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Sonntag, 29. April 2012

Blood Runs Cold









Blood Runs Cold
(Blood Runs Cold)
mit Ralf Beck, Elin Hugoson, Hanna Oldenburg, Andreas Rylander, Patrick Saxe
Regie: Sonny Laguna
Drehbuch: Tommy Wiklund / Sonny Laguna
Kamera: Keine Information
Musik: Samir El Alaoui
FSK 16
Schweden / 2011

Nach einem recht stressigen Jahr möchte sich die erfolgreiche Sängerin Winona eine Auszeit gönnen und mietet sich deshalb ein Haus, welches etwas versteckt in den Wäldern ihres früheren Heimatortes liegt. Schnell findet die Künstlerin wieder Anschluss an ihre alte Clique und lädt die Gruppe zu sich ein. Nach einer ausgelassenen Feier müssen die Freunde feststellen, dass sie nicht allein in der eingeschneiten Behausung sind: Seltsame Geräusche sind zu hören, die Autos wurden irreparabel beschädigt und ein Mitglied nach dem anderen verschwindet - allerdings nicht spurlos: Blutspritzer dekorieren schon bald die Gänge des Hauses. Doch anstatt sich zu verstecken oder zu fliehen, nimmt Winona den Kampf gegen den Killer auf. Nicht wissend, dass dieser wenig Menschliches an sich hat.


Der Einzug in das falsche Haus kann tödliche Folgen haben


Diese Erfahrung muss in dieser schwedischen Produktion auch Sängerin Winona machen, die mit 3 Freunden einen gemütlichen Abend verbringen will. Das dieser nicht so nett enden wird, kann man sich aufgrund der Inhaltsangabe schon denken, handelt es sich hier doch um einen skandinavischen Durchschnitts-Slasher, der im Bezug auf die Thematik und den Geschichtsablauf doch sehr stark an "Cold Prey" erinnert. Leider kann vorliegende Geschichte aber keinesfalls an die Klasse des norwegischen Vorbildes anknüpfen, obwohl Regisseur Sonny Laguna im Prinzip sämtliche Zutaten zur Hand hatte, um einen wirklich gelungenen Film zu kreieren. Die Umsetzung des Ganzen lässt dann jedoch an allen Ecken und Enden teils zu offensichtliche Mankos erkennen, die man sich logisch kaum erklären kann. So plätschert die Geschichte in den ersten gut 30 Minuten eher belanglos vor sich hin, was bei einer Gesamtlaufzeit von knapp über 70 Minuten schon eine ganze Menge ist. Der Spannungsaufbau fällt dabei eher mäßig aus und die wenigen Charaktere werden gerade einmal äußerst oberflächlich beleuchtet. Wirklich verwunderlich erscheint dieser Aspekt aber nicht, denn kaum hat man sich an die wenigen Akteure gewöhnt, werden sie durch den vermummten Killer auch schon wieder aus der Geschichte entfernt.

Selbst der Mörder erinnert schon rein optisch an den Wahnsinnigen aus "Cold Prey", jedoch wird man hier vollkommen über die Identität und die Motive im Dunkeln gelassen, einzig und allein die offensichtliche Unverwundbarkeit des Mörders deutet ansatzweise darauf hin, das man es nicht mit einem menschlichen Wesen zu tun hat. Das gänzliche Fehlen irgendwelcher Erklärungsversuche lässt das Geschehen jedoch äußerst unausgegoren und unvollständig erscheinen und das recht abrupte Ende des Szenarios lässt den Zuschauer auch nicht gerade mit einem befriedigten Gefühl zurück. Die gesamten Ereignisse hinterlassen vielmehr einen größtenteils abgehackten Eindruck, es scheint stellenweise fast so, als wenn mehrminütige Passagen des Filmes fehlen würden, was das Seherlebnis doch sichtlich beeinträchtigt.

Nun ist man ja aus Horrorfilmen gewohnt, das es nicht immer unbedingt logisch zur Sache geht und vollkommen unlogische Verhaltensweisen der Ajteure gehören ja zum guten Ton. Was sich einem allerdings hier streckenweise offenbart, muss man schon fast als grotesk bezeichnen, denn kein normaler mensch würde sich so verhalten. Andererseits verleiht das dem Film aber auch einen gewissen Charme und lässt unfreiwilligen Humor in die Story einfließen, der in dieser Form sicherlich nicht beabsichtigt war. Doch auch andere Szenen sind kaum zu erklären, da schlägt beispielsweise der Killer eine halb geöffnete Tür mit der Axt ein, anstatt diese einfach ganz zu öffnen, um dann in den dahinter liegenden Raum zu treten. An dieser Stelle muss man sich wirklich das lachen verkneifen und fragt sich, ob den Machern dieser Gesichtspunkt beim Dreh gar nicht aufgefallen ist. Man sollte an dieser Stelle anmerken, das "Blood Runs Cold" keineswegs ein beabsichtigtes Trash-Werk ist, sondern einen ernstzunehmenden Genre-Vertreter darstellen soll. Bei den ganzen ins Auge springenden Unzulänglichkeiten fällt es allerdings sehr schwer, den Film als solchen anzusehen.

Und auch wenn sich das jetzt alles eher negativ anhört, die Geschichte ist durchaus unterhaltsam gestaltet und die Zeit vergeht wie im Flug. Zudem beinhaltet das Geschehen einige für eine 16er Freigabe recht harte-und blutige Effekte, von denen man jedoch nicht zu viele erwarten sollte, denn die Anzahl der Darsteller deutet ja durchaus schon an, das hier kein allzu großer Bodycount zu erwarten ist. Alles zusammengenommen ist "Blood Runs Cold" rein filmisch gesehen eher im unteren Durchschnittsbereich anzusiedeln, durch seine etlichen Unzulänglichkeiten beinhaltet der Film aber einen unglaublich hohen Unterhaltungswert. Die unfreiwillig komische Note wertet das ganze sogar noch etwas auf, wohingegen das fehlen jeglicher Erklärungen ein richtig dicker Minuspunkt ist. Hier kommt es wirklich auf den eigenen Geschmack an, denn wer seine Freude an diversen Mankos hat wird vollauf seine Kosten kommen. Wer jedoch lieber auf Logik und erklärbare Zusammenhänge setzt, wird am Ende maßlos enttäuscht sein.


Fazit:


Sonny Laguna wird mit seinem Film die Meinungen wohl ziemlich spalten, denn obwohl es sich um einen ernsten Genre-Beitrag halten soll, kann diese Einschätzung aufgrund der etlichen Logiklöcher und der fehlenden Erklärungen kaum aufrecht erhalten werden. Manch einer wird das Werk als erfrischenden Blödsinn ansehen oder es gar in den Trash-Bereich abtun, die echte Wahrheit liegt wohl irgendwie in der Mitte. Man sollte sich also selbst ein Bild von der Szenerie machen, die durchaus gute Ansätze und einen ordentliche Grundstimmung erkennen lässt, aber in ihrer Umsetzung auch etliche Fehler in den Vordergrund stellt, die einfach nicht hätten passieren dürfen.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot elite
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,35:1 (16:9
Laufzeit: 74 Minuten


3/10

Freitag, 27. April 2012

Bellflower









Bellflower
(Bellflower)
mit Evan Glodell, Jessie Wiseman, Tyler Dawson, Rebekah Brandes, Vincent Grashaw, Zack Kraus, Keghan Hurst, Alexandra Boylan, Bradshaw Pruitt, Brian Thomas Evans, Britta Jacobellis, Ceaser Flores, Chris Snyder
Regie: Evan Glodell
Drehbuch: Evan Glodell
Kamera: Joel Hodge
Musik: Jonathan Keevil
FSK 16
USA / 2011

Woodrow und Aiden sind nicht nur die besten Freunde, sie teilen auch dieselbe Sehnsucht nach einer globalen Katastrophe in der Hoffnung dann mit ihrer erfundenen Autogang "Mother Medusa" die Straßen der USA unsicher machen zu können. Von dieser Passion angetrieben widmen sie ihre ganze Freizeit dem Bau von Waffen und Flammenwerfern, mit welchen sie ihre Autos aufrüsten können. Als Woodrow an einem Wochenende die wunderschöne Milly kennenlernt und sich beide ineinander verlieben, verändert sich jedoch alles. Es ist der Beginn eines Strudels bestehend aus Hass, Liebe, Verrat, Gewalt und...Feuer!


Es ist schon recht beeindruckend, mit welch herausragendem Regie-Debüt Evan Glodell hier aufwartet, der zudem auch noch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet und ganz nebenbei auch noch die Hauptrolle bekleidet. "Bellflower" beginnt dabei wie ein waschechter Road Movie, wechselt dann nach einiger Zeit zu einer Romanze, um in der zweiten Filmhälfte in ein düsteres Drama zu mutieren. Diese Kombination verschiedenster Genres ist in meinen Augen eine der ganz großen Stärken des Filmes, der aber auch ansonsten mit etlichen Highlights gespickt ist. Da wäre zuerst einmal die absolut herausragende Optik des Szenarios, die nicht umsonst an den allseits beliebten Grindhouse-Look erinnert. Dadurch erscheint die Geschichte schon äußerst atmosphärisch und beinhaltet größtenteils auch eine herrlich schmierige Grundstimmung. Unterstützt durch die absolut gelungene Kameraarbeit ergibt sich so ein visuell beeindruckendes Filmerlebnis, von dessen ausgehender Faszination man sich nur zu gern einnehmen lässt.

Auch die versammelte Darsteller-Riege trägt zum insgesamt überdurchschnittlich guten Gesamteindruck bei, sämtliche Akteure liefern hier eine überzeugende Performance ab und verleihen den Ereignissen zudem auch eine äußerst glaubwürdige Note. Dies muss man ganz besonders auf die beiden Hauptcharaktere Woodrow und Aiden beziehen, denn die beiden Freunde agieren extrem authentisch so das man ihnen auch jede einzelne Aktion abnimmt. Zudem schließt man die beiden Chaton ziemlich schnell in sein Herz, können sie doch von Beginn an jede Menge Symphatiepunkte beim Zuschauer sammeln. Die Hingabe zu ihrem verrückten Hobby und auch der Umgang miteinander unterstützt diesen Eindruck noch zusätzlich und zeichnet ein nahezu perfektes Bild einer tiefen-und echten Männerfreundschaft. So nett und harmonisch sich das Ganze nun auch anhören mag, so sehr schlägt die Story im späteren Verlauf eine sehr düstere Richtung ein. Nachdem der schüchterne Woodrow sich nämlich in die hübsche Milly verliebt und auch eine Beziehung mit ihr eingeht, schlägt die Geschichte kurz danach die Richtung eines Dramas ein. Woodrows Liebe zu Milly wird durch deren sexuellen Betrug zerstört und auf einmal verdichtet sich die bis dahin schon erstklassige Atmosphäre zusehends, wobei sie phasenweise extrem düstere Züge erkennen lässt.

Nun sollte man sich bei der Erzählstruktur des Filmes auf so einige Zeitsprünge einstellen, die im ersten Moment sogar für einige Verwirrung sorgen können. Im nachhinein jedoch kann man diesen Aspekt sogar als ziemlich genial einstufen, da vor allem im letzten Drittel des Filmes ein absolut rundes Gesamtbild entsteht, das auch keinerlei offene Fragen zurücklässt. Die einzelnen Puzzle-Teilchen fügen sich zu einem großen Ganzen zusammen, so das man letztendlich mit einem sehr befriedigten Gefühl aus einem Film entlassen wird, der einem ganz schön unter die Haut geht. Und auch wenn "Bellflower" so gut wie keine Action beinhaltet, ist es insbesondere die Story an sich, die einen wie magisch in ihren Bann zieht. Hier kommen dem Geschehen dann vor allem die durch die Zeitsprünge verursachten storytechnischen Brüche zu Gute, wird doch die Intensität der Ereignisse dadurch um ein Vielfaches gesteigert. Evan Glodell zeigt hier ein untrügliches Gespür dafür, den Zuschauer immer tiefer in die Geschichte eintauchen zu lassen und sorgt zudem durch sein extrem gelungenes Schauspiel dafür, das man fast schon mit der Hauptfigur verschmilzt.

