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Dienstag, 19. Juli 2011

Footsoldier 2









Footsoldier 2
(Bonded by Blood)
mit Adam Deacon, Vincent Regan, Kierston Wareing, Dave Legeno, Tamer Hassan, Lucy Brown, Michael Socha, Terry Stone, Susie Amy, Alex MacQueen, Simon Phillips, Neil Maskell, Jessica Jones, Gavin Brocker
Regie: Sacha Bennett
Drehbuch: Graeme Muir / Sacha Bennett
Kamera: Ali Asad
Musik: Jason Kaye
FSK Keine Jugendfreigabe
Großbritannien / 2010

Wer den legendären Essex Boys in die Quere kommt, findet sich im günstigsten Fall im Krankenhaus wieder. Die brutale Gang regiert den Drogenhandel im Süden von England mit eiserner Faust. Doch Pat Tate, Tony Tucker und Craig Rolfe machen sich mit ihrer kompromisslosen Härte selbst unter ihresgleichen äußerst unbeliebt. Und wenn es ums richtig große Geld geht, werden sowieso selbst die besten Freunde schnell zu Feinden. Als der eigene Drogenkonsum dem Trio außerdem immer mehr das Hirn vernebelt, finden sie sich plötzlich in einer Lage wieder, die bisher nur ihren Gegnern vertraut war…


Mit "Footsoldier 2" hat Sacha Bennett seinen zweiten Spielfilm abgeliefert, der sich nahtlos in die Reihe der erstklassigen britischen Filme einordnet, die uns das Label Ascot Elite in den letzten Jahren immer wieder präsentiert. Einmal mehr bekommt der Zuschauer dabei einen tiefen Einblick in die Machenschaften britischer Gangster, denn im Mittelpunkt der Geschichte stehen die legendären Essex Boys, die mit gnadenloser Härte den Drogenhandel in ihrer Umgebung kontrollieren, was einigen ihrer Konkurrenten verständlicherweise ein Dorn im Auge ist. Wer hier allerdings einen Film erwartet, der ähnlich aufgebaut ist wie der geniale "Footsoldier" aus dem Jahre 2007, der sollte diese Hoffnung sofort wieder unterdrücken, unterscheiden sich die beiden Werke doch allein schon von ihrer Thematik her ziemlich stark. Doch der größte Unterschied besteht sicherlich im vorhandenen Härtegrad des Szenarios, der zwar auch in vorliegendem Film äusserst ansehnlich ausgefallen ist, aber dennoch zu keiner Zeit die Kompromisslosigkeit des 2007er Werkes offenbart, die den Zuschauer damals doch teilweise in einen richtigen Schockzustand versetzen konnte.

Und trotzdem entfaltet auch die vorliegende Story durchaus ihre harten Momente, denn die Hauptcharaktere des Filmes sind in der Wahl ihrer Mittel nicht unbedingt zimperlich, was auch durch den Aspekt sehr gut zum Ausdruck kommt, das ihr eigener Drogenkonsum immer weiter ausufert und sie so für jedermann absolut unberechenbar macht. Insbesondere dem großartigen Schauspiel der Protagonisten ist es zu verdanken, das die Geschehnisse sich ungemein authentisch und glaubwürdig präsentieren und man sich so äusserst gut mit dem Szenario identifizieren kann. Streckenweise überkommt einen dabei das Gefühl, das man sich viel eher in einer Reality-Doku als in einem Spielfilm befindet, was ein untrügliches Zeichen für die extrem realistische Wirkung des Filmes ist. Der Einblick in die Drogengeschäfte der Essex Boys entpuppt sich dabei als sehr tiefgründig und das grandiose-und lebhafte Schauspiel der Darsteller unterstreicht die authentische Note der Ereignisse, die sich förmlich im Gedächtnis des Zuschauers einbrennen und einen extrem nachhaltigen Eindruck hinterlassen, den man nicht so schnell wieder los wird.

Und so gestaltet sich eine ganzzeitig packende-und faszinierende Geschichte, von der eine unglaubliche Härte ausgeht, die sich allerdings nicht unbedingt durch explizite Gewaltdarstellungen zu erkennen gibt. Zwar gibt es immer wieder einmal diverse Momente in denen man mit sichtbarer Härte konfrontiert wird, der Großteil der Brutalität wird allerdings vielmehr durch die stattfindenden Dialoge zum Vorschein gebracht. Dennoch entfacht das Szenario ein äusserst intensives Gefühl beim Betrachter, der sich der beklemmenden Grundstimmung kaum entziehen kann. Diese wird in erster Linie durch die anscheinend vorherrschende Eiseskälte der Hauptfiguren ausgelöst, bei denen ganz augenscheinlich überhaupt keine positiven Emotionen zu erkennen sind. Das wird auch im Umgang mit dem weiblichen Geschlecht mehr als eindrucksvoll aufgezeigt, dienen Frauen doch viel eher als Gebrauchsgegenstände und keinesfalls als gleichberechtigte Partner in einer Beziehung. Einzig und allein die Drogengeschäfte und die damit verbundene eigene Bereicherung sind wirklich wichtig, hinzu kommt die Vorherrschaft in der Macht-Hirarchie des Millieus die immer wieder verteidigt werden muss.

Letztendlich erreicht "Footsoldier 2" zwar nicht die Genialität des 2007er Werkes und bietet auch nicht die ganze brautale Härte die beim Vorgänger einen solch nachhaltigen Eindruck beim Zuschauer hinterlassen hat, dennoch handelt es sich um einen sehr guten Genre-Film der nicht so leicht zu verdauen ist. Ein erstklassig agierendes Darsteller-Ensemble und eine packende Geschichtebieten aber dennoch ganzzeitig hervorragende Unterhaltung, die man sich keinesfalls entgehen lassen sollte. Man sollte lediglich mit der richtigen Erwartungshaltung an dieses Werk herangehen und aufgrund des Titels nicht immer die Vergleiche zum Vorgänger heranziehen, da sich beide Filme doch allein schon thematisch äusserst stark unterscheiden. Es handelt sich hier um einen vollkommen eigenständigen Film, den man auch als solchen bewerten sollte.


Fazit:


Fans der britischen Gangsterfilme kommen an "Footsoldier 2" keinesfalls vorbei, wird einem doch ein in bester britischer Tradition inszenierter Beitrag serviert, der seine brachiale Wirkung auf den Zuschauer hinterlässt. Exzellente Darsteller, eine spannende Geschichte und eine realitätsnahe Darstellung der Ereignisse ergeben hier ein Gesamtpaket, das man uneingeschränkt als sehr gut bezeichnen kann.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch DTS 5.1, DD 5.1 / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1: 2,35 (16:9 Widescreen)
Laufzeit: 92 Minuten
Extras: B-Roll, Premiere, Interviews, Behind the Scenes, The C Word, Welcome to Tony Tucker's Mansion, Audiokommentar, Originaltrailer, Trailershow


7/10

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