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Samstag, 30. Juli 2011

Das Rätsel des silbernen Halbmonds








Das Rätsel des silbernen Halbmonds
(Sette orchidee macchiate di rosso)
mit Antonio Sabato, Uschi Glas, Pier Paolo Capponi, Rossella Falk, Marina Malfatti, Renato Romano, Claudio Gora, Gabriella Giorgelli, Aldo Barberito, Bruno Corazzari, Franco Fantasia, Petra Schürmann, Ivano Davoli
Regie: Umberto Lenzi
Drehbuch: Roberto Gianviti / Paul Hengge
Kamera: Angelo Lotti
Musik: Riz Ortolani
FSK 16
Deutschland / Italien / 1971

"Rom: ein grauenvoller Mord wird an einer jungen Prostituierten verübt. Die Polizei tappt noch im Dunkeln, als eine regelrechte Serie weiterer Frauenmorde beginnt. Die einzige Spur ist ein kleiner silberner Halbmond, der bei jener der Toten aufgefunden wird. Nur eine junge Dame namens Giulia kann dem Seriemörder entkommen. Sie erkennt auch den Zusammenhang zwischen den Opfern: Alle Ermordeten waren mit einem Amerikaner in einem Hotel abgestiegen, der einen Halbmond an seinem Schlüsselbund trug. Doch dieser Amerikaner ist schon vor Jahren unter nie geklärten Umständen bei einem Autounfall ums Leben gekommen..."


Dieser Film gehört wie auch "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" zu den Filmen der letzten Edgar Wallace Box und stellt eine deutsch-italienische Co-Produktion dar. Gleichzeitig handelt es sich auch um die einzige Wallace-Verfilmung, deren Handlung sich komplett in Italien abspielt, was schon einmal einen ganz grundlegender Unterschied zu den üblichen Krimis des britischen Autors darstellt. Doch auch im Bezug auf den Handlungsstrang handelt es sich wieder um einen echten Giallo, der sämtliche markanten Merkmale dieser Filmgattung aufweist. So entfaltet sich von der ersten Minute an eine äusserst mysteriöse Geschichte, in deren Mittelpunkt fast schon selbstverständlich eine geheimnisvolle Mordserie steht, auf die man sich lange Zeit keinen wirklichen Reim machen kann. Scheinbar wahllos tötet ein Mörder mehrere junge Frauen, die eigentlich keinerlei Bezug zueinander haben. Erst mit zunehmender Laufzeit lässt sich eine Gemeinsamkeit erkennen die alle Opfer miteinander verbindet, so das gleichzeitig auch ein Verdächtiger benannt werden kann. Als sich allerdings herausstellt, das diese Person schon mehrere Jahre tot ist, steht der Zuschauer mit seinen eigenen Vermutungen wieder am Anfang und hat im Prinzip keinerlei Anhaltspunkte, um sich der wahren Identität des Killers zu nähern.

Allein schon durch diesen Aspekt verspricht das Geschehen doch eine ganze Menge Spannung, die mit zunehmender Laufzeit förmlich greifbar wird und sich in mehreren Passagen sogar zur absoluten Hochspannung entwickelt, was beim Betrachter für ein extrem konzentriertes Sehverhalten sorgt. Dennoch kommt "Das Rätsel des silbernen Halbmonds" meiner Meinung nach nicht ganz an die Qualität eines Filmes wie "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" heran, was allerdings weniger an der immer spannenden Geschichte, sondern vielmehr an den hier agierenden Darstellern liegt. Damit will ich keinesfalls andeuten, das die schauspielerischen leistungen hier schlecht wären, aber es fehlt ein wenig an Überzeugungskraft. So hat mir das deutsche "Schätzchen" Uschi Glas nicht sonderlich in ihrer Rolle gefallen, kann man doch diverse Ansätze von Theatralik in ihrer Darstellung erkennen, so das mehrere Momente entstehen, in denen ihr Schauspiel seltsam gekünstelt und ziemlich überzogen erscheint. Doch ganz generell ist die Besetzung in diesem unter der Regie von Umberto Lenzi entstandenen Film nicht annähernd so stark ausgefallen, wie man es noch bei "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" beobachten konnte. Dort erschien das gesamte Ensemble ganz einfach viel überzeugender und vor allem authentischer, was eine ganz große Stärke des Filmes war. In vorliegendem Fall handelt es sich viel eher um eine kleine, aber keinesfalls unwichtige Schwäche, die den ansonsten sehr guten Gesamteindruck ein klein wenig trübt.

Dennoch handelt es sich hier um einen absolut sehenswerten Genre-Beitrag des italienischen Kinos, das ganz eindeutig die Oberhand in dieser Co-Produktion hat. Sämtliche Zutaten eines erstklassigen Giallos sind vorhanden und wurden von Lenzi auch sehr überzeugend in Szene gesetzt, so das Italo-Fans absolut begeistert sein dürften. Da kann man dann auch schon einmal über die kleinen Schwächen beim dargebotenen Schauspiel hinwegsehen, da doch sämtliche anderen Aspekte der Geschichte jederzeit sehr gute-und extrem spannende Unterhaltung garantieren. Die immer straffer angezogene Spannungsschraube des Szenarios wird von einer fast schon herausragenden Grundstimmung brillant unterstützt, es gibt mit zunehmender Laufzeit immer mehr bedrohliche Momente, die an einigen Stellen auch durchaus für eine gepflegte Gänsehaut beim Zuschauer sorgen können. Und auch wenn es sich bei "Das Rätsel des silbernen Halbmonds" nicht um eine absolut typische Edgar Wallace Verfilmung handelt, so dürften doch auch die eingefleischten Fans auf ihre Kosten kommen, handelt es sich doch um eine äusserst atmosphärische Story, in der strekenweise ein herrliches Grusel-Feeling in den Vordergrund rückt, das für schaurig-schöne Unterhaltung sorgt und jederzeit kurzweilige Unterhaltung bietet.

Auch wenn das voliegende Gesamtpaket mich nicht ganz so begeistert hat wie bei "Das Geheimnis der grünen Stecknadel", so sollte man sich diese Wallace Spät-Verfilmung keinesfalls durch die Lappen gehen lassen, denn im Bezug auf Spannung und Atmosphäre handelt es sich um einen ertklassigen Genre-Beitrag. Einzig und allein der Cast stellt hier meiner Meinung nach eine kleine Schwäche dar, ansonsten wird man aber mit sehr guter italienischer Filmkost konfrontiert, die man sich immer wieder gut anschauen kann, denn auch nach mittlerweile vier Jahrzehnten hat "Das Rätsel des silbernen Halbmonds" rein gar nichts von seiner Faszination und Ausstrahlung verloren, so das man bedenkenlos zu diesem Film greifen kann, wenn man ein Freund von spannungsgeladener Genrekost ist, der ganzzeitig ein äusserst mysteriöser-und geheimnisvoller Touch beiwohnt.


Fazit:


"Das Rätsel des silbernen Halbmonds" entspricht auf keinen Fall den ansonsten üblichen Wallace Verfilmungen, bietet aber dennoch extrem gute Filmkost, die insbesondere durch einen dramaturgisch erstklassigen Spannungsaufbau und eine äusserst dichte Atmosphäre zu überzeugen weiss. Ein wenig zuviel Theatralik im Schauspiel einiger Darsteller verhindert eine noch bessere Bewertung, doch insgesamt gesehen siedelt sich dieses Werk von Umberto Lenzi auf jeden Fall im oberen Drittel der Qualitäts-Skala an.


8/10

Donnerstag, 28. Juli 2011

Orgie des Todes








Orgie des Todes
(Enigma rosso)
mit Fabio Testi, Christine Kaufmann, Ivan Desny, Jack Taylor, Fausta Avelli, Bruno Alessandro, Carolin Ohmer, Silvia Aguilar, Taida Urruzola, Maria Asquerino, Tony Isbert, Helga Line, Brigitte Wagner
Regie: Alberto Negrin
Drehbuch: Peter Berling / Marcello Coscia
Kamera: Eduardo Noe
Musik: Riz Ortolani
Ungeprüft
Deutschlabd / Italien / Spanien / 1978

Gianni di Salvo ist Chef der Mordkommission. Der stoppelbärtige Bulle mit Schnauze und Herz steckt in Schwierigkeiten. Die Leiche der frühreifen Christina wurde gefunden - ihr Unterleib sieht aus, als hätte sie ein wildes Tier zerfetzt. Seine Nachforschungen führen in ein exclusives Luxus-Internat. Nur Töchter mächtiger und schwerreicher Familien finden Aufnahme. Di Salvo kommt dahinter, dass Schülerinnen einflußreichen Männern als willige Gespielinnen vermittelt werden. Diese Kreise werden mit den Orgien und der Toten erpreßt. Di Salvo treibt die Mörder in die Enge. Als sie versuchen ihn zu töten, kennt er kein Erbarmen...


"Orgie des Todes" ist ein Film, den man ziemlich schwer einem bestimmten Genre zuordnen kann, vereint das Werk von Alberto Negrin ebenso Elemente des typischen Giallos wie auch Antele des Polizesco, was letztendlich zu einer durchaus interessanten-und explosiven Mischung führt, die allerdings auch einige kleinere Schwächen aufweist. Da wären an erster Stelle diverse Abläufe zu nennen, die dem Zuschauer doch einigermaßen zufällig und fast schon an den Haaren herbeigezogen erscheinen, ebenso ist die Einführung einiger Charaktere in die Geschichte nicht ganz glücklich gewählt, die ohne weitere Erklärung ebenso schnell wieder verschwinden, wie sie in Erscheinung getreten sind. Damit sind aber schon die Defizite eines Filmes aufgezählt, der ansonsten rundum überzeugen kann und eigentlich durchgehend auch sehr spannende Unterhaltung bietet, die zudem auch von einer herrlich dichten Atmosphäre begleitet wird.

Die größte Stärke dieses Werkes ist ganz sicher die erstklassig besetzte Darsteller-Riege, mit Fabio Testi, Ivan Desny oder Christine kaufmann bekommt man es mit sehr bekannten Darstellern der damaligen Zeit zu tun, die allesamt durch erstklassiges Schauspiel auffallen. Hervorzuheben ist dennoch ein glänzend aufgelegter Fabio Testi, der in der Rolle des ermittelnden Kriminalbeamten eine brillante Performance an den Tag legt. Mögen seine Methoden sich zwar des Öfteren an der Grenze der Legalität bewegen, so geben ihm die Ergebnisse doch letztendlich recht und führen im Endeffekt auch zur Auflösung der mysteriösen Mordserie, die im Mittelpunkt des Geschehens steht. Das ihm dabei in diversen Passagen auch etwas der Zufall in die Karten spielt, ist meiner Meinung nach ein Aspekt, den man nicht zu negativ bewerten sollte, auch wenn man das Ganze durchaus noch etwas nachvollziehbarer hätte darstellen können.

Trotz der erwähnten Mankos hat es Alberto Negrin ausgezeichnet verstanden, dem Zuschauer ein insgesamt gesehen überdurchschnittlich gutes Filmerlebnis zu präsentieren, das in seiner Art schon erhebliche Ähnlickeiten zu Massimo Dallamano's Meisterwerk "Der Tod trägt schwarzes Leder" aufweist, wobei "Orgie des Todes" allerdings nicht an die Klasse und Genialität des 1974 erschienenen Klassikers herankommt. Jedoch sind die Ähnlichkeiten in der Dramaturgie der beiden Filme wie auch in der Erzählstruktur recht offensichtlich, so das sich ein Vergleich fast automatisch aufdrängt. Und auch wenn vorliegender Genre-Beitrag wohl nicht zu den ganz großen Vertretern des italienischen Kinos zu zählen ist, handelt es sich auf jeden Fall um einen äusserst kurzweiligen-und jederzeit spannenden Vertreter, der zum mitraten einlädt und keinerlei Langeweile aufkommen lässt.

Mir persönlich hat "Orgie des Todes" sehr gut gefallen und auch diverse Zufälligkeiten innerhalb der Geschichte konnten den insgesamt sehr guten Gesamteindruck nicht trüben. Mit etwas mehr Liebe zum Detail und einer stärkeren Herausarbeitung der Grundthematik hätte man allerdings noch weitaus mehr bewerkstelligen können, so das der Film noch mehr an Qualität gewonnen hätte. Doch auch so hat man einen erstklassigen Genrefilm vor sich, der um die 80 Minuten beste-und extrem kurzweilige Unterhaltung bietet, die man sich immer wieder gut anschauen kann.


Fazit:


Mit "Orgie des Todes" hat Alberto Negrin eine insgesamt gelungene Mixtur aus Giallo-und Polizesco kreiert, die zwar keinesfalls an die Klasse eines "Der Tod trägt schwarzes Leder" herankommt, sich aber dennoch über dem normalen Durchschnittsfilm ansiedelt. Einige kleine Schwächen sind unübersehbar, beeinträchtigen aber keinesfalls einen ansonsten erstklassigen Filmgenuss, den man sich auf jeden Fall einmal anschauen sollte.


7/10

Dienstag, 26. Juli 2011

Wound: Beware the Beast









Wound: Beware the Beast
(Wound)
mit Kate O'Rourke, Te Kaea Beri, Campbell Cooley, Sandy Lowe, Brendan Gregory, Ian Mune, Maggie Tarver, Chrystal Ash, Matt Easterbrook, Omar Al-Sobky, Andy Sophocieous, Christina Cortesi, Heath Mortlock
Regie: David Blyth
Drehbuch: David Blyth
Kamera: Marc Mateo
Musik: Jed Town
FSK Keine Jugendfreigabe
Neuseeland / 2010

Susan ist eine Frau mit einer schrecklichen Vergangenheit, welche durch die sexuellen Misshandlungen durch den eigenen Vater geprägt wurde. Die junge und aufreizende Tanya ist eine verlorene Seele, auf der stetigen Suche nach der Mutter die sie nie kennenlernen durfte. Die Wege der beiden Frauen sind dazu bestimmt, sich zu kreuzen und zu einem surrealen Albtraum voller Wahnsinn, Inzest, Rache und Tod zu verschmelzen.


Diese neuseeländische Independent-Produktion wird zumeist als Fantasy-Horror eingeordnet, doch im Prinzip offenbart sich ein waschechtes Drama, zu dem man allerdings nur schwerlich einen wirklichen Zugang findet. Regisseur David Blyth präsentiert einen regelrechten Bilderrausch, der jedoch so dermaßen wirr-und surreal erscheint, das es größtenteils eine wirkliche Herausforderung darstellt, in dieser Geschichte eine ordentliche Erzählstruktur zu erkennen. Vielmehr entsteht der Eindruck, das es sich um eine Ansammlung wild zusammengewürfelter Video-Clips handelt, die äusserst wahllos aneinandergereiht wurden und dabei nur recht selten einen Sinn ergeben. Wenn man jedoch die behandelte Thematik zur Hand nimmt, dann ist es wohl sogar als notwendig anzusehen die Geschenisse in diesem verwirrenden-und streckenweise kaum nachzuvollziehbaren Bilder-Intermezzo darzustellen, denn nur so ist doch die seelische Verfassung der Hauptfigur Susan darzustellen. Das dabei entstehende Szenario ist allerdings so bizarr, das es zumeist äusserst schwierig ist, einen roten Erzählfaden zu erkennen, der sich geradlinig durch die Geschehnisse zieht, die einen sehr verstörenden Eindruck auf den Betrachter hinterlassen.

So ist es dann auch nicht weiter verwunderlich, das man größte Schwierigkeiten hat, den einzelnen Abfolgen wirklich zu folgen, die zwar einerseits eine gewisse Faszination entfalten, aber in ihrer Gesamtheit keinen wirklichen Zusammenhang erkennen lassen. "Wound" stellt sich so alles andere als mainstreamtauglich dar und bietet Kopf-Kino der ganz besonderen Art. Im Prinzip ist das ja auch eine schöne Sache, denn Filme, bei denen man seine grauen Zellen bemühen muss, stellen immer wieder eine Herausforderung für den Zuschauer dar. In vorliegendem Fall hat man es allerdings etwas zu gut gemeint und dem Film dadurch viel von seiner eigentlichen Stärke genommen. Die Grenzen zwischen Realität und Fiktion sind ganz einfach nicht mehr zu erkennen und selbst am Ende des Werkes bleiben doch zu viele Fragen offen, so das schon zuviel Freiraum für eigene Interpretationen gelassen wird.

Die Ansätze dieses Filmes sind sicherlich sehr lobenswert und auch das vorhandene Potential der Geschichte bietet eine Menge Möglichkeiten, lediglich die Umsetzung der Thematik kann man nicht als wirklich gelungen ansehen. Obwohl die deutsche Veröffentlichung gerade einmal eine Laufzeit von knapp 72 Minuten hat und somit um gut 4 Minuten geschnitten ist, fühlt man sich nach der Ansicht des Filmes regelrecht erschöpft und merkt erst im Nachhinein, welch anstrengendes Werk hier vorliegt. Von einem wirklichen Sehvergnügen kann man also nicht sprechen, ist doch die gesamte Laufzeit über die vollste Konzentration des Zuschauers gefordert, um dem bizarren Treiben wenigstens einigermaßen folgen zu können. Wo ansonsten in diversen anderen Filmen ein wahrer Bilderrausch zur Qualität des Szenarios beiträgt, ist es bei "Wound" vielmehr die extrem verstörende Wirkung der Bilder, die ein eher sehr zwiespältiges Gefühl bei einem hinterlässt. Zu keiner Zeit weiss man wirklich, ob man fasziniert oder einfach nur genervt von den Ereignissen sein soll, die zu viele Fragen unbeantwortet lassen, so das im Endeffekt eine Bewertung des Werkes äusserst schwierg sein dürfte.

David Blyth hat mit "Wound" ganz sicher einen Film kreiert, über den sich trefflich diskuttieren lässt und die Meinungen werden ganz bestimmt sehr weit auseinandergehen. Freunde handelsüblicher Mainstreamkost kommen hier ganz sicher nicht auf ihre Kosten, doch selbst Freunde komplizierten Kopf-Kinos dürften hier ihre Schwierigkeiten bekommen. Dennoch bin ich mir sicher, das auch "Wound" seine Fan-Gemeinde finden wird, denn sehenswert ist der Film allemal, auch wenn er sich nicht zwangslüfig zum mehrmaligen Anschauen eignet.


Fazit:


Die seelische Gemütsverfassung einer traumatisierten Frau wird in diesem Film leider etwas zu bizarr und verstörend dargestellt, so das es sich letztendlich um einen sehr anstrengenden Film handelt, der zudem am Schluß auch zu viele Fragen unbeantwortet lässt. Zur einmaligen Sichtung durchaus geeignet, jedoch überkommt einen nicht das Gefühl, sich dieses bizarre Werk noch mehrmals anzuschauen.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,78:1 (16:9)
Laufzeit: 72 Minuten
Extras: Damn Laser Vampires / Knot Nine Music Video / Trailer / Trailershow


4/10

Sonntag, 24. Juli 2011

Midnight Ripper










Midnight Killer
( Morirai a Mezzanotte)
mit Valeria D'Obici , Leonardo Treviglio, Paolo Malco, Lara Wendel, Lea Martino, Eliana Miglio, Barbara Scoppa, Massimiliano Baratta, Loredana Romito, Dino Conti, Marcello Modugno, Loredana Guerra
Regie: Lamberto Bava
Drehbuch: Lamberto Bava / Dardano Sacchetti
Kamera: Gianlorenzo Battaglia
Musik: Claudio Simonetti
Ungeprüft
Italien / 1986

Bestialische Frauenmorde erschüttern eine Stadt, alle Opfer gehören zum Bekanntenkreis eines Polizisten. Die Vorgehensweise des Schlitzers passt zu einem bekannten Serienmörder, der vor Jahren bereits in psychiatrischer Behandlung war.....


Dieses Werk vom Filius des legendären Mario Bava kann man getrost zu den Spätwerken des italienischen Gialli zählen. Lamberto Bava erzählt dabei eine für das Sub-Genre typische Geschichte, die sich allerdings in Fan-Kreisen keiner allzu großen Beliebtheit erfreut und somit auch nie die Aufmerksamkeit erhalten hat, die diesem durchaus gelungenem Film eigentlich zustehen würde. Eigentlich bekommt man nämlich eine durch und durch interessante Story geboten, in der sich ein jederzeit spannendes Geschehen präsentiert, das zudem auch noch äusserst atmosphärisch in Szene gesetzt wurde. Sicherlich enthalt das geschehen auch einige kleinere Schwächen, die sich insbesondere in einigen zeitlichen Abfolgen diverser Ereignisse offenbaren, die für den Betrachter schwerlich nachvollziehbar sind. Dennoch beeinträchtigen diese Mankos den insgesamt sehr guten Gesamteindruck nicht so stark, als das man diverse äusserst schlechte Kritiken nachvollziehen könnte, die dem Werk schon verpasst wurden.

Bava hat es sehr gekonnt verstanden, immer wieder falsche Fährten einzubauen, um den Zuschauer in die Irre zu führen, so wurde jederzeit gewährleistet das der geheimnisvolle Story-Plot eine starke Faszination auslöst, die durch etliche bedrohliche Momente immer wieder zusätzlich unterstützt wird. Und gerade diese Momente kommen beispielsweise durch einen fantastischen Score richtig gut zur Geltung, ist doch die musikalische Untermalung eine der besonderen Stärken dieses Spät-Giallos. Hierfür sei beispielsweise das letzte Drittel des Werkes erwähnt, das sich fast ausschließlich in einem riesigen Hotel abspielt, das ausserhalb der Saison geschloßen ist. Hier halten sich die Tochter des in der Mordserie ermittelnden Kommissars und ihre beiden Freundinnen auf, um nicht dem Killer in die Hände zu fallen. Nun lässt zwar dieser Teil der Geschichte die schon erwähnten Mankos erkennen, stellt aber meiner Meinung nach gleichzeitig den spannendsten-und atmosphärischsten Part des Szenarios dar, so das gerade bei der ersten Sichtung dieses Filmes schweßnasse Hände-und eine Gänsehaut vorprogrammiert sein dürften. Denn auch das Ende der teils sehr mysteriösen Geschichte ist keinesfalls unbedingt vorhersehbar, denn obwohl man ab einem gewissen Zeitpunkt die Identität des Killers erahnen könnte, gibt es im Prinzip keine offensichtlichen Hinweise. Hier hat Bava wirklich gute Arbeit geleistet und etlichen falschen verdächtigungen des Zuschauers Vorschub geleistet.

Zudem präsentieren sich auch mehrere etwas blutigere Sequenzen, doch sollte man keinesfalls einen übermäßig großen Härtegrad erwarten, sind doch die meisten Morde lediglich ansatzweise zu erkennen, so das die hohe Alterseinstufung gerade aus heutiger Sicht doch ziemlich überzogen erscheint. Nichtsdestotrotz passen sämtliche Zutaten dieses Giallos für mich persöhnlich sehr gut zusammen, Lamberto Bava hat nämlich genau die richtige Kombination aus Spannung, Atmosphäre und Härte gefunden, so das man "Midnight Ripper" durchaus als überdurchschnittlich guten Genre-Vertreter einstufen kann. Denn auch beim dargebotenen Schauspiel kann man sich eigentlich nicht beschweren, bewegen sich die Leistungen doch im soliden Bereich. Letztendlich handelt es sich also um einen durch und durch sehenswerten Spät-Giallo, der zwar nicht zu den absoluten Größen des Genres zählt, aber immer noch über dem Durchschnitt einzuordnen ist.


Fazit:

Wie immer ist es reine Geschmackssache, aber "Midnight Ripper" zählt für mich zu den am meisten unterschätzten Giallis. Ich mag diesen Film sehr gern, beinhaltet er doch sämtliche Zutaten, die diese Filmgattung so absolut sehenswert macht. Die kleineren, aber doch offensichtlichen Defizite fallen dabei nicht sonderlich ins Gewicht, bietet das Gesamtpaket doch ganzzeitig gute und äusserst spannende Unterhaltung.


7,5/10

Freitag, 22. Juli 2011

Das Geheimnis der grünen Stecknadel





Das Geheimnis der grünen Stecknadel
(Cosa avete fatto a Solange?)
mit Joachim Fuchsberger, Fabio Testi, Cristina Galbo, Karin Baal, Günther Stoll, Claudia Butenuth, Camille Keaton, Maria Monti, Giancarlo Badessi, Pilar Castel, Giovanna Di Bernardo, Vittorio Fanfoni, Marco Mariani, Antonio Casale, Emilia Wolkowicz
Regie: Massimo Dallamano
Drehbuch: Bruno Di Geronimo / Massimo Dallamano
Kamera: Joe D'Amato
Musik: Ennio Morricone
FSK 16
Deutschland / Italien / 1972

Im Londoner Hyde Park wird die Leiche eines jungen Mädchens gefunden, die Schülerin des nahe gelegenen Mädcheninternats war. Neben ihr liegt eine grüne Stecknadel. Der verheirate Lehrer Henry, der ein Verhältnis mit Schülerin Elisabeth hat, das entdeckt werden könnte, gerät in den Verdacht des ermittelnden Inspektors Barth, da er in der Nähe des Tatorts einen Füller verloren hat. Auch Elisabeth wird ermordet. Auf eigene Faust gehen Henry und seine Frau Herta dem Mörder nach und stellen ihn.


