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Mittwoch, 12. September 2012

Der Mönch









Der Mönch
(Le Moine)
mit Vincent Cassel, Deborah Francois, Josephine Japy, Sergi Lopez, Catherine Mouchet, Jordi Dauder, Geraldine Chaplin, Roxane Duran, Frederic Noaille, Javivi, Martine Vandeville, Ernst Umbauer,
Regie: Dominik Moll
Drehbuch: Matthew Lewis (Roman) / Dominik Moll
Kamera: Patrick Blossier
Musik: Alberto Iglesias
FSK 16
Frankreich / Spanien / 2011

Als kleines Baby wird Ambrosio vor den Pforten eines spanischen Klosters ausgesetzt. Die Kapuzinermönche nehmen sich des Jungen an und erziehen ihn zu einem gottesfürchtigen Prediger, der die Menschen mit seinen hypnotischen Worten in seinen Bann schlägt. Für Ambrosio besteht kein Zweifel, dass sein Glaube über jede Versuchung erhaben ist. Doch seine Überzeugung wird schon bald auf eine schwere Probe gestellt: Mit der Ankunft eines mysteriösen Novizen nehmen unerklärliche Dinge ihren Lauf. Und Ambrosio bekommt bald zu spüren, wie unfassbar süß die Sünde schmecken kann. Wahnsinn und Raserei halten Einzug im Kloster und der Mönch steckt mittendrin...


Mit "Der Mönch" hat Dominik Moll einen wirklich erstklassigen Okkult-Thriller kreiert, der auf der literarischen Vorlage des britischen Schriftstellers Matthew Lewis aus dem Jahre 1796 basiert. Dabei handelt es sich um eine faszinierende Geschichte in der unerschütterlicher Glaube, Sünde und die oft zitierte Scheinheiligkeit der katholischen Kirche im Vordergrund stehen. Ziemlich schnell kristallisiert sich so auch eine Handlung voller Gegensätze heraus, was dem Ganzen schon von Haus aus eine äußerst interessante Note verleiht. Dabei beginnt der Film mit 3 verschiedenen Erzählsträngen, die am Anfang noch keinen richtigen Zusammenhang erkennen lassen, im Endeffekt jedoch perfekt zusammen laufen und ein nahezu perfektes Gesamtbild ergeben. Ganz generell ist es spätestens nach dem ersten Drittel des Filmes nicht sonderlich schwer zu erkennen, auf was die ganzen Ereignisse letztendlich hinaus laufen, doch sollte dies keinesfalls als negativer Gesichtspunkt betrachtet werden. Moll hat seine Erzählung nämlich jederzeit äußerst spannend in Szene gesetzt und setzt zudem auf sehr kräftige Bilder, deren Faszination immer stärker auf den Zuschauer überspringt. Insbesondere die dabei entstehenden Kontraste hinterlassen einen nachhaltigen Eindruck, denn ist das karge Leben der Mönche im Kloster herrlich düster dargestellt, so präsentiert sich das Leben außerhalb der Mauern doch richtig bunt-und farbenprächtig. Dadurch erhält das Szenario auch einen sehr authentischen Anstrich, so das man sich selbst äußerst gut mit der damaligen Zeit und den gegebenen Lebensumständen anfreunden kann.

Im Mittelpunkt steht aber ganz eindeutig der Mönch Ambrosio, der von einem überragenden Vincent Cassel dargestellt wird. In dieser Rolle bemerkt man einmal mehr die Vielschichtigkeit des französischen Schauspielers, der ohne übertriebene Mimik-und Gestik eine absolut perfekte Performance abliefert. Die asketischen Gesichtszüge des Franzosen heben die Glaubwürdigkeit des von ihm dargestellten Charakters noch einmal zusätzlich hervor und man kann förmlich spüren, wie Cassel sich mit der Rolle identifiziert. In jeder einzelnen Einstellung zeigt sich dabei, das er hier streckenweise sogar über die eigenen Grenzen gehen musste, denn anders ist sein inbrünstiges Schauspiel schwerlich zu erklären. Für die Abläufe der Story ist diese schauspielerische Hingabe jedoch auch unbedingt notwendig, denn nur so können die charakterlichen Veränderungen des Mönches ihre volle Intensität entfalten und den Betrachter in ihren Bann ziehen. Es ist absolut faszinierend Cassel dabei zu beobachten, wie aus einem tugendhaften und streng gläubigen Mann eine Person wird, die immer mehr den Sünden des Fleisches verfällt und dabei schon fast die Züge eines Besessenen erkennen lässt. Denn nicht selten überkommt einen das Gefühl, das der Mönch von einem Dämon ergriffen wurde, der für die Wesensänderung verantwortlich zeichnet.

Absolut herausragend ist der Aspekt, das Dominik Moll seinem Werk sehr viel Spielraum für eigene Interpretationen eingeräumt hat. Streckenweise kann man sich nämlich gar nicht so sicher sein ob die ganzen Ereignisse wirklich passieren, oder ob sich das Ganze lediglich in der Fantasie des Haupt-Protagonisten abspielt. Hatte dieser doch durch einen Insekten-Biss eine Nahtod-Erfahrung und ist dabei fast ums Leben gekommen. Spätestens an dieser Stelle ziehen dann auch die mysteriösen Momente in die Geschichte ein, deren Grundstimmung sich auf einmal immer mehr verdichtet und sogar dezente Grusel-und Horror Elemente erkennen lässt. Diese gehen ganz eindeutig von der Figur des Mönches aus der immer wieder von Visionen heimgesucht wird, die dem ganzen etwas sehr geheimnisvolles verleiht. Es entstehen etliche Gänsehaut-Momente und ohne es richtig zu merken, taucht man selbst immer tiefer in die Geschehnisse ein. Man wird in einen fast schon diabolischen Strudel hinein gerissen und die okkulte Seite des Filmes kommt immer stärker zum tragen. Das Geschehen wird immer symbollastiger und die religiöse Thematik kommt immer stärker zur Geltung. Nun sollte man jedoch auf keinen Fall einen waschechten Horror-Thriller erwarten, vielmehr kommt der Grusel-Faktor sehr unterschwellig zur Geltung und kriecht einem mit der Zeit immer tiefer unter die Haut.

Das alles geschieht eigentlich nicht unbedingt temporeich, denn Moll setzt hier viel eher auf eine äußerst ruhige-und bedächtige Erzählweise. Doch nur so kann der Film auch seine volle Intensität entfalten und die gewünschte Wirkung auf den Zuschauer ausüben. Meiner Meinung nach enthält das Szenario auch keinerlei Längen, denn selbst die im ersten Moment vielleicht etwas zähflüssig erscheinenden Passagen sind immens wichtig für das Gesamtbild, das man im Endeffekt eigentlich nur als sehr gut bezeichnen kann. Dennoch bin ich mir ziemlich sicher, das dieser Film die Meinungen extrem spalten könnte, denn Freunde temporeicher Erzählungen werden hier keinesfalls auf ihre Kosten kommen. Wer jedoch einen faszinierenden Okkult-Thriller mit einem grandiosen Vincent Cassel zu schätzen weiß, der müsste regelrecht begeistert sein. Insbesondere das letzte Drittel der Geschichte ist dann als absolutes Highlight zu verbuchen, hier erfährt die Bildgewalt der Ereignisse noch einmal eine ganz andere Dimension und konfrontiert einen mit einer Wucht, die man kaum in Worte fassen kann. Das Ende des Filmes ist zwar keine wirkliche Überraschung mehr da man doch frühzeitig erkennen kann, auf was die Ereignisse letztendlich abzielen. Dennoch ist alles sehr stimmig und entlässt einen mit einem sehr befriedigendem Gefühl aus einer Geschichte, die sehr nachhaltig im Gedächtnis verankert ist.


Fazit:


Nicht unbedingt temporeich, sondern vielmehr ruhig und bedächtig erzählt "Der Mönch" eine Geschichte, die jederzeit faszinierend und spannend daher kommt. Ein überragender Hauptdarsteller und extrem kraftvolle Bilder versetzen einen glaubhaft in das Spanien des frühen 18. Jahrhunderts. Dabei wird man mit einer Thematik konfrontiert, die für etliche gruselige Momente sorgt und einen von der ersten bis zur letzten Minute in ihren Bann zieht. Man kann sich den Ereignissen auf keinen Fall entziehen und wird mit einem Film-Erlebnis belohnt, das man nicht so schnell vergessen wird.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutasch / Französisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,35:1 (16:9)
laufzeit: 96 Minuten
Extras: Trailer, Originaltrailer, Trailershow, Making Of


8,5/10

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