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Donnerstag, 30. Dezember 2010

Hellraiser 2 - Hellbound









Hellbound : Hellraiser II
(Hellbound : Hellraiser II)
mit Clare Higgins, Ashley Laurence, Kenneth Cranham, Imogen Boorman, Sean Chapman, William Hope, Doug Bradley, Barbie Wilde, Simon Bamford, Nicholas Vince, Oliver Smith, Angus MacInnes
Regie: Tony Randel
Drehbuch: Clive Barker / Peter Atkins
Kamera: Robin Vidgeon
Musik: Christopher Young
Ungeprüft
Großbritannien / 1988

Kirsty Cotton erwacht in einer psychatrischen Klinik. Doch die Alpträume sind noch nicht zu Ende geträumt... Sie hat die schreckliche Nacht im Hause ihres Vaters weder verarbeitet, noch vergessen. In letzter Sekunde ist sie den Cenobites, Ausgeburten der Hölle, entkommen. Ihre Stiefmutter ermordete ihren Vater, fiel dann aber selbst Kirty's Onkel Frank, der das Böse über die Familie gebracht hatte, zum Opfer. Frank, der den magischen Würfel entdeckt hatte und von den Toten auferstanden war. Dr. Channard, der Chefarzt der psychatrischen Klinik, zeigt ausserordentliches Interesse an Kirsty's Geschichte. Als die Polizei die grausigen Überreste von Frank's Opfern in der Lodovico Street findet, beansprucht Channard die noch blutverkrustete Matratze, auf der Kirty's Stiefmutter starb. Er stößt das Tor zur Hölle wieder auf..!


Für mich persönlich ist das der beste Teil der gesamten Hellraiser - Reihe. In keinem Teil ist die Atmosphäre so dicht und bedrohlich wie in diesem. Sicher trägt dazu auch der Schauplatz in der Psychatrie bei, wodurch die Atmosphäre gleich noch um ein Stück beklemmender wird. Auch die Idee mit dem Labyrinth passt hier excellent rein und verleiht dem Film eine ganz besondere Note. Gerade der dadurch entstehende Fantasy-Einfluss ist es, der diesem zweiten Teil etwas vollkommen Aussergewöhnliches verleiht, denn die Mischung aus Fantasy-und Horror wurde einfach absolut brillant in Szene gesetzt und sorgt für ein ganz besonderes Filmerlebnis, das sich auch nachhaltig im Gedächtnis des Betrachters verankert.

Der Spannungsbogen zieht sich auf einem sehr hohen Level wie ein roter Faden durch den gesamten Film, es kommt zu keinerlei Spannungseinbrüchen und Langeweile kommt gar nicht erst auf. Dabei ist es vor allem die ständige Steigerung der Spannungsmomente, die in vielen Passagen sogar absolute Hochspannung aufkommen lässt und dem Zuschauer streckenweise sogar schweissnasse Hände beschert Hier ist wirklich eine sehr gute Story fantastisch umgesetzt worden, dem Zuschauer werden tolle Bilder dargeboten und der gesamte Film übt eine extrem starke Faszination auf einen aus, der man sich einfach nicht entziehen kann. Vielmehr verspürt man ziemlich oft so etwas wie eine schaurige Magie, die eine fast magnetische Anziehungskraft entstehen lässt und so für ein unvergessliches Filmvergnügen sorgt. Ausgelöst wird dies durch die wirklich einzigartige Stimmung, die sich mit zunehmender Laufzeit immer intensiver entfaltet, denn es ist so gut wie unmöglich, sich der atmosphärischen Faszination der Story zu verweigern, die einen von der ersten bis zur letzten Minute in Beschlag nimmt

Auch der vorhandene Härtegrad ist vollkommen in Ordnung, ohne dabei jedoch übertrieben zu wirken. Es wurde auch in dieser Beziehung das genau richtige Maß gefunden, denn enthält das Geschehen doch eine ganze Menge an harten und sehr blutigen Passagen, wirkt aber zu keiner Zeit damit überladen und artet schon gar nicht in einer vollkommen sinnbefreiten Metzelorgie aus. Ein weiterer sehr positiver Aspekt ist die Tatsache, das auch die Cenobiten ziemlich oft zu sehen sind, was sich in den folgenden Teilen der Reihe doch äusserst stark ändern soll, denn in einigen Filmen kommen sie über eine mehr als dezente Gastrolle nicht hinaus. Und auch hier versprühen Pinhead & Co. wieder diese einzigartige Eiseskälte, die man schon im Original verspürt hat und die dafür ausschlaggebend ist, das einen an mehreren Stellen fast zwangsläufig eine Gänsehaut überkommt. Insgesamt gesehen ist "Hellbound" ein wirklich gelungener Horrorfilm, mit einer genial düsteren Optik und extrem gelungenen Atmosphäre, der den Zuschauer in seinen Bann zieht und absolut fasziniert, ein Film, den man kennen sollte. Kein weiterer Ableger kann auch nur annähernd an die Klasse der ersten beiden Filme anknüpfen, die in ihrer Machart und von ihrer ausgehenden Intensität her absolut überzeugen können.

Regisseur Tony Randel hat wirklich alles richtig gemacht und mit "Hellraiser 2 - Hellbound" einen modernen Horrorklassiker geschaffen, der im Laufe der Jahre überhaupt nichts von seiner Klasse und seiner Faszination eingebüßt hat. Die gefundene Mischung ist einfach perfekt gelungen und besticht in erster Linie durch die geniale Kombination aus Horror-und Fantasy-Elementen. Ein dramaturgisch erstklassiger Spannungsaufbau sorgt durch seine kontinuirliche Steigerung phasenweise für absolute Hochspannung und die brillante Grundstimmung des Filmes sorgt für ein atmosphärisches Filmerlebnis, das man einfach selbst gesehen haben muss, um seine Wirkung beschreiben zu können. Selbst im darstellerischen Bereich gibt es keinerlei Grund zur Beanstandung, so das man insgesamt gesehen zu einem wirklich perfekten Gesamteindruck gelangen müsste



10/10

Dienstag, 28. Dezember 2010

2001 Maniacs 2 - Es ist angerichtet









2001 Maniacs 2 - Es ist angerichtet
(2001 Maniacs 2: Field of Screams)
mit Bill Moseley, Lin Shaye, Christa Campbell, Nivek Ogre, Anfrea Leon, Ahmed Best, Katy Marie Johnson, Asa Hope, Alex Luria, Larayia Gaston, Miles Dougal, Trevor Wright, Jordan Yale Levine, Alana Curry, Ryan Fleming
Regie: Tim Sullivan
Drehbuch: Chris Kobin / Tim Sullivan
Kamera: Mike Karasick
Musik: Patrick Copeland / Clifford Allen Wagner
Keine Jugendfreigabe
USA / 2010

Die MANIACS sind zurück! Die hungrige Kannibalentruppe um Mayor Buckman, Granny & Co zieht diesmal mit ihren Wohnwägen durch den amerikanischen Süden auf der Suche nach neuem Frischfleisch für ihr Barbecue. Glücklicherweise treffen sie auf die äußerst leckere Mannschaft einer Reality-TV-Serie, von denen vor allem die beiden Paris-Hilton-Klone, Tina & Rome Sheraton, für Feuer unterm Grill sorgen. Und bevor man ''Yeehaa!'' sagen kann, sind die Messer und Kreissägen auch schon ausgepackt, und das fröhliche Schlachten der jungen Leiber kann beginnen.


Als 2005 mit "2001 Maniacs" das Remake des Herschell Gordon Lewis Klassikers "2000 Maniacs" auf den Markt kam, konnte man sich als Zuschauer an einer herrlich skurrilen Horror-Komödie erfreuen, die zudem auch noch mit einigen recht blutigen Passagen angereichert war. Umso größer war dann auch die Vorfreude auf den vorliegenden zweiten Teil, der wieder unter der Regie von Tim Sullivan entstanden ist. Nun ist die deutsche Veröffentlichung wieder einmal der Schere zum Opfer gefallen, wurde der Film doch um knapp 7 Minuten erleichtert, um das "Keine Jugendfreigabe Siegel" zu erhalten. So kann man sich schon denken, das man mit vorliegender Fassung ein fast komplett neues Werk präsentiert bekommt, dem es doch sichtlich an Härte fehlt, wie man auch dem Schnittbericht entnehmen kann. Ganz sicher wird man "2001 Maniacs" in seiner ungeschnittenen Version aus einem ganz anderen Blickwinkel sehen, allerdings wird dieser nachfolger auch mit mehr Härte nicht die Qualität des Vorgängers erreichen.

Von der fehlenden Härte einmal ganz abgesehen, hat selbst diese geschnittene Version durchaus ihre guten und witzigen Momente, was sich insbesondere in teilweise vorhandener Situationskomik und einer ordentlichen Portion Wortwitz äussert, andererseits kommt der Humor zu keiner Zeit so herrlich bissig zum Vorschein, wie es noch im ersten teil fast durchgängig der Fall war. Damit könnte man sich ja gegebenenfalls noch abfinden, das größte Problem ergibt sich allerdings durch die äusserst auffällig gesetzten Zensurschnitte, die dem Zuschauer zu offensichtlich das Gefühl vermitteln, das es sich um eine unvollständige Geschichte handelt. So erscheinen die Ereignisse doch größtenteils ziemlich abgehackt und erwecken streckenweise den Anschein, das man hier mehrere Storyfetzen einfach aneinandergereiht hat, deren Sinn man sich lediglich in seiner Fantasie ausmalen kann. Nicht genug, das einem hier fast sämtliche Splatterszenen vorenthalten werden, die Schnitte sind zudem so schlecht und offensichtlich gesetzt, das dies kaum ein vergnügliches Filmvergnügen zustande kommen lässt, so das das Sehvergnügen doch äussert getrübt wird.

Doch auch ansonsten konnte Tim Sullivan nicht das herrlich kranke und skurrile Ambiente des 2005er Werkes in den zweiten Teil transportieren, was eventuell auch an den Leistungen der agierenden Darstellerriege liegen mag, die nur in wenigen Passagen des Filmes wirklich zu überzeugen weiss. Einige gute Phasen können keineswegs darüber hinwegtäuschen, das man unsgesamt eher unterdurchschnittliches Schauspiel geboten bekommt, das den gewonnenen Gesamteindruck nicht unbedingt aufwerten kann. Merkt man den Akteuren zwar das Bemühen an, sich in die jeweiligen Charaktere hineinzuversetzen, so wirkt das Schauspiel doch zumeist eher hölzern und ungelenk und hinterlässt einen eher krampfigen Eindruck. Es fehlt den Darstellern einfach an Leichtigkeit und Spielfreude, alles wirkt komisch aufgesetzt und manchmal auch zu theatralisch.

Im Endeffekt war "2001 Maniacs 2" für mich persönlich eine ziemliche Enttäuschung und konnte nicht wirklich überzeugen. Trotz seiner äusserst kurzen Laufzeit von knapp 72 Minuten schafft es der Film nicht, durchgehend kurzweilige Unterhaltung zu bieten. Ein paar witzige Momente und 2-3 Splatterszenen können hier nicht über ein insgesamt enttäuschendes Gesamtwerk hinwegtäuschen, das nicht einmal annähernd die Qualität und Kurzweil des Vorgängers erreicht. Sicherlich fällt das Gesamturteil bei der ungeschnittenen Version des Filmes etwas besser aus, doch ein echter Topfilm des Genres wird auch mit 7 Minuten mehr Spielzeit ganz sicher nicht entstehen, denn dafür gibt es ganz generell zu viele offensichtliche Defizite, die man bestimmt hätte vermeiden können, wenn man mit etwas mehr Liebe zum Detail an das Projekt herangegangen wäre.


Fazit:


Da mit Tim Sullivan der gleiche Regisseur wie bei "2001 Maniacs" verantwortlich war, konnte man doch durchaus die berechtigte Hoffnung hegen, einen ähnlich gelungenen Nachfolger präsentiert zu bekommen. Doch nach Sichtung des Filmes muss man leider feststellen, das sich diese Hoffnung nicht wirklich erfüllt hat. Ganz bestimmt trüben die offensichtlichen Schnitte das Sehvergnügen ganz erheblich, jedoch kann "2001 Maniacs 2" auch in seiner Gesamtheit nicht richtig überzeugen. Zu selten funktioniert der vorhandene Humor, so das bis auf wenige Passagen keine echte Kurzweil geboten wird. Das ist praktisch der Todesstoss für einen Film, den man sich in dieser Form auch durchaus hätte sparen können. Wer wirklich gute Unterhaltung will, sollte lieber auf den Vorgänger zurückgreifen, denn bei dem weiss man genau was man hat, nämlich erstklassige Unterhaltung.


