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Montag, 26. Dezember 2011

Tage des Ruhms








Tage des Ruhms - Die vergessenen Helden des Zweiten Weltkrieges
(Indigenes)
mit Jamel Debbouze, Samy Naceri, Roschdy Zem, Sami Bouajila, Bernard Blancan, Mathieu Simonet, Assaad Bouab, Benoit Giros, Melanie Laurent, Antoine Chappey, Aurelie Eltvedt, Thomas Langmann, Philippe Beglia
Regie: Rachid Bouchareb
Drehbuch: Rachid Bouchareb / Olivier Lorelle
Kamera: Patrick Blossier
Musik: Armand Amar / Cheb Khaled
FSK 12
Algerien / Belgien / Frankreich / Marokko / 2006

1943. In Europa tobt der 2. Weltkrieg. Vier junge Algerier ziehen in den Krieg um Frankreich von der Besatzung durch die Nazis zu befreien. Zusammen mit über 200.000 Kolonial-Truppen riskieren sie ihr Leben für ein Land, das sie nie gesehen haben. Die epische Reise führt Messaoud, Said, Abdelkader und Yassir von Afrika nach Italien, wo sie in den verlustreichen Schlachten von Monte Cassino ihre Feuerprobe bestehen müssen. Im Rahmen der Operation Dragoon landen sie anschließend in der Provence und befreien Marseille. Doch in den eigenen Reihen werden sie immer wieder diskriminiert und gedemütigt. Und so kämpfen die vergessenen Helden nicht nur für ein freies Europa, sondern auch für die eigene Anerkennung, Gleichbehandlung und Respekt. Im Elsass kommt es zum finalen Gefecht mit der Wehrmacht.


Es ist schon erstaunlich, das dieser größtenteils gelungene Kriegsfilm schon 2006 erschienen ist, aber in Deutschland anscheinend keinerlei Beachtung gefunden hat. Dabei handelt es sich doch um eine äusserst interessante Thematik, die den Focus allerdings nicht unbedingt auf größere Schlachten und etliche Kampfszenen legt. Vielmehr stehen die algerischen Kolonialsoldaten im Vordergrund, die für Frankreich in den Krieg ziehen, um ihr zweites Vaterland von den Nazis zu befreien. Im Prinzip ohne eine fundierte Kampfausbildung werden die Männer in den Krieg geschickt und müssen sich erst dort die notwendigsten Grundlagen erwerben um am Leben zu bleiben. "Tage des Ruhms" legt das Hauptaugenmerk insbesondere auf die Ungleichstellung und Diskriminierung der algerischen Soldaten in der eigenen Armee, denn obwohl die Männer streckenweise sogar mehr leisten als die Franzosen werden sie ständig schikaniert und teilweise sogar wie Aussätzige behandelt. Das äussert sich in etlichen Kleinigkeiten wie beispielsweise der Essensausgabe, hauptsächlich aber bei Beförderungen der Soldaten, bei denen die Algerier beabsichtigt übergangen werden.

Einerseits wird die Thematik wirklich gut in Szene gesetzt, dennoch kratzt der Film nur recht oberflächlich an der offensichtlichen Ungerechtigkeit, die den Männern zuteil wird. Es werden zwar einige gute Beispiele serviert, doch insgesamt gesehen hätte man das Ganze durchaus drastischer darstellen können. Mich persönlich hat es ein wenig gestört, das sich die Algerier nur sporadisch gegen die Ungerechtigkeiten aufgelehnt haben und letztendlich doch sämtliche Versprechungen der Vorgesetzten immer für bare Münze genommen haben. Dennoch erscheint das Geschehen insgesamt sehr stimmig, wozu auch die gelungenen Kampfszenen beitragen. Diese sind zwar nicht im Übermaß vorhanden, dafür aber sehr authentisch und glaubwürdig. Auf wirklich spektakuläre Schlachten wie in etlichen Hollywood-Blockbustern wartet man allerdings vergebens, jedoch hätten diese in meinen Augen das Szenario aber auch etwas verfälscht.

Nun gibt es fast selbstverständlich auch wieder genügend Leute, die diesem Film eine gewisse Langatmigkeit und mangelnde Action vorwerfen, doch diese Kritikpunkte konnte ich für meinen Teil nicht entdecken. In seiner Gesamt-Inszenierung wirkt "Tage des Ruhms" doch prinzipiell sehr gelungen, kleinere Defizite lassen sich wie in fast jedem Film aber nicht von der Hand weisen. So ist es zum Beispiel sehr erstaunlich, das es in dieser Geschichte eigentlich gar keine Verwundeten gibt, in den gezeigten Kämpfen sind die Opfer fast ausschließlich sofort tot, was letztendlich zwar ein wenig unglaubwürdig erscheint, doch im Prinzip keinen Grund zu großer Kritik bietet. Die meiner Meinung nach einzige und wirkliche Schwäche des Werkes bildet der finale Kampf in einem elsässischen Dorf, bei dem die 4 Hauptdarsteller der Story auf einige Nazis treffen. In diesen Passagen fehlt es einfach an der nötigen Spannung, als das man diesen Schluss-Akkord als Höhepunkt ansehen könnte. Hier bekommt man es auch mit der einzigen Phase des Filmes zu tun, in der es nun wirklich ein wenig Langeweile gibt.

Insgesamt gesehen hat mir "Tage des Ruhms" wirklich sehr gut gefallen, denn bis auf einige kleine Schwächen bietet das Werk einen absolut gelungenen Kriegsfilm, der seine Stärke nicht in unendlich vielen Kampfszenen sondern in seiner interessanten Thematik hat. Zwar hätte man diese noch etwas intensiver herauskehren können, doch auch so ist der Zuschauer unangenehm von den Ungerechtigkeiten berührt, die den algerischen Soldaten widerfahren. So kann man also letztendlich von einen sehr guten Filmerlebnis sprechen, das man sich keinesfalls entgehen lassen sollte.


Fazit:


Sicherlich ist "Tage des Ruhms" kein fehlerfreier Film, doch warum das Werk von Rachid Bouchareb bei uns bisher kaum Beachtung gefunden hat kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Immerhin handelt es sich um eine interessante Geschichte die auch größtenteils sehr spannend erzählt wird. Eine gut agierende Darsteller-Riege tut ihr Übriges, damit sich dieser Film auf jeden Fall über dem normalen Durchschnitt ansiedeln kann und somit als absolut sehenswert zu bezeichnen ist.


Die DVD: Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch / Französisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 119 Minuten


7/10

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