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Donnerstag, 31. Mai 2012

Alligator II - Die Mutation









Alligator II - Die Mutation
(Alligator II: The Mutation)
mit Joseph Bologna, Dee Wallace, Richard Lynch, Woody Brown, Holly Gagnier, Bill Daily, Steve Railsback, Brock Peters, Tim Eyster, Voyo Goric, Buckley Norris, Julian Reyes, Deborah White, Bill Anderson, Harlan Arnold
Regie: Jon Hess
Drehbuch: Curt Allen
Kamera: Joseph Mangine
Musik: Jack K. Tillar
FSK 16
USA / 1991

Ein riesiger Mörder-Alligator hat sich in die Kanälen der Großstadt verirrt. Zwei Taucher wurden bereits getötet. Auch eine junge Frau und ein Obdachloser wurden Opfer des Riesen. Der kautzige und populäre Cop Lobo Hodge nimmt sich des Falles an. Mit Hilfe seines Partners Rick und mehreren Krokodiljägern möchten sie den Alligator bekämpfen und vernichten. Das Ungetüm erweist sich jedoch als hartnäckiger Gegner. Brown und die kaltblütigen Jagdprofis werden eine weitere Beute des Riesen, ehe Hodge es mit schwerem Gerät erledigen kann.


11 Jahre nach dem Erscheinen des Originals erschien dieser Ableger, der dieses Mal unter der Regie von Jon Hess entstanden ist. Von der Geschichte her fast identisch aufgezogen wie der Vorgänger wird einem auch hier wieder recht kurzweilige Unterhaltung geboten, auch wenn dieser Teil nicht mehr die Klasse des Originals erreichen kann. Natürlich ist auch hier wieder die Kanalisation einer Großstadt als Haupt-Schauplatz auserkoren, doch gibt es auch genügend Passagen, die sich an Land abspielen. Im Gegensatz zu "Alligator" hat Hess seiner Geschichte leider erheblich weniger Alligator-Szenen beigefügt, die aber immer noch vollkommen ausreichend erscheinen, um auch in diesem Film ein nettes Horror-Feeling aufkommen zu lassen. Wie nicht anders zu erwarten bekommt es der Zuschauer auch in dieser Story mit einigen teils hanebüchenen Verhaltensweisen der Protagonisten zu tun, die allerdings nicht weiter störend erscheinen und das Film-Vergnügen nicht sonderlich beeinträchtigen.

Der Monster-Alligator ist wieder gut anzuschauen, bei einigen Szenen in der Kanalisation überkommt einen sogar das Gefühl, das man die Passagen 1:1 aus dem Original übernommen hat. Man sollte dabei sein Augenmerk insbesondere auf eine Stelle legen, in der das Monstrum allein durch die unterirdischen Tunnel läuft und dabei in seiner vollen Größe zu sehen ist. Wenn ich mich nicht ganz stark irre, ist die Ähnlichkeit mit einer Szene aus dem Original doch ziemlich frappierend. Wie dem aber auch sei, "Alligator II - Die Mutation" kann nicht die gleiche Intensität hervorrufen wie der Vorgänger, ist aber immer noch ein Film, der weitaus besser unterhalten kann als etliche Vertreter der heutigen Zeit. Trotz diverser kleinerer Änderungen innerhalb der Geschichte und anderen Darstellern ist die ganze Zeit über sehr stark die Anlehnung an das 1980er Original zu erkennen, Jon Hess hat auf die gleichen Zutaten gesetzt, um den Betrachter bei Laune zu halten. Größtenteils gelingt dieses Unterfangen auch, doch irgendwie fehlt der letzte Kick, um an die Klasse des Originals heranzukommen.

Dabei herrscht auch hier wieder eine gelungene Grundstimmung vor und der Spannungsaufbau kann sich auch sehen lassen. Vielleicht liegt es auch ganz einfach an den offensichtlichen Ähnlichkeiten der beiden Filme, das hier der Funke nicht so gänzlich überspringen will. Das Darsteller-Ensemble agiert in der Regel recht gut, wenn man einmal von den üblichen unlogischen Handlungsweisen absieht. Als netten Nebeneffekt habe ich den Aspekt angesehen, das ein Richard Lynch hier einmal in einer wirklich symphatischen Rolle zu sehen ist, die ihn jedoch auch nicht davor bewahrt, dem monströsen Killer zum Opfer zu fallen. Da man den guten Mann allerdings ansonsten eher als Bösewicht zu Gesicht bekommt, handelt es sich bei der Rolle als Alligator-Jäger um eine sehr nette Abwechslung.

Auch in diesem Film müssen erst wieder viele Menschen ihr Leben lassen bis es den Hauptfiguren gelingt, dem tierischen Killer den Garaus zu machen. Im Gegensatz zu Teil 1 fallen die Tötungen hier ziemlich unblutig aus, was man jedoch nicht als großen Kritikpunkt ansehen sollte. So ergibt sich dann letztendlich ein Gesamtbild das immer noch überzeugen kann, sich allerdings unterhalb der Qualität des Originals ansiedelt.


Fazit:


Eine fast identische Geschichte ist eventuell der Grund dafür, das "Alligator II - Die Mutation" nicht so gut beim Zuschauer wegkommt wie der erste Teil. Dennoch bin ich immer noch der Meinung, das es sich um einen überdurchschnittlich guten Vertreter des Tierhorrors handelt, der die meisten Beiträge der heutigen Zeit locker in die Tasche steckt.


6,5/10

Dienstag, 29. Mai 2012

Alligator









Der Horror-Alligator
(Alligator)
mit Robert Forster, Robin Riker, Micjael V. Gazzo, Sydney Lassick, Jack Carter, Perry Lang, Henry Silva, Bart Braverman, John Lisbon Wood, James Ingersoll, Robert Doyle, Patti Jerome, Angel Tompkins, Sue Lyon
Regie: Lewis Teague
Drehbuch: John Sayles
Kamera: Joseph Mangine
Musik: Craig Hundley
FSK 16
USA / 1980

Familie Kendall kauft während ihres Florida-Urlaubes einen 25 cm langen Alligator. Wieder zuhause, entpuppt sich der junge Alligator als ein Ärgernis; woraufhin der aufbrausende Mr. Kendall das Tier eines Tages in der Toilette herunterspült. Der Alligator überlebt die Reise durch das verschlungene Rohrsystem und taucht in einem Abwasserkanal wieder auf. Von der Öffentlichkeit unbemerkt werden zu dieser Zeit Hormon- experimente mit Hunden durchgeführt. Die hormongefüllten Körper werden anschließend ausgerechnet in das Abwassersystem geworfen, das vom Alligator bewohnt wird. Nach 12 Jahren Nahrungsaufnahme mit hormongefüllten Hundekadavern ist der Alligator zum Riesen geworden und hat eine Länge von über 10 m. Nach qualvollem Leiden bricht der Alligator eines Tages aus dem Kanalsystem aus und der Horror beginnt.


Wohl in kaum einem anderen Sub-Genre wird so viel Müll produziert wie in dem des Tierhorrors, gerade die Filme der heutigen Zeit sind geradezu exemplarisch dafür. Schlechte Effekte und trashige Geschichten bekommt man reihenweise vor die Nase gesetzt, so das es immer wieder schön ist, wenn man mal wieder auf einen wirklich sehenswerten Beitrag stößt. "Alligator" aus dem Jahre 1980 ist definitiv zu den besseren Vertretern seiner Art zu zählen, hat Regisseur Lewis Teague hier doch einen extrem atmosphärischen Film auf den Weg gebracht, der auch nach nunmehr über drei Jahrzehnten nichts von seiner Faszination eingebüßt hat. Die Geschichte an sich ist sicherlich nichts Besonderes und strotzt bei genauerer Betrachtung sogar vor Logiklöchern, bietet aber dennoch äußerst kurzweilige Unterhaltung. Da schaut man auch gern über diverse unlogische Handlungsweisen der Protagonisten hinweg, die man selbst nicht logisch nachvollziehen kann. Diese kleineren Defizite verleihen dem Geschehen sogar eine extrem charmante Note und trüben keinesfalls den sehr hoch angesiedelten Unterhaltungswert eines Filmes, der weitaus besser gelungen ist als die meisten Werke der heutigen Zeit.