Letztendlich ist dieser Regie-Erstling ein absolut herausragender Film, der im Prinzip keinerlei Grund zur Beanstandung liefert. Mir persönlich sind jedenfalls keine gravierenden Mankos aufgefallen, denn die vorhandenen Zutaten wurden nahezu perfekt miteinander vermischt. Gerade die Einflüsse aus verschiedenen Genres mit ihren fließenden Übergängen sorgen für ein hochklassiges Filmerlebnis, das einen äußerst nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis hinterlässt. Erstklassig agierende Darsteller und eine absolut herausragende Optik runden die ganze Sache ab und lassen einen zu einem hervorstechenden Gesamteindruck gelangen. Man kann Evan Glodell nur zu diesem Werk gratulieren und das Label Störkanal hat einmal mehr das Gespür für den besonderen Film gehabt, denn anders kann man "Bellflower" wirklich nicht bezeichnen.


Fazit:


Ein weiteres Highlight aus der Störkanal-Reihe ist mit diesem Film an den Start gegangen und bietet einmal mehr ein außergewöhnliches Sehvergnügen. Eine immer spannende-und interessante Geschichte, eine herausragende Optik und grandios agierende Darsteller sorgen für gut 100 Minuten erstklassige Unterhaltung, die durch die Vermischung unterschiedlicher Genres zudem auch noch durch einen unglaublichen Fawcetten-Reichtum sorgt. Von mir gibt es eine ganz dicke Empfehlung, denn dieser Film lohnt sich wirklich.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 103 Minuten
Extras: Trailer, Trailershow, Exklusives Booklet


8,5/10

Mittwoch, 25. April 2012

Die purpurnen Flüsse









Die purpurnen Flüsse
(Les Rivières pourpres)
mit Jean Reno, Vincent Cassel, Nadia Farès, Dominique Sanda, Karim Belkhadra, Jean-Pierre Cassel, Didier Flamand, François Levantal, Francine Bergé, Philippe Nahon, Laurent Lafitte, Robert Gendreu
Regie: Mathieu Kassovitz
Drehbuch: Jean-Christophe Grange
Kamera: Thierry Arbogast
Musik: Bruno Coulais
FSK 16
Frankreich / 2000

Inspektor Pierre Niemans und Kommissar Max Kerkerian untersuchen an zwei verschiedenen Orten unterschiedliche Verbrechen, die auf geheimnsivolle Weise miteinander verknüpft sind. Während Kerkerian eine Grabschändung mit scheinbar neonazistischem Hintergrund in Sarzac untersucht, wird Niemans aus Paris in die abgelegene Universitädtsstadt Guernon in den Alpen gerufen. Dort ereignete sich ein bizarrer Mord, bei dem das Opfer grausam gefoltert und verstümmelt wurde. Es bleibt nicht bei einer einzigen Leiche, und alle Opfer sind Mitarbeiter des Lehrinstituts in Guernon. Schon bald kreuzen sich die Fäden der Ermittlungen, und der erfahrene Niemans macht sich gemeinsam mit dem hitzköpfigen Kerkerian auf die Suche nach dem eiskalten Mörder. Bei den Nachforschungen an der Eliteuniversität stösst das gegensätzliche Duo auf mysteriöse genetische Experimente. Mit ihrem Wissen bringen sich die beiden Polizisten schließlich selbst in Lebensgefahr. Bei einem Kampf auf Leben und Tod enthüllen sie im ewigen Eis der Gletscher das Geheimnis der purpurnen Flüsse...


Mathieu Kassovitz hat hier einen der besten europäischen Thriller geschaffen, in dem 2 der allerbesten französischen Schauspieler eine mehr als mysteriöse Mordserie aufklären müssen. Allein der Aspekt, das hier mit Jean Reno und Vincent Cassel erstklassige Darsteller die Hauptrollen besetzen ist schon eine Sichtung wert, doch noch lohnenswerter erscheint die ineinander verschachtelte Geschichte, die den Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minute absolut fesselt und für sich einnimmt. Dabei handelt es sich nicht um einen ansonsten üblichen Kriminalfall, denn ziemlich schnell wird erkenntlich, das hier 2 scheinbar vollkommen unterschiedliche Fälle miteinander verbunden sind. Im Laufe der Geschichte wird dabei immer klarer, das hier ein äußerst mysteriöses Rätsel zu lösen ist, dessen Lösung eine Tragweite-und schreckliche Wahrheit an den Tag legt, die man zu Beginn keinesfalls für möglich gehalten hätte. Kassovitz ist es dabei absolut perfekt gelungen, den Story-Plot zunächst in zwei eigens erzählte Erzählstränge zu teilen, die sich erst mit zunehmender Laufzeit zu einem einzigen zusammenfügen. So kann man dann auch nicht sofort die Zusammenhänge erkennen, die ein schreckliches Geheimnis offenbaren, das einem das Blut in den Adern gefrieren lässt.

Mit Reno und Cassel hat man genau die richtige Besetzung für die Hauptfiguren gefunden, allein schon die vollkommen unterschiedlichen Charaktere der beiden Ermittler sorgen für einen extremen Unterhaltungswert und lassen sogar zeitweise ein wenig Erheiterung in die ansonsten eher sehr düsteren Ereignisse Einzug halten. Streckenweise witzige Wortwechsel der ungleichen Männer lenken den Zuschauer so ein wenig von den brutalen-und scheinbar nicht zu erklärenden Morden ab, die sich wie ein roter Faden durch die gesamte Laufzeit ziehen. Dennoch ist jederzeit eine immense Spannung zu verspüren, die sich mit zunehmender Laufzeit immer mehr anstaut, wobei weit und breit kein Ventil vorhanden scheint, das sie sich entladen könnte. Das sorgt schon zwangsweise dafür, das man selbst den ganzen Film über wie unter Strom steht und die Aufklärung des Geschehens richtiggehend herbeisehnt.

Kassovitz hat es jedoch nahezu brillant geschafft, das die aufgebaute Spannung wirklich bis zum finalen Showdown aufrecht erhalten kann, denn erst in den allerletzten Minuten des Szenarios erfahren die Geschehnisse eine lückenlose Aufklärung die einen selbst sogar etwas fassungslos zurücklässt, da man sich eigentlich nicht vorstellen möchte das die Beweggründe des Mörders einer nicht für möglich gehaltenen Geschichte begründet liegen, deren Wurzeln in der Vergangenheit verborgen liegen. Nachdem man die ganze Wahrheit erfahren hat, kann man vom menschlichen Standpunkt her sogar absolutes Verständnis für den Mörder aufbringen und empfindet sogar so etwas wie Mitleid. Die Opfer hingegen sieht man am Ende des Filmes aus einem ganz anderen Blickwinkel und kann seine persönliche Abscheu nur mühsam unterdrücken. Die ganzen Morde werden damit sicherlich nicht entschuldigt, doch die Gesamtzusammenhänge des Ganzen lassen sie doch in einem vollkommen anderen Licht erscheinen, als wie es zu Beginn noch der Fall war.

"Die purpurnen Flüsse" ist nicht nur ein absolut herausragender Thriller der eine äußerst gute-und interessante Geschichte erzählt, es ist letztendlich auch ein Einblick in die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele. Die brillante Mischung der unterschiedlichen Elemente und die streckenweise sehr tief gehende Story ergeben dabei ein Gesamtkonstrukt, das man nur als hervorragend bezeichnen kann. Darin unterscheidet sich das Werk ganz erheblich von unzähligen 08/15 Thrillern, deren Inhalt nur als bessere Fassade anzusehen ist. In vorliegendem Fall geht es auch um fehlende Menschlichkeit und persönliche Tragödien, die ein ganzes Leben nachhaltig sehr negativ beeinflusst haben und so unausweichlich auf ein wahres Horror-Szenario zugesteuert sind, das etliche Opfer gefordert hat. Und das alles ist nur aufgrund dessen geschehen, das es immer wieder Personen gibt die sich über alle Rechte und Gesetze hinwegsetzen, um sich selbst in eine Art Gott-Status zu erheben, wobei ihnen die Schicksale anderer Mitmenschen völlig unwichtig erscheinen.

Letztendlich hat man es hier mit einem wirklich außergewöhnlich gutem Vertreter seiner Art zu tun, in dem alle vorhandenen Komponenten perfekt miteinander harmonieren. Zwei herausragende Hauptdarsteller drücken dem Szenario zudem noch ihren ganz persönlichen Stempel auf und werten das Gesamtbild durch ihr brillantes Schauspiel noch einmal zusätzlich auf. Hinzu kommt auch noch die erstklassige-und sehr düstere Atmosphäre, die den mysteriösen Anstrich der Ereignisse ganz besonders hervorhebt. Wer diesen tollen Film immer noch nicht kennen sollte muss diesen Zustand schnellstens ändern, da ihm ansonsten ein unglaublich intensives-und faszinierendes Filmerlebnis durch die Lappen geht.


Fazit:


Selbst wenn man den Film schon mehrere Male gesehen hat, ist jede neuerliche Sichtung ein wahres Erlebnis. Immer wieder schafft es die Geschichte, den Zuschauer aufs Neue in ihren Bann zu ziehen. man kann sich der teils grausamen Faszination dieses Werkes beim besten Willen nicht verweigern und taucht immer wieder aufs Neue in die dunklen Tiefen der menschlichen Seele ein, um deren tiefe Abgründe zu erkennen.


9/10

Montag, 23. April 2012

Suspect - Unter Verdacht









Suspect - Unter Verdacht
(Suspect)
mit Cher, Dennis Quaid, Liam Neeson, John Mahoney, Jo Mantegna, Philip Bosco, E. Katherine Kerr, Fred Melamed, Lisbeth Bartlett, Paul D'Amato, Bernie McInemey, Thomas Barbour, Katie O'Hare, Rosemary Knower, Aaron Schwartz
Regie: Peter Yates
Drehbuch: Eric Roth
Kamera: Billy Williams
Musik: Michael Kamen
FSK 12
USA / 1987

Washinton D.C. - an einem Flußufer wird die Leiche einer jungen Frau gefunden, als Täter wird der Obdachlose Carl Anderson (Liam Neeson) verdächtigt. Zur Gerichtsverhandlung wird die Pflichtverteidigerin Kathleen Riley (Cher) bestellt. Schon bald ist sie von der Unschuld ihres Mandanten überzeugt - ebenso wie der Geschworene Eddie Sanger (Dennis Quaid). Nach anfänglicher Abneigung beginnen die beiden sich zu mögen und forschen gemeinsam in dem Fall nach, der sich schon bald als mächtig brisant entpuppt: Die Spur des Mörders führt bis in die Spitze der Regierung. Unter Lebensgefahr beginnen Riley und Sanger, sich in den Sumpf aus Korruption und organisiertem Verbrechen zu begeben...