Diese deutsch-italienische Co-Produktion ist einer der letzten Filme, die in der legendären Edgar Wallace Film-Reihe erschienen sind und zählt somit zu den wenigen Filmen, die bei vielen der eingefleischten Wallace-Fans auf keine allzu große Begeisterung gestoßen ist. Das liegt ganz einfach an den starken Einflüßen des italienischen Kinos, die in diesem Werk den ganz klar gewichtigeren Anteil für sich in Anspruch nehmen. Die Geschichte weicht nämlich sehr stark von den ansonsten üblichen Wallace-Verfilmungen ab und bietet nicht die ansonsten übliche Londoner Grusel-Szenerie, wie man sie aus so vielen Werken des berühmten britischen Autors her kennt. Und so ist es dann auch durchaus nachvollziehbar , das die eingefleischten deutschen Krimi-Fans nicht so sehr auf ihre Kosten kommen, hat Regisseur Massimo Dallamano doch vielmehr einen waschechten Giallo mit deutscher Schauspielerbeteiligung geschaffen, der zudem noch zu den richtig guten Vertretern seiner Art zu zählen ist. Von Beginn an wird dabei keinerlei Hehl aus der Tatsache gemacht, das die Einflüße des Cinema Italiano ganz klar überwiegen, präsentiert sich dem Zuschauer doch von der ersten Minute ein ineinander verschachteltes Szenario, das in erster Linie durch seinen äusserst gelungenen Spannungsaufbau zu überzeugen weiss. Dabei treten mit der Zeit immer mehr die üblichen Zutaten des italienischen Giallos in den Vordergrund, was der Geschichte insgesamt extrem gut zu Gesicht steht und für einen äusserst spannenden Filmgenuss garantiert.

Dazu zählt sicherlich hauptsächlich die erstklassige Grundgeschichte, die zu keiner Zeit irgendwie vorhersehbar oder durchsichtig erscheint, bekommt der Betrachter doch lediglich etliche kleine Puzzle-Teilchen serviert, die sich erst kurz vor dem Ende zu einem großen Ganzen zusammenfügen und somit auch erst wenige Minuten vor Toreschluß die Gesamtzusammenhänge der brutalen Morde erkennen lässt, die einem in 90 äusserst spannenden Minuten präsentiert werden. Bis dahin jedoch tappt man wirklich ziemlich im Dunkeln und kann sich kaum einen Reim auf die Morde machen, die an etlichen Schülerinnen einer Mädchenschule begangen werden und erahnt lediglich im Laufe der Zeit durch einige kleinere Indizien, das einige Schülerinnen ein schreckliches Geheimnis miteinander teilen müssen, das letztendlich einige von ihnen ihr junges Leben kostet. Dallamano hat seine Geschichte dramaturgisch gesehen so exzellent aufgebaut, das der Zuschauer fast schon sogartig in das geheimnisumwitterte Geschehen hineingezogen wird, das eine unglaublich starke Faszination ausübt, der man sich beim besten Willen nicht entziehen kann. Das dabei stattfindende Ratespiel bietet nebenbei etliche falsche Fährten die einen immer wieder in eine falsche Richtung locken, bis dann endlich sämtliche Teile dieser sehr sehenswerten Geschichte zusammengefügt werden und dabei einen äusserst tragischen Hintergrund erkennen lassen, der einem auch die Motivlage des Täters sehr nahe bringt, so das man fast schon so etwas wie menschliches Verständniss für ihn aufbringen kann, auch wenn das seine taten keinesfalls entschuldigt.

Neben der erstklassigen Dramaturgie des Szenarios und dem stetig ansteigenden Spannungsbogen ist es insbesondere die hervorragende Darsteller-Riege, die diesem Film eine Menge Klasse verleiht. Fabio Testi, Karin Baal und Joachim Fuchsberger sollen an dieser Stelle nur stellvertretend für ein insgesamt harausragend agierendes Darsteller-Ensemble stehen, das durch seine gläntenden Leistungen dem Film ganz automatisch ihren ganz persönlichen Stempel aufdrücken und so zu einem fasz schon perfekten Gesamteindruck beitragen. Dieser entsteht aber vor allem durch den Aspekt, das hier nicht wie in einigen anderen Giallos die Motive für eine Mordserie wie auch die Identität des Mörders wie beiläufig aus dem Hut gezaubert werden, denn in "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" liegt dem Ganzen eine absolut erstklassige-und vor allem nachvollziehbare Story zugrunde, in der es nicht vor Logiklöchern nur so wimmelt. Doch in vorliegendem Fall passen im Prinzip sämtliche Komponenten nahezu perfekt ineinander, was letztendlich für einen aussergewöhnlich gelungenen Giallo verantwortlich zeichnet, der diese Bezeichnung auch wirklich verdient und für sich in Anspruch nehmen kann.

Eine geheimnisvolle Geschichte, ein wunderbar aufgebauter Spannungsbogen, eine dichte-und größtenteils sehr bedrohliche Grundstimmung und hervorragende Schauspieler machen diesen Film der Edgar Wallace-Reihe zu einem unvergesslichen Filmerlebnis, das man unbedingt gesehen haben sollte. Einige im Netz umherschwirrende-und eher durchschnittliche Kritiken kann ich mir persönlich nur so erklären, das eingeschworene Wallace-Fans über die Abweichung zu den klassischen Verfilmungen seiner Romane zu sehr enttäuscht waren, denn Liebhaber des italienischen Kinos dürften bei diesem Film viel eher vor Begeisterung mit der Zunge schnalzen, offenbart sich ihnen doch ein in allen Belangen vollkommen überzeugender Giallo, so wie man ihn sich vorstellt und auch wirklich haben möchte. Meiner Meinung nach braucht sich "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" auch keinesfalls hinter eventuell bekannteren Vertretern des Genres zu verstecken, offenbart sich dem Betrachter doch ein unglaublich spannendes Geschehen, das tief ineinander verschachtelt förmlich zum Mitraten einlädt.


Fazit:


Einige enttäuschte fans des legendären Edgar Wallace möges es mir verzeihen, aber "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" ist ein wirklich herausragender Beitrag des Cinema Italiano, das mit einigen deutschen Einflüßen angereichert wurde, was sich insbesondere bei den Darstellern bemerkbar macht. Filmisch gesehen ist allerdings Italien Trumpf, was man auch von der ersten bis zur letzten Minute dieses grandiosen Genre-Beitrags keinesfalls abstreiten kann. Und so wird das Herz des Italo-Liebhabers um einige Takte höher schlagen, wohingegen sich die Freunde des deutschen Krimis schmollend in ihr Schneckenhaus zurückziehen werden.


9/10

Donnerstag, 21. Juli 2011

Haunters









Haunters
(Choneung Ryukja)
mit Kang Dong-won, Ko Soo, Jeong Eun-chae, Yoon Da-kyeong, Choi Deok-moon, Abu Dod, Enes Kaya, Yang Kyeong-mo, Kang Hyeon-joong, Kim Seo-won, Kim Gye-seon, Kim Seong-min
Regie: Kim Min-suk
Drehbuch: Kim Min-suk
Kamera: Kyung-Pyo Hong
Musik: keine Information
FSK 16
Südkorea / 2010

Was würdest du tun, wenn du mit deinen Blicken jeden kontrollieren könntest, der sich in Sichtweite befindet? Menschen wie willenlose Puppen zu leiten, die sich anschließend an nichts erinnern? Diese Frage hat sich der labile und vom Leben enttäuschte Cho-in vor langer Zeit selbst beantwortet: Er nutzt seine übernatürlichen Fähigkeiten, um Pfandhäuser auszurauben. Keiner kann sich ihm widersetzen, mit nur einem Blick ergreift er sogar von ganzen Gruppen Besitz ... Bis er auf einem seiner Beutezüge den gutmütigen Kyu-nam trifft, der sich Cho-ins Macht widersetzen kann! Kyu-nam beschließt, Cho-in zu stoppen. Doch wie hält man jemanden auf, der ganze Menschenmengen auf einen hetzen kann und für den ein Menschenleben wertlos ist?


Mit diesem Film kommt ein weiterer Blockbuster aus Südkorea zu uns, der eine wirklich gelungene Kombination aus Horror-und Fantasy/Thriller beinhaltet und zudem auch noch größtenteils bildgewaltig in Szene gesetzt wurde. Es handelt sich dabei um das Langfilmdebüt von Regisseur Kim Min-suk, der vorher auch schon als Drehbuchautor für "The Good, the Bad, the Weird" verantwortlich zeichnete. Nun kann man seine erste Regiearbeit wirklich als äusserst gelungen bezeichnen, garantiert doch allein schon die Grundidee der vorliegenden Geschichte für eine Menge Spannung, was man während der gesamten Laufzeit des Filmes auch eindrucksvoll vor Augen geführt bekommt. Gleich zu Beginn wird der Zuschauer mit einer Rückblende in die Kindheit des Cho-in konfrontiert und bekommt einen ersten zarten Einblick in dessen erschreckende Fähigkeit, Menschen allein durch seinen Blick zu manipulieren und diese dabei sogar soweit zu bringen, sich selbst das Leben zu nehmen. Nach diesem Einstieg dümpelt das Geschehen dann gut 20 Minuten eher etwas belanglos vor sich hin, bevor das Geschehen danach ordentlich an Tempo und Intensität zulegt und zudem auch noch eine unglaubliche Faszination freisetzt, der man sich als Betrachter unmöglich entziehen kann, selbst wenn man es wollte.

Es entfaltet sich ein immer weiter ansteigender Spannungsbogen, der hauptsächlich durch das Aufeinandertreffen der beiden Haupt-Charaktere zustande kommt, denn mit dem ruhigen und vom Pech verfolgten Kyu nam tritt eine Figur in die Story ein, die anscheinend gegen die Fähigkeiten des Cho in immun ist und somit den Kampf gegen den scheinbar übermächtigen Gegner aufnimmt. Dabei entwickelt sich ein Szenario, das insbesondere durch äusserst spektakuläre Action-Passagen auffällt, wobei man fairerweise anmerken sollte das etliche Momente nicht unbedingt sehr realistisch erscheinen, was aber rein gar nichts an der Tatsache ändert, das es sich hier um ein extrem kurzweiliges Action-Spaktakel handelt, bei dem man vollends auf seine Kosten kommt. Das dabei einige Momente viel eher in den Fantasy-Bereich abdriften, stellt in vorliegendem Fall überhaupt keine negative Seite dar, sondern kommt dem Gesamtbild sogar eher positiv zugute. Es ist nämlich die Mixtur aus Thriller, Horror-und Fantasy, die dieses Werk so besonders macht und für ein sehr kurzweiliges Filmvergnügen sorgt. Dazu tragen auch die guten Schauspieler bei, die in ihren Rollen jederzeit zu überzeugen wissen. Vor allem die beiden Hauptdarsteller tun sich besonders hervor und drücken der Geschichte ganz unweigerlich ihren Stempel auf, kristallisiert sich doch mit zunehmender Laufzeit immer mehr die ständige Konfrontation der beiden heraus, die andauernden Aufeinandertreffen der Protagonisten sind dabei hervorragend und actionreich in Szene gesetzt worden und entpuppen sich größtenteils als wahre Action-Spektakel der Superlative.