Teague hat vor allem darauf geachtet, das der Monster-Alligator auch oft genug im Bild zu sehen ist und beim Anblick des gefräßigen Riesen kann es einem schon kalt den Rücken runterlaufen. Für die damalige Zeit ist auch die Darstellung des Alligators als äußerst gelungen zu bezeichnen, sieht man ihm doch eher selten die Künstlichkeit an, die insbesondere viele Monster der heutigen Tierhorror-Filme auszeichnet. Die größte Stärke der Geschichte ist wohl ganz eindeutig die herausragende Atmosphäre, die herrlich düster-und unheilvoll daher kommt. Insbesondere die Passagen in der Kanalisation sorgen für ein hohes Maß an Spannung und lassen den Zuschauer so richtig mitfiebern. Zwar gestalten sich die Abläufe ziemlich vorhersehbar, da man im Prinzip sämtliche Aktionen schon im Vorfeld erahnen kann, doch insgesamt gesehen trübt das keineswegs ein wirklich gelungenes Seh-Vergnügen.

Am Schönsten ist der Gesichtspunkt das einem hier wirklich genügend Action geboten wird, denn dieser Umstand geht in vielen anderen Werken des Sub-Genres eher unter, entweder dauert es viel zu lange bis man die mordenden Tiere überhaupt zu Gesicht bekommt, oder die vorhandenen Action-?Passagen fallen zu unblutig aus. Beide Aspekte erfahren hier eine wohltuende Ausnahme, denn der mordende Alligator macht ordentlich Beute und auch der Blutgehalt der Geschichte kann sich für eine 16er Freigabe jederzeit sehen lassen. Ganz generell ist es aber die sehr gelungene Kombination sämtlicher Zutaten, die "Alligator" aus der breiten Masse hervorstechen lässt, alle Rädchen greifen perfekt ineinander über und erzeugen ein Gesamtbild, das man nur als hervorragend bezeichnen kann. Ich möchte sogar so weit gehen und diesen Film als einen der besten Beiträge zu bezeichnen, den das Genre je hervorgebracht hat, auch wenn es die zu Beginn schon erwähnten kleinen Defizite gibt, die allerdings im Gesamtbild eine eher untergeordnete Rolle spielen.

Auch wenn ich persönlich nicht unbedingt ein ausgewiesener Fan des Sub-Genres bin, so konnte mich dieser Klassiker in allen Belangen vollkommen überzeugen. Eine spannende Geschichte, eine herrlich düstere-und bedrohliche Grundstimmung, gut agierende Darsteller und jede Menge Alligator-Action machen diesen Film zu einem unverzichtbaren Beitrag, den man unbedingt gesehen haben sollte. Gerade bei der heutigen Schwemme von trashigen oder einfach nur schlechten Vertretern hat man es hier mit einem Werk zu tun, das man sich immer wieder gut anschauen kann.


Fazit:


"Alligator" sticht ganz eindeutig aus dem ansonsten angebotenen Einheitsbrei heraus, der einem immer wieder vor die Nase gesetzt wird. Der Film überzeugt durch seine handwerklich erstklassige Darstellung und auch im darstellerischen Bereich gibt es keinerlei Grund zur Beanstandung. Rein atmosphärisch handelt es sich um eine echte Granate und der monströse Killer tut sein Übriges, um dem Zuschauer ein wahrlich gelungenes Horror-Szenario zu bieten, an dem man seine helle Freude hat.


8,5/10

Montag, 28. Mai 2012

Dark City









Dark City
(Dark City)
mit Rufus Sewell, William Hurt, Kiefer Sutherland, Jennifer Connelly, Richard O'Brien, Ian Richardson, Bruce Spence, Colin Friels, John Bluthal, Mitchell Butel, Melissa George, Frank Gallacher, Ritchie Singer
Regie: Alex Proyas
Drehbuch: Alex Proyas
Kamera: Dariusz Wolski
Musik: Trevor Jones
FSK 16
USA / 1998

Ein Mann wird gejagt. John Murdoch soll eine Serie von Frauenmorden begangen haben, an die er sich jedoch nicht erinnern kann. Auf seine Fersen haben sich ein Inspektor und ein zwielichtiger Psychiater geheftet. Während Murdoch versucht, seinen Verfolgern zu entkommen, kehrt allmählich sein Gedächtnis zurück und er kommt zudem dem Geheimnis der "Dark City" auf die Spur: Außerirdische einer aussterbenden Spezies manipulieren Raum sowie Zeit und können sogar nach Belieben die Erinnerung der Menschen verändern...


Nach der Sichtung des Filmes kann ich es selbst nicht mehr nachvollziehen, warum ich immer einen großen Bogen um dieses Werk von Alex Proyas (The Crow, Knowing) gemacht habe. Bietet "Dark City" doch eine echte Perle des SCI/FI Films, die jedoch nie die Anerkennung erhalten hat, die ihr eigentlich zu teil werden müsste. Von der ersten Sekunde an wird der Zuschauer dabei mit einem herrlich düsteren Szenario konfrontiert, das eine größtenteils beklemmende Wirkung hinterlässt. Der Name des Filmes ist im wahrsten Sinne des Wortes Programm, denn die gesamte Zeit über wird man mit einer Stadt konfrontiert, in der die absolute Dunkelheit herrscht und niemals auch nur ein wenig Tageslicht die dunklen Ereignisse begleitet. Die Gründe dafür bekommt man im Laufe der Zeit geliefert und ganz generell offenbart sich hier ein Story-Plot, den man ohne zu übertreiben als äußerst intelligent bezeichnen darf. Gerade wegen dieser Tatsache sollte man aber auch die ganze Zeit über äußerste Konzentration walten lassen, um die recht komplizierten Zusammenhänge des Geschehens auch lückenlos nachvollziehen zu können.

Neben einem äußerst gelungenem Spannungsaufbau verfügt der Film vor allem in atmosphärischer Hinsicht über ein grandioses Szenario, der visuellen Kraft der Bilder kann man sich unmöglich verweigern. Streckenweise baut sich dabei eine ungeheure Tristesse auf, die sich wie ein zentnerschwerer bleierner Mantel auf die Schultern des Betrachters legt und diesen schier erdrücken will. Was soll man von einer Stadt halten, in der es niemals hell ist und die eigentlich gar nicht real existiert? Diese Frage stellt sich auch die Hauptfigur John Murdoch und kommt dabei einem unglaublichen Geheimnis auf die Spur. Die Abläufe gestalten sich dabei jederzeit spannend-und temporeich, dennoch beinhalten sie auch diverse kleine Logiklöcher. Ob diese durch den Director's Cut des Filmes beseitigt werden können mag ich nicht zu beurteilen, da die besprochene DVD leider nur die Kinofassung enthält. Bei diesem Punkt kann man auch die Marketing-Strategie von Warner nicht wirklich nachvollziehen, denn in etlichen anderen Ländern ist der DC schon längst erhältlich. Nur bei uns möchte man wohl einmal mehr zuerst mit der Kinoversion das Geld abgreifen, um dann etwas später den längst fälligen DC zu präsentieren.

Wie dem aber auch sei, der Film an sich ist einfach grandios und bietet eines der beeindruckendsten SCI/FI Spektakel, die ich persönlich bisher gesehen habe. Auch der oft vorhandene Einsatz von CGI-Effekten erscheint hier nicht wie in vielen anderen Werken eher störend, sondern hebt den von Haus aus schon erstklassigen Gesamteindruck noch zusätzlich an. Alles erscheint absolut passend, jedes einzelne Rädchen greift nahtlos in das Nächste über und ergibt so eine mehr als nur gelungene Gesamtkomposition. Nur selten bekommt man eine derart düstere Szenerie geboten, wie es bei "Dark City" der Fall ist und in der gleichzeitig so viel Tristesse-und Hoffnungslosigkeit mitschwingt. Phasenweise eröffnet sich dabei schon eine fast deprimierende Note, die jedoch nahezu perfekt in das dargestellt Geschehen passt und erst ganz am Ende der Geschichte durch den Einfluss von Tageslicht ein wenig Hoffnung auf eine bessere Zukunft aufkommen lässt. Dem exzellenten Gesamtbild passen sich auch die Schauspieler an, die durch die Bank glänzende Leistungen an den Tag legen. Jeder Akteur verleiht der von ihm gespielten Figur ein unglaubliches Maß an Authenzität und die Spielfreude ist jedem einzelnen Darsteller anzumerken.

Letztendlich handelt es sich bei "Dark City" um einen absolut grandiosen SCI/FI Vetreter, der in allen Belangen punkten kann. Herausragend ist jedoch die brillante Grundstimmung und der extrem düstere Look der Geschichte, der seine Wirkung auf den Betrachter auch zu keiner Zeit verfehlt. Der intelligente Story-Plot ist eine sehr willkommene Abwechslung zum ansonsten oft durchschnittlichen Einheitsbrei, den man nur zu oft vorgesetzt bekommt. Bleibt nur zu hoffen, das auch in absehbarer Zeit in Deutschland der Director's Cut erscheint, auf den auch das deutsche Publikum ein Anrecht hat.


