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Samstag, 31. März 2012

Das 10. Opfer








Das 10. Opfer
(La Decima vittima)
mit Marcello Mastroianni, Ursula Andress, Elsa Martinelli, Salvo Randone, Massimo Serato, Milo Quesada, Luce Bonifassy, George Wang, Evi Rigano, Walter Williams, Richard Armstrong, Antonio Ciani
Regie: Elio Petri
Drehbuch: Robert Sheckley / Tonino Guerra
Kamera: Gianni Di Venanzo
Musik: Piero Piccioni
FSK 16
Frankreich / Italien / 1965

Brot und Spiele im 21. Jahrhundert: Ein internationales, staatlich sanktioniertes Medien-Großevent namens "Die Große Jagd" dient der Weltbevölkerung inzwischen als Aggressionsventil. Wer es schafft, bei diesem Spiel zehn Duelle zu überleben - jeweils fünf als Opfer und fünf als Jäger - dem winkt am Ende das große Geld. Als Caroline und Marcello, die beiden Topkiller der Saison, schließlich gegeneinander antreten müssen, bekommen sie es plötzlich mit einem Gegner zu tun, den keiner von beiden bisher eingeplant hatte: der Liebe. Doch die Jagd ist eröffnet und die Welt wartet bereits gespannt auf das 10. Opfer...


Die Thematik, das die Tötung anderer Menschen als legales Unterhaltungsmittel für die Bevölkerung dient ist nicht unbedingt neu und wurde in Filmen wie "Das Millionenspiel", "Kopfjagd - Preis der Angst" oder auch "Running Man" des Öfteren eindrucksvoll in Szene gesetzt. Doch schon vor den genannten Titeln gab es vorliegende Produktion, die auf dem Roman "Das siebte Opfer" von Robert Sheckley basiert und das Thema wohl so brillant wie kein weiterer Film bearbeitet. Nun endlich gibt es dieses Juwel der 60er Jahre auch bei uns auf DVD und wer jetzt die Lust auf eine äußerst bemerkenswerte Mischung aus SCI/FI-und Actionfilm verspürt, sollte sich diesen Film keinesfalls entgehen lassen. Während die Thematik in den anderen von mir genannten Filmen eher sehr ernst dargestellt wird, hat Regisseur Elio Petri seiner Version einen hohen komödiantischen Anteil verliehen, so das man die Ereignisse schon fast zwangsläufig mit einem Augenzwinkern hinnimmt. Dabei ist es insbesondere der unverhohlene Sarkasmus und die teilweise schon auf sehr skurrile Art dargestellte Gesellschaftskritik, die dem Szenario seinen ganz eigenen Stempel aufdrückt und die Geschichte auf ihre Art absolut einmalig erscheinen lässt.

So wird dem Zuschauer in unzähligen Einstellungen die hier vorherrschende Selbstverständlichkeit des Tötens vor Augen geführt, kann man doch beispielsweise Gespräche der Hauptdarsteller beobachten, wobei sich im Hintergrund Menschen gegenseitig umbringen, als wenn dies das Selbstverständlichste auf der Welt wäre. Offizielle Ordnungshüter kontrollieren dann lediglich die Richtigkeit der Morde, was dem Ganzen schon eine äußerst abstruse Note verleiht. Alles geschieht im Rahmen des Gesetzes und wer aus Versehen eine falsche Person tötet, wandert automatisch ins Zuchthaus. Die gesamten Ereignisse wirken dabei so extrem grotesk, das man ganz automatisch in einen innerlichen Zwiespalt gerät. Einerseits ist man richtiggehend von der Vorstellung geschockt, das an dieser Stelle eventuell eine makabere Zukunftsversion dargestellt wird, andererseits möchte man am liebsten laut los lachen, denn die Absurdität des Geschehens ist so immens, das man schwerlich an sich halten kann. Noch mehr hervorgehoben wird dieses Gefühl durch immer wieder eingeführte Kontraste, deren Verhältnismäßigkeit zueinander in einer absoluten Schieflage steht. Das beste Beispiel dafür ist eine Szene, in der gerade ein Jäger sein Opfer getötet hat und dafür sogar beglückwünscht wird, um im nächsten Moment von einem Polizisten darüber informiert wird das er eine Strafe zahlen muss, da er sein Auto falsch geparkt hat.

Diese Einstellung allein zeigt ganz eindeutig welch bitterer Sarkasmus den Ereignissen beiwohnt und mit solchen Momenten ist "Das 10. Opfer" von Anfang bis zum Ende nahezu gespickt. Neben dieser herausragenden Stärke dieses außergewöhnlichen Werkes sind es die brillant agierenden Darsteller, die der Geschichte ihren Stempel aufdrücken. Vor allem Marcello Mastroianni und Ursula Andress warten mit einer Performance auf, die man als absolut hervorstechend bezeichnen kann. Doch auch bis in die kleinsten Nebenrollen ist der Film absolut perfekt besetzt, jeder einzelne Akteur verleiht der Geschichte eine skurril anmutende Autenzithät und lässt sämtliche Abläufe jederzeit glaubwürdig erscheinen. Hierbei ist es gerade die Selbstverständlichkeit der Geschehnisse, die zu diesem Eindruck beiträgt, denn obwohl man sich als Betrachter aufgrund des grotesken Humors immer wieder mit der Hand vor den Kopf schlagen will, zweifelt man zu keiner Zeit daran, das der Story eine nötige Ernsthaftigkeit fehlen würde. Dieser innerliche Zwiespalt ist es dann auch, der dem Szenario etwas Grausames verleiht und man hofft inständig, das so eine Zukunft niemals zur Realität wird.

Obwohl eigentlich schon genügend positive Gründe für eine Sichtung dieses Filmes vorliegen, sollten man ganz besonders auf die futuristische Ausstattung achten. In extrem kräftigen Farb-Kompositionen wurde der Geschichte ein stylisch imponierender Look verpasst. Dabei ist es vollkommen egal, ob es sich um die auf Zukunft getrimmten Schauplätze oder auf die Kleidung bezieht, bis in das kleinste Detail wurde hier liebevolle Arbeit geleistet, um dem Zuschauer ein futuristisches Ambiente zu bieten, dessen teils grelle Farben teilweise schon in den Augen schmerzen. Ein dem Geschehen angemessener Score rundet das perfekte Gesamtbild ab, so das man letztendlich nur zu einem überragenden Ergebnis kommen kann. "Das 10. Opfer" ist in meinen Augen ein absolutes Meisterwerk, das visuell und inhaltlich ein Filmerlebnis bietet, das man als wirklich brillant bezeichnen kann. Dank Bildstörung gibt es dieses herausragende Werk nun endlich auch bei uns auf DVD und ich kann eine Anschaffung nur unbedingt empfehlen.


Fazit:


Abstrus, grotesk-und vollgepackt mit unverhohlenem Sarkasmus bietet "Das 10. Opfer" eine skurrile Gesellschaftskritik der ganz besonderen Art. Diese Mixtur aus SCI/FI, Komödie-und Actionfilm bietet unglaublich sehenswerte Unterhaltung, die auch einen sehr nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis des Zuschauers hinterlässt. Möchte man sich phasenweise ausschütten vor lachen, so stimmt das Szenario andererseits mehr als nachdenklich und beinhaltet auch einen bitteren Beigeschmack. Einmal mehr hat das Label Bildstörung sein Gespür für außergewöhnliche Film-Perlen unter Beweis gestellt und einem echten Kultfilm eine würdige Veröffentlichung spendiert.


Die DVD:

Vertrieb: Bildstörung
Sprache / Ton: Deutsch DD 2.0 Stereo, DD 2.0 Mono / Italienisch DD 2.0 Mono
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,85:1 (16:9)
Laufzeit: 88 Minuten
Extras: Marcello: A Sweet Life -- Dokumentarfilm über Marcello Mastroianni von 2006 (98 Min.), Alternative deutsche Opening-Credits (2 Min.), Booklet, exklusive Soundtrack CD


10/10

Donnerstag, 29. März 2012

11-11-11 - Das Tor zur Hölle








11-11-11 - Das Tor zur Hölle
(11.11.11)
mit Timothy Gibbs, Michael Landes, Wendy Glenn, Benjamin Cook, Lolo Herrero, Salome Jiminez, Brendan Price, Denis Rafter, Angela Rosal, Lluis Soler, Jose Bertolero, Oscar Valsecchi, Jose Antonio Marin, Luis Alba, Jesus Cuenca
Regie: Darren Lynn Bousman
Drehbuch: Darren Lynn Bousman
Kamera: Joseph White
Musik: Joseph Bishara
FSK 16
Spanien / USA / 2011

Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein bekannter Autor namens Joseph Crone, der nach dem tragischen Tod seiner Frau und seines Sohnes nach Spanien reist, um sich dort um seinen Bruder Samuel und seinem sterbenden Vater zu kümmern. In seiner Trauer erscheint ihm plötzlich immer wieder die Zahl 11 und lässt ihn nicht mehr los. Als er der rätselhafte Erscheinung nachgeht, findet er heraus, dass es sich bei der Zahl 11-11-11 um eine Warnung aus dem Jenseits handelt.


Wohin man auch sieht, das neue Werk von Darren Lynn Bousman ( Saw II - IV, Mother's Day) erntet eher durchschnittliche bis schlechte Kritiken. Manch einer betitelt den Film sogar als äußerst langweilig, was ich persönlich nun überhaupt nicht nachvollziehen kann. Vielleicht liegt diese Einschätzung vieler Leute ganz einfach in einer vollkommen falschen Erwartungshaltung begründet, denn "11-11-11 - Das Tor zur Hölle" ist ganz bestimmt kein actiongeladener-und bluttriefender Horrorfilm, sondern bietet vielmehr sehr soliden Okkult-Horror, der zugegebenermaßen mit einer äußerst ruhigen Erzählweise versehen ist. Wer ein temporeich inszeniertes Szenario erwartet, ist hier definitiv fehl am Platze, die Geschichte ist nämlich für Freunde des Okkulten ausgelegt, die eine religiöse Hintergrund-Thematik zu schätzen wissen. OK, die Handlung ist ganz bestimmt nicht sonderlich innovativ ausgefallen, ähnlich ausgelegte Geschichten hat man schon oft genug gesehen. Dennoch kann man hier sehr wohl auf seine Kosten kommen, denn insbesondere in atmosphärischer Hinsicht hat das Werk eine ganze Menge zu bieten. Eine düstere Optik und eine äußerst dichte Grundstimmung sorgen trotz mangelnder Action für eine gepflegte Gänsehaut-Atmosphäre und auch ein guter Spannungsaufbau ist meiner Meinung nach auf jeden Fall vorhanden.

Sicherlich mangelt es "11-11-11" ein wenig an absoluten Highlights, denn die Ereignisse gestalten sich doch bis auf das Finale eher unspektakulär und sehr nüchtern. Diesen Aspekt jedoch gleich mit Langeweile gleichzusetzen, halte ich doch für ziemlich überzogen und unfair, denn strahlt das Szenario doch jederzeit eine sehr unheilvolle Note aus und lässt durchaus bedrohliche Züge erkennen. Zwar werden diese hauptsächlich nur angedeutet, doch gerade durch diesen Schachzug entfaltet sich doch die unheimliche Faszination eines Geschehens, das für den Zuschauer erst ganz am Ende so richtig greifbar wird. Ich finde, das Bousman sogar sehr gekonnt die Spannung immer weiter ansteigen lässt, die sich dann letztendlich in einem absolut sehenswerten Finale so richtig entladen kann. Natürlich liegt das wie immer im Auge des jeweiligen Betrachters, doch ich liebe diese Filme, in denen der Horror auf extrem subtile Art zum Vorschein kommt und die ganze Zeit über lediglich in Vermutungen und Andeutungen zum Vorschein kommt.

Insbesondere die Unsicherheit des Zuschauers wie sich die mysteriösen Ereignisse nun wirklich zueinander verhalten ist in diesem Fall ein nicht zu unterschätzender Aspekt für ein streckenweise sehr gruseliges Filmvergnügen, auf das man sich allerdings auch einlassen muss. Denn hauptsächlich ist die Geschichte sehr dialoglastig, wirkliche Action findet im Prinzip gar nicht statt, dafür wird man jedoch mit diversen Passagen konfrontiert, die zu Beginn eher für etwas Verwirrung sorgen können und erst ganz am Ende die endgültigen Zusammenhänge erkennen lassen. Bousman hat eine altbewährte Thematik gut-und spannend in Szene gesetzt und vollkommen beabsichtigt auf explizite Gewalt verzichtet, die in diesem falle auch vollkommen deplaciert gewesen wäre. Dafür lebt die Story von ihren gut agierenden Darstellern und der äußerst mysteriösen Note, die sich ganzzeitig wie ein roter Faden durch die Handlung zieht.

Im Endeffekt ist "11-11-11 - Das Tor zur Hölle" ganz bestimmt kein Meilenstein und der Story-Plot ist noch nicht einmal sonderlich innovativ, dennoch bekommt man absolut sehenswerte Genre-Kost geboten. Geschmäcker sind nun einmal verschieden, doch wer Filme mit religiöser Hintergrund-Thematik liebt, der wird auf jeden Fall auf seine Kosten kommen. Ich fühlte mich jedenfalls bestens unterhalten und kann nur eine Empfehlung für diesen okkulten Horror-Thriller aussprechen, der auf jeden Fall viel besser ist, als manche Kritik es vermuten lässt.


Fazit:


Subtiler Okkult-Horror, eine herrlich dichte Atmosphäre und gut aufspielende Darsteller sorgen dafür, das man den neuen Film von Darren Lynn Bousman durchaus oberhalb des üblichen Durchschnitts ansiedeln sollte. Eventuell erreicht das Szenario nicht das Level der absoluten Hochspannung, es als langweilig oder uninteressant zu bezeichnen ist maßlos überzogen. man sollte von Anfang an mit den richtigen Erwartungen an die Story herangehen, dann erlebt man auf keinen Fall eine Enttäuschung.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch DTS 5.1, DD 5.1 / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1:2,40 (16:9)
Laufzeit: 91 Minuten
Extras: Audiokommentar, Deleted Scenes, Behind the Scenes, Originaltrailer, Trailershow


7/10

Dienstag, 27. März 2012

The Guard - Ein Ire sieht schwarz








The Guard - Ein Ire sieht schwarz
(The Guard)
mit Brendan Gleeson, Don Cheadle, Ronan Collins, Paraic Nialand, John Patrick Beime, Christopher Kilmartin, Rory Keenan, Declan Mannlen, Laurence Kinlan, Michael Og Lane, Liam Cunningham, Owen Sharpe, Whale Ojo
Regie: John Michael McDonagh
Drehbuch: John Michael McDonagh
Kamera: Larry Smith
Musik: Calexico
FSK 16
Irland / 2011

Ein irischer Kleinstadtpolizist interessiert sich für alles Mögliche - nur nicht für den Drogenring, der sogar einen FBI-Agenten in die Stadt führt. Ein irischer Dorfbulle am Arsch der Welt: Sergeant Gerry Boyle ist zynisch, eigensinnig und nur ein bisschen korrupt, ein Einzelgänger, der seinen jungen Kollegen McBride nicht für voll nimmt. Als auf der Jagd nach Kokainschmugglern FBI-Agent Everett in seinem Revier auftaucht, fühlt Boyle sich eher gestört. Erst als McBride über Nacht verschwindet, wird der Dorfbulle aktiv. Ihm wird klar, dass die Drogenschmuggler den Cop verschwinden ließen und seine Vorgesetzten von den Gangstern bestochen wurden. Wie einst John Wayne zieht er zusammen mit dem FBI-Mann los, um den Koksschmugglern das Handwerk zu legen.


Das die Briten die Meister des schwarzen Humors sind weiß man nicht erst seit heute und in der vorliegenden irischen Produktion kommt dies einmal mehr äußerst eindrucksvoll zum Vorschein. John Michael McDonagh het eine herausragende Mischung aus Krimi-und Komödie kreiert, die in erster Linie von ihren beiden erstklassigen Hauptdarstellern und deren Beziehung zueinander getragen wird. Unterschiedlicher können zwei Charakter eigentlich gar nicht sein, ist hier einerseits der griesgrämige irische Polizist Gerry Boyle und auf der anderen Seite der farbige FBI-Agent Everett, wobei Letzterer in der irischen Provinz irgendwie absolut deplaciert erscheint. Gerade dieser Aspekt eröffnet sich dem Zuschauer vor allem im Umgang der beiden ungleichen Männer untereinander, der sich durch erstklassige Dialoge-und absolut brillantem Wortwitz auszeichnet.

Ganz generell ist der gesamte Film mit einer Art von tiefgründigem schwarzen Humor ausgestattet der sich sicherlich nicht jedem erschließen wird, offenbart sich die herausragende Komik doch nicht immer auf den ersten Blick. Man muss schon etwas hinter die Fassade schauen, um etwas mit der teils skurrilen Situationskomik anfangen zu können. Wer nämlich eine Geschichte mit vollkommen übertriebenen Schenkelklopfern erwartet ist hier an der falschen Adresse, vielmehr setzt John Michael McDonagh auf die traditionelle Portion des teils sehr trockenen britischen Humors, der streckenweise sehr sarkastische-und fast schon zynische Züge trägt. Gleichzeitig wird jedoch auch eine durchaus ernstzunehmende Geschichte erzählt, in der es sich um Drogen, Korruption und Gegensätze der verschiedendsten Art dreht. Alle Fäden laufen dabei immer wieder bei den Hauptdarstellern Don Cheadle und Brendan Gleeson zusammen, die dem Film ganz eindeutig ihren persönlichen Stempel aufdrücken. Gleeson agiert dabei wirklich brillant und liefert eine in allen Belangen überzeugende Performance als irischer Dickkopf ab, der sich in etlichen Situationen selbst dümmer darstellt, als er in Wirklichkeit ist. Selbst der toll aufspielende Don Cheadle verblasst durch die Omnipräsenz des mürrischen Dorfpolizisten, der ganz eindeutig der absolute Höhepunkt des ganzen Geschehens ist.

Es macht einfach einen Riesen-Spaß, den beiden Männern bei den verschiedenen Verhaltensweisen zuzuschauen und ihren teils aberwitzigen Dialogen zu lauschen, die von Sarkasmus und Rassismus getränkt sind. Dabei entfacht jede einzelne Einstellung des Filmes einen unglaublichen Charme, so das man beide Haupt-Charaktere fast unweigerlich in sein Herz schließt. Nun sollte man jedoch auch anmerken, das "The Guard" nicht nur die beiden Hauptfiguren als Highlights zu bieten hat, ist die Story doch bis in die kleinsten Nebenrollen absolut perfekt besetzt. So kann man sich ganz generell auf wirklich erstklassiges Schauspiel und spielfreudige Darsteller freuen, denen man die Lust am Spielen in jeder einzelnen Passage anmerken kann. Außerdem verfügt die Story trotz des Humors auch über einen soliden Spannungsbogen, so das in diversen Sequenzen sogar ein wenig Thrill aufkommt, was den gewonnenen Gesamteindruck noch einmal zusätzlich aufwertet.

Insgesamt gesehen ist "The Guard - Ein Ire sieht schwarz" ein gänzlich überzeugender Film und stellt gleichzeitig ein Paradebeispiel für tiefgründigen-und schwarzen Humor dar. Wer diese Art von Komik zu schätzen weiß, kommt hier voll auf seine Kosten und wird auch so manche Träne nur schwerlich unterdrücken können. Manche Situationen sind einfach so aberwitzig dargestellt, das sie mit der Kraft eines Hammers auf die Lachmuskeln schlagen und der bitter-böse Wortwitz tut sein Übriges, um für gut 90 Minuten erstklassige Unterhaltung zu sorgen.


Fazit:


Der britische Humor trifft bestimmt nicht jeden Geschmack, doch Freunde der trockenen Komik werden hier hellauf begeistert sein. "The Guard" wartet mit jeder Menge schwarzhumorigen Dialogen auf und bietet tiefgründige Komik der allerbesten Art. Ein hervorragender Cast und zwei hervorstechende Hauptfiguren machen diesen Film zu einem echten Erlebnis, bei dem kein Auge trocken bleibt. Und so kann man für diesen niveauvollen Mix aus Krimi-und Komödie nur eine unbedingte Empfehlung aussprechen, denn dieses Werk schaut man sich nicht nur einmal an.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot elite
Sprache / Ton: Deutsch DTS 5.1, DD 5.1 / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1:2,35 (16:9)
Laufzeit: 92 Minuten
Extras: Making Of, Deleted & Extended Scenes, Outtakes, Behind the Scenes, Interviews, Audiokommentar, Originaltrailer, Trailershow, Kurzfilm


9/10

Sonntag, 25. März 2012

Wrong Turn 4 - Bloody Beginnings








Wrong Turn 4
(Wrong Turn 4)
mit Sean Skene, Blane Cypurda, Dan Skene, Tristan Carlucci, Scott Johnson, Bryan Verot, Jennifer Pudavick, Tenika Davis, Kaitlyn Wong, Terra Vnesa, Victor Zinck Jr., Dean Armstrong, Ali Tataryn, Samantha Kendrick, Ame MacPherson
Regie: Declan O'Brien
Drehbuch: Declan O'Brien
Kamera: Michael Marshall
Musik: Claude Foisy
Ungeprüft
USA / Deutschland / 2011

Vor Jahren kam es in einer entlegenen Klinik in Virginia zu schrecklichen Ereignissen. Einige Patienten rebellierten und richteten dort ein unfassbares Blutbad an. Seitdem wagte niemand, je wieder einen Fuß auf das Gelände zu setzen. Keine 20 Jahre später startet eine Gruppe junger Leute zu einem feucht-fröhlichen Skiausflug in die verschneiten Wälder. Als sie von einem heftigen Blizzard überrascht werden, verirren sie sich ausgerechnet in die berüchtigte Klinik. Nicht ahnend, dass sie bereits von Weitem von menschenähnlichen Kreaturen gewittert


Der mittlerweile vierte Teil der "Wrong Turn-Reihe" lässt von Beginn an die Handschrift von Declan O'Brien erkennen, der auch schon beim Vorgänger für die Regie verantwortlich zeichnete. Und so kann man sich bestimmt denken das man es nicht unbedingt mit einer tiefsinnigen Geschichte zu tun bekommt, denn wie schon in Teil 3 ist die Story im Prinzip eine leicht ausgedünnte Rahmenhandlung ohne viel Substanz. Dafür wird der geneigte Gorehound einmal mehr mit jeder Menge blutigen und harten Passagen verwöhnt, die allerdings nur in der ungeschnittenen Version des Filmes zu begutachten sind. Doch auch wenn die Story nicht sonderlich viel hergibt, kann man das Werk allein schon wegen des Arbeitstitels "Bloody Beginnings" als eine Art Prequel ansehen, auch wenn die einzelnen Filme der Reihe in sich abgeschlossen sind und ansonsten keinerlei Bezug zueinander aufweisen.

"Wrong Turn 4" bedient so ziemlich sämtliche Klischees die man sich nur vorstellen kann und so sind natürlich die handelsüblichen Jugendlichen mit an Bord, die allesamt anscheinend einem Mode-Journal entsprungen sind. Einer hübscher als der andere übertrumpfen sich die Akteure förmlich in unlogischen Handlungsweisen, was bei Filmen dieser Art allerdings das Salz in der Suppe darstellt, damit man sich als Zuschauer so herrlich darüber aufregen kann. Trotz der Vorhersehbarkeit der Ereignisse wartet der Film mit einem recht konstanten Spannungsaufbau auf und entfacht in der ehemaligen Irrenanstalt auch eine herrlich bedrohliche Grundstimmung, denn die Location sorgt doch für den ein oder anderen Gänsehaut-Moment. Die teils düstere-und siffige Optik verstärkt die Intensität der Ereignisse, die zudem streckenweise extrem hart in Szene gesetzt wurden.

Das äußert sich schon in der Anfangs-Sequenz des Filmes, die zeitlich gesehen im Jahre 1974 spielt und die Klinik noch in Betrieb ist. Hier wird man Zeuge einer Vierteilung, bei der die Kamera wirklich voll drauf hält und alles zeigt. Bei der Ansicht dieser Szene bekommt man selbst vor dem heimischen Bildschirm dezente Gelenkschmerzen und fühlt sich nicht ganz wohl in seiner Haut. Ganz generell hat Declan O'Brien hier das Hauptaugenmerk auf den Härtegrad gelegt, was einem in der Folge mehr als eindrucksvoll unter Beweis gestellt wird. Geschickt werden so inhaltliche Schwächen des Werkes kaschiert, über die man als Freund der härteren Gangart aber auch gern hinwegschaut. Im darstellerischen Bereich sollten keinerlei Wunderdinge erwartet werden, jedoch ist das an den Tag gelegte Schauspiel für einen Film dieser Art jederzeit vollkommen ausreichend. Vor allem für den männlichen Betrachter werden auch einige optische Highlights gesetzt, denn gerade die anwesenden Damen der Schöpfung können sich mehr als nur sehen lassen. Das hilft ihnen aber auch nicht dabei, sich vor der Tötung durch die Rednecks in Sicherheit zu bringen, denn nach dem guten alten Prinzip der "10 kleinen Negerlein" wird die Personenzahl der Teenager schneller dezimiert, als es ihnen lieb sein kann.

