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Montag, 27. Juni 2011

Leben & Tod einer Pornobande










Leben & Tod einer Pornobande
(Zivot i smrt porno bande)
mit Mihajlo Jovanovic, Ana Acimovic, Predrag Damnjanovic, Radivoj Knezevic, Srdjan Jovanovic, Ivan Djordjevic, Bojan Zogovic, Natasa Miljus, Aleksandar Gligoric, Mariana Arandjelovic, Srdjan Miletic, Spencer Gray
Regie: Mladen Djordjevic
Drehbuch: Mladen Djordjevic
Kamera: Nemanja Jovanov
Musik: Keine Information
FSK Keine Jugendfreigabe
Serbien / 2009

Eros und Thanatos... Als der junge Filmabsolvent Marko sich voller Ideale und Tatendrang daran macht, das serbische Kino zu revolutionieren, muss er bald feststellen, dass niemand auf ihn gewartet hat. Nach ein paar Werbeclips, die an seinen ausgefallenen Ideen scheitern, heißt es für ihn bald: Endstation Porno. Doch so leicht gibt er nicht auf. Angetrieben von der großen Vision bricht er mit einer bunten Truppe unangepasster Rebellen auf, um mit einem Live-Porno-Cabaret das ländliche Serbien ordentlich aufzumischen. Sex and Drugs and Rock 'N' Roll! Doch die Realität siegt. Nach ausbleibendem Erfolg und einigen unerfreulichen Begegnungen mit "rechtschaffenen Bürgern" scheint das Ende nah. Da taucht plötzlich ein Mann auf und macht Marko ein unerhörtes Angebot...


Wenn man einmal die Grundvorraussetzung der vorliegenden Geschichte betrachtet, das ein junger Filmabsolvent seine Ideale verwirklichen möchte, indem er das serbische Kino revolutionieren will, dann ist das Ergebnis der Bemühungen umso tragischer. Ziemlich schnell muss Marko nämlich feststellen, das Ideale und Tatendrang nicht ausreichen, um ein erfolgreicher Regisseur zu werden. Der aber dann folgende Abstieg eines jungen Mannes in die tiefsten Abgründe des Porno-Geschäftes ist noch nicht einmal das Schlimmste, was einem das vorliegende Szenario bietet, denn Marko und seine Freunde lassen sich von einem Angebot verlocken, das ihnen finanziell lukrativ erscheint, die aber gleichzeitig an die Grenzen ihrer belastbarkeit führt. Als bunt zusammengewürfelte Truppe gestartet, die über die Dörfer tingelt und den Leuten ein Porno-Cabaret anbietet, lässt man sich aus einer finanziellen Not heraus dazu hinreissen Snuff-Filme zu drehen, um die perversen Gelüste einiger reicher Menschen zu befriedigen. Immer tiefer gerät die Truppe dabei in einen sogartigen Strudel aus Sex-und Gewalt, in dem sich mit der Zeit eine Gewaltspirale entwickelt, die anscheinend nicht mehr zu stoppen ist.

Regisseur Mladen Djordjevic ist es ausgezeichnet gelungen, gerade das Abrutschen der einstigen Ideale herauszuarbeiten, denn von dem zu Beginn noch vorherrschenden Idealismus ist schon nach kurzer Zeit nichts mehr zu verspüren, vielmehr geht es um das nackte Überleben der Truppe, die manchmal noch nicht einmal genügend Geld für Lebensmittel besitzt. Zudem kommt auch das aufgeführte Programm nicht gerade gut bei der Landbevölkerung an, so das man sogar mit Waffengewalt aus einigen Dörfern vertrieben wird. So wird aus der anfänglichen Unbefangenheit der jungen Leute recht schnell der pure Pessimismus, der sich auch auf das Gemüt der Leute schlägt. Dennoch ist es äusserst erstaunlich das die gesamte Truppe auf Markos Vorschlag eingeht, das man sich mit Snuff-Filmen ein ordentliches Zubrot verdienen will, denn wirkliche Gewissensbisse sind bei den einzelnen Personen nicht festzustellen. Ein Grund dafür ist sicherlich, das nur Freiwillige getötet werden sollen, die sich für die Filme zur Verfügung stellen. das ganze Szenario wirkt schon recht makaber und hinterlässt vor allem einen sehr schalen Nachgeschmack beim Zuschauer, der streckenweise wirklich nicht glauben möchte, was er hier zu sehen bekommt. Das bezieht sich allerdings nicht nur auf die Passagen, in denen es um die erwähnten Snuff-Filme geht, denn das gesamte Werk von Mladen Djordjevic kommt äusserst kontrovers daher und wird so auch ganz sicher nicht jeden Geschmack treffen.

