sich "Staten Island" als eine Art Episodenfilm, in dem die drei Geschichten der Hauptcharaktere Sully (Ethan Hawke), Parmie Tarzo (Vincent D'Onofrio) und Jasper (Seymour Cassel) erzählt werden. Bis auf ein kurzes Aufeinandertreffen der 3 Protagonisten gibt es am Anfang keine erkennbaren Zusammenhänge der Personen zu erkennen, denn diese ergeben erst nach der Sichtung des gesamten Filmes ein erkennbares Ganzes. So werden auch die Ereignisse nicht in chronologischer Reihenfolge erzählt, denn die einzelnen Episoden des Werkes zeigen immer die stattgefundenen Ereignisse aus der Sicht des jeweils Beteiligten, was sicherlich etwas gewöhnungsbedürftig erscheinen mag, aber dem Film eine ganz besonders reizvolle Note verleiht.

Im Prinzip geht es um nichts anderes als die absolute Geltungssucht des Mafia-Bosses Tarzo, der von D'Onofrio ganz excellent dargestellt wird. Gerade die Tatsache, das es sich um einen eher skurrilen Charakter handelt der eigentlich für einen Mafia-Boss vollkommen untypisch erscheint, verleiht der Figur einen extrem hohen Charme-Faktor. Denn Tarzo wirkt in jeder Phase der Geschichte tapsig und ziemlich unbeholfen und wirkt so gar nicht wie das Oberhaupt einer Gangsterbande. Für ihn zählt nur das sein Name bekannt werden soll und dabei ist ihm jedes Mittel recht, so das er nachdem er von seinen eigenen Leuten verraten wurde als Umwelt-Aktivist für die Erhaltung eines Waldes kämpft, indem er sich in einer Baumkrone einnistet und diese nicht mehr verlassen will. Damit ist dann auch die erste Episode dieses Dramas abgehandelt und es folgen die Geschichten der beiden anderen Hauptdarsteller, die dem Zuschauer dann auch die Gesamtzusammenhänge preisgeben und die einzelnen Teile zu einem sinnvollen Gesamtpaket zusammenfügen, das letztendlich keinerlei Fragen offenlässt und den Betrachter am Ende mit einem befriedigendem Gefühl zurücklässt.

Regisseur James DeMonaco ist es hier ganz vortrefflich gelungen ein Drama zu kreieren, das einerseits viel Platz für feinen und teilweise sehr schwarzen Humor lässt, aber andererseits auch genügend Raum für Emotionen bereithält, die im genau richtigen Maß vorhanden sind und so zu keiner Zeit einen übertrieben kitschigen Eindruck hinterlassen. Während D'Onofrios Part für die nötigen Schmunzler und skurrilen Momente sorgt, sind die Rollen von Hawke und Cassel dem emotionalen Teil der Story vorbehalten. Dabei tritt dann auch eine gehörige Portion Tragik in den Vordergrund, die sich insbesondere in der Rolle des einfältigen Sullys wiederspiegelt, der sich aus aus herzergreifenden Motiven zu einer Tat hinreissen lässt, die ihm im Endeffekt das Leben kostet. Erst daraufhin tritt dann die eigentliche Hauptfigur des Geschehens in den Focus der Ereignisse, was zu Beginn der Geschichte noch überhaupt nicht abzusehen ist. Doch nachdem man den kompletten Film gesehen hat muss man ganz eindeutig zu der Erkenntnis gelangen, das der Charakter des taubstummen Jasper den wichtigsten Part des Szenarios darstellt, denn entpuppt er sich nicht nur als "Schlächter der Mafia", sondern zudem noch als eine Art gefühlsbetonter "Racheengel", der zum Ende hin alles aus sich herauslässt, was anscheinend schon seit etlichen jahren in ihm rumort hat.

Meiner Meinung nach wird einem hier eine wirklich gelungene Geschichte präsentiert, die ihren ganz besonderen Reiz aus ihrer ungewohnten Erzählweise bezieht. Sicherlich ist hier kein Action-Spektakel zu erwarten, dafür wird man allerdings mit erstklassigen Darstellern und einer gelungenen Mixtur aus skurrilem Drama und jeder Menge Emotionen bedient, die zu keiner Zeit übertrieben sondern absolut authentisch und glaubwürdig erscheinen. Der einzige Nachteil überhaupt ist vielleicht der durch die Erzählstruktur fehlende und konstante Spannungsaufbau, denn sind die einzelnen Episoden durchaus spannend und interessant erzählt, so kann sich aber leider kein durchgehender Spannungsbogen entfalten. Jedoch ist das lediglich ein kleines Defizit, über das man durchaus hinwegsehen kann, da das Gesamtpaket ansonsten absolut stimmig und überzeugend daherkommt.


Fazit:


"Staten Island New York" ist ein absolut gelungener Episodenfilm, der durch seine aussergewöhnliche Erzählstruktur und seine erstklassigen Darsteller jederzeit zu überzeugen weiss. Feinster und teils tiefsinniger Humor und eine Menge Emotionen ergeben eine exzellente Mischung, an der man seine Freude hat. Zwar ist durch die Erzählweise bedingt kein durchgehend konstanter Spannungsbogen zu erkennen, jedoch ist das ein eher kleines Defizit, dem man nicht zuviel Bedeutung schenken sollte, da die einzelnen Episoden durchaus spannend gestaltet sind. Auf jeden Fall kann man für diesen tollen Film jederzeit eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen, denn kurzweilige und teils witzig-skurrile Unterhaltung ist vorprogrammiert.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch DTS 5.1, DD 5.1 / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Buld: 2,15:1 (16:9)
Laufzeit: 92 Minuten
Extras: Interviews, Deleted Scenes, Originaltrailer, Trailershow


7/10

Freitag, 19. November 2010

Sherlock Holmes








Sherlock Holmes
(Sherlock Holmes)
mit Robert Downey Jr., Jude Law, Racel McAdams, Mark Strong, Eddie Marsan, Robert Maillet, Geraldine James, Kelly Reilly, William Houston, Hans Matheson, James Fox, William Hope, Clive Russell, Oran Gurel, David Garrick
Regie: Guy Ritchie
Drehbuch: Michael Robert Johnson / Anthony Peckham
Kamera: Philippe Rousselot
Musik: Hans Zimmer
FSK 12
Deutschland / USA / 2009

Sherlock Holmes mag etwas verrückt sein, doch er ist ein sehr guter Detektiv. Da kündigt der der schwarzen Magie frönende Frauenmörder Lord Blackwood vor seiner Exekution an, dass sein Tod erst der Anfang sein werde. Prompt weilt er alsbald wieder unter den Lebenden und treibt seinen niederträchtigen Plan, mit Hilfe seiner Geheimorganisation wieder die Macht über Britanniens ehemalige Kolonie, den Vereinigten Staaten, zu erlangen, voran. Da ist Holmes gefordert...


Arthur Conan Doyle hat mit Sherlock Holmes wohl den berühmtesten fiktiven Detektiv der Geschichte erschaffen, der nun in einem völlig neuen Gewand auf die Leinwand zurückgekehrt ist. Als großer Fan der alten Holmes-Filme mit dem großen Basil Rathbone in der Hauptrolle war ich doch recht skeptisch, ob der neu aufpolierte Detektiv meinen Gefallen finden würde. Denn immerhin wird er in vorliegendem Film nicht nur als kriminalistisches Superhirn, sondern auch als kleiner Actionheld dargestellt, was man ja bisher überhaupt nicht gewohnt war. Zudem wurde auch der Figur des Dr. Watson ein vollkommen anderer Charakter verliehen, der hier nicht mehr als leicht naiver aber sehr liebenswerter Haudegen dargestellt wird, sondern auch durch ein recht actionreiches Auftreten und einen gefestigten Charakter in Erscheinung tritt.

Umso überraschter war ich dann auch von dieser modernen Version, die eigentlich in allen Belangen vollkommen zu überzeugen weiss und zudem auch noch mit den perfekten Darstellern für die neu aufpolierten Hauptfiguren besetzt ist. Mit Robert Downey Jr. (Holmes) und Jude Law (Watson) hätte man kaum eine bessere Besetzung finden können, denn bringen die beiden doch jede Menge Esprit und Pfiff in die leicht angestaubten Figuren und vermitteln dem Betrachter ausserdem ein hoges Maß an Authenzität und Glaubwürdigkeit. Manch einem mag diese neue Variante des intelligenten Detektives vielleicht nicht ganz in den Kram passen, jedoch sollte man selbst als ausgewiesener Nostalgiker anerkennen, das hier eine zeitgemäße und zudem noch sehr unterhaltsame Geschichte auf den Weg gebracht wurde, die mit einer gehörigen Portion Action, sehr viel Charme und auch dem nötigen Anteil von Wortwitz und Humor angereichert wurde, was dem Film insgesamt sehr gut zu Gesicht steht.