Wie für einen asiatischen Film eigentich absolut typisch, hält insbesondere im letzten Drittel der Story auch eine tragische Note Einzug in die Ereignisse, dabei handelt es sich aber auf keinen Fall um die ansonsten so oft gesehene und viel zu dick aufgetragene Tragik. Vielmehr erscheint dieser Aspekt der Ereignisse erschreckend nüchtern, hart und absolut kompromisslos, was ganz hervorragend in das überdurchschnittlich gute Gesamtbild hineinpasst, das man von "Haunters" gewonnen hat. So gibt es dann im Prinzip recht wenige Dinge, die man wirklich nagativ bewerten könnte, bei mir persönlich sind es lediglich einige äusserst unglaubwürdige Action-Szenen, bei denen es die macher des Filmes etwas zu gut gemeint haben. Zwar sind diese Momente extrem unterhaltsam, bewegen sich aber doch jenseits jeder Realität, was den ansonsten aber erstklassigen Gesamteindruck nicht sonderlich schmälern soll. Dennoch ist insbesondere der finale Showdown der beiden Hauptfiguren nicht gerade von Realität durchzogen, bildet aber trotzdem das einzig mögliche Ende in einem ungleichen Kampf zweier Männer, die sich als gegenseitige Bedrohung angesehen haben.

Letztendlich ist "Haunters" ein absolut gelungener Film, der ganzzeitig sehr gute-und vor allem kurzweilige Genrekost bietet, die spannend und interessant umgesetzt wurde. Herrliche, wenn auch manchmal stark übertriebene Action-Passagen, eine sehr interessante Grundgeschichte und sehr gute Schauspieler machen diesen Genre-Mix zu einem absolut überzeugenden Filmerlebnis, das ausserdem auch noch äusserst bildgewaltig daherkommt. Und so kann man eigentlich gar nicht anders, als Regisseur Kim Min-suk ein in allen Belangen gelungenes Regiedebüt zu attestieren, das man sich keinesfalls entgehen lassen sollte, denn auch wenn man mit einigen eher unglaubwürdigen Momenten konfrontiert wird, ändert das nichts an dem extrem hohen Unterhaltungswert dieser südkoreanischen Produktion, für die man ohne Bedenken eine Empfehlung aussprechen kann.


Fazit:


Es ist immer wieder schön einen gelungenen Genre-Mix zu sehen, in dem Elemente aus den unterschiedlichsten Genres so gut zusammengeführt werden, wie es bei "Haunters" der Fall ist. Natürlich kann man bei genauerer betrachtung fast immer ein Haar in der Suppe finden, jedoch präsentiert sich in vorliegendem Fall ein Gesamtbild, das man im Endeffekt nur als überdurchschnittlich gut bezeichnen kann. Ich fühlte mich jedenfalls bestens unterhalten und kann diesen tollen Film nur wärmstens empfehlen.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Koreanisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch / Niederländisch
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 108 Minuten
Extras: Originaltrailer, Musikvideo


7,5/10

Dienstag, 19. Juli 2011

Footsoldier 2









Footsoldier 2
(Bonded by Blood)
mit Adam Deacon, Vincent Regan, Kierston Wareing, Dave Legeno, Tamer Hassan, Lucy Brown, Michael Socha, Terry Stone, Susie Amy, Alex MacQueen, Simon Phillips, Neil Maskell, Jessica Jones, Gavin Brocker
Regie: Sacha Bennett
Drehbuch: Graeme Muir / Sacha Bennett
Kamera: Ali Asad
Musik: Jason Kaye
FSK Keine Jugendfreigabe
Großbritannien / 2010

Wer den legendären Essex Boys in die Quere kommt, findet sich im günstigsten Fall im Krankenhaus wieder. Die brutale Gang regiert den Drogenhandel im Süden von England mit eiserner Faust. Doch Pat Tate, Tony Tucker und Craig Rolfe machen sich mit ihrer kompromisslosen Härte selbst unter ihresgleichen äußerst unbeliebt. Und wenn es ums richtig große Geld geht, werden sowieso selbst die besten Freunde schnell zu Feinden. Als der eigene Drogenkonsum dem Trio außerdem immer mehr das Hirn vernebelt, finden sie sich plötzlich in einer Lage wieder, die bisher nur ihren Gegnern vertraut war…


Mit "Footsoldier 2" hat Sacha Bennett seinen zweiten Spielfilm abgeliefert, der sich nahtlos in die Reihe der erstklassigen britischen Filme einordnet, die uns das Label Ascot Elite in den letzten Jahren immer wieder präsentiert. Einmal mehr bekommt der Zuschauer dabei einen tiefen Einblick in die Machenschaften britischer Gangster, denn im Mittelpunkt der Geschichte stehen die legendären Essex Boys, die mit gnadenloser Härte den Drogenhandel in ihrer Umgebung kontrollieren, was einigen ihrer Konkurrenten verständlicherweise ein Dorn im Auge ist. Wer hier allerdings einen Film erwartet, der ähnlich aufgebaut ist wie der geniale "Footsoldier" aus dem Jahre 2007, der sollte diese Hoffnung sofort wieder unterdrücken, unterscheiden sich die beiden Werke doch allein schon von ihrer Thematik her ziemlich stark. Doch der größte Unterschied besteht sicherlich im vorhandenen Härtegrad des Szenarios, der zwar auch in vorliegendem Film äusserst ansehnlich ausgefallen ist, aber dennoch zu keiner Zeit die Kompromisslosigkeit des 2007er Werkes offenbart, die den Zuschauer damals doch teilweise in einen richtigen Schockzustand versetzen konnte.

Und trotzdem entfaltet auch die vorliegende Story durchaus ihre harten Momente, denn die Hauptcharaktere des Filmes sind in der Wahl ihrer Mittel nicht unbedingt zimperlich, was auch durch den Aspekt sehr gut zum Ausdruck kommt, das ihr eigener Drogenkonsum immer weiter ausufert und sie so für jedermann absolut unberechenbar macht. Insbesondere dem großartigen Schauspiel der Protagonisten ist es zu verdanken, das die Geschehnisse sich ungemein authentisch und glaubwürdig präsentieren und man sich so äusserst gut mit dem Szenario identifizieren kann. Streckenweise überkommt einen dabei das Gefühl, das man sich viel eher in einer Reality-Doku als in einem Spielfilm befindet, was ein untrügliches Zeichen für die extrem realistische Wirkung des Filmes ist. Der Einblick in die Drogengeschäfte der Essex Boys entpuppt sich dabei als sehr tiefgründig und das grandiose-und lebhafte Schauspiel der Darsteller unterstreicht die authentische Note der Ereignisse, die sich förmlich im Gedächtnis des Zuschauers einbrennen und einen extrem nachhaltigen Eindruck hinterlassen, den man nicht so schnell wieder los wird.

Und so gestaltet sich eine ganzzeitig packende-und faszinierende Geschichte, von der eine unglaubliche Härte ausgeht, die sich allerdings nicht unbedingt durch explizite Gewaltdarstellungen zu erkennen gibt. Zwar gibt es immer wieder einmal diverse Momente in denen man mit sichtbarer Härte konfrontiert wird, der Großteil der Brutalität wird allerdings vielmehr durch die stattfindenden Dialoge zum Vorschein gebracht. Dennoch entfacht das Szenario ein äusserst intensives Gefühl beim Betrachter, der sich der beklemmenden Grundstimmung kaum entziehen kann. Diese wird in erster Linie durch die anscheinend vorherrschende Eiseskälte der Hauptfiguren ausgelöst, bei denen ganz augenscheinlich überhaupt keine positiven Emotionen zu erkennen sind. Das wird auch im Umgang mit dem weiblichen Geschlecht mehr als eindrucksvoll aufgezeigt, dienen Frauen doch viel eher als Gebrauchsgegenstände und keinesfalls als gleichberechtigte Partner in einer Beziehung. Einzig und allein die Drogengeschäfte und die damit verbundene eigene Bereicherung sind wirklich wichtig, hinzu kommt die Vorherrschaft in der Macht-Hirarchie des Millieus die immer wieder verteidigt werden muss.

Letztendlich erreicht "Footsoldier 2" zwar nicht die Genialität des 2007er Werkes und bietet auch nicht die ganze brautale Härte die beim Vorgänger einen solch nachhaltigen Eindruck beim Zuschauer hinterlassen hat, dennoch handelt es sich um einen sehr guten Genre-Film der nicht so leicht zu verdauen ist. Ein erstklassig agierendes Darsteller-Ensemble und eine packende Geschichtebieten aber dennoch ganzzeitig hervorragende Unterhaltung, die man sich keinesfalls entgehen lassen sollte. Man sollte lediglich mit der richtigen Erwartungshaltung an dieses Werk herangehen und aufgrund des Titels nicht immer die Vergleiche zum Vorgänger heranziehen, da sich beide Filme doch allein schon thematisch äusserst stark unterscheiden. Es handelt sich hier um einen vollkommen eigenständigen Film, den man auch als solchen bewerten sollte.


Fazit:


Fans der britischen Gangsterfilme kommen an "Footsoldier 2" keinesfalls vorbei, wird einem doch ein in bester britischer Tradition inszenierter Beitrag serviert, der seine brachiale Wirkung auf den Zuschauer hinterlässt. Exzellente Darsteller, eine spannende Geschichte und eine realitätsnahe Darstellung der Ereignisse ergeben hier ein Gesamtpaket, das man uneingeschränkt als sehr gut bezeichnen kann.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch DTS 5.1, DD 5.1 / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1: 2,35 (16:9 Widescreen)
Laufzeit: 92 Minuten
Extras: B-Roll, Premiere, Interviews, Behind the Scenes, The C Word, Welcome to Tony Tucker's Mansion, Audiokommentar, Originaltrailer, Trailershow


7/10

Sonntag, 17. Juli 2011

Gothic & Lolita Psycho









Gothic & Lolita Psycho
(Gosurori shokeinin)
mit Rina Akiyama, Ruito Aoyagi, Asami, Yukihide Benny, Satoshi Hakuzen, James Mark, Misaki Momose, Fumie Nakajima, Masahiro Okamoto, Minami Tsukui, Yurei Yanagi
Regie: Go Ohara
Drehbuch: Hisakatsu Kuroki
Kamera: Nobuhisa Ito[b]
Musik: [b]Keine Information

FSK Keine Jugendfreigabe
Japan / 2010

Yuki führt ein ganz normales Leben, bis zu jenem schicksalhaften Tag, an dem sich ihr ganzes Dasein in einen Albtraum aus Blut und Gewalt verwandelt. Als ihre Mutter scheinbar grundlos voneiner Gruppe von Mördern niedergemetzelt wird, kennt Yuki nur noch ein Ziel: Rache! Als gleichermaßen schöne wie auch tödliche Gothic Lolita macht sie sich auf den Weg jenen das Leben zu nehmen, die hinter dem grausamen Mord an ihrer Mutter stecken.


Es war mal wieder an der Zeit, das die Japaner mit einem neuen Action - Trash Feuerwerk aufwarten, das in die Richtung solcher Werke wie "The Machine Girl" oder "Tokyo Gore Police" abzielt. Fast schon selbstverständlich erscheint einem dabei die Tatsache, das vorliegender Film bei uns wieder einmal nur stark gekürzt erscheint, hat man das Geschehen doch um gut dreieinhalb Minuten Spielzeit erleichtert, um das Keine Jugendfreigabe Siegel zu erhalten. Das schränkt natürlich das Sehvergnügen ganz erheblich ein, gibt es doch nur wenige blutige Passagen zu begutachten, die einen gewissen Härtegrad lediglich andeuten. Wenn man allerdings den Schnittbericht der ungekürzten Japan-DVD zu Rate zieht stellt man ziemlich schnell fest, das "Gothic & Lolita Psycho" selbst in der ungeschnittenen Version nicht an den Blutgehalt der beiden anderen erwähnten Genre-Vertreter herankommt und sich im Bezug auf die vorhandene Härte sogar eher vornehm zurücknimmt. Dafür wird der Zuschauer allerdings mit einem extrem hohen Trash-Faktor konfrontiert, entpuppt sich doch das gesamte Szenario als äussserst skurrile Ansammlung vollkommen überzogener Ereignisse.

Und so bekommt man einen typisch japanischen Vertreter präsentiert, wie ihn sich die Fans dieser Filmgattung wünschen, grell, bunt und vollkommen überzogen offenbart sich eine Geschichte, in der man es mit dem Trashgehalt an einigen Stellen schon fast zu gut gemeint hat. Die einzelnen Charaktere werden herrlich überzeichnet dargestellt, wobei insbesondere die Hauptfigur Yuki wie eine grelle Kunstfigur erscheint, die sich hier an den Mördern ihrer Mutter rächen will. Dies geschieht selbstverständlich in keinster Weise auch nur annähernd realistisch, denn die stattfindenden Kämpfe mit ihren Gegnern driften phasenweise schon in den Fantasy-Bereich ab, was dem Geschehen aber extrem gut zu Gesicht steht und zusätzlich für einen sehr hohen Unterhaltungswert sorgt, den man diesem Werk auf keinen Fall absprechen kann. Da fliegen Gegner durch die Luft, oder telefonieren auch mal ganz nebenbei, obwohl sie sich gerade im Todeskampf befinden. Wenn man dann noch das dafür verwendete Handy etwas genauer betrachtet weiss man spätestens, das man den Film nicht so ernst nehmen sollte, handelt es sich doch um eine äusserst merkwürdige Konstruktion, die man auch gleichzeitig als tödliche Waffe gebraucht. Man muss schon eine ausgeprägte Vorliebe für diese Art von Film haben, den man ganz sicher nicht mit den üblichen Bewertungskriterien benoten kann, denn die hier erzählte Geschichte ist alles andere als mainstreamtauglich und wird viel eher eine bestimmte Zielgruppe ansprechen.

