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Montag, 30. Mai 2011

Mother's Day









Mother's Day
(Mother's Day)
mit Deborah Ann Woll, Shawn Ashmore, Lisa Marcos, Patrick John Flueger, Frank Grillo, Jaime King, Tony Nappo, Rebecca De Mornay, Warren Kole, Matt O'Leary, Briana Evigan, Lyrig Bent, Jessie Rusu, J. LaRose, Alexa Vega
Regie: Darren Lynn Bousman
Drehbuch: Scott Milam
Kamera: Joseph White
Musik: Bobby Johnston
Keine Jugendfreigabe
USA / 2010

Beth und Daniel sind frisch ins neue Eigenheim gezogen und feiern eine Party für die besten Freunde. Leider kommen auch ein paar üble Typen, die nicht eingeladen waren, sich aber trotzdem ganz wie zu Hause fühlen. Die drei Koffin-Brüder sind auf der Flucht vor dem Gesetz, und der jüngste von ihnen hat eine Kugel im Leib. Nun sind sie gerecht erstaunt, in ihrem (zwischenzeitlich zwangsversteigerten) Haus fremde Pfeffersäcke anzutreffen. Mutter muss entscheiden, was nun passiert. Und Mutter ist für schmerzhafte Einschnitte.


Drei Jahrzehnte hat es gedauert, bis das Original von Charles Kaufman nun endlich eine Neuauflage erhalten hat, die sich wirklich sehen lassen kann. Dabei ist allerdings nur noch das Grundgerüst der Original-Story erhalten geblieben, denn ansonsten wartet das Remake mit etlichen Neuerungen auf. So sind beispielsweise viel mehr Charaktere enthalten und man bekommt es auch mit vollkommen neuen Handlungsabläufen zu tun. Im Gegensatz zum Original, das hauptsächlich durch seine trashige Note in Fan-Kreisen schon längst Kultstatus erreicht hat, wird der Zuschauer hier mit einem vollkommen ernsten und harten Horror-Thriller konfrontiert, der nach einer verhältnismäßig kurzen Anlaufzeit sofort in die Vollen geht und einem dabei ein perfides Katz-und Maus Spiel in den Vordergrund rückt, das sich zwischen Tätern und Opfern abspielt. Im Focus steht dabei selbstverständlich die Mutter der Koffin-Brüder, die hier von Rebecca De Mornay sehr fawcettenreich dargestellt wird und die ihre Familie sichtlich im Griff hat. Schon nach sehr kurzer Zeit wird einem dabei klar, das die gesamte Familie anscheinend psychophatisch veranlagt ist, was sich einerseits im Umgang untereinander wie auch im Verhalten gegenüber den Geiseln äussert. Und diese psychophatische Seite wird dabei exzellent zum Ausdruck gebracht, wobei der wahre Wahnsinn hauptsächlich von der Mutter ausgeht, da ihre Kinder lediglich die von ihr gegebenen befehle ausüben und ihr richtiggehend hörig sind.

Diesen Aspekt hat Darren Lynn Bousman originalgetreu aus dem 1980er Werk übernommen und sehr eindrucksvoll in Szene gesetzt, denn insbesondere das Verhalten der Mutter lässt einem phasenweise das Blut in den Adern gefrieren. Verbirgt sich doch hinter der zu Beginn noch freundlichen Fassade eine Eiseskälte, die fast schon zwangsläufig eine Gänsehaut beim Zuschauer entstehen lässt. So müssen sich gerade die Geiseln wie im falschen Film vorkommen, werden sie doch einerseits mit freundlichen und netten Worten umgarnt, um kurz danach in ein Terror-Szenario geworfen zu werden, das an die psychischen und physischen Grenzen der Belastbarkeit geht. Zwietracht wird gesäät, die Freunde werden gegeneinander ausgespielt und werden sogar dazu gezwungen gegeneinander zu kämpfen, um ihre Frauen zu beschützen. Die dabei entstehende Drucksituation ist so enorm, das man die Spannung förmlich greifen kann. Ganz generell ist der Spannungsaufbau als äusserst gelungen zu bezeichnen, zudem entfaltet die Geschichte mit zunehmender Laufzeit eine immer bedrohlicher erscheinende Atmosphäre, da sich das Geschehen immer mehr zuspitzt und eine bevorstehende Eskalation eigentlich nur eine Frage der Zeit ist. Zwischendurch gibt es immer wieder einige Momente, in denen sich den Geiseln diverse Möglichkeiten zur Flucht ergeben, die aber allesamt aus den verschiedendsten Gründen im Sande verlaufen. Nun könnte man in diesem Punkt eventuell etwas negative Kritik anbringen, da es zu mehreren im ersten Moment unlogischen Verhaltensweisen kommt, betrachtet man aber die Lage der Opfer einmal etwas genauer, kann man schon Verständnis für ihr Verhalten aufbringen und sieht die Dinge aus einem ganz anderen Blickwinkel.

Durch ständige Drohungen und Manipulationen der Mutter wird nämlich sehr geschickt die Gruppendynamik der Geiseln ausser Kraft gesetzt, so das der pure Egoismus und Überlebenswille jedes Einzelnen geschürt wird. Die dabei entstehenden Spannungen unter den Freunden arten immer mehr aus und körperliche Auseinandersetzungen sind eine schon fast logische Folge. Auf einmal ist von der zu Beginn vorherrschenden Freundschaft der Gruppe fast gar nichts mehr zu spüren, wodurch auch immer mehr kleine Geheimnisse ans Tageslicht kommen. So kommt dann auch bei den meisten Protagonisten deren wahrer Charakter durch, der am Anfang noch nicht einmal ansatzweise zu erkennen war. Das Ganze strahlt zudem eine äusserst beklemmende Wirkung auf den Betrachter aus, was durch den räumlich begrenzten Schauplatz noch zusätzlich unterstützt wird. Bis auf ganz wenige Ausnahmen spielt sich nämlich das ganze Szenario im ehemaligen Haus der Familie Koffin ab, wodurch die Ereignisse einen klaustrophobischen Anstrich erhalten. Und so fühlt man auch sich selbst nicht gerade sehr wohl in der eigenen Haut, entsteht doch im Laufe der Zeit eine stark ausgeprägte Identifikation mit der gegebenen Situation, die eine seltsam faszinierende Wirkung auf einen hinterlässt, der man sich kaum entziehen kann.

Regisseur Darren Lynn Bousman (Saw II-IV) hat seiner Geschichte natürlich auch einen entsprechenden Härtegrad beigemischt, der zwar in keiner Phase den Rahmen springt, aber doch einige derbe und blutige Momente aufweist, die dem Geschehen angemessen sind. Der Großteil an Härte entsteht jedoch im Kopf des Zuschauers und ergibt sich aus der Lage, in der sich die Opfer befinden. Ausserdem stellt sich auch noch eine gewisse Furcht ein, denn die Ausstrahlung und Eiseskälte von Rebecca De Mornay lässt nichts Gutes vermuten, was sich im Laufe der Geschichte ja auch mehr als nur bewahrheiten soll. Das Schlimmste dabei ist die Kombination aus purem Sadismus und teuflischer Intelligenz, die sie in der Rolle der Mutter an den Tag legt und darstellerisch sehr glaubhaft zum Betrachter transportiert. Verkörpert sie doch brillant eine Meisterin der Manipulation, was man allein schon in der hündischen Ergebenheit ihrer Kinder erkennen kann, die einfach alles tun, um ihrer Mutter zu gefallen. Dabei nimmt auch das wirkliche Verhältnis der Familie zueinander im Verlauf des Geschehens noch eine wichtige Rolle ein, die schon in der Eröffnungspassage des Filmes angedeutet, aber erst im weiteren Verlauf manifestiert wird. So kann man letztendlich von einem wirklich gelungenen Remake sprechen, das sich keineswegs als billige 1:1 Kopie herausstellt, sondern lediglich die Grundidee des Originals beinhaltet, aber ansonsten einen ganz anderen Weg geht. Dadurch ist ein richtig überzeugender und guter Horror-Thriller entstanden, der durch seine temporeiche Erzählweise, einem angemessenen Härtegrad und ein perfides Katz-und Maus Spiel einen spannenden Filmgenuss verspricht, den man sich als Genre-Fan keinesfalls entgehen lassen sollte.


Fazit:


Es gibt ja sogar Leute, die diesen Film mit einer absolut vernichtenden Kritik versehen, da sie die Darsteller als unglaubwürdig und deplaciert bezeichnen. Da frage ich mich ehrlich, ob diese Menschen den gleichen Film wie ich gesehen haben. Sicherlich liegt alles im Auge des Betrachters, aber Bousman hat hier eine absolut gelungene Neuauflage an den Start gebracht, in der gerade die überzeugenden Darsteller einen nicht gerade unwesentlichen Anteil am insgesamt sehr guten Gesamteindruck haben, den man von diesem Film gewinnt. Herausragend ist dabei Rebecca De Mornay, die in der Hauptrolle authentisch und furchteinflössend die psychophatische und eiskalte Mutter spielt. Für mich jedenfalls hat sich das lange Warten auf dieses Remake gelohnt, wurde ich doch mit einem jederzeit packenden und harten Filmerlebnis belohnt, das ich bedenkenlos weiterempfehlen kann.


8,5/10

Freitag, 27. Mai 2011

Scre4m









Scre4m
(Scream 4)
mit Lucy Hale, Roger Jackson, Dane Farwell, Anna Paquin, Kristen Bell, Brittany Robertson, Neve Campbell, Alison Brie, David Arquette, Courteney Cox, Aimee Teegarden, Hayden Panettiere, Emma Roberts, Shenae Grimes, Marielle Jaffe
Regie: Wes Craven
Drehbuch: Kevin Williamson
Kamera: Peter Deming
Musik: Marco Beltrami
FSK 16
USA / 2011

Was ist dein Lieblingshorrorfilm? Mit einem Anruf und einer Stimme, die man nie mehr vergisst, begann die grausame Mordserie in Woodsboro. Seitdem hat Sidney (Neve Campbell) ihre Heimatstadt nicht mehr besucht, doch nun kehrt sie mit gemischten Gefühlen und einem Bestseller über das Verarbeiten der traumatischen Erlebnisse im Gepäck zurück. Ausgerechnet am Jahrestag der grausamen Morde soll sie aus ihrem Buch lesen, was nicht nur Sheriff Dewey (David Arquette) und seine Frau, die Reporterin Gale (Courteney Cox) neben Sidney damals die einzigen Überlebenden in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Auch Sidneys Tante (Mary McDonnell), ihre fast erwachsene Cousine Jill (Emma Roberts) sowie deren beste Freunde Kirby (Hayden Panettiere) und Charlie (Rory Culkin) sehen ihrem Besuch mit Freude und Sorge gleichermaßen entgegen.

Mit gutem Grund, denn Sidneys Rückkehr ruft einen alten Bekannten auf den Plan, den die meisten in Woodsboro nur noch als blutigen Mythos oder iPhone-App kennen: der Ghostface-Killer ist zurück und mit ihm seine sadistische Jagd auf Sidney und ihre Freunde! Mittlerweile haben sich jedoch die Regeln für Horrorfilme geändert: Das Unerwartete ist in Zeiten von Remakes und Sequels längst Klischee und auch Jungfrauen werden nicht mehr verschont. Es wird Zeit, dass jemand Neues stirbt



Als ich das erste Mal von dem Gerücht hörte, das Altmeister Wes Craven doch noch einen weiteren Scream-Teil auf den Weg bringen wollte, löste das nicht gerade Begeisterung in mir aus. War ich doch der Meinung, das die Geschichte mit dem dritten Teil einen gelungenen und runden Abschluß gefunden hatte und man hätte es dabei belassen sollen. Doch nach der Sichtung des neuen Filmes muss ich ganz ehrlich ansagen, das Craven eine wirklich sehr gute und gelungene Fortsetzung gelungen ist, die dem Zuschauer alles das bietet, was man schon aus der bisherigen Trilogie gewohnt war. Im Normalfall wünscht man sich ja gerade als Horror-Fan, das neue Filme mit innovativen Ideen auf den Markt kommen, allerdings gibt es auch immer wieder Ausnahmen wie es in vorliegendem Film der Fall ist. Craven hat sich nämlich des altbekannten Musters bedient und im Prinzip keinerlei Neuerungen in seine Geschichte einfließen lassen, was manch einem eventuell langweilig erscheinen mag, diesem Werk aber meiner Meinung nach seinen ganz besonderen Reiz verleiht. Und so ist man auch von der ersten Minute an wieder völlig dem wohlbekannten Scream-Fieber verfallen, das einem in der Vergangenheit so schöne und teils auch humorige Horrorkost geliefert hat, an der man sich immer wieder erfreuen kann. Wenn man es nicht wüsste, würde man ehrlich gesagt nicht auf die Idee kommen, das mittlerweile 15 Jahre ins Land gegangen sind, denn der erste Teil der Reihe erschien ja im Jahre 1996. Dies wird einem schon dadurch klar, das sich die drei Hauptdarsteller Neve Campbell, David Arquette und Courteney Cox rein optisch kaum verändert haben, als wenn das Rad der Zeit an ihnen vorbeigegangen wäre, ohne dabei größere Spuren zu hinterlassen.

Sydney besucht zum 15. Jahrestag der Ereignisse aus dem ersten Teil ihre Heimatstadt, wobei es sich um eine Lesereise für ihr erschienenes Buch handelt. Natürlich dauert es nicht besonders lange, bis es wieder die ersten neuen Opfer zu beklagen gibt. Ein neuer Mörder scheint sich an die Fersen von Sydney geheftet zu haben und seine Morde deuten ziemlich schnell darauf hin, das er im Prinzip ein remake der ersten Woodsboro-Morde plant, gleichen sich diese doch auf eine sehr auffällige Art und Weise. Und so werden die drei symphatischen haupt-charakter ein weiteres Mal in ein Szenario verwickelt, das doch erschreckende Ähnlichkeiten mit der Vergangenheit aufweist. Man sieht also, es wird eigentlich nichts Neues geboten und dennoch bietet "Scre4m" genau das, was man sich von diesem Film erwartet hat. Altbekannte-und sehr bewährte Zutaten wurden in eine spannungsgeladene Geschichte gepackt, deren Spannungsbogen sich fast im Minutentakt immer weiterentwickelt, zudem ist das Geschehen mit der typischen "Scream-Atmosphäre" versehen, die man so lieben gelernt hat. Spannende Handlungsabläufe und etliche Morde sorgen dabei für ein ganzzeitig exzellentes Horrorfilm-Erlebnis, das zwar wie schon in den vorherigen Teilen nicht extrem hart und blutig ausfällt, aber dennoch einige gute Momente vorzuweisen hat.

Ausserdem kommt es auch hier wieder zu etlichen humorigen Passagen, denn der Killer weist auch dieses Mal wieder einige recht tölpelhafte Züge auf, so das ihm einige seiner Opfer erst nach mehreren Versuchen zum Opfer fallen und Sydney ihm wie gewöhnt immer wieder entkommen kann. Obwohl es sich hier wirklich um das identische Strickmuster der drei Vorgänger handelt, ist es komischerweise genau das, was man eigentlich sehen will, denn die Scream-reihe braucht keineswegs frisches Blut oder innovative Einflüsse, denn in diesem Fall will man ganz einfach das Altbewährte präsentiert bekommen. Das bezieht sich auch auf die manchmal nicht ganz logischen verhaltensweisen einiger Protagonisten und auch die sich ziemlich dümmlich anstellenden Ordnungshüter dürfen dabei nicht fehlen. Fast selbstverständlich ist auch der Umstand, das während der geschichte etliche verdächtige auftauchen, denn Wes Craven hat auch in diesem fall wieder einmal etliche falsche Fährten gelegt, um die wahre Identität des Killers fast bis zum Ende im Dunkeln zu lassen. Und ehrlich gesagt ist ihm das auch sehr gut gelungen, denn die Preisgabe der Identität kann wirklich für einen echten Überraschungsmoment beim Zuschauer sorgen, eingefleischte Fans der Reihe können aber durch einige Kleinigkeiten auch durchaus auf die Spur des Killers kommen.

Letztendlich hat Craven gut daran getan, doch noch einen vierten teil der beliebten Reihe auf den Weg zu bringen, bekommt man doch eine richtig spannende und interessante Geschichte präsentiert, die zwar das übliche Strickmuster erkennen lässt, aber dadurch rein gar nichts von ihrer Faszination einbüsst. Eigentlich ist sogar eher das Gegenteil der Fall, denn gerade die immer wieder auftretenden Ähnlichkeiten der jeweiligen Scream-Teile machen diese Filme so absolut sehenswert. Was einem bei manch anderen mehrteiligen Reihen eher Langeweile beschert, ist in diesem speziellen Fall als absolutes Markenzeichen anzusehen, macht es diese Filme doch so speziell und bei den Fans so unglaublich beliebt. Craven hat wirklich alles richtig gemacht und seinen Fans eine absolut gelungene Fortsetzung präsentiert, die ganzzeitig beste Horrorkost mit der nötigen Portion Humor anbietet, an der man einfach seinen Spaß haben kann. Und wer weiss, ob dies nun das endgültige Ende war, oder ob nicht noch ein weiterer Teil folgen wird.


Fazit:


Es kommt selten genug vor, das man Altbekanntes so sehr zu schätzen weiss, wie es bei den Scream-Filmen der Fall ist. Doch hier will man keine neuerungen, sondern das altbekannte Schema sehen, das diese Reihe so auszeichnet. Dazu gehören natürlich auch die bekannten Darsteller, die den Filmen schon immer ihren persönlichen Stempel aufgedrückt haben. All das hat Regie-Legende Wes Craven berücksichtigt und so eine perfekte Fortsetzung geschaffen, die einen sofort wieder in die Materie einsteigen lässt. Kurzweiliger und spannender Horror-Genuß ist hier vorprogrammiert, so das man den Film bedenkenlos weiterempfehlen kann.


8,5/10

Donnerstag, 26. Mai 2011

The Hole (2009)









The Hole
(The Hole)
mit Chriss Massoglia, Haley Bennett, Nathan Gamble, Teri Polo, Bruce Dern, Quinn Lord, John DeSantis, Douglas Chapman, Mark Pawson, Peter Shinkoda, Jonathan Bruce, Merritt Patterson, Ali Cobrin, Chelsea Ricketts, Chord Overstreet
Regie: Joe Dante
Drehbuch: Mark L. Smith
Kamera: Theo van de Sande
Musik: Javier Navarrete
FSK 16
USA / 2009

Niemand sollte diese Falltür finden, niemand sollte sie je wieder öffnen. Doch was sind Vorhängeschlösser und aufgehäuftes altes Zeug gegen die Neugier eines Zehnjährigen.
Lucas und sein älterer Bruder Dane entdecken die seltsame Falltür im Keller ihres neuen Hauses jedenfalls gleich nach dem Einzug. Und öffnen sie natürlich! Ein bodenloser schwarzer Schacht tut sich vor ihnen auf, der sein Geheimnis nicht preisgibt. Dann geschieht etwas Unheimliches. Die schlimmsten Ängste der Jungen materialisieren sich in der Realität und alptraumhafte Gestalten greifen sie an. Dem Abgrund ist etwas wirklich Böses entstiegen...



Manche Türen sollten verschlossen bleiben


Regie-Altmeister Joe Dante (Das Tier) hat mit "The Hole" einen wirklich guten-und überzeugenden Genre-Beitrag abgeliefert, an dem freunde spannender Gruselfilme ihre Freude haben dürften. Dabei bin ich aufgrund etlicher eher mittelmäßigen Kritiken mit eher niedrigen Erwartungen an diesen Film herangegangen, um dann umso überraschter festzustellen, das "The Hole" weitaus schlechter dargestellt wird als der Film im Endeffekt ist. Man sollte sich selbstverständlich darüber im Klaren sein, das hier eine Geschichte erzählt wird, in der es nicht um Härte oder Splatter-Gore Effekte geht, man bekommt einen herrlich atmosphärischen Gruselfilm präsentiert, der im letzten Drittel auch noch mit einigen Fantasy-Elementen angereichert wurde. Doch gerade dieser Aspekt scheint einigen Leuten etwas schwerer im Magen zu liegen, wobei diese Passagen doch absolut perfekt in das sehr gute Gesamtgefüge hineinpassen. Schon nach einer eher recht kurzen Einführungsphase entfaltet das Geschehen eine schön düstere Grundstimmung, die genau an dem Punkt beginnt, als die beiden Brüder Dane und Lucas die im Keller ihres neuen Hauses gefundene Falltür öffnen, aus der ihnen eine unendliche Dunkelheit entgegenschlägt. Zusammen mit Nachbarin Julie versuchen die Jungen, das Geheimnis der Dunkelheit zu ergründen und geraten dabei in ziemlich große Gefakr. Ist dem Zuschauer am Anfang noch nicht ganz klar, um welche Art von Bedrohung es sich eigentlich handelt, so kristalliert sich mit zunehmender Laufzeit doch ziemlich schnell heraus, das die scheinbar unendlichen Tiefen der Dunkelheit die Kids mit ihren ureigensten Ängsten konfrontiert, die sich auf verschiedendste Art und Weise manifestieren.

Dante ist es hier meiner Meinung nach hervorragend gelungen, seiner Geschichte das genau richtige Grusel-Feeling zu verpassen, das zudem von einigen wohlplacierten Schockmomenten noch zusätzlich unterstützt wird. Der dabei entstehende Spannungsbogen kann sich wirklich sehen lassen und obwohl man schon einigermaßen zeitig erkennt worauf die mysteriösen Ereignisse hinauslaufen, nimmt das dem geschehen rein gar nichts von der vorhandenen Spannung, die sich bis zum Ende konstant aufrechterhalten kann. Dazu tragen auch die im letzten Drittel auftretenden Fantasy-Elemente bei, die von nicht wenigen Leuten negativ kritisiert werden und deren Meinung nach "The Hole" zu einem familientauglichen Fantasy-Film mutieren lassen. Nun gut, dann könnte man auch Die Nightmare on Elm Street Filme in diese Kategorie einordnen, denn wenn ich an die Auseinandersetzung zwischen Dane und seinem Vater in der Fantasiewelt denke, tun sich doch erstaunliche Parallelen zu den Traumwelten diverser Nightmare-Teile auf, die ja wohl auch eher in den fantasy-bereich einzuordnen sind. Wie dem aber auch sei, es ist natürlich immer Ansichtssache, aber warum wird ein Gruselfilm ohne Härte und Blut gleich als familientauglicher Fantasyfilm eingestuft, wohingegen solche Elemente in harten Horrorfilmen als sehr gelungen bezeichnet werden?

Eigentlich ist das aber auch vollkommen egal, denn die Geschmäcker sind nun einmal verschieden. Doch Dantes Film bietet ein wirklich überzeugendes Gesamtpaket, von dem sich auch eine gleichbleibende Faszination auf den Zuschauer überträgt. Die ganz große Stärke des Filmes ist dabei die wirklich herrlich düstere-und teils schaurige Atmosphäre, die einen auch phasenweise mit einer Gänsehaut überziehen kann. Zudem lässt das Geschehen auch in diversen Passagen bedrohliche Züge erkennen, die dem gewonnenen Gesamteindruck einen noch positiveren Anstrich verleihen. Zu diesem tragen auch die überzeugenden Jung-Darsteller bei, die allesamt einen sehr guten Eindruck hinterlassen und denen man die Freude am Schauspiel anmerkt. Doch das Bete am Film ist meiner Meinung nach der Aspekt, das man den aufsteigenden Horror zumeist nicht wirklich greifen kann, da er sich immer wieder auf die verschiedendsten Arten zu erkennen gibt. Dabei ist es vollkommen egal, ob dies in der Form von Geistererscheinungen oder durch angriffslustige Clown-Puppen geschieht, denn die Wirkung auf den Zuschauer ist dabei gleichbleibend. Und so kann man sich insgesamt gesehen über einen gelungenen Gruselfilm freuen, der eine äusserst kurzweilige und dabei immer spannende Geschichte erzählt.

Letztendlich ist dieser Film von Joe Dante ganz sicher kein revolutioniernder Genre-Beutrag, aber "The Hole" bietet angenehme Gruselkost, die sich als absolut sehenswert entpuppt. Wer allerdings auf Härte und Blut eingestellt ist, wird ganz sicher nicht auf seine Kosten kommen, doch dafür ist die Geschichte auch überhaupt nicht ausgelegt. Dafür bekommt man einen sehenswerten Film serviert, der in erster Linie durch eine hervorragende Atmosphäre zu überzeugen weiss und auch durchgehend spannend inszeniert wurde. Gute Darsteller und eingefügte Fantasy-Elemente runden die ganze sache sehr gut ab und präsentieren insgesamt ein Filmerlebnis, das man sich jederzeit gut anschauen kann, ohne dabei seine Zeit zu verschwenden.


Fazit:


Joe Dante hat mit "The Hole" ganz bestimmt kein Meisterwerk des Genres geschaffen, präsentiert aber dem Zuschauer einen Film, der genau das bietet was man von ihm erwarten sollte. Eine gut unterhaltende-und sehr atmosphärische Gruselgeschichte, die mit guten darstellern besetzt ist und über einen sehr gelungenen Spannungsbogen verfügt, der den Zuschauer bis zum Ende in Beschlag nimmt. Ich fühlte mich jedenfalls bestens und sehr kurzweilig unterhalten und kann eine uneingeschränkte Empfehlung für diesen Film aussprechen.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch DTS 5.1, DD 5.1 / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,78:1 (16:9)
Laufzeit: 88 Minuten
Extras: Making Of, Interview mit Cast & Crew, Arbeiten mit 3D am Set, Originaltrailer, Trailershow


8/10

Dienstag, 24. Mai 2011

Tomorrow, When the War Began









Tomorrow, When the War Began
(Tomorrow, When the War Began)
mit Caitlin Stasey, Rachel Hurd-Wood, Lincoln Lewis, Deniz Akdeniz, Phoebe Tonkin, Chris Pang, Ashleigh Cummings, Andrew Ryan, Colin Friels, Don Halbert, Olivia Pigeot, Stephen Bourke, Kelly Butler, Julia Yun, Dane Carson
Regie: Stuart Beattie
Drehbuch: John Marsden / Stuart Beattie
Kamera: Ben Nott
Musik: Reinhold Heil / Johnny Klimek
FSK 16
Australien / USA / 2010

Sieben junge Leute aus Australien wollen ein paar Tage am Busen der Natur verbringen und schlagen ihre Zelte in der Wildnis auf. Eines Nachts beobachten sie dabei ungewöhnliche Flugaktivität am Himmel. Als sie vom Ausflug nach Hause zurück kehren, fehlt von ihren Bekannten und Verwandten jede Spur, Dörfer und Höfe wirken wie ausgestorben. Es stellt sich heraus, dass eine fremde Macht Australien überfallen und die Bewohner in Lagern zusammen getrieben hat. Die jungen Leute beschließen, Widerstand zu leisten.