Die größte Stärke des Werkes, das auf keiner literarischen Vorlage von Arthur Conan Doyle beruht, sind aber ganz eindeutig die beiden Hauptdarsteller, die der äusserst tempo-und actionreichen Geschichte ihren Stempel aufdrücken, denn von der ersten Minute an versprühen Duwney und Law so viel Charme, das man die beiden sofort in sein Herz schließt und ihnen jede Menge Symphatiepunkte zugesteht, die sie sich im weiteren Verlauf der Story auch redlich verdienen. Der Zuschauer merkt dabei ziemlich schnell, das er keineswegs zu vorschnell die Vorschußlorbeeren verteilt hat, entpuppt sich das temporeiche Geschehen als äusserst pfiffiges Szenario, das wirklich alles beinhaltet, was einen modernen Detektivfilm ausmacht, der zeitlich gesehen in einer längst vergangenen Epoche spielt. Neben den schon erwähnten Stärken gesellt sich auch noch ein wirklich gut aufgebauter Spannungsbogen, der sich mit der Zeit immer mehr verdichtet und teilweise sogar recht mysteriöse Züge erkennen lässt und so für ein jederzeit spannendes Filmvergnügen sorgt.

Aller Skepsis zum Trotz bekommt man hier eine für manche Leute zu Beginn vielleicht etwas gewöhnungsbedürftige Neuinterpretation von Sherlock Holmes präsentiert, die absolut sehenswert und immer unterhaltsam ist. Temporeicher und actiongeladener als je zuvor agiert der berühmte Detektiv an der Seite seines treuen Gefährten und ist dabei jeder Menge brenzliger Situationen ausgesetzt, aus denen er sich aber immer wieder mit etwas Glück und viel Verstand befreien kann. Jeder echte Sherlock Holmes-Fan sollte sich dieses Werk auf jeden Fall ansehen und sich extrem kurzweilig von ihm unterhalten lassen. Ausserdem deutet auch das gewählte Ende durchaus darauf hin, das noch längst nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist, deutet doch alles auf mindestens eine Fortsetzung hin, in der man dann wohl auch auf den Erzfeind von Holmes treffen wird, denn was wäre der Meister-Detektiv ohne sein kriminelles Pendant, Professor Moriarty?


Fazit:


Bei dieser Neuinterpretation kann man bedenkenlos zugreifen, wird einem doch zwei Stunden beste und extrem kurzweilige Unterhaltung geboten, die so vollkommen anders daherkommt, als wie man es bisher in den Abenteuern des Sherlock Holmes gewohnt war. Die Auffrischung ist dabei ganz hervorragend gelungen und man kann Regisseur Guy Ritchie nur zu diesem Film gratulieren, den er zudem auch noch mit genau den richtigen Darstellern besetzt hat, denn diese verleihen der "Frischzellenkur" einen glaubhaften Gesamteindruck, der ausserdem auch noch sehr positiv ausfällt.


8/10

Dienstag, 16. November 2010

IP Man 2








IP Man 2
(Yip Man 2: Chung si chuen kei)
mit Donnie Yen, Lynn Hung, Simon Yam, Sammo Hung Kam-Bo, Xiaoming Huang, Siu-Wong Fan, Kent Cheng, Darren Shalavi, Amber Chia, Jiang Dai-Yan, Hark On-Fung, Meng Lo, Siu Lung Sik
Regie: Wilson Yip
Drehbuch: Edmond Wong
Kamera: Hang-Sang Poon
Musik: Kenji Kawai
Keine Jugendfreigabe
Hongkong / 2010

Nachdem Ip Man (Donnie Yen) im zweiten Sino-Japanischen Krieg seine Kampfkünste gegen die Japaner einsetzte, flüchtet er 1949 nach Hongkong und versucht dort, eine Wing Tsun-Schule zu etablieren. Als der mächtige Master Hung (Sammo Hung) dies erfährt, stellt er Ip Man vor eine heikle Aufgabe. Dieser soll sich zunächst in einem Kampf auf Zeit gegen Kämpfer aller möglichen Stile den nötigen Respekt verdienen. Auch seitens eines korrupten Polizei-Intendants (Charlie Mayer) und dem britischen Box-Champion Twister (Darren Shahlavi) droht weitere Gefahr. Für Ip Man geht es erneut um die Ehre des chinesischen Volks aber auch um die Möglichkeit, seine Kampfschule zu eröffnen.


Fortsetzungen beinhalten in den meisten Fällen immer das Problem, das sie nur selten an die Qualität des Originals heranreichen können, was für den Zuschauer dann fast automatisch eine Enttäuschung darstellt, da die hohen Erwartungen nicht erfüllt werden konnten. Ganz anders verhält es sich mit "IP Man 2", der nahtlos das enorm hohe Level seines Vorgängers weiterführt und diesem im Bezug auf den Qualitätsstandard in nichts nachsteht. Waren es im ersten Teil noch die japanischen Invasoren, so muss sich der Titelheld dieses Mal gegen die britische Kolonialmacht behaupten, die im Hongkong der 50er Jahre das sagen hat. Nach anfänglichen Problemen mit den in Hongkong ansässigen Kung Fu Schulen kristallisiert sich doch immer mehr heraus, das der eigentliche Kampf gegen die Besatzungsmacht stattfindet, für die Chinesen lediglich Menschen zweiter Klasse sind, die diese Sichtweise auch täglich zu spüren bekommen. Demütigungen und Polizei-Willkür sind so an der Tagesordnung und machen das Leben der chinesischen Bevölkerung in Hongkong nicht leichter.

Von Beginn an wird kein Zweifel daran gelassen, das auch dieser zweite Teil mit herausragenden Kampfszenen gespickt ist, deren Choreografie keinerlei Wünsche offen lässt, so das insbesondere die Freunde asiatischer Kampfsportfilme absolut begeistert sein dürften. Dabei entsteht eine ästhetische Ausstrahlung und eine Perfektion, die einen echten Fan schon fast in einen Rauschzustand versetzen kann und dieses Werk nun wirklich erheblich von anderen Martial Arts Filmen abhebt. Es sind aber nicht nur die gezeigten Fights die jederzeit zu begeistern wissen, denn das gesamte Geschehen ist wieder einmal absolut stimmig und bietet auch inhaltlich viel mehr als den ansonsten üblichen Einheitsbrei, denn man nur zu oft vorgesetzt bekommt. Dabei spielt auch die authentisch und glaubwürdig in Szene gesetzte Story eine wesentliche Rolle, kann man sich doch sehr gut in die zu der Zeit vorherrschende Situation hineinversetzen und empfindet so auch Mitgefühl mit der chinesischen Bevölkerung.

Der absolute Höhepunkt der Ereignisse ist mit Sicherheit der finale Kampf zwischen Meister IP und dem britischen Boxer Twister, der seinen ganz besonderen Reiz aus der Tatsache bezieht, das zwei vollkommen unterschiedliche Kampfstile aufeinandertreffen. Doch unterscheiden sich nicht nur die Stile, auch die Kontrahenten könnten nicht unterschiedlicher sein. Wirkt IP Man doch kürperlich eher wie ein Hänfling, so steht ihm mit dem Boxer ein muskelbepackter Hüne gegenüber, der ihm rein körperlich hoffnungslos überlegen ist. So wird dieser kampf dann auch ein wirklich zähes Ringen, das allerdings zu keiner Zeit einen Zweifel daran lässt, wer am Ende die Oberhand behält. Besonders gut gefallen hat mir auch der Aspekt, das mit Twister kein unbeweglicher und nur von seiner Kraft lebender Akteur in den Ring steigt, denn der gute Mann ist auch durchaus geschmeidig, was man allein schon in seinen Bewegungsabläufen klar erkennen kann. Das verleiht dem ganzen eine äusserst glaubhafte Note und IP Man ist auch längst nicht so überlegen wie manch einer das eventuell annehmen könnte, sondern muss eine ganze Menge einstecken, bis er seinen Gegner auf die Bretter schickt.

Letztendlich liegt hier eine wirklich absolut gelungene Fortsetzung vor, in der es keinerlei Qualitätseinbußen gegenüber dem Vorgänger zu verzeichnen gibt. Regisseur Wilson Yip hat alles richtig gemacht und hat es insbesondere geschafft, das dieser zweite Teil seinem Vorgänger ebenbürtig ist. Das liegt zum größten teil auch an der vollkommen überzeugenden Darsteller-Riege, die mit erstklassigem Schauspiel aufwarten kann. Hervorstechend ist dabei wieder einmal der überragende Donnie Yen, der nicht nur durch seine Kampfkünste zu überzeugen weiss, sondern auch durch seine ruhige aber jederzeit intensive Darstellung des IP Man dem Film seinen Stempel aufdrückt. Das hier geschnürte Gesamtpaket ist nahezu perfekt und bietet wie schon beim ersten Teil jederzeit spannende und kurzweilige Unterhaltung, die zudem wieder mit sensationellen Kämpfen angereichert wurde, die an Qualität und Ästhetik kaum zu überbieten sind. Erstklassige Schauspieler und eine interessante geschichte runden das ganze perfekt ab und lassen keine Wünsche offen.


