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Donnerstag, 23. August 2012

Sisters' Hood









Sisters' Hood - Die Mädchengang
(Sket)
mit Ashley Walters, Lily Loveless, Riann Steele, Aimee Kelly, Emma Hartley-Miller, Adelayo Adedayo, Varade Sethu, Richie Xampbell, Kate Foster-Barnes, Michael Maris, Ashley Chin, Leon Ajikawo
Regie: Nirpal Bhogal
Drehbuch: Nirpal Bhogal
Kamera: Felix Wiedermann
Musik: Chad Hobson
FSK 16
Großbritannien / 2011

Kaylas ältere Schwester wird in den Sub-Urbs von London von Schlägern fast tot geprügelt. Nun hat sie niemanden mehr und ist ganz allein. Einsam und auf Rache sinnend schließt sie sich der knallharten Mädchengang der männerhassenden Danielle an. Mit ihnen plant sie einen Rachefeldzug gegen die Täter...


Das Cover der deutschen DVD verspricht einen Film, der bis an die Grenzen geht und dabei knallhart und kompromisslos daherkommt. Und tatsächlich, das Langfilm-Debüt von Nirpal Bhogal kann durchaus halten, was dem Zuschauer versprochen wird. Wer nun aber einen reinen Ghetto-Film mit weiblichen Schlägern erwartet sieht sich schnell getäuscht, denn "Sisters' Hood" bietet weitaus mehr, als man im Vorfeld erahnen kann. Zumeist sind es ja gerade diese Filme an die man mit nicht allzu hohen Erwartungen herangeht, die sich dann aber letztendlich als absolut positive Überraschung herausstellen. So verhält es sich auch bei vorliegender Geschichte, die einem in typisch britischem Stil schon einmal Schauplätze anbietet, die trostlos und voller Tristesse erscheinen. Im Mittelpunkt steht dabei die blutjunge Kayla, von der es auch eine tiefergehende Charakter-Beleuchtung gibt, die einem die Figur des Mädchens sehr nahe bringt. Niemals würde man auf die Idee kommen, das die bildhübsche Teenagerin in düsteren Rachegedanken abtaucht, doch der Mord an ihrer älteren Schwester schreit förmlich nach Vergeltung und Kayla ist definitiv nicht von diesem Gedanken abzubringen.

Obwohl diese Thematik sich wie ein roter Faden durch die gesamte Geschichte zieht, handelt es sich keinesfalls um einen reinen Rache-Thriller, vielmehr ist es Nirpal Bhogal ganz fantastisch gelungen, eine außergewöhnlich gute-und intensive Mixtur aus Sozial-Drama, Millieu-Studie und Gangfilm auf den Weg zu bringen, der phasenweise wirklich harten Stoff bietet. Insbesondere die Passagen in denen sich die Mädchengang zu explizit dargestellter Gewalt hinreißen lässt, sorgen beim Zuschauer für einen sehr nachhaltigen Eindruck. Dabei ist es vollkommen egal wo es zu den körperlichen Auseinandersetzungen kommt, die rohe und harte Umsetzung der Szenen geht unter die Haut und und ist dabei erschreckend realistisch. Phasenweise entsteht dabei sogar eine sehr schockierende Wirkung, eskaliert die Gewalt doch zumeist ohne jegliche Vorwarnung, so das man sich selbst nicht dazu in der Lage fühlt, auf irgendeine Art und Weise zu reagieren. Stattdessen muss man die Brutalität erst einmal sacken lassen, mit der die Mädchen allerdings nur gegen das männliche Geschlecht vorgehen. Während der Story erfährt man auch die Hintergründe dafür und kann aus einer gewissen Sichtweise heraus sogar so etwas wie Verständnis für die Mädels aufbringen. Natürlich gelten dabei deren Schicksale keineswegs als Entschuldigung, machen das Verhalten aber ein wenig verständlicher.

Das "Sisters' Hood" nicht ausschließlich auf brutale Schlägereien ausgelegt ist, macht das Werk nur noch symphatischer. Man bekommt einen ziemlich tiefen Einblick in das trostlose Leben einiger Teenager die ganz einfach den Kampf aufgenommen haben, um in einer von Männern dominierten Welt zu überleben. Dies ist bei dem sozialen Umfeld der Gang auch sicher notwendig, geht es doch in ihrer Umgebung sehr rau zur Sache, was im Laufe der Zeit auch immer wieder thematisiert wird. Mit einer Laufzeit von gerade einmal 76 Minuten ist der Film relativ kurz geraten, doch hat man damit auch etwaigen Längen vorgebeugt und für ein äußerst kurzweiliges Film-Vergnügen gesorgt. Trotz dieser kurzen Laufzeit gelingt es aber fast spielend, das die Geschehnisse viel Intensität erzeugen und den Zuschauer nicht unberührt lassen. Dabei geht es zudem immer spannend zur Sache und die Story zieht einen allein schon wegen ihrer trostlosen Grundstimmung wie magisch in ihren Bann, der realitätsnahe Eindruck der Ereignisse tut sein Übriges, um einen vor dem heimischen Bildschirm zu fesseln.

Letztendlich sind es auch die erstklassigen Leistungen der diversen Jung-Darsteller, die zum überdurchschnittlich guten Werk beitragen, sind sie doch ein ganz wichtiger Bestandteil des Ganzen. So kann man dann auch ohne Übertreibung feststellen, das es sich hier um ein rundum gelungenes Langfilm-Debüt eines Regisseurs handelt, der hoffentlich noch weitere Filme dieser Qualität entstehen lässt. Wie fast immer haben die Briten einmal mehr ein bewegendes-und hartes Stück Film auf den Weg gebracht, das man sich unter keinen Umständen durch die Lappen gehen lassen sollte, denn die hier gefundene Mischung aus mehreren Genres kann sich jederzeit sehen lassen.


Fazit:


Britische Produktionen wissen im Prinzip in jedem Genre zu überzeugen und auch "Sisters' Hood" macht da keine Ausnahme. Roh, rau und stellenweise sehr brutal wird hier unverschönt eine Geschichte erzählt, die authentisch erscheint und einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Freunde des britischen Filmes sollten unbedingt zugreifen, ansonsten entgeht ihnen eine ganze Menge Qualität.


Die DVD:

Vertrieb: Sunfilm
Sprache / Ton: Deutsch DTS 5.1, Deutsch DD 5.1 / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 77 Minuten
Extras: Trailer


8/10

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