Fazit:


Herrlich düster-und dunkel erzählt "Dark City" eine spannende-und hochklassige Geschichte, die mit erstklassigen Darstellern besetzt ist. Atmosphärisch ist das Werk eine absolute Granate, äußerst gelungene Effekte runden dann das Ganze auch noch nahezu perfekt ab. Wenn dann auch noch irgendwann der DC bei uns erscheint, gibt es im Prinzip überhaupt nichts mehr, was man auch nur ansatzweise bemängeln könnte.


9/10

Samstag, 26. Mai 2012

Blackthorn









Blackthorn
(Blackthorn)
mit Sam Shepard, Eduardo Noriega, Stephen Rea, Magaly Solier, Nikolaj Coster-Waldau, Padraic Delaney, Dominique McElligott, Luis Bredow, Cristian Mercado, Daniel Aguirre, Martin Proctor, Maria Luque, Raul Beltran
Regie: Mateo Gil
Drehbuch: Miguel Barros
Kamera: Juan Ruiz Anchia
Musik: Lucio Gogoy
FSK 12
Spanien / 2011

In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts beschließt in Bolivien der entgegen offizieller Darstellungen doch nicht tote und unter falschem Namen untergetauchte US-Outlaw Butch Cassidy, einmal noch die alte Heimat sehen zu wollen. Mit seinen Ersparnissen macht er sich auf den Weg, ohne damit zu rechnen, dass ihm immer noch alte Jäger auf den Fersen sind. Unterwegs trifft er einen jungen Outlaw, der ihn stark an einen verflossenen Kumpan erinnert. Doch Eduardo hat eigene Pläne, und eigene Verfolger im Gepäck.


Bei "Blackthorn" handelt es sich um einen Neo-Western der eine mögliche Variante des späten Lebens eines der berüchtigsten US-Outlaws erzählt. Konnte doch nie wirklich geklärt werden, ob Butch Cassidy nun wirklich zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Bolivien gestorben ist. Das Werk von Mateo Gil nimmt sich der Variante an, das der Gesetzlose etliche Jahre unter falschem Namen im bolivianischen Exil verbracht hat und im hohen Alter noch einmal in seine Heimat zurückkehren will. Nun sollte man sich von Anfang an darüber im Klaren sein, das es sich hier um keinen actiongeladenen Western handelt, vielmehr lebt die Geschichte von der Omnipräsenz ihres Haupt-Charakters, der von einem grandios aufspielenden Sam Shepard dargestellt wird. Es gibt kaum Passagen in denen die Hauptfigur nicht zu sehen ist, so das Shepard dem Geschehen ganz eindeutig einen persönlichen Stempel aufdrückt. Seine Spielfreude und die glaubhafte Darstellung des sichtlich in die Jahre gekommenen Outlaws sind der absolute Höhepunkt eines Filmes, der auch ohne große Action-Passagen vollends zu überzeugen weiß.

Die Story zeichnet sich durch eine eher sehr ruhige-und bedächtige Erzählweise aus und legt dabei sehr großen Wert auf eine ausgiebige Charakter-Beleuchtung der Hauptfigur. Diese kann man als äußerst gelungen bezeichnen, fällt es dem Zuschauer doch sichtlich leicht, sich mit der Figur des Butch Cassidy zu identifizieren. Shepard verleiht seiner Rolle einen unglaublichen Fawcetten-Reichtum, einerseits sieht man einen harten Mann der durch sein Leben geprägt wurde, doch andererseits sind auch durchaus weiche Züge zu erkennen. Das emotionale Schauspiel Shepard's ist dabei besonders hervorzuheben, schafft er es doch nahezu spielend, den Betrachter durch seine brillante Performance regelrecht in seinen Bann zu ziehen. Man kann sämtliche Gefühlsregungen plausibel nachvollziehen und identifiziert sich immer mehr mit der Figur des alternden Desperados, der einen extrem symphatischen Eindruck hinterlässt.

Durch immer wieder eingestreute Flashbcks in die Vergangenheit des Butch Cassidy zieht sogar ein Hauch von Melancholie in die Geschichte ein, denn es ist doch äußerst offensichtlich, wie nahe die vergangenen Jahre dem Haupt-Charakter gehen. Deutlich ist zu spüren wie sehr er die Menschen vermisst, die in in den wilden Zeiten begleitet haben und ein wesentlicher Teil seines Lebens waren. Gezeichnet durch die lange Zeit im Exil hat man es nun vielmehr mit einem Einzelgänger zu tun, der erst durch die Begegnung mit dem Spanier Eduardo wieder etwas auflebt. Die Person des Eduardo ist es dann letztendlich auch, die dem Story-Plot zum Ende hin eine recht überraschende Wendung beschert, die man in dieser Form eigentlich nicht vorhersehen konnte. Hatte sich im Laufe der Zeit zwischen den beiden Männern schon mehr wie eine Zweckfreundschaft entwickelt, so erleidet die Beziehung der beiden Männer zum Ende hin einen Riss, der definitiv nicht mehr zu schließen ist. Dieser wird durch eine Lüge Eduardo's ausgelöst, die Butch Cassidy zu einer Gewissens-Entscheidung zwingt.

Auch wenn "Blackthorn" im Prinzip nur ganz wenige Passagen beinhaltet in denen auch einmal etwas Action durchschimmert, weiß der Film jederzeit gut zu unterhalten. Mateo Gil hat sein Hauptaugenmerk ganz eindeutig auf die Hauptfigur gelegt, deren ausführliche Beleuchtung den Großteil der Geschichte ausmacht. Die sehr atmosphärisch gestaltete Inszenierung hinterlässt dabei einen sehr glaubwürdigen Eindruck der Ereignisse und ein überragend agierender Sam Shepard tut sein Übriges, um dem Zuschauer einen erstklassigen Spät-Western zu präsentieren, an dem man seine helle Freude hat.


Fazit:


Nach der Sichtung des Filmes kann man sich sehr gut vorstellen, das sich der Lebensabend des Butch Cassidy eventuell wirklich so zugetragen hat, wie es einem hier vermittelt wird. Tolle Lacations, ein erstklassig besetzter Cast und ein äußerst atmosphärisches Ambiente machen "Blackthorn" zu einem echten Leckerbissen, den sich kein Western-Fan entgehen lassen sollte.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch DTS 5.1, DD 5.1 / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,35:1 (16:9
Laufzeit: 105 Minuten
Extras: Deleted Scenes, Making Of, Kurzfilme von Mateo Gil, HDNet: Ein Blick auf Blackthorn, Trailer, Trailershow


7/10

Donnerstag, 24. Mai 2012

The Town - Stadt ohne Gnade









The Town - Stadt ohne Gnade
(The Town)
mit Ben Affleck, Rebecca Hall, Jon Hamm, Jeremy Renner, Blake Lively, Slaine, Owen Burke, Titus Welliver, Pete Postlethwaite, Chris Cooper, Dennis McLaughlin, Corena Chase, Brian Scannell, Kerri Dunbar, Tony V.
Regie: Ben Affleck
Drehbuch: Peter Craig / Ben Affleck
Kamera: Robert Elswit
Musik: David Buckley / Harry Gregson-Williams
FSK 16
USA / 2010

Doug MacRay ist Bankräuber, aber aus anderem Holz geschnitzt als seine Kollegen. Im Gegensatz zu ihnen hatte Doug die Chance auf ein normales Leben. Stattdessen wurde er der Anführer einer Bande skrupelloser Bankräuber, die sich nehmen, was sie wollen. Doch dann verändert ein Überfall alles, bei dem Dougs Kumpel die Filialleiterin Claire Keesey als Geisel nimmt, alles. Schnell wird klar, dass die Frau mehr gesehen haben könnte, als dem Trupp lieb ist. Doug beschließt, ihr unauffällig auf den Zahn zu fühlen. Er macht sich an Claire heran, die nicht ahnt, wer sich hinter der charmanten neuen Bekanntschaft in Wahrheit verbirgt. Als sich die beiden verlieben, muss Doug sich entscheiden: Welches Leben bedeutet ihm mehr, und hat er überhaupt eine Chance, neu anzufangen?


