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Mittwoch, 30. März 2011

MR 73 - Bis dass der Tod dich erlöst









MR 73 - Bis dass der Tod dich erlöst
(MR 73)
mit Daniel Auteuil, Olivia Bonamy, Catherine Marchal, Francis Renaud, Gerald Laroche, Guy Lecluyse, Philippe Nahon, Clement Michu, Moussa Maaskri, Christian Mazucchini, Louise Monot, Maxim Nucci, Christine Chansou, Mireille Viti, Camille Ramos
Regie:Olivier Marchal
Drehbuch: Olivier Marchal
Kamera: Denis Rouden
Musik: Bruno Coulais
FSK 16
Frankreich / 2008

Der vom Leben schwer gebeutelte Kommissar Schneider entführt im Suff einen Linienbus, was ihm die Degradierung an den Schreibtisch fort von den Ermittlungen in einem Serienkiller-Fall einbringt. Seinen Instinkt hat das Alkoholwrack dennoch nicht verloren: Als ein sadistischer Sexualmörder aufgrund seines vorgeblichen Sinneswandels freikommt, wendet sich Justine, die traumatisierte Überlebende seines letzten Massakers, hilfesuchend an Schneider. Der entdeckt, dass entscheidende Beweise verschwanden.


Wer bei "MR 73" einen knallharten und vor allem actiongeladenen Cop-Thriller erwartet, der wird hier sicherlich nicht auf seine Kosten kommen, denn das Werk von Regisseur Olivier Marchal ist doch vielmehr ein Drama, dessen Hauptaugenmerk ganz eindeutig auf die Hauptfigur Schneider gerichtet ist, dessen verkrachte Existenz den Löwenanteil der Geschichte einnimmt. So führen auch die verschiedenen Erzählstränge des Filmes im Endeffekt alle wieder zum genannten Hauptcharakter, der von Daniel Auteuil einfach nur brillant dargestellt wird. Marchal setzt in seiner Story auf mehrere kleine Erzählstränge, so dreht sich das Geschehen beispielsweise um eine aktuelle Mordserie, gleichzeitig wird ein 25 Jahre zurückliegender Doppelmord inclusive des damaligen Täters und einer Überlebenden thematisiert und auch die illegalen Machenschaften innerhalb der Polizei nehmen einen gewissen Teil der Story ein, die aber letztendlich die Figur des vollkommen zerstörten Polizisten Schneider in den Vordergrund rückt, der an seinem Schicksal gänzlich zu zerbrechen droht.

Die aktuellen Morde und der weit zurückliegende Fall nehmen hier nicht mehr als den Stellenwert eines Nebenerzählstranges ein, so das auch der aktuelle Mörder recht schnell gefasst wird und dessen identität eher nebensächlich erscheint. Vielmehr die in Schneiders Polizei-Truppe vorherrschenden Machenschaften aus Korruption und Intrigen sind wichtig für den Story-Plot, ist es doch anscheinend das Ansinnen seiner Kollegen, ihm den endgültigen Todesstoß zu versetzen. Wenn man die Lebensumstände des alkoholkranken Polizisten sieht und dann noch das Verhalten der meisten Kollegen berücksichtigt, dann kommt selbst beim Zuschauer eine fast schon depressive Stimmung auf. Und insbesondere diese Stimmung wohnt auch ganzzeitig den geschehnissen bei, hat Olivier Marchal es doch erstklassig verstanden, durch kalte und trostlose Bilder eine düstere Atmosphäre zu schaffen, die einem wirklich auf das Gemüt schlagen kann. Das gesamte Szenario ist dabei von einer solch starken Tristesse durchzogen, das man selbst den Zustand von Hoffnungslosigkeit fast körperlich spüren kann.

Wie ein bleierner Mantel legt sich die deprimierende Grundstimmung auf die Schultern des Betrachters, der die Auswegslosigkeit aus Schneiders Situation durchaus erkennt und ziemlich schnell erahnen kann, das die Ereignisse kein gutes Ende nehmen werden. Immer mehr verschmelzt man dabei mit der Figur eines Mannes, der durch einen Unfall alles verloren hat, was ihm lieb und teuer war. Seine kleine Tochter ist bei diesem Unfall gestorben und seine Frau vegetiert in einem Krankenhaus viel eher vor sich hin, als das man ihren Zustand als echtes Leben bezeichnen könnte. Das Schauspiel von Daniel Auteuil ist in diesem Film der absolute Höhepunkt, denn nur selten erlebt man einen Schauspieler, der sich so intensiv in eine Rolle hineinversetzen kann, wie es hier der Fall ist. Seine Mimik und Gestik verleihen dem von ihm dargestellten Charakter dabei ein solch hohes Maß an Glaubwürdigkeit und Authenzität, das eigentlich zu keiner Zeit der Eindruck entsteht, das man es überhaupt mit Schauspiel zu tun hat. Ohne Übertreibung kann man wohl behaupten, das eine Figur hier richtiggehend gelebt wird, was für den gewonnenen Gesamteindruck von der Geschichte alles andere als unerheblich ist.

Auch wenn Auteuil ganz sicher herausragt, muss man doch dem gesamten Darsteller-Ensemble ein großes Kompliment aussprechen, jeder einzelne Charakter wird grandios und extrem glaubhaft dargestellt, wodurch der realistische Eindruck der Geschehnisse noch zusätzlich hervorgehoben wird. Da macht es dann eigentlich auch gar nichts aus, das dieses Werk so gut wie gar keine Action enthält, die meiner Meinung nach der Dramaturgie der Geschichte sogar eher geschadet hätte, als das sie dem Film insgesamt zu Gute gekommen wäre. Man muss halt nur von Beginn an wissen, auf welche Art von Film man sich hier einlässt und sich nicht von der Inhaltsangabe täuschenlassen, die eventuell vollkommen falsche Hoffnungen wecken könnte. Es handelt sich ganz eindeutig um ein Krimi-Drama, dessen Focus auf einer äusserst tiefen und gelungenen Charakterzeichnung seiner Hauptfigur liegt. Vielen mag das vielleicht nicht genügen, doch wenn man deswegen auf dieses Werk verzichtet, dann wird man nie erfahren, welch fantastischer Film einem da entgangen ist.

Besonders erwähnenswert ist auch der verwendete Schlußpunkt, in dem die vorherrschende und sehr deprimierende Grundstimmung ihren absoluten Höhepunkt erreicht. man sollte an dieser Stelle nicht zuviel verraten, aber ein Happy End sieht doch entschieden anders aus. So versetzt einem das gewählte Ende noch einmal einen zusätzlichen Tiefschlag, den man zwar im Prinzip vorhersehen kann, der aber genau passend gewählt wurde und eine Geschichte abrundet, die dem Zuschauer doch merklich unter die haut geht und auch einen äusserst nachhaltigen Eindruck in dessen Gedächtnis hinterlässt.


Fazit:


"MR 73" ist meiner persönlichen Meinung nach einer der düstersten und atmosphärischsten Filme, die man gesehen hat. Auch wenn dieses Werk bestimmt nicht jeden Geschmack treffen dürfte, ist es auf jeden fall eine absolute Empfehlung für Freunde tiefgehender Charakterzeichnungen. Dabei entfaltet die Story ein immenses Maß an Intensität, das hauptsächlich durch das Schicksal der Hauptfigur ausgelöst wird. Düstere und kalte Bilder sowie eine deprimierende Tristesse tun ihr Übriges, um dem Betrachter ein erstklassiges Filmerlebnis zu bereiten, das man nicht so schnell wieder vergisst.


8,5/10

Montag, 28. März 2011

71 into the Fire









71 into the Fire
(Pohwa Sokeuru)
mit Seung-won Cha, Sang-woo Kwone, Seung Hyun Choi, Seung-woo Kim, Christina Cha, Seung-won Jeong, Dong-beom Kim, David Lee McInnis, Tae-ju Park, Ji-wung Wi
Regie: John H. Lee
Drehbuch: Man-Hee Lee / Dong-Woo Kim
Kamera: Chan-min Choi
Musik: Dong-jun Lee
Keine Jugendfreigabe
Südkorea / 2010

Am 25. Juni 1950 startete das kommunistische Nordkorea einen Überraschungsangriff auf den Süden. Bis auf ein kleines Gebiet südlich des Nakdong River wurde Südkorea innerhalb kürzester Zeit überrannt. Dieser Film beruht auf der wahren Geschichte der Studenten-Soldaten von Pohang. 71 blutjunge Freiwillige ohne militärische Ausbildung und Erfahrung werden von den regulären Truppen zur Bewachung des unbedeutenden Außenpostens zurückgelassen. Man geht davon aus, dass der Hauptangriff der Nordkoreaner viel weiter südlich erfolgen wird. Doch der Feind wendet sich überraschend gegen Pohang. Es wird Stunden dauern, bis Verstärkung eintrifft. Bis dahin müssen die unerfahrenen Teenager alleine die Stellung halten....


Gleich zu Beginn dieses eindrucksvollen Filmes wird man mit harten und kompromisslosen Kampfhandlungen konfrontiert, bei denen man von der ersten Einstellung an die Überlegenheit der Nordkoreanischen Armee zu sehen bekommt. Scheinbar zahlenmäßig vollkommen unterlegen müssen sich die Soldaten aus dem Süden immer weiter zurückziehen, wurden sie doch von dem Angriff auf ihren Landesteil so dermaßen überrascht, das sie kaum zu kontrollierten Verteidigungsmaßnahmen in der Lage sind. Schon diese ersten Passagen hämmern sich gnadenlos in das Gedächtnis des Zuschauers, der von der Wucht dieser Einführung in die Geschichte selbst vollkommen überrumpelt wird und sich so ohne jede Vorwarnung mit der brutalen Intensität des Geschehens auseinandersetzen muss. Man ist sogar dankbar dafür, das nach diesem actiongeladenen Beginn erst einmal eine etwas ruhigere Phase eintritt, um das Gesehene richtig sacken lassen zu können, denn nur recht selten bekommt man doch einen Kriegsfilm geboten, der einen schon am Anfang mit einer Wucht in die Eingeweide trifft, die man fast schon körperlich spüren kann. Die Frage wem hier die Symphatiepunkte gelten, ist durch die ersten Minuten auch recht schnell geklärt, ist man doch gedanklich sofort auf der Seite des Südens, der hier nichts anderes versucht, als sein heimatland vor den brutalen Agressoren aus dem Norden zu verteidigen, deren Härte und Kaltblütigkeit in jeder einzelnen Phase des Kriegsgeschehens spürbar ist. Es sollen erst gar keine gefangenen gemacht werden und so bekommt man einige Tötungen zu sehen, die fast schon wie eine Abschlachtung erscheinen. Dabei ist es auch sehr empfehlenswert, den jeweiligen Soldaten einmal etwas tiefer in die Augen zu schauen, kenn bei den Südkoreanern kann man sehr wohl starke Emotionen erkennen, wobei hingegen die Nordkoreaner wie kampfroboter erscheinen, denen der blinde Fanatismus in den Augen abzulesen ist.

Und so gestaltet sich im Prinzip auch der gesamte Film, un dem die unterschiedlichen Ideeologien ganz hervorragend ausgearbeitet werden, ohne das man der geschichte eine zu große Klischeehaftigkeit nachsagen kann. Dennoch wird insbesondere die Haltung des Nordens immer wieder in den Vordergrund gerückt, wodurch fast selbstverständlich das feindbild der bösen Kommunisten aufgebaut wird. Manch einem mag das schon zuviel Klischee sein, aber Regisseur John H. Lee hat eigentlich nichts anderes gemacht, als die damalige Situation klar und deutlich widerzugeben, was ihm ganz nebenbei auch ganz vortrefflich gelungen ist. Dazu zählt meiner Meinung nach auch vor allem der Aspekt, das die Agressoren als seelenlose Roboter dargestellt werden, die anscheinend einer massiven politischen Gehirnwäsche unterzogen wurden, aber im Kampf mit dem Tod auf einmal sehr menschliche Züge aufweisen, da sie in dieser Situation ebenso nach ihrer Mutter rufen wie jeder andere Mensch auch. Dafür gibt es während der Geschichte vor allem eine ganz besondere Passage, die diesen Punkt erstklassig zum Ausdruck bringt und auch die damit verbundene Überraschung eines Südkoreaners deutlich macht, der nie mit solch menschlichen Reaktionen des Gegners gerechnet hätte.

Und gerade die menschliche Komponente nimmt einen großen Teil der Story ein, wobei wir bei den eigentlichen helden des Filmes sind, nämlich bei den 71 jungen Männern, die ohne jegliche Ausbildung zu einem Himmelfahrtskommando abkommandiert werden. Die Naivität und Unerfahrenheit dieser Männer kommt insbesondere am Anfang ihres Auftrages immer wieder zum Vorschein, Machtkämpfe untereinander und eine fehlerhafte Einschätzung über den Ernst der Situation führen ziemlich schnell zu einer zahlenmäßigen Dezimierung der von Haus aus schon sehr kleinen Truppe. Beim Aufeinandertreffen mit Spähtrupps aus dem Norden kommt die militärische Unerfahrenheit immer wieder stark zum Ausdruck, so das schon zu einem frühen Stadium 16 Männer ihr Leben verlieren. Nun könnte man eigentlich denken, das die Gruppe nun vollkommen auseinanderfällt, doch genau das Gegenteil tritt ein. Die Teenager werden sich ihrer verantwortung bewust und werden auf einmal ein richtig eingeschworener Haufen, in dem jeder einzelne auch Verantwortung für den anderen übernimmt. Als dann auch noch die Übermacht der nordkoreanischen Armee vor dem Außenposten Stellung bezieht, beginnt der eigentlich schier unglaubliche Teil einer Geschichte, die zwar auf einer wahren Begebenheit beruht, für den Zuschauer aber dennoch fast nicht nachvollziehbar erscheint.

Beginnen nun doch Kampfhandlungen, in denen trotz eines tragischen Endes wahre Helden geboren werden, denn die teenager verteidigen ihre Stellung mit einer Hingabe die man wirklich nur an den Tag legen kann, wenn man sein heimatland über alles liebt und zu dessen Verteidigung mit dem ganzen Herzen kämpft. Und so werden fehlende militärische Kenntnisse mit echtem Herzblut ausgeglichen, das augenscheinlich selbst der größten Übermacht trotzen kann und dieser ihre Grenzen aufzeigt. Für viele Leute mag sich das jetzt eventuell nach zuviel Pathos anhören, dabei ist dieser eigentlich nicht im Übermaß vorhanden. Der Gedanke die kleine Gruppe als helden anzusehen, ergibt sich ganz einfach aus der gegebenen Situation und manifestiert sich im Kopf des Betrachters, der schon längst selbst zu einem teil der Geschichte geworden ist. Immer mehr fällt einem dabei auf, wie sehr man sich doch mit der zahlenmäßigen Minderheit identifiziert hat und so fast ganz automatisch auch zu einem Mitglied dieser Gruppe geworden ist. Man fiebert richtiggehend mit, was hauptsächlich durch die authentische und glaubwürdige Inszenierung zustande kommt, die hier realistische Schlachten anbietet, die an Intensität kaum zu überbieten sind. Es gibt keinerlei Beschönigungen, sondern einfach nur harte und kompromisslose Kämpfe, die den Film insgesamt so realistisch erscheinen lassen, das einen nicht selten das Gefühl überkommt, sich mitten im Kampfgeschehen zu befinden.

Zu guter Letzt sollte man auch noch ein Wort über die Darsteller verlieren, die allesamt einen erstklassigen Job abliefern. Man kann dabei noch nicht einmal eine Abstufung in den leistungen vornehmen, denn bis in die kleinste Nebenrolle ist dieses Werk ganz hervorragend besetzt. Letztendlich hat John H. Lee wirklich alles richtig gemacht und mit "71 into the Fire" einen besonders sehenswerten Film abgeliefert, der nicht spurlos am Betrachter vorbeigeht. Ein actiongeladener Kriegsfilm, der allerdings nicht nur Raum für die imposanten Kampfhandlungen, sondern auch für menschliche Emotionen lässt. Als Gesamtpaket kann man für dieses fantastische und sehr beeindruckende Werk nur eine absolute Empfehlung aussprechen, denn qualitativ siedelt sich der Film auf einem äusserst hohen Level an.


Fazit:


Der Vergleich auf der Rückseite des deutschen DVD-Covers ist gar nicht einmal zu weit hergeholt, denn im Bezug auf Intensität und Realismus erinnert dieser Film wirklich an Spielbergs Meisterwerk "Der Soldat James Ryan", auch wenn man beide Filme von der Geschichte her kaum vergleichen kann. Auf jeden Fall wird aber beste und niveauvolle Filmkost geboten, die man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot elite
Sprache / Ton: Deutsch DTS, DD 5.1 / Koreanisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch, Niederländisch
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 116 Minuten
Extras: Character Featurette, On Set, Originaltrailer, Trailershow


9/10

Samstag, 26. März 2011

Der letzte Exorzismus




Der letzte Exorzismus
(The last Exorcism)
mit Patrick Fabian, Ashley Bell, Iris Bahr, Louis Herthum, Caleb Landry Jones, Tony Bentley, John Wright Jr., Shanna Forrestall, Justin Shafer, Carol Sutton, Victoria Patenaude, John Wilmot, Becky Fly, Denise Lee, Logan Craig Reid
Regie: Daniel Stamm
Drehbuch: Huck Botko / Andrew Gurland
Kamera: Zoltan Honti
Musik: Nathan Barr
keine Jugendfreigabe
USA / 2010

Der weit gereiste Prediger Cotton Marcus wird von Schuldgefühlen geplagt. Seine Teufelsaustreibungen sind reine Illusion, doch seine bibeltreuen Anhänger glauben an ihn und zahlen gut für seine Arbeit. Bei einem letzten Exorzismus will er den Schwindel durch ein Fernsehteam aufdecken lassen. Die Mission führt sie in den Süden der USA, wo die Farmerstochter Nell vom Teufel besessen zu sein scheint. Die Show beginnt, doch nicht wie Marcus geplant hatte. Eine dunkle Macht offenbart sich Marcus und ihm muss schnell etwas einfallen, um Nell, sein Team und sich selbst vor diesem Dämon zu retten.


Der in Hamburg geborene Regisseur Daniel Stamm hat mit diesem Film eine recht gelungene Kombination aus mehreren bekannten Werken des Horror-Genres kreiert, die sicherlich nicht jeden Geschmack treffen wird, aber auf jeden Fall sehr interessant anzusehen ist. Man nehme einige Anlehnungen an "Der Exorzist", eine Prise "Rosemary's Baby" und füge dann noch den dokumentarischen Drehstil von "[REC]" hinzu und schon ist man bei "der letzte Exorzismus angelangt. So entsteht beim Zuschauer von der ersten Minute an der Eindruck das man sich hier in einer Live-Reportage befindet, in der ein wenig gläubiger Reverend der Öffentlichkeit aufzeigen will, das es sich bei einem Exorzismus um nichts anderes als einen riesengroßen Betrug handelt. Meiner Meinung nach ist es der Geschichte hoch anzurechnen, das zu keiner Zeit das Gefühl entsteht, das es sich um einen Spielfilm handelt, denn so erscheint das gesamte Geschehen doch extrem glaubhaft und authentisch, wodurch man wirklich tief in die Ereignisse involviert wird und so jederzeit an eine gerade stattfindende Geschichte erinnert wird. Und so bekommt der Spruch "Mittendrin statt nur dabei" eine ganz neue Bewandnis, zieht einen das dargestellte Szenario doch phasenweise in eine Art Strudel, aus dem man nicht mehr entkommen kann.

Die von der Story ausgehende Authenzität ist ganz bestimmt auch in den gut agierenden Darstellern begründet, die allesamt einen wirklich überzeugenden Job abliefern. In erster Linie tritt hierbei der Haupt-Charakter des Reverend Cotton Marcus (Patrick Fabian) in den Vordergrund, denn obwohl der gute Mann ja selbst nicht an das glaubt was er seinen Schäfchen predigt, besitzt er eine so große charismatische Ausstrahlung, das man selbst als Zuschauer zum Gläubigen werden könnte. Fabian scheint diese Rolle wie auf den Leib geschneidert und so kann er auch äusserst schnel ziemlich viele Symphatiepunkte beim Betrachter sammeln, der den wortgewandten Hochstapler sehr schnell in sein Herz schließt. Doch auch die anderen Akteure wissen durch ihr Schauspiel durchaus zu überzeugen und tragen so nicht unwesentlich zum insgesamt sehr positiven Gesamteindruck bei, den dieser Film hinterlässt.

Nun sollte man sich allerdings nicht von der hohen Alterseinstufung beeinflussen oder irritieren lassen, denn das Geschehen beinhaltet eigentlich keinerlei explizite Gewaltdarstellungen, so das eine 16er Freigabe wohl vollkommen angemessen gewesen wäre. Sicherlich gibt es ein wenig Blut und einige Andeutungen von Härte zu beobachten, jedoch halten sich diese Passagen in einem sehr überschaubaren Rahmen. Insbesondere die erste Filmhälfte gestaltet sich dabei als härtefreie Zone, in der Hauptsache wird dem Zuschauer eine etwas intensivere Charakterzeichnung der Hauptfigur Marcus geboten, was aber keinesfalls uninteressant oder gar langweilig in Szene gesetzt wurde. Zudem wird man mit den Tricks konfrontiert die der Reverend bei seinem "Exorzismus" anwendet, um gläubige Menschen hinters Licht zu führen und dieser Einblick in die kirchliche Trickkiste ist dabei äusserst interessant. Man kann wirklich kaum glauben, mit welch banalen Methoden man eine so große Überzeugungskraft an den Tag legen kann, wie es in vorliegender Geschichte der Fall ist.

Ist die erste Hälfte dieses Werkes also noch als recht amusant anzusehen, so ändert sich das im zweiten Teil doch schlagartig, als der Plot eine nicht unbedingt vorherzusehende Wendung einschlägt und in erster Linie mit einem richtig bösem Finale aufwartet. Auf einmal wird aus der fast witzigen Grundstimmung eine äusserst dichte und sehr bedrohliche Atmosphäre, die sich mit zunehmender Laufzeit immer stärker verdichtet und dabei sehr unheilvolle Züge zum Vorschein bringt, die auch für so einige Gänsehaut-Momente sorgen. Die gegebene Situation hat schlagartig gar nichts Witziges mehr an sich und verwandelt sich zu einem wahren Horror-Szenario, dessen absoluten Höhepunkt das nicht vorhersehbare Finale darstellt, das einem sichtlich auf den Magen schlagen kann. Das hier bei den vorhandenen Erklärungsversuchen des Ganzen eventuell einige Logiklöcher vorhanden sind fällt dabei gar nicht einmal besonders schwer ins Gewicht, da ein äusserst straffer Spannungsbogen zum Tragen kommt, durch den einem die eventuellen Defizite im ersten Moment gar nicht einmal auffallen. Betrachtet man "Der letzte Exorzismus" als Gesamtpaket, dann handelt es sich um einen durchaus gelungenen Film der mit einigen kleinen Schwächen aufwartet aber in seiner Gesamtheit einen sehr guten Eindruck hinterlässt. Insbesondere die beiden atmosphärisch vollkommen unterschiedlichen Filmhälften haben mir persönlich gut gefallen, denn der totale Umschwung aus einer zu Beginn eher beschwingten Stimmung zu einer wirklich bedrohlichen zweiten Hälfte ist ein sehr gelungener Kontrast, der für ein insgesamt gelungenes Filmerlebnis sorgt.


Fazit:


Auch wenn "Der letzte Exorzismus" ganz bestimmt nicht jeden Geschmack treffen wird, so dürften zumindest die Freunde dokumentarisch gedrehter Spielfilme voll auf ihre Kosten kommen. Ein immer interessanter werdender Story-Plot, gute Darsteller und ein vor allem in der zweiten Hälfte exzellenter Spannungsbogen reichen hierbei jederzeit aus, um eine klare Empfehlung für diesen Film auszusprechen.


7/10

Donnerstag, 24. März 2011

Horsemen









Horsemen
(Horsemen)
mit Dennis Quaid, Ziyi Zhang, Lou Taylor Pucci, Clifton Collins Jr., Barry Shabaka Henley, Patrick Fugit, Eric Balfour, Paul Dooley, Thomas Mitchell, Liam James, Chelcie Ross, Manfred Maretzki, Arne MacPherson, Peter Stormare
Regie. Jonas Akerlund
Drehbuch: Dave Callaham
Kamera: Eric Broms
Musik: Jan A.P. Kaczmarek
Keine Jugendfreigabe
USA / 2009

Aidan Breslin ist ein ausgebrannter Detective, der sich nach dem Krebstod seiner Frau mehr schlecht als recht alleine um die Söhne Alex und Sean kümmert. Er stürzt sich immer mehr in seine Arbeit, insbesondere als sich eine grauenhafte Mordserie anbahnt. Erster Beweis sind die ausgerissenen Zähne eines möglicherweise noch lebenden Opfers. Weitere Hinweise führen Breslin zu der Annahme, dass der Mörder sich an den vier apokalyptischen Reitern aus der Offenbarung des Johannes orientieren könnte. Zu spät merkt er, dass diese Spuren zu seinen Kindern führen.


Thriller mit einer Serienkiller-Thematik sind ja nun nicht gerade eine Seltenheit, was sich auch nicht durch den Aspekt ändert wenn ein biblischer Hintergrund für die Morde vorhanden ist, so wie es in vorliegendem Werk von Jonas Akerlund der Fall ist. Dennoch hebt sich "Horsemen" etwas von ähnlich gelagerten Genre-Vertretern ab, was sich in erster Linie auf die Anzahl der Täter und auch auf deren Motive bezieht. In vorliegender Geschichte hat man es nämlich längst nicht nur mit einem Täter zu tun und auch die Beweggründe für die Greueltaten sind doch ziemlich aussergewöhnlich. Einerseits kann man diesen Aspekt als durchaus erfrischend ansehen, aber andererseits liegt hier auch die Schwäche dieses Filmes ziemlich offensichtlich auf der Hand. Denn gerade wenn es um die Motive geht, können beim Zuschauer doch die ersten Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Geschehnisse aufkommen, zudem werden die Gesamtzusammenhänge des Ganzen äusserst frühzeitig erkennbar, so das dies den Spannungsbogen doch etwas beeinträchtigt.

Dennoch zähle ich mich persönlich zu den Leuten, denen "Horsemen" sehr gut gefallen hat, denn allein schion der biblische Hintergrund des Geschehens übt einen ganz speziellen Reiz aus. Dabei nimmt einen die von der ersten Minute an vorherrschende Grundstimmung in Beschlag, die herrlich düster in Szene gesetzt wurde und äusserst unheilvolle Züge erkennen lässt. Rein atmosphärisch gesehen gibt es hier also rein gar nichts zu bemängeln und das ist auch ein Grund dafür, das man eventuell über so manch andere offensichtliche Schwäche hinwegschauen kann, diese aber dennoch wenigstens erwähnen sollte. Neben der schon erwähnten Glaubwürdigkeit des Szenarios sind da insbesondere diverse Logiklöcher zu nennen, die einem doch in einigen Passagen förmlich anspringen, erscheien doch einige Dinge zu sehr an den Haaren herbeigezogen. Auch die Preisgabe der Identität der einzelnen Täter erfolgt zu einem recht frühen Zeitpunkt, wobei die identität des Anführers fast bis zum Ende im Dunkeln gehalten wird. Dennoch dürfte es keinerlei Schwierigkeit darstellen, diese Person spätestens ab der Mitte des Filmes zu erahnen, denn zu offensichtlich sind doch mehrere Hinweise die man zwischen den einzelnen Morden erhält. Lediglich Scheuklappen auf den Augen könnten verhindern, das sich bei einem selbst viel mehr als nur eine Ahnung festsetzt, um wen es sich bei dem Initiator und damit um die treibende Kraft in der hier gezeigten sehr mysteriösen Mordserie handelt.

Gerade bei dessen Identität kommt man wieder auf den Aspekt der Glaubwürdigkeit, denn auch wenn man einerseits ein gewisses Verständnis für seine seelische Verfassung aufbringen kann, so erscheinen die ausgeübten Taten von ihm und seinen Mittätern wenig nachvollziehbar und vollkommen überzogen, was zwangsläufig die Authenzität des gesamten Geschehens sehr stark in Frage stellt. Trotzdem kann man der Geschichte auf keinen Fall die von ihr ausgehende Faszination absprechen, die von der wirklich erstklassigen Atmosphäre noch zusätzlich stark hervorgehoben wird. Dabei ist es eigentlich vollkommen egal, das die Szenerie nur sehr selten einigermaßen glaubhaft erscheint und zudem noch in einigen Passagen eher unlogisch daherkommt, die düstere und bedrohliche Stimmung überträgt sich irgenwie auf einen selbst und hält sogar in der ein oder anderen Szene eine gewisse Schockwirkung bereit, die den Betrachter wie ein Keulenschlag trifft. Damit sind keineswegs extreme Gewaltdarstellungen gemeint, vielmehr sind es meiner Meinung nach einige Dialoge der Akteure, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen können. Womit wir auch schon bei den Schauspielern wären, die zwar keineswegs überragende leistungen abliefern, aber man bekommt es beispielsweise mit einem sehr routiniert und solide agierenden Dennis Quaid zu tun, der in der Rolle des ermittelnden Detectives absolut zu überzeugen weiss. Am meisten hat mich allerdings das Schauspiel von Ziyi Zhang beeindruckt, die auch eine nicht gerade unwesentliche Rolle bei den bizarren Morden spielt und eine erstaunliche Eiseskälte in ihr Schauspiel legt, die man ihr eigentlich nicht zugetraut hätte.

Insgesamt gesehen ist "Horsemen" sicherlich kein überragender Genre-Beitrag, jedoch ist der Film auf keinen Fall so schlecht, wie es viele Kritiken vermuten lassen könnten. Man sollte allerdings keinen Film erwarten, der durch Innovation oder brillante Neuerungen auffallen würde, denn das Meiste hat man in irgendeiner Form schon einmal gesehen. Die Vorhersehbarkeit der Ereignisse die ab einem ziemlich frühen Zeitpunkt ganz einfach vorhanden ist, kann man zwar als offensichtliches Manko ankreiden, sollte diesen Aspekt aber keinesfalls überbewerten. Denn auch, wenn der Verlauf der Geschichte nicht die wirklich großen Überraschungen und Wendungen beinhaltet, so bekommt man doch immer noch sehr spannende und interessante Thriller-Unterhaltung geboten, die vor allem durch den religiösen Hintergrund ihren ganz besonderen Reiz versprüht.


Fazit:


Die relativ kurze Laufzeit von noch nicht einmal 90 Minuten ist ganz bestimmt ein grund dafür, das "Horsemen" kaum Längen enthält, andererseits kann man dadurch allerdings auch die nicht richtig gut ausgearbeitete Thematik anprangern. Einige Minuten mehr hätten dem Film ganz sicher kaum geschadet und dem regisseur zudem die Möglichkeit geboten, die Gesamtzusammenhänge plausibler und nachvollziehbarer ausarbeiten zu können. So aber erscheint die Story doch streckenweise zu unausgegoren und einige Passagen wirken zu sehr an den Haaren herbeigezogen. Wer sich daran allerdings nicht sonderlich stört, wird mit einem immer noch interessanten und sehr atmosphärischen Filmerlebnis konfrontiert, das mir persönlich trotz der vorhandenen Defizite sehr gut gefallen hat.


6,5/10

Dienstag, 22. März 2011

Mädchen in den Krallen teuflischer Bestien









Mädchen in den Krallen teuflischer Bestien
(L'Ultimo Treno della Notte)
mit Flavio Bucci, Macha Meril, Gianfranco De Grassi, Enrico Maria Salemo, Marina Berti, Franco Fabrizi, Irene Miracle, Laura D'Angelo
Regie: Aldo Lado
Drehbuch: Roberto Infascelli / Renato Izzo
Kamera: Gabor Pogany
Musik: Ennio Morricone
Ungeprüft
Italien / 1975

Lisa und Margret, zwei Studentinnen aus Berlin, verreisen über die Weihnachtsferien mit dem Zug. Als die beiden in Innsbruck umsteigen, landen sie dummerweise im gleichen Abteil wie die Gangster Teppista und Curly und eine reiche Dame, mit der Teppista auf der Bordtoilette Sex gehabt hat. Die drei entpuppen sich als sadistische Unmenschen, die Lisa und Margret permanent belästigen und demütigen. Der Horror kulminiert im blutigen Tod Lisas, deren Leiche daraufhin durch's Fenster entsorgt wird. Margaret stirbt beim Sprung aus dem fahrenden Zug. Am Bahnhof von Verona warten derweil Lisas Eltern auf die Ankunft der Mädchen. Doch sie treffen nur zwei Männer in Begleitung einer Dame an, die Lisas Vater um ärztliche Behandlung bitten...


Schon allein aufgrund der Inhaltsangabe kann man unschwer starke Ähnlichkeiten zu Wes Craven's Rape and Revenge Klassikers "The last House on the Left" feststellen, der gerade einmal ein Jahr vor dieser italienischen Produktion erschienen ist. Und so stellt sich auch im Laufe der Geschichte heraus, das es sich hier praktisch um die italienische Antwort auf Craven's Werk handelt, das lediglich von den Schauplätzen her gesehen etwas anders gestaltet ist. Ansonsten ist die offensichtliche Ähnlichkeit der beiden Filme schon frappierend, so das sich dem Zuschauer auch äusserst gute Vergleichsmöglichkeiten offenbaren. Aldo Lado's Version der Geschichte punktet in erster Linie durch ihre erstklassige Atmosphäre, die sich nach eher beschaulichen ersten 30 Minuten zusehends verdichtet und dabei immer bedrohlichere Züge erkennen lässt. Dabei ist dies in der ersten halben Stunde noch gar nicht so sehr ersichtlich, dient diese Phase des Filmes doch eher dazu, dem Zuschauer die einzelnen Charaktere etwas näher zu bringen, die für den weiteren Verlauf der Ereignisse wichtig sind. Dabei handelt es sich um genau fünf Personen, denn neben Lisa, Margret und den beiden Ganoven Blackie und Curly gesellt sich auch noch die ominöse Lady aus dem Zug hinzu, die noch einen ziemlich großen Stellenwert in der Story einnehmen soll.

Zwar kann man schon in den ersten Minuten erahnen das sich etwas Unheilvolles zusammenbraut, so erlangt man doch erst nach gut 40 Minuten die Gewissheit darüber, das Lisa und Margret nicht unbeschadet aus der gegebenen Situation herausgehen werden, die sich erst so richtig zuspitzt, als die beiden Mädchen den Zug gewechselt haben. Denn auch die Ganoven und die Lady, die übrigens vorher schon mit Blackie Sex auf der Zug-Toilette hatte gesellen sich zu ihnen ins Abteil und nehmen von Beginn an das Heft des Handelns in die Hand. Sehr schnell geraten die beiden Mädchen dabei in eine bedrohliche Lage, wobei sie immer weiter gedemütigt-und zu sexuellen Handlungen gezwungen werden. Und hier kommt jetzt die Figur der unbekannten Lady ins Spiel, hat man die gute Frau bisher viel eher als optisch reizvolles Beiwerk angesehen, so nimmt sie auf einmal die Position der Anführerin ein. Erfolgen doch sämtliche Aktionen der Ganoven erst auf ihre Anweisungen hin, immer wieder stachelt sie die beiden Männer dazu an, immer heftigere Taten zu begehen, die dann letztendlich auch in einer Katastrophe enden. Die ausgelöste Gewaltspirale gerät vollkommen ausser Kontrolle und so ist es dann auch nicht weiter verwunderlich, das Lisa bei den extrem sadistischen Spielchen des Trios ihr Leben verliert.

Das Erschreckendste am gesamten Szenario ist hier noch nicht einmal das Verhalten der beiden Männer, denen man von Beginn an anmerkt, das sie sich überhaupt nicht um Gesetze scheren und das ihnen andere Menschen auch ziemlich egal sind. Es ist die Figur der unbekannten Frau, die dem Zuschauer phasenweise kalte Schauer über den Rücken jagt. Nachdem sie zuerst vielmehr wie eine Dame aus reichem Hause wirkt die sich lediglich auf ein kleines Sex-Abenteuer einlässt, so legt sie in der zweiten Filmhälfte eine Eiseskälte an den Tag, die einem das Blut in den Adern gefrieren lässt. Manipulative Fähigkeiten und ein extremer Hang zum Sadismus treten in den Vordergrund, was man ihr im ersten Moment überhaupt nicht zugetraut hätte. Das Verhalten von einer Frau gegenüber anderen Frauen hat schon eine fast schockierende Wirkung, würde man doch viel eher damit rechnen, das hier eine Art Solidarität entsteht. Die Tatsache, das hier das genaue Gegenteil eintritt verleiht dem Ganzen eine äusserst harte und brutale Note, die ihre Wirkung auf den Zuschauer keinesfalls verfehlt. Ganz generell erscheint die Geschichte äusserst hart, was sich zwar nicht unbedingt durch explizite Gewaltdarstellungen äussert, jedoch entfaltet sich im Kopf des Betrachters in immens hoher Härtegrad, denn die zumeist eher angedeuteten Greueltaten sind vollkommen ausreichend, um die eigene Fantasie anzuregen und sich die weiteren Ereignisse bildhaft und lebendig vorzustellen.

Für mich persönlich zählt "Mädchen in den Krallen teuflischer Bestien" zu den besten und intensivsten Vertretern des Rape and Revenge Filmes, wofür insbesondere die herausragende Atmosphäre der Geschichte verantwortlich zeichnet. Die Ereignisse im Zug lassen durch den Aspekt das sich alles auf engstem Raum abspielt eine ungeheure Intensität entstehen, der man sich auf keinen Fall entziehen kann. Dadurch überkommt einen immer wieder ein extrem beklemmendes Gefühl und ein fast bleierner Mantel der Hilflosigkeit legt sich über die eigenen Schultern, so das man sich einer Ohnmacht nahe fühlt. Aldo Lado hat es vortrefflich verstanden, auch ohne explizite Gewaltdarstellungen eine immense Härte zu erzeugen, die sich aus der Situation an sich ergibt. Hinzu kommen die erstklassigen Darsteller, die durch die authentische Darstellung der einzelnen Figuren ein sehr glaubhaftes Szenario präsentieren, das eine sehr nachhaltige Wirkung beim Zuschauer hinterlässt. Neben den Tätern zeichnet sich hier besonders der Vater der toten Lisa aus, dessen Verhalten zum Ende des Films gerade aus menschlicher Sicht absolut nachvollziehbar erscheint und auch sehr überzeugend in Szene gesetzt wurde, was für einen sehr stimmigen Schlußpunkt in einer Geschichte sorgt, die merklich unter die Haut geht und ihre Spuren hinterlässt.


Fazit:


Für mich persönlich handelt es sich bei "Mädchen in den Krallen teuflischer Bestien" um einen der besten Vertreter des Rape and Revenge Filmes, ob man das Werk von Aldo Lao auf eine Stufe mit Craven's "The last House on the Left" stellen kann, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Eines dürfte allerdings feststehen, im Bezug auf seine intensive Wirkung steht der Film dem Genre-Klassiker in nichts nach, so das man sich auf jeden Fall auf einen äusserst harten und sadistischen Film einstellen kann.


8,5/10

Montag, 21. März 2011

The New Daughter





The New Daughter
(The New Daughter)
mit Kevin Costner, Ivana Baquero, Samantha Mathis, Gattlin Griffith, Erik Palladino, Noah Taylor, James Gammon, Sandra Ellis Lafferty, Margarat Anne Florence, Christopher Harvey, Brynn Massey, Martin Thompson, Rob Bonz
Regie: Luis Berdejo
Drehbuch: John Travis / John Connolly
Kamera: Checco Varese
Musik: Javier Navarrete
FSK 16
USA / 2009

Der alleinerziehende Vater John James zieht nach einer schmerzvollen Scheidung mit seinen zwei Kindern auf eine abgelegene Farm aufs Land. Seine pubertierende Tochter Louisa kann sich mit der langweiligen Umgebung überhaupt nicht anfreunden, bis sie beim Spielen am Waldrand seltsam geformte Hügel entdeckt. Von da an benimmt sie sich immer seltsamer und macht sogar ihrem kleinen Bruder Sam Angst. Als John der Sache nachgeht, wird ihm schnell klar, dass sie nicht alleine auf dem Anwesen leben. Unter den Hügeln scheint irgendetwas Unheilvolles zu schlummern. Schon bald muss John erkennen, dass seine Tochter nicht mehr dieselbe ist und dass er alles tun muss, um seine Familie vor dem Tod zu retten.


Die Inhaltsangabe dieses Horror-Thrillers klingt ja wirklich ziemlich verheissungsvoll und weckt so auch durchaus einige Begehrlichkeiten beim Zuschauer, der sich von Beginn an auf ein sehr interessantes und gruseliges Szenario einstellt. Und größtenteils werden die aufkommenden Hoffnungen auch durchaus erfüllt, wobei man allerdings fairerweise anmerken sollte, das dieses Werk auch einige Längen beinhaltet, die den Sehgenuss doch etwas trüben. So gestaltet sich doch ganz besonders die Einführungsphase in die Geschehnisse etwas zäh und langatmig, dauert es doch eine gehörige Weile, bis sich so langsam der aufkommende Horror zu erkennen gibt. Dieser kommt eher langsam und schleichend daher und äusserst sich in den charakterlichen Veränderungen der jungen Louisa, die auf einmal merkwürdige Verhaltensweisen an den Tag legt, von denen sie einen Tag später anscheinend gar nichts mehr weiss. So entfaltet sich mit der Zeit eine immer düstere und unheilgeschwängerte Grundstimmung, die der Geschichte sehr gut zu Gesicht steht. Dennoch dauert es eine ganze Zeit, bis sich der aufkommende Horror so richtig entfalten kann und in einem wirklich gelungenen Finale ein tragisches Ende zur Folge hat.

Im Prinzip sind es ja gerade die Filme, in denen der Horror subtiler Natur ist, die eine große und sehr intensive Wirkung beim Zuschauer hinterlassen, doch leider verhindert "The New Daughter" diesen Aspekt viel zu lange. Die Begründung dafür ist eigentlich ziemlich schnell gefunden, hinterlässt das Geschehen doch zu lange den Eindruck, das man mit einem stinknormalen Erziehungs-Drama konfrontiert wird, bevor die Gründe für die Wesensveränderung der Tochter wirklich thematisiert werden. So bleibt das echte Grusel-Feeling doch lange Zeit auf der Strecke und tritt erst im letzten Drittel des Filmes verstärkt in den Vordergrund. Dadurch gerät fast schon zwangsläufig auch der Spannungsaufbau etwas ins stocken, was man sicherlich hätte vermeiden können. Damit wir uns nicht falsch verstehen, die Ereignisse beinhalten einen durchaus soliden Spannungsaufbau, der allerdings in einigen Passagen auch immer wieder kleinere Einbrüche verzeichnet, die dem Szenario einen besseren Gesamteindruck verweigern.

Im darstellerischen Bereich gibt es eigentlich nichts zu bemängeln, Kevin Costner agiert hier sehr routiniert und überzeugend, so das er den gesamten Film fast im Alleingang trägt. Er verkörpert den alleinerziehenden und besorgten Vater absolut authentisch, ohne das man dabei aber von einer herausragenden Leistung sprechen könnte. Mir persönlich ist allerdings die Figur von Louisa etwas zu kurz gekommen, denn ist sie doch im Prinzip die eigentliche Hauptperson in diesem Werk. Zwar kann Ivana Baquero (Pans Labyrinth) in der Rolle der Tochter durchaus überzeugen, doch sind ihre Anteile in der mysteriösen Geschichte doch etwas zu kurz gehalten. Ganz generell kann man aber von solidem Schauspiel sprechen, das vom hier versammelten Ensemble abgeliefert wird.

Der Höhepunkt des Ganzen ist dann sicherlich das letzte Drittel des Filmes, in dem es endlich so richtig gruselig und spannend zur Sache geht. Denn auch wenn hier nichts wirklich Überraschendes passiert, so ist das Finale doch sehr gut in Szene gesetzt worden und auch mit einem tragischen Anteil versehen, der die Sache insgesamt gesehen nachvollziehbar abrundet. Hätte Regisseur Luis Berdejo nur die gesamte Geschichte so spannend wie das Ende inszeniert, dann würden wir über einen absolut gelungenen Horror-Thriller sprechen, der zudem noch über einen angemessenen Wiedererkennungswert verfügen würde. In vorliegender Form allerdings handelt es sich lediglich um einen soliden Film, der keinerlei Überraschungsmomente beinhaltet und auch ansonsten nicht besonders innovativ daherkommt. Dennoch handelt es sich auf jeden Fall immer noch um einen sehenswerten Genre-Beitrag, bei dem man jedoch die Ansprüche nicht zu hoch ansetzen sollte, um keine Enttäuschung zu erleben.


Fazit:


Man kann es schnell auf einen Nenner bringen, "The New Daughter" ist ein in allen Belangen recht solider Film, der größtenteils kurzweilige und atmosphärische Filmkost anbietet. Große Wendungen und Überraschungen sollte man nicht erwarten, dafür wird man mit einem gut agierenden Kevin Costner belohnt, der die Geschichte im Alleingang trägt. Trotz der Vorhersehbarkeit der Ereignisse und dem äusserst spät aufkommendem Horror kann man den Film durchaus empfehlen, denn es gibt doch genügend ähnlich gelagerte Vertreter, die weitaus schlechter geraten sind.


6/10

Samstag, 19. März 2011

Frozen - Eiskalter Abgrund





Frozen - Eiskalter Abgrund
(Frozen)
mit Emma Bell, Shawn Ashmore, Kevin Zegers, Ed Ackerman, Rileah Vanderbilt, Kane Hodder, Adam Johnson, Chris York, Peder Melhuse
Regie: Adam Green
Drehbuch: Adam Green
Kamera: Will Barratt
Musik: Andy Garfield
FSK 16
USA / 2010

Ein spaßiger Ausflug auf die Piste, entwickelt sich für drei Studenten zum Alptraum ihres Lebens, als sie vor der letzten Abfahrt im Skilift stecken bleiben Als die Pistenpatrouille die Nachtbeleuchtung abschaltet, erkennen Dan, Joe und Parker mit zunehmender Panik, dass man sie im Skilift weit über dem Erdboden hängend vergessen hat. Ohne Aussicht auf Rettung ist das Trio fest entschlossen, verzweifelte Maßnahmen zu ergreifen, um dem eisigen Tod zu entkommen. Doch bald müssen die Drei feststellen, dass sie weitaus mehr zu fürchten haben als nur den eisigen Tod. Im Kampf ums Überleben müssen sie sich fortan der Frage stellen, ob ihr Überlebenswille stark genug ist, um einem grausamen Tod zu entkommen...


Ich liebe diese Filme, in denen eigentlich ohne großen Aufwand mit ziemlich minimalistischen Mitteln eine maximale Wirkung erzielt wird. Regisseur Adam Green (Hatchet, Hatchet 2) hat hier sehr eindrucksvoll unter Beweis gestellt das es nicht immer ein hoher Härtegrad sein muss, der den Zuschauer das Fürchten lehrt, denn manchmal reicht es vollkommen aus eine realistisch anmutende Situation in Szene spannend und atmosphärisch in Szene zu setzen, um eine starke Verbindung zwischen dem Szenario und dem Betrachter herzustellen. "Frozen - Eiskalter Abgrund" ist genau so ein Film, der weder durch eine temporeiche Erzählweise, noch durch actiongeladene Passagen ins Auge fällt, sondern seine Spannung aus der Situation an sich bezieht, in der sich die drei Hauptfiguren der Geschichte befinden. Dabei startet der Film eigentlich eher ziemlich beschwingt und entführt einen in ein Ski-Paradies, in dem die drei Studenten ein nettes Wochenende verbringen wollen. Nichts ist zu spüren von dem Grauen das sich im Laufe der Zeit entfalten soll, vielmehr wird in den ersten gut 30 Minuten eine ausreichende Charakterzeichnung der Protagonisten geboten und einige Meinungsverschiedenheiten und Eifersüchtelleien untereinander treten in den Vordergrund. Für viele Leute mag diese Einführung in die Geschichte vielleicht etwas zäh oder langatmig erscheinen, doch meiner Meinung nach wollte Adam Green den Zuschauer hier ganz bewust etwas in Sicherheit wiegen, damit der später einsetzende Horror viel intensiver auf ihn einwirken kann. Dieser beabsichtigte Effekt tritt dann auch ziemlich schnell ein, als sich die zu Beginn noch ausgelassene und fröhliche Stimmung innerhalb kürzester Zeit in ein äusserst beklemmendes Szenario verwandelt, das auch dem Zuschauer sichtlich an die Nieren geht.

Im Skilift vergessen befinden sich die drei Studenten auf einmal in einer Lage, die innerhalb weniger Minuten den blanken Horror aufkommen lässt, befindet man sich doch weit über dem Erdboden und die Aussicht auf Hilfe scheint hoffnungslos, da das Skigebiet erst am kommenden Wochenende wieder die Pforten öffnet. Ist zu Beginn noch durchaus die Hoffnung vertreten, das irgendwer zur Hilfe kommen wird, so ändert sich dieses Gefühl doch sehr schnell, Hilflosigkeit, Verzweiflung und die blanke Angst überkommt die drei Freunde, die sich immer mehr der Hoffnungslosigkeit ihrer lage bewust werden. Die Übergänge in die verschiedenen Gefühlslagen der Protagonisten werden dabei von den Darstellern erstklassig dargestellt, so das ein hohes Maß an Authenzität und Glaubwürdigkeit entsteht. Unweigerlich stellt man sich dabei selbst die Frage, wie man in dieser Situation reagieren würde, die sich mit der Zeit immer mehr zuspitzt und dabei auch den enormen psychischen Druck zum Ausdruck bringt, unter dem die Protagonisten stehen. Unweigerlich versetzt man sich in die Lage der Freunde und kann die bedrohliche und sehr düstere Atmosphäre fast körperlich spüren, die sich immer mehr entfalten kann und dabei äusserst intensiv auf einen einwirkt. Mittlerweile geht es um das nackte Überleben, denn ständige Wetterkapriolen und das Auftauchen mehrerer Wölfe verwandeln das Ski-Paradies auf einmal in eine wahre Winter-Hölle, aus der es anscheinend kein Entkommen gibt.

Um die Spannung nicht zu beeinträchtigen, sollte man an dieser Stelle nichts von den Taten berichten, die das Trio zur eigenen Rettung unternimmt, jedoch kann man sich wohl sehr gut vorstellen, das es einige verzweifelte Rettungsversuche geben wird, die sicherlich nicht alle von Erfolg gekrönt sind. Es ist allerdings äusserst gut nachvollziehbar, was hier alles versucht wird, um sich aus der misslichen Lage zu befreien, in der man sich befindet. Adam Green hat bewust darauf verzichtet, an dieser Stelle in blinden Aktionismus zu verfallen, vielmehr hat er ein nachvollziehbares Geschehen in Szene gesetzt, in das sich der Betrachter sehr gut hineinversetzen kann. Gerade daraus bezieht "Frozen - Eiskalter Abgrund" seine ganz große Stärke, denn obwohl eigentlich gar nicht soviel passiert, geht von den Ereignissen eine fast schon erschreckend realistische Wirkung aus, die einen in ein wahres Wechselbad der Gefühle versetzt und einem so manch kalten Schauer über den Rücken jagt. Wenn man es genau nimmt, entsteht hier sogar der Eindruck eines Kammerspiels in freier Wildnis, das trotz der herrlichen Landschaft und den imposanten Bildern eine fast schon klaustrophobische Wirkung entfaltet, der man sich beim besten Willen nicht entziehen kann und die sich wie eine zentnerschwere Last auf die eigenen Schultern legt.

Dieser Film ist ein wirkliches Paradebeispiel dafür, das man wirklich mit den einfachsten Mitteln ein extrem intensives Thriller/Drama erschaffen kann, das nicht durch enormes Tempo oder jede Menge Action auffällt, sondern durch die gegebene Situation einen extrem straffen Spannungsbogen erzeugt, der einem die Haare zu Berge stehen lässt. Hinzu kommt selbstverständlich die aus der Situation entstehende Atmosphäre, die kaum besser hätte sein können. Düster und äusserst bedrohlich wird die Lage des Trios dargestellt und man ertappt sich selbst oft genug bei dem Gedanken, das man auch in dem Skilift sitzt und nicht weiss, wie man aus dieser hoffnungslosen Lage herauskommt. Die dabei entstehenden gefühle kann man kaum in Worte fassen, zu sehr ist man der Faszination dieses Filmes erlegen, von dessen Sichtung man sich auch erst einmal wirklich erholen muss, denn das dargestellte Geschehen nimmt einen doch ganz schön mit und hinterlässt auch eine sehr nachhaltige Wirkung, die man nicht so schnell wieder abschütteln kann.


Fazit:


Ein Kammerspiel in freier Wildnis, das zudem noch größtenteils in luftigen Höhen stattfindet, so könnte man diesen Film durchaus beschreiben. Keinerlei blinder Aktionismus und kaum visuelle Härte, dafür allerdings eine Situation die kaum bedrohlicher sein könnte, so hat Adam Green seine Geschichte gestaltet, die dadurch eine enorm intensive und glaubhafte Wirkung auf den Betrachter ausübt, der sich der Faszination der Ereignisse einfach nicht entziehen kann. Im Vordergrund steht der psychische Druck, unter dem die drei Hauptakteure stehen. Eine schier hoffnungslose Situation, die den wahren Überlebenswillen des Trios herausfordert und die Menschen über sich hinauswachsen lässt wird hier erstklassig dargestellt und verkommt keineswegs zu einem kitschigen Helden-Epos, wie man eventuell vermuten könnte. Wer kleine, aber sehr feine Thriller/Dramen zu schätzen weiss, die zudem noch äusserst glaubwürdig erscheinen, der kommt an diesem fantastischen Film ganz einfach nicht vorbei, für den man nur eine unbedingte und uneingeschränkte Empfehlung aussprechen kann.


9/10

Donnerstag, 17. März 2011

Robin Hood (2010)





Robin Hood
(Robin Hood)
mit Russell Crowe, Cate Blanchett, Max von Sydow, William Hurt, Mark Strong, Oscar Isaac, Danny Huston, Eileen Atkins, Mark Addy, Matthew Macfadyen, Kevin Durand, Scott Grimes, Alan Doyle, Douglas Hodge, Lea Seydoux
Regie: Ridley Scott
Drehbuch: Brian Helgeland
Kamera: John Mathieson
Musik: Marc Streitenfeld
FSK 12
Großbritannien / USA / 2010

Robin, ein heldenhafter Krieger, wird zum Gesetzlosen, als er sich mit einer Gruppe mutiger Kämpfer gegen einen schwachen und korrupten englischen König und dessen Willkürherrschaft auflehnt. Als sich der rebellische Held in die temperamentvolle Lady Marion verliebt, muss er zunächst ihr Dorf retten und sich dann mutig dem Ansturm drohender Gefahren stellen, um ihr Herz zu gewinnen. Als Helden wider Willen folgen Robin und seine Männer dem Ruf des Abenteuers, ziehen schließlich in die Schlacht - für die Ehre der Heimat - und werden dabei zu Legenden.


Wenn das Erfoldsduo Ridley Scott (Regie) und Russell Crowe (Darsteller) wieder einmal in einem Film vereint sind, dann denkt man als Zuschauer wohl in erster Linie an das Meisterwerk "Gladiator" und hegt dabei die Hoffnung, das mit dieser neuen Robin Hood-Version ein ähnliches monumentales Meisterwerk auf einen zukommt. Doch diese Hoffnungen sollte man ziemlich schnell wieder verwerfen, da vorliegendes Werk noch nicht einmal ansatzweise an die Klasse des mit 5 Oscars ausgezeichneten "Gladiator" herankommt. Es handelt es sich insgesamt um einen auf jeden Fall sehenswerten Film, bei dem insbesondere der Aspekt sehr wohlwollend auffällt, das man hier andere Wege gegangen ist und nicht zum wiederholten Mal die immer gleiche Geschichte präsentiert. Vielmehr erzählt Scott die fiktive Story, wie es überhaupt dazu gekommen ist das Robin Hood zu der Legende wurde, als die er in unzähligen Verfilmungen immer wieder dargestellt wird. So sorgt die Story-Line also durchaus für jede Menge Interesse beim Zuschauer und das Geschehen wird auch größtenteils recht spannend erzählt, doch fehlt es dem Szenario doch an einigen wichtigen Dingen.

Am negativsten fällt dabei die Darstellung der meisten Charaktere ins Auge, denn bis auf die Figuren von Robin und Marian werden alle eher sehr oberflächlich gezeichnet, so das insbesondere ansonsten immer sehr wichtige Charaktere in den Verfilmungen über Robin Hood zu absoluten Statisten degradiert werden. Bruder Tuck, Will Scarlett, Little John oder auch der Sherriff von Nottingham wirken zwar auch in vorliegendem Film mit, jedoch haben diese Personen im Prinzip überhaupt keinen richtigen Stellenwert und vegetieren viel eher im Hintergrund vor sich hin. Sicher, es handelt sich hier um die Vorgeschichte, jedoch hätte man angesprochenen Charakteren durchaus etwas mehr Gewicht und sichtbare Präsenz verleihen können, denn das hätte den Ereignissen ganz sicher nicht geschadet. So aber ist die Figur des Robin fast schon omnipräsent und lässt den Begriff oberflächliche Charakterzeichnung für die anderen Figuren schon fast als maßlose Übertreibung erscheinen. Crowe kann zwar in der Rolle des Robin Hood absolut überzeugen und auch Cate Blanchett liefert als Marian eine sehenswerte Leistung ab, jedoch sind beide schon so allgegenwärtig, das für andere überhaupt kein Spielraum bleibt.

Auch actionmäßig ist man von Ridley Scott schon ganz andere Dimensionen gewöhnt, als wie sie sich dem Betrachter in vorliegendem Film präsentieren. Lediglich zum Anfang und zum Ende der Geschichte bekommt man absolut sehenswerte und gut umgesetzte Schlachten und Nahkämpfe geboten, jedoch ist der gesamte Mittelteil dieses Werkes äosserst actionarm gestaltet, was bei einer Lauflänge von gut zweieinhalb Stunden schon für so einige eher zähflüssige Passagen sorgen kann. Damit wir uns nicht falsch verstehen, der Film ist keinesfalls langweilig, hätte aber die ein oder andere Action-Szene mehr durchaus gut vertragen können und so das gewonnene Gesamtbild etwas kurzweiliger gestaltet. Der Director's Cut weist so nämlich leider mehrere Passagen auf, die doch etwas künstlich in die Länge gezogen erscheinen und eventuell sogar dezente Ermüdungserscheinungen beim Zuschauer auslösen könnten. Man sollte das Werk aber auch nicht schlechter machen als es in Wirklichkeit ist, denn insgesamt gesehen bekommt man eine ziemlich Interessante Neu-Variante geboten, die in großen Teilen interessante und auch spannende Unterhaltung bietet, jedoch können eventuell vorhandene höhere Ansprüche nicht ganz erfüllt werden.

Letztendlich hat Ridley Scott mit "Robin Hood" eine durchaus sehenswerte, aber keinesfalls herausragende Version der Thematik kreiert, in der ein überzeugender Russell Crowe als Highlight angesehen werden dürfte. Ansonsten präsentiert sich das Geschehen allerdings für Scott-Verhältnisse etwas zu "normal", vor allem wenn man dabei Werke wie "Königreich der Himmel" oder "Gladiator" zum Vergleich heranzieht. Mit Ausnahme der beiden Haupt-Charaktere ist es insbesondere die Darstellung der anderen Figuren, die man als die größte Schwäche der Geschichte ausmachen kann. Es ist einfach schade, das kein anderer der etlichen Charaktere über den Rang eines notwendigen Statisten hinauskommt und so jede einzelne Rolle in der Geschichte seltsam verkümmert erscheint. An dieser Stelle hätte man dem Betrachter wenigstens bei einigen Personen einen tieferen Einblick gewähren müssen, kann man doch in vorliegender Form des Filmes zu kaum einem Mitwirkenden eine Art Verbindung herstellen. Zu sehr liegt der gesamte Focus des Geschehens auf einer einzelnen Person (Robin Hood), was dem Plot insgesamt gesehen nicht besonders gut tut. Jedoch hat man es immer noch mit einem sehenswerten Film zu tun, an den man allerdings mit etwas niedrigeren Erwartungen herangehen sollte, um letztendlich keine zu herbe Enttäuschung zu erleben.


Fazit:


Sollte man die Hoffnung hegen einen ähnlich genialen Film wie "Gladiator" zu erleben, dann dürfte die Enttäuschung nach der Sichtung von "Robin Hood" doch ziemlich stark sein. Zwar handelt es sich durchaus um einen guten Film, dem es allerdings etwas an wirklichen Höhepunkten mangelt. Schwache Charakter-Zeichnungen und einige zähflüssige Passagen trüben das Sehvergnügen sichtbar und lassen sogar teilweise Ermüdungserscheinungen auftreten, die man ganz sicher hätte vermeiden können. Aber allein schon aufgrund dessen, das es sich hier um die Vorgeschichte des Robin Hood handelt, sollte man dem Werk eine Chance geben und sich sein eigenes Urteil bilden.


6,5/10

Dienstag, 15. März 2011

Heartless





Heartless
(Heartless)
mit Jim Sturgess, Clemence Poesy, Noel Clarke, Luke Treadaway, Justin Salinger, Fraser Ayres, Ruth Sheen, David Florez, Nikita Mistry, Timothy Spall, Connie Hyde, Nadia Theaker, David Sibley, Imogen Church, Joseph Mawle
Regie: Philip Ridley
Drehbuch: Philip Ridley
Kamera: Matt Gray
Musik: David Julyan
Keine Jugendfreigabe
Großbritannien / 2009

Die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, streift der schüchterne Jamie mit seiner Kamera bewaffnet durch die heruntergekommenen Straßen des Londoner East Ends. Er führt ein Außenseiterdasein, denn sein Gesicht ist durch ein riesiges herzförmiges Muttermal entstellt. Auf einem seiner nächtlichen Streifzüge beobachtet Jamie einen bestialischen Mord - verübt von einer Gang, deren Mitglieder ihre Gesichter hinter dämonischen Masken verbergen. Doch Jamie lässt sich nicht täuschen; er kennt ihr Geheimnis: Diese Dämonen sind echt! Als seine Mutter einem ihrer Anschläge zum Opfer fällt, nimmt Jamies Leben eine dramatische Wendung: Gezeichnet von Trauer und Depressionen, trifft er auf den teuflischen Papa B, welcher ihm die Erlösung in Aussicht stellt. Dafür muss Jamie einen Pakt eingehen, der ihn geradewegs in den "Vorhof der Hölle" führt ...


Es gibt sie also doch noch, die wenigen innovativen Horrorfilme, die dem Zuschauer eine äusserst interessante Geschichte präsentieren, in der anscheinend nichts so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Volle 15 Jahre hat es gedauert bis Regisseur Philip Ridley wieder einmal ein Regiewerk abgeliefert hat und man kann diesen neuen Film ganz einfach nur als aussergewöhnlich gut bezeichnen. Es ist in erster Linie die hier gefundene Mischung die "Heartless" zu einem ganz besonderen Filmerlebnis macht, denn erscheint die Story doch in den ersten gut 30 Minuten noch wie ein eher sozialkritisches Drama mit ganz dezenten Ankeihen beim Horror-Genre, so nimmt der Plot danach eine Wendung die in eine vollkommen andere Richtung abzielt und sogar diverse Fantasy-Einflüsse erkennen lässt, die dem geschehen extrem gut zu Gesicht stehen und eine äusserst starke Faszination absondern, die sich ganz unweigerlich auf den Betrachter überträgt. Dabei ist ein Deal mit dem Leibhaftigen sicherlich keine revolutionäre Neuerung innerhalb des Genres, gibt es doch genügend Filme, die sich schon einmal einer solchen Thematik gewidmet haben, jedoch ist es die Inszenierung des Ganzen und die ständigen überraschenden Wendungen, die diesem Horror-Drama das gewisse Extra verleihen.

Nun ist es allerdings auch gar nicht so leicht, die Faszination dieser Geschichte und die Wirkung auf den Betrachter zu beschreiben, ohne zuviel vom Inhalt zu verraten. Man sollte sich schon selbst einen Eindruck von den Geschehnissen machen, die ganzzeitig von einer sehr düsteren Grundstimmung begleitet werden, die sich mit zunehmender Spielzeit immer mehr verdichtet und so für ein erstklassiges Horror-Feeling sorgt. Vor allem die Verbindung der verschiedenen Genres ist hier so hervorragend gelungen, so das man auf der einen Seite ein Aussenseiter-Drama geboten bekommt, das phasenweise sehr sozialkritische Elemente bearbeitet, andererseits beinhalten die letzten beiden Drittel der Geschichte immer mehr Horror-und Fantasy Elemente, so das streckenweise auch die Grenzen zwischen Realität und Fiktion ineienander verschwimmen, was dem Film insgesamt gesehen auch ein hohes Maß an Intensität verleiht. Hinzu kommen die ständigen Wendungen, die der ganzen Story immer wieder Überraschungsmomente verleihen. Hier stellt auch das Ende des Ganzen keine Ausnahme dar, ist man nämlich im letzten Drittel eher der Meinung, das es ziemlich vorhersehbar erscheint, so ist es Philip Ridley noch einmal gelungen, den Zuschauer am schluß zu überraschen.

Neben einem dramaturgisch sehr gelungenem Spannungsbogen und einer herrlich düsteren Atmosphäre ist ganz sicher der brillant agierende Jim Sturgess in der Rolle des Aussenseiters Jamie die ganz große Stärke dieses aussergewöhnlichen Filmes, trägt er doch durch sein herausragendes Schauspiel den kompletten Film fast allein. Denn obwohl auch der Rest des Darsteller-Ensembles überdurchschnittlich gute Leistungen darbietet, nehmen doch sämtliche Charaktere eher ein Schattendasein ein und werden von Sturgess förmlich an die Wand gespielt, der ganz einfach omnipräsent erscheint und dem Szenario so seinen ganz persönlichen Stempel aufdrückt. Nun sind also im Prinzip die ganzen Stärken von "Heartless" aufgezählt und man könnte sich nun den negativen Dingen widmen, doch wenn man ganz ehrlich ist, gibt es hier wirklich nichts zu bemängeln. Die einzelnen Komponenten gehen perfefekt ineinander über und präsentieren letztendlich ein Gesamtpaket, zu dem man Philip Ridley nur grtulieren kann. Fairerweise sollte man allerdings anmerken, das dieses Werk ganz bestimmt nicht jeden Geschmack treffen wird, denn es wäre ja schon vermessen anzunehmen, das jeder Zuschauer die gleiche Faszination verspürt, so wie es bei mir persönlich der Fall ist. Wer jedoch einen aussergewöhnlichen Genre-Mix zu schätzen weiss, der wird an diesem fantastischen Film einfach nicht vorbeikommen, der viel an Innovation und Überraschungen beinhaltet und der phasenweise die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen lässt.

Philip Ridley hat mit "Heartless" ein faszinierendes Horror-Drama geschaffen, das vor allem in den ersten Minuten noch gar nicht als solches zu erkennen ist. Erst im Laufe der Zeit nimmt das Geschehen immer mehr an Bedrohlichkeit zu, was gleichzeitig für ein äusserst angespanntes Sehverhalten beim Zuschauer sorgt. Immer wieder auftretende Wendungen und Überraschungen halten die Spannungskurve ganzzeitig hoch und bieten keinerlei Platz für etwaige langatmige Passagen. Zudem ist die Geschichte mit einem brillant aufspielenden Jim Sturgess in der Hauptrolle absolut perfekt besetzt und bietet so in allen Belangen ein Filmvergnügen, das nahe an der Perfektion angesiedelt ist und zudem einen äusserst nachhaltigen Eindruck hinterlässt, denn diesen Film wird man nicht so schnell wieder vergessen und wird ihn sich zudem sicherlich nicht das letzte Mal angeschaut haben.


Fazit:


Fernab vom ansonsten handelsüblichen Horror-Brei, den man in den letzten Jahren größtenteils vorgesetzt bekommt, stellt "Heartless" eine sehr erfrischende und wohlwollende Abwechslung dar. Nicht die ständig wiederkehrenden Slasher-Varianten, kein längst ermüdender Backwood-Horror und auch keine sinnbefreite Schlachteplatte, sondern ein äusserst innovativer und überraschender Genre-Mix wartet hier auf den Genre-Fan, der sich prinzipiell an dieser ausnehmend guten Story erfreuen dürfte, die trotz einiger härterer Szenen ohne explizite Gewaltdarstellungen auskommt und dennoch jederzeit erstklassige und abwechslungsreiche Horror-Kost bietet, von der man sich ruhig mehr wünschen kann.



9,5/10

Sonntag, 13. März 2011

Midnight Express - 12 Uhr nachts





Midnight Express - 12 Uhr nachts
(Midnight Express)
mit Brad Davis, Irene Miracle, Bo Hopkins, Paolo Bonacelli, Paul L. Smith, Randy Quaid, Norbert Weisser, John Hurt, Mike Kellin, Franco Diogene, Michael Ensign, Gigi Ballista, Kevork Malikyan, Peter Jeffrey, Joe Zammit Cordina
Regie: Alan Parker
Drehbuch: Billy Hayes / William Hoffer
Kamera: Michael Seresin
Musik: Giorgio Moroder
FSK 16
Großbritannien / USA / 1978

Der junge Amerikaner William Hayes wird nach dem Versuch, ein paar hundert Gramm Haschisch aus Istanbul zu schmuggeln, in einem fragwürdigen Strafverfahren zu dreißig Jahren Gefängnis verurteilt. Hinter türkischen Gardinen erwartet den bis dato behüteten Studenten eine Hölle aus Korruption und unkontrollierter Gewalt, in der die miserablen hygienischen Bedingungen noch den angenehmsten Nachteil darstellen. Erst nach fünf Jahren und zahlreichen abgelehnten Revisionen gelingt ihm mehr durch Zufall als durch Planung die Flucht.


Es ist wohl keineswegs übertrieben, wenn man diesen auf einer wahren Begebenheit beruhenden Film zu den Klassikern der Filmgeschichte zählt, bekommt der Zuschauer doch ein mitreissendes und unter die Haut gehendes Drama geboten, das insbesondere durch seine authentisch erscheinende Umsetzung einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Die aufwühlende Geschichte des William Hayes, der sich durch Haschisch-Schmuggel lediglich einige Dollar verschaffen wollte, dabei allerdings nicht mit der Härte der türkischen Gerichte gerechnet hat, zeichnet ein Schreckensszenario das an Intensität schwerlich zu überbieten ist. Diese Intensität zeichnet sich aber nicht unbedingt durch einen künstlich aufgepuschten Härtegrad aus der durch explizite Gewaltdarstellungen Angst und Schrecken verbreitet, sondern vielmehr durch die in einem türkischen Gefängnis vorrherschende Lebenssituation, in der sich die Gefangenen befinden. Dabei spottet der Begriff Lebenssituation eigentlich jeder Beschreibung, handelt es sich doch viel eher um vollkommen menschenunwürdige Verhältnisse, die man mit eigenen Augen gesehen haben muss, da man es ansonsten kaum glauben würde.

Regisseur Alan Parker vermittelt dabei einen äusserst glaubhaften Eindruck, wie es in einem osmanischen Kerker in den 70er Jahren ausgesehen haben muss und dieser Eindruck ist absolut schockierend, so das beim Betrachter ein starkes Gefühl der Ungläubigkeit ausgelöst wird. Man kann sich wirklich kaum vorstellen, das Menschen hier praktisch wie Vieh gehalten werden und dabei hygienischen Verhältnissen ausgesetzt sind, bei deren Anblick einem wirklich ganz anders wird. Vollkommen verdreckte Sammelräume für die Gefangenen, in denen man in verlausten Schlafplätzen vielmehr vor sich hin vegetiert, als das man zu einem geruhsamen Schlaf kommen könnte und sanitäre Anlagen, die im Prinzip gar keine sind. Das sind die Lebensumstände der Inhaftierten, die zudem auch immer wieder mit der Härte und Brutalität der Aufsichtspersonen konfrontiert werden, bei denen sich in erster Linie der Oberaufseher als Sadist herauskristallisiert, dem es eine riesige Freude bereitet, die Insassen körperlich zu züchtigen. Eine Spezialität des Hauses scheint dabei das Schlagen auf die nackten Fußsohlen der Menschen zu sein, bis die Füße in bedrohlicher Art und Weise anschwellen. Diese Folter-Methode wird auch öfter im Bild gezeigt und allein bei den Schmerzensschreien der Betroffenen zuckt man ganz unwillkürlich zusammen.

Auch Billy muss diese Prozedur gleich zu Beginn seiner Inhaftierung über sich ergehen lassen, kann sich aber im Laufe der Zeit sogar mit den unglaublichen Zuständen im Gefängnis arrangieren, hat er doch das Ziel vor Augen, das er nach 50 Monaten Haft entlassen werden soll. So beteiligt er sich auch an keinerlei Fluchtversuchen, sondern versucht vielmehr durch gute Führung positiv aufzufallen, um eventuell sogar früher die Freiheit zurückzubekommen. So klammert er sich an jeden Strohhalm und lässt sich auch nicht durch die größten Demütigungen aus der Spur bringen, bis letztendlich 53 Tage vor seiner Entlassung jegliche Hoffnung zerstört wird. Da die türkische Regierung ein Exempel statuieren will, wird seine Strafe in einen 30-jährigen Gefängnisaufenthalt umgewandelt, was den jungen Mann innerlich kurzzeitig vollkommen zerbrechen lässt. Gerade in dieser Phase der Geschichte kommt das herausragende Schauspiel von Brad Davis besonders gut zum Vorschein, der insbesondere durch seine brillante Mimik einen mehr als authentischen Eindruck über einen seelisch gebrochenen Mann vermittelt, der kurzzeitig jegliche Hoffnung verliert, jemals wieder in Freiheit zu gelangen. Ganz generell sollte man anmerken, das "Midnight Express" bis in die kleinste Nebenrollen absolut perfekt besetzt ist, was sicherlich der erste Grund sein dürfte, das die Geschichte eine so ungeheure Intensität entwickeln kann die den Zuschauer wie eine zweite Haut einhüllt und ihn die Ereignisse fast körperlich spüren lässt.

Man kann es kaum für möglich halten, das die Ereignisse für Billy letztendlich doch noch eine glückliche Wendung nehmen, wobei ihm allerdings auch Gevatter Zufall in die Karten spielt. Denn nachdem sich der junge Mann von seinem seelischen Zusammenbruch wieder etwas erholt hat, erwacht gleichzeitig der Kampfeswille in ihm und er setzt alles auf eine Karte. Es gibt nur noch die Entscheidung zwischen Freiheit und Tod, denn Billy weiss ganz genau, das er die zusätzlichen Jahre in Haft weder physich noch psychisch aushalten kann. Als Zuschauer fiebert man wirklich die ganze Zeit über mit dem Haupt-Charakter mit, der trotz seiner Straftat unglaublich symphatisch erscheint und sein handeln auch wirklich bereut. Doch selbt wenn dem nicht so wäre, wünscht man doch selbst seinem schlimmsten Feind keine Gefängnisstrafe unter den hier dargestellten Verhältnissen, die wirklich jeder Beschreibung spotten und zusätzliche eine unglaublich starke Wut beim Zuschauer auslösen, da hier sämtliche Menschenrechte vollkommen ausser Kraft gesetzt werden. Es scheint keinerlei Kontrollorgane zu geben, die sich einen Überblick über die vorherrschende Situation machen und auch die Aufsichtspersonen können ihrer puren Willkür frönen, gibt es doch keinerlei Personen, die sie einmal in ihre Schranken weisen.

Man hat ganz sicher schon eine Menge über Verhältnisse und Lebensbedingungen in türkischen Gefängnissen gehört, doch das hier dargestellte Szenario übertrifft doch alles, was man sich in seinen kühnsten Träumen ausgemalt hat. Dennoch zweifelt man in keiner Phase an der Glaubwürdigkeit der Bilder, die einen mit einer unglaublichen Schockwirkung treffen, die gleichzeitig ein stark verstörendes Gefühl freisetzt, das sich unauslöschbar im Kopf des Zuschauers einbrennt. Alan Parker hat hier wirklich alles richtig gemacht und mit "Midnight Express" einen extrem kraftvollen Film geschaffen, den man nicht so schnell vergisst und der auch nach mittlerweile über dreissig Jahren überhaupt nichts von seiner Faszination und seiner schockierenden Wirkung verloren hat. In meinen Augen handelt es sich um ein wahres filmisches Meisterwerk, wie man es wahrlich nicht jeden Tag zu Gesicht bekommt.



Fazit:


Dieses eindrucksvolle Werk hat die Bezeichnung Drama nun wirklich verdient und verspruht dabei eine fast schon erschreckende Authenzität der Ereignisse, das man phasenweise den Eindruck bekommt, sich in einer extrem brutalen Reportage über das Leben in einem türkischen Gefängnis zu befinden. Nur selten überkommt einen dabei das Gefühl, es lediglich mit einem Spielfilm zu tun zu haben, zu realistisch und grausam erscheinen die kraftvollen Bilder, die einen mit der Wucht eines Keulenschlages mitten in die Eingeweide treffen. Ein brillantes Darsteller-Ensemble und eine unglaublich verstörende Atmosphäre machen dieses Meisterwerk zu einem ganz besonderen Filmerlebnis, von dem man sich nach seiner Ansicht erst einmal wieder erholen muss.





10/10

Donnerstag, 10. März 2011

Küss mich, Zombie









Küss mich, Zombie
(Make-Out with Violence)
mit Eric Lehning, Cody DeVos, Leah High, Brett Miller, Tia Shearer, Jordan Lehning, Josh Duensing, Shellie Marie Shartzer, Amanda Bailey, David Carney, Jack Doyle, Kevin Doyle, Patricia Doyle, Zach Duensing, Steve Duensing
Regie: Deagol Brothers
Drehbuch: Cody DeVos / Deagol Brothers
Kamera: David Bousquet / Kevin Doyle / James King
Musik: Jordan Lehning
FSK 16
USA / 2008

Die Brüder Patrick und Carol verlieben sich auf der High School beide in die hübsche Wendy. Als diese eines Tages verschwindet machen sie sich verzweifelt auf die Suche nach ihr. Ihre schlimmsten Befürchtungen werden wahr, als sie die Leiche von Wendy in einem abgelegenen Waldstück finden. Doch Wendy ist nicht ganz tot, sondern erwacht wieder als lebender Leichnam - mit einem großen Hunger nach frischem Fleisch! Schwer geschockt, aber noch schwerer verliebt, verstecken Patrick und Carol ihre große Liebe in einem abgelegenen Haus, in der Hoffnung sie wieder ins Leben zurück zu holen. Aber in einen Zombie verliebt zu sein, hat so seine Tücken...


"Der Festival-Tophit 2009!"



Diese Schlagzeile auf der Rückseite des DVD-Covers kann schon einige Erwartungen und Hoffnungen beim Zuschauer auslösen, zudem sollte ja ein Film der sich selbst als Romantic Zombie-Komödie deklariert für genügend kurzweilige Unterhaltung sorgen. So geht man also voller Vorfreude an dieses Regie-Debut der Deagol Brothers heran und muss schon nach einer verhältnismäßig kurzen Zeitspanne enttäuscht feststellen, das sich die in diese Geschichte gesetzten Erwartungen wohl nicht erfüllen werden. Zuerst einmal sollte man dabei festhalten, das hier von komödiantischen Einlagen weit und breit keine Spur ist, denn das Geschehen offenbart sich doch als erschreckend trocken und ohne jeden Witz, was für eine Komödie ja wohl den absoluten Todesstoß bedeutet. Vielmehr bekommt man einen Film geboten, der thematisch einigermaßen an "Deadgirl" erinnert, der übrigens auch 2008 erschienen ist. Das größte Problem von "Küss mich, Zombie" besteht ganz einfach darin, das die Geschichte sich überhaupt nicht entscheiden kann, in welche Richtung sie eigentlich tendiert. Im Vordergrund der Story stehen ganz eindeutig Beziehungsprobleme einiger Teenager, desweiteren versucht man krampfhaft, eine gewisse Portion Leichtigkeit und Humor dazuzumischen, was allerdings überhaupt nicht gelingt und der enthaltene Horror-Anteil der Geschehnisse bezieht sich einzig und allein auf die Tatsache, das Wendy als Zombie widerkehrt.

Damit hat es sich dann allerdings auch schon, denn wer jetzt der Meinung ist, das man einige für Zombiefilme übliche Passagen geboten bekommt, sieht sich sehr schnell eines Besseren belehrt. Es gibt nämlich rein gar nichts zu sehen, was auch nur annähernd an einen Zombiefilm erinnern würde und selbst die untote Wendy ist verhältnismäßig selten zu sehen. Stattdessen wird man mit alltäglichen Liebesproblemchen einiger teenager konfrontiert, die zudem noch nicht einmal besonders unterhaltsam dargestellt werden, so das man sich streckenweise wirklich die Frage stellen muss, was die Deagol Brothers mit ihrer Geschichte bewirken wollen. Wirkt das Geschehen doch seltsam uninspiriert und vollkommen unausgegoren, ein tieferer Sinn ist den teilweise äusserst langatmigen Ereignissen definitiv nicht zu entnehmen. Und so schleppt sich die Geschichte dann auch eher dröge und langweilig vor sich hin, wobei sie keinerlei Höhepunkte beinhaltet, die das eher unterdurchschnittliche Gesamtbild etwas aufwerten könnten das man von diesem eigenartigen Szenario gewinnt.

Die ähnlichen Ansätze wie bei "Deadgirl" lassen den Zuschauer wenigstens eine gewisse Zeit hoffen, das sich auch hier eine morbide Grundstimmung entfaltet, jedoch ist davon bis zum Ende leider nichts zu spüren. Ganz generell ist es eine eher eigenartige Atmosphäre, die hier die ganze Zeit über mitschwingt und die man gar nicht einmal so richtig beschreiben kann. So will sich beispielsweise überhaupt keine Spannung einstellen und die ganze Story verkommt irgendwie zu einem vollkommen belanglosen Brei aus verschiedenen Genres, wobei sich keines davon richtig durchsetzen kann, was nicht unbedingt für ein kurzweiliges Sehvergnügen sorgen kann. Auch die agierende Darsteller-Riege trägt mit dem dargebotenen Schauspiel nicht gerade zu einem besseren Gesamteindruck bei, erscheinen doch fast alle Charaktere eher hölzern und fast schon lustlos, so das man auch in diesem Punkt nicht viel geboten bekommt. Letztendlich handelt es sich hier um einen Film, der weder witzig ist und schon gar kein Horror-Feeling verbreitet und man muss sich schon die Frage stellen, wieso "Küss mich, Zombie" als Zombie-Komödie gehandelt wird, ist dieses Werk doch von dieser Bezeichnung so weit entfernt wie die Erde vom Mond.

Es ist schon wirklich erstaunlich, was für Filme bei diversen Festivals für Begeisterung sorgen, gibt es doch insbesondere bei vorliegendem Exemplar rein gar nichts, was einen in diesen Zustand versetzen könnte. Die Unentschlossenheit der Deagol Brothers, ihrem Film eine eindeutige Richtung zu verleihen und der fehlende Esprit einer belanglosen und äusserst langweiligen geschichte verhindern einen weitaus besseren Eindruck, der mit etwas mehr Fantasie ganz sicher möglich gewesen wäre. Desweiteren darf es auch nicht als Entschuldigung gelten, das es sich bei einem vorhandenen Budget von ca. 150.000 $ um eine Low Budget Produktion handelt, denn das man sogar mit noch weniger Geld weitaus bessere Filme kreieren kann, ist schon oft genug unter Beweis gestellt worden. Hier fehlt es ganz einfach an Esprit und Fantasie, so das im Endeffekt ein Werk übrigbleibt, das man nicht zwangsläufig gesehen haben muss.


Fazit:


Sicherlich wird auch dieser Film seine Fan-Gemeinde finden, ich persönlich bin jedoch mehr als nur enttäuscht, hatte ich mir doch eine witzige Geschichte erhofft und nicht ein so dermaßen zähes und uninspiriertes Szenario, wie es sich einem hier offenbart. Dabei wäre aufgrund der vorhandenen Thematik sicherlich eine Menge mehr möglich gewesen, denn Potential ist hier durchaus vorhanden. Man sollte sich auf jeden Fall nicht von den anscheinenden Erfolgen auf diversen Festivals beeinflussen lassen, denn dieser Film hält definitiv nicht das, was man sich von ihm verspricht.


Die DVD:

Vertrieb: Sunfilm
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1:1,85 (16:9)
Laufzeit: 100 Minuten
Extras: Audiokommentar, Behind the Scenes, Deleted Scenes, usw.


3/10

Dienstag, 8. März 2011

Fragile - A Ghost Story









Fragile - A Ghost Story
(Fragiles)
mit Calista Flockhart, Richard Roxburgh, Elena Anaya, Gemma Jones, Yasmin Murphy, Colin McFarlane, Michael Pennington, Daniel Ortiz, Susi Trayling, Lloyd F. Booth Shankley, Michael Galward, Scarlet Carey, Cameron Antrobus, Olivia Bjork
Regie: Jaume Balaguero
Drehbuch: Jaume Balaguero / Jordi Galceran
Kamera: Xavi Gimenez
Musik: Roque Banos
FSK 16
Großbritannien / Spanien / 2005

Mercy Falls: ein baufälliges Krankenhaus auf einer einsamen Insel, mit finsteren Gängen und einer knarrenden Fahrstuhlanlage. Längst hätte das morsche Gemäuer geräumt werden sollen. Das verrottete Obergeschoss ist schon seit Jahren geschlossen, nur im Erdgeschoss wartet eine kleine Gruppe von Ärzten, Schwestern und kindlichen Patienten auf die Evakuierung. Neuankömmling Amy, eine Krankenschwester mit traumatischer Vergangenheit, merkt schnell, dass in dem Hospital merkwürdige Dinge vor sich gehen. Aus dem abgesperrten 2. Stock dringen unheimliche Geräusche, und auf der Kinderstation ereignen sich immer wieder nächtliche Unfälle. Die Kinder sind nervös. Haben Angst. Vor etwas Unantastbarem, Unsichtbarem. Etwas, das nicht existieren dürfte, etwas voller Schmerz und Hass. Amy geht dem Grauen auf den Grund und stößt dabei auf ein schreckliches Geheimnis...auf ein Wesen, das weitaus schrecklicher, bösartiger und gefährlicher ist, als Amy je vermutet hat...


Wenn man eine Vorliebe für herrlich atmosphärische Geisterfilme hat, dann bietet das Genre doch eine erstaunliche Vielfalt an guten Beiträgen. Wenn diese dann auch noch unter der Regie von Jaume Balaguero ([REC] 1 & 2, The Nameless) entstanden sind, dann beinhalten diese Filme schon fast eine eingebaute Qualitäts-Garantie. Nicht anders verhält es sich bei vorliegender Geschichte, die den Zuschauer doch von Beginn an für sich einnimmt und dabei eine ungeheuer starke Faszination auf ihn ausübt, die ihn wie ein Sog in das mysteriöse Geschehen hineinzieht, das sich fast im Minutentakt immer mehr verdichtet und dabei eine immer stärker ansteigende Spannungskurve erkennen lässt, die sich bis in die letzten Einstellungen dieses fantastischen Filmes hin auf einem äusserst hohen Level ansiedelt. Balaguero ist es dabei wieder einmal nahezu perfekt gelungen, das sich der subtil erscheinende Horror langsam aber sicher aufbaut und durch die ständige Steigerung wahre Gänsehautanfälle beim Betrachter auslöst, der sich der faszinierenden Aura der Ereignisse beim besten Willen nicht entziehen kann. Wie ein Schwamm saugt man die immer bedrohlicher zu Tage tretende Atmosphäre in sich auf und begibt sich mit Amy (Calista Flockhart) auf die Suche nach einer Antwort für die mysteriösen Geschehnisse, die sich in der fast schon geräumten Kinder-Klinik abspielen.

Apropos Calista Flockhart, ihre Besetzung der Hauptrolle ist wohl der einzige Punkt, den man diesem ansonsten brillanten Geisterfilm als etwas negativ ankreiden kann, was ganz einfach in ihren doch sehr begrenzten schauspielerischen Fähigkeiten zu begründen ist. Man nimmt ihr den von ihr dargestellten Charakter nicht wirklich ab, zu aufgesetzt und streckenweise hölzern erscheint ihr Schauspiel, wohingegen der Rest der Darsteller-Riege durch äusserst überzeugendes Schauspiel aufwarten kann. Nun sollte man allerdings Flockhart's Leistung auch nicht schlechter machen als sie im Endeffekt ist, denn ist doch zumindest ihr Bemühen zu verspüren, ihrem Charakter eine authentische und glaubwürdige Note zu verleihen, was ihr allerdings nur in ganz seltenen Phasen des Filmes gelingt. Zu weinerlich und zerbrechlich erscheint doch die traumatisierte junge Krankenschwester, als das man ihr das im Laufe der Geschichte auftretende Engagement abnehmen würde, das sie an den Tag legt, um vor allem die kleine Maggie vor dem Bösen zu beschützen.

Wenn man einmal von diesem einzigen Kritikpunkt absieht, bekommt man einen ansonsten in allen Belangen herausragenden Film geboten, der in erster Linie durch seinen dramaturgisch erstklassigen Spannungsaufbau und die hervorragende Grusel-Atmosphäre überzeugen kann. Gerade für Letzteres ist die Location des verlassenen Krankenhauses entscheidend mitverantwortlich, denn die scheinbar endlos langen und menschenleeren Korridore lassen hier das genau richtige Gänsehaut-Feeling entstehen, das einen Film dieser Art so besonders sehenswert macht. Ist die Grundstimmung an sich schon als absolut mysteriös und bedrohlich zu bezeichnen, so steigert sich dieses Gefühl noch in ungeahnte Höhen, als man das erste Mal mit dem längst verwaisten und ominösen zweiten Stock des Gebäudes konfrontiert wird. Fast automatisch stellen sich einem hier die Nackenhaare auf, da das Grauen förmlich greifbar erscheint und man jeden Moment mit eingefügten Schockmomenten rechnen muss, die natürlich nicht fehlen dürfen. Als die Bedrohung dann auch noch in Form des "Maschinen-Frau" Charlotte visuelle Gestalt annimmt ist das Grauen absolut perfekt, auch wenn ihre Rolle in dieser Geschichte sich ganz anders herausstellt, als wie es lange Zeit den Anschein hat. So nimmt der Plot dann im letzten Drittel noch eine Wendung, die man zu Beginn nicht vorhersehen kann, was die Klasse der Geschichte noch einmal besonders hervorhebt.

So kommt man nicht umhin Balaguero einmal mehr einen aussergewöhnlich guten Film zu attestieren, der auch völlig ohne irgendwelche Klischees auskommt und ganz einfach nur eine wahnsinnig interessante und fesselnde Geschichte erzählt, die bis auf eine eher mittelmäßige Hauptdarstellerin keinerlei Grund für negative Kritik liefert. Ansonsten greifen hier die Komponenten perfekt ineinander über und sorgen so für einen herrlich gruseligen Filmgenuss, der den Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minute gefangennimmt und in ein mysteriöses Geschehen hineizieht, das man spannender kaum hätte gestalten können. Mit einer für einen Gruselfilm brillanten Atmosphäre sorgt man dabei fast ganzzeitig für Gänsehaut pur und vermittelt dem Zuschauer das Gefühl, fast selbst ein Teil der Ereignisse zu sein, die sich mit zunehmender Laufzeit immer mehr verdichten und einem langsam aber sicher immer mehr unter die Haut kriechen, so das man unweigerlich eine stetig ansteigende Unruhe in sich verspürt, die man selbst beim einsetzenden Abspann des Filmes noch nicht sofort aus der Kleidung schütteln kann, da das gesehene ganz einfach zu intensiv auf einen eingewirkt hat.


Fazit:


Es gibt wirklich nicht gerade wenige sehr gute Geisterfilme, doch "Fragile - A Ghost Story" nimmt noch einmal einen ganz besonderen Stellenwert ein. Balaguero hat hier einmal mehr sein unglaubliches Talent in die Waagschale geworfen und einen Film kreiert, der trotz einer leichten Fehlbesetzung in der Hauptrolle zu den besten des Genres zählt. Zu stark überwiegen die positiven Aspekte, als das man dem einzigen Kritikpunkt zuviel Aufmerksamkeit zukommen lassen würde. Wer einen herausragenden Geisterfilm zu schätzen weiss, der kommt an diesem Werk auf keinen Fall vorbei, das in keiner einzigen Passage langweilig oder uninteressant daherkommt, sondern jederzeit beste und niveauvolle Gruselkost anbietet, die man sich auch gern mehrmals anschauen kann und dabei immer wieder die gleiche Faszination verspürt wie bei der ersten Sichtung.


9/10

Sonntag, 6. März 2011

The Resident









The Resident
(The Resident)
mit Hillary Swank, Jeffrey Dean Morgan, Lee Pace, Christopher Lee, Aunjanaue Ellis, Sean Rosales, Deborah Martinez, Sheila Ivy Traister, Michael Showers, Nana Visitor, Arron Shiver, Michael Badalucco, Michael Massee, Penny Balfour, Mark Morocco
Regie: Antti Jokinen
Drehbuch: Antti Jokinen / Robert Orr
Kamera: Guillermo Navarro
Musik: John Ottman
FSK 16
Großbritannien / USA / 2010

Dr. Juliet Dermer, Fachärztin in der Unfallchirurgie, kann ihr Glück zunächst kaum fassen, als sie auf der Suche nach einem bezahlbaren Wohnobjekt in der besseren Gegend von New York City auf den sympathischen Kuscheltypen Max und seine traumhafte Mietmansarde stößt. Max will nicht einmal viel Geld dafür, allein hin und wieder für die Dame des Hauses kochen und sie im Badezimmer beobachten möchte er. Als Juliet irgendwann misstrauisch wird und sich eine elektronische Kameraüberwachung zulegt, bestätigen sich schlimmste Befürchtungen.


Mit "The Resident" hat Regisseur Antti Jokinen sein Langfilm-Debut abgeliefert, bei dem es sich um einen durchaus soliden Psycho-Thriller handelt, dessen Thematik allerdings keinerlei Innovation beinhaltet, die ihn von ähnlich gelagerten Vertretern des Genres positiv abheben würde. Die Geschichte eines dem Liebeswahn verfallenen und offensichtlich psychisch gestörten Mannes, der seiner Angebeteten das Leben zur Hölle macht ist nun wirklich nichts Neues und wurde schon oft genug verfilmt, so das die vorliegende Geschichte sicherlich solide Filmkost bietet, die aber ohne jegliche Höhepunkte auskommen muss. Wirklich überzeugend sind lediglich die Schauspielleistungen der beiden Haupt-Charaktere Max (Jeffrey Dean Morgan) und Hillary Swank (Julliet), die ihre Parts absolut authentisch und glaubwürdig darstellen, so das der Zuschauer sich äusserst gut in die gegebene Situation einfühlen kann. Vor allem Morgan spielt den psychisch kranken Vermieter mit Bravour und verleiht der Figur ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit, so das man in diversen Passagen des Filmes schon ein gewisses Unbehagen verspürt, wenn man sich in die Rolle des Opfers hineinversetzt, das hier unter ständiger Beobachtung steht, dies allerdings erst im letzten Drittel der Geschichte erfährt.

