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Freitag, 29. April 2011

Dogtooth









Dogtooth
(Kynodontas)
mit Christos Stergioglou, Michelle Valley, Aggeliki Papoulia, Mary Tsoni, Hristos Passalis, Anna Kalaitzidou
Regie: Giorgos Lanthimos
Drehbuch: Giorgos Lanthimos / Efthymis Filippou
Kamera: Thimios Bakatakis
Musik: Keine Information
FSK 16
Griechenland / 2009

Abgeschottet von der Außenwelt werden die beiden Töchter und der Sohn ganz im Sinne der reichen Eltern erzogen. Den pubertierenden Jugendlichen wird dabei ein verqueres Weltbild voller Lügengeschichten vermittelt: Die Welt hinter der Gartenhecke ist angeblich ein böser und gefährlicher Ort und gewohnten Begriffen des Alltages werden neue Bedeutungen zugesprochen. Das Familienleben ist geprägt von emotionsloser Disziplin und den unschuldig-perversen Spielen der drei Geschwister, die sich damit die Zeit vertreiben. Die scheinbar perfekte Idylle erhält erste Risse, als die Töchter und der Sohn sich die Frage stellen, was wirklich hinter der Gartenhecke liegt?


Mama, reichst du mir bitte das Telefon?


Diese Frage wird mit dem Anreichen eines Salzstreuers beim Abendessen beantwortet, zu dem sich die in dieser Geschichte beleuchtete Familie eingefunden hat. Dieses eine Beispiel reicht schon vollkommen aus, um dem Zuschauer vor Augen zu führen, das er es in vorliegendem Fall mit einem völlig absurden Szenario zu tun bekommt, das man im Grunde genommen in den Bereich der Fabelwelt abschieben möchte. Zu bizzar und vollkommen absurd gestalten sich die Geschehnisse in dieser griechischen Produktion, die allerdings erstaunlicherweise diverse Parallelen zu einem wahren Fall hat, in der ein Österreicher seine eigene Tochter und die mit ihr durch Vergewaltigungen gezeugten Kinder weit über 20 Jahre im Keller eingesperrt hat. Zwar ähneln sich die Ereignisse lediglich durch die Grund-Thematik, aber auch hier handelt es sich definitiv um eine Familie, die alles andere als normal erscheint, werden doch die 3 mittlerweile fast erwachsenen Kinder seit ihrer Geburt von den Eltern wie Gefangene behandelt, die sich lediglich auf dem eigenen Grundstück frei bewegen dürfen, das von einem riesigen Holzzaun eingesäumt ist. Hinter dem zaun beginnt das Böse, davon gehen jedenfalls die Kinder aus, die diese Ansicht immer wieder von ihren Eltern eingetrichtert bekommen. Zwangsläufig haben sie allein schon aufgrund dieses Aspektes keinerlei Vorstellung von einem realen Leben, kennen sie doch nur die Dinge, die sie aus dem Mund ihrer Eltern erfahren und für bare Münze nehmen.

Wenn man jetzt zu der Meinung gelangt, das die Geschwister doch durch die Medien wie Radio oder Fernsehen über das wirkliche Leben informiert sein müssten erliegt einem Trugschluß, denn das Einzige, was sie im Tv zu sehen bekommen, sind selbstgemachte Home-Videos, auf denen die eigene Familie bei diversen Aktivitäten zu sehen ist. Zudem werden diversen Dingen vollkommen abstruse Namen gegeben, ein Salzstreuer gilt hier als Telefon und eine Computer-Tastatur ist auf einmal eine Muschi. Was sich hier im ersten Moment eventuell als witzig darstellt, schockiert den Betrachter allerdings mit zunehmender Laufzeit immer mehr und hinterlässt gleichzeitig ein extremes Gefühl der Beklemmung, dessen man sich beim besten Willen nicht erwehren kann. Möchte sich doch der eigene Verstand weigern, das Gesehene zu akzeptieren so kann man sich andererseits durchaus zu der Vorstellung hinreissen lassen, das es wirklich Menschen gibt, die in einer solch dysfunktionalen Gemeinschaft zusammenleben, obwohl man sich selbst beim besten Willen nicht vorstellen kann, aus welchen Gründen und Motiven das der Fall sein sollte. Die einzig logische Erklärung wäre wirklich, das bei beiden Elternteilen eine psychische Erkrankung vorhanden ist, die sie zu solchen "Erziehungsmethoden" greifen lässt, wie sie einem hier präsentiert werden. Das artet sogar darin aus, das die Geschwister im Laufe der Zeit sogar zum Inzest animiert werden, was schon extrem perverse Züge zum Vorschein bringt, die den Betrachter nahezu fassungslos und schockiert zurücklassen, denn es ist doch schier unmöglich, das pervertierende Szenario sofort sacken zu lassen und zu verarbeiten. Das geschieht nämlich erst, wenn der Film schon lange zu Ende ist und man immer noch über die Geschehnisse nachgrübelt, die sich einem da präsentiert haben. Der nachhaltige Eindruck dieser aussergewöhnlichen, aber gleichzeitig auch extrem faszinierenden Geschichte wirkt noch sehr lange nach.

Die Dysfunktionalität dieser Familie wird auch insbesondere durch die vorhandenen Dialoge untereinander ausgedrückt, was sich allerdings nicht nur auf die absurden namen für bestimmte Dinge und Gegenstände bezieht. So kommt beispielsweise kein echter Redefluss auf, die Gespräche wirken seltsam abgehackt und ganz davon abgesehen ergeben sie zudem auch in den seltensten Fällen einen wirklichen Sinn. Das mag nun auf manche Leute vielleicht einen eher befremdlichen Eindruck hinterlassen, doch meiner Meinung nach hat Regisseur Giorgos Lanthimos ganz bewust dieses Stilmittel für die Erzählstruktur seiner geschichte gewählt, um die Perversität der Ereignisse noch stärker herauszustellen, was ihm auch eindrucksvoll gelungen ist. Der Film hinterlässt nämlich auf jeden fall einen äusserst verstörenden Eindruck beim Zuschauer, was auch auf die Abfolge der schockierenden Bilder zutrifft, die teilweise doch stark an aneinandergereihte Video-Clips erinnert, die zu einem Spielfilm zusammengefügt wurden. Das Einzige, was in diesem Werk ein wenig an ein reales Leben erinnert, ist die Figur des Vaters, der als Einziger auch das heimische Grundstück verlässt, geht er doch einer geregelten Arbeit nach und ist gleichzeitig Beschaffer für Nahrung und alle anderen Dinge, die man zum täglichen Leben braucht. Das war es dann aber auch schon mit der Realität und so kann man sich ganz bestimmt sehr gut vorstellen, mit was für einem Filmerlebnis man es hier zu tun hat.

Ich persönlich kann es äusserst gut nachvollziehen, das "Dogtooth" ein Film ist, der ganz sicher die Meinungen spalten wird. Es wird genügend Leute geben, die mit diesem Film wahrscheinlich gar nichts anfangen können, ich jedoch zähle mich zu denen, die in diesem Werk einen mehr als nur aussergewöhnlichen Film sehen, dem man sich aber auch gänzlich öffnen muss, um die schockierende Intensität der Ereignisse in sich aufnehmen zu können. Es fällt dabei sehr schwer ein Urteil zu fällen, das entweder gut oder schlecht ausfällt, denn in vorliegendem Fall kommt es wohl noch stärker auf den persönlichen Geschmack an, als wie es bei vielen anderen Filmen der Fall ist. Für mich ist mit "Dogtooth" ein filmisches Meisterwerk, in dem sein Regisseur eine äusserst aussergewöhnliche Thematik in den Vordergrund stellt, die dem Zuschauer auf absurde Art und Weise präsentiert wird. Und auch wenn man kaum glauben kann, was man hier zu sehen bekommt, hinterlässt das Geschehen einen erschreckend authentischen Eindruck, der einem phasenweise die Luft zum Atmen nimmt und eine erschreckende Ungläubigkeit hinterlässt, die man erst im Laufe der Zeit so richtig verarbeiten kann.


Fazit:


Wenn man von aussergewöhnlichen Filmerlebnissen spricht, muss man "Dogtooth" fast schon zwangsläufig ganz oben in dieser Kategorie ansiedeln, denn ein ähnliches Szenario bekommt man doch wohl eher sehr selten geboten. Jenseits jeglichen Mainstreams angesiedelt erzählt der Film die Geschichte einer Familie, die nicht kaputter sein könnte und tut dies auf eine Art, die dem Betrachter doch ziemlich oft eine Gänsehaut verpasst, da man das Gesehene einfach kaum glauben kann. Giorgos Lanthimos hat wirklich ganze Arbeit geleistet und offenbart ein Werk, das durch seine absurden und bizzaren Bilder einen äusserst nachhaltigen und verstörenden Eindruck beim Zuschauer hinterlässt.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Griechisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 93 Minuten
Extras: Trailer, Trailershow, Exklusives Booklet


9/10

Mittwoch, 27. April 2011

Spurlos - Die Entführung der Alice Creed








Spurlos - Die Entführung der Alice Creed
(The Disappearance of Alice Creed)
mit Martin Compston, Eddie Marsan, Gemma Arterton
Regie: J. Blakeson
Drehbuch: J. Blakeson
Kamera: Philipp Blaubach
Musik: Marc Canham
FSK 16
Großbritannien / 2009

Alice Creed steht Todesangst aus, als sie plötzlich in einen Lieferwagen gezerrt wird. Man verschleppt sie in irgendeine Wohnung, wo sie zwei maskierte Männer an ein Bett fesseln. Sie schneiden ihr die Kleider herunter und machen Fotos von der nackten, verängstigten jungen Frau. Die Bilder werden mit einer Lösegeldforderung im E-Mail-Postfach ihres Daddys landen. Doch Alice wäre nicht die Tochter eines der reichsten Industriebosse des Landes, wenn sie nicht innerlich auf ein solches Kidnapping vorbereitet wäre...


Um einen kammerspielartigen Thriller mit gerade einmal 3 Darstellern für den Zuschauer interessant und spannend in Szene zu setzen, bedarf es einer intelligenten Geschichte und erstklassigen Schauspielern, die das Geschehen authentisch und glaubwürdig vermitteln. Von Vorteil wären ausserdem noch einige Wendungen die dem Ganzen etwas Überraschendes verleihen würden, um erst gar keine Langeweile aufkommen zu lassen. Genau diese Zutaten beinhaltet diese britische Produktion, die unter der Regie von J. Blakeson entstanden ist, denn "Spurlos - Die Entführung der Alice Creed" ist keineswegs ein Entführungs-Thriller im herkömmlichen Sinne, sondern konfrontiert den Zuschauer mit einem sehr abwechlungsreichen und äusserst überraschendem Szenario, das keinerlei Wünsche offen lässt. Dabei beginnt die Story doch mit einer ganz normalen Entführung und deutet noch nicht einmal ansatzweise an, welch grandioses Filmereignis sich mit zunehmender Laufzeit entwickeln soll, das insbesondere von seinen brillant agierenden Darstellern getragen wird, die der Geschichte durch ihr herausragendes Schauspiel ganz unweigerlich ihren Stempel aufdrücken. Es ist dabei eine wahre Pracht, den Akteuren bei ihren ausdrucksstarken Leistungen zuzuschauen, verschmelzen sie doch förmlich mit den von ihnen dargestellten Figuren und verleihen diesen richtiggehend eine Seele. Man bekommt dabei eher selten den Eindruck das die Akteure ihre Rollen spielen, vielmehr überkommt einen das Gefühl, das jeder von ihnen sich selber darstellt, so stark erscheint die Identifikation mit dem jeweiligen Charakter.

Der Aspekt, das sich fast die komplette Geschichte auf sehr beengtem Raum in einer kleinen Wohnung abspielt, verleiht dem Ganzen eine herrlich klaustrophobische Note und entfaltet mit zunehmender Laufzeit ein immer stärker werdendes Gefühl der Beklemmung, was beim Betrachter für ein ziemlich angespanntes Sehverhalten sorgt. Die dabei entfesselte Intensität der Ereignisse übertägt sich dabei automatisch auf den Betrachter, der fast zwangsläufig zu einem Teil der Geschichte wird und alles selber miterlebt. So entstehen auch einige schweisstreibende Momente, die durch die ständigen überraschenden Wendungen zusätzlich intensiviert werden. Es ist schon nahezu unglaublich, welche Wirkung das Szenario auf einen selbst ausübt, die ständig ansteigende Spannung ist in diversen Passagen kaum noch auszuhalten und man wartet förmlich auf eine gewaltige Entladung, die allerdings erst ganz zum Ende des Filmes erfolgen wird. Bis dahin jedoch befindet man sich ständig in einem wahren Wechselbad der Gefühle, da sich die Machtverhältnisse in diesem innovativen Thriller immer wieder ändern und man sich zu keiner Zeit sicher sein kann, das nicht in der nächsten Minute schon wieder eine überraschende Wendung auf einen zukommt. So ist dann auch die Unberechenbarkeit des Geschehens die ganz große Stärke eines Filmes, der sich qualitätsmäßig auf einem extrem hohen Niveau ansiedelt und dem Zuschauer ein erstklassiges Filmvergnügen beschert.

Nur selten bekommt man ein so hochwertiges-und kammerspielartiges Filmerlebnis zu sehen, in dem die Akteure vor Spielfreude fast zu platzen scheinen und wo die Ereignisse so innovativ-und abwechslungsreich gestaltet sind. Fast minütlich muß man dabei mit neuerlichen Wendungen rechnen, die das Szenario so absolut unvorhersehbar und interessant machen. Der dramaturgische Spannungsaufbau und das gewählte Erzähltempo sind dabei so perfekt gewählt, das man letztendlich nur zu einem in allen Balangen erstklassigen Gesamteindruck gelangen kann. Der Film beinhaltet wirklich keinerlei Schwächen, sämtliche Komponenten und Details sind absolut perfekt aufeinander abgestimmt und ergeben ein Gesamtpaket, das man ohne wenn und aber als sehr gut bezeichnen kann. Starke Schauspieler, eine dramaturgisch exzellent aufgebaute Geschichte und jede Menge überraschende Wendungen heben den Film dabei sehr wohlwollend von thematisch ähnlich gelagerten Genre-Vertretern ab und bescheren dem betrachter ein Filmerlebnis, das man nicht so schnell vergisst.

J. Blakeson hat mit seinem Spielfilm-Debut sofort einen absoluten Volltreffer gelandet, der sich nahtlos in die Reihe der erstklassigen britischen Filme einreiht, die in den letzten Jahren erschienen sind. Die Qualität des Drehbuches und die Umsetzung der Story lässt darauf hindeuten, das hier eine Menge an Potential schlummert und "Spurlos - Die Entführung der Alice Creed" der perfekte Einstieg in eine hoffentlich erfolgreiche Regie-Karriere sein könnte. Denn wer dazu in der Lage ist, mit nahezu minimalistischsten Mitteln einen solch beeindruckenden Film zu kreieren, der muss ganz einfach eine Menge Talent besitzen. Es ist wirklich absolut erstaunlich, mit welch herausragenden Filmen unsere britischen Nachbarn uns in den letzten Jahren richtiggehend zuschütten, wobei es sich um Vertreter aus allen möglichen Genres handelt, die man sich nur vorstellen kann. Wer Qualität zu schätzen weiss, kommt an dieser britischen Produktion einfach nicht vorbei und darf sich auf eine Story freuen, die man kaum besser und interessanter umsetzen kann, als wie es hier der Fall ist.


Fazit:


"Spurlos - Die Entführung der Alice Creed" ist ein in allen Belangen sehr überzeugender Film, in dem mit minimalistischsten Mitteln das Maximale an Wirkung erzielt wird. Ein ganzzeitig wendungsreicher Story-Plot, hervorragende Schauspieler und eine klaustrophobische Grundstimmung sind die ganz großen Stärken eines Filmes, den man unbedingt gesehen haben sollte.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch DTS, DD 5.1 / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,40:1 (16:9)
Laufzeit: 96 Minuten
Extras: Trailer, Trailershow, Interviews, Making Of, Audiokommentar, Beim Dreh



8,5/10

Montag, 25. April 2011

Detour









Detour
(Snarveien)
mit Marte Christensen, Sondre Krogtoft Larsen, Jens Hulten, Johan Hedenberg, Malin King, Inga Didong Harrie, Jeppe Laursen, Knut Walle, Mikkel Gaup, Kai Kolstad Redseth, Eileen Kvaale Rost
Regie: Severin Eskeland
Drehbuch: Severin Eskeland
Kamera: Bjorn Eivind Aarskog
Musik: Stein Berge Svendsen
FSK 16
Norwegen / 2009

Lina und Martin befinden sich auf dem Weg aus dem schwedischen Grenzgebiet zurück nach Hause, als eine Straßensperre sie auf eine Umleitung quer durch den dichten Mischwald schickt. Wie es der unglückliche Zufall will, sitzen die zwei bald im absoluten Nirgendwo fest, nicht ahnend, dass eine panische Anhalterin, ein immer wieder mysteriös auftauchender Cop, ein ätzender Tankstellenbesitzer und ein Kofferraum randvoll mit illegaler Schmuggelware ihre kleinsten Probleme sind. Weit schlimmer: Im gesamten Wald sind Kameras verteilt, die das Pärchen zu Stars einer ganz besonderen Live-Übertragung machen sollen ...


Horrorfilme mit BacKwood-Thematik gibt es mittlerweile wie Sand am Meer und es wird sicherlich immer schwerer, dieser Art des Horrorfilmes neue Impulse hinzuzufügen. So sollte man also nicht besonders verwundert darüber sein, das auch dieser skandinavische Beitrag nicht gerade vor Innovation und Neuerungen strotzt. Diverse Anleihen bei anderen Vertretern dieser Machart sind deshalb auch unverkennbar und ziemlich offensichtlich, so das "Detour" allein schon aus diesem Grund ohne größere Höhepunkte auskommen muss. Dennoch ist die Geschichte keineswegs so schlecht, wie es manche im Netz herumschwirrende Kritiken vermuten lassen, denn Regisseur Severin Eskeland hat es geschafft, einen durchaus interessanten Strory-Plot zu erschaffen, der zwar nicht die wirklich überraschenden Wendungen beinhaltet, aber immerhin äusserst solides und sehenswertes Genre-Kino anbietet, an dem man als Horror-Fan jederzeit auf seine Kosten kommt, auch wenn die erzählte Story ganz sicher nicht das Genre revolutioniert.

Es sind die eigenen Erwartungen, die man von Beginn an in die richtige Richtung lenken sollte, um hinterher nicht an den eigenen Ansprüchen zu scheitern. Ein Meisterwerk stellt diese norwegische Produktion mit Sicherheit nicht dar, wer allerdings Wert auf eine äusserst konstante Spannungskurve und eine herrlich dichte Atmosphäre legt, dürfte an diesem Film nicht besonders viel auszusetzen haben. Die Dramaturgie der Geschehnisse ist dabei sehr gelungen und schon nach wenigen Minuten naut sich eine Menge an Spannung auf, die sich prinzipiell auch bis zum Ende halten kann. Lediglich für Kenner der Materie dürften die Ereignisse einigermaßen vorhersehbar sein, was in diesem Fall den Sehgenuß ein wenig schmälern dürfte. Aber gerade für Einsteiger in die backwood-Thematik könnte "Detour" eventuell sogar der ideale Einstieg sein, der insbesondere durch seine atmosphärische Dichte enorm zu punkten weiss. So spitzt sich die Lage der beiden Hauptfiguren Lina und Martin fast minütlich zu, wobei das Szenario immer düstere und bedrohlichere Züge erkennen lässt. Im zweiten teil des Filmes zieht dann sogar ein gewisser Grad an Härte in das Geschehen ein, man sollte allerdings kein Festival an brutalen Szenen erwarten, was man sich aber allein schon aufgrund der 16er Freigabe denken kann.

Dabei hat der Film aber auch gar keine expliziten gewaltdarstellungen nötig, entfacht sich doch vielmehr der Härtegrad im Kopf des Betrachters und wird durch die Situation ausgelöst, in der sich das junge Päärchen befindet. Dadurch beziehen die Ereignisse ihren ganz eigenen Reiz und es geht zudem auch eine starke Faszination von ihnen aus, die einen selbst vor dem heimischen TV stellenweise ziemlich unruhig werden lässt. Ich persönlich habe das jedenfalls so empfunden und das obwohl ich schon etliche thematisch ähnlich gelagerte Filme gesehen habe. Natürlich ist das wie immer reine Geschmackssache und "Detour" kommt auch bestimmt nicht an die Qualität eines "Wrong Turn" heran, doch das manche Leute diesen absolut sehenswerten Beitrag teilweise ungerechtfertigt niedermachen, kann ich ehrlich gesagt nicht ganz nachvollziehen. Es ist nun einmal äusserst schwierig, gerade der hier bearbeiteten Thematik neue Impulse hinzuzufügen, vielmehr kommt es meiner Meinung nach darauf an, altbewährte Zutaten auf eine gelungene Art und Weise zu vermischen und gute Unterhaltung anzubieten. Das ist Severin Eskeland auf jeden Fall gelungen und das Einstreuen des Big Brother-Feelings empfinde ich dabei zudem noch als eine wirklich nette Idee, die zudem noch etwas brutalen Charme versprüht.

Auch die Ansammlung eher unbekannter, deswegen aber keineswegs schlechter Schauspieler verleiht dem ganzen sogar etwas Unverbrauchtes, handelt es sich doch nicht um die ansonsten handelsüblichen Hollywood-Schönlinge, bei denen man immer das Gefühl nicht abwehren kann, das alle aus einem Modejournal entsprungen sind. Und auch die gezeigten Leistungen können sich allemal sehen lassen, wirken sie doch sogar größtenteils authentisch und glaubhaft, was man in etlichen anderen Fällen schon vollkommen anders gesehen hat. So wimmelt es hier beispielsweise auch nicht so vor unlogischen verhaltensweisen der Protagonisten, was mich besonders positiv überrascht hat und dieses Werk auch noch einmal ein bisschen aufwertet, so das man im Endeffekt von einem zwar nicht überragendem, aber dennoch absolut gelungenem Vertreter des Genres sprechen kann, dessen Sichtung sich allemal lohnt.


Fazit:


Auch wenn man in vorliegendem Fall nichts revolutionäres erwarten sollte, bietet "Detour" absolut routinierte und sehenswerte Horrorkost. Die großen Überraschungen und Wendungen darf man allerdings nicht erwarten, doch dafür besticht die Geschichte durch eine sehr dichte und düstere Grundstimmung, die in einigen Passagen sogar eine dezente Gänsehaut aufkommen lassen kann. Gute Darsteller, ein gelungener Spannungsbogen und eine mit knapp 75 Minuten ideal gewählte Laufzeit machen den Film zu einem sehr kurzweiligen Filmvergnügen, das sich Fans des Genres auf jeden Fall anschauen sollten.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch DD 2.0, DD 5.1 / Nirwegisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 74 Minuten
Extras: Trailer, Trailershow


7/10

Samstag, 23. April 2011

13 Assassins









13 Assassins
(Jusannin no shikaku)
mit Koji Yakusho, Takayuki Yamada, Yusuke Iseya, Goro Inagaki, Masachika Ichimura, Mikijiro Hira, Hiroki Matsukata, Ikki Sawamura, Arata Furuta, Tsuyoshi Ihara, Masataka Kubota, Sosuke Takaoka, Seiji Rokkaku, Yuma Ishigaki, Koen Kondo
Regie: Takashi Miike
Drehbuch: Kaneo Ikegami / Daisuke Tengan
Kamera: Nobuyasu Kita
Musik: Koji Endo
FSK 16
Großbritannien / Japan / 2010

Um die Ehre des Shogun zu retten und das Land vor großem Schaden zu bewahren, gehen 13 mutige Samurai auf eine schier unmögliche Mission. Unter Führung des ehrenwerten Shinzaemon wollen sie Lord Naritsugu, den Halbbruder des Shogun, ermorden, bevor er seinen Platz im Rat einnehmen kann. Denn Naritsugu ist ein kranker Sadist, der aus purem Vergnügen foltert, verstümmelt und tötet und davon träumt, die lange Friedenszeit des japanischen Reiches endlich durch einen amüsanten Krieg zu beenden. Aber der brutale Lord umgibt sich stets mit einer zahlreichen Leibgarde. Shinzaemon arbeitet einen raffinierten Hinterhalt aus, um die Überlegenheit des Gegners zumindest zu reduzieren. Trotzdem wissen die 13 Krieger, dass sie die Mission vielleicht erfüllen, aber kaum überleben werden...


Takashi Miike hat sich dem Remake des 1963 erschienenen Originals von Eiichi Kudo angenommen und einen oppulenten Film geschaffen, der eine sehr gelungene Kombination aus einem historischen Drama und einem heftigen Action-Spektakel darstellt und so mit zwei vollkommen verschiedenen Filmhälften aufwartet. Dient doch der erste Teil der Geschichte hauptsächlich dazu, die Vorbereitungen der 13 Samurai zu zeigen, wie sich sich auf ein nahezu unmögliches Unterfangen vorbereiten, das so gut wie keine Aussicht auf Erfolg hat. Denn ist ist alles andere als eine leichte Aufgabe, den verhassten Fürsten Naritsugu zu töten, da dieser immer mit großer Gefolgschaft reist, die selbstverständlich auch jeder Zeit dazu bereit ist, ihr Leben für den grausamen Fürsten aufs Spiel zu setzen. Bis es jedoch zum Aufeinandertreffen der beiden zahlenmäßig vollkommen unterschiedlichen Gruppen kommt und somit auch die Action Einzug in die Geschichte hält, muss sich der geneigte Action-Fan eine ganze Weile gedulden, beginnt das Kampfgeschehen doch erst nach etwas mehr als einer Stunde. Das mag nun einige Leute vielleicht eher etwas abschrecken, doch ist der erste Teil des Filmes dennoch keinesfalls langweilig und zudem auch noch ziemlich wichtig für die Story insgesamt, die ganz einfach eines gewissen Aufbaus bedarf um ihr eine Struktur und auch einen Sinn zu geben. So erfährt der Zuschauer einige sehr interessante Hintergrundinformationen über die Greueltaten des Fürsten, die die Mission der Samurai nur allzu verständlich machen.

So wird man in der ersten Filmhälfte auch mit einer eher ruhigen und bedächtigen Erzählweise konfrontiert, was sicherlich nicht alle Geschmäcker treffen wird, aber für den dramaturgischen Spannungsaufbau durchaus von Vorteil ist. Entpuppt sich doch das Geschehen in der Folge als ein reinrassiges Action-Feuerwerk, mit dem man eigentlich beim besten Willen nicht mehr gerechnet hat. Und wir reden in diesem Bezug nicht über einige ganz nette und actiongeladenen Momente, die gesamte Restlaufzeit des Filmes ist ein grandioses Kampfgetümmel, das die Herzen der Action-Liebhaber vor Freude hpher schlagen lässt. Denn genau ab dem Zeitpunkt, an dem die übermächtige Gefolgschaft des Fürsten in ein kleines Dorf gelockt wird, nimmt das Szenario von einer Minute zur anderen dermaßen an Tempo und Rasanz zu, das einem vor dem heimischen Bildschirm fast die Luft wegbleibt. Von nun an jagt ein Kampf den anderen, mit List und Tücke versuchen die wenigen Samurai, den übermächtig erscheinenden Gegner zu dezimieren, was ihnen auch ganz vortrefflich gelingt. Das Ganze ist dabei absolut grandios in Szene gesetzt worden und wird dem Zuschauer in erstklassigen Bildern serviert. Für eine 16er Freigabe beinhaltet der Film auch einige wirklich harte und blutige Szenen, die aber keinesfalls im Übermaß vorhanden sind und den Rahmen zu keiner Zeit sprengen.

Und das Schönste an der Sache ist der Aspekt, das wirklich die gesamte Restspielzeit der Geschichte Kampfgeschehen ohne jegliche Unterbrechung bietet und man keinesfalls zu der Meinung gelangt, das die stattfindenden Kämpfe sinnlos oder überladen erscheinen. Natürlich kann man sich Gedanken darüber machen, ob eine 13-köpfige Gruppe in Wirklichkeit dieser zahlenmäßig extrem überlegenen Gegnerschar gewachsen wäre, doch daran sollte man eigentlich keine Gedanken verschwenden. In Filmen dieser Art geht es halt um Dinge wie Mut, Stolz und Loyalität, es ist ganz einfach der Stoff aus dem Helden geboren werden. Und als nichts anderes kann man die Samurais hier ansehen, die auch immer wieder äussern, das einzig und allein ihre Mission und deren Erfolg im Vordergrund steht. Mag man zu einem solch heroischen Verhalten stehen wie man will, Takashi Miike hat diese Aspekte hervorragend in den Vordergrund gerückt und diese Werte drücken der Geschichte auch unweigerlich ihren ganz eigenen Stempel auf, der absolut perfekt in die Geschehnisse hineinpasst.

Manch einer wird eventuell seine Schwierigkeiten mit der ersten Filmhälfte haben, die auf den ersten Blick vielleicht ein klein wenig zäh und ereignislos erscheinen mag, für den Gesamteindruck aber immens wichtig ist. Eine solche Story muss man mit diversen Hintergrundinformationen anreichern um dem später stattfindenden Kampfgeschehen auch einen Sinn zu geben. Ausserdem lohnt sich Warten auf jeden Fall, denn ich persönlich kann mich spontan an keinen Film erinnern der einen zweiten Teil beinhaltet, der im Prinzip aus Action ohne Ende besteht. Wenn manes auf die Goldwaage legen will, dann beginnt der finale Showdown in vorliegender Geschichte schon ab Minute 65 und das ist bei einer Laufzeit von gut 120 Minuten doch schon sehr erstaunlich. Und so werden die Freunde des anspruchsvollen Historien-Dramas ebenso befriedigt wie der reine Action-Fan, was insgesamt gesehen einen äusserst guten Film ergibt, der beste und niveauvolle Unterhalung anbietet, die man bedenkenlos weiterempfehlen kann.


Fazit:


"13 Assassins" ist wirklich ein Werk, das mit zwei vollkommen unterschiedlichen Filmteilen aufwartet und den Zuschauer so auch in ein Wechselbad der Gefühle versetzt. Die eher ruhige und sehr bedächtige Einführung in die Geschichte wiegt einen dabei in eine trügerische Sicherheit, aus der man mit dem Einsetzen des Kampfgeschehens extrem wuchtig herausgerissen wird. Der Adrenalinspiegel schießt dabei in ungeahnte Höhen, auf denen er sich auch bis zum bitteren Ende bewegt, ohne auch nur eine Nuance abzufallen. Was wie ein Historien-Drama begann, endet in einem Kampfgemetzel, wie man es nicht jeden Tag geboten bekommt und beinhaltet dabei auch noch ein äusserst hohes Niveau, so das man letztendlich von einem absolut überzeugendem gesamtpaket sprechen kann, dessen Sichtung man sich jeinesfalls entgehen lassen sollte.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch DTS 5.1, DD 5.1 / Japanisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,78:1 (16:9)
Laufzeit: 120 Minuten
Extras: Beim Dreh, Interviews, Deleted Scenes, Originaltrailer, Trailershow


8/10

Donnerstag, 21. April 2011

I saw the Devil









I saw the Devil
(Angmareul boatda)
mit Byung-hun Lee, Min-sik Choi, Gook-hwan Jeon, Ho-jin Jeon, San-ha Oh, Yoon-seo Kim
Regie: Jee-woon Kim
Drehbuch: Hoon-jung Park
Kamera: Mogae Lee
Musik: Mowg
SPIO/JK
Südkorea / 2010

Kyung-chul ist ein gefährlicher Serienmörder, dem die Polizei schon lange auf den Fersen ist. Skrupellos und äußerst brutal vorgehend, vergreift er sich an jungen Frauen. An einem verschneiten Abend ermordet er Ju-yeon, die Tochter des Polizeichefs Jang, auf bestialische Weise. Ihr Verlobter - Geheimagent Soo-hyun - schwört gnadenlose Rache. Er will Kyung-chul all die Schmerzen zufügen, die dieser seinen Opfern antut. Auch wenn er dazu selbst zum Monster werden muss. Er lässt sich für zwei Wochen beurlauben. Nicht, um das schreckliche Trauma zu verarbeiten, sondern um den psychopathischen Killer auf eigene Faust zu jagen. Ein erbarmungsloser Schlagabtausch beginnt, bei dem Soo-hyun seinen intelligenten Kontrahenten zu unterschätzen scheint...


Es gibt mittlerweile etliche sehr intensive Rachethriller und gerade auch der asiatische Markt kann hier mit einigen wirklich gelungenen Vertretern aufwarten, was der Zuschauer jetzt allerdings mit "I saw the Devil" zu sehen bekommt, ist meiner Meinung nach noch einmal eine erhebliche Steigerung, denn härter und kompromissloser kann ein solcher Film kaum ausfallen. Dabei sollte man vor allem bedenken, das sich der Film von Jee-woon Kim zudem noch von thematisch ähnlich gelagerten Beiträgen erheblich unterscheidet, denn bekommt man es doch nicht nur mit einem handelsüblichen Rachethriller zu tun, sondern vielmehr mit einer äusserst explosiven Mischung, in der auch genügend Anteile des Horrorthrillers und des Folterfilms vertreten sind. Dieser Aspekt sorgt dafür, das man mit einem Gesamtpaket konfrontiert wird das an Intensität und Härte kaum zu überbieten ist, wobei sich der Härtegrad nicht nur visuell, sondern auch psychisch extrem stark bemerkbar macht und dem Betrachter ein wahres Wechselbad der Gefühle beschert. So ist es Regisseur Jee-woon Kim hervorragend gelungen, den Zuschauer im ersten Drittel der Geschichte hauptsächlich mit Ansätzen brutaler Gewalt zu konfrontieren die vor allem einen enormen Härtegrad in dessen Kopf zu manifestieren. In dieser Phase der Geschichte wird nämlich noch größtenteils auf explizite Gewaltdarstellungen verzichtet, so das es der eigenen Fantasie überlassen ist, sich die Taten des brutalen Mörders vorzustellen.

Dadurch wird schon einmal ein enormer Druck aufgebaut der in der Folgezeit durch wirklich derbe und harte Passagen noch zusätzlich untermauert wird, die jedem Gorehound das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. Dabei sind die jeweiligen Momente äusserst gut über den gesamten Film verteilt worden, so das zu keiner Zeit der Eindruck einer vollkommen sinnbefreiten Schlachteplatte entsteht, denn jederzeit steht trotz des sehr hohen Härtegrades immer die Geschichte an sich im Vordergrund. Und die ist von der ersten bis zur letzten Minute extrem spannend und interessant in Szene gesetzt worden und beinhaltet trotz einer Laufzeit von knapp 137 Minuten keinerlei langatmige Passagen. In den ersten gut 40 Minuten wird man dabei mit einem waschechten Thriller mit Serienkiller-Thematik konfrontiert, bevor der Plot anschließend in eine Mixtur aus Rachethriller-und Folterfilm umschwenkt und hier aber auch einen eher ungewöhnlicheren Weg beschreitet, als man es aus etlichen anderen Vertretern dieser Art kennt. Im Normalfall kennt man ja eher das Szenario, wenn der Rächer seine aufgestaute Wut möglichst schnell entladen will und den Gejagten schnellstmöglichst zur Strecke bringt, bei "I saw the Devil" jedoch entwickelt sich ein perfides Katz-und Maus Spiel, in dem der Mörder immer wieder gefoltert und gequält werden soll, damit er die gleichen Schmerzen wie seine bisherigen Opfer verspüren soll, um letztendlich förmlich um seine Erlösung zu betteln. Und so entwickelt sich mit der Zeit ein regelrechter Zweikampf zwischen Soo-hyun, der den Tod seiner Verlobten rächen will und dem offensichtlich psychophatischen Frauenmörder Kyung-chul, der von seinem Jäger immer wieder attackiert und gefoltert wird, um später wieder einen Vorsprung zu bekommen, damit die perfide Jagd von Neuem beginnt. Im letzten Drittel der Story nimmt das Geschehen dabei sogar noch eine Wendung, die für zusätzliche Spannung sorgt, dreht der Gejagte doch den Spieß um und kann für eine kurze Zeitspanne sogar die Oberhand gewinnen, was für einige Tote mehr sorgt, die in dem perfiden Spiel gar nicht eingeplant waren.

Das Ganze wurde dabei so temporeich und hart in Szene gesetzt, das man kaum einmal dazu kommt, sich zwischendurch etwas vom knallharten Szenario zu erholen. Dem Zuschauer werden hier kaum Ruhepausen gegönnt und selbt die wenigen etwas ruhigeren Phasen des Filmes bieten immer noch soviel Intensität und Faszination, das man die gesamte Laufzeit über wie unter Strom steht und voll konzentriert bei der Sache ist, um auch nicht eine einzige Sekunde des Geschehens zu verpassen. Selten habe ich in den letzten Jahren einen Film gesehen der dermaßen viel Härte beinhaltet, was aber nicht nur auf die visuellen Gewaltdarstellungen bezogen ist. Es ist vielmehr die Kombination der eigenen Fantasie und die bildlich gezeigte Gewalt, die hier eine Wucht entfachen, der man sich unmöglich entziehen kann. Die Brutalität der Ereignisse trifft einen dabei wie ein Keulenschlag in die Eingeweide, von dem man sich nicht so schnell erholen kann, da er die gesamte Laufzeit über stetig wiederkehrt. Und die Sequenzen, in denen der Splatter-und Gore Liebhaber auf seine Kosten kommt, sind teilweise so hart und eklig, das man es fast körperlich spüren kann. Dennoch entsteht zu keiner Zeit der Eindruck, das der Härtegrad den Rahmen sprengen würde, oder sogar die Geschichte darunter leiden würde, denn Jee-woon Kim hat sorgsam darauf geachtet, das die Anteile in seiner Story gut verteilt sind und letztendlich nahezu perfekt ineinanderpassen, so das letztendlich ein herausragender Gesamteindruck entsteht.