Als Schauspieler weiß Ben Affleck nun wirklich nicht immer zu überzeugen, doch als Regisseur und Drehbuchautor kann man ihm eigentlich überhaupt nichts vorwerfen. So ist dann auch das neueste Werk "The Town - Stadt ohne Gnade" als herausragender Thriller anzusehen, der sich im oberen Drittel des Genres ansiedelt. Ähnlich aufgezogen wie Michael Mann's Meisterwerk "Heat" dreht sich die Geschichte auch hier um eine Gangster-Bande die etliche Überfälle begeht und damit unweigerlich in das Visier des FBI gerät. Nun kann hier nicht ganz die Intensität eines "Heat" erreicht werden, der rein inhaltlich gesehen noch tiefer in die Materie eindringt und insbesondere in Sachen Schauspiel noch etwas mehr zu bieten hat. Dennoch ist "The Town" ein bestechender Thriller, der sein Hauptaugenmerk keinesfalls auf unnötig übertriebene Action-Passagen legt, denn auch hier nimmt man sich die nötige Zeit für eine ausführliche Beleuchtung der Haupt-Charaktere. Auch der Aufbau der Geschichte ist als sehr gelungen anzusehen, wobei vor allem die erste Filmhälfte durch eine eher ruhige Erzählweise auffällt, und erst danach etwas mehr Action Einzug in das Geschehen hält.

Das Ganze wird dabei äußerst authentisch-und sehr glaubwürdig präsentiert, ganz besonders die Beziehung der charakterlich unterschiedlichen Freunde Doug (Ben Affleck) und James (Jeremy Renner) offenbart eine tief verwurzelte Loyalität, die schon aus Kindertagen herrührt. Hinzu kommt die junge Claire (Rebecca Hall), durch die die Männerfreundschaft auf eine harte Bewährungsprobe gestellt wird, da Doug sich in sie verliebt. Der dabei entstehende Nebenerzählstrang einer Liebesgeschichte erscheint zu keiner Zeit auch nur ansatzweise störend, sondern passt sogar sehr gut in das Gesamtgefüge hinein. Zudem verleiht die Romanze der Story auch noch eine ganz besondere Brisanz, ist Claire doch in ihrer Funktion als Fillialleiterin einer Bank ein Opfer von Doug's Gang und wurde nach einem Überfall als Geisel genommen. So entsteht hier eine wirklich exzellente Mischung, in der die Thriller-Elemente zwar immer im Vordergrund stehen, aber auch viel Platz für menschliche Emotionen entsteht. Außerdem kann man den Film auch durchaus als gelungene Millieu-Studie ansehen, denn auch das Vorleben der Bankräuber wird eindringlich beleuchtet.

Die authentische Umsetzung des Geschehens ist die große Stärke eines Filmes, der einerseits knallhart-und kompromisslos daherkommt, andererseits aber auch immer wieder zwischenmenschliche Töne anschlägt. Sämtliche Darsteller können dabei durch ausgezeichnetes Schauspiel überzeugen und drücken der Geschichte ihren persönlichen Stempel auf. Dennoch ist es genau dieser Aspekt, bei dem "The Town" nicht ganz an "Heat" heranreichen kann, in dem vor allem das Verhältnis zwischen Jäger (Al Pacino) und Gejagtem (Robert De Niro) ein absolutes Highlight darstellte. Haben sich doch die beiden Superstars einen darstellerischen Schlagabtausch der Superlative geboten, der immer noch seinesgleichen sucht. In dieser Beziehung fehlt hier einfach die nötige Intensität, die Rolle des zuständigen FBI-Agenten wird zwar solide gespielt, wird aber leider etwas zu sehr im Hintergrund gehalten, so das die Figur nie richtig zur Entfaltung kommt. Man sollte jedoch erwähnen, das es sich wirklich um Kritik auf einem sehr hohen Niveau handelt, denn ansonsten bekommt man richtig tolle Unterhaltung geboten, die man sich auch gern öfter anschauen kann.

Insgesamt gesehen ist "The Town" ein in allen Belangen überzeugender Film, der lediglich in einigen Details noch etwas besser hätte ausfallen können. Ein gelungener Spannungsaufbau, sehr gut agierende Darsteller und eine äußerst raue Grundstimmung sind die wichtigsten Zutaten für rund 2 Stunden gelungene Thriller-Kost. Wenn hier überhaupt etwas richtig negativ beanstandet werden kann, dann ist es wohl das gewählte Ende, das doch ein wenig zu sehr aucf Happy End getrimmt ist und den typischen Eindruck eines Hollywood-Filmes hinterlässt. An dieser Stelle wäre es sinnvoller gewesen, nicht diesen doch äußerst glatten Abgang zu wählen, verliert ds Gesamtbild dadurch doch ein wenig an Kraft und erscheint gar etwas kitschig.


Fazit:


Unter der Regie von Ben Affleck ist hier ein wirklich erstklassiger Thriller mit dezenten Defiziten entstanden, die das Werk jedoch nicht sonderlich abwerten. Hart, realistisch, zum Ende hin aber leider leicht kitschig angehaucht ergibt sich ein Gesamteindruck, den man nur als sehr gut bezeichnen kann. Hätte man die kleinen Mankos vermieden, könnte man sogar die Höchstwertung vergeben, so muss man jedoch leider kleiner Abstriche machen.


8/10

Mittwoch, 23. Mai 2012

Kein Weg zurück









Kein Weg zurück
(Deadfall Trail)
mit Cavin Gray Schneider, Shane Dean, Rosalie Michaels, Richard Anderson, Katrina Matusek, Stade Hall, Neal Trout
Regie: Roze
Drehbuch: Roze / Josh Staman
Kamera: Tari Segal
Musik: Jason Camiolo
FSK 16
USA / 2009

John, Julian und Paul begeben sich im Kaibab National Forest auf einen 3-wöchigen Survival-Trip. Als eine Tierfalle für sie selbst zur tödlichen Bedrohung wird, ändert sich die Situation der Männer dramatisch. Sie sind dazu gezwungen in die tiefsten Abgründe ihrer Seele zu blicken und werden mit ihrer Moral und ihrer eigenen Sterblichkeit konfrontiert. Auf ihrem Trip müssen sie nicht nur gegen die Elemente ankämpfen, sondern auch gegen einander: wem können sie noch trauen und wer schafft es lebend zurück in die Zivilisation?


Ich hatte mich wirklich sehr auf das Langfilm Regie-Debüt von Roze gefreut, verspricht die Inhaltsangabe doch einen knallharten Survival-Thriller. Stellenweise bekommt man dann auch recht gute Ansätze geliefert, doch entwickelt sich das Geschehen leider nicht konstant so, wie man es sich eigentlich erwartet hat. Anstatt hier eine sehr interessante Thematik konsequent auszuarbeiten, kratzt Regisseur Roze bei den wichtigen Dingen leider nur an der Oberfläche, was sich insbesondere auf die tiefsten Abgründe der Seele bezieht, die einem in der Inhaltsangabe angekündigt werden. Die charakterliche Darstellung 3 Hauptfiguren entbehrt im Prinzip jeglicher Tiefe, es wird lediglich in Gut und Böse eingeteilt, ohne dabei jedoch eine wirklich ausführliche Charakter-Zeichnung vorzunehmen. Diese wäre jedoch absolut notwendig gewesen, um den Ereignissen auch die nötige Intensität zu verleihen, so jedoch plätschert die Geschichte größtenteils eher recht belanglos vor sich hin.

Hier liegt auch das größte Problem des Filmes, denn zu keiner Zeit kann sich ein wirklich konstanter Spannungsbogen entwickeln. Immer wenn sich die Grundstimmung etwas verdichtet folgen sofort wieder kleinere Einbrüche, die das Sehvergnügen doch sichtlich beeinträchtigen. Dafür, das es sich hier um ein kammerspielartiges Szenario in der freien Wildnis handelt, können die Ereignisse nie die nötige Atmosphäre erzeugen, damit der Funke so richtig überspringen könnte. Die Abläufe gestalten sich viel zu vorhersehbar und die Situation der Männer entbehrt ganz einfach der nötigen Bedrohlichkeit. Zu sehr hat man sich auf eher belanglose Dinge konzentriert, so wird man beispielsweise mit viel Geschreie konfrontiert und auch sich ständig wiederholende körperliche Auseinandersetzungen unter den Protagonisten tragen nicht unbedingt zu einem gelungenen Spannungsaufbau bei.

Dabei beinhaltet "Kein Weg zurück" einige durchaus vielversprechende Ansätze, die jedoch allesamt im Sande verlaufen. Auch die Schauspieler können nicht wirklich überzeugen, in etlichen Passagen wirkt das Schauspiel viel zu glatt und passt so gar nicht zu der Lage, in der sie sich befinden. Die Passagen, in denen insbesondere Julian durch alptraumhafte Visionen mit seinen eigenen Dämonen konfrontiert wird, hinterlassen einen sehr aufgesetzten Eindruck, so das an dieser Stelle die nötige Autenzithät vollkommen fehlt. Das kann man allerdings auch ohne Probleme auf die gesamte Geschichte beziehen, denn ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit lässt das Szenario größtenteils vermissen.

