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Donnerstag, 8. März 2012

All Beauty Must Die








All Beauty Must Die
(All Good Things)
mit Ryan Gosling, Kirsten Dunst, Frank Langella, Lily Rabe, Philip Baker Hall, Michael Esper, Diane Venora, Nick Offerman, Kristen Wiig, Stephen Kunken, John Cullum, Maggie Kiley, Liz Stauber, Marion McCorry, Mia Dillon
Regie: Andrew Jarecki
Drehbuch: Marcus Hinchey / Marc Smerling
Kamera: Michael Seresin
Musik: Rob Simonsen
FSK 16
USA / 2010

David (Ryan Gosling) stammt aus gutem Hause. Sein Vater (Frank Langella) ist ein anerkannter, prominenter Immobilienmogul in New York City. Doch David hat keine allzu grosse Lust in die Fussstapfen seines Vaters zu treten und sich ins Familienbusiness einzufügen. Er verliebt sich in Katie (Kirsten Dunst), beide glauben an die grosse Liebe und heiraten gegen den Willen seiner privilegierten Familie. Nach einiger Zeit verhält sich David immer eigenartiger gegenüber seiner Frau, bis diese plötzlich spurlos verschwindet. Eine Serie von auffälligen Todesfällen beginnt und die Schlinge um den flüchtigen Ehemann zieht sich immer enger zu ...


Die hier erzählte Geschichte orientiert sich an wahren Ereignissen und basiert auf dem Leben und der Mordanklage von Robert Durst, dessen Name jedoch für den Film in David Marks umgeändert wurde. Die Hauptrolle wurde mit Hollywoods neuem Shooting-Star Ryan Gosling (Drive, Ides of March) besetzt, der ja ganz augenscheinlich von vielen Leuten als neuer Kult-Schauspieler angesehen wird. Nun kann man über diesen Punkt sicherlich geteilter Meinung sein, doch seine Performance in vorliegendem Film ist ganz einfach großartig. Das bezieht sich jedoch im Prinzip auf den gesamten Film, der von Andrew Jarecki äußerst eindrucksvoll in Szene gesetzt-und mit sehr viel Liebe zum Detail versehen wurde. Das bezieht sich in erster Linie auf die gesamte Ausstattung die dem Zuschauer vor allem das Flair der 70er Jahre nahezu perfekt wiedergibt, in denen sich ein Großteil der Story abspielt. Ganz egal, ob es sich dabei um Autos, Kleider oder Einrichtungsgegenstände handelt, hier entsteht wirklich das Gefühl, das man 40 Jahre in der Zeit zurückversetzt wird.

Nun wird der Film von nicht gerade wenigen Leuten als zäh und langatmig bezeichnet, was ich persönlich beim besten Willen nicht nachvollziehen kann. Beginnend wie ein waschechtes Drama entwickelt sich der Story-Plot doch mit zunehmender Laufzeit zu einem wirklich spannend inszenierten Psycho-Thriller, der in erster Linie von seinen teils großartigen Darstellern getragen wird. Einerseits ist da eben jener Ryan Gosling, der zu Beginn den eher zurückhaltenden jungen Mann darstellt, der ganz offensichtlich eine zentnerschwere Last auf seinen Schultern trägt. Über die Hintergründe bekommt man zwar ausreichende Informationen, kann aber deren Wirkung auf den Haupt-Charakter eher nur erahnen. Auch seine spätere Wandlung zu einem scheinbaren Psychophaten wird von Regisseur Jarecki bewusst schwammig gehalten. Hier liegt eine ganz große Stärke des Filmes, denn es werden dem Betrachter Sichtweisen präsentiert, wie die Dinge höchstwahrscheinlich abgelaufen sind, bei vielen Sachen kann man sich aber nie sicher sein. Das lässt viel Freiraum für eigene Interpretationen, die einem selbst lange nach dem Ende der Geschichte noch im Gehirn rumspuken. Gosling spielt seine Rolle absolut perfekt, wird meiner Meinung nach aber von einer absolut brillanten Kirsten Dunst noch übertroffen.