Doch die ganzen positiven Komponenten wäre gar nichts wert, wenn hier nicht auch erstklassige Schauspieler am Werk wären, die den von ihnen dargestellten Charakteren Glaubwürdigkeit und Authenzität verleihen würden. "I saw the Devil" verfügt über diese tollen Akteure, denn bis in die kleinsten Nebenrollen ist die Geschichte absolut perfekt besetzt. Herausragend sind dabei sicherlich die beiden Hauptdarsteller Byung-hun Lee (Soo-hyun) und Min-sik Choi (Kyung-chul), wobei insbesondere Letzterer in der Rolle des Frauenmörders zu glänzen weiss. Wenn man es nicht besser wüsste würde man nie auf den Gedanken kommen, das der mann hier lediglich eine Rolle spielt, denn sein Schauspiel ist schon fast erschreckend authentisch. Die Eiseskälte die dabei von ihm ausgeht, lässt einem streckenweise wirklich das Blut in den Adern gefrieren. Und so gibt es in diesem Film eigentlich rein gar nichts was man ernsthaft kritisieren könnte, da alles perfekt aufeinander abgestimmt ist, was schon zwangsläufig dafür sorgt, das sich "I saw the Devil" auf einem extrem hohen Qualitäts-Level ansiedelt, das nur ganz schwer zu überbieten sein dürfte. Wer gute Nerven und einen starken Magen hat, wird bei diesem asiatischen Film voll auf seine Kosten kommen und mit einem ganzzeitig qualitativ hochwertigem Szenario belohnt, zartbesaitete Menschen sollten allerdings lieber einen großen Bogen um dieses brutale Meisterwerk machen, handelt es sich doch um einen Film, der sich auch nachhaltig im Kopf des Betrachters festfrisst und nicht so leicht zu verdauen ist.


Fazit:


Gearde aus Asien kommen immer wieder extrem harte Filme zu uns, doch vorliegender Beitrag stößt meiner Meinung nach noch einmal das Tor in eine ganz neue Dimension der Härte und Brutalität auf. Sicherlich gibt es etliche Werke die im Bezug auf die rein visuelle Härte noch besser ausgestattet sind, jedoch ist es in vorliegendem Fall die Kombination aus psychischer und bildlicher Gewalt, die eine hammerharte Wirkung auf den Zuschauer hinterlassen, der während des Geschehens gar keine Zeit hat das Gesehene erst einmal zu verdauen. "I saw the Devil" ist ein dermaßen intensives Filmerlebnis, das auch noch lange nach seiner Sichtung erheblich nachwirkt, so das man eine geraume Zeit benötigt, um die Ereignisse zu verarbeiten und richtig sacken zu lassen. Auf jeden Fall aber sollten sich Genre-Fans diesen nahezu perfekten Film nicht durch die Lappen gehen lassen.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Koreanisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch / Niederländisch
Bild: 1,85:1 (16:9)
Laufzeit: 137 Minuten
Extras: TV-Spots, Interviews, Making Of


10/10

Mittwoch, 20. April 2011

Burke & Hare - Wir finden immer eine Leiche









Burke & Hare - Wir finden immer eine Leiche
(Burke & Hare)
mit Bill Bailey, Tom Wilkinson, Michael Smiley, Tim Curry, Paul Davis, Christian Brassington, Simon Pegg, Andy Serkis, Christopher Lee, Jessica Hynes, David Schofield, David Hayman, Ronnie Corbett, Ciaron Kelly
Regie: John Landis
Drehbuch: Piers Ashworth / Nick Moorcroft
Kamera: John Mathieson
Musik: Joby Talbot
FSK 16
Großbritannien / 2010

In Edinburgh sind Leichen knapp. Im Epizentrum des medizinischen Fortschritts herrscht in den 1820er Jahren besonders zwischen den führenden Doktoren Monroe und Knox ein erbitterter Kampf um jeden Toten. Es dürfen nämlich nur Körper von Kriminellen für die medizinische Forschung verwendet werden. Doch die beiden irischen Einwanderer Burke und Hare nehmen es mit den Gesetzen nicht so genau und beginnen, frisch Bestattete wieder auszugraben. Ein gutes Geschäft und die Doktoren fragen nicht weiter nach. Doch der Bedarf ist immer noch nicht gedeckt. Also greifen die beiden Lieferanten zu drastischeren Mitteln ... warum warten, bis jemand gestorben ist? Da kann man doch nachhelfen. Ein legendäres Serien-Killer-Duo startet seine Tod bringende Laufbahn...


Es ist noch gar nicht so lange her, das mit "I sell the Dead" eine thematisch ähnlich gelagerte Komödie auf den Markt kam, die allerdings keineswegs die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen konnte. Ganz anders verhält es sich bei dieser britischen Produktion, die nun wirklich alles beinhaltet, was eine rabenschwarze Komödie beinhalten muss. Regie-Altmeister John Landis (American Werwolf) hat mit "Burke & Hare" einen absolut gelungenen Film kreiert, in dem es vor beissendem Humor und streckenweise genialer Situationskomik nur so strotzt. Dabei wird von der ersten Minute an kein Zweifel daran gelassen, welche Richtung die teils makabere Geschichte einschlägt, denn schon in den ersten Minuten wird klar, das der Zuschauer mit einer Komödie nach bester britischer Tradition konfrontiert wird, die Liebhabern des schwarzen Humors jede Menge Freude bereiten wird.

Mit Simon Pegg (Burke) und Andy Serkis (Hare) hätte man die beiden Hauptrollen kaum besser besetzen können, das Zusammenspiel der beiden ist einer der Höhepunkte dieses nicht gerade höhepunktarmen Szenario und beinhaltet etliche äusserst witzige Passagen und jede Menge Situationskomik vom Feinsten. Allein schon ihr Einfallsreichtum bei der Ermordung ihrer Opfer zeugt von Originalität und ringt dem Betrachter so manchen Schmunzler ab und die Selbstverständlichkeit, mit der sie ihrer neuen "Arbeit" nachgehen verleiht dem Ganzen einen unvergleichbaren Charme, den man allerdings ohne Probleme auch auf das gesamte Szenario übertragen kann. Es ist nämlich ganz einfach so, das sämtliche Ereignisse äusserst liebevoll und charmant in Szene gesetzt wurden, das man der faszinierenden Ausstrahlung dieses Filmes erliegen muss. Alles ist nahezu perfekt aufeinander abgestimmt, was schon mit den hervorragenden Kulissen beginnt, die dem Zuschauer das authentische Ambiente des frühen 19. Jahrhunderts vermitteln, in dem sich die Geschichte abspielt. Hinzu kommt die exzellent agierende Darsteller-Riege, in der auch in kleinen Nebenrollen große Namen (Tim Curry, Christopher Lee) vorzufinden sind.

Doch absolut herausragend ist hier wirklich der vorhandene Humor, der in sämtlichen Variationen hervortritt, die man sich nur vorstellen kann. Trieft das Geschehen phasenweise vor unverhohlenem Sarkasmus, so ist auch ein unwiderstechlicher Anteil an Schmunzel-Humor vorhanden. Dazu geseltt sich immer wieder die schon erwähnte und teilweise wirklich schon skurrile Situationskomik sowie in einigen Passagen versteckte Gags, die man nicht unbedingt auf den ersten Blick erkennt. John Landis hat für seine Story die absolut perfekte Mischung gefunden, die nicht nur die Freunde des britischen Witzes begeistern dürfte, sondern ganz generell ein sehr breites Publikum ansprechen dürfte. Neben den erwähnten positiven Aspekten kann "Burke & Hare" zudem auch noch in atmosphärischer Hinsicht absolut punkten, was man vor allem in den Passagen der Geschichte merkt die in der Nacht spielen, entwickelt sich hier doch eine äusserst düstere und manchmal schon bedrohliche Grundstimmung, die dem Szenario extrem gut zu Gesicht steht und dem Betrachter genau das richtige Feeling für eine Story mit dieser Thematik verleiht. Man sieht also, das es sich um ein rundum gelungenes Gesamtpakert handelt, das eigentlich keinerlei Wünsche offen lässt und vor allem ganzzeitig exzellente und urkomische Unterhaltung bietet, die man sich keinesfalls entgehen lassen sollte.

Man kann ohne Übertreibung behaupten, das "Burke & Hare" genau das ist, was "I sell the Dead" eigentlich sein wollte, nämlich eine rabenschwarze Komödie über Grabräuber, die damit ihren Lebensunterhalt verdienen. Der Unterschied zwischen den beiden Filmen besteht ganz einfach darin, das John Landis es in vorliegendem Film fantastisch verstanden hat, seiner Story genau den richtigen Humor beizufügen, den´eine solche Story braucht um den Zuschauer zu begeistern. Hinzu kommt sicherlich noch der nicht gerade unwesentliche Aspekt, das hier die ganz eindeutig besseren Schauspieler am Werk sind, die dem Geschehen ganz unweigerlich ihren eigenen Stempel aufdrücken, der dieses Werk absolut unverwechselbar macht. Ich habe in den letzten jahren recht selten eine so überzeugende und witzige Komödie gesehen, die diese Bezeichnung auch wirklich verdient und gut 90 Minuten erstklassige und extrem kurzweilige Unterhaltung bietet, gleichzeitig aber auch noch eine Charme-Offensive auf den Zuschauer startet, der man einfach nicht widerstehen kann.


Fazit:


Wer "I sell the Dead" schon recht unterhaltsam fand, dürfte von "Burke & Hare" nahezu begeistert sein, gibt es doch unter den beiden Filmen einen echten Klassenunterschied. Feinster britischer Humor, brillante Situationskomik und eine herausragende Darsteller-Riege sind die ganz großen Stärken eines Filmes, den man kaum besser hätte kreieren können. Wer niveauvollen Humor zu schätzen weiss, der kommt an diesem Werk auf keinen Fall vorbei und wird für seine Entscheidung mit einem Sehvergnügen belohnt, das auch höheren Ansprüchen jederzeit geracht werden dürfte. Ich kann jedenfalls nur eine unbedingte Empfehlung für diesen Film aussprechen, der ganz sicher nicht das letzte mal in meinem Player gelandet ist.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch DTS, DD 5.1 / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,40:1 (16:9)
Extras: Premiere mit John Landis, Interviews, Deleted Scenes, Outtakes, B-Roll, Originaltrailer, Trailershow


8,5/10

Montag, 18. April 2011

Phantom Punch









Phantom Punch
(Phantom Punch)
mit Ving Rhames, Stacey Dash, Nicholas Turturro, Bridgette Wilson, David Proval, Rick Roberts, Alan Van Sprang, Egidio Tan, Andrew Hinkson, Troy Amos-Ross, Brian Paul, Gord Rand, Philip Jarrett, Brian Frank, Philip Williams
Regie: Robert Townsend
Drehbuch: Ryan Combs
Kamera: John Dyer
Musik: Stephen James Taylor
FSK 16
Kanada / USA / 2008

"Phantom Punch" erzählt die bewegte Lebensgeschichte des Boxers Charles L. "Sonny" Liston von seiner Entdeckung als Boxer von einem Priester, bis zu seinem dubiosen Tod am 30. Dezember 1970 im Spielerparadies Las Vegas. 1950 wird er wegen diverser Verbrechen zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Charles lernt Boxen und erhält seinen Spitznamen "Sonny". Nach nur zwei Jahren wird er vorzeitig aus der Haft entlassen und beginnt eine beispielhafte Karriere als Boxer, die in zwei Jahren als Weltmeister im Schwergewicht und dem Gerücht der Unbesiegbarkeit gipfelt. Bis er dann 1965 zum zweiten Mal Cassius Clay (Andrew Hinkson) begegnet, der mit seinem "Phantom Punch" Listons Untergang einläutet...


Regisseur Robert Townsend hat mit "Phantom Punch" ein wirklich interessantes Biopic über das Leben eines der unbeliebtesten Boxer des 20. Jahrhunderts geschaffen und gerade dieser Aspekt aus dem Leben des Sonny Liston kommt in dieser Verfilmung ganz hervorragend zum Ausdruck. Dies ist in erster Linie dem Schauspiel von Action-Star Ving Rhames zu verdanken, der für die Rolle des ehemaligen Schwergewichts-Weltmeisters nahezu prädestiniert erscheint. Rhames verleiht der Figur eine enorme Glaubwürdigkeit, so das man sich als Zuschauer ein sehr intensives Bild über einen Menschen machen kann, der selbst im Moment seines größten Erfolges von seinen Mitmenschen eher ignoriert wird, als das man ihm die Aufmerksamkeit zukommen lassen würde, die er aufgrund seiner sportlichen Leistungen durchaus verdient hätte. Townsends Film geht aber längst nicht nur auf die sportliche Seite ein, sondern beleuchtet auch die Hintergründe im Leben Listons, die höchstwahrscheinlich dazu geführt haben, das der unbeliebte Mensch immer wieder durch seinen höchst agressiven Charakter auffällt, der ihn auch ziemlich oft mit dem Gesetz in Konflikt geraten lässt.

So bekommt man durch kleinere Rückblicke in seine Kindheit einen guten Eindruck darüber, das er schon in frühester Kindheit ständig körperlicher Gewalt seines Vaters ausgesetzt war, was ganz bestimmt seinen weiteren Lebensweg stark beeinflusst hat. Und so kommt es wie es kommen muss, denn Sonny schlägt sich im wahrsten Sinne des Wortes durch sein Leben, was ihm einige Gefängnisaufenthalte einbringt. Dort erlernt er die Grundlagen des Boxsports und in ihm reift die Überzeugung, das er der nächste Weltmeister im Schwergewicht wird, wenn er wieder in Freiheit ist. Dennoch steht ihm immer wieder seine kriminelle Vergangenheit im Weg und auch seine startende Boxer-Karriere steht im Zusammenhang mit dem organisierten Verbrechen. Die im Film gezeigten Boxkämpfe sind nun nicht unbedingt hervorragend in Szene gesetzt, wirkt das Kampfgeschehen doch streckenweise etwas hölzern und ungelenk. Im Prinzip ist das aber gar nicht weiter schlimm, da doch die Geschichte an sich vielmehr im Vordergrund steht. Dabei wird insbesondere die Abneigung der Medien und der Polizei gegenüber Liston erstklassig herausgearbeitet, denn ständige Beleidigungen und Provokationen sind hier an der Tagesordnung.

Vor allem die Gesetzeshüter wollen den Boxer immer wieder aus der Reserve locken und lassen ihn unmissverständlich spüren, das er von ihnen niemals respektiert wird. Doch auch von der Presse erhält er zu keiner Zeit den nötigen Respekt, was nach seinem ersten Titelgewinn gegen Floyd Peterson mehr als deutlich zum Ausdruck kommt. Als er nämlich aus seiner Kabine kommt und Interviews geben will, steht nicht ein einziger Reporter vor der Tür, wodurch ganz klar zum Ausdruck kommt, was die Leute von ihm halten. Wenn man sich einmal in diese Situation hineinversetzt, dann müsste man eigentlich sehr gut nachvollziehen können, was in einem Menschen vorgehen muss, der gerade einen der begehrtesten Titel der Welt gewonnen hat, dafür aber keinerlei Beachtung erhält. Dabei kann man sich ganz bestimmt nur ansatzweise vorstellen, welch seelischer Schmerz dabei entstehen muss, vor allem wenn es sich um einen Menschen handelt, der in seinem Leben immer nur Ablehnung erfahren hat. Und so ist es eigentlich auch fast schon logisch, das auch das Privatleben des Boxers immer mehr aus den Fugen gerät, was insbesondere auf sein Liebesleben zutrifft. Obwohl er eigentlich glücklich verheuratet ist und seine Frau wirklich liebt, lässt sich Sonny auf eine Affäre mit der Freundin seines Managers ein, was höchstwahrscheinlich auch mit seinem bis heute ungeklärten Tod in Zusammenhang stehen kann. Denn ob es sich nun wirklich um einen wie im Film dargestellten Selbstmord gehandelt hat, oder ob Liston getötet wurde, weil er keine Kämpfe verschieben wollte, wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben.

"Phantom Punch" ist im Endeffekt ein absolut sehenswerter Film, der einen tiefen Einblick in das Leben eines Menschen gewährt, der aufgrund sienes Lebensverlaufes nicht gerade auf der Sonnenseite angesiedelt war. Dabei steht gar nicht einmal die sportliche Seite im Vordergrund der Geschichte, sondern vielmehr die menschliche Komponente. Ving Rhames in der Hauptrolle ist meiner persönlichen Meinung nach die absolut perfekte Wahl, versteht er es doch ganz hervorragend, vor allem die mürrische und unbeherrschte Seite eines Menschen authentisch und glaubwürdig darzustellen, dessen verhältnismäßig kurzes Leben nicht gerade unter einem Glücksstern stand.


Fazit:


"Phantom Punch" ist ein absolut sehenswerter Film, der faszinierende Einblicke in das Leben eines Menschen gewährt, der es nie gelernt hat, seine Gefühle auf eine andere Art als mit seinen Fäusten auszudrücken. Mangelnder Respekt, ständige Beleidigungen und Provokationen sind wohl die Hauptgründe dafür, das Sonny Liston ein unberechenbarer Charakter war, vor dem seine Mitmenschen richtiggehend Angst hatten. Robert Townsend hat vor allem diesen Aspekt sehr gut herausgearbeitet, wodurch sein Werk ein hohes Maß an Intensität erlangt. Mich hat dieser Film jedenfalls absolut fasziniert, so das ich ohne Bedenken eine Empfehlung aussprechen kann.


Die DVD:

Vertrieb: KSM
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,78:1 (16:9)
Laufzeit: 100 Minuten
Extras: Bildergalerie, Trailer


7,5/10

Donnerstag, 14. April 2011

Sweatshop









Sweatshop
(Sweatshop)
mit Ashley Kay, Peyton Wetzel, Brent Himes, Melanie Donihoo, Naika Malveaux, Julin, Krystal Freeman, Danielle Jones, Vincent Guerrero, Jeremy Sumrall, ViVi Sterling, Michael Gingold, Fernando Phagabeefy, Miko Marie, Roxy Vandiver
Regie: Stacy Davidson
Drehbuch: Ted Geoghegan / Stacy Davidson
Kamera: Stacy Davidson
Musik: Dwayne Cathey
Keine Jugendfreigabe
USA / 2009

Charlie findet mit ein paar Freunden ein verlassenes Lager, und weil sie nichts anderes zu tun haben, beschließen sie, darin eine kleine Party zu veranstalten. Doch sie haben einen ungebetenen Gast, denn das Lager ist längst nicht so verlassen, wie es auf den ersten Blick scheint. Im Dunkeln lauert der blanke Horror in Gestalt eines namenlosen Monsters. Und das hat nur ein Ziel: Es will den jungen Leuten zeigen, dass sie einen großen Fehler gemacht haben, als sie die Halle betreten haben...


Gleich zu Beginn muss ich fairerweise anmerken, das mir zur Beurteilung dieses Filmes lediglich die geschnittene deutsche DVD vorlag. Nun stellt dieser Aspekt nicht zwangsweise ein Problem dar, aber bei fast neuneinhalb fehlenden Minuten fällt es doch recht schwer, eine wirklich pbjektive Beurteilung abzugeben, die diesem Werk auch gerecht werden würde. Einige Dinge kann man aber dennoch ganz gut beurteilen, wie beispielsweise die Tatsache, das "Sweatshop" rein inhaltlich nicht gerade besonders viel Substanz anbietet, sondern vielmehr eine sehr ausgedünnte Rahmenhandlung anbietet, die zudem in vorliegender Form noch ziemlich konfus und aneinandergestückelt erscheint. Nun reduziert man ja gerade Horrorfilme mit einer eher schwachen Story ganz gern auf den vorhandenen Härtegrad, allerdings dürfte man dann in vorliegendem Fall zu einem äusserst vernichtenden Urteil gelangen, denn bis auf ganz wenige Blutspritzer wurde alles entfernt, was man nur entfernen kann. Das dadurch selbts die schon vollkommen dünne Geschichte auch noch phasenweise für Verwirrung sorgen kann ist schon fast als logische Schlußfolgerung anzusehen, erscheint das Geschehen doch streckenweise wie eine willkürliche Aneinanderreihung von Video-Clips, die kaum einen wirklichen Sinn ergeben und das Sehvergnügen fast vollkommen zerstören.

Wenn man der vorliegenden Fassung überhaupt etwas Gutes abgewinnen kann, dann ist es die ziemlich gelungene und sehr düstere Atmosphäre innerhalb der Lagerhalle, in der sich die Ereignisse abspielen. Da von denen aber wie schon erwähnt nicht gerade viel zu sehen ist, bekommt es der Zuschauer hauptsächlich mit unnützen Tanzeinlagen und sinnbefreiten Dialogen der Protagonisten zu tun, in denen es fast ausschließlich um Sex und Alkohol geht und in denen man sich gegenseitig ständig beleidigt. Die Charaktere an sich sind absolut nichtssagend und bleiben auch während der gesamten laufzeit extrem blass und jederzeit austauschbar, gelungenes Schauspiel sollte man erst gar nicht erwarten, da die Akteure mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht unbedingt zu den Könnern ihres Faches zu zählen sind. Das mag ganz sicher auch im augenscheinlich sehr niedrigen Budget begründet sein, das man dem Werk von Stacy Davidson an allen Ecken und Enden anmerkt, sollte allerdings nicht als Entschuldigung für die äusserst schlechte Qualität des Filmes dienen da man auch mit wenig Geld gute Filme produzieren kann, was hier aber ganz offensichtlich nicht der Fall ist.

Sicher, mit den fehlenden Minuten wird "Sweatshop" wohl wenigstens für die Gorehounds interessant werden, da dann laut Schnittbericht eine ganze Menge Härte Einzug in die Geschichte hält, was dieses Werk aber rein filmisch gesehen auch nicht besonders aufwerten wird. Aber die vorliegende deutsche DVD kann man schon fast als Frechheit bezeichnen, die wenigen Ansätze härterer Passagen sind ein mittelschwerer Witz, zudem bekommt man rein gar keine Informationen über die Täter und deren Motive für ihre Taten. Das ganze Geschehen wirkt vollkommen zusammenhanglos, so das zumeist überhaupt kein richtiger Erzählstrang zu erkennen ist, der auch nur ansatzweise einen Sinn ergeben würde. Erzählfluss-und Struktur kommen so erst gar nicht auf und beim Zuschauer kann sich wirklich mit der Zeit eine gewisse Wut einstellen, kommt man sich doch ziemlich offensichtlich veralbert vor. Denn trotz einer Netto-Laufzeit von gerade einmal knapp über 70 Minuten ist der Film nicht in der Lage, ganzzeitig gute und kurzweilige Unterhaltung zu bieten, das Szenario plätschert vollkommen belanglos vor sich hin und verzeichnet auch nicht den kleinsten Höhepunkt, den man positiv herausstellen könnte.

Ich persönlich versuche wirklich immer, jedem Film etwas Positives abzugewinnen, aber in vorliegendem Fall kann dies nur der Abspann sein, denn der beendet das filmische Grauen, das sich einem hier offenbart. Selbst ungeschnitten stellt "Sweatshop" sicherlich kein Meisterwerk dar, aber es wird sich dann wohl wenigstens um einen Film handeln, den man sich ganz gut anschauen kann. Zudem wird man die Freunde der härteren Gangart befriedigen und auch etliche Alles-Gucker auf seine Seite ziehen. Von der deutschen DVD kann man jedenfalls nur dringend abraten, beinhaltet sie doch rein gar nichts, was man als sehenswert einstufen könnte. Keinerlei Spannung, null Zusammenhänge, schlecht agierende Darsteller und keinerlei Härte sind nicht unbedingt Punkte, um eine Empfehlung für einen Horrorfilm auszusprechen und alle diese Punkte sind in dieser Version ausreichend vorhanden.


Fazit:


Bei einer eventuell erscheinenden ungeschnittenen Version dieses Filmes könnte eine Sichtung durchaus interessant sein, auch wenn es sich nie um ein Highlight des Genres handeln wird. Dafür bietet "Sweatshop" viel zu wenig Substanz und ist mit zu schwachen Darstellern besetzt. Lediglich der Splatter-und Gore Gehalt wird etliche Leute ansprechen, wovon man aber in vorliegender Fassung überhaupt nichts zu sehen bekommt.


Die DVD:


Vertrieb: KSM
Sprache / Ton: Deutsch DD 5.1 / Englisch DD 2.0
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,78:1 (16:9)
Extras: Art Gallery, Trailer, Bildergalerie, Hidden Feature: Motion Comic


2/10

Sonntag, 10. April 2011

Memories of Murder




Memories of Murder

(Salin-ui Chueok)
mit Kang-ho Song, Sang-kyung Kim, Roe-ha Kim, Jae-ho Song, Hie-bong Byeon, Seo-hie Ko, No-shik Park, Hae-il Park, Jong-ryol Choi, Mi-seon Jion, In-seon Jeong, Ha-kyeong Kim, Jae-iung Lee
Regie: Joon-ho Bong
Drehbuch: Joon-ho Bong / Kwang-rim Kim
Kamera: Hyung-ku Kim
Musik: Taro Iwashiro
FSK 16
Südkorea / 2003

1986: Südkorea steht unter einer Militärdiktatur. In einem kleinen Dorf nahe Seoul erschüttern die Taten eines Serienmörders die Bevölkerung. Die beiden örtlichen Polizisten Park und Jo jagen den brutalen Frauenmörder, wobei ihre Methoden jenseits der Legalität stehen. Obwohl sie schon diverse Verdächtige mittels Einschüchterung und körperlicher Gewalt zu Geständnissen gezwungen und inhaftiert haben, bleibt der wahre Mörder weiterhin auf freiem Fuß. Erst als ein gewitzter Detective aus Seoul zur Hilfe kommt, lichtet sich nach und nach das Geheimnis um den Mörder.


Angeblich auf einer wahren Begebenheit basierend erzählt dieser südkoreanische Thriller eine Geschichte, die auf der Serienkiller-Thematik beruht. Dabei unterscheidet sich dieses Werk doch ganz erheblich von etlichen Genre-Vertretern, denn im Gegensatz zu Genre-Größen wie beispielsweise "Sieben" oder "Resurrection - Die Auferstehung" wartet Regisseur Joon-ho Bong hier mit einer eher beschaulichen und ruhigen Erzählstruktur auf, die aber auch ohne großartige Gewaltdarstellungen eine hohe Intensität freisetzt, die sich ganz unweigerlich auch auf den Zuschauer überträgt. Freunde härterer Passagen werden hier nicht auf ihre Kosten kommen, denn wohlweislich hat man auf explizite Gewaltdarstellungen verzichtet, so das der Anblick der toten Frauen schon das Härteste ist, was diese Geschichte zu bieten hat. Vielmehr entfaltet sich die wahre Härte im Kopf des Zuschauers, wenn man die Taten des Mörders durch die Schilderungen der ermittelnden Beamten zu hören bekommt. Das mag nun auf viele Leute einen eher langweiligen Eindruck entstehen lassen, wer aber nicht ausschließlich auf visuelle Gewalt geeicht ist, wird die vorhandene Klasse dieses intensiven Thrillers ziemlich schnell erkennen und so mit einem hochklssigen Filmerlebnis belohnt, das gerade durch seine ruhige Erzählstruktur eine ungeheuer starke Faszination freisetzt.

Zu Beginn des Filmes wird man dabei sogar mit einigen witzig erscheinenden Momenten konfrontiert, die eher unfreiwillig komisch wirken und so ziemlich jedes Klischee bedienen, das man sich nur vorstellen kann. Ereignet sich die Mordserie doch in einer ländlichen Gegend und die ortsansäßigen Ermittler fallen hauptsächlich durch äusserst stümperhafte Ermittlungsarbeit auf. Allein schon die Spurensicherung wird dabei so dilletantisch dargestellt das man es kaum glauben kann. Wenn man dann noch die Verhörmethoden der Beamten dazunimmt, wird die Klischeebehaftung der Geschichte so richtig deutlich, wirkt aber andererseits vollkommen authentisch und glaubwürdig. Da werden Verdächtige auch gern einmal mit illegalen Methoden dazu gebracht, ein falsches Geständnis abzulegen und man ist sogar noch stolz darauf, einen mutmaßlichen Täter präsentieren zu können. Dieser Zustand ändert sich erst, als ein Inspektor aus Seoul dazukommt, der mithelfen möchte, diesen Fall aufzuklären. An dieser Stelle offenbart sich dann die meiner Meinung nach größte Stärke des Filmes, wird der Focus doch hauptsächlich auf die vollkommen unterschiedlichen Ermittlungsmethoden gelegt, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Während die ortsansäßigen Ermittler nun fast ausschließlich auf illegale Mittel zurückgreifen und zumeist nach ihrem Bauchgefühl handeln, verlässt sich der Inspektor aus der Großstadt auf logische Gedankengänge und geht die Ermittlungen sachlich an.

Besonders interessant erscheint dieser Aspekt vor allem, da sich die verschiedenen Herangehensweisen an den Fall zum Ende hin fast vollkommen umkehren, was in den letzten Minuten der Geschichte ganz besonders gut zum Ausdruck gebracht wird. Doch auch die Beziehung der Beamten untereinander ist ein wesentlicher Bestandteil des Geschehens, da es auch immer wieder zu Meinungsverschiedenheiten und teilweise sogar zu öffentlichen Feindseligkeiten kommt. Im Prinzip kommt hier aber nur der immense Druck zum Vorschein, unter dem die Männer stehen und die Hilflosigkeit der Behörden erhält ein Gescicht, da an den Tatorten nie auch nur die kleinsten Spuren gefunden werden. Und so fallen immer mehr Frauen dem Serienmörder zum Opfer, der seine Taten lediglich in regnerischen Nächten begeht und auch nur, wenn vorher im Radio ein bestimmter Song gespielt wurde. Auf diese Zusammenhäge kommt man eher zufällig, doch scheint man nun eher durch einen glücklichen Zufall dem wirklichen Täter auf die Spur zu kommen. Dessen Identität ist aber eigentlich gar nicht so wichtig für die Geschichte und so wird diesem Punkt auch nicht die größte Aufmerksamkeit gewidmet. Man bekommt keinerlei Motive geliefert und obwohl man am Ende ganz genau weiss wer der Mörder ist, bekomm tman keine hundertprozentige Bestätigung dafür. Denn eine am letzten Opfer gefundene Spermaspur ist nicht identisch mit der DNA des Verdächtigen. Den DNA-Test musste man sogar in den USA vornehmen, da zur damaligen Zeit in Südkorea solche Tests noch nicht durchgeführt werden konnten.

"Memories of Murder" ist sicherlich ein Thriller, der längst nicht jeden Geschmack treffen wird. Wer einen äusserst temporeichen und actiongeladenen Vertreter erwartet, der wird in diesem Fall wohl weniger auf seine Kosten kommen. Wer allerdings eine bedächtige Erzählweise zu schätzen weiss, in der sich die aufkommende Spannung eher langsam aufbaut, der sollte sich dieses Werk keinesfalls entgehen lassen. Langsam aber sicher kriecht einem das Geschehen richtig unter die Haut und bis zur letzten Minute ist man der von der Geschichte ausgehenden Faszination ausgeliefert. Zu guter Letzt noch ein paar Worte zu den darstellerischen Leistung, die ausnahmslos als hervorragend bezeichnet werden können. In diesem Punkt bewegt sich das Werk auf einem äusserst hohen Niveau, denn bis in die kleinsten nebenrollen ist die Geschichte absolut perfekt besetzt und es gibt auch nicht den kleinsten Ansatz für negative Kritik. Letztendlich hat Joon-ho Bong wirklich alles richtig gemacht und einen fantastischen Thriller mit Serienkiller-Thematik abgeliefert, der sich zwar ganz erheblich von den üblichen Genre-Kollegen unterscheidet, dies aber auf eine angenehme und wohlwollende Art tut.


Fazit:


"Memories of Murder" legt sein Hauptaugenmerk auf ganz andere Dinge, als wie man es ansonsten in den meisten Vertretern dieser Art zu sehen bekommt. Keinerlei explizite Gewaltdarstellungen, keine Motive des Täters und auch keine temporeiche Erzählweise des Geschehens, vielmehr stehen hier grundverschiedene Ermittlungsmethoden und schauspielerische Glanzleistungen im Vordergrund. Zudem ist es auch besonders interessant, die vorherrschende Hilflosigkeit der Beamten zu beobachten, die größtenteils noch nicht einmal die nötigen Hulfsmittel besitzen, um einen solchen Fall auch gewissenhaft und lückenlos aufzuklären, was sogar einen leicht bitteren Beigeschmack hinterlässt. Auf jeden Fall kann man für diesen Film eine unbedingte Empfehlung aussprechen, wird der Zuschauer doch mit äusserst hochwertiger Thrillerkost belohnt, die man sich nicht entgehen lassen sollte.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Koreanisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,85:1 (16:9)
Laufzeit: 132 Minuten
Extras: Trailer, Trailershow, Exklusives Booklet
 
 
9/10

Freitag, 8. April 2011

Die Meute









Die Meute
(La Meute)
mit Yolande Moreau, Emilie Dequenne, Benjamin Biolay, Philippe Nahon, Matthias Schoenaerts, Ian Fonteyn, Georges Lini, Philippe Resimont, Brice Fournier, Nicolas Leroy, Benoit Vivien, Eric Godon
Regie: Franck Richard
Drehbuch: Franck Richard
Kamera: Laurent Bares
Musik: Keine Information
SPIO/JK
Belgien / Frankreich / 2010

Die junge Charlotte trifft auf ihrem Weg durch die verschneite Einöde auf Max, einen Anhalter. Sie machen an einem heruntergekommenen Gasthaus Halt. Als Max nach einiger Zeit nicht mehr von der Toilette zurückkommt, macht sich Charlotte langsam Sorgen. Auf der vergeblichen Suche nach ihm wird sie von der Wirtin niedergeschlagen und erwacht in einem Käfig. Gefangen wie ein Tier wird Charlotte von ihr gemästet - aber für wen? Als dann plötzlich Max an der Seite ihrer Peinigerin wieder auftaucht eröffnet sich der jungen Frau die ganze schreckliche Wahrheit.


Harter französischer Horror der Marke "High Tension" - (Frankfurter Rundschau)


Seit nunmehr schon einigen Jahren erscheinen immer wieder ziemlich harte Horrorfilme aus unserem Nachbarland Frankreich, mit "Die Meute" liegt nun der nächste Vertreter dieser Art vor, der gleichzeitig auch den Regie-Erstling von Franck Richard darstellt. Nun geht man als Fan des Genres gerade bei diesen Filmen immer mit ziemlich hohen Erwartungen an die Sache ran, denn durch Filme wie "High Tension", "Inside" oder auch "Martyrs" ist man doch einen äusserst hohen Standard gewöhnt, was insbesondere den visuellen Härtegrad dieser Werke betrifft. Darum sollte sich der Zuschauer auch nicht zu sehr von dem oben genannten Zitat aus der Frankfurter Rundschau beeinflussen lassen, denn "Die Meute" kann in diesem Punkt keinesfalls mit den genannten Filmen mithalten. Das wird sicherlich viele Leute erst einmal etwas enttäuschen, doch sollte man die Dinge immer im richtigen Verhältnis zueinander betrachten. Wir haben es hier mit einem Film zu tun, der in der mir vorliegenden ungeschnittenen Version einen durchaus angemessenen und hohen Härtegrad beinhaltet, der lediglich nicht ganz an die extrem hohe Messlatte der genannten Werke heranreichen kann, das ist auch schon alles.

Dennoch werden auch die Freunde der härteren Gangart auf ihre Kosten kommen, allerdings dauert es eine ganze Weile, bis die wirklich brutalen Passagen Einzug in diese Geschichte halten. In den ersten gut 50 Minuten lebt die Story nämlich in erster Linie von ihrer herrlich dreckigen Grundstimmung und einem dramaturgisch sehr gelungenem Spannungsbogen, der sich mit zunehmender Laufzeit auch immer mehr verdichtet und so die Aufmerksamkeit des Zuschauers immer aufrecht erhält. Blut und Härte sind in diesem Teil des Filmes eher selten, was aber gar nicht einmal so schlimm ist, da man mit gesteigertem Interesse die Abläufe verfolgt, die sich einem hier offenbaren. In der zweiten Filmhälfte wird dann nicht nur das Erzähltempo der Story merklich angezogen, denn bis dahin ist der Plot doch eher etwas ruhiger verlaufen, es gibt nun auch einige wirklich derbe Momente, die das Geschehen nun vor allem auch für die Gorehounds äusserst interessant erscheinen lassen dürften. Ich bin persönlich der Meinung, das Franck Richard hier eine sehr gute Mischung gelungen ist, denn er hat nicht nur auf explizite Gewaltdarstellungen Wert gelegt, sondern seiner Geschichte vor allem eine hervorragende Atmosphäre verliehen und die Geschehnisse zudem noch sehr spannend in Szene gesetzt. Dennoch wird es ganz bestimmt wieder genügend Leute geben, die dieses Werk lediglich auf den Härteanteil reduzieren und deshalb eine kleine Enttäuschung verspüren werden.

Dabei ist "Die Meute" in seiner Gesamtheit ein wirklich fieser und sehr gelungener Horrorfilm, der einen Teil der vorhandenen Härte auch aus der gegebenen Situation der Opfer bezieht, was sich auch unauslöschlich im Kopf des Betrachters festbrennt, denn scheint die Lage der Opfer doch ziemlich aussichtslos. Dabei lässt die Story fast die gesamte Laufzeit über äusserst bedrohliche Züge erkennen, so das man sich größtenteils in der eigenen Haut nicht sonderlich wohlfühlt. Es entsteht eine gewisse Anspannung, die man auch bis zum Ende nicht ablegen kann. Auch wenn man zu Beginn noch einigermaßen entspannt die Ereignisse verfolgt, so ändert sich dieser Zustand doch schlagartig und je näher man der absoluten Wahrheit kommt, desto intensiver gestaltet sich das gesamte Geschehen, das auch eine durchaus nachhaltige Wirkung beim Zuschauer hinterlässt. Die düstere und dreckige Optik des Filmes ist als absoluter Pluspunkt anzusehen und kann auch für so manche Gänsehaut verantwortlich sein, die einen fast unwillkürlich überzieht. Irgendwie entsteht dabei der Eindruck das man ganzzeitig unter Strom steht, wird der eigene Körper doch weitesgehend mit einem Kribbeln überzogen. Man fiebert förmlich dem unausweichlichen Finale entgegen, das dann allerdings etwas anders geartet ist, als man es sich eventuell vorgestellt hat.

Insgesamt gesehen ist "Die Meute" ein wirklich sehenswerter und sehr guter Genre-Vertreter aus Frankreich, der zwar vielleicht nicht an die absoluten Größen des Genres heranreichen kann, aber immer noch überdurchschnittlich gute Horrorkost bietet. Mir persönlich hat der Film sogar ausgesprochen gut gefallen, wobei es noch nicht einmal störend ist, das dieses Werk eventuell nicht ganz so hart ist, wie man es vorher vermutet hätte. Für ein Erstlingswerk hat Franck Richard auf jeden fall eine tolle und sehr interessante Geschichte abgeliefert, die man auf jeden Fall gesehen haben sollte. Ein spannender Plot, eine richtig gelungene Atmosphäre, gut agierende Darsteller und ein angemessener Härtegrad lassen in vorliegendem Fall einen Gesamteindruck entstehen, den man als uneingeschränkt gut bezeichnen kann.


Fazit:


Das Problem bei den neuen französischen Horrorfilmen liegt ganz einfach darin begründet, das man fast schon zwangsweise Werke wie "High Tension" oder "Inside" zum Vergleich heranzieht und deshalb bei anderen sehr guten Vertretern eher enttäuscht ist, wenn diese nicht den gleichen Härteanteil beinhalten. Man sollte also besser vollkommen unbefangen an diesen Film herangehen, handelt es sich doch um ein in allen Belangen überzeugendes Gesamtpaket, das jederzeit eine wenigstens einigermaßen objektive Bewertung verdient hat.


Die DVD:

Vertrieb: Sunfilm
Sprache / Ton: Deutsch DTS, DD 5.1 / Französisch DD 5.1
Bild: 1:1,85 (16:9)
Laufzeit: 81 Minuten
Extras: Making Of, Trailer


7,5/10

Mittwoch, 6. April 2011

Bedevilled - Zeit der Vergeltung









Bedevilled - Zeit der Vergeltung
(Kim Bok-nam sakinsageonui jeonmal)
mit Yeong-hie Seo, Seong-won Ji, Min-ho Hwang, Min Je, Ji-eun-i Lee, Jeong-hak Park
Regie: Chul-soo Yang
Drehbuch: Kwang-young Choi
Kamera: Gi-tae Kim
Musik: Tae-seong Kim
Keine Jugendfreigabe
Südkorea / 2010

Nur wenige Menschen leben auf der Insel Moodo. Eine davon ist Bok-nam, die von ihrem Mann und den restlichen Bewohnern wie ein Tier behandelt wird. Ihr ganzes Leben besteht nur aus Demütigungen und Misshandlungen, die sie nur dank der Liebe zu ihrer kleinen Tochter zu ertragen vermag. Als eines Tages Bok-nam's Jugendfreundin Hae-won aus Seoul zu Besuch kommt, da keimt in der geschundenen Frau wieder die Hoffnung auf ein besseres Leben. Doch all ihr Flehen um Hilfe bleibt von der egoistischen Hae-won ungehört. Als Bok-nam auf eigene Faust versucht von der Insel zu fliehen, kommt dabei ihre Tochter ums Leben. Es ist der Beginn eines Strudels der Gewalt, dem sich niemand entziehen kann. Denn nichts wiegt so schwer, wie die eiskalte Wut einer Mutter.


Asiatische Rache-Dramen sind in der Regel schon fast eine Garantie für anspruchsvolle und sehr intensive Filmkost und "Bedevilled" zeigt auf sehr beeindruckende Art und Weise, das sich diese Behauptung wieder einmal bewahrheitet. Nun gibt es sicherlich genügend Filme, in der die Rache einer Mutter themarisiert wird, jedoch kann ich mich kaum an eine erinnern, der man ihre Rache so sehr gönnt wie Bok-nam, der Hauptfigur in dieser aufwühlenden Geschichte. Zu Beginn des Filmes wird der Zuschauer allerdings erst einmal mit dem Charakter von Hae-won konfrontiert, einer egoistischen jungen Frau aus Seoul, die gleichzeitig die beste Freundin von Bok-wan ist und eine nicht unbedeutende Rolle in dieser Story einnehmen soll. So erfährt man innerhalb kürzester Zeit, das Hae-won absolut ich-bezogen durchs Leben geht und sich eigentlich gar nicht um das Schicksal anderer Menschen schert. Dieser Aspekt wird insbesondere im zweiten Teil des Geschehens extrem wichtig, dient er doch mit als Auslöser für die Geschehnisse, die sich auf der einsamen kleinen Insel Moodo abspielen. Regisseur Chui-soo Yang setzt in seinem Film gerade am Anfang auf eine eher beschauliche und ruhige Erzählweise die erst mit der Zeit etwas temporeicher gestaltet wird, dabei aber zu keiner Zeit eine einschläfernde Wirkung auf den Zuschauer ausübt. Zu gut ist der dramaturgische Spannungsaufbau der Story, in der man prinzipiell von der ersten Minute an spürt, das sich etwas sehr Unheilvolles aufbaut, was man zu Beginn aber noch nicht richtig greifen kann. Dieser Zustand ändert sich allerdings schlagartig in dem Moment, als Hae-won ihre Jugenfreundin auf der abgelegenen Insel besucht, denn ziemlich schnell wird klar, unter welchen Umständen diese dort leben muss.

Scheint sie doch für die wenigen Bewohner der Insel viel eher eine Art Nutztier als ein Mensch zu sein, menschlicher Respekt wird ihr erst gar nicht entgegengebracht. Das Schlimmste jedoch ist ihr Verhältnis zum eigenen Ehemann und dessen Bruder, von denen sie die größten Demütigungen erfahren muss, die man sich nur vorstellen kann. Immer stärker schiebt sich die pure Menschenverachtung in den Vordergrund und man kann sich nur schwerlich vorstellen, wie ein Mensch sich so dermaßen erniedrigen lassen kann. Schläge, Tritte gegen den Kopf und ständige Vergewaltigungen stehen auf der Tagesordnung, doch Bok-wan lässt das alles über sich ergehen, da sie niemals an sich, sondern immer nur an ihre kleine Tochter denkt. Nachdem der Verdacht aufkommt, das diese von ihrem brutalen Stiefvater sexuell missbraucht wird, will die Mutter mit ihrem Kind aufs Festland flüchten und löst damit eine Katastrophe aus. Ihr Mann bemerkt nämlich den Fluchtversuch und im darauffolgendem Handgemenge wird die Tochter getötet. War "Bedevilled" bis zu diesem Zeitpunkt schon ein äusserst intensives und aufwühlendes Filmerlebnis, so steigert sich die Intensität des Filmes jetzt fast ins Unermessliche, zumal die psychische Härte nun auch noch mit blutigen und brutalen passagen angereichert wird. Es beginnt ein gnadenloser Rachefeldzug einer jungen Mutter, den man vom menschlichen Standpunkt gesehen nur zu gut nachvollziehen kann, hat sich doch in einem selbst mit der Zeit soviel Wut und Agression aufgebaut, das man die Rache am liebsten selbst vollziehen möchte.

Und so begleitet man die junge Mutter nur zu gern bei ihren nun folgenden Taten, die einerseits vollkommen ruhig und beinahe sachlich erscheinen, andererseits aber die ganze Wut und Verzweiflung ausdrücken, die sich im Laufe der Zeit in ihr angestaut haben. Aus der einst so ruhigen Frau, die sämtliche Demütigungen über sich ergehen ließ, wird eine unkontrollierbare Mordmaschine, die durch nichts aufzuhalten ist und hier nicht nur Rache für den Tod ihrer Tochter nimmt, der ihr von den Insel-Bewohnern auch noch fälschlicherweise in die Schuhe geschoben wurde. Es ist die aufgestaute Wut von etlichen Jahren der Erniedrigung, die hier wie eine Explosion aus ihr herauskommt und darstellerisch absolut brillant und authentisch in Szene gesetzt wird. Doch nicht nur die Hauptdarstellerin, sondern die gesamte Darsteller-Riege agiert hier sehr beeindruckend. Das dargebrachte Schauspiel ist dabei streckenweise schon fast erschreckend realistisch, so das größtenteil gar nicht der Eindruck eines Spielfilmes entsteht, vielmehr überkommt einen das Gefühl, sich in einer wahren Begebenheit zu befinden, die sich in diesem Moment vor einem abspielt. "Bedevilled" trifft einen mit der Wucht eines Keulenschlages mitten in die Eingeweide und hinterlässt vor allem aufgrund seines tragischen Endes einen sehr bitteren Beigeschmack, der auch noch eine lange Zeit vorhält. Es ist verdammt schwer, die Geschehnisse so richtig sacken zu lassen, wühlt einen die Story doch spürbar auf und löst dabei ein hohes Maß an Wut aus, die man fast körperlich spüren kann. Man möchte hilfreich eingreifen und der jungen Mutter zur Seite stehen, muss aber tatenlos zusehen, wie sie einem Vulkanausbruch ähnlich einen Rachefeldzug beginnt, der auch vor ihrer besten Freundin keinen Halt macht. Denn auch Hae-won war Zeugin beim Tod der kleinen Tochter, doch wie schon in der Anfangsphase des Filmes glänzte sie wieder einmal durch Gleichgültigkeit gegenüber ihren Mitmenschen und war so mitverantwortlich, das die Schuldigen nicht bestraft wurden.

Letztendlich handelt es sich hier um einen Film, der an Intensität kaum zu überbieten ist und den Zuschauer noch lange nach dessen Ende sehr nachdenklich zurücklässt. Immer wieder stellt man sich dabei die Frage, wie viele Demütigungen und Erniedrigungen ein Mensch über sich ergehen lassen kann und nicht daran zerbricht. "Bedevilled" stellt allerdings nicht nur diesen Aspekt in den Vordergrund, sondern prangert auch den menschlichen Egoismus an, der viele dazu bewegt, sich immer nur um sich selbst zu kümmern und ansonsten lieber wegzuschauen, um nicht selbst in Schwierigkeiten zu kommen. So beinhaltet der Film also auch eine äusserst sozialkritische Note, die dem Gesamtwerk sehr gut zu Gesicht steht. Insgesamt gesehen kann man wirklich von einem perfekten Film sprechen, der in wuchtigen Bildern eine Geschichte erzählt, die einem merklich unter die Haut geht und ihre Spuren hinterlässt. Dramaturgisch erstklassig in Szene gesetzt entfacht der Plot dabei einen Härtegrad, der nicht nur in psychischer Hinsicht zu spüren ist. Ein herausragendes Darsteller-Ensemble tut sein Übriges, um dieses herausragende Werk zu einem echten Erlebnis zu machen, von dem man sich nach seiner Sichtung erst einmal erholen muss.


Fazit:


Es gibt etliche asiatische Dramen, die beim Zuschauer einen sehr nachhaltigen Eindruck hinterlassen, doch "Bedevilled" ragt aus dieser gruppe noch einmal heraus. Hart, kompromisslos und extrem aufwühlend wird die Geschichte einer Mutter erzählt, die kaum grausamer hätte ausfallen können. Authentisches Schauspiel und ein immens hoher Härtegrad sorgen für ein intensives Filmerlebnis, das man bedenkenlos weiterempfehlen kann. Man sollte allerdings von Beginn an wissen, das es sich hier um keine seichte Unterhaltung handelt, sondern um eine Geschichte, die sich regelrecht im Kopf des Zuschauers festfrisst und auch noch lange Zeit nachwirkt.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Koreanisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 112 Minuten
Extras: Trailer, Trailershow, Exklusives Booklet


9,5/10

Montag, 4. April 2011

Fröhliche Weihnacht









Fröhliche Weihnacht
(Don't Open 'Til Christmas)
mit Edmund Purdom, Alan Lake, Belinda Mayne, Mark Jones, Gerry Sundquist, Kelly Baker, Kevin Lloyd, Wendy Danvers, Nicholas Donnelly, Pat Astley, Laurence Harrington, Ken Halliwell, Ray Marioni, Wilfried Corlet, Ricky Kennedy
Regie: Edmund Purdom
Drehbuch: Derek Ford / Al McGoohan
Kamera: Alan Pudney
Musik: Des Dolan
Ungeprüft
Großbritannien / 1984

Eine ganze Stadt in Angst und Schrecken. London zittert. Eine Serie bizarrer Morde erschüttert die Metropole. Bereits fünf Männer wurden von einem Wahnsinnigen Unbekannten auf makabere Weise getötet. Immer wieder schlägt er erbarmungslos zu. Jeder kann der nächste sein. Doch die Opfer des Psychopathen müssen immer ein Weihnachtsmann-Kostüm tragen und an ausgefallenen Orten - im Wachsfigurenkabinett oder in einer Sexshow - arbeiten. Der Mörder hinterläßt keine brauchbaren Spuren. Die Männer um Inspektor Harris vom Scottland Yard tappen völlig im Dunkeln. Immer wieder schlägt der Killer grausam zu. Auch das bildhübsche und unter seinem Nikolausmantel kaum bekleidete Fotomodell Sharon gerät in seine Fänge.