Wohl eher selten hat ein europäischer Film so viele Tabuthemen in sich vereint, wie es bei "Leben & Tod einer Pornobande" der Fall ist, bekommt man doch neben einigen Hardcore-Sequenzen auch Zoophillie, Snuff und explizite Gewaltdarstellungen geboten, so das schon fast zwangsweise eine unglaubliche Härte vom Geschehen ausgeht, die sich mit der Zeit immer weiter intensiviert und dem Zuschauer auch merklich unter die Haut geht. Nun mag manch einer denken, das es sich hier eher um ein billiges Exploitation-Filmchen handeln mag, doch meiner persönlichen Meinung nach liegt man mit einer solchen Einschätzung vollkommen falsch. Vielmehr lässt die Geschichte doch eine nicht unbedingt zu vermutende Tiefe erkennen, die mit zunehmender Laufzeit immer stärker in den Vordergrund rückt und sich insbesondere durch das Verhalten der Protagonisten bemerkbar macht. Ab einem gewissen Zeitpunkt ist nämlich rein gar nichts mehr von der einst lebenslustigen-und experimentierfreudigen Gruppe zu spüren, die aufgebrochen war, um sich selbst zu verwirklichen, stattdessen merkt man ganz offensichtlich, das sich Frust und Reue in den Köpfen einnistet und manch einer sein leben nicht länger mit dem Töten von Menschen verbringen will. Und so nimmt das Schicksal dann auch seinen Lauf, denn der Plot lässt im letzten Filmdrittel eine tragische Note einfließen, die einem schon ordentlich auf den Magen schlagen kann. Ganz generell kann man diesen Film auch sehr gut in drei vollkommen unterschiedliche Drittel einteilen, denn während im ersten Abschnitt hauptsächlich unbeschwerte Stimmung und jede Menge pornographische Szenen auf den Zuschauer warten, kommt im Mittelteil ganz besonders der immense Härtegrad zum Vorschein, der schon mit einer ungeheuren Wucht auf den Betrachter einprasselt. Im letzten Drittel macht sich dann die tragische Note der Ereignisse sehr intensiv bemerkbar und endet in einem Finale, das nach all den Geschehnissen nicht anders hätte ausfallen können. Hier kommt dann auch die vorhandene Tragik-und Dramatik zu ihrem absoluten Höhepunkt der auf jeden Fall dafür Sorge trägt, das man auch lange nach dem Ende des Filmes noch nachhaltig unter dessen Wirkung steht, die man nicht so einfach aus den Knochen schütteln kann.

Auch wenn die vorliegende Thematik wohl nicht jeden ansprechen wird, sollte man sich diese serbische Produktion auf jeden Fall einmal zu Gemüte führen, bietet sie doch neben einer sehr interessanten und kontroversen Geschichte vor allen Dingen einen tiefen Einblick in die Abgründe der menschlichen Seele und zeigt auf beeindruckende Art und Weise, wie schnell Ideale weichen können und der pure Überlebenskampf Einzug in das Leben von Menschen halten kann. Durch den hohen Härteanteil entsteht hier ein äusserst authentischer Eindruck der Geschehnisse, der zudem durch das absolut überzeugende Schauspiel der darsteller noch zusätzlich unterstrichen wird. Grausamkeit und Faszination liegen sehr dicht beieinander, so das man sich eigentlich ganzzeitig in einem wahren Wechselbad der Gefühle befindet. Selbst wenn einem manche Momente extrem grausam erscheinen, so kann man doch keinesfalls die Augen abwenden, was ein untrügliches Zeichen für die vom Geschehen ausgehende Faszination ist, die einen die gesamte Laufzeit über in ihren Klauen gefangenhält. Vielleicht liegt dies auch einfach in der angeborenen Neugier eines jeden Menschen begründet, oder es ist der Unglaube über das, was man hier phasenweise zu sehen bekommt. Auf jeden Fall aber ist "Leben & tod einer Pornobande" ein Film, der sicherlich die Meinungen extrem spalten wird und zu etlichen Diskussionen unter den Film-Freunden führt, wobei sich für alle Seiten genügend Gründe finden werden, um dieses Werk entweder zu lieben oder zu hassen. Mich persönlich hat der Film begeistert, da ohne Schonung Tabu-Themen in ihrer ganzen Grausamkeit gezeigt werden und keinerlei Beschönigungen zu erkennen sind, die das Gesamtwerk unglaubwürdig erscheinen lassen würden.


Fazit:


Einmal mehr hat sich Bildstörung einen sehr aussergewöhnlichen Film für eine Veröffentlichung ausgesucht, der sich jenseits jeglichen Mainstreams ansiedelt und wohl einer eher kleinen Zielgruppe zugänglich sein wird. Ein Film über Ideale eines Menschen, der innerhalb kürzester Zeit vollkommen desillusioniert erscheint und daraufhin tragische Konsequenzen zieht. Erstklassige Darsteller bringen dem Zuschauer ein Szenario äusserst glaubwürdig näher, das an Härte und vorhandener Grausamkeit kaum intensiver hätte ausfallen können und einem so ein Filmerlebnis offenbart, über das man auch noch lange nach dem Ende nachdenkt, da es sich fast unauslöschlich in das Gehirn des Betrachters einbrennt.


Die DVD:

Vertrieb: Bildstörung
Sprache / Ton: Serbisch DD 5.1, DD 2.0 Stereo
Untertitel: Deutsch / Englisch
Bild: 1,85:1 (16:9 anamorph)
Laufzeit: 107 Minuten
Extras: Audiokommentar, Deleted Scenes, Making of, Kommentierte Bildergalerie (ca. 20 Min.), Interviews mit Regisseur Mladen Dordevic und Kameramann Nemanja Jovanov (ca 60 Min.), Die Gespenster des Krieges (Auszüge aus einem Dokumentarfilm), Umfangreiches Booklet mit Texten von Jochen Werner und US-Filmkritiker Steven Shaviro


9/10

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