Die DVD:

Vertrieb: Sunfilm
Sprache / Ton: Deutsch DTS 5.1, DD 5.1 / Englisch DD 5.1
Bild: 1:1,85 (16:9)
Laufzeit: 76 Minuten
Extras: Audiokommentar, Behind the Scenes, Slideshow, Trailer


4/10

Sonntag, 26. Dezember 2010

Mother









Mother
(Madeo)
mit Hye-ja Kim, Bin Won, Ku Jin, Je-mun Yun, Mi-sun Jun, Young-Suck Lee, Sae-Byeok Song, Mun-hee Na, Woo-hee Chun, Byoung-Soon Kim, Pil-Kyeong Jang, Hee-ra Mun, Bok-dong Mun
Regie: Joon-ho Bong
Drehbuch: Eun-kyo Park / Joon-ho Bong
Kamera: Kyung-Pyo Hong
Musik: Byeong-woo Lee
FSK 12
Südkorea / 2009

Als ein Schulmädchen ermordet aufgefunden wird, verdächtigen die Behörden des Provinzorts Do-jun einen geistig verwirrten Mann, der mit seiner Mutter zusammenlebt. Sie bringen Do-jun dazu, ein Geständnis zu unterschreiben. So können die nachlässig ermittelnden Beamten den Fall bequem ad acta legen. Doch sie haben nicht mit der Hartnäckigkeit der Mutter von Do-jun gerechnet. Nachdem auch der arrogante Anwalt sie im Stich lässt, beginnt sie auf eigene Faust zu ermitteln.


Wie stark ist die Liebe einer Mutter?


Diese Frage ist der zentrale Kernpunkt dieser Geschichte, in deren Focus ganz eindeutig die Figur der Mutter (Hye-ja Kim) steht, deren Präsenz schier allgegenwärtig ist. Insbesondere dem grandiosen Schauspiel von Hye-ja Kim ist es zu verdanken, das der Film sich ziemlich stark von der breiten Maße abhebt und dem Zuschauer ein sehr aussergewöhnliches und intensives Filmerlebnis beschert. Zumeist sind es gerade die Filme der leisen Töne und einer nahezu genialen Schlichtheit, die beim Betrachter die größte Wirkung hinterlassen und das Werk von Regisseur Joon-ho Bong (The Host) ist ganz eindeutig in diese Kategorie einzuordnen. Es sind keine spektakulären Action-Passagen oder eine extrem temporeiche Erzählweise, die diesen Film auszeichnen, sondern vielmehr die schlichte dafür aber umso aussagekräftigen Bilder, die dem Geschehen eine ungeheure Faszination verleihen, der man sich als Zuschauer auf keinen Fall entziehen kann. In Kombination mit dem herausragenden Schauspiel der Hauptfigur ergibt sich so ein Gesamtpaket, das trotz seiner laufzeit von gut 2 Stunden jederzeit interessant und spannend erscheint und keinerlei Platz für langatmige Sequenzen bitet.

Joon-ho Bong ist es hier wirklich erstklassig gelungen, die oben gestellte Kernfrage in den Focus der Ereignisse zu stellen, vermittelt die Geschichte doch einen ungeheuer authentischen Eindruck von der jeweiligen Gefühlslage einer verzweifelten Mutter, die einfach nicht glauben kann, das ihr geistig etwas zurückgeblebener Sohn ein Mörder sein soll. So entsteht beispielsweise zu keiner Zeit der Eindruck, das ihre Handlungen und eigenen Nachforschungen übertieben oder gar unrealistisch wären, vielmehr kann man sich sehr gut in die Frau hineinversetzen die einfach wirklich nichts unversucht lässt, um die Unschuld ihres Sohnes zu beweisen. Wohl jede liebende Mutter würde ähnlich handeln und sich schützend vor ihr Kind stellen, auch wenn sie dabei eventuell einige Grenzen überschreiten muss. Durch die brillante Darstellung von Hye-ja Kim erlangt das Ganze ein äusserst hohes Maß an Authenzität, denn das ganze Geschehen wirkt in höchstem Maße glaubhaft. Durch ihre hervorstechende Mimik kann man jede einzelne Gefühlsregung in ihrem Gesicht perfekt nachvollziehen, ganz egal, ob es sich um Bestürzung, Hoffnung oder zum Ende hin um schreckliche Gewissheit handelt. Ein solch überzeugendes und ausdrucksstarkes Schauspiel wie hier bekommt man leider viel zu selten zu sehen, so das "Mother" allein schon aufgrund dieser Tatsache ein ganz aussergewöhnliches Filmerlebnis darstellt.

Doch nicht nur die darstellerischen Leistungen sind hier besonders hervorzuheben, denn auch ansonsten weiss der Film jederzeit zu gefallen, verfügt er doch trotz des eher ruhigen Erzähltempos über einen dramaturgisch mehr als gelungenen Spannungsbogen, der zudem keinerlei Einbrüche zu verzeichnen hat. Teilweise entfaltet sich mit der Zeit sogar eine äusserst beklemmende Grundstimmung, die ihre Wirkung auf den Betrachter keineswegs verfehlt und ihn förmlich in das realistische Geschehen involviert. So ertappt man sich ziemlich oft dabei, wie man eine sehr starke Identifikation mit der hauptfigur aufbaut und sich nicht selten selbst in der Rolle des beschützenden Elternteils wiederfindet. Fast schon selbstverständlich stellt man sich dabei auch selbst die Frage, wie weit man gehen würde, um sein einziges Kind zu beschützen und ob man dazu bereit wäre, gewisse Grenzen zu überschreiten, ohne dabei an irgendwelche Folgen zu denken. Ist man in einer wie hier dargestellten Situation überhaupt dazu in der Lage, rational und logisch zu denken, oder würde man ganz instinktiv aus dem Bauch heraus handeln? Es ist vollkommen unmöglich, sich diese Fragen nicht zu stellen, erreicht die Geschichte doch im letzten Filmdrittel doch einen Punkt, an dem man sich auch als Zuschauer entscheiden muss, ob man gesetzestreu handelt oder aber den Schutzinstinkt für das eigene Kind über alles andere stellt und dabei nicht an eventuelle Folgen denkt, die daraus entstehen könnten.

Letztendlich hat Joon-ho Bong mit "Mother" ein wirklich bewegendes und eindrucksvolles Drama geschaffen, das einen von der ersten Minute an packt und in seinen bann zieht. Durch schlichte, aber extrem intensive Bilder wird dabei ein äusserst authentischer Eindruck erschaffen, so das man sich ohne Probleme sehr gut mit den dargestellten Ereignissen identifizieren kann. Und auch wenn hier ein mehr als nur gelungenes Gesamtpaket vorliegt, muss man die schauspielerische Leistung von Hye-ja Kim noch einmal gesondert erwähnen, da es sich hierbei um den absoluten Höhepunkt eines fantastischen Filmes handelt. Würde man es nicht besser wissen käme man nie auf den Gedanken, das es sich lediglich um "Schauspiel" handelt, vielmehr hat man den ganzen Film über den Eindruck, das diese Frau die Geschehnisse wirklich erlebt. So drückt sie diesem Drama auch ganz unweigerlich ihren ganz persönlichen Stempel auf, der es so stark von anderen Genrevertretern abhebt und unterscheidet.


Fazit:


Schlichte Bilder, eine grandiose Hauptdarstellerin und jede Menge Intensität sind die absoluten Markenzeichen eines erstklassigen Dramas, das den Zuschauer hauptsächlich durch seine authentische Wirkung in seinen Bann zieht. Ein perfektes Psycho-Drama, das den verzweifelten Kampf einer Mutter aufzeigt, die wirklich alles tun würde, um ihr einziges Kind zu beschützen. Dabei wurde gänzlich auf spektakuläre Passagen verzichtet, die dem Werk im Endeffekt auch mehr geschadet hätten und insbesondere den hohen Realitätsgehalt deutlich getrübt hätten. So aber wurde alles richtig gemacht und das Endergebnis ist ein intensives Filmvergnügen, das auch den höchsten Ansprüchen genügen dürfte.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot elite
Sprache / Ton: Deutsch DD 2.0, DD 5.1 / Koreanisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 124 Minuten
Extras: Making Of, Interview, Behind the Scenes, Original Teaser, Original Trailer, Trailershow


9/10

Freitag, 24. Dezember 2010

Hellraiser - Das Tor zur Hölle









Hellraiser - Das Tor zur Hölle
(Hellraiser)
mit Andrew Robinson, Clare Higgins, Ashley Laurence, Sean Chapman, Oliver Smith, Robert Hines, Anthony Allen, Leon Davis, Michael Cassidy, Frank Baker, Kenneth Nelson, Gay Baynes
Regie: Clive Barker
Drehbuch: Clive Barker
Kamera: Robin Vidgeon
Musik: Christopher Young
Ungeprüft
Großbritannien / 1987

[b]Frank Cotton öffnet mit Hilfe eines magischen Würfels das Tor zu einer anderen Dimension. Nie gekannte Lust ist ihm versprochen worden, doch den unheimlichen Wesen der Hölle, den Zenobiten, steht der Sinn nach etwas ganz anderem. Sie unterziehen Frank jener Sonderbehandlung, die denen widerfährt, die es wagen, sie zu rufen. Mit Haken, Messern und Ketten wird er zu einem anatomischen Puzzle zerlegt. Jahre vergehen: Ein Blutstropfen setzt die unheimliche Wiedergeburt in Gang...



Mit "Hellraiser hat Clive Barker einen modernen Horrorklassiker geschaffen,der bis zum heutigen Tage schon 7 mehr oder minder gute Nachfolger nach sich gezogen hat. Dieser erste Teil der Saga um die Cenobiten zählt definitiv zu den besten Teilen der Reihe Der Film besticht durch einen sehr straff gespannten Spannungsbogen und eine extrem dichte, sehr düstere und bedrohliche Atmosphäre, die einen von der ersten Minute an in ihren Bann zieht und auch bis zum Ende nicht mehr loslässt. Nicht selten überzieht den Zuschauer während der düster angehauchten Geschichte eine leichte Gänsehaut, die man beim besten Willen nicht unterdrücken kann. Und obwohl sich das Geschehen fast ausschließlich in einem Haus abspielt, erscheint in keiner einzigen Phase auch nur der kleinste Anflug von Langeweile, wofür auch ganz sicher die stellenweise richtig unhelvolle Atmosphäre sorgt. Den gesamzen Film umgibt ganz einfach eine so düstere und teils auch mysteriöse Aura, das es einen während gewisser Passagen schon so richtig frösteln kann und man ein leicht unbehagliches Gefühl verspürt, das sich im Laufe der Zeit immer mehr intensiviert.

Hier stehen auch die Cenobiten noch im Mittelpunkt der Geschichte, was in den späteren Teilen der Reihe leider nicht mehr immer der Fall ist. Diese zur damaligen Zeit neuen Geschöpfe des Horror - Genres waren doch wirklich mal etwas anderes, als die typischen Serienkiller, die das Genre immer wieder hervorgebracht hat. Aus dem Anführer Pinhead ist ja schon längst eine Kultfigur geworden, die bei den Fans einen immens hohen Stellenwert einnimmt. So versprühen die Cenobiten auch jederzeit eine starke Bedrohung und Eiseskälte, die den Zuschauer richtiggehend erschauern lässt. Positive Emotionen scheinen ihnen vollkommen fremd, was ihren Taten eine sehr kaltblütige und entschlossene Note verleiht, in keiner Phase wird dabei der Anschein erweckt, das diese Wesen so etwas wie Gnade oder Barmherzigkeit erkennen lassen würden. So wird dem Geschehen ein extrem endgültiger Anstrich verliehen, denn haben Pinhead & Co. erst einmal eine Entscheidung getroffen, wird diese auch sofort und ohne Zögern umgesetzt. Die äusserst unhemliche und unheilvolle Faszination die sich dadurch immer mehr in den Vordergrund rückt, entpuppt sich so als einzigartige Stärke dieses modernen Horror-Klassikers, die ihre enorme Wirkung auf den Betrachter auch keineswegs verfehlt und ihn fast schon magisch in ihren Bann zieht.

