Follower

Samstag, 24. Dezember 2011

No Reason








No Reason
(No Reason)
mit Irene Holzfurtner, Matthias Engel, Alexander Gamnitzer, Andreas Pape, Annika Strauß, Ralph Willmann, Markus Hettich, Timothy Balme, Thomas Reitmair, Vlasto Peyitch, Hildegard Kocian, Dominik Bühler, Felix Decker
Regie: Olaf Ittenbach
Drehbuch: Olaf Ittenbach
Kamera: Axel Rubbel
Musik: Keine Information
Ungeprüft
Deutschland / 2010

Jäh wird Jennifer aus ihren bisher unscheinbaren und gut verlaufenden Lebensumständen gerissen. Die bald mit dem geliebten Gatten vor einem Umzug stehende junge Mutter erlebt dabei einen alles andere als normalen Tag: Sie erhält neben befremdlichen Besuchen ihrer baldigen Ex-Nachbarn auch den eines Postboten mit dringendem Bedürfnis. Nach einem Einkauf ist ihre ältere Nachbarin, die auf ihren Sohn Niko aufgepasst hat, spurlos verschwunden und dem Abschiedsgedicht einer anderen Hausbewohnerin sind Bilder beigefügt, die Jennifers Mann Sebastian beim Liebesspiel mit eben jener Hausgenossin zeigen. Um den ersten Schock zu überwinden, nimmt sie ein Bad und schläft in der Wanne ein. Als sie wieder aufwacht, befindet sie sich nackt auf dem Boden ihrer Wohnung, der über und über mit Blut und Leichenteilen bedeckt ist. Verantwortlich zeigt sich dafür ein geheimnisvoller, maskierter Mann, der Jennifer durch eine ganz eigenwillige Philosophie zum rechten Weg und ins 'weiße Licht' führen will. Dabei muss die junge Frau schreckliche Bilder und einiges an psychischer wie physischer Folter über sich ergehen lassen.


Wer sich einen Film von Olaf Ittenbach anschaut, legt dabei sein Hauptaugenmerk zumeist auf die immer gekonnten SFX, denn in dieser Beziehung hat einen der Mann bisher eigentlich nie enttäuscht. Gern lässt der geneigte Fan dabei dann auch mal die vorhandene Geschichte beiseite, die in den meisten Fällen nicht unbedingt durch inhaltliche Tiefe bestechen kann. Dabei muss man Ittenbach durchaus zu Gute halten, das er sogar immer wieder recht innovative Story-Ansätze erkennen lässt, es aber letztendlich an der Umsetzung des Ganzen hapert. So liegt dann auch dem letzten Werk "No Reason" eine im Prinzip sehr innovative Grundidee bei, deren filmische Umsetzung aber manchen Fan sicherlich nicht gerade begeistern wird. Offenbart sich doch nach einem verhältnismäßig normalen Beginn ein visueller Bilderrausch, der doch größtenteils an einen extremen Drogentrip erinnert. Im Focus des Geschehens steht dabei die Hauptfigur Jennifer, die anscheinend ein ganz normales Familienleben mit Ehemann und Kind führt. Ziemlich schnell verflüchtigt sich allerdings dieser Eindruck, nachdem sich aus der geradlinig beginnenden Geschichte ein bizarrer Bilder-Mix entwickelt, der im Bezug auf Härte eine ganze Menge zu bieten hat.

Nun handelt es sich hier längst nicht um einen der typischen Ittenbach-Filme, bei denen man zumeist mit einer eher seichten Geschichte konfrontiert wird bei der man sich genüsslich zurücklehnen kann und sich an den gekonnten Splatter-und Gore Einlagen erfreut. Hier muss man sogar sehr konzentriert bei der Sache bleiben, um überhaupt die Zusammenhänge der gerade in der ersten Filmhälfte eher verwirrenden Story zu folgen. Denn erst zum Ende hin lüftet sich der geheimnisvolle Schleier um die Hauptfigur, die man auf einmal in einem vollkommen anderen Licht sieht. Ob nun die visuelle Umsetzung der Ereignisse als gelungen angesehen werden kann, liegt selbstverständlich wie immer im Auge des Betrachters. Das kann man allein schon an etlichen im Netz veröffentlichten Kritiken erkennen, in denen die Meinungen extrem auseinandergehen. Von absolutem Schund bis hin zur genialen Umsetzung einer tollen Idee ist eigentlich alles vertreten, was man sich nur vorstellen kann. Die Wahrheit ist bestimmt irgendwo dazwischen angesiedelt und natürlich kommt es auch auf den persönlichen Geschmack an.

Eigentlich ist es aber auch vollkommen egal wie man zu der visuellen Umsetzung von Ittenbachs Grundidee steht, denn bei den vorhandenen Splatter-und Gore Effekten von Olaf dürfte jeder Fan voll auf seine Kosten kommen. Bekannterweise hat es sich hier ja schon immer um die ganz große Stärke des Regisseurs gehandelt und auch "No Reason" ist hier keine Ausnahme. Nach einer eher etwas mau ausgefallenen Einführung in die Geschichte ist mit dem Einsetzen des alptraumhaften Bilderrausches des Filmes für den geneigten Gorehound eine regelrechte Happy Hour angesagt, denn nun hält ein Härtegrad Einzug in das Geschehen, der sich wirklich sehen lassen kann. Es wird gemetzelt und gesplattert was das Zeug hält, wobei einige Szenen zu sehen sind, die man schon fast im Hardcore-Bereich ansiedeln kann. Hier sollte man insbesondere auf zwei Passagen achten, in denen der männliche Penis die absolute Hauptrolle spielt und bei deren Anblick so mancher Mann dezente Unterleibsschmerzen verspüren dürfte. Einige Passagen könnten eventuell sogar einen ekligen Eindruck hinterlassen, wird doch der Weg des guten Geschmacks so einige Male verlassen. Wie dem aber auch sei, Olaf lässt sich hier wirklich nicht lumpen und fährt so einige schwere Geschütze auf, weshalb man auch durchaus nachvollziehen kann, warum dieser Film in Deutschland der berüchtigten Schere zum Opfer fiel.

Letztendlich provozieren die Werke des deutschen Gore-Papstes im Prinzip immer zu angeregten Diskussionen, doch wohl kaum ein anderer Film von Ittenbach dürfte die Meinungen der Fans so sehr spalten wie "No Reason". Das liegt ganz sicher hauptsächlich an der visuellen Umsetzung der vorliegenden Story, die ganz bestimmt nicht jeden Geschmack treffen wird. Und so kann ich dann auch die Leute verstehen, die nicht gerade viel mit diesem Werk anfangen-und sich lediglich mit dem vorhandenen Härtegrad anfreunden können. Mir persönlich hat der Film sehr gut gefallen, wobei der surreale Bilderrausch auch bei mir ein etwas zwiespältiges Gefühl hinterlassen hat. Jedoch bewundere ich den Mut Ittenbachs, hier eine innovative Grundidee auf den Weg zu bringen, doch diesen Mut konnte man ihm auch eigentlich noch nie absprechen.


Fazit:


"No Reason" ist mit Sicherheit nicht der beste Film von Ittenbach, jedoch ist das Werk auch keinesfalls so schlecht, wie es manche Kritiken vermuten lassen. Die Geschichte an sich ist dabei absolute Geschmackssache, doch die vorhandenen SFX können sich wie immer mehr als nur sehen lassen. Teilweise handelt es sich sogar um ein wahres Gemetzel, was die echten Gorehounds aber wohl eher begeistern anstatt abschrecken wird.


7/10

Keine Kommentare: