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Sonntag, 2. September 2012

Straw Dogs - Wer Gewalt sät (2011)









Straw Dogs - Wer Gewalt sät
(Straw Dogs)
mit James Marsden, Kate Bosworth, Alexander Skarsgard, James Woods, Dominic Purcell, Rhys Coiro, Billy Lush, Laz Alonso, Willa Holland, Walton Goggins, Anson Mount, Drew Powell, Kristen Shaw
Regie: Rod Lurie
Drehbuch: Rod Lurie / David Zelag Goodman
Kamera: Alik Sakharov
Musik: Larry Groupe
FSK 16
USA / 2011

David Sumner und seine Frau Amy zwei weltgewandte Städter, ziehen nach dem Tod von Amys Vater in ihre alte Heimatstadt, dem idyllisch gelegenen Blackwater, im tiefen Süden Mississippis. Jeder weiß hier viel über den anderen. Und der wöchentliche Höhepunkt in dem Städtchen ist das Footballspiel am Freitagabend. Aber die Idylle trügt. Während Amys Ex-Freund Charlie und seine Football-Mannschaft der attraktiven Amy nachstellen, laden Sie den arglosen David zu einer Jagdpartie ein, die nach und nach in einer Gewaltspirale mündet. Als dann noch die Tochter des ehemaligen Football Coaches Tom Heddon vermisst wird, gerät die Situation völlig außer Kontrolle und endet in einer extrem gewaltsamen Konfrontation.


Film-Klassiker früherer Jahrzehnte neu aufleben zu lassen, ist ja mittlerweile längst ein normaler Umstand geworden und nun hat es auch das Meisterwerk von Sam Peckinpah (Getaway) erwischt. Und um es gleich vorweg zu nehmen, hier handelt es sich um ein durchaus gutes Remake des Klassikers aus dem Jahre 1971, das aber dennoch nicht annähernd an dessen Klasse herankommt. Bis auf einige kleinere Änderungen hat Regisseur David Lurie auf eine 1:1 Kopie der Originalgeschichte gesetzt, was einerseits vor allem für den Zuschauer erhebliche Vorteile beinhaltet, im Gegenzug aber auch gleichzeitig die Schwächen der Neuauflage gnadenlos aufzeigt. Geändert wurden lediglich die Schauplätze und diverse kleine Handlungs-Sequenzen, ansonsten kann man als Betrachter einen hervorragenden Vergleich zwischen den beiden Versionen anstellen und insbesondere die Wirkung des Geschehens auf einen selbst äußerst gut beurteilen. Und genau an dieser Stelle lassen sich erhebliche Qualitäts-Unterschiede feststellen, denn das vorliegende Werk kann nicht einmal ansatzweise die beklemmende Wirkung des Originals erzeugen, obwohl man sich wirklich die größte Mühe gegeben hat, die verstörende Wirkung der Ereignisse in das Jahr 2011 zu transportieren. Dabei lässt sich Lurie auch in seiner Version extrem viel Zeit, einem die jeweiligen Charaktere näher zu bringen und die unterschwellige Aggression des Szenarios zur Geltung kommen zu lassen.

Doch gerade bei den Schauspielern und den von ihnen dargestellten Personen ist das größte Manko des Filmes festzustellen, denn bis auf einen grandios agierenden James Woods ist niemand in der Lage seiner Figur wirkliches Leben einzuhauchen. Vergleicht man nur einmal die Leistung eines James Marsden mit denen eines Dustin Hoffman, so ergeben sich hier doch ganz erhebliche Unterschiede. Marsden ist zwar jederzeit sehr bemüht, eine glaubhafte Interpretation der männlichen Hauptfigur abzuliefern, doch irgenwie will das zu keiner Zeit wirklich gelingen. Streckenweise hat man sogar das Gefühl, das die Rolle wie eine zentnerschwere Last auf seinen Schultern liegt, was zwangsläufig zu einer Art Verkrampfung führt. Und das kann man ganz prinzipiell auf den gesamten Cast zurückführen, denn trotz des sichtlichen Bemühens einer authentischen Darstellung bleiben die einzelnen Charaktere eher blass-und farblos. Würde man das Original nicht kennen, dann würde diese Einschätzung höchstwahrscheinlich anders ausfallen, doch so ergibt sich hier ein ganz wesentliches Defizit, das den Gesamteindruck des Werkes doch ganz erheblich trübt.

Auch die bekannten Abläufe können zu keiner Zeit die Intensität der Original-Vorlage erreichen, hier wirken viele Dinge viel zu glatt und haben keinesfalls den siffigen-und schmierigen Touch des 1971er Werkes. Das bezieht sich aber längst nicht nur auf die Grundstimmung, sondern vor allem auf die Bösewichter der Geschichte. Zwar bekommt man die handelsüblichen Typen präsentiert die man nur zu gern als Hinterwäldler bezeichnet, doch erscheinen diese Männer nicht annähernd so brutal und fies wie im Werk von sam Peckinpah. Besonders Alexander Skarsgard in der Rolle des Charlie erscheint schon fast wie eine glatte Fehlbesetzung, sein Auftreten als gutaussehender Muskelprotz passt irgendwie überhaupt nicht in die Geschichte. Auch Dominic Purcell in der nicht unwichtigen Rolle des zurückgebliebenen Jeremy Niles wirkt viel zu glatt und wird zudem schauspielerisch überhaupt nicht gefordert. Und so zieht sich das mit Ausnahme von James Woods durch die gesamte Darsteller-Riege, denn lediglich seine Performance als ewiger Trinker mit hohem Aggressions-Potential ist absolut sehenswert und stellenweise herrlich überzogen.

man sollte mich bitte nicht falsch verstehen, diese Neuauflage ist ein absolut sehenswerter Film. Die negative Kritik meinerseits bezieht sich ausschließlich auf den direkten vergleich mit dem Original, das meiner Meinung nach um zumindest eine Klasse höher anzusiedeln ist. Rod Lurie hat versucht, eine zeitgemäß aufbereitete Neuauflage zu erschaffen, muss sich allerdings durch die 1:1 Kopie auch die Kritik gefallen lassen das er es nicht verstanden hat, die gleiche Intensität der Ereignisse in seine Version zu transportieren, die Peckinpah's Werk so auszeichnet. Hauptsächlich ist dies in der falschen Auswahl der Schauspieler zu begründen, denen man das Bemühen keinesfalls absprechen kann, die aber kaum dazu in der Lage sind, ihren Charakteren Authenzität zu verleihen. Wer das Original nicht kennt wird diesen Film sicherlich höher bewerten und wahrscheinlich sogar von einem richtig guten Thriller sprechen. Ich würde jedoch lieber immer wieder zum Original greifen, das in Sachen Intensität und schleichend aufkommender Gewalt eine Klasse für sich ist.


Fazit:


"Straw Dogs - Wer Gewalt sät" ist eine zeitgemäße und gute Neuauflage eines echten Klassikers, kann jedoch zu keiner Zeit dessen Qualität erreichen. Sehr bemühte, aber letztendlich doch lediglich mittelmäßiges Schauspiel verhindert einen besseren Eindruck und die nicht wirklich zur Geltung kommenden Charaktere tun ihr Übriges, um die qualitativen Unterschiede zwischen Original und Remake mehr als deutlich aufzuzeigen. Am meisten vermisst man jedoch das beklemmende Gefühl, das in der Original-Version die ganze Zeit über vorhanden war und es einem größtenteils sehr schwer gemacht hat, sich die Ereignisse überhaupt anzuschauen.


6,5/10

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