Fazit:


Der sensationelle Erfolg von "IP Man" hat ganz automatisch dazu geführt, das man als Zuschauer mit extrem hohen Erwartungen an diesen Nachfolger herangegangen ist. Doch ganz anders als bei vielen anderen Fortsetzungen wurden diese Erwartungen hier auch erfüllt, denn "IP Man 2" lässt keinerlei Einbußen im Bezug auf die Qualität erkennen. Ein Donnie Yen in absolut bestechender Kampflaune, eine an Ästhetik kaum zu überbietende Choreografie und eine sehr interessante Story ergeben einen nahezu perfekten Film, an dem längst nicht nur die Freunde von Kampfsportfilmen ihre helle Freude haben dürften.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Kantonesisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch / Niederländisch
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 104 Minuten
Extras: Interviews, Making Of, Selected Scenes, Premiere


9/10

Samstag, 13. November 2010

Darfur - Der vergessene Krieg









Darfur - Der vergessene Krieg
(Darfur)
mit Kristanna Loken, Billy Zane, Edward Furlong, David O'Hara, Noah Danby, Matt Frewer, Hakeem Kae-Kazim, Sammy Sheik, Maggie Benedict, Fatima Masapu, Taurig Jenkins, Thando Sibeko
Regie: Uwe Boll
Drehbuch: Uwe Boll / Chris Roland
Kamera: Mathias Neumann
Musik: Jessica de Roij
Keine Jugendfreigabe
USA / 2009

Seit 2003 begehen arabische Milizen namens Janjaweed in Darfur schwere Menschenrechtsverletzungen an der Zivilbevölkerung und ziehen mordend, plündernd und vergewaltigend von Dorf zu Dorf. Für die Vereinten Nationen handelt es sich um eine der „schlimmsten humanitären Katastrophen der Welt“. Eine kleine Gruppe internationaler Journalisten besucht ein noch unzerstörtes Dorf, um mehr über diese Massaker zu erfahren. Als sich herausstellt, dass die Janjaweed auf dem Weg zu diesem Dorf sind, stehen die Reporter vor einer schwierigen Entscheidung. Entweder sie wenden die Augen von dem anstehenden Blutbad ab oder sie helfen der Bevölkerung, koste es, was es wolle.


Schon seit jeher ist Uwe Boll einer der umstrittensten Regisseure überhaupt und musste nicht gerade selten jede Menge Hohn und Spott über sich ergehen lassen. Es gibt auch genügend Leute, die seine Filme von Anfang an schon rein aus Prinzip niedermachen, obwohl es gar nicht gerechtfertigt ist, denn der gute Mann hat auch schon einige recht gut anzuschauende Werke auf den Weg gebracht. Nun liegt mit "Darfur - Der vergessene Krieg" meiner Meinung nach sein bisher mit Abstand bester Film vor, in dem Boll dem Zuschauer die Grausamkeit des Völkermordes auf eine sehr schonungslose Art und Weise näherbringt, so das einem phasenweise fast zwangsläufig die Tränen in die Augen treten. Dies geschieht allerdings nicht weil der Film so schlecht, sondern das Gesehene teilweise so schockierend und bewegend ist, das man den Tränenfluss nur schwerlich zurückhalten kann.

Dabei hat es der umstrittene Filmemacher nahezu perfekt verstanden, erst einmal einen intensiven Eindruck über die ärmlichen Verhältnisse in einem der ärmsten Länder Afrikas (Sudan) zu vermitteln, so entsteht beim Zuschauer nicht selten das Gefühl, das man sich in einer vollkommen anderen Welt jenseits jeglichen Luxus befindet, in der es an den grundlegendsten Dingen mangelt. Stellvertretend dafür ist hier das kleine Dorf "Dafur", das sich abseits jeder Zivilisation befindet und auf das der Focus der vorliegenden Geschichte gerichtet ist. Die erste Filmhälfte beinhaltet noch keinerlei actionreiches Geschehen, sondern ist einzig und allein von Dialogen geprägt, die zwischen den ausländischen Reportern und den Bewohnern des Dorfes stattfinden. Für manch einen mag das eventuell etwas langweilig klingen, jedoch sind allein schon die geführten Interviews äusserst schockierend und stimmen den Zuschauer auf das folgende und an Grausamkeit kaum zu überbietende schreckens-Szenario ein, das noch folgen soll.

Nur die von der schwarzafrikanischen Bewohnern geschilderten Ereignisse, bei denen es um Vergewaltigungen und Völkermord handelt sind schon so schockierend, das einen fast zwangsweise eine Gänsehaut überkommt, da man sich die geschilderten Grausamkeiten kaum vorstellen möchte. Und obwohl man ganz genau weiss, das man es hier keineswegs mit Fiktion sondern mit der erschreckenden Realität zu tun hat, weigert sich ein Teil des eigenen Verstandes, das Gehörte zu glauben. Schon in dieser Phase des Filmes hat es Boll ausgezeichnet verstanden, seinem Werk eine ungeheure Intensität zu verleihen, die sich im laufe der Zeit noch um ein Vielfaches verstärken soll. Denn als die arabischen Milizen im Dorf eintreffen, spitzt sich die lage in einer Art und Weise zu, die man kaum in Worte fassen kann, das bis hierhin lediglich durch Worte beschriebene Szenario nimmt auf einmal auch visuelle Gestalt an und schockt den Betrachter dann auch mit einer Brutalität, die einen sehr nachhaltigen Eindruck hinterlassen soll, den man nicht so schnell wieder los wird.

Die nun folgenden Greueltaten muss man wirklich selbst gesehen haben um die Wucht beschreiben zu können, mit der sie einen im tiefsten Inneren treffen und erschüttern. Kompromisslos und erschreckend hart hat Uwe Boll in der zweiten Filmhälfte ein Szenario geschaffen, das an Eiseskälte und Brutalität nur schwerlich zu überbieten sein dürfte und das zudem noch einen so furchtbar authentischen und realistischen Eindruck hinterlässt, das es einem phasenweise die Luft zum atmen abschnürt. Die gezeigten Tötungsszenen sind an Intensität und Grausamkeit kaum zu übertreffen, jedoch hinterlassen insbesondere die Tötungen an Babys und Kleinkindern einen besonders nachhaltigen Eindruck im Kopf des Zuschauers, der vor allem bei diesen Szenen die aufsteigenden Tränen kaum unterdrücken kann. Man befindet sich nun zunehmend in einer Art Schockzustand und fühlt sich einer Ohnmacht nahe, sitzt man doch hilflos vor dem heimischen Bildschirm und kann die gezeigten Bilder kaum verarbeiten. Erschwert wird das Ganze durch die Tatsache das man ganz genau weiss, das es sich hier um keinerlei Fiktion, sondern um eine erschreckende Wahrheit handelt, die der eigene Verstand irgendwie am liebsten verdrängen möchte. Und obwohl es einem wohl bekannt ist wie grausam Menschen sein können, will oder kann man es kaum nachvollziehen, wie Menschen dazu in der Lage sein können, anderen menschen etwas so grauenvolles anzutun, wie es hier in unglaublich drastischen Bildern gezeigt wird.

Letztendlich müsste selbst der größte Boll-Kritiker erkennen, das unser Uwe mit "Darfur" einen hervorragenden Film abgeliefert hat, der extrem intensiv die Thematik eines sinnlosen Völkermordes bearbeitet. Geschickt wird der Betrachter dabei in der ersten Filmhälfte lediglich mit Interviews auf das folgende Schreckens-Szenario vorbereitet, das dann eine solche Wucht entwickelt die einen fast aus dem TV-Sessel wirft und mit der Wucht eines Keulenschlags die eigene Seele trifft, die eine gewisse Zeit braucht, um sich von den hier gezeigten Bildern wieder zu erholen. Selten habe ich in den letzten Jahren einen Film gesehen, der einen so nachhaltigen und intensiven Eindruck hinterlässt wie es bei "Darfur" der Fall ist, denn gerade die authentische Umsetzung des Geschehens ist es, die einen auch noch lange nach dem Ende des Filmes sehr stark belastet und nicht zur Ruhe kommen lässt.