Letztendlich ist "Wrong Turn 4" sicherlich keine filmische Offenbarung und beinhaltet auch inhaltlich ziemlich wenig Substanz. Doch im Bezug auf den Unterhaltungswert gibt es rein gar nichts zu beanstanden, ein äußerst ansehnlicher Härte-Anteil tut sein Übriges um den geneigten Fan zufrieden zu stellen. Ein handelsüblicher Backwood-Slasher mit viel Blut und sehenswerten SFX ist manchmal vollkommen ausreichend, um zu einem guten Gesamteindruck zu gelangen. Wer jedoch auch im Bezug auf die vorhandene Geschichte etwas höhere Ansprüche stellt, wird in vorliegendem Fall eher enttäuscht sein. Mehr als eine klischeebeladene Rahmenhandlung ist nicht drin, aufgrund anderer Stärken kann so manch einer aber sicher großzügig darüber hinwegschauen.


Fazit:


Das Original "Wrong Turn" ist immer noch der beste Film der gesamten Reihe, denn dort überzeugt das Gesamtpaket in allen Belangen. Danach begann dann die Story jeweils in den Hintergrund zu rücken und man hat den Focus auf Härte-und explizite Gewaltdarstellungen gelegt. Teil 4 macht hier keine Ausnahme und führt diese Tradition fort, was vielen Zuschauern ein Dorn im Auge ist, andere jedoch in Begeisterung versetzt. Je nach Sichtweise und Erwartungshaltung wird auch dieser Film die Meinungen spalten und für angeregte Diskussionen sorgen.


7/10

Freitag, 23. März 2012

Underworld: Awakening








Underworld: Awakening
(Underworld: Awakening)
mit Kate Beckinsale, Stephen Rea, Michael Ealy, Theo James, India Eisley, Sandrine Holt, Charles Dance, Kris Holden-Ried, Jacob Blair, Adam Greydon Reid, Catlin Adams, Robert Lawrenson, Lee Majdoub, Panou
Regie: Mans Marlind / Björn Stein
Drehbuch: Len Wiseman / John Hlavin
Kamera: Scott Kevan
Musik: Paul Haslinger
FSK 16
USA / 2012

Nachdem sie zwölf Jahre lang in einem komatösen Zustand gehalten wurde, erfährt die Vampirin Selene (Kate Beckinsale), dass sie Mutter einer ebenso alten Tochter namens Eve (India Eisley) ist. Diese ist halb Vampir und halb Lykaner. Als Selene versucht den Mensch-Lykaner und vermeintlichen Vater Michael (Scott Speedman) zu finden, muss sie feststellen, dass die Welt nicht die ist, die sie einmal war. Denn nun sind es die Menschen, die die größten Feinde der Vampire sind. Seitdem die Menschheit von der Existenz der Vampire und Lykaner weiss, versucht sie beide auszurotten. Um dies zu verhindern, ziehen Selene und ihre neue Familie alle Register und wollen zu diesem Zweck ihrem größten Gegner, der Organisation Antigen, das Handwerk legen, die mit dem Erschaffen von Super-Lykanern den Tod aller bedeuten würden.


Zuerst einmal sei an dieser Stelle die Frage gestattet, wie dieser Film bei unserer peniblen FSK eine 16er Freigabe erhalten konnte, befanden sich die geschätzten Prüfer etwa auf einem Betriebsausflug und haben sich diesen Teil der "Underworld-Reihe" erst gar nicht angesehen? Anders ist die Freigabe jedenfalls logisch nicht zu erklären, haben doch schon ganz andere Filme mit weitaus weniger Härten und Action selbst das höchste Freigabe-Zertifikat nur unter Auflage etlicher Kürzungen erhalten. Wie dem auch sei, dem geneigten Film-Fan kann dieser Aspekt ja nur recht sein und so kommen wir auch gleich zu den absoluten Stärken dieses mittlerweile vierten Teiles einer Saga die sich größter Beliebtheit erfreut, denn mit dieser Produktion bekommt der Zuschauer ein wahres Feuerwerk an knallharter Action und jeder Menge Splatter-Gore Effekte geboten, das sich in jeder Beziehung sehen lassen kann.

Der Action-Anteil steht in dieser Geschichte ganz klar im Vordergrund und aus dieser Tatsache wird auch von der ersten bis zur letzten Minute keinerlei Hehl gemacht. Nun wird es sicherlich genügend Leute geben, die "Underworld: Awakening" aufgrund dessen in den Himmel loben werden und sieht man die Story einzig und allein aus diesem Blickwinkel, dann ist das sogar nicht einmal unbegründet. Der Film rockt wie Sau und das steht völlig außer Frage, doch darf man dabei nicht die offensichtlichen Defizite im inhaltlichen Bereich außer acht lassen. Diesem Teil fehlt es leider etwas an der Mythologier, die der jeweiligen Story-Line in den 3 Vorgängern das gewisse Extra verliehen hat. Dieser Umstand ist sicherlich der Tötung einiger Hauptfiguren der Reihe (Victor, Marcus) geschuldet, denn durch deren Verlust fehlt nun irgendwie der geschichtliche Hintergrund, was man der vorliegenden Geschichte doch recht stark anmerkt.

Zwar kann man ganz deutlich erkennen, das Drehbuchautor Len Wiseman äußerst bemüht ist neue Ansätze in das Geschehen einzuverleiben, jedoch fehlt es ganz einfach etwas an inhaltlicher Tiefe. So beginnt mit "Awakening" praktisch ein neuer Findungs-Prozess, den man allerdings rein inhaltlich noch nicht perfekt umsetzen konnte. Man soll mich an dieser Stelle bitte nicht falsch verstehen, denn mir hat dieses Werk ganz ausgezeichnet gefallen, wobei das Hauptaugenmerk schon fast zu deutlich auf die Action gelegt wurde, um diverse andere Defizite zu überzeichnen. Waren es doch bisher insbesondere die geschichtlichen Hintergründe von Vampiren und Lykanern, die allen Teilen der reihe neben der gelungenen Action auch inhaltlich eine Menge an Struktur verliehen haben. Vorliegender Teil offenbart nun insbesondere in dieser Hinsicht eher Magerkost, jedoch deuten die sehr guten Ansätze auf weitere Fortsetzungen hin, in denen man dann auch rein inhaltlich wieder zur altgewohnten Stärke zurückfinden könnte. Die Mankos offenbaren sich so auch im darstellerischen Bereich, was allerdings keinesfalls auf die dargebotenen Leistungen bezogen ist. Es fehlt einfach an charismatischen hauptfiguren, zwar ist die Rückkehr von Kate Beckinsale als absoluter Gewinn zu verbuchen, doch das war es dann auch schon. Der Rest der Darsteller-Riege dient nämlich fast ausschließlich zur Abschlachtung und von den wenigen Überlebenden spielt sich niemand ( lediglich eine Ausnahme) so in den Vordergrund, als das hier eine wichtige Figur für weitere Fortsetzungen entstehen könnte.

Auch wenn sich einige Punkte ziemlich negativ anhören mögen, handelt es sich hier um einen richtig gelungenen Film. Manch einen mögen die fehlenden Inhalte eventuell sogar gar nicht weiter stören, doch rein von der Geschichte her handelt es sich definitiv um den bisher schwächsten teil. das ändert jedoch rein gar nichts am extrem hohen Unterhaltungswert, wobei die Laufzeit mit einer Länge von gut 76 Minuten auch nahezu perfekt gewählt wurde. So wurden nämlich jegliche Längen vermieden und man konnte so auch recht geschickt die teils fehlende Substanz der Story elegant umgehen. Letztendlich kommen hier insbesondere die Action-Junkies so was von auf ihre Kosten, das man es kaum in Worte fassen kann. Freunde einer inhaltsreicheren Geschichte sollten ihre Erwartungen nicht zu hoch ansetzen, doch die Grundlage für neue Erzählstränge wurde auf jeden Fall gelegt.


Fazit:


"Underworld: Awakening" ist von allen bisher erschienenen Filmen der Reihe der unausgeglichenste. Haben sich in den Vorgängern die Action-und Splatteranteile einigermaßen die Waagschale mit der Mythologie gehalten, so kommt Letztere hier ganz eindeutig zu kurz. Dafür bekommt man allerdings eine wahrhafte Action-Rakete der höchsten Kategorie serviert, die beste und äußerst kurzweilige Unterhaltung bietet. Absoluter Höhepunkt dürfte in diesem Spektakel der Mega-Lykaner sein, die Darstellung des Riesen ist auf jeden Fall ein optischer Genuss.


8/10

Donnerstag, 22. März 2012

The Caller - Anrufe aus der Vergangenheit








The Caller - Anrufe aus der Vergangenheit
(The Caller)
mit Rachelle Lefevre, Stephen Moyer, Luis Guzman, Ed Quinn, Lorna Raver, Cordella Gonzalez, Marise Alvarez, Brian Tester, Alfredo De Quesada, Aris Meijas, Gladys Rodriguez, Leonardo Castro,Grace Connelly, Jose Cotte
Regie: Matthew Parkhill
Drehbuch: Sergio Casci
Kamera: Alexander Melman
Musik: Aidan Lavelle / Unkle
FSK 16
Großbritannien / Puerto Rico / 2011

Als die frisch geschiedene Mary in ihrem neuen Apartment über ein altes Telefon stolpert, ist sie sofort von seinem antiken, altmodischen Charme angetan, so dass sie sich spontan entscheidet, die Reliquie zu behalten. Kurz darauf beginnt eine mysteriöse Frau, Mary mit seltsamen Anrufen zu belästigen. Mary findet heraus, dass es sich um eine Frau aus der Vergangenheit namens Rose handelt, die vor vielen Jahren mit dem damaligen Bewohner des Apartments liiert war. Sowohl Mary und Rose fühlen sich zu Beginn einsam und beginnen eine ungewöhnliche Freundschaft über das antike Telefon. Der Frieden hält jedoch nicht lange als Rose beginnt, Mary immer mehr kontrollieren zu wollen. Die jedoch hat mittlerweile John kennengelernt, dem sie sich mit ihren Problemen anvertraut, als Rose Anrufe immer verstörender und gefährlicher werden. Mary fühlt sich verfolgt und bedroht, doch selbst das Kappen der Telefonleitung hält Rose nicht davon ab, weiterhin Mary mit ihren Anrufen zu terrorisieren. Rose fühlt sich um ihre neue Freundschaft betrogen und schwört Rache an Mary und Ihrem Freund John - jedoch nicht in der Gegenwart, sondern in der Vergangenheit, in welcher Rose lebt. Mary bleibt nichts anderes übrig, als Rose zu töten - doch wie bringt man einen Geist der Vergangenheit um?


Telefon-Terror der etwas anderen Art


Ganze 8 Jahre nach seinem Regie-Erstling hat Matthew Parkhill mit "The Caller" einen echten Geheimtipp auf den Weg gebracht, der von der ersten bis zur letzten Minute einen extrem spannenden Mix aus Grusel/Mystery-und Horrorthriller präsentiert. Dabei nimmt sich die Geschichte ausreichend Zeit für einen mehr als gelungenen Spannungsaufbau und bietet dabei ein Szenario, das mit zunehmender Laufzeit immer mehr an Intensität gewinnt. Wirkt am Anfang noch alles wie ein eher harmloser Telefonstreich einer anscheinend etwas verwirrten Frau, so verdichtet sich die von Haus aus schon sehr gelungene Grundstimmung fast im Minutentakt und lässt dabei auch immer bedrohlichere Züge erkennen. Im Laufe der Zeit verändert sich auch das Erzähltempo des Geschehens, denn nach einer zu Beginn noch vorherrschenden Beschaulichkeit der Ereignisse nimmt der Story-Plot doch erheblich an Tempo-und Rasanz zu, was schon fast zwangsläufig auch die Adrenalin-Zufuhr beim Zuschauer beeinflusst.

Immer tiefer taucht man in das äußerst mysteriöse Geschehen ein, das ziemlich schnell eine unglaubliche Faszination ausstrahlt, der man sich beim besten Willen nicht entziehen kann. Die Grundidee des Filmes ist in meinen Augen durchaus als innovativ zu bezeichnen und insbesondere die gut durchdachte Umsetzung des Ganzen lässt einen erstklassigen Gesamteindruck entstehen. Vor allem der subtil aufkommende Horror kriecht einem immer tiefer unter die Haut und gewinnt mit der Zeit immer mehr an Intensität, so das dem Betrachter etliche Gänsehaut-Momente bevorstehen. Perfekt strukturiert läuft das Szenario auf ein perfides Katz-und Maus Spiel am Telefon hinaus, wobei auch gleichzeitig ein Kampf zwischen Vergangenheit und Gegenwart entbrennt. Haupt-Charakter Mary muss dabei feststellen, das die ominöse Anruferin Rose durchaus dazu in der Lage ist, durch Taten in der Vergangenheit die Gegenwart nachhaltig zu beeinflussen. Die Rollen in diesem scheinbar ungleichen Kampf scheinen klar verteilt, denn wie soll Mary das ungleiche Spiel gegen eine Anruferin aus dem Totenreich gewinnen?

