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Montag, 28. Februar 2011

Spookies - Die Killermonster









Spookies - Die Killermonster
(Spookies)
mit Felix Ward, Maria Pechukas, Dan Scott, Alec Nemser, A.J Lowenthal, Pat Wesley Bryan, Peter Dain, Nick Gionta, Lisa Friede, Joan Ellen Delaney, Peter Iasillo Jr., Kim Merrill, Charlotte Seeley, Anthony Valbirg, Soo Paek
Regie: Genie Joseph / Thomas Doran / Brendan Faulkner
Drehbuch: Ann Burgund / Thomas Doran
Kamera: Robert Chappell / Ken Kelsch
Musik: James Calabrese / Kenneth Higgins
Ungeprüft
USA / 1986

Eine Gruppe junger Leute gerät eines Nachts auf der Suche nach Spaß in ein Anwesen inmitten eines Friedhofs. Der dort hausende Magier Keron sieht in ihnen die Gelegenheit, durch Menschenopfer seine tote Geliebte zu neuem Leben zu erwecken. Mittels eines Oujia-Bretts beschwört er Monster und Zombies herauf, die das Haus für die ahnungslosen jungen Leute zu einer Todesfalle werden lassen und aus der es kein Entrinnen gibt...


Schon aufgrund der knappen Inhaltsangabe wird ziemlich schnell deutlich, das man diesen Horrorfilm nicht unbedingt nach der inhaltlichen Substanz seiner Geschichte bewerten sollte, eröffnet sich dem Zuschauer doch maximal eine dünne Rahmenhandlung, die zudem noch teilweise leicht unstrukturiert erscheint. Dennoch ist "Spookies" ein durchaus sehenswerter 80er Jahre Horrorfilm, der kurzweilige und streckenweise herrlich trashige Horror-Unterhaltung bietet, die in Grundzügen doch Anlehnungen an die "Night of the Demons" Trilogie erkennen lässt. Man sollte also keinen vollkommen ernsten Genre-Vertreter erwarten, sondern vielmehr einen Film, der seinen ganz eigenen Charme verbreitet und durch eine streckenweise recht ordentliche Atmosphäre punkten kann, die durchaus ein ordentliches Grusel-Feeling verbreiten kann, an dem man als Genre-Freund seine Freude hat.

Sicherlich ist die Altersfreigabe gerade aus heutiger Sicht vollkommen überzogen, denn eine 16er Freigabe hätte vollkommen ausgereicht, bekommt man doch keine wirklichen Härten geschweige denn übermäßig Blut zu sehen. Dafür gibt es allerdings einige recht nette SFX geboten und auch die Masken der Monster können sich allemal sehen lassen. Allerdings sollte man dabei anmerken, das insbesondere die Masken einen eher naiven Charme beinhalten, als das sie dem Betrachter das Fürchten lehren würden. Ebenso verhält es sich mit den beinhalteten etwas härteren Passagen, die dem Gesamtbild zwar sehr gut zu Gesicht stehen, aber keinesfalls in die Kategorie "übermäßig brutal" einzuordnen sind. Trotzdem kommt man als Horror-Fan jederzeit auf seine Kosten und kann sich köstlich über das phasenweise recht unstrukturierte Geschehen amüsieren, denn das wilde Treiben beinhaltet auf jeden Fall einen hohen Unterhaltungswert, der in jeder Passage des Filmes zum Ausdruck kommt.

Lediglich ein wirklich straffer Spannungsbogen will sich zu keiner Zeit aufbauen, denn dafür sind die Ereignisse viel zu vorhersehbar. Das macht aber im Prinzip überhaupt nichts aus, denn der Spaß an dieser urigen Geschichte wird dadurch in keinster Weise beeinträchtigt. Umso mehr kann man sich dafür an einem äusserst dichten-und streckenweise sogar gruseligen Ambiente erfreuen, das von der Szenerie ausgeht. Die riesige Villa, in der sich das ganze Treiben abspielt, ist hierbei der ideale Schauplatz für eine gepflegte Grusel-Atmosphäre, die auch in weiten Teilen der Geschichte vorhanden ist und so für die genau richtige Stimmung sorgt. Und dann sind da letztendlich auch noch die Schauspieler, die zwar nicht unbedingt durch gute Leistungen auffallen, dafür aber für die nötige Portion Humor sorgen, auch wenn dieser größtenteils eher von der ungewollten Sorte ist. Die teils vollkommen sinnlosen Dialoge und die schon hanebüchenen Verhaltensweisen verleihen dem Ganzen einen so herrlich trashigen Anstrich, das es schon eine wahre Freude ist.

Man sieht also, das man bei "Spookies" nicht unbedingt die höchsten Ansprüche an eine intelligente Story oder richtig gute Darsteller stellen sollte, denn hier handelt es sich ganz eindeutig um einen Film, bei dem der pure Unterhaltungswert im Vordergrund steht. Und dieser ist bei etlichen ziemlich offensichtlichen Defiziten äusserst hoch angesiedelt, so das man auf jeden Fall auf seine Kosten kommt. Fragen nach Logik und einer intelligenten Geschichte sollte man lieber nicht stellen, da diese unbeantwortet blieben. Letztendlich kann man "Spookies - Die Killermonster" als sehr unterhaltsamen 80er Jahre Horror-Flick ansehen, der allemal sehenswert ist und ganzzeitig nette Horrorkost bietet, an die man jedoch keine zu großen Erwartungen knüpfen sollte.


Fazit:


"Spookies" ist ein herrlich atmosphärischer Vertreter der 80er Jahre, der seinen ganz eigenen Charme versprüht. Eine eher dürftige Rahmenhandlung und austauschbare Charaktere sollten kein Hinderungsgrund sein, sich diesen Film einmal anzuschauen. Mit der richtigen Erwartungshaltung wird man hier mit einem köstlichen und unfreiwillig komischen Horror-Spaß konfrontiert, der mich persönlich jedenfalls begeistert hat, so das ich auf jeden Fall eine Empfehlung aussprechen kann.


7/10

Samstag, 26. Februar 2011

The Mad









The Mad
(The Mad)
mit Billy Zane, Maggie Castle, Shauna MacDonald, Evan Charles Flock, Jordan Madley, Ian McPhail, Rothaford Gray, Matthew Deslippe, Christopher Gross, Angela Maiorano, Kara Wooten, Allan Price, Michael Rkoades, Sean Orr
Regie: John Kalangis
Drehbuch: John Kalangis / Christopher Warre Smets
Kamera: Brendan Steacy
Musik: Keine Informationen
Keine Jugendfreigabe
Kanada / USA / 2007

Jason Hunt, legt mit seiner Frau, seiner Tochter und deren Freund eine Zwischenstation in einer kleinen Stadt ein. Das Restaurant, in dem sie zu Abend essen, bezieht das Fleisch von örtlichen Bauern. Das heißt jedoch nicht immer, dass es auch gesund sein muss. Schnell leidet ein Großteil der örtlichen Bevölkerung an einem neuen Rinderwahn, der aus normalen harmlosen Bürgern gefährliche blutrünstige und überaus hungrige Zombies macht. Jason Hunt bleibt nicht viel Zeit, seine Familie zu retten...


Und wieder einmal wird der Rinderwahn als Begründung für eine entstehende Zombieseuche hergenommen, was hier zudem noch auf eine wirklich größtenteils witzige Art und Weise in Szene gesetzt wurde. Nun wird der Zuschauer nicht gerade mit einer tiefsinnigen oder gar komplexen Geschichte konfrontiert, handelt es sich doch vielmehr um eine notwendige Rahmenhandlung, doch bietet das Geschehen jede Menge an Unterhaltungswert und streckenweise äusserst skurrilem Humor. Dieser trifft vielleicht nicht jeden geschmack und mag für viele Leute sogar etwas banal und flach wirken, allerdings dürften Freunde teils schon grotesker Situationskomik und trockenem Wortwitz voll auf ihre Kosten kommen. Phasenweise sind die Ereignisse und vor allem die Reaktionen der Akteure so schräg, das man sich ein herzhaftes lachen einfach nicht verkneifen kann. Gerade Billy Zane, der nicht unbedingt ein begnadeter Schauspiler ist, sticht in dieser Beziehung besonders hervor, interpretiert er den von ihm gespielten Charakter des durch nichts aus der Ruhe zu bringenden Familieoberhauptes doch wirklich absolut perfekt, aber auch die restlichen Darsteller agieren in dieser Beziehung doch absolut überzeugend.

Einen wirklichen Spannungsbogen oder eine gar bedrohliche Grundstimmung darf man hier selbstverständlich nicht erwarten, handelt es sich doch um keinen ernsthaften Beitrag des Zombiefilmes, hier steht ganz eindeutig die humoristische Seite im Vordergrund, die man ja auch schon sehr oft in thematisch ähnlich gelagerten Filmen gesehen hat. Und Humor bekommt man wirklich reichlich geboten, allein schon die Zombies können für den ein oder anderen Schmunzler sorgen, erscheint doch gerade ihr Auftreten alles andere als furchteinflössend. Bekommt man beispielsweise wilde Schlägereien zwischen Mensch und Zombie zu sehen, oder wird mit schießwütigen Untoten konfrontiert, die den Umgang mit einer Waffe anscheinend noch nicht verlernt haben. Das Ganze wird von absolut glänzender Situationskomik begleitet, die phasenweise extrem überzogen aber absolut passend erscheint und dem Film eine äusserst trashige Note verleiht, die ihm sehr gut zu Gesicht steht.

Insbesondere Billy Zane agiert so dermaßen realitätsfremd, das es einem an manchen Stellen schon die Tränen in die Augen treiben kann, insbesondere die Auseinandersetzungen mit seiner Tochter kann man als Highlight der Geschichte ansehen. Dabei triefen die Dialoge streckenweise vor toefschwarzem Humor und jeder Menge Sarkasmus, so das man besonders in dieser Beziehung eine ganze Menge geboten bekommt. Herrlich anzusehen sind auch die tätlichen Angriffe diverser Fleischstücke, die ein seltsames Eigenleben an den Tag legen und einige Menschen attackieren. Man sollte allerdings trotz der hohen Alterseinstufung keinen Film erwarten, der vor Härte nur so strotzt, denn das ist definitiv nicht der Fall. Man bekommt zwar einiges an Kunstblut zu sehen, denn phasenweise spritzt es ganz ordentlich, doch die dazu führenden Aktionen werden lediglich im Ansatz angedeutet, so das man keinerlei wirklich brutalen Szenen geboten bekommt. Meiner Meinung nach ist das aber gar nicht als negativ anzusehen, denn auch ohne die großen SFX bietet "The Mad" jede Menge Spaß und überzeugt durch seinen sehr hohen Unterhaltungswert.

Letztendlich kann man Regisseur John Kalangis also einen recht ordentlichen Genre-Vertreter attestieren, der zwar keinerlei inhaltliche Substanz bietet, dafür allerdings für jede Menge Spaß garantiert, wenn man denn mit dem hier vorhandenen Humor etwas anfangen kann. Witzig agierende Darsteller und eine streckenweise schon äusserst hanebüchene Story sorgen auf jeden Fall für sehr jurzweilige Zombie-Unterhaltung, die man sich immer wieder gut anschauen kann, ohne das auch nur der Ansatz von langeweile aufkommen würde.


Fazit:


"The Mad" zählt ganz eindeutig zu den gelungenen Zombie-Komödien und präsentiert dabei ein Szenario, das herrlich durchgeknallt und streckenweise vollkommen überzogen erscheint. Doch gerade darin liegt die Stärke dieses Filmes, in dem jede Menge skurrile Situationskomik und teils schon aberwitzige Verhaltensweisen für jede Menge kurzweilige Unterhaltung beim Zuschauer sorgen, der sich zudem noch an sehr viel Sarkasmus und vollkommen durchgeknallten Dialogen erfreuen kann. Ich fühlte mich jedenfalls ganzzeitig bestens von diesem grotesken Szenario unterhalten, so das ich eine unbedingte Empfehlung für dieses Werk aussprechen kann.


7/10

Donnerstag, 24. Februar 2011

Der Elefantenmensch









Der Elefantenmensch
(The Elephant Man)
mit Anthony Hopkins, John Hurt, Anne Bancroft, John Gielgud, Wendy Hiller, Freddie Jones, Michael Elphick, Hannah Gordon, Helen Ryan, John Standing, Dexter Fletcher, Lesley Dunlop
Regie: David Lynch
Drehbuch: Christopher De Vore / Eric Bergren
Kamera: Freddie Francis
Musik: John Morris
FSK 12
Großbritannien / USA / 1980

Der durch eine Krankheit verunstaltete John Merrick wird ständig von seiner Umwelt erniedrigt und gedemütigt. Frederick Treeves, ein bekannter Chirurg, ist fasziniert von der grotesken Erscheinung und bringt Merrick in seine Klinik. Dort muss er feststellen, dass dieser trotz seines abstoßenden Äußeren, ein empfindsamer und liebenswerter Mensch ist.


Man kann es eigentlich gar nicht glauben, das dieser großartige Film unter der Regie von David Lynch entstanden ist, dessen andere Werke dem Zuschauer ansonsten immer wieder viele Rätsel und etliche Möglichkeiten der eigenen Interpretation ermöglichen. Ganz anders verhält es sich bei vorliegender Geschichte, die das Leben des sogenannten Elefantenmenschen Joseph Merrick erzählt, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wirklich gelebt hat. Im Film erhält er den Namen John Merrick und wird von John Hurt dargestellt, dessen brillantes Schauspiel einer der absoluten Höhepunkte dieses filmischen Meisterwerkes darstellt. Neben ihm agiert ein ebenfalls herausragender Anthony Hopkins als Dr. Treeves, der den körperlich vollkommen deformierten Mann zuerst wohl aus reiner Faszination in seine Klinik bringt, um im Laufe der Zeit aber immer mehr festzustellen, das hinter der erschreckenden und abstoßenden Fassade ein emotionaler mensch steckt, der sein gesamtes Leben lanng immer nur ausgegrenzt und gedemütigt wurde und so nie eine echte Chance erhalten hat, ein wenigstens einigermaßen normales Leben zu führen.

Es gibt sicherlich nicht viele Filme, die dem Zuschauer so dermaßen unter die Haut gehen und ihn sichtlich berühren, wie es in vorliegendem Werk der Fall ist. David Lynch hat es wirklich perfekt verstanden diese Biographie so authentisch wie möglich in Szene zu setzen, dazu zählt in erster Linie die s/w Umsetzung der Geschichte, die einem die zeitliche Ansiedlung des späten 19. Jahrhunderts authentisch und glaubwürdig näherbringt. Ein zweiter nicht unwesentlicher Aspekt ist sicherlich die Auswahl der Darsteller, die man insgesamt nur als absolut perfekt bezeichnen kann. Ist diese ergreifende Geschichte doch bis in die kleinsten Nebenrollen unglaublich gut besetzt und sämtliche Schauspieler können durch ihr dargebrachtes Schauspiel den gewonnenen Gesamteindruck noch einmal zusätzlich aufwerten, den man von diesem fantastischen Film gewonnen hat. Der dritte und meiner Meinung nach wichtigste Aspekt ist von Lynch besonders gut in den Vordergrund gerückt worden, hat er es doch brillant verstanden, die hässliche Seite der menschlichen Natur in den Mittelpunkt des Geschehens zu setzen. Kommt doch während der gesamten Laufzeit immer wieder die Sensationslust und die Ablehnung des Andersartigen des Menschen zum Vorschein, denn bis auf wenige Ausnahmen wird der Elefantenmensch von den meisten Leuten lediglich als Laune der Natur und keineswegs als Mensch angesehen, der lediglich durch eine nicht heilbare Krankheit körperlich vollkommen deformiert ist.

Wenn man bedenkt, das es in der heutigen Zeit schon vollkommen ausreichend ist wenn man aus einem sozial schwächeren Umfeld kommt, um von Bessergestellten ausgegrenzt zu werden, dann kann man sich ansatzweise vorstellen, wie sich in der damaligen Zeit ein Mensch gefühlt haben muss, der so dermaßen andersartig ist, wie es in vorliegender Geschichte der Fall ist. Umso berührender und ergreifender ist es mitanzusehen, wie John Merrick richtiggehend aufblüht, nur weil er von einigen Personen mit Respekt und Gefühl wie ein ganz normaler Mensch behandelt wird. Durch stinknormale Kleinigkeiten wie Gespräche, etwas Aufmerksamkeit und einfache Geschenke werden in dem mann Gefühle ausgelöst, die insbesondere seine innere Verletztheit sehr stark in den Vordergrund rücken. So entsteht selbst beim Zuschauer eine Mischung aus Mitgefühl und dem Bedürfnis, diesen Mann einfach nur in den Arm zu nehmen und ihm dabei das Gefühl zu vermitteln, das er trotz seiner extremen körperlichen Entstellung ein wertvoller Mensch ist, der zudem noch über erstaunliche künstlerische Fähigkeiten verfügt und über eine nicht für möglich gehaltende Intelligenz verfügt. Als ihm dann auch noch durch die Mithilfe der englischen Königin seine Räumlichkeiten in der Klinik als neues Zuhause angeboten werden, scheint das Leben des John Merrick eine äusserst positive Wendung zu nehmen, wenn da nicht wieder die hässliche Seite der menschlichen Natur zuschlagen würde. Denn ein geldgieriger Mitarbeiter der Klinik veranstaltet immer wieder sogenannte "Führungen", indem er gegen Bezahlung sensationslüsterne Bekannte zum Elefantenmenschen führt, damit diese auf seine Kosten ihre Späße machen können.

Besonders diese Passagen des Filmes gehen dem Zuschauer richtig unter die Haut und es überkommt einen eine Art Ohnmacht, da man hilflos mitansehen muss, wie der kranke Mann zum Spielball der johlenden Menge wird, die sich regelrecht an seinem Leid ergötzt. Unter den Schaulustigen befindet sich auch Merrick's ehemaliger "Besitzer", unter dem er jahrelang als Jahrmarktsattraktion herhalten musste, der ihn daraufhin entführt und mit nach Frankreich nimmt, um wieder Geld mit ihm zu verdienen. Doch durch die Mithilfe einiger anderer Missgestalteten gelingt ihm die Flucht und er kehrt wieder nach London in die Klinik zurück. Dennoch kann man sich denken, das die Geschichte kein Happy End nehmen wird, auch wenn Merrick noch einige Annehmlichkeiten eines normalen Lebens erfahren darf, wie beispielsweise einen Theaterbesuch, bei dem ihm sogar "Standing Ovations" zuteil werden. Und so erhält die von Haus aus schon äusserst tragische Geschichte um einen andersartigen Menschen in seiner Schlußeinstellung noch einmal einen zusätzlich tragischen Schub, sieht man doch den Versuch des Mannes, das erste Mal in seinem Leben in einer ganz normal liegenden Position einzuschlafen. Das Problem danei ist lediglich, das diese für jeden Menschen normale Stellung für ihn den sicheren Tod bedeutet, da er durch die enorme Größe seines Kopfes so nicht atmen kann und damit automatisch den qualvollen Erstickungstod herausfordert.

Auch wenn man ansonsten eventuell manchmal etwas vorschnell mit dem Begriff Meisterwerk hantiert, so fällt einem auf die Schnelle wohl kaum ein Film ein, der diese Bezeichnung mehr verdient hätte wie dieser. David Lynch hat mit "Der Elefantenmensch" eine in allen Belangen herausragende und authentische Biographie geschaffen, die dem Betrachter aufgrund ihrer unzähligen emotionalen Momente sichtlich unter die Haut geht und einem sogar streckenweise die Tränen in die Augen treibt. Dies geschieht allerdings nicht ausschließlich durch Mitgefühl, sondern phasenweise auch aus Wut darüber, wie John Merrick hier von vielen menschen behandelt wird, die lediglich sein zugegebenermaßen abstossendes Äusseres sehen und zu keiner Zeit den sensiblen Menschen, der hinter der erschreckenden Fassade steckt. Und so ist "Der Elefantenmensch" ein Filmisches Erlebnis der ganz besonderen und intensiven Art, vor dem man sich nur ehrfurchtsvoll verneigen kann.


Fazit:


Dieses Meisterwerk von David Lynch versetzt einen immer wieder in ein wahres Wechselbad der Gefühle, die sich zwischen Anteilnahme und aufgestauter Wut bewegen. Durch das herausragende Schauspiel seiner Akteure erlangt der Film dabei eine unglaublich authentische Wirkung auf den Betrachter, der man sich beim besten Willen nicht entziehen kann. Die ergreifende und äusserst emotionale Verfilmung eines wahren Schicksals entfacht dabei eine fast schon erschreckende Intensität, die sich auch auf das eigene Sehverhalten auswirkt. Wer diesen wirklich fantastischen Film noch nicht kennen sollte, muss diesen Zustand unbedingt ändern, denn nur so kommt man in den Genuss eines wahrhaft meisterlichen Werkes, das zudem einen äusserst nachhaltigen Eindruck hinterlässt und immer wieder ein ganz besonderes Filmerlebnis darstellt.


10/10

Dienstag, 22. Februar 2011

Born to Rise Hell - Zum Töten geboren








Born to Raise Hell - Zum Töten geboren
(Born to Raise Hell)
mit Steven Seagal, Dan Badarau, Darren Shalavi, D. Neil Mark, George Remes, Claudiu Bleont, Calin Puia, Cosmina Pasarin, Alexandra Coman, Irina Antonie, Karl Baker, Constantin Barbulescu, Elias Ferkin, Florian Ghimpu, Zoltan Butuc
Regie: Lauro Chartrand
Drehbuch: Steven Seagal
Kamera: Eric J. Goldstein
Musik: Michael Neilson
Keine Jugendfreigabe
USA / 2010

Samuel Alex (Steven Seagal) ist ein knallharter Interpol-Agent, der für ein osteuropäisches Einsatzkommando ermittelt. Seine Aufgabe: Die Verfolgung illegaler Waffen- und Drogenhändler im ganzen Balkan-Raum. Als sein Team sich inmitten eines blutigen Straßenkrieges zwischen Zigeunern und Russen befindet und ein Crewmitglied erschossen wird, sinnt er auf Rache. Er rekrutiert seine härtesten und besten Cops um sich und beginnt eine gnadenlose Jagd auf alle, die im Zusammenhang mit diesem Vorfall stehen.


Es ist ja längst keine Neuigkeit mehr, das Action-Ikone Steven Seagal insbesondere rein optisch gesehen seine besten Tage hinter sich hat. So überrascht es auch nicht wirklich, das er in vorliegendem Film etwas übergewichtig und aufgeschwemmt erscheint, was ihm vor allem im Gesicht anzusehen ist. Doch eines hat der Mann mit maximal 2 Gesichtsausdrücken noch nicht verloren und das ist die von seiner Person ausgehende Coolness, die eigentlich immer sein absolutes Markenzeichen war und augenscheinlich auch immer noch ist. In altbewährter Manier ist er in der Rolle als Leiter einer Drogen-Spezialeinheit der Schrecken aller Drogenhändler, die meist auf sehr schmerzhafte Weise erkennen müssen, das sie es mit einem Meister der Kampfkunst zu tun haben, der trotz vortschreitenden Alters immer noch in der Lage ist, sich eindrucksvoll seiner Haut zu erwehren.

Lauro Chartrand hat hier einen Actionfilm kreiert, der insbesondere durch seine temporeiche und actiongeladene Erzählstruktur zu punkten weiss, denn der Zuschauer wird mit etlichen Kampfszenen und teils wilden Schießereien konfrontiert, so das der geneigte Action-Fan und vor allem eingefleischte Seagal-Fans voll auf ihre Kosten kommen dürften. Zwar erreicht "Born to Raise Hell" ganz sicher nicht den Qualitätsstandard der frühen Seagal-Filme, von den neueren Werken jedoch hebt sich dieser Film äusserst positiv ab. Von Beginn an entfaltet sich dabei ein recht interessanter Story-Plot, der zwar nicht unbedingt über inhaltliche Tiefe verfügt, dafür aber ein sehr abwechslungsreiches Geschehen bietet, in dem es streckenweise richtig zur Sache geht. Dabei fallen einige Passagen sogar recht blutig aus und auch im Bezug auf die Nahkämpfe gibt es keinerlei Grund zur Beanstandung.

Seagal agiert dabei gewohnt routiniert und abgeklärt, seine coole Art und der stoische Gesichtsausdruck lassen den von ihm dargestellten Charakter jederzeit authentisch und glaubwürdig erscheinen. Besonders die Martial Arts Sequenzen haben mich hier besonders positiv überrascht, denn trotz offensichtlichem Übergewicht scheint der in die Jahre gekommene Darsteller in dieser Beziehung noch nichts verlernt zu haben, was in vielen Einstellungen sehr eindrucksvoll in den Vordergrund tritt. Und so kann man sich an einem Actionfilm erfreuen, in dem Seagal eine überraschend gute Form an den Tag legt und damit so richtig im Drogen-Millieu aufräumt. Doch auch der Rest der Darsteller-Riege liefert durchaus ordentliche leistungen ab, wobei vor allem die teils sehr unterschiedlichen Charaktere äusserst glaubwürdig dargestellt werden, was dem ganzen Geschehen eine sehr authentische Note verleiht.

Insgesamt gesehen ist "Born to Raise Hell" nicht zu den allerbesten Filmen mit Seagal zu zählen, doch von den etlichen Filmen, die in den letzten Jahren erschienen sind handelt es sich hier um einen der besten. Kein cineastisches Meisterwerk, aber ein äusserst kurzweiliges Action-Feuerwerk, das jederzeit beste und kurzweilige Unterhaltung anbietet. Inhaltliche Tiefe oder herausragendes Schauspiel sollte man allerdings nicht unbedingt erwarten, doch für solche Dinge waren Seagal-Filme auch noch nie wirklich ausgelegt. Man bekommt genau das geboten, was man von diesem Werk erwarten sollte, nämlich einen ordentlichen Klopperfilm mit einem positiv überraschenden Hauptdarsteller, der seine Gegner ordentlich aufmischt und selbst zu Partnerschaften mit Gangstern bereit ist, um seine Ziele zu erreichen. Herrliche Action, ordentliche Fights und teilweise recht blutige Sequenzen lassen einen äussert guten Gesamteindruck entstehen, so das es sich hier auf jeden fall um einen sehenswerten Actionfilm handelt, dessen Anschaffung durchaus lohnenswert ist.


Fazit:


Auch wenn er seine besten Tage sicherlich hinter sich hat, schafft es Steven Seagal doch immer wieder, seinen Fans noch ordentliche Filme zu präsentieren. "Born to Raise Hell" zählt ganz sicher dazu und der Meister der Abwehr-Kampfkunst läuft in vorliegender Geschichte phasenweise zur Hochform auf, was ich ihm ehrlich gesagt nicht mehr so richtig zugetraut hätte. In gewohnt cooler Art und Weise werden sämtliche Gegner aus dem Weg geräumt, wobei keinerlei Rücksicht auf eigene verluste genommen wird. Hohe filmische Ansprüche werden hier sicherlich nicht befriedigt, wer jedoch seine Freude an einem streckenweise knallharten und temporeichen Actionfilm hat, der wird bestens bedient.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch / Niederländisch
Bild: 1,85:1 (16:9)
Laufzeit: 93 Minuten



7/10

Sonntag, 20. Februar 2011

Memento









Memento
(Memento)
mit Guy Pearce, Carrie-Anne Moss, Joe Pantoliano, Mark Boone Junior, Stephen Tobolowsky, Jorja Fox, Harriet Sansom Harris, Callum Keith Rennie, Larry Holden, Russ Fega, Thomas Lennon, Kimberly Campbell
Regie: Christopher Nolan
Drehbuch: Jonathan Nolan / Christopher Nolan
Kamera: Wally Pfister
Musik: David Julyan
FSK 16
USA / 2000

Leonard Shelby jagt den Vergewaltiger und Mörder seiner Frau. Eine quälende Detektivarbeit. Denn Shelby verliert den Verstand. Buchstäblich. Alle 15 Minuten wird sein Kurzzeitgedächtnis komplett gelöscht und wieder auf Null gestellt. Um nicht jedes Mal wieder von Vorne beginnen zu müssen, hat der gepeinigte Mann alle bisherigen Beweise und Indizien in Form von Tätowierungen und Polaroidfotos festgehalten. Nie kann Shelby sicher sein, ob die Personen, die er trifft, ein ehrliches Spiel mit ihm spielen. Nie weiß er, ob er seine Tattoos oder Bilder auch tatsächlich richtig deutet. Und doch kann Leonard nicht aufhören mit seiner Suche - auch wenn es bedeutet, dass er dabei Geheimnisse über sich selbst aufdecken könnte, die ihn in seinen Grundfesten erschüttern werden.


Wenn man "Memento" lediglich als überdurchschnittlich guten Film bezeichnen würde, dann würde man Christopher Nolan's Meisterwerk damit nicht annähernd gerecht werden. Kommt es doch viel zu selten vor das man auf eine Geschichte trifft, in der auch wirklich alles perfekt aufeinander abgestimmt ist, so das man letztendlich mit einem in allen Belangen hochklassigen und niveauvollen Filmerlebnis konfrontiert wird, an dem man sich regelrecht berauschen kann. Allein schon wegen seiner aussergewöhnlichen Erzählstruktur ist "Memento" als etwas ganz Besonderes anzusehen, beginnt die Geschichte doch praktisch mit dem Ende und führt den Zuschauer dann rückwärts immer weiter auf die Spur des Mörders. Dabei werden einem immer häppchenweise kleinere Puzzle-Teilchen serviert, die sich erst ganz am Ende des Films zu einem großen Ganzen zusammenfügen und eine Wahrheit offenbaren, die man wirklich nicht vorhersehen konnte und die zudem auch noch sehr tragische Züge erkennen lässt, die allerdings absolut perfekt in das rätselhafte Szenario hineinpassen.

Der Zuschauer bekommt es hier mit einem äusserst intelligent inszenierten Film zu tun, der in erster Linie durch die vorhandene Innovation und seine erstklassigen Darsteller zu überzeugen weiss, die ihre Charaktere absolut glaubhaft und authentisch darstellen, wobei man Guy Pearce ind der Rolle des Leonard Shelby ganz besonders hervorheben muss. Scheint er doch mit der Rolle des Mannes ohne Kurzzeitgedächtnis regelrecht zu verschmelzen, so das man gar nicht auf die Idee kommt, das es sich hier lediglich um eine Rolle handelt. Vielmehr entsteht immer mehr der Eindruck, das man es wirklich mit einem Mann zu tun hat, den das Schicksal hart bestraft hat wodurch es einem selbst viel leichter fällt, sich in die gegebene Situation hineinzudenken. Und das muss man auch wirklich tun, damit sich die volle Wirkung und Faszination dieser sehr aussergewöhnlichen Geschichte vollends entfalten kann, denn wenn man sich der ungewohnten Erzählweise nicht öffnet und sich auf die Ereignisse einlässt, dann wird man nie die Genialität verspüren, die hier ganz eindeutig vom Geschehen ausgeht. Und deshalb handelt es sich hier auch keinesfalls um einen Film, den man sich mal so nebenbei anschauen sollte, denn "Memento" fordert von der ersten Minute an die volle Aufmerksamkeit und Konzentration des Betrachters, da schon die kleinste Unaufmerksamkeit jederzeit dafür sorgen könnte, das man den roten Faden aus den Augen verliert, der sich durch die Story zieht.

Wenn man dazu in der Lage ist, sich Nolan's Meisterwerk wirklich zu öffnen, dann wird man mit einem hochklassigen Filmerlebnis belohnt, das so intelligent ineinander verschachtelt ist, das auch die grauen Zellen des Zuschauers belebt werden. Durch die ganz besondere Erzählstruktur erscheint das Werk wie eine Art Episodenfilm, denn bekommt man doch immer wieder ungefähr 5-minütige Episoden präsentiert, die einen immer näher an den Anfang der Geschichte bringen, der ja bekannterweise das Ende des Filmes darstellt. Dabei wird jede Episode immer wieder mit s/w Bildern beendet, in denen zu sehen ist, wie Leonard am Telefon mit einer Person spricht, der er seine Geschichte erzählt was noch für zusätzliche Spannung sorgt, da die Identität dieser Person bis zum Ende im Dunkeln gehalten wird. Und so fügt sich mit der Zeit ein Teil in das andere und der Zuschauer bekommt einen immer besseren Überblick, bis dann letztendlich die ganze tragische Wahrheit ans Tageslicht kommt und man die Gesamtzusammenhänge erkennen kann. Bis dahin jedoch ist es ein äusserst langer Weg, den man bei der vorhandenen Qualität dieses Filmes allerdings nur zu gern beschreitet, beinhaltet die Geschichte doch einen Spannungsbogen der fast im Minutentakt immer straffer gezogen wird. Phasenweise wartet man fürmlich darauf, das es zwischendurch einmal zu einer Spannungsentladung kommt, doch Nolan hat es absolut perfekt verstanden, immer noch eine Schippe draufzulegen und dem Betrachter noch nicht einmal die kleinste Atempause zu gönnen. Es ist ganz einfach so, das man praktisch von der ersten bis zur letzten Minute unter Starkstrom steht, die Story beinhaltet dabei überhaupt keine Längen, denn jede einzelne Einstellung ist interessant und vor allem äusserst wichtig für den weiteren Verlauf des Geschehens.

Trotz der teilweise kaum auszuhaltenen Spannung die hier vom Geschehen ausgeht, hat Nolan auch eine ordentliche Portion Humor eingebaut, die sich in erster Linie durch genialen Wortwitz äussert. Verantwortlich dafür zeichnet in erster Linie die Figur von Leonard, der ganz einfach sehr selbstironisch mit seiner eigenen Lage umgeht. Dadurch entstehen einige wirklich herrlich schwarzhumorige Dialoge, die dem Zuschauer so manches Mal ein Schmunzeln entlocken können und den Gesamteindruck des Filmes noch einmal zusätzlich aufwerten. Man sieht also ziemlich eindeutig, das es sich bei "Memento" um einen wirklich sehr aussergewöhnlichen Filmgenuss handelt, den man ganz sicher nicht jeden Tag geboten bekommt. Viel zu selten trifft man auf Werke, in denen alles so perfekt aufeinander absgestimmt ist und die einem wirklich keinerlei Anlass für negative Kritik bieten. Christopher Nolan hat hat hier wirklich ein Werk geschaffen, das vielleicht nicht unbedingt für das breite Mainstream-Publikum geeignet ist, denn nicht jeder wird sich mit der aussergewöhnlichen Erzählstruktur anfreunden können. Wer allerdings ein innovatives und hochklassiges Thriller/Drama zu schätzen weiss, der kommt an diesem brillanten Meisterwerk keineswegs vorbei und wird seine helle Freude an diesem intelligentem Kopf-Kino haben.


Fazit:


Aussergewöhnlich, intelligent, niveauvoll und innovativ, all diese Bezeichnungen treffen auf "Memento" zu, hier handelt es sich ganz einfach um einen Film, der selbst den höchsten Ansprüchen gerecht werden kann. Eine herrlich ineinander verschachtelte Geschichte, die zudem noch rückwärts erzählt wird und mit erstklassigen Schauspielern besetzt ist, bietet dem Zuschauer ein hochklassiges Filmerlebnis, das auch einen sehr nachhaltigen Eindruck hinterlässt. Selbst nach mehrmaligem Anschauen ist der Film immer wieder interessant und verliert rein gar nichts von seinem Reiz und der Faszination, die von der unglaublich interessanten Geschichte ausgeht, die sich dem Zuschauer hier eröffnet. Ein brillant agierender Guy Pearce bringt einem die Hauptfigur sehr nahe, man kann seine Verzwfeiflung und Sehnsucht nach Rache förmlich spüren, so das eine ungeheure Identifikation mit dem Charakter entsteht. Wer noch nicht in den Genuss dieses aussergewöhnlichen Filmes gekommen ist, sollte diesen Zustand schnellstens ändern, denn ansonsten verpasst man wirklich einen Film, den man nicht alle Tage zu sehen bekommt.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch, Englisch, DT Audiokommentar
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 108 Minuten
Extras: Anatomie einer Szene, Interview mit Christopher Nolan


10/10

Donnerstag, 17. Februar 2011

Haunting of Winchester House









Haunting of Winchester House
(Haunting of Winchester House)
mit Lira Kellerman, Michael Holmes, Tomas Boykin, Kimberly Ables Jindra, Patty Roberts, Jennifer Smart, Rob Ullett, David McIntyre, Savannah Schoenecker, Sari Sheehan, Rya Meyers, Mitch Toles, Jefferson Wilmore, Frank Weitzel
Regie: Mark Atkins
Drehbuch: Mark Atkins / Jose Prendes
Kamera: Mark Atkins
Musik: Chris Ridenhour
Keine Jugendfreigabe
USA / 2009

Nicht zuletzt, um den Schatten des noch nicht allzu lang zurück liegenden Todes ihres Jüngsten zu entfliehen, wechseln Susan und Drake Grenier den Wohnort und ziehen mit ihrer Teenagertochter ins idyllisch anmutende Winchester House in Kalifornien. Dieses Anwesen wurde einst für die Witwe des gleichnamigen Schusswaffenherstellers errichtet und wird nach gemeinem Volksglauben von diversen Opfern der Knarre bespukt. Die Greniers wollen davon zunächst nichts wissen, doch eine Serie von unerklärlichen Vorkommnissen belehrt sie eines besseren.


Das die Veröffentlichungen aus dem Hause Asylum nicht unbedingt zu den Meisterwerken der Schöpfung gehören und zudem auch immer mit einem äusserst geringen Budget ausgestattet sind, dürfte mittlerweile jedem Zuschauer bekannt sein. So verwundert es auch nicht wirklich, das vorliegender Horrorfilm hier keine Ausnahme ist. Was Regisseur Mark Atkins, der übrigens auch gleichzeitig für das Drehbuch und die Kameraarbeit verantwortlich zeichnet sich bei diesem vorhersehbaren Schund gedacht haben mag, wird wohl für alle Zeit sein ganz persönliches Geheimnis bleiben. Wenn die Geschichte wenigstens dem üblichen Durchschnitt entsprechen- und ein gepflegtes Grusel-Feeling erzeugen würde, dann könnte man ja als Zuschauer über die etlichen anderen und zudem sehr offensichtlichen Defizite hinwegsehen, doch selbst in dieser für einen Gruselfilm wichtigsten Komponente bekommt man lediglich eine Menge heisse Luft serviert, die nicht wirklich für ein interessantes Filmvergnügen sorgt, an dem man sich erfreuen könnte.

Ganz davon abgesehen, das man diesem Werk an jeder Ecke das fehlende Budget anmerkt, eröffnet sich eine Geschichte, die mindestens so zäh erscheint, wie ein ausgelutschtes Kaugummi. Von einem gekungenen Spannungsaufbau oder einer gar gruseligen Grundstimmung ist man soweit entfernt wie die Erde zum Mond und da handelt es sich ja bekannterweise um eine ziemlich große Distanz. Und so ist man doch von Beginn an äusserst gelangweilt und lässt das vollkommen uninspirierte Geschehen mehr oder minder über sich ergehen. Hegt man zu Beginn noch die Hoffnung, das es mit zunehmender Laufzeit eigentlich nur besser werden kann, so muss man diese Hoffnung doch ziemlich schnell begraben, da sich das Szenario vielmehr immer weiter verschlechtert, was man kaum für möglich halten sollte. Zwar wollte Mark Atkins hier wohl vor allem durch das gewählte Ende für einen echten Überraschungsmoment sorgen, doch selbst dieses Vorhaben ist gründlich in die Hose gegangen. Das liegt hauptsächlich in zwei Dingen begründet, denn einerseits hat man schon genügend weitaus bessere Genre-Vertreter zu Gesicht bekommen, die thematisch ähnlich gelagert sind und andererseits ist der gesamte Story Plot so dermaßen vorhersehbar gestaltet, das der Zuschauer sich noch nicht einmal anstrengen muss, um das Ende vorherzuahnen.

Wenn man nun zumindest mit einigen guten Darsteller-leistungen belohnt werden würde, gäbe es wenigstens etwas Positives zu vermelden, doch auch in dieser Beziehung versagt der Film total. Die Schauspieler sind an mangelndem Ausdruck nur schwerlich zu überbieten und bleiben ausserdem so blass und farblos wie eine Scheibe Toast in der Dunkelheit. Ob überhaupt einer der Akteure sein Handwerk jemals gelernt hat, kann man dabei durchaus in Frage stellen, wird einem doch vielmehr der Eindruck einer ziemlich talentfreien Laienspielgruppe vermittelt, die aber auch wirklich keinerlei Eindruck hinterlässt und schnellstens wieder in Vergessenheit gerät wie auch das Gesamtpaket insgesamt, das einem hier vorgesetzt wird. "Haunting of Winchester House" ist wirklich ein äusserst übles Machwerk, das noch nicht einmal ansatzweise gute geschweige denn gruselige Unterhaltung bietet, so das man letztendlich sehr froh darüber ist, wenn nach quälend langen gut 85 Minuten endlich der Abspann einsetzt und das Grauen beendet.

Die größte Frechheit jedoch ist die viel zu hohe Altersfreigabe, die man nur als schlechten Witz bezeichnen kann. Für diesen Mist wäre selbst eine 16er Einstufung noch zu hoch gewesen, bekommt man doch ausser einigen äusserst schlecht umgesetzten Effekten rein gar nichts geboten, was den Aufdruck Keine Jugendfreigabe rechtfertigen würde. Kein Blut und absolut keine Härte sind hier beinhaltet, so das man sich fast schon automatisch die Frage stellt, was die betreffenden Prüfer hier geritten haben mag, um diese hohe Freugabe zu vergeben. Meiner Meinung nach ist das mit einer absoluten Irreführung des Käufers zu vergleichen, der dadurch eine vollkommen falsche Erwartungshaltung aufbaut, die dieser Müll zu keiner Zeit erfüllen kann. Und so handelt es sich zu allem Überfluss auch noch um eine absolute Mogelpackung, um die man lieber einen großen Bogen machen spllte, da man die eigene Freizeit wirklich besser vertrödeln kann als mit diesem Billig-Filmchen, das auf der ganzen Linie versagt.


Fazit:


Wieder einmal hat Asylum eindrucksvoll unter Beweis gestellt, das selbst Trash eine viel zu große Lobhuldigung für ihre Veröffentlichungen darstellt. Mit "Haunting of Winchester House" liegt ein Paradebeispiel dafür vor, wie man einen Gruselfilm nicht aufziehen sollte. Gähnende Langeweile, eine vollkommen vorhersehbare Geschichte und extrem schlechte Darsteller, zudem keinerlei Spannung und schon gar keine Grusel-Atmosphäre dürften genügend Abschreckung darstellen, so das selbst der niveauloseste Genre-Liebhaber die Finger von dieser DVD lässt.


2/10

Mittwoch, 16. Februar 2011

Unrest - Schrei nicht, du weckst die Toten









Unrest - Schrei nicht, du weckst die Toten
(Unrest)
mit Corri English, Marisa Petroro, Ben Livingston, Abner Genece, Derrick O'Connor, Scot Davis, Joshua Alba, Jay Jablonski, Reb Fleming, Anna Johnson, J.C Cunningham, Terence Goodman, Rhett Willman
Regie: Jason Todd Ipson
Drehbuch: Jason Todd Ipson
Kamera: Michael Fimognan
Musik: Michael Cohen
Keine Jugendfreigabe
USA / 2006

Die Medizinstudentin Alison und ihre Studienkollegen Rick, Carlos und Brian trifft es am ersten Studientag des neuen Semesters knallhart: sie müssen in der Pathologie antreten. Tag für Tag experimentieren sie unter der Anleitung ihres Dozenten Dr. Blackwell an den Toten. Für die einen der reinste Nervenkitzel, für die anderen der blanke Horror. Als die Leiche einer schrecklich entstellten Frau eingeliefert wird, häufen sich zunächst rätselhafte Ereignisse, die sich zu einem nicht enden wollenden Albtraum für Alison und ihre Kommilitonen steigern: Leichen verschwinden, andere erwachen scheinbar zum Leben, Studenten verlieren den Verstand oder auf grausame Art und Weise das Leben - und für alles scheint die Tote verantwortlich zu sein...


Als seinerzeit dieser Film erschien, wirbelte er ja gerade durch den Aufdruck "mit echten Leichen" jede Menge Staub auf. Auch für mich war dies der Grund, dieses Werk erst einmal zu boykottieren, da diese Werbungs-Strategie doch eher ziemlich geschmacklos erschien. Nun bin ich allerdings doch noch in den Genuss dieses Filmes gekommen und bin ehrlich gesagt ganz froh darüber, da er mir persönlich sehr gut gefallen hat, weshalb ich auch die ansonsten eher mittelmäßigen Kritiken nicht so ganz nachvollziehen kann. Sicher, es gibt bestimmt jede Menge Leute, die sich insbesondere im Bezug auf den vorhandenen Härtegrad viel mehr versprochen haben, bewegt sich dieser doch eher in einem recht überschaubaren Rahmen. Jedoch wurde von Regisseur Jason Todd Ipson in seinem Langfilm-Debut genau das richtige Maß an Härte und Blut gefunden, um die Geschichte nicht zu übertrieben und reisserisch darzustellen. Es gibt nämlich durchaus einige ziemlich blutige Passagen, die in ihrer Anzahl vollkommen ausreichend sind.

Vielmehr als Blut und Härte empfand ich dieses Werk in atmosphärischer Hinsicht absolut überzeugend, denn durch den gewählten Schauplatz des Krankenhauses in dem sich der Großteil der Story abspielt entfaltet sich eine herrlich dichte Atmosphäre, die beim Zuschauer ein einerseits sehr beklemmendes aber auch ein bedrohliches Gefühl vermittelt, wodurch in diversen Passagen so manche Gänsehaut aufkommen kann, die einen ganz unwillkürlich überzieht. Die scheinbar endlos langen Gänge auf den einzelnen Stationen vermitteln dabei eine Eiseskälte, so das ein gewisses Unbehagen in einem aufsteigt und man sich streckenweise nicht sehr wohl in der eigenen Jaut fühlt. Zudem erschließt sich mir auch nicht das Argument einiger Leute, das "Unrest" ein äusserst langweiliger Film wäre, verfügt doch die sehr interessante Geschichte über einen straff gezogenen Spannungsbogen, der zwar einige eher kleine Einbrüche zu verzeichnen hat, aber insgesamt gesehen doch mehr als ordentlich geraten ist.

Hauptsächlich ist es aber die Thematik des Filmes an sich, die eine ungeheure Faszination überträgt die ich auf jeden Fall verspürt habe. Dabei sollte man anmerken, das die Story zwar nicht unbedingt extrem innovativ gestaltet ist, man hat das Geschehen schon einmal so oder so ähnlich in ähnlich gelagerten Genre-Vertretern gesehen, doch sind hier altbekannte Zutaten ordentlich und sehr spannend in Szene gesetzt worden und sorgen so eigentlich ganzzeitig für äusserst kurzweilige Gänsehaut-Unterhaltung, die man sich sehr gut anschauen kann. In weiten Teilen entfachen die Ereignisse ein richtig schönes Horror-Feeling, an dem man als Fan des Genres durchaus seine Freude haben kann. Und auch im Bezug auf die hier agierenden Schauspieler gibt es prinzipiell keinerlei Grund zur Beanstandung, man wird zwar nicht unbedingt mit herausragenden Leistungen bedient und auch ein zukünftiger Oscar-Gewinner ist nicht zu erkennen, doch die gezeigten Leistungen können sich jederzeit sehen lassen und sind für diesen Film vollkommen ausreichend.

Letztendlich erfindet "Unrest - Schrei nicht, du weckst die Toten" das Horror-Genre keinesfalls neu und die schon erwähnte Marketing-Strategie muss man nicht zwangsweise gutheißen, aber der Film bietet sehr kurzweilige und interessante Horror-Unterhaltung, die insbesondere in atmosphärischer Hinsicht sehr gut punkten kann. Einige unlogische Verhaltensweisen diverser Personen und kleinere Logiklöcher können einen insgesamt recht guten Gesamteindruck nicht trüben. Ob das Werk von Jason Todd Ipson einen nachhaltigen Eindruck beim Zuschauer hinterlässt, lasse ich einmal dahingestellt, aber zum einmaligen Anschauen ist er definitiv hervorragend geeignet.


Fazit:


"Unrest" ist ganz bestimmt kein Meisterwerk, aber für ein Langfilm-Debut kann sich dieser Film auf jeden Fall sehen lassen. Jason Todd Ipson hat altbewährte Zutaten zusammengemischt und einen größtenteils spannenden Grusler geschaffen, der Fans des Genres gefallen dürfte. Langweilig ist die Geschichte auf keinen Fall, beinhaltet sie doch einige sehr düstere und unheilvolle Momente, die auch beim Betrachter für ein gewisses Kribbeln sorgen können. Natürlich sind die Geschmäcker verschieden, aber anschauen sollte man sich dieses Werk unbedingt.


7/10

Montag, 14. Februar 2011

Lärm & Wut









Lärm & Wut
(De bruit et de fureur)
mit Bruno Cremer, Francois Negret, Vincent Gasperitsch, Fabienne Babe, Maria Luisa Garcia, Fejria Deliba, Thierry Helene, Sandrine Arnault, Victoire Buff, Francoise Vatel, Albert Montias, Luzien Plazanet, Antonio Garcia, Antoine Fontaine, Luc Ponette
Regie: Jean-Claude Brisseau
Drehbuch: Jean-Claude Brisseau
Kamera: Romain Winding
Musik: Keine Information
FSK 16
Frankreich / 1988

Der 14-jährige Bruno kommt gerade in sein neues Zuhause: eine Wohnung im 15. Stock eines Betonmonsters, das im Pariser Vorort Seine-Saint-Denis in den kalten Himmel ragt. Seine Mutter, die rund um die Uhr arbeiten muss, sieht er nur in Form von kleinen Notizzetteln. Im zehnten Stock die Aufzüge sind kaputt begegnet er dem jungen Jean-Roger, der gerade die Fußmatte seines Nachbarn anzündet. Am nächsten Tag trifft er ihn wieder: sie gehen in dieselbe Klasse. Nachdem die beiden sich anfreunden, lernt Bruno Jean-Rogers Familie kennen: Aggression und Langeweile bestimmen dort den Alltag, während sich der Frust in brutalen Streichen seinen Weg bahnt.


Auf den ersten Blick erscheint "Lärm & Wut" lediglich ein weiterer Film zu sein, der sich dem Thema Jugendkriminalität widmet und dabei nicht unbedingt neue Aspekte aufwirft, die für ein besonderes Interesse beim Zuschauer sorgen könnten. Doch ziemlich schnell muss man feststellen, das dieser aussergewöhnlich gute Film sich doch ziemlich erheblich von den meisten anderen Vertretern abhebt, die eine ähnlich gelagerte Richtung einschlagen. Nicht umsonst löste das Werk von Jean-Claude Brisseau seinerzeit einen kleinen Skandal aus, indem es vollkommen ungeschönt und kompromisslos die Jugendgewalt in Frankreich darstellte. Bedenkt man das der Film mittlerweile über zwanzig Jahre auf dem Buckel hat, dann ist es umso erschreckender, welch hartes Szenario sich einem doch bietet, das in der heutigen Zeit sicherlich fast täglich an verschiedensten Orten auf der Welt passiert. Die hier in den Vordergrund tretende Härte äussert sich dabei nicht zwangsläufig durch explizite Gewaltdarstellungen, sondern vielmehr durch die Situation an sich und die von ihr ausgehende Selbstverständlichkeit, die den Zuschauer phasenweise wirklich schockiert und sprachlos macht.