Letztendlich ist es wirklich schade, das aus dem vorhandenen Potential dieses Survival-Thrillers so wenig herausgehölt wurde. Dabei sind sämtliche Zutaten vorhanden, um einen in allen Belangen packenden Film zu kreieren. Vielleicht liegt es ganz einfach an der Unerfahrenheit des Regisseurs, oder aber an dem mit geschätzten 100.000 $ recht niedrigem Budget, doch "Kein Weg zurück" kann die in ihn gesetzten Erwartungen nur sehr bedingt erfüllen. So bekommt man statt eines fesselnden Thrillers leider nur einen Film präsentiert, der sich maximal im unteren Durchschnittsbereich ansiedelt, was man mit einer konsequenteren Ausarbeitung der Thematik durchaus hätte vermeiden können.


Fazit:


Der Film kann leider nur annähernd halten, was die Inhaltsangabe verspricht. Blasse Darsteller und fehlende Spannung sind die größten Mankos eines Thrillers, aus dem man weitaus mehr hätte herausholen können. Zum einmaligen Anschauen noch geeignet, hinterlässt das Szenario jedoch keinen sehr nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis des Zuschauers.


4/10

Montag, 21. Mai 2012

Das Kabinett des Schreckens









Das Kabinett des Schreckens
(The Funhouse)
mit Elizabeth Berridge, Shawn Carson, Jeanne Austin, Jack McDermott, Cooper Huckabee, Largo Woodruff, Miles Chapin, David Carson, Sonia Zomina, Ralph Morino, Kevin Conway, Herb Robins
Regie: Tobe Hooper
Drehbuch: Lawrence Block
Kamera: Andrew Laszlo
Musik: John Beal
FSK 16
USA / 1981

Amy und ihr Freund Buzz gehen zusammen mit einem befreundeten Teenagerpärchen zum Rummel. Nach Achterbahn, Riesenrad und Süßigkeiten wollen sie noch ins "Funhouse", eine Freak- und Grusel-Show. Gegenseitig ziehen sie sich auf, wer am meisten Angst hat, bis sie aus einer Laune heraus beschließen, sich über Nacht in der Geisterbahn einsperren zu lassen. Der Spaß hat leider allzuschnell ein Ende, als sie beobachten, wie der missgestaltete Sohn des Betreibers sich erst von einer Prostituierten verwöhnen lässt, diese dann aber kurzerhand umbringt. Anschließend beginnt er Jagd auf die Jugendlichen zu machen...


"Kabinett des Schreckens" zählt meiner Meinung nach zu den besseren Filmen von Tobe Hooper. Die Story ist recht simpel, aber sie wird sehr flüssig erzählt und wurde auch durchaus interessant in Szene gesetzt. Es ist ein typischer 80 er Jahre Horrorfilm, der eine besonders dichte und bedrohliche Atmosphäre besitzt, die ihre ganz eigene Faszination auf den Zuschauer ausübt. Und diese Faszination ist durchaus von Beginn an vorhanden, auch wenn in den ersten 30 Minuten nicht gerade viel passiert, ausser das die 4 Jugendlichen über den Rummelplatz schlendern und sich über eher belanglose Themen unterhalten.

Der Film lebt hauptsächlich von der gelungenen Atmo, in Sachen Härte darf man nicht zuviel erwarten. Es gibt zwar einige, wenige etwas härtere Szenen, aber die sind eigentlich nicht der Rede wert. Gorehounds werden hier also nicht auf ihre Kosten kommen, aber es muß ja auch nicht immer nur Gemetzel gebwn. Dafür sind insbesondere die Passagen, die im sogenannten "Funhouse" spielen von einer sehr dichten und bedrohlichen Grundstimmung begleitet, die phasenweise sogar ein herrliches Gänsehaut-Feeling aufkommen lässt, von dem man sich als Betrachter nur zu gern gefangennehmen lässt. Es ist halt einmal mehr diese schier unwidersteliche 80er Jahre-Atmosphäre, die diesem Film beiwohnt und wie man sie aus so vielen Horrorfilmen dieses Jahrzehnts her kennt. Auch spannungsmäßig kann man sich keineswegs beschweren, denn mit der Zeit entwickelt sich aus der zu Anfang noch eher lustigen Rummelplatz-Stimmung ein äusserst spannendes Szenario, das sich bis zur letzten Minute immer mehr verdichtet und auch keinerlei Einbrüche verzeichnet.

Mir persönlich hat insbesondere dieser vollkommene Stimmungs-Umschwung sehr gut gefallen, der nach dem ersten Drittel des Films eintritt, teilweise hat man das Gefühl, das man von einem eher belanglosen Teenie-Filmchen ziemlich abrupt in einen extrem spannenden und atmosphärisch sehr dichten Horrorfilm gewechselt hat, in dem man das aufkommende Unheil förmlich erahnen kann. Das eigene Sehverhalten ändert sich schlagartig, war man vorher noch sehr entspannt und hat sich seicht berieseln lassen, so überkommt einen mit einemmal ein starkes Gefühl der Anspannung, was sich auch bis zum Ende hin nicht mehr ändert. Im Endeffekt kann man diesen Film auch recht gut mit dem 2006 erschienenen Werk "Dark Ride" von Craig Singer vergleichen, auch wenn dessen Film sicherlich eine Ecke härter ausgefallen ist.

Schauspielerisch sollte man nicht unbedingt Wunderdinge erwarten, denn ist es doch eher recht selten, das Darsteller in Horrorfilmen durch oscarreifes Schauspiel auffallen würden. So ist es also auch nicht weiter verwunderlich, das dies auch hier nicht der Fall ist, jedoch überzeugen gerade die hier agierenden Jungdarsteller durch durchaus solide Leistungen, wie man sie nicht unbedingt täglich präsentiert bekommt. Insgesamt gesehen hat man es also mit einem sehr unterhaltsamen und auch spannenden Horrorfilm zu tun, der ganz eindeutig zu den besseren Filmen von Tobe Hooper zu zählen ist und den man sich auch nach mittlerweile fast 30 Jahren immer wieder gut anschauen kann.


Fazit:


Ohne viel Härte und brutale Szenen ist es hier gelungen, ein sehr hohes Maß an Spannung zu erzeugen, das durch die vorherrschende Atmosphäre noch zusätzlich unterstüzt. Dabei kann man das erste Filmdrittel ohne Probleme etwas vernachlässigen, dient es doch viel eher dazu, den Zuschauer etwas einzulullen, bevor er dann mit einer Stunde Hochspannung konfrontiert wird. Eine kleine Perle des Genres, die auch im Laufe der Zeit rein gar nichts von ihrem Charme und ihrer Faszination verloren hat und immer wieder sehenswert ist.


8/10

Sonntag, 20. Mai 2012

Der Killer









Der Killer
(Skeleton Lake)
mit Bryan Larkin, Hugh Lambe, Bob Cymbalski, Robert Nolan, Mark Munro, Damon E. White, Frank Ieraci, Lee Sandford, Bass Stewart, Ramen Zarafshan, Ryan Borg, Sean McAulay, Merella Fernandez
Regie: Neil Mackay
Drehbuch: Neil Mackay / Sean McAulay
Kamera: Kevin Rasmussen
Musik. Wojciech Golczewski
Keine Jugendfreigabe
Kanada / 2012

Der Krieg ist zu Ende. Aber nicht für ihn. 6 Bankräuber fliehen mit 3 Millionen Dollar in einen einsamen Wald. Allerdings ist der Wald nicht so verlassen, wie es anfänglich scheint. Ein Kriegsveteran mit einem unerschöpflichen Waffenarsenal hat es auf sie abgesehen. Das Katz-und-Maus-Spiel beginnt. Es werden keine Gefangenen gemacht. Hier kommt keiner lebend raus!


An der kurzen Inhaltsangabe kann man schon erkennen, das der Regie-Erstling von Neil Mackay nicht unbedingt eine innovative Geschichte erzählt, denn solche oder ähnlich gelagerte Szenarien hat man schon oft genug zu sehen bekommen. Dennoch handelt es sich bei "Der Killer" um einen durchaus sehenswerten Actioner, der teilweise auch die Züge eines Backwood-Slashers erkennen lässt. Zugegebenermaßen beinhaltet der Story-Plot auch einige Defizite, so darf man beispielsweise keinerlei inhaltliche Tiefe erwarten, denn die Grundgeschichte ist doch nicht mehr als eine ziemlich dünne Rahmenhandlung. So sollte der Zuschauer dann auch keine tiefgehenden Charakterzeichnungen erwarten, die Figuren werden eher extrem oberflächlich eingeführt und man erfährt nur das Nötigste, um dem Geschehen folgen zu können. An dieser Stelle hätte man sich gerade etwas mehr Hintergrundinformationen über die Motive des Killers erwartet, die allerdings leider nicht geboten werden.

