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Freitag, 1. Juli 2011

I Spit on Your Grave (2010)









I Spit on Your Grave
(I Spit on Your Grave)
mit Sarah Butler, Jeff Branson, Andrew Howard, Daniel Franzese, Rodney Eastman, Chad Lindberg, Tracey Walter, Mollie Milligan, Saxon Sharbino, Amber Dawn Landrum
Regie: Steven R. Monroe
Drehbuch: Meir Zarchi / Stuart Morse
Kamera: Neil Lisk
Musik: Corey A. Jackson
Ungeprüft
USA / 2010

Schriftstellerin Jennifer Hills mietet sich eine einsame Blockhütte im Wald um in Ruhe ihr neues Buch schreiben zu können. Doch die junge hübsche Frau ahnt nicht, dass eine Gruppe brutaler Einheimischer ein Auge auf sie geworfen hat. Eines Nachts überfallen sie Jennifer in ihrer Hütte. Sie quälen und vergewaltigen sie dann mehrmals. Bevor sie jedoch die fast zu Tode gequälte Frau endgültig töten können fällt sie kraftlos in einen reißenden Fluss und wird weggespült. Entgegen aller Chancen überlebt Jennifer und hat ab sofort nur noch ein Ziel: Rache! Alles was die Männer ihr angetan haben, wird sie ihnen heimzahlen - nur diesmal viel, viel härter!


"I Spit on Your Grave" aus dem Jahre 1978 ist sicherlich zu den härtesten Vertretern des Rape and Revenge Filmes zu zählen und hat in Fanjreisen schon längst einen wohlverdienten Kultstatus erreicht. Nach der Sichtung des Remakes von Regisseur Steven R. Monroe kann sich der Zuschauer allerdings ziemlich sicher sein, das auch die Neuauflage der extrem harten-und intensiven Geschichte auf dem besten Wege ist, den Status eines Genre-Klassikers zu erreichen. Bis auf einige kleinere Änderungen bekommt man es zwar mit der identischen Story des Originals zu tun, doch gerade diese leichten Neuerungen sind es, die das Werk sogar noch härter und brutaler erscheinen lassen wie die Originalversion. Hauptsächlich ist dafür meiner Meinung nach der zusätzlich eingeführte Charakter des Sheriffs, der hier keinesfalls die Rolle des Gesetzeshüters vertritt, sondern als schlimmster Teil der Vergewaltiger-Gruppe in Erscheinung tritt. Insbesondere der Aspekt das es sich hier im Normalfall um eine Person handelt von der man sich Hilfe erwartet, verleiht dem Szenario eine noch härtere und brutale Note, als es von Haus aus schon der Fall ist. Ganz generell geht vom Geschehen eine immense Brutalität aus die sich längst nicht nur durch die expliziten Gewaltdarstellungen zu erkennen gibt, sondern auch in einem perfiden Katz-und Maus Spiel zum Ausdruck kommt, das sich auf der psychischen Ebene zwischen den Tätern und ihrem hilflosen Opfer abspielt. Es ist für den Zuschauer schon recht schwer zu ertragen, wenn man sieht wie die fünfköpfige Männergruppe gnadenlos ihre Macht ausspielt und die hübsche Jennifer auf jede erdenkliche Art demütigt. Dabei kann man nur ansatzweise nachvollziehen, unter welchem psychischen wie auch physischen Druck die junge Frau stehen muss, die sich eigentlich genau denken kann, wie sich das Szenario weiterentwickeln wird. Und hier liegt auch eine der absoluten Stärken der Neuauflage, denn der stetige Anstieg der Gewaltspirale wird dem Zuschauer in allen Details äusserst intensiv vor Augen geführt, was einem ein mehr als beklemmendes Gefühl verpasst.

Dabei ist der Übergang des physischen Martyriums in die körperliche Folter fast fließend gestaltet und wird lediglich durch einen Fluchtversuch von Jennifer kurzzeitig unterbrochen, wobei sie ihren Peinigern kurzzeitig entkommen kann und prompt dem Sheriff in die Arme läuft, in dessen Person sie selbstverständlich im ersten Moment ihre Rettung sieht. Ziemlich schnell stellt sich allerdings heraus, das die Demütigungen erst jetzt ihren absoluten Höhepunkt erfahren, entpuppt sich doch der Gesetzeshüter als Rädelsführer der Gruppe und löst damit den bis dahin tonangebenden Johnny ab. Der nun zu erkennende Härtegrad der Ereignisse ist wirklich schwer in Worte zu fassen, entfesselt das Geschehen doch eine Kompromisslosigkeit und Brutalität, wie man sie nicht jeden Tag zu Gesicht bekommt. Dabei ist den Peinigern die sadistische Freude an ihrem Treiben regelrecht im Gesicht abzulesen, die ihre Machtposition richtigehend genießen, ohne auch nur den Anflug von Gewissensbissen zu zeigen. An dieser Stelle sollte man unbedingt erwähnen, das der Film in darstellerischer Hinsicht absolut perfekt besetzt ist und das dargebotene Schauspiel mit dafür verantwortlich zeichnet, das die Geschichte ihre volle Kraft entfalten kann. Die dabei zu Tage tretende Grausamkeit trifft den Betrachter mit der Wucht eines Keulenschlages, und bringt eine erschreckende Authenzität der Ereignisse zum Vorschein, die einem merklich unter die Haut fährt und dabei jede Menge Wut aufkommen lässt. Streckenweise fühlt man sich wie paralysiert und einer Ohnmacht nahe, sitzt man doch vollkommen hilflos vor dem heimischen Bildschirm, obwohl man viel lieber helfend eingreifen möchte, um Jennifer aus ihrem schrecklichen Martyrium zu befreien.

So wartet man dann auch ungeduldig auf die Phase der Story, in der die Rache der jungen Frau zum Ausdruck kommt und kann es kaum erwarten, das die Peiniger ihrer gerechten Strafe zugeführt werden. Die Gruppe der Vergewaltiger hat nämlich mittlerweile so viele Minuspunkte beim Zuschauer gesammelt, das man keinerlei Mitleid beim nun folgenden Rache-Szenario empfinden kann, das meiner Meinung nach der absolute Höhepunkt des Filmes ist. Aus der zu Beginn eher verletzlichen jungen Frau ist mittlerweile eine eiskalte Rachemaschine geworden, die einen Begriff wie Vergebung nicht mehr zu kennen scheint. Und selbst wenn man ein gegner von Selbstjustiz sein sollte, kann man die Taten der jungen Frau vom menschlichen Standpunkt aus durchaus nachvollziehen und ertappt sich nicht selten dabei, das man regelrecht ein Gefühl der Befriedigung verspürt, wenn sie Rache an ihren Vergewaltigern nimmt. In diesen Passagen kommt dann auch das hervorragende Schauspiel von Hauptdarstellerin Sarah Butler sehr stark zum Ausdruck, nimmt man ihr doch die Rolle der gnadenlosen Rächerin jederzeit ab. Butler versteht es den ganzen Film über großartig, die jeweils vorhandenen Emotionen perfekt zum Zuschauer zu transportieren, das bezieht sich sowohl auf die Passagen der Demütigungen, in denen Gefühle wie Angst, Verzweiflung und Schmerz im Vordergrund stehen, wie auch auf das letzte Filmdrittel, in dem rein gar nichts mehr von einer verletzbaren und hilflosen Frau zu spüren ist. Insbesondere in diesem teil kommt dann auch der Zusammenbruch ihrer Seele verstärkt in den Vordergrund, scheint sie doch innerlich fast abgestorben zu sein und nur noch negative gefühle empfinden zu können. Dies äusserst sich dann auch in den Tötungsarten die sie sich für die jeweiligen Opfer ausgedacht hat, denn hier wird nicht einfach wahllos und schnell getötet, sondern jeder Mann erfährt seine ganz eigene Tortur.

Dieses letzte Drittel des Filmes ist an Härte und Intensität dann kaum noch zu überbieten, lässt Jennifer doch jeden ihrer Vergewaltiger das gleiche Martyrium erleiden, das man auch ihr zugefügt hat und die dabei gezeigten Gewaltdarstellungen haben es wirklich in sich. Aus ehemaligen sadisten werden weinende-und um Gnade winselnde Personen, denen nun erst klar wird, was sie einem anderen Menschen angetan haben. Dabei wird die Gewaltspirale fast bis zum Exzess angezogen und es entlädt sich ein dermaßen hohes Potential an Wut und aufgestautem Hass, das es einem selbst etwas flau im Magen wird. Und dennoch empfindet man keinerlei Mitleid mit den Männern, deren Charaktere einem von der ersten Minute an so unsymphatisch dargebracht wurden, das man ihnen die sadistische Behandlung wirklich gönnt. Und so steigert sich eine bis dahin schon äusserst harte Geschichte ihrem brutalen Höhepunkt entgegen, der absolut erstklassig in Szene gesetzt wurde. das kann man aber prinzipiell über den gesamten Film sagen, der von der ersten bis zur letzten Minute von einer herausragend dichten Grundstimmung begleitet wird, die den Zuschauer fast ganzzeitig mit einer gepflegten Gänsehaut überzieht. Es ist schon ein größtenteils schweisstreibendes Geschehen, das sich einem hier in einer unglaublichen Grausamkeit beschert wird. Diverse kleine Änderungen und die Einführung eines vollkommen neuen Charakters lassen die Ereignisse noch kompromissloser-und brutaler erscheinen, als es schon im Original von 1978 der Fall war. So sollten selbst Gegner von Neuauflagen hier voll auf ihre Kosten kommen, denn "I Spit on Your Grave 2010" ist definitiv ein Film, den man sicherlich nicht so schnell wieder vergessen wird.


Fazit:


Als glühender Fan des Originals war ich doch sehr skeptisch, als die Nachricht über ein Remake die Runde machte. Nach der Sichtung des Filmes muss ich aber feststellen, das sich Original und Remake absolut nichts nehmen und in sachen Qualität auf einem Level anzusiedeln sind. Durch dezente Änderungen und einen erstklassigen Cast hat die Neuauflage in einigen Passagen sogar noch an Härte und Intensität dazugewonnen und entpuppt sich so als ein in allen Belangen sehr überzeugendes Gesamtpaket, das man Leuten mit schwachen Nerven allerdings nicht unbedingt weiterempfehlen sollte. Selbst hartgesottenen Genre-Fans dürfte die Wirkung der Ereignisse zu schaffen machen und einen nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis hinterlassen.


9,5/10

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