Nicht nur in vorliegendem Film stellt die Sängerin Cher eindrucksvoll unter Beweis das ihre Talente nicht ausschließlich im Bereich des Gesanges zu suchen sind, sondern das sie so ganz nebenbei auch noch eine wirklich ernstzunehmende Schauspielerin ist. Schon im 1985 erschienenen Werk "Die Maske" agierte sie absolut herausragend und auch in der Folgezeit sollten noch einige Filme folgen (Die Hexen von Eastwick, Mondsüchtig), in denen sie ihr schauspielerisches Talent unter Beweis stellen sollte. Insgesamt hat die attraktive Dame in gut 20 Spielfilmen und 2 TV-Serien mitgespielt und führte sogar einmal selbst Regie, so das es letztendlich recht schwer fällt zu beurteilen, ob man sie lieber auf der Bühne oder vor der Kamera sieht. Doch zurück zum Film, der meiner Meinung nach ein kleines Juwel darstellt, aber komischerweise nie die Beachtung erhalten hat, die ihm eigentlich zustehen müsste. Hat Regisseur Peter Yates hier doch eine äußerst gelungene Kombination aus Krimi-und exzellentem Thriller kreiert, die an Spannung schwerlich zu überbieten ist.

Das liegt in erster Linie sicherlich in der erstklassigen Geschichte begründet, die nicht nur durch einen herausragenden Spannungsbogen zu punkten weiß, sondern immer wieder neue Verdachtsmomente auf den Täter liefert, die es dem Zuschauer wirklich schwer machen, den wahren Schuldigen schon vorzeitig zu erkennen. Dabei wirkt das Geschehen zu keiner Zeit wild konstruiert oder an den Haaren herbeigezogen, sämtliche Abläufe sind sehr gut nachzuvollziehen, bis sich dann erst kurz vor dem Ende der Schleier endgültig lüftet und man dem Mörder ins Gesicht sehen kann. Ein erstklassig zusammengesetzter Cast ist eine weitere Stärke der Story, mit Cher und Dennis Quaid hat man die beiden Hauptrollen absolut perfekt besetzt. das Zusammenspiel der beiden Akteure wirkt extrem harmonisch und man kann ihnen die Spielfreude in jeder einzelnen Einstellung anmerken. Das kann man aber ganz generell auf die gesamte Darsteller-Riege beziehen, denn "Suspect - Unter Verdacht" ist bis in die kleinsten Nebenrollen grandios besetzt, so das die gesamte Szenerie einen äußerst glaubwürdigen Eindruck beim Betrachter hinterlässt.

Einerseits Krimi, dann wiederum ein spannendes Gerichtsdrama und zu guter Letzt ein jederzeit faszinierender Thriller, gerade diese Mixtur zieht einen gut 2 Stunden lang vollkommen in ihren Bann, wobei nicht eine einzige auch nur annähernd langweilige Passage enthalten ist. Vor allem bei der Erstsichtung dieses fantastischen Filmes sitzt man mit schweißnassen Händen vor dem heimischen Bildschirm und folgt den gut durchdachten Abläufen, die immer wieder neue Überraschungen beinhalten, was die eigene Konzentration jederzeit aufrecht erhält. Man probiert dabei ganz automatisch, insbesondere auf kleinere Details zu achten, um eventuell schon vorzeitig die wahre Identität des Mörders zu enttarnen. Das dürfte allerdings gar nicht einmal so leicht sein, präsentieren sich doch die Ereignisse in einer Art und Weise, wie selbst Hitchcock sie nicht besser hätte inszenieren können. Das ständige hin-und her und immer wieder neue Verdachtsmomente sorgen für einen sehr abwechslungsreichen Story-Plot, der in keinster Weise vorhersehbar erscheint und dabei immer wieder neue verdächtige präsentiert. Es ist wirklich so, als wenn man selbst am Geschehen beteiligt ist, fast fieberhaft versucht man das ineinander verschachtelte Rätsel zu lüften, das diesen scheinbar eindeutigen Mordfall umgibt.

Peter Yates hat eindrucksvoll sein Gespür für einen extrem spannungsgeladenen Thriller unter Beweis gestellt und mit "Suspect - Unter Verdacht" einen leider viel zu oft stark unterschätzten Genre-Vertreter abgeliefert, der auch in der heutigen zeit immer noch aus dem ansonsten üblichen Einheitsbrei hervorsticht. In Sachen Suspense könnte sich so mancher Vertreter der Neuzeit eine dicke Scheibe abschneiden und so lohnt sich auch heute, immerhin 25 Jahre nach dem Erscheinen des Filmes jederzeit eine Sichtung. Auch wenn man sich die Geschichte schon mehrmals angesehen hat und die Auflösung logischerweise kennt, zieht einen das Geschehen immer wieder aufs Neue in seinen Bann und hat rein gar nichts von seiner einzigartigen Faszination eingebüßt. Starke Darsteller, absolute Hochspannung und eine extrem dichte Atmosphäre sorgen hier für Filmgenuss pur.


Fazit:


"Suspect - Unter Verdacht" gehört meiner persönlichen Meinung nach in das obere Drittel des Krimi / Thrillers und kann durchaus als unterschätzte Perle des Genres bezeichnet werden. Schon der Cast macht dieses Werk absolut sehenswert, doch die von mir erwähnten anderen Zutaten machen den Film zu einem regelrechten Highlight, das auch heute immer wieder absolut sehenswert ist.


9/10

Samstag, 21. April 2012

Shark Night 3D









Shark Night 3D
(Shark Night 3D)
mit Sara Paxton, Dustin Milligan, Chris Carmack, Katharine McPhee, Joel David Moore, Donal Logue, Joshua Leonard, Sinqua Walls, Alyssa Diaz, Chris Zylka, Jimmy Lee Jr., Damon Lipari, Christine Bently Quinn, Kelly Sry, Tyler Bryan
Regie: David R. Ellis
Drehbuch: Will Hayes / Jesse Studenberg
Kamera: Gary Capo
Musik: Graeme Revell
FSK 16
USA / 2011

Wildes Flirten, hemmungsloses Feiern und jede Menge Fun: Für Sara und ihre College-Freunde soll es das ultimative Party-Sommerwochenende im Ferienhaus ihrer Eltern auf einer kleinen Insel im Morris Salzwassersee, Louisiana werden. Die Stimmung ist ausgelassen, der See lockt und die Freunde stürzen sich mit ihren Wake-Boards ins Wasser. Doch die Partylaune sinkt schnell, als College-Footballstar Malik (Sinqua Walls) bei einem seiner übermütigen Stunts stürzt und wenig später an Land taumelt - mit einem abgerissenen Arm. Unter Schock machen sich die Freunde in einem kleinen Motorboot auf den Weg zum Krankenhaus Richtung Festland. Erst auf dem See wird ihnen klar: Es war kein Unfall. Unter ihnen lauert das Grauen. Im Wasser wimmelt es von monströsen, mordlustigen Haien, die sie in Sekundenschnelle in Stücke reißen werden. Was als perfider Racheplan einheimischer Jugendlicher rund um Saras Ex-Freund begonnen hat, wird für die Clique zum verzweifelten Kampf


Ich bin ehrlich gesagt sehr erstaunt darüber, das dieser Vertreter des Tierhorros größtenteils gnadenlos schlecht bewertet wird. Handelt es sich doch endlich einmal wieder um einen zumindest ernstzunehmenden Hai-Film, was bei den in letzter Zeit erschienenen Trash-Produktionen wie beispielsweise "Sharktopus" eine willkommene Abwechslung bietet. Natürlich erfindet vorliegender Film das Rad nicht neu und auch die Geschichte bietet nicht unbedingt Innovation, doch dafür handelt es sich endlich einmal wieder um einen Story-Plot, der so etwas wie Spannung und Atmosphäre aufkommen lässt. Es ist zwar immer wieder sehr unterhaltsam, wenn man sich die in letzter Zeit zu Hauf erschienenen Creature-Features anzuschauen, die hauptsächlich durch ihren teils unfreiwilligen Humor für ständige Attacken auf die Lachmuskeln sorgen, doch ein ernstzunehmender-und bedrohlicher Genre-Vertreter kam schon lange nicht mehr auf den Markt.

Und genau das bekommt man hier endlich wieder einmal geboten, zudem verfügt der Film über eine temporeiche Erzählstruktur und auch die vorhandenen Effekte sind weitaus besser gelungen als in diversen Billig-Produktionen der letzten Zeit. Im Bezug auf den Härtegrad hält sich "Shark Night" allerdings vornehm zurück, die meisten Szenen sind nur ansatzweise zu sehen und wirklich harte-oder bluttriefende Passagen treten nicht in Erscheinung. Das ist aber auch gar nicht weiter schlimm, denn ist es doch vielmehr die recht spannende Story, die einen in ihren Bann zieht.

Im darstellerischen Bereich gibt es nichts Neues zu vermelden, es handelt sich um die handelsüblichen Jugendlichen die selbstverständlich durch ein ansprechendes Äußeres ins Auge fallen. Das man hier keine ausführlichen Charakter-Zeichnungen geboten bekommt ist dabei nicht sonderlich überraschend und so muss man sich mit einer eher oberflächlichen Darstellung der einzelnen Figuren zufrieden geben. Das Schauspiel ist generell als solide zu bezeichnen, es spielt sich niemand sonderlich in den Vordergrund, es gibt allerdings auch keine negativen Rausreisser nach unten. David R. Ellis (Final Destination 2 & 4) stellt in seinem Film ganz eindeutig den Unterhaltungswert in den Vordergrund und verzichtet dabei anscheinend vollkommen bewusst auf eine substanziell tiefer gehende Geschichte. Ehrlich gesagt erscheint dieser Aspekt aber auch nicht wirklich störend, fällt das Geschehen dafür doch äußerst atmosphärisch aus und bietet zudem endlich einmal wieder einen spannenden Creature-Film, auf den Fans des Sub-Genres doch ziemlich lange warten mussten.

Letztendlich ist "Shark Night" ganz sicher kein Meisterwerk, bietet aber immerhin eine nette Story, die auch stellenweise bedrohliche Züge erkennen lässt. Ein solide agierendes Darsteller-Ensemble und eine gelungene Grundstimmung ergeben im Endeffekt einen gelungenen Film, der meiner persönlichen Meinung nach ziemlich stark unterschätzt wird und vollkommen zu Unrecht fast nur negative Kritiken erhält.


Fazit:


Es ist schon erstaunlich , das offensichtliche Trash-Produktionen größtenteils weitaus bessere Bewertungen erhalten, als es bei diesem Genre-Vertreter der Fall ist. Ich fühlte mich jedenfalls bestens unterhalten und kann "Shark Night" auf jeden Fall weiterempfehlen.


7/10

Donnerstag, 19. April 2012

Contagion








Contagion
(Contagion)
mit Gwyneth Paltrow, Tien You Chui, Josie Ho, Daria Strokous, Matt Damon, Griffin Kane, Laurence Fishburne, Yoshiaki Kobayashi, John Hawkes, Jude Law, Teri McEvoy, Sue Redman, Teri Campbell, Stef Tovar
Regie: Steven Soderbergh
Drehbuch: Scott Z. Burns
Kamera: Steven Soderbergh
Musik: Cliff Martinez
FSK 12
USA / Vereinigte Arabische Emirate / 2011

Vogel- und Schweinegrippe sind vorbeigegangen, ohne großen Schaden anzurichten. Da greift eine neue Pandemie um sich. Eines der ersten Todesopfer ist die amerikanische Angestellte eines international agierenden Konzerns Beth Emhoff, die kurz nachdem sie von einer Dienstreise aus Hongkong zurückgekommen ist, zusammenbricht. Die Zahl der Todesfälle auf der ganzen Welt nimmt exponentiell zu. Die US-Stelle für Seuchenbekämpfung lässt fieberhaft nach dem Auslöser und einem Serum forschen, errichtet Quarantäne-Stationen in Sporthallen. Doch der Virus lässt sich nicht unter Kontrolle halten.