Andererseits ist dies aber auch als Vorteil anzusehen, denn zu sämtlichen Personen baut man so gut wie überhaupt keine Beziehung auf, so das einen das Ableben diverser Figuren nicht weiter stört. Es entfalten sich keinerlei Emotionen und auch die Symphatiewerte halten sich im unteren Rahmen. Manch einem mag das eventuell eher störend vorkommen, aber so kann man sich emotional unbeteiligt an der Hetzjagd im Wald beteiligen und betrachtet die Ereignisse aus einem neutralen Blickwinkel. Was dem Film ein wenig abgeht sind einige Überraschungsmomente oder eine Wendung des Geschehens. Die Story ist dafür viel zu vorhersehbar und man kann im Prinzip schon nach einer relativ kurzen Spieldauer erahnen, wie das Ganze am Ende ausgeht.

So baut sich dann auch nie ein wirklicher Spannungsbogen auf und auch die vorherrschende Grundstimmung nimmt nie die bedrohlichen Züge an, mit der man sie sicherlich hätte ausstatten können. Vielleicht liegt es an der noch mangelnden Erfahrung des Regisseurs, denn mit dem vorhandenen Budget von gut 1.000.000 CAN $ wäre bei etlichen Aspekten mehr möglich gewesen, als man letztendlich zu sehen bekommt. So gestaltet sich auch die Jagd durch die Wälder etwas eintönig und monoton, es fehlt ganz einfach der letzte Kick, um den Funken letztendlich wirklich überspringen zu lassen. Dabei sind sämtliche Zutaten enthalten, so das trotz mangelnder Innovation ein noch besserer Genre-Beitrag hätte gelingen können, so aber siedelt sich "Der Killer" lediglich im breiten Durchschnittsbereich an, was aber auch nicht das Schlechteste ist. Auch im Bezug auf den Härtegrad bekommt man nicht das geboten, was die hohe Alterseinstufung einem andeutet. Zwar gibt es einige durchaus blutigere Einstellungen, insgesamt gesehen hätte nach heutigen Maßstäben auch eine 16er Freigabe vollkommen ausgereicht.

Im Endeffekt ist dieses Regie-Debüt gar nicht einmal schlecht gelungen und bietet auf jeden Fall kurzweilige Unterhaltung. Man merkt das Bemühen der Macher, dem Zuschauer einen gelungenen Film zu präsentieren, hat dabei aber vielleicht die grundlegenden Dinge etwas vernachlässigt. Etwas mehr Spannung, eine dichtere Atmosphäre und etwas mehr Informationen über die Motive des Killers hätten einen besseren Eindruck hinterlassen, doch auch in vorliegender Form handelt es sich immer noch um einen sehenswerten Film, den man sich ohne Bedenken zu Gemüte führen kann.


Fazit:

"Der Killer" bietet solide Genre-Unterhaltung, die man jedoch mit etwas mehr Liebe zum Detail und einigen Überraschungsmomenten weitaus interessanter hätte gestalten können. So bekommt man ein Geschehen präsentiert das gut zu unterhalten weiß, aber keinen allzu nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis hinterlässt.


Die DVD:

Vertrieb: Sunfilm
Sprache / Ton: Deutsch DTS 5.1, DD 5.1 / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,78:1 (16:9)
Laufzeit: 90 Minuten
Extras: Trailer


6,5/10

Samstag, 19. Mai 2012

Der Killer von Wien









Der Killer von Wien
(Lo Strano vizio della Signora Wardh)
mit George Hilton, Edwige Fenech, Conchita Airoldi, Manuel Gil, Carlo Alighiero, Ivan Rassimov, Alberto de Mendoza, Bruno Corazzari, Marella Corbi, Miguel Del Castillo, Luis de Tejada, Brizio Montinaro
Regie: Sergio Martino
Drehbuch: Vittorio Caronia / Ernesto Gastaldi
Kamera: Emilio Foriscot / Floriano Trenker
Musik: Nora Orlandi
FSK 16
Italien / Spanien / 1970

Wien zittert vor einem Rasiermessermörder, der es auf junge Frauen abgesehen hat. Auch Julie Wardh, Frau eines wohlhabenden Geschäftsmannes, wird von dem Killer bedroht. Julie hat einen Verdacht: Könnte es beim dem Gesuchten um ihren früheren Geliebten Jean handeln, dem sie einst in masochistischer Zuneigung zugetan war...?


Mit "Der Killer von Wien" hat Regisseur Sergio Martino einen waschechten Giallo kreiert, der sich auch hinter den Werken eines Dario Argento oder Mario Bava nicht zu verstecken braucht. Allein die hier versammelte Darsteller-Riege kann man als absoluten Leckerbissen ansehen, versammeln sich doch mehrere äusserst bekannte Darsteller der damaligen Zeit, um in dieser extrem spannenden und intelligent gestalteten Geschichte eine Kostprobe ihres Könnens abzugeben. Insbesondere die wunderschöne Edwige Fenech weiss in ihrer Rolle zu brillieren und ist zudem auch noch ein optischer Leckerbissen, den man sich als Zuschauer nur zu gern vor Augen führt. Die größte Stärke des Filmes ist allerdings die Geschichte an sich, die von der ersten Minute an sehr gekonnt einen dramaturgisch äusserst gelungenen Spannungsbogen aufbaut, der während der gesamten Laufzeit keinerlei Einbrüche erkennen lässt und so für ein exzellentes Filmvergnügen sorgt. Gelungene Wendungen und ein gekonnt umgesetztes Intrigen-Spiel sorgen zudem für so einige Überraschungsmomente, die insbesondere im letzten Drittel des Filmes sehr stark zur Geltung kommen und ein abwechslungsreiches Filmvergnügen garantieren.

Erscheint in manch anderem Vertreter des Sub-Genres die Geschichte eher etwas lückenhaft, so das auch die Preisgabe der Identität des Mörders etwas an den Haaren herbeigezogen erscheint, so hat Sergio Martino sorgsam darauf geachtet, das der Story-Plot gut ausgearbeitet wurde und des Rätsels Lösung am Ende vollkommen logisch erscheint und keinerlei Fragen für den Zuschauer offen lässt. Dabei entwickelt sich mit zunehmender Laufzeit ein immer dichter werdendes Netz an Intrigen, deren Gesamtzusammenhänge man allerdings erst kurz vor dem Ende gänzlich erkennen kann. Bis dahin wird man mit einer wirklich intelligenten Geschichte konfrontiert, in der so manch falsche Fährte gelegt wird, um den Betrachter in die Irre zu führen. Dies Unterfangen gelingt streckenweise auch sehr gut, so das sich letztendlich doch so einige Überraschungsmomente einstellen, mit denen man nicht unbedingt rechnen konnte. Dabei hebt sich "Der Killer von Wien" meiner Meinung nach sehr wohlwollend von einigen anderen Genre-Kollegen ab, in denen das Geschehen doch manchmal arg konstruiert erscheint, denn hier bekommt man eine wirklich gut durchdachte Geschichte serviert, in der es eigentlich gar nichts gibt, was in irgendeiner Weise willkürlich oder künstlich konstruiert erscheint. So wird man am Ende des Filmes mit einem in allen Belangen zufriedenen Gefühl entlassen, da die Zusammenhänge logisch erscheinen und keinerlei Fragen offen lassen.

Wie in fast allen Filmen dieser Gattung spielt auch hier der erotische Aspekt eine nicht gerade unwesentliche Rolle und so bekommt man auch einige ästhetisch wirkende Liebeszenen zu sehen, für die Edwige Fenech selbstverständlich die genau richtige Besetzung ist, denn die sinnliche und erotische Ausstrahlung dieser wunderschönen Frau ist wohl schwerlich zu überbieten. Wirken die besagten Szenen in manch anderen Giallos manchmal sogar eher überflüssig oder gar fehl am Platz, so unterstreichen sie in vorliegendem Fall viel eher einen nahezu perfekten Gesamteindruck, den man von diesem Werk erhält. Und das ist die besondere Stärke dieses Filmes, denn die einzelnen Komponenten passen perfekt zusammen und lassen so ein Gesamtwerk entstehen, das man eigentlich nur als sehr gut bewerten kann. Dazu zählt auch ganz sicher die vorherrschende Grundstimmung, die sich fast minütlich immer mehr verdichtet und mit der Zeit äusserst bedrohliche Züge erkennen lässt, die ihre Wirkung auf den Zuschauer nicht verfehlen und von denen eine fast schon unheimliche Faszination ausgeht, die den Betrachter in ihren Bann zieht und bis zum Ende auch nicht mehr loslässt.