Fazit:


Ganz egal wie man persönlich zum Regisseur Uwe Boll steht, hier wurde ein extrem intensiver Film abgeliefert, der selbst den hartgesottensten Menschen die Tränen in die Augen schießt und sie in eine Art ohnmächtigen Zustand versetzt, fühlt man sich doch bei den gezeigten Greueltaten nahezu wie paralysiert und weigert sich, die Authenzität der Ereignisse anzuerkennen. Zu schrecklich ist hier die Gewissheit, das es sich um die erschreckende Wahrheit handelt, die einem in dieser Geschichte kompromisslos und extrem brutal vor Augen geführt wird. "Darfur - Der vergessene Krieg" ist ein Film, den man auf jeden Fall gesehen haben sollte, entführt er einen doch in eine Welt, deren Existenz einem durchaus bewust ist, mit der man sich allerdings viel zu selten auseinandersetzt und sie nur zu gern verdrängt.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,40:1 (16:9)
Laufzeit: 95 Minuten
Extras: Audiokommentar von Uwe Boll


8,5/10

Donnerstag, 11. November 2010

House on Haunted Hill






Haunted Hill
(House on Haunted Hill)
mit Geoffrey Rush, Famke Janssen, Taye Diggs, Peter Gallagher, Chris Cattan, Ali Larter, Bridgette Wilson, Max Perlich, Jeffrey Combs, Dick Beebe, Slavitza Jovan, Lisa Loeb, James Marsters, Jeannette Lewis, Janet Tracy Keijser
Regie: William Malone
Drehbuch: Rob White / Dick Beebe
Kamera: Rick Bota
Musik: Don Davis
FSK 16
USA / 1999

Steve Price ist ein millionenschwerer Exzentriker, der nicht nur in seinen Themenparks mit der Todesangst der Menschen seine Scherze treibt. Sein neuester Coup: Jedes Mitglied einer Gruppe von Fremden erhält eine Million Dollar - wenn sie eine ganz Nacht mit ihm und seiner Frau in dem berüchtigten Art-Deco-Geisterpalast aushalten. Die einstige Anstalt für Geisteskranke hatte 1931 entsetzliche Berühmtheit erlangt, als die dort gefolterten und gequälten Patienten aufbegehrten und ein Massaker anrichteten. Weder Ärzte, Pflegerinnen, noch die Insassen überlebten diese Nacht des Horrors. Price Gäste merken schnell, dass sie sich auf einen bizarren Alptraum eingelassen haben, dem sie wahrscheinlich nicht lebend entkommen. Und auch Price darf sehr bald feststellen, dass sich die von ihm geschaffene labyrinthische Hölle seiner Kontrolle entzieht... und die Geister der Toten rachlüsternd nach den Lebenden greifen!


Nun mag man ja zu Neuauflagen alter Horror-Klassiker stehen wie man will, aber bei "Haunted Hill" handelt es sich ganz sicher um eines der besseren Remakes, bekommt man doch einen wirklich sehr gelungenen und atmosphärischen Gruselfilm geboten, der zudem noch einige blutige Szenen beinhaltet und teilweise ein sehr gutes Effekt-Spektakel bietet. Horror-Fans werden hier bestimmt auf ihre Kosten kommen und insbesondere die immer unheimlichere Grundstimmung in sich aufsaugen, die sich während der Geschehnisse in dem alten Haus entfaltet. Vor allem mit dem Hintergrundwissen, das man sich in einer ehemaligen Klinik befindet, in der ein wahnsinniger Doktor die grausamsten Experimente an seinen Patienten vorgenommen hat, sind streckenweise äusserst unheilvolle und bedrohliche Züge zu erkennen, die sich durch die stattfindenden Ereignisse noch zusätzlich immer weiter verdichten und so für ein exzellentes Grusel-Feeling beim Zuschauer sorgen.

Es ist dabei ziemlich schwer, sich der von der Geschichte ausgehenden Faszination zu entziehen, doch eigentlich will man das auch gar nicht sondern gibt sich komplett der herrlichen Grusel-Atmosphäre hin. Und so taucht man gern in die geheimnisvolle Welt des "Haunted Hill" ein in dem sich immer mehr mysteriöse Dinge ereignen, die man zu Beginn noch dem Gastgeber Steve Price zuschreibt. Mit der Zeit müssen aber alle erkennen, das wohl ganz andere Mächte am Werk sind die mit lebenden Menschen herzlich wenig zu tun haben. Mit der Zeit nimmt die Story dann auch noch einige recht überraschende Wendungen, die man am Anfang noch nicht wirklich erahnen kann. Diese Überraschungsmomente werten den Film insgesamt noch einmal zusätzlich auf und unterstreichen letztendlich ein absolut überzeugendes Gesamtbild, das man von diesem Werk erhält.

Dazu zählt auch die Darsteller-Riege, in der sich mit Famke Janssen, Peter Gallagher, Jeffrey Combs und Ali Larter auch einige ziemlich bekannte Gesichter befinden. Durch die Bank bekommt man hier überdurchschnittliches Schauspiel geboten, man merkt dabei deutlich das Leute am Werk sind, die etwas von ihrem Beruf verstehen. Am auffallendsten sind dabei die Passagen, in denen die Eheleute Price sich gegenseitig angiften, was auf eine sehr sarkastische Art und Weise geschieht und mit bissigem Wortwitz untermalt wird. Doch auch die anderen Akteure wissen in ihren Rollen durchaus zu überzeugen, so das es im Endeffekt am dargebotenen Schauspiel keinerlei Grund zur Beanstandung gibt.

Und so kann man insgesamt von einem wirklich gelungenen Gruselfilm sprechen, der jederzeit einen konstanten Spannungsbogen erkennen lässt und während der gesamten knapp 90 Minuten keinerlei Einbrüche aufzeigt. Gute Darsteller und eine gute-und temporeiche Erzählweise sind 2 weitere Stärken dieser Neuauflage, doch das ganz große Highlight ist meiner Meinung nach ganz eindeutig die vorherrschende Atmosphäre. Ein hohes Maß an Dichte und etliche bedrohliche und unheilvolle Momente sorgen genau für das, was man sich als Grusel-Fan erwartet, nämlich eine herrliche Neuauflage eines alten Klassikers, der in allen Belangen überzeugen kann und so für ein hervorragendes Filmerlebnis sorgt.


Fazit:


Regisseur William Malone hat mit "Haunted Hill" eine äusserst gelungene Neuauflage des alten Klassikers "Das Haus auf dem Geisterhügel" aus dem Jahre 1959 geschaffen, in dem der große Mime Vincent Price die Hauptrolle gespielt hat. Zeitgemäß aufbereitet und mit einigen gelungenen Effekten ausgestattet ist so ein absolut sehenswertes Remake entstanden, das äusserst spannend und immer extrem atmosphärisch daherkommt. Wenn auch vielleicht nicht ganz die Klasse des Originals erreicht werden kann, sollte jeder echte Grusel-Fan diese neue Version gesehen haben.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch DTS 5.1, DD 5.1 / Englisch DD 5.1, DD 2.0
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bild: 1,78:1 (16:9)
Laufzeit: 89 Minuten
Extras: Trailer, Audiokommentar, Featurettes, Deleted Scenes, Soundhighlights, Dokumentation: Original & Remke: Two Houses


8/10

Mittwoch, 10. November 2010

Alexandra's Project






Alexandra's Project
(Alexandra's Project)
mit Gary Sweet, Helen Buday, Bogdan Koca, Samantha Knigge, Jack Christie, Eileen Darley, Geoff Revell, Philip Spruce, Nathan O'Keefe, Peter Green, Martha Lott, Cindy Elliott, Gemma Falk, Nicole Daniel, Duncan Graham
Regie: Rolf de Heer
Drehbuch: Rolf de Heer
Kamera: Ian Jones
Musik: Graham Tardiff
Keine Jugendfreigabe
Australien / 2003

Eigentlich dachte Steve, dass ihn zuhause eine Schar von Gästen zu seinem Geburtstag überraschen würde, doch in seiner stockdunklen, verlassenen Wohnung erwartet ihn nur ein Videoband mit der Aufschrift "Spiel mich". Als er es abspielt, sieht er zunächst seine Frau Alexandra und seine Kinder, die ihn fröhlich beglückwünschen. Dann schickt Alexandra die Kids auf ihr Zimmer und beginnt einen verführerischen Striptease. Doch dann hält sie sich plötzlich eine Waffe an den Kopf. Steve stoppt das Band und versucht die Polizei anzurufen, doch das Telefon ist tot und er muss zudem feststellen, dass er in seiner Wohnung eingeschlossen wurde. Er sieht sich das Band weiter an und was er im weiteren Verlauf der Aufnahme sehen muss, übersteigt seine allergrößten Ängste.