Nun gibt es ja mittlerweile unzählige Katastrophen-Thriller, die sich mit der Viren-Thematik auseinandersetzen. Dadurch könnte man dann auch recht schnell zu der vorgefassten Meinung gelangen, das "Contagion" nichts sonderlich Neues darstellt, doch genau bei diesem Aspekt würde sich der Zuschauer gründlich irren. Das Werk von Steven Soderbergh unterscheidet sich nämlich ganz erheblich von anderen Genre-Vertretern, was in erster Linie schon einmal dem Doku-ähnlichen Erzählstil geschuldet ist. Für den Betrachter erweckt das Szenario nämlich vielmehr ganzzeitig den Eindruck eines Live-Reportes, als das sich das Gefühl breit machen würde, das man es mit einem Spielfilm zu tun hat. Ein anderer und sehr wesentlicher Unterschied besteht in der Tatsache, das es hier keine offensichtlichen Hauptfiguren gibt und so keine Einzelpersonen besonders tiefgehend beleuchtet werden. Es gibt nicht ein besonders bedauernswertes Opfer und auch keinen einzigen Helden in der Story, was dem ganzen einen unglaublich realistischen Anstrich verleiht. Komischerweise wird dieser Gesichtspunkt von einigen Leuten als Schwäche angesehen, doch meiner Meinung handelt es sich um die ganz besondere Stärke eines Filmes, der an Authenzität kaum zu überbieten ist. Der ansonsten oft aufkommende Helden-Pathos entfällt ebenso wie das oft aufkommende Mitleid für bestimmte Figuren.

"Contagion" zeichnet vielmehr ein mögliches Schreckens-Szenario und zeigt dabei auch eindrucksvoll die Hilflosigkeit der Menschheit, wenn ein nicht bekanntes Virus auftritt, für das es keinerlei Impfstoff gibt, so das man die Seuche weltweit nicht unter Kontrolle bringen kann. Die einzelnen Phasen werden dabei absolut hervorragend herausgearbeitet, so das man sich selbst unglaublich intensiv mit den Ereignissen auseinandersetzen-und identifizieren kann. Das dargestellte Szenario fährt einem dabei mächtig unter die haut, handelt es sich doch um eine Situation, die auch jederzeit wirklich eintreten könnte. Eigentlich möchte man sich das gar nicht vorstellen, kann sich aber der Wirkung des Filmes keinesfalls entziehen. Auch das Verhalten der Menschen wird sehr realistisch-und glaubhaft in Szene gesetzt, die aufkommende Panik und Verzweiflung der Menschen ist vollkommen nachvollziehbar und man stellt sich ganz automatisch die Frage, wie man selbst als Betroffener reagieren würde. Denn immerhin geht es um nichts anderes als das nackte Überleben, wodurch zwangsläufig auch der angeborene Egoismus durchkommt und Handlungsweisen nach sich zieht, die man im Normalfall höchstwahrscheinlich nie ausüben würde.

Der erschreckend realistische Eindruck den "Contagion" hinterlässt, unterscheidet den Film ganz erheblich von Hollywood-Filmen a la "Outbreak". Damit will ich keinesfalls sagen, das der genannte Film schlecht ist, denn eher das Gegenteil ist der Fall. Dort gibt es jedoch die oben angesprochenen Zutaten, die ganz einfach mehr zum Helden-Spielfilm tendieren, als das sie den glaubwürdigen Eindruck des Geschehens unterstreichen würden. Steven Soderbergh hat wirklich alles richtig gemacht und ein absolut schockierendes Schreckens-Szenario ins Bild gesetzt, das durch den größtenteils dokumentarischen Anstrich ganz besonders im Kopf des Betrachters hängen bleibt und einem phasenweise wirklich schweissnasse Hände beschert. Trotz nicht vorhandener haupt-Charaktere beinhaltet der Film einen herausragenden Cast, Matt Damon, Laurence Fishburne oder auch Gwyneth Paltrow sind nur einige Beispiele für die hochkarätige Besetzungsliste. Das gezeigte Schauspiel unterstreicht die glaubwürdige Note der Geschichte noch einmal zusätzlich, denn sämtliche Akteure liefern eine perfekte Performance ab, die das gewonnene Gesamtbild noch einmal aufwertet.

Insgesamt gesehen kann man nur eine uneingeschränkte Empfehlung für diesen Film aussprechen, der einen extrem nachhaltigen Eindruck beim Zuschauer hinterlässt. Die Umsetzung der Ereignisse kann man dabei wirklich schon fast als perfekt bezeichnen. Die unglaublich authentische Darstellung einer hoffentlich nie eintreffenden Situation ist dabei so dermaßen intensiv, das einem schon ein gehöriger Schock in die Glieder fährt, den man nicht so schnell wieder los wird. Äußerst gut agierende Darsteller und eine extrem beklemmende Atmosphäre runden das Ganze perfekt ab und sorgen für ein Film-Erlebnis, das man nicht so schnell vergessen wird.


Fazit:


"Contagion" hebt sich sehr wohlwollend von ähnlichen Genre-Kollegen ab, legt der Film doch weitaus mehr das Hauptaugenmerk auf die vorhandene Gesamtsituation, als das man den Focus auf bestimmte Personen legen würde. Dadurch erscheint die Geschichte absolut packend-und realistisch und erzeugt zudem noch eine viel stärkere Wirkung als jeder andere thematisch ähnlich gelagerte Film.


9/10

Mittwoch, 18. April 2012

The Ides of March - Tage des Verrats








The Ides of March - Tage des Verrats
(The Ides of March)
mit George Clooney, Ryan Gosling, Philip Seymour Hoffman, Paul Giamatti, Evan Rachel Wood, Marisa Tomei, Jeffrey Wright, Max Minghella, Jennifer Ehle, Gregory Itzin, Michael Mantell, Yuri Sardarov, Bella Ivory
Regie: George Clooney
Drehbuch: George Clooney / Grant Heslov
Kamera: Phedon Papamichael
Musik: Alexandre Desplat
FSK 12
USA / 2011

Stephen Myers, Berater der demokratischen Präsidentschaftshoffnung Morris, gilt in jungen Jahren schon als politisches Wunderkind, der für jedes Problem einen genialen Dreh kennt und sich für keinen schmutzigen Trick zu schade ist. Zunehmend hält Myers sich für unfehlbar. Er trifft sich mit dem Wahlkampfchef des anderen Lagers und lässt sich auf sexuelle Eskapaden ein. Er ahnt nicht, dass hinter seinem Rücken längst intrigiert und an seinem Untergang gearbeitet wird.


Mit etlichen Vorschusslorbeeren bedacht ist George Clooney's "The Ides of March" zu den Filmen zu zählen, die leider nicht ganz die dadurch entstandenen Erwartungen beim Zuschauer erfüllen können. Dabei wird die Geschichte an sich sehr interessant und flüssig erzählt und bietet einen sehr guten Einblick in die politischen Machtkämpfe innerhalb eines Vorwahlkampfes um die Kandidatur eines Präsidentschaftskandidaten. Im Bezug auf die authentische-und glaubhafte Darstellung der Ereignisse gibt es prinzipiell nichts zu beanstanden, die Schwäche des Szenarios liegt vielmehr in der recht oberflächlichen Charakterzeichnung der meisten Figuren in diesem politischen Ränkespiel. Zu sehr focusiert sich das Geschehen auf die Person von Stephen Myers (Ryan Gosling) und lässt dabei die restlichen Personen fast schon stiefmütterlich im Hintergrund verkümmern. Gosling agiert allerdings einmal mehr absolut brillant und liefert eine gelungene Performance als politisches Wunderkind ab, das einerseits mit allen Wassern gewaschen ist, durch seinen Idealismus jedoch auch eine starke Naivität an den Tag legt, die ihm fast zum Verhängnis wird.

Durch die offensichtliche Omnipräsenz des Hauptdarstellers fallen aber alle anderen Charakterzeichnungen eher oberflächlich aus und sind für den Zuschauer leider nur selten wirklich greifbar. Am besten wird dies an der Person des Senators (George Clooney) deutlich, der eigentlich die ganze Zeit über als perfekter Saubermann dargestellt wird und erst im letzten Filmdrittel Risse in der sauberen Fassade erkennen lässt. Dieser Aspekt wird leider nur oberflächlich angekratzt und kann den Ereignissen so nie die ganze Wirkung verleihen, um den Funken beim Betrachter überspringen zu lassen. So verhält es sich dann auch mit allen anderen für die Geschichte wichtigen Figuren, deren Konturen nur in guten Ansätzen zu erkennen sind. Das reicht im Endeffekt nicht aus um einen restlos zu überzeugen und trübt das Sehvergnügen doch erheblich. Mit böser Zunge könnte man die Behauptung aufstellen, das "The Ides of March" leider zu einer On Man Show verkümmert, in der Gosling zwar als Höhepunkt angesehen werden kann, die jedoch in ihrer Gesamtheit doch einige nicht unwesentliche Defizite aufweist.

Damit wir uns nicht falsch verstehen, der Film an sich ist absolut sehenswert und liefert auch sehr gute Eindrücke darüber, wie es in politischen Machtkämpfen zur Sache gehen kann. Man kann sich lebhaft vorstellen, das wirklich kein noch so schmutziger Trick ausgelassen wird, um das angestrebte Ziel zu erreichen. Es werden ungewollte Allianzen geschlossen und Zugeständnisse an Personen gemacht, die man eigentlich zutiefst verachtet. All diese Dinge werden äußerst glaubhaft dargestellt, es fehlt lediglich die tiefer gehende Beleuchtung der Dinge, um den Ereignissen auch die nötige Intensität zu verleihen. Um dies zu bewerkstelligen, hätte der Film sicherlich weitaus mehr Laufzeit gebraucht, das wäre mir jedoch viel lieber gewesen, als diese Ansammlung an tollen Ansätzen, die nicht ausreichend herausgearbeitet wurden. Zwar handelt es sich in diesem Fall um Kritik auf hohem Niveau, doch gerade bei einer so interessanten-und auch brisanten Thematik sollte man sich schon die Zeit nehmen, um die Geschehnisse ausführlicher darzulegen.

Im Endeffekt hat George Clooney mit "The Ides of March" einen sehr gelungenen Film geschaffen, der aber dennoch einige Mankos beinhaltet, die man mit Leichtigkeit hätte vermeiden können. Die Story an sich, das Erzähltempo und das dargebotene Schauspiel bieten keinerlei Grund zu negativer Kritik, lediglich die Charakterzeichnungen und die Ausführlichkeit der Ereignisse geben Anlass zur Beanstandung. Vielleicht waren aber auch meine persönlichen Erwartungen etwas zu hoch angesetzt, denn trotz der zu kritisierenden Punkte handelt es sich immer noch um einen überdurchschnittlich guten Film, aus dem man aber noch weitaus mehr hätte herausholen können.


Fazit:


Thematisch extrem interessant bietet "The Ides of March" einen guten Einblick in politische Ränkespiele, die einen äußerst glaubwürdigen Eindruck hinterlassen. Hätte man den Focus nicht so ausgeprägt auf die Hauptfigur gerichtet und auch die anderen Personen etwas eingehender beleuchtet, wäre der gewonnene Gesamteindruck noch viel besser ausgefallen. Dennoch hat Clooney eine spannende Abrechnung mit der amerikanischen Politik in Szene gesetzt, die man sich auf jeden Fall einmal ansehen sollte.


7/10

Montag, 16. April 2012

Sand Sharks








Sand Sharks
(Sand Sharks)
mit Julie Marie Berman, D.T Carney, Christina Corigliano, Hilary Cruz, Robert Pike Daniel, Tom Devlin, Vanessa Lee Evigan, Matthew Gittelson, Tom Harris, Brooke Hogan, Nick Hogan, Gina Holden
Regie: Mark Atkins
Drehbuch: Cameron Larson
Kamera: Mark Atkins
Musik: Mario Salvucci
FSK 16
USA / 2011

Ein Erdbeben tief unter der Wasseroberfläche befreit einen tödlichen Schwarm von prähistorischen Ungeheuern aus einer jahrhundertealten Gefangenschaft... Und sie sind verdammt hungrig! Davon ahnen die Bewohner vom friedlichen Küstenort White Sands natürlich nichts. Als sich die ersten unerklärlichen Todesfälle am Strand häufen, wird schnell klar: Irgendetwas lebt und jagt im feinen Sand des Meeresufers! Dumm nur, dass Tausende von College-Kids das diesjährige Sandman Festival gerade dort feiern wollen... Die Jagdsaison ist eröffnet!


Auch wenn das Cover der DVD durchaus Ähnlichkeiten mit Spielbergs Klassiker "Der weisse Hai" erkennen lässt, sollte man beide Werke auf keinen Fall miteinander vergleichen. In vorliegendem Fall handelt es sich doch um ein reines Trash-Erlebnis, das allerdings einen sehr hohen Unterhaltungswert beinhaltet. Die Geschichte erscheint so abwegig und skurril, das man sie fast schon wieder als genial bezeichnen könnte, denn Haie, die aus dem Sand heraus ihre Opfer attackieren sieht man nun wirklich nicht alle Tage. Die Umsetzung des Ganzen darf man dann jedoch nicht wirklich ernst nehmen, mangelt es doch an den nötigen Zutaten, um hier von einem ernstzunehmenden Genre-Vertreter sprechen zu können.

Von der ersten Minute an macht das Werk von Mark Atkins (Battle of Los Angeles, Haunting of Winchester House) keinen Hehl daraus, in welche Richtung das Geschehen tendiert, so das man sich auf ein nicht unbedingt hochklassiges, dafür aber äußerst witziges Szenario einstellen kann. Und so kommt es dann natürlich auch zu einer Menge eher unfreiwilliger Komik, die sich hauptsächlich in vollkommen sinnbefreiten Dialogen und im nicht gerade guten Schauspiel der Akteure zu erkennen gibt. Für normale Maßstäbe liegt hier im Prinzip der Todesstoß vor, doch "Sand Sharks" zählt ganz eindeutig zu der Art Film, die man aus dem Blickwinkel des Trash-Liebhabers beurteilen sollte. Es macht einfach nur eine Menge Spaß, sich das kuriose Treiben anzuschauen, ein absoluter Höhepunkt sind dabei die wirklich schlechten CGI-Effekte, die einem immer wieder die Tränen in die Augen jagen.

Wirkliche Spannung oder gar eine bedrohliche Grundstimmung darf man an dieser Stelle nicht erwarten, zu grotesk erscheinen die Ereignisse, die dann am Ende auch noch in einer hanebüchenen Lösung des Hai-Problems gipfeln. Ganz generell sollte der Zuschauer in diesem Film sein Verständnis für Logik und nachvollziehbare Handlungen der Akteure vollkommen ausschalten, denn diese Dinge sind hier ganz einfach nicht vorhanden. Gerade aus diesem Aspekt bezieht die Geschichte dann auch ihren ganz besonderen Charme, der sich fast zwangsläufig auch auf den Zuschauer überträgt.

Im Endeffekt sollte man ganz genau wissen, auf welches Filmerlebnis man sich hier einlässt, "Sand Sharks" ist alles andere als ein ernstzunehmender Genre-Beitrag. Vielmehr bietet der Film einen unglaublich hohen Unterhaltungswert und ein wahres Sammelsurium an Absurditäten, bei denen kein Auge trocken bleibt. Und so vergehen dann auch die gut 90 Minuten Laufzeit fast wie im Flug und ehrlich gesagt hätte diese Spaß-Granate ruhig noch etwas länger laufen können. Mark Atkins hat wirklich alles Mögliche getan, damit die Bezeichnung Trashfilm hier auch ihre Berechtigung findet und dem Betrachter ein vergnügliches Filmvergnügen serviert, das man nicht so schnell vergessen wird.


Fazit:


Gehirn ausschalten, DVD einlegen und einfach eine Menge Spaß haben, das sind die Grundvoraussetzungen für 90 Minuten Tierhorror-Trash der feinsten Sorte. Eine abwegige Geschichte, skurrile Situationskomik und das fehlen jeglicher Logik sorgen für beste-und extrem kurzweilige Unterhaltung, die einen Angriff auf die Lachmuskeln darstellt, dem man sich nur schwer entgegenstellen kann.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch / Niederländisch
Bild: 1,78:1 (16:9)
Laufzeit: 91 Minuten


7/10 Trashpunkte

Samstag, 14. April 2012

Großangriff der Zombies








Großangriff der Zombies
(Incubo sulla citta contaminata)
mit Hugo Stiglitz, Laura Trotter, Maria Rosaria Omaggio, Francisco Rabal, Sonia Viviani, Eduardo Fajardo, Stefania D'Amario, Ugo Bologna, Sara Franchetti, Manuel Zarzo, Tom Felleghi, Pierangelo Civera, Achile Belletti, Mel Ferrer
Regie: Umberto Lenzi
Drehbuch: Antonio Cesare Corti / Luis Maria Delgado
Kamera: Hans Burman
Musik: Stelvio Cipriani
Ungeprüft
Italien / Mexiko / Spanien / 1980

Ein geheimes Nuklearexperiment geht schief, die beteiligten Wissenschaftler und Soldaten werden verseucht. Die betroffenen Menschen werden zu blutrünstigen Killern, die alles Lebende angreifen und töten. Selbst das Militär bekommt die Situation nicht in den Griff, weil die Opfer selbst als bösartige Killer wieder auferstehen. Die letzten Überlebenden versuchen verzweifelt, dem Grauen zu entkommen.


Bei "Großangriff der Zombies" handelt es sich mit Sicherheit nicht um einen der besten Filme, die das Sub-Genre hervorgebracht hat, dennoch ist dieser Film sicher zu den Klassikern seiner Art zu zählen. Besonders die sehr trashige Note, die dieses Werk beinhaltet, macht ihn in meinen Augen zu etwas Besonderem. Das äussert sich hauptsächlich im Aussehen der Untoten, denn die Masken wirken schon teilweise recht billig, wenn nicht sogar skurril. Ganz nebenbei siht man hier auch, das es schon vor "28 Days later" durchaus schnelle und laufende Zombies gab, obwohl es immer noch Leute gibt, die Danny Boyle's Werk im Bezug auf diese Tatsache als Pionierwerk ansehen.

Die hier erzählte Geschichte ist eigentlich recht interessant und wurde auch sehr tempo-und actionreich in Szene gesetzt. Im Gegensatz zu anderen vergleichbaren Filmen der damaligen Zeit bin ich der Meinung, das sich der Härtegrad hier in einem überschaubaren Rahmen bewegt, denn so richtig harte Passagen gibt es eher selten zu sehen. Vielmehr bekommt der Zuschauer hier etliche Schießereien zu sehen, richtige Beissattacken sind eher selten.

Der Spannungsaufbau ist eigentlich sehr gut gelungen und es entfaltet sich mit der Zeit eine immer dichter und bedrohlicher werdende Stimmung, so das zu keiner Zeit irgendwelche langatmigen Passagen entstehen. Die vorhandenen Effekte sind durchschnittlich, man sollte in der Beziehung also nicht die höchsten Ansprüche haben, denn ansonsten könnte es passieren, das man doch etwas enttäuscht ist, denn teilweise wirken die Effekte schon sehr billig und trashig, was dem Film aber auch einen gewissen Charme verleiht.

Im Bezug auf die darstellerischen Leistungen wird man auch ganz bestimmt keinen Oscar-Kandidaten finden, aber das dargebotene Schauspiel ist durchaus solide und einem Film dieser Art entsprechend. Regisseur Umberto Lenzi hat mit "Großangriff der Zombies ganz sicher keinen Meilenstein geschaffen, aber diese Zombie-Trash-Perle sollte eigentlich jeder Fan kennen und in seiner Sammlung haben, denn der Film hat einen extrem hohen Unterhaltungswert und bietet jederzeit ein kurzweiliges und interessanten Filmvergnügen.


7/10

Donnerstag, 12. April 2012

Villa Captive








Villa Captive
(Villa Captive)
mit Liza Del Sierra, Dario Lado, Shalim Ortiz, David Perez-Ribada, Derek Evans, John Corby, Ashley Price, Patricia Rosales, Xavier Chili
Regie: Emmanuel Silvestre
Drehbuch: Emmanuel Silvestre
Kamera: Keine Information
Musik: John Silvestre
Keine Jugendfreigabe
Frankreich / 2011

Lucy Lust ist eine französische Pornodarstellerin, die in den USA arbeitet. Vom Pornobusiness ausgebrannt und angewidert beschließt sie eines Tages, ihre Karriere zu beenden und sich in eine abgelegene Villa in Miami zurück zu ziehen. Ein bekannter und vermeintlich wohlhabender Erotikstar wie Lucy Lust bleibt jedoch nicht lange unbemerkt. Ihre Anwesenheit spricht sich in der Nachbarschaft herum und zieht die Aufmerksamkeit von düsteren Gestalten auf sich. Als Lucy von einem gemeinsamen Essen mit dem jungen Jeremia zurückkehrt, werden die beiden bereits von Einbrechern erwartet und brutal überwältigt. Es folgen Tage voller Terror, Gewalt, Missbrauch und Erniedrigungen.


"I Spit on your Grave" trifft auf "Martyrs"


Ob man sich mit diesem reisserischen Vergleich auf dem DVD-Cover einen Gefallen getan hat mag ich nicht zu beurteilen, jedoch werden mit diesem Satz auf jeden Fall hohe Erwartungen beim Zuschauer geschürt, der sich nur zu gern von solchen Schlagzeilen in die Irre leiten lässt. Zuerst sollte man vielleicht anmerken, das "Villa Captive" auch nicht im Entferntesten etwas mit "Martyrs" zu tun hat, jedenfalls konnte ich keine Ähnlichkeiten erkennen. Der Vergleich mit dem oben genannten Rape and Revenge Klassiker ist jedoch gar nicht einmal unzutreffend, zielt die hier erzählte Geschichte doch schon sehr in die Richtung von "I Spit on your Grave", ohne jedoch die Klasse des genannten Werkes zu erreichen. Damit erst gar keine Missverständnisse aufkommen, es handelt sich in vorliegendem Fall um einen durchaus stellenweise harten Film, wobei der eigentliche Härtegrad eher im Kopf des Betrachters stattfindet, da die meisten brutalen Passagen zumeist nur angedeutet werden. Es gibt auch blutigere Einstellungen, doch insgesamt gesehen bewegt sich das Ganze in einem äußerst überschaubaren Rahmen, der zu keiner Zeit gesprengt wird.

