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Montag, 31. Januar 2011

Neighbor









Neighbor
(Neighbor)
mit America Olivo, Christian Campbell, Lauren Rooney, Pete Postiglione, Joe Aniska, Sarah McCarron, Amy Rutledge, Mink Stole, Meredith Orlow, Giovanna Galdi, Tracy Toth, Robert A. Masciantonio, Stink Fisher, Megan Madsen
Regie: Robert A. Masciantonio
Drehbuch: Robert A. Masciantonio
Kamera: Jeff Schirmer
Musik: Kurt Oldman
Keine Jugendfreigabe
USA / 2009

Für Dan schien das Wochenende perfekt, denn in seinem Haus sollte eine große Party stattfinden. Doch eine geheimnisvolle junge Frau durchkreuzt rigoros seine Pläne. Sie überwältigt ihn und startet, offenbar ohne das geringste Motiv, einen eiskalt-brutalen Folterreigen an dem Musiker. Und als wenn es nicht schon schlimm genug wäre, dass die Psychopatin Dan furchtbaren Schmerzen aussetzt, muss er auch noch miterleben, wie sie nach und nach seine Freunde vor seinen Augen brutal umbringt. Schon bald ist der Punkt erreicht, an dem der junge Mann nur noch seine Erlösung herbeisehnt.


Auch wenn die mir vorliegende deutsche Veröffentlichung dieses Filmes im Gegensatz zur Unrated-Version um 4 Minuten erleichtert wurde, bin ich doch mit einigen Erwartungen an dieses Werk herangegangen, die sich letztendlich aber leider nur teilweise erfüllen konnten. Das liegt aber gar nicht einmal an den fehlenden Härte-Passagen, sondern vielmehr an diversen anderen Unzulänglichkeiten, die streckenweise ziemlich offensichtlich in den Vordergrund treten. Ungeschnitten dürfte dieser Film auf jeden Fall im Bezug auf die Härte absolut empfehlenswert sein, denn wenn man sich einmal den Schnittbericht anschaut kann man schon erahnen, das es hier nicht unbedingt seicht zur Sache geht. In vorliegender Version werden die brutalen Abschnitte allerdings bis auf wenige Ausnahmen immer nur angedeutet, so das Vieles der Fantasie des Zuschauers überlassen ist, der sich seinen eigenen Reim auf die Foltermethoden machen muss, die während der Geschichte zu Tage treten.

Doch die eigentlichen Probleme von "Neighbor" treten hauptsächlich in der Erzählweise des Filmes auf, denn diese kann man nicht unbedingt als sehr straight bezeichnen. Insbesondere im Mittelteil der Story werden dem Betrachter nämlich diverse Zeitsprünge offenbart, die teilweise wirklich für einige Verwirrung sorgen können. So kann man sich an einigen Stellen schwerlich einen Reim darauf machen, ob man sich nun gerade in der realen Gegenwart oder in wirren Albträumen des Opfers Dan befindet, was das Sehvergnügen meiner Meinung nach doch etwas beeinträchtigt. Der zweite Schwachpunkt sind sicherlich die Darsteller, denn bis auf die psychophatische Killerin (America Olivo) erscheinen die Charaktere doch ziemlich blass und zum größten Teil auch äusserst unglaubwürdig. America Olivo jedoch hat mir in der Rolle der Psychphatin ausnehmend gut gefallen, bringt sie durch ihre Darstellung doch auch eine ordentliche Portion Sarkasmus in das Geschehen, zudem beinhalten diverse Passagen auch eine Menge an schwarzem Humor und fast skurriler Situationskomik, was man durchaus als Ausgleich für einige andere Defizite ansehen kann.

So kommt beispielsweise zu keiner Zeit ein wirklich konstanter Spannungsbogen zustande, denn trotz der leicht verwirrenden Abschnitte im Mittelteil der Geschichte ist das Geschehen insgesamt gesehen doch äusserst vorhersehbar. Es fehlt also ein wenig am nötigen Thrill, um eine wirkliche Faszination auf den Zuschauer auszuüben. Dafür bekommt man allerdings eine ziemlich fiese Grundstimmung geboten, an der man sich herrlich erfreuen kann und die streckenweise schon richtig makabere Züge trägt. Dazu trägt auch widerum die Darstellung von America Olivo bei, die anscheinend schon eine diebische Freude an ihren Foltermethoden an den Tag legt, die man auch an ihrem Gesichtsausdruck ablesen kann. Man merkt also, das sich die positiven und negativen Aspekte so ziemlich die Waage halten, weswegen es also auch nicht besonders verwunderlich erscheint, das man letztendlich mit äusserst zwiespältigen Gefühlen aus diesem Film entlassen wird, der einige verdammt gute Ansätze beinhaltet, diese aber keineswegs perfekt herausarbeitet.

Letztendlich ist "Neighbor" auf jeden Fall ein interessanter und teilweise auch gelungener Genrebeitrag, denn man aber auf jeden Fall besser hätte umsetzen können. Vor allem die verwirrenden Abschnitte im Mittelteil haben diesem Werk doch etwas geschadet, was anscheinend als innovative Idee gedacht war, entwickelt sich vielmehr zu einem Schuss, der nach hinten losgegangen ist. Ausserdem sind die doch ziemlich schwachen Darsteller nicht gerade ein Aspekt, der zu einer Aufwertung des durchschnittlichen Gesamtbildes fürht, das der Zuschauer hier erhält. Gerade in diesem Punkt wäre mit etwas mehr Ausdrucksstärke und glaubhafteren Darstellungen eine Menge mehr möglich gewesen. Insbesondere die Opfer der hübschen Psychphaten hinterlassen dabei eine recht unglaubwürdige Opferrolle, was dem Ganzen doch eine Menge an authentischer Wirkung nimmt. Dennoch handelt es sich immer noch um einen Genrebeitrag, den man sich ruhig einmal anschauen sollte, allerdings sollte man dabei erst einmal abwarten, ob in nächster Zeit eine ungeschnittene Version erscheint, damit man das Werk in voller Länge erleben kann.


Fazit:


"Neighbor" ist ein Film, der den Zuschauer auf jeden Fall mit sehr zwiespältigen Gefühlen zurücklässt, wechseln sich doch wirklich gelungene Ansätze immer wieder mit sehr offensichtlichen Defiziten ab, die man einfach nicht übersehen kann. Dennoch bietet dieses Werk größtenteils recht kurzweilige Unterhaltung, so das eine Sichtung allemal lohnenswert ist. Im Bezug auf die Härte sollte man die Erwartungen allerdings stark zurückfahren, immerhin wurde die deutsche VÖ um gut 4 Minuten erleichtert.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 83 Minuten
Extras: Behind the Scenes, Fight Scene Special, Gag Reel, Special Effects Making Of, Trailer, Trailershow


6/10

Samstag, 29. Januar 2011

Ip Man Zero









Ip Man Zero
(Yip Man chinchyun)
mit Dennis To, Yu-Hang To, Siu-Wong Fan, Sammo Hung Kam-Bo, Huang Yi, Rose Chan, Ip Chun, Hins Cheung, Suet Lam, Sire Ma, Andy Taylor, Biao Yuen
Regie: Herman Yau
Drehbuch: Erica Lee
Kamera: Kwong-hung Chan
Musik: Chun Hung Mak
FSK 16
Hongkong / 2010

Foshan im Jahre 1905. Der junge Ip Man (Dennis To) besucht die Schule des Martial Arts-Meisters Chan Wah Shun (Sammo Hung), der ihn mit den Grundzügen der WingTsun-Technik vertraut macht. Nach dessen plötzlichem Tod übernimmt sein Kollege Ng Chung-siu (Yuan Biao) die Schule und hilft Ip Man, sich weiter zu verbessern. Jahre später zieht der junge Ip Man nach Hongkong und lernt den alten Leung-Pik (Ip Chun) kennen, der ihn weitere Aspekte des WingTsun lehrt. Schließlich kommt es für Ip Man zu einer Auseinandersetzung mit seinem Adoptivbruder Ip Tin-chi (Fan Siu Wong), der ein Geheimnis verbirgt, das die ganze Nation bedrohen könnte.


Die Geburt einer Legende!



Nach dem großen Erfolg der ersten beiden Teile konnte man nun voller Vorfreude an das vorliegende Prequel herangehen, das zeitlich gesehen vor den beiden Vorgängern angesiedelt ist und den Werdegang des berühmten Ip Man nachzeichnet. Im Grunde genommen gibt es auch nicht viel, was man an diesem Film bemängeln könnte, denn technisch und stillistisch gibt es keinerlei Anlass sich zu beklagen, lediglich die durch die Qualität der Vorgänger entstandenen Erwartungen an hochwertige Kampfszenen sollte man dieses Mal von Beginn an etwas zurückschrauben. Ist man nämlich als Zuschauer in den ersten beiden Teilen noch mit jeder Menge erstklassigen Kämpfen konfrontiert worden, so hält sich das Prequel in dieser Hinsicht doch eher vornehm zurück. Selbstverständlich gibt es auch hier wieder erstklassige Choreografien zu sehen und im Prinzip sind die Kampfszenen auch ausreichend vorhanden, wenn man allerdings den Vergleich mit den vorherigen Teilen zieht muss man ganz einfach eingestehen, das "Ip Man Zero" rein actionmäßig am Wenigsten zu bieten hat. Wer also hochklassige Fights und Kampfszenen ohne Ende erwartet, könnte am Ende vielleicht ein klein wenig enttäuscht sein.

Mir persönlich hat es allerdings sehr gut gefallen, das Herman Yau sehr viel Wert auf die vorhandene Geschichte gelegt hat, die jederzeit äusserst interessant und flüssig erzählt wird, so wird dem Zuschauer ein recht guter Einblick in den Werdegang des späteren Lehrmeisters von Bruce Lee gewährt. Freundschaft, Liebe und Verrat sind die wichtigsten Inhalte einer Geschichte, die zu keiner Zeit auch nur den Anflug von langeweile aufkommen lässt und so für ein äusserst kurzweiliges Filmvergnügen sorgt. Auch wenn dieses Mal logischerweise nicht Donnie Yen in die Rolle des Ip Man schlüpfen konnte, hat man mit Yu-Hang To die nahezu perfekte Besetzung für den jungen Ip Man gefunden, der nicht nur in optischer Hinsicht überzeugen kann, sondern auch durch überzeugendes Schauspiel und seine Kampfkunst einen sehr guten Eindruck hinterlässt. Allerdings sollte man dabei nicht unerwähnt lassen, das Donnie Yen noch einmal eine Klasse höher anzusiedeln ist, doch gerade unter dem Aspekt, das die Figur des Ip Man hier noch in der Lernphase seines Lebens zu sehen ist, erscheinen die Kampfszenen doch sehr authentisch und gut gelungen. Es fehlt ihnen lediglich in einigen Einstellungen etwas am nötigen Spektakel, sie hinterlassen viel eher einen fast nüchternen und rationalen Eindruck.

Ich sehe das auch gar nicht als negative Kritik an, nur ist man durch die beiden vorherigen Filme im Bezug auf die Kampf-Choreografien so dermaßen verwöhnt worden, das die Erwartungen natürlich recht hoch angesiedelt sind und in vorliegendem Film nicht ganz erfüllt werden können. Dabei handelt es sich allerdings um jammern auf ganz hohem Niveau, denn "Ip Man Zero" ist ein absolut würdiger Abschluss einer insgesamt herausragenden Trilogie, auch wenn der Film nicht ganz an die Qualität der Vorgänger herankommt. Auf jeden Fall aber ist es unglaublich spannend, die Entwicklung des Ip Man mitzuverfolgen, der sich auch gegen die traditionellen Regeln der eigenen Kampschule auflehnt und deswegen zu Beginn auch auf Widerstand stösst, weiterhin erzählt ein Nebenstrang der Story auch die aufkeimende Liebe zu seiner späteren Ehefrau, wobei dieser Teil der Geschichte nie zu sehr in den Vordergrund gerückt wird und auch keinesfalls kitschige Züge erkennen lässt. Eher ziemlich sachlich sind diese Passagen in das Gesamtbild eingefügt worden und erscheinen daher auch sinnvoll und notwendig, um die Authenzität des Geschehens noch zusätzlich hervorzuheben.

So kann man letztendlich von einem sehr gelungenen Abschluss einer Trilogie sprechen, die dem Zuschauer insgesamt gesehen eine Menge Spaß bereitet hat und ihm jede Menge erstklassige Martial Arts Kunst geboten hat. Ästhetisch anmutende Kampf-Choreografien und eine herausragende Gesamtgeschichte haben einem die Figur des Ip Man auf eindrucksvolle Art und Weise nähergebracht und einen glänzenden Einblick in ein Leben gewährt, das sämtliche Höhen und Tiefen beinhaltet, die man sich nur vorstellen kann. Dabei haben tolle Darsteller durch ihr authentisches Schauspiel eine Menge dazu beigetragen, das im Endeffekt ein Gesamteindruck entstanden ist, den man nur als überdurchschnittlich gut bezeichnen kann. Insbeosndere die Darsteller der Hauptfigur haben zudem einen sehr wesentlichen Anteil daran, das der Charakter des Ip Man beim Betrachter auch jede Menge Symphatiepunkte sammeln konnte, so das von Beginn an überhaupt kein Zweifel darüber aufkommen konnte, wer sich die Gunst des Zuschauers sichern konnte.


Fazit:


"Ip Man Zero" ist zwar meiner Meinung nach der "schwächste" Teil der Reihe, wobei das Wort schwach nicht missverstanden werden sollte. Denn lediglich im Bezug auf die vorhandenen Kampfszenen hält man sich hier etwas zurück, ansonsten gibt es auch an diesem dritten Teil überhaupt nichts auszusetzen. Die sogenannte Geburt einer Legende wird hier absolut glaubwürdig und nachvollziehbar nachgezeichnet, zudem zeichnet sich die geschichte durch eine äusserst flüssige Erzählweise aus, so das es auch keinerlei langatmige Passagen zu verzeichnen gibt. Sieht man alle 3 Teile im Zusammenhang, dann kann man der Story insgesamt nur ein sehr gutes Zeugnis ausstellen, das für qualitativ hochwertige Filmkost steht, die sich kein fan entgehen lassen sollte.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Kantonesisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch / Niederländisch
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 95 Minuten
Extras: Making Of


7,5/10

Donnerstag, 27. Januar 2011

Evil 2









Evil 2
(To Kako - Stin epohi ton iroon)
mit Dinos Avgoustidis, Orfeas Avgoustidis, Hristos Biros, Anthony Burke, Billy Zane, Yorgos Chraniotis, Skotis Drosos, Meletis Georgiadis, Andreas Kontopoulos, Pepi Moschovakou, Ioanna Pappa, Mary Tsoni
Regie: Yorgos Noussias
Drehbuch: Claudio Bolivar / Christos Houliaras
Kamera: Claudio Bolivar / Petros Nousais
Musik: Grigoris Grigioropoulos / Thanos Karabatziakis
Keine Jugendfreigabe
Griechenland / 2009

Athen ist von Zombies überrannt! Für die kleine Gruppe von Überlebenden, die sich um den Soldaten Vakirtzis geschart hat, gibt es nur noch einen Ausweg: Sie müssen es zum Hafen schaffen. Denn dort legt in Kürze das letzte Rettungsboot ab. Doch auf dem Weg zum Hafen warten nicht nur blutgierige Zombies auf die zusammengewürfelte Truppe, sondern auch eine ganze Reihe von Soziopathen, die nichts anderes im Sinn haben, als alle anderen Überlebenden zu ermorden. Im Kreuzfeuer von Sniperkugeln und Zombiehorden steht den Freunden plötzlich eine mysteriöse Gestalt bei, die sie davon zu überzeugen versucht, dass die Zombieplage mitnichten das Werk eines Virus ist, sondern dass das absolute Böse die Bevölkerung von Athen übernommen hat und dass Einer aus der Gruppe die Fähigkeit hat, das Böse zu besiegen und damit Athen und seine Einwohner zu retten. Aber das bedeutet, dass sie sich wieder in das Zentrum von Athen vorkämpfen müssen. In das Zentrum der Hölle, der sie gerade zu entkommen versuchten …


"Evil - To Kako" war im Jahre 2005 ein wirklicher Überraschungserfolg, konnte der griechische Zombiefilm doch herrlich trashige und vor allem blutige Zombiekost bieten, die zudem noch äusserst humorig in Szene gesetzt wurde. Kein Wunder also, das man mit gewissen Erwartungen an vorliegenden nachfolger herangegangen ist, der allerdings qualitätsmäßig doch weit hinter dem ersten Teil zurückbleibt. Dabei ist daran noch nicht einmal die Tatsache schuld, das die deutsche Veröffentlichung der Schere zumOpfer gefallen ist und um über zwei Minuten erleichtert wurde, es ist ganz einfach der Aspekt, das hier zu keiner Zeit ein wirklicher Erzählfluss zustande kommen will. Eventuell wollten die Macher des Filmes, dem man übrigens das niedrige Budget in allen Phasen ziemlich offensichtlich anmerkt besonders innovativ sein, denn nicht anders ist es zu erklären, das hier verschiedene Erzählstränge parallel zueinander erzählt werden.

Doch dieser sicherlich gut gemeinte Versuch ist völlig nach hinten losgegangen, da die Geschichte vollkommen durch ständige Zeitsprünge und etliche eingefügte Flashbacks einzelner Personen so dermaßen verwirrend erscheint, das man ihr kaum folgen kann. Das beginnt schon ganz am Anfang des Filmes, als man mit Griechen aus der Antike konfrontiert wird, so das man am überlegen ist, ob man überhaupt den richtigen Film in den DVD-Player gelegt hat. Doch nicht nur zu Beginn der Geschichte bekommt man die Personen aus der Antike zu sehen, denn auch im Laufe der Story wird man noch öfter mit ihnen konfrontiert. Und auch Agyris, der im ersten Teil ja eigentlich gestorben ist kehrt wieder ins Leben zurück, stirbt noch einige Male und kommt immer wieder zurück. Zwar wird im laufe der Zeit eine Erklärung dafür geliefert und die Zusammenhänge mit den immer wieder auftauchenden Bildern aus der Antike bekommen einen Sinn, jedoch ist das Szenario so hanbüchen in Szene gesetzt worden, das man sich teilweise nur die Haare raufen kann.

Auch den geheimnisvollen und recht ominösen Charakter, den Billy Zane hier darstellt, kann man in der ersten Stunde des geschehens eigentlich gar nicht zuordnen, obwohl einen schon gewisse Vorahnungen überkommen können, die sich dann letztendlich auch wirklich bewahrheiten. Seine Figur ist aber letztendlich nicht mehr als ein weiterer Störfaktor in einem seltsam zerstückelt erscheinenden Szenario, das so ziemlich jeglicher Logik entbehrt. Das ist aber gar nicht einmal das Schlimmste, denn Logik muss man in einem Zombiefilm nicht zwangsläufig erwarten, was wirklich störend erscheint ist der Aspekt, das die Dramaturgie der Geschichte eigentlich überhaupt nicht vorhandene ist, denn durch die unzähligen Zeitsprünge und Flashbacks kommt einem das Ganze wie eine wilde und teils auch zusammenhanglose Aneinanderreihung von einzelnen Videoclips vor, die zumeist keinerlei Sinn ergeben.

Und so baut sich auch im Endeffekt überhaupt keine Spannung auf, das Geschehen plätschert im Prinzip eher so vor sich hin und ist dabei noch nicht einmal besonders hart oder blutig geraten, denn wenn man sich mal den Schnittbericht anschaut stellt man sich ganz unweigerlich die Frage, warum dieses Werk um über zwei Minuten erleichtert werden musste. Doch wenn man einmal ganz ehrlich ist, konnen auch die fehlenden Passagen den insgesamt sehr mäßigen Gesamteindruck dieses Filmes nicht sonderlich aufwerten, der ganz einfach viel zu wirr und erschreckend strukturlos daherkommt. Das Sehvergnügen des Zuschauers hält sich hier also in einem extrem überschaubaren Rahmen, was meiner persönlichen Meinung nach noch äusserst diplomatisch ausgedrückt ist. Mich persönlich hat der Film jedenfalls absolut enttäuscht und zählt so ganz eindeutig zu den Fortsetzungen, die man sich auch getrost hätte sparen können. Der Esprit und Charme des Originals ist überhaupt nicht mehr zu spüren und auch der vorhandene Humor kann leider in keiner einzigen Sequenz wirklich zünden, so das es sich hier lediglich um eine sehr lahme Weiterführung des empfehlenswerten Erstlings handelt.


Fazit:


So sehr "Evil - To Kako" damals zu überraschen wusste, so sehr enttäuscht doch jetzt der Nachfolger, der so ziemlich in allen Punktet versagt und sich als ziemlicher Rohrkrepierer outet. Selbst vom reinen Unterhaltungswert, den ich bei einem solchen Werk ganz einfach vorraussetze, ist hier so gut wie nichts vorhanden. Ein ständig stockender Erzählfluss verhindert einen wirklichen Sehgenuss, der zudem noch durch eine größtenteils wirr in Szene gesetzte Geschichte extrem getrübt wird, so ds man leider keine wirkliche Empfehlung für diesen Film aussprechen kann.


Die DVD:

Vertrieb: Sunfilm
Sprache / Ton: Deutsch / Griechisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1:1,78 (16:9)
Laufzeit: 85 Minuten
Extras: Trailer, Teaser


3/10

Dienstag, 25. Januar 2011

Black Serenade









Black Serenade
(Tuno Negro)
mit Silke, Jorge Sanz, Fele Martinez, Patxi Freytez, Enrique Villen, Rebecca Cobos, Sergio Pazos, Javier Veiga, Benjamin Seva, Eusebio Poncela, Maribel Verdu, Carla Hidalgo, Paca Gabaldon, Mario Martin, Estrella Zapatero
Regie: Pedro L. Barbero / Vicente J. Martin
Drehbuch: Pedro L. Barbero / Vicente J. Martin
Kamera: Carlos Suarez
Musik: Roque Banos / Alex Martinez
FSK 18
Spanien / 2001

An der Universität der Stadt Salamanca geht ein Killer um. Zum Opfer fallen ihm Studenten, deren Leistungen mangelhaft sind. Als die begabte Studentin Alex in einem Chat auf einen unbekannten stösst, der die traditionsreiche Maske der örtlichen Tuno-Sänger trägt, glaubt sie noch an einen netten Scherz, als ihre Bekanntschaft ihr jedoch Videos aus ihrer näheren Umgebung vorzuführen beginnt, bekommt sie es mit der Angst zu tun. Tatsächlich kommen innerhalb der nächsten Wochen mehrere Studenten aus ihrem Bekanntenkreis auf blutigste Weise ums Leben. Alle Spuren deuten auf einen Raum in der Kathedrale von Salamanca hin, dessen wunderschöne Fresken die Examensarbeit von Alex Geschichtsstudium bilden. In diesem Raum wurden vor über 300 Jahren Gruppen von Minnensängern gefangen gehalten, die dort auf ihren Tod auf dem Scheiterhaufen warten mussten. Doch schon bald muss Alex entdecken, dass nicht die Gefangenen verbrannt wurden. Sie konnten unbemerkt aus der Kammer fliehen - unschuldige wurden dem Feuer geopfert. Nun beginnt ein Wettlauf mit der Zeit. Denn der geheime Weg aus der Kammer scheint gleichzeitig der direkte Weg zur Identität des Killers zu sein. Kann Alex ihn entlarven, bevor sie dran glauben muss?


Es ist doch immer wieder sehr erstaunlich, das es gerade die eher unscheinbaren kleineren Filme sind, die dem Zuschauer zumeist sehr gute Horror-Unterhaltung bieten. Nicht anders verhält es sich bei vorliegender spanischer Produktion, die dem Zuschauer sehr gute Slasherkost made in Europe anbietet. In groben Zügen fühlt man sich dabei nicht gerade selten an die Scream-Trilogie von Wes Craven erinnert, gibt es doch insbesondere im Bezug auf den Geschichtsverlauf einige offensichtliche Ähnlichkeiten zu erkennen. So kann man sich auch darauf einstellen, das der vorliegende Story-Plot nicht unbedingt vor Innovation strotzt, denn großartig Neues bekommt man nicht geboten, dafür jedoch eine gut inszenierte Geschichte, die in erster Linie von ihrem gut gezogenen Spannungsbogen und ihrer größtenteils bedrohlichen Grundstimmung lebt.

Die Macher des Filmes haben es äusserst gut verstanden, den Zuschauer mit etlichen Tatverdächtigen zu konfrontieren, so präsentieren sich im ersten Drittel des Geschehens doch so viele Verdächtige, das man fast schon den Überblick verlieren kann. Andererseits wird dadurch natürlich die Spannung immer hochgehalten und man bekommt erst kurz vor dem Ende die wahre Identität des Mörders offenbart, die bei vielen Leuten sogar für einen echten Überraschungsmoment sorgen könnte. Wenn man allerdings sehr aufmerksam auf diverse Kleinigkeiten achtet kann es auch durchaus passieren, das man aufgrund der Motive des Täters weitaus früher auf dessen Identität stösst, als es einem eigentlich lieb sein kann. Es gibt nämlich durchaus Hinweise, aufgrund derer man dem Mörder ziemlich frühzeitig auf die Spur kommen kann, was dem Film an sich aber keineswegs viel von der vorhandenen Spannung nimmt, die sich im Prinzip wirklich bis zum Ende hochhalten kann und so fpr ein richtig gelungenes Filmvergnügen sorgt.

Besonders erwähnenswert ist auch die sich entfaltende Atmosphäre, hat man doch etliche Passagen schön düster gehalten, was über den Großteil des Geschehens angenehme Schauer beim Betrachter auslösen kann, bekommt man doch ein absolut gelungenes Horror-Feeling geboten, das dem Film insgesamt sehr gut zu Gesicht steht. Auch die versammelte Darsteller-Riege kann sich ohne jeden Zweifel sehen lassen, zukünftige Oscaranwärter bekommt man zwar nicht zu Gesicht, doch das dargebotene Schauspiel ist alles andere als schlecht. Die Akteure agieren zumeist recht authentisch und glaubwürdig, wobei selbstverständlich auch einige eher unlogische Verhaltensweisen auf keinen Fall fehlen dürfen, denn irgenwie gehören diese zu einem Film dieser Art ganz einfach dazu. Zwar stellt "Tuno Negro", wie der Film im Original heisst sicherlich kein filmisches Meisterwerk dar und wird auch ganz sicher nicht das Genre revolutionieren, jedoch braucht sich dieses Werk zu keiner Zeit hinter den üblichen amerikanischen Slashern verstecken.

Insgesamt gesehen handelt es sich um absolut sehenswerte Horrorkost, die allerdings aufgrund ihrer Altersfreigabe ruhig etwas blutiger hätte ausfallen können. Die vorhandenen Morde bekommt man nämlich hauptsächlich nur ansatzweise zu sehen, so das sich der vorhandene Härtegrad der Geschichte in einem überschaubaren Rahmen bewegt. Die soll allerdings nur eine Feststellung und keinesfalls eine größere Kritik sein, denn in seiner Gesamtheit weiss "Black Serenade" auf jeden Fall zu überzeugen und ist nahezu ein Paradebeispiel dafür, das gelungene Slasher nicht zwangsläufig aus Amerika kommen müssen. Meiner Meinung nach hat man es hier mit einem echten Geheimtipp zu tun, der 90 Minuten gute und solide Horror-Unterhaltung bietet, die sich kein echter Fan des Genres entgehen lassen sollte.


Fazit:


"Black Serenade" beinhaltet alle Zutaten, die ein echter Slasher haben muss. Man sollte allerdings nichts Neues erwarten, denn innovative Neuerungen beinhaltet dieses Werk nicht unbedingt. Wer sich allerdings an Altbewährtem erfreuen kann, der sollte diesem Film unbedingt eine Chance geben, da sich die hier gefundene Mixtur jederzeit sehen lassen kann. Eine spannende Geschichte gepaart mit einer erstklassigen Grundstimmung und soliden Akteuren verspricht auf jeden Fall kurzweilige Unterhaltung, die man sich gut zu Gemüte führen kann, ohne dabei seine Zeit zu verschwenden.


7/10

Sonntag, 23. Januar 2011

Shelter









Shelter
(Shelter)
mit Julianne Moore, Jonathan Rhys Meyers, Jeffrey DeMunn, Frances Conroy, Nathan Corddry, Brooklynn Proulx, Brian Anthony Wilson, Joyce Hurring, Steven Rishard, Charles Techman, John Peakes, Michael Graves, Chaz Moneypenny
Regie: Mans Marlind / Björn Stein
Drehbuch: Michael Cooney
Kamera: Linus Sandgren
Musik: John Frizzell
FSK 16
USA / 2009

Die Psychiaterin Cara (Julianne Moore) ist Expertin für „multiple Persönlichkeitsstörungen“. Ihre Autorität auf dem Gebiet hat sie schon als Gutachterin in zahlreichen Gerichtsprozessen bewiesen. Ihre Kompetenz besteht vor allem darin, die Existenz dieser Störung zu widerlegen. Dann lernt sie Adam (Jonathan Rhys Meyers) kennen. Ihr wissenschaftlicher Ansatz bringt Cara hier an die Grenzen des Erklärbaren, denn Adams „multiple Persönlichkeiten“ sind allzu real: Allesamt sind sie Opfer brutaler Morde geworden. Cara beginnt Nachforschungen über die Mordopfer anzustellen und mit jedem Detail, das sie herausfindet, erscheint der Fall sonderbarer. Die schockierendste Entdeckung macht sie allerdings in einem abgelegenen Bergdorf: Hier stößt sie auf einen uralten Kult, der nicht nur ihre Überzeugungen als Wissenschaftlerin in Frage stellt, sondern auch ihren Glauben zutiefst erschüttert …


Filme in denen die Thematik multipler Persönlichkeiten bearbeitet wird, haben immer ihren ganz besonderen Reiz und so bietet auch "Shelter" eine äusserst interessante Geschichte, die vor allem im späteren Verlauf gekonnt die Ebene der Realität mit diversen fikttiven Erzählelementen miteinander verbindet. Das verleiht dem Geschehen insbesondere im letzten Drittel des Filmes eine Menge an Tempo und lässt äusserst unhemliche Züge erkennen, von denen sich eine ungeheure Faszination auf den Zuschauer überträgt. Zugegeben, vor allem die erste Filmhälfte ist nicht unbedingt rasant und temporeich gestaltet, dient sie doch vielmehr dem Story-Aufbau und bringt dem Betrachter die einzelnen Charakter etwas näher, so das man auch eine gewisse Bindung zu ihnen aufbauen kann. Dabei steht die Figur der Psychaterin Cara (Julianne Moore) im Vordergrund, deren Stärke darin liegt, multiple Persönlichkeitsstörungen zu widerlegen. Ihr neuer Patient Adam (Jonathan Rhys Meyers) jedoch scheint ein ganz aussergewöhnlicher Fall zu sein, was sich im Verlaufe der Geschichte immer stärker herauskristallisiert.

Mir persönlich hat ganz besonders der dramaturgisch sehr gelungene Spannungsaufbau gefallen, denn auch wenn die erste Stunde des Geschehens eher recht ruhig verläuft, so beinhaltet sie doch eine Menge Spannung und die eigene Neugier wird immer intensiver, möchte man doch unbedingt wissen, wie sich die Dinge zueinander verhalten. Dabei versucht man selbstverständlich auch sein eigenes Szenario zu erstellen, um der Wahrheit auf den Grund zu gehen, jedoch ist es so gut wie unmöglich, der wirklichen Lösung nahe zu kommen. Was sich nämlich letztendlich als Lösung herausstellt hat mit der Realität herzlich wenig zu tun, ist aber dennoch eine äusserst interessante Variante und verleiht dem Ganzen zudem auch äusserst mysteriöse Züge, die meiner Meinung nach nahezu perfekt in das gewonnene Gesamtbild hineinpassen. Es ist besonders die gut gelungene Mischung aus einer eher rationalen ersten Filmhälfte und dem darauffolgenden sehr mysteriösen Restt des Filmes, die den Zuschauer in ihren Bann zieht und für ein gelungenes Filmerlebnis sorgt.

So kann man auch richtig spüren, wie sich die von Beginn an gute Grundstimmung mit der Zeit immer mehr verdichtet, eine teils unheilvolle Atmosphäre ergreift immer mehr Besitz von den Ereignissen, die auch zunehmend an Intensität gewinnen. Menschen sterben auf unerklärliche Art und Weise, niemand kann sich zunächst einen Reim darauf machen, bis letztendlich die ganze fantastische Wahrheit ans Tageslicht kommt. Sicher, für viele Leute mag die Lösung eventuell etwas zu fantastisch erscheinen, aber handelt es sich doch einmal um eine etwas andere Variante, als wie man sie ansonsten in Filmen mit dieser Thematik geboten bekommt. Zudem tragen auch die überzeugenden Darsteller zu einem insgesamt sehr guten Gesamteindruck bei, wobei insbesondere Julianne Moore und Jonathan Rhys Meyers durch ihr Schauspiel ganz besonders hervorstechen. Moore bringt besonders die Passagen besonders gut rüber, in denen eine ansonsten rational denkende Psychaterin feststellen muss, das es anscheinend genügend Dinge gibt, die überhaupt nicht in ihre nüchterne Weltanschauung passen. Meyers hingegen brilliert durch die flüssigen Übergänge in die verschiedenen Persönlichkeiten die in ihm schlummern und sorgt vor allem in den Verwandlungsszenen für so manch kalten Schauer, der einem unwillkürlich über den Rücken jagt.

Insgesamt gesehen kann man hier von einem wirklich gelungenem Horrorthriller sprechen, der sich dem Zuschauer in zwei vollkommen verschiedenen Filmhälften präsentiert. Dient die erste Stunde doch hauptsächllich zum ausführlichen Einstieg in die Geschichte und beleuchtet die einzelnen Charaktere etwas nachhaltiger, so entpuppt sich doch der Rest des Filmes als ziemlich temporeich und lässt eine immer mysteriöser erscheinende Atmosphäre in den Vordergrund treten, die auch in diversen Passagen durchaus für ein gepflegtes Gänsehaut-Feeling sorgen kann.


Fazit:


"Shelter" ist bestimmt nicht der beste Vertreter seiner Art, bietet aber ganzzeitig gute und spannende Unterhaltung. Meiner Meinung nach entsteht gerade durch die vorhandenen Tempowechsel während der Geschichte ein sehr intensives Filmerlebnis, an dem man seine wahre Freude haben kann. Gute Darsteller, ein gelungener Spannungsbogen und einige mysteriöse Elemente ergeben eine gelungene Mixtur und sorgen dafür, das die Aufmerksamkeit des Zuschauers jederzeit aufrechterhalten wird.


7,5/10

Freitag, 21. Januar 2011

Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe









Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe
(L'Uccello dalle piume di cristallo)
mit Tony Musante, Suzy Kendall, Enrico Maria Salemo, Eva Renzi, Umberto Raho, Renato Romano, Giuseppe Castellano, Mario Adorf, Pino Patti, Gildo Di Marco, Rosita Torosh, Omar Bonaro, Fulvio Mingozzi, Werner Peters, Karen Valenti
Regie: Dario Argento
Drehbuch: Dario Argento
Kamera: Vittorio Storaro
Musik: Ennio Morricone
Ungeprüft
Deutschland / Italien / 1970

Ein junger amerikanischer Schriftsteller, Dalmas, der seit Jahren in Rom lebt, wird eines Abends Zeuge eines Überfalls in einer Kunstgallerie. Ein Mann in schwarzem Mantel und schwarzen Handschuhen droht, eine junge Frau umzubringen. Dalmas versucht, der Galeriebesitzerin, Frau Ranieri, zur Hilfe zu kommen, gerät aber dabei selbst in eine Falle. Die Polizei verhört Dalmas und nimmt ihm seinen Paß ab, um ihm die Rückreise nach Amerika unmöglich zu machen. Er ist gezwungen, an der Aufklärung des geheimnisvollen Falles mitzuarbeiten, dies umso mehr, als weiter mysteriöse Morde geschehen, denen immer junge, hübsche Frauen zum Opfer fallen. Dalmas und seine Freundin stellen sich freiwillig als Spürhunde zur Verfügung.


"L'Ucello dalle piume di cristallo", wie der Film im Original heisst, ist die erste Regiearbeit von Dario Argento, der sich vorher hauptsächlich mit dem Schreiben von Filkritiken und Drehbüchern die ersten Lorbeeren verdiente. Mit seinem Regieerstling schuf Argento dann auch gleich einen erstklassigen Giallo, der meiner Meinung nach von vielen Leuten immer noch sehr stark unterschätzt wird, obwohl er eigentlich zu den besten Vertretern seiner Art zu zählen ist. Gleichzeitig zählt dieses Werk auch als erster Teil der sogenannten "Tier-Trilogie", der die beiden folgenden Filme "Die neunschwänzige Katze" und "Vier Fliegen auf grauem Samt" noch folgen sollten. Schon in seinem Erstlingswerk lässt Argento sein Talent erkennen, extrem spannungsgeladene Geschichten zu kreieren, die eine unglaublich starke Faszination auf den Zuschauer auszuüben. Zudem gelingt es ihm hervorragend das genau richtige Erzähltempo zu wählen, um den Betrachter in ein wahres Wechselbad der Gefühle zu versetzen. Lässt er das Geschehen doch teilweise eher ruhig erscheinen um den Zuschauer scheinbar in Sicherheit zu wiegen, so erhöht er immer wieder das Tempo seiner Erzählweise, was schon fast zwangsläufig mit einem erhöhten Adrenalinschub zu vergleichen ist, der einen von einer Sekunde zur anderen aus einem eher gemütlichen Sehverhalten herausreisst.

So geht es dann auch in vorliegender Story keinesfalls ganzzeitig rasant und actiongeladen zur Sache, wobei man allerdings anmerken sollte, das die ganze Zeit über ein immens hohes Maß an Spannung vorherrscht, denn der dramaturgische Spannungsaufbau ist hervorragend gelungen und nimmt einen auch die ganze Zeit über in Beschlag. Dabei entfaltet sich von Anfang an eine herrlich dichte Atmosphäre, die im Laufe der Zeit immer bedrohlichere Züge erkennen lässt und eine unglaublich starke Faszination auf den Zuschauer ausübt. Man taucht immer tifer in die Geschichte ein und beteiligt sich nur zu gern an der Suche nach dem mysteriösen Frauenmörder, für dessen Identität es zu Beginn keinerlei Anhaltspunkte gibt, weswegen auch die Polizei vollkommen im Trüben fischt und auf die Hilfe von Sam Dalmas (Tony Musante) angewiesen ist, der Augenzeuge eines Mordanschlages ist. Es entwickelt sich immer mehr ein perfides Katz-und Mausspiel, in dem Dalmas immer mehr in den Mittelpunkt gerät, da er durch eigene Nachforschungen dem Mörder immer näher auf die Pelle rückt. So wird er dann auch Ziel mehrerer Mordanschläge die allerdings alle verhindert werden können, was die Nervosität des Killers immer mehr ansteigen lässt.

Die große Stärke von "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" ist ganz eindeutig der Aspekt, das man erst ganz am Ende des Filmes die Gesamtzusammenhänge erkennt und somit auch die Spannung bis zum Schluss gewahrt bleibt. Wenn man ganz genau auf die Kleinigkeiten achtet, dann kann man schon früher seine eigenen Vermutungen anstellen, doch selbst wenn man mit seinen Vorahnungen richtig liegen sollte, bekommt man die endgültige Bestätigung dafür erst ganz am Ende des Filmes. Der einzig wirkliche Hinweis ist bis dahin nämlich ein ominöses Bild, das in irgendeinem Zusammenhang mit den verschiedenen Frauenmorden steht, auf das man sich aber eigentlich keinen wirklichen Reim machen kann da die wirklichen Hintergründe des Ganzen hervorragend im Dunkeln gehalten werden, so das die Auflösung des Rätsels gerade bei der ersten Sichtung dieses Werkes doch einigermaßen überraschend kommt und eventuell sogar bei vielen leuten für den berühmten Aha-Effekt sorgen kann. Auch bei den agierenden Schauspielern gibt es keinerlei Grund zur Beanstandung, denn sämtliche Akteure überzeugen durch authentisches und glaubhaftes Schauspiel, wobei insbesondere Tony Musante durch eine hervorragende Leistung auffällt. Ein absolutes Highlight ist auch der Kurzauftritt von Mario Adorf in der Rolle eines scheinbar durchgeknallten Künstlers, der eine ganz besondere Beziehung zu Katzen hat, was man auch an seinen Essgewohnheiten bemerkt.

Zu guter Letzt sollte man nicht unerwähnt lassen, das sich die vorliegende ungeschnittene DVD qualitätsmäßig ganz erheblich von der geschnittenen deutschen Veröffentlichung von Polyband unterscheidet, fällt doch bei der deutschen DVD insbesondere die schlechte Bildqualität ins Auge, so zeichnet sich die ungekürzte Version durch ein gestochen scharfes Bild auf, das für einen uneingeschränkt tollen Sehgenuss sorgt. So entsteht letztendlich ein sehr guter Gesamteindruck eines Filmes, der von der ersten bis zur letzten Minute für extrem spannende und äusserst atmosphärische Unterhaltung sorgt, die sich kein Freund des Sub-Genres entgehen lassen sollte. Leider hat dieser faszinierende Giallo nie die Beachtung erlangt, die er eigentlich verdient hätte, aber für mich persönlich zählt er ganz eindeutig zu den besten Vertretern seiner Art.


Fazit:


Mit "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" hat die italienische Regie-Legende Dario Argento einen erstklassigen Giallo geschaffen, der ganzzeitig spannende Filmkost bietet, bei der man herrlich miträtseln kann. Auch wenn dieser Film vielleicht nie die Beachtung gefunden hat die ihm eigentlich zu Teil werden müsste, nimmt er doch einen nicht unwesentlichen Stellenwert ein und ist auch für die weitere Entwicklung des Sub-Genres nicht gerade als unwichtig anzusehen. Ein straffer Spannungsbogen, tolle Darsteller und eine herausragende Grundstimmung sind die absoluten Stärken einer flüssig erzählten Geschichte, die einen von Anfang bis zum Ende fasziniert und in Beschlag nimmt.


8,5/10

Mittwoch, 19. Januar 2011

Tarantula









Tarantula
(Tarantula)
mit John Agar, Mara Corday, Leo G. Carroll, Nestor Paiva, Ross Elliott, Edwin Rand, Raymond Bailey, Hank Patterson, Bert Holland, Steve Darrell, Dee Carroll, Edgar Dearing
Regie: Jack Arnold
Drehbuch: Robert M. Fresco / Martin Berkeley
Kamera: George Robinson
Musik: Herman Stein
FSK 12
USA / 1955

Beim Brand eines Laboratoriums in der kalifornischen Wste, wo ein Forscher mit Wachstumsbeschleunigungen experimentiert, entweicht eine giftige Tarantel. Bald erreicht das Tier die monstrsen Ausmae eines Hochhauses und droht ganze Stdte auszurotten. Mit Napalm-Bomben bewaffnet rckt die amerikanische Luftwaffe an, um dem Biest den Garaus zu machen.


Es ist wohl keineswegs übertrieben, wenn man diesen Klassiker als einen der größten Meilensteine des Tierhorrors bezeichnet. Wenn man bedenkt, das "Tarantula" schon über 50 Jahre alt ist, dann ist vor allem die Tricktechnik für die damalige Zeit sehr bemerkenswert. In der heutigen Zeit entlockt es dem Zuschauer wohl nur noch ein Schmunzeln, aber in den 50 ern war das schon etwas Besonderes. Es ist aber auch insbesondere die fast kindliche Naivität der damaligen Effekte, die diesem Film seinen ganz besonderen Charme verleiht, der ihn so absolut unverwechselbar macht. Gleichzeitig ist es Jack Arnold aber dennoch gelungen, den Zuschauer durch die Darstellung der Riesenspinne zu schocken und so auch eine richtig unheilvolle Grundstimmung aufkommen zu lassen, die selbst nach über 50 Jahren nichts von ihrer Faszination eingebüsst hat.

Der Film verursachte damals schon großes Erstaunen bei den Zuschauern und wusste durch seine durchaus spannende Story zu überzeugen. Atmosphärisch ist dieser herrliche Klassiker sehr dicht gehalten und durch die Riesenspinne wirkt alles auch sehr bedrohlich. Hinzu kommt der Aspekt, das dieses Monster auch ziemlich oft im Bild zu sehen ist und immer wieder ein absoluter Höhepunkt des Geschehens ist. Bei jedem ihrer Auftriite spürt man sofort, wie der Spannungsbogen in die Höhe schnellt und auch das Sehverhalten des Betrachters ändert sich schlagartig. Verfolgt man nämlich die Geschichte eigentlich relativ entspannt, so setzt beim Auftreten der riesigern Tarantel immer wieder eine ungeheure Anspannung in den Vordergrund, der man sich beim besten Willen nicht erwehren kann. Arnold hat es hier vortrefflich verstanden, den Zuschauer immer wieder in Sicherheit zu wiegen, um ihn dann widerum mit Schockmomenten zu konfrontieren, die immer zum genau richtigen Zeitpunkt eingesetzt werden. So gestaltet sich das hier gebotene Filmerlebnis auch durchaus abwechslungsreich und versetzt einen zumeist in ein wahres Wechselbad der Gefühle.

Auch die Darsteller spielen ihre Parts sehr überzeugend, die Angst und Panik wird sehr gut zum Zuschauer transportiert. Für die damalige Zeit enthält das dargebotene Schauspiel sogar erstaunlich wenig theatralische Züge, die doch insbesondere in Filmen dieser Zeit immer wieder zu begutachten ist. Doch in vorliegendem Werk ist davon herzlich wenig zu spüren, was den gewonnenen Gesamteindruck noch einmal zusätzlich aufwertet. Gerade die jüngere Generation wird mit diesem herrlichen Klassiker des Tierhorrors wohl weniger anfangen können, ist man doch mittlwerweile vielmehr darauf erpicht, blutige und äusserst harte Effekte präsentiert zu bekommen, doch gibt es in der heutigen Zeit keinen Tierhorrorfilm, der qualitätsmäßig auch nur annähern mit "Tarantula" mithalten kann, bekommt man doch eine perfekt aufeinander abgestimmte Geschichte geboten, die insbesondere durch ihren dramaturgisch erstklassigen Spannungsbogen und eine herausragende Atmosphäre zu überzeugen weiss. Und selbst die aus heutiger Sicht vielleicht etwas angestaubten Effekte stellen etwas ganz Besonderes dar und sorgen für eine unglaublich starke Bildgewalt dieses Filmes.

Auch in der heutigen Zeit der immer besser werdenden Special - Effects ist es immer wieder ein Erlebnis, sich diesen Meilenstein des Tierhorrors anzusehen, denn man wird immer wieder gut und kurzweilig unterhalten. Letztendlich zählt Jack Arnolds Horror-Szenario zu den absolut zeitlosen Klassikern, die ganz einfach nichts von ihrem Reiz verlieren und trotz ihrer Familientauglichkeit immer noch leichte Schauer entstehen lassen, die dem Zuschauer beim Anblick der Riesenspinne über den Rücken laufen. Dazu trägt sicherlich auch die brillante musikalische Untermalung bei, die vor allem die bedrohlichen Passagen des Szenarios immer wieder besonders hervorhebt.


Fazit:


Wenn man von Meilensteinen des Genres spricht, darf "Tarantula" auf keinen Fall fehlen, insbesondere beim Tierhorror hat dieser zeitlose Klassiker sicherlich Maßsstäbe gesetzt. So mancher Vertreter der heutigen Zeit, in dem auch eine Spinnen-Thematik bearbeitet wird, kann sich von diesem Werk eine große Scheibe abschneiden. Es müssen nicht immer blutrünstige und harte Genrevertreter sein, manchmal ist es viel schöner, einen in allen Belangen stimmigen Film anzuschauen, der in seiner gesamtheit absolut perfekt gelungen ist.




10/10

Montag, 17. Januar 2011

30 Days of Night: Dark Days









30 Days of Night: Dark Days
(30 Days of Night: Dark Days)
mit Kiele Sanchez, Rhys Coiro, Diora Baird, Harold Perrineau, Mia Kirshner, Troy Ruptash, Ben Cotton, Katie Keating, Katharine Isabelle, James Pizzinato, Peter Hall, Stephen Huszar, Marco Soriano, Jackson Berlin, John DeSantis
Regie: Ben Ketai
Drehbuch: Steve Niles / Ben Ketai
Kamera: Eric Maddison
Musik: Andres Boulton
Keine Jugendfreigabe
USA / 2010

Die Story spielt ein Jahr nach den Vorkommnissen in Barrow: Um den Schmerz über den Tod ihres Mannes zu überwinden, reist Stella um die ganze Welt - sie will die Menschheit davon überzeugen, dass Vampire tatsächlich existieren. Als sie schließlich frustriert erwägt, ihre Mission abzubrechen, trifft sie in der kriminellen Unterwelt von Los Angeles eine Gruppe von Menschen die nichts zu verlieren haben und erhält damit die Chance, sich an der Vampirkönigin Lilith zu rächen, die für den Angriff auf Barrow verantwortlich war.


Angeblich soll sich dieser Nachfolger von "30 Days of Night" sehr nahe an den zugrunde liegenden Comics orientieren, worin aber wohl gleichzeitig auch das größte Problem dieses Ablegers besteht, der nicht einmal ansatzweise an die Qualität des ersten Teiles anknüpfen kann. Das liegt ganz einfach darin begründet, das hier eine äusserst leblose und vollkommen vorhersehbare Geschichte erzählt wird, der irgendwie jeglich Inspiration fehlt und die auch zu keiner Zeit einen wirklich straffen Spannungsbogen erzeugen kann, der für ein durchgehend interessantes Sehvergnügen sorgen würde. Insbesondere durch ihre Vorhersehbarkeit fehlt es der Story ganz generell an diversen Überraschungsmomenten und jeglichen Höhepunkten, darüber können auch die wenigen etwas härteren Passagen nicht hinwegtäuschen, die sich zudem auch noch in einem wirklich überschaubaren Rahmen präsentieren. Die gesamte Laufzeit über entsteht der Eindruck, das man mit einem seltsam leblos erscheinenden Story-Plot konfrontiert wird, in dem sogar die Darsteller zumeist recht lustlos und vollkommen uninspiriert agieren, was das gewonnene Gesamtbild nicht unbedingt aufwertet.

Auch in azmosphärischer Hinsicht kann "20 Days of Night: Dark Days" nicht mit seinem Vorgänger konkurrieren, entsteht doch zu keiner Zeit die atmosphärische Dichte, die Teil 1 noch so ausgezeichnet hat. Die hier vorhandene Grundstimmung weist ausserdem kaum bedrohliche Züge auf, was allerdings auch wieder auf die Vorhersehbarkeit der Ereignisse zurückzuführen ist. Und so ist es dann auch nicht weiter verwunderlich, das man als Zuschauer teilweise schon etwas gelangweilt den Geschehnissen folgt und sich dabei noch nicht einmal an den nicht gerade besonders guten CGI Effekten erfreuen kann. Es ist ein ganz eigenartiges Gefühl, das einen während der Ansicht dieses Filmes überkommt, denn einerseits hegt man bis zum Ende die Hoffnung, das doch einmal irgentetwas passieren könnte, das einen aus dem eingetretenen Halbschlaf reissen könnte, doch eigentlich weiss man ganz genau, das dies wohl nicht passieren wird. So lässt man dann mehr oder minder das streckenweise extrem leblos erscheinende Szenario über sich ergehen und ist nicht gerade böse darüber, als nach gut 80 Minuten der Abspann des Filmes einsetzt.

Wenn man an den Erstling zurückdenkt, fällt einem ganz unweigerlich die wirklich gelungene und höchst bedrohliche Atmosphäre ein, die einen den ganzen Film über begleitet hat und für ein erstklassiges Filmerlebnis Sorge getragen hat, leider ist hier davon so gut wie gar nichts zu verspüren, den trotz einiger düster gehaltenen Passagen geht keinerlei Faszination von den Ereignissen aus, die sich in irgendeiner Art und Weise auf den Betrachter übertragen könnte, so das man im Prinzip nie eine wirkliche Bindung zum Szenario aufbauen kann. Zudem sind die meisten düsteren Sequenzen auch noch viel zu dunkel gehalten, einige Handlungen sind so kaum sichtbar nachzuvollziehen, was den Gesamteindruck noch einmal zusätzlich etwas trübt. Ein zusätzlicher Minuspunkt ist auch die Darstellerriege, die meiner Meinung nach eine einzige Enttäuschung darstellt, denn ebenso farblos und uninspiriert wie die gesamte Geschichte sind auch die dargebotenen Schauspielleistungen, sämtliche Charaktere wirken vollkommen blass und jederzeit austauschbar. In nicht gerade wenigen Passagen des Filmes erwecken sie den Eindruck, das sie überhaupt nicht richtig bei der Sache sind und die Spielfreude ist ihnen auch nicht unbedingt anzusehen, so das die Darstellungen vielmehr den Eindruck einer lästigen Pflicht hinterlassen, was nicht gerade als Kompliment zu verstehen ist.

Letztendlich handelt es sich bei "30 Days of Night: Dark Days" um eine ziemlich enttäuschende Fortsetzung, der Film weist in allen belangen äusserst starke und sehr offensichtliche Defizite auf, die man ganz sicher hätte vermeiden können. So aber präsentiert sich eine seltsam leblose Story, die vollkommen überraschungs-und höhepunktarm daherkommt und so doch eher ziemlich belanglose Vampirunterhaltung bietet, an der man sich nur sehr selten erfreuen kann. Auch im Bezug auf den vorhandenen Härtegrad gibt es nicht viel Positives zu vermelden, denn die beinhalteten Szenen sind nicht gerade besonders zahlreich und können auch qualitätsmäßig nicht wirklich überzeugen. Der insgesamt gewonnene Gesamteindruck ist dann auch letztendlich maximal als durchschnittlich zu bezeichnen, was bei den meisten zuschauern doch für eine ziemliche Enttäuschung sorgen dürfte, denn hatte man doch aufgrund des sehr guten Vorgängers weitaus höhere Erwartungen in diesen zweiten Teil gesetzt, die sich aber leider nicht bestätigen können.


Fazit:


Wenn man mit geringen Erwartungen an diesen Film herangeht, dann könnte man eventuell am Ende einigermaßen zufrieden sein, da sich die Enttäuschung in Grenzen hält. Wer allerdings etwas mehr erwartet und dazu noch die Hoffnung hegt, das hier ein ähnlich gelungener Film vorliegt wie es bei "30 Days of Night" der Fall war, der wird sich wohl kaum an dieser seltsam uninspirierten und leblosen Geschichte erfreuen können, in der kaum Spannung geschweige denn eine erstklassige Atmosphäre zu finden ist. Zu vorhersehbar sind die Ereignisse und auch die vollkommen blassen Darsteller können das gewonnene Gesamtbild in keinster Weise aufwerten.


5/10

Freitag, 14. Januar 2011

Der Tod trägt schwarzes Leder









Der Tod trägt schwarzes Leder
(La Polizia chiede aiuto)
mit Giovanna Ralli, Claudio Cassinelli, Mario Adorf, Franco Fabrizi, Farley Granger, Marina Berti, Paolo Turco, Corrado Gaipa, Micaela Pignatelli, Ferdinando Murolo, Salvatore Puntillo, Eleonora Morana, Sherry Buchanan, Roberta Paladini, Luigi Antonio Guerra
Regie: Massimo Dallamano
Drehbuch: Massimo Dallamano / Ettore Sanzo
Kamera: Franco Delli Colli
Musik: Stelvio Cipriani
Keine Jugendfreigabe
Italien / 1974

Ein junges Mädchen wird nackt erhängt in einer Dachboden-Wohnung aufgefunden. Der vermeintliche Selbstmord stellt sich bald als vorgetäuscht heraus. Commissario Valentini und seine Kollegin werden auf den Fall angesetzt. Bei ihren spannenden Ermittlungen kommen sie einem Verbrechernetz auf die Spur, das Minderjährige zur Prostitution anbietet.


Es gibt nicht gerade wenige Leute, die bei vorliegendem Film einen waschechten Gialli erwarten, doch entpuppt sich "Der Tod trägt schwarzes Leder" doch vielmehr als erstklaasiger italienischer Polizeithriller, der zwar durchaus Elemente des Gialli's erkennen lässt, doch stehen diese doch eher im Hintergrund der absolut faszinierenden Geschichte, die sich dem Zuschauer hier präsentiert. Es ist aber insbesondere diese Mischung, die vorliegendes Werk in meinen Augen zu etwas ganz Besonderem macht. Deshalb ist es auch eher unverständlich, das dieses Meisterwerk des italienischen Kinos eigentlich nie die beachtung bekommen hat, die es eigentlich verdient hat. Offenbart sich dem Betrachter doch eine Story, die nicht nur äusserst atmosphärisch und extrem spannend umgesetzt wurde, sie beinhaltet zudem noch eine bitter-böse Thematik und offenbart Abgründe, die einen in die Abgründe der menschlichen Seele blicken lassen und dem Geschehen einen sehr bitteren Beigeschmack verleihen, den man nicht so schnell wieder los wird.

Ganz besonders hat mir der Aspekt gefallen, das die Identität des Mörders gar nicht einmal das Wesentliche ist, sondern vielmehr die Hintergründe und Motive, die hinter dem Ganzen stecken und Ausmaße annehmen, die erst ganz am Ende vollkommen offengelegt werden. Und so stellt sich auch ziemlich schnell heraus, das die eingeschlagene Richtung des Filmes ganz klar zum Polizeithriller tendiert, in dem sich mit der Zeit immer mehr an Spannung aufbaut. Zudem bekommt man einen sehr tiefen Einblick in die Ermittlungsarbeit der Ermittler, die auch selbst nicht vor Anschlägen auf ihr Leben verschont bleiben, nachdem sie der Lösung des Ganzen und insbesondere den Hintermännern zu nahe kommen.

Dabei hat Regisseur Massimo Dallamano auch ein hervorragendes Gespür für das Erzähltempo des Filmes bewiesen, das streckenweise seine temporeichen und durchaus rasanten Passagen hat, andererseits aber auch immer wieder durch eher ruhigere, aber äusserst intensive Phasen auffällt, die dem Geschehen einen sehr realistischen und authentischen Eindruck verleihen. Es ist ganz einfach alles absolut perfekt aufeinander abgestimmt, denn auch die hier angetretene Darsteller-Riege hätte man nicht besser auswählen können. Bis in die kleinsten Nebenrollen ist jeder einzelne Charakter perfekt besetzt und sämtliche Darsteller liefern eine eindrucksvolle Kostprobe ihres Könnens ab. So kommt man insbesondere als Freund des Cinema Italiane eigentlich nicht drum herum, diesem Klassiker eine uneingeschränkt positive Bewertung zu geben, beinhaltet "Der Tod trägt schwarzes Leder" doch alle Zutaten, die einen Film dieser Art so absolut sehenswert machen und sorgt so für ein erstklassiges Filmerlebnis.

Es gibt nicht besonders viele Genrefilme, an denen es im Prinzip rein gar nichts auszusetzen gibt und dieses Werk von Massimo Dallamano gehört ganz eindeutig in diese kleine Gruppe von Filmen. Dramaturgisch gesehen mit einem herausragenden Spannungsbogen versehen, entfaltet sich innerhalb kürzester Zeit eine äusserst dichte Grundstimmung, deren Faszination sich zwangsläufig auf den Zuschauer überträgt. Durch seine im Bezug auf das Erzähltempo variable Erzählstruktur entfaltet sich dabei eine ungeheure Intensität, die nicht spurlos an einem vorrüberzieht. Diese wird durch die beinhaltete und sehr böse Botschaft der Geschichte noch zusätzlich hervorgehoben, verleiht dem Ganzen allerdings auch einen äusserst bitteren Beigeschmack, der sich noch lange im Kopf des Betrachters festsetzt. Denn nur zu authentisch erscheinen die Ereignisse, die leider auch heutzutage immer wieder aktuell sind und für ein sehr beklemmendes und betroffenes Gefühl sorgen, wenn man von solchen Fällen hört.


Fazit:


"Der Tod trägt schwarzes Leder" zählt sicherlich zu den besten Filmen, die das italienische Kino hervorgebracht hat. Ein perfekt aufeinander abgestimmtes Szenario sorgt ganzzeitig für absolut erstklassige und extrem spannende Unterhaltung. Ein Film, der auch nach über drei Jahrzehnten immer wieder sehenswert ist und auch überhaupt nichts von seinem Reiz verloren hat. Hier kann man nur eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen, die auch nicht nur an die Liebhaber des italienischen Kinos gerichtet ist.


10/10

Mittwoch, 12. Januar 2011

The Horseman - Mein ist die Rache









The Horseman - Mein ist die Rache
(The Horseman)
mit Peter Marshall, Caroline Marohasy, Brad McMurray, Jack Henry, Evert McQueen, Christopher Sommers, Bryan Probets, Steve Tandy, Chris Betts, Damon Gibson, Hannah Levien, Ron Kelly, Robyn Moore, Greg Quinn
Regie: Steven Kastrissios
Drehbuch: Steven Kastrissios
Kamera: Mark Broadbent
Musik: Ryan Potter
Keine Jugendfreigabe
Australien / 2008

Christian ist ein alleinerziehender Vater, den der Tod seiner Tochter aus der Bahn geworfen hat. Als er anonym ein Video erhält, das zeigt, wie seine Tochter unter Drogen gesetzt und misshandelt wird, verlangt er nach Antworten. Er begibt sich auf eine Reise hin zur hässlichen Wahrheit. Zorn und Trauer treiben ihn an. Er ist bereit zu töten, um die Antworten zu erhalten, die er sucht. Und seine Tochter zu rächen. Doch dann lernt er Alice kennen, eine junge Ausreißerin, die ihn an seine Tochter erinnert und ein zartes Band der Freundschaft entwickelt sich zwischen den beiden Menschen, die alles verloren haben.


Die Rache eines Vaters



Nun gibt es ja wirklich genügend absolut sehenswerte Rachethriller, von denen sogar einige im Laufe der Jahre einen gewissen Kultstatus erreicht haben, wie beispielsweise die "Death Wish-Reihe", in der Charles Bronson den unbarmherzigen Rächer spielt. Allerdings gibt es nur wenige Vertreter dieser Art, die einen schier unauslöschlichen Eindruck im Gedächtnis des Zuschauers hinterlassen, da sie durch ihre Geschichte eine so starke Intensität auslösen, die einem für immer unter die Haut kriecht. Das vorliegende Regie-Debut von Steven Kastrissios zählt ganz eindeutig zu diesen Filmen, denn was der Betrachter hier geboten bekommt, hinterlässt ganz eindeutige Spuren und beschäftigt einen auch noch sehr nachhaltig. Dabei hat der Regisseur scheinbar vollkommen bewust darauf verzichtet, die Geschichte mit expliziten Gewaltdarstellungen vollzustopfen, sind doch die härteren Passagen zumeist eher nur andeutungsweise zu sehen und der Rest wird der Fantasie des Betrachters überlassen. Und gerade durch diesen Aspekt entfaltet sich eine immense Intensität der Ereignisse, da der eigenen Fantasie keinerlei Grenzen gesetzt sind. Dabei treffen einen die Geschehnisse mit einer solch ungeheuren Wucht, das man nicht selten ganz unwillkürlich vor dem Bildschirm zusammenzuckt und nicht selten das Gefühl entsteht, als könnte man selbst die Schmerzen verspüren, die bei den Protagonisten zu Tage treten.

Die ganz große Stärke von "The Horseman" liegt ganz eindeutig bei den agierenden Darstellern, die den von ihnen gespielten Figuren ein unglaublich hohes Maß an Authenzität verleihen, jeder einzelne Charakter wird absolut glaubwürdig dargestellt, was dem Zuschauer einen äusserst realistischen Eindruck des Szenarios vermitteln. Und obwohl der Film bis in die kleinsten Nebenrollen perfekt besetzt ist, muss man einen Darsteller ganz besonders hervorheben, denn was Peter Marshall in der Rolle des von Rachegefühlen besessenen Vaters hier abliefert, das ist Schauspiel der ganz großen Schule. Zu keiner Zeit überkommt einen das Gefühl, das der Mann hier eine Rolle spielt, vielmehr entsteht der Eindruck das er diese Rolle lebt. Es gibt keinerlei übertriebene Gefühlsausbrüche, streckenweise erscheint er sogar sehr beherrscht, um in der nächsten Szene dann aus sich herauszugehen und seinen aufgestauten Gefühlen freien Lauf zu lassen. dabei erscheinen seine Ausbrüche niemals auch nur ansatzweise übertrieben, mann kann sich sogar zu 100 % mit ihm identifizieren, denn stellt man sich doch selbst fast schon zwangsläufig die Frage, wie man an seiner Stelle reagieren würde. Es ist gerade diese Mischung aus äusserlicher Coolness und den immer wieder auftretenden Wutausbrüchen, wenn er den Peinigern seiner verstorbenen Tochter gegenübersteht, die dem Geschehen eine ungeheure Glaubwürdigkeit verleihen. Und so kann man auch die Kaltblütigkeit, mit der er die Peiniger bestraft durchaus nachvollziehen und verspürt dabei sogar eine gewisse Art von Befriedigung, auch wenn es sich hier um Selbstjustiz handelt.

Von der ersten bis zur letzten Minute zieht sich ein dramaturgisch erstklassig aufgebauter Spannungsbogen durch das Szenario, das zudem auch noch Platz für einige positive Emotionen lässt, die sich hauptsächlich in den Passagen äussern, in denen Christian die junge Anhalterin Alice mitnimmt. Mit der Zeit entwickelt sich zwischen den beiden eine Art Vertrauensverhältnis und Christian fühlt sich durch das junge Mädchen an seine eigene Tochter erinnert. Zwischenzeitlich werden auch immer wieder einige Flashbacks eingefügt, in denen die tote Tochter als kleines Mädchen erscheint. Insbesondere diese Passagen zeigen auf, welch seelischer Schmerz den Vater peinigen muss der auch für den Zuschauer zu spüren ist. Es ist dabei so gut wie unmöglich ,sich dem beklemmenden Gefühl zu entziehen, das einen wie eine zweite Haut einhüllt und einfach nicht mehr loslassen will, da man streckenweise selbst zu einem Teil der Geschichte wird. Denn nicht selten ertappt man sich dabei, wie man selbst in die Figur des Vaters schlüpft und fast erschreckt feststellen muss, das man genau wie er handeln würde, obwohl man ganz genau weiss das Selbstjustiz keine Lösung ist. Durch diesen Aspekt wird ganz deutlich, wie glaubwürdig und authentisch das Geschehen dargestellt wird, hat man doch eher selten den Eindruck sich in einem Film zu befinden, vielmehr fühlt man sich in einer realistischen Situation gefangen, in der man sich selbst zum Handeln berufen fühlt um den entstehenden Schmerz zu vertreiben.

Letztendlich kann man Regisseur Steven Kastrissios nur zu diesem eindrucksvollen Regie-Debut gratulieren, das an Wucht und Intensität nur schwerlich zu überbieten ist. Es handelt sich um ein wirklich starkes Stück Film, das einen extrem nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis des Zuschauers hinterlässt, der streckenweise selbst zu einem Teil der Geschehnisse wird, die dadurch ihre volle Wirkung entfalten können. Herausragende Schauspieler und ein dramaturgisch erstklassiger Spannungsaufbau sind die ganz große Stärke einer Geschichte, die unauslöschbare Spuren hinterlässt. Die Tatsache, das anscheinend ganz bewust auf explizite Gewaltdarstellungen verzichtet wurde, verleiht dem ganzen eine noch viel stärkere Intensität, da sich viel im Kopf des Betrachters abspielt. Die dabei entstehende Härte und Brutalität ist um ein Vielfaches höher, als wenn man sie visuell eingesetzt hätte und so entsteht ein Filmerlebnis, das größtenteils wie eine Art Rollenspiel erscheint, in dem man selbst mitspielt.


Fazit:


Es ist schin wirklich erstaunlich, zu welchen Erstlingswerken manche Regisseure in der Lage sind, denn beeindruckender als in vorliegendem Fall kann ein Debut-Film kaum sein. Hier wurde alles richtig gemacht, die einzelnen Komponeten fließen perfekt ineinander über und ergeben ein Gesamtwerk, das wirklich unter die Haut geht. Selbst der Beruf von Christian (Schädlingsbekämpfer) wird hier mit ganz anderen Augen gesehen und bekommt eine ganz neue Bedeutung, kann man doch gerade die peiniger seiner Tochter durchaus als Schädlinge ansehen. Mit Peter Marshall wurde ein Hauptdarsteller verpflichtet, der seine Rolle wirklich lebt und dem Film so ganz unweigerlich seinen persönlichen Stempel aufdrückt. Und so kann man letztendlich nur eine uneingeschränkte Empfehlung für dieses Werk aussprechen, das unter den unzähligen Rachethrillern einen ganz besonderen Platz einnimmt.


9/10

Montag, 10. Januar 2011

Triage









Triage
(Triage)
mit Colin Farrell, Jamie Sives, Paz Vega, Kelly Reilly, Branko Djuric, Mozaffar Shafeie, Karzan Sherabayani, Luis Callejo, Alex Spijskma, Ian McElhinney, Juliet Stevenson, Michelle Hartman, Eileen Walsh, Nick Dunning, Christopher Lee
Regie: Danis Tanovic
Drehbuch: Scott Anderson / Danis Tanovic
Kamera: Seamus Deasy
Musik: Lucio Godoy
FSK 16
Belgien / Irland / 2009

Die brennenden Krisenherde der Welt sind ihr Zuhause. Wo immer es bewaffnete Auseinandersetzungen gibt, sind die Kriegsfotografen Mark und David mittendrin, um Blutvergießen, Tod und Leid zu dokumentieren. Doch jetzt hat David genug. Mitten im kurdischen Grenzgebiet kurz vor einer Offensive der Saddam-Truppen lässt er seinen besten Freund Mark stehen. Bald wird sein erstes Baby geboren und David will nur noch nach Hause. Mark bleibt und wird verwundet. Als er endlich wieder in Dublin eintrifft, muss er erfahren, dass von David jedes Lebenszeichen fehlt. Was ist geschehen und was verschweigt Mark, der sich mehr und mehr in sich selbst zurückzieht?


Das der Beruf eines Kriegsfotografen sicherlich nicht zu den eher ungefährlichen Berufen zählt, kann man sich als Zuschauer auchohne diesen intensiven Film sehr gut vorstellen. "Triage" bietet einen sehr intensiven Einblick in die Arbeit der beiden Freunde Mark und David, die genau diesen Beruf ausüben und sich damit selbt immer wieder der grössten Gefahr aussetzen. Zeitlich ist der Film in den späten 80er Jahren angesiedelt und der Kriegsschauplatz ist Kurdistan, ein Angriff der irakischen Truppen steht kurz bevor. Die Schrecken des Krieges, mit denen der Zuschauer hier konfrontiert wird äussert sich weniger in brutalen Kampfhandlungen, sondern vielmehr in den desolaten Zuständen, in denen die kurdischen Kämpfer hier hausen. Zwar gibt es unter ihnen einen einzigen Arzt für die unzähligen Verwundeten, jedoch sind keinerlei sanitäre Einrichtungen vorhanden und Medikamente scheinen ein absolutes Fremdwort zu sein. Und so wird den Verwundeten nach Begutachtung durch den Arzt entweder eine gelbe oder eine blaue Karte auf den Körper gelegt. Gelb bedeutet leicht verwundet und die mit einer blauen karte belegten Männer sind so schwer verletzt, das sie durch den Arzt den sogenannten Gnadenschuss erhalten, der sie von ihren Leiden befreit. Insbesondere diese Passagen gehen richtig unter die Haut und lassen nur ansatzweise erahnen, wie sich jemand fühlen muss, der diese Ereignisse live miterlebt hat.

Und so ist es dann auch David, der genug von diesen Szenen hat und einfach nicht mehr weitermachen will. Er verlässt den Kriegsschauplatz, kommt aber komischerweise nicht in der Heimat an. Ganz im Gegenteil zu Mark, der einige Tage später in die Heimat zurückkehrt und dabei sichtlich verändert erscheint. Sofort merkt man als Zuschauer, das im Grenzgebiet irgentetwas passiert sein muss, was auch mit dem rätselhaften Verschwinden von David zu tun hat. Auch wenn ich ansonsten nicht gerade ein großer Fan von Colin Farrell bin muss ich eingestehen, das er die Rolle des traumatisierten Kriegsfotografen ganz vorzüglich und authentisch darstellt und dem Geschehen allein durch sein eindrucksvolles Schauspiel eine Menge an Intensität verleiht. Dabei schwingt dem Szenario die ganze Zeit über eine sehr beklemmende Note bei, kann man sich als Betrachter doch ziemlich schnell seinen Reim darauf machen, worauf das Ganze im Endeffekt hinausläuft. Doch was in diversen anderen Filmen eventuell als Spannungseinbruch verzeichnet werden könnt, ist in vorliegendem Fall keineswegs als negativ zu bewerten, steht hier doch ganz eindeutig die Selbsterkenntnis eines Mannes im Vordergrund, der unter einem ungeheuren seelischen Druck steht, sich diese Tatsache aber im Prinzip nicht eingestehen will.

So verschlechtert sich dann auch der psychische Zustand von Mark zusehends, man kann sogar schon von einem seelischen verfall sprechen, da auch eigene Schuldgefühle eine große Rolle spielen. Erst durch die Hilfe des Großvaters seiner Lebensgefährtin (Christopher Lee) gelingt es Mark mit der Zeit an sein Innerstes zu gelangen und die traumatische Blockade zu lösen. Ganz am Ende des Filmes gelingt es ihm dann auch, über die geschehnisse im Kriegsgebiet zu sprechen und so auch das Geheimnis um den Verbleib seines Freundes zu lüften. Nun kommt die Lösung nicht wirklich überraschend, denn man hat schon lange geahnt, wie sich die Dinge zueinander verhalten. Das ist aber auch ehrlich gesagt gar nicht so wichtig, denn die Stärke von "Triage" liegt ganz eindeutig auf den Weg gerichtet, den Mark beschreiten muss, um über die geschehnisse sprechen zu können.

Regisseur Danis Tanovic hat ein wirklich intensives Drama geschaffen, das lediglich zu Beginn den Schrecken des Krieges nachzeichnet. Den Großteil der Geschichte nimmt aber die Traumatisierung eines Menschen ein, der sich selbst nicht eingestehen will, wie sehr ihn die Erlebnisse belasten. So bekommt man einmal einen sehr guten Eindruck über die Folgen kriegerischer Ereignisse, die sich fast schon zwangsläufig auf die Seele eines Mannes legen, der eigentlich mit dem wirklichen Krieg nichts zu tun hat, ausser das er Fotos für den Rest der Welt macht, damit sich die Leute einen Eindruck über die grausamen Geschehnisse machen können, die sich weitab von ihnen abspielen. Die eigene Betroffenheit wurde dabei immer zur Seite geschoben, äussert sich allerdings im Nachhinein auf eine Art, die einen seelischen Verfall zur Folge hat an dem man fast zugrunde geht. Durch herausragendes Schauspiel sämtlicher Darsteller wird dem Betrachter hier ein drama serviert, das eine unglaubliche Intensität erreicht und einen sehr nachhaltigen Eindruck hinterlässt.


Fazit:


Eine Geschichte die sichtbar unter die Haut geht und ein glänzend aufgelegter Colin Farrell machen "Triage" zu einem besonders intensiven Filmerlebnis, das man nicht so schnell vergisst. Werden doch die Schrecken eines Krieges einmal an einem Einzelschicksal aufgezeigt, das noch nicht einmal direkt etwas mit dem stattfindenden Krieg zu tun hat. Dabei entsteht eine eindrucksvolle Charakterstudie über einen kriegsfotografen, der an den Folgen seiner Arbeit fast seelisch zerbricht. Ein Film, den man sich auf jeden Fall anschauen sollte, wenn man eine Vorliebe für intensiv in Szene gesetzte Dramen hat.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch DTS 5.1, DD 5.1 / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1:2,35 (16:9)
Laufzeit: 95 Minuten
Extras: Beim Dreh + Interviews, Deleted Scenes. Originaltrailer, Trailershow


7/10

Sonntag, 9. Januar 2011

Piranha 3D









Piranha 3D
(Piranha 3D)
mit Richard Dreyfuss, Ving Rhames, Elisabeth Shue, Christopher Lloyd, Eli Roth, Jerry O'Connell, Cody Longo, Steven R. McQueen, Jessica Szohr, Kelly Brook, Riley Steele, Adam Scott, Ricardo Chavira, Dina Meyer, Paul Scheer
Regie: Alexandre Aja
Drehbuch: Pete Goldfinger / Josh Stolberg
Kamera: John R. Leonetti
Musik: Michael Wandmacher
Keine Jugendfreigabe
USA / 2010

Tausende von Touristen strömen am Unabhängigkeitstag zum Lake Victoria in Arizona, um sich an einem wilden Wochenende ausführlich zu vergnügen. Das Partyvolk kann nicht ahnen, dass eine tödliche Gefahr im Wasser lauert. Erdstöße haben den See erschüttert und eine Erdspalte geöffnet. Schwärme prähistorischer Piranhas werden freigesetzt, Millionen ursprünglicher Jäger, die auf alles losgehen, was sich bewegt, und ihre Opfer mit ihren messerscharfen Zähnen binnen Sekunden das Skelett bloßlegen. Es wird ein blutiger 4. Juli werden.


