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Dienstag, 10. Juli 2012

White Vengeance









White Vengeance
(Hong Men Yan)
mit Shao-feng Feng, Leon Lai, Hanyu Zhang, Anthony Wong Chau-Sang, Yifei Liu, Jordan Chan, Andy On, Quing Xiu, Haifeng Ding, Xiang Dong Xu, Quing Jia, Weng-Ting Sun, Human Zhao
Regie: Daniel Lee
Drehbuch: Daniel Lee
Kamera: Tony Cheung
Musik: Henry Lai
FSK 16
China / 2011

Wir schreiben das Jahr 206 vor Christus. In der ganz China beherrschenden Qin-Dynastie erheben sich Rebellen und stürzen das Land in blutiges Chaos. Deren Anführer Liu Bang und Xiang Yu kämpfen gemeinsam um die Vormachtstellung im Reich. König Huai erkennt deren Kampfgeist und unabdingbaren Siegeswillen. Um den Thron fürchtend versucht er, sie gegeneinander auszuspielen. Einst Brüder im Kampfe werden sie mehr und mehr zu Rivalen. Auch die hübsche Yu Ji scheint plötzlich zwischen ihnen zu stehen. Es kommt zu einer tragischen und unausweichlichen Auseinandersetzung zwischen den machtgierigen Anführern...


Mit "White Vengeance" ist ein weiterer Historien-Kracher aus Asien, wie man sie in den letzten Jahren ja oft genug zu Gesicht bekommen hat. Und wie immer handelt es sich auch hier um einen äußerst interessanten Beitrag, der in erster Linie durch seine Bildgewalt zu überzeugen weiß. Schauplatz ist dieses Mal das chinesische Reich und Regisseur Daniel Lee versucht dem Zuschauer einen eindringlichen Einblick in die Geschehnisse zu präsentieren, der gut 200 Jahre vor unserer Zeitrechnung angesiedelt ist. Intrigen und politische Ränkespiele stehen im Vordergrund einer Geschichte die sichtlich bemüht ist, sich möglichst nah an den wirklichen Ereignissen zu orientieren. Die Erzählweise der Story ist im Prinzip äußerst flüssig gestaltet, weist aber an der ein oder anderen Stelle kleinere Längen auf, was sicherlich auch darin begründet ist, das die politischen Intrigen gegenüber den Action-Passagen ganz klar die Oberhand haben. So sieht man sich dann auch teilweise mit sehr dialoglastigen Abschnitten konfrontiert was sicherlich nicht jedermanns Geschmack trifft. Für die Abläufe sind diese Stellen aber zwingend notwendig, damit man auch einen guten Eindruck vom Gesamtbild gewinnen kann.

Hier liegt jedoch ein etwas negativer Kritikpunkt begraben, denn stellenweise kann man in dem Netz aus Intrigen durchaus mal kurzzeitig den Überblick verlieren. Das ständige Einbringen neuer Charaktere erscheint phasenweise schon etwas verwirrend, zumal einige der Figuren auch gern einmal die Seite wechseln und in das feindliche Lager überlaufen. Erst im weiteren Verlauf der Ereignisse kann man so nach und nach die einzelnen Personen wirklich zuordnen und bekommt nun auch einen besseren Überblick über die Gesamt-Zusammenhänge des Ganzen. Gestaltete sich also die Einführungs-Phase in den Film noch etwas mühsam, so kann man im weiteren Verlauf die Geschichte viel intensiver genießen und sich vor allem an den eindrucksvollen Bildern erfreuen, die dem ganzen eine epische Note verleihen. Es offenbart sich ein Szenario das nicht nur opulent ausgestattet ist, sondern auch einen sehr interessanten-und spannenden Einblick in die damaligen Verhältnisse in China gewährt. Ehemals Verbündete werden zu erbitterten Gegnern und der Kampf um die Herrschaft des riesigen Reiches nimmt immer gewaltigere Formen an.

Wer nun allerdings ein Szenario erwartet das ausschließlich von gewaltigen Schlachten geprägt wird, der sollte diese Erwartungen von Beginn an etwas herunterschrauben. Zwar gibt es etliche wirklich sehenswerte Kämpfe zu sehen, doch Daniel Lee ist sorgsam darauf bedacht die politischen Ränkespiele immer wieder aufblitzen zu lassen. So kann man die ganze Zeit über nie sicher sein, ob nicht doch noch eine Überraschung auf den Zuschauer wartet und letztendlich bekommt man auch erst kurz vor dem Ende die ganz große Erleuchtung, die zudem auch noch einige vorher gezeigte Details in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt. Es ist also durchaus ratsam, auch auf die kleinen und im ersten Moment vielleicht banalen Kleinigkeiten zu achten, die im nachhinein eine vollkommen andere Gewichtung erhalten. Das wertet den Film rückwirkend noch zusätzlich auf und ist meiner Meinung nach auch ein untrügliches Zeichen für ein sehr gutes Drehbuch, das wenig Grund zur negativen Kritik bietet.

Insgesamt gesehen ist "White Vengeance" ein wirklich imponierendes Stück Zeitgeschichte, das extrem bildgewaltig und pompös ausgestattet in Szene gesetzt wurde. Manch einer hätte sich eventuell noch mehr Action-Anteile gewünscht, doch die von Daniel Lee gefundene Mischung kann man schon als sehr gelungen bezeichnen. Lediglich die zu Beginn durch die vielen undurchsichtigen Charaktere entstehende Verwirrung ist als kleines Manko auszumachen, das sich jedoch im Laufe der Zeit recht schnell auflöst. Insgesamt präsentiert sich hier ein beeindruckendes Historien-Epos, das insbesondere visuell jederzeit zu überzeugen weiß. Ein erstklassig agierendes Darsteller-Ensemble tut sein Übriges, um den gewonnenen Gesamteindruck noch einmal aufzuwerten, denn das dargebotene Schauspiel ist definitiv im oberen Drittel anzusiedeln. Nicht nur Freunde des asiatischen Filmes dürften hier voll auf ihre Kosten kommen, denn dieser hochwertige Einblick in die chinesische Geschichte bietet beste Unterhaltung für jedermann.


Fazit:


Eine erstklassige Ausstattung, tolle Darsteller und vor allem seine beeindruckenden Bilder verleihen diesem Historien-Epos seine ungeheure Kraft. "White Vengeance" ist definitiv ein Film dem man seine ungeteilte Aufmerksamkeit schenken sollte, da gerade zu Beginn die etlichen Charaktere eher schwerlich zuzuordnen sind. Hat man jedoch erst einmal den Durchblick, dann wird man mit einem wunderbaren Filmerlebnis belohnt, das auch einen nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis des Betrachters hinterlässt.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Mandarin DD 5.1
Untertitel: Deutsch / Niederländisch
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 138 Minuten


8/10

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