Liza Del Sierra wagt hier einmal den Sprung in das seriöse Filmgeschäft, ist die attraktive Darstellerin doch ansonsten aus Hardcore-Produktionen bekannt. Nun fällt sie in ihrer Rolle als Pornodarstellerin (welch Ironie des Schicksals) zwar nicht unbedingt durch eine herausragende Performance auf, jedoch ist ihr Schauspiel keinesfalls so schlecht, wie man es eventuell vermuten könnte. Die Schwächen des Szenarios liegen vielmehr im Drehbuch begründet, das scheinbar ab dem Zeitpunkt endet, wo die beiden Hauptfiguren als Geiseln genommen werden. Wies der Film bis dahin noch eine erkennbare Struktur auf, so nehmen die danach folgenden Ereignisse doch arg konstruierte Züge an. Manch einer mag mich jetzt eventuell steinigen wollen, doch vertrete ich die Meinung, das dies dem Film insgesamt gesehen zu Gute kommt. Merkt man doch insbesondere am fahrigen Verhalten der Geiselnehmer das im Prinzip nichts von dem geplant war, was die Story nun noch zu bieten hat. Zugegebenermaßen erscheinen etliche Abläufe schon arg zufällig, wodurch allerdings in meinen Augen eine durchaus authentische Situation entsteht, die Täter müssen improvisieren und letztendlich Entscheidungen treffen, für die sie nicht sonderlich viel Zeit zur Verfügung haben. Dadurch erhalten die Geschehnisse sicherlich zufällige -und konstruierte Züge, andererseits geben sie lediglich den Zustand wieder, in dem sich die Täter befinden. Das ständige Auftauchen diverser Randfiguren bringt sie dabei noch mehr aus der Fassung, so das die Ereignisse mit der Zeit regelrecht eskalieren.

Die Parallelen zum oben erwähnten Rape and Revenge Klassikers sind dabei unübersehbar und auch wenn "Villa Captive" nicht annähernd dessen Intensität erreicht, handelt es sich hier immer noch um einen in meinen Augen sehenswerten Vertreter des Terrorfilms. Es sind sämtliche Zutaten vorhanden, die man allerdings noch etwas besser hätte hervorheben können. So fehlt es hier ein wenig an der nötigen Atmosphäre, denn es entsteht leider keine dreckige-und siffige Grundstimmung, die gesamte Story erscheint ein wenig zu glatt und sauber, was das Seherlebnis sicherlich ein wenig trübt. Dennoch halte ich die wenig schmeichelhaften Kritiken über diesen Film für etwas überzogen, ist die Geschichte doch auf keinen Fall so schlecht, wie es mancher Kritiker vermuten lässt. Das liegt aber auch im Auge des jeweiligen Betrachters und eventuell ist es gerade der auf dem DVD-Cover prangende Vergleich, der bei manch einem übersteigerte Erwartungen ausgelöst hat. Um das genau zu beurteilen, muss man sich das Werk von Emmanuel Silvestre schon selbst ansehen und diese Sichtung ist durchaus als lohnenswert zu bezeichnen.

Insgesamt gesehen beinhaltet "Villa Captive" ganz bestimmt einige Defizite, die man auf jeden Fall hätte vermeiden können. Der film ist sicherlich kein Meisterwerk und hätte auch durchaus einen Schuss mehr Härte vertragen können, doch letztendlich handelt es sich immer noch um einen sehenswerten Terrorfilm, der trotz seiner Vorhersehbarkeit der Ereignisse gut 80 Minuten kurzweilige Unterhaltung bietet. man sollte lediglich die eigene Erwartungshaltung nicht zu hoch ansetzen und sich vor allem nicht von besagtem Vergleich irritieren lassen, denn dann kommt man auch auf seine Kosten und sieht diesen Film nicht als vergeudete Lebenszeit an.


Fazit:


Emmanuel Silvestre erfindet mit seinem Werk das Rad des Terrorfilms nicht neu, bietet dem Zuschauer aber dennoch eine Geschichte die an etlichen Stellen konstruiert und zufällig erscheint, aber gerade durch diesen Aspekt etwas sehr authentisches beinhaltet. Wirken in anderen Genre-Vertretern insbesondere die Handlungen der Täter zumeist sehr durchdacht, so bekommt man hier einen guten Eindruck darüber, wie sich eine solche Geschichte abspielen könnte, wenn man vollkommen von einer gewissen Situation überrascht wird. Betrachtet man die Story aus diesem Blickwinkel, dann kann man ihr meiner Meinung nach sogar eine Menge abgewinnen und spürt auch die sich im eigenen Kopf festsetzende Brutalität der zumeist nur angedeuteten Folterungen.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Bild: 1,78:1 (16:9)
Laufzeit: 79 Minuten
Extras: Trailer, Trailershow


6/10

Dienstag, 10. April 2012

Pro-Life








Pro-Life
(Masters of Horror)
mit Ron Perlman, Caitlin Wachs, Emmanuelle Vaugier, Mark Feuerstein, Biski Gugushe, Jeremy Jones, Lisa Bunting, Stephen Dimopoulos, Ashley Whillans, Grace Bauer, Bill Dow, Arabella Bushnell
Regie: John Carpenter
Drehbuch: Mick Garris / Drew McWeeny
Kamera: Attila Szalay
Musik: Cody Carpenter
SPIO/JK
USA / 2006

Für die engagierten Mitarbeiter einer abgelegenen Frauenklinik steht der ultimative Albtraum kurz vor der Explosion. In der Klinik sitzt ein verängstigtes, schwangeres 15-jähriges Mädchen fest. Draußen lauert ihr verrückter Vater, der fanatischer Abtreibungsgegner ist, mit ihren schwer bewaffneten Brüdern, die sich mit Gewalt Einlass in das Gebäude verschaffen wollen. In der zum Schlachthaus gewordenen Klinik ist nur eins sicher – gleich bricht die Hölle los.


"Pro-Life" ist einer der Beiträge von Regie-Legende John Carpenter zur "Masters of Horror" Reihe. Wenn man sich einmal diverse Kritiken zu dieser Episode durchliest, sind diese teils absolut vernichtend und zugegebenermaßen hat Carpenter hier sicherlich nicht seine beste Arbeit abgeliefert. Es fehlt dem Geschehen ein wenig an der düsteren Atmosphäre, die man ansonsten aus Werken des Altmeisters gewohnt ist und auch die Geschichte an sich erscheint etwas an den Haaren herbeigezogen. Es fehlt der Story ein wenig an Inhalt und gelungenem Spannungsaufbau, zudem ist das Geschehen doch recht vorhersehbar und eröffnet dadurch keine wirklichen Überraschungsmomente.

Dennoch bekommt der Zuschauer immer noch sehr unterhaltsame Genrekost serviert die zwar nicht unbedingt höheren Ansprüchen genügen kann, aber trotzdem äußerst kurzweilig zu unterhalten weiß. Zudem ist der Film in seiner ungeschnittenen Version mit einigen sehenswerten SFX ausgestattet, die ihm einen ansehnlichen Härtegrad verleihen. So ist es durchaus möglich, das gerade die Gorehounds unter den Zuschauern großzügig über manch inhaltliche Schwäche hinwegsehen werden. Diese Schwächen sind allerdings ziemlich offensichtlich, denn die Ereignisse wirken doch sehr konstruiert und zeugen nicht gerade von viel inhaltlicher Substanz, was das Sehvergnügen doch ein wenig trübt.

Das größte Problem für viele Leute dürfte jedoch bei dem Aspekt liegen, das "Pro-Life" nicht die typische Handschrift eines John Carpenters trägt, die ansonsten eigentlich allen seinen Werken eine unverwechselbare Note verleihen. Die extrem dichte Grundstimmung und der langsam aufkommende Nervenkitzel früherer Filme ist hier leider nicht zu verspüren, vielmehr erscheint das Ganze wie ein durchschnittlicher Horrorfilm, den jeder Regisseur hätte kreieren können. "Pro-Life" aber aufgrund dieses Aspektes so vollkommen niederzumachen wird dem Film nun wirklich nicht gerecht, denn trotz einiger offensichtlicher Defizite bekommt man immer noch solide Genrekost geboten, die man sich gut anschauen kann.

Letztendlich zählt diese Episode sicherlich nicht zu den allerbesten der Reihe, denn dafür ist das Geschehen zu leicht zu durchschauen. Fehlender Inhalt wird durch einige sehenswerte Effekte übertüncht, so das ich persönlich diesen Film im breiten Durchschnitts-Bereich ansiedeln würde. Für eine Geschichte von Carpenter fehlen die altbekannten Zutaten, um den Zuschauer so richtig zu faszinieren, dennoch ist die Story längst nicht so schlecht, wie manche Kritiken es vermuten lassen. Ich persönlich fühlte mich jedenfalls kurzweilig unterhalten, auch wenn die ganz große Faszination nicht aufkommen wollte.


Fazit:


Der Altmeister des Horrors hat wahrlich schon weitaus bessere Horrorkost angeboten, dennoch handelt es sich bei "Pro-Life" um einen sehenswerten Vertreter, dessen Stärke allerdings nicht in der Geschichte, sondern vielmehr in den vorhandenen Effekten zu suchen ist. In darstellerischer Hinsicht bekommt man solides Schauspiel geboten, so das im Endeffekt eine arg konstruierte Geschichte immer noch genügend positive Aspekte beinhaltet, die eine Sichtung des Filmes als lohnenswert erscheinen lassen.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch (nur Bonus)
Bild: 1,78:1 (16:9)
Laufzeit: 56 Minuten
Extras: Demon Baby, Final Delivery, Master of Masters, The Art of Gore uvm.


6/10

Sonntag, 8. April 2012

Beyond - Die rätselhafte Entführung der Alice Noble








Beyond - Die rätselhafte Entführung der Amy Noble
(Beyond)
mit Jon Voight, Teri Polo, Julian Morris, Dermot Mulroney, Brett Baker, Kevin T. Bennett, Jason Collins, Ben Crowley, Dharbi Jens, Erin Lindsay King, Chloe Lesslie, Sandra Luesse, Kai Paris
Regie: Josef Rusnak
Drehbuch: Gregory Gieras
Kamera: Eric Maddison
Musik: Mario Grigorov
FSK 16
USA / 2011

Je mehr Koski beginnt, die Hintergründe der Entführung von Amy Noble zu untersuchen, desto mehr stößt er auf die dunklen Geheimnisse im Hause der Familie. Amys verzweifelte und zerstrittene Eltern Jim und Sarah beauftragen schließlich ein Medium, das vorgibt in Kontakt zu ihrer Tochter zu stehen. Die Jagd nach den Verantwortlichen zieht alle Beteiligten tiefer und tiefer in einen Sog aus übernatürlichen Ereignissen und dem Unvorstellbaren. Als die Entführer zwei Millionen Dollar Lösegeld fordern und ein Ultimatum von 48 Stunden stellen, spitzt sich die Lage zu. Um Amy zu retten, muss Koski die Wahrheit über die Entführer erfahren und zugleich eine finstere Konfrontation mit seiner eigenen Vergangenheit durchleben ...


Im Grunde genommen handelt es sich bei "Beyond" um ein grundsolides Thriller-Drama, das allerdings ohne nennenswerte Höhepunkte daher kommt. Dabei merkt man Regisseur Josef Rusnak durchaus das Bemühen an, seine Geschichte mit typischen Hitchcock-Elementen anzureichern, die jedoch nicht so ganz zur Entfaltung kommen. Einerseits baut sich sehr wohl eine gewisse Spannung auf, doch durch die relativ leicht zu durchschauenden Ereignisse kommt zu keiner Zeit der ganz große Kick auf, um diesem Film etwas Außergewöhnliches zu verleihen. Da hilft es auch nicht, das Rusnak dem Geschehen eine übernatürliche Note verleiht, da diese zu sehr im Hintergrund bleibt und nicht richtig zur Entfaltung kommt. Ich möchte an dieser Stelle nicht missverstanden werden, denn "Beyond" ist ein absolut sehenswerter Genre-Beitrag, doch viele gute Ansätze verlaufen leider im Sand oder werden nicht richtig herausgearbeitet.