Stell dir vor es ist Krieg, doch nicht jeder merkt es


So ungefähr stellt sich die Ausgangssituation dieses Filmes dar, der doch in seinen Grundzügen ziemliche Ähnlichkeiten zu "Die rote Flut" aus dem Jahre 1984 aufweist. Es handelt sich hier aber nicht um das geplante Remake des Klassikers, zudem hat man hier lediglich den ersten teil einer Geschichte vor sich, die aller Vorraussicht nach in einer Trilogie enden wird. In den ersten gut 25 Minuten ist von einem Kriegsgeschehen noch weit und breit keine Spur, vielmehr bekommt der Zuschauer es mit einer eher oberflächlichen Vorstellung der jugendlichen Hauptdarsteller zu tun, die zudem auch noch mit etwas trockener Situationskomik garniert ist, so das man zunächst den Eindruck erhält, das man sich in einem 08/15 Teeniefilm befindet. Die 7 Jugendlichen machen sich also auf den Weg, ein unbeschwertes und lockeres Wochenende in der freien Wildnis Australiens zu erleben, wobei sich dem Betrachter einige herrliche Landschaftsbilder präsentieren. Es herrscht eine ausgelassene und fröhliche Stimmung an einem paradiesischen Ort, den die Jugendlichen als "Hölle" bezeichnen, was bei der Ansicht der Location einen extremen Widerspruch darstellt.

So vergehen dann die ersten Minuten des Filmes in einer äusserst unbeschwerten Stimmung, die sich allerdings schlagartig ändert, als die Clique wieder nach Hause kommt, denn die heimischen Straßen sind menschenleer und auch in den jeweiligen Elternhäusern ist kein familienmitglied anzutreffen. Stattdessen müssen die Freunde erkennen, das in ihrer Abwesenheit ein Krieg ausgebrochen ist und Australien von asiatischen Invasoren eingenommen wurde. Es ist insbesondere dieser extreme Stimmungs-Kontrast der Einführungsphase und der darauffolgenden Atmosphäre, der einen auch als Zuschauer nicht unberührt lässt, versucht man doch fast schon zwangsläufig, die vorgegebene Situation auf sein eigenes Leben zu beziehen und verspürt dabei die gleiche Hilflosigkeit, die in diesem Moment bei den Protagonisten vorherrscht. Dies verleiht dem Szenario eine ganz eigene Dynamik, erlebt man doch nun das Geschehen nicht nur aus der Sicht der Betroffenen, sondern sieht sich phasenweise als teil der Gruppe und fragt sich dabei immer wieder, wie man nun selbst vorgehen würde.

Nun kommt es bei einer Geschichte mit vorliegender Thematik fast schon unvermeidlich auch zu gewissen Situationen, die einen eher naiven und ziemlich unlogischen Eindruck hinterlassen, denn wenn man beispielsweise sieht, in welcher Form die Teenies den ausgebildeten Soldaten des Feindes Schaden zufügen, kann man sich über den Realitätsgehalt der Ereignisse schon seine Gedanken machen, was allerdings in keinster Weise etwas am hohen Unterhaltungswert des Filmes ändert. Und sein wir doch einmal ganz ehrlich, die vorgegebene Story ist doch nahezu prädestiniert dafür, das hier aus ahnungslosen und unbeschwerten Jugendlichen Helden geboren werden, die letztendlich alles in ihrer Macht stehende tun, um ihre Stadt aus der Umklammerung des Feindes zu befreien. Und so wachsen sie dann auch über sich hinaus, wobei sie immer wieder versuchen, den Invasoren mit gezielten Aktionen Schaden zuzufügen, was ihnen selbstverständlich auch gelingt. Dabei entfaltet die geschichte einen sehr konstant gezogenen Spannungsbogen und bietet auch diverse Action-Passagen, bei denen es sich in der Hauptsache um Schießereien und Explosionen handelt. Das mag sich im ersten Moment nicht unbedingt extrem abwechslungsreich anhören, passt aber absolut in das überzeugende Gesamtbild, das man von diesem Film erlangt.

Trotz der diversen Ähnlichkeiten zu "Die rote Flut" handelt es sich keinesfalls um einen dumpfen Abklatsch, denn die auf dem Roman von John Marsden basierende Geschichte hat ihre ganz eigenen Stärken, die beispielsweise auch in den vollkommen unterschiedlichen Charakteren der Hauptdarsteller zu finden sind, die mit der Zeit ein wirklich eingeschworener Haufen werden. Auch die Zeichnung der einzelnen Figuren weiss durchaus zu gefallen, kann man doch sehr gut die Veränderungen der einzelnen Persönlichkeiten nachvollziehen. Zudem hinterlassen eigentlich alle einen sehr symphatischen Eindruck beim Zuschauer, auch wenn das bei einigen Figuren erst mit zunehmender Laufzeit geschieht. Letztendlich kann man rückwirkend sagen, das "Tomorrow, When the War Began" insgesamt gesehen einen äusserst guten Gesamteindruck hinterlässt, woran auch die angesprochenen unlogischen Momente rein gar nichts ändern können. Regisseur Stuart Beattie hat eine wirklich spannende und sehr unterhaltsame Story äusserst gut ins Bild gesetzt und eine Darsteller-Riege verpflichtet, die jede Menge Symphatiepunkte beim Betrachter sammeln kann. So entsteht ganz automatisch ein hoher Identifikations-Faktor, der einen ganzzeitig mitfiebern lässt. Selbst das offene Ende des Szenarios erscheint keineswegs störend, weiss man doch das eine Fortsetzung folgen wird, auf die man sich jetzt schon freuen kann und ihr gespannt entgegensieht.


Fazit:


Sicherlich bekommt man es hier mit keinem filmischen Meisterwerk zu tun, aber "Tomorrow, When the War Began" ist ein äusserst unterhaltsamer Film mit einer sehr interessanten Thematik. Die Umsetzung der Story kann man trotz einiger Logiklöcher als sehr gelungen bezeichnen, zudem wartet der Film auch noch mit einigen gut inszenierten Action-Passagen auf, die den insgesamt gewonnenen Gesamteindruck noch zusätzlich aufwerten. Man kann jetzt schon auf die Weiterführung der Geschichte gespannt sein und inständig hoffen, das sie sich ähnlich interessant gestaltet wie der vorliegende erste Teil.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch / Niederländisch
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 100 Minuten
Extras: Making Of, Alternate Ending, Deleted Scenes, Outtakes, Passage Readings by John Marsden


8/10

Sonntag, 22. Mai 2011

Clean, Shaven









Clean, Shaven
(Clean, Shaven)
mit Peter Greene, Alice Levitt, Megan Owen, Jennifer MacDonald, Molly Castelloe, Jill Chamberlain, Agathe Leclerc, Robert Albert, Roget Joly, Rene Beaudin, J. Dixon Byrne, Eliot Rocket, Angela Vibert, Karen MacDonald, Lee Kayman
Regie: Lodge Kerrigan
Drehbuch: Lodge Kerrigan
Kamera: Teodoro Maniaci
Musik: Hahn Rowe
FSK 16
USA / 1993

Ein Mann steigt in ein Auto, nachdem er die Tür aufgebrochen hat. Dann holt er seinen Zündschlüssel aus der Hosentasche und fährt weg. Er versucht, das Radio einzustellen. Rauschen, verzerrte Stimmen, undeutliche Musik... Stromleitungen surren. Er schlägt die Scheibe seines Autos ein, verklebt das Fenster mit Zeitungspapier, den Rückspiegel mit Klebeband... In einem Restaurant unerträglicher Lärm von überall. Ein vermisstes Kind auf einer Milchtüte. Er kippt sich Zucker in den Kaffee... und endlich: alles ist totenstill. Seine Tochter. Er will sie wiedersehen... Währenddessen untersucht ein Detective den hiesigen Mord an einem kleinen Mädchen.


Mit diesem Regie-Debut von Lodge Kerrigan aus dem Jahre 1993 hat das Independent-Label Bildstörung einem sehr aussergewöhnlichem Film eine würdige DVD-Veröffentlichung spendiert. Vollkommen abseits von jeglichem Mainstream gewährt der Film dem Zuschauer einen eindrucksvollen Einblick in das Leben eines kranken und verwirrten Mannes, der unbedingt seine leibliche Tochter wiedersehen will, die nach dem Tod seiner Frau zur Adoption freigegeben wurde. Obwohl das spätere Wiedersehen der beiden äusserst eindrucksvoll in Szene gesetzt wurde, legt "Clean, Shaven" sein Hauptaugenmerk auf den Geisteszustand des Mannes, wofür allein schon stellvertretend die ersten 10 Minuten der Geschichte einen extrem prägenden Eindruck hinterlassen. Offenbart doch diese Einführungsphase in das Geschehen keinerlei Dialoge, sondern präsentiert dem Zuschauer ausschließlich eine absolut verwirrende Geräuschkulisse, die lediglich von einigen abgehackten und ebenso verwirrenden Radiodurchsagen begleitet wird. Dadurch ist dann auch die eindeutige Richtung dieses beeindruckenden Dramas vorgegeben, denn diese verwirrenden Geräusche und Radiomeldungen führen einen direkt in den Kopf des Haupt-Charakters Peter Winter (Peter Greene) und sind der Ausdruck des Geisteszustandes eines Menschen, der eben diesen Geist nicht unter Kontrolle hat und ständig von der auf ihn einwirkenden Geräuschkulisse gequält wird. Dabei ist es für den Zuschauer auch vollkommen irrelevant, aus welcher Sichtweise man dieses Werk betrachten will, sieht man es doch ganz automatisch aus der Sicht von Peter Winter, da man mit einer unglaublichen Sogwirkung förmlich in den kranken Geist des Mannes hineingezogen wird und keine Chance hat, das nicht zuzulassen.

So kann man dann auch die Qualen des Mannes fast schon körperlich nachvollziehen und verspürt dabei einen enormen Druck, der sich wie ein bleierner Mantel über die eigenen Schultern legt und einen erdrücken will. Das dieser Aspekt zudem auch ein äusserst verstörendes Gefühl mit sich bringt, versteht sich dabei schon fast von selbst und die sich freisetzende Intensität des Geschehens tut dabei ihr Übriges, um für ein sehr aussergewöhnliches Filmerlebnis zu sorgen, das einen mehr als nachdrücklichen Eindruck im Gedächtnis des Betrachters hinterlässt und das man nicht so schnell wieder aus der Kleidung schütteln kann. Dies ist insbesondere auch dem brillanten Schauspiel von Peter Greene zu verdanken, der den kranken und geistig verwirrten Mann mit einer erschreckenden Glaubwürdigkeit darstellt, die einem schon so manchen kalten Schauer über den Rücken jagen kann. Wenn man es nicht besser wüsste, dann würde man nie auf die Idee kommen, das ein Schauspieler lediglich eine Rolle spielt, viel zu realistisch und authentisch verkörpert er den von ihm gespielten Charakter und drückt den Ereignissen damit ganz unweigerlich seinen ganz persönlichen Stempel auf. Gerade darin ist es dann auch begründet, das man sich so enorm stark mit dieser Figur identifizieren kann und phasenweise sogar mit ihr verschmelzt.

Die Ausmaße der Geisteskrankheit äussern sich allerdings nicht nur durch die Geräuschwahrnehmung des Mannes, versucht er doch auch durch eine ziemlich abstruse Art der Körperhygiene, diesen so sauber wie möglich zu halten. Dabei werdem dem Zuschauer nun einige Passagen geboten, die für manch einen nicht gerade leicht anzuschauen sein dürften. So schrubbt Peter seinen Körper beim duschen beispielsweise mit Stahlwolle ab, puhlt mit einer Schere in seiner Kopfhaut herum oder entfernt sich mit einem Taschenmesser einen Fingernagel, ohne dabei auch nur den Ansatz einer Gefühlsregung zu zeigen. Bei der Ansicht dieser Szenen fühlt man sich sichtlich unwohl in der eigenen Haut und kann dabei fast selbst körperliche Schmerzen verspüren. Doch nicht nur diese Einstellungen treffen einen mit der ungeheuren Wucht eines Keulenschlags mitten in die Innereien, der gesamte Film ist ein einziger Tiefschlag in die Magengrube. Es ist nicht gerade leicht, die während der Geschichte aufkommenden Emotionen in Worte zu fassen, man muss dieses Werk einfach selbst gesehen haben, um das Wechselbad der Gefühle nachvollziehen zu können, das dieses Werk ganzzeitig in einem auslöst. Wut, Mitleid und sogar Trauer wechseln sich hier ständig ab, wobei sich die beiden letztgenannten Emotionen hauptsächlich auf die Hauptfigur beziehen. Die Wut nährt sich indessen vielmehr aus der Erkenntnis, das geisteskranke Menschen in der Gesellschaft immer mit einem Makel behaftet sind und im Endeffekt keinerlei Chance zum Überleben haben. In gewisser Art und Weise sind sie allein durch die Krankheit für die Gesellschaft gestorben, wobei es vollkommen egal ist, ob sie nett und freundlich sind, oder sich in mordende Bestien verwandeln.

Und so nimmt das Drama auch in vorliegender Geschichte seinen Lauf und gewiss kein gutes Ende für Peter Winter. Denn ein in einer Mordserie an kleinen Mädchen ermittelnder Detective kommt auf seine Spur und stellt ihn am Ende des Filmes in einem unvermeidlichen Showdown, als Peter mit seiner kleinen Tochter am Strand ist. Wie dieser Showdown endet kann man sich nun ohne viel Fantasie ausmalen, denn letztendlich kann es aufgrund der gesamten Story nur zu einem einzigen und äusserst tragischen Ende kommen, das aber immer noch nicht der finale Höhepunkt eines fantastischen Filmes ist, denn dieser liegt ganz eindeutig in der allerletzten Szene des Filmes. in der Peters Tochter versucht, ihren Vater über das Radio zu kontaktieren, da dieser ihr vorher erzählt hat, das man ihm im Krankenhaus eine Art Radiosender in den Kopf eingepflanzt hat. Diese einzelne Szene drückt die ganze Tragik einer Geschichte aus, die einem mit einer Intensität und Wucht unter die Haut fährt, das man danach erst einmal eine gewisse Zeitspanne benötigt, um das gerade Gesehene erst einmal richtig sacken zu lassen, bevor man wieder zur normalen Tagesordnung übergehen kann. "Clean, Shaven" ist ein kleiner, aber extrem wuchtiger Independent-Film, der ganz sicher nicht unbedingt für das breite Mainstream-Publikum geeignet ist, aber Freunde extrem aussergewöhnlicher Dramen nahezu begeistern dürfte. Die einerseits eher ruhige, aber gleichzeitig auch sehr verstörende Erzählweise der Geschichte und vor allem das brillante Schauspiel von Peter Greene sind die absolut herausragenden Höhepunkte in einem Film, der aber auch ansonsten auf der ganzen Linie zu überzeugen weiss.


Fazit:


Und wieder einmal ist es dem Label Bildstörung gelungen, seinen Veröffentlichungen von sehr aussergewöhnlichen Filmen eine weitere Perle hinzuzufügen. "Clean, Shaven" ist das beeindruckende Portrait eines geistig verwirrten Mannes, der von einem glänzenden Peter Greene authentisch und extrem glaubwürdig dargestellt wird. Die Betrachtungsweise des Filmes aus der vorgegebenen Sicht eines Geisteskranken erzielt dabei eine äusserst verstörende Wirkung beim Zuschauer, löst aber gleichzeitig eine unglaubliche Faszination der Ereignisse aus, der man sich ganz einfach nicht entziehen kann. Wer ein wirklich nicht alltägliches Drama zu schätzen weiss, sollte sich dieses eindrucksvolle Werk auf keinen Fall entgehen lassen.


Die DVD:

Vertrieb: Bildstörung
Sprache / Ton: Englisch DD 2.0 Stereo
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,66:1 (16:9)
Laufzeit: 75 Minuten
Extras: Audiokommentar mit Regisseur und Produzent, Booklet mit Texten von Michael Schleeh und US-Filmkritiker Michael Atkinson


9/10

Freitag, 20. Mai 2011

Die Viper









Die Viper
(Roma a mano armata)
mit Maurizio Merli, Arthur Kennedy, Tomas Milian, Giampiero Albertini, Ivan Rassimov, Biagio Pelligra, Aldo Barberito, Stefano Patrizi, Luciano Pigozzi, Luciano Catenacci, Carlo Alighiero, Carlo Gaddi, Dante Cleri
Regie: Umberto Lenzi
Drehbuch: Umberto Lenzi / Dardano Sacchetti
Kamera: Federico Zanni
Musik: Franco Micalizzi
Ungeprüft
Italien / 1976

Rom. Brutale Raubüberfälle, Entführungen, Vergewaltigungen und Morde sind an der Tagesordnung. Kommissario Ferro (Maurizio Merli), genannt Die Viper, führt einen einsamen Kampf gegen die Kriminalität. Vergebens. Der Staatsanwaltschaft sind durch Gesetzeslücken die Hände gebunden. Kaum hat Ferro einen Täter dingfest gemacht, ist dieser kurze Zeit später wieder frei, kann neue Straftaten begehen. Als die Gewalt eskaliert, die Verbrechen immer brutaler werden, greift Ferro zu härteren Mitteln. Drahtzieher der kriminellen Machenschaften scheint Vincenzo Moretto (Tomas Milian) zu sein. Ein buckliger Psychopath, der skrupellos über Leichen geht. Für Ferro hat die Jagd begonnen. Die Viper setzt an zum tödlichen Biss...


"Die Viper", das ist der Spitzname von Kommissar Ferro (Maurizio Merli), der in diesem fantastischen Action / Thriller fast ohnmächtig mit ansehen muss, wie das Verbrechen in Rom immer weitere Kreise zieht und der Polizei durch vil zu lasche Gesetze die Hände gebunden sind, so das die meisten verbrecher ziemlich schnell wieder auf freiem Fuß sind. Umberto Lenzi (Gates of Hell) hat hier einen wirklich erstklassigen und beeindruckenden Vertreter des Policiesco geschaffen, der sich von Beginn an auf einem äusserst hohen Qualitäts-Level ansiedelt und dieses auch zu keiner Zeit auch nur kurzzeitig verlässt. Obwohl sich die Geschichte nicht ganz so actiongeladen wie in einigen andenren Genre-Vertretern offenbart, bekommt der Zuschauer dennoch etliche gelungene Action-Passagen geboten und vor allem Maurizio Merli legt doch ziemlich oft selbst Hand an, um diversen Verbrechern Respekt beizubringen. Für mich persönlich ist der Action-Anteil der Story vollkommen ausreichend, steht doch ganz eindeutig die Geschichte an sich im Vordergrund und legt dabei den Focus des Geschehens auf die vorherrschende Hilflosigkeit der Polizei, da die gegebenen Gesetzte doch viel eher für die Verbrecher und gegen die Ordnungshüter ausgelegt sind. Und so kann die in Rom stattfindende Verbrechenswelle sich immer weiterentwickeln und stellt Ferro und sein Team vor fast unlösbare Probleme, da man der Drahtzieher einfach nicht habhaft werden kann.

Insbesondere dieser Aspekt wird von Lenzi ganz hervorragend herausgearbeitet und durch die insgesamt hervorragend agierende Darsteller-Riege noch zusätzlich unterstützt. ist der Film doch bis in die kleinsten Nebenrollen absolut perfekt besetzt, wobei man allerdings anmerken sollte, das gerade Maurizio Merli hier ganz besonders herausragt. Seine Interpretation eines verzweifelten Kommissars mit einem äusserst ausgeprägten gerechtigkeitssinn kann man wirklich schon als absolut brillant bezeichnen. Sein Schauspiel ist jederzeit absolut authentisch und glaubwürdig, bringt er doch insbesondere seine Emotionen äusserst gut rüber, so das die in ihm immer stärker werdende Wut sich fast automatisch auch auf einen selbst überträgt. Sein Gegenspieler Moretto (Tomas Milian) steht ihm darstellerisch allerdings kaum in Etwas nach, denn auch wenn er hier eigentlich über eine etwas größere Nebenrolle nicht hinauskommt, erscheint ihm doch wieder einmal die Rolle des Psychophaten wie auf den Leib geschneidert. ganz allgemein kann man sowieso behaupten, das Milians schauspielerische Fähigkeiten in seinen ernsten Rollen viel besser zur Geltung kommen, als wie es beispielsweise in den "Tony Maroni-Filmen der Fall war.

Neben der erstklassigen Geschichte ist es insbesondere die sehr temporeiche Erzählstruktur der Geschehnisse, die ganzzeitig für die Aufmerksamkeit des Betrachters sorgt, etliche Schießereien und wilde Verfolgungsjagden wechseln sich dabei permanent ab, so das Langeweile erst gar keinen Platz in diesem Szenario findet, das zudem einen extrem straff gezogenen Spannungsbogen vorzuweisen hat, der noch nicht einmal den kleinsten Einbruch vorweist und so ganzzeitig für erstklassige Unterhaltung sorgt. Was einem bei den ganzen Ereignissen manchmal eine regelrechte Gänsehaut beschert ist der Aspekt, mit welcher kaltblütigkeit die Verbrecher hier auftreten. So wird man beispielsweise mit etlichen Momenten konfrontiert, wo wild in eine Menschenmenge geschoßen wird und keinerlei Rücksicht auf andere genommen wird. Dies kommt auch zusätzlich noch in etlichen Dialogen zum Ausdruck, die vor allem Milian mit anderen führt und die von einer unglaublichen Kälte geprägt sind. Gerade diese Dinge lassen ein Gesamtbild entstehen, das man kaum realistischer hätte zeichnen können. Und so ist es dann schon fast als selbstverständlich zu bezeichnen, das sich in einem selbst ein gehöriges Maß an Wut aufbaut und das gleiche Gefühl der Ohnmacht aufkommt, das die Ermittlungsbeamten in diesem Film verspüren müssen, die dem Verbrechen anscheinend nicht Herr werden können. Und wenn sie dann schon einmal Erfolge vorzuweisen haben, werden sie auch noch von ihren Vorgesetzten gerügt, da diese Erfolge nur durch einige nicht ganz legale Mittel erzielt worden sind.

Letztendlich handelt es sich bei "Die Viper" um einen absolut erstklassigen Action / Thriller, der nicht durch blinden Aktionismus auffällt, sondern in dem die vorhandene Action genau an den richtigen Stellen zum Vorschein kommt. Dabei wird die Geschichte an sich nie aus den Augen verloren und die vorhandene Thematik absolut erstklassig bearbeitet. das ausgezeichnete Darsteller-Ensemble tut sein Übriges, um dem Zuschauer ein Gesamtpaket zu präsentieren, das qualitativ als erstklassig zu bezeichnen ist. Und so bekommt man einmal mehr eine wahre Perle des italienischen Kinos serviert, die auch im Laufe der jahrzehnte rein gar nichts von ihrem Reiz und ihrer Intensität eingebüßt hat, so das man sich diesen tollen Film auch in der heutigen Zeit immer wieder anschauen kann und dabei ganzzeitig spannend und rasant unterhalten wird.


Fazit:


Es gibt sicherlich Vertreter des Genres, die rein auf den Härtegrad bezogen mehr zu bieten haben als das Werk von Umberto Lenzi, doch in seiner Gesamtheit ist "Die Viper" meiner persönlichen Meinung nach ein absolut herausragender Film, der an vorhandener Qualität schwer zu toppen ist. Jede Menge Spannung, eine äusserst temporeiche Erzählweise und herausragende Darsteller machen diesen Policiesco zu einem wahren Filmerlebnis, das man sich auf keinen Falle entgehen lassen sollte.


9/10

Mittwoch, 18. Mai 2011

This is England '86 1 & 2









This is England "86" 1 & 2
(This is England "86")
mit Andrew Ellis, Andrew Shim, Chanel Cresswell, Danielle Watson, George Newton, Hannah Walters, Joseph Dempsie, Joseph Gilgun, Jo Hartley, Johnny Harris, Michael Socha, Perry Benson, Vicky McClure, Georgia Foote
Regie: Tom Harper / Shane Meadows
Drehbuch: Shane Meadows / Jack Thorne
Kamera: Keine Information
Musik: Keine Information
FSK 16
Großbritannien / 2010

Woody, Lol, Smell, Milky und die anderen sind inzwischen keine Teenager mehr. Aber viel hat sich eigentlich nicht geändert. Es gibt kaum Jobs und auch sonst ist nicht viel los in dem öden Städtchen. Alle sind auf der Suche nach Spaß, Liebe, Geld und einer Zukunft. Woody und Lol wollen eine richtig schräge Hochzeit feiern, was allerdings gründlich daneben geht, und als ihr Dad plötzlich wieder zuhause einzieht, steht die schöne, coole Lol vor einer harten Entscheidung. Denn es gibt etwas in ihrer Vergangenheit, über das sie noch nie gesprochen hat ...


Im Jahre 2003 erschien Shane Meadows Film "This is England", ein Werk über das eher trostlose Leben einer jugendlichen Skinhead-Gang die scheinbar keinerlei Zukunfts-Perspektiven hatte. Nun erzählt Meadows die Geschichte der Gang weiter, nur das die Geschichte 3 Jahre später angesiedelt ist und aus den Teenagern junge Männer und Frauen geworden sind, die sich allerdings immer noch mit den gleichen Problemen rumschlagen müssen. So gibt es also ein Wiedersehen mit den symphatischen Charakteren des Kinofilmes, denn die Darsteller sind glücklicherweise die gleichen geblieben, so das der Zuschauer auch sofort wieder einen Bezug zu ihnen herstellen kann. Gewählt wurde diesmal das TV-Format, so das man eine vierteilige Mini-Serie präsentiert bekommt. Der erste teil beginnt mit dem Ende des Kinofilmes und wirft den Betrachter danach in die Gegenwart, die zeitlich gesehen im Jahr 1986 spielt. Der mittlerweile 15-Jährige Shaun (Thomas Turgoose) kehrt wieder in den Kreis der Gruppe zurück, aus der er ja im gleichnamigen Film ausgeschieden war, doch in den ersten beiden Folgen der Mini Serie steht er längst nicht mehr so im zentralen Mittelpunkt, wie es im Kinofilm der Fall war.

Vielmehr drehen sich die beiden ersten Episoden insbesondere um die süße Lol (Vicky McClure), die fast von einer Lawine voller Probleme überrollt wird. Nicht nur, das ihre Hochzeit mit ihrem langjährigen Freund Woody platzt da dieser auf einmal kalte Füße bekommt, zu allem Überfluss zieht auch ihr Vater wieder zu Hause ein, was für Lol eine mittlere Katastrophe bedeutet, da sie mit ihrem Erzeuger ein schreckliches Geheimnis aus ihrer Kindheit teilt, von dem ansonsten lediglich 2 Personen wissen. Von Woody nicht für voll genommen kommt es dabei sogar zum sexuellen Betrug, flüchtet sie sich doch mit ihren Problemen in die Arme von Milky, der schon lange in sie verliebt ist. Doch obwohl hier einige Probleme sehr eindringlich behandelt werden, bieten dieersten beiden Episoden auch genügend Humor, der stellenweise sogar etwas skurril ausfällt, was dem Ganzen eine herrlich schräge Note verleiht.

So macht beispielsweise der pummelige Gadget seine ersten sexuellen Erfahrungen und gerät dabei an ein erheblich älteres Vollblutweib, das aussergewöhnliche Experimente mit ihm vollzieht. Diese sind zwar nicht im Bild zu sehen, aber allein schon die verballe Äusserung gegenüber seinen Freunden zaubert dem Zuschauer so manchen Schmunzler ins Gesicht, den man sich beim besten Willen nicht verkneifen kann. Man sieht also, das hier für jede Menge Abwechslung gesorgt ist, was schon fast zwangsläufig für erstklassige und sehr kurzweilige Unterhaltung sorgt. Ist es doch gerade die Mischung aus einem eher trostlosen Leben das die jungen Leute hier führen und das von einer erschreckend realistisch erscheinenden Tristesse geprägt ist und der Art, was sie trotzdem aus ihrer Situation herausholen, die der Serie einen ganz besonderen Charme verleihen. Als Zuschauer gerät man dabei phasenweise in ein wahres Wechselbad der Gefühle, denn einerseits möchte man das Leben der Protagonisten keinesfalls selber führen, andererseits ist es der starke Zusammenhalt der Gruppe und die gemeinsamen Aktionen, die jede Menge Lebensfreude versprühen, die sich anscheinend auch durch die größten Probleme nicht vertreiben lässt und immer wieder Hoffnungsschimmer auf eine bessere Zukunft aufkommen lässt.

Ich bin jetzt schon sehr gespannt, wie sich das Geschehen in Folge 3 & 4 weiterentwickelt, sind doch einige offenen Fragen aufgeworfen worden. Dabei steht für mich persönlich vor allem die Beziehung zwischen Woody und Lol im Focus der Ereignisse, aber auch die Probleme von Shaun dürften für weitere Spannung sorgen, ist er doch von zu Hause abgehauen, nachdem er seine Mutter mit seinem Chef im Bett erwischt hat. Man merkt also, das an dieser Stelle für genügend Zündstoff gesorgt ist, der in den letzten beiden Episoden sicherlich noch für explosive Stimmung sorgen wird. Letztendlich kann man aber auch jetzt schon durchaus behaupten, das Shane Meadows mit dieser Fortsetzung der Geschichte genau das Richtige Werk auf den Weg gebracht hat, denn wem schon der Kinofilm gefallen hat, der wird auch seine Freude an der Mini Serie haben, die sich zwar thematisch nicht unbedingt mit der Skinhead-Szene beschäftigt, dafür aber sehr eindringlich auf die Alltagsprobleme der Charaktere eingeht. Gerade die zeitliche Weiterentwicklung ist sehr interessant und auch die thematische Verlagerung der Ereignisse empfinde ich als äusserst gelungen, bietet sie doch einen nahezu idealen Kontrast zum gleichnamigen Film aus dem Jahre 2003. Die Tristesse-und Trostlosigkeit ist dabei auf jeden Fall geblieben, lediglich die Probleme der Charaktere sind jetzt etwas anders gelagert.


Fazit:


Shane Meadows hat mit dieser authentisch-und glaubwürdigen Weiterentwicklung seiner Geschichte absolut ins Schwarze getroffen und bietet dem Zuschauer einen sehr eindrucksvollen Einblick in das Leben der mittlerweile gereiften Charaktere, das mit Problemen gepflastert ist und kaum Hoffnung auf Besserung erkennen lässt. Die einzige Zuflucht ist dabei die Gruppe an sich, die jedem Einzelnen den Rückhalt bietet, den er in der eigenen Familie anscheinend nicht findet. Wenn Teil 3 & 4 sich qualitativ auf dem gleichen Level bewegen wie die ersten beiden teile, dann kann man eigentlich nur von einer äusserst gelungenen Produktion sprechen.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch DTS 5.1, DD 5.1 / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,78:1 (16:9)
Laufzeit: 91 Minuten
Extras: Behind the Scenes, Outtakes, Trailer, Trailershow


8/10

Dienstag, 17. Mai 2011

Die Nacht der reitenden Leichen









Die Nacht der reitenden Leichen
(La Noche del terror ciego)
mit Lone Fleming, Cesar Burner, Maria Elena Arpon, Jose Thelman, Rufino Ingles, Veronica Llimera, Simon Arriaga, Francisco Sanz, Juan Cortes, Andres Isbert, Antonio Orengo, Jose Camoiras, Maria Silva
Regie: Armando de Ossorio
Drehbuch: Jesus Navarro Carrion / Armando de Ossorio
Kamera: Pablo Ripoll
Musik: Anton Garcia Abril
Ungeprüft
Portugal / Spanien / 1971

Portugal im 13. Jahrhundert. Die Ritter des Templerordens versuchen mit allen Mitteln die Gabe der Unsterblichkeit zu erringen. Sie vermuten den Schlüssel des ewigen Lebens im Blut unbefleckter Mädchen, und so gipfeln die grausamen Experimente in der Ermordung zahlloser Jungfrauen. Für ihre unheiligen Taten werden die Templer hingerichtet und ihre Leichen den Krähen zum Frass vorgeworfen.

Virginia und Roger ahnen nichts von den schaurigen Geschehnissen, die sich vor Jahrhunderten in den Hügeln von Berzano zugetragen haben, wo sie ihren Wanderurlaub verbringen wollen. Als es zu einem Streit zwischen den beiden kommt, flüchtet Virginia in ein verfallenes Kloster, um dort zu übernachten. Doch sobald die Sonne untergeht erwachen die Templer zu neuem Leben, auf der Suche nach frischem Blut...



Fast drei Jahrzehnte ist es nun her, das ich diesen von vielen Fans verehrten Film gesehen habe und damals konnte ich gar nichts damit anfangen. In erster Linie lag das wohl daran, das ich einen knallharten Horrorfilm erwartet hatte, da meine Kriterien für einen Film dieser Art noch vollkommen anders gelagert war, als wie es mittlerweile der Fall ist. Knallharte und äusserst blutige Horrorkost bekommt man hier nun wirklich nicht geboten, was auch die sehr hohe Altersfreigabe der ungeschnittenen Version eher belustigend erscheinen lässt, denn nach heutigen Maßstäben wäre eine FSK 16 Freigabe vollkommen ausreichend. Nun ist es aber keinesfalls so das der Film überhaupt keine Härten aufweist, denn einige nette Momente sind durchaus vorhanden. Allerdings ist der vorhandene Härtegrad aber auch keineswegs der Aspekt, auf den man sein hauptaugenmerk legen sollte, denn "Die Nacht der reitenden Leichen" hat ganz andere Qualitäten, die man bei der Bewertung dieses Genre-Klassikers beachten sollte. Handelt es sich doch vielmehr um einen äusserst atmosphärischen Gruselfilm, als um ein Splatter-und Gore Spektakel, wie es in der heutigen Zeit nur allzu oft der Fall ist.

Und in dieser Beziehung ist das Werk von Armando de Ossorio eine echte Granate, herrscht hier doch größtenteils eine Atmosphäre vor, die kaum dichter und bedrohlicher hätte ausfallen können. Dies bezieht sich in erster Linie natürlich auf die Teile der Geschichte die in der nacht spielen und in denen die skelettierten Templer aus ihren Gräbern steigen, um Jagd auf die Menschen zu machen, die sich in den Ruinen des alten Klosters aufhalten. Die dabei immer dichter anschwellende Hintergrundmusik tut dabei ihr Übriges, um dem geneigten Grusel-Fan so manchen Schauer über den Rücken zu jagen und so für ein erstklassiges Feeling zu sorgen. In diesen Passagen baut sich auch ein absolut erstklassiger Spannungsbogen auf und das Geschehen strahlt eine starke Faszination auf den Zuschauer aus, der man sich beim besten Willen nicht erwehren kann. Ehrlich gesagt hätte ich es nicht für möglich gehalten, das mich dieser Film einmal so faszinieren würde, doch im Laufe etlicher Jahre ändert sich halt auch der persönliche Filmgeschmack. Nur mit der richtigen Erwartungshaltung lernt man zu schätzen, was Armando de Ossorio hier geschaffen hat, nämlich einen wirklich guten Gruselfilm, der insbesondere durch seine fantastische Atmosphäre zu überzeugen weiss.

Für wahre Gorehounds wird allerdings recht wenig geboten, denn die eher wenig vorhandenen und etwas härteren Momente der Geschichte bewegen sich doch in einem äusserst überschaubaren Rahmen, was allerdings meiner persönlichen Meinung nach keinen negativen Kritikpunkt darstellt. Was ich jedoch nie so wirklich nachvollziehen kann ist der Aspekt, das viele Leute dieses Werk immer wieder als Zombiefilm bezeichnen. Sicher, es handelt sich hier im Prinzip auch um auferstandene Untote, doch den Vergleich zu echten Zombiefilmen finde ich etwas weit hergeholt. Natürlich liegt das im Auge des Betrachters, doch der Unterschied zwischen bluttrinkenden Skeletten und menschenfressenden Untoten ist doch ziemlich erheblich. Wie dem aber auch sei, Ossorio hat mit diesem Film durchaus einen Meilenstein des Genres geschaffen, der sich vor allem in Fan-Kreisen seinen Kultstatus geschaffen hat und diesen auch jederzeit verdient. Man muss halt von Anfang an wissen, das es sich um kein 08/10 Splatter / Gore Spektakel handelt, sondern um einen herrlichen Grusel-Klassiker der so manche Gänsehaut entstehen lässt, dann kann man hier eigentlich nicht viel verkehrt machen.

"Die Nacht der reitenden Leichen" ist der Auftakt der vierteiligen Film-Reihe, die in den 70er Jahren für eine Menge Furore sorgte. Von vielen leuten als absolute Langeweiler abgetan, stellt die Reihe für Freunde sehr atmosphärischer Gruselfilme ein absolutes Highlight des Genres dar, das man sich immer wieder gut anschauen kann, ohne dabei die Lust auf diese Filme zu verlieren. So mancher Grusler des neuen Jahrtausend kann sich insbesondere in atmosphärischer Hinsicht eine dicke Scheibe dieser Klassiker abschneiden, die durch ihre düsteren-und äusserst bedrohlichen Nacht-Passagen für etliche Grusel-Momente sorgen, die man kaum besser hätte in Szene setzen können.


Fazit:


"Die Nacht der reitenden Leichen" ist ein Film, bei dem ich meine bisherige Meinung nur allzu gern revidiere. Habe ich selbst dieses Werk bisher immer als absoluten Langeweiler angesehen, kann ich mich mittlerweile richtig für dieses Werk begeistern, da ich atmosphärische Gruselfilme liebe. da sieht man dann auch gern einmal darüber hinweg, das man im Bezug auf Härte nicht wirklich viel geboten bekommt. Dafür gibt es genügend andere Horrorfilme, die das Verlangen nach brutalen und blutigen Effekten befriedigen, hier jedoch sollte man die erstklassige Grundstimmung wie ein Schwamm in sich aufsaugen und schlicht und ergreifend ein richtig gelungenen Grusel-Klassiker genießen.


8/10

Sonntag, 15. Mai 2011

Live Feed









Live Feed
(Live Feed)
mit Kevan Ohtsji, Taayla Markell, Stephen Chang, Colin Foo, Greg Chan, Rob Scattergood, Lee Tichon, Caroline Chojnacki, Ashley Schappert, Mike Bennett, Ted Friend, Patrick Pon, Mike Wu, Hansen Li, Jennifer Chow
Regie: Ryan Nicholson
Drehbuch: Roy Nicholson / Ryan Nicholson
Kamera: Sasha Popove
Musik: Patrick Coble
Ungeprüft
Kanada / 2006

Fünf junge Kanadier verbringen ihren Urlaub im fernen Asien. Sie beginnen ihren Aufenthalt mit einer Shopping Tour. So kommen sie auch auf einen traditionellen Nachtmarkt. Dort wird in einem Metzgerladen ein lebender Hund vor ihren Augen geschlachtet. Geschockt verlassen sie diesen Ort. Doch dies ist erst der Auftakt zu einer blutigen Nacht der Schlachter. Zum Zeitvertreib besuchen sie ein Theater - doch es ist ein Theater des Grauens. Das Böse findet hier seinen Ursprung. Der Kampf ums nackte Überleben beginnt.


Wenn man sich einen Film von Ryan Nicholson (Hanger, Gutterballs) anschaut, dann sollte man eigentlich ganz genau wissen, auf was man sich da einlässt. Eine tiefgehende Geschichte, tolle Darsteller oder brillante Dialoge sollte man also keinesfalls erwarten, dafür bekommt der Zuschauer jedoch eine ordentliche Portion an Härte und Blut geliefert. Auch "Live Feed" macht da keine Ausnahme, präsentiert der Film doch eine eher dünne Rahmenhandlung die nicht sonderlich viel Substanz beinhaltet. Doch dafür ist dieses Werk auch überhaupt nicht ausgelegt, dient es doch vielmehr dazu, den geneigten Gorehound mit einigen deftigen Passagen zu befriedigen. Allerdings muss man eine geraume Zeit auf den visuellen Härtegrad warten, serviert Ryan Nicholson doch einen Film mit zwei vollkommen unterschiedlichen Hälften. Im ersten Teil wird der Zuschauer hauptsächlich mit einem recht belanglosen Geschehen konfrontiert, das mit einigen Sexszenen garniert ist und einem die einzelnen Charaktere der Geschichte etwas näherbringen soll. Dies gelingt allerdings nur bedingt, denn die Hauptfiguren werden doch eher oberflächlich dargestellt, so das man auch keinen großen Bezug zu ihnen herstellen kann.

In der zweiten Filmhälfte legen die Ereignisse dann allerdings gehörig an Tempo zu und nun kommt auch die eigentliche Stärke des Filmes zum Vorschein, die sich einzig und allein auf die vorhandenen Splatter-und Gore Passagen bezieht. War der erste Teil noch fast vollkommen blutleer, so ändert sich dieser Umstand nun schlagartig, denn die 5 Freunde sind eher zufällig in ein Millieu geraten, aus dem es scheinbar kein Entkommen gibt. Geraten sie doch in die Fänge einer chinesischen Bande, die zu ihrer Belustigung Menschen auf bestialische Art und Weise tötet, um ihre perversen Neigungen zu befriedigen. Die expliziten Gewaltdarstellungen sind dabei teilweise schon recht derbe ausgefallen, zudem beinhaltet "Live Feed" auch noch einige Szenen, die in der Vorstellung des Betrachters eine unglaubliche Wucht entfachen. Hierzu zählen vor allem die Stellen, in denen gebratenes Menschenfleisch verzehrt wird, was schon für ein ausgepägtes Ekelgefühl sorgen kann. Doch auch ansonsten gibt es durchaus diverse Momente, die zartbesaiteten Zuschauern den Magen umdrehen können und ein Gefühl des Unwohlseins hinterlassen können.

Was dem Film ein wenig abgeht, ist ein wirklich konstanter Spannungsaufbau, denn das Geschehen ist doch äusserst vorhersehbar. Dennoch steht man insbesondere in der zweiten Filmhälfte ziemlich unter Strom und fiebert der Entscheidung entgegen, wie das ganze Szenario letztendlich ausgeht und ob überhaupt jemand das in Szene gesetzte Gemetzel überleben kann. Das ist im Prinzip auch der einzige Aspekt, aus dem das Werk seine Spannung bezieht, das dafür aber mit einer herrlich dreckigen und siffigen Grundstimmung ausgestattet ist, die vor allem durch den Schauplatz des vollkommen heruntergekommenen Theaters sehr gut zum Ausdruck kommt. Wenn man die heruntergekommenen Räumlichkeiten betrachtet überkommt einen schon ein starkes Gefühl von Ekel und man würde freiwillig wohl nie einen Fuß in das heruntergekommene Gebäude setzen. In atmosphärischer Hinsicht ist dieser Film also durchaus sehr gelungen, dafür kann man dann auch schon einmal über diverse andere Defizite hinwegsehen. Wären da doch so einige Logiklöcher und vor allem unlogische Verhaltensweisen der Akteure zu nennen, ausserdem wäre da auch noch das nicht gerade gute Schauspiel der einzelnen Protagonisten. "Live Feed" ist also ein Film, bei dem man sich vorher über die in ihn gesetzte Erwartungshaltung im klaren sein sollte, denn höher gesetzte Ansprüche kann das Werk ganz sicher nicht erfüllen. Der Focus ist ganz eindeutig auf den reinen Unterhaltungswert und auf die expliziten gewaltdarstellungen gelegt, wie man es bei Ryan Nicholson auch nicht anders erwarten sollte.

Wer seine Filme kennt und die Machart zu schätzen weiss, der wird hier mit Sicherheit auf seine Kosten kommen, wahre Cineasten werden sich wohl eher die Haare raufen. Für eine Low Budget Produktion bekommt der Gorehound hier äusserst ansehnliche Effekte geliefert und wird mit jeder Menge blutiger passagen konfrontiert, die sich allerdings erst in der zweiten Hälfte zu erkennen geben. Insgesamt gesehen ist hier ganz bestimmt kein filmisches Meisterwerk entastanden, aber immerhin ein durchaus sehenswerter Genre-Beitrag, der die zumeist eher sehr negativen Kritiken nicht verdient hat. Immerhin handelt es sich um ein nettes Splatter-Gore Spektakel, das zudem mit einigen wirklich guten Tötungsarten aufwarten kann.


Fazit:


Werke von Ryan Nicholson haben noch nie durch eine ausgefeilte Geschichte oder herausragende Darsteller überzeugt und "Live Feed" macht da auch keine Ausnahme. Es sind immer wieder Filme, die alle nach dem gleichen Muster aufgezogen sind und dabei eine spezielle Zielgruppe ganz besonders ansprechen. Wer einen recht derben Folterfilm sehen möchte kann hier eigentlich nichts falsch machen, man sollte nur dazu bereit sein, in anderen Belangen offensichtliche Defizite in Kauf zu nehmen.


6/10

Freitag, 13. Mai 2011

Apocalypse of the Living Dead









Apocalypse of the Living Dead
(Zona mrtvih)
mit Ken Foree, Kristina Klebe, Emilio Roso, Miodrag Krstovic, Vukota Brajovic, Steve Agnew, Nenad Ciric, Marko Janjic, Ariadna Cabrol, Eugeni Roig, Iskra Brajovic, Zoran Miljkovic, Maria Kawecka, Bojan Dimitrijevic, Zivko Grubor
Regie: Milan Konjevic / Milan Todorovic
Drehbuch: Milan Todorovic / Vukota Brajovic
Kamera: Steve Brooke Smith
Musik: Stefano Caprioli
Keine Jugendfreigabe
Italien / Serbien / Spanien / 2009

Das Militär transportiert heimlich Giftgas in einem Zug. Terroristen wollen die Waffe in ihren Besitz bringen, aber beim Überfall geht einiges schief, der Tank mit dem Gas wird undicht, und es entweicht. Im näheren Umkreis fallen alle, die das Gift einatmen in einen komatösen Zustand. Aber sie sterben nicht. Sie verwandeln sich. Als sie erwachen, verspüren sie Lust auf Menschenfleisch. Und sie sind sauer, denn das Gas verursacht höllische Schmerzen. Zur gleichen Zeit rollt ein Gefangenentransport mit einem zum Tode Verurteilten durch die Gegend. Die Zombies greifen den Konvoi an. Nur Agent Mortimer Reyes überlebt das Gemetzel und macht nun seinerseits Jagd auf die Untoten.


Die Invasion der Balkan-Zombies


Nachdem vor einigen jahren selbst die Griechen durch "Evil - To Kako" einen Beitrag zum Zombie-Genre abgeliefert haben, wird nun auch der Balkan von den Untoten überrannt. Schauplatz dieses europäischen Zombie-Flicks ist nämlich eine serbische Kleinstadt, an dessen Bahnhof Gift aus einem Zug austritt und die Bewohner erst tötet und dann als menschenfressende Bestien wieder auferstehen lässt. Der Titel des Filmes ist ganz sicher strategisch sehr gut gewählt, wird es doch bestimmt nicht wenig Leute geben, die aufgrund der Namensgebung einen weiteren Teil von George A. Romeros Dead-Reihe erwarten, wobei vorliegender Film rein gar nichts damit zu tun hat. Ausserdem ist diese offensichtliche Marketing-Strategie auch überhaupt nicht notwendig, denn dieser B-Movie ist absolut sehenswert und zählt ganz bestimmt nicht zu den schlechtesten Zombiefilmen, von denen es ja auch genügend gibt. Sicher, Innovation und sensationelle Neuerungen sollte man nicht unbedingt erwarten, aber immerhin bekommt man ein äusserst solides Story-Gerüst serviert, um das sich insbesondere in atmosphärischer Hinsicht ein absolut sehenswertes Szenario aufbaut, das in der Hauptrolle mit Ken Foree (Dawn of the Dead) besetzt ist. Zwar merkt man dem alten recken mittlerweile sein Alter an, denn das Rad der Zeit hat auch vor ihm keinen Halt gemacht, dennoch agiert er immer noch einigermaßen souverän. Lediglich in einigen Bewegungsabläufen steht ihm seine Körperfülle etwas im Weg, so das diverse Bewegungen doch etwas behäbig erscheinen. Die äusserst sich insbesondere in der immer währenden Flucht vor den agressiven Untoten, die sich wie in den letzten Jahren üblich äusserst schnell bewegen können.

Bei diesem Aspekt offenbart sich allerdings auch ein Widerspruch des Szenarios, denn obwohl die Zombies rennen können und auch ansonsten durch gut ausgebildete Reflexe verfügen, bewegen sich immer wieder einige Untote so ungelenk und hölzern, das den wenigen Überlebenden ständig die Flucht vor ihnen gelingt. Umso erstaunlicher ist dieser Umstand, wenn man die zahlenmäßige Überlegenheit der Bestien sieht, die hier wirklich in Scharen auftreten. Meiner Meinung nach handelt es sich dabei aber lediglich um Feinheiten, über die man auch großzügig hinwegsehen kann, denn ansonsten weiss der Film größtenteils wirklich zu überzeugen. Mit einem Budget von gerade einmal geschätzten 1.700.000 $ wurde absolut gute Arbeit geleistet, wodurch sich so manch höher budgetierter genre-Vertreter hinter diesem Zombie-Flick verstecken kann. Dabei wurde insbesondere in atmosphärischer Hinsicht ganze Arbeit geleistet, denn durch die Tatsache, das sich fast das komplette Geschehen in der nacht abspielt, sind schon von haus aus sehr bedrohliche Züge zu erkennen, die sich mit zunehmender Laufzeit immer mehr verdichten und so für das genau richtige Zombie-Feeling beim Zuschauer sorgen.

Auch der vorhandene Spannungsbogen wird kontinuirlich aufgebaut und zieht sich auf einem äusserst konstanten Niveau durch die ganze Geschichte. Doch das Wichtigste bei einem Film dieser Art ist sicherlich der vorhandene Härtegrad und der kann sich jederzeit sehen lassen. Zugegebenermaßen gibt es sicherlich etwas zu viele Kopfschüße und zu wenig echte Beiß-Attacken, hier wäre etwas mehr Abwechslung förderlich für die stattfindenden Ereignisse gewesen, aber es ist keinesfalls so, das in irgendeiner Phase so etwas wie Langeweile aufkommen würde. Ich würde den Härtegrad als angemessen bezeichnen, ohne das es dabei in ein vollkommen sinnbefreites Gemetzel ausarten würde. Einzige Ausnahme ist hierbei sicherlich der finale Showdown, in dem die wenigen Überlebenden einer unglaublichen Anzahl an Untoten gegenüberstehen, die dann allerdings selbstverständlich trotz der zahlenmäßigen Überlegenheit den Kürzeren ziehen. An diesem Punkt sollte man nun nicht zwangsweise an die Glaubwürdigkeit des Filmes apellieren, was sich bei vorhandener Thematik eigentlich von selbst verbietet. Hier zählt keine tiefergehende Geschichte oder ein logischer Ablauf der Geschenisse, denn einzig und allein der Unterhaltungswert sollte das Haupt-Kriterium dieses Filmes sein. Und unterhalten wird der geneigte Zombie-Fan auf jeden Fall und das auch noch auf eine gute Art und Weise, die man in einigen anderen Vertretern des Genres in den letzten jahren vermisst hat.

Letztendlich handelt es sich bei "Apocalypse of the Living Dead" um einen äussert kurzweiligen Zombie B-Movie, der zwar qualitativ keinesfalls an die wirklichen Größen des Genres heranreichen kann, aber sehr atmosphärisch und größtenteils auch harte Zombie-Unterhaltung anbietet, die man sich sehr gut anschauen kann. Eine solide, wenn auch nicht unbedingt innovative Rahmenhandlung, eine herrlich düstere-und bedrohliche Grundstimmung und solide agierende Darsteller sind vollkommen ausreichend für gut 90 Minuten spannende-und blutige Genre-Kost, die man sich als Fan keinesfalls entgehen lassen sollte. Ich persönlich möchte sogar behaupten, das sich das Werk von den Regisseuren Milan Konjevic und Milan Todorovic sogar wohlwollend von der in den letzten Jahren breiten Masse der Zombiefilme abhebt, auch wenn die Story-Line keinerlei Innovation oder neuerungen beinhaltet.


Fazit:


Auch kleinere offensichtliche Defizite und ein in die Jahre gekommener Ken Foree können den insgesamt recht guten Gesamteindruck nicht trüben, den "Apocalypse of the Living Dead" beim Betrachter hinterlässt. Sicherlich wird es auch wieder genügend Leute geben, die das vollkommen anders sehen, doch man sollte nicht in jedn neuen Zombiefilm die Hoffnung stecken, ein Meisterwerk wie Romeros "Zombie - Dawn of the Dead" serviert zu bekommen. Es gibt leider nur sehr wenige Genre-Vertreter, die sich auf einem extrem hohen Qualitäts-Level ansiedeln können, der große rest ist halt nur extrem schlecht oder breites Mittelmaß. Vorliegender beitrag weiss auf jeden fall sehr gut und kurzweilig zu unterhalten, so das ich definitiv eine Empfehlung aussprechen kann.


7/10

Mittwoch, 11. Mai 2011

The Heart is Deceitful Above All Things









The Heart is Deceitful Above All Things
(The Heart is Deceitful Above All Things)
mit Asia Argento, Jimmy Bennett, Kara Kemp, Brent Almond, David Dwyer, Kip Pardue, Jeremy Renner, David Brian Alley, Lydia Lunch, Ornella Muti, Peter Fonda, Dylan Sprouse, Cole Sprouse, John Robinson, Lindy Maguire, Marilyn Manson
Regie: Asia Argento
Drehbuch: Asia Argento / J.T LeRoy
Kamera: Eric Alan Edwards
Musik: Marco Castoldi / Billy Corgan / Kim Gordon
Keine Jugendfreigabe
Frankreich / Großbritannien / Japan / USA / 2004

Für den siebenjährigen Jeremiah bricht in dem Moment unvermittelt eine heile Welt zusammen, als seine leibliche Mutter Sarah ihn von seinen Pflegeeltern abholt. Die unstete Sarah pendelt von Beziehung zu Beziehung, ohne Rücksicht auf ihren Sohn zu nehmen, der unter diesen ständig wechselnden Lebensumständen mehr als nur leidet. Nachdem Jeremiah von einem pädophilen Bekannten seiner Mutter missbraucht wird, bricht er aus - nur um dann in der Obhut seiner bigotten Großeltern zu landen. Dort wird er mit harschen Methoden zu einem treuen Gottesdiener umerzogen, ein Schicksal, das er aber auch bald zu akzeptieren beginnt. Einige Jahre später taucht Sarah erneut in Jeremiahs Leben auf und sie entführt ihn aus ihrem verhassten Elternhaus. Gemeinsam steuern sie nun einer ungewissen, aber in keinem Fall positiven Zukunft entgegen.


Kindesmisshandlung kann sich auf die verschiedendsten Arten äussern, was einem in diesem zutiefst aufwühlendem Drama sehr eindrucksvoll vor Augen geführt wird. Und so ist es auch nicht verwunderlich, das einem während der Ansicht vorliegender Geschichte streckenweise eine schier unbändige Wut überkommt, denn Asia Argento zieht in ihrer Rolle als sprichwörtliche Rabenmutter wirklich alle Register, um durch ihr Verhalten gegenüber ihrem siebenjährigen Sohn den Zuschauer auf die Palme zu bringen. Reisst sie den kleinen Jeremiah doch aus der wohlbehüteten Umgebung seiner Pflegefamilie heraus, nur um mit ihm durch das ganze Land zu fahren, wobei sie hauptsächlich die verschiedendsten Männerbekannschaften pflegt und sich überhaupt nicht um die Erziehung ihres Sohnes kümmert. Körperliche Züchtigungen und verbale Bedrohungen stehen hier auf der Tagesordnung, so das der Junge bald vollkommen verstört ist und von diversen Visionen heimgesucht wird. Muss Jeremiah doch den unsteten Lebenswandel seiner Mutter hautnah miterleben ohne sich dagegen wehren zu können, was schon eine fast zwangsweise entstehende Hilflosigkeit in die Story einbringt, die sich aber nicht nur auf den Jungen bezieht, sondern auch den Zuschauer befällt. Größtenteils sitzt man nämlich absolut fassungslos vor dem heimischen Bildschirm und mag kaum glauben, was einem hier in schockierenden und verstörenden Bildern präsentiert wird.

Da heiratet die Mutter einfach einmal auf die Schnelle einen wildfremden Mann, mit dem sie dann postwendend über das Wochenende nach Atlantic City fährt, um sich zu amüsieren. An sich ist das ja nichts Schlimmes, doch Jeremiah wird einfach im Haus zurückgelassen und ist sich selbst überlassen. Schon diese Passage kann einen im tiefsten Inneren erschüttern, doch viel schlimmer kommt es, als der neue Daddy allein zurückkommt weil Sarah ihn verlassen hat. Denn in der folgenden Nacht dient der kleine Jeremiah als reines Sexobjekt, das anal vergewaltigt wird. Spätestens ab diesem Moment überkommt einen eine grenzenlose Wut auf die junge Mutter, die vollkommen unfähig ist, sich um die Erziehung eines Kindes zu kümmern, kommt sie doch noch nicht einmal mit ihrer eigenen und absolut kaputten Existenz zurecht. Der Zuschauer befindet sich schon längst in diesem fast ohnmächtigen Zustand der Hilflosigkeit und versucht vollkommen vergeblich, sich gegen das stark beklemmende Gefühl zu erwehren, das die gegebene Situation bei ihm auslöst. Hier bleibt es aber auch lediglich beim Versuch, dann die grausame Faszination dieses Werkes hat einen schon lange in Beschlag genommen und die von den Abläufen ausgehende Intensität verfehlt keinesfalls ihre brachiale Wirkung, denn der gesamte Film ist ein einziger Keulenschlag in die Eingeweide des Betrachters.

Dennoch gibt es während des Geschehens auch einen Moment, in dem sich die negativen Emotionen für die Mutter in pures Mitleid verwandeln, da man im Laufe der Zeit auch ihre Eltern kennenlernt. Denn nachdem Jeremiah nach seiner Vergewaltigung im Krankenhaus genäht werden musste, wird er in die Obhut seiner Großeltern gegeben, bei denen es sich scheinbar um religiöse Fanatiker handelt. Dargestellt werden die beiden von Peter Fonda und Ornella Muti und obwohl die beiden nur einen ganz kleinen Raum in der Geschichte einnehmen, ist ihre Bedeutung für die Ereignisse doch immens wichtig, liegt hier doch offensichtlich der Grund dafür, warum Sarah aus ihrem Elternhaus ausgebrochen ist und diesen unsteten Lebenswandel führt. Natürlich darf das keineswegs als Entschuldigung dienen, allerdings bringt man nun etwas mehr Verständnis auf, denn in diesem Elternhaus möchte man selbst auch auf keinen Fall leben. Herrschen dort doch strengste Disziplin und der religiöse Fanatismus in Reinkultur, den auch Jeremiah zu spüren bekommt.

Neben der ungeheuren Intensität und einer fantastisch umgesetzten Geschichte sind es insbesondere die darstellerischen Leistungen, die einem in diesem Film ganz besonders ins Auge stechen. Vor allem Asia Argento ist ganz besonders hervorzuheben, verkörpert sie doch die Rolle der Rabenmutter auf eine so brillante Art und Weise, das man ihr für diese Leistung ein großes Kompliment aussprechen muss. Das Schauspiel ist dabei schon fast erschreckend authentisch und hinterlässt einen sehr glaubwürdigen Eindruck, der schon etwas Grausames an sich hat. Doch auch die anderen Darsteller liefern allesamt einen wirklich tollen Job ab, wobei gerade die kleineren Nebenrollen mit sehr bekannten Gesichtern besetzt sind. Neben den schon erwähnten Peter Fonda und Ornella Muti trifft man beispielsweise auch auf Winona Ryder oder Marilyn Manson. Doch der eigentliche Superstar dieses erschütternden Dramas ist Jimmy Bennett, der den jungen Jeremiah darstellt (der ältere Jeremiah wird später von Dylan Sprouse gespielt) und eine Performance an den Tag legt, die einem eine Gänsehaut verursachen kann. Er verleiht der Figur eine Seele und ein Gesicht, allein ein Blick in seine traurigen Augen zerreisst einem fast das Herz. Es ist immer wieder absolut überragend, wenn schon kleine Kinder in der Lage sind, eine solch fantastische Leistung abzuliefern, wie es in diesem Film der Fall ist.

Insgesamt gesehen kann man Asia Argento nur zu diesem tief aufwühlendem Film gratulieren, auch wenn sie selbst als hauptdarstellerin nicht unbedingt viele Symphatien auf ihrer Seite haben dürfte. Dennoch ist gerade ihre Darstellung der Mutter in der absoluten Spitzenklasse anzusiedeln und verleiht dem Geschehen eine erschreckende Authenzität, die beim Zuschauer für ein absolutes Gefühls-Chaos sorgt. Ständig möchte man in die teils grausamen Ereignisse eingreifen, um einen kleinen Jungen vor dem totalen Verfall seiner kindlichen Seele zu bewahren und verfällt dabei immer wieder in eine Hilflosigkeit, die einem fast schon körperliche Schmerzen bereitet. Wer nah am Wasser gebaut ist, sollte sich ganz genau überlegen, ob dieser Film der Richtige für ihn ist, gibt es doch etliche Passagen, in denen durchaus die Tränen fließen könnten, denn auch grenzenlose Wut kann für einen regen Tränenfluß sorgen.


Fazit:


"The Heart is Deceitful Above All Things" ist ein aufwühlendes und extrem intensives Drama, bei dem man eine ganze Weile benötigt, um das verstörende Geschehen richtig sacken zu lassen. Die erschreckende Glaubwürdigkeit der Geschehnisse hinterlässt einen sehr bitteren Beigeschmack beim Zuschauer, den man auch noch lange nach der Sichtung des Filmes richtiggehend schmecken kann. Grandiose Darsteller und eine Geschichte, die extrem unter die haut geht, sorgen hier für ein Filmerlebnis der ganz besonderen Art, das man sicherlich nicht so schnell wieder vergisst.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsc
Bild: 1,78:1 (16:9)
Laufzeit: 96 Minuten
Extras: Sex, Drugs & Jeremiah, The Heart of Jeremie, Trailer, Trailershow, Exklusives Booklet


9/10

Montag, 9. Mai 2011

Abominable





Abominable
(Abominable)
mit Matt McCoy, Haley Joel, Christien Tinsley, Karin Anna Cheung, Jeffrey Combs, Natalie Compagno, Michael Deak, Lance Henriksen, Jim Giggans, Paul Gleason, Ashley Hartman, Rex Linn, Phil Morris, James Morrison, Tiffany Shepis
Regie: Ryan Schifrin
Drehbuch: Ryan Schifrin
Kamera: Neal Fredericks
Musik: Lalo Schifrin
Keine Jugendfreigabe
USA / 2006

Er wurde schon über 42000 mal in 68 Ländern gesehen. Eine bösartige Kreatur, ein Mythos, eine Legende. Sie nennen ihn Sasquatch, Yeti oder Big Foot. Wir haben ihn gejagt. Diese Erfahrung macht der gehbehinderte Bergsteiger Preston Rogers, als die blutrünstige Bestie in einem abgelegenen Bergdorf über ihn herfällt. Rogers kann mit Mühe und Not entkommen. Auch eine Gruppe ignoranter Jäger will ihn töten. Sie werden ebenfalls Opfer der Kreatur. Der ortsansässige Polizeichef nimmt sich der Sache an und will mit einer Gruppe Studenten das Monster stellen...


Horrorfilme mit Bigfoot-Thematik sind nicht gerade die Glanzlicheter des Genres, um es einmal diplomatisch und vorsichtig auszudrücken. So geht man dann auch sicherlich mit äusserst geringen Erwartungen an vorliegenden Film heran, dessen deutsche DVD-Veröffentlichung zudem noch mit einem wenig ansprechenden DVD-Cover aufwartet. Umso überraschter stellt man dann allerdings ziemlich schnell fest, das es sich hier wohl ganz eindeutig um die beste Bigfoot-Verfimung handelt, denn Regisseur Ryan Schifrin hat bei seiner Geschichte wirklich ganze Arbeit geleistet. Von der ersten Minute an offenbart sich dem Zuschauer eine sehr atmosphärische Story, deren Grundstimmung sich fast im Minutentakt immer weiter verdichtet und dabei ein herrlich bedrohliches Szenario entstehen lässt, das doch etliche richtige Gänsehautmomente garantiert. Schifrin hat es dabei ausgezeichnet verstanden, den Spannungsbogen der Ereignisse im ersten Drittel des Filmes eher langsam und fast schon bedächtig aufzubauen, um dem Betrachter in der darauffolgenden Zeit mit einer erheblichen Steigerung zu konfrontieren, die insbesondere im letzten Filmdrittel in absolute Hochspannung ausartet. So fühlt man sich gerade in der Einführungsphase fast schon in seiner Vermutung bestätigt, es auch hier mit einem weiteren Rohrkrepierer zu tun zu haben, denn das vorhandene Erzähltempo ist zu Beginn doch eher langsam gewählt und auch auf eventuelle Action-Passagen wartet man zuerst vergebens. Fast selbstverständlich erscheint da auch der Aspekt, das man das Monster lediglich ansatzweise zu Gesicht bekommt und nicht in seiner vollen Pracht genießen kann.

