Follower

Dienstag, 27. November 2012

Phenomena









Phenomena
(Phenomena)
mit Jennifer Connelly, Daria Nicolodi, Dalila Di Lazzaro, Patrick Bauchau, Donald Pleasence, Fiore Argento, Federica Mastroianni, Fiorenza Tessari, Mario Donatone, Francesca Ottaviani, Michele Soavi
Regie: Dario Argento
Drehbuch: Dario Argento
Kamera: Romano Albani
Musik: Simon Boswell / Goblin
Ungeprüft
Italien / 1985

Jennifer Corvino ist die Tochter eines reichen Filmstars. Sie geht auf ein Mädchengymnasium in der Schweiz. Doch dort in der Gegend treibt ein grausamer Killer sein Unwesen. Er lauert jungen Frauen auf und tötet sie hinterlistig und brutal. Jennifer bekommt seltsame Alpträume und beginnt zu Schlafwandeln. Dabei wird sie Zeugin eines Mordes. Sie entdeckt, dass sie außergewöhnliche Fähigkeiten besitzt und Insekten scheinbar mit ihr kommunizieren. Jennifer lernt den Insektenforscher Professor McGregor kennen und freundet sich mit dem alten Mann an. Dieser versucht, dem Killer mit Hilfe von Insekten auf die Spur zu kommen. Doch tatsächlich kommt Jennifer selbst der Gefahr immer näher.


Mit "Phenomena" hat Dario Argento einen Horrorfilm geschaffen, den man wohl ohne zu übertreiben als sehr außergewöhnlich bezeichnen kann. So kann insbesondere bei der Erstsichtung des Werkes ein durchaus zwiegespaltener Eindruck beim Zuschauer entstehen, denn der dargebotene Bilderrausch muss erst einmal richtig eingeordnet werden. Das fällt zunächst gar nicht einmal so leicht, konfrontiert einen der italienische Regisseur doch einerseits mit recht heftigen Splatter-Effekten, um auf der anderen Seite ein Szenario zu präsentieren, das schon märchenhafte-und romantische Züge erkennen lässt. Dies drückt sich ganz besonders in der Bildsprache der Geschichte aus, denn der Wechsel zwischen rasanten-und harten Einstellungen und eher beschaulich-ruhigen Passagen entfaltet eine absolut einzigartige Atmosphäre, die man kaum in Worte fassen kann sondern selbst erlebt haben muss. Nicht umsonst wird "Phenomena" von vielen Leuten als schauerlich-schönes Horror-Märchen beschrieben, denn dieser Eindruck manifestiert sich schon nach einer relativ kurzen Zeitspanne im Kopf des Zuschauers. Die Grundstimmung des Szenarios hinterlässt eine fast schon hypnotische Wirkung und phasenweise werden immer wieder surreale Einflüsse eingestreut, die die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen lassen.

Von Beginn an lässt das Geschehen äußerst mysteriöse-und geheimnisvolle Einflüsse erkennen, die im Verlauf der Story immer stärker zum Vorschein kommen. Dennoch konzentriert man sich gar nicht einmal so sehr auf die Suche nach dem Mörder, sondern erfreut sich vielmehr an den einmal mehr berauschenden Bildern, die einem Argento hier präsentiert. Dabei ist es der faszinierende Kontrast zwischen absoluter Härte und wunderschönen Momenten, der einen absolut in seinen Bann zieht. So werden selbst immer wieder eingestreute Aufnahmen von sich im Wind bewegenden Bäumen zu einem absoluten Erlebnis und sind dabei meiner persönlichen Meinung nach ein nicht unwesentlicher Bestandteil einer absolut herausragenden Gesamt-Komposition. Manch einer mag das eventuell als nichtssagend abtun und diese Einstellungen für vollkommen überflüssig ansehen, doch gerade dieses immer wieder eingestreute Windspiel verleiht dem Ganzen eine sehr bedrohliche Note. In meinen Augen liegt in diesen Szenen sogar etwas Symbolik und man kann es so auslegen, das ein großer Sturm aufzieht, der Zerstörung und den Tod mit sich bringt. Die musikalische Untermalung der Geschichte tut dann ihr Übriges, um diesen Eindruck größtenteils noch zu verstärken, denn einmal mehr ist hier wieder ein fantastischer Score der Band Goblin zu hören, deren Klänge ganz einfach absolut unverwechselbar sind.