Die Meinungen zu diesem Slasher aus den 80er Jahren sind größtenteils eher negativer Art, Begriffe wie absoluter Mist oder totale Zeitverschwendung sind dabei keine Seltenheit. Und zugegebenermaßen erscheint diese britische Produktion nicht unbedingt logisch und beinhaltet auch ansonsten einige ziemlich offensichtliche Defizite. Dennoch übt das Werk von Edmund Purdom, der auch gleichzeitig in der Hauptrolle zu sehen ist, seine ganz eigene Faszination auf den Zuschauer aus, die nicht unbedingt in logischen Handlungsabläufen zu suchen ist. Streckenweise erscheint das Szenario sogar ein wenig abgehackt und seltsam aneinandergestückelt, so das phasenweise eine nicht gerade flüssige Erzählstruktur in den Vordergrund tritt, was vielleicht auch ein Grund für die zumeist eher schlechten Kritiken sein dürfte. Und trotzdem offenbart sich meiner Meinung nach eine recht interessante und spannende Geschichte, in der die Identität des scheinbar psychophatischen Mörders anscheinend offen auf der Hand liegt, sich aber am Ende doch noch als Trugschluß herausstellen soll. Die wahre Identität des Täters ist dann zwar an den Haaren herbeigezogen und wird auch durch einen eher banlen Erklärungsversuch dargelegt, doch mich hat das im Prinzip gar nicht einmal sonderlich gestört.

Das liegt in erster Linie an den teilweise netten Kills, die der Film beinhaltet und vor allem daran, das man hier noch handgemachte Effekte zu sehen bekommt. Nun verfügt das Geschehen zwar nicht unbedingt über einen immensen Härtegrad, jedoch bekommt man solide Horrorkost geboten, bei der man durchaus auf seine Kosten kommen kann. Einige blutige Einstellungen und diverse Splatter/Gore Effekte sorgen dabei für kurzweilige Unterhaltung und auch in atmosphärischer Hinsicht weiss das Werk von Edmund Purdom durchaus zu überzeugen. Insbesondere in den nächtlichen Passagen entfalten sich dabei auch bedrohliche und unheimliche Züge, die einen über so manch vorhandenes Manko gern hinwegschauen lassen. Logik-Liebhaber und Freunde gekonnten Schauspiels hingegen könnten sich durchaus die Haare raufen, denn gerade im Bezug auf diese beiden Dinge ist "Fröhliche Weihnacht" viel eher ein schwacher Vertreter seiner Art, obwohl Slasher ganz generell bei diesen Dingen nicht gerade oft zu punkten wissen. Und so erscheint vor allem das Darsteller-Ensemble streckenweise etwas ungelenk und hölzern, auch Ausdrucksstärke der Akteure ist keine besondere Stärke dieses Filmes.

Wer allerdings über diese ganzen negativen Sachen hinwegsehen kann, wird immer noch mit einem sehr unterhaltsamen Horrorfilm konfrontiert, den man sich jederzeit gut anschauen kann. Mich selbst hat eigentlich lediglich die Erzählstruktur ein wenig gestört, die wie schon kurz erwähnt in vielen Passagen seltsam abgehackt erscheint, wodurch nur sehr selten so etwas wie ein richtiger Erzählfluss entsteht. Dadurch wird das Sehvergnügen dann doch etwas getrübt, ein etwas besseres Drehbuch wäre in dieser Beziehung sicherlich eine große Hilfe gewesen. Dennoch kann ich die größtenteils schon fast vernichtenden Meinungen nicht so ganz nachvollziehen, gibt es doch gerade im Sub-Genre des Slashers genügend Vertreter, die weitaus schlechter geraten sind und noch nicht einmal auf den reinen Unterhaltungswert bezogen überzeugen können.

Regisseur Edmund Purdom hat sicherlich viele Dinge falsch gemacht, aber insgesamt gesehen handelt es sich bei seinem Film um nicht ganz logische, dafür aber um teilweise sehr spannende und atmosphärische Horrorkost, die zudem noch mit mit etlichen sehenswerten kills garniert ist. Wie eigentlich immer ist es letztendlich reine Geschmackssache und die Geschmäcker sind ja bekanntlicherweise sehr verschieden. Ich fühlte mich jedenfalls ganzzeitig gut unterhalten und kann nur jedem raten, diesem Film mal eine Chance zu geben.


Fazit:


"Fröhliche Weihnacht" ist mit absoluter Sicherheit kein Klassiker des Genres und auch kein Film, der höheren Ansprüchen genügen könnte. Dennoch hat auch dieses Werk berechtigterweise seine ganz eigene Fan-Gruppe, zu der ich mich auch zähle. Und auch wenn die Logik teilweise ziemlich offensichtlich ausser Kraft gesetzt wurde und die Darsteller nicht zu den Besten gehören, entsteht ein unterhaltsamer Gesamteindruck, den man dem Film ganz einfach nicht absprechen kann.


7/10

Freitag, 1. April 2011

Legend of the Fist









Legend of the Fist
(Jing mo fung wan: Cheng Zhen)
mit Donnie Yen, Qi Shu, Anthony Wong Chau-Sang, Yasuaki Kurata, Shawn Yue, Karl Dominik, Ryu Kohata, Bo Huang, Jiajia Chen, Siyan Huo, Zhou Yang, Alex Ahlstrom, Shi Feng, Yale Varty
Regie: Andrew Lau
Drehbuch: Gordon Chan
Kamera: Andrew Lau / Man Ching Ng
Musik: Kwong Wing Chan
Keine Jugendfreigabe
China / Hongkong / 2010

Shanghai 1925: Die japanischen Besatzer kontrollieren mit brutaler Härte den nördlichen Bezirk der pulsierenden Weltstadt, um heimlich ihre anstehende Invasion vorzubereiten. Dort liegt der glamouröse Nachtclub Casablanca, ein Treffpunkt für die chinesischen Triaden, hochrangige japanische Offiziere und internationale Spione. Mitten im Geschehen: Kung-Fu-Kämpfer Chen Zhen, der inkognito in seine Heimatstadt zurückgekehrt ist. Vor vielen Jahren rächte er den blutigen Mord an seinem Meister und floh danach ins Ausland. Als maskierter Widerstandskämpfer versucht er den Japanern Einhalt zu gebieten. Die Lage spitzt sich zu, als eine Todesliste mit unliebsamen Regimegegnern veröffentlicht wird und Chen Zhen vom unbarmherzigen japanischen Oberst Chikaraishi herausgefordert wird.


Mit "Legend of the Fist" hat die Firma Splendid mal wieder einen erstklassigen aistischen Actioner von Amasia veröffentlicht, in dem insbesondere der Name des Haupt-Charakters (Chen Zhen) den eingefleischten Eastern-Fans bekannt vorkommen dürfte. Und richtig, handelt es sich doch um den Helden aus "Todesgrüße aus Shanghai", der 1972 vom unvergessenen Bruce Lee dargestellt wurde. Nun handelt es sich allerdings keineswegs um eine weitere Neuauflage der damaligen Geschichte, sondern vielmehr um eine Fortsetzung die einige Jahre später angesiedelt ist. Hält man sich jetzt allerdings noch einmal die letzten Einstellungen des legendären Bruce Lee-Klassikers vor Augen, dürfte es im Prinzip gar keine Fortsetzung geben, verstarb der Held doch ziemlich offensichtlich im Kugelhagel der Polizei. Aber gut, wenn man einmal von diesem kleinen Widerspruch absieht, dann bekommt man in vorliegendem Film eine erstklassige und zudem äusserst actiongeladene Geschichte präsentiert, an der man als Fan asiatischer Kampfsportfilme seine helle Freude haben kann. Doch Regisseur Andrew Lau hat dabei nicht ausschließlich auf gelungene Fights und kampfhandlungen gesetzt, sondern seinem Werk auch noch eine wirklich farbenprächtige und sehr ansehnliche Story verpasst, an der es eigentlich kaum Grund zur Kritik gibt.

In der Hauptrolle des Chen Zhen ist der allseits beliebte "Ip Man" - Donnie Yen zu sehen, der wieder einmal diverse Kostproben seiner hervorragenden Kampfkunst in die Waagschale wirft und der Story so einen ziemlich hohen Unterhaltungswert garantiert. Doch es sind längst nicht nur die erstklassigen Fights die für Begeisterung beim Zuschauer sorgen, denn ganz generell handelt es sich um eine mehr als gelungene Inszenierung, die meiner Meinung nach auch durch die sehr interessante Thematik vollkommen überzeugen kann. Wie schon im Original von 1972 dreht sich eigentlich alles um die im eigenen Land unterdrückten Chinesen, die von den japanischen Besatzern gedemütigt werden, wo es nur geht. Eine endgültige Invasion der Agressoren steht kurz bevor und der chinesische Widerstand versucht mit allen Mitteln, diese zu verhindern. Chen Zhen, der jahrelang auf der Flucht war, nachdem er den Tod seines Meisters gerächt hatte und dabei auch im ersten Weltkrieg in Europa mitgewikt hat, kehrt unter falscher Identität nach Shanghai zurück, um sich am Widerstand zu beteiligen. Das es dabei zu etlichen gelungenen Action-Passagen kommt, kann man sich selbst ohne große Fantasie ausmalen und auch, wenn manch einer sich eventuell noch mehr Action gewünscht hätte, sind die vorhandenen Kämpfe absolut erstklassig in Szene gesetzt worden.

Gut über den Film verteilt bekommt der Zuschauer wieder einmal einen guten Einblick über das Können eines Donnie Yen, der zur Hochform aufläuft und den Japanern das Leben äusserst schwer macht. Das Ganze gipfelt in einem unvermeidlichen Showdown zwischen ihm und dem japanischen Oberst Chikaraishi, dessen Vater vor einigen Jahren Chen Zhens Rache zum Opfer gefallen ist. Der finale Endkampf der beiden Gegner ist allerdings nur einer von vielen vorhandenen Höhepunkten eines Filmes, in dem auch die vollkommen gegensätzlichen Charaktere grandios dargestellt werden. Als Zuschauer steht man von der ersten Minute an auf der Seite der unterdrückten Chinesen, wobei aber vor allem Donnie Yen durch seine großartige Ausstrahlung wie immer jede Menge Symphatiepunkte sammeln kann, wohingegen insbesondere Ryu Kohata (Oberst Chikaraishi) ganz hervorragend als böser Gegenpart aufgebaut wird. Ob dies alles in einer politisch korrekten Art geschieht lasse ich einmal dahingestellt, jedoch kommen die Kontraste erstklassig zum Ausdruck. Fiebert man einerseits mit dem symphatischen Helden mit, so bauen sich andererseits Wut und Abneigung gegen den Gegenspieler auf, der aber auch wirklich in höchstem Maße unsymphatisch dargestellt wird. Handelt es sich doch augenscheinlich um einen vollkommen machtbesessenen und absolut gefühlslosen Mann, der auch vor der Ermordung der eigenen Leute nicht zurückschreckt. Dabei scheint es ihm ganz offensichtlich sogar Freude zu machen, andere zu demütigen und sie seine von ihm ausgehende Eiseskälte spüren zu lassen. So ist es dann auch nicht weiter verwunderlich, das man ihm im finalen Endkampf jeden einzelnen Schlag von Herzen gönnt, den er von Chen Zhen einstecken muss, phasenweise überkommt einen dabei sogar das Gefühl, das man selbst diese Schläge austeilt.

Ob sich die damaligen Verhältnisse zwischen China und japan nun wirklich in ähnlicher Form abgespielt haben mag ich nicht zu beurteilen, wird in vorliegendem Film doch kaum eine Grauzone zwischen Gut und Böse gelassen, doch ist die gewählte Inszenierung von Andrew Lau auf jeden fall darauf ausgerichtet, das man als Zuschauer ganz eindeutig Stellung für eine Seite bezieht. Das mag für viele Leute eher ein Defizit darstellen, doch sollte man dieses Werk nicht unbedingt nach seiner Glaubwürdigkeit, sondern vielmehr nach seinem Unterhaltungswert beurteilen und dieser ist definitiv ziemlich hoch angesiedelt. Tolle Bilder, eine sehr spannende Story, gut agierende Darsteller und jede Menge hochklassiger Action lassen hier einen Gesamteindruck entstehen, den man letztendlich nur als sehr gut bezeichnen kann. Mir persönlich hat der Film äusserst gut gefallen, so das ich nur eine unbedingte Empfehlung aussprechen kann, denn Action-Fans kommen voll auf ihre Kosten.


Fazit:


Mit Donnie Yen hat man ganz eindeutig den richtigen Mann für die Hauptrolle verpflichten können, denn seine kampfkunst ist einfach immer wieder absolut sehenswert. Doch auch ansonsten kann sich die Darsteller-Riege jederzeit sehen lassen und überzeugt durch sehr gutes Schauspiel. Meiner Meinung nach hat Andrew Lau alles richtig gemacht und mit "Fist of the Legend" einen hervorragenden Film kreiert, der jede Menge Action und absolute Kurzweil bietet, die sich kein fan solcher Filme entgehen lassen sollte.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Mandarin DD 5.1
Untertitel: Deutsch / Niederländisch
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 103 Minuten
Extras: B-Roll, Featurettes


8/10