So sind dann auch immer wieder leichte Spannungseinbrüche zu verzeichnen und die Geschichte lebt in der Hauptsache von ihrem charismatischen Hauptdarsteller. Mit Jon Voight wurde die Rolle des ermittelnden Detectives absolut gut besetzt, der bekannte Schauspieler liefert eine wirklich überzeugende Performance ab. Zudem legt sich das Hauptaugenmerk der Story auch in weiten Teilen auf seine Person und bringt dem Zuschauer einen Charakter näher, der sichtlich mit seinen eigenen Dämonen zu kämpfen hat. Leider fällt die Beleuchtung streckenweise etwas schwammig aus, so das die Figur nur selten wirklich greifbar erscheint. Das sich das übernatürliche Element des Szenarios auch auf seine Person bezieht ist sehr frühzeitig zu erkennen, so das die Zusammenhänge des Ganzen keine wirkliche Überraschung darstellen. Dabei ist es doch genau dieser Aspekt, der den Geschehnissen das Besondere verleihen soll, doch die gewollte Innovation bleibt leider auf der Strecke.

Man hätte hier aus einer wirklich guten Grundidee viel mehr herausholen können, doch leider hat man es versäumt das vorhandene Potential auch richtig auszuschöpfen. Zu sehr ist ein an manchen Stellen schon krampfartiges Bemühen zu verspüren, den Ereignissen etwas Außergewöhnliches zu verleihen, was dem Gesamtbild insgesamt gesehen eher schadet. Doch auch wenn sich das jetzt alles eher negativ anhört, ist "Beyond" immer noch ein sehenswerter Genre-Vertreter, bei dem man lediglich die eigenen Erwartungen nicht zu hoch ansetzen sollte. Gutes Schauspiel der Protagonisten und eine durchaus interessante Geschichte sorgen für ein nettes Filmerlebnis. Ob es eventuell sogar zu mehr reicht, liegt wie immer im Auge des jeweiligen Betrachters.

Letztendlich bekommt der Zuschauer ein solides Thriller-Drama geboten, das mit einer übernatürlichen Thematik angereichert wurde. Diese wurde jedoch nicht so umgesetzt das der Funke richtig überspringen kann, was das Sehvergnügen dadurch etwas trübt. Manch einer mag das eventuell vollkommen anders sehen, doch für mich persönlich war die gesamte Geschichte etwas zu vorhersehbar. Zu frühzeitig lassen sich die Gesamt-Zusammenhänge erkennen und auch die Identität des Entführers lässt sich ziemlich schnell erahnen, so das die Auflösung am Ende wirklich nicht sonderlich überraschen kann.


Fazit:


Eventuell waren meine Erwartungen etwas zu hoch angesetzt, vielleicht liegt es aber auch an der halbgaren Umsetzung einer interessanten Geschichte, das mich "Beyond" nicht gänzlich überzeugen konnte. Dennoch wird der Film sicherlich seine Fan-Base finden, doch meiner Meinung nach ist eine einmalige Sichtung des Werkes vollkommen ausreichend, da hier kein nachhaltiger Eindruck beim Zuschauer hinterlassen wird.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch / Niederländisch
Bild: 2,40:1 (16:9)
Laufzeit: 87 Minuten
Extras: Trailershow


6/10

Freitag, 6. April 2012

Livid








Livid
(Livide)
mit Chloe Coulloud, Felix Moati, Jeremy Kapone, Chaterine Jacob, Marie-Claude Pietragalla, Chloe Marcq, Loix Berthezene, Serge Cabon, Beatrice Dalle
Regie: Alexandre Bustillo / Julien Maury
Drehbuch: Alexandre Bustillo / Julien Maury
Kamera: Laurent Bares
Musik: Raphael Gesqua
Keine Jugendfreigabe
Frankreich / 2011

Die junge Lucy beginnt als häusliche Krankenpflegerin. Ihre Arbeit führt in die marode Villa von Mrs. Jessel, die bereits seit Jahren in einem tiefen Koma liegt. Als sie sich über den Unfall der älteren Dame erkundigt, die früher als Tanzlehrerin tätig war, erfährt sie von einem Schatz, der irgendwo im Haus versteckt sein soll. Zusammen mit ihren Freunden William und Ben macht sie sich in der Nacht schließlich auf die Suche, bricht in das Gemäuer ein. Unerklärliche Vorkommnisse veranlassen sie ihre Suche abzubrechen und schnell die Flucht zu ergreifen. Doch auf einmal ist der Ausgang versperrt. Sie sind in dem alten Haus gefangen. Und auf einmal werden all ihre Ängste bestätigt, als etwas Unheimliches Jagd auf sie macht...


Auch die zweite Regie-Arbeit des Erfolgs-Gespanns von "Inside" stellt sich als absoluter Volltreffer heraus, präsentiert sich doch einmal mehr ein wirklich erstklassiger Genre-Beitrag aus unserem Nachbarland Frankreich. Dennoch sollte man sich von den Namen Alexandre Bustillo und Julien Maury keinesfalls in die Irre leiten lassen, denn "Livid" ist vollkommen anders gestaltet als der ziemlich derbe-und blutrünstige Beitrag von 2007. Hier handelt es sich nämlich keinesfalls um einen der extrem harten französischen Horrorfilme, die im Laufe der letzten Jahre den Zuschauer begeistert haben, obwohl der vorhandene Härtegrad auch nicht gerade zu verachten ist. "Livid" zeigt vielmehr die Kombination verschiedenster Elemente die allesamt für sich gesehen nichts unbedingt Neues bieten. In vorliegendem Fall ist es jedoch die herausragende Zusammenführung der einzelnen Komponenten, die in der Summe einen meiner Meinung nach sehr innovativen Eindruck hinterlässt. Ein wenig Fantasy, etwas Splatter-und Gore, dazu eine Prise Haunted House-Horror und eine gewaltige Portion schauriges Horror-Märchen ergibt letztendlich eine Mischung, die man nur als absolut faszinierend bezeichnen kann.

Dabei ist in den ersten gut 30 Minuten noch nicht einmal der Ansatz eines Horrorfilms zu erkennen, denn in dieser Phase der Geschichte werden einem lediglich die einzelnen Charaktere oberflächlich näher gebracht und ansonsten dümpelt das Ganze sogar etwas vor sich hin. Manch einem mag das im ersten Moment vielleicht sogar langweilig vorkommen, doch ich sehe diesen Aspekt vielmehr als einen äußerst gelungenen Schachzug der Regisseure an, um den Zuschauer ein wenig in Sicherheit zu wiegen. Nach dem ersten Filmdrittel kann man nämlich auf jeinen Fall mit einem so herausragendem Szenario rechnen, das sich in der folgenden Stunde offenbaren soll. So ändert sich dann auch die Richtung der Story fast schlagartig, denn sobald sich die 3 Teenager in der Nacht auf den Weg zu dem alten Haus machen entfaltet sich wie aus dem Nichts eine immer dichter werdende Atmosphäre, von der zuvor überhaupt nichts zu spüren war. Den folgenden Ereignissen wird schlagartig eine nahezu perfekte Grusel-Atmosphäre verliehen, die sich auch sofort auf den Betrachter überträgt. In jeder einzelnen Szene kann man das aufkommende Unheil förmlich spüren und hat dabei die Vorahnung, das man auf etwas wirklich Faszinierendes zusteuert.

Das, was sich dann aber im Endeffekt präsentiert, konnte man in dieser Form beim besten Willen nicht vorhersehen, kommt nun doch die ganze Intensität des Geschehens voll zur Geltung. Man selbst gerät dabei in eine Art sogartigen Strudel, da sich verschiedenste Horror-Elemente nun fast minütlich miteinander abwechseln und der jeweilige Übergang einen fast schon in einen Rauschzustand versetzt. Einzig und allein der märchenhafte Aspekt ist die ganze Zeit über vorhanden und verliert sich auch nicht in einigen wirklich harten-und blutigen Passagen, die hier durchaus vorhanden sind. Trotz einer streckenweise aufkommenden Brutalität verfügt "Livid" über eine ungemein ästhetische Komponente, die man sich irgendwie gar nicht so recht erklären kann. Einerseits grausam-und kompromisslos, eröffnen sich doch auch immer wieder Sequenzen, die einen allein schon durch ihre musikalische Untermalung beruhigen. Es ist recht schwer, die gewonnenen Eindrücke dieses Filmes in Worte zu fassen, hinterlässt das Szenario doch einen extrem nachhaltigen Eindruck und man braucht eine gewisse Zeit, um das Gesehene so richtig einzuordnen. Doch ehrlich gesagt kann man das gar nicht wirklich und genau aus dieser Unentschlossenheit bezieht das Werk seine Einzigartigkeit. Dinge, die zuerst anscheinend keinerlei Sinn ergeben, werden durch immer wieder eingestreute Flashbacks lückenlos erklärt und dennoch bleibt immer noch ein wenig Freiraum für eigene Interpretationen.

Letztendlich haben Bustillo und Maury hier etwas wirklich Fantastisches kreiert, das beim Betrachter die unterschiedlichsten Emotionen auslöst. Hin-und her gerissen zwischen einem brillanten Grusel-Feeling, harten-und blutigen SFX und einem märchenhaften Alptraum wird man zum Ende hin sogar noch mit einem Hauch Melancholie bedient, der eine absolut fantastische Geschichte perfekt aufrundet. Nur eher selten schafft es ein einziger Film, so viele verschiedene Elemente auf eine Art miteinander zu verbinden und einen dabei so in seinen Bann zu ziehen, das man auch lange nach dem Ende der Geschichte noch wie in Trance ist. "Livid" schafft es fast spielerisch, die Genre-Grenzen zerfließen zu lassen und zieht dabei dennoch einen roten Faden zwischen Märchen, Fantasy-und knallhartem Horror, was letztendlich für einen Filmgenuss der besonderen Art garantiert. Manch einer mag das eventuell anders sehen, doch mich hat dieses Werk restlos begeistert, so das ich nur eine unbedingte Empfehlung für alle Fans des Genres aussprechen kann.


Fazit:


Nach etlichen wirklich extrem harten Horrorfilmen aus Frankreich erscheint nun mit "Livid" ein etwas anderer Vertreter des Genres. Dennoch braucht man sich auch hier über mangelnde Härte nicht beklagen, doch die Geschichte hat auch ansonsten eine Menge zu bieten. Insbesondere die erstklassige Vermischung verschiedenster Elemente-und Genres ergibt ein Gesamtbild, das man nur als fantastisch bezeichnen kann. Wer also einmal etwas Außergewöhnliches sehen möchte, das verschiedenste Stilarten perfekt miteinander kombiniert, hat sich hier genau den richtigen Film ausgesucht.