Doch vollkommen anders als beispielsweise in "Profondo Rosso" sind hier nicht ausschließlich Instrumental-Klänge zu vernehmen, Argento greift hier phasenweise auf knallharte Heavy-Metal Musik zurück und kombiniert diese mit den Klängen von Goblin. Die dabei entstehende Mischung ist extrem außergewöhnlich und erscheint in einigen Passagen auch durchaus verstörend. Um diesem hervorstechenden Mix dann noch einmal aufzuwerten, braucht man nur an die Beziehung der Hauptfigur Jennifer zu den Insekten zu denken, denn dieser Aspekt des Geschehens verleiht dem Szenario dann sogar etwas Übersinnliches. Insbesondere die Einstellungen, in denen ganze Schwärme von Insekten dem Mädchen in bedrohlichen Situationen zur Hilfe eilen sind nahezu atemberaubend in Szene gesetzt. Aber auch die visions-artigen Träume, die während Jenniffer's Schlafwandelns gezeigt werden, sind teilweise aus der Sicht der possierlichen Tiere dargestellt, was im Zusammenhang mit allen anderen Komponenten einen Gesamteindruck entstehen lässt, den man nur als absolut einzigartig beschreiben kann. Und so sollte man bei diesem Film auch eine ganz eigene Messlatte für eine Bewertung anlegen, denn normale Maßstäbe werden hier vollkommen außer Kraft gesetzt. Eher selten offenbart sich eine Story, die einerseits harte-und kompromisslose Horrorkost anbietet, auf der anderen Seite jedoch märchenhafte-und romantische Züge erkennen lässt. "Phenomena" entführt den Betrachter in eine ganz eigene Welt, in der die Grenzen zwischen realität und Fiktion manchmal nicht mehr zu erkennen sind. Gerade darin liegt aber auch die ganz große Stärke dieses Filmes, der ein wahres Meisterwerk der Ästhetik ist und einen in einen sogartigen Strudel der Ereignisse zieht, aus dem es scheinbar kein Entrinnen gibt.

Auch in darstellerischer Hinsicht wird man hier bestens bedient, wobei vor allem die damals gerade 15-Jährige Jennifer Connelly (Dark Water) durch eine glänzende Performance ins Auge fällt. In diesem Alter schon eine solche Omnipräsenz glaubwürdig darzustellen, zeugt von großem Potential. Selbst ein gut aufspielender Donald Pleasence sowie auch alle anderen Akteure geraten mehr oder weniger in den Hintergrund, wobei die jeweiligen Spielanteile ihrer Rollen auch nicht unbedingt sehr viel Möglichkeit zur Entfaltung bieten. So kann man insgesamt gesehen von einem wirklich fantastischen Genre-Beitrag reden, den Dario Argento hier geschaffen hat. Bei der Erstsichtung höchstwahrscheinlich für jeden etwas gewöhnungsbedürftig und schwer einzuordnen, wird nichtsdestotrotz eine Geschichte erzählt, von der durchgehend eine gewaltige Faszination ausgeht, die sich ganz zwangsläufig auf den Zuschauer überträgt. Schaurig, brutal, aber auch unglaublich schön, das sind wohl die treffendsten Schlagworte, die dieses Meisterwerk am besten beschreiben. Eine unglaubliche Bildgewalt und ein extrem außergewöhnlicher Genre-Mix in Verbindung mit einem herausragenden Score entführen einen in eine ganz eigene Welt, in der die üblichen Normalitäten keinerlei Geltung haben. Phasenweise wird man in einen regelrechten Rausch versetzt, der auch lange nach dem Abspann noch anhält.


Fazit:


Es kann durchaus möglich sein, das "Phenomena" nicht jeden Geschmack trifft, für mich handelt es sich jedoch um eines der besten Werke, das unter der Regie von Dario Argento entstanden ist. Neben erstklassiger Horrorkost offenbart sich dem Betrachter ein wahrer Bilderrausch und einige übernatürliche Momente, was letztendlich für eine brillante Gesamt-Komposition sorgt, die man unbedingt gesehen haben sollte. Bei der kürzlich erschienenen Veröffentlichung von Ascot Elite handelt es sich um die in Deutschland längste und frei käufliche Version, allerdings fehlen dennoch gut 10 Sekunden zur ungeschnittenen Version.


9/10

Keine Kommentare: