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Freitag, 30. Dezember 2011

Camp Armadillo (Doku)








Camp Armadillo
(Armadillo)
Dokumentation
Regie: Janus Metz Pedersen
Drehbuch: Kasper Torsting
FSK 16
Dänemark / 2010

Sechs Monate lang ist der Dokumentarfilmer Janus Metz einer Gruppe junger dänischer Soldaten im Afghanistan-Einsatz gefolgt. Die Kamera ist immer dabei: beim Abschied von Freunden und Familie, bei der Einweisung in Camp Armadillo, bei der ersten Patrouille, bei Begegnungen mit der Bevölkerung.

Auch als eine Soldatengruppe plötzlich in ein Feuergefecht mit den Taliban gerät, ist Metz mit seinem hervorragenden Kameramann mitten im Geschehen. Die Bilder zeigen junge Männer, die sich verändern. Sie zeigen, wie sich Abenteuerlust in Härte, ja sogar Zynismus verwandelt, wie Tod und Verletzung sich auf die Soldaten auswirken und wie weit der Begriff "Friedenstruppe" von der afghanischen Wirklichkeit entfernt ist.



Es gibt etliche spannende und sehr sehenswerte Dokumentationen und gerade das Label Ascot Elite glänzt hier immer wieder durch fantastische Veröffentlichungen. Mit "Camp Armadillo" wird der hohe Qualitätsstandard diverser Dokus jedoch noch einmal auf ein ganz anderes Level gehoben, handelt es sich hier doch um eine Produktion, die dem Zuschauer jederzeit das Gefühl verleiht sich direkt im Geschehen zu befinden. Das gezeigte Szenario entfaltet dabei eine ungeheure Intensität, die sich auch zwangsläufig auf einen selbst überträgt. Man kann die größtenteils sehr beklemmende Atmosphäre fast körperlich nachempfinden, die sich wie ein bleierner Mantel auf die eigenen Schultern legt und einen dabei fast erdrücken will. Trostlos und karg gestaltet sich der Schauplatz in Afghanistan, an dem die dänischen Soldaten scheinbar fernab jeglicher Zivilisation ihr tristes Dasein fristen und die Zivilbevölkerung vor den Taliban beschützen sollen.

Zu Beginn erscheint der Tagesablauf noch ziemlich öde und aus Gesprächen erfährt man, das die jungen Soldaten Kampfhandlungen regelrecht entgegenfiebern. Was zu Beginn noch die pure Abenteuerlust darstellt, verwandelt sich mit der Zeit bei vielen der jungen Männer in die pure Lust am Töten. Gerade dieser Aspekt der Charakterwandlung kommt hier besonders gut zum Vorschein und manchem Soldaten kann man diese Veränderung sogar im Gesicht ablesen. Hält man sich hier noch einmal den Beginn des Filmes vor Augen als die Männer sich von ihren Familien verabschieden und lediglich die Lust auf ein Abenteuer verspüren, so ist die vollzogene Wesensänderung bei einigen schon sehr frappierend. Das kommt auch in etlichen Dialogen zum Ausdruck, in denen ein gewisser Fanatismus zum Vorschein kommt. Mit Begeisterung erzählen die Männer von ihren Taten und wie sie diverse Taliban regelrecht niedergemetzelt haben. Schaut man einigen von ihnen dabei ins Gesicht, kann man ein fanatisches Flackern in den Augen erkennen, was einem schon eine gepflegte Gänsehaut über den Rücken jagen kann. Es beinhaltet schon eine erschreckende Faszination, wie innerhalb kürzester zeit aus jungen Männern scheinbar eiskalte Killermaschinen geworden sind, denen es regelrecht Freude bereitet, andere Menschen zu töten.

Die Kamera ist ganzzeitig dabei und man weiss eigentlich zu keiner Zeit, ob die Soldaten gerade deswegen mit ihren Taten regelrecht prahlen, oder ob sie sich dieser Tatsache überhaupt nicht bewust sind. Gerade dadurch erscheint das Geschehen umso authentischer, hinterlässt aber auch einen schalen Beigeschmack beim Betrachter. Zudem ist es der immer stärker in den Vordergrund rückende Zynismus der Männer, der dem Zuschauer zu schaffen macht und an manchen Stellen fast unerträglich erscheint. Gleichzeitig ist dies aber ein Paradebeispiel dafür, wie sehr sich die Psyche der Soldaten während ihres Einsatzes verändert hat. haben sie sich zu Beginn noch als Missionare für eine gute Sache gesehen, so hat das Kriegsgeschehen diese Einstellung doch ganz offensichtlich verändert. So ist es dann auch nicht wirklich verwunderlich, das "Camp Armadillo" in Dänemark für starke Diskussionen sorgte und einige Männer sogar der Kriegsverbrechen beschuldigt wurden. Das kommt aber auch schon während des Filmes zum Ausdruck, denn durch einige freimütige Äusserungen diverser Soldaten über die Erschießung von Verwundeten kommt es zu Beschwerden von Familienangehörigen, die anscheinend von einigen "Nestbeschmutzern" über diesen Zustand informiert wurden.

"Camp Armadillo" ist eine wirklich aussergewöhnlich gute Dokumentation und weitaus intensiver als jeder fiktive Kriegsfilm. Das authentische Szenario entfaltet eine beklemmende Faszination und kriecht dem Zuschauer merklich unter die Haut. Jederzeit hat man dabei das Gefühl ein Teil dieser "Friedensmission" zu sein, die doch alles andere als friedlich erscheint. Herausragend ist der Aspekt der psychischen Veränderung der Soldaten, kein Spielfilm könnte hier auch nur ansatzweise die Echtheit der Gefühle wiedergeben, die sich in den Gesichtern und den Dialogen der Männer widerspiegeln. Man kann nur erahnen, welche psychischen Probleme die Männer von ihrem Einsatz mit in die Heimat zurückgenommen haben, in der sie am Ende der Doku von ihren Familienangehörigen in den Arm geschlossen werden. Wie dem aber auch sei, dieses halbe jahr in Afghanistan wird sicherlich kein einziger je in seinem Leben vergessen.


Fazit:


Janus Metz Pedersen und sein Film-Team haben mit "Camp Armadillo" eine Doku geschaffen, die härter und intensiver als jeder Kriegsspielfilm daherkommt. Nichts ist realistischer als echte Soldaten in einem echten Einsatz und das macht diesen Film so absolut aussergewöhnlich. Ich persönlich kann diese DVD nur jedem ans Herz legen, der einmal die echten Schrecken des Krieges sehen will.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch DTS, DD 5.1 / Dänisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,85:1 (16:9)
Laufzeit: 101 Minuten
Extras: Originaltrailer, Trailershow


8/10

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