Wer schon einmal einen Film von Alexandre Aja gesehen hat, der kann sich im Prinzip darauf einstellen, das es zumeist etwas härter zugeht, als in vielen anderen vergleichbaren Filmen. Prägnante Beispiele dafür sind beispielsweise "High Tension" oder auch die Neuauflage von "The Hills have Eyes", die sich durch einen extrem hohen Härtegrad und Blutgehalt auszeichnen und so vor allem für die geneigten Gorehounds einen wahren Leckerbissen darstellen. So konnte man auch durchaus die Hoffnung hegen, das vorliegende Neuinterpretation des Tierhorrorfilms "Piranha" in eine ähnliche Kerbe schlägt und diese Hoffnungen werden auch absolut erfüllt. Ich möchte sogar noch eine Stufe weitergehen und behaupten, das Aja mit seiner Geschichte um die fleischfressenden Fische sogar fast in eine neue Dimension des Tierhorrors hineinstösst, auch wenn dies wohl einzig und allein auf den vorhandenen Härtegrad zu beziehen ist, der sich auf einem extrem hohen Level ansiedelt und so insbesondere die Liebhaber der härteren Gangart extrem ansprechen dürfte.

Dabei sieht es in den ersten 30 Minuten des Filmes eigentlich nicht unbedingt danach aus, der Zuschauer wird vielmehr mit ausgelassenen teenagern konfrontiert, die sich ein tolles Wochenende machen wollen und ziemlich ausgelassen den sogenannten "Spring Break" feiern. Schöne Mädchen, verrückte Spiele und jede Menge Alkohol gehören nun einmal dazu und so ist es nicht besonders verwunderlich, das die Geschichte in der Einführungsphase vielmehr einer Teenie-Komödie ähnelt und man eigentlich überhaupt nicht auf die Idee kommt, sich in einem Tierhorrorfilm zu befinden. Wenn da nur nicht die unter Wasser stattfindenden Erdstöße wären, durch die eine riesige Erdspalte geöffnet wird, die widerum einen riesigen Schwarm prähistorischer Urzeit-Piranhas freisetzen würde, die irgendwie knapp 2 Millionen Jahre überlebt haben. An dieser Stelle merkt man schon, das man keinen gesteigerten Wert auf inhaltliche Tiefe oder vollkommen logische Erklärungen legen sollte, denn die Story an sich ist im Prinzip nicht mehr als eine nun einmal notwendige Rahmenhandlung. Darüber kann man allerdings auch getrost hinwegsehen, bietet Aja's Werk doch ab Minute 30 genau das, was man sich wohl von ihm erwartet hat, nämlich Tierhorror vom Feinsten, der zudem noch extremst hart und blutig in Szene gesetzt wurde.

Was der Zuschauer ab nun praktisch bis zum Ende geboten bekommt, ist ein Gemetzel der besten Art, wobei peinlichst darauf geachtet wurde, das die kamera immer ordentlich draufhält und nicht im entscheidenden Moment abschwenkt, wie man es ja zur Genüge aus etlichen Horrorfilmen kennt. Doch hier wird dem Zuschauer keinerlei Pardon gewährt, vollkommen zerfetzte, aber auch teilweise bis zur Unkenntlichkeit verstümmelte Menschenkörper gibt es fast in Sekundenintervallen zu begutachten. Selbst die Personen, die sich an das rettende Ufer schleppen können, tragen zumeist äusserst starke Blessuren davon und es gibt phasenweise einige wirklich ekelige Szenen zu sehen, die nicht unbedingt für schwache Gemüter ausgelegt sind. Wenn man in vorliegendem Film von einer wahren Schlachteplatte redet, ist dies meiner Meinung nach keineswegs übertrieben, denn die dargebotenen Passagen können einem schon auf den Magen schlagen und dabei den Appetit verderben. Angenagte Beinstümpfe, fehlende Gliedmaßen und teilweise weggebissene Wadenbeine sind jedenfalls keine Seltenheit, in diversen Sequenzen werden Körper zerteilt und Köpfe vom Rumpf abgetrennt. Natürlich geschehen einige dieser Dinge nicht durch die Piranhas, aber durch die entstehende panik im Wasser kommt es zu Auffahrunfällen durch Boote und auch ansonsten wird der Zuschauer mit einem heillosen Durcheinander konfrontiert. Es ist also wirklich für jeden geschmack etwas dabei und das ganze Geschehen ist dabei auch noch sehr effektvoll und unterhaltsam in Szene gesetzt worden, so das die Zeit fast wie im Fluge vergeht.

Bei dem extrem hohen Anteil an Härte und Gewalt bleibt sicherlich die Story etwas auf der Strecke, aber ganz ehrlich gesagt stört das in diesem speziellen Fall nicht wirklich, da "Piranha" nicht nach seinem intellektuellem Nährwert sondern lediglich nach seinem Unterhaltungswert bewertet werden sollte. Und dieser bewegt sich streckenweise in wirklich schwindelerregenden Höhen, denn vor lauter Blut und Körperteilen erkennt man die wahre Farbe des Wassers nicht mehr, was ganz eindeutig erkennen lässt, das Alexandre Aja wieder einmal richtig zugeschlagen hat. Rein filmisch gesehen handelt es sich hier hanz sicher um kein Meisterwerk und "Piranha" wird auch nie den Stellenwert eines Genrekollegen wie "Der weisse Hai" einnehmen, da Spielbergs Werk in seiner Gesamtheit ganz einfach um Klassen besser ist, jedoch fällt mir persönlich kein Vertreter des Tierhorrors ein, der im Bezug auf vorhandene Härte und Blutgehalt auch nur annähernd mit vorliegendem Film vergleichbar wäre. Die Fraktion der Gore-Junkies dürfte bei Ansicht des Filmes jedenfalls in Beifallsstürme ausbrechen, bekommen sie doch ein effektbeladenes Spektakel geboten, das in dieser Beziehung nicht so schnell zu toppen sein wird. Das es zudem auch noch einigermaßen spannend zur Sache geht, ist ein herrlicher Nebeneffekt, auch wenn die Ereignisse recht vorhersehbar erscheinen wie beispielsweise auch die letzte Szene des Filmes.


Fazit:


Wieder einmal hat Alexandre Aja einen Film auf den Weg gebracht, der vor Blut und Härte nur so strotzt. Zwar wird es ganz sicher auch wieder viele Nörgler auf den Plan rufen, die in "Piranha" lediglich ein sinnbefreites Gemetzel sehen, das keinerlei filmische Substanz bietet. Und im Prinzip haben diese Leute sogar Recht, was allerdings nichts an der Tatsache ändert, das es sich dabei um ein erstklassig unterhaltendes Gemetzel handelt, bei dem man nicht den unbedingten Wert auf eine logische und sinnvolle Geschichte legt, denn dafür gibt es ganz andere Filme. Wer Tiehorrorfilme mag, die zudem im Bezug auf Blut und Härte eine neue Dimension aufstossen, der kommt an diesem Werk ganz einfach nicht vorbei.


8/10

Freitag, 7. Januar 2011

Machete









Machete
(Machete)
mit Danny Trejo, Robert De Niro, Jessica Alba, Steven Seagal, Michelle Rodriguez, Jeff Fahey, Cheech Marin, Don Johnson, Shea Whigham, Lindsay Lohan, Daryl Sabara, Gilbert Trejo, Electra Avelan, Tom Savini, Billy Blair
Regie: Ethan Maniquis / Robert Rodriguez
Drehbuch: Robert Rodriguez / Alvaro Rodriguez
Kamera: Jimmy Lindsey
Musik: John Debney / Carl Thiel
Keine Jugendfreigabe
USA / 2010

Die Familie von Machete unterliegt im Kampf gegen Drogenboss Torrez. Machete sinnt zwar auf Rache, doch flüchtet er zunächst nach Texas. Dort werden ihm 150.000 Dollar geboten, wenn er den rassistischen Senator McLaughlin umbringt. Doch das Angebot ist eine Falle. McLaughlin, der den Anschlag für seine Wiederwahl nutzt, überlebt, und Machete befindet sich fortan auf der Flucht vor der Polizei, McLaughlins Schergen und der Mafia. Einzige Unterstützung erhält er von der Immigrations-Untergrundkämpferin Luz, der Immigrations-Agentin Sartana und seinem guten Freund Padre.


Es scheint ja wirklich Leute zu geben, die an diesem fantastischen Film etwas auszusetzen haben, was ich persönlich überhaupt nicht nachvollziehen kann, denn das Regie-Duo Ethan Maniquis / Robert Rodriguez hat hier doch einen absolut genialen Actioner im perfekten Grindhouse-Look kreiert, an dem man als Fan solcher Filme ganz einfach seine Freude haben muss. Vielleicht liegt die teilweise vorhandene Kritik darin begründet, das sich die Geschichte nach einem wahrlich extrem furiosen und extrem blutigen Beginn etwas beruhigt und man nicht pausenlos mit beinharter Action konfrontiert wird, jedoch empfinde ich es viel eher als äusserst angenehm, das nicht nur lediglich ein sinnbefreites Splatter-Spektakel vorliegt, sondern dem Geschehen auch eine annehmbare Rahmenhandlung verpasst wurde. Ausserdem beinhaltet der Film nun wirklich genügend Blut, etliche absolut brillant in Szene gesetzte Splatter/Gore Passagen und haufenweise temporeich gestaltete Action, die zudem größtenteils auch noch herrlich überzogen und vollkommen unglaubwürdig in die Story eingefügt wurde, so das der von Haus aus schon hoch angesiedelte Unterhaltungsfaktor noch einmal zusätzlich gesteigert wird.

OK, "Machete" ist ganz bestimmt kein Leckerbissen für Cineasten, denn hier steht ganz eindeutig der Spaß an überzogener Action im Vordergrund. Und allein schon den Cast für diesen Film kann man ohne jede Übertreibung als absolut herausragend bezeichnen, denn bis in die kleinsten Nebenrollen ist die Story perfekt besetzt. Zudem ist die Stardichte kaum zu überbieten und man sieht einen Danny Trejo endlich einmal in einer Hauptrolle, die ihm wie auf den Leib geschneidert ist. Der ansonsten im Prinzip fast immer als Kanonenfutter besetzte Haudegen holt hier aus seinen sicherlich limitierten schauspielerischen Fähigkeiten das Optimale heraus und brilliert in der Rolle des eiskalten Killers, der seinem Beinamen "Machete" wirklich alle Ehre macht. An seiner Seite agieren beispielsweise so bekannte Gesichter wie Steven Seagal, Robert De Niro und Jessica Alba, um nur einige der sehr bekannten Namen aufzuzählen.

Doch die Geschichte bietet nicht nur jede Menge blutige Action und waghalsige Stunts, auch für eine ordentliche Portion Humor ist jederzeit gesorgt. Dieser äussert sich in teils genialem Wortwitz, aber hauptsächlich in schon fast skurriler Situationskomik die einem immer wieder entgegenspringt. So erfährt man beispielsweise, wozu ein menschlicher Dickdarm gut sein kann wenn er einem Menschen schon aus dem Bauch quillt und auch einen Schuss durch das menschliche Auge betrachtet man nun aus einem ganz anderen Blickwinkel, muss dieser doch nicht zwangsweise zum Tode führen. Das sind auch lediglich zwei Beispiele, die stellvertretend für eine Menge an vollkommen übertriebenen Passagen dienen sollen, die zwar streckenweise absolut unlogisch erscheinen, aber eine Menge Spaß und Unterhaltung bieten. Der Zuschauer sollte also auf keinen Fall mit dem Anspruch von Logik und Realität an dieses Werk herangehen, denn solche Begriffe sind hier total fehl am Platz, was man sich aber ganz bestimmt schon vor der Ansicht des Filmes denken kann. Denn wer die Werke von Rodriguez kennt, der müsste eigentlich genau wissen, was bei "Machete" auf ihn zukommt, nämlich ein übertriebenes und sehr blutiges Action-Feuerwerk, das insbesondere am Ende seinen echten Höhepunkt erreicht. Das Ganze präsentiert sich im herrlich dreckigen Grindhouse-Look und ist mit einem wirklich hervorstechenden Cast besetzt worden, der seinesgleichen sucht.

Von etwaigen Längen die manch einer erkannt haben will, ist hier weit und breit nichts festzustellen. Natürlich wird einem nicht 100 Minuten Action ohne Ende geboten und es gibt auch etliche Phasen, in denen man keinerlei Blut zu sehen bekommt, doch in seiner Gesamtheit beinhaltet der Film genau das richtige Maß an Härte und Action, da beide Dinge perfekt über die gesamte Laufzeit verteilt sind. Denn nur so bleibt auch ein wenig Platz für eine sicher nicht tiefgründige aber doch notwendige Rahmenhandlung, die zudem noch sehr spannend und größtenteils sehr temporeich erzählt wird. Für mich persönlich stellt "Machete" genau den Film dar, denn ich mir auch erwartet habe. Die Erwartungen waren sehr hoch angesetzt und sind in jedem einzelnen Punkt zu 100 % erfüllt worden, so das ich abschließend zu einem extrem positiven Gesamturteil gekommen bin.


Fazit:


Schon allein der Aspekt, das der symphatische Haudegen Danny Trejo endlich einmal in einer Hauptrolle zu bewundern ist macht diesen Film absolut sehenswert. Dabei verkörpert der gute mann einen Charakter, den kein anderer Darsteller so perfekt hätte darstellen können. Ganz generell wird der Zuschauer mit einer Darsteller-Riege konfrontiert, die man besser nicht hätte auswählen können. Coole Dialoge, jede Menge Wortwitz und teilweise skurril anmutende Situationskomik erhöhen den Sehgenuss ungemein, hinzu kommen die irrwitzigen Action-Sequenzen und ein Härtegrad, der nicht von schlechten Eltern ist. Alles zusammengenommen kommt man insbesondere als Liebhaber dieser Filmgattung voll auf seine Kosten und dürfte letztendlich restlos begeistert sein. Hier ist das Potential zum Kultfilm durchaus vorhanden, deshalb gibt es für mich persönlich auch nur eine einzige Wertung und die lautet....