Wer den streckenweise vollkommen überzogenen asiatischen Humor zu schätzen weiss und sich auch nicht daran stört, das einige Passagen schon ein wenig albern wirken, der wird hier voll auf seine Kosten kommen und jede Menge Spaß mit diesem Film haben. Im Bezug auf die Härte sollte man jedoch nicht mit zu hohen Erwartungen an das Werk herangehen, denn wie schon erwähnt wird der Blut-und Splattergehalt der weiter oben genannten Filme selbst in der ungeschnittenen Version zu keiner Zeit erreicht, was aber keinesfalls den Unterhaltungswert beeinträchtigt. Denn dafür sorgt allein schon die immer wieder auftretende Situationskomik, die phasenweise schon so grotesk daherkommt, das man sich vor lachen kaum halten kann. Und auch die versammelten Darsteller sind nahezu perfekt ausgewählt, nur sollte man auch in diesem Punkt die Bewertung der Leistungen nach einem speziellen Schema vornehmen. Hochklassiges Schauspiel ist nämlich definitiv nicht zu sehen, doch für die Machart des Werkes sind die Darstellungen absolut perfekt und tragen zu dem insgesamt sehr guten Gesamteindruck bei, den man als Liebhaber dieser Film-Gattung gewinnt.

"Gothic & Lolita Psycho" ist letztendlich absolut sehenswerter japanischer Action-Trash, dem es aber leider in der deutschen Veröffentlichung ein wenig an Härte fehlt. Dennoch bekommt man gut 80 Minuten recht kurzweilige Unterhaltung geboten, die sich so herrlich abgedreht präsentiert, wie manes von solchen Filmen erwartet. Ein grell-buntes Szenario, vollkommen durchgeknallte Charaktere und die unmöglichsten Waffen sorgen für extreme Kurzweil, an der man ganzzeitig seine Freude haben kann. Die harten Splatter-und Gore Freunde müssen sich aber noch ein wenig gedulden, wenn sie das komplette Werk in deutsch genießen möchten, denn eine Veröffentlichung über unsere österreichischen Nachbarn wird sicherlich folgen, ein genauer Zeitpunkt kann aber momentan noch nicht genannt werden. Trotz der fehlenden Minuten fühlte ich mich recht kurzweilig unterhalten, lediglich der manchmal etwas zu alberne Humor hat mich ein wenig gestört, so das ich persönlich zu einem guten Gesamteindruck gekommen bin.


Fazit:


Irgendwie scheinen die Japaner schon ein Faible für das vollkommen Durchgeknallte-und Groteske zu haben, anders kann man sich die immer wieder erscheinenden Trash-Granaten nicht logisch erklären. Die dabei verwendeten Ideen können im Prinzip nur einem seltsam verwirrten Geist entspringen, beinhalten aber so viel Spaß und Unterhaltung, das sich jeder dieser Vertreter als absolute Spaß-Granate herausstellt, die Trash-Unterhaltung vom Feinsten garantiert. Und so ist dann auch "Gothic & Lolita Psycho" ein jederzeit lohnenswerter Vertreter des Genres, der aber bei uns in Deutschland leider nur in der gekürzten Version zu bewundern ist.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Japanisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,78:1 (16:9)
Laufzeit: 85 Minuten
Extras: Action of Gothic Lolita, Virtual Trip, Trailer, Trailershow


6/10

Freitag, 15. Juli 2011

Sorority Row - Schön bis in den Tod




Schön bis in den Tod
(Sorority Row)
mit Teri Andrzejewski, Adam Berry, Megan Wolfley, Robert Belushi, Marie Blanchard, Briana Evigan, Zack Garrett, Margo Harshman, Rumer Willis, Jamie Chung, Leah Pipes, Audrina Patridge, Matt O'Leary, Julian Morris, Debra Gordon
Regie: Stewart Hendler
Drehbuch: Josh Stolberg / Pete Goldfinger
Kamera: Ken Seng
Musik: Lucian Piane
FSK Keine Jugendfreigabe
USA / 2009

Fünf Verbindungsschwestern wollen einem Kommilitonen einen kleinen Denkzettel verpassen, da er eine von ihnen hintergangen hat. Doch der Racheakt endet für eines der Mädchen mit dem Tod. Statt den Unfall der Polizei zu melden, entscheiden sich die Teenager für eine vermeintlich ungetrübte Zukunft und entsorgen die Leiche in einem Brunnenschacht. Einige Monate später erhalten sie eine Nachricht, die sie nicht nur an den tödlichen Unfall erinnert, sondern auch den Beginn einer Mordserie einläutet, der eine nach der anderen zum Opfer fällt.


Um es gleich zu Beginn klarzustellen, Freunde innovativer Ideen werden bei "Schön bis in den Tod" ganz sicher nicht zufriedengestellt, vielmehr bekommt man einen waschechten Slasher mit den handelsüblichen Zutaten geboten, die allerdings routiniert und spannend in Szene gesetzt wurden. Ein paar äusserst hübsche Teenager, ein dummer Spaß mit bösen Folgen und ein unheimlicher und vermummter Mörder, der anscheinend aus dem Jenseits zurückgekehrt ist, um furchtbare Rache zu nehmen. Das alles hat man nun wirklich schon unzählige Male zu Gesicht bekommen, aber dennoch bekommt es der Zuschauer mit einem absolut sehenswerten Genre-Vertreter zu tun, der in etlichen Passagen schon diverse Ähnlichkeiten zu einem Film wie beispielsweise "Ich weiss, was du letzten Sommer getan hast" aufweist, die einem förmlich ins Auge springen müssten. Trotzdem handelt es sich aber keinesfalls um eine Kopie, denn "Schpn bis in den Tod" hat durchaus seinen ganz eigenen Reiz, der insbesondere durch einige sehr schön umgesetzte Kills zum Tragen kommt, die erstaunlicherweise sogar recht blutig und heftig ausfallen, so das selbst Fans der etwas härteren Welle ihre Freude haben dürften.

Auch spannungstechnisch hat das Werk von Stewart Hendler eine Menge zu bieten, wird doch die Spannungsschraube kontinuierlich immer fester angezogen, zum Ende hin allerdings fällt die aufgebaute Spannung etwas in sich zusammen, was meiner Meinung nach in der Identität des Killers begründet liegt. Erscheint diese doch etwas zu stark an den Haaren herbeigezogen und könnte so für einige Leute doch eine etwas größere Enttäuschung darstellen, da auch die offengelegten Motive etwas hanebüchen wirken. Das ist aber für mich auch schon der einzige negative Kritikpunkt eines Filmes, der ansonsten äusserst gute Horror-Unterhaltung bietet, die man sich jederzeit sehr gut anschauen kann. Dazu trägt auch mit Sicherheit die sehr gelungene Atmosphäre des Szenarios bei, die streckenweise herrlich düster rüberkommt und auch etliche bedrohliche Momente entstehen lässt, die für eine gepflegte Gänsehaut sorgen können. Die teilweise eher negativen Jritiken über diesen Film kann ich nicht so ganz nachvollziehen, denn ist es doch gerade in der heutigen Zeit ziemlich schwer, dem Slasher immer wieder neue und frische Impulse zu verleihen. So ist es dann auch keine wirkliche Überraschung, das auch Stewart Hendler viel eher auf altbewährte Mittel zurückgreift, um dem Betrachter kurzweilige-und größtenteils temporeiche Horrorkost zu bieten.

Wer sich damit nicht mehr zufriedengeben kann, sollte erst gar nicht auf "Sorority Row" zurückgreifen, lediglich Neueinsteiger oder Freunde der üblichen Zutaten werden hier auf ihre Kosten kommen. Dennoch sollte man fairerweise anmerken, das es sich bei vorliegendem Film um einen besseren Vertreter seiner Art handelt, da hat man doch in den letzten Jahren schon weitaus schlechtere Filme zu Gesicht bekommen. Denn auch die agierende darsteller-Rige weiss durchaus zu überzeugen, ohne das man dabei herausragendes Schauspiel erwarten sollte. Es sind halt die üblichen-und wie eigentlich immer äusserst gutaussehenden Jungdarsteller, von denen es bei den Amerikanern ja anscheinend ein schier unerschöpfliches Reservoir zu geben scheint. Diese sind selbstverständlich mit allen nur erdenklichen Klischees behaftet, was übrigens auch für das gesamte Szenario zutrifft. Doch sind nicht gerade das auch die Dinge, die man in einem Slasher auch sehen will und über die man sich immer so herrlich aufregen kann? Für mich gehören Klischees und unlogisch handelnde Protagonisten jedenfalls ebenso dazu wie ein gelungener Spannungsaufbau, eine dichte Grundstimmung und gut inszenierte Kills. Alle diese Zutaten bekommt man hier im Überfluss geliefert, so das der Unterhaltungswert des Filmes sich auf jeden Fall im oberen Drittel ansiedelt.

Letztendlich wurde mit "Sorority Row" ganz bestimmt kein Beitrag kreiert der das Genre revolutionieren wird und um ein Meisterwerk des Horrorfilms handelt es sich schon gar nicht. Dafür bekommt der Zuschauer allerdings alles zu sehen, was Slasher der neuen Generation so absolut sehenswert macht und manchmal ist das dann auch vollkommen ausreichend, um gut 100 Minuten kurzweilige Horror-Unterhaltung zu genießen, die lediglich in der Identität des Killers eine Schwäche offenbart, ansonsten aber einen sehr überzeugenden Gesamteindruck hinterlässt. Man sollte lediglich mit der richtigen Erwartungshaltung an diesen Film herangehen und keinerlei Neuerungen erwarten, denn die werden wirklich nicht geboten. Wer Altbewährtes in einer ansprechenden Verpackung zu schätzen weiss, kann hier überhaupt nichts falsch machen und wird mit einem äusserst sehenswerten Slasher belohnt, bei dem sicherlich keine langeweile aufkommen wird, denn das wird allein schon durch die sehenswerten Kills unterbunden.


Fazit:


"Sorority Row" ist alles andere als ein Film für den Freund des innovativen Horror-Kinos, bietet jedoch sämtliche Zutaten, die ein guter-und unterhaltsamer Slasher beinhalten muss. Jede Menge Klischees, viel Spannung und eine sehr dichte Grundstimmung sorgen für ein kurzweiliges Filmerlebnis, das man sich als Fan auf jeden Fall anschauen sollte.


7/10

Mittwoch, 13. Juli 2011

Taxidermia









Taxidermia - Friss oder stirb
(Taxidermia)
mit Csaba Czene, Gergely Trocsanyi, Marc Bischoff, Istvan Gyuricza, Piroska Molnar, Gabor Mate, Geza Hegedus D., Zoltan Koppany, Erwin Leder, Adel Stanczel, Eva Kuli, Lajos Parti Nagy, Mihaly Palfi
Regie: György Palfi
Drehbuch: György Palfi / Zsofia Ruttkay
Kamera: Gergely Pohamok
Musik: Albert Markos / Amon Tobin
FSK 16
Frankreich / Ungarn / Österreich / 2006

Taxidermia erzählt die Geschichte von drei Generationen innerhalb einer sehr außergewöhnlichen Familie. Im zweiten Weltkrieg "erfindet" der Soldat Vendel aus Frust über die unmenschlichen Gängeleien seines Leutnants immer ausgefallenere Möglichkeiten der Selbstbefriedigung. Sein ungewöhnliches Hobby hat bizarre und tragische Folgen, resultiert aber auch in einem Nachkommen, der einem wahnwitzigen Leistungssport nachgeht: Wettessen. Auch dieser zeugt einen Sohn mit einer ungewöhnlichen Leidenschaft: Das Ausstopfen von Tieren...