Normalerweise denkt man bei ihrem Namen sofort an die "Spiderman-Filme", in denen sie allerdings mehr als hübsche Staffage anzusehen war. Umso überraschter kann man über die hier gezeigte Leistung sein, handelt es sich doch wohl um ihre bisher mit Abstand beste Rolle. Die Darstellung der hübschen und lebenslustigen jungen Frau und die Verwandlung in ein nervliches Wrack werden von ihr mit einer unglaublichen Authenzität wiedergegeben. Hier zeigt die gute Kirsten, das sie weitaus mehr als nur hübsch anzusehen ist und kann eine Menge schauspielerisches Talent in die Waagschale werfen, das dem gesamten Film einen ganz eigenen Stempel aufdrückt. Es sind aber längst nicht nur die beiden grandiosen Hauptdarsteller, denn bis in die kleinsten Nebenrollen ist "All Beauty Must Die" herausragend besetzt, wobei die Rollen teilweise mit durchaus bekannten Gesichtern besetzt sind. Neben dem tollen Cast besticht das Werk insbesondere durch einen sehr gekonnten Spannungsaufbau, denn was hier eigentlich eher harmlos und fast schon banal beginnt, lässt im weiteren Verlauf des Geschehens immer bedrohlichere Züge erkennen. Man kann Vieles vermuten, weiß allerdings letztendlich nicht wirklich, ob sich auch alles so zugetragen hat. Gerade am Ende der Geschichte bekommt man noch einmal einen Einblick in die Gedanken von David Marks die eine mögliche-und höchstwahrscheinlich sogar reale Darstellung der Ereignisse in Kurzform anbieten, dennoch wird man im Endeffekt mit einer unglaublichen Ungewissheit aus einer Story entlassen, die von der ersten bis zur letzten Minute eine wahnsinnig starke Faszination auf einen ausgeübt hat.

Jarecki gelingt es nahezu perfekt, mit den Emotionen des Betrachters zu spielen, lässt ihn aber gleichzeitig mit einer inneren Zerrissenheit zurück. Einerseits erweckt er nämlich durchaus ein gewisses Maß an Mitleid für einen Mann, dessen Leben sich durch ein in der Kindheit erlebtes Trauma wohl vollkommen anders gestaltet hat, als wie es normalerweise der Fall gewesen wäre, andererseits möchte man in dieser Person den eiskalten Mörder sehen der vor Gericht gestellt, aber von der Jury freigesprochen wurde. Dieser innere Zwiespalt wird durch die Performance von Gosling noch zusätzlich gefördert, den man in diversen Szenen mitleidig in die Arme schließen möchte, aber dann wiederum in etlichen Passagen zum Teufel schicken möchte. Letztendlich handelt es sich auf jeden Fall um einen äußerst hochklassigen Film, dessen Erzählstruktur einen ganz automatisch in ihren Bann zieht und dessen Wirkung auch noch lange nach dem Ende anhält. Herausragendes Schauspiel, viel Freiraum für eigene Interpretationen und ein absolut fesselndes Szenario sollten mehr als genügend Gründe sein, um sich dieses Filmerlebnis nicht entgehen zu lassen.


Fazit:


Bei dieser Geschichte wird man fast zwangsläufig selbst zum Ermittler und kann am Ende doch nicht mit absoluter Gewissheit sagen, wie sich die ganzen Geschehnisse wirklich ereignet haben. Viele Fragen bleiben offen, aber man bekommt hier eine mögliche Wahrheit serviert, auch wenn einige Zusammenhänge der echten Geschichte wohl immer ein Geheimnis bleiben werden. "All Beauty Must Die" ist jedenfalls einer der beeindruckendsten Filme der letzten Zeit, den sich kein Freund von hochklassiger Filmkost entgehen lassen sollte.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch DTS 5.1, DD 5.1 / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1:1,78 (16:9)
Laufzeit: 97 Minuten
Extras: Deleted Scenes, Die Wahrheit hinter der Fiktion, Die ursprüngliche Geschichte, Blick unter die Oberfläche, Make-up Effekte, Audiokommentare, Originaltrailer


8,5/10

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