Im Focus der Geschichte steht der junge Bruno, der nach dem Tod seiner Großmutter zu seiner Mutter zieht, die er allerdings nie zu Gesicht bekommt, da sie den ganzen Tag über arbeiten muss und ihm lediglich Zettel hinterlässt, auf denen immer wieder steht was er zu tun hat. Gleich zu Beginn bekommt man dabei einen sehr tiefen Einblick über die starke Sensibilität des Jungen, der durch die vorhandene Einsamkeit immer wieder Besuch einer weiblichen Fantasiegestalt erhält, die sich ihm phasenweise auch splitternackt darstellt im Endeffekt aber nichts anderes als seinen Wunsch nach Aufmerksamkeit und Zuneigung ausdrückt, der von seiner nie anwesenden Mutter nicht gestillt werden kann. Durch dieses offensichtliche Defizit ist Bruno dann auch sehr empfänglich für jede Form der Anerkennung, die ihm von dem kriminellen Nachbarn Jean-Roger entgegengebracht wird, der gleichzeitig auch sein Klassenkamerad in der Schule ist. Durch diese Bekanntschaft gerät Bruno dann auch in einen Teufelskreis der Jugendgewalt, die allerdings zu keiner Zeit durch ihn selbst ausgeübt wird, vielmehr stellt er den stillen Beobachter dar, der diese Gewalt mit einer erschreckenden Selbstverständlichkeit hinnimmt, als wenn es die normalste Sache auf der Welt wäre. Was dem Zuschauer dann hier geboten wird, erscheint phasenweise so grotesk und skurril, das man in gewissen Passagen einfach nicht anders kann, als in Gelächter auszubrechen. Dabei bieten die Ereignisse im Prinzip keinerlei Grund dazu, geht von ihnen doch eigentlich ein immenses Maß an Härte aus, das einen mit der Wucht eines Keulenschlages in die Eingeweide trifft und zunehmend sprachloser macht.

Dafür zeichnen in erster Linie die Verhältnisse in Jean-Rogers Familie verantwortlich, denn diese lediglich als Asozial zu bezeichnen, wäre wohl die größte Untertreibung aller Zeiten. Beherrscht von einem gnadenlosen Vater werden die Kinder dazu animiert nichts zu tun und sich das Leben so zu gestalten, wie es ihnen gerade gefällt. Den Lebensunterhalt verdient man sich dabei mit Diebstählen und anderen kriminellen Aktivitäten und ein Begriff wie Respekt gilt hier vielmehr als Fremdwort. Was sich in den vier Wänden dieser Familie abspielt, kann man kaum in Worte fassen, sind die Geschenisse doch teilweise so absurd, das es einem die Sprache verschlägt. Das Erschreckende daran ist insbesondere die absolute Selbstverständlichkeit, mit der beispielsweise Schießübungen mit scharfer Munition durchgeführt werden, bis man letztendlich ein so großes Loch in die Wand geschoßen hat, das man in die Nachbarswohnung schauen kann. Auch wenn solche Szenen im ersten Moment eher belustugend erscheinen, drücken sie doch umso mehr die vorherrschende Langeweile und Tristesse des Alltags aus, der hier anscheinend vorherrscht. Tristesse ist dabei genau das richtige Sprichwort, hält diese doch sofort zu Beginn Einzug in diesen aussergewöhnlichen Film, wenn sich dem Zuschauer die riesige und absolut trostlose Betonlandschaft offenbart, die in einer Vorstadt der französischen Hauptstadt Paris angesiedelt ist. Von der ersten Minute an legt sich ein extrem beklemmendes Gefühl über einen selbst, drückt der äusserst hässliche Wohnkomplex doch die totale Hoffnungslosigkeit aus, so das man erst gar keinen Gedanken an eine bessere Zukunft verschwindet. Es entsteht der Eindruck, das jeder der hier wohnt einsam und verlassen ist und sich zudem mit diesem Schicksal abgefunden hat. Und genau das ist die größte Stärke dieses Werkes, denn Jean-Claude Brisseau hat es nahezu brillant verstanden, dem Zuschauer das Gefühl der absoluten Tristesse und Hoffnungslosigkeit zu vermitteln, wodurch die Geschichte erschreckend authentisch und realistisch erscheint.

Verstärkt wird dieser Eindruck durch die wirklich herausragenden Darsteller, wobei insbesondere die Leistungen der jugendlichen Schauspieler ganz besonders hervorgehoben werden müssen, denn ihren fantastischen leistungen ist es in erster Linie zu verdanken, das dieser Film seine ganze Wirkung entfalten kann, die sich wie ein bleierner Mantel über die Schultern des Betrachters legt und diesen dabei förmlich erdrückt. Die ganze Zeit über vermag man nicht, sich dieses Mantels zu entledigen, zu sehr ist man der grausamen Faszination dieser Geschichte erlegen, die einen sehr nachhaltigen Eindruck hinterlässt. Fassungslos muss man die Brutalität und Eiseskälte der Jugendlichen miterleben, denen das Leben eines Menschen anscheinend überhaupt nichts wert ist, was man vor allen in den letzten Minuten des Filmes erkennen muss. War die Geschichte bis dahin schon extrem heftig, so wird man noch einmal in eine Dimension geführt, die härter und brutaler nicht hätte ausfallen können. Dabei wird dem ganzen noch eine ordentliche Portion Tragik zugeführt, die einen äusserst schalen Beigeschmack hinterlässt, aber gleichzeitig genau der richtige Abschluss für einen Film ist, den man nicht so schnell vergisst. Insgesamt gesehen hat Jean-Claude Brisseau mit "Lärm & Wut" einen Film geschaffen, der sich ganz erheblich von anderen Vertretern mit ähnlicher Thematik abhebt, denn selten hat man eine solch realistisch erscheinende Story gesehen, die nicht nur rein optisch eine Eiseskälte verströmt. Knallhart und absolut kompromisslos wird hier eine Lebenssituation nachgezeichnet, die nachdenklich stimmt und ihre Spuren hinterlässt. Insbesondere durch das herausragende Schauspiel seiner Darsteller vermittelt der Film einen Eindruck, den man lieber in das Reich der Fantasie abtun würde, der aber leider die grausame und schockierende Realität nachzeichnet, von der man in der heutigen zeit oft selbst betroffen ist.


Fazit:


Mit "Lärm & Wut" hat das Independent Label Bildstörung einmal mehr einen ganz großen Wurf gelandet, denn diesen Film kann man ohne Übertreibung als schockierendes aber gleichzeitig sehr realistisches Meisterwerk bezeichnen. Die perfekte Inszenierung von Tristesse und Hoffnungslosigkeit gepaart mit den fantasievollen Sehnsüchten eines einsamen kleinen Jungen ergeben hier einen Gesamteindruck, der kaum besser hätte ausfallen können. Faszinierend und schockierend zugleich präsentiert sich dem Zuschauer eine Geschichte, die an Realismus und Kälte kaum zu überbieten ist und deren große Stärke die herausragenden Schauspieler sind, die dieses Werk zu einem schockierenden Meisterwerk machen. Wer ein wirklich brillantes Jugend-Drama zu schätzen weiss, der kommt keinesfalls an diesem Film vorbei, der auch nachhaltig im Gedächtnis haften bleibt.


Die DVD:

Vertrieb: Bildstörung
Sprache / Ton: Deutsch / Französisch DD 2.0 Mono
Untertitel: Deutsch
Bild: 1:1,33 (4:3 Vollbild)
Laufzeit: 90 Minuten
Extras: - DIE FRENBEDIENUNG IN DER HAND – Jean-Claude Brisseau kommentiert die Schlüsselszenen seines Films (ca. 20 Min.)
- BRISSEAU CINÉASTE – Making-of-Dokumentation von Luc Ponette (ca. 45 Min.)
- DER FALL UND DER FLUG – Interview mit Regisseur Jean-Claude Brisseau (ca. 20 Min.)
- ca. 20-seitiges Booklet


10/10

Freitag, 11. Februar 2011

Beautiful









Beautiful
(Beautiful)
mit Michelle Chin, Deborra-Lee Furness, Lynda-Maree Gerritsen, Liam Goodes, Sebastian Gregory, Aaron Jeffery, Asher Keddie, Socratis Otto, Rebekah Rimington, Erik Thomson, Tahyna Tozzi, Peta Wilson
Regie: Dean O'Flaherty
Drehbuch: Dean O'Flaherty
Kamera: Kent Smith
Musik: Paul Mac
Keine Jugendfreigabe
Australien / 2009

Oftmals verbirgt sich hinter der Schönheit das absolute Grauen. Diese Erkenntnis macht auch der 14-jährige Daniel, als er eines Tages die wunderschöne Suzy Thomson kennen lernt. Zusammen mit ihr macht er sich auf eine Entdeckungsreise durch die Nachbarschaft und wirft dabei einen Blick hinter die ach so heile Vorstadt-Fassade hinab in die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele. Dabei sind es vor allem die entführten Mädchen und das geheimnisvolle Haus am Ende der Straße, welche die Aufmerksamkeit von Daniel und Suzy auf sich ziehen.


Auch diese neueste Veröffentlichung aus der Störkanal-Reihe kann sich wieder einmal sehen lassen, dieses Mal wird dem Zuschauer das Regie-Debut von Dean O'Flaherty präsentiert, bei dem es sich um einen wunderschön fotografierten Filme handelt, der eine gelungene Mixtur aus Thriller-und Drama in bester David Lynch Manier offenbart, die sehr stilvoll in Szene gesetzt wurde. Schauplatz der mysteriösen Geschichte ist die beschauliche australische Vorstadt Sunshine Hills, in der es anscheinend sehr ruhig und äusserst beschaulich zugeht. Im weiteren Verlauf des Geschehens wird man allerdings mit einem Blick hinter die beschauliche Fassade konfrontiert, der dem Zuschauer einige Einblicke in die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele gestattet. So bekommt man ansatzweise fast hündisch ergebene Sexspiele eines Paares zu sehen, aber auch der Versuch eines Vaters sich an einer seiner Töchter zu vergehen, gehört zum gezeigten Repertoire. Dean O'Flaherty hat dabei sorgsam darauf geachtet, das für diese Dinge wirklich nur die kleinsten Andeutungen zu sehen sind, um den weiteren Vorgang der Geschehnisse im Kopf des Betrachters entstehen zu lassen, um dessen Fantasie anzuregen. Dadurch erlangen diese lediglich angedeuteten Dinge eine ungeheure Intensität, denn als Zuschauer spinnt man die Geschichte in seinem Kopf ganz automatisch weiter.

Und so verhält es sich auch ganz generell mit der erzählten Geschichte, in deren Mittelpunkt der 14-jährige Daniel steht, der ein eher schüchterner und in sich gekehrter Junge ist und von den Reizen der jungen Suzy so dermaßen beeindruckt ist, das er sich im weiteren Verlauf immer mehr von ihr manipulieren lässt, ohne sich dessen richtig bewust zu sein. Macht sich das hübsche Mädchen doch den Umstand zu Nutze, das immer wieder Mädchen aus der Nachbarschaft verschwinden und zudem ein scheinbar mysteriöses Geheimnis auf dem Haus mit der Nummer 46 liegt. Die manipulative Kraft des Mädchens bringt den jungen Daniel fast in Lebensgefahr, bringt sie ihn doch dazu, Nachforschungen anzustellen und vor allem die Bekanntschaft der rätselhaften Frau aus dem besagten Haus zu machen, die den ganzen Tag am Fenster steht und die Umgebung beobachtet. Und so entwickelt sich mit der Zeit ein ominöses Rätselspiel, das phasenweise fast schon surreale Züge erkennen lässt, entstehen doch einige Situationen, in denen man schwerlich zwischen Realität und Fiktion unterscheiden kann, was dem Film eine sehr düstere und unheimliche Nite anheftet.

Hinzu kommt zudem noch das scheinbar getrübte und fast schon gestörte Verhältnis zwischen Daniel und seinem Vater, der ein anscheinend vollkommen gefühlskalter Mensch ist, was auch seine Freundin immer wieder zu spüren bekommt. Daniel kennt seine echte Mutter nicht und weiss noch nicht einmal, warum sie nicht bei ihrer Familie ist, denn sein Vater hat in den ganzen Jahren kein einziges Wort über sie verloren. Selbst auf allen vorhandenen Fotos ist das Gesicht der Mutter immer entfernt worden, lediglich auf einem Bild ist ein bestimmtes Armband an ihrem handgelenk zu erkennen, das am Ende der Geschichte noch einen großen Stellenwert einnehmen soll und zu einem großen Missverständnis führt, das eine tragische Kettenreaktion auslöst, die nicht mehr aufzuhalten ist und dem Geschehen einen ordentlichen Schuß Dramatik hinzufügt. "Beautiful" ist ein aussergewöhnlich guter Film, bei dem man sich streckenweise schon an David Lynch's "Blue Velvet" erinnert fühlt. Im Prinzip passiert eigentlich gar nicht einmal viel, der Film zeichnet sich eher durch sehr ruhige Töne aus und beinhaltet auch nicht gerade eine sehr temporeiche Erzählweise. Doch gerade durch diesen Aspekt erlangen die Ereignisse eine ganz eigene Dynamik und üben eine unglaublich starke Faszination auf den Zuschauer aus, der zudem noch unter dem Eindruck der wunderschön fotografierten Bilder steht, die sich einem hier präsentieren. Dadurch, das die meisten Dinge eher nur angedeutet werden, erhält man genügend Spielraum für eigene Interpretationen und lässt sich kaum merkbar auch stellenweise von den Manipulationen beeinflussen, die dieses Werk beinhaltet.

Gekonnt hat Dean O'Flaherty ein Szenario geschaffen, in dem die Grenzen zwischen Realität und Fiktion manchmal ineinander verschwimmen. Dabei entfachen die Ereignisse eine enorm starke manipulative Wirkung, das man selbst als Zuschauer nicht davon verschont bleibt, hier einige Vermutungen anzustellen, die aber letztendlich in eine vollkommen falsche Richtung führen können. Auch die Auswahl der Schauspieler kann man als absolut perfekt bezeichnen, fällt doch die gesamte Riege durch äusserst gutes und ausdrucksstarkes Schauspiel auf, wobei man die beiden Hauptfiguren Daniel (Sebastian Gregory) und Suzy (Tahyna Tozzi) besonders hervorheben muss, drücken sie dem Film doch ihren ganz eigenen Stempel auf. Gerade der entstehende Kontrast zwischen einem schüchternen Jüngling, der den Reizen einer jungen Femme Fatal erliegt und dadurch sein eigenes Leben aufs Spiel setzt, ist ein absoluter Höhepunkt in diesem beeindruckenden Werk, das jederzeit niveauvolle und hochklassige Unterhaltung bietet, die man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Durch seine ruhige und teilweise schon beschauliche Erzählweise setzt sich dabei sehr viel Intensität frei, die sich auch auf einen selbst überträgt.


Fazit:


"Beautiful" ist ein insgesamt absolut beeindruckendes Regie-Debut, das vielleicht nicht unbedingt die breite Masse ansprechen wird, aber für Liebhaber stilvoller und hochklassiger Filmkost ein wahrer Genuss sein dürfte. Eine tolle Geschichte, die auch eine manipulative Wirkung auf den Zuschauer ausübt und sehr gute Darsteller machen dieses Werk zu einem echten Erlebnis, das man sich unbedingt anschauen sollte. Ähnlichkeiten zu Werken von David Lynch sind unübersehbar und garantieren einen niveauvollen Sehgenuss der Extraklasse.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,78:1 (16:9)
Laufzeit: 97 Minuten
Extras: Behind the Scenes, Deleted Scenes, Eyklusives Booklet


8/10

Donnerstag, 10. Februar 2011

Gangster's Paradise









Gangster's Paradise
(Jerusalema)
mit Daniel Buckland, Robert Hobbs, Kevon Kane, Eugene Khumbanyiwa, Motlatsi Mahloko, Jafta Mamabolo, Shelley Meskin, Kenneth Nkosi, Ronnie Nyakale, Louise Saint-Claire, Rapulana Seiphemo, Jeffrey Zekele
Regie: Ralph Ziman
Drehbuch: Ralph Ziman
Kamera: Nic Hofmeyer
Musik: Alan Ari Lazar
FSK 16
Südafrika / 2008

Lucky Kunene betrachtet sich als moderner Robin Hood von Johannesburg. In den Elendsvierteln der gefährlichsten Stadt der Welt "erlöst" er weiße Immobilienbesitzer von der Last ihrer verwahrlosten Mietskasernen, vertreibt das ansässige menschliche Ungeziefer und halbiert die Mieten. Die beträchtlichen Einnahmen machen ihn bald zum großen "Slumlord". Aber Lucky Kunene hat sich mit seinen Geschäftspraktiken Feinde geschaffen. Ein nigerianischer Drogen-Boss fühlt sich in seinen Unternehmungen empfindlich gestört, und auch Detective Swart, als weißer Cop von seinem Machtverlust nach dem Ende der Apartheid frustriert, hat etwas gegen den kriminellen Einfallsreichtum von Lucky ...


Ohne größere Erwartungen bin ich an dieses Werk von Ralph Ziman herabgegangen und musste doch ziemlich schnell feststellen, das mit dieser durch wahre Ereignisse inspirierten Geschichte weitaus mehr als nur ein kurzweilig unterhaltender Film vorliegt. Vielmehr hat Regisseur Ziman hier eine actiongeladene und äusserst authentische Millieu-Studie gezeichnet, die dem Zuschauer nicht nur den Werdegang des kriminellen Lucky Kunene aufzeigt, sondern gleichzeitig auch ein realistisches Bild über die Zustände in Südafrika kurz nach Ende der Apartheid widergibt. So löst die erzählte Geschichte auch von Beginn an eine gewisse Beklemmung beim Betrachter aus, fühlt man sich doch praktisch in eine vollkommen andere Welt versetzt, die mit dem Leben bei uns in Europa doch ziemlich wenig zu tun hat. Es wirkt schockierend und gleichzeitig auch deprimierend, wenn man die ärmlichen Verhältnisse sieht, in denen hier die schwarze Bevölkerung leben muss die trotz der Aufhebung der Rassentrennung in fast unzumutbaren Lebensumständen hausen müssen.

In dieser Welt lebt auch der junge Lucky, dessen grösster Wunsch es eigentlich ist, eine Universität zu besuchen um zu studieren. Da er allerdings das Geld für das Studium nicht aufbringen kann, wird mit der Zeit ein Kleinkrimineller aus ihm, der sich durch Beschaffungskriminalität über Wasser hält. So stiehlt er zusammen mit seinem besten Freund Zakes Autos um sie an eine Bande zu verkaufen und beteiligt sich mit der Zeit auch an diversen Raubüberfällen, wodurch er immer tiefer in den Teufelskreis des Verbrechens hineingezogen wird. Insbesondere diese Passagen des Filmes, in denen die Jugendjahre von Lucky bearbeitet werden, hat Ralph Ziman auch mit einer ordentlichen Portion Humor angereichert, die aufgrund der Ereignisse schon eine leicht absurde Note beinhaltet. Wird man doch beispielsweise Zeuge eines Autodiebstahls, bei dem Lucky und Zakes feststellen, das sie ja gar kein Auto fahren können und ihnen der gerade bestohlene Besitzer des Wagens das Fahren beibringen muss. Diese Szenen wirken schon fast skurril, heitern aber das ansonsten sehr ernste Geschehen doch erheblich auf und lassen für einen Moment die Tristesse und Hofnungslosigkeit vergessen, die ansonsten vom Geschehen ausgeht.

Der weitere Verlauf der Geschichte spielt sich dann einige Jahre später ab, nachdem Lucky und Zakes nach Johannesburg gegangen sind, um sich dort ein kleines Taxi-Unternehmen aufzubauen. Nachdem auch dieses Unterfangen durch die Konkurrenz zum Scheitern verurteilt ist, fasst Lucky einen Plan, der ihn in kürzester Zeit zu einer Art Robin Hood von Johannesburg macht. Er gründet eine Firma, die weisse hausbesitzer durch Gesetzeslücken unter Druck setzen kann und kauft billig deren Mietshäuser auf, in denen er die schwarze Bevölkerung zur halben Miete leben lässt. Doch bringt ihm das nicht nur Respekt und sehr viel Geld ein, denn ein nigerianischer Drogen-Dealer und ein weisser Polizist setzen sich auf seine Fersen und machen ihm das Leben schwer. Und so entwickelt sich mit der Zeit ein fast schon gnadenloses Kriegsgeschehen, das auch etliche Tote fordert. Ziman ist es hierbei ganz ausgezeichnet gelungen, dem Zuschauer ein äusserst realistisches und authentisches Bild zu zeichnen, das keinerlei Übertreibungen beinhaltet, sondern gerade in der hier gezeigten Form einen unglaublich glaubwürdigen Eindruck hinterlässt. Dabei entfacht die Story ein sehr hohes Maß an Intensität, ist gespickt mit teilweise gnadenlos harten Passagen und beinhaltet gleichzeitig noch genügend Raum für zwischenmenschliche Gefühle, die aber zu keiner Zeit in irgendeiner Art kitschig wirken. Vielmehr beinhalten die emotionalen Momente eine gewisse Härte, die sich durch die gegebenen Lebensumstände erklären, die prägend für die Beteiligten sind und einfach keine Weichheit zulassen. Dennoch spürt man förmlich, wie hinter der rauhen Fassade der Beteiligten auch jede Menge positive Emotionen vorhanden sind, die diese allerdings durch ihr prägendes leben nicht öffentlich zur Schau stellen können.

Getragen wird dieser absolut faszinierende Film in erster Linie durch seine hervorragenden Darsteller, die den von ihnen dargestellten Figuren eine Seele verleihen und allesamt durch herausragendes Schauspiel sehr positiv in Erinnerung bleiben. Durch die absolut authentischen Darstellungen gewinnt die Story sehr viel an Glaubwürdigkeit und jann ihre ganze Intensität entfalten. Der Film entwickelt seine ganz eigene Dynamik und besticht in erster Linie durch seine sehr flüssige Erzählstruktur, die einen die ganze Zeit über kaum Erholungspausen bietet, viel zu sehr wird man in das Geschehen involviert und verfolgt wie gebannt das interessante und gleichzeitig schockierende Geschehen, das sich einem offenbart. Der extrem hohe Realitätsfaktor, der von den Ereignissen ausgeht, vermittelt dabei nicht selten den Eindruck, das man sich in einer erschreckend glaubwürdigen Dokumentation befindet, die einem eine gekonnte Millieu-Studie aufzeigt, die doch anscheinend in einer vollkommen anderen Welt stattfindet, als wie wir sie kennen. Angereichert mit der genau richtigen Portion Humor wird die Szenerie dabei auch manchmal etwas aufgeheitert und sorgt so für einige herrliche Momente, die man mit einem leichten Augenzwinkern kommentieren kann. Insgesamt gesehen hat Ralph Ziman hier einen Film kreiert, der streckenweise sehr stark unter die haut geht und einem doch eindrucksvoll aufzeigt, wie gut es einem doch selbst geht. Spannung pur, jede Menge actiongeladener Passagen und herausragende Darsteller machen "Gangster's Paradise" zu einem absolut fantastischen Filmerlebnis, das man keinesfalls verpassen sollte.


Fazit:


"Gangster's Paradise" ist ein absolut beeindruckender Film, der einem auf sehr realistische Art und Weise das Leben der schwarzen Bevölkerung in Südafrika vor Augen hält. Dabei ist die Geschichte von Lucky Kunene sicherlich nur eines von unzähligen Beispielen dafür, wie man fast schon zwangsweise in den Sog der Kriminalität gerät, aus der es kein Entrinnen gibt. Ein Leben, das man selbst unter keinen Umständen führen möchte, beinhaltet es doch nicht nur Macht und Reichtum, sondern auch täglich die Gefahr, das es im nächsten Moment zu Ende sein kann. Das Ganze wird in in einer äusserst kurzweilig unterhaltenden Art erzählt, so das man am Ende des Filmes mit einem sehr befriedigendem Gefühl zurückgelassen wird und für dieses Werk nur eine unbedingte Empfehlung aussprechen kann.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch DTS 5.1, DD 5.1 / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,35:1 Widescreen
Laufzeit: 113 Minuten
Extras: Making Of, Originaltrailer, Trailershow


9/10

Dienstag, 8. Februar 2011

Grizzly









Grizzly
(Grizzly)
mit Christopher George, Andrew Prine, Richard Jaeckel, Joan McCall, Joe Dorsey, Charles Kissinger, Kermit Echols, Tom Arcuragi, Vicki Johnson, Kathy Rickman, Mary Ann Heam, Harvey Flaxman, Mike Clifford, David Newton, Mike Geschefski
Regie: William Girdler
Drehbuch: Harvey Flaxman / David Sheldon
Kamera: William L. Asman
Musik: Robert O. Ragland
FSK 16
USA / 1976

In den weiten Wäldern eines nordamerikanischen Nationalparks geht ein mörderischer Grizzly auf Menschenjagd. Nachdem immer wieder Wanderer und Camper zu Tode kommen. versucht Parkranger Kelly, unterstützt von zwei Hubschrauberpiloten der Bergwacht, dem Monster eine Falle zu stellen...