Das Problem von "The Resident" ist ganz eindeutig der Aspekt, das sich zu keiner Zeit ein wirklich hoch angesiedelter Spannungsbogen entfalten kann, da die Ereignisse ganz einfach viel zu vorhersehbar sind und man jeden einzelnen Schritt schon weit im Vorraus erahnen kann. Das soll jetzt keinesfalls bedeuten, das überhaupt keine Spannung vorhanden wäre, allerdings dürften erfahrene Thriller-Kenner hier keinen besonderen Thrill verspüren, was für einen Film dieser Art im Prinzip den absoluten Todesstoß darstellt. Es fehlt ganz einfach an Überraschungsmomenten und Wendungen, die das Szenario etwas aufpeppen würden, da hilft es letztendlich auch nicht, das zumindest die vorhandene Grundstimmung als gelungen bezeichnet werden kann. Man sollte allerdings fairerweise anmerken, das es sich im Grunde genommen um eine äusserst routinierte Inszenierung handelt, doch weiss man auch ganz genau, das Routine auf die Dauer Langeweile auslösen kann, da man irgendwann das unbedingte Verlangen nach Abwechslung verspürt. Und genau diese Abwechslung ist es, die vorliegender Geschichte einfach an allen Ecken und Enden fehlt, es gibt ganz einfach nicht die kleinste Passage, in der etwas Überraschendes geschehen würde.

Dennoch handelt es sich immer noch um ein durchaus sehenswertes Filmerlebnis, an das man allerdings nicht mit zu hohen Ansprüchen herangehen sollte. Wer sich einigermaßen mit dieser Film-Gattung auskennt, wird mit einem solide und routiniert abgespultem Sehvergnügen konfrontiiert, in dem das Schauspiel der beiden Hauptfiguren als einziger Höhepunkt angesehen werden kann. Ansonsten versinkt "The Resident" aber leider im absoluten Mittelmaß, was man sicherlich hätte vermeiden können, wenn man an einigen Stellen etwas mehr Pepp in die Geschichte eingefügt hätte und das Geschehen nicht so absolut durchschaubar gestaltet hätte. So hat man der Story viel von ihrer Stärke genommen und auch dem Betrachter die Chance verwehrt, sich an einem spannenden Plot zu erfreuen, der mit stetig ansteigender Spannung und einer extrem dichten Atmosphäre überzeugt hätte. Stattdessen enthält die Geschichte doch einige etwas langatmige Strecken, die auf die Dauer sogar leicht ermüdend erscheinen, was nicht unbedingt ein Qualitätssiegel für einen Psycho-Thriller darstellt.

Letztendlich handelt es sich hier um einen Film, den man sich durchaus einmal anschauen kann, der aber ganz sicher nicht zu den Highlights des Genres zu zählen ist. Geboten wird eine Geschichte, die man so oder in ähnlicher Form schon etliche Male gesehen hat und die durch die Vorhersehbarkeit der Ereignisse nicht gerade mit Hochspannung beladen ist. Zwei gute Hauptdarsteller können durch ihre guten leistungen zwar Einiges herausreissen, den Film in seiner Gesamtheit allerdings auch nicht sonderlich aufwerten, da die enthaltenen Defizite dieses Werkes ganz einfach zu gewichtig sind.


Fazit:


Wer mit Durchschnittsware zufrieden ist und sich auch an einem Thriller erfreuen kann der ohne jegliche Überraschungsmomente auskommen muss, der sollte hier ruhig einmal einen Blick riskieren, wer allerdings etwas höhere Ansprüche stellt und Abwechslung bevorzugt, der dürfte wohl eine kleine Enttäuschung erleben. "The Resident" ist in allen Belangen sehr mittelmäßig gestaltet und reiht sich so in der großen Gruppe jener Filme ein, die keinerlei nachhaltigen Eindruck beim Zuschauer hinterlassen und schnell in Vergessenheit geraten.


6/10

Freitag, 4. März 2011

The Loved Ones: Pretty in Blood









The Loved Ones: Pretty in Blood
(The Loved Ones)
mitt Xavier Samuel, Robin McLeavy, John Brumpton, Richard Wilson, Victoria Thaine, Jessica McNamee, Andrew S. Gilbert, Suzi Dougherty, Victoria Eagger, Anne Scott-Pendlebury, Fred Whitlock, Leo Taylor, Brandon Burns, Stephen Walden, Igor Savin
Regie: Sean Byrne
Drehbuch: Sean Byrne
Kamera: Simon Chapman
Musik: Keine Information
Keine Jugendfreigabe
Australien / 2009

Das schüchterne Mädchen Lola hat ihr Herz dem jungen Brent geschenkt und wünscht sich nichts mehr, als mit ihrem Schwarm zum Abschlussball zu gehen. Doch ihre Einladung wird ausgeschlagen, Brent ist für den Abend bereits vergeben. Die Verehrerin wird ungern zurückgewiesen und so findet sich Brett urplötzlich bei Lola zuhause an einen Stuhl gefesselt wieder und wird auf schockierendste Weise von ihr und ihre Vater gefoltert und gequält. Und das ist erst der Anfang einer grauenvollen Nacht. Denn was Lola will, das kriegt sie auch ...


Der etwas andere Abschlussball



Wenn man den hier stattfindenden Abschlussball in den heimischen vier Wänden der auf den ersten Blick eher schüchternen Lola sieht, dann ist man doch eher heilfroh darüber, das diese e Tradition aus vielen Ländern bei uns keinerlei Stellenwert hat. Mit "The Loved Ones" hat Regisseur Sean Byrne ein wirklich in allen Belangen sehr überzeugendes Spielfilm-Debut abgelegt, das in den ersten Minuten noch nicht einmal ansatzweise auf das sadistische Horror-Szenario hindeutet, das sich im späteren Verlauf entwickeln soll. Vielmehr erlangt man den Eindruck, das es sich um eine handelsübliche Teenager-Romanze handeln könnte, doch dieser Eindruck täuscht ganz gewaltig, wie man dann auch ziemlich schnell feststellen muss. Denn schon nach einer recht kurzen Zeitspanne nimmt der Story-Plot eine ganz erhebliche und fast schon brachiale Wendung, die das Sehverhalten des Zuschauers mit einem Schlag vollkommen verändert. Aus dem zu Beginn eher seichten Handlungsverlauf entwickelt sich eine an Sadismus kaum zu überbietende Folter-Szenerie, die der Mädchenschwarm Brent über sich ergehen lassen muss. Nachdem er nämlich der schüchternen Lola eine Absage für den Abschlussball gegeben hat, greift diese in Zusammenarbeit mit ihrem Vater zu ganz eigenen Mitteln, um ihren ganz eigenen Tanzabend mit ihrem Schwarm zu verbringen.

Das perfide Spiel das sich daraus entwickelt, entfaltet eine schockierende und verstörende Wirkung zugleich, denn ganz offensichtlich läuft Lola's Geisteszustand vollkommen neben der Spur und auch ihr Vater hat ganz sicher nicht alle Latten am Zaun. Irgenwie handelt es sich hier um "Eine schrecklich nette Familie", nur das man über diese nun wirklich nicht lachen kann. Was die beiden hier mit ihrem Opfer abziehen, geht schon wirklich auf keine Kuhhaut mehr und entfaltet dabei einen Härtegrad, der sich wirklich gewaschen hat. Dabei sollte man allerdings anmerken, das sich dieser nicht unbedingt in Form von expliziten Gewaltdarstellungen äussert, sondern sich vielmehr im Kopf des Zuschauers abspielt. Es gibt zwar durchaus einige recht deftige Szenen zu sehen, doch ein Großteil der Aktionen ist lediglich im Ansatz zu erkennen, so das der Fantasie des Betrachters keinerlei Grenzen gesetzt sind, um sich die Schmerzen und Qualen des bedauernswerten Opfers vorzustellen, das eine wahre Odysse an Folter und Pein über sich ergehen lassen muss. Phasenweise kann man dabei fast körperlich mitleiden und ist immer wieder erstaunt darüber, welche Qualen ein Mensch über sich ergehen lassen kann, ohne daran physisch und psychisch zu zerbrechen. Die Ereignisse erreichen hier ein Höchstmaß an Intensität, die auch an einem selbst nicht spurlos vorrübergeht, so zuckt man bei gewissen Szenen regelrecht zusammen und möchte am liebsten die Augen schließen, das das Geschehen so erschreckend authentisch und real erscheint.

Um dem Zuschauer auch einmal einige kleinere Ruhepausen zu gönnen, hat es Sean Byrne exzellent verstanden, immer mal wieder kleinere Nebenschauplätze aufzumachen, in denen man mit Handlungsabschnitten konfrontiert wird, die für die eigentliche Geschichte eher unwichtig erscheinen, aber eine sehr willkommene Abwechslung vom sadistischen treiben sind, das sich im Haus von Lola's Familie abspielt. So bekommt man immer wieder kleine Abschnitte präsentiert die Brent's Freund bei dem Versuch zeigen, wie er seiner Abschlussball-Begleiterin näherkommen will. An diesen Stellen hält dann sogar teil skurrile Situationskomik Einzug in die Story die aber sofort wieder in den Hintergrund gerät, da man sich recht schnell wieder dem eigentlichen Geschehen zuwendet. Gerade dieser Kontrast ist es, der diesen Film so besonders wuchtig erscheinen lässt, auf der einen Seite die fast schon grotesken versuche zweier Teenager sich näher zu kommen und andererseits die brutale und menschenverachtene Folter, der sich Brent unterziehen lassen muss. Das ist extrem harter Tobak und so treffen einen auch gewisse Abschnitte des Filmes mit der Wucht eines Keulenschlages, der einen mitten im Innersten trifft.

Australien hat sich ja ganz besonders in den letzten Jahren zu einem Land gemausert, aus dem immer wieder sehr aussergewöhnliche und beeindruckende Genre-Beiträge zu uns herüberkommen und "The Loved Ones" bildet da keine Ausnahme. In den meisten Fällen ist es immer äusserst beeindruckend, wenn bei uns eher unbekannte Darsteller durch absolut herausragendes Schauspiel auffallen, das den jeweiligen Filmen einen ganz besonderen Stempel aufdrückt. Auch in vorliegender Geschichte konnte man eine Darsteller-Riege verpflichten die durch extrem gutes Schauspiel auffallen kann, wobei man Robin McLeavy in der Rolle der Lola ganz eindeutig hervorheben muss. Ist John Brumpton in der Rolle des durchgeknallten Vaters schon eine wahre Augenweide, so toppt ihn McLeavy ganz eindeutig, verkörpert sie die Rolle der vollkommen durchgeknallten Psychphatin doch so absolut authentisch, das es einem wirklich eiskalt über den Rücken laufen kann. Vor allem ihrer Mimik ist es zu verdanken, das beim Zuschauer der dringende Wunsch entsteht, ihr nie im Leben über den Weg zu laufen, denn dieses Mädchen kann einem echte Angst einjagen. Ihre hier zur Schau gestellten Taten sprechen natürlich auch ihre ganz eigene Sprache, jedoch möchte ich nicht auf die einzelnen Folter-Methoden eingehen, um keinem die Spannung zu nehmen. Eines sei jedoch verraten, man kann sich auf jede Menge Abwechslung und einige richtig derbe Passagen einstellen, die äusserst hart, brutal und blutig in Szene gesetzt wurden.

Und so kann man Sean Byrne zu diesem Langfilm-Debut nur gratulieren, das eigentlich eher harmlos beginnt und dann eine Richtung einschlägt, die Horror in Vollendung bietet. Immer wieder kurz eingefügte nebenschauplätze können durch die enthaltene Situationskomik kurzzeitig für etwas Entspannung sorgen, die allerdings schon im nächsten Moment wieder verflogen ist. "The Loved Ones" ist ein aussergewöhnlicher Genre-Beitrag, der einen äusserst guten Gesamteindruck hinterlässt, der auch durch das genau perfekte Ende stimmig abgerundet wird. Ist der Schlusspunkte doch insbesondere aus menschlicher Sicht vollkommen nachvollziehbar und lässt einen zu der Erkenntnis gelangen, das man in Brent's Situation ganz sicher auch nicht anders gehandelt hätte. Und so ergibt sich ein aussergewöhnlich stimmiges Gesamtpaket, an dem man als Horror-Fan seine helle Freude haben kann, denn die hier gefundene Mixtur kann man schon als nahezu perfekt bezeichnen. Großartig agierende Darsteller und eine alles überragende Robin McLeavy machen diesen Film zu einem wahren Erlebnis und sorgen für eine fast erschreckende Authenzität der Ereignisse, die einem ganz unwillkürlich unter die Haut kriecht und einen sehr nachhaltigen Eindruck im Kopf des Betrachters hinterlässt, der vor allem die kranke Grundstimmung des Filmes nicht so schnell aus den Klamotten schütteln kann.


Fazit:


Was wie eine handelsübliche Teenager-Romanze beginnt, entwickelt sich innerhalb kürzester Zeit zu einem knallharten Horror-Szenario. "The Loved Ones" ist meiner persönlichen Meinung nach einer der besten Genre-Beiträge der letzten Jahre und dem Zuschauer ein Folter-Szenario bietet, das sich nun wirklich gewaschen hat. Eine äusserst hart in Szene gesetzte Geschichte, eine herrlich siffige und dreckige Atmosphäre und hervorragende Schauspieler ergeben ein in allen Belangen überzeugendes Gesamtpaket, das man sich keinesfalls entgehen lassen sollte.


9/10