...10/10

Donnerstag, 6. Januar 2011

Saw VII 3D - Vollendung









Saw 3 D - Vollendung
(Saw 3D)
mit Tobin Bell, Costas Mandylor, Betsy Russell, Cary Elwes, Sean Patrick Flanery, Chad Donella, Gina Holden, Laurence Anthony, Dean Armstrong, Naomi Snieckus, Rebecca Marshall, James Van Patten, Sebastian Pigott, Jon Cor, Anne Lee Greene
Regie: Kevin Greutert
Drehbuch: Patrick Melton / Marcus Dunstan
Kamera: Brian Gedge
Musik: Charlie Clouser
Keine Jugendfreigabe
USA / 2010

Nur wenige haben die Todesfallen des Puzzle-Mörders Jigsaw (Tobin Bell) überlebt. Als seine Opfer sich zusammenschließen und Hilfe bei dem Selbsthilfe-Guru Bobby Dagen (Sean Patrick Flanery) suchen, setzen sie unwissentlich eine neue Welle des Terrors in Gang. Denn noch lange nach seinem Tod läuft das mörderische Säge-Werk von John Cramer alias Jigsaw weiter. Das letzte Spiel beginnt: ein letzter Akt, ein Finale des Grauens – bis zum endgültigen Game over.


Auch der mittlerweile siebte Teil der Saw-Reihe spaltet mal wieder die Meinungen der Fans, was allerdings nicht besonders überraschend erscheint. Wurden doch schon bei den Vorgängern Stimmen laut, das die Thematik um Jigsaw schon längst ausgereizt wäre. Ich zähle mich allerdings zu der Fraktion derjenigen, die jeden weiteren Teil als äusserst spannend und teilweise sogar immer noch innovativ empfinden. Nicht anders verhält es sich bei vorliegendem Werk, wo wieder einmal Kevin Greutert auf dem Regiestuhl Platz genommen hat, beschert er dem Zuschauer doch wieder einmal eine Geschichte, die von der ersten Minute an äusserst spannende und auch recht harte Horrorunterhaltung bietet. Auch wenn vorliegender Film den Beinamen "Vollendung" trägt, deutet doch gerade das gewählte Ende darauf hin, das hier das Ende der Fahnenstange noch längst nicht erreicht ist, obwohl sich auf eine gewisse Art ein Kreis schließt, der mit Teil 1 vor einigen Jahren begonnen hat. Insbesondere dieses Ende scheint einigen Leuten sauer aufzustossen, haben viele doch wohl mit einem finalen Ende der Saw-Ära gerechnet, was jedoch nach dem inszenierten Showdown am Schluss noch in weiter Ferne sein könnte.

Besonders positiv empfinde ich den Aspekt, das hier schon längst vergessene Charaktere wieder in die Geschichte eintreten, hat man sich doch als aufmerksamer Zuschauer der Vorgänger beispielsweise immer gefragt, was denn wohl aus Dr. Lawrence Gordon (Cary Elwes) geworden ist, der ja bekanntlicherweise in Teil 1 eine der Hauptrollen gespielt hat. Nun wird auch diese Fugur wieder eingeführt und die Frage wird zum Ende hin ausreichend beantwortet. Man sieht also ganz eindeutig, das den Machern der Reihe doch immer wieder etwas Neues und auch Überraschendes einfällt, auch wenn viele das eventuell ganz anders sehen. Ganz generell hat mir die vorliegende Story sehr gut gefallen, schon die ersten Minuten warten doch schon mit einer Neuerung auf, wird doch ein Jigsaw-Spiel das erste Mal in aller Öffentlichkeit durchgeführt und es ist trotzdem unmöglich, den Opfern in irgendeiner Art und Weise zu helfen. Hauptsächlich entpuppt sich das Geschehen dieses Mal als persönlicher Rachefeldzug von Detective Hoffman, der den Mordversuch durch Jill Tuck überlebt hat und nun blutige Rache an ihr nehmen will. Bei seinem Bestreben, ihrer habhaft zu werden ist ihm jedes Mittel recht und wieder einmal müssen viele menschen streben, was zudem noch auf äusserst harte Art und Weise passiert.

Der Härtegrad der Ereignisse ist wirklich nicht gerade niedrig angesiedelt, es gibt etliche sehr blutige Passagen zu begutachten, die auch die Freunde der härteren Gangart durchaus ansprechen dürften. Zudem sind auch die dieses Mal vorhandenen fallen sehr innovativ und fies gestaltet, bei einigen Tötungsarten zuckt man sogar ganz automatisch zusammen und fühlt sich nicht besonders wohl in der eigenen Haut. Es ist aber nicht nur der vorhandene Härtegrad, der diesen teil absolut sehenswert erscheinen lässt, denn auch atmosphärisch muss sich Teil 7 nicht hinter seinen Vorgängern verstecken. Es gibt wieder diese sehr dichte und bedrohliche Grundstimmung, die sich im Laufe der Zeit immer mehr verdichtet und dem Zuschauer so das richtige Saw-Feeling vermittelt, das man als bekennender Liebhaber der Reihe doch so sehr zu schätzen weiss. Und auch der Spannungsbogen kann sich jederzeit sehen lassen, auch wenn es hier einige Passagen gibt, die man eventuell vorhersehen kann, was aber keineswegs die vorhandene Klasse dieses Filmes beeinträchtigt.

Letztendlich hoffe ich ehrlich gesagt, das hier noch nicht das Ende einer der mittlerweile größten Horror-Reihen erreicht ist und noch einige Nachfolger hinzukommen. Potential dazu ist sicherlich noch genügend vorhanden, so das durchaus noch spannende Geschichten auf uns zukommen könnten. Und auch wenn es genügend Leute gibt die ein Ende der rehe herbeisehnen freue ich mich auf jeden weiteren Teil, denn sind die Filme immer noch extrem spannend und es macht einfach neugierig, auf welche Ideen die macher noch kommen. Das dabei immer wieder Überraschendes zum Vorschein kommt, sieht man doch am besten in der hier erzählten Geschichte, die längst vergessene Figuren wieder auferstehen lässt und diesen zudem noch einen nicht gerade unwichtigen Part zukommen lässt, den man nicht zwangsläufig vorhersehen konnte.


Fazit:


Kritiker hin, Kritiker her, wer die Saw-Filme mittlerweile als langweilig empfindet und immer nur am Nörgeln ist, der muss sie sich ja nicht anschauen. "Saw 3D - Vollendung" ist jedenfalls ein absolut gelungener Film, der jede Menge fiese Fallen bietet und dessen Härtegrad nicht gerade niedrig angesiedelt ist. Eine gelungene Atmosphäre und ein konstant ansteigender Spannungsbogen sorgen für ein insgesamt erstklassiges Filmvergnügen, das sich kein Fan der Reihe entgehen lassen sollte.


8,5/10

Saw IV









Saw IV - Sterben war gestern
(Saw IV)
mit Tobin Bell, Lyriq Bent, Costas Mandylor, Scott Patterson, Angus Macfadyen, Justin Louis, Sarain Boylan, Shawnee Smith, Betsy Russell, Athena Karkanis, Simon Reynolds, Mike Realba
Regie: Darren Lynn Bousman
Drehbuch: Patrick Melton / Marcus Dunstan
Kamera: David A. Armstrong
Musik: Charlie Clouser
Keine Jugendfreigabe
USA / 2007

Jigsaw und seine Gehilfin Amanda sind tot, aber das mörderische Treiben geht weiter. Nach dem Tod an Detective Kerry helfen die FBI-Profiler Agent Strahm und Agent Perez dem Revierchef Hoffman, Jigsaws letztes grausames Spiel zu rekonstruieren. Doch dann wird Commander Rigg entführt und in eins von Jigsaws mörderischen Puzzles verwickelt. Die Hinweise deuten auf Jigsaws Ex-Frau Jill...


Der mittlerweile schon vierte Teil der Saw-Reihe zeichnet sich in erster Linie dadurch aus, das dem Zuschauer so langsam die Zusammenhänge aller Ereignisse eröffnet werden, die dem Ganzen eine ungeheure Komplexität verleihen, wie man sie nicht unbedingt vorhersehen konnte. Selbst nachdem nun Jigsaw und seine Gehilfin Amanda tot sind, hat das Morden noch längst kein Ende gefunden. Anscheinend hat jemand anders Jigsaws Erbe übernommen und macht sich nun auf ebenso sadistische Art und Weise daran, dessen ausgeklügelten Gesamtplan weiterzuführen und weiteren Menschen nach dem Leben zu trachten. Zum ersten Mal spielen sich die Ereignisse hier auch auf zwei verschiedenen Zeitebenen ab, so das die Geschehnisse parallel zueinander dargestellt werden, was dem Film noch einmal einen ganz zusätzlichen Anreiz verleiht.

In etlichen Rückblenden wird der Betrachter auch noch einmal mit Passagen aus den vorherigen Teilen konfrontiert, die dann auch weitererzählt werden, so das man letztendlich auch etwaige offene Fragen endlich eine Antwort erhält und so die ganzen Zusammenhänge erst richtig erkennen kann. Die Macher haben sich wirklich eine ganze Menge einfallen lassen, damit die unbeantworteten Fragen lückenlos aufgeklärt werden, bekommt man beispielsweise endlich Antworten auf den Verbleib einiger Charaktere aus den Vorgängern, die bis jetzt eher im Dunkeln geblieben sind. So langsam aber sicher entsteht so immer mehr der Eindruck, das sich aus den einzelnen Filmen ein immer dichter erscheinendes Gesamt-Konstrukt entwickelt, dessen Komplexität man teilweise noch nicht einmal erahnen konnte. Waren bisher doch etliche Dinge noch mit ziemlich großen Fragezeichen versehen, so lichtet sich das Dunkel immer mehr, wodurch auch erst der wirkliche Umfang des mittlerweile gestorbenen Jigsaw erkennbar wird.

Nicht wenige Leute haben nach seinem Tod eigentlich mit einem ziemlich großen Qualitätsabfall der Reihe gerechnet, war der trotz seiner Taten doch äusserst symphatische Killer die tragende Säule der Saw-Filme. Doch weit gefehlt, denn hier ist sogar wieder ein deutlicher Aufwärtstrend zu erkennen, der sich eigentlich schon im dritten Teil abgezeichnet hat, auch wenn viele das ganz anders sehen. Erstens ist Jigsaw und somit Tobin Bell ja nicht ganz verschwunden, da er ja in etlichen Rückblenden und Erklärungen immer wieder auftaucht und zweitens sind auch die neu auftretenden Charaktere äusserst gut ausgewählt und passen ganz hervorragend in die Weiterführung des eigentlichen Plans. Ist es zum Beispiel ein Costas mandylor in der Rolle des Detective Hoffman, der jetzt einen ziemlich großen Stellenwert einnimmt und diese Rolle auch absolut überzeugend darstellt. Andererseits tritt nun auch die Ex-Frau des toten Killers so richtig in die Story ein und nimmt einen nicht unwesentlichen Platz ein, was auch im weiteren Verlauf der Reihe noch zu sehen sein wird.

Und so fällt es dann auch nicht besonders ins Gewicht, das Tobin Bell nicht mehr unter den Lebenden weilt, da er ja dennoch allgegenwärtig ist und immer wieder in den diversen Rückblenden auftaucht, die sich nunmehr deutlich vermehren und immer mehr Geheimnisse preisgeben, für die in den vorangegangenen Teilen die Grundlage gelegt wurde. Man sieht also, das die Befürchtungen über einen eventuell stattfindenden Qualitätsschwund vollkommen unberechtigt waren, denn die Saw-reihe lebt mehr denn je. daran ändert auch die Tatsache rein gar nichts, das kein bisherig erschienener Teil die Klasse des Originals erreicht, was warscheinlich auch in Zukunft nicht der Fall sein wird. Doch auch der vorliegende Film ist eine absolut gelungene Fortsetzung einer Story, die mit einer absoluten Low Budget Produktion begann und mittlerweile schon längst den Kult-Status erreicht hat. Echte Saw-Liebhaber kommen selbstverständlich auch an diesem Film hier nicht vorbei, der auf jeden Fall Appetit auf das macht, was da noch folgen wird.


Fazit:


Neben dem Original ist der vorliegende Film mein Favorit unter allen bisher erschienenen Teilen, denn es passt einfach alles fast perfekt zusammen. Eine neue Ära wird nach dem Tod von Jigsaw eingeläutet, neue Charaktere halten Einzug in das Saw-Universum und es werden etliche bis hierhin offene Fragen aus der Vergangenheit beantwortet. Dadurch erhält man als Zuschauer endlich einen größeren Überblick für die Gesamtzusammenhänge und erkennt so erst die genialität, die hinter den ganzen sadistischen fallen steckt, die auch in diesem Film wieder einmal im Überfluss zu begutachten sind.


9/10