In den schier unendlichen Weiten des Tierhorrors bekommt es der Zuschauer zumeist mit eher schlechten oder maximal durchschnittlichen Filmen zu tun, doch immer wieder gibt es auch die berühmten Ausnahmen, die man sogar als echte Perlen des Sub-Genres bezeichnen kann. "Grizzly" aus dem Jahre 1976 zählt meiner Meinung nach zu dieser kleinen Gruppe wirklich gelungener Tierhorror-Filme, präsentiert sich dem Zuschauer doch eine recht spannend inszenierte Geschichte, die phasenweise sogar einige für die damalige Zeit recht heftige und blutige Passagen beinhaltet. Zudem bekommt man es hier auch noch mit einem von der Statur her fast monströsen Bären zu tun, von dem ein hohes Maß an Bedrohlichkeit ausgeht, denn wenn man beobachtet, wie sich Meister Petz vor seinen Opfern aufbaut, dann kann einem schon Angst und Bange werden.

Nun könnte man es eventuell als Manko ansehen, das man die reissende Bestie in den ersten 45 Minuten überhaupt nicht richtig zu Gesicht bekommt, sondern die Morde des Bären lediglich aus seiner Sichtweise beobachten kann, doch meiner Meinung nach war dies ein äusserst geschickter Schachzug von Regisseur William Girdler, der damit den von Haus aus schon gelungenen Spannungsbogen noch zusätzlich straffer zieht, kann man es doch kaum erwarten, den monströsen Übeltäter auch endlich einmal in voller Größe zu erleben. Als es dann endlich dazu kommt, verspürt man dann auch wirklich eine Art von ehrfurchtsvollem Respekt vor diesem Giganten der Wälder, der trotz seiner bedrohlichen Ausstrahlung auch etwas majestätisches an sich hat.Allerdings verflüchtigt sich dieser Aspekt auch ziemlich schnell wieder, da der Focus des Geschehens ganz eindeutig auf die blutrünstigen Taten des Tieres gelegt ist, das immer mehr Menschen auf brutalste Art und Weise tötet. Dabei sind die Tötungsszenen streckenweise recht hart und blutig in Szene gesetzt wurden, was zur damaligen Zeit auch eine gewisse Schockwirkung auf den Betrachter hatte.

Doch es sind längst nicht nur die Tötungsszenen, die diesen Film absolut sehenswert machen, denn auch insgesamt gesehen hinterlässt dieses Werk einen mehr als ordentlichen Eindruck. Allein schon die exzellente Grundstimmung kann sich sehen lassen, denn die gnadenlose Hetzjagd durch die dichten Wälder des Nationalparks entfachen eine herrlich dichte Atmosphäre die sich ganz automatisch auf einen selbst überträgt. So verspürt man fast ganzzeitig ein äusserst intensives Prickeln auf der Haut, wenn sich die Ranger auf die Suche nach der mörderischen Bestie begeben, die ganze Szenerie bietet dabei etliche Spannungsmomente und vor allem die Konfrontationen zwischen Mensch und Tier sind hierbei als die Höhepunkte des Filmes anzusehen. Selbstverständlich geht auch die Jagd nicht ohne Verluste ab und so müssen einige Protagonisten ihr Leben lassen, bevor es am Ende zum unausweichlichen Showdown zwischen Ranger Kelly und dem grizzly kommt, der mit einer furiosen Schluss-Sequenz endet, die nur einer der beiden überleben kann.

Insgesamt gesehen ist "Grizzly" ein wirklich mehr als sehenswerter Vertreter des Tierhorrors, der auch nach nun mittlerweile über drei Jahrzehnten rein gar nichts von seiner faszinierenden Ausstrahlung verloren hat. So mancher Vertreter der heutigen Zeit könnte sich insbesondere im Bezug auf Spannung und Atmosphäre eine dicke Scheibe von diesem tollen Film abschneiden. William Girdler hat hier mit kleinen Mitteln ein Maximum an Horror geschaffen, der Film hatte gerade einmal ein Budget von geschätzten 750.000 $, was aus heutiger Sicht wohl eher eine spöttische Summe darstellt. Dafür bekommt man wirklich eine Menge geboten und kann sich über einen Film freuen, der von der ersten bis zur letzten Minute jede Menge Spannung bietet und auch eine ungeheuer starke Faszination auf den Zuschauer ausstrahlt, gegen die man sich kaum erwehren kann. Zudem bekommt man auch noch solides und gutes Schauspiel geboten, auch wenn sich keiner der hier agierenden Darsteller besonders in den Vordergrund spielen würde.


Fazit:


Mit "Grizzly" hat William Girdler einen Vertreter des Tierhorrors geschaffen, der auch nachhaltig im Gedächtnis hängen bleibt. Sicherlich kommt der Film nicht an die Klasse solcher genre-Perlen wie "Die Vögel" oder "Der weisse Hai" heran, ist aber dennoch auf jeden Fall im oberen Drittel der Tierhorror-Liga anzusiedeln und das können auch nicht gerade viele Filme von sich behaupten. Wer eine Vorliebe für Filme dieser Art hat, kommt an diesem Werk einfach nicht vorbei, das ganzzeitig beste und spannende Unterhaltung bietet.


8/10

Sonntag, 6. Februar 2011

Dead next Door (2005)









Dead next Door
(Neighborhood Watch)
mit Terry Becker, Randall Bosley, De Anna Joy Brooks, Tommy Callahan, Price Carson, Janice Davies, Tim Devitt, Eileen Dietz, John Ennis, Gil Glasgow, Fritz Greve, Jack Huston, Pell James, Jed Rowen
Regie: Graeme Whifler
Drehbuch: Graeme Whifler
Kamera: Bernd Heinl
Musik: Jose J. Herring
Keine Jugendfreigabe
USA / 2005

Bob und Wendi Peterson, ein junges Ehepaar, müssen aus beruflichen Gründen ihren Wohnsitz wechseln. Es verschlägt sie in einen verschlafenen Vorort, wo sie ein eigenes kleines Häuschen beziehen. An sich keine schlechte Sache, doch die Nachbarn in ihrer Straße erscheinen ihnen zunehmend seltsam. Da wäre zum einen die Sowells, ein altes Ehepaar, das sich sehr paranoid verhält und sich ständig im eigenen Haus einschließt. Und da wäre noch Adrien, ein ziemlich ekliger Kerl, der den Petersons aber überraschend freundlich gesonnen scheint. So nimmt das Paar auch gerne sein Begrüßungsgeschenk, eine Schachtel Pralinen, an. Doch schon diese hat es wahrlich in sich, und Bob und Wendi bemerken schnell und vor allem auf sehr schmerzhafte Weise, dass Adrien ein völlig durchgedrehter Psychopath ist und er mit ihnen noch so einiges vor hat...


Auf gute Nachbarschaft!


Streitereien unter Nachbarn kommen immer wieder vor und manchmal arten die Dinge auch etwas aus, doch was ein junges Ehepaar hier erleben muss, das geht eigentlich auf keine Kuhhaut mehr. Ob das Geschehen dabei immer vollkommen authentisch und glaubwürdig erscheint sei einmal dahingestellt, aber Regisseur Graeme Whifler hat mit "Dead next Door" auf jeden Fall einen sehr unterhaltsamen und teilweise recht fiesen Horrorthriller geschaffen, in dem der Begriff Psychophat eine vollkommen neue Dimension erlangt, denn der psychophatische Nachbar Adrien zieht hier wirklich sämtliche Register, um seinen neuen Nachbarn nicht nur das Leben zu erschweren, sondern dieses auch frühzeitig zu beenden. Sicherlich beinhaltet die Geschichte einige Logiklöcher und auch diverse Handlungsweisen der Hauptfiguren sind nicht wirklich logisch nachzuvollziehen, aber Graeme Whifler hat meiner Meinung nach das Geschehen vollkommen bewust extrem überspitzt in Szene gesetzt und phasenweise auch mit herrlich schwarzem Humor versehen, um den Unterhaltungswert dieses Filmes aufzuwerten und dem Zuschauer einen teils skurril anmutenden Filmgenuss zu bescheren.

Man merkt dem Szenario von der ersten Minute an, das es sich wohl eher um eine Produktion handelt, für die kein sehr hohes Budget zur Verfügung stand. Rein optisch gesehen erscheint das Ganze nämlich eher etwas billig, was dem Film insgesamt aber sehr gut zu Gesicht steht und so nicht weiter negativ ins Gewicht fällt. Nun sollte man allerdings keinen cineastischen Hochgenuss erwarten, denn es gibt weder eine tiefergehende Story zu begutachten, noch sind hier herausragende Darsteller am Werk. Stattdessen bekommt der Betrachter eine nette Rahmenhandlung geboten die inhaltlich nicht besonders viel Substanz beinhaltet, dafür aber richtig schön fies umgesetzt wurde und zum Ende hin sogar die äusserst hohe Alterseinstufung vollkommen rechtfertigt. Dabei sieht es die ganze Zeit über danach aus, als wenn man diesen Film viel zu hoch eingestuft hätte, denn wirkliche Härte bekommt man eigentlich nicht geboten, doch im letzten Drittel der Geschichte werden plötzlich Passagen geboten, die man in dieser Form nun wirklich nicht mehr erwartet hätte. Mehrere wirklich gorige und teils sogar eklige Szenen verleihen dem Geschehen urplötzlich einen Härtegrad, der einen doch ziemlich überrascht.

Der dabei entstehende Überraschungseffekt wertet das Gesamtbild noch einmal zusätzlich auf, wobei die harten Szenen vielmehr als nette Zugabe angesehen werden können. Das eigentliche Highlight des Filmes ist ganz eindeutig der vollkommen durchgeknallte Psychophat Adrien und der feine schwarze Humor, der an etlichen Stellen zum Vorschein kommt und dem Geschehen eine äusserst bissige und sarkastische Note verleiht. In gewisser Art und Weise hinterlässt "Dead next Door" schon fast den Eindruck einer überzogenen Gesellschafts-Satire, wofür auch das Verhalten der herbeigerufenen Polizisten spricht, die sich ziemlich offensichtlich auf die Seite des Psychophaten schlagen, nur weil er der Sohn des ehemaligen Bürgermeisters ist. So kann dieser dann auch ziemlich ungehindert weiter seine Nachbarn terrorisieren, wobei sich der Terror immer weiter steigert und zum Ende hin richtiggehend eskaliert. Die Passagen, die der Zuschauer vor allem in den letzten Minuten zu sehen bekommt erscheinen im ersten Moment sicher etwas überzogen und nicht unbedingt sehr glaubwürdig, jedoch verleihen sie dem gewonnenen Gesamtbild einen extrem drastischen Anstrich und schaffen es auch durchaus, den Zuschauer auf eine gewisse Art und Weise zu schocken, geht es doch am Ende äusserst derbe zur Sache.

Letztendlich handelt es sich bei vorliegendem Film um kein cineastisches Meisterwerk, dafür bekommt man allerdings einen streckenweise richtig fiesen aber auch humorigen Horrorthriller geboten, der ein überspitzt dargestelltes Szenario nachzeichnet, an dem man jede Menge Spaß haben kann. Wenn man solche Nachbarn hätte, dann bräuchte man ganz sicher keine Feinde mehr, denn ein Mensch der hier zur Schau gestellten Kategorie reicht vollkommen aus, um einem das eigene leben zur Hölle zu machen. Graeme Whifler ist es meiner Meinung nach ausgezeichnet gelungen, mit einem scheinbar niedrigen Budget einen herrlich fiesen B Movie zu kreieren, der zwar nicht immer logisch, dafür aber ganzzeitig extrem unterhaltsam ist und dem Betrachter ein sehr kurzwiliges Filmvergnügen zu bereiten, das man sich auch mehrmals anschauen kann.


Fazit:


"Dead next Door" ist ein herrlich fieser Horrorthriller, der garade zum Ende hin auch noch einen Härtegrad aufweist, denn man eigentlich nicht mehr erwartet hätte. Ein wunderbar überspitztes Szenario sorgt hier ganzzeitig für blendende unterhaltung, an dem man seine helle Freude hat. Auch die schwarthumorigen Anteile der Geschichte tragen dazu bei, das man im Prinzip nur zu einem guten Gesamteindruck gelangen kann.