Der Film, wie auch seine Story sind wirklich etwas Innovatives gewesen, was in der heutigen Zeit ja nicht mehr so oft der Fall ist. Fast der gesamte Film spielt sich eigentlich nur in einem Haus ab, was dem ein oder anderen jetzt vielleicht etwas langweilig vorkommen mag, aber das ist keineswegs der Fall. Die Spannung baut sich hier sehr gut auf und hält sich konstant sehr hoch, Spannungseinbrüche sind hier nicht zu verzeichnen. Der dramaturgische Spannungsaufbau ist wirklich sagenhaft, äusserst geschickt hat es Clive Barker verstanden, dem Zuschauer ein kontinuirlich ansteigendes Spannungsthermometer zu präsentieren, das sich ganz immens auf das Sehverhalten auswirkt. Denn folgt man zu Beginn noch ziemlich entspannt den geschehnissen, so ist es mit diesem Zustand doch verhältnismäßig schnell vorbei, so das man die ersten leichten Schweissausbrüche verzeichnen kann. Streckenweise treten sogar Passagen in den Vordergrund, bei denen man durchaus das Gefühl verspürt, die aufgestaute Spannung nicht mehr aushalten zu können, so das man im Prinzip für jeden auch noch so kleien ruhigen Moment dankbar ist, um wieder etwas zu Atem zu kommen. Da es aber wirklich nur ganz wenige dieser Momente gibt, steht man fast die gesamte Laufzeit über unter einem fast bleiernen Druck, der sich erst ganz zum Ende hin entladen kann, so das man erst mit dem Einsetzen des Abspanns ein gewisses gefühl der Erleichterung versoüren kann.

"Hellraiser" ist ein absolut geniales Horrorerlebnis, das man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte, nicht umsonst besitzt dieser Film schon längst seinen wohlverdienten Kultstatus. Barker hat hier ganz einfach etwas Neues und Innovatives geschaffen und eine Geschichte in Szene gesetzt, die kaum besser hätte gestaltet werden können. Schon allein die zu damaliger Zeit vollkommen neuen Figuren der Cenobiten sind eine äusserst willkommene Abwechslung gewesen und haben dem Horror-Genre eine ganze Menge an frischem Blut verliehen. Zudem ist der Film auch noch mit sehr überzeugenden und guten Darstellern besetzt, die etwas von ihrem handwerk verstehen. Letztendlich gibt es eigentlich rein gar nichts, was man an diesem ersten Teil der Hellraiser-Reihe bemängeln könnte, der vollkommen zu Recht von vielen Leuten als moderner Meilenstein des Genres angesehen wird. Jeder, der dieses Werk einmal gesehen hat, wird es nicht so schnell wieder vergessen, hinterlässt es doch einen mehr als nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis des Zuschauers, der innerlich für dieses Meisterwerk applaudiert.




10/10

Mittwoch, 22. Dezember 2010

The Open Door









The Open Door
(The Open Door)
mit Catherine Georges, Catherine Munden, Sarah Christine Smith, Ryan Doom, Daniel Booko, Mike Dunay, Guy Wilson, Jacob Head, Ian Kitzmiller, Jessica Anne Osekowsky, Kate Enggren, Clint Carmichael, David Alan Graf, Ken McAllister, Shantel VanSanten
Regie: Doc Duhame
Drehbuch: Doc Duhame
Kamera: Gregory Hobson
Musik: Robert Irving
Keine Jugendfreigabe
USA / 2008

Für die junge Angelica ist der Abend vollends ruiniert. Ausgerechnet in der Nacht, in der die größte Party des Jahres an ihrer Highschool stattfindet, muss sie zu Hause bleiben. Schlechte Voraussetzungen, um bei ihrem Love-Interest Brad zu landen und auch keine gute Ausgangslage, um von ihren Kommilitonen endlich anerkannt zu werden. Als sie frustriert das Radio einschaltet, findet sie dort einen neuen Sender: THE OPEN DOOR. Diese Radiostation soll nur alle 29 Tage an Vollmond auf Empfang gehen und seinen Hörern ihre Herzenswünsche erfüllen können. Angelica zögert nicht eine Sekunde, ruft den Sender an und formuliert in ihrer Frustration eine ganze Breitseite an bösen Wünschen, die allesamt ihren Eltern und ihren Schulkameraden gelten. Doch man sollte sich immer genau überlegen, was man sich wünscht, denn nun geraten die Dinge in dieser Nacht völlig aus dem Ruder...


Wenn Wünsche sich erfüllen


Das man seine Wünsche möglichst genau formulieren soll, weiss man im Horror-Genre eigentlich spätestens seit der "Wishmaster-Reihe", denn wenn man nicht ganz genau auf die Formulierung achtet, kann das ganz böse nach hinten losgehen und die Geschehnisse geraten vollkommen ausser Kontrolle. So verhäkt es sich auch in vorliegendem Regie-Debut von Doc Duhame, denn die von einem jungen Mädchen geäusserten Wünsche an ein mysteriöses Orakel gehen auf eine Art und Weise in Erfüllung, die sich das Mädchen ganz sicher nicht vorgestellt hat. Auch wenn die hier vorhandene Thematik nicht unbedingt neu ist, so kann man die Grundidee des Ganzen doch als recht originelle Abwechslung ansehen, der es allerdings an einer gänzlich gelungenen Umsetzung mangelt. Dabei liegt das größte Problem von "The Open Door" ganz einfach darin begründet, das es geschlagene 50 Minuten dauert, bis endlich einmal etwas passiert und die bis dahin eher belanglose Geschichte ein wenig an Tempo aufnimmt.

Fast eine Stunde lang wirde der Zuschauer nämlich mit pubertären Problemen einiger teenager mehr oder minder gelangweilt und ziemlich wenig deutet eigentlich überhaupt darauf hin, das es sich hier um einen Horrorfilm handeln soll. So entsteht auch vielmehr der Eindruck, das man sich in einem x-beliebigen Teeniefilm befindet, bei dem man noch nicht einmal genau weiss, um was es sich thematisch eigentlich dreht. Nachdem sich diese endlos erscheinende Einführung dann endlich dem Ende nähert, entfaltet sich endlich so etwas wie eine solide Grundstimmung, die in einigen Passagen sogar leicht unheilvolle und bedrohliche Züge erkennen lässt, so das nach einer viel zu langen Einführungsphase endlich ein gewisses Horror-Feeling entsteht. Man sollte allerdings auch zu diesem Zeitpunkt die Erwartungen nicht zu hoch ansetzen, denn der nun folgende Horroranteil der Geschichte ist zwar sehr willkommen, lässt die vorhandene Qualität dieses Werkes aber nicht in ungeahnte Höhen schießen. Zwar passiert nun endlich etwas und es gibt sogar die ein oder andere blutigere Szene zu begutachten, jedoch will zu keiner Zeit so richtig der Funke überspringen, da das Geschehen zu keiner Zeit so richtig in Gang kommt.

Auch die vorhandenen Effekte hauen einen nicht wirklich um und der Härtegrad der Ereignisse bewegt sich in einem äusserst überschaubaren Rahmen, es ist also definitiv nicht mit einem Splatter-und Gore Spektakel zu rechnen. Ich will den Film keineswegs schlechter machen als er im Endeffekt ist, aber irgendwie wirkt das ganze Szenario teilweise etwas unbeholfen und unfertig, als wenn Doc Duhame nicht so ganz wusste, in welche Richtung die Geschichte eigentlich tendieren sollte, zudem ist das Geschehen viel zu vorhersehbar, als das man mit diversen Überraschungsmomenten rechnen könnte. Hinzu kommen die nicht gerade überzeugend agierenden Jungdarsteller, deren Charaktere auch viel zu klischeebehaftet daherkommen und im Bezug auf das dargebotene Schauspiel nicht unbedingt zu den talentiertesten ihrer Zunft gehören. Und so ist es dann auch nicht besonders verwunderlich, das man letztendlich zu einem doch eher ernüchterndem gesamteindruck gelangt, siedelt sich "The Open Door" doch lediglich im unteren Durchschnittsbereich an und bietet recht wenige Dinge, die man wirklich positiv bewerten kann.

Eine sicherlich ganz originelle Grundidee krankt hier an einer eher dürftigen Umsetzung, die ganz bestimmt viel besser hätte ausfallen können. Dazu wäre es allerdings auch nötig gewesen, die beiden vollkommen verschiedenen Filmhälften besser miteinander zu verbinden. Entpuppen sich doch die ersten gut 50 Minuten als laues Teeniefilmchen, in dem es um die alltäglichen Probleme der amerikanischen Jugendlichen geht, so versucht man danach den Rest der Geschichte mit Horrorelementen zu füllen, die zu schnell aufeinander folgen, so das es schon etwas überladen erscheint. Dadurch entsteht schon der Eindruck beim Zuschauer, das man das in der ersten Häkfte Versäumte krampfhaft nachholen will, was aber im Endeffekt genau die falsche Entscheidung war.


Fazit:


Man kann sich "The Open Door" ruhig einmal zu Gemüte führen, sollte dabei seine Erwartungen nicht zu hoch ansetzen, da es ansonsten zu einer ziemlichen Enttäuschung kommen kann. Es mangelt an einem richtig konstanten Spannungsbogen, denn dieser ist erst nach gut einer Stunde erkennbar. Auch atmosphärisch gibt es nur wenige Phasen, die man als echt gelungen bezeichnen kann, so das man hier einen eher äusserst durchwachsenen Gesamteindruck erhält, der den Zuschauer doch mit eher zwiespältigen Gefühlen zurücklässt.


Die DVD:

Vertrieb: Sunfilm
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Bild: 1,78:1 (16:9)
Laufzeit: 93 Minuten
Extras: Trailer, Trailershow


4/10

Montag, 20. Dezember 2010

Ich spuck auf dein Grab









Ich spuck auf dein Grab
(Day of the Woman)
mit Camille Keaton, Ronit Haviv, Eron Tabor, Richard Pace, Anthony Nichols, Gunter Kleemann, Alexis Magnotti, Isaac Agami, William Tasgal
Regie: Meir Zarchi
Drehbuch: Meir Zarchi
Kamera: Nouri Haviv
Musik: Keine Information
Ungeprüft
USA / 1978

Diese Frau geht durch die Hölle...
Die junge Frau Jennifer will sich draussen auf dem Land in einem kleinen Ferienhaus erholen. Während sie die Sonne genießt, ahnt sie nicht, daß eine Gruppe skrupelloser Männer sie heimlich beobachtet und einen teuflichen Plan schmiedet. Die Männer lauern ihr heimlich auf und vergewaltigen sie brutal und ohne Gnade. Doch Jennifer will sich rächen und schlägt, als niemand es mehr für möglich hält, grausam zurück.



Dieser Film ist sicherlich einer der Klassiker unter den Rape and Revenge Filmen. Es ist aber sicher auch ein Film, der die Meinungen spaltet. Für die einen ist es ein echter Klassiker, für die anderen einfach nur Müll. Doch ganz egal, wie man zu diesem Film stehen mag, er hinterlässt definitiv einen stark nachhaltigen Eindruck beim Zuschauer, der sich auch im Nachhinein noch sehr intensiv mit dem Gesehenen beschäftigt und dies auch erst einmal sacken lassen muss, da die Schockwirkung des Geschehens deutliche Spuren beim Betrachter hinterlässt und auf der Seele haften bleibt.

Erzählt wird die Geschichte einer jungen Schriftstellerin, die sich ein Sommerhaus mietet und dort von mehreren Männern vergewaltigt wird. Daraufhin übt sie Selbstjustiz und rächt sich grausam an ihren Peinigern. Das Aussergewöhnliche dabei ist nicht die Geschichte an sich, denn ähnlich gelagerte Filme gibt es zur Genüge. Es ist vielmehr die krasse und kompromisslose Darstellung der Ereignisse, die selbst aus heutiger Sicht immer noch eine extrem verstörende Wirkung hinterlässt, derer man sich nicht so schnell wieder entledigen kann.

Im Gegensatz zu Craven's "The last House on the left" wird die Vergewaltigung der Frau hier ziemlich ausführlich gezeigt, so das manch einer den Eindruck bekommen könnte, das es richtig zelebriert wird. Auch die darauffolgende Rache an ihren Peinigern beinhaltet einige wirklich harte Szenen, die sicher nicht Jedermann's Sache sind. Auch wenn sich das jetzt eventuell doof anhören mag, aber ich bin durchaus der Meinung, das diese expliziten Gewaltdarstelleungen äusserst wichtig für die Wirkung und Intensität dieses Werkes sind, die sich dadurch um ein Vielfaches verstärken

Schon damals löste der Film starke Diskussionen aus, vor allem, weil auch die gezeigte Selbstjustiz wie das Normalste auf der Welt dargestellt wird. Sicher muß man sich auch die Frage stellen, ob es realistisch ist, das eine Frau nach einer Vergewaltigung von mehreren Männern so cool reagieren würde, wie es hier gezeigt wird. Doch gerade der Aspekt, das es sich in vorliegendem Fall nicht um ein zerbrechliches und weinendes Häufchen Elend handelt, ist in meinen Augen die große Stärke dieses beeindruckenden Filmes, der dieses Mal ein Opfer bietet, das keineswegs an den Taten ihrer Peiniger zerbricht, sondern sich auf grausame Art und Weise an ihnen rächt. Dabei vermittelt sie den Eindruck, das sie innerlich vollkommen abgestorben ist und nur noch zu einem einzigen gefühl in der Lage ist, das sich Rache nennt. Camille Keaton schafft es auch ganz ausgezeichnet, der von ihr dargestellten Figur eine Eiseskälte zu verleihen, die einem kalte Schauer über den Rücken jagt. Und so nimmt man ihr den emotionslosen und berechnenden Racheengel auch jederzeit ab, wodurch die Ereignisse sehr viel an Authenzität und Glaubwürdigkeit erlangen.

"I spit on your Grave" ist sicher kein alltäglicher Filmgenuss, aber man sollte ihn schon gesehen haben, denn es ist mit Sicherheit einer der besten Rape and Revenge Filme und wer sich für diese Art Filme interessiert, kommt an diesem nicht vorbei. Durch die expliziten und knallharten Gewaltdarstellungen erlangt das Szenario eine ganz eigene Dynamik, die vielleicht nicht jeden Geschmack trifft, aber die Ereignisse durchaus nachvollziehbar ins Licht rückt.




9/10

Samstag, 18. Dezember 2010

Paintball









Paintball
(Paintball)
mit Brendan Mackey, Jennifer Matter, Patrick Regis, Iaione Perez, Neil Maskell, Anna Casas, Peter Vives Newey, Claudia Bassols, Felix Pring, Joyce Müller, Joshua Zamrycki, Josep Segui, Lada Rudakova
Regie: Daniel Benmayor
Drehbuch: Mario Schoendorff
Kamera: Juan Miguel Azpiroz
Musik: Xavier Capellas / Jens Neumaier
SPIO / JK
Spanien / 2009

Ein Truck rumpelt über eine unbefestigte Straße. Im Inneren eine Gruppe von Fremden, auf der Suche nach dem puren Adrenalin-Kick. In der Dunkelheit hören sie einander atmen, den Puls langsam ansteigend, bis das Gefährt vor einem abgelegenen Wald stoppt: Es ist Paintball-Zeit! Das Spiel beginnt mit nichts weiter als einer Karte, ein paar Anweisungen, haufenweise Farbmunition und Knarren. Das vorgegebene Ziel, die sechs gegnerischen Stützpunkte zu erobern, rückt jedoch schon bald in den Hintergrund, als der Feind nicht mit bunten Farbkugeln sondern scharfer Munition schießt. Was als Teamspiel begonnen hat entwickelt sich zu einer rasanten Hetzjagd im unerbittlichen Kampf ums eigene Überleben.


Mit "Paintball" hat Daniel Benmayor seinen Regieerstling abgeliefert und dabei einen Film geschaffen, der sicherlich die Meinungen etwas spalten wird. Dreht sich hier doch alles um das umstrittene "Paintball-Spiel", das im Endeffekt nichts anderes als ein kriegsverherrlichendes Spiel darstellt, in dem anstatt mit scharfer Munition mit Farbpatronen aufeinander geschossen wird. In vorliegendem Film wird aus diesem Kriegsspiel-Spaß allerdings für die beteiligten bitterer Ernst, denn merken sie doch recht schnell, das ein für sie unsichtbarer Jäger hinter ihnen her ist, der allerdings keineswegs mit Farbmunition auf sie schießt, sondern ihnen wirklich ihr Leben nehmen will. Wer jetzt allerdings der Meinung ist, das man hier aufgrund der hohen Alterseinstufung ein extrem brutales und blutiges Szenario gebiten bekommt, der sieht sich ziemlich schnell dieser Hoffnung beraubt, denn "Paintball" entfaltet seinen Härtegrad zu keiner Zeit durch explizit in Szene gesetzte Härte, sondern vielmehr durch die gegebene Situation, in der sich die Protagonisten befinden.

Und diese hinterlässt doch eine äusserst beklemmende Wirkung auf den Betrachter, die durch den Aspekt des unsichtbaren Jägers intensiver erscheint und so eine ungeheure Faszination in den Vordergrund rücken lässt. Schon nach wenigen Minuten verändert sich so die zu Beginn noch sehr gelöste Grundstimmung in eine absolut dichte und bedrohliche Atmosphäre, die mit der Zeit immer stärkere Ausmaße annimmt und dem Zuschauer dadurch ein äusserst angespanntes Sehverhalten beschert, entsteht doch nicht selten der Eindruck, das man sich selbst mitten im Geschehen befindet, aus dem es anscheinend keinerlei Entrinnen gibt. Dabei kommt auch sehr gut zum Ausdruck, das sich die Paintball-Spieler dem Jäger ausgeliefert fühlen, befindet dieser sich doch auch durch eine Wärmesichtkamera in einem nicht zu unterschätzenden Vorteil, da er die Spieler so jederzeit ohne Probleme aufspüren kann. Auch bei den härteren Passagen des Filmes spielt diese Kamera eine nicht gerade unwesentliche Rolle, denn die wirklich harten-und blutigen Szenen sind nur aus der Sicht eben dieser Kamera zu sehen, wodurch sich dem Zuschauer lediglich ziemlich unklare Konturen der Opfer offenbaren und diese Einstellungen dadurch nicht annähernd so hart erscheinen, als wenn man sie normal sehen würde.

Und dennoch entfaltet sich mit der Zeit ein immer stärker erscheinender Härtegrad, der sich aber zumeist nur im Kopf des Betrachters abspielt. Denn pbwohl sämtliche Charaktere der Geschichte recht unsymphatisch erscheinen, identifiziert man sich ziemlich stark mit der Lage, in der sie sich befinden. Sind einem die nur oberflächlich vorgestellten Figuren eigentlich egal, da man zu ihnen selbst kaum eine Bindung herstellen kann, so entwickelt man selbst doch ein ganz eigenartiges Gruppengefühl, was sicherlich einem menschlich bedingten Überlebenswillen entspringt. Und so merkt man immer intensiver, wie stark man selbst doch in das Szenario eingetaucht ist und so fast zu einem Teil der Ereignisse wird, die eine unglaubliche Strapaze für Körper und Seele sind, wobei man sich den psychischen Druck unter dem die Beteiligten stehen, nur ansatzweise vorstellen kann. Meiner Meinung nach hat es Daniel Benmayor auch ganz bewust so gehalten, die einzelnen Charaktere doch eher anonym darzustellen, damit man erst überhaupt keine Bindung zu ihnen aufbauen kann und sich auf die Hauptsache, nämlich das mörderische Speil konzentriert. Eigentlich ein sehr geschickter Schachzug, denn wird dieser Film so fast schon zu einem interaktiven Game, an dem man selbst beteiligt ist.

Abschließend kann man zu dem Ergebnis gelangen, das "Paintball" sicherlich nicht den visuellen Härtegrad beinhaltet, den sich viele eventuell aufgrund der hohen Alterseinstufung erwartet haben. Dennoch handelt es sich um einen äusserst harten Genrebeitrag, der seine Kraft und Intensität aus der vorherrschenden Situation bezieht, in der sich die Beteiligten befinden und aus der es anscheinend keinen Ausweg zu geben scheint. Gepaart mit einem sehr konstanten Spannungsbogen und einer immer dichter und bedrohlicher werdenden Atmosphäre ergibt sich ein Regie-Debut, das sich durchaus sehen lassen kann und ganz bestimmt seine Fangemeinde finden wird. Über das dargebotene Schauspiel braucht man kaum Worte verlieren, denn ist die Geschichte doch nicht darauf ausgelegt, hier großartige Talente am Schauspielhimmel zu entdecken. So würde ich die Leistungen als für einen Film dieser Art angemessen bezeichnen, so das es keinen Grund zur Beanstandung gibt.


Fazit:


Für echte Gorehounds wohl eher leicht enttäuschend, dürfte "Paintball" allerdings für Freunde des Kopf-Horrors ein äusserst gelungener Beitrag sein, der auf jeden Fall kurzweilige und temproreiche Actionkost anbietet, die man sich gut anschauen kann. Man sollte lediglich keine großartigen Splatter-und Gore Effekte erwarten, denn diese sind leider absolute Mangelware oder lediglich schemenhaft durch eine Wärmekamera zu sehen.


7/10

Donnerstag, 16. Dezember 2010

The Traveller - Nobody Will Survive









The Traveller: Nobody will Survive
(The Traveller)
mit Val Kilmer, Dylan Neal, Paul McGillion, Camille Sullivan, Nels Lennarson, Chris Gauthier, John Cassini, Sierra Pitkin, Panou, Denyc
Regie: Michael Oblowitz
Drehbuch: Joseph C. Muscat
Kamera: Neil Cervin
Musik: Ross Vannelli
SPIO / JK
USA / 2010

Heiligabend in einer kleinen verschlafenen Stadt: Ein heftiger Sturm tobt, die Straßen sind dunkel und menschenleer. Die unheilvolle Ruhe wird von einem geheimnisvollen Mann gestört, der in das lokale Polizeirevier spaziert und aussagt, er habe 6 Menschen ermordet. Nach jedem seiner Geständnisse stirbt einer der anwesenden Polizisten wie von Geisterhand, und zwar auf die gleiche grausame Art und Weise, die der Unbekannte zuvor beschrieben hat. Irgendwie hat der Fremde seine Finger im Spiel, doch der sitzt seelenruhig in seiner Zelle. Die Polizisten sind ratlos: Es bleibt nicht viel Zeit das Ganze aufzuklären, denn der Unbekannte fährt unbeirrt mit seinen Geständnissen fort...


Ganz so mysteriös wie in der Inhaltsangabe beschrieben gestaltet sich das hier dargebotene Szenario zwar nicht, denn weiss man doch schon nach einer recht kurzen Zeitspanne, auf was das Geschehen hinausläuft, dennoch hat mir "The Traveller" sehr gut gefallen. Bietet der Film doch trotz der leicht durchschaubaren Geschichte einen äusserst gelungenen Mix aus Horror-und Thriller, der allerdings etwas darunter leidet, das der vorhandene Spannungsbogen durch die Vorhersehbarkeit der Ereignisse nie so richtig in höhere Gefilde vorstoßen kann, was dem Gesamtbild doch etwas von seiner durchaus vorhandenen Stärke nimmt. Man sollte also keine großen Überraschungsmomente oder Wendungen erwarten, denn diese werden leider nicht geboten.

Und dennoch wird man mit einem unterhaltsamen und guten Genre-Mix konfrontiert, der insbesondere in atmosphärischer Hinsicht jederzeit zu überzeugen weiss, wirken die Ereignisse doch von der ersten Minute an sehr mysteriös und geheimnisvoll. Dies ist vor allem zu Beginn der Figur des Unbekannten (Val Kilmer) zu verdanken, von dem eine äusserst unheimliche Ausstrahlung ausgeht, die sich auch den ganzen Film über aufrechterhalten kann und von der eine fast unheilvolle Faszination ausgeht, die man auch als Zuschauer spüren kann. Gerade deshalb ist es eigentlich sehr schade, das schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt klar wird, um wen es sich bei seiner Person handelt und aus welchen Gründen er auf dem Polizeirevier erschienen ist. Hätte Regisseur Michael Oblowitz hier die Gesamtzusammenhänge etwas mehr im Geheimen gelassen, würden wir jetzt über einen meiner Meinung nach extrem guten Horrorthriller sprechen, doch durch die frühzeitige Preisgabe der Zusammenhänge nimmt sich das Werk viel von seiner Spannung und lebt ab einem gewissen Zeitpunkt fast ausschließlich von der absolut gelungenen Grundstimmung, die zu jeder Zeit immer dicht und sehr bedrohlich erscheint.

Dafür zeichnet auch die Beschränkung auf einen einzigen Schauplatz verantwortlich, denn bis auf einige ganz wenige Szenen spielt sich die komplette Geschichte in dem Polizeirevier statt, in dessen düsteren Gängen die Ereignisse noch intensiver und unheimlicher wirken, hier kann es auch durchaus vorkommen, das teilweise eine leichte Gänsehaut entsteht, die den Betrachter überzieht. Der ständig tobende Sturm und die Tatsache das sich alles in der Nacht abspielt tun ihr Übriges, um auf jeden Fall in atmosphärischer Hinsicht keinen Grund zur Beanstandung zu geben. So sind auch die teilweise vorhandenen und auch manchmal etwas blutigeren Schockmomente recht gut eingesetzt worden, ohne das jedoch ein Härtegrad zum Vorschein kommen würde, der als zu hoch zu bezeichnen ist. Es handelt sich keinesfalls um ein Härte-Spektakel, jedoch sind die vorhandenen Tötungen wirklich gut in Szene gesetzt worden, ohne dabei übertrieben brutal zu erscheinen.

Letztendlich handelt es sich bei "The Traveller" um einen wirklich sehenswerten Genre-Mix, der lediglich etwas unter der Vorhersehbarkeit der Ereignisse zu leiden hat. Die äusserst mysteriöse und geheimnisvolle Grund-Story hätte einige Überraschungsmomente gut vertragen können, doch auch ohne sie handelt es sich immer noch um einen guten, aber nicht herausragenden Film, in dem man auch mit solidem Schauspiel bedient wird und Val Kilmer als schweigsamer Unbekannter einen durchaus unheilvollen Eindruck hinterlässt. Mit etwas mehr Geschick hätte man allerdings sicherlich die Zusammenhänge der Story etwas länger im Dunkeln halten können und so für viel mehr Spannung sorgen können. So aber muss man als Zuschauer seine grauen Zellen nicht sehr beanspruchen, da die Geschichte leider viel zu früh ihr zu Beginn noch mysteriöses Geheimnis preisgibt und sich dadurch einiges ihrer eigenen Stärke nimmt.


Fazit:


Bei "The Traveller" handelt es sich einmal mehr um einen Film, bei dem doch einiges an vorhandenem Potential verschenkt wurde. Hätte doch wirklich ein nachhaltig beeindruckender Horrorthriller entstehen können, an den man sich auch nachhaltig erinnert. So aber bleibt lediglich ein durchaus guter und unterhaltsamer Film, dem es etwas an Spannung fehlt. Dafür wird man allerdings mit einer hervorragenden Atmosphäre bedient und bekommt einige nette Tötungen zu sehen, die nicht zu brutal aber dennoch hart in Szene gesetzt wurden.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch / Niederländisch
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 93 Minuten


7/10

Dienstag, 14. Dezember 2010

Suspiria









Suspiria
(Suspiria)
mit Jessica Harper, Stefania Casini, Flavio Bucci, Miguel Bosé, Barbara Magnolfi, Susanna Javicoli, Eva Axén, Rudolf Schündler, Udo Kier, Alida Valli, Joan Bennett, Margherita Horowitz, Franca Scagnetti
Regie: Dario Argento
Drehbuch: Dario Argento / Daria Nicolodi
Kamera: Luciano Tovoli
Musik: Dario Argento / Goblin
Ungeprüft
Deutschland / Italien / 1977

Die junge Ballett Tänzerin Suzy kommt aus den USA nach München, um dort an einer angesehenen Schule Tanz zu studieren. Als sie dort ankommt, beobachtet sie noch ein junges Mädchen, das aus der Schule flieht, um dann aber später in der eigenen Wohnung auf mysteriöse Art und Weise ermordet zu werden. Doch auch Suzy kommt die Schule zunehmend merkwürdig vor. Die Lehrerinnen führen ein hartes Regiment, nachts hört man seltsame Geräusche und etwas schleicht nachts durch den Schlafsaal. Suzy forscht den merkwürdigen Vorgängen nach und findet langsam aber sicher heraus, dass das Haus an sich eine unheimliche Geschichte hat und eine dunkle Macht beherbergt.


Mit "Suspiria", dem ersten Teil der "3-Mütter Trilogie" hat Dario Argento wohl sein absolutes Meisterwerk geschaffen. Zwar sind auch die vorherigen Filme des italienischen Kult-Regisseurs absolut fantastische Werke (Rosso-Die Farbe des Todes, die Tier-Trilogie), doch ist vorliegender Film wohl an Perfektion kaum zu überbieten. Ganz generell handelt es sich bei "Suspiria" aber auch um einen der besten Horrorfilme überhaupt, versteht es Argento doch dem Zuschauer durch eine perfekte Inszenierung ein brillantes Horror-Feeling zu vermitteln, das man in vorliegender Form wohl eher selten geboten bekommt. Es ist die absolut geniale Kombination der verschiedendsten Komponenten, die "Suspiria" zu einem wahren Kunstwerk machen und keinerlei Mankos erkennen lassen, so das man wirklich von einem Filmerlebnis sprechen kann, das an Perfektion schwerlich zu überbieten ist.

In erster Linie ist dafür selbstverständlich die Geschichte an sich verantwortlich, von der eine solch starke Faszination ausgeht, das der Zuschauer von der ersten Minute an wie magisch in ihren Bann gezogen wird. So saugt man förmlich die extrem unheilvolle und sehr bedrohliche Grundstimmung wie ein Schwamm in sich auf, die dem Film vom Anfang bis zum Ende ihren Stempel aufdrückt und ihre Wirkung auf den Betrachter keineswegs verfehlt. So bleibt es auch in etlichen Phasen des Werkes nicht aus, das man mit schweissnassen Händen vor dem Bildschirm sitzt und sich einer aufkommenden Gänsehaut nicht erwehren kann. Dabei wird von Haus aus schon äusserst dichte Atmosphäre noch zusätzlich durch den absolut stimmigen Score der Musikgruppe Goblin unterstützt, deren musikalische Untermalung ein Jahr später auch Romeros Meisterwerk "Zombie-Dawn of the Dead" schmücken sollte. Durch die musikalische Untermalung kann man regelrecht spüren, wie der Spannungsbogen immer weiter stetig ansteigt, bis es kaum mehr auszuhalten ist und man richtiggehend eine Entladung der aufgestauten Spannung herbeisehnt, um den stark ansteigenden Herzschlag wieder etwas herunterzufahren. Argento hat es wirklich perfekt verstanden, die Nerven des Betrachters auf eine äusserst harte Geduldsprobe zu stellen, sind sie doch größtenteils bis zum Zerreissen gespannt und erhalten während des Geschehens eher selten die Möglichkeit, sich ein Wenig zu beruhigen.

Als wenn das Gesamtszenario so nicht schon an Genialität kaum zu übertreffen ist, mischt sich dem Film auch noch zusätzlich eine extrem starke Bildgewalt bei, die insbesondere durch das kräftige Spiel mit den Farben eine Intensität erlangt, die man kaum in Worte fassen kann. Nun sind einem ja die besonders kräftigen Farbkontraste aus den italienischen Produktionen der damaligen Zeit sehr wohl bekannt, doch bin ich persönlich der Meinung das vorliegender Film auch in dieser Beziehung fast schon eine Ausnahmestellung einnimmt, fühlt man sich doch von der hier dargebotenen Farbgewalt schon fast erschlagen und gerät regekrecht in einen Sinnesrausch, der auch etwas märchenhaftes an sich hat. So ist es auch keineswegs als übertrieben anzusehen, wenn man "Suspiria" als einen Rausch für die Sinne bezeichnet, der den Zuschauer fast ganzzeitig in einen Schwebezustand versetzt und in Verzückung geraten lässt. So erscheint dieses Kunstwerk auch durchaus wie ein schaurig-schönes Horrormärchen, das einem aber durch seine teils harten und recht blutigen Splatter-und Goreeinlagen immer wieder eindrucksvoll vor Augen führt, das der märchenhafte Eindruck fast ausschließlich durch die wundervoll kräftigen Farben entsteht und man sich ansonsten in einem ecten Horrorfilm befindet, der über einen sehr ansehnlichen Härtegrad verfügt.

Dabei tritt auch besonders der sehr positive Aspekt in den Vordergrund, das man es hier noch mit handgemachten Effekten zu tun bekommt und nicht wie in der heutigen Zeit fast schon üblich, mit einer effektüberladenen Inszenierung. Letztendlich ist natürlich alles Geschmackssache und es wird auch genügend Horror-Fans geben die mit diesem Werk nicht viel anfangen können, doch nicht umsonst zählt Argentos Meisterwerk zu den wohl echten Horror-Klassikern. Es ist die absolut perfekte Mischung der Einzelkomponenten, die hier ein Gesamtbild entstehen lassen, an dem es überhaupt nichts auszusetzen gibt. Denn auch die Darsteller-Riege ist eine gelungene Kombination aus zur damaligen Zeit eher neuen und frischen Gesichtern und etablierten Stars und kann durch ausgezeichnetes Schauspiel jederzeit überzeugen. Und so müsste eigentlich jeder Fan des Genres anerkennen, das man es hier mit einem ausgezeichneten Film zu tun hat der auch für jeden sehenswert ist, selbst wenn man kein ausgewiesener Argento-Fan ist.


Fazit:


Geschmack hin, Geschmack her, bei "Suspiria" handelt es sich auf jeden Fall um einen berauschenden Horrorfilm, in dem wirklich alles perfekt aufeinander abgestimmt ist. Ein extrem kräftiges Spiel mit den Farben, eine hochspannende und gruselige Geschichte, sehr gute Darsteller und ein Hammer-Score machen dieses Werk zu einem wahren Erlebnis, das auch nach über 30 Jahren nichts von seinem Reiz verloren hat und immer noch so faszinierend ist wie am ersten Tag. Wer diesen Film noch nicht gesehen hat, sollte diesen Zustand schnellstens ändern und sich diesem berauschenden Kunstwerk hingeben.



10/10

Sonntag, 12. Dezember 2010

April, April - Tote scherzen nicht









April, April - Tote scherzen nicht
(April Fool's Day)
mit Taylor Cole, Josh Henderson, Scout Taylor-Compton, Joe Egender, Jennifer Siebel Newsorn, Samuel Child, Joseph McKelheer, Frank J. Aard, Sabrina Aldridge, Tom Barker, Michael Beasley, Charles Black, Meredith Boll, Mariesga Crews, Dave Gould
Regie: Mitchell Altieri / Phil Flores
Drehbuch: Mickey Wigart / Danilo Bach
Kamera: Michael Maley
Musik: James Stemple
FSK 16
USA / 2008

Jedes Jahr am 1.April feiert die märchenhaft reiche, junge Desiree Cartier in ihrer luxuriösen Südstaatenvilla die begehrtesten Debütantinnenparties. Auf diesen Gesellschaftlichen Ereignissen dürfen ihre unnachahmlichen Streiche natürlich nicht fehlen. Als jedoch ihr diesjähriger Streich ein tödliches Ende nimmt, werden Desiree, ihr Bruder Blaine und fünf ihrer Freunde zur Zielscheibe eines wahnsinnigen Killers, der die jungen Leute in dieser erschreckenden Geschichte über Verführung, Verrat und Rache nacheinander zur Strecke bringt.


Remakes älterer Horrorfilme überschwemmen den Markt ja nun schon seit Jahren und so ist es dann auch nicht weiter verwunderlich, das man auch dem 1986er Werk "Die Horrorparty" eine Neuinterpretation spendiert hat, die mit dem Original aber nur noch herzlich wenig zu tun hat. So kann man bei vorliegendem Film auch vielmehr von einem Thriller mit dezenten Anleihen beim Horror-Genre sprechen und trotzdem wird der Zuschauer auch ganzzeitig mit dem echten Horror-Feeling konfrontiert. Dieses entfaltet sich aber keinesfalls aus der Geschichte heraus, sondern geht vielmehr vom Film an sich aus, der zwar handwerklich vollkommen in Ordnung ist, aber ansonsten doch eher grauenhaft schlecht in Szene gesetzt wurde. Man ist es ja aus solchen Hollywood-Filmen durchaus gewöhnt, das man es mit etlichen wunderschönen Hollywood-Jungstars zu tun bekommt, doch was die Macher dieses Werkes sich hier bei der Darstellerwahl gedacht haben, wird wohl auf immer ihr ganz persönliches Geheimnis bleiben.