Die DVD:

Vertrieb: Sunfilm
Sprache / Ton: Deutsch DTS 5.1, Deutsch 5.1 / Französisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,35:1 (16:9)
laufzeit: 91 Minuten
Extras: Trailer


9/10

Mittwoch, 4. April 2012

Dark Angel








Dark Angel
(I Come in Peace)
mit Dolph Lundgren, Matthias Hues, Brian Benben, Betsy Brantley, Jay Bilas, Jim Haynie, David Ackroyd, Sherman Howard, Sam Anderson, Mark Lowenthal, Michael J. Pollard, Jesse Vint
Regie: Craig R. Baxley
Drehbuch: Jonathan Tydor / Leonard Maas Jr.
Kamera: Mark Irwin
Musik: Jan Hammer
FSK 18
USA / 1990

ack Caine weiß, dass man manchmal hart durchgreifen muss, und er setzt bei der Verbrecherjagd auf unorthodoxe Methoden. Dieses Mal braucht er sich nicht dafür zu rechtfertigen. Denn Detective Caine kämpft gegen einen Verbrecher, der nicht menschlicher Natur ist - und der keine Gnade kennt! Der Cop kommt einem außerirdischen Wesen auf die Spur, das die ultimative Droge für seine Lebensart aus dem menschlichen Gehirn gewinnt. Alle verfügbaren Mittel müssen eingesetzt werden, um das todbringende Alien zu zerstören. Sonst droht die Invasion aus dem All - und damit die Vernichtung der Menschheit durch die grauenerregenden intergalaktischen Drogendealer. Jack Caine rüstet zu seinem härtesten Gefecht. Kann der knallharte Cop - an seiner Seite kämpfen FBI-Partner Laurence Smith (Brian Benben) und Caines Freundin Diane Pallow (Betsy Brantley) - die finstere Bedrohung aus dem Weltall besiegen?


"Dark Angel" zählt meiner Meinung nach zu den wirklich besten Filmen, in denen Dolph Lundgren mitgespielt hat. Für einen B - Movie ist der Film recht aufwendig produziert und hat auch eine recht gute Story, die sehr kurzweilig zu unterhalten weiß und sehr interessant umgesetzt wurde. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, das die Geschichte nicht gerade glaubwürdig erscheint und streckenweise schon recht groteske Züge erkennen lässt. Man sollte nicht unbedingt einen höheren Anspruch an logische Inhalte haben, denn in diesem kurzweiligen Mix aus SCI/FI-und Action zählt einzig und allein der reine Unterhaltungswert, der ziemlich hoch angesiedelt ist.

Lundgren spielt hier einen Cop, der sich gegen ausserirdische Drogendealer stellt, als Gegenspieler wurde ihm mit Matthias Hues die nahezu perfekte Besetzung an die Seite gestellt, denn für solche Rollen ist der ansonsten eher untalentierte Schauspieler wie geschaffen. Einfach mal den ausserirdischen Bösewicht spielen der kaum etwas sagen muss und lediglich durch sinnlose Gewalt ins Auge fällt, ist genau die richtige Rolle für einen Darsteller mit extrem begrenzten Möglichkeiten. Zudem erscheint Hues allein durch seine optische Erscheinung herrlich bedrohlich, denn der gute Mann ist nun nicht gerade klein-und schmal geraten. Und so kann sich dann auch ein herrliches Action-Spektakel entfalten, das man jedoch auch nur nach der Action bewerten sollte. In dieser Beziehung geht es hier ordentlich zur Sache, Fans werden voll auf ihre Kosten kommen. Auch in Sachen Humor sind hier einige Passagen enthalten. Vor allem der teilweise vorhandene Wortwitz entlockt dem Zuschauer doch so manches Mal ein Schmunzeln.

Lundgren spielt seinen Part als obercooler Cop wirklich sehr überzeugend, er ist hier meiner Meinung nach in einer seiner wenigen wirklich guten Rollen zu sehen. Sein Partner wurde mit Brian Bemben perfekt besetzt, bieten die beiden doch ein Ermittler-Team, das kaum gegensätzlicher sein könnte. Dies bezieht sich nicht ausschließlich auf die Optik, denn auch in ihrer Art an den Fall heranzugehen, unterscheiden sich die beiden Männer vollkommen. Der hier herausgearbeitete Kontrast ist durchaus als ein Highlight des Filmes anzusehen, sorgt er doch für etliche witzige Momente-und Dialoge.

Insgesamt kann man sagen, das "Dark Angel" ein wirklich guter Genre - Mix ist, der absolut kurzweilig und bestens zu unterhalten weiß. Untermalt von einem absolut typischen 80er Jahre Score ergibt sich so ein Gesamtpaket, das in allen Belangen überzeugen kann. Der mittlerweile in die Jahre gekommene Lundgren ist hier noch in absoluter Höchstform zu sehen und erscheint auch noch total durchtrainiert, so das man ihm die Figur des coolen Bullen jederzeit abnimmt. Wer also seine Freude an einem teils skurrilen 80er Jahre Mix hat, kommt an dieser Action-Granate keinesfalls vorbei.


Fazit:


Kopf ausschalten und einfach nur herrlich berieseln lassen, dann kommt man voll auf seine Kosten. Action ohne Ende und eine nette, wenn auch streckenweise abstruse Geschichte sorgen für ganzzeitig tolle Unterhaltung, die in jeder Action-Sammlung zu finden sein sollte.


8/10

Montag, 2. April 2012

Tucker & Dale vs Evil








Tucker & Dale vs Evil
(Tucker and Dale vs Evil)
mit Tyler Labine, Alan Tudyk, Katrina Bowden, Jesse Moss, Philip Granger, Brandon Jay McLaren, Christie Laing, Chelan Simmons, Travis Nelson, Alex Arsenault, Adam Beauchesne, Joseoh Allan Sutherland,
Regie: Eli Craig
Drehbuch: Eli Craig / Morgan Jurgenson
Kamera: David Geddes
Musik: Mike Shields
FSK 16
Kanada / USA / 2010

Mit den besten Vorsätzen für ein friedliches Männer-Wochenende machen sich Tucker McGee (Alan Tudyk) und Dale Dobson (Tyler Labine) auf den Weg zu ihrer Ferienhütte in der Wildnis West Virginias. Als sie auf dem Highway fast mit einer Gruppe Collegekids kollidieren, ahnen die gutherzigen Hinterwäldler nichts Böses. Doch genau das stellt sich ein, als sich beide Gruppen in der Einsamkeit erneut begegnen: Dales schüchterne Einfalt und die Vorbehalte der Studenten gegen das rustikale Äußere der Hillbillies lenken die Ereignisse in eine fatale Richtung. Dass Tucker und Dale die hübsche Allison (Katrina Bowden) vor dem Ertrinken retten, interpretiert ihre Clique als Entführungsversuch. Als die properen Camper beginnen, sich gegen die vermeintlichen Psychokiller zur Wehr zu setzen, geraten die Kumpels unfreiwillig in ein Gemetzel ? in dem ein Student nach dem anderen auf skurrile Weise das Zeitliche segnet...


Wirklich gute-und kurzweilige Horror-Komödien findet man gar nicht einmal so oft, viele Filme des Sub-Genres werden dabei manchmal auch vollkommen überbewertet. Doch was Eli Craig hier mit seinem Langfilm-Debüt auf den Weg gebracht hat ist so dermaßen witzig, das es die Bezeichnung Komödie auch wirklich verdient. Gab es in den letzten Jahren zumeist komische Zombie-Komödien zu begutachten, so trifft es dieses Mal den Backwood-Slasher, der ordentlich auf die Schippe genommen wird. Bemerkenswert dabei ist in erster Linie der Umstand, das sich die ansonsten üblichen Umstände und Klischees einmal vollkommen umdrehen und nicht die beiden kauzigen Hinterwäldler Tucker & Dale die Bösewichte sind. Vielmehr sind es die klischeehaften Gedanken der Teenager und jede Menge äußerst skurriler Zufälle, die hier für ein extrem vergnügliches Filmvergnügen Sorge tragen und dem Zuschauer dabei streckenweise die Tränen in die Augen jagen. Und so entwickelt sich nach einer recht kurzen Einführung in die Geschichte schon recht schnell ein teils blutiges Gemetzel das etliche Opfer fordert und dabei mit einer Art von Humor angereichert wurde, die sehr charmant und liebenswert ist.

Ganz besonders die Todesfälle unter den Teenies strapazieren die Lachmuskeln den gesamten Film über, dabei entsteht größtenteils eine schon als grotesk zu bezeichnende Situationskomik die ihresgleichen sucht. Herrliche Dialoge und zumeist brillanter Wortwitz runden das Szenario nahezu perfekt ab und ein ordentlicher Härtegrad dürfte sogar den ein-oder anderen Gorehound zufriedenstellen. Dennoch liegt der absolute Höhepunkt des Filmes meiner Meinung nach in den beiden Haupt-Charakteren, denn die beiden Hinterwäldler Tucker & Dale werden einfach großartig dargestellt und erfüllen dabei im Prinzip sämtliche Vorurteile, die man aus unzähligen Backwood-Slashern her kennt. Kauzige Typen, die rein optisch gesehen genau dem Klischee des handelsüblichen Psychophaten entsprechen, die nur zu gern bildhübsche Teenager um ihr noch junges Leben bringen entpuppen sich in vorliegendem Fall viel eher als leicht naive Männer, deren Gutmütigkeit ihnen fast zum Verhängnis wird.

Besonders Dale (Tyler Labine) kristallisiert sich im Laufe der Zeit als liebenswerter Eigenbrötler heraus und spielt sich zusehends in die Herzen der Zuschauer. Man kann gar nicht anders, man muss diesen verschrobenen Typen einfach mögen, der lediglich einer jungen Frau helfen möchte. Dieses Unterfangen wird jedoch von deren Freunden so missinterpretiert und so nimmt das Unheil seinen unaufhaltsamen Lauf. Beobachtet man die jungen Leute bei ihren skurrilen Rettungsversuchen, so muss schon fast zwangsweise der Eindruck entstehen, das man es hier mit einer Horde durchgeknallter Selbstmörder zu tun hat, denn Eli Craig hat die Geschehnisse so brillant in Szene gesetzt, das unzählige Zufälle und diverse Missverständnisse gar keine andere Mutmaßung zulassen. Es macht einfach nur eine Menge Spaß, an dieser Stelle einmal einen Backwood-Horrorfilm zu sehen, bei dem die Vorzeichen einmal vollkommen umgedreht werden und der zudem vor witzigem Humor nur so überquillt. Selten habe ich in den letzten Jahren eine unterhaltsamere Horror-Komödie zu Gesicht bekommen, an der es im Prinzip überhaupt nichts auszusetzen gibt.

Letztendlich kann man Eli Craig hier nur zu einem großartigen Langfilm-Debüt gratulieren, der gute Mann scheint ein ausgeprägtes Gespür für passenden Humor und genau die richtigen Darsteller zu haben. Beide Aspekte sind ausschlaggebend dafür, das dieser Film so herrlich funktioniert. Denn selbst die ansonsten zumeist farblos erscheinenden Jugendlichen nehmen hier eine sehr wesentliche Rolle ein und überzeugen allesamt durch komödiantisches Talent. Das Bedienen sämtlicher in Filmen dieser Art vorkommenden Klischees ist ein weiterer wesentlicher Faktor und es werden wirklich sämtliche Register gezogen, um den Zuschauer auch in dieser Beziehung zufriedenzustellen. So kann man dann im Endeffekt auch nur eine unbedingte Empfehlung für diesen Film aussprechen, der meiner ganz persönlichen Meinung nach zum Besten zu zählen ist, was je die Bezeichnung Horror-Komödie getragen hat.


Fazit:


"Tucker & Dale vs Evil" ist nicht nur absolut sehenswert, der Film vermischt außerdem die Horror-Elemente nahezu perfekt mit skurriler Situationskomik und brillantem Wortwitz. Zwei besonders liebenswerte Hauptfiguren und eine Horde selbstmörderischer Teenies sorgen für einen Unterhaltungswert, der ganz weit oben anzusiedeln ist. Hier ist ein Werk entstanden, das man sich gern auch immer wieder anschauen kann, ist doch charmant-witzige Unterhaltung auf jeden Fall vorprogrammiert.


9/10