Eigentlich schon als Nr. 10 der Störkanal-Reihe angekündigt, ist nun mit einigen Monaten Verspätung die Neuauflage des schon 2006 erschienenen "Taxidermia" auf den Markt gekommen und ehrlich gesagt hat sich das etwas längere Warten mehr als nur gelohnt, handelt es sich doch um einen extrem aussergewöhnlichen Film, den man im Prinzip nur schwerlich einem bestimmten Genre zuordnen kann. Ist hier doch von Drama, über Komödie und auch Groteske alles vertreten, was man sich nur vorstellen kann. Nun sollte man jedoch gleich zu Beginn anmerken, das dieses Werk alles andere als mainstreamtauglich ist und deshalb ganz sicher nur eine bestimmte Zielgruppe ansprechen wird, die sich gern mit extrem aussergewöhnlichen Filmen auseinandersetzt. Und dabei ist der Begriff aussergewöhnlich sogar noch als stark untertrieben anzusehen, offenbart sich dem Zuschauer doch ein Szenario das größtenteils äusserst groteske Formen annimmt und teilweise auch mit etlichen ekligen Momenten aufwartet. Prinzipiell kann man "Taxidermia" als eine Art skurrile Familien-Chronik ansehen, die in 3 Episoden eingeteilt ist und dabei 3 verschiedene Generationen der Familie in den Focus dieser nicht unbedingt normalen Geschichte stellt. Gerade zu Beginn der Story ist es gar nicht einmal so leicht, den richtigen Zugang zu den Geschehnissen zu finden, die am Anfang irgendwie sinn-und zusammenhanglos erscheinen. Die ersten gut 20 Minuten wird man fast ausschließlich mit einem Soldaten konfrontiert, der anscheinend nichts anderes als die körperliche Selbstbefriedigung im Sinn hat, was ganz nebenbei auch noch explizit im Bild dargestellt wird.

Immer öfter wird dabei das erigierte Glied des Soldaten gezeigt, den man ausführlich bei seiner Selbstbefriedigung beobachten kann. Der Höhepunkt des grotesken Treibens äusserst sich dann darin, das er sein Sperma in den Himmel schießt. So verrückt und eklig sich das jetzt auch anhören mag, "Taxidermia" ist vollgepackt mit solchen Passagen, die bei manchem Zuschauer eventuell sogar ein leichtes Gefühl der Übelkeit auslösen könnten. Dieses ist insbesondere im zweiten Teil der Fall, wenn man mit diversen Fress-Wettbewerben konfrontiert wird, die einem als Leistungssport verkauft werden. Man merkt also ziemlich schnell, das man es in vorliegendem Fall mit einem Filmerlebnis zu tun hat, das man nun wirklich nicht alle Tage geboten bekommt. Und ganz egal, ob man dieses Werk mag oder nicht, auf jeden Fall handelt es sich auf eine groteske Art und Weise um echte Kunst. Dennoch wird es sicherlich auch jede Menge Leute geben, die rein gar nichts mit dem hier dargestellten Szenario anfangen können und ich persönlich kann das auch durchaus nachvollziehen. Es handelt sich nun einmal nicht um einen Film, den man sich in regelmäßigen Abständen immer wieder anschauen muss und ebenso kann man die Geschichte nicht einfach als gut oder schlecht einstufen. Selten habe ich einen filmischen Beitrag gesehen, bei dem es so offensichtlich auf den persönlichen Geschmack des Betrachters ankommt, wie es bei "Taxidermia" der Fall ist. Denn selbst der komödiantische Anteil des Werkes gestaltet sich keinesfalls so, das man am liebsten loslachen möchte, viel zu absurd und größtenteils eklig gestalten sich die Ereignisse, so das einem das Lachen förmlich im Halse steckenbleibt.

Ich möchte sogar behaupten, das diverse Passagen fast schon eine schockierende Wirkung auf den Zuschauer hinterlassen, der größte Schwierigkeiten damit hat, das Gesehene überhaupt erst einmal sacken zu lassen. Das fällt allerdings gar nicht so leicht, erliegt man doch teilweise dem fast schon verstörenden Eindruck, den dieses bildgewaltige Filmerlebnis hinterlässt. Ganz egal, wie man zu diesem Film stehen mag, es handelt sich auf jeden Fall um einen fast schon perversen Bilderrausch, der einen schon in einen sogartigen Strudel hineinzieht, in den man immer tiefer hineingezogen wird, ohne das man sich in irgendeiner Weise dagegen erwehren könnte. Viel zu stark ist die absurde Faszination, die das Szenario auf einen ausstrahlt und dabei eine fast schon hypnotische Wirkung erzielt, da man seinen Blick beim besten Willen nicht vom grotesken Treiben abwenden kann. Man kann eigentlich auch nur schwerlich die eigenen Eindrücke schildern, handelt es sich hier doch wirklich um eine so aussergewöhnliche Story, die man ganz einfach mit den eigenen Augen gesehen haben muss, um richtig zu verstehen, was dieses Werk in einem auslöst. Dabei werden die jeweiligen Empfindungen und Eindrücke extrem stark auseinandergehen, denn György Palfis Film trifft ganz bestimmt nicht jeden Geschmack vielmehr kann dieses Werk die unterschiedlichsten Meinungen nach sich ziehen und damit zu angeregten Diskussionen führen.

Wenn je ein Film den Ausdruck aussergewöhnlich verdient hat, dann ist es ganz sicher "Taxidermia", handelt es sich doch um einen Beitrag der polarisiert und die Meinungen mehr als nur spalten wird. Von vielen Leute sicherlich als übelster Schund abgestempelt, wird es sich für andere um einen sehr skurrilen Geniestreich handeln, der auf jeden Fall äusserst künstlerisch in Szene gesetzt wurde. Und auch die Darsteller sind für die Geschichte absolut perfekt ausgewählt worden, durch die Bank sind sämtliche Leistungen als absolut passend einzuordnen. Auch in diesem Punkt wurde ein zusätzlich herrlicher Kontrast eingebaut, der im letzten Drittel des Filmes zum Tragen kommt, denn ist es doch mehr als nur befremdlich, das die letzte Generation der Familie spindeldürr geraten ist, was vor allem beim Anblick des Vaters eigentlich unmöglich erscheint. Ganz im Gegensatz dazu wird man gleichzeitig mit Katzen konfrontiert, deren Statur man auch selbst gesehen haben muss, um es auch zu glauben. Insgesamt gesehen wird man also mit einem in allen Belangen ungewöhnlichen Filmerlebnis konfrontiert, das man keinesfalls in eine bestimmte Schublade stecken kann und zu dem man erst einmal überhaupt den Zugang finden muss. Wenn man allerdings dazu in der Lage ist, offenbart ich ein bildgewaltiges Szenario, das auf eine fast schon perverse Art und Weise als ein wilder Rausch der Sinne herausstellt, das man auf jeden Fall einmal gesehen haben sollte.


Fazit:


Eine wirkliche Punktevergabe kann man bei diesem Film eigentlich nicht vornehmen, denn kaum ein anderes Werk polarisiert so sehr wie "Taxidermia". Je nach persönlichem Geschmack ist von absolutem Schund bis hin zu einem genialen Werk alles als Einordnung möglich. Freunde aussergewöhnlicher Filme sollten sich dieses Werk allerdings auf keinen Fall entgehen lassen, werden sie doch mit einem wilden-und grotesken Bilderrausch belohnt.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Ungarisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 90 Minuten
Extras: Making Of, Trailer, Trailershow, Exklusives Booklet

Montag, 11. Juli 2011

Unthinkable









Unthinkable
(Unthinkable)
mit Samuel L. Jackson, Carrie-Anne Moss, Michael Sheen, Stephen Root, Lora Kojovic, Martin Donovan, Gil Bellows, Vincent Laresca, Brandon Routh, Joshua Harto, Holmes Osborne, Michael Rose, Randy Oglesby
Regie: Gregor Jordan
Drehbuch: Peter Woodward
Kamera: Oliver Stapleton
Musik: Graeme Revell
FSK Keine Jugendfreigabe
USA / 2010

Ein Terrorist erklärt öffentlich, drei Atomsprengköpfe irgendwo in den Vereinigten Staaten platziert zu haben. Den Behörden bleiben zwei Tage sie zu finden und zu entschärfen. Überraschenderweise kann der Mann von FBI-Agentin Helen Brody ausfindig gemacht und ohne Gegenwehr in Gewahrsam genommen werden. Doch damit ist das Problem nicht gelöst, denn der Terrorist macht keine Anstalten, die Standorte der Sprengkörper preiszugeben. Brody ist machtlos, doch sie hat noch einen Trumpf in der Hinterhand: Kurzerhand wird der mysteriöse "H" hinzugezogen. Dessen Aufgabe: Ein Geständnis erzwingen, koste es, was es wolle! Bald schon muss auch die rechtschaffene FBI-Agentin Brody feststellen, dass hinter der Fassade des Familienvaters "H" ein eiskalter Pragmatiker lauert, für den Menschenrechte nur ein Stolperstein auf dem Weg zum Erfolg sind...


Welche Rechte würdest du verletzen, um Millionen von Menschen zu retten?


Dies ist im Prinzip die einzige Kernfrage eines Szenarios, mit dem Regisseur Gregor Jordan es wirklich immer wieder versteht, den Zuschauer zu fesseln und gleichzeitig auch zu schocken. "Unthinkable" konfrontiert einen dabei mit einer Geschichte, die man am liebsten wirklich als undenkbar abtun würde, die aber meiner Meinung nach durchaus realistische und auch äusserst glaubwürdige Züge erkennen lässt, die nicht nur die Charaktere des Filmes an die Grenzen ihrer Moralauffassung bringen, sondern auch den Betrachter in ein einziges Wechselbad der Gefühle versetzt. Noch nicht einmal in den kühnsten Träumen will man Entscheidungsträger in einem Szenario sein wie es hier dargestellt wird und auf gar keinen Fall möchte man die Rolle eines Samuel L. Jackson schlüpfen, der hier den scheinbar eiskalten Verhörspezialisten "H" zum Besten gibt und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn in kaum einem anderen Film hat Jackson ein solch grandioses Schauspiel an den Tag gelegt wie in vorliegender Geschichte, die einem streckenweise kalte Schauer über den Rücken jagt und mit etlichen Wendungen immer wieder für neue Schweißausbrüche Sorge trägt, die man beim besten Willen nicht verhindern kann. Zu spannend und nahezu elektrisierend offenbart sich ein Story-Plot, der von der ersten bis zur letzten Minute absolute Hochspannung verspricht und zudem für ein extrem angespanntes Sehverhalten beim Zuschauer sorgt. Selbst wenn man es wollte, könnte man sich gar nicht der erschreckenden Faszination der Geschehnisse entziehen, die mit einer absolut brachialen Gewalt auf einen einwirken. So verspürt man dann auch denn physischen-und vor allem den psychischen Druck, der hier auf allen Personen lastet und sich mit zunehmender Laufzeit immer weiter verstärkt, so das die entstehende Spannung phasenweise kaum noch auszuhalten ist.

Dabei wird man selbst an die Grenzen seiner eigenen Psyche herangeführt und stellt sich ganz unweigerlich ständig die Frage, welche Mittel man einsetzen würde, um an die erforderlichen Informationen zu kommen, die einen nuklearen Holocaust verhindern könnten. Der von Jackson dargestellte Charakter wird dabei von Anfang an als äusserst unsymphatisch und scheinbar eiskalt in Szene gesetzt und erst im Laufe der Zeit ändert sich dieser Eindruck immer mehr und man kann sogar Symphatien für den ganz speziellen Verhörspezialisten entwickeln. Ihm gegenüber steht mit Carrie-Anne Moss der Part der moralischen FBI-Agentin, die hier die menschenrechte ganz eindeutig außer Kraft gesetzt sieht, was letztendlich auch wirklich der Fall ist. Und so entsteht ein wahrhaftiger Gewissenskonflikt, der sich auch ganz automatisch im Kopf des Zuschauers abspielt und bei dem es im Prinzip einzig und allein um ein Abschätzen der bevorstehenden Situation geht, die Millionen von Menschen das Leben kosten kann. Man mag dieses Thriller-Drama durchaus als moralisch fragwürdig ansehen, bietet das Szenario doch enorm viel Anlass zu Grundsatzdiskussionen, doch so hart-und menschenunwürdig sich die Foltermethoden harauskristallisieren, so extrem sind doch auch die Folgen, wenn man dem Drahtzieher nicht doe erforderlichen Informationen entlocken kann. So entwickelt sich dann auch ein perfides Katz-und Mausspiel zwischen "H" und dem Terroristen, der übrigens von einem glänzend aufspielenden Michael Sheen dargestellt wird. Es werden auch keinerlei Grausamkeiten ausgelassen, wobei die Foltermethoden phasenweise auch noch ziemlich hart ins Bild gesetzt wurden und selbst die bildlich nur andeutungsweise zu erkennenden Versuche, den Willen eines Menschen zu brechen, gehen einem spürbar unter die Haut.

