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Samstag, 13. Oktober 2012

Snuff Road









Snuff Road
(Snuff Road)
mit Henning Fischer, Farina Fuchs, Karin Schilling, Nicolai Tegeler
Regie: Richard Stark
Drehbuch: Keine Information
Kamera: Keine Information
Musik: Keine Information
Ungeprüft
Deutschland / 2003

Die Außenseiter Tim und Markus wollen den ultimativen SNUFF-Film drehen. Sie schrecken vor nichts zurück... Und als sie endlich ein passendes Opfer gefunden haben, toben sie ihre kranken Fantasien an ihm aus. Die junge Laura geht durch die Hölle ! Geschlagen, gefoltert, gedemütigt... Es gibt kein Entkommen.


"The last House on the Left" und "I Spit on your Grave" lassen grüßen.


Diese Behauptung weckt schon gewisse Begehrlichkeiten bei den Fans des deutschen Amateur-Films, doch die dadurch geweckten Erwartungen erfüllen sich letztendlich leider nur in zarten Ansätzen. Für mich persönlich ist es kaum nachzuvollziehen, das "Snuff Road" teilweise wirklich gute Kritiken erhält und von manch einem sogar als Meisterwerk der deutschen Amateur-Produktionen abgefeiert wird. Sicherlich hat der Film seine starken Momente, die sich jedoch erst in der zweiten Filmhälfte zu erkennen geben und keinesfalls im Bereich von physischen Gewaltdarstellungen zu suchen sind. Vielmehr zeigen sich die Stärken im Umgang der Protagonisten untereinander, wobei insbesondere die beiden Außenseiter Tim und Markus im Focus des Geschehens stehen und durch die von ihnen geführten Dialoge einen gewissen Härtegrad in die Geschichte einbringen. Bevor es jedoch überhaupt dazu kommt, wird der Zuschauer mit schier endlos erscheinenden 50 Minuten purer Langeweile regelrecht gefoltert und ist oft genug drauf und dran, die DVD schnellstens wieder aus dem Player zu befördern, um sich einen interessanten Filmgenuss zu gönnen. Das Werk von Richard Stark lässt nämlich in der ersten Filmhälfte so ziemlich alles vermissen, das die Geschichte auch nur annähernd sehenswert machen würde.

So muss man sich zwangsläufig mit 3 jungen Männern rumärgern, von denen der eine (Daniel) auch nur durch seine Stimme anwesend ist, da er die ganze Chose mit der Handkamera filmt. Man begleitet die 3 Männer also auf ihrer Suche nach einer geeigneten Hauptdarstellerin, die in einem selbstgemachten Snuff-Movie mitspielen soll. Wie sich diese Suche gestaltet, entbehrt nicht einer gewissen Komik, die phasenweise so dämlich dargestellt wird, das einem vor dem heimischen Bildschirm fast schon die Haare zu Berge stehen. Ganz offen werden diverse junge Frauen auf die Thematik angesprochen, wobei die Reaktionen darauf zur allgemeinen Erheiterung des Betrachters beitragen, der kaum glauben kann, welch naiver Unfug im hier streckenweise vorgeführt wird. An einigen Stellen driftet das Ganze dann auch schon in die absolute Lächerlichkeit ab und zeigt zudem auch keinerlei Substanz auf, die diesen Film eventuell noch irgendwie retten könnte. In diesem Punkt irrt man sich dann aber doch, denn nachdem man nun gut 50 Minuten lang eine recht skurrile Komödie beobachtet hat, schlägt das geschehen danach eine Richtung ein, die man eigentlich schon gar nicht mehr erwartet hat.

Auf einmal verdichtet sich auch die Grundstimmung zusehends und es entwickelt sich wie aus dem Nichts eine Bedrohlichkeit der Ereignisse, die man in dieser Form nicht mehr erwartet hat. Das Opfer Laura steht dabei im Prinzip fast schon im Hintergrund und nimmt zudem auch die allgemein übliche Haltung ein. Als einzige merkt sie von Beginn an, das die ganze Sache kein fake werden wird, obwohl ihr das von dem gänzlich naiv erscheinenden Tim immer wieder erklärt wird. Die Gefahr scheint jedoch von Markus auszugehen, der von seiner ganzen Grundhaltung her suggeriert, das der Dreh dieses Filmes zu keiner Zeit ein Spaß für ihn war. Kaum merklich entwickelt sich ein immer höher ansteigendes Aggressions-Potential und die Spirale der psychischen Gewalt nimmt ungeahnte Höhen an. Nur der naive Tim scheint immer noch der Meinung zu sein, das hier lediglich ein gefakter Snuff-Film gedreht werden soll, doch mit der Zeit muss er feststellen, das die ganze Sache für Markus tödlicher Ernst ist. Und so kommt es dann auch zur totalen Eskalation, aufgestauter Frust und jede Menge Aggressionen suchen sich ihren Weg und entladen sich in einem Finale, das man dann endlich als sehr gelungen ansehen kann. Dabei fällt der finale Showdown jedoch absolut anders aus, als wie man es nach dem bisherigen Verlauf der Ereignisse vermuten würde und so kann Regisseur Richard Strak wenigstens mit dem gewählten Schlusspunkt einen sehenswerten Überraschungsmoment setzen, der für die zuvor vorherrschende Langeweile entschädigen kann.

Im Endeffekt sollte man den Film sicher nicht zu den schlechtesten Filmen aus dem deutschen Amateur-Bereich zählen, denn da gibt es unzählige Werke, die weitaus schlechter unterhalten. Dennoch ist "Snuff Road" längst nicht so gut wie viele Leute ihn machen und von einem Meisterwerk ist der Film mindestens so weit entfernt wie die Erde vom Mond. Die Bemühungen und Ambitionen des Regisseurs sind zwar deutlich zu erkennen, jedoch hat sich der gute mann einen besseren gesamteindruck ganz eindeutig durch die vollkommen überflüssige erste Hälfte seines Filmes versaut. Im Prinzip wäre es nämlich vollkommen ausreichend, wenn man die Ereignisse erst ab Minute 50 beginnt, denn davor wird man lediglich mit unzähligen Peinlichkeiten und absolut sinnlosen Dialogen gequält, die den Kern der Story schon ziemlich der Lächerlichkeit preisgeben.


Fazit:


Wer Low Budget Produktionen zu schätzen weiß kann hier durchaus einen Blick riskieren, denn "Snuff Road" bietet einige Passagen, die absolut sehenswert sind. Den Film in ganzer Länge zu schauen, ist allerdings eine ziemliche Herausforderung, der bestimmt nicht jeder gewachsen ist. Zwei vollkommen unterschiedliche Filmhälften sorgen dafür, das man eigentlich zwei Wertungen vergeben müsste, wobei der Anfangsteil mit einer extrem bescheidenen Punkte-Ausbeute definitiv den Kürzeren ziehen würde.


4/10

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