Matthew Parkhill ist es ganz hervorragend gelungen, diesen teils nervenzerfetzenden Kampf glaubwürdig und authentisch umzusetzen, man kann sich jederzeit gut in die Abläufe hineinversetzen und entdeckt dabei im Prinzip auch keinerlei Logiklöcher. Hauptdarstellerin Rachelle Lefevre sorgt durch ihre glänzende Performance zudem für ein schauspielerisches Highlight, denn man nimmt ihr die immer mehr von purer Panik befallene junge Frau jederzeit ab. Auch der in einem Nebenstrang erzählte Geschichtsteil mit ihrem gewalttätigen Ex-Mann ist ein wichtiger Bestandteil des Geschehens, unterstreicht er doch den verängstigten Teil in Mary, der jedoch zum Ende hin einer kämpferischen jungen Frau weicht, die sich keinesfalls in ihr scheinbar vorgezeichnetes Schicksal ergeben will. Sämtliche vorhandenen Zutaten des Filmes wurden hier nahezu brillant aufeinander abgestimmt, so das sie in der Summe für ein exzellentes Filmvergnügen Sorge tragen, das insbesondere durch die enthaltenen Mystery-und Grusel-Elemente zu überzeugen weiß. Eine leicht düstere Optik tut ihr Übriges, um diesen Eindruck noch zusätzlich hervorzuheben.

Letztendlich kann man "The Caller" nur ein glänzendes Zeugnis ausstellen, denn dieser Film bietet einen in allen Belangen überzeugenden Genre-Mix, an dem man seine helle Freude hat. Erstklassige Schauspieler, ein äußerst gekonnter Spannungsaufbau und eine sagenhaft dichte Atmosphäre sind die wichtigsten Bestandteile für eine Geschichte, die den Zuschauer jederzeit in ihren fast schon hypnotischen Bann zieht. Zudem ist es als großer Vorteil anzusehen, das die Bedrohung hier bis kurz vor dem Ende überhaupt nicht greifbar ist und sich lediglich als Stimme am Telefon zu erkennen gibt. Durch die nicht vorhandene Manifestation in einer sichtbaren Person erlangt das Grauen so noch eine viel stärkere Wirkung und verleiht den Ereignissen etwas sehr Unheimliches. Man merkt also, das es eigentlich mehr als genügend Gründe gibt, sich diesen erstklassigen Film anzuschauen, dessen Sichtung man ganz bestimmt nicht bereuen wird. Ich fühlte mich auf jeden fall bestens unterhalten und kann nur eine unbedingte Empfehlung für "The Caller" aussprechen.


Fazit:


Zumeist sind es immer wieder die eher unscheinbaren Titel, die letztendlich sehr positiv überraschen können. "The Caller" gehört ganz eindeutig dazu und kann wirklich als echter Geheimtipp bezeichnet werden. Freunde des Mystery-und Gruselfilmes werden hier definitiv auf ihre Kosten kommen, denn gut 90 Minuten extrem nervenaufreibende Filmkost ist hier vorprogrammiert.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch DTS 5.1, DD 5.1 / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,78:1 (16:9)
Laufzeit: 88 Minuten
Extras: Trailer, Directors Commentary, Deleted Scenes, Alternatives Ende


8,5/10

Dienstag, 20. März 2012

Civic Duty








Civic Duty
(Civic Duty)
mit Peter Krause, Kari Matchett, Richard Schiff, Kaled Abol Naga, Ian Tracey, Vanesa Tomasino, Laurie Murdoch, Michael Roberds, Agam Darshi, Mark Brandon, Brenda Crichlow, Val Cole, Mark Docherty, P. Lynn Johnson
Regie: Jeff Renfroe
Drehbuch: Andrew Joiner
Kamera: Dylan MacLeod
Musik: Terry Huud / Eli Krantzberg
FSK 16
Großbritannien / Kanada / USA / 2006

USA: Es ist die Zeit nach 9/11. Die Angst vor dem weltweiten Terrorismus ist allgegenwärtig. Auch der Alltag des Buchhalters Terry Allen wird nur von dem einen Thema bestimmt. Obsessiv verfolgt er in den Medien die Berichterstattungen über den Kampf gegen den Terror. Als im Nachbarhaus ein islamischer Student einzieht, wächst in Terry der Verdacht, dass es sich um einen Terroristen handelt. Obwohl ihm niemand glauben möchte, fängt er an seinen neuen Nachbarn zu beobachten. Für Terry ist klar, er wird alles tun, um die wahre Identität des Studenten zu entlarven. Koste es, was es wolle!


Der Übergang eines Verdachtes in eine ausgewachsene Paranoia


Der 11.9.2001 hat die Welt nachhaltig verändert, hat der Terrorismus in der Welt an diesem Tag doch eine neue Dimension erreicht. Vor allem die US-Amerikaner dürften davon betroffen sein und islamische Mitbürger weitaus skeptischer beobachten, wie es davor der Fall war. "Civic Duty" erzählt nun eine Geschichte, in der anfängliche Skepsis mit der Zeit zu einer fixen Idee wird, um letztendlich in totaler Paranoia zu enden. Im Mittelpunkt des Geschehens steht der arbeitslose Buchhalter Terry, der seinen neuen Nachbarn von der ersten Minute an äußerst argwöhnisch beobachtet und durch das kleinste Indiz in seiner Vermutung bestätigt wird, das es sich ganz eindeutig um einen Terroristen handelt. Trotz der Ermahnungen seiner Frau verbeisst sich Terry immer mehr in diese Idee und so entwickelt sich aus einem kleinen Anfangsverdacht innerhalb kürzester Zeit eine echte Paranoia, die für die Hauptfigur am Ende der Geschichte in einem extrem tragischen Showdown endet.

Regisseur Jeff Renfroe hat seiner Geschichte eine eher sehr ruhige-und bedächtige Erzählweise verliehen, was in diesem Fall aber keinesfalls als negativ anzusehen ist. Vielmehr wird den Ereignissen dadurch eine ungeheure Intensität verliehen, die sich schon nach einer relativ kurzen Zeitspanne auch auf den Zuschauer überträgt. Ertappt man sich doch selbst dabei, wie man sich von dem immer stärker werdenden Fanatismus des Hauptdarstellers anstecken lässt und dabei gedanklich jedes Klischee bedient, das man sich nur vorstellen kann. Zugegebenermaßen deuten auch etliche Dinge darauf hin das der Nachbar Dreck am Stecken hat, wodurch man durchaus Verständnis für das Verhalten von Terry aufbringen kann. Wie er selbst hinterfragt man nicht die etlichen Indizien, sondern beschreitet den Weg der Vorverurteilung eines Menschen, der vom Profil her einfach viel zu gut in das Bild eines Terroristen hineinpasst. Gekonnt wird hier kontinuierlich an der Spannungsschraube gedreht, die Ereignisse verdichten sich zusehends und lassen dabei extrem bedrohliche Züge erkennen. Dabei wurde bewusst auf viel Action-und explizite Gewaltdarstellungen verzichtet, die der Film allerdings auch überhaupt nicht nötig hat.

Der Story-Plot erzeugt eine immer dichter werdende Atmosphäre, in der eine Mischung aus purer Angst und nackter Ungewissheit entsteht, die einem wirklich zu schaffen machen kann. Durch das herausragende Schauspiel der Akteure wir die Autenzithät des Geschehens ganz besonders hervorgehoben, wobei sich Peter Krause (Six Feet Under) ganz besonders hervortut. Seine Darstellung des sich in eine Paranoia hineinsteigernden Mannes ist absolut beeindruckend, jede einzelne Geste drückt dabei die immer mehr aufsteigende Angst nahezu perfekt aus. Man kann die Wandlung des eigentlich eher ruhigen-und besonnenen Buchhalters perfekt nachvollziehen, dessen anfänglicher Verdacht durch immer wieder ins Bild gesetzte Nachrichten-Sendungen in eine Dimension geleitet wird, die am Ende vollkommen eskaliert. Jeff Renfroe hat hier die Macht der Medien einerseits eher hintergründig, aber dennoch besonders intensiv in Szene gesetzt. Im Abstand von einigen Minuten wird man immer wieder mit Nachrichten konfrontiert, die insbesondere etwas labile Menschen in eine ganz besondere Richtung lenken können. Dabei wird die seit dem 11.9 vorherrschende Angst der Bürger noch zusätzlich geschürt und flammende Reden des damaligen Präsidenten George W. Bush tragen auch nicht unbedingt zur Entspannung bei.

So ist es dann letztendlich auch nicht besonders verwunderlich, das die Situation am Ende total eskaliert, Terry hat sich nicht mehr unter Kontrolle und steht so stark unter dem Einfluss seiner fixen Idee, das eine Eskalation absolut unvermeidbar ist. Die während der Geschichte aufgebaute Spannung entlädt sich in einem finalen Showdown, der kaum tragischer hätte enden können. Wird dem Zuschauer hier schon ein ordentlicher Schlag in die Magengrube versetzt, so verleiht die letzte Szene des Filmes dem ganzen noch eine extrem makabere Note. Ich möchte diese Szene nicht bis ins Detail schildern, aber im Mittelpunkt steht wieder eine dieser Nachrichten-Einspielungen, aus der man jedoch seine eigenen Schlüsse ziehen muss. Weiß man nämlich nicht genau, ob es sich um eine reale Nachricht handelt, oder ob sich diese nur im umnebelten Geist von Terry abspielt. Wie dem aber auch sei, diese letzte Einstellung hinterlässt einen sehr bitteren Beigeschmack, ist aber gleichzeitig die perfekte Abrundung eines Filmes, der einen nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis des Betrachters hinterlässt. Noch lange nach der Sichtung lässt man sich die Ereignisse immer wieder durch den Kopf gehen und stellt sich dabei ganz automatisch die Frage, welche macht die Medien auf einen selbst ausüben. Gezielte Propaganda und das Schüren der menschlichen Ängste ist dabei ein nicht zu unterschätzender Einfluss auf die eigene Meinung, die sich innerhalb kürzester Zeit in eine nicht gewollte Vorverurteilung wandeln kann.


Fazit:


"Civic Duty" ist ein sehr beeindruckender Paranoia - Thriller, der gerade durch seine ruhige-und bedächtige Erzählstruktur eine immense Intensität entfacht. Selten sieht man einen Film in dem im Prinzip gar nicht viel passiert, der aber dennoch eine solch nachhaltige Wirkung hinterlässt. Nervenzerfetzende Spannung und eine Grundstimmung die man aufgrund ihrer Dichte schneiden könnte, sorgen für ein herausragendes Film-Erlebnis, das man unbedingt gesehen haben sollte.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,78:1 (16:9)
Laufzeit: 94 Minuten
Extras: Trailer, Trailershow, Exklusives Booklet


9/10

Sonntag, 18. März 2012

Sleepless Night - Nacht der Vergeltung








Sleepless Night - Nacht der Vergeltung
(Nuit blanche)
mit Tomer Sisley, Joey Starr, Julien Boisselier, Serge Riaboukine, Laurent Stocker, Samy Seghir, Dominique Bettenfeld, Adel Bencherif, Birol Ünel, Lizzie Brochere, Isaam Akel, Thomas Ancora
Regie: Frederic Jardin
Drehbuch: Nicolas Saada
Kamera: Tom Stern
Musik: Nicolas Errera
FSK 16
Belgien / Frankreich / Luxemburg / 2011

Vincent (Tomer Sisley aus Largo Winch) ist ein Cop mit einem gefährlichen Doppelleben. Als Vincent eine große Menge Kokain von einigen Drogendealern stiehlt, rächen sich diese, indem sie seinen Sohn kidnappen und mit seiner Ermordung drohen - sollte der Stoff nicht binnen kürzester Zeit wieder auftauchen. Auf dem Weg zur Übergabe in einem großen Nachtclub, gerät Vincent jedoch in einen Strudel aus Täuschung, Verrat und Betrug. Er muss sich seinen Weg durch überfüllte Tanzflächen und dunkle Korridore im labyrinthartigen Nachtclub kämpfen, um sein Kind zu retten.


