Follower

Mittwoch, 29. Juni 2011

Drive Angry









Drive Angry - Fahr zur Hölle
(Drive Angry 3D)
mit Nicolas Cage, Amber Heard, William Fichtner, Billy Burke, David Morse, Todd Farmer, Christa Campbell, Charlotte Ross, Tom Atkins, Jack McGee, Katy Mixon, Wanetah Walmsley, Robin McGee, Fabian C. Moreno, Edrick Browne
Regie: Patrick Lussier
Drehbuch: Todd Farmer / Patrick Lussier
Kamera: Brian Pearson
Musik: Michael Wandmacher
FSK Keine Jugendfreigabe
USA / 2011

Milton kehrt aus der Hölle zurück. Er hat drei Tage, um das Baby seiner ermordeten Tochter davor zu retten, von einem teuflischen Kult geopfert zu werden. Mit der Hilfe der attraktiven Kellnerin Piper und des kirschroten Boliden ihres Freundes macht Milton sich auf die Suche nach dem Sektenführer Jonah King, der die Hölle auf Erden entfesseln will. Schnell heftet sich nicht nur die Polizei an die Fersen Miltons, der eine Schneise der Zerstörung schlägt, sondern auch die rechte Hand des Teufels, der Buchhalter, der das schwarze Schäfchen in den Hades zurückholen soll.


Schon allein aufgrund der Inhaltsangabe kann man ziemlich schnell feststellen, das es sich bei "Drive Angry" nicht um einen Film handelt, den man nach seiner inhaltlichen Tiefe beurteilen sollte. Vielmehr bietet Patrick Lussier (My Bloody Valentine) einen gelungenen Mix aus Fantasy-und Action, der ganzzeitig durch seinen extrem hohen Unterhaltungswert zu überzeugen weiss. Man sollte sich also von Anfang an auf eine recht amüsante, aber keineswegs logische Story einstellen, die phasenweise an allen Ecken und Enden mit diversen Logiklöchern aufwartet, die aber überhaupt nicht weiter ins Gewicht fallen, da hier ganz eindeutig der Spaß-Faktor mehr als eindeutig im Vordergrund steht. Und dieser ist nun wirklich in einem überragenden Maß vorhanden, entpuppt sich die Geschichte doch von Anfang bis Ende als äusserst actionreiches Spektakel, das auch streckenweise mit regelrechten Effekt-Gewittern über den Zuschauer herfällt. Die extrem temporeiche Erzählweise sorgt dabei für ganzzeitig sehr kurzweilige Unterhaltung, bei der man seine grauen Gehirnzellen einmal nicht sonderlich gebrauchen muss, dafür aber mit einer echten Action-Granate belohnt wird, die in diesem Bezug keinerlei Wünsche offenlässt.

Mit Nicolas Cage hat man die absolut beste Besetzung für die männliche Hauptrolle gefunden, erscheint doch der Charakter des toten-und aus der Hölle zurückgekehrten Milton wie auf den Leib geschneidert. Schon rein optisch nimmt man ihm den extrem coolen Einzelgänger ab, der das Leben seiner kleinen Enkelin retten will, die dem Satan geopfert werden soll. Auch wenn Cage hier wahrlich nicht das erste Mal einen coolen Draufgänger mimt, kann ich mich ehrlich gesagt nicht daran erinnern, das die vorhandene Coolness schon einmal so ausgeprägt darsgetellt wurde wie in vorliegendem Fall. Ihm zur Seite steht die einmal mehr unglaublich gutaussehende Amber Heard, die aber keineswegs einfach nur einen optischen Leckerbissen darstellt, sondern auch in mehreren härteren Situationen zu bestaunen ist, in denen sie auch die eigenen Fäuste schwingt. Auch die dritte Hauptfigur der Geschichte ist als absolutes Highlight anzusehen, hierbei handelt es sich um den sogenannten "Buchhalter", dessen Aufgabe darin besteht die aus der Hölle geflohenen Toten wieder einzufangen. William Fichtner liefert hier eine sagenhafte Performance ab, durch die auch die nötige Portion Humor Einzug in das Geschehen hält, was sich hauptsächlich durch äussert coole Dialoge und jede Menge skurriler Situationskomik zum Ausdruck bringt.

So kann man sich auch trotz teilweise sehr harter Momente ziemlich oft ein lachen kaum verkneifen, denn die äusserst gelungene Kombination aus SFX-und Humor wurde so erstklassig in Szene gesetzt, das größtenteils eine Art von belustigender Härte entsteht die einen alles mit einem Augenzwinkern betrachten lässt. Und so verhält es sich eigentlich die ganze Zeit über, der Film lässt erst überhaupt keine langatmigen Passagen zu, denn immer wenn man der Meinung ist eine kleine Ruhepause erwischt zu haben, zieht das Tempo gleich wieder mächtig an und das nächste Action-Spektakel lässt nicht lange auf sich warten. Immer wieder wurde sorgsam darauf geachtet, das jederzeit eine ordentliche Portion Humor dabei ist, stellvertretend sei nur die Schießerei in einem Motel erwähnt, während der Milton keineswegs darauf verzichtet, gleichzeitig seinen Spaß mit einer Kellnerin zu haben. Es ist gerade diese erfrischende und teilweise sehr skurrile Mixtur, die "Drive Angry" zu einem herrlichen Filmerlebnis macht, bei dem man einfach sein Gehirn ausschalten kann, um eine wunderbar zusammengestellte Fantasy / Action Geschichte zu erleben, die von etlichen trashigenPhasen durchzogen ist. Dabei sollte man allerdings ganz klar festhalten, das es sich hierbei um absolut edlen Trash handelt, der zudem noch hervorragend in das Szenario hineinpasst und ihm einen wirklich sehr charmanten Anstrich verleiht.

Im Endeffekt ist "Drive Angry" ein exzellent unterhaltender Film, der seine Stärken ganz bestimmt nicht in einer tiefergehenden Story suchen muss. Es sind vielmehr eine äusserst temporeiche Erzählweise-und ein sehr hoher Actionanteil, die hier für kurzweilige Untehaltung sorgen. Dazu gesellt sich eine wunderbar düstere und bedrohliche Grundstimmung und eine Darsteller-Riege, die man nicht besser hätte besetzen können. Spannung, jede Menge Action, kurioser Humor vom Feinsten und ein absolut angemessener Härteanteil ergeben letztendlich ein Gesamtpaket, das in allen Belangen abslut überzeugend daherkommt. Es muss nicht immer ein filmisches Meisterwerk sein, manchmal reicht auch ein ganzzeitig hoch angesiedelter Unterhaltungswert, um den Zuschauer mit einem sehr befriedigendem Gefühl zurückzulassen, was in vorliegendem Fall definitiv unbestreitbar ist.


Fazit:


Patrick Lussier lässt bei "Drive Angry" von der ersten Minute an keinerlei Zweifel daran, das bei seinem Werk nicht unbedingt die Geschichte an erster Stelle steht. Von Anfang bis Ende dreht sich alles um den puren Unterhaltungswert und dieser ist nun einmal an jeder Stelle vorhanden. Komik, coole Sprüche und ein Action-Spektakel nach dem anderen vertreiben hier die Zeit wie im Flug, was wohl eines der größten Komplimente ist, das man einem Film machen kann. Zudem kann man sich auch noch an 3 erstklassig agierenden Hauptdarstellern erfreuen, wobei mit Amber Heard vor allem für die männlichen Zuschauer ein absolutes Highlight geboten wird.


8/10

Montag, 27. Juni 2011

Leben & Tod einer Pornobande










Leben & Tod einer Pornobande
(Zivot i smrt porno bande)
mit Mihajlo Jovanovic, Ana Acimovic, Predrag Damnjanovic, Radivoj Knezevic, Srdjan Jovanovic, Ivan Djordjevic, Bojan Zogovic, Natasa Miljus, Aleksandar Gligoric, Mariana Arandjelovic, Srdjan Miletic, Spencer Gray
Regie: Mladen Djordjevic
Drehbuch: Mladen Djordjevic
Kamera: Nemanja Jovanov
Musik: Keine Information
FSK Keine Jugendfreigabe
Serbien / 2009

Eros und Thanatos... Als der junge Filmabsolvent Marko sich voller Ideale und Tatendrang daran macht, das serbische Kino zu revolutionieren, muss er bald feststellen, dass niemand auf ihn gewartet hat. Nach ein paar Werbeclips, die an seinen ausgefallenen Ideen scheitern, heißt es für ihn bald: Endstation Porno. Doch so leicht gibt er nicht auf. Angetrieben von der großen Vision bricht er mit einer bunten Truppe unangepasster Rebellen auf, um mit einem Live-Porno-Cabaret das ländliche Serbien ordentlich aufzumischen. Sex and Drugs and Rock 'N' Roll! Doch die Realität siegt. Nach ausbleibendem Erfolg und einigen unerfreulichen Begegnungen mit "rechtschaffenen Bürgern" scheint das Ende nah. Da taucht plötzlich ein Mann auf und macht Marko ein unerhörtes Angebot...


Wenn man einmal die Grundvorraussetzung der vorliegenden Geschichte betrachtet, das ein junger Filmabsolvent seine Ideale verwirklichen möchte, indem er das serbische Kino revolutionieren will, dann ist das Ergebnis der Bemühungen umso tragischer. Ziemlich schnell muss Marko nämlich feststellen, das Ideale und Tatendrang nicht ausreichen, um ein erfolgreicher Regisseur zu werden. Der aber dann folgende Abstieg eines jungen Mannes in die tiefsten Abgründe des Porno-Geschäftes ist noch nicht einmal das Schlimmste, was einem das vorliegende Szenario bietet, denn Marko und seine Freunde lassen sich von einem Angebot verlocken, das ihnen finanziell lukrativ erscheint, die aber gleichzeitig an die Grenzen ihrer belastbarkeit führt. Als bunt zusammengewürfelte Truppe gestartet, die über die Dörfer tingelt und den Leuten ein Porno-Cabaret anbietet, lässt man sich aus einer finanziellen Not heraus dazu hinreissen Snuff-Filme zu drehen, um die perversen Gelüste einiger reicher Menschen zu befriedigen. Immer tiefer gerät die Truppe dabei in einen sogartigen Strudel aus Sex-und Gewalt, in dem sich mit der Zeit eine Gewaltspirale entwickelt, die anscheinend nicht mehr zu stoppen ist.

Regisseur Mladen Djordjevic ist es ausgezeichnet gelungen, gerade das Abrutschen der einstigen Ideale herauszuarbeiten, denn von dem zu Beginn noch vorherrschenden Idealismus ist schon nach kurzer Zeit nichts mehr zu verspüren, vielmehr geht es um das nackte Überleben der Truppe, die manchmal noch nicht einmal genügend Geld für Lebensmittel besitzt. Zudem kommt auch das aufgeführte Programm nicht gerade gut bei der Landbevölkerung an, so das man sogar mit Waffengewalt aus einigen Dörfern vertrieben wird. So wird aus der anfänglichen Unbefangenheit der jungen Leute recht schnell der pure Pessimismus, der sich auch auf das Gemüt der Leute schlägt. Dennoch ist es äusserst erstaunlich das die gesamte Truppe auf Markos Vorschlag eingeht, das man sich mit Snuff-Filmen ein ordentliches Zubrot verdienen will, denn wirkliche Gewissensbisse sind bei den einzelnen Personen nicht festzustellen. Ein Grund dafür ist sicherlich, das nur Freiwillige getötet werden sollen, die sich für die Filme zur Verfügung stellen. das ganze Szenario wirkt schon recht makaber und hinterlässt vor allem einen sehr schalen Nachgeschmack beim Zuschauer, der streckenweise wirklich nicht glauben möchte, was er hier zu sehen bekommt. Das bezieht sich allerdings nicht nur auf die Passagen, in denen es um die erwähnten Snuff-Filme geht, denn das gesamte Werk von Mladen Djordjevic kommt äusserst kontrovers daher und wird so auch ganz sicher nicht jeden Geschmack treffen.

Wohl eher selten hat ein europäischer Film so viele Tabuthemen in sich vereint, wie es bei "Leben & Tod einer Pornobande" der Fall ist, bekommt man doch neben einigen Hardcore-Sequenzen auch Zoophillie, Snuff und explizite Gewaltdarstellungen geboten, so das schon fast zwangsweise eine unglaubliche Härte vom Geschehen ausgeht, die sich mit der Zeit immer weiter intensiviert und dem Zuschauer auch merklich unter die Haut geht. Nun mag manch einer denken, das es sich hier eher um ein billiges Exploitation-Filmchen handeln mag, doch meiner persönlichen Meinung nach liegt man mit einer solchen Einschätzung vollkommen falsch. Vielmehr lässt die Geschichte doch eine nicht unbedingt zu vermutende Tiefe erkennen, die mit zunehmender Laufzeit immer stärker in den Vordergrund rückt und sich insbesondere durch das Verhalten der Protagonisten bemerkbar macht. Ab einem gewissen Zeitpunkt ist nämlich rein gar nichts mehr von der einst lebenslustigen-und experimentierfreudigen Gruppe zu spüren, die aufgebrochen war, um sich selbst zu verwirklichen, stattdessen merkt man ganz offensichtlich, das sich Frust und Reue in den Köpfen einnistet und manch einer sein leben nicht länger mit dem Töten von Menschen verbringen will. Und so nimmt das Schicksal dann auch seinen Lauf, denn der Plot lässt im letzten Filmdrittel eine tragische Note einfließen, die einem schon ordentlich auf den Magen schlagen kann. Ganz generell kann man diesen Film auch sehr gut in drei vollkommen unterschiedliche Drittel einteilen, denn während im ersten Abschnitt hauptsächlich unbeschwerte Stimmung und jede Menge pornographische Szenen auf den Zuschauer warten, kommt im Mittelteil ganz besonders der immense Härtegrad zum Vorschein, der schon mit einer ungeheuren Wucht auf den Betrachter einprasselt. Im letzten Drittel macht sich dann die tragische Note der Ereignisse sehr intensiv bemerkbar und endet in einem Finale, das nach all den Geschehnissen nicht anders hätte ausfallen können. Hier kommt dann auch die vorhandene Tragik-und Dramatik zu ihrem absoluten Höhepunkt der auf jeden Fall dafür Sorge trägt, das man auch lange nach dem Ende des Filmes noch nachhaltig unter dessen Wirkung steht, die man nicht so einfach aus den Knochen schütteln kann.

Auch wenn die vorliegende Thematik wohl nicht jeden ansprechen wird, sollte man sich diese serbische Produktion auf jeden Fall einmal zu Gemüte führen, bietet sie doch neben einer sehr interessanten und kontroversen Geschichte vor allen Dingen einen tiefen Einblick in die Abgründe der menschlichen Seele und zeigt auf beeindruckende Art und Weise, wie schnell Ideale weichen können und der pure Überlebenskampf Einzug in das Leben von Menschen halten kann. Durch den hohen Härteanteil entsteht hier ein äusserst authentischer Eindruck der Geschehnisse, der zudem durch das absolut überzeugende Schauspiel der darsteller noch zusätzlich unterstrichen wird. Grausamkeit und Faszination liegen sehr dicht beieinander, so das man sich eigentlich ganzzeitig in einem wahren Wechselbad der Gefühle befindet. Selbst wenn einem manche Momente extrem grausam erscheinen, so kann man doch keinesfalls die Augen abwenden, was ein untrügliches Zeichen für die vom Geschehen ausgehende Faszination ist, die einen die gesamte Laufzeit über in ihren Klauen gefangenhält. Vielleicht liegt dies auch einfach in der angeborenen Neugier eines jeden Menschen begründet, oder es ist der Unglaube über das, was man hier phasenweise zu sehen bekommt. Auf jeden Fall aber ist "Leben & tod einer Pornobande" ein Film, der sicherlich die Meinungen extrem spalten wird und zu etlichen Diskussionen unter den Film-Freunden führt, wobei sich für alle Seiten genügend Gründe finden werden, um dieses Werk entweder zu lieben oder zu hassen. Mich persönlich hat der Film begeistert, da ohne Schonung Tabu-Themen in ihrer ganzen Grausamkeit gezeigt werden und keinerlei Beschönigungen zu erkennen sind, die das Gesamtwerk unglaubwürdig erscheinen lassen würden.


Fazit:


Einmal mehr hat sich Bildstörung einen sehr aussergewöhnlichen Film für eine Veröffentlichung ausgesucht, der sich jenseits jeglichen Mainstreams ansiedelt und wohl einer eher kleinen Zielgruppe zugänglich sein wird. Ein Film über Ideale eines Menschen, der innerhalb kürzester Zeit vollkommen desillusioniert erscheint und daraufhin tragische Konsequenzen zieht. Erstklassige Darsteller bringen dem Zuschauer ein Szenario äusserst glaubwürdig näher, das an Härte und vorhandener Grausamkeit kaum intensiver hätte ausfallen können und einem so ein Filmerlebnis offenbart, über das man auch noch lange nach dem Ende nachdenkt, da es sich fast unauslöschlich in das Gehirn des Betrachters einbrennt.


Die DVD:

Vertrieb: Bildstörung
Sprache / Ton: Serbisch DD 5.1, DD 2.0 Stereo
Untertitel: Deutsch / Englisch
Bild: 1,85:1 (16:9 anamorph)
Laufzeit: 107 Minuten
Extras: Audiokommentar, Deleted Scenes, Making of, Kommentierte Bildergalerie (ca. 20 Min.), Interviews mit Regisseur Mladen Dordevic und Kameramann Nemanja Jovanov (ca 60 Min.), Die Gespenster des Krieges (Auszüge aus einem Dokumentarfilm), Umfangreiches Booklet mit Texten von Jochen Werner und US-Filmkritiker Steven Shaviro


9/10

Samstag, 25. Juni 2011

Pans Labyrinth









Pans Labyrinth
(El Laberinto del Fauno)
mit Ivana Baquero, Doug Jones, Sergi López, Ariadna Gil, Maribel Verdú, Álex Angulo, Roger Casamajor, Sebastián Haro, Mina Lira, Federico Luppi, Ivan Massagué, Chema Ruiz
Regie: Guillermo del Toro
Drehbuch: Guillermo del Toro
Kamera: Guillermo Navarro
Musik: Javier Navarrete
FSK 16
Mexico / Spanien / USA / 2006

"Pans Labyrinth" ist die Geschichte der kleinen Ofélia, die mit ihrer Mutter zum Stiefvater, einem hochrangigen Militäroffizier, in eine ländliche Gegend Nordspaniens ziehen muss. Durch die Brutalität und Unberechenbarkeit des Stiefvaters tief erschüttert, findet Ofélia Zuflucht in einer Fantasiewelt, die von wundersamen, schaurigen und mythischen Fabelwesen, wie dem geheimnisvollen PAN, bevölkert ist. Sie hat nur eine Chance, in diesem neu erschaffenen Kosmos zu bestehen: Sie muss sich ihren tiefsten Ängsten und schlimmsten Träumen stellen.


Es gibt immer wieder Filme die man ein zweites Mal gesehen haben muss, um ihre ganze Faszination richtig zu erkennen und diese auch auf sich wirken zu lassen. "Pans Labyrinth" gehört für mich persönlich ganz eindeutig in diese Kategorie, konnte ich doch bei der ersten Sichtung bis auf die fantastischen Spezial-Effekte nichts besonderes an diesem Werk feststellen. Die Geschichte an sich ging eigentlich vollkommen an mir vorbei, was sicherlich auch daran gelegen haben mag, das ich den Film zusammen mit mehreren Leuten gesehen habe und so durch einige Gespräche zwischendurch nicht den richtigen Zugang zu den Geschehnissen gefunden habe. Nach der zweiten Sichtung muss ich nun wirklich Abbitte leisten, denn Guillermo del Torro hat hier wirklich ein fantastisches Meisterwerk geschaffen, das zwar in der Regel immer wieder als Märchen für Erwachsene bezeichnet wird, aber vielmehr eine extrem gelungene Kombination aus der Härte des Lebens-und einer eher angedeuteten Fantasy Welt darstellt. Angedeutet deshalb, weil der Film längst nicht den Fantasy-Anteil beinhaltet, den sich so manch einer eventuell erhofft hat, aber gerade der Aspekt das in vorliegendem Fall brutale Härte und wunderschöne Bilder ineinander übergehen, verleiht "Pans Labyrinth" eine so schaurig-schöne Note, das einem bei diversen Momenten fast die Tränen in die Augen steigen.

Dabei wird der Zuschauer durch ein ständig anhaltendes Wechselbad der Gefühle gejagt, offenbaren sich doch einerseits die teils recht hart dargestellten Passagen eines Bürgerkrieges in Spanien unter dem Franco-Regime und andererseits wird man mit einer Fantasy-Welt konfrontiert, in der Elfen und Fantasie-Wesen in den Vordergrund treten. Ist es doch insbesondere dieser enorme Kontrast, der dieser Geschichte ihre Kraft, Brutalität, aber auch ihre faszinierende Schönheit verleiht, so das man phasenweise fast schon in Verzückung gerät. Für beide Seiten der Story steht im Prinzip jeweils eine Hauptfigur, so wird die teils schon brachiale und gnadenlose Härte durch den Hauptmann Vidal ins Spiel gebracht, der gleichzeitig der Stiefvater der kleinen Ofelia ist, die widerum für die schönen und fast schon poetischen Momente verantwortlich zeichnet. Während Vidal einen brutalen-und absolut gnadenlosen Kampf gegen die Rebellen führt, begibt sich Ofelia immer wieder in ein Reich der Fantasie, das äusserst bildgewaltig und visuell extrem beeindruckend dargestellt wird. Ganz generell ist es hier die visuelle Kraft der Bilder, die einerseits eine ungeheure Faszination auf den Zuschauer ausüben, andererseits aber auch Hoffnungslosigkeit und totale Tristesse ausdrücken, was einmal mehr das emotionale Wechselbad zum Ausdruck bringt, dem man hier ganzzeitig ausgesetzt ist. Ganz besonders die Phasen des Filmes, in denen es sich um den vorherrschenden Bürgerkrieg dreht, sind von einer enormen Kälte und Härte durchzogen, die ein äusserst beklemmendes Gefühl aufkommen lässt von dem man sich zu keiner Zeit befreien kann.

Ständiger Dauerregen und die enorme Brutalität des Hauptmanns schlagen einem dabei regelrecht auf das Gemüt und lassen sogar eine fast depressive Stimmung aufkommen, die sich wie eine zentnerschwere Last auf die eigenen Schultern legt. Durch die blassen Farbfilter wird dabei ein Szenario gezeigt, das kaum trostloser hätte gestaltet werden können. Und dann sind da die immer wieder im Wechsel auftretenden Bilder, die einen aus der Tristesse herausreissen und so etwas wie einen Hoffnungsschimmer am Horizont aufkommen lassen, an den man sich wie ein Ertrinkender klammert und aus dem man wieder neue Kraft schöpfen kann. Der ständige Wechsel dieser beiden Erzählstränge ist das ganz besondere an diesem Film, bei dem man anscheinend ganz bewust darauf verzichtet hat, zu sehr in den Fantasy-Bereich abzudriften, was dem Gesamtwerk äusserst zu Gute kommt. Verliert man doch zu keiner Zeit aus den Augen, das del Torro sein hauptaugenmerk ganz eindeutig auf den Aspekt gelegt hat, das es lediglich darauf ankommt, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Auch in diesem Punkt stehen sich wieder die beiden Hauptfiguren gegenüber, wobei der arrogante-und selbstherrliche Vidal ganz sicher nicht die Person ist, die dazu in der Lage ist richtige Entscheidungen zu treffen. Vielmehr ist es das Mädchen Ofelia, die trotz ihres jungen Alters eine immer stärker in den Vordergrund rückende Verwandlung durchmacht und in dieser innerhalb kürzester Zeit zu einer verantwortungsvollen Person heranreift, die ihre Entscheidungen mit allen verbundenen Konsequenzen abzuwägen weiss.

Dies kommt insbesondere zum Ende hin extrem gut zur Geltung, denn beide Haupt-Charaktere werden auf die ein oder andere Art für ihre Entscheidungen zur Verantwortung gezogen. Und obwohl es zuerst den Anschein hat das diese brutale, aber auch wundervolle Geschichte in einer Tragödie endet, wird man letztendlich mit einem wohligen Schauer aus dem Geschehen entlassen, das auch noch einmal einen visuellen Höhepunkt liefert, den man letztendlich nur als traumhaft schön bezeichnen kann. "Pans Labyrinth" ist ohne Übertreibung ein visuelles Meisterwerk, das Schönheit, Faszination, Abscheu und brutale Härte auf eine Art und Weise miteinander verbindet, die einem immer wieder kalte Schauer über den Rücken laufen lässt. Die absolute Brillanz, mit der Guillermo del Torro hier ein Bürgerkriegs-Szenario mit einer fantastischen Märchenwelt verbunden hat, ist absolut einzigartig und zieht den Betrachter immer wieder aus der rauhen Realität in eine Welt voller wundersamer Geschöpfe, so das man letztendlich doch schon fast von einem Märchen für Erwachsene sprechen kann. Auf jeden Fall aber ist hier ein Film entstanden, der mit einer ganzzeitig spannenden und bildgewaltigen Geschichte aufwartet und in der sich äusserst harte-und dann wieder wunderschöne Momente in einer absoluten Regelmäßigkeit abwechseln. Fantastische Speziel-Effekte und eine ständig wechselnde Grundstimmung der Geschehnisse machen dieses Meisterwerk zu etwas ganz Besonderem, das sich kein wirklicher Filmliebhaber entgehen lassen sollte.


