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Dienstag, 25. Oktober 2011

Mr. Untouchable









Mr. Untouchable
(Mr. Untouchable)
mit Leroy "Nicky" Barnes, Don Ferrarone, Thelma Grant, Carol Hawkins Williams, Joseph Jazz Hayden, Leon Scrab Batts
Regie: Marc Levin
Drehbuch: Dokumentation
Kamera: Henry Adebonojo
Musik: Hi-Tek
FSK 16
USA / 2007

Leroy "Nicky" Barnes ist der erste schwarze Pate von New York. In den 1970er Jahren vom Heroinabhängigen aus kleinsten Verhältnissen aufgestiegen zu einem der berüchtigsten Drogenbosse der US-Geschichte prägt er das Urbild des glamourösen, schillernden Gangsters. Seinen Reichtum und seinen Erfolg stellt er ungeniert öffentlich zur Schau. Als er schließlich dingfest gemacht werden kann und lebenslang in den Knast wandert, packt Barnes nach wenigen Jahren gründlich aus. Er liefert Dutzende Weggefährten einschließlich seiner eigenen Ehefrau ans Messer. Dafür kommt er nach 21 Jahren Haft frei und lebt heute unerkannt irgendwo in den USA. Für den Dokumentarfilmer Marc Levin rekapituliert er seinen Aufstieg und seinen Fall als "Mr. Untouchable".


Schon seit längerer Zeit bringt das Label Ascot Elite in regelmäßigen Abständen hochinteressante Dokumentationen heraus die von den verschiedendsten Themen handeln und immer wieder extrem interessante Unterhaltung bieten. Auch "Mr. Untouchable" macht hier keine Ausnahme, die Doku dreht sich um den einstigen Drogenbaron Nicky Barnes, der als erster Drogenpate von New York in die Geschichte eingegangen ist. Die Schilderung seines unaufhaltsamen Aufstieges, aber auch seines Untergangs wird durch spannende Erzählungen diverser Augenzeugen und Weggefährten untermauert, die dem Zuschauer eine intensive Charakterbeleuchtung des schwarzen Paten gestatten. Zudem wird einem der Werdegang auch aus der Sicht von Nicky Barnes selbst dargelegt, der mittlerweile Teil des Zeugenschutzprogrammes der USA ist, da er seine einstigen Freunde skrupellos ans Messer geliefert hat.

Von der ersten bis zur letzten Minute ist man vom Aufstieg dieser Legende absolut fasziniert und ist gelinde gesagt ziemlich erstaunt darüber, das ein so berechnender Mensch einen regelrechten Heldenstatus bei der schwarzen Bevölkerung im New York der 70er Jahre eingenommen hat. Denn im Laufe dieser Doku kristallisiert sich doch immer mehr heraus, das Barnes keineswegs der Wohltäter war, für den ihn viele gehalten haben. Dieser Mann hat nämlich rein gar nichts getan, wenn nicht irgend ein Profit für ihn selbst und seine Organisation herausgesprungen ist. Die Erzäählungen der einzelnen Personen bringen ganz klar zum Ausdruck, das es sich bei ihm um einen selbstverliebten und äusserst arroganten Narzisten gehandelt hat, dem seine Mitmenschen letztendlich vollkommen egal waren. Seine unglaubliche Arroganz war es dann schlußendlich auch, die ihm das Genick gebrochen hat, hat sich doch Barnes selbst gern als "Mr. Untouchable" angesehen.

Mit diesem Namen erschien auch eine Titelstory über ihn in der New York Times, dieser name wurde ihm übrigens aufgrund der Tatsache verliehen, das er in etlichen gegen ihn geführten Prozessen immer wieder als freier Mann das Gericht verlassen hat. Doch in der Carter-Ära zum Ende der 70er Jahre war es gerade dieser Zeitungsartikel, der auch für die Regierung eine schallende Ohrfeige war, wurde dem Drogenboss doch eine Art Unantastbarkeit angehaftet, ganz egal welche Verbrechen er auch begehen würde. So wurden dann auch alle Hebel in Bewegung gesetzt, um endlich handfeste beweise zu sammeln, um "Mr. Untouchable" endlich aus dem Verkehr zu ziehen. Diese Kurzzusammenfassund der Ereignisse drückt allerdings noch nicht einmal ansatzweise die Faszination aus die von dieser fantastischen Dokumentation ausgeht, man muss diesen Film wirklich selbst gesehen haben, um auch die damaligen Strukturen zu erkennen, die den Aufstieg des "Paten" überhaupt ermöglicht haben. Dabei erscheint die Struktur der Organisation fast spielerisch leicht, doch waren die Methoden zur damaligen Zeit etwas vollkommen Neues.

Auch das Privatleben von Nicky wird hier eingehend beleuchtet und durch die Schilderungen seiner Ex-Ehefrau bekommt man einen ausgezeichneten Einblick in die Person Nicky Barnes, die sich als vollkommen selbstherrlich herausschält. Dies kommt dann auch insbesondere durch den Aspekt zum Vorschein, das er im Gefängnis nach geraumer Zeit seine eigenen Freunde verrät und ans Messer liefert. Selbst seine damalige Ehefrau bleibt von seinem Verrat nicht verschont, der einzig und allein aus Selbstzweck sattfindet. Als ihm im Gefängnis nämlich bewust wird das er von dort aus seine Organisation nicht mehr leiten kann und seine Freunde diese Situation ausnutzen, zerstört er sein eigenes Imperium durch Verrat. Sein übergroßes Ego scheint ihm bis in die heutige Zeit hinein zu signalisieren, das seine damalige Handlungsweise auf jeden Fall richtig war, was ganz klar aus den eigenen Worten hervorgeht. Das er dabei gegen das ungeschriebene Gesetz der Straße verstoßen hat scheint ihn weniger zu berühren, denn wenn er nicht mehr die Fäden in der hand halten konnte, sollte es auch kein anderer tun.


Fazit:


"Mr. Untouchable" stellt ohne Frage ein absolutes Doku-Highlight dar, das einen ganzzeitig fesselt und eine ungeheuer starke Intensität beinhaltet. Dadurch fühlt man sich phasenweise in der Zeit zurückversetzt und kann sich das damalige New York vor dem geistigen Auge äusserst gut vorstellen. Die authentischen Erzählungen der einzelnen Beteiligten vermitteln dabei einen extrem glaubhaften Eindruck und machen diese Doku zu einem absoluten Erlebnis, das man sich keinesfalls entgehen lassen sollte.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch DTS 5.1, DD 5.1 / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,78:1 (16:9)
Laufzeit: 88 Minuten
Extras: Originaltrailer, Trailershow


8/10

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