Vielleicht hat Sergio Martino nicht unbedingt die Genialität eines Mario Bava oder Dario Argento, jedoch ist ihm mit "Der Killer von Wien" ein ausnehmend guter Giallo gelungen, der meiner Meinung nach zu den besten Vertretern seiner Art zu zählen ist. Insbesondere die gut durchdachte Geschichte verleiht dem Film eine unglaubliche Stärke und die sehr gut agierenden Darsteller tun ihr Übriges, um hier ein intensives Filmerlebnis zu präsentieren, an dem jeder Giallo-Liebhaber seine wahre Freude haben dürfte. Wenn es überhaupt etwas an diesem Werk auszusetzen gibt, dann dürfte es wohl die Gestaltung der einzelnen Morde sein, die es teilweise etwas an Intensität vermissen lassen und zudem noch recht unblutig in Szene gesetzt wurden. Hierbei handelt es sich aber lediglich um ein kleines Manko, über das man bei der Klasse des Gesamtwerkes generös hinwegschauen kann.


Fazit:


Für mich persönlich zählt "Der Killer von Wien" zu den besten Vertretern seiner Film-Gattung, denn offenbart sich dem Betrachter doch eine sehr intelligent umgesetzte Geschichte, die mit erstklassigen Darstellern besetzt ist. Ein brillant gezogener Spannungsbogen, der übliche Schuss Erotik und eine herrlich dichte Grundstimmung machen dieses Werk zu einem echten Filmerlebnis, das sich kein echter Liebhaber spannender Thriller entgehen lassen sollte.


9/10

Freitag, 18. Mai 2012

Love









Love
(Love)
mit Gunner Wright, Corey Richardson, Bradley Home, Nancy Stelle, Roger E. Fanter, Jesse Hotchkiss, Troy Mitleider, Brid Caveney, Ambyr Childers, Dan Figur, Brian Varnik, Mark Eaton
Regie: William Eubank
Drehbuch: William Eubank
Kamera: William Eubank
Musik: Angels & Airwaves
FSK 12
USA / 2011

Der amerikanische Astronaut Lee James Miller weilt gerade zu Routinearbeiten auf einer internationalen Raumstation in der Erdumlaufbahn, als er eines Tages den Kontakt zur Erde verliert und auch nach zähen Bemühungen nicht wieder findet. Miller richtet sich an Bord des Raumschiffs ein und hat viel Zeit, sich mit Dingen wie Philosophie zu beschäftigen, während um ihn herum die Systeme nach und nach den Geist aufgeben. Da entdeckt er plötzlich die dreihundert Jahre alten Aufzeichnungen eines Bürgerkriegssoldaten.


Es ist schon ein durchaus beeindruckender-und ambitionierter Regie-Erstling, den William Eubank hier auf die Menschheit losgelassen hat. Jenseits des üblichen Mainstreams angesiedelt offenbart sich ein SCI/FI Film, der im Prinzip vollkommen ereignislos erscheint und durch seine fast schon behäbige Erzählstruktur die Geduld des Zuschauers auf eine harte Probe stellt. Wenn man sich jedoch auf die Geschichte einlassen kann, entfaltet sich mit zunehmender Laufzeit eine nicht zu beschreibende Faszination, die einen in den sogartigen Strudel der vollkommenen Einsamkeit entführt, in der sich die einzige Hauptfigur Lee James Miller befindet. Nun ist meine letzte Sichtung der Klassiker "Moon" und "2001: Odyssee im Weltraum" schon viel zu lange her als das ich wirklich den oft genannten Vergleich mit diesen Filmen heranziehen könnte, doch etliche Anlehnungen sind definitiv nicht von der Hand zu weisen. Eubank hat eindeutig phasenweise von diesen Werken abgekupfert und man muss das nicht unbedingt gut finden, dennoch erzählt sein Film seine ganz eigene Geschichte, die einen auf ganz komische Art und Weise in ihren Bann zieht.

Man sieht dem vor allem in optischer Hinsicht sehr gelungenem Szenario in keiner Phase das recht geringe Budget von gerade einmal 500.000 $ an, zu stark ist die von den fantastischen Bildern ausgehende Wirkung. Dabei beginnt der Film mit einer vollkommen ungewöhnlichen Einführung in das Geschehen, denn statt Bildern aus einer Weltraum-Station wird man erst mit Bildern aus dem amerikanischen Bürgerkrieg konfrontiert. Der Sinn dieses gewöhnungsbedürftigen Einstieges ergibt sich erst zum Ende hin, bei dem die Thematik noch einmal Gestalt annimmt. Dennoch erscheinen gerade diese Passagen etwas fehl am Platz und nehmen den Ereignissen meiner Meinung nach auch etwas an Kraft, zudem sorgt es beim Betrachter doch auch für gelegentliche Verwirrungen. Im Focus steht jedoch ganz eindeutig das Gefühl der Einsamkeit, das sich immer mehr bei der einzigen Hauptfigur der Geschichte einstellt und mit der Zeit offensichtliche Halluzinationen zum Ausdruck bringt. In einer kammerspielartigen Inszenierung schafft es Eubanks fast spielend, dieses Gefühl auch zum Zuschauer zu transportieren, der sich definitiv nicht wohl in seiner Haut fühlte.

Dabei möchte man sich gar nicht erst vorstellen wie es denn wohl wäre, wenn man selbst in einer so aussichtslosen Lage wäre, abgeschnitten von jeglicher Kommunikation und fern der Heimat. Erschwerend kommt hinzu, das man im Unklaren darüber gelassen wird, warum seit mehreren Jahren kein Kontakt mehr zur Erde besteht. Die Ausweglosigkeit der Situation ruft eine starke Beklemmung hervor, die sich wie eine zentnerschwere Last auf die eigenen Schultern legt und einen dabei schier erdrücken will. Ein wenig davon abgelenkt wird man lediglich mit einigen herrlich schönen Bildern, wird in dieser Beziehung jedoch mit einer Mischung aus Realität und surrealen Elementen bedient, die man stellenweise schon kaum noch unterscheiden kann.

Auch wenn diese Art von Film im Normallfall nicht unbedingt meinen Geschmack trifft, konnte ich mich der irgenwie faszinierenden Geschichte zu keiner Zeit entziehen, ein weiteres Mal könnte ich mir "Love" jedoch auch nicht anschauen. Meiner Meinung nach handelt es sich nämlich viel eher um einen Film, der lediglich bei der ersten Sichtung seine volle Intensität entfalten kann und danach rapide an Reiz verliert. Trotzdem sollte man Eubank's Erstling eine reelle Chance geben, denn eine Sichtung dieses außergewöhnlichen Filmes lohnt sich allemal.


Fazit:


"Love" ist einerseits recht schwere Filmkost, die auch ganz bestimmt nicht jedem zusagen wird. Man sollte schon über viel Geduld verfügen und eine Vorliebe für sehr ruhig erzählte Geschichten haben, die im Prinzip keinerlei Tempo beinhalten. Dafür kann man sich aber einen exzellenten Eindruck über das Gefühl der Einsamkeit machen und auch noch deren Folgen abschätzen.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch / Niederländisch
Bild: 1,78:1 (16:9)
Laufzeit: 81 Minuten
Extras: Deleted Scenes, Music Videos


6/10

Donnerstag, 17. Mai 2012

Katie Bird









Katie Bird
(Katie Bird : Certifiable Crazy Person)
mit Helene Udy, Taylor M. Dooley, Nicole Jarvis, Lee Perkins, Todd Gordon, Jun Hee Lee, Ben L. McCain
Regie : Justin Paul Ritter
Drehbuch : Justin Paul Ritter
Kamera : Josh Fong
Musik : Daniel Iannantuono
Altersfreigabe : Ungeprüft
USA / 2005

KatieBird Wilkins (Helene Udy), eine Frau mit einer Leidenschaft für die Liebe, durchlebt noch einmal kurz in Gedanken die Ereignisse die bis zu ihrem ersten Mord während der Abschlusssitzung mit dem Psychologen Dr. Mark Richardson (Todd Gordon), ihr Arzt und Geliebter, führen. Was als Romanze zwischen Dr. Richardson und KatieBird beginnt wandelt sich bald in ein kaltes Zeugnis einer Beziehung mit einer sadistischen Mörderin. Beovr Richadrson einlenken kann, findet er sich an ein Bett gefesselt und abhängig von KatieBirds Gnade wieder. Nun beginnt KatieBird ihm die Geschichte ihrer Kindheit zu erzählen, von ihrer Beziehung zu ihrem Vater, Merl (Lee Perkins). Gut umsorgt und geliebt als normales Kind, entdeckt KatieBird eines Tages, dass viel mehr in ihrem Vater steckt, hinter verschlossenen Türen.

