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Dienstag, 22. November 2011

A Serbian Film (SRPSKI Film)









A Serbian Film
(Srpski Film)
mit Srdjan Todorovic, Sergej Trifunovic, Jelena Gavrilovic, Slobodan Bestic, Katarina Zutic, Luka Mijatovic, Ana Sakic, Lena Bogdanovic, Miodrag Krcmarik, Nenad Herakovic, Carni Deric, Andela Nenadovic,
Regie: Srdjan Spasojevic
Drehbuch: Aleksandar Radivojevic / Srdjan Spasojevic
Kamera: Nemanja Jovanov
Musik: Sky Wikluh
Ungeprüft
Serbien / 2010

Milos ist eigentlich glücklich mit Frau und Tochter, doch plötzlich holt seine Vergangenheit als Pornostar ihn wieder ein. Er steckt in Geldnöten und nimmt den Auftrag als Akteur für einen vermeintlich künstlerischen Pornofilm an. Schon bald nach Drehbeginn wird es immer skurriler, der Regisseur scheint skrupellos und wahnsinnig zu sein. Selbst sein Bruder bei der Polizei kann Milos nicht helfen aus dem Projekt auszusteigen. Seine schlimmsten Alpträume beginnen Realität zu werden und er verfängt sich in einem zerstörerischen Sumpf aus Sex und Gewalt.


Um einen Film wie diesen auf den Weg zu bringen muss man entweder eine extrem kranke Fantasie haben, oder in seinem Leben äusserst traumatische Erlebnisse gehabt haben, die man in dieser Geschichte verarbeiten möchte. Regisseur Srdjan Spasojevic hat mit "A Serbian Film" ein Werk kreiert, das wohl ohne Übertreibung zu den schockierendsten-und kontroversesten zu zählen ist, die man je gesehen hat. Ich persönlich kann mich jedenfalls nicht erinnern, schon einmal einen ähnlich brutalen-und verstörenden Film gesehen zu haben, der ein so beklemmendes Gefühl beim Zuschauer auslöst, das man streckenweise kaum richtig atmen kann. Dabei sind es nicht die expliziten Gewaltdarstellungen allein, die wie ein Tornado über einen herfallen, es ist die Mischung aus visueller Brutalität und der durch die Thematik freigesetzte Härte im Kopf des Betrachters, die einem hier wirklich zu schaffen macht. Dabei ist es Spasojevic vortrefflich gelungen, ein extrem realistisch anmutendes Szenario zu erschaffen, das man sich auch durchaus in der Realität vorstellen kann.

Das Geschehen führt den Zuschauer größtenteils wirklich an die Grenzen der seelischen Belastbarkeit, denn aus einem zu Beginn anscheinend ganz normalem Pornofilm-Dreh entwickelt sich ziemlich schnell ein Szenario des absoluten Grauens, in das die Hauptfigur Milos unter falschen Vorraussetzungen hineingezogen wird. Will er doch eigentlich nur einen letzten Film drehen, um seine Familie finanziell abzusichern und ein sorgenfreies Leben zu führen, so nehmen die Ereígnisse für ihn einen Lauf, der ihn letztendlich nicht nur körperlich, sondern vor allem seelisch total zerstört. Auf die einzelnen Passagen des Filmes möchte ich hier nicht näher eingehen, denn man muss die Bilder selber gesehen haben, um tief in die seelischen Abgründe schauen zu können, die sich hier offenbaren. Dabei wird man selbst an die Grenzen der seelischen Belastbarkeit geführt, denn die Wirkung dieses Filmes löst die unterschiedlichsten Gefühle in einem aus. Von Mitleid, Ekel und einer grausamen Faszination der Ereignisse berieselt, weigert sich der eigene Verstand teilweise, das Gesehene zu akzeptieren. Bei aller vorhandenen Härte ist es insbesondere eine "Baby-Szene", die einem ganz besonders zu schaffen macht und an Widerwärtigkeit nicht zu toppen ist.

Zwar wimmelt es hier förmlich von ähnlichen Szenen, doch diese sprengt jedes Fassungsvermögen und treibt dem Zuschauer dabei sogar die Tränen in die Augen. "A Serbian Film" kann man sicherlich in keine Schublade stecken und den Film auch nicht einfach als gut oder schlecht beurteilen. Bei diesem Szenario muss man sich wirklich öffnen und bereit dazu sein, die eigenen Grenzen der Belastbarkeit eventuell zu überschreiten. Die große Stärke dieses kontroversen-und aufwühlenden Werkes liegt sicherlich in der authentischen Umsetzung der grausamen Thematik, der dabei gewährte Einblick in die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele lässt einen unwillkürlich erschaudern. Hinzu kommen die extrem glaubwürdig agierenden Darsteller, die allesamt herausragende leistungen abliefern, was die Intensität der Geschehnisse noch zusätzlich verstärkt. Es ist ein bitterer, aber gleichzeitig grausam-faszinierender Film den man hier geboten bekommt und der eklige Nachgeschmack wird nicht so schnell wieder von einem ablassen. Zu sehr brennt sich das Geschehen in den eigenen Kopf ein, die verstörenden Bilder wollen ganz einfach nicht wieder verschwinden. Das Schlimmste jedoch ist die während der Geschichte vorhandene Hilflosigkeit, mit der man vor dem Bildschirm sitzt und das unsagbare Leid miterlebt, das Milos und seiner Familie widerfährt. In einem fast ohnmächtigen Zustand lässt man das Gesehen über sich ergehen und fühlt sich dabei in einer Art Schockzustand der einfach nicht von einem abfallen will.

Und als wenn das noch nicht genug wäre, konfrontiert einen Spasojevic mit einem finalen Showdown, der tragischer nicht sein könnte. Bei dem hier gewählten Ende kommt die ganze Tragik der Geschichte noch einmal richtig durch und trifft den Betrachter wie ein Dampfhammer in die Eingeweide. Dennoch handelt es sich hierbei um den einzig logischen-und auch nachvollziehbaren Schluß, den man wohl auch für sich selbst gewählt hätte. Wer den Film gesehen hat wird verstehen was ich meine, denn die seelischen Verletzungen der Familie sind ganz einfach nicht mehr heilbar. Und so wird man dann sehr nachdenklich und vollkommen geschockt aus einem Film entlassen, der noch lange nachhaltig wirken wird. Grausamer als "A Serbian Film" kann ein Werk kaum sein und es verwundert mich doch sehr, das es immer noch viele Leute gibt, die dieses Werk als nicht hart genug empfinden. Wenn hier nicht die Grenzen des Ertragbaren phasenweise überschritten werden, dann weiß ich auch nicht weiter, wie abgestumpft muss ein Mensch denn schon sein, um nicht die grausame Brutalität dieses Filmes zu erkennen?


Fazit:


Für mich persönlich ist dieser Film das Verstörendste, was ich bisher gesehen habe, was in erster Linie an der realistischen Umsetzung einer an Brutalität nicht zu überbietenden Thematik liegt. Herausragende Darsteller verleihen dem Ganzen eine Intensität, die ihresgleichen sucht. Wer nach der Sichtung dieser Story immer noch der Meinung ist das nicht genügend Härte vorhanden ist, hat den Film entweder nicht verstanden oder sollte sich dringend in ärztliche Begandlung begeben, denn irgendetwas kann dann nicht stimmen. Zartbesaitete Gemüter sollten jedenfalls die Hände von diesem erschütternden Werj lassen, das im Normalfall selbst die hartgesottenen Film-Freaks nicht kalt lassen dürfte.


10/10 Punkte für die realistische Umsetzung einer wirklich grausamen Thematik

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