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Montag, 18. April 2011

Phantom Punch









Phantom Punch
(Phantom Punch)
mit Ving Rhames, Stacey Dash, Nicholas Turturro, Bridgette Wilson, David Proval, Rick Roberts, Alan Van Sprang, Egidio Tan, Andrew Hinkson, Troy Amos-Ross, Brian Paul, Gord Rand, Philip Jarrett, Brian Frank, Philip Williams
Regie: Robert Townsend
Drehbuch: Ryan Combs
Kamera: John Dyer
Musik: Stephen James Taylor
FSK 16
Kanada / USA / 2008

"Phantom Punch" erzählt die bewegte Lebensgeschichte des Boxers Charles L. "Sonny" Liston von seiner Entdeckung als Boxer von einem Priester, bis zu seinem dubiosen Tod am 30. Dezember 1970 im Spielerparadies Las Vegas. 1950 wird er wegen diverser Verbrechen zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Charles lernt Boxen und erhält seinen Spitznamen "Sonny". Nach nur zwei Jahren wird er vorzeitig aus der Haft entlassen und beginnt eine beispielhafte Karriere als Boxer, die in zwei Jahren als Weltmeister im Schwergewicht und dem Gerücht der Unbesiegbarkeit gipfelt. Bis er dann 1965 zum zweiten Mal Cassius Clay (Andrew Hinkson) begegnet, der mit seinem "Phantom Punch" Listons Untergang einläutet...


Regisseur Robert Townsend hat mit "Phantom Punch" ein wirklich interessantes Biopic über das Leben eines der unbeliebtesten Boxer des 20. Jahrhunderts geschaffen und gerade dieser Aspekt aus dem Leben des Sonny Liston kommt in dieser Verfilmung ganz hervorragend zum Ausdruck. Dies ist in erster Linie dem Schauspiel von Action-Star Ving Rhames zu verdanken, der für die Rolle des ehemaligen Schwergewichts-Weltmeisters nahezu prädestiniert erscheint. Rhames verleiht der Figur eine enorme Glaubwürdigkeit, so das man sich als Zuschauer ein sehr intensives Bild über einen Menschen machen kann, der selbst im Moment seines größten Erfolges von seinen Mitmenschen eher ignoriert wird, als das man ihm die Aufmerksamkeit zukommen lassen würde, die er aufgrund seiner sportlichen Leistungen durchaus verdient hätte. Townsends Film geht aber längst nicht nur auf die sportliche Seite ein, sondern beleuchtet auch die Hintergründe im Leben Listons, die höchstwahrscheinlich dazu geführt haben, das der unbeliebte Mensch immer wieder durch seinen höchst agressiven Charakter auffällt, der ihn auch ziemlich oft mit dem Gesetz in Konflikt geraten lässt.

So bekommt man durch kleinere Rückblicke in seine Kindheit einen guten Eindruck darüber, das er schon in frühester Kindheit ständig körperlicher Gewalt seines Vaters ausgesetzt war, was ganz bestimmt seinen weiteren Lebensweg stark beeinflusst hat. Und so kommt es wie es kommen muss, denn Sonny schlägt sich im wahrsten Sinne des Wortes durch sein Leben, was ihm einige Gefängnisaufenthalte einbringt. Dort erlernt er die Grundlagen des Boxsports und in ihm reift die Überzeugung, das er der nächste Weltmeister im Schwergewicht wird, wenn er wieder in Freiheit ist. Dennoch steht ihm immer wieder seine kriminelle Vergangenheit im Weg und auch seine startende Boxer-Karriere steht im Zusammenhang mit dem organisierten Verbrechen. Die im Film gezeigten Boxkämpfe sind nun nicht unbedingt hervorragend in Szene gesetzt, wirkt das Kampfgeschehen doch streckenweise etwas hölzern und ungelenk. Im Prinzip ist das aber gar nicht weiter schlimm, da doch die Geschichte an sich vielmehr im Vordergrund steht. Dabei wird insbesondere die Abneigung der Medien und der Polizei gegenüber Liston erstklassig herausgearbeitet, denn ständige Beleidigungen und Provokationen sind hier an der Tagesordnung.

Vor allem die Gesetzeshüter wollen den Boxer immer wieder aus der Reserve locken und lassen ihn unmissverständlich spüren, das er von ihnen niemals respektiert wird. Doch auch von der Presse erhält er zu keiner Zeit den nötigen Respekt, was nach seinem ersten Titelgewinn gegen Floyd Peterson mehr als deutlich zum Ausdruck kommt. Als er nämlich aus seiner Kabine kommt und Interviews geben will, steht nicht ein einziger Reporter vor der Tür, wodurch ganz klar zum Ausdruck kommt, was die Leute von ihm halten. Wenn man sich einmal in diese Situation hineinversetzt, dann müsste man eigentlich sehr gut nachvollziehen können, was in einem Menschen vorgehen muss, der gerade einen der begehrtesten Titel der Welt gewonnen hat, dafür aber keinerlei Beachtung erhält. Dabei kann man sich ganz bestimmt nur ansatzweise vorstellen, welch seelischer Schmerz dabei entstehen muss, vor allem wenn es sich um einen Menschen handelt, der in seinem Leben immer nur Ablehnung erfahren hat. Und so ist es eigentlich auch fast schon logisch, das auch das Privatleben des Boxers immer mehr aus den Fugen gerät, was insbesondere auf sein Liebesleben zutrifft. Obwohl er eigentlich glücklich verheuratet ist und seine Frau wirklich liebt, lässt sich Sonny auf eine Affäre mit der Freundin seines Managers ein, was höchstwahrscheinlich auch mit seinem bis heute ungeklärten Tod in Zusammenhang stehen kann. Denn ob es sich nun wirklich um einen wie im Film dargestellten Selbstmord gehandelt hat, oder ob Liston getötet wurde, weil er keine Kämpfe verschieben wollte, wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben.

"Phantom Punch" ist im Endeffekt ein absolut sehenswerter Film, der einen tiefen Einblick in das Leben eines Menschen gewährt, der aufgrund sienes Lebensverlaufes nicht gerade auf der Sonnenseite angesiedelt war. Dabei steht gar nicht einmal die sportliche Seite im Vordergrund der Geschichte, sondern vielmehr die menschliche Komponente. Ving Rhames in der Hauptrolle ist meiner persönlichen Meinung nach die absolut perfekte Wahl, versteht er es doch ganz hervorragend, vor allem die mürrische und unbeherrschte Seite eines Menschen authentisch und glaubwürdig darzustellen, dessen verhältnismäßig kurzes Leben nicht gerade unter einem Glücksstern stand.


Fazit:


"Phantom Punch" ist ein absolut sehenswerter Film, der faszinierende Einblicke in das Leben eines Menschen gewährt, der es nie gelernt hat, seine Gefühle auf eine andere Art als mit seinen Fäusten auszudrücken. Mangelnder Respekt, ständige Beleidigungen und Provokationen sind wohl die Hauptgründe dafür, das Sonny Liston ein unberechenbarer Charakter war, vor dem seine Mitmenschen richtiggehend Angst hatten. Robert Townsend hat vor allem diesen Aspekt sehr gut herausgearbeitet, wodurch sein Werk ein hohes Maß an Intensität erlangt. Mich hat dieser Film jedenfalls absolut fasziniert, so das ich ohne Bedenken eine Empfehlung aussprechen kann.


Die DVD:

Vertrieb: KSM
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,78:1 (16:9)
Laufzeit: 100 Minuten
Extras: Bildergalerie, Trailer


7,5/10

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