Präsentiert sich dem Betrachter doch eine Darsteller-Riege, die an künstlich erscheinender Schönheit kaum zu überbieten ist, so das schon fast zwangsläufig der Eindruck entsteht, das man sich in einer Seifenoper a la "Reich und Schön" befindet, antatt in einem Horrorthriller. Andererseits passt dieser Eindruck allerdings nahezu perfekt zu den aalglatten Charakteren mit denen man konfrontiert wird, denn wirken doch sämtliche Figuren wie künstliche Lebewesen, die teilweise noch nicht einmal real erscheinen, sondern viel eher wie künstlich gezüchtete Klone in Erscheinung treten. Sicherlich gibt es unter den Darstellern einige optische Leckerbissen zu bewundern, was aber keineswegs das phasenweise schlechte Schauspiel entschuldigen kann, das man hier zu Gesicht bekommt. Zudem sind alle Charaktere vollkommen blass gezeichnet und wirken zudem auch noch absolut unsymphatisch. Dieses Manko kann man allerdings auch ganz generell auf die gesamte Produktion beziehen, wird man doch mit einem seelenlosen Szenario bedient, in dem sich keinerlei Spannung, geschweige denn so etwas wie eine bedrohliche Grundstimmung entfalten will.

Stattdessen hat man hier ein äusserst belangloses und liebloses Szenario umgesetzt, dem es so ziemlich an allem fehlt, was einen wirklich guten Horrorthriller ausmacht. So steril, blass und farblos wie die Charaktere entpuppt sich das gesamte Geschehen, das zwar recht stylisch aufgezigen ist, aber keinerlei Herz und Seele beinhaltet. Die vorherrschende Seifenoper-Atmosphäre zieht sich nahtlos durch die gesamte Geschichte, so das die Ereignisse seltsam gekünstelt erscheinen und in keiner einzigen Phase des Filmes den echten Thrill entstehen lassen, der sich eventuell auch auf den Zuschauer übertragen könnte. Der Funke will einfach nicht überspringen und so folgt man auch eher gelangweilt den Geschehnissen, die einen nicht unbedingt vom Hocker hauen. Die Folge einer Dayly Soap kann ganz bestimmt für mehr Spannung und Herzklopfen sorgen, als es dieser seelenlose Versuch einer vollkommen misslungenen Neuinterpretation je tun wird. Die geschätzten 5.000.000 $ Budget dieser Produktion hätte man besser in andere Dinge gesteckt, denn hier ist dieses Geld wirklich sinnlos verprasst worden, wobei ich mir durchaus die Frage stelle, was hier so viel Geld gekostet hat.


In den letzten Jahren hat man schon etliche schlechte Remakes zu Gesicht bekommen, jedoch fällt mir auf Anhieb Keines ein, das einen so gekünstelten und unwirklichen Eindruck hinterlassen hat. Darsteller, die anscheinend alle einem Mode-Journal entsprungen sind und ganz einfach viel zu aalglatt erscheinen sind für mich persönlich das größte Manko eines Filmes, der noch nicht einmal in Ansätzen an die Qualität des Originals heranreichen kann. Vielleicht ist dies ja auch der Beginn eines vollkommen neuen Genres, denn den "Seifenoper-Horrorthriller" gibt es ja bekanntlicherweise noch nicht. Und wollen wir doch einmal hoffen, das es auch dabei bleibt, denn solche Filme braucht nun wirklich kein Mensch.


Fazit:


"April, April - Tote scherzen nicht" trägt seinen Titel keineswegs zu Unrecht, erscheint dieser seelenlose Versuch eines Horrorthrillers doch fast ausschließlich wie ein ziemlich schlechter und misslungener Aprilscherz. Topgestylte Hollywood-Schönlinge und eine vollkommen uninspirierte Inszenierung sorgen nicht unbedingt für einen positiven Eindruck beim Zuschauer, der sich doch vielmehr in einer Seifenoper als in einem Thriller wähnt. Und so bleibt letztendlich ein Filmchen über, das man sich zwar einmal anschauen kann, aber auch nicht gerade viel verpasst, wenn man darauf verzichtet.


3,5/10

Freitag, 10. Dezember 2010

The Entity









The Entity
(The Entity)
mit Barbara Hershey, Ron Silver, David Labiosa, George Coe, Margaret Blye, Jaqueline Brookes, Richard Brestoff, Michael Alldredge, Raymond Singer, Allan Rich, Natasha Ryan, Melanie Gaffin, Alex Rocco, Sully Boyar, Tom Stern
Regie: Sidney J. Furie
Drehbuch: Frank De Felitta
Kamera: Stephen H. Burum
Musik: Charles Bernstein
FSK 16
USA / 1982

Es klingt phantastisch und doch ist es schreckliche Realität. Eine Frau wird von einem unsichtbaren Wesen vergewaltigt. Wie von Geisterhand explodieren Gegenstände, geraten Autos außer Kontrolle, werden Menschen misshandelt. Bei der Erforschung dieser Geheimnisse entwicken Mediziner und Psychologen tödliche Rivalitäten: Was sich zunächst als Hirngespinst einer schizophrenen Frau dargestellt, entwickelt sich zur lebensbedrohenden Realität. Alle Mittel der Wissenschaft versagen, das unheimliche Wesen unter Kontrolle zu bekommen. Das Unheil nimmt ungehindert seinen Lauf.


Angeblich soll der vorliegende Film ja auf einer wahren Begebenheit beruhen, ob das nun der Wahrheit entspricht lassen wir einmal dahingestellt. Auf jeden Fall aber bekommt der Zuschauereine äusserst ernste Umsetzung der Poltergeist-Thematik geboten, die einem streckenweise kalte Schauer über den Rücken jagt. Nun gilt ja bei vielen leuten Steven Spielberg's "Poltergeist" im Bezug auf das hier dargestellte Thema als Non plus Ultra, doch ist "The Entity" meiner Meinung nach der weitaus bessere Film, was ganz sicher auch in der äusserst realistischen und packenden Darstellung der Ereignisse begründet ist. Ist Spielberg's Film doch eher auf das breite Mainstream-Publikum zugeschnitten und sicherlich auch kein schlechter Film, so ist die extrem ernsthafte Umsetzung der Poltergeist-Thematik in "The Entity" als abspluter Höhepunkt anzusehen, wird der Zuschauer doch von Anfang an in das mysteriöse Geschehen hineingeworfen und ist zudem von der ersten Minute an der Faszination dieses Filmes erlegen, der ohne große Einführung und irgendwelche Umschweife sofort eine exzellente und äusserst bedohliche Atmosphäre verbreitet.

Wenn man sieht, was der jungen Mutter Carla (Barbara Hershey) hier widerfährt dann wünscht man sich sogar, das die Geschichte nicht auf einer wahren Begebenheit beruht, sind es doch die schlimmsten physischen und psychischen Qualen, denen die junge Frau ausgesetzt ist und die sie fast an den Rand des Wahnsinns bringen. Von einem unsichtbaren Phantom wird sie regelmäßig heimgesucht und dabei geschlagen und sogar vergewaltigt. Die Umsetzung der von einem unsichtbaren Gegner ausgeführten taten sind dabei so realistisch und packend in Szene gesetzt worden, dass einen fast zwangsläufig eine Gänsehaut überzieht und man jede Menge Mitleid für die geschundene Frau empfindet, jedoch wie paralysiert vor dem Bildschirm sitzt und fassungslos die Ereignisse verfolgt, die sich vor dem eigenen Auge abspielen. Dabei verspürt man eine ungeheuer starke Intensität die sich auf einen selbst überträgt und nicht selten ein Gefühl entstehen lässt, als wenn man live dabei wäre. Dieses Gefühl vermittelt aber auch gleichzeitig einen fast der Ohnmacht nahen Zustand, denn fühlt man sich absolut hilflos gegenüber einem Phänomen, das man nicht begreifen kann.

Verstärkt wird dieser Eindruck noch zusätzlich durch das grandiose schauspiel von Barbara Hershey, die in der Rolle der betroffenen Mutter ein absolutes Highlight dieses tollen Filmes abliefert, erscheint ihr Schauspiel doch absolut authentisch und glaubwürdig. man kann förmlich die Qualen fast körperlich nachempfinden und spürt die immer größer werdende Verzweiflung einer jungen Frau, die immer mehr unter dem immensen Druck zusammenbricht, bis sie letztendlich fast schon in einen lethargischen Zustand verfällt. Aber auch ganz generell kann man der gesamten Darsteller-Riege überdurchschnittlich gute Leistungen bescheinigen, ganz egal ob es sich um die ungläubigen Psychater oder die Parapsychologen handelt, die sich mit solchen Phänomenen beschäftigen, die Darstellung der einzelnen Charaktere hinterlässt einen sehr glaubwürdigen Eindruck beim Zuschauer.

Eine weitere Stärke des Filmes ist auf jeden Fall die musikalische Untermalung, die insbesondere in den mysteriösen Passagen der Geschichte hervorragend zum Ausdruck kommt. So wird man gerade bei den unsichtbaren Übergriffen des Phantoms mit einem äusserst wuchtigen Score bedient, der die Geschehnisse gleich noch einmal viel bedrohlicher erscheinen lässt, was das Sehverhalten des Betrachters noch mehr intensiviert und ihn schon fast zu einem Teil der unglaublichen Ereignisse werden lässt. So wird man letztendlich mit einem wirklich guten Film konfrontiert, der von der ersten bis zur letzten Minute eine extrem gleichbleibend gute Spannungskurve zieht und noch nicht einmal den kleinsten Einbruch verzeichnet, der Grund zur Beanstandung geben könnte. Die dabei ganzzeitig vorherrschende Atmosphäre des Geschehens ist so dicht und bedrohlich, das man sich teilweise nicht des Gefühls erwehren kann, sich in einer Live-Situation zu befinden, die die faszination dieses Filmes noch einmal um ein Vielfaches intensiviert, so das man am Ende der Geschichte erst einmal seinen schweissnassen Rücken abtrocknen muss.


Fazit:


"The Entity" ist meiner Meinung nach das, was "Poltergeist" gern wäre, nämlich eine jederzeit extrem ernsthafte Umsetzung einer paranormalen Thematik, die einem kalte Schauer über den Rücken jagt. Durch grandiose Darsteller, knisternde Spannung und eine herausragende Atmosphäre bekommt man ein Filmerlebnis beschert, das man nicht so schnell vergisst. Regisseur Sidney J. Furie hat ganz einfach alles richtig gemacht und einen Film kreiert, den man sich immer wieder gut anschauen kann, ohne das die Geschichte auch nur einen kleinen Teil ihrer Faszination einbüßt.



9,5/10

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Higanjima - Insel der Vampire









Higanjima - Insel der Vampire
(Higanjima)
mit Dai Watanabe, Asami Mizukawa, Köji Yamamoto, Hideo Ishiguro, Miori Takamoto, Tomohisa Yuge, Takahiro Tsutsumi
Regie: Tae-gyun Kim
Drehbuch: Köyi Matsumoto / Tetsuya Öishi
Kamera: Shinji Kugimiya
Musik: Hiroyuki Sawano
FSK 16
Japan / Südkorea / 2009

Als Akira mit seinen fünf besten High-School-Freunden auf Higanjima landet, um nach seinem verschollenen Bruder zu suchen, ahnen die Teenager noch nicht, dass sie das Tor zur Hölle durchschritten haben. Die ehemals friedlichen Bewohnen der kleinen vergessenen Insel haben sich in böse blutsaugende Kreaturen verwandelt, ihr Herr und Meister ist der mächtige Vampirfürst Miyaki. Als der erste aus der Clique als grausig zerfetztes Vampirfutter endet, wird den Freunden schnell klar, dass sie als Nahrungsreserve auf die Insel gelockt wurden. Ein verzweifelter Kampf gegen die Armee der hungrigen Untoten beginnt …


Gerade im Zeitalter der eher seichten Vampirromanzen wie "Twillight" bietet diese japanisch-südkoreanische Co-Produktion eine mehr als willkommene Abwechslung, denn diese Mangaverfilmung hat es wirklich in sich. Von Romanze oder einem seichten Szenario ist weit und breit nichts zu sehen, denn in vorliegender Geschichte geht es streckenweise richtig ordentlich zur Sache. Sicher, die Geschichte an sich ist nicht gerade tiefgründig und dient so doch mehr als ziemlich dünne Rahmenhandlung, allerdings fällt das nicht besonders ins Gewicht, da der Zuschauer fast 2 Stunden lang mit sehr kurzweiliger und größtenteils auch temporeicher Unterhaltung bedient wird, die erst gar keine Langeweile aufkommen lässt. Fast typisch für asiatische Produktionen darf schon fast selbstverständlich nicht der gewisse Schuß Melodramatik und der manchmal etwas gewöhnungsbedürftige asiatische Humor fehlen, der hier insbesondere in den Dialogen vorkommt, die manchmal eine Art unfreiwilliger Komik erkennen lassen. Doch auch, wenn man gerade diese Dinge in anderen Filmen oft bemängelt, passen sie nahezu perfekt in die vorliegende Geschichte und verleihen ihr sogar das gewisse Extra, das sie von anderen Produktionen abhebt.