Der Hass einer Frau kann zerstörend sein



Rolf de Heer (Bad Boy Bubby) hat mit dieser australischen Low Budget Produktion ein Ehedrama der aussergewöhnlichen Art geschaffen, das durch seine enthaltene Intensität auf jeden Fall einen sehr nachhaltigen Eindruck beim Zuschauer hinterlassen dürfte. Die geschieht auf eine Art und Weise, wie es sicherlich nicht ganz alltäglich ist, aber dennoch beinhaltet dieses Werk eine nahezu erschreckende Authenzität, die insbesondere auf das männliche Geschlecht eines teils schon schockierende Wirkung hinterlassen dürfte. Dabei fängt die Geschichte doch sehr seicht an, man wird mit der scheinbaren Idylle eines australischen Vorstadt konfrontiert, in der Steve und Alexandra mit ihren beiden Kindern leben. Zwar bemerkt man schon in dieser Phase des Films, das im Verhältniss zwischen den beiden Eheleuten keine perfekte Harmonie herrscht, jedoch gibt es eigentlich keinerlei Anzeichen für das, was im weiteren Verlauf der Geschichte noch passieren wird. Insbesondere Steve scheint mit seinem Leben doch ausserordentlich zufrieden zu sein, ist er doch auch beruflich ziemlich erfolgreich und scheint seine Familie über alles zu lieben.

Nachdem er allerdings an seinem Geburtstag nach der Arbeit nach Hause kommt, wird sein komplettes Leben vollkommen auf den Kopf gestellt, denn erwartet ihn doch eine Party der ganz besonderen Art. Nun weiss man ja nicht erst seit heute, das hassende Frauen zu Vielem in der Lage sind, um ihren Männern deren Fehler vor Augen zu führen, doch das "Projek", mit dem Alexandra ihren Mann überrascht, toppt doch so ziemlich alles, was man sich so in seinen kühnsten Träumen vorzustellen vermag. Dabei bedient sich die Ehefrau der einfachsten Mittel, um ihren Mann zu schockieren und zu demütigen, ist es doch eine banale Videocassette, die das Leben von Steve innerhalb kürzester Zeit aus dem Ruder laufen lässt. Näheres zum Inhalt des Tapes kann man hier nicht äussern, um nicht die gesamte Spannung vorwegzunehmen, allerdings ist das Videomaterial so hart und demütigend, das einem gerade als Mann kalte Schauer über den Rücken laufen und man das Gesehene erst einmal verarbeiten muss.

Obwohl hier im Cast mehrere Darsteller aufgeführt sind, handelt es sich im Endeffekt um ein intensives Kammerspiel mit lediglich zwei Personen, von denen eine auch noch nur per Video präsent ist. Nun mag manch einer eventuell denken, das sich eine eher zähflüssige und langatmige Geschichte entwickelt, doch diese Befürchtung kann man von Anfang an im Keim ersticken. Vielmehr entsteht zwischen den beiden Eheleuten ein psychisches Katz-und Maus Spiel, in dem der Verlierer von der ersten Sekunde an feststeht. Steve hat nämlich keinerlei Chance, dieses perfide und sadistische Spiel zu gewinnen, ist seine Frau doch überhaupt nicht greifbar für ihn, so das er die gesamte Palette der Demütigungen über sich ergehen lassen muss, die das Video-Tape für ihn bereithält. Dabei schlägt ihm nicht der gesammte aufgestaute Frust und Hass seiner Frau entgegen, sondern wird im häppchenweise Stück für Stück vermittelt, wobei sich sein eigener Schmerz immer mehr steigert, bis es kaum mehr auszuhalten ist. Gerade die immer weiter ansteigenden Demütigungen seiner Frau sind es, die der Geschichte eine ungeheure Wucht verleihen und dem Zuschauer so manchen Schlag in die Eingeweide garantieren.

Insbesondere als Mann gerät man dabei zeitweise in einen Zustand, der gar nicht mehr den Eindruck eines Spielfilms verleiht, befindet man sich doch mit einemmal selbst in Steves Fernsehsessel und stellt sich dabei vor, das es nicht Alexandra, sondern die eigene Ehefrau ist, die einem aus dem Bildschirm entgegenschaut. So sieht man dann das Geschehen streckenweise aus einem vollkommen anderen Blickwinkel und denkt über sein eigenes Verhalten innerhalb der eigenen Ehe nach. Bringt man der eigenen Ehefrau den Respekt entgegen den sie verdient hat, oder bewegt man sich auch in einer Art Scheinwelt, in der nach der eigenen Sichtweise scheinbar alles in Ordnung ist? So kann man sich dann auch hervorragend in die vorherrschende Situation des geschockten Ehemannes hineinversetzen und entwickelt trotz dessen offengelegter Fehler so etwas wie Mitgefühl, denn will man doch auf keinen Fall in seiner Situation sein, die sich mit der Zeit immer mehr zuspitzt. Denn durch die auf dem Tape gezeigten Geschehnisse gerät Steve immer mehr in einen Strudel, der ihn unaufhörlich immer weiter nach unten zieht und seine Psyche zunehmend belastet. Alexandra's Botschaft an ihn ist nämlich geprägt von Sadismus und psychischer Qual und entpuppt sich letztendlich als eine Machtdemonstration gegenüber einem machtlosen Menschen, der mit zunehmender Laufzeit immer mehr feststellen muss, das er keinerlei Chancen hat, seine Situation zu verbessern.

Aus dem zu Beginn lebensfrohen und selbstsicheren Mann wird immer mehr ein psychisches Wrack, das die durch das Video entstehenden Qualen kaum noch begreifen geschweige denn verarbeiten kann. Und an diesem Punkt kommen wir nun zur größten Stärke dieser australischen Produktion und das sind ganz eindeutig die beiden Hauptdarsteller Gary Sweet und Helen Buday, die durch ihr brillantes Schauspiel für die ausgehende Intensität dieses Dramas verantwortlich zeichnen. Die immense Ausdrucksstärke der kleinsten Gefühlsregungen vermitteln einen so authentischen und glaubwürdigen Eindruck, das man wirklich streckenweise das Gefühl bekommt, ein Teil dieser Geschichte zu sein, die faszinierend und schockierend zugleich ist. Obwohl der Film keinerlei Action beinhaltet und sich fast ausschließlich in einem Zimmer vor einem TV-Gerät abspielt, entsteht eine solch dichte Grundstimmung, das man als Betrachter schweissnasse Hände bekommt. Dabei wird man die gesamte Laufzeit über ein starkes Gefühl der Beklemmung nicht los und steht auch lange nach der Sichtung des Filmes noch nachhaltig unter den Eindrücken, die er vermittelt hat.

"Alexandra's Project" ist sicherlich nicht unbedingt ein Film, den man als mainstreamtauglich bezeichnen kann und wird so wohl auch lediglich einer betimmten Zielgruppe zugänglich sein. Wer allerdings ein extrem intensives und authentisches Drama zu schätzen weiss, der wird von diesem aussergewöhnlichen Werk nahezu begeistert sein. Mit den einfachsten und bescheidendsten Mitteln wurde hier das Maximale an Wirkung erzielt, so das man von einem nahezu brillanten Filmerlebnis sprechen kann, das insbesondere beim männlichen Geschlecht seine Spuren hinterlassen dürfte.


Fazit:


"Alexandra's Project" kann man durchaus als Mahnmal für Männer ansehen, die ihren Frauen nicht die nötige Zuwendung und den gebührenden Respekt entgegenbringen, den sie letztendlich verdienen. Sicherlich werden die eventuellen Folgen hier auf eine äusserst drastische Art dargestellt, die aber keinesfalls an den haaren herbeigezogen erscheint. Auf jeden Fall aber handelt es sich um einen brillanten Film, den man unbedingt gesehen haben sollte.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,78:1 (16:9)
Laufzeit: 99 Minuten
Extras: Behind the Scenes, Interview, Trailer, Trailershow, Booklet


9/10

Sonntag, 7. November 2010

Survival of the Dead








Survival of the Dead
(Survival of the Dead)
mit Alan Van Sprang, Kenneth Welsh, Kathleen Munroe, Devon Bostick, Richard Fitzpatrick, Athena Karkanis, Stefano DiMatteo, Joris Jarsky, Eric Woolfe, Julian Richings, Wayne Robson, Joshua Peace, Hardee T. Lineham, Dru Viergever, Shawn Roberts
Regie: George A. Romero
Drehbuch: George A. Romero
Kamera: Adam Swica
Musik: Robert Carli
Keine Jugendfreigabe
USA / 2009

In der Hölle ist kein Platz mehr und die Toten kommen auf die Erde zurück. Die wenigen Überlebenden versuchen, sich aus den Klauen Millionen hungriger Zombies zu retten. Einer davon ist der abgeklärte Sergeant Crocket mit seiner desillusionierten Einheit. Durch Zufall erfahren sie von einer Insel vor der Küste Nordamerikas, einem angeblich sicheren Zufluchtsort. Dort angekommen stellen sie fest, dass nicht die Untoten die größte Gefahr darstellen: Eine blutige Fehde zwischen den alteingesessenen Familien O’Flynn und Muldoon macht das Leben auf der Insel unmöglich. Während die O’Flynns die auferstandenen Untoten vernichten wollen, versuchen die Muldoons die Zombies zu domestizieren. Die untoten Freunde und Verwandten werden hinter Schloss und Riegel gehalten - mit fatalen Konsequenzen.