Doch nicht nur der Terrorist leidet merklich unter der andauernden Prozedur, auch "H" gehen die Ereignisse merklich an die eigene Substanz, wodurch seine Person auf einmal sogar echte menschliche Züge erkennen lässt, die ihn in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen. Es ist ein ständiges auf und ab, die Emotionen schlagen regelrecht Purzelbäume, was übrigens ebenso für die Protagonisten des Filmes wie auch für einen selbst gilt. Längst ist man nämlich in dieses auf eine grausame Art und Weise faszinierende Szenario eingetaucht und hat dabei schon lange den Status des Zuschauers verloren. Man spürt die innere Zerrissenheit der Protagonisten und versucht dabei immer wieder, die Argumente beider Seiten gegeneinander abzuwägen. Und auch wenn man eigentlich für sich selbst schon die Entscheidung getroffen hat, das das Leben von Millionen Menschen auf jeden Fall gewichtiger ist als das eines einzelnen Terroristen, so schlägt man sich doch trotzdem weiterhin mit dem moralischen Aspekt der Geschichte herum, der einem einfach keine Ruhe lassen will. Genau dieser Asüekt wird auch von einem glänzenden Darsteller-Ensemble absolut erstklassig in Szene gesetzt, ständige Meinungsumschwünge stehen an der Tagesordnung und vor allem zum Ende hin scheint das Ganze vollkommen zu eskalieren. Da die Zeit immer schneller verrinnt, muss "H" nämlich zu Methoden greifen, die einen schon fast um den Verstand bringen wollen. Um die Spannung nicht rauszunehmen, möchte ich nicht näher auf den Inhalt eingehen, aber die Situation spitzt sich so sehr zu, das man sich am liebsten die Haare aureissen möchte.

Selten habe ich in den letzten Jahren einen solch intensiven Film gesehen, dessen Szenerie einen so dermaßen mitnimmt wie es hier der Fall ist. Dabei ist der Eindruck des Spielfilmes eigentlich schon nach wenigen Minuten verflogen, vielmehr überkommt einen das Gefühl, das man sich mitten im Geschehen befindet und somit eins wird mit der Geschichte. Es handelt sich um wahrhaftiges Gefühlskino, das einen immer mehr in einen erschreckenden Strudel hineireisst, aus dem es anscheinend keinerlei Entkommen gibt. Immer tiefer werden die menschlichen Abgründe, mit denen man konfrontiert wird und das ständige Wechselbad der Gefühle hätte man kaum besser kreieren können. Herausragende Darsteller, ein kaum zu überbietender Spannungsbogen und eine absolut beklemmende Grundstimmung sorgen hier für ein Filmerlebnis, das man ganz sicher nicht so schnell wieder vergisst. "Unthinkable" ist defintiv kein Film, den man sich einmal so nebenbei anschauen sollte, denn hier handelt es sich um Kopf-Kino der ganz besonderen Art, das einen von der ersten bis zur letzten Einstellung völlig in Beschlag nimmt und die vollste Aufmerksamkeit erfordert. Füt zartbesaitete Gemüter ist dieses Werk nicht unbedingt geeignet, entwickelt sich doch eine Gewaltspirale der besonderen Art, die sich längst nicht nur durch reine Gewaltdarstellungen zu erkennen gibt. Am härtesten ist nämlich der enorme psychische Druck, dem man die gesamte Laufzeit über ausgesetzt ist. Die sich dabei freisetzende Intensität der Ereignisse ist scheint einen in diversen passagen förmlich zu erdrücken und das kurze, aber absolut passende Ende setzt dem ganzen dann noch einmal die Krone auf.


Fazit:


Gregor Jordan hat mit "Unthinkable" einen Film geschaffen, der längst nicht nur extrem spannende Unterhaltung bitet sondern zusätzlich noch äusserst nachdenklich stimmt. Dabei ist es im Prinzip vollkommen unerheblich, ob man sich eventuell von den eigenen Moral-Vorstellungen verabschieden muss, denn eines steht nach der Sichtung dieses Werkes einwandfrei fest, nie möchte man selbst in eine Situation gelangen, in der man die hier gezeigten Entscheidungen treffen muss, die über das Leben von vilen Millionen Menschen getroffen werden. Im Endeffekt sollte man diesen Film unbedingt selbst gesehen haben, in dem wirklich erstklassige Schauspieler und ein alles überragender Samuel L. jackson authentisch-und glaubhaft in ein Schreckens-Szenario verwickelt sind, das hoffentlich immer nur in Filmen zu sehen sein wird.


9,5/10

Samstag, 9. Juli 2011

Eaten Alive - Die Nacht der Bestie









Blutrausch
(Eaten Alive )
mit Neville Brand, Mel Ferrer, Carolyn Jones, Marilyn Burns, William Finley, Stuart Whitman, Roberta Collins, Kyle Richards, Robert Englund, Crystin Sinclaire, Janus Blythe, Betty Cole
Regie: Tobe Hooper
Drehbuch: Alvin L. Fast / Mardi Rustam
Kamera: Robert Caramico
Musik: Wayne Bell / Tobe Hooper
Ungeprüft
USA / 1976

Tief in den Sümpfen von Bayou liegt das heruntergekommene "Starlight Motel", das von dem kauzigen Besitzer Judd am Leben erhalten wird. Nur selten verirrt sich ein Gast hierher. Und was niemand weiss, ist, dass Judds geliebtes Haustier ein ziemlich gefräßiges Krokodil ist, das neben der Absteige lauert und regelmäßig Nahrung in Form von Motelgästen bekommt. Doch als Judd eine lokale Prostituierte ermordet, macht er einen gewaltigen Fehler. Ihr Vater begibt sich auf die Suche nach ihr und kommt schließlich auch zu Judds Motel. Geschickt verweist Judd ihn an das lokale Bordell. Inzwischen schaltet sich auch Sheriff Martin in die Ermittlungen ein. Das Motel bekommt allerdings neue Gäste, die nicht im Traum mit dem Horror und Schrecken rechnen, der ihnen dort begegnen soll...


Nun gut, Tobe Hoopers Werk überzeugt nicht gerade durch eine sehr ausgefeilte Story, handelt es sich hier doch viel eher um eine recht ausgedünnte Rahmenhandlung, dafür kann "Eaten Alive" allerdings in vielen anderen Punkten vollends überzeugen. Herausragend ist dabei mit Sicherheit die extrem dichte Atmosphäre, die durch die düsteren Schauplätze besonders gut zur Geltung kommt. Allein schon beim Anblick des heruntergekommenen Motels mitten in den Sümpfen überzieht einen eine dezente Gänsehaut, der man sich auf gar keinen Fall erwehren kann. Die Tatsache, das sich eigentlich die gesamte Geschichte in der Nacht abspielt, unterstützt die von Haus aus schon sehr bedrohliche Grundstimmung noch zusätzlich und sorgt so für eine ganze Menge Nervenkitzel, an dem der Zuschauer ganzzeitig seine Freude haben dürfte. Das siffige und sehr dreckige Ambiente passt absolut hervorragend in das Szenario hinein, in dessen Focus der skurrile Charakter des Motelbesitzers Judd steht, der eigentlich ohne wirklich ersichtliche Gründe zu einer wahren Furie mutiert und wahllos Menschen tötet, die in seiner Absteige übernachten wollen. Als "Haustier" hält sich der gute Mann dann auch noch ein riesiges Krokodil, das gleich im See neben dem Motel sein Dasein fristet und während des Filmes eine Menge Menschenfleich als Futter serviert bekommt.

Auch wenn Hooper hier eigentlich gar nicht einmal eine klare Erzählstruktur erkennen lässt und die Geschehnisse teilweise aus heiterem Himmel passieren, bekommt man richtig gute Horrorkost geliefert, die in einigen Passagen sogar eine leicht trashige Note erkennen lässt. gerade dieser Aspekt macht den Film dann auch äusserst liebenswert und offenbart einen Charme, dem man im Prinzip nur erliegen kann. Die ziemlich oft angestellten Vergleiche zu Hoopers "Blutgericht in Texas" sollte man allerdings nicht vornehmen, auch wenn diese sich hauptsächlich auf die vorhandene Qualität der beiden Filme bezieht, ist die jeweils vorhandene Thematik doch viel zu unterschiedlich, als das direkte Vergleiche überhaupt eine Berechtigung hätten. Bei "Eaten Alive" handelt es sich um einen wirklich äusserst atmosphärischen Horrorfilm, der gehörige Anteile des Tier-Horrors beinhaltet, aber keinesfalls eindeutig diesem Sub-Genre zuzuordnen ist. Zwar gibt es hier auch einen tierischen Killer, doch im Zentrum des Ganzen steht doch eigentlich der offensichtlich durchgeknallte Judd, der übrigens von Neville Brand ganz ausgezeichnet dargestellt wird. In einer Nebenrolle kann man auch Robert Englund (Freddy Krueger) bewundern, der einen mehr als unsymphatischen Charakter darstellt.

Ganz generell sollte man hier im Bezug auf das dargebrachte Schauspiel keinerlei Wunderdinge erwarten, denn in einem Film dieser Art ist es doch eher selten, das oscarreife Darstellungen an den Tag gelegt werden. Die Leistungen passen jedoch nahezu perfekt in das streckenweise skurrile Szenario, das an diversen Stellen wirklich für so manchen Schmunzler sorgen kann. Nun ist es aber keineswegs so, das die Story in Richtung einer Komödie abdriften würde, denn die Ernsthaftigkeit der Ereignisse wird zu keiner Zeit aus den Augen verloren, es entsteht phasenweise lediglich eine sehr amüsante Situationskomik, die das Ganze absolut perfekt ergänzt und den guten Gesamteindruck noch einmal etwas aufwertet. Vom Härtegrad sollte man jetzt keine Wunderdinge erwarten, der Film offenbart zwar einige durchaus sehenswerte-und auch etwas blutigere Passagen, jedoch wird der handelsübliche Rahmen niemals gesprengt und gerade aus heutiger Sicht ist die sehr hohe Alterseinstufung doch eher befremdlich, als das sie angemessen erscheinen würde.

Alles zusammengenommen hat Tobe Hooper mit "Eaten Alive" einen absolut sehenswerten Genrevertreter geschaffen, der insbesondere in atmosphärischer Hinsicht vollkommen überzeugen kann. Ein düsterer-und äusserst dreckiger Look verpasst dem Betrachter genau das richtige Feeling und überzieht ihn dabei ganzzeitig mit einem leichten schweissfilm, den man beim besten Willen nicht verhindrn kann. Ein solider Spannungsbogen, ein angemessener Härtegrad und Darsteller, die ihre gespielten Charaktere gut rüberbringen, sorgen insgesamt gesehen für ein äusserst charmantes Filmerlebnis, das man sich auch nach etlichen Jahren immer wieder gut anschauen kann, ohne das der Film etwas von seinem reiz verliert.


Fazit:


"Eaten Alive - Die Nacht der Bestie" ist mit Sicherheit kein filmisches Meisterwerk und zählt auch nicht zu den großen Klassikern des Genres. Jedoch bietet der Film auch nach nunmehr weit über drei Jahrzehnten immer noch erstklassige Unterhaltung, an der jeder Horror-Fan seine Freude haben dürfte.


8/10

Donnerstag, 7. Juli 2011

Bloodrayne: The Third Reich








Bloodrayne: The Third Reich
(Bloodrayne: The Third Reich)
mit Natassia Malthe, Clint Howard, Michael Pare, Brendan Fletcher, Willam Belli, Natalia Guslistaya, Annett Culp, Steffen Mennekes, Nik Goldman, Fabrice Colson, Goran Manic, Petar Bencic
Regie: Uwe Boll
Drehbuch: Michael Nachoff
Kamera: Mathias Neuman
Musik: Jessica de Rooij
FSK Keine Jugendfreigabe
Deutschland / Kanada / USA / 2010

2. Weltkrieg, 1943: An der Ostfront, am Abgrund der Apokalypse, stellen sich die Widerstandskämpfer Nathaniel, Vasyl und Magda gegen die Besatzer. Doch der nie enden wollende Nachschub an Soldaten unter der Leitung des gewissenlosen Kommandanten Brandt sichert die deutsche Stellung und somit auch die Durchfahrt von Transportzügen in die Todeslager, in denen der psychotische Lagerarzt entsetzliche Experimente an den Gefangenen durchführt. Seine größte Vorliebe ist es, Vampire aufzuschneiden. Rayne - halb Mensch, halb Vampir - stellt sich auf die Seite der Widerstandskämpfer und gerät in einen blutigen Kampf mit dem teuflischen Kommandanten Brandt. Zunächst ahnt Rayne nicht, dass Brandt sich mit ihrem Blut infiziert hat und eine Armee der Untoten zum Leben erweckt. Rayne und der Widerstand müssen die Vampirtruppen ausschalten, bevor die Untoten nach Berlin gelangen und Hitler zum unsterblichen Diktator krönen.


Nachdem Uwe Boll zuletzt mit Filmen wie beispielsweise "Rampage" oder auch "Darfur - Der vergessene Krieg" einen ganz klaren Qualitätsanstieg seiner Werke verbuchen konnte, ist nun mit "Bloodrayne: The Third Reich" leider wieder ein dezenter Abfall in alte Zeiten zu erkennen. Dabei bitet doch die Geschichte an sich genügend Potential, denn nachdem in den ersten beiden Teilen der Vampir-Saga das Mittelalter und der Wilde Westen als Schauplatz hergehalten haben, hat Boll das Geschehen dieses Mal in die Zeit des zweiten Weltkrieges verlegt und die hübsche Rayne muss den Kampf gegen die Nazis aufnehmen. Doch trotz der vorhandenen Thematik kann dieser dritte Teil rein inhaltlich nicht so recht überzeugen, die Story wirkt stellenweise doch ziemlich abgehackt und seltsam zusammengestückelt, worunter in erster Linie der Erzählfluß leiden muss. Dieser erweist sich nämlich streckenweise als ziemlich holprig und lässt die Geschichte doch sehr unausgegoren erscheinen. Hier bestätigt sich dann doch wieder, das Uwe Boll nun wirklich kein Genie auf dem Regiestuhl ist, obwohl ja zuletzt ein starker Trend nach oben zu erkennen war.

Dennoch gestaltet sich der dritte Teil recht kurzweilig unterhaltsam, was hauptsächlich darin begründet ist, das im Gegensatz zum fast vollkommen blutleeren zweiten Teil ein gewisser Härtegrad Einzug hält, der Zuschauer bekommt einige durchaus ansehnliche Passagen geboten, die auch teilweise recht blutig gestaltet sind. Zudem beinhaltet das Szenario eine sehr trashige Einlagen, die einem so manchen Schmunzler ins Gesicht zaubern. Der vorhandene Humor ist dabei aber eher von der unfreiwilligen Art, verleiht den Geschehnissen aber fast schon einen komödiantischen Anteil. Dafür sind ein echter und straff gezogener Spannungsbogen oder gute darstellerische Leistungen eher Mangelware, die Akteure agieren zumeist etwas hölzern und ungelenk. Durch die starke Vorhersehbarkeit der Ereignisse will sich auch nie so richtig Spannung aufbauen, denn wenn einmal Ansätze zu erkennen sind, fallen diese auch ziemlich schnell wieder in sich zusammen. Auch die vorherrschende Grundstimmung bietet leider nur streckenweise das, was man sich eventuell erwartet hat, es gibt immer wieder äusserst atmosphärische-und manchmal sogar bedrohliche Momente, doch leider zieht sich das nicht konstant durch den gesamten Film.

Statt einer besseren Ausarbeitung der Story hat Boll dann lieber die männlichen Zuschauer mit einer Lesben-Passage bedient, in der man zwar durchaus erkennen kann wie gut Natassia Malthe gebaut ist, doch hätte man lieber die wichtigeren Dinge etwas mehr beachtet und dem Film dadurch etwas mehr Klasse verliehen. So aber kommt "Bloodrayne: The Third Reich" leider nicht über den Durchschnitt hinaus, obwohl hier auf jeden Fall ein höherer Unterhaltungswert als bei Teil 2 vorhanden ist. Trotzdem ist es nicht gelungen, dem Werk bei einer Netto-Spielzeit von gerade einmal 70 Minuten ein gehobeneres Niveau zu verleihen, zudem beinhaltet das Suenario trotz der extrem kurzen Laufzeit diverse Längen, die man ganz bestimmt hätte vermeiden können.

Im Endeffekt handelt es sich hier um einen typischen Durchschnittsfilm, der mit einigen netten -und etwasblutigeren Einlagen garniert ist, aber rein filmisch nicht gerade viel zu bieten hat. dabei hätte man aufgrund der Nazi-Thematik sicherlich einen richtig guten Film produzieren können, doch hier entsteht vielmehr der Eindruck eines sehr schnell abgedrehten Filmes, bei dem es an einigen Ecken und Enden doch erheblich an Klasse mangelt. Einen nachhaltigen Eindruck wird "Bloodrayne: The Third Reich" ganz bestimmt nicht beim Zuschauer hinterlassen, aber so schlecht wie einige Kritiken es vermuten lassen, ist der Film dann doch nicht. Man sollte nur von Beginn an mit eher niedrigeren Erwartungen an ihn herangehen, dann bekommt man auch streckenweise kurzweilige Unterhaltung geboten, die streckenweise unfreiwillig komisch daherkommt.


Fazit:


Schade Herr Boll, hier wäre weitaus mehr drin gewesen, dennoch gestaltet sich der Film kurzweiliger als der zweite Teil der Vampir-Saga. Storytechnisch sollte man nicht viel erwarten, aber einige blutige Passagen und eine Menge unfreiwilliger Komik sorgen für kurzweilige Unterhaltung, die man sich durchaus mal anschauen kann.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch / Niederländisch
Bild: 1,78:1 (16:9)
Laufzeit: 76 Minuten
Extras: Audiokommentar, Making Of, Interview



6/10

Dienstag, 5. Juli 2011

Zeuge des Wahnsinns









Zeuge des Wahnsinns
(The Comeback)
mit Jack Jones, Pamela Stephenson, David Doyle, Bill Owen, Sheila Keith, Holly Palance, Peter Turner, Richard Johnson, Patrick Brock, June Chadwick, Penny Irving, Jeff Silk
Regie: Pete Walker
Drehbuch: Murray Smith / Michael Sloan
Kamera: Peter Jessop
Musik: Stanley Myers
Ungeprüft
Großbritannien / 1978

Der Schlagersänger Nick Cooper hat nach erfolglosen und harten Jahren in Amerika sowohl vom Showbusiness, als auch von seiner ewig nörgelnden Frau, die Nase voll. In seiner Heimat England hofft der enttäuschte Sänger sein Seelenheil zu finden und ein Comeback zu starten. Er nistet sich in einem alten Landhaus ein, doch statt Erholung erwartet ihn in seiner neuen Unterkunft nur Angst und Schrecken. Jede Nacht hört er komische Geräusche und weiss nicht, ob er den Verstand verliert


Obwohl dieser britische Horrorfilm eher durchwachsene Kritiken erhält, hat er mir persönlich richtig gut gefallen. Eigentlich bin ich ohne große Erwarteungen an das Werk von Pete Walker herangegangen und war so umso überraschter, als die geschichte doch mit gehörig Tempo und auch einer ziemlich blutigen Passage beginnt. Nun wird zwar das hohe Anfangstempo nicht konstant weitergeführt und das Geschehen wird eher etwas ruhiger und bedächtiger erzählt, doch entsteht gerade dadurch meiner Meinung nach eine hohe Intensität der Ereignisse und der aufkommende Horror kriecht dem Zuschauer auf subtile Art und Weise unter die Haut. Am stärksten ausgeprägt ist die herrlich gruselige Grundstimmung, die sich im Minutentakt immer mehr verdichtet und so für ein ziemlich angespanntes Sehverhalten sorgt. Man saugt die von Beginn an sehr mysteriöse Atmosphäre wie ein Schwamm in sich auf und genießt dabei das geheimnisvolle Szenario, das mit etlichen kleineren Schockmomenten garniert wurde, die nahezu perfekt in das Gesamtbild hineinpassen.

"Zeuge des Wahnsinns" hat es dabei überhaupt nicht nötig, durch unnötige explizite Gewaltdarstellungen aufzufallen, die wenigen etwas härteren Passagen sind vollkommen ausreichend und angemessen, vielmehr hat Regisseur Pete Walker sorgsam darauf geachtet, die einzelnen Charaktere äusserst geheimnisvoll nachzuzeichnen, denn kommt doch im Prinzip eigentlich jede der Figuren als Täter in Frage, was die vorhandene Spannung noch einmal zusätzlich anhebt. Bis kurz vor dem Ende kann man sich nämlich keinesfalls sicher sein, wer die mysteriösen Morde begeht denn etliche falsche Fährten führen den Zuschauer immer wieder in die Irre, bis man letztendlich wenige Minuten vor dem Ende die wahre Identität offenbart bekommt. Bis dahin jedoch gibt es immer wieder mehr oder minder offensichtliche Aspekte, die auf eine bestimmte Person abzielen und der Zuschauer stellt immer wieder seine eigenen Vermutungen über die Zusammenhänge an. Die den Morden zugrunde liegenden Motive werden letztendlich zwar ziemlich aus dem Hut gezaubert, ergeben allerdings durchaus einen logischen Sinn, auch wenn die Auflösung des Ganzen vielleicht etwas ausführlicher hätte ausfallen können.

Im darstellerischen Bereich wird man mit sehr soliden Leistungen bedient, es spielt sich zwar niemand besonders in den Vordergrund, jedoch gibt es auch keinerlei Rausreisser nach unten zu beobachten. Vor allem David Doyle (der Bosley aus der TV Serie "3 Engel für Charlie") legt in der Rolle des exzentrischen Musik-Managers eine überaus gue Performance ab, doch auch die restlichen Akteure wissen durch überzeugendes Schauspiel zu gefallen. So kann man insgesamt von einem wirklich überdurchschnittlich guten Horror-Thriller sprechen, auch wenn viele Leute das anders sehen mögen. Ich persönlich mag einfach diese älteren Filme, die in erster Linie durch eine erstklassig dichte Atmosphäre und subtil aufkommenden Horror für ein tolles-und sehr spannendes Filmvergnügen garantieren, das man in diesem Fall jedenfalls geboten bekommt. Es ist doch einfach herrlich mitanzusehen, wenn nicht lediglich 1-2 Personen als Mörder in Frage kommen, sondern wirklich jeder Charakter mit einer äusserst geheimnisvollen-und undurchschaubaren Aura umgeben wird, das man sich seiner eigenen Vermutungen zu keiner Zeit wirklich sicher sein kann.

Pete Walker hat mit "Zeuge des Wahnsinns" ganz bestimmt kein Meisterwerk des Genres geschaffen und der Film hat auch keineswegs etwas revolutionäres an sich, jedoch handelt es sich in meinen Augen um einen erstklassigen Horror-Thriller, der durch den Einfluss etlicher Gruselmomente eine kurzweilige Mischung ergibt, die vor allem in den ersten Minuten sogar dezente Ähnlichkeiten zum italienischen Giallo aufweist. Manch einem wäre sicherlich eine temporeichere Erzählweise lieber gewesen, doch gerade durch die Bedächtigkeit in seiner Erzählstruktur weist der Film eine enorme Spannung und Intensität vor, der man sich beim besten Willen nicht verweigern kann. Und auch wenn ich mit meiner Einschätzung eventuell so ziemlich allein dastehe, kann ich diese britische Produktion nur wärmstens empfehlen, die bis in die letzten Einstellungen hinei spannende-und sehr atmosphärische Horror-Unterhaltung anbietet, die man sich auch nach über drei Jahrzehnten immer noch sehr gut anschauen kann.


Fazit:


Empfindungen und Meinungen gehen nun einmal stark auseinander, aber trotz vieler gegenteiliger Stimmen hat mich "Zeuge des Wahnsinns" bestens unterhalten und mir einen äusserst spannenden Sehgenuss geboten. Subtil aufsteigender Horror, viele gut placierte Schockmomente und ein mysteriöses Ratespiel, das erst kurz vor dem Ende seine endgültige Auflösung erfährt ergeben ein überzeugendes Gesamtpaket, das man ohne Gewissensbisse weiterempfehlen kann.


8/10