7/10

Freitag, 4. Februar 2011

Der Pianist









Der Pianist
(Le Pianiste)
mit Adrien Brody, Thomas Kretschmann, Emilia Fox, Ed Stoppard, Frank Finlay, Julia Rayner, Jessica Kate Meyer, Joachim Paul Assböck, Nina Franoszek, John Keogh, Thomas Lawincky, Maureen Lipman
Regie: Roman Polanski
Drehbuch: Ronald Harwood / Wladyslaw Szpilman
Kamera: Pawel Edelman
Musik: Wojciech Kilar
FSK 12
Deutschland / Frankreich / Großbritannien / Polen / 2002

Warschau 1939 Mit dem Einmarsch der Deutschen in Polen beginnt auch für den gefeierten polnisch-jüdischen Pianisten Wladyslaw Szpilman die Zeit des Leids. Tagtäglich wird er Zeuge unerträglicher Demütigung und Brutalität. Nur mit viel Glück und dank der Hilfe des polnischen Untergrunds konnte er der Todesfalle des Warschauer Ghettos entkommen. Voller Angst irrt er allein durch die Stadt, die sich inzwischen in eine leblose, erschütternde Ruinenlandschaft verwandelt hat. Eines Tages endeckt ihn ein Offizier der deutschen Wehrmacht, der sein Schicksal verändern wird.


Das Roman Polanski ein aussergewöhnlich guter Regisseur ist, hat er schon mit mehreren seiner Filme eindrucksvoll unter Beweis gestellt (Rosemary's Baby, Ekel). So ist es dann auch nicht besonders verwunderlich, das auch "Der Pianist" einen besonderen Platz in seiner Fimografie einnehmen dürfte. Erzählt wird die Geschichte des berühmten Pianisten Wladyslaw Szpilman während des zweiten Weltkrieges, der als Jude das schier Unglaubliche fertigbringt und die Schrecken des Holocaust überlebt. Polanski erzählt die mitreissende und dramatische Geschichte selbstverständlich aus der Sicht seiner Hauptfigur, versäumt es dabei aber nicht, auch die generellen Schrecken des Holocaust eindrucksvoll und schockierend in Szene zu setzen. So bekommt der Zuschauer einerseits einen sehr tiefen Einblick über die generelle Situation in Warschau und wie die Situation der jüdischen Bevölkerung immer unerträglicher und gefährlicher wird, bis es dann letztendlich zu den sogenannten Umsiedlungen in die Vernichtungslager kommt. Andererseits. Auf der anderen Seite offenbart sich das Einzelschicksal eines Mannes, der fast allein zurückbleibt und seine gesamte Familie verliert.

Insbesondere die Passagen, in denen Szpilman allein durch das leere Warschauer Ghetto läuft hinterlassen beim Betrachter einen äusserst nachhaltigen Eindruck und lösen gleichzeitig ein extrem beklemmendes Gefühl aus. So ertappt man sich dabei, wie man aus der Situation heraus fast automatisch an einen Film wie "The last Man on Earth" erinnert wird, in dem es ähnliche Passagen zu begutachten gibt. Es entsteht phasenweise eine regelrechte Endzeitstimmung, die sich wie ein bleierner Schleier über den Zuschauer legt, hat die Situation doch etwas vollkommen Endgültiges an sich und ist gleichzeitig von so viel Tristesse und Hoffnungslosihkeit durchzogen, das einem kalte Schauer über den Rücken laufen. Man fühlt sich seltsam befangen und möchte der Hauptfigur am liebsten hilfreich zur Seite stehen, empfindet aber gleichzeitig eine Art Ohnmacht, da man nichts tun kann und das geschehen ganz einfach hinnehmen muss. Erschwerend kommt dabei noch der Aspekt hinzu, das die Geschichte auf einer wahren Begebenheit beruht und die Thematik der Judenverfolgung ganz generell nicht spurlos an einem vorrüberzieht. Denn obwohl man genügend Filme mit der hier vorhandenen Thematik gesehen hat, schnürt es einem doch immer wieder die Kehle zu, wenn man sich die begangenen Greueltaten vor Augen führt.

Obwohl man extrem in die Geschichte eintaucht, kann man noch nicht einmal ansatzweise nachvollziehen, welches Leid die Hauptfigur über sich ergehen lassen musste und welch psychischer Druck auf einen einwirkt, wenn man sich ständig verstecken muss und immer auf die Hilfe einiger weniger Widerstandskämpfer angewiesen ist, die ständig ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen, um anderen Menschen zu helfen. man kann sich nur in Brucjstücken vorstellen, wie groß die Angst vor der Entdeckung gewesen sein muss, so das die hier dargestellte Odyssee eines Mannes etwas schier Unglaubliches darstellt. Gerade diese Momente werden durch Adrien Brody in der Hauptrolle absolut brillant in Szene gesetzt, denn sein schauspiel ist erschreckend authentisch und glaubwürdig. Seine Ausdrucksstarke Mimik transportiert die jeweiligen Gefühlslagen in denen er sich befindet, nahezu perfekt zum Zuschauer, der dadurch richtiggehend mit ihm mitleiden kann. Zwar kann man in vorliegendem Werk der gesamten Darsteller-Riege ein ausgezeichnetes Zeugnis ausstellen, ist der Film doch bis in die kleinsten Nebenrollen perfekt besetzt, so muss man Brody doch hervorheben, drückt er der Geschichte doch seinen ganz eigenen Stempel auf. Er erscheint wie prädestiniert für diese Rolle und nur selten entsteht der Eindruck, das er lediglich eine Rolle spielt. Vielmehr wird man das Gefühl nicht los, das er die Figur des Pianisten regelrecht lebt, was wohl so ziemlich das grösste Kompliment ist, das man einem Darsteller aussprechen kann.

Mit "Der Pianist" hat Roman Polanski ein Kriegs-Drama geschaffen, das einen sehr nachhaltigen Eindruck beim Zuschauer hinterlässt. Obwohl ganz eindeutig das Einzelschicksal eines Menschen im Focus der Geschichte steht, werden einem auch die generellen Schrecken der damaligen Situation eindrucksvoll und authentisch vor Augen geführt. Dabei beinhaltet der Film ein so großes maß an Härte, die sich allerdings nicht unbedingt in expliziten Gewaltdarstellungen äussert. Zwar gibt es einige durchaus brutale Passagen zu sehen, der eigentliche Härtegrad entfaltet sich aber vielmehr im Kopf des Betrachters und wird durch die vorherrschende Gesamtsituation ausgelöst. Grandiose Darsteller, ein alles überragender Adrien Brody und eine flüssig erzählte Geschichte ergeben letztendlich ein Gesamtpaket, an dem es meiner Meinung nach keinerlei Makel gibt.


Fazit:


In der Reihe vieler guter Beiträge, die sich der Thematik des Holocaust widmen, nimmt "Der Pianist" sicherlich einen recht hohen Stellenwert ein. Ein erstklassiger Film, der das Einzelschicksal eines Mannes in den Vordergrund rückt und dennoch die ganz allgemeinen Schrecken des Krieges nicht vergisst. Der Zuschauer bekommt dabei die Odyssee eines Einzelnen zu sehen, die für ihn persönlich sogar ein gutes Ende findet. Und gerade das scheint aufgrund der damaligen Situation fast unglaublich, basiert aber nichtsdestotrotz auf einer wahren Begebenheit.


10/10

Mittwoch, 2. Februar 2011

Die Stimme des Todes









Die Stimme des Todes
(Il Gatto dagli occhi di giada)
mit Corrado Pani, Paola Tedesco, Franco Citti, Fernando Cerulli, Giuseppe Addobbati, Gianfranco Bullo, Jill Pratt, Bianca Toccafondi, Inna Alexeievna, Paolo Malco, Cristina Piras, Roberto Antonelli
Regie: Antonio Bido
Drehbuch: Antonio Bido / Roberto Natale
Kamera: Mario Vulpiani
Musik: Trans Europa Express
Ungeprüft
Italien / 1977

Eine junge Tänzerin wird Zeuge eines brutalen Mordes. Während der mutmaßliche Täter die Frau jagt, stellt die Polizei Ermittlungen an, die sich zunächst auf ein Tonband beschränken, welches durch Zufall die Stimme des Todes beinhaltet. Leider haben noch mehr unschuldige Menschen mit der Sache zu tun, die allesamt nach und nach tödlichen Besuch vom Killer bekommen.


Mit seinem Regie-Debut "Die Stimme des Todes" hat Antonio Bido sicherlich nicht den besten Giallo aller Zeiten, aber immerhin einen sehr spannenden und atmosphärischen Genre-Vertreter geschaffen, der mit den handelsüblichen Zutaten aufwarten kann die dem Zuschauer ein interessantes Rätselspiel bieten, an dem man sich nur zu gern beteiligt. Fast schon selbstverständlich erscheint dabei der Aspekt, das im Laufe der spannenden Geschichte einmal mehr etliche falsche Fährten gelegt werden, die den Betrachter in die Irre führen sollen, bevor sich die wirkliche Lösung der geheimnisvollen Morde erst ganz am Ende offenbart und die Gründe für die Tötungen wieder einmal in der Vergangenheit verborgen liegen, wie es in so vielen anderen Filmen dieser Art auch der Fall ist. Dabei ist es Bido meiner Meinung nach sehr gut gelungen, die Identität des Mörders im Dunkeln zu halten, gibt es doch eigentlich keinerlei Hinweise auf dessen Identität. Lediglich die Motivlage kann man aufgrund eines Tonbandes schon früher erahnen, obwohl sich die kompletten Zusammenhänge für das Geschehen erst zum Ende hin immer mehr herauskristallisieren.

Von der ersten Minute an geht eine herrlich bedrohliche Grundstimmung von der Geschichte aus, die sich fast im Minutentakt immer mehr verdichtet und einige wirklich unheimliche Passagen aufkommen lässt, die dem Szenario eine fast schon düstere Note verleihen. Auch die Dramaturgie der Ereignisse kann man als sehr gelungen bezeichnen, denn Bido ist es hervorragend gelungen einen Spannungsbogen zu ziehen, der sich langsam aber sicher immer mehr steigert und an manchen Stellen für echte Hochspannung sorgt. Dazu trägt auch die erstklassige musikalische Untermalung der Geschichte bei, denn der hier verwendete Score kann sich jederzeit hören lassen. Er unterstreicht die jeweiligen Situationen absolut perfekt, insbesondere das bedrohliche Anschwellen der Musik in den unheimlichen Phasen des Filmes kann hier für so manchen kalten Schauer sorgen, der einem fast unwillkürlich über den Rücken jagt. So ergibt sich dann auch ein ganzzeitig erstklassiges Filmerlebnis, das dem Zuschauer so manches Wechselbad der Gefühle beschert, denn einige eher ruhige Momente wechseln sich immer wieder mit unheilvoll anmutenden Passagen ab, an denen man als Liebhaber dieser Filmgattung seine helle Freude haben kann.

"Die Stimme des Todes" ist sicherlich nicht der beste Vertreter seiner Art, bietet aber letztendlich genau das, was man sich von einem Giallo erwartet, nämlich ein herrlich ineinander verschachteltes Rätsel, dessen Auflösung erst nach etlichen falsch gelegten Fährten ganz am Ende voll ersichtlich wird. Es macht ganz einfach sehr viel Spaß, die einzelnen Puzzle-Teilchen zusammenzusetzen, bevor man die wirklichen Gesamtzusammenhänge erkennen kann. Was in vorliegendem Film sehr positiv auffällt ist der Aspekt, das die Auflösung recht logisch erklärt wird und nicht so an den haaren herbeigezogen erscheint, wie es in einigen anderen Gialli's doch der Fall ist. Auch die Tatsache, das lediglich die eventuelle Motivlage des Mörders ansatzweise zu erkennen ist, die Identität aber bis zum Ende im Dunkeln gehalten wird, verleiht dem gesamtbild eine noch positivere Note, denn so bleibt der erstklassige Spannungsbogen wirklich bis zum leicht tragischen Ende jederzeit aufrecht erhalten und erleidet auch keinerlei Einbrüche, die das Sehvergnügen beeinträchtigen würden.

Im Endeffekt kann man Antonio Bido ein absolut gelungenes Regie-Debut attestieren, das im Prinzip in allen Belangen überzeugen kann. denn auch bei der hier agierenden Darsteller-Riege gibt es keinerlei Grund sich zu beklagen. Das Schauspiel erscheint größtenteils sehr authentisch und glaubwürdig, von einigen nicht ganz logischen Handlungsweisen einmal abgesehen. Doch auch solche Dinge gehören irgendwie in einen solchen Film und sollten kein größeres Ärgernis darstellen, geschweige denn größere negative Kritik nach sich ziehen. Und so präsentiert sich dem Zuschauer ein gesamtbild, das man eigentlich nur als überdurchschnittlich gut beschreiben kann, da eine exzellente Mischung aus Spannung, Atmosphäre und einer interessanten Geschichte gefunden wurde, die zudem noch äusserst flüssig erzählt wird und mit einem fantastischen Score untermalt wird.


Fazit:


Freunde der italienischen Gialli's werden an diesem Werk keinesfalls vorbeikommen, doch auch allen anderen sei dieser tolle Film ans Herz gelegt. Wer spannungsgeladene Thriller liebt, wird hier voll auf seine Kosten kommen und könnte eventuell sogar eine kleine Vorliebe für das Cinema Italiano erkennen. "Die Stimme des Todes" gehört für mich persönlich zu den Filmen, die man sich immer wieder gut anschauen kann und die auch im laufe der Jahre nichts von ihrer Faszination verloren haben.


8/10