Der Name George A. Romero ist wohl der bekannteste, wenn es um das Genre der Zombiefilme geht, denn hat der Regisseur doch mit einigen seiner Filme wahre Meilensteine gesetzt. So ist es dann auch nicht weiter verwunderlich, wenn man in seinen Werken immer das Besondere erwartet, was in den meisten Fällen ja auch geboten wurde. Doch mit "Survival of the Dead" ist nun sein neuestes Werk der "of the Dead Reihe" erschienen, das den hohen Standard früherer Filme nicht mehr nicht mehr erfüllen kann. Damit wir uns nicht falsch verstehen, es handelt sich hier um einen durchaus unterhaltsamen Zombiefilm, der auch einen annehmbaren Härtegrad beinhaltet, aber aus der Sicht eines eingefleischten Romero-Fans handelt es sich eher um eine leichte Enttäuschung, denn fehlt es der Geschichte doch an den wichtigsten Dingen, die man in einem Zombiefilm vom Altmeister ganz einfach erwartet.

So ist es allein schon recht gewöhnungsbedürftig, das man vielmehr mit einer Zombie-Komödie als mit einem ernstzunehmenden Film zu tun bekommt. Ich wüsste nicht, das in einem vorherigen Teil der Reihe so viele komische Passagen enthalten wären, wie es in vorliegendem Film der Fall ist. Das äussert sich insbesondere in einigen Tötungen diverser Untoter, die zugegebenermaßen teilweise äusserst witzig erscheinen, die man aber in dieser Form nicht unbedingt in einem Romero-Film erwartet. Hinzu kommt die Tatsache, das absolut nichts von der üblichen Grundstimmung zu spüren ist, die ansonsten immer sehr beklemmend, düster und auch sehr bedrohlich war. Das ist vor allem deswegen sehr bedauerlich, da die herausragende Atmosphäre schon immer ein absolutes Markenzeichen der "of the Dead Filme" war und ganz besonders in den ersten 3 Teilen extrem stark zum Ausdruck kam.

In vorliegendem Film hat man sich aber leider nicht dieser Stärken besinnt und mehr auf Humor gesetzt, was für echte Fans sicherlich ziemlich gewöhnungsbedürftig ist. Gerade bei den Versuchen, die Untoten zu dressieren, fühlt man sich an einigen Stellen an die Zombie-Retro-Komödie "Fido" erinnert, was ja nicht zwangsweise als negativ zu bewerten ist, aber wir sprechen hier über einen Zombiefilm von Romero und da stellt sich die Frage, ob der Zuschauer das überhaupt will. Erwartet man doch viel eher ein äusserst bedrohliches Szenario, dem eine ordentliche Portion Sozialkritik beigemischt wurde und das erstklassige SFX beinhaltet. Nun kann man sich zwar über die vorhandenen Effekte nicht wirklich beklagen, denn gibt es doch einige wirklich sehenswerte Szenen zu begutachten, jedoch mangelt es etwas an Abwechslung, da es sich in der Mehrzahl lediglich um etliche Kopfschüße handelt. Echte Auseinandersetzungen zwischen Mensch und Zombie sind eher die Seltenheit, so das auch lediglich einige wenige Biss-Szenen zu sehen sind.

Ganz generell wird man auch die gesamte Laufzeit über das Gefühl nicht los, das die Untoten hier eher eine Art Nebenrolle einnehmen, dreht sich die eigentliche Geschichte doch hauptsächlich um die Familienoberhäupte zweier verfeindeter Familien, deren ewig andauernder Streit zu sehr in den Mittelpunkt des Geschehens rückt. Will der eine die Insel von sämtlichen Zombies säubern, so will der andere sie am "Leben" lassen, um sie dazu zu bringen, das sie andere Nahrung als Menschenfleisch zu sich nehmen. Man sieht also, das die Rahmenhandlung auch nicht unbedingt vor Innovation und Kreativität sprüht, hier hätte Romero sicherlich eine Menge mehr bewerkstelligen können. So kann man letztendlich festhalten, das hier ein größtenteils gut unterhaltender Zombiefilm vorliegt, der insbesondere als Komödie äusserst gut funktioniert und so auch sicher seine Fangemeinde finden wird. Aus Sicht eines echten Romero-Fans wird allerdings lediglich Durchschnitt und teilweise gewöhnungsbedürftige Filmkost geboten, denn hat der Altmeister hier doch definitiv den schwächsten Teil der Reihe abgeliefert.


Fazit:


Wenn man nicht wüsste, das es sich bei "Survival of the Dead" um den neuesten Teil einer Kult-Reihe handelt, dann könnte man recht objektiv behaupten, das es sich um eine gelungene und teils sehr witzige Zombie-Komödie handelt, denn kurzweilige Unterhaltung ist jederzeit vorhanden. Legt man allerdings den altbewährten Romero-Maßstab an, bekommt man es doch eher mit einer leichten Enttäuschung zu tun. Haben schon die letzten beiden Teile "Land of the Dead" und "Diary of the Dead" die Meinungen extremst gespalten, so wird das bei vorliegendem Film noch mehr der Fall sein. Mir persönlich hat das Werk recht gut gefallen, ist aber dennoch der mit Abstand schwächste Teil der Reihe und darf vor allem nicht mit der genialen ersten Trilogie verglichen werden, denn dazu fehlt es ganz eindeutig an Klasse.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 87 Minuten
Extras: Making Of, International Shout Outs, Exklusives Booklet


als Teil der Reihe 6,5/10

als Zombie-Komödie 8/10

Freitag, 5. November 2010

Mosquito






Mosquito
(Mosquito)
mit Gunnar Hansen, Ron Asheton, Steve Dixon, Rachel Loiselle, Tim Lovelace, Mike Hard, Kenny Mugwump, Josh Becker, Margaret Gomoll, John Reneaud, Joel Hale, Guy Sanville, Patrick Butler, Patricia Kay Jones, Howard Brusseau Jr.
Regie: Gary Jones
Drehbuch: Tom Chaney / Steve Hodge
Kamera: Tom Chaney
Musik: Allen Lynch / Randall Lynch
FSK 18
USA / 1994

Durch den unerwarteten Absturz eines Raumschiffes auf die Erde mutieren alle Mosquitos in der Absturzgegend zu blutlechzenden Horrorkreaturen, welche im Umkreis lebende Menschen gnadenlos attackieren. Als ein belesener Wissenschaftler die wahre Ursache für diese Katastrophe aufdeckt, scheint es fast schon zu spät, doch eine Hand voll Überlebender stellt sich den Biestern mit brachialer Waffengewalt. Nur so kann man die Plage aufhalten...


Wer bei diesem Film auf eine ernsthafte Umsetzung gelungenen Tierhorrors zu hoffen wagt, der müsste eigentlich schon nach wenigen Minuten dieser Hoffnung beraubt werden, macht "Mosquito" doch von Beginn an keinen Hehl daraus, in welche Richtung das Geschehen tendieren wird. Rein filmisch gesehen liegt hier nämlich eine echte Gurke vor, in der man Tierhorror mit leichten SCI/FI Elementen gejreuzt hat, jedoch entpuppt sich die geschichte von der ersten Minute an als kleine Trash-Granate, an der insbesondere die Freunde des skurrilen und etwas unfreiwillig komischen Humors ihre helle Freude haben dürften. Das beginnt schon mit der äusserst oberflächlichen Einführung der gänzlich farblosen und dümmlichen Charaktere, die sich in dilletantischem Schauspiel gegenseitig überbieten. Von den Darstellern ist der gute alte Gunnar Hansen (Leatherface) das einzig bekannte Gesicht, was ihn aber auch nicht daran hindert, hier eine eher dürftige leistung abzuliefern. Betrachtet man allerdings die dargebotenen schauspielerischen Leistungen aus der Sicht eines Trash-Liebhabers, dann bekommt man genau das geboten, was man in einem Film dieser Art erwartet.

Es ist aber längst nicht nur das Schauspiel, das hier für eine ausgrprägte Erheiterung beim Zuschauer sorgt, auch andere Faktoren spielen dabei eine sehr große Rolle. Wären da doch beispielsweise die überdimensional großen Mosquitos, die zur damaligen Zeit noch ohne großartige CGI Effekte dargestellt wurden, wobei sich die Bezeichnung großartig auf die vorhandene Qualität bezieht. Ihr Erscheinen ist jedesmal wieder als ein Höhepunkt des Filmes anzusehen, da die Darstellung einen so grotesken Eindruck hinterlässt, das einem fast schon zwangsläufig die Tränen in die Augen treten. Wer hier nicht lachen kann, der sollte dazu wohl besser in den Keller gehen, denn mehr Trash ist kaum möglich. So sind dann auch die Attacken der Riesen-Insekten und die dadurch verbundenen Kämpfe mit ihren menschlichen Opfern an Dilletantismus schwerlich zu überbieten und auch das Aussehen der Menschen, nachdem sie von den Insekten ausgesaugt wurden ist ein echter Schenkelklopfer. Riesengroße Glubschaugen die nach einer gewissen Zeit zerplatzen sind die Folge und erinnern doch schon sehr stark an Filme, in denen ein Begriff wie Tricktechnik noch als Fremdwort galt.

Doch damit nicht genug, denn der Zuschauer wird in dieser eigentlich recht drögen Story zusätzlich noch mit Dialogen verwöhnt, die diese Bezeichnung im Prinzip gar nicht verdient haben. Stellen sich die Verbalausbrüche der Protagonisten doch als teils vollkommen sinnbefreites Gebrabbel heraus, das zudem noch extrem unlogische Lösungsansätze für das vorhandene Problem beinhaltet. Es ist phasenweise schon als haarsträubend zu bezeichnen, was in diesem Film für ein Schwachsinn geredet wird, andererseits unterstreicht das nur den äusserst hohen Trashgehalt, der in diesem skurrilen Werk vorhanden ist. Man sieht also, das man keinesfalls einen ernstzunehmenden Genre-Vertreter erwarten sollte, denn dafür ist der Film von Gary Jones ganz sicher nicht ausgelegt. So gibt es keinen wirklichen Spannungsbogen und echter Horror wird zu keiner Zeit erzeugt. Vielmehr entfaltet sich eine haarsträubende Story in der eigentlich gar nichts so richtig zusammenpasst und die man letztendlich einzig und allein auf ihren Unterhaltungswert reduzieren muss. Der allerdings ist auf jeden Fall gegeben, wenn man eine Vorliebe für den schlechten Geschmack besitzt und seine Freude an skurrilen Horrorfilmen hat.

Letztendlich fällt es relativ schwer, diese Trash-Granate mit normalen Maßstäben zu messen die man im Normalfall anlegen würde, rein filmisch gesehen ist nämlich absolute Schmalkost angesagt. Etwas anspruchsvollere Cineasten werden diesem Werk wohl kaum etwas abgewinnen können, da er im Prinzip nichts beinhaltet, was wirklich sehenswert wäre. Einzig und allein die Freunde des schlechten Geschmacks kommen hier zum Zuge und dürften streckenweise sogar regelrecht begeistert sein, denn "Mosquito" beinhaltet alle grotesken Zutaten für einen Trashfilm, der den Fans dieser Filmgattung auch durchaus in nachhaltiger Erinnerung bleiben wird, auch wenn die Gründe dafür eher zweifelhafter Natur sind.


Fazit:


Gehirn ausschalten und sich von erstklassigem Trash berieseln lassen, das sind die Grundvorraussetzungen, um diesem Werk etwas abgewinnen zu können. Wer dazu nicht in der Lage ist, sollte die Finger von dieser DVD lassen, denn anspruchsvolle und ernstzunehmende Filmkost sieht sicherlich vollkommen anders aus.



7/10 Trashpunkte

Mittwoch, 3. November 2010

The Spirit






The Spirit
(The Spirit)
mit Jaime King, Gabriel Macht, Dan Gerrity, Arthur the Cat, Kimberly Cox, Brian Lucero, David Brian Martin, Larry Reinhardt-Meyer, Frank Miller, Eva Mendes, Eric Balfour, Samuel L. Jackson, Louis Lombardi, Scarlett Johansson, Sarah Paulson
Regie: Frank Miller
Drehbuch: Frank Miller / Will Eisner
Kamera: Bill Pope
Musik: David Newman
FSK 16
USA / 2008

Es ist die Geschichte eines jungen Cops, der auf mysteriöse Weise als Spirit vom Tod in das Leben zurückgekehrt ist, um aus der Schattenwelt heraus das Verbrechen von Central City zu bekämpfen. Sein Erzfeind Octopus ist auf einer ganz anderen größenwahnsinnigen Mission: Er plant, Spirits geliebte Stadt auszulöschen, während er selbst nach seiner eigenen Unsterblichkeit strebt. Spirit verfolgt den kaltherzigen Killer quer durch Central Citys heruntergekommene Lagerhäuser, feuchte Katakomben bis in das windgepeitschte Hafenviertel. Dabei begegnet er einem Schwarm exotischer Schönheiten, von denen der maskierte Held jedoch nie wissen kann, ob sie ihn verführen, lieben oder töten werden: Ellen Dolan, das Mädchen von nebenan mit messerscharfem Verstand; Silken Floss, punkige Sekretärin und ein kaltes Biest; Plaster of Paris, eire mörderische französische Nachtclubtänzerin; Lorelei, eine mysteriöse Sirene; und Morgenstern, eine junge sexy Polizistin. Und dann ist da natürlich noch Sand Saref, die Juwelendiebin mit den gefährlichen Kurven. Sie, die Liebe seines Lebens, hat sich jedoch dem Bösen verschrieben. Wir Spirit sie retten können oder wird sie ihm am Ende ins Verderben stürzen?


"Sin City" und "300" sind zwei äusserst beeindruckende Filme die unter der Regie von Frank Miller entstanden sind und allein schon durch ihre geniale Optik nachhaltig im Gedächtnis des Zuschauers hängenbleiben. Allerdings ist es gerade diese Optik die bei vorliegendem Film in der Art wie bei "Sin City" gewählt wurde, die es extrem erschwert, dieser Comicverfilmung etwas Positives abzugewinnen. Der künstliche Look kommt zu keiner Zeit so richtig zur Geltung und kann noch nicht einmal ansatzweise die Faszination auslösen, wie es bei "Sin City" der Fall war. Doch ganz generell handelt es sich bei "The Spirit" um einen gänzlich misslungenen Film, da kann auch die Tatsachen nichts dran ändern, das Stars wie Samuel L. Jackson, Eva Mendes oder Scarlett Johansson mit von der Partie sind. Denn in darstellerischer Hinsicht bekommt man absolute Schonkost serviert, allerdings gibt die äusserst albern umgesetzte Story auch nicht gerade viel her, als das die Akteure die Möglichkeit hätten, durch brillantes Schauspiel zu überzeugen.

Vollkommen überzeichnete Charaktere und eine schon als dümmlich zu bezeichnende Geschichte sorgen für recht wenig Unterhaltungswert, denn wer hier ein actiongeladenes Spektakel erwartet, der sieht sich dieser Hoffnung doch äusserst schnell beraubt, vielmehr wird man mit jeder Menge extrem platten Humor und dämlichen Dialogen gelangweilt, die dem Geschehen wohl so etwas wie Witz und Charme verleihen sollen, aber letztendlich genau das Gegenteil bewirken. Für mich galt bisher immer "Dick Tracey" als die schlechteste Comicverfilmung überhaupt, jedoch reiht sich vorliegendes Werk nahtlos an, denn schlechter und uninspirierter geht es kaum. Wenn man wenigstens einen gewissen Spannungsaufbau oder eine gelungene Grundstimmung erkennen könnte wäre das ja alles halb so schlimm und man könnte sogar über das fehlende Tempo in der Erzählweise hinwegschauen, jedoch wartet man leider ganzzeitig vergebens auf einen gelungenen Spannungsbogen und die vorhandene Grundstimmung wirkt größtenteils eher befremdlich, als das ein stimmiges Gesamtbild entstehen würde, an dem man sich erfreuen könnte.

Meiner Meinung nach hat sich Miller mit diesem Murks absolut keinen Gefallen getan und auch die Schauspieler dürften nicht unbedingt mit Stolz den Titel "The Spirit" in ihrer Filmografie stehen haben, handelt es sich doch um alles andere als ein Ruhmesblatt, mit dem man prahlen könnte. Das Furchtbarste aller offensichtlichen Defizite die dieser Film zu Hauf beinhaltet, ist aber ganz eindeutig die künstliche Optik, die so gar nicht zum tragen kommt und auch überhaupt nicht zu der teils grotesken Story passt. Wenn die Macher wenigstens ein temporeiches - und actionreiches Geschehen präsentieren würden, witzige Dialoge und eine dreckige Atmosphäre geschaffen hätten, dann würde es vielleicht etwas anders aussehen, aber in diesem platten und vollkommen witzlosen Stenario ist der optische Look viel eher als ein großer Fremdkörper anzusehen, an dem man als Betrachter keinerlei Freude hat.

"The Spirit" ist letztendlich ein zutiefst sinnbefreiter Film, den sich Frank Miller auch durchaus hätte sparen können. Obwohl ich eigentlich immer sehr gerne Comicverfilmungen sehe, ist dieses doch das mit Abstand dümmlichste Filmchen, das in den letzten jahren auf den Markt gekommen ist. Selbst eingefleischte Fans dürften kaum Begeisterung für diesen Müll entfachen können, der weder innovativ, überraschend oder unterhaltsam daherkommt, sondern den Zuschauer lediglich konstant mit einem extrem langweiligem Plot konfrontiert, der aber auch so gar nichts zu bieten hat, was nachhaltig im Gedächtnis hängenbleibt. Lediglich Freunde einer langatmigen und actionlosen Story und vollkommen überzeichneter wie auch dämlicher Charaktere könnten diesem abstrusen Machwerk eventuell etwas abgewinnen.


Fazit:


Sorry Herr Miller, aber dieser Schuß ging ganz eindeutig nach hinten los. Die Sin City Optik funktioniert nun nicht jedes mal automatisch, man braucht auch die passende Geschichte dazu. Und das dies in vorliegendem Film eindeutig nicht der Fall ist, merkt man von der ersten bis zur letzten Minute. Hinzu kommt noch erschwerend der Aspekt, das man hier ganz eindeutig Humor und übertriebene Albernheit miteinander verwechselt hat, was den Film auch nicht unbedingt aufwertet.


2/10

Montag, 1. November 2010

The Crazies - Fürchte deinen Nächsten






The Crazies - Fürchte deinen Nächsten
(The Crazies)
mit Timothy Olyphant, Radha Mitchell, Joe Anderson, Danielle Panabaker, Christie Lynn Smith, Brett Rickaby, Preston Bailey, John Aylward, Joe Reegan, Glenn Morshower, Larry Cedar, Gregory Sporleder, Mike Hickman, Lisa K. Wyatt, Justin Welborn
Regie: Breck Eisner
Drehbuch: Scott Kosar / Ray Wright
Kamera: Maxime Alexandre
Musik: Mark Isham
Keine Jugendfreigabe
USA / Vereinigte Arabische Emirate / 2010

Ogden Marsh ist die typische amerikanische Kleinstadt im Mittleren Westen, in der sich die Einwohner auf der Straße freundlich "Guten Tag" sagen. Bis eines Tages, langsam aber unaufhaltsam, das Leben aus den Fugen gerät. Wieso läuft plötzlich Rory Hamill mit einer Schrotflinte über das Baseballfeld? Und wieso tötet der angesehene Bürger Bill Farnum seine Familie und fackelt dann seine Farm ab? Bevor Sheriff David Dutton und seine schwangere Frau Judy auch nur darüber nachdenken können, sind die Verrückten - die "Crazies" - schon überall. Die Nationalgarde geht brutal gegen Infizierte und Gesunde vor. Gemeinsam mit Judys Mitarbeiterin Becca und Deputy Russel suchen die letzten Verschonten einen Ausweg aus der Hölle, während die mörderischen Bestien im Schatten der einstigen Idylle lauern


Da mittlerweile ja schon fast jeder Horrorfilm in den letzten Jahren eine Neuauflage erfahren hat, war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, wann es auch George A. Romeros Frühwerk "The Crazies" erwischen würde. Gespannt konnte man als Fan auf die Neuinterpretation warten, die nun auch ihren Weg auf DVD gefunden hat. Und wenn man ganz ehrlich ist, dann ist die Version von Regisseur Breck Eisner als durchaus gelungen zu bezeichnen, hat er es doch sehr gut verstanden, die Grundgeschichte beizubehalten, aber doch einige leichte Änderungen einzubauen. So ist die neue Version des Filmes beispielsweise um einiges actionlastiger, als wie es noch das Original aus dem Jahre 1973 war, was ganz sicher auch der jüngeren Generation der Horror-Fans geschuldet ist. Nun wird es auch sicherlich wieder einige Kritiker geben, die dem Remake eventuell die inhaltliche Tiefe absprechen, die Romeros Werk so ausgezeichnet hat, jedoch tut der hier vorhandene weitaus höhere Actionanteil dem Film sehr gut, entsteht dadurch doch schon fast zwangsläufig auch eine viel rasantere Erzählweise, die sämtliche Geschehnisse sehr temporeich darstellen und so für ganzzeitig extrenm kurzweilige Unterhaltung sorgen.

Die grundlegendste Änderung der Geschichte ist bestimmt die Rolle des Militärs, nahm dieses im Original noch einen äusserst größeren Stellenwert ein, so stellen die Soldaten in Eisners Werk viel eher eine für die Story notwendige Nebenrolle dar. So tritt das Militär hier beispielsweise viel später in das Geschehen ein, auch gibt es keinerlei Erklärungen für die anscheinend spontan auftretende Seuche, die zuerst nur wenige Bewohner der Kleinstadt befällt. So bekommen die Hauptfiguren des Filmes (Sheriff Dutton, Deputy Russel, Judy Dutton) auch erst im letzten Drittel der Story eine Bestätigung für die Ereignisse, obwohl sie durch eigene Recherchen schon längst ihre eigenen Vermutungen hatten. Diese drei Charaktere sind es dann auch, die im absoluten Focus des Szenarios stehen und scheinbar aussichtslos versuchen, den brutalen Soldaten zu entkommen. Diese sind nämlich keineswegs zimperlich und töten anscheinend willkürlich alle Bewohner der Stadt, ob sie nun infiziert sind oder nicht.

Konnte man im Original noch ein gewisses Verständnis für das Militär aufbringen, da man von Beginn an mit Erklärungen für die auftretende Seuche gefüttert wurde, so wirken die Militärs hier vielmehr wie seelenlose Killermaschinen die blind irgendwelchen Befehlen folgen, ohne das man aber als Zuschauer die Motivation erkennen kann, warum auch nicht Infizierte Menschen einfach getötet werden. Das verleiht dem ganzen meiner Meinung nach noch viel mehr Härte und entfacht auch eine gewisse Schockwirkung, die den gesamten Film über vorhanden ist und auch eine äusserst beklemmende Grundstimmung verursacht, die dem Szenario sehr gut zu Gesicht steht. Nun mag es durchaus möglich sein das Romeros Werk mehr Gesellschaftskritik beinhaltet hat und diese hier dem höheren Actiongehalt weichen musste, jedoch sind die Ansätze auch hier gut zu erkennen. Stellvertretend dafür stehen eben die willkürlich tötenden Mörder im Staatsdienst, die durch ihre Aktionen ein Projekt der Regierung verschleiern sollen das durch einen Unfall ausser Kontrolle geraten ist, wofür nun letztendlich die gesamte Bevölkerung einer Kleinstadt zu büßen hat. Dabei hinterlassen die Geschehnisse einen jederzeit authentischen und glaubwürdigen Eindruck, denn so ein Schreckens-Szenario wie hier könnte wohl jeden Tag an jedem Ort der Welt passieren und eventuell würde man es sogar gar nicht mitbekommen oder aber es würde von offiziellen Stellen vollkommen anders dargestellt werden.

Letztendlich wird die Neuauflage ganz sicher nicht den nachhaltigen Eindruck des Romero-Werkes hinterlassen, das ganz einfach viel tiefsinniger war und nicht so viel Wert auf den Actiongehalt gelegt hat, aber insgesamt gesehen weiss Breck Eisners variante durchaus zu überzeugen. Mir persönlich hat es sehr gut gefallen, das hier einige der Stadtbewohner viel intensiver beleuchtet wurden und das Militär eher eine notwendige Aussenseiterrolle eingenommen hat. So waren die Symphatie des Betrachters auch von der ersten Minute an bei den Hauptprotagonisten, die hier eine tiefere Beleuchtung erhalten als im 1973er Werk. Zu den Regierungstruppen hat man erst gar keine Verbindung keglicher Art herstellen können, da es sich vielmehr um eine Gruppe anonymer Killermaschinen handelt, die wahllos das Leben sämtlicher Stadtbewohner auslöscht. Das alles wurde mit dem genau richtigen Härtemaß versehen, das einige wirklich nette Szenen bietet, dabei aber zu keiner Zeit über die Stränge schlägt und in ein sinnbefreites Gemetzel ausartet.


Fazit:


"The Crazies - Fürchte deinen Nächsten" ist in meinen Augen ein wirklich gelungenes Remake, das ganzzeitig sehr gute und kurzweilige Unterhaltung bietet. Auch wenn die vorherschende Atmosphäre nicht ganz an die beklemmende Wirkung des Originals herankommt, kann man die hier vorhandene Intensität der Geschehnisse als durchaus gelungen bezeichnen. Auch das zeitgemäße Aufpeppen der Geschichte hat dem Film keineswegs geschadet, da sich alles in einem anständigen Rahmen bewegt. So kann man Eisners Werk bedenkenlos weiterempfehlen, denn durchgehend spannende Filmkost ist hier garantiert.


7,5/10