Das "Abominable" nach den ersten gut 30 Minuten dann eine solch brachiale Wendung nimmt, hätte man dem Werk beim besten Willen nicht zugetraut, doch all die Dinge die man zu Beginn eventuell noch vermisst hat, verleihen dem Film nun eine Güteklasse, die einen teilweise vom Hocker hauen kann. Aus dem beschaulichen Filmchen entwickelt sich ein ganz erstklassiger Horrorfilm, der insbesondere in atmosphärischer Hinsicht zu einer echten Bombe mutiert, die durch geschickt eingefügte Schockmomente immer wieder neu gezündet wird und dem Zuschauer ein teilweise schweisstreibendes Filmvergnügen bietet, das man als Horror-Fan nur zu gern annimmt. Knisternde Spannung und das immer stärker werdende Gefühl der Bedrohung sorgen für eine extrem starke Faszination die nun vom Geschehen ausgeht und die einen bis zum Ende hin nicht mehr loslässt. Nun ist man so richtig in der Geschichte angekommen und fiebert mit den Akteuren mit, die sich ständigen Attacken des Monsters ausgesetzt sehen. Das dies nicht ohne Tote abgehen kann, liegt dabei wohl ziemlich offensichtlich auf der Hand, doch der dabei an den Tag gelegte visuelle Härtegrad ist doch äusserst überraschend. Nun ist es nicht so, das man ein reines Schlacht-Spektakel zu sehen bekommt, doch die Morde des Bigfoot's sind recht derbe und blutig in Szene gesetzt worden, hier dürften selbst die Gorehounds auf ihre Kosten kommen.

Es ist ganz einfach die Mischung, die hier einen wirklich guten Horrorfilm ausmacht und rückwirkend gesehen ist selbst die etwas ruhige Einführungsphase in die Geschichte als äusserst gekonnt anzusehen. Nur so kann sich erstklassig aufgebaute Spannungsbogen so richtig entfalten, der eigentlich nur von der herausragenden Atmosphäre übertroffen wird. Selbst das Monster kann sich durchaus sehen lassen, denn auch in diesem Punkt hat man schon weitaus Schlechteres zu Gesicht bekommen. Wenn man "Abominable" als Gesamtpaket betrachtet, dann kann man eigentlich nur zu der Erkenntnis kommen, das es sich hier erstens um die beste Bigfoot-Verfilmung-und zweitens um einen wirklich erstklassigen Horrorfilm handelt. So wird man also mit einem erstklassigen Filmerlebnis bedient, das sämtliche Zutaten beinhaltet, die ein solcher Film haben muss. Eine stetig anwachsende Spannungskurve, eine nahezu grandiose Atmosphäre, einen angemessenen aber zu keiner Zeit übertriebenen Härtegrad und solide agierende Darsteller, die allesamt einen ordentlichen Job abliefern. Zudem tummeln sich in der Riege auch einige sehr bekannte Gesichter wie beispielsweise Rex Linn oder auch lance Henriksen, um nur zwei Namen zu nennen.

Wenn man dann doch noch ein Haar in der Suppe finden möchte, kann es sich eigentlich lediglich um die deutsche Synchronisation des Filmes handeln, denn diese ist doch mit Verlaub eher bescheiden ausgefallen. Letztendlich dürfte das aber dem ansonsten extrem positiven Gesamteindruck keinerlei Abbruch tun, den man von "Abominable" gewinnt. Endlich einmal ein Horrorfilm mit Bigfoot-Thematik, der auch wirklich überzeugen kann und ein äusserst spannendes Szenario anbietet, das den Zuschauer bis zur allerletzten Minute bei Laune hält und zudem noch mit einigen richtig harten Momenten garniert ist. Ryan Schifrin hat hier alles richtig gemacht und einen tollen Film kreiert, der in allen Belangen überzeugen kann.


Fazit:


"Abominable" ist ein vorzüglich unterhaltender Horrorfilm, den sich kein echter Fan des Genres entgehen lassen sollte. Zieht man einmal einen thematisch ähnlich gelagerter Film wie "Der Teufel tanzt weiter" zum Vergleich heran, liegen fast schon qualitative Welten zwischen den beiden Werken. So wie in vorliegendem Fall muss ein Bigfoot-Film aussehen, damit man auch seine echte Freude daran haben kann. Ich fühlte mich jedenfalls bestens unterhalten und kann dieses Werk nur wärmstens weiterempfehlen.


8/10

Samstag, 7. Mai 2011

Evil (2003)









Evil
(Ondskan)
mit Andreas Wilson, Henrik Lundström, Gustaf Skarsgard, Linda Zilliacus, Jesper Salen, Filip Berg, Fredrik af Trampe, Richard Danielsson, Martin Svane, Rustan Blomquist, Peter Eggers, Per Westergren, Henrik Limros, Theodor Hoffsten, Sanna Mari Patjas
Regie: Mikael Hafström
Drehbuch: Jan Guillou / Mikael Hafström
Kamera: Peter Mokrosinski
Musik: Francis Shaw
FSK 16
Dänemark / Schweden / 2003

Schweden der 50er Jahre: Der rebellische 16-jährige Erik wird von seiner Mutter auf das private Elite-Internat Stjärnsberg geschickt und erhält hier seine letzte Chance auf einen Schulabschluss. Hinter der feinen Fassade verbirgt sich jedoch ein perfides System von Demütigungen und Gewalt - ausgeübt von den älteren Schülern gegenüber den Jüngeren. Erik versucht sich der Hackordnung unterzuordnen, obwohl er seinen Mitschülern körperlich überlegen ist. Aber wenn er zurückschlägt, fliegt er von der Schule...


Skandinavien ist ja in filmischer Hinsicht insbesondere durch seine äusserst gelungenen Krimi-Reihen bekannt, doch mit dem 2003 erschienenen Drama "Evil" hat Regisseur Mikael Hafström eine Geschichte verfilmt, die dem Zuschauer extrem unter die Haut geht und dabei die unterschiedlichsten Emotionen hinterlässt, die man sich nur vorstellen kann. Im Mittelpunkt des Geschehens steht der 16-jährige Erik, der gleich in den ersten Minuten des Filmes sein enormes Gewaltpotential erkennen lässt, indem er einen Mitschüler auf die brutalste Art und Weise zusammenschlägt und bei den daraus entsehenden Konsequenzen für seine Person eine erschreckende Gleichkültigkeit an den Tag legt, die seinen Charakter im ersten Moment sehr unangenehm und äusserst unsymphatisch erscheinen lässt. Doch dieser erste Eindruck hält nicht lange vor, bekommt der Zuschauer doch ziemlich schnell den möglichen Auslöser für die angestauten Agressionen des jungen Mannes präsentiert, der nämlich im familiären Umfeld fast täglich von seinem Stiefvater körperlich gezüchtigt wird. Dies sind allerdings lediglich die Grundlagen für eine Geschichte, in der gerade körperliche, aber auch psychische Gewalt im absoluten Focus stehen und das alles mit einem Schulsystem in Verbindung steht, das einen fast sprachlos macht.

Erik muss nämlich, nachdem er von der Schule geflogen ist, seine letzte Chance auf eine fundierte Schulausbildung in einem Internat wahrnehmen, in dem eine erschreckende-und schockierende Hirarchie vorherrscht, die man wirklich mit eigenen Augen gesehen haben muss, um an ihre Existenz zu glauben. Verständlicher-und glaubwürdiger erscheint das Geschehen dadurch, das die Story zeitlich gesehen in den 50er Jahren spielt, in denen Dinge wie die Prügelstrafe noch zum täglichen Schulalltag gehörte. Schockierenderweise sind es aber gar nicht die Lehrer, sondern die Schüler unter sich, die sich die schlimmsten Dinge antun. Und so bekommt man ein Szenario geboten, in dem die Oberklassen-Schüler im Prinzip mit allen Privilegien-und Machtbefugnissen ausgestattet sind und so die unterklassigen Schüler und Neulinge schikanieren können, wie es ihnen beliebt. Im ersten Moment hört sich dieser Aspekt, der unter dem Deckmantel der sogenannten Tradition des Internats von den Lehrern geduldet wird gar nicht einmal so schlimm an, wenn man dann allerdings den filmischen Beweis für extremste Demütigungen-und Erniedrigungen geliefert bekommt, verschlägt es einem phasenweise wirklich die Sprache. Das Geschehen erinnert dabei streckenweise schon an psychische-und körperliche Folter, die zudem mit einer erschreckenden Selbstverständlichkeit ausgeübt wird, die einem selbst nicht gerade selten das Blut in den Adern gefrieren lässt.

Erik ist dann die einzige Person, die sich gegen das absolut menschenverachtende System auflehnt, was ihm bei den absurden Internats-Gesetzen fast selbstverständlich jede Menge Ärger einbringt. Als die herrschende Kaste dann bemerkt das der junge Mann fast unbeeindruckt jede Schmach über sich ergehen lässt und oft genug sogar Gegenaktionen durchführt, versucht man daraufhin seinen Willen durch Aktionen zu brechen, die gegen seine Mitschüler gerichtet sind. Ich möchte an dieser Stelle nicht weiter auf die dabei zu sehenden Ereignisse eingehen, denn jeder sollte sich sein ganz eigenes Bild von diesem fantastischen Film machen, der einem doch mit einer ungeheuren Wucht entgegenschlägt, die man kaum in Worte fassen kann. So dauert es dann auch nicht lange, das sich beim Betrachter ein ungemein starkes Wut-Potential entwickelt, dem man am liebsten Luft verschaffen würde, indem man selbst in die schockierenden Geschehnisse eingreift. Da dies allerdings nicht möglich ist, muss man in einem fast ohnmachtsähnlichen Zustand hilflos mitansehen, wie die Gewaltspirale mit einem irren Tempo immer weiterentwickelt und dabei fast schon zwangsläufig auf eine mögliche Katastrophe zusteuert die dann letztendlich aber doch nicht ganz zustande kommt, was nur der Besonnenheit von Erik zu verdanken ist.

Dabei hätte man dem Jungen gerade nach der Eröffnung des Filmes überhaupt nicht zugetraut, das er auch die größten Schikanen über sich ergehen lässt, ohne von seinen Fäusten gebrauch zu machen. Dennoch kommt es im Laufe der Zeit zu einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen ihm und 2 Oberschülern, die jedoch durch die absurden internen Schulgesetze legalisiert ist. Mikael Hafström hat mit "Evil" einen wirklich äusserst intensiven und brutalen Film kreiert, der auf der Autobiografie von Bestsellerautor Jan Guillou basiert und dem Zuschauer ein Schulsystem offenbart, das man sich eigentlich noch nicht einmal vorstellen möchte. Die ausgehende Gewalt der Ereignisse brennen sich dabei fast unauslöschbar in das eigene Gehirn ein und sorgen dafür, das man fast ganzzeitig unter Schockwirkung steht, da der eigene Verstand sich weigern möchte, das Gesehene zu verarbeiten. Ein fantastisches Darsteller-Ensemble sorgt durch perfektes Schauspiel für ein nahezu erschreckendes Maß an Authenzität und Glaubwürdigkeit, so das man im Endeffekt mit einer Geschichte konfrontiert wird, die einen extrem nachhaltigen Eindruck hinterlässt. Und so ist "Evil" dann auch ein Drama, das sich kein echter Film-Liebhaber entgehen lassen sollte, wird man doch mit einem sehr beeindruckenden Filmerlebnis bedient, das durchaus seine Spuren hinterlässt und einem einen extrem tiefen Einblick in ein Schulsystem gewährt, das man ohne große Übertreibung als menschenverachtend bezeichnen kann.


Fazit:


"Evil" ist schonungslos, hart und auf eine gewisse Art ein ungeheuer faszinierender Film, der den Zuschauer einerseits schockiert, aber hauptsächlich sehr wütend macht. Ein herausragender Hauptdarsteller (Andreas Wilson) ist das absolute Highlight in einer nicht gerade höhepunktarmen Geschichte, die den Betrachter innerlich zum kochen bringt. Durch die Tatsache, das man das Gesehene über sich ergehen lassen muss, ohne dabei hilfreich eingreifen zu können, befindet man sich fast die gesamte Laufzeit über in einem Zustand der Hilflosigkeit und manchmal sogar fast einer Ohnmacht nahe. So leidet man hier die ganze Zeit über fast körperlich mit und ist am Ende doch heilfroh darüber, das alles noch einigermaßen glimpflich ausgeht und insbesondere der symphatische Haupt-Charakter noch gestärkt aus den Geschehnissen hervorgeht.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch / Schwedisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,85:1 (16:9)
Laufzeit: 109 Minuten
Extras: Trailer, Deleted Scenes, Making Of, Interview mit Jan Guillou, Trailershow


10/10