So verhält es sich im Übrigen auch mit den Computereffekten, die in anderen Werken eventuell als zu offensichtlich angesehen würden, aber hier das insgesamt stilistisch absolut überzeugend umgesetzte Szenario noch besser erscheinen lassen. Es macht einfach nur viel Spaß, sich von diesem streckenweise recht blutigen Geschehen berieseln zu lassen, das ausserdem noch äusserst temporeich und actiongeladen auf den Betrachter einprasselt. Da schaut man auch gern einmal über die eher dünne Story hinweg und findet auch ansonsten keinerlei Grund zur Beanstandung. Wird doch im Prinzip wirklich alles geboten was man von einem unterhaltsamen Vampirfilm erwartet, der in vorliegendem Fall ganz bestimmt kein cineastisches Meisterwerk darstellt, dafür aber sehr stylisch und bestens unterhaltend daherkommt und einem selbst bei einer Laufzeit von knapp 2 Stunden keinerlei langatmige Passagen präsentiert.

Gerade in der heutigen Zeit des neuen Vampirfilms, in der es sich entweder um romantische Vertreter oder aber um extrem blutige Vampirfilme handelt, kann man "Higanjima - Insel der Vampire" in eine dritte kategorie einordnen, lässt das Werk doch gerade zum Ende hin auch noch leichte Fantasy-Züge erkennen. So erscheint schon der Obervampir allein durch seine Optik vielmehr wie ein etwas zu stylischer Gentleman, der gerade einem Fantasyfilm entsprungen und hat so rein gar nichts von einem Vampir der alten Schule, doch auch der finale Endkampf der wenigen Nicht-Vampire gegen ein überdimensional großes Monster ist eher im Bereich der Fantasie anzusiedeln. Alles zusammengenommen ergeben die hier verwendeten Zutaten einen aussergewöhnlich guten Genre-Vertreter, der in allen Belangen vollkommen überzeugen kann und selbst ansonsten als Defizit angesehene Dinge in einem äusserst positiven Licht erscheinen lässt. Auch wenn man die Mangas nicht kennt ( so wie ich), so muss man Regisseur Tae-gyun Kim ein dickes Lob für dieses Werk aussprechen, hat er doch einen neuartigen Vampirfilm geschaffen, der einen nahezu perfekten Gesamteindruck beim Zuschauer hinterlässt und als absolut willkommene Abwechslung angesehen werden kann, die das Genre des Vampirfilms auf jeden Fall bereichert.

In das sehr gute Gesamtbild fügen sich auch nahtlos die hier agierenden Darsteller ein, von denen man zwar keinerlei Meisterleistungen erwarten sollte, deren Leistungen aber sehr solide und dem Film angemessen sind. Zudem entpuppen sich gerade die jugendlichen Darsteller ziemlich schnell als Symphatieträger, die man als Zuschauer ganz unweigerlich in sein Herz schließt. Und auch wenn zwischen ihnen der ein oder andere gewöhnungsbedürftige und unfreiwillig komische Dialog ausgetauscht wird, sollte man das nicht zwangsweise als negativ bewerten, denn schließlich weiss man nicht erst seit Gestern, das gerade der asiatische Humor für uns Europäer etwas ungewohnt erscheint. So kann man am Ende von einem mehr als nur gelungenem Vampirfilm sprechen, der in seiner Gesamtheit ein absolut gelungenes und zudem sehr kurzweiliges Filmvergnügen bereitet, das sich kein fan des Genres entgehen lassen sollte.


Fazit:


Selbst Fans des klassischen Vampirfilms sollten sich diesen spritzigen und blutigen Vertreter der Neuzeit keinesfalls entgehen lassen, denn "Higanjima - Insel der Vampire" ist ein Film, der einfach nur Spaß macht. Tolle Action-Passagen und jede Menge bluttriefender Szenen, die man bei einer 16er Freigabe nicht unbedingt erwarten kann lassen langatmigen Phasen erst gar keine Chance, so das man im Endeffekt nur zu einem äusserst guten Gesamteindruck kommen kann. Mich persönlich hat dieser Film jedenfalls bestens unterhalten und absolut überzeugt, so das ich ohne Bedenken eine Empfehlung aussprechen kann.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch DTS 5.1, DD 5.1 / Japanisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 117 Minuten
Extras: Making Of, Interviews, Originaltrailer, Trailershow


8,5/10

Montag, 6. Dezember 2010

Big Tits Zombies









Big Tits Zombies
(Kyonyû doragon: Onsen zonbi vs sutorippâ 5)
mit Io Aikawa, Saori Ando, Sola Aoi, Kaworu Asakusa, Daisuke Iijima, Hachiro Ika, Kenshin Iwakura, Takashi Kakizawa, Risa Kasumi, Kozo Kimura, Ini Kusano, Mami Misaki, Kanako Ono, Mari Sakurai
Regie: Takao Nakano
Drehbuch: Rei Mikamoto / Takao Nakano
Kamera: Kazuaki Yoshizawa
Musik: Keine Informationen
Keine Jugendfreigabe
Japan / 2010

Eigentlich sollte es ein Auftritt in einem angesagten Ferienort sein, doch zu ihrem Leidwesen muss die Strippern Rena Jodo feststellen, dass das so viel gepriesene Ferienressort in Wirklichkeit ein verschlafenes Nest ist. Als dann noch durch Zufall das ''Book of the Dead'' gefunden wird mit welchem man Untote heraufbeschwören kann, eskaliert die Situation vollends. Rena und ihre Stripper-Kollegien bleibt nichts anderes übrig, als mit vollem Körpereinsatz gegen die Zombie-Plage vorzugehen.


Das gerade die Japaner dazu neigen extrem überzogene Trashfilme zu produzieren, dürfte mittlerweile längst kein Geheimnis mehr sein. Leider handelt es sich dabei längst nicht immer um guten Trash, denn oft genug erscheinen auch Werke, denen man im Prinzip so gut wie gar nichts Positives abgewinnen kann. "Big Tits Zombies" zählt meiner Meinung nach ganz eindeutig zu diesen Filmen, denn bis auf einige wenige Szenen bietet der Film noch nicht einmal kurzweilige Unterhaltung, was ich allerdings von einem Film dieser Art als Mindestanforderung erwarte. Natürlich ist das lediglich nur meine Meinung und es wird sicherlich genügend Leute geben, denen die hier erzählte Geschichte zusagt, so das selbst "Big Tits Zombies" seine Fangemeinde finden wird.

Für mich persönlich stellte sich die ausgedünnte Story aber ganz einfach viel zu plump und belanglos dar, beinhaltet sie doch nur sehr wenige Szenen, in denen man auch herzhaft lachen konnte, kommt doch zumeist ein extrem gewöhnungsbedürftiger Humor zum Vorschein, der lediglich platt und ziemlich albern erscheint. Ausnahmen sind beispielsweise Passagen, in denen eine feuerspeiende Vagina Einzug in das Geschehen hält und wirklich ein absolutes Highlight in einem ansonsten höhepunktarmen Film darstellt. Hätte man mehrere Szenen mit ähnlichem Überraschungseffekt und Lachpotential eingebaut, dann wäre "Big Tits Zombies" wahrscheinlich eine echte Trashgranate geworden, so aber plätschert die Geschichte eher belanglos und auch ziemlich uninspiriert vor sich hin. Kein Wunder also, das sich so auch verhältnismäßig schnell Langeweile einstellt, was für einen Film mit einer laufzeit von gerade einmal 73 Minuten nicht unbedingt als Qualitätssiegel anzusehen ist.

Da hilft es auch nicht, das es teilweise recht blutig zur Sache geht und einige nette Splattereinlagen zu sehen sind. Diese sind selbstverständlich vollkommen überzogen in Szene gesetzt worden, was man bei japanischen Filmen dieser Art gar nicht anders kennt. Traurigerweise können diese Szenen den Film insgesamt aber kaum vor einem unterdurchschnittlichen Gesamteindruck retten, gestaltet sich doch der Rest der äusserst billig erscheinenden Produktion doch einfach zu schlecht. Dazu zählen auch die absolut lächerlichen Zombies, die selbst für einen Trashfilm fast jeglicher Beschreibung spotten und die agierenden Schauspieler, die Leistungen darbieten, über die man sich besser jeden weiteren Kommentar erspart.

Insgesamt bin ich persönlich doch äusserst enttäuscht von diesem Trashfilm, in den ich doch ehrlich gesagt einige Hoffnungen gesteckt hatte, die sich letztendlich keineswegs erfüllt haben. Zu dümmlich ist die Rahmenhandlung und zu gewöhnungsbedürftig der größtenteils einfach nur alberne Humor. Viel zu selten sind wenige wirklich amüsante Szenen eingebaut, die das Gesehene vor der totalen Katastrophe retten und "Big Tits Zombies" nicht als vollkommenen Rohrkrepierer dastehen lassen.


Fazit:


Eine dünne und dämliche Story, schlechte Schauspieler und eine streckenweise blutige Inszenierung sind eigentlich die idealen Vorraussetzungen für einen wirklich gelungenen Trashfilm, doch leider passen diese Zutaten hier irgendwie nicht so recht zusammen. Dennoch bin ich mir absolut sicher, das der Film seine Fangemeinde um sich scharen wird, gibt es doch auch genügend Leute, die sich an schlechtem Trash erfreuen können.


Die DVD:

Vertrieb: Sunfilm
Sprache / Ton: Deutsch / Japanisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,78:1 (16:9)
Laufzeit: 74 Minuten


3/10

Samstag, 4. Dezember 2010

Devil's Playground









Devil's Playground
(Devil's Playground)
mit Jaime Murray, MyAnna Buring, Danny Dyer, Sean Pertwee, Craig Fairbrass, Colin Salmon, Lisa McAllister, Shane Taylor, Vraig Conway, Bart Ruspoli, Alistair Petrie, Del Henney, Paul Corkery, Martin Butler
Regie. Mark McQueen
Drehbuch: Bart Ruspoli
Kamera: Jason Sheperd
Musik: James Edward Barker
Keine Jugendfreigabe
Großbritannien / 2010

Ein großer Pharmakonzern plant ein neues Mittel auf den Markt zu bringen, doch irgendetwas ist schiefgegangen. Als einzige von dreißigtausend Testpersonen ist die schwangere Angela noch nicht zu einem blutrünstigen, aggressiven und pfeilschnellen Monster mutiert. Während London sich in ein tobendes Inferno verwandelt, stehen die Überlebenschancen für die junge Frau und eine kleine Gruppe Überlebender immer schlechter. Doch dann tritt Cole auf den Plan, ein raubeiniger Ex-Söldner im Auftrag des Pharmakonzerns. Angelas Immunität scheint der Schlüssel zum Fortbestand der Menschheit zu sein, doch zwischen ihr und der Hoffnung auf Rettung steht eine sich rasend vergrößernde Armee beißwütiger Irrer.


Gleich mit seinem Regie-Erstlingswerk hat Mark McQueen einen ertklassigen Beitrag des Zombiefilms abgeliefert, der wieder einmal unter Beweis stellt, das die Briten es wirklich drauf haben. Zugegeben ist dieses Werk ganz sicher nicht besonders innovativ, denn erinnert die geschichte doch in groben Zügen an einen Film wie "28 Days later", jedoch wird man mit wirklich spannender und teilweise auch sehr blutiger Filmkost bedient, die absolut sehenswert und jederzeit erstklassig unterhaltend daherkommt. Besonders gut hat mir in vorliegendem Film der Aspekt gefallen, das man hier die die ausbrechende Seuche mitverfolgen kann und nicht erst in die Geschichte einsteigt, als der Überlebenskampf einiger Menschen beginnt. Dadurch erlangt das geschehen meiner Meinung nach noch mehr Intensität und man kann die immer bedrohlicher werdende Atmosphäre in jeder einzelnen Einstellung fast körperlich miterleben, was doch für ein sehr angespanntes Sehverhalten beim Zuschauer sorgt.

Zudem wird die Story in mehreren Erzählsträngen erzählt, in denen man die Ereignisse aus der Sicht der jeweiligen Hauptcharaktere sehen kann, die im laufe des Szenarios zusammenfinden und den Überlebenskampf gemeinsam in Angriff nehmen. Das dieser nicht ohne Verluste zu bewältigen ist, versteht sich dabei schon fast von selbst und so schafft es auch nicht jeder, die grauenvollen Ereignisse zu überleben. Im Zentrum des Ganzen steht die junge Angela, die als Einzige von 30.000 Testpersonen die Erprobung eines neuen Mittels überlebt und so nach dem Ausbruch der Zombie-Seuche anscheinend die einzige Hoffnung für die Menschheit ist, um den immer schneller um sich greifenden Virus zu überleben. Denn dieser verbreitet sich so rasend schnell, das ihn anscheinend niemand aufhalten kann. Innerhalb kürzester Zeit verwandelt sich die britische Metropole London in eine Art Geisterstadt und die Zahl der Infizierten nimmt immer mehr zu, so das jegliche Hoffnung auf eine Rettung mehr als unwahrscheinlich erscheint.

Eine große Stärke des Filmes ist sicherlich die enorm temporeiche Erzählweise, lässt diese dem Betrachter doch kaum die Möglichkeit, zwischendurch einmal etwas zur Ruhe zu kommen, denn immer wenn man denkt das einmal etwas Ruhe Einzug hält, wird man in den folgenden Momenten eines Besseren belehrt und ist immer wieder mittendrin in einer atemlosen Flucht einer kleinen Gruppe von Menschen, die unbarmherzig von den extrem schnellen und kräftigen Infizierten gejagt werden. dabei kommt es zu einigen wirklich harten und blutigen Auseinandersetzungen, die auch für die wahren Gorehounds so Einiges zu bieten haben. Gepaart mit der erstklassigen Atmosphäre die dem Geschehen beiwohnt, ergibt sich ein insgesamt hervorragendes Filmerlebnis, das an Intensität und Bedrohlichkerit schwer zu überbieten ist. Und gerade die Tatsache, das man hier den Ausbruch der Infektion von Beginn an miterlebt, verleiht dem Geschehen eine realistische Note, denn nicht selten beschleicht einen das Gefühl, das man einen Live-Report geboten bekommt und man sich mitten in diesem grauenerregenden Szenario befindet. Man fühlt sich selbst nicht besonders wohl in seiner Haut und kann auch eine phasenweise auftretende Gänsehaut nur schwerlich unterdrücken.

Auch im darstellerischen Bereich gibt es keinerlei Grund zur Beanstandung, ein Danny Dyer weiss wie eigentlich immer zu überzeugen und auch die restlichen Schauspieler liefern einen guten Job ab, ohne das einer von ihnen allerdings besonders hervorstechen würde. Letztendlich hat mich dieser packende und sehr atmosphärische Genre-Beitrag vollkommen überzeugt, auch wenn er nicht gerade ein Feuerwerk der Innovation darstellt. Dafür wird man allerdings mit den üblichen Zutaten bedient, die in ihrer zusammensetzung einen wirklich gelungenen Zombiefilm ergeben, der erstklassige und immer spannende Unterhaltung bietet, die sich kein Fan des Genres entgehen lassen sollte. In bester Tradition von "28 Days later" bietet "Devil's Playground" eine ähnlich gelagerte Thematik, die aber dennoch etwas anders gelagert ist und insbesondere durch den zeitlich gesehen vollkommen anderen Einstieg in die Geschichte eine ganz andere Sicht-und Empfindungsweise der Geschehnisse erlaubt.


Fazit:


Sicherlich wird es wieder genügend Leute geben, die sich über mangelnde Neuerungen aufregen werden, doch bietet "Devil's Playground" eine exzellente Mischung aus altbewährten Zutaten, die immer wieder ihren Reiz haben und für ein enorm spannendes Filmvergnügen sorgen. Der streckenweise entstehende Eindruck eines Live-Erlebnisses sorgt für ein hohes Maß an Intensität und lassen die ganzen Ereignisse noch um Einiges bedrohlicher erscheinen. Zudem beinhaltet der Film auch noch einen nicht unwesentlichen Härtegrad, so das man insgesamt zu einem sehr positiven Gesamteindruck gelangt und dieses Werk bedenkenlos weiterempfehlen kann.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch / Niederländisch
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 93 Minuten


8/10

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Arrebato









Arrebato
(Arrebato)
mit Eusebio Poncela, Cecilia Roth, Will More, Marta Fernandez Muro, Helena Fernan-Gomez, Carmen Giralt, Max Madera, Javier Ulacia, Rosa Crespo, Luis Ciges
Regie: Ivan Zulueta
Drehbuch: Ivan Zulueta
Kamera: Angel Luis Fernandez
Musik: Negativo / Ivan Zulueta
FSK 16
Spanien / 1980

Was für ein beschissener Tag! Unzufrieden mit der Arbeit an seinem billigen Horrorfilmchen kommt José völlig entnervt nach Hause, wo seine zugedröhnte Freundin Ana bereits auf ihn wartet und ein mysteriöses Päckchen von Pedro, einem alten Bekannten, der die Welt scheinbar nur durch den Sucher seiner Kamera wahrnimmt. Der Inhalt des Päckchens: eine Super8-Filmrolle, ein Tonband und ein Wohnungsschlüssel. Als José gelangweilt das Tonband anwirft, holt ihn zunächst die Erinnerung an seinen seltsamen Freund wieder ein. Nach und nach realisiert er jedoch, welch unfassbare Geschichte Pedro ihm da eigentlich gerade erzählt. Ungläubig fällt sein Blick auf Filmrolle und Schlüssel


"Arrebato (Verzückung)"


In den Zustand der Verzückung kann man bei diesem wirklich aussergewöhnlichen Film durchaus geraten, allerdings bedarf es dafür auch einiger Grundvorraussetzungen, die man als Zuschauer erfüllen muss. Man sollte eine ausgeprägte Vorliebe für den besonderen Film haben, gleichzeitig muss man sich auch dem aussergewöhnlichen Erzählstil der Geschichte öffen und sollte insbesondere ein ausgeprägtes Faible für surreale Elemente haben, die in diesem Film zu Hauf vorhanden sind. Denn nur so kann man etwas mit dem Bilderrausch anfangen, der hier gut 110 Minuten auf einen einprasselt und doch in so vielen Passagen anscheinend überhaupt keinen Sinn ergibt. Dabei ergibt das Szenario bei genauerem Hinschauen sehr wohl einen Sinn und schon in der Eröffnings-Sequenz des Filmes bekommt man einen recht eindeutigen Hinweis, auf was das Geschehen im Endeffekt hinausläuft. Um allerdings die Zusammenhänge herzustellen, sollte man die Ereignisse erst einmal auf sich wirken lassen, was gar nicht einmal so leicht ist, erscheinen doch viele Dinge extrem surreal und geradezu verwirrend, so das man die Verknüpfungen innerhalb der Story nicht unbedingt auf den ersten Blick erkennt.

Man merkt also, auch bei der mittlerweile neunten Veröffentlichung des Independent Labels Bildstörung hat man es einmal mehr mit einem Film zu tun, der jenseits jeglichen Mainstreams angesiedelt ist und so auch ganz sicher nur eine bestimmte Zielgruppe ansprechen wird. Der durchschnittliche Mainstreamer wird mit diesem visuell berauschendem Werk ganz bestimmt nicht viel anfangen können, zudem die Erzählstruktur doch gänzlich anders strukturiert ist wie in "normalen Filmen". So fragt man sich unwillkürlich über einen längeren Zeitraum, welcher Sinn überhaupt hinter den Geschehnissen steht und um was es eigentlich geht. Eine endgültige Erklärung für die teils verwirrenden Ereignisse erhält man letztendlich erst am Ende des Filmes und selbst dann kann man sich nicht zu 100 % sicher sein, ob die eigene Interpretation des Szenarios auch die Richtige ist. Es fällt auch nicht leicht, hier näher auf die Geschichte einzugehen, ohne zuviel vom Inhalt zu verraten und so anderen Zuschauern den Überraschungsmoment wegzunehmen, den dieser Film durchaus beinhaltet.

Im Prinzip könnte man "Arrebato" als Liebeserklärung an den Film generell ansehen, die aber auch im gleichen Atemzug aufzeigt, wie verzehrend diese Liebe sein kann, wenn man sich ihr voll und ganz hingibt. So stehen auch zwei junge Männer im Focus der Geschichte, von denen einer (Jose) billige Horrorfilme produziert. Gleich in den ersten Minuten des Filmes wird man mit seiner Arbeit konfrontiert und diese Passage ist für die Gesamtzusammenhänge nicht gerade unwesentlich, was man allerdings erst ganz am Ende erkennen kann. Der zweite Mann ist Pedro, der sich so sehr dem Filmen verschrieben hat, das er dadurch in den Zustand der absoluten Ekstase geraten kann. Zudem erweckt er bei seinen Mitmenschen den Eindruck, das es sich bei ihm um ein Kind im Körper eines Mannes handelt, das in einer Art Fantasiewelt lebt und einfach nicht erwachsen werden will. Kein Wunder also, das man bei der Figur des Pedro fast schon zwangsläufig an "Peter Pan" erinnert wird, denn zu offensichtlich sind doch die Parallelen zu dieser Fantasiefigur. Die Beziehung der beiden Männer zueinander wirkt einerseits sehr distanziert, vermittelt aber auf der anderen Seite durch die gleiche Leidenschaft zum Film ein Gefühl, als wenn sie eine Art Symbiose eingehen. Es fällt äusserst schwer, die gewonnenen Eindrücke dieses Filmes in Worte zu fassen, denn man sollte sich selbst einen Eindruck dieser fantastischen Geschichte machen, in der auch die entstehende Beziehung zwischen Mensch und Maschine eine große Rolle spielt und im Prinzip sogar den zentralen Kernpunkt dieser surrealen Geschichte darstellt.

Letztendlich ist "Arrebato" ein Film, der nur sehr schwer einem bestimmten Genre zuzuordnen ist. Eigentlich als Drama zu bezeichnen, lässt dieses Werk ganz eindeutige Elemente aus dem Horror-Genre erkennen, die sich allerdings erst im laufe der Zeit und auf eine sehr ungewöhnliche Art erkennen lassen. So ist man dann auch sichtlich erstaunt als man feststellen muss, das vampirismus ein wesentlicher Bestandtei der Ereignisse ist, denn ist doch die Einführung dieser Thematik vollkommen anders dargestellt, als wie man sie aus normalen Vampirfilmen her kennt. Nichtsdestotrotz ist die hier verwendete Mixtur aus Drama-und Horror und vielen surrealen Elementen in ihrer Art wohl ziemlich einmalig und sorgt so für einen Filmgenuss der ganz besonderen Art. Auch wenn "Arrebato" auf viele Leute einen vielleicht eher verstörenden und wirren Eindruck hinterlässt, so dürften Freunde des aussergewöhnlichen Filmes absolut begeister von diesem Werk sein, das Kopfkino der ganz besonderen Art bietet und ein erlesenes Meisterwerk darstellt, das sich kein Filmfreund entgehen lassen sollte. Denn gerät man doch fast in eine Art Sog, der von den visuell berauschenden Bildern ausgeht und einen in eine Art Zwischenwelt hineizieht, die sich zwischen realität und Fiktion ansiedelt.


Fazit:


Mit Arrebato hat der 2009 verstorbene spanische Kultregisseur Ivan Zulueta ein visuell berauschendes Meisterwerk geschaffen, das jenseits des Mainstreams angesiedelt ist und dessen Genialität sich wohl nur einer bestimmten Zielgruppe erschließt. Selten habe ich einen teils so verwirrenden und surrealen Film gesehen, der dem Zuschauer erst ganz zum Ende eine Aufklärung anbietet, die aber immer noch Freiraum für eigene Interpretationen des Szenarios bietet. man muss schon eine ausgrprägte Vorliebe für das ganz besondere haben, um etwas mit "Arrebato" anfangen zu können, doch wenn das der Fall ist wird man mit einem erstklassigen Filmerlebnis belohnt, das selbst noch lange nach seiner Sichtung noch extrem im Kopf des Betrachters nachhallt. Die DVD-Veröffentlichung von Bildstörung ist wie schon gewöhnt erstklassig ausgefallen und bietet auf einer Extra-DVD auch wieder jede Menge Extras.


Die DVD:

Vertrieb: Bildstörung
Sprache / Ton: Spanisch DD 2.0 Mono
Untertitel: Deutsch / Englisch
Bild: 1:1,85 (16:9)
Laufzeit: 110 Minuten
Extras: "IVAN Z" -- Goya-prämierte Kurzdokumentation über Regisseur Iván Zulueta von 2004 (ca. 50 Min.), "ARREBATOS" -- Kurzdokumentation/Making of von 1998 (ca. 55 Min.), "LEO ES PARDO" -- prämierter Kurzfilm von Iván Zulueta (ca. 10 Min.), ca. 20-seitiges Booklet


9/10