Schon in "Largo Winch" konnte Frauen-Liebling Tomer Sisley durch seine erstklassige Performance absolut überzeugen und auch in vorliegendem Thriller von Frederic Jardin besticht er einmal mehr durch erstklassiges Schauspiel. Dieses Mal mint er einen scheinbar korrupten Polizisten, dessen Sohn in die Fänge eines Drogen-Dealers gerät und dort auf die Rettung durch seinen Vater wartet. Die Geschichte wartet dabei mit immer wieder eingestreuten Wendungen auf, von denen manche durchaus gelungene Überrasdhungsmomente für den Zuschauer darstellen. Insbesondere auf die Rolle des charismatischen Hauptdarstellers bezogen ergibt sich im Verlauf des actionreichen Geschehens eine vollkommen andere Sichtweise, wobei man bis zum Ende des Szenarios eigentlich nie genau weiß, wie sich die Dinge nun wirklich zueinander verhalten. Und so ist es letztendlich auch nicht sonderlich überraschend, das man mit einem ziemlich offenen Ende aus dieser Geschichte entlassen wird, was für manch einen eventuell ein kleiner Kritikpunkt sein dürfte, andererseits aber Spielraum für eigene Interpretationen lässt.

Trotz des zu Beginn offensichtlich zwielichtigen Charakters der Hauptfigur kann Sisley fast spielend die Sympathiewerte des Betrachters für sich gewinnen, so das hier eine sehr starke Identifikation mit seiner Person erfolgt. Das sorgt fast schon zwangsläufig dafür, das man über die gesamte Laufzeit mitfiebert und dabei wie unter Strom steht. Ganz geschickt spielt Jardin hier mit den Emotionen des Zuschauers, die ständigen Wendungen des Story-Plots und die extrem temporeiche Erzählweise der Ereignisse sorgt für einen ständig ansteigenden Adrenalin-Spiegel, zu keiner Zeit kann man eine Vorhersage treffen, ob sich am Ende alles zum Guten wendet. Durch den Aspekt, das sich fast die gesamte Geschichte innerhalb eines überfüllten Nachtclubs abspielt, entsteht zudem eine fast klaustrophobische Grundstimmung, denn das räumlich begrenzte Szenario sorgt im wahrsten Sinne des Wortes für etliche Engpässe.

"Sleepless Night" ist insgesamt gesehen ein ausgezeichneter Vertreter seiner Art, der mit einem äußerst straffen Spannungsbogen und einem großzügigen Action-Anteil ausgestattet ist. Dabei erscheint die gesamte Geschichte ungemein authentisch-und glaubwürdig. Es ist fast unmöglich, bestimmte Elemente als Höhepunkte herauszustellen, doch die vorhandenen Action-Passagen kann man getrost als eines der Highlights bezeichnen. Alles überragend ist jedoch wieder einmal die Performance des Hauptdarstellers, der seinem Charakter eine Seele einhaucht und menschliche Stärken wie auch Schwächen in den Vordergrund rückt. Tomer Sisley ist ganz offensichtlich ein Schauspieler, der auch wirklich etwas von seinem Handwerk versteht, wobei man jedoch auch die anderen Darsteller nicht unbeachtet lassen sollte. Bis in die kleinsten Nebenrollen ist dieser Film nämlich erstklassig besetzt, so das sich der Betrachter an insgesamt herausragendem Schauspiel der Akteure erfreuen kann.

Letztendlich handelt es sich einmal mehr um ein Paradebeispiel dafür, das der europäische Film sich in vielen Fällen auch nicht hinter weitaus höher budgetierten Werken aus der Traumfabrik Hollywood zu verstecken braucht. "Sleepless Night" ist ein knallharter-und temporeicher Thriller, der im Prinzip alles das bietet, was Filme dieser Art so absolut sehenswert macht. Auch das offene Ende stellt meiner Meinung nach keinen negativen Kritikpunkt dar, denn ein reines Happy End hätte den exzellenten Gesamteindruck doch ein wenig getrübt. So aber kann man sich seinen eigenen Reim auf das Gesehene machen und wird mit einem guten Gefühl aus einem schweisstreibenden Szenario entlassen, das einem kaum die Möglichkeit lässt zwischendurch einmal durchzuatmen.


Fazit:


Wer actionreiche-und äußerst wendungsreiche Thriller-Kost zu schätzen weiß, kommt an dieser Produktion einfach nicht vorbei. Das Werk von Frederic Jardin bietet von der ersten bis zur letzten Minute Spannung ohne Ende und hinterlässt durch die gewählte Schluss-Sequenz zudem einen sehr nachhaltigen Eindruck beim Zuschauer. das europäische Kino lebt und bringt dabei immer wieder so erstklassige Filme auf den Weg, wie es hier der Fall ist. Und so kann man nur eine unbedingte Empfehlung für dieses Werk aussprechen, das den Zuschauer durchgehend fesselt.


Die DVD:

Vertrieb: Sunfilm
Sprache / Ton: Deutsch DTS 5.1, DD 5.1 / Französisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,85:1 (16:9)
Laufzeit: 98 Minuten
Extras: Trailer


8/10

Freitag, 16. März 2012

Trespass








Trespass
(Trespass)
mit Nicolas Cage, Nicole Kidman, Ben Mendelsohn, Liana Liberato, Cam Gigandet, Jordana Spiro, Dash Mihok, Emily Meade, Nico Tortorella, Brandon Belknap, Terry Milam, Tina Parker, David Maldonado, Nilo Otero, Simone Levin
Regie: Joel Schumacher
Drehbuch: Karl Gajdusek
Kamera: Andrzej Bartkowiak
Musik: David Buckley
FSK 16
USA / 2011

Als die maskierten Männer in ihr Haus stürmen und Kyle Miller brutal niederschlagen, ist seine Frau Sarah zunächst wie erstarrt vor Entsetzen. Doch je mehr sich die beängstigende Situation zuspitzt, weil der Diamantenhändler den Safe nicht öffnen will, desto sicherer wird sich Sarah, dass sie einen der Maskierten kennt. Da war doch dieser junge attraktive Handwerker, der ein ganz eindeutiges Interesse an ihr hatte ... Und sie an ihm! So unauffällig wie möglich versucht sie, mit dem Mann Kontakt aufzunehmen. Ein hochriskanter Weg, denn wenn seine Komplizen bemerken, dass sie weiß, wer hinter der Maske steckt, wäre das nicht nur ihr eigenes sicheres Todesurteil.


Nun gut, die Kritiken zum neuen Film von Joel Schumacher (Flatliners, Falling Down) fallen eher bescheiden bis schlecht aus und einige der nagativen Kritikpunkte kann man dabei durchaus nachvollziehen. Es fehlt diesem fast kammerspielartigem Film etwas an der nötigen Glaubwürdigkeit, was sich insbesondere im teils unrealistischen Verhalten der Protagonisten begründet. Bei diesem Aspekt sind die Defizite der Geschichte ziemlich offensichtlich, denn diverse Handlungsweisen sind für den Zuschauer extrem schwer nachzuvollziehen. Dennoch bin ich der Meinung, das "Trespass" erstklassige Thriller-Unterhaltung anbietet, denn trotz der angesprochenen Mankos kann das Werk durch sehr viel Spannung und etlichen eingebauten Plot-Twists überzeugen, so das man auch gern einmal über diverse andere Unzulänglichkeiten hinwegsehen kann. Das Szenario ist irgendwo zwischen "Funny Games" und "Kidnapped" angesiedelt, wobei das Geschehen jedoch zu keiner Zeit die brutale Intensität der genannten Filme erreichen kann.

Schumacher hat sich vielmehr darauf konzentriert, das sich die Machtverhältnisse zwischen Tätern und Opfern fast schon im Minutentakt ändern, so das sich die Ereignisse auf jeden Fall äußerst abwechslungsreich gestalten. Ein sehr flottes Erzähltempo sorgt dabei dafür, das im Prinzip überhaupt keine Längen auftreten und die immer wieder eingestreuten Wendungen der Story sorgen für jede Menge Brisanz unter allen Beteiligten. Dabei treten immer wieder neue Dinge auf, die den gesamten Ablauf des Szenarios in einem vollkommen anderen Licht darstellen und bis zum Ende kann man sich nie wirklich sicher sein, wie sich die ganzen Dinge zueinander verhalten. Wirklich negativ zu bewerten sind dann auch nur die stellenweise fast schon grotesken Verhaltensweisen sämtlicher Figuren, denn sowohl Täter wie auch Opfer glänzen nicht unbedingt durch ein hohes Maß an Autenzithät.

So werden beispielsweise etliche Fluchtmöglichkeiten der Familie nicht genutzt, oder die Einbrecher hinterlassen einen solch unsicheren Eindruck, das man sie manchmal nicht für ernst nehmen kann. Es fehlt ihnen definitiv an der nötigen Entschlossenheit, was selbstverständlich auch den Opfern nicht verborgen bleibt. Und so stellt Schumacher dann auch das Katz-und Mausspiel in den Vordergrund, das sich zwischen den beiden Parteien über die gesamte Laufzeit hin abspielt. Wie schon kurz erwähnt, wechseln sich die Machtverhältnisse ständig ab, wobei sich sogar die Opfer / Täter Rollen stellenweise verschieben. Dieser Punkt hinterlässt dann auch den unglaubwürdigsten Eindruck, trotzdem empfand ich es als sehr interessant, die ständigen Wendungen zu beobachten. Denn obwohl die gesamte Geschichte im Prinzip vor Logiklöchern nur so strotzt, so sind es doch gerade die ständigen Wendungen-und Überraschungsmomente, die dem Zuschauer ein spannendes-und temporeiches Filmerlebnis bescheren.

Ich persönlich hätte mir allerdings eine etwas ausführlichere Einleitung in die Geschichte gewünscht, in der man insbesondere die Personen der Familie etwas besser eingeführt hätte. Man erfährt zu Beginn nämlich so gut wie nichts über die offensichtlichen Probleme, mit denen man im späteren Verlauf konfrontiert wird. So werden dann auch ganz generell die gesamten Charaktere eher oberflächlich in die Geschichte integriert und erst im Verlauf des Geschehens kann man zu der ein-oder anderen Figur eine etwas tiefere Bindung herstellen. Letztendlich muss ich ganz ehrlich eingestehen, das "Trespass" in Sachen Logik nicht gerade ein Überflieger ist und Joel Schumacher hat ganz bestimmt einige Werke in seiner Filmografie die weitaus besser gelungen sind. Trotzdem hat mir dieser Thriller äußerst gut gefallen, denn der Unterhaltungswert ist trotz etlicher Defizite sehr hoch angesiedelt. Wenn man also über unglaubwürdige Verhaltensweisen hinwegsehen kann, dann dürfte man hier bestens unterhalten werden, denn viele Wendungen, Spannung und ein wirklich ordentliches Erzähltempo können manchmal vollkommen ausreichend sein, um diverse andere Unzulänglichkeiten zu übertünchen.


Fazit:


"Trespass" ist sicherlich kein Meisterwerk, bietet aber dennoch eine interessante Geschichte an. Ob nun besonders glaubwürdig oder nicht, der Film ist äußerst interessant und bietet auf jeden Fall Genrekost, die sich meiner Meinung nach über dem üblichen Durchschnitt ansiedelt.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch DTS 5.1, DD 5.1 / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1:2,35 (16:9)
Laufzeit: 87 Minuten
Extras: Making Of, Interviews, B-Roll, Originaltrailer, Trailershow

7,5/10

Mittwoch, 14. März 2012

Astaron - Brut des Schreckens








Astaron - Brut des Schreckens
(Contaminazione)
mit Ian McCulloch, Louise Marleau, Marino Masé, Siegfried Rauch, Gisela Hahn, Carlo De Mejo, Carlo Monni, Al Cliver, Nick Alexander, Angelo Ragusa, Martin Sorrentino, Brigitte Wagner
Regie: Luigi Cozzi
Drehbuch: Luigi Cozzi / Erich Tomek
Kamera: Giuseppe Pinori
Musik: Goblin / Agostino Marangolo
FSK 18
Italien / 1979

Im Hafen von New York treibt ein führerloses Schiff. Seine Fracht besteht aus einer Ladung mysteriöser, übergroßer Eier. Als ein Forscherteam die unheimliche Fracht untersuchen will, werden sie angegriffen und auf grausame Weise getötet. Die Ladung birgt ein tödliches Geheimnis, eine außerirdische Macht versucht die Menschheit zu vernichten.


Bei "Astaron - Brut des Schreckens" handelt es sich ganz bestimmt nicht um die Krone der italienischen Filmkunst, jedoch bekommt dieses herrliche Relikt der späten 70er viel zu selten Die Beachtung, die es eigentlich verdient hätte. Rein filmisch gesehen gibt es zugegebenermaßen so einige Defizite zu beobachten, was allein schon durch die doch eher dünne Rahmenhandlung ziemlich offensichtlich wird, doch dafür bekommt man erstklassige-und extrem unterhaltsame Filmkost geboten. Die Kombination aus Science/Fiction und Horror ist rein inhaltlich sicher nicht die größte Offenbarung, doch macht dieses Werk einfach immer wieder Spaß und wird auch nach der unzähligsten Sichtung nicht annähernd langweilig. Das liegt wohl auch in dem hohen Trash-Potential begründet, das "Astaron" auf jeden Fall beinhaltet, denn an einigen Stellen zaubert einem das Geschehen ganz unweigerlich den ein oder anderen recht dicken Schmunzler ins Gesicht. Das ist aber auch als eine der großen Stärken des Filmes anzusehen, dem durch diesen Aspekt sein unglaublicher Charme verliehen wird, der ihm unter den etlichen SCI/FI-Horrorfilmen einen ganz besonderen Platz einräumt.

Besonders erwähnenswert sind sicherlich die größtenteils recht derben Effekte, stellenweise geht es ordentlich zur Sache und die blutigen Passagen lassen das Herz eines jeden Gorehounds höher schlagen. Es ist immer wieder herrlich anzusehen, das zu dieser Zeit Begriffe wie CGI ein absolutes Fremdwort waren, denn die handgemachten Effekte sind doch immer noch die besten. Und diese sind zudem auch noch in einer ordentlichen Anzahl vertreten, so das man sich um die Kurzweliigkeit der Geschehnisse keinerlei Sorgen zu machen braucht. Hier ist ganz einfach die pure Unterhaltung angesagt und so kann man auch ohne Weiteres über diverse Logiklöcher in der Geschichte hinwegsehen. Auch sollte man keinesfalls einen gehobenen Anspruch auf ausgefeilte Charaktere oder besonders wertvolle Dialoge legen, denn für solche Dinge ist das Werk von Luigi Cozzi einfach nicht ausgelegt.

Die darstellerischen Leistungen sind alles andere als herausragend, aber für einen Film dieser Art vollkommen ausreichend. In einer der Hauptrollen ist einmal mehr Ian McCulloch zu sehen, der auch schon in anderen italienischen Produktionen wie "Zombies unter Kannibalen" oder auch "Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies" zu sehen war. Wie immer erledigt der bekannte Mime seinen Job ordentlich , ohne dabei jedoch herauszuragen. Bei der Darsteller-Riege ist aber auch ein deutscher Anteil vorhanden, denn mit Siegfried Rauch und Gisela Hahn sind auch Schauspieler aus unserem Land vertreten. Das diese dabei den Part der Bösewichte einnehmen ist dabei nicht besonders verwunderlich, denn anscheinend besetzt man in ausländischen Produktionen die Rolle der Fieslinge nur zu gern mit Gesichtern aus Deutschland, genügend filmische beispiele findet man da schnell.

Im Prinzip ist das aber auch eher belanglos, denn "Astaron - Brut des Schreckens" ist ein echter Kracher, der auch im Laufe der Jahre rein gar nichts von seinem Charme-und Unterhaltungswert verloren hat. Für mich persönlich hat dieser Film einen vollkommen unumstrittenen Kultstatus und gehört in jede gut sortierte Sammlung. Warum diese echte Trash-Perle nie die ihr zustehende Beachtung gefunden hat entzieht sich meinem Verständnis, denn allein schon die Begegnung mit dem Zyklopen am Ende der Geschichte dürfte ein unvergessliches Erlebnis sein. Diese eher unförmige Masse wurde nämlich so herrlich skurril in Szene gesetzt, das sie viel weniger bedrohlich, sondern witzig und amüsant erscheint. Wie dem aber auch sei, man sollte dieses kleine Juwel auf jeden Fall kennen, das sich jederzeit zu einer neuerlichen Sichtung eignet und dem Zuschauer 90 Minuten pure Unterhaltung bietet, wenn man denn im Besitz des ungeschnittenen Bootlegs ist. Die anderen deutschen Veröffentlichungen sind allesamt geschnitten wobei man hier eine Einschränkung vornehmen sollte, da es sich bei den fehlenden Passagen nicht um Härte-Szenen, sondern ausschließlich um Handlungs-Sequenzen handelt, die das Geschehen ein wenig runder erscheinen lassen.


Fazit:


Auch wenn hier filmisch nicht die höchste Stufe des italienischen Kinos erreicht wird, zählt "Contaminazione" wie der Film im Original heißt, zu meinen persönlichen Lieblingsfilmen aus der damaligen Zeit. Es macht einfach immer wieder einen Heiden-Spaß, sich diese Italo-Granate anzuschauen und man verliert auch niemals die Lust an diesen Film. Von vielen Leuten extrem unterbewertet, von anderen vollkommen verschmäht zählt Cozzi's Werk zu den absoluten Kult-Klassikern der späten 70er Jahre. Wer "Astaron" nicht kennt und auch nicht sehen will, der hat es auch nicht besser verdient und ist dieser SCI/FI-Horror-Granate auch nicht würdig.


9/10

Montag, 12. März 2012

Pelts








Pelts
(Masters of Horror)
mit Meat Loaf, John Saxon, Link Baker, Elise Lew, Shawn Hall, Sylvesta Stuart, Ellen Ewusie, Michal Suchanek, Brenda McDonald, Melissa Gonzalez, Darren E. Scott, Chuck Duffy, Kelvin Lum
Regie: Dario Argento
Drehbuch: Mick Garris / Matt Venne
Kamera: Attila Szalay
Musik: Claudio Simonetti
SPIO/JK
USA / 2005

Meat Loaf ist Jake Feldman, ein streitbarer Pelzhändler, der sich darum bemüht, ein bescheidenes Geschäft aufzubauen und dabei von seiner Leidenschaft für eine sexy Stripperin gepeinigt wird. Als ein sadistischer, hinterwäldlerischer Trapper eine Gruppe zahmer Waschbären tötet, ist Jake davon überzeugt, dass er aus ihren kostbaren Fellen den Mantel schneidern kann, der sein Schicksal für immer verändern wird. Dabei handelt es sich allerdings nicht um gewöhnliche Felle: Jeder, der mit den verwunschenen Pelzen in Kontakt kommt, wird zu unbeschreiblichen Selbstverstümmelungs- und extremen Gewaltakten getrieben. Auch wenn Jake nun das Fleisch besitzt, nach dem er sich so verzweifelt gesehnt hat – welchen grauenhaften Preis muss er für seine eigene Haut bezahlen?


Bei "Pelts" handelt es sich um eine der Episoden, die Dario Argento uir Masters of Horror-Reihe beigetragen hat und diese Folge hat es nun wirklich in sich. Ich möchte den Film sogar als einen der härtesten Beiträge bezeichnen, was in dieser ungeschnittenen Version erst so richtig zum Ausdruck kommt. Man kann aufgrund der vorhandenen Gewaltdarstellungen sogar durchaus nachvollziehen, das Argentos Film zur damaligen Zeit bei uns lediglich in der geschnittenen Version erschienen ist, beinhaltet die Geschichte doch einige richtig derbe Splatter/Gore Einlagen, die für Freunde der härteren Gangart einen absoluten Leckerbissen darstellen dürften. Doch es sind längst nicht nur die härteren Passagen die diesen Film absolut sehenswert machen, denn allein schon die Story an sich beinhaltet etwas Mysteriöses in sich, das den Zuschauer von der ersten Minute an in seinen Bann zieht.

Die dabei entstehende Bedrohung ist zu keiner Zeit wirklich greifbar, was die geheimnisvolle Note des Geschehens nur noch zusätzlich hervorhebt und so ganzzeitig für ein äußerst spannendes Filmerlebnis sorgt. Neben dem hohen Härtegrad ist es sicherlich der Charakter des Pelzhändlers Feldman, der dieser Geschichte seinen Stempel aufdrückt, mit dem bekannten Sänger Meat Loaf hat man dabei eine absolut perfekte Besetzung gefunden. Der schmierige Charakter scheint ihm wie auf den Leib geschneidert, so das er hier mit einer glänzenden Performance aufwarten kann, die einen mehr als authentischen Eindruck beim Zuschauer hinterlässt. Als schmierig-und siffig kann man auch getrost die vorherrschende Atmosphäre des Szenarios bezeichnen, das größtenteils sehr bedrohliche Züge erkennen lässt.

Nachdem die Geschichte in den ersten paar Minuten noch eher ruhig beginnt, ändert sich das Ambiente fast schlagartig und wartet danach mit etlichen expliziten Gewaltdarstellungen auf, die man in dieser Anzahl nicht unbedingt erwarten konnte. Dabei verdichtet sich auch die Grundstimmung zusehends und die aufgebaute Spannung kann schon sehr an den Nerven des Zuschauers zerren. Der Grund für die mysteriösen Ereignisse wird dabei nie wirklich erklärt, jedoch kann man sich aufgrund des Geschehens ohne Probleme seinen Reim auf alles machen. Nachdem man schon die gesamte Laufzeit über mit vielen harten Szenen konfrontiert wird, läuft letztendlich alles auf einen brutalen Showdown hinaus, der erstklassig und richtig derbe in Szene gesetzt wurde. Und obwohl "Pelts" mit nicht gerade wenigen Highlights bestückt ist, darf man das gewählte Ende als unumstrittenen Höhepunkt ansehen.

Letztendlich handelt es sich meiner Meinung nach um eine der allerbesten Folgen der Masters of Horror-Reihe, die man sich allerdings wirklich nur in der ungeschnittenen Version anschauen sollte, um auch die enorme Intensität der kraftvollen Bilder spüren zu können. Dario Argento hat wirklich richtig gute Arbeit geleistet und somit einen absolut sehenswerten Beitrag abgeliefert, den man sich keinesfalls entgehen lassen sollte.


Fazit:


"Pelts" erzählt eine sehr geheimnisvolle Geschichte, die im Bezug auf den Härtegrad eine ganze Menge zu bieten hat. Aber auch ansonsten wird man mit einem Genre-Beitrag konfrontiert der sich jederzeit sehen lassen kann. So manch abendfüllender Horrorfilm kann sich hier eine dicke Scheibe abschneiden und das ist nicht nur auf die SFX zu beziehen.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,78:1 (16:9)
Laufzeit: 57 Minuten
Extras: Special Effects, Fleshing it out, Bellissima!, In the Spotlight - Cutting Edge


8/10

Samstag, 10. März 2012

Spiderhole - Jemand muss bezahlen








Spiderhole - Jemand muss bezahlen
(Spiderhole)
mit Amy Noble, Emma Griffiths Malin, George Maguire, John Regan, Reuben-Henry Biggs, Moya Farrelly
Regie: Daniel Simpson
Drehbuch: Daniel Simpson
Kamera: Vinit Borrison
Musik: Jason Cooper / Oliver Kraus
Keine Jugendfreigabe
Irland / 2009

Zusammen mit ihren drei Freunden macht sich die Kunststudentin Molly in London auf die Suche nach einem leerstehenden Haus welches sie besetzen können. Keine Miete bezahlen, nach Lust und Laune Partys feiern und ihrer künstlerischen Ader frönen, das ist das Ziel der Clique. Ein scheinbar passendes Haus ist schnell gefunden und in Besitz genommen. Doch der Wunsch nach einer freien Kommune verwandelt sich in einen Albtraum aus Angst und Schmerzen, als die Studenten entdecken, dass sie in dem angeblich leerstehenden Haus nicht alleine sind.


Nun stellt dieser irische Horrorfilm sicherlich kein Highlight des Genres dar und wartet im Endeffekt sogar mit einer recht vorhersehbaren Geschichte auf, dennoch bekommt man meiner Meinung nach durchaus solide Filmkost geliefert, die kurzweilig zu unterhalten weiß. Zwar hat man schon etliche bessere Erstlingswerke eines Regisseurs gesehen, doch Daniel Simpson hat mit "Spiderhole" eine Low Budget-Produktion ins Leben gerufen, die vor allem in atmosphärischer Hinsicht gut punkten kann. Die Story an sich ist allerdings etwas dünn ausgefallen und beinhaltet nicht gerade sehr viel Substanz, zudem sind offensichtliche Ähnlichkeiten zu Filmen wie "Saw" unübersehbar. Dies bezieht sich jedoch nicht unbedingt auf den vorhandenen Härtegrad, denn in dieser Beziehung hält sich vorliegender Film trotz der hohen Alterseinstufung eher vornehm zurück. Die härteren Szenen werden zumeist lediglich angedeutet, wobei sich der Rest dann im Kopf des Zuschauers abspielt.

Dafür kann sich allerdings ein recht straff gezogener Spannungsbogen aufbauen, was insbesondere dem Umstand zu verdanken ist, das die Bedrohung für die Protagonisten in der ersten Filmhälfte im Dunkeln gehalten wird, denn erst danach tritt der scheinbar geisteskranke Killer auch visuell in der Geschichte auf. Durch ihn wird aber auch die Schwäche des Filmes offenkundig, denn der Zuschauer bekommt im Prinzip keinerlei Erklärungen für dessen Motive, die Jugendlichen zuerst bestialisch zu quälen, um sie danach zu töten. Dennoch können sich Kenner der Szene ihr eigenes Bild machen, werden einem doch während der gesamten Laufzeit immer wieder kleinere Puzzle-Teilchen hingeworfen, aus denen man sich letztendlich sein eigenes Bild über die Beweggründe formen kann. Trotz dieser Möglichkeit wären einige erschöpfende Erklärungen jedoch sehr nett gewesen, da manch einer nach Beendigung des Szenarios eventuell doch mit einigen Fragezeichen vor dem heimischen Bildschirm sitzt.

Trotz dieser offensichtlichen Schwächen hat mir "Spiederhole" recht gut gefallen, was vor allem der dichten Grundstimmung zu verdanken ist, die sich innerhalb des besetzten Hauses entfaltet. Dabei entstehen teils bedrohliche Züge und das Ambiente ist herrlich siffig und dreckig gehalten. So entstehen durchaus einige Gänsehautmomente, die man allerdings durch einen etwas kräftigeren Score noch besser hätte hervorheben können. So allerdings entstehen immer wieder leichte Spannungseinbrüche, die man auf jeden Fall hätte vermeiden können. Dennoch handelt es sich insgesamt um einen Horrorfilm, der insgesamt gesehen längst nicht so schlecht ist, wie es einige Kritiken eventuell vermuten lassen.

Letztendlich muss man Daniel Simpson ein zwar nicht in allen Belangen, dafür aber kurzweiliges Regie-Debüt attestieren, bei dem man aber noch viel mehr hätte bewerkstelligen können. Der Höhepunkt ist sicherlich die gelungene Atmosphäre der Geschichte, Schwachpunkte findet man bei den fehlenden Erklärungen für die Motive des Killers und in kleineren Spannungseinbrüchen. Mit einem höheren Budget und etwas mehr Liebe zum Detail hätte man einen richtig guten Genre-Beitrag abliefern können, aber auch so handelt es sich immer noch um einen sehenswerten Film, den man sich ohne Weiteres gut anschauen kann, ohne dabei seine kostbare Lebenszeit zu vergeuden.


Fazit:


"Spiderhole" ist alles andere als ein filmisches Meisterwerk, bietet allerdings grundsolide Genre-Kost mit einigen kleineren Defiziten. Ob der Film einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt muss jeder für sich selbst entscheiden, für einen kurzweilig unterhaltenden DVD-Abend ist das Werk jedoch bestens geeignet. Zudem ist die Laufzeit mit gerade einmal knapp 78 Minuten auch so bemessen, das überhaupt kein Platz für etwaige Längen bleibt.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 78 Minuten
Extras: Trailer, Trailershow


7/10

Donnerstag, 8. März 2012

All Beauty Must Die








All Beauty Must Die
(All Good Things)
mit Ryan Gosling, Kirsten Dunst, Frank Langella, Lily Rabe, Philip Baker Hall, Michael Esper, Diane Venora, Nick Offerman, Kristen Wiig, Stephen Kunken, John Cullum, Maggie Kiley, Liz Stauber, Marion McCorry, Mia Dillon
Regie: Andrew Jarecki
Drehbuch: Marcus Hinchey / Marc Smerling
Kamera: Michael Seresin
Musik: Rob Simonsen
FSK 16
USA / 2010

David (Ryan Gosling) stammt aus gutem Hause. Sein Vater (Frank Langella) ist ein anerkannter, prominenter Immobilienmogul in New York City. Doch David hat keine allzu grosse Lust in die Fussstapfen seines Vaters zu treten und sich ins Familienbusiness einzufügen. Er verliebt sich in Katie (Kirsten Dunst), beide glauben an die grosse Liebe und heiraten gegen den Willen seiner privilegierten Familie. Nach einiger Zeit verhält sich David immer eigenartiger gegenüber seiner Frau, bis diese plötzlich spurlos verschwindet. Eine Serie von auffälligen Todesfällen beginnt und die Schlinge um den flüchtigen Ehemann zieht sich immer enger zu ...


Die hier erzählte Geschichte orientiert sich an wahren Ereignissen und basiert auf dem Leben und der Mordanklage von Robert Durst, dessen Name jedoch für den Film in David Marks umgeändert wurde. Die Hauptrolle wurde mit Hollywoods neuem Shooting-Star Ryan Gosling (Drive, Ides of March) besetzt, der ja ganz augenscheinlich von vielen Leuten als neuer Kult-Schauspieler angesehen wird. Nun kann man über diesen Punkt sicherlich geteilter Meinung sein, doch seine Performance in vorliegendem Film ist ganz einfach großartig. Das bezieht sich jedoch im Prinzip auf den gesamten Film, der von Andrew Jarecki äußerst eindrucksvoll in Szene gesetzt-und mit sehr viel Liebe zum Detail versehen wurde. Das bezieht sich in erster Linie auf die gesamte Ausstattung die dem Zuschauer vor allem das Flair der 70er Jahre nahezu perfekt wiedergibt, in denen sich ein Großteil der Story abspielt. Ganz egal, ob es sich dabei um Autos, Kleider oder Einrichtungsgegenstände handelt, hier entsteht wirklich das Gefühl, das man 40 Jahre in der Zeit zurückversetzt wird.

Nun wird der Film von nicht gerade wenigen Leuten als zäh und langatmig bezeichnet, was ich persönlich beim besten Willen nicht nachvollziehen kann. Beginnend wie ein waschechtes Drama entwickelt sich der Story-Plot doch mit zunehmender Laufzeit zu einem wirklich spannend inszenierten Psycho-Thriller, der in erster Linie von seinen teils großartigen Darstellern getragen wird. Einerseits ist da eben jener Ryan Gosling, der zu Beginn den eher zurückhaltenden jungen Mann darstellt, der ganz offensichtlich eine zentnerschwere Last auf seinen Schultern trägt. Über die Hintergründe bekommt man zwar ausreichende Informationen, kann aber deren Wirkung auf den Haupt-Charakter eher nur erahnen. Auch seine spätere Wandlung zu einem scheinbaren Psychophaten wird von Regisseur Jarecki bewusst schwammig gehalten. Hier liegt eine ganz große Stärke des Filmes, denn es werden dem Betrachter Sichtweisen präsentiert, wie die Dinge höchstwahrscheinlich abgelaufen sind, bei vielen Sachen kann man sich aber nie sicher sein. Das lässt viel Freiraum für eigene Interpretationen, die einem selbst lange nach dem Ende der Geschichte noch im Gehirn rumspuken. Gosling spielt seine Rolle absolut perfekt, wird meiner Meinung nach aber von einer absolut brillanten Kirsten Dunst noch übertroffen.

Normalerweise denkt man bei ihrem Namen sofort an die "Spiderman-Filme", in denen sie allerdings mehr als hübsche Staffage anzusehen war. Umso überraschter kann man über die hier gezeigte Leistung sein, handelt es sich doch wohl um ihre bisher mit Abstand beste Rolle. Die Darstellung der hübschen und lebenslustigen jungen Frau und die Verwandlung in ein nervliches Wrack werden von ihr mit einer unglaublichen Authenzität wiedergegeben. Hier zeigt die gute Kirsten, das sie weitaus mehr als nur hübsch anzusehen ist und kann eine Menge schauspielerisches Talent in die Waagschale werfen, das dem gesamten Film einen ganz eigenen Stempel aufdrückt. Es sind aber längst nicht nur die beiden grandiosen Hauptdarsteller, denn bis in die kleinsten Nebenrollen ist "All Beauty Must Die" herausragend besetzt, wobei die Rollen teilweise mit durchaus bekannten Gesichtern besetzt sind. Neben dem tollen Cast besticht das Werk insbesondere durch einen sehr gekonnten Spannungsaufbau, denn was hier eigentlich eher harmlos und fast schon banal beginnt, lässt im weiteren Verlauf des Geschehens immer bedrohlichere Züge erkennen. Man kann Vieles vermuten, weiß allerdings letztendlich nicht wirklich, ob sich auch alles so zugetragen hat. Gerade am Ende der Geschichte bekommt man noch einmal einen Einblick in die Gedanken von David Marks die eine mögliche-und höchstwahrscheinlich sogar reale Darstellung der Ereignisse in Kurzform anbieten, dennoch wird man im Endeffekt mit einer unglaublichen Ungewissheit aus einer Story entlassen, die von der ersten bis zur letzten Minute eine wahnsinnig starke Faszination auf einen ausgeübt hat.

Jarecki gelingt es nahezu perfekt, mit den Emotionen des Betrachters zu spielen, lässt ihn aber gleichzeitig mit einer inneren Zerrissenheit zurück. Einerseits erweckt er nämlich durchaus ein gewisses Maß an Mitleid für einen Mann, dessen Leben sich durch ein in der Kindheit erlebtes Trauma wohl vollkommen anders gestaltet hat, als wie es normalerweise der Fall gewesen wäre, andererseits möchte man in dieser Person den eiskalten Mörder sehen der vor Gericht gestellt, aber von der Jury freigesprochen wurde. Dieser innere Zwiespalt wird durch die Performance von Gosling noch zusätzlich gefördert, den man in diversen Szenen mitleidig in die Arme schließen möchte, aber dann wiederum in etlichen Passagen zum Teufel schicken möchte. Letztendlich handelt es sich auf jeden Fall um einen äußerst hochklassigen Film, dessen Erzählstruktur einen ganz automatisch in ihren Bann zieht und dessen Wirkung auch noch lange nach dem Ende anhält. Herausragendes Schauspiel, viel Freiraum für eigene Interpretationen und ein absolut fesselndes Szenario sollten mehr als genügend Gründe sein, um sich dieses Filmerlebnis nicht entgehen zu lassen.


Fazit:


Bei dieser Geschichte wird man fast zwangsläufig selbst zum Ermittler und kann am Ende doch nicht mit absoluter Gewissheit sagen, wie sich die ganzen Geschehnisse wirklich ereignet haben. Viele Fragen bleiben offen, aber man bekommt hier eine mögliche Wahrheit serviert, auch wenn einige Zusammenhänge der echten Geschichte wohl immer ein Geheimnis bleiben werden. "All Beauty Must Die" ist jedenfalls einer der beeindruckendsten Filme der letzten Zeit, den sich kein Freund von hochklassiger Filmkost entgehen lassen sollte.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch DTS 5.1, DD 5.1 / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1:1,78 (16:9)
Laufzeit: 97 Minuten
Extras: Deleted Scenes, Die Wahrheit hinter der Fiktion, Die ursprüngliche Geschichte, Blick unter die Oberfläche, Make-up Effekte, Audiokommentare, Originaltrailer


8,5/10

Dienstag, 6. März 2012

Obsession - Tödliche Spiele








Obsession - Tödliche Spiele
(Little Deaths)
mit Scott Ainslie, Mike Anfield, James Anniballi, Kate Braithwaite, Daniel Brocklebank, Tommy Carey, Errol Clarke, Luke de Lacey, Christopher Fairbank, Brendan Gregory, Oliver Guy-Watkins, Siubhan Harrison, Phoenix James
Regie: Sean Hogan / Andrew Parkinson /Simon Rumley
Drehbuch: Andrew Parkinson / Simon Rumley
Kamera: Milton Kam
Musik: Richard Chester
Keine Jugendfreigabe
Großbritannien / 2011

Ein eigenartiges Paar lädt eine obdachlose Frau zum Abendessen ein - hat aber einige nicht so angenehme Hintergedanken, was mit dem Gast anzustellen ist. - Ein Callgirl verspürt eine metaphysische Verbindung mit einer unberechenbaren Bestie, die von einem verrückten Wissenschaftler gefangen gehalten wird. - Ein Paar hat sich sein Leben mit einem grotesken SM-Verhältnis eingerichtet - so wie die beiden haben wenige vor ihnen Meister und Diener gespielt.


Dem Zuschauer werden hier 3 Episoden von 3 verschiedenen Regisseuren präsentiert, die alle eines gemeinsam haben, nämlich die Vermischung von Sex und Gewalt. Dabei äußern sich die Elemente auf die verschiedendsten Arten, wobei alle Folgen auch über diverse Horror-Elemente in Erscheinung treten. Man erlangt einen tiefen Einblick in die Abgründe der menschlichen Seele und erhält einen guten Überblick darüber, wie schnell sich diverse Machtverhältnisse ändern können. Am extremsten wird dieser Aspekt wohl in der ersten Episode "Haus und Heim" in den Vordergrund gerückt, in der ein sadistisches Ehepaar Obdachlose für ihre perversen Sex-Spielchen missbrauchen will. Das man sich dabei den eigenen Tod ins Haus holt, beinhaltet schon eine äußerst makabere Note und wird zudem recht blutig in Szene gesetzt.

Die zweite Folge "Die Mittel des Mutanten" zielt dann in eine etwas andere Richtung und stellt wohl auch für den Betrachter die am schwierigsten zugängliche Geschichte dar, hier werden einem perverse Experimente eines alternden Nazi-Arztes präsentiert, die schon eine absurde Note beinhalten. Der dritte und letzte Teil dieses Episoden-Filmes" Das Luder" bietet dann wiederum einen recht leichten Einstieg in ein Geschehen, bei dem absonderliche Rollenspiele im Mittelpunkt stehen. Alle 3 Geschichten beinhalten ihren ganz eigenen Reiz, wobei man das Gesamtwerk nur schwerlich in die Schublade gut oder schlecht stecken kann. Auf jeden Fall aber ist diese britische Produktion sehr interessant gestaltet, wobei sie ganz sicher nicht jeden Geschmack treffen wird. Man sollte schon eine gewisse Vorliebe für die vorhandene Thematik haben, denn ansonsten wird man wohl nicht sehr viel mit den jeweiligen Szenarien anfangen können.

Es ist allerdings sehr spannend mit anzusehen, wozu viele menschen in der Lage sind wenn es darum geht, eigene Sehnsüchte zu befriedigen. Der dabei entstehende Egoismus kommt hier sehr gut zum Ausdruck und die Gleichgültigkeit gegenüber den Gefühlen der "Opfer" steht dabei jederzeit im Mittelpunkt des jeweiligen Geschehens. Streckenweise ist dabei bei einigen Akteuren eine so ausgeprägte Eiseskälte zu erkennen, das es einem selbst eiskalt über den Rücken läuft. Wenden sich dann jedoch einmal die Machtverhältnisse und die Täter werden zu Opfern, dann erkennt man doch ziemlich eindeutig den wahren Charakter der Betroffenen. Aus zuvor scheinbar starken und absolut gleichgültigen menschen werden winselnde Heulbojen, die ganz einfach nicht ertragen können, was sie anderen menschen zufügen. Diese Punkte wurden hier wirklich gut herausgearbeitet. Insbesondere die Verwandlung von scheinbarer Stärke und Dominanz in pure Feigheit und panische Angst wird von den Darstellern gut zum Betrachter transportiert.

Insgesamt gesehen ist "Obsession - Tödliche Spiele" sicherlich ein Film, der nicht unbedingt für das breite Mainstream-Publikum produziert wurde, präsentiert sich doch ein Szenario, das die dunkelsten Winkel der menschlichen Seele beleuchtet. Nicht wenige Leute werden den Film eventuell sogar als Schund bezeichnen, doch wenn man sich dem teils absonderlichen Geschehen öffnen kann, offenbart sich einem eine düstere Seite des Menschen, der manchmal schon extreme und dunkle Sehnsüchte in sich trägt, deren Ausleben in der heutigen Zeit immer noch auf extremes Unverständnis trifft.


Fazit:


Mir persönlich hat dieser Episoden-Film sehr gut gefallen, da die Thematik äußerst gut bearbeitet wurde. Nicht jedermanns Sache dürfte "Obsession - Tödliche Spiele" vor allem einer bestimmten Zielgruppe vorbehalten sein, die auch dazu in der Lage ist, sich mit dem Gesehenen auseinanderzusetzen. Zudem hinterlässt der Film auch durchaus einen nachhaltigen Eindruck beim Zuschauer, der auch noch lange nach der Sichtung über die Geschehnisse nachdenkt.


Die DVD:

Vertrieb: Sunfilm
Sprache / Ton: Deutsch DTS 5.1, DD 5.1 / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,85:1 (16:9)
Laufzeit: 90 Minuten
Extras: Trailer, Trailershow


7,5/10

Sonntag, 4. März 2012

Gandu - Wichser








Gandu - Wichser
(Gandu)
mit Anubrata Basu, Joyraj Bhattacharya, Rii
Regie: Kaushik Mukherjee
Drehbuch: Surojit / Q
Kamera: Kaushik Mukherjee
Musik: Five Little Indians
Keine Jugendfreigabe
Indien / 2010

Gandu geht sein Leben gehörig auf den Sack: er lebt noch bei seiner Mutter, die ihn echt annervt, die Wohnung gehört ihrem Macker, der jeden Tag nur zum Vögeln vorbeischaut und das bisschen Kohle, das er hat, muss er ihrem Typen dann genauso regelmäßig aus der Hose klauen. Ansonsten vertreibt er sich die Zeit mit Pornos oder hängt auf der Straße rum. Nur für die wilden Raps, die er textet, kann er sich begeistern. All das ändert sich, als er Riksha trifft, der ein ausgesprochenes Faible für Bruce Lee hat und einen ordentlichen Vorrat an Drogen. Während sie sich gemeinsam zudröhnen, geben sich Exzess und Absturz die Klinke in die Hand und alles verschwimmt: hatte er letzte Nacht wirklich zum ersten Mal Sex? Ist die Asian Dub Foundation tatsächlich in der Stadt, nur um mit ihm aufzutreten?


Bei indischen Filmen denkt wohl so ziemlich jeder zuerst an die teils kitschigen Bollywood-Produktionen, die gerade in den letzten Jahren immer mehr Fans finden. Das vorliegende Regie-Debüt von Kaushik Mukherjee jedoch bietet alles andere als den üblichen Mainstream, handelt es sich doch vielmehr um wirklich mutiges-und experimentelles Kino, dessen Zugang allerdings wohl einer eher kleineren Gruppe vorbehalten sein wird. "Gandu" ist nämlich ein Film, der allein schon wegen seines einzigartigen Erzähl-Stils für Aufsehen sorgt, bekommt der Zuschauer hier doch keinesfalls eine als flüssig zu bezeichnende Erzählstruktur serviert, sondern viel eher eine Geschichte, die größtenteils wie das Aneinanderreihen etlicher Video-Clips erscheint, die zudem noch recht wild zusammengewürfelt dargestellt werden. Doch gerade aus dieser Tatsache bezieht der Film seine ungeheure Wucht und erzielt dabei eine so intensive Wirkung, das die Ereignisse des Öfteren einen fast verstörten Eindruck beim Betrachter hinterlassen. Es entsteht ein phasenweise bizarrer Bilderrausch der einen in einen sogartigen Strudel hineinreisst, aus dem es scheinbar kein Entkommen gibt.

Dabei erzählt "Gandu" im Prinzip lediglich die Geschichte über das vollkommen trostlose Leben seiner Hauptfigur, was im Prinzip ja nicht unbedingt voraussetzt, das einen das Geschehen vom Hocker reisst. Dafür ist dann aber die mehr als außergewöhnliche Umsetzung der Story verantwortlich, die zwar ganz bestimmt nicht jeden Geschmack treffen wird, dem Film aber etwas extrem Spezielles verleiht, das ihn von anderen Werken merklich abhebt. Kaushik Mukherjee hat seinen Film mehr als nur aggressiv gestaltet, im Grunde genommen handelt es sich ganzzeitig um eine einzige visuelle-und verbale Provokation. Obszönitäten sind an der Tagesordnung und man wird mit Dialogen konfrontiert, in denen es vor Kraftausdrücken nur so wimmelt. Untermalt wird das Ganze zudem noch von aggressiven Raps, in denen "Gandu" seinen gesamten Lebensfrust verarbeitet. Dieser ist extrem hoch angesiedelt, was man selbstverständlich in erster Linie an den Texten merkt. Das der Film größtenteils in s/w gedreht wurde, ist meiner persönlichen Meinung nach ein nahezu genialer Schachzug, offenbart sich dadurch doch die gesamte Trostlosigkeit des Geschehens auf eine Art und Weise, die dem Zuschauer die depressive Grundstimmung des Szenarios wie eine bleierne Last auf die eigenen Schultern legt. Man fühlt sich erdrückt von der vorherrschenden Tristesse, die wie ein undurchdringlicher Schleier über jeder einzelnen Passage liegt und einem kaum die Möglichkeit zu atmen lässt.

Im letzten Drittel der Geschichte vermischt sich dann die Realität mit etlichen surrealen Elementen, eine Abgrenzung zwischen realität-und Fiktion scheint kaum noch möglich. Das ist dem übermäßigen Drogenkonsum von Gandu zu verdanken, der damit scheinbar der deprimierenden Realität entfliehen will. Für uns als Betrachter stellt sich das so dar, als wenn man in einen wilden Traum gerät, in dem sämtliche Grenzen verschwinden und einfach alles in einer Bildfolge erscheint, die selten einen wirklichen Sinn ergeben will. Extrem hektische Bildschnitte und die Aneinanderreihung der wildesten Fantasien lassen einen dabei tief in ein Szenario eintauchen, das äußerst verstörend in Szene gesetzt wurde, was allerdings in diesem Fall sehr positiv zu verstehen ist. Man muss sich wirklich auf diesen Film einlassen, um ihm etwas abgewinnen zu können, doch wenn man dazu in der Lage ist seinen Geist zu öffnen und das Gesehene in sich aufzunehmen, dann wird man seine helle Freude mit "Gandu" haben. Für die einen mag es Schund sein, andere werden dieses Werk als mutiges-und experimentelles Kino ansehen und auf meine Person bezogen kann ich nur sagen, das es sich hier um ein echtes Juwel handelt, das man in dieser Form wohl eher selten zu Gesicht bekommt. Man merkt doch ganz eindeutig, das es im Inneren des Regisseurs heftig gebrodelt haben muss, denn ganz offensichtlich wurde hier persönlicher Frust bewältigt. Das dabei entstandene Endergebnis dürfte für den zuschauer eine fast einmalige Erfahrung sein, denn so viel Aggressivität, Intensität und Provokation ist nicht sehr oft in einem einzigen Film vereint. Dazu zählen auch die explizit in Szene gesetzten Hardcore-Passagen, die das gewonnene Gesamtbild nur noch zusätzlich unterstreichen.

Ich habe selten einen Film gesehen, der so dermaßen mutig-und provokant dahergekommen ist. Gerade für ein Erstlingswerk eines Regisseurs bekommt man Filmkost geboten, die auf ihre ganz besondere Art einen immensen Härtegrad ausstrahlt und dabei eine Erzählstruktur an den Tag legt, die alles andere als Mainstream ist. Ist das Label Bildstörung schon von Haus aus für außergewöhnliche Film-Perlen bekannt, so dürfte diese Veröffentlichung noch einmal einen ganz eigenen Platz in der Reihe ganz besonderer Geschichten einnehmen. Im Grunde genommen ist "Gandu" ein 82 Minuten langer Video-Clip, der in tausend kleine Teilchen zerlegt wurde die aufgrund ihrer einzigartigen Aneinanderreihung einen bizarren Bilderrausch erzeugen, gegen den man beim besten Willen nicht ankämpfen kann. Hier gibt es eigentlich keinen Platz für eine Grauzone, handelt es sich doch um einen so speziellen Film, das man ihn entweder nur lieben oder hassen kann. Für mich ist hier ein kleines Meisterwerk entstanden, das insbesondere wegen seiner verstörenden Wirkung einen sehr nachhaltigen Eindruck beim Betrachter hinterlässt. Der drogenartige Bilderrausch frisst sich dabei immer tiefer in das eigene Bewustsein, so das man nicht selten das Gefühl bekommt, selbst unter Drogeneinfluss zu stehen.


Fazit:


Wild, aggressiv, provokant, obszön, laut, hektisch und absolut faszinierend, all diese Dinge treffen haargenau auf diesen Film zu. "Gandu" ist extrem mutiges Kino aus Indien, in dem die trostlose Lebenssituation der Titel-Figur auf eine absolut einmalige Art in Szene gesetzt wurde. Zwischen Absturz und Ekstase verschwinden die Grenzen zwischen Realität und Fiktion und ergeben so einen einzigartigen-und extrem wilden Bilderrausch, der einen nicht so schnell wieder los lässt. man muss diesen Film wirklich selbst gesehen haben um sich einen eigenen Eindruck zu machen, wobei das geschehen ganz bestimmt nicht bei jedem die gleiche Wirkung hinterlässt. Die Veröffentlichung von Bildstörung ist wie immer allererste sahne und es gibt keinerlei Grund zur kleinsten Beanstandung. Wer also ein Faible für den außergewöhnlichen Film besitzt, sollte sich diese DVD keinesfalls durch die Lappen gehen lassen.


Die DVD:

Vertrieb: Bildstörung
Sprache / Ton: Bengalisch DD 2.0 Stereo
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 82 Minuten
Extras: Streng limitiert: Mit exklusiver Soundtrack-CD, Behind the Scenes (30 Min.), Berlin Episodes 1 & 2 (15 Min.), Where The Fuck RV? – kurze Tourdoku (10 Min.), Musikkurzclips (3 Min.), Booklet mit einem Essay von Jochen Werner


10/10