Fazit:


"Pans Labyrinth" ist ein absolut aussergewöhnlicher-und visuell beeindruckender Filmgenuss, der trotz der vorhandenen Härte vielmehr durch seine schönen Momente überzeugen kann. Knapp 2 Stunden erstklassige Unterhaltung, die noch nicht einmal den Ansatz von langatmigkeit aufkommen lässt und zudem mit erstklassigen Schauspielern besetzt ist, die dem Werk ganz unweigerlich ihren persönlichen Stempel aufdrücken. Die Vermischung verschiedenster Genres sind die absolute Stärke eines Filmes, auf den man sich wirklich einlassen muss, um auch die ganze Wucht und Kraft spüren zu können die von dem fantastisch umgesetzten Szenario ausgeht, das seine Wirkung auf den Zuschauer zu keiner Zeit verfehlt.


10/10

Donnerstag, 23. Juni 2011

Angel Heart









Angel Heart
(Angel Heart)
mit Mickey Rourke, Robert De Niro, Lisa Bonet, Charlotte Rampling, Stocker Fontelieu, Brownie McGhee, Michael Higgins, Elizabeth Whitcraft, Eliott Keener, Charles Gordone, Dann Florek, Kathleen Wilhoite
Regie: Alan Parker
Drehbuch: Alan Parker / William Hjortsberg
Kamera: Michael Seresin
Musik: Trevor Jones
FSK 16
Großbritannien / Kanada / USA / 1987

Verschwundene aufzuspüren gehört zum Alltagsgeschäft des heruntergekommenen Privatschnüfflers Harry Angel. Vor zwölf Jahren verliert sich die Spur des Sängers Johnny Favorite in den Wirren des Krieges. Den ersten Zeugen, den er in die Mangel nehmen will, findet Angel mit einer Kugel im Kopf. Auch zur ehemaligen Geliebten Favorites, einer ebenso attraktiven wie mysteriösen Wahrsagerin, kommt er zu spät. Angel gerät unter Mordverdacht und versucht verzweifelt, den Job loszuwerden. Doch sein Auftraggeber Louis Cyphre erhöht zynisch sein Honorar. Die Spur zu Johnny Favorite wird immer blutiger, der Routinefall wird zum Horrortrip.


Immer wieder gibt es diverse Filme, die auch nach etlichen Jahren immer noch im Gedächtnis des Zuschauers verankert sind, da sie durch ihre geniale Inszenierung ganz einfach einen unlöschbaren Eindruck hinterlassen haben. "Angel Heart" von Alan Parker muss ganz sicher in diese Kategorie eingeordnet werden, ist hier doch eine brillante Kombination aus Mysterythriller-und Okkulthorror entstanden, die einen von der ersten Sekunde an in ihren fast schon magischen Bann zieht und dabei eine ungeheure Faszination zur Entfaltung bringt, der man sich auf keinen Fall entziehen kann. So lässt die äusserst spannende und in sich verschachtelte Geschichte von Beginn an immer eine leichte Gänsehaut beim Betrachter entstehen, die sich wie ein Mantel über die eigene Haut legt und dort bis zum Ende auch haften bleibt. Das ist insbesondere der fantatstischen Grundstimmung des Szenarios geschuldet, die zwar schon in der Einführungsphase des Filmes äusserst dicht geraten ist, sich jedoch mit zunehmender Laufzeit noch immer weiter verdichtet und dabei extrem bedrohliche Züge zum Vorschein kommen lässt, die hier streckenweise für absolute Hochspannung verantwortlich zeichnen.

Gleichzeitig hat Parker den Geschehnissen ein sehr düsteres Ambiente verliehen, das den Zuschauer in die genau richtige Stimmung versetzt, um die mysteriösen Ereignisse so richtig auf sich wirken zu lassen. Doch selbst wenn man versuchen würde, sich nicht auf die erzählte Story einzulassen würde es sich um einen eher hoffnungslosen Versuch halten, wird man doch ganz automatisch in einen Strudel von Geschehnissen hineingezogen, aus dem es anscheinend kein Entkommen gibt. Es entsteht eine fast schon magische Anziehungskraft, die durch die eingebauten Voodoo-Elemente noch zusätzlich unterstützt wird und so auch einige herrliche Horror-Momente offenbart, die einem kalte Schauer über den Rücken jagen. Und so begleitet man dann auch nur zu gern einen Mickey Rourke, der in der Figur des heruntergekommenen Schnüfflers Harry Angel meiner Meinung nach in seiner besten Rolle zu sehen ist, auf der Suche nach einem verschwundenen Schnulzen-Sänger, die sich jedoch im Laufe der Zeit vollkommen anders entwickelt, als Harry es sich vorgestellt hat. Gerät er doch immer tiefer in einen Sog aus Voodoo-Ritualen und rätselhaften Morden, denn sämtliche Menschen zu denen er auf seiner Suche Kontakt aufnimmt, müssen einen gewaltsamen und äusserst blutigen Tod erleiden. Doch damit nicht genug, denn Harry gerät selbst unter Verdacht und muss zum Ende der Geschichte hin erkennen, das die ganzen Ereignisse auf eine grauenhafte Art und Weise auch mit seiner Person in Verbindung stehen.

Das Schauspiel von Mickey Rourke ist eine der ganz großen Stärken dieses Werkes, das nicht gerade arm an Höhepunkten ist. Denn obwohl der Schauspieler ja nun wirklich einige absolut fantastische Filme in seiner Filmografie verankert hat, ist die Figur des Harry Angel wohl sein absolutes Meisterstück, bringt er doch die verkrachte Existenz des Mannes so authentisch und glaubwürdig rüber, das man nur selten den Eindruck erhält, das Rourke hier lediglich eine Rolle spielt. Sein Gegenüber ist kein geringerer als Robert De Niro, der trotz eher seltener Auftritte eine absolute Augenweide darstellt. Ganz generell kann man eigentlich anmerken, das "Angel Heart" bis in die kleinsten Nebenrollen absolut perfekt besetzt ist und so mit hervorragendem Schauspiel aufwarten kann, was den Film insgesamt noch einmal zusätzlich aufwertet. In das meiner Meinung nach perfekte Gesamtbild passen auch die herrlichen Schauplätze des Geschehens und Alan Parker hat es zudem hervorragend verstanden, einem die 50er Jahre absolut realitätsgetreu näherzubringen, denn das Lebensgefühl-und der Stil dieser Zeit kommt sehr gut zur Geltung.

Man kann hier im Prinzip nur zu einem überragenden Gesamteindruck gelangen, denn Parker hat hier die einzelnen Elemente des Filmes absolut perfekt miteinander kombiniert und so einen wirklich zeitlosen Klassiker geschaffen, der für Fans des Genres einen Höhepunkt darstellen dürfte. Hervorragende Darsteller, eine herrlich ineinander verschachtelte Geschichte und überraschende Wendungen sorgen für ein erstklassiges Filmvergnügen der ganz besonderen Art. Ein stetig ansteigender Spannungsbogen und vor allem die düstere-und sehr bedrohliche Atmosphäre sorgen dabei für jede Menge Gänsehaut-Momente. Insgesamt gesehen gibt es also keinerlei Grund zur Beanstandung, so das es sich in meinen Augen um einen perfekten Film handelt, der auch nach den ganzen Jahren immer noch so faszinierend und mysteriös ist wie am ersten Tag. Man kann sich der von der Story ausgehenden Faszination einfach nicht entziehen und begibt sich immer wieder gern auf die Suche nach dem verschollenen Johnny Favourite der am Ende sogar gefunden wird, allerdings auf eine ganz andere Art, als wie man es vermuten mag.


Fazit:


Alan Parker hat mit "Angel Heart" ein wirkliches Meisterwerk geschaffen, das einem Mickey Rourke in absoluter Höchstform präsentiert. Jede Menge Spannung und eine atmosphärisch genial umgesetzte Geschichte sorgen für Unterhaltung der Extraklasse, von der man einfach nicht genug bekommen kann. Wer dieses brillante Werk noch nicht kennen sollte, der muss diesen Zustand unbedingt ändern, den auch nach heutigen Maßstäben ist dieser Film immer wieder absolut sehenswert und bietet einen intensiven Horror-Trip, den man sich keinesfalls entgehen lassen sollte.


10/10

Dienstag, 21. Juni 2011

Mystic River









Mystic River
(Mystic River)
mit Sean Pen, Tim Robbins, Kevin Bacon, Laurence Fishburne, Marcia Gay Harden, Laura Linney, Kevin Chapman, Tom Guiry, Emmy Rossum, Spencer Treat Clark, Andrew Mackin, Adam Nelson, Robert Wahlberg, Jenny O'Hara, John Doman
Regie: Clint Eastwood
Drehbuch: Brian Helgeland / Dennis Lehane
Kamera: Tom Stern
Musik: Clint Eastwood
FSK 16
USA / 2003

Jimmy. Dave. Sean. Die Freunde sind gemeinsam im Arbeiterviertel von Boston aufgewachsen, bis eine furchtbare Tragödie sie getrennt hat. Jahre später führt ein grausiges Ereignis sie wieder zusammen Jimmys 19-jährige Tochter ist kaltblütig ermordet worden. Dave steht unter Verdacht. Und Sean, inzwischen Polizist, bemüht sich das Verbrechen aufzuklären, bevor der aufgebrachte Jimmy das Gesetz in die eigene Hand nimmt. Aus Brian Helgelands Drehbuchfassung zu Dennis Lehanes Roman schafft Regisseur Clint Eastwood ein Meisterwerk - einen düsteren Thriller über Familie, Freunde und verlorene Unschuld. Sean Penn, Tim Robbins und Kevin Bacon spielen die drei Freunde im Zentrum der Geschichte. Zur Besetzung - einer der überzeugendsten der letzten Jahre - gehören auch Laurence Fishburne, Marcia Gay Harden und Laura Linney. Ein mitreißender Krimi. Eine spannende Ermittlung. Eine Expedition in die Abgründe des Herzens.


Immer wieder gibt es diese Filme, die einen extrem nachhaltigen Eindruck hinterlassen und sich manchmal sogar in der Seele des Zuschauers festfressen. "Mystic River", der unter der Regie von Clint Eastwood entstanden ist, gehört ganz sicher in diese Kategorie, hat der alte Recke hier doch ein äusserst intensives Thriller-Drama geschaffen, das einen von der ersten bis zur letzten Minute in seinen Bann zieht und dabei jede Menge Emotionen freisetzt, die absolut fantastisch in Szene gesetzt wurden. Nun kann man sich über die darstellerischen Fähigkeiten eines Clint Eastwood sicherlich vortrefflich streiten, bietet seine Filmografie doch eher wenige Ausnahmen, in denen schauspielerische Brillanz gefragt ist, sondern vielmehr ein Sammelsurium an waschechten Macho-Filmen, in denen er hauptsächlich den eher schweigsamen Einzelgänger gibt. Seine Fähigkeiten als Regisseur hingegen dürften jedoch unbestritten sein, was sich im Laufe der letzten Jahre schon oft genug eindrucksvoll gezeigt hat. Nicht anders verhält es sich in vorliegender Geschichte, in der ehemalige Freundschaften, eine verlorene Jugend, falsche Verdächtigungen und sehr tragische Fehleinschätzungen im Vordergrund stehen. Manch einer mag nach der Sichtung dieses Filmes eventuell der Meinung sein, das die Story zu emotinslastig ausgefallen wäre, doch wenn man sich das Gesamtwerk einmal näher betrachtet müsste man eigentlich feststellen, das jede einzelne Einstellung dieses tragischen Meisterwerkes absolut passend erscheint und rein gar nichts von irgendwelchen Übertreibungen zu spüren ist. Meiner Meinung nach ist sogar eher das Gegenteil der Fall, denn das gesamte Szenario präsentiert sich mehr als nur authentisch und glaubwürdig, was in erster Linie der äusserst gut durchdachten Geschichte und insbesondere den fantastischen Darstellern zu verdanken ist, die sich hier in absolut brillantem Schauspiel gegenseitig übertreffen.

Die hohe Qualität dieses Werkes macht sich allein schon durch den Aspekt bemerkbar, das Hochkaräter wie Lawrence Fishburne oder der sehr oft unterschätzte Kevin Bacon trotz erstklassiger Darstellungen vielmehr den Status einer notwendigen Randerscheinung einnehmen, was ganz eindeutig auf das herausragende Schauspiel der beiden eigentlichen Hauptfiguren hindeutet. Denn vollkommen zu Recht erhielten Tim Robbins und Sean Penn jeweils einen Oscar für ihre hier gezeigten Schauspielkünste, Wobei Robbins als bester Nebendarsteller und Penn als bester Hauptdarsteller geehrt wurden. Wenn man sich diesen Film in Ruhe anschaut und so richtig auf sich wirken lässt, dann kann man diese Entscheidung nur zu gut nachvollziehen. Allein schon Robbins in der Rolle des dave ist eine absolute Augenweide, verleiht er doch dem in seiner Kindheit missbrauchten Mann eine Präsenz, die einem richtiggehend unter die Haut kriecht. Man leidet förmlich mit dem Familienvater mit, der anscheinend noch nicht einmal seiner Frau von seinem schrecklichen Geheimnis erzählt hat, was in einem längeren Dialog der beiden im letzten Filmdrittel ziemlich stark zum Ausdruck kommt und auch zu einer fatalen Fehleinschätzung der Ehefrau führt, die daraufhin eine tragische Katastrophe auslöst. Übertroffen wird Robbins lediglich von einem alles überragenden Sean Penn, den ich persönlich noch nie brillanter wie in der Rolle eines verzweifelten Vaters gesehen habe, der den Tod seiner über alles geliebten Tochter gesehen habe. Die von ihm an den tag gelegte Performance kann man kaum in Worte fassen, denn man muss sie unbedingt selbst gesehen haben, um die Kraft und Authenzität zu spüren, die dem Zuschauer hier ganz automatisch eine Gänsehaut verpasst.

Selten hat man wohl eine so eindrucksvolle Interpretation von Seelenschmerz gesehen, wie Penn sie bei der Entdeckung seiner toten Tochter an den Tag legt. Im Prinzip hat das mit einer hochemotionalen Darstellung recht wenig zu tun, entsteht bei einem selbst doch viel eher der Eindruck, das hier ein Mann wirklich die Erkenntnis trifft, das er das Liebste auf der Welt verloren hat und an dieser Tatsache zu zerbrechen droht. Im totalen Gegensatz dazu stehen dann immer wieder die Passagen, in denen er eher von Rache, Wut und Hass getrieben wird, denn erscheint er an diesen Stellen doch fast eiskalt und berechnend. Schaut man aber etwas unter die Oberfläche, dann merkt man äusserst schnell, das hinter der kalt erscheinenden Fassade so viel Scjerz steckt, so das es scheinbar nur eine Frage der Zeit ist, bis ein menschlicher Vulkan zum Ausbruch kommt. Das dies selbstverständlich zum Ende hin auch passiert, ist dann letztendlich nur eine logische Folge der Ereignisse die sich einem hier präsentieren, denn durch etliche Missvertständnisse und folgenschwere Fehleinschätzungen wird eine Tragödie ausgelöst, die letztendlich einfach nicht mehr aufzuhalten ist. Eastwood hat bei seiner Geschichte genau die richtige Mischung gefunden und obwohl die dramatischen Anteile gegenüber dem Thriller überwiegen, offenbart sich ein extrem spannendes Geschehen, das absolut erstklassig fotografiert ist und eine mehr als nur beklemmende Grundstimmung beinhaltet, die sich größtenteils wie eine zentnerschwere Last auf die Schultern des Betrachters legt und diesem in vielen Momenten fast die Luft zum atmen nimmt. Die hohe Emotionalität des Geschehens tut dabei ihr Übriges, um eine ungeheure Intensität zu entfalten, der man sich beim besten Willen nicht entziehen kann, selbst wenn man es wollte. Zu sehr taucht man in die Geschichte ein und erliegt der Faszination eines Filmes, den man nicht besser hätte umsetzen können.

Die tragischen Ereignisse aus Vergangenheit und Gegenwart, die hier drei Männer eher unfreiwillig wieder zusammenbringen, lassen bei einem selbst einen dicken Kloß im Hals entstehen, den man auch über die gesamte Laufzeit nicht mehr los wird und der auch lange nach dem Ende des Filmes spürbar nachwirkt. Die besondere Tragik wird dabei durch eigene Familienangehörige ausgelöst, ist es doch zuletzt die Ehefrau von Dave (Marcia Gay Harden), die durch mangelndes Vertrauen eine Katastrophe auslöst, die durch nichts mehr aufzuhalten ist. Regisseur Clint Eastwood ist es ganz generell sehr gut gelungen, selbst den eher kleinen Nebenrollen in seiner Story extremes Gewicht zu verleihen, was man insbesondere am Ende durch die Preisgabe der wahren Täter zu spüren bekommt. Gleichzeitig hat er jedem einzelnen Charakter ein enormes Maß an Tiefe verliehen, so entsteht selbst bei den seltener im Vordergrund stehenden Figuren eine ungeheuer starke Identifikation und man wird das Gefühl nicht los, das man sämtliche Charaktere äusserst gut kennt. Im Prinzip wird man selbst ein Teil dieser Geschichte, die einen mit einer schier übermächtigen Kraft in einen tragischen Strudel der Geschehnisse zieht und dabei im tiefsten Inneren berührt. Dabei verspürt auch der Zuschauer selbst die ganze Gefühlspalette, die sich hier vor ihm aufbaut und und dabei einen Fawcetten-Reichtum an den Tag legt, der einen mit einer schon erschreckenden Wucht wie ein Schlag in die Magengrube trifft.

Im Endeffekt ist "Mystic River" ein absolut brillantes Meisterwerk, das man nicht eben einmal im Vorrübergehen anschaut. Man muss sich auf die Geschichte wie auch auf die starken Emotionen einlassen, um die ganze Kraft eines Werkes zu spüren, das man ohne Übertreibung als genial bezeichnen kann. Eine sehr gut durchdachte Story, immens viel Spannung, eine äusserst beklemmende Atmosphäre un eine überirdisch gute Besetzung sind ein absoluter Garant für ein Filmereignis, das man nicht so schnell wieder aus seiner Erinnerung verdrängen kann.


Fazit:


War Clint Eastwood als Darsteller zumeist der schweigsame macho-und Einzelkämpfer, so ist er als regisseur eine absolute Klasse für sich und verwöhnt den Zuschauer mit äusserst eindrucksvollen Filmen. Emotionale Tiefe, erstklassig gezeichnete Charaktere und eine hervorragend durchdachte Geschichte sind jedenfalls die große Stärke von "Mystic River", der ein in allen Belangen perfektes Meisterwerk darstellt, an das man sich noch lange erinnern wird.


10/10

Sonntag, 19. Juni 2011

Carrie - Des Satans jüngste Tochter









Carrie - Des Satans jüngste Tochter
(Carrie)
mit Sissy Spacek, Piper Laurie, Amy Irving, William Katt, Betty Buckley, Nancy Allen, John Travolta, P.J. Soles, Priscilla Pointer, Sydney Lassick, Stefan Gierasch, Michael Talbott, Doug Cox, Harry Gold, Noelle North
Regie: Brian De Palma
Drehbuch: Stephen King / Lawrence D. Cohen
Kamera: Mario Tosi
Musik: Pino Donaggio
FSK 16
USA / 1976

Carrie White hat es nicht leicht. Von ihrer herrschsüchtigen Mutter, einer religiösen Fanatikerin, wird sie von der Außenwelt isoliert, ihre Mitschüler an der High School verspotten sie als Mauerblümchen. Doch eines Tages entdeckt Carrie, dass sie übersinnliche Fähigkeiten besitzt: Mit der Kraft ihres Willens allein kann sie Materie in Bewegung setzen - eine gefährliche Gabe für eine gedemütigte Außenseiterin. Als Carrie beim Schulball Opfer eines bösen Scherzes wird, rächt sie sich auf grauenvolle Weise.


Bei "Carrie" handelt es sich nicht nur um den ersten Roman von Stephen King, sondern gleichzeitig auch um die erste Verfilmung eines Buches des Autors. Zudem kann man wohl ohne Übertreibung behaupten, das es sich zudem noch um einer der besten King-Verfilmungen handelt, was sicherlich auch darin begründet liegt, das mit Brian De Palma ein hervorragender Regisseur am Werke war, der dieses Horror-Drama ganz ausgezeichnet in Szene gesetzt hat. Dabei überwiegen ganz eindeutig die Anteile eines Dramas, kommt doch der Horroranteil der Geschichte erst im letzten Drittel des Filmes so richtig zum Ausdruck. Doch gerade dieser Aspekt macht dieses Werk so verdammt gut, bekommt der Zuschauer doch einen extrem tiefen Einblick in den Charakter der Carrie, die von einer überragenden Sissy Spacek absolut brillant dargestellt wird. Verleiht sie doch dem schüchternen und in sich gekehrten Mädchen ein äusserst hohes Maß an Authenzität und verleibt der Figur eine Seele ein. Man kann sich von der ersten Minute an mit dem Teenager identifizieren und stellt so sofort eine starke Bindung zu dem Mädchen her, das unter einer wahren Schreckensherrschaft ihrer religiös-fanatischen Mutter steht, deren Figur mit Piper Laurie nicht weniger ausdrucksstark besetzt ist.

So stellt De Palma auch in erster Linie religiöse-und sexuelle Aspekte in den Vordergrund, wobei hauptsächlich die innere Zerrissenheit des jungen Mädchens in den Vordergrund rückt, die vollkommen weltfremd erzogen wurde und vom realen Leben so gut wie überhaupt keine Ahnung hat. Hierfür steht stellvertretend schon die Anfangsphase der Story, in der die 16-Jährige unter der Schuldusche ihre erste Menstruation bekommt und dabei das Gefühl hat, das sie nun sterben muss. Hatte sie doch bis zu diesem Zeitpunkt gar keine Ahnung, das es so etwas überhaupt gibt, was die weltfremde Erziehung ihrer Mutter besonders gut zum Ausdruck bringt. Natürlich bleibt es da auch nicht aus, das Carrie in der Schule als kauzige-und sonderbare Aussenseiterin gilt, die den ständigen Hänseleien ihrer Mitschüler ausgesetzt ist. Auch dieser Teil der Geschichte wird sehr ausführlich geschildert und ist letztendlich dann auch der Auslöser für die Katastrophe, die sich im letzten Filmdrittel abspielt und etliche Menschen das Leben kostet. Ahnt doch keiner ihrer Mitschüler, das Carrie telekenetische Fähigkeiten besitzt, die auf einem Abschlußball auf verheerende Art und Weise zum Ausdruck kommen und ihre Peiniger aus dem Leben befördert. Die Ereignisse auf der Tanz-Veranstaltung sind sicherlich als visueller Höhepunkt anzusehen, entfaltet sich doch ein äusserst beklemmendes-und bedrohliches Schreckens-Szenario, das sehr bildgewaltig und hart in Szene gesetzt wurde.

Auch aus heutiger Sicht kann sich gerade dieser Teil des Filmes immer noch sehen lassen, wobei der vorhandene Härtegrad der Passagen sich in einem überschaubaren Rahmen bewegt, den man allerdings als angemessen bezeichnen kann. Nun ist "Carrie" aber auch keineswegs ein Film, in dem explizite Gewaltdarstellungen das Wichtigste wären, sondern vielmehr die ausführliche und tiefgehende Charakter-Zeichnung der Hauptfigur, die gerade dabei ist sich innerlich zu ändern und etwas zu öffnen, um dann eine so tiefe Demütigung durch ihre Mitschüler zu erleiden, die ihre Fähigkeiten ausser Kontrolle geraten lässt, was zu einer unausweichlichen Katastrophe führt. Bei den Ereignissen während des Abschlußballs sollte man dabei ganz besonders auf die weit aufgerissenen Augen von Sissy Spacek achten, aus denen einem so viel Wut aber auch der pure Wahnsinn entgegenschlägt, das einem das Blut in den Adern gefrieren kann. Ganz automatisch entsteht dabei eine echte Gänsehaut und man fühlt sich irgendwie nicht wohl in seiner Haut, wobei man ein starkes Gefühl der Beklemmung zu keiner Zeit ablegen kann. Wenn man dann noch das extrem tragische Ende der Geschichte berücksichtigt, in dem es zwischen Carrie und ihrer Mutter zu einem vernichtenden Showdown kommt, steigert sich die Beklemmung fast schon ins Unermessliche, denn wartet der Film doch mit allem anderen, aber nicht mit einem Happy End auf. So tragisch die Geschichte schon begonnen hat, so tragisch endet sie dann auch, wobei jeder andere Schluß aber auch vollkommen unpassend gewesen wäre.

Insgesamt gesehen ist es De Palma ganz hervorragend gelungen, den Roman von Stephen King zu verfilmen. Der Zuschauer bekommt eine Tragödie um ein junges und unschuldiges Mädchen geboten, in der unglaubliche Kräfte schlummern, die aufgrund ständiger Demütigungen durch ihre Mitschüler auf verheerende Art und Weise zum Einsatz kommen und eine furchtbare Katastrophe auslösen. Durch das erstklassige Darsteller-Ensemble und eine in allen Belangen herausragende Sissy Spacek entfalten die Geschehnisse eine unglaubliche Intensität, der man sich beim besten Willen nicht entziehen kann. Ganz nebenbei beinhaltet der Film einen exzellenten Spannungsbogen und verfügt über eine äusserst dichte-und bedrohliche Grundstimmung, die sich mit der Zeit immer mehr verdichtet und ihre Wirkung auf den Betrachter zu keiner Zeit verfehlt. Dadurch wird der Zuschauer phasenweise richtiggehend in das Geschehen hineingezogen und schlägt sich dabei trotz der schrecklichen Vorkommnisse jederzeit auf die Seite der Hauptfigur und kann auch ihre Handlungen vom menschlichen Standpunkt aus sehr gut nachvollziehen. Mit ihren Opfern hat man allerdings überhaupt kein Mitleid, so hart sich das jetzt auch anhören mag, aber schließlich haben diese sich die Suppe selbst eingebrockt.


Fazit:


"Carrie - Des Satans jüngste Tochter" ist meiner Meinung nach ein absolut herausragender Film, den man ohne Probleme zu den Perlen des Genres zählen kann. Hier passt ganz einfach alles perfekt zusammen, so das letztendlich ein Werk entstanden ist, das auch nach mittlerweile 35 Jahren rein gar nichts von seinem reiz und seiner Faszination verloren hat. Ein zeitloser Klassiker, den man sich immer wieder gut anschauen kann und der immer wieder aufs Neue erstklassige und äusserst spannende Unterhaltung bietet.


9/10

Freitag, 17. Juni 2011

Vier Fliegen auf grauem Samt








Vier Fliegen auf grauem Samt
(4 mosche di velluto grigio)
mit Michael Brandon, Mimsy Farmer, Jean-Pierre Marielle, Bud Spencer, Aldo Bufi Landi, Calisto Calisti, Marisa Fabbri, Oreste Lionello, Fabrizio Moroni, Corrado Olmi, Stefano Satta Flores, Francine Racette
Regie: Dario Argento
Drehbuch: Dario Argento
Kamera: Franco Di Giacomo
Musik: Ennio Morricone
Ungeprüft
Italien / Frankreich 1971

Nachdem der junge Roberto versehentlich einen Mann tötet, von dem er sich verfolgt fühlte, macht ihm ein Unbekannter das Leben zur Hölle. Weitere Morde geschehen und Roberto gerät immer mehr ins Fadenkreuz der Ermittler. Wer steckt hinter den mysteriösen Vorgängen?


Endlich gibt es diesen Klassiker des Giallo - Films auch erstmalig ungeschnitten in deutscher Sprache. Nachdem die deutsche Synchronisation etliche Jahre als verschollen galt, hat Retro - Film diesen Klassiker jetzt rausgebracht. Allerdings schwingt auch gleich ein Wermutstropfen bei der ganzen Sache mit, denn wie sich herausgestellt hat, soll es sich um ein Bootleg halten. Und da mittlerweile herausgekommen ist, das es sich statt der 1000 sich im Umlauf befindlichen DVD's, sogar um 5000 handeln soll, ist es wohl mit einer offiziellen Veröffentlichung wohl erst einmal Essig. Dennoch sollte man als Fan froh darüber sein, das es überhaupt eine deutschsprachige Version des Filmes gibt, hat man doch extrem lange darauf warten müssen.

Es handelt sich hier um den dritten abendfüllenden Film von Dario Argento, der gleichzeitig auch der Abschluß der "Tier-Trilogie" ist. Im Gegensatz zu anderen Vertretern des Genres beinhaltet dieses Werk sogar einige äusserst humorige Momente, was bei der ersten Ansicht schon etwas gewöhnungsbedürftig ist, aber andererseits wird das Szenario dadurch auch herrlich aufgelockert. Allein schon der Kurzauftritt von Bud Spencer ist absolut sehenswert und bei den Aufeinandertreffen zwischen der Hauptfigur Roberto und dem für seinen Wohnbezirk zuständigen Briefträger kann man sich ein Lachen nur sehr schwerlich verkneifen. Dennoch verliert die erzählte Geschichte zu keiner Zeit ihre Ernsthaftigkeit und bietet ein teils verworrenes Rätsel das sich erst mit zunehmender Laufzeit lösen lässt. Bis dahin jedoch wird der Zuschauer auf etliche falsche Fährten gelockt und mit einigen auf den ersten Blick nicht zuzuordnenden Rückblicken konfrontiert, auf die man sich erst zum Ende hin immer mehr einen Reim machen kann. Das ist auch schon die größte Stärke dieses Werkes, als Zuschauer wird man fast die ganze Zeit über im Dunkeln gelassen, denn eine Motivlage für die mysteriösen Ereignisse sind lange nicht zu erkennen.

Und diese mysteriösen Momente ziehen sich durch die gesamte Story, so das von ihr ganzzeitig etwas äusserst geheimnisvolles ausgeht, zudem geht von den Geschehnissen eine ungeheure Faszination aus, der man sich einfach nicht entziehen kann. Zu sehr fühlt man sich in das Szenario involviert und empfindet sich streckenweise schon fast selbst als ein Teil der Vorkommnisse. Die vielen falschen Spuren die Argento hier gelegt hat sorgen für ein immenses maß an Spannung, ausserdem weiss der Film zusätzlich noch durch seine erstklassige Atmosphäre zu punkten, die einen absolut in Beschlag nimmt. Gierig wie ein Schwamm saugt man vor allem die bedrohlichen Momente in sich auf, von denen es nicht gerade Wenige gibt und gibt sich nur zu gern der Faszination des Geschehens hin, die einen wie ein wohlig warmer Mantel einhüllt und einfach nicht mehr loslassen will. Das sorgt letztendlich für ein extrem spannendes Filmerlebnis, das auch nach mittlerweile schon vier Jahrzehnten rein gar nichts von seiner Klasse und seinem Reiz verloren hat.

Auch die agierende Darsteller-Riege agiert in diesem Film größtenteils sehr ordentlich, man sollte nur keine schauspielerischen Wunderdinge erwarten, denn oscarreifes Schauspiel bekommt man sicherlich nicht zu Gesicht. Dennoch gibt es keinen Grund zur Klage, denn lediglich die humorischen Einlagen könnten vielleicht manch einem Fan etwas schwerer im Magen liegen, da man solche Passagen normalerweise nicht in Giallos geboten bekommt. Letztendlich aber ergibt sich ein äusserst stimmiges Gesamtbild, das man ohne Übertreibung als sehr gut bezeichnen kann.

Noch einmal kurz zur DVD, die jetzt schon sehr schwer zu bekommen ist: die Bildqualität ist zum Großteil eigentlich recht gut, doch gibt es leider einige Passagen, die wie verwaschen wirken, es ist fast wie ein Kontrast von DVD und alter, teilweise schlechter VHS - Qualität. Dennoch bin ich glücklich darüber, die DVD mein eigen nennen zu dürfen. Dennoch besteht immer noch die Hoffnung, das "Vier Fliegen auf grauem Samt" irgendwann noch einmal eine offizielle deutsche veröffentlichung erhält, die dem Film dann letztendlich auch komplett gerecht wird.


Fazit:


Auch Argentos dritter Spielfilm kann wieder einmal absolut überzeugen und muss meiner Meinung nach zu den Klassikern des Genres gezählt werden. Als eingefleischter Fan kann ich eventuell nicht ganz objektiv sein, jedoch gibt es etliche andere Giallos, die nicht annähernd an die Klasse dieses Filmes heranreichen können, für den ich auf jeden Fall eine absolute Empfehlung aussprechen kann.


9/10

Mittwoch, 15. Juni 2011

Die neunschwänzige Katze








 

Die neunschwänzige Katze
[Il Gatto a nove code)
mit James Franciscus, Karl Malden, Catherine Spaak, Pier Paolo Capponi, Horst Frank, Rada Rassimov, Aldo Reggiani, Carlo Alighiero, Vittorio Congia, Ugo Fangareggi, Tom Felleghy, Emilio Marchesini
Regie: Dario Argento
Drehbuch: Dario Argento / Luigi Collo
Kamera: Erico Menczer
Musik: Ennio Morricone
Ungeprüft
Deutschland / Frankreich / Italien / 1971

Der ehemalige Reporter Franco Arnó, der bei einem Unfall sein Augenlicht verlor, bemerkt zufällig ein verdächtiges Gespräch in der Nähe seiner Wohnung. Kurz darauf wird ein Wissenschaftler, dessen Institut in der Nähe von Arnós Wohnung liegt, hinterlistig ermordet. Als er seine Beobachtungen einem Journalisten erzählt, begeben sich beide auf die Spur des mysteriösen Falls. Doch schon bald gibt es weitere Tote im Zusammenhang mit den Ereignissen. Die beiden geraten schließlich selbst ins Visier der Polizei und immer tiefer in eine unglaubliche, tödliche Verschwörung.


Bei dieser zweiten Regiearbeit von Dario Argento handelt es sich um den Mittelteil der sogenannten "Tier-Trilogie", der meiner Meinung nach von vielen Fans immer ein wenig unterschätzt wird. Sicherlich handelt es sich nicht um einen der besten Giallos aller Zeiten, jedoch wird dem Zuschauer eine sehr spannende-und interessante Geschichte präsentiert, deren Auflösung am Ende zwar etwas banal ausfallen mag, doch diesen Aspekt ist man bei einigen Werken des italienischen Regisseurs des Öfteren gewohnt, so das man ihm keine größere Bedeutung zumessen sollte. Vielmehr sollte man sich an einem äusserst atmosphärisch gestalteten Szenario erfreuen, das insbesondere durch sein kräftiges Farbenspiel an Werke von Mario Bava erinnert, dessen Einfluss auf Argento unübersehbar ist. Desweiteren überzeugt dieses Werk durch einen sehr gelungenen Spannungsaufbau, wobei es trotz einer Laufzeit von fast 2 Stunden keinerlei langatmige Passagen erkennen lässt. Eher das Gegenteil ist der Fall, denn mit zunehmender Laufzeit wird die Spannungsschraube kontinuirlich immer fester angezogen, was dem Zuschauer einen wirklich erstklassigen Filmgenuss beschert.

Das liegt in erster Linie daran, das Argento dem Zuschauer immer wieder kleinere Puzzle-Teilchen präsentiert, die mit der Zeit ein immer klarer erscheinendes Gesamtbild erkennen lassen. So kann man sich nach einer gewissen Zeit sicherlich schon seinen Reim auf die eventuellen Motive des Killers machen, dessen Identität allerdings erst gut 5 Minuten vor dem Ende preisgegeben wird. Bis dahin jedoch wird man mit etlichen falschen Fährten immer wieder in die Irre geführt, so das man seine eigenen Vermutungen zumeist immer wieder verwerfen muss. Natürlich kann es auch durchaus passieren, das man schon frühzeitig auf die Identität des Killers stößt, denn wenn man sich erst einmal über die Motive im Klaren ist, gibt es nur noch einen sehr eingeschränkten Kreis von Verdächtigen, wobei allerdings keinerlei offensichtliche Andeutungen auf eine bestimmte Person zu erkennen sind. Als weiterer Spannungsfaktor sind die eigenen Ermittlungen der beiden Haupt-Charaktere Arno (Karl Malden) und Giordani (James Franciscus) anzusehen, denn während der Geschehnisse sind die beiden mehrere Male kurz davor, die Identität des Killers aufzudecken, um im letzten Moment immer wieder festzustellen, das der Mörder ihnen um eine Nasenlänge vorraus ist. Dabei geraten die beiden Hobby-Detektive nicht selten selbst in eine mehr als brenzlige Lage, aus der sie sich aber immer wieder durch Glück und Geschick befreien können.

Auch wenn das recht simpel gestaltete Ende ganz sicher für viele Leute die Schwäche des Filmes darstellt, so ist es aber auf jeden Fall recht logisch und nachvollziehbar. Ausserdem sollte man erwähnen, das Argento das Hauptaugenmerk ganz eindeutig auf die Motivlage des Killers gelegt, während die Identität viel eher nebensächlich erscheint. Denn gerade im ersten Drittel der Geschichte steht man als Zuschauer do so ziemlich im Dunkel, kann man sich doch zuerst überhaupt keinen Reim auf die Ereignisse machen. Erst durch die Einführung immer weiterer kleiner Fragmente ergibt sich mit der Zeit eine gewisse Übersicht über die Gesamtzusammenhänge. Meiner persönlichen Meinung nach ist das die besondere Stärke des Werkes, denn rückwirkend betrachtet erscheint die Story sogar richtig gut durchdacht und logisch nachvollziehbar. Eine weitere Stärke ist das gute Schauspiel der einzelnen Darsteller, wobei Malden und Franciscus besonders hervorstechen, denn das ungleiche Ermittler-Duo ist als Highlight des Filmes anzusehen und hinterlässt zudem einen extrem symphatischen Eindruck beim Betrachter.

Alles zusammengenommen gibt es eigentlich recht wenig, was man an "Die neunschwänzige Katze" wirklich bemängeln könnte, was selbstverständlich immer an der Sichtweise des jeweiligen Zuschauers liegt. Jedenfalls beinhaltet der Plot alles, was einen guten und sehenswerten Giallo auszeichnet, denn neben einer interessanten Story entfaltet sich ein immer weiter ansteigender Spannungsbogen, der trotz einer Laufzeit von fast 2 Stunden keinerlei einbrüche erkennen lässt. In atmosphärischer Hinsicht gibt es überhaupt nichts zu bemängeln und in diversen Passagen des Szenarios sind sogar richtig bedrohliche Züge zu erkennen, die das von haus aus schon sehr gute Filmvergnügen noch einmal zusätzlich aufwerten. Gut agierende Schauspieler, erstklassige Kamerafahrten und ein herrlich kräftiges Spiel mit den Farben runden die ganze Sache nahezu perfekt ab und lassen einen letztendlich zu einem äusserst guten Gesamteindruck gelangen, den dieses Frühwerk hinterlässt. Eventuell hätte man den gewählten Schluß etwas spektakulärer und ausführlicher gestalten können, jedoch besteht für mich in dieser Beziehung kein wirklicher Kritikpunkt.


Fazit:


Ganz sicher ist "Il Gatto a nove code" nicht der beste Film der italienischen Regie-Legende, jedoch ist schon in dieser zweiten Regiearbeit das immense Potential Argentos zu erkennen, das dann in späteren Filmen wie "Suspiria", "Phenomena" oder auch "Deep Red" so richtig zur Entfaltung kam und den Fans noch einige weitere großartige Werke bescherte, die auch in der heutigen Zeit nichts von ihrer Klasse verloren haben. Dennoch ist auch dieser Film zu den Klassikern des Giallos zu zählen und bietet immer wieder sehr spannende und kurzweilige Unterhaltung, bei der man sich nur zu gern am stattfindenden Rätselspiel beteiligt.


8,5/10

Montag, 13. Juni 2011

Essential Killing









Essential Killing
(Essential Killing)
mit Vincent Gallo, Emmanuelle Seigner, Zach Cohen, Iftach Ophir, Nicolei Cleve Broch, Stig Frode Henriksen, David L. Price, Tracy Spencer Shipp, Mark Gasperich, Phillip Goss, Klaudia Kaca, Dariusz Juzyszyn, Raymond Josey
Regie: Jerzy Skolimowski
Drehbuch: Jerzy Skolimowski / Ewa Piaskowska
Kamera: Adam Sikora
Musik: Keine Information
FSK 16
Island / Norwegen / Polen / Ungarn / 2010

Mohammed will leben! Mit aller Kraft kämpft er sich durch die eisige Hölle einer feindlichen Schneewelt, irgendwo in Osteuropa. Amerikanische Soldaten sind ihm dicht auf den Fersen. Sie haben ihn in den Schluchten seiner afghanischen Heimat eingefangen, gefoltert und verschleppt, denn er hat drei von ihnen getötet. Jetzt ist er auf der Flucht. In dieser abweisenden, kältestarren Weite gibt es nur eines: am Leben bleiben! Laufen, sich wärmen, essen, sich verteidigen und töten - immer wieder töten, um nicht zu sterben. Gejagt wie ein wildes Tier kämpft sich der Mann weiter und weiter...


Ich war doch einigermaßen erstaunt als ich in einer anderen Kritik zu diesem Film lesen musste, das man die Aussage der Geschichte des Regisseurs Jerzy Skolimowski nicht erkennen würde und sich somit die Frage nach dem Sinn des hier dargestellten Szenarios stellen würde. Dabei ist die Aussage der Geschehnisse doch mehr als nur deutlich, dreht es sich doch einzig und allein um den Überlebenskampf eines afghanischen Soldaten auf der Flucht, der mit allen Mitteln versucht am Leben zu bleiben. Was an dieser Aussage missverständlich sein soll vermag ich wirklich nicht zu beurteilen, aber Skolimowski hat es brillant verstanden, die Geschehnisse aus der Sichtweise der Hauptfigur Mohammed (Vincent Gallo) zu zeigen, der übrigens während der gesamten Laufzeit kein einziges Wort spricht. Dies ist allerdings auch überhaupt nicht notwendig, denn das Szenario braucht keinerlei großartige Dialoge um seine Intensität zu entfachen, das besorgen nämlich die kravtvollen Bilder die ihre ganz eigene und schockierende Sprache sprechen.

So wird dem Zuschauer gleich zu Beginn des Filmes wieder einmal der Schrecken des Krieges und gleichzeitig auch seine generelle Sinnlosigkeit eindrucksvoll vor Augen geführt, wobei im weiteren Verlauf der Ereignisse ein vollkommen anderer Krieg in den Vordergrund rückt, nämlich der Krieg eines einzelnen Menschen der von seinen Verfolgern wie ein Tier gejagt wird und dabei sein ganz eigenes Kampfgeschehen gegen die Natur und seine Mitmenschen führen muss, um sein eigenes Leben zu schützen. Ist es doch gerade dieser Aspekt, der sich wie ein roter Faden durch die gesamte Szenerie zieht und dabei eine äusserst beklemmende Wirkung auf den Betrachter hinterlässt. Dabei bleibt man selbst eigentlich eher neutral, schlägt man sich gedanklich doch weder auf die Seite des Gejagten, noch entwickeln sich irgendwelche Symphatien für die Jäger. Unparteisch verfolgt man allerdings wie gebannt die Geschehnisse, die hier wirklich absolut authentisch und glaubwürdig in Szene gesetzt wurden und so extrem realistisch erscheinen.

Das ist in erster Linie auch dem Hauptdarsteller Vincent Gallo zu verdanken, der für die Rolle des Mohammed absolut perfekt erscheint und den erbarmungslosen Kampf eines Mannes gegen eine schier aussichtslose Situation hervorragend interpretiert. Durch die Tatsache, das der gesamte Film im Prinzip äusserst wenige Passagen beinhaltet in denen man mit Dialogen konfrontiert wird, entsteht eine extrem bedrückende-und beklemmende Atmosphäre, die sich wie ein bleierner Mantel auf die Schultern des Zuschauers legt und einem phasenweise die Luft abschnürt. Ganz unwillkürlich versucht man dabei, sich selbst in die gegebene Situation hineinzuversetzen und kann so die entstehende Wucht des Szenarios fast körperlich spüren. Dennoch ist man lediglich ansatzweise dazu in der Lage, die emotionale Gefühlswelt eines Mannes nachzuvollziehen, der auf seiner anscheinend aussichtslosen Flucht auch über Leichen geht, um sein eigenes Leben nicht zu verlieren. "Essential Killing" ist ein Paradebeispiel für den authentischen Überlebenskampf eines einzelnen Menschen, der durch kraftvolle und wuchtige Bilder zum Zuschauer transportiert wird, der streckenweise nicht den Eindruck hat sich in einem Spielfilm zu befinden, sondern vielmehr in einer Art Reality-Doku, die sich in diesem Moment vor den eigenen Augen abspielt.

Es mag ja sein, das dieses Werk eventuell nicht jeden Geschmack trifft, aber wer den Geschehnissen ihren Sinn oder gar die Kraft ihrer Aussage abspricht, der hat den Film ganz einfach nicht verstanden. Die Sinnlosigkeit eines Krieges an sich wird hier zwar eher nebensächlich thematisiert und gilt lediglich als Auslöser für einen ganz anderen Krigsschauplatz, der sich im Inneren eines einzelnen Menschen auftut, der sich auf einmal nicht mehr mit der übermächtigen Kriegsmaschinerie des Gegners, sondern mit Naturgewalten und dem eigenen Überlebenskampf auseinandersetzen muss, der seine ganz eigenen Schrecken beinhaltet. Das dabei fast gänzlich auf Dialoge verzichtet wurde, lässt das Ganze noch viel intensiver erscheinen und verfehlt auf keinen Fall seine eindringliche Wirkung auf den Betrachter, der über die gesamte Laufzeit ein Gefühl der starken Beklemmung nicht abschütteln kann und auch lange nach dem Ende des Filmes noch über das Gesehene nachdenkt.


Fazit:


"Essential Killing" schafft es jederzeit, mit eher minimalistischen Mitteln ein sehr realistisches Bild eines Überlebenskampfes zu zeichnen, der intensiver kaum hätte ausfallen können. Ein erstklassiger Hauptdarsteller und ein erschreckend authentisches Szenario sind vollkommen ausreichend, um dem Zuschauer den Schrecken einer Situation näherzubringen, in der man sich selbst nie befinden möchte. Beklemmung, Ekel und Grausamkeit wechseln sich hier ständig ab und sind mitverantwortlich für ein äusserst glaubhaftes Filmerlebnis, das man nicht so schnell vergessen wird.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch DTS 5.1, DD 5.1 / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,85:1 (16:9)
Laufzeit: 81 Minuten
Extras: Originaltrailer, Trailershow


8/10

Samstag, 11. Juni 2011

Sleepless









Sleepless
(Non ho sonno)
mit Max von Sydow, Stefano Dionisi, Chiara Caselli, Rossella Falk, Paolo Maria Scalondro, Roberto Zibetti, Gabriele Lavia, Massimo Sarchielli, Barbara Mautino, Elena Marchesini, Conchita Puglisi, Barbara Lerici
Regie: Dario Argento
Drehbuch: Dario Argento / Franco Ferrini
Kamera: Ronnie Taylor
Musik: Goblin / Agostino Marangolo / Massimo Morante / Fabio Pignatelli / Claudio Simonetti
Ungeprüft
Italien / 2001

Siebzehn Jahre nachdem eine Serie grausamer Morde an jungen Frauen aufgeklärt wurde, beginnt das Morden von neuem. Der Täter von einst, der als ‘Killer-Zwerg’ in die Kriminalgeschichte einging, wurde nach seiner Entlarvung tot aufgefunden. Ist es ein Nachahmungstäter? Ist es ein Geist, ein Phantom, das aus dem Grab gestiegen ist, um den absurden kleinen Kinderreim über den Bauern, der alle Tiere tötet, die ihn am Einschlafen hindern, auf grausige Weise zu Ende zu bringen? Der pensionierte Kommissar Moretti (MAX VON SYDOW) begibt sich erneut auf die Suche nach dem perversen Monstrum, das seine Opfer auf schrecklichste Weise hinrichtet.

Ein weiteres Mal taucht Moretti ein in einen Albtraum aus Blut und Tod.



Mit "Sleepless" hat Regie-Altmeister Dario Argento eigentlich das letzte Mal eindrucksvoll unter Beweis gestellt, das er immer noch dazu in der Lage ist, erstklassige Horror/Thriller zu kreieren. Seine später folgenden Werke konnten bisher leider nicht mehr die hier zu Tage tretende Qualität und Faszination hervorbringen, sondern siedelten sich doch maximal im oberen Durchschnittsbereich an. Von Durchschnit ist in vorliegendem fall allerdings weit und breit keine Spur, offenbart sich dem Zuschauer doch von der ersten bis zur letzten Minute eine absolut packende und fesselnde Geschichte, von der ganzzeitig eine ungeheuer starke Faszination ausgeht, der man sich beim besten Willen nicht entziehen kann. In bester Giallo-Tradition präsentiert sich dieses meiner Meinung nach brillante Spätwerk Argentos, das sämtliche Zutaten beinhaltet, die diese Art von Film so absolut sehenswert macht. Im Focus des Geschehens steht ganz eindeutig die extrem spannende Suche nach der Identität eines scheinbar psychophatischen Killers, der fast bis zum Ende im Dunkeln bleibt. Der Aspekt, das es sich um ein-und dieselbe Person handelt, die schon 17 Jahre zuvor gemordet hat, verleiht dem Szenario eine noch zusätzliche Spannungssteigerung, denn die Zusammenhänge, die letztendlich doch noch auf die richtige Spur führen, muss man wirklich erst einmal erkennen, das sie eine geraume Zeit absolut grandios verschleiert werden. Dadurch entfaltet die geschichte eine ganz eigene Dynamik, erscheinen die Ereignisse doch über einen langen Zeitraum sehr schön ineinander verschachtelt, was für ein extrem spannendes Filmerlebnis sorgt, das streckenweise mit absoluter Hochspannung aufwarten kann. Selbst bei einer ausgeprägten Kombinationsgabe fällt es sichtlich schwer, die wahren Zusammenhänge zu erkennen und so der Identität des Killers auf die Spur zu kommen.

Vielmehr ist es Argento einmal mehr eindrucksvoll gelungen, durch etliche falsch gelegte Fährten den Betrachter in die Irre zu führen, der sich ganz automatisch voller Begeisterung in das hier inszenierte Rätselspiel begibt und dabei seine eigenen Vermutungen anstellt, die sich jedoch im Laufe der zeit immer wieder als falsch erweisen. Denn erst im letzten Drittel der Geschichte kann man letztendlich die richtige Fährte aufnehmen, führen nun doch diverse Anhaltspunkte zu einer kaum für möglich gehaltenen Lösung eines Rätsels, das man kaum spannender-und variantenreicher hätte umsetzen können. Der Film kann vor allem in seiner Gesamtheit einen äusserst guten Gesamteindruck hinterlassen, denn ausser der intelligent umgesetzten Story und der immensen Spannung wartet "Sleepless" zudem mit einer herausragenden grundstimmung auf, die einen von der ersten Szene an wie magisch in ihren bann zieht. Dabei ist es nahezu unmöglich, sich der ausgehenden Faszination zu entziehen die dieses Werk freisetzt und bis zur letzten Einstellung beibehält. Gierig wie ein Schwamm saugt man dabei die fantastische Armosphäre in sich auf und wird so fast zwangsweise fast zu einem Teil des Geschehens, das noch nicht einmal den Ansatz eines Spannungseinbruches erkennen lässt. Ich kann noch nicht einmal sagen, wie oft ich mir diesen fantastischen Film schon angesehen habe, der mich bei jeder Ansicht wieder aufs Neue begeistert und in seinen bann zieht, da hier einfach alle Komponenten perfekt aufeinander abgestimmt sind und so ein meiner Meinung nach perfektes Gesamtbild offenbaren.

Einen nicht gerade unwesentlichen Anteil an diesem Eindruck hat auch die Darsteller-Riege, die durch die bank mit vollkommen überzeugenden leistungen aufwarten kann, wobei mir Max von Sydow in der Rolle des pensionierten Kommissars besonders angenehm aufgefallen ist. Mit seiner immer besonnenen und ruhigen Art verschafft er einem wenigstens einmal einige kleinere Entspannungsmomente, die hier wirklich als Seltenheit angesehen werden können. Seiner Kombinationsgabe ist es dann auch letztendlich zu verdanken, das man überhaupt die mehr als rätselhafte Mordserie aufklären kann und auch so manch skurril erscheinende Indizien in einem ganz anderen Licht sieht, so das sie auf einmal einen Sinn ergeben. Eine weitere nicht unwesentliche Stärke ist sicherlich die hervorragende musikalische Untermalung, wie so oft war hier auch die Band Goblin wieder mit am Werk, was die Qualität des Filmes noch einmal zusätzlich etwas aufwertet, obwohl das schon gar nicht mehr nötig gewesen wäre. Nun soll es aber genug sein mit der ganzen Schwärmerei, doch liegt mit diesem Spätwerk Argentos ein Film vor, bei dem ich einfach nicht ganz objektiv bleiben kann, da ich mich schon bei der ersten Sichtung in dieses Werk verliebt habe und diese Liebe auch niemals enden wird.

Letztendlich handelt es sich auf jeden Fall um einen absolut erstklassigen Horror/Thriller, in dem einfach alles perfekt zusammenpasst. Eine extrem spannende-und abwechslungsreiche Geschichte sorgt ganzzeitig für die ungeteilte Aufmerksamkeit des Zuschauers, der wie magisch von den mysteriösen Ereignissen angezogen wird und seinen Blick nicht einen winzigen Moment vom heimischen TV lösen kann. Zu sehr ist man auf den extrem spannenden handlungsablauf fixiert und hat schon fast panische Angst davor, ein entscheidendes Detail zu verpassen. Schweissnasse Hände und eine immer weiter ansteigende innere Unruhe sind hier schon fast logische Begleiterscheinungen, denn das Giallo-Fieber übermannt einen in dieser Geschichte mit einer enormen Wucht, gegen die man machtlos ist. Tolle Darsteller und eine absolut passende musikalische Untermalung runden dieses Kunstwerk absolut perfekt ab und die grandiose Atmosphäre tut ihr Übriges, um den betrachter zu begeistern.


Fazit:


Für mich persönlich zählt "Sleepless" zu den ganz großen Werken eines Dario Argento, das ich im zum Erscheinungszeitpunkt ehrlich gesagt gar nicht mehr zugetraut hätte. Wenn es doch nur viel mehr solcher fantastischer Filmerlebnisse gäbe, die einem solch brilllante Kost bieten, an der man sich einfach nicht sattsehen kann. Eine absolute Perle des Cinema Italiano, das seine Hochzeiten ja schon weitaus früher gehabt hat, mit diesem Werk aber noch einmal so richtig aufgeblüht ist. Ich verneige mich innerlich einmal mehr vor der italienischen Filmkunst, die mir mit vorliegendem Werk einen meiner persönlichen Lieblingsfilme beschert hat, weswegen das Urteil auch nur einen Namen haben kann, nämlich...


10/10

Donnerstag, 9. Juni 2011

Destination Death








 
Destination Death
(Smile)
mit Armand Assante, Harriet MacMasters-Green, Antonio Cupo, Manuela Zanier, Mourad Zaoui, Robert Capelli Jr., Giorgia Massetti, Tara Haggiag, Rabie Kati
Regie: Francesco Gasperoni
Drehbuch: Francesco Gasperoni
Kamera: Gianni Marras
Musik: Federico Landini
Keine Jugendfreigabe
Italien / 2009

Eine Gruppe Teenager macht Urlaub in Marokko. Als sie mit ihrer neuen Polaroid Kamera, die sie auf einem Bazar gekauft haben, Fotos voneinander machen, kommt einer nach dem anderen auf mysteriöse Art und Weise ums Leben. Langsam wird den Freunden klar, dass die Kamera ein tödliches Geheimnis in sich trägt: Wer fotografiert wird stirbt. Nun müssen sie schnell handeln und hinter das tödliche Geheimnis der Kamera kommen, bevor es auch für sie zu spät ist...


Als erstes sollte man eventuell anmerken, das man sich hier von der hohen Alterseinstufung nicht irritieren lassen sollte, erfolgt diese doch lediglich aufgrund einiger auf der DVD enthaltenen Trailer. Der Film selbst ist ab 16 freigegeben, so das man während der Geschichte nicht auf sonderliche Gewaltdarstellungen hoffen sollte. Im Prinzip präsentiert Regisseur Francesco Gasperoni hier eine recht nette Geschichte, die allerdings nicht unbedingt vor Innovation strotzt, hat man doch ähnliche Szenarien schon des Öfteren zu Gesicht bekommen. Dennoch bietet "Destination Death" ziemlich kurzweilige Horror-Unterhaltung, bei der man aber die eigenen Erwartungen nicht zu hoch ansetzen sollte, handelt es sich doch definitiv um keinen herausragenden Film. Das liegt allein schon in der Tatsache begründet, das die ganzen Ereignisse doch äusserst vorhersehbar sind und sich dadurch für eingefleischte Fans des Genres keinerlei Überraschungsmomente ergeben, durch die ein gewisser "Aha-Effekt" entstehen könnte. Lediglich zum Ende hin nimmt das Geschehen eine leichte Wendung, die für manch einen durchaus überraschend sein könnte, wenn man das Geschehen allerdings von Beginn an aufmerksam verfolgt hat, dann dürfte die Auflösung des Ganzen ziemlich offensichtlich auf der Hand liegen.

Trotz der Vorhersehbarkeit des Szenarios hat der Film einige recht gute Momente und kann vor allem mit einer ordentlichen Grundstimmung aufwarten, denn in atmosphärischer Hinsicht kommt man größtenteils auf seine Kosten. Allerdings kommt zu keiner Zeit so etwas wie wirkliche Hochspannung auf, denn dafür hätten sich die Macher dieses Werkes doch etwas mehr einfallen lassen müssen. Hier tritt dann doch wieder die Vorhersehbarkeit der Abläufe in den Vordergrund, die ganz eindeutig einen besseren Spannungsaufbau verhindert. So wartet man lediglich auf den Tod des nächsten Protagonisten und bekommt dabei von den Tötungen noch nicht einmal besonders viel mit, denn die Morde werden doch viel eher nur im Ansatz gezeigt. Wer also härtere-und blutige Momente erwartet, wird wohl eher eine Enttäuschung erleben, denn dieser Aspekt ganzzeitig nicht wirklich zum tragen. So werden dem Zuschauer nur die Toten präsentiert, doch wie es zum Tod der einzelnen Personen gekommen ist, kann man leider nicht im Bild sehen.

So bleibt es dann auch bei einer guten Grundidee, die man der Geschichte keinesfalls absprechen kann. Die Umsetzung allerdings hätte weitaus besser ausfallen können, womit ich jetzt keinesfalls auf explizite Gewaltdarstellungen anspielen möchte, sondern vielmehr auf eine etwas spannender gestaltete Gesamt-Inszenierung, die man mit echten Überraschungsmomenten hätte garnieren können. Leider kommt "Destination Death" so nicht über das breite Mittelmaß hinaus, obwohl man dies meiner Meinung nach hätte vermeiden können. Dennoch kann man sich diesen seichten Horrorfilm ganz gut anschauen, denn für einen gemütlichen DVD Abend ist die Geschichte jederzeit geeignet. Auch im darstellerischen Bereich sollte man keinerlei Wunderdinge erwarten, niemand spielt sich sonderlich in den Vordergrund, aber wirklich Rausreisser im negativen Sinne sind auch nicht zu erkennen.

Insgesamt gesehen handelt es sich um einen ziemlich typischen 08/15 Horrorfilm, dem eine nette Grundidee zugrunde liegt aus der man aber leider zu wenig gemacht hat. Es ist immer als äusserst schade anzusehen, wie manche Filmemacher etliches an Potential liegenlassen das auf jeden Fall vorhanden ist. "Destination Death" ist leider auch dieser Unart zum Opfer gefallen, denn schwache Charakter-Zeichnungen und ein zu geringer Spannungsaufbau können von der recht guten-und dichten Atmosphäre nicht gänzlich ausgeglichen werden. Hinzu kommt die Vorhersehbarkeit der Ereignisse, die das Sehvergnügen doch merklich trübt, so das sich der Film in der breiten Mittelklasse ansiedelt, die keinen sonderlich nachhaltigen Eindruck beim Zuschauer hinterlässt.


Fazit:


Das italienische Kino hat wirklich schon weitaus bessere Werke wie "Destination Death" hervorgebracht, dennoch ist dieser Film keineswegs als schlecht zu bewerten. Man sollte nur mit den richtigen Erwartungen an ihn herangehen und diese dürfen nicht zu hoch angesiedelt sein. Seichte Horror-Unterhaltung für zwischendurch ist immer noch besser als ein totaler Rohrkrepierer und so eignet sich auch dieser Film auf jeden Fall für eine einmalige Sichtung, denn es ist einem in den letzten Jahren schon viel Schlimmeres präsentiert worden.


Die DVD:

Vertrieb: Sunfilm
Sprache / Ton: Deutsch DTS, DD 5.1 / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,78:1 (16:9)
Laufzeit: 80 Minuten



5/10

Dienstag, 7. Juni 2011

Red White & Blue









Red White & Blue
(Red White & Blue)
mit Noah Taylor, Amanda Fuller, Marc Senter, Nick Ashy Holden, Patrick Crovo, Jon Michael Davis, Sally Jackson, Lauren Schneider, Julian Haddad, Kevin LaVoie, Pete O. Partida, Eryn Brooke, Mary Mathews, Matteson Claus, Laurie Foxx
Regie: Simon Rumley
Drehbuch: Simon Rumley
Kamera: Milton Kam
Musik: Richard Chester
Keine Jugendfreigabe
USA / 2010

Das Leben von Erica ist ein einziger Rausch, bestehend aus Partynächten, Alkohol und Sex mit fremden Männern. Erica lebt ein emotional verkrüppeltes Leben auf der Überholspur, immer auf der Suche nach wahrer Wärme. Als sie den schweigsamen und merkwürdig erscheinenden Nate kennenlernt, scheint sich in ihrem Leben zum ersten Mal ein wenig Hoffnung auf ein Dasein abseits der Trostlosigkeit abzuzeichnen. Doch es ist der Beginn eines Kreislaufes des Verderbens, aus dem niemand als Gewinner hervorgehen wird.


Schmerzhaftes Meisterwerk (Deadline Magazin)


Im Prinzip bräuchte man kein weiteres Wort über dieses Werk von Regisseur Simon Rumley verlieren, beschreiben doch diese beiden Worte nahezu perfekt einen Film, der eine aufwühlende und vor allem verstörende Wirkung auf den Zuschauer hinterlässt, die einen auch noch lange nach der Sichtung beschäftigt. Man muss diesen Film wirklich selbst gesehen haben, um die verschiedendsten Emotionen nachempfinden zu können, die hier mit ungeheurer Wucht auf einen einprasseln und gegen die man sich einfach nicht wehren kann. Im Prinzip kann man die Geschichte in drei große Kapitel einteilen, in denen die Hauptcharaktere Erica, Franki und Nate jeweils im Vordergrund stehen und je nach Kapitel einen kleineren oder größeren Anteil am verstörenden Szenario haben, das sich einem hier offenbart. Im Focus der Ereignisse steht eigentlich ein banaler One Night Stand, der allerdings im Nachhinein gesehen eine Kette von Ereignissen auslöst, die in einer wahren Orgie von Gewalt und Brutalität ausarten, die man zu Beginn der Story wirklich noch nicht einmal erahnen kann. Beginnt der Film doch wie ein Frauen-Drama, in dem man einen tieferen Eindruck in das Lotterleben von Erica (Amanda Fuller) erhaschen kann, deren Leben anscheinend lediglich aus Partys und Männerbekanntschaften besteht, die sie schon selbst nicht mehr zählen kann. Unweigerlich stellt man sich dabei die Frage, wie eine doch recht hübsche junge Frau so wenig Selbstwertgefühl an den Tag legen kann, da sie ziemlich offensichtlich noch nicht einmal Spaß an den ständigen Sex-Spielchen hat, was man eindeutig ihrem Gesichtsausdruck entnehmen kann.

Vielmehr entsteht beim Zuschauer das Gefühl, das sie alles einfach über sich ergehen lässt, ohne dabei auch nur den Ansatz von Gefühlen erkennen zu lassen. Diese treten erst auf, wenn ihr ein Mann wirklich nahe kommen möchte, denn echte Nähe kann Erica überhaupt nicht zulassen, was einen selbstverständlich eigene Vermutungen über die Gründe dafür anstellen lässt. Doch die Antwort darauf bekommt man erst in der zweiten Filmhälfte, als die junge Frau mit den Konsequenzen eines One Night Stands mit dem Rockmusiker Franki konfrontiert wird, der letztendlich dann auch der Auslöser für eine wahre Ereignis-Welle ist, die immer unaufhaltsamer über die Protagonisten der Geschichte hinwegschwappt und sie dabei förmlich wegspült. Nun muss man allerdings erst einmal wieder in die erste Filmhälfte zurückgehen, denn nach besagtem One Night Stand ist Franki (Marc Senter) für eine gewisse Zeitspanne aus dem Geschehen verschwunden, dafür tritt der anscheinend ruhige Nate (Noah Taylor) in Ericas Leben und ist anscheinend der erste Mann, der in ihr nicht nur eine Art Sexobjekt sieht, sondern wahres Interesse an ihrer Person zum Ausdruck bringt. Kann die junge Frau zu Beginn überhaupt nicht damit umgehen, so entwickelt sich mit der Zeit doch mehr zwischen den beiden und Nate will Erica eine wichtige Frage stellen.

An dieser Stelle tritt dann wieder die Figur des Franki in Erscheinung und Nate tritt erst wieder im letzten Drittel der Geschichte in Erscheinung. Das hört sich jetzt im ersten Moment eventuell etwas wirr und verstörend an, doch genau diese Drehweise von "Red White & Blue" ist es, die nach der Sichtung des gesamten Werkes einen Schuß Genialität erkennen lässt und dem Szenario seine enorme Wucht verleiht, die den Betrachter wie ein Schlag in die Magengrube trifft. Die verstörende Wirkung des Filmes wird auch noch zusätzlich durch die phasenweise wie abgehackt erscheinenden Schnittfolgen unterstützt, die den Eindruck aneinandergereihter Video-Clips erweckt, was zu Beginn noch etwas gewöhnungsbedürftig erscheinen mag, im Endeffekt aber dafür Sorge trägt, das die Ereignisse ihre volle Kraft und Intensität entfalten entfalten können. Die volle Härte und Brutalität wird einem selbst erst ganz am Ende so richtig bewust und obwohl Simon Rumley bis auf wenige Ausnahmen fast gänzlich auf explizite Gewaltdarstellungen verzichtet, spielt sich insbesondere im Kopf des Zuschauers ein Szenario ab, das kaum härter hätte ausfallen können. Reicht doch zumeist lediglich die Andeutung diverser Aktionen vollkommen aus, um einem das Blut in den Adern gefrieren zu lassen. Doch auch Freunde visueller Härte kommen vor allem im letzten Drittel des Filmes auf ihre Kosten, was in den Taten von Nate zu begründen ist, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte, um niemandem die Spannung zu nehmen.

"Red White & Blue" ist definitiv ein Film, auf den man sich wirklich einlassen muss, um die ganze Tragweite der Geschehnisse begreifen zu können. Die teilweise gewöhnungsbedürftige Drehweise des Werkes hinterlässt dabei eine verstörende Wirkung, die der Geschichte insgesamt aber sehr gut zu Gesicht steht und so überhaupt erst die ganze Intensität zum Vorschein bringt, die den Ereignissen beiwohnt. Zudem sind insbesondere die drei Hauptrollen brillant besetzt, denn Amanda Fuller, Marc Senter und Noah Taylor verkörpern ihre Charaktere mit einer Authenzität und Glaubwürdigkeit, die schon fast als erschreckend eingestuft werden kann. Doch selbst die Nebenrollen sind hier keinesfalls zu vernachlässigen, hat man doch auch dort genau die richtigen Darsteller verpflichtet, so das gerade die gesamte Darsteller-Riege diesem aussergewöhnlichen Drama ihren ganz persönlichen Stempel aufdrückt. Insgesamt gesehen präsentiert sich dem Betrachter ein Film, der kaum eine verstörendere Wirkung erzielen könnte und in seiner Schluß-Sequenz seinen absoluten Höhepunkt erfährt. Beantwortet doch eine eher banale Szene in der Nate am Lagerfeuer sitzt und ein Foto betrachtet sämtliche noch offene Fragen und zeigt die ganze Tragweite der Tragödie auf, die sich hier in gut 100 Minuten Laufzeit abgespielt hat.


Fazit:


Störkanal ist ja mittlerweile bekannt dafür, das die Filme der Reihe einen gewissen Anspruch besitzen und nicht unbedingt im Mainstream-Bereich angesiedelt sind. Jedoch gab es bisher wohl kaum ein Werk aus der Reihe, das eine so extrem verstörende Wirkung auf den Zuschauer hinterlässt. An Intensität und Authenzität kaum zu überbieten, wird man mit einem Filmerlebnis der wirklich besonderen Art konfrontiert, das auch ohne explizite Gewaltdarstellungen einen Härtegrad entfaltet, den man schwerlich in Worte fassen kann. Auf jeden Fall aber handelt es sich um einen Film, den man unbedingt gesehen haben sollte, auch wenn man eine gewisse Zeit benötigt, um das Gesehene wieder aus den Klamotten zu schütteln.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 100 Minuten
Extras: Audiokommentar, Deleted Scenes, Goofreel, Exklusives Booklet


9/10

Sonntag, 5. Juni 2011

World Invasion: Battle Los Angeles









World Invasion: Battle Los Angeles
(Battle: Los Angeles)
mit Aaron Eckhart, Ramon Rodriguez, Will Rothhaar, Cory Hardrict, Jim Parrack, Gino Anthony Pesi, Ne-Yo, James Hiroyuki-Liao, Noel Fisher, Bridget Moynahan, Bryce Cass, Michael Pena
Regie: Jonathan Liebesman
Drehbuch: Christopher Bertolini
Kamera: Lukas Ettlin
Musik: Brian Tyler
FSK 16
USA / 2011

Einmal mehr fällt die Erde interstellaren Plünderern zum Opfer – doch diesmal sind die außerirdischen Aggressorgen richtig mies drauf. Stadt um Stadt und Land um Land fällt der blaue Planet in die Hände der Invasoren, die Menschheit ist dem Inferno völlig hilflos ausgeliefert. Los Angeles wird zum Zentrum der Résistance gegen den übermächtigen Feind. Der abgebrühte Sergeant Michael Nantz (Aaron Eckhart) soll die Verteidigung der Stadt stärken, ehe es zum apokalyptischen Showdown kommt...


Laut etlicher Kritiken im Netz sind doch viele Leute eher enttäuscht von diesem Film, haben sie doch etwas in der Art wie "Independence Day" erwartet und etwas vollkommen anderes bekommen. Wird die Erde doch vollkommen unvorbereitet von den außerirdischen Invasoren angegriffen und die Menschheit hat kaum eine Möglichkeit, sich des Angriffes zu erwehren. In der hier erzählten Geschichte steht die Stadt Los Angeles im Focus des Geschehens, zudem dreht es sich fast ausschließlich um eine kleine Gruppe von Soldaten, deren Kampfgefechte mit den Invasoren der zentrale Mittelpunkt sind. Ihr Auftrag besteht darin, dem Hilferuf einiger Zivilisten nachzugehen und diese möglichts in Sicherheit zu bringen, das das Gebiet, in dem sich die Zivilisten befinden mit Bomben zerstört werden soll. Nun dürften besonders die Freunde von jeder Menge Action eigentlich begeistert von diesem Film sein, beginnt diese doch schon nach einigen wenigen Minuten und endet im Prinzip erst mit der letzten Einstellung, bevor der Abspann einsetzt. Gleichzeitig liegt hier allerdings auch die Schwäche einer Story, denn von inhaltlicher Substanz oder Tiefe ist nicht sonderlich viel zu spüren.

Ebenso fallen auch die Zeichnungen der einzelnen Charaktere eher sehr oberflächlich aus, was allerdings auch nicht sonderlich verwundert, da die einzelnen Figuren lediglich als Kampfroboter dienen, die sich gegen die außerirdische Übermacht zur Wehr setzt. Zwar hat Regisseur Jonathan Liebesman auch einige emotionale Momente in seine Geschichte eingebaut, doch diese wirken zumeist äusserst übertrieben und etwas zu dick aufgetragen, was bei der patriotischen Einstellung der Amerikaner zu ihrem Land im Endeffekt nicht wirklich verwundert. Von den Kampfabläufen und den Schauplätzen her wird man hier schon an einen Film wie "Black Hawk Down" erinnert, nur das sich das Geschehen in L.A. abspielt und der Gegner nicht von dieser Welt ist. Ansonsten gibt es aber wirklich verblüffende Ähnlichkeiten, lediglich der Actionanteil ist in vorliegender Story noch viel stärker vertreten. So fühlt man sich streckenweise schon fast in ein Baller-Game versetzt, was selbstverständlich etwas auf Kosten der Handlung geht, die nun wirklich nicht gerade sehr ergiebig ist.

Sicherlich wird das die Action-Freaks nicht sonderlich stören, doch ein wenig mehr Inhalt wäre doch schon ganz nett gewesen und hätte dem Film bestimmt nicht geschadet. So aber kann "World Invasion: Battle Los Angeles" nicht über ziemlich offensichtliche Defizite hinwegtäuschen und muss sich durchaus den Vorwurf gefallen lassen, das man nicht über den Status eines banalen Action-Movies hinauskommt, der zwar einen recht hohen Unterhaltungswert beinhaltet, aber ansonsten nicht viel zu bieten hat. Denn auch die gelieferten Erklärungen für die Invasion fallen äusserst spärlich aus und erwecken lediglich den Anschein, das die Macher des Filmes ja irgendetwas einbauen mussten, um den Zuschauer nicht dumm sterben zu lassen. Action satt, dafür allerdings blasse Charaktere und viel zuviel Heroismus lassen so lediglich einen eher durchschnittlichen Eindruck entstehen, den man sicher hätte vermeiden können. Doch eventuell hat Liebesman sein Werk auch vollkommen beabsichtigt auf der Action-Schiene fahren lassen, wird damit doch eine nicht gerade kleine Gruppe Zuschauer angesprochen, denen eine inhaltsvolle Story nicht besonders wichtig ist.

Letztendlich handelt es sich bei "World Invasion: Battle Los Angeles" um einen typisch amerikanischen Blockbuster, bei dem schätzungsweise 70.000.000 $ investiert wurden, um einem breiten Mainstream-Publikum ein substanziell nicht gerade ergiebiger Plot präsentiert wird, der zudem auch noch diverse Logiklöcher aufzuweisen hat. Lediglich den reinen Unterhaltungswert kann man als ziemlich hoch einstufen, denn wirkliche Langeweile kommt zu keiner Zeit auf. Andererseits kann es aber auch phasenweise sehr ermüdend sein, wenn ein fast kompletter Film ausschließlich aus Ballereien besteht und ansonsten nicht viel zu bieten hat. Eventuell bin ich aber auch mittlerweile nur zu alt, als das ich mich an solchen Werken noch wirklich erfreuen kann.


Fazit:


Zum einmaligen Anschauen ist dieser Film bestimmt bestens geeignet, wird man doch mit teils auch spektakulärer Actionkost bedient. Wer allerdings einen SCI/FI Film auf hohem Niveau erwartet, wird eine äusserst herbe Enttäuschung erleben und sollte deshalb lieber zu anderen und weitaus besseren Genre-Vertretern greifen, in denen das Hauptaugenmerk nicht ausschließlich auf sinnlose Kampfhandlungen gerichtet ist. Eines steht jedenfalls fest, einen besonders nachhaltigen Eindruck dürfte dieses Werk nicht unbedingt hinterlassen.


6/10