Und wenn sie verletzt vom lokalen Herzklopfen der Schule nach Hause heimkehrt, nimmt Merl sie in seine Welt hinter verschlossenen Türen mit. Er unterrichtet sie, auf die einzige Art die er kennt um die Wahrheit heraus zu finden. Beängstigt, verwirrt, weiß sie jetzt dass dies ihr vorbestimmter Pfad im Leben ist, ihr Schicksal. KatieBird beginnt zu lernen was schon ihr Vater und der Vater ihres Vaters und dessen Vater… die Wahrheit die nur durch den Tot gefunden werden kann. Bald hat sie auch ihr erstes Opfer festgenommen und beginnt zu lernen und verstehen was wahrer und ehrlicher Schmerz ist. Als Richardson das Zeugnis von KatieBird gehört hat, bestätigt jenes nur seinen Glauben, dass sie weit davon entfernt ist Hilfe zu empfangen. Doch die verdrehte Doktor/Liebhaber Beziehung hält Richardson geistig sowie als auch, vorzeitig, physisch gebunden zu ihr. Als Dr. Richardson mitbekommt, dass er nicht mehr Herr über die Situation ist, begreift er erst, dass er KatieBirds letztes Opfer sein soll…

"Was ist es, was uns zu dem macht, was wir sind?"


Ob diese Frage in diesem Independent - Streifen befriedigend beantwortet wird, ict sicherlich Interpretationssache, aber eines ist wohl ziemlich klar, dieses Werk ist absolut verstörend, hart und bleibt nachhaltig im Kopf des Betrachters hängen. Es ist einer dieser typischen Filme, die eigentlich nur 2 extreme Meinungen zulassen, entweder ist man begeistert, oder man kann rein gar nichts mit ihm anfangen. In erster Linie liegt das mit Sicherheit an der angewendeten Split Screen Technik, in der

"Katie Bird" gedreht wurde. Das ist sehr gewöhnungsbedürftig und am Anfang nervt es sogar ein bisschen, auf der anderen Seite fordert es die volle Konzentration des Betrachters, die hier auch durchaus notwendig ist.

Mit Sicherheit zählt dieser Film nicht zu den üblichen Serienmörder - Streifen, die man zur Genüge kennt, hier ist meiner Meinung nach etwas ganz Aussergewöhnliches entstanden. Die Geschichte, die Katie hier selbst erzählt, ist ihr Werdegang von einem lebenslustigen Mädchen zu einer psychopatischen und sadistischen Killerin. Wenn man sieht, wie sie hier die Kunst des Tötens von ihrem Vater erlernt, der selbst auch ein mehrfacher Mörder ist, dann wirkt das schon extrem schockierend, denn die Leichtigkeit, mit der das geschieht, ist schon sehr erschreckend. Das zeichnet sich besonders gut in den Dialogen zwischen Vater und Tochter ab, so bekommt Katie zum Beispiel auf die Frage, warum er denn ein Killer ist lediglich die Antwort: "Ich bin nun einmal so".

So erlernt sie von ihrem Vater das Töten, wie andere Leute eine normale Berufsausbildung machen, wobei sie nie zu etwas gezwungen wird und alles ihrem freien Willen überlassen wird. Die Entwicklung, die das Mädchen vollzieht und vor allem ihre extrem sadistische Seite, die zum Vorschein kommt, lassen erahnen, welch ein Monster in ihr schlummert. Hinzu kommt noch ihre ausgeprägte Sehnsucht, von ihren Opfern auch Schmerzen zu erfahren. Als diese sich aber weigern, ihr den Genuß des Schmerzes zuzufügen, kommt bei Katie auch eine masochistische Ader zum Vorschein und sie verletzt sich ständig selbst.

All diese Dinge zeichnen ein recht gutes Bild ihrer absolut kranken Psyche, ihre Mimik drückt beim eigenen Zufügen von Verletzungen absolute Befriedigung aus. Helen Udy liefert hier eine, wie ich finde, absolut überzeugende und glaubhafte darstellerische Leistung ab, auch wenn viele Leute das anders sehen mögen. Sie verleiht dem Charakter der Katie Ausdruckskraft und Autenzität.

"Katie Bird" ist mit Sicherheit kein mainstreamtauglicher Film, aber er weiss zu schockieren und hinterlässt bestimmt nachhaltige Spuren beim Zuschauer. Wenn man mit der Split Screen Technik kein Problem hat und dieses Werk auf sich wirken lässt, dann könnte man am Ende vielleicht sogar feststellen, das man etwas Besonderes gesehen hat.

Und Vorsicht, die bei uns in Deutschland erschienenen Versionen sind um satte 25 !!! Minuten geschnitten, was ich persönlich als eine absolute Frechheit ansehe, denn das ergibt einen vollkommen anderen Film.



8/10

Dienstag, 15. Mai 2012

The Divide









The Divide
(The Divide)
mit Michael Biehn, Lauren German, Milo Ventimiglia, Courtney B. Vance, Ashton Holmes, Rosanna Arquette, Ivan Gonzalez, Michael Eklund, Abbey Thickson, Jennifer Blanc
Regie: Xavier Gens
Drehbuch: Karl Mueller / Eron Sheean
Kamera: Laurent Banes
Musik: Jean-Pierre Taieb
Keine Jugendfreigabe
Deutschland / Kanada / USA / 2011

Starr vor Schreck erlebt Eva am Fenster ihres Apartmentblocks den Augenblick des Weltuntergangs: Mit gewaltigen Explosionen verabschiedet sich New York in einem Inferno aus Feuer und Rauch. In letzter Sekunde erreicht sie zusammen mit ihrem Ehemann und einigen Nachbarn den schützenden Keller. In dem bunkerartigen Komplex eingeschlossen, hoffen die Menschen auf baldige Rettung. Doch als klar wird, dass diese nicht kommt, muss sich die zusammengewürfelte Gruppe selbst helfen. Es kommt zu ersten Konfrontationen; was mit verletzter Eitelkeit beginnt, steigert sich nach der ersten Bedrohung von draußen zu einem Machtspiel mit grausamer Konsequenz.


Xavier Gens hatte sich mit dem französischen Horrorfilm "Frontier(s)" einen Namen gemacht und wie Kollege Alexandre Aja ist nun auch er dem Ruf Hollywood's gefolgt. Sein neuestes Werk "The Divide" hat mit Horror im eigentlichen Sinne recht wenig zu tun, handelt es sich doch vielmehr um ein intensives Drama, das nach dem nuklearen Holocaust unter den wenigen Überlebenden der Katastrophe entfacht wird. Schaut man jedoch ein wenig hinter die Fassade dann stellt man ziemlich schnell fest, das es sich sehr wohl um ein wahres Horror-Szenario handelt, das sich jedoch auf eine vollkommen andere Art und Weise zu erkennen gibt. Die eigentliche nukleare Katastrophe steht in dieser Geschichte auch überhaupt nicht im Vordergrund, lediglich in der ersten Einstellung des Filmes sieht man im Hintergrund die die Explosion der Bombe. Danach dreht sich das Geschehen einzig und allein um die wenigen Überlebenden, die es in einen sicheren Keller eines Wohnhauses schaffen und dort ihrem Schicksal überlassen sind. So sollte der Zuschauer auch keinerlei Erklärungsversuche erwarten, denn wer den atomaren Angriff verursacht hat wird zu keiner Zeit wirklich geklärt, sowie auch eventuelle Motive im Dunkeln gelassen werden. So dient die Anfangs-Sequenz lediglich als Mittel zum Zweck, um den darauf folgenden Ereignisse im Keller ein Grundgerüst zu verleihen. Dieser Aspekt wird noch mehr hervorgehoben, als nach einer geraumen Zeit eine Gruppe bewaffneter Männer in atomaren Schutzanzügen den Keller stürmt, um lediglich die kleine Tochter von Marilyn (Rosanna Arquette) zu entführen. Auch dieser Nebenerzählstrang wird nicht weiter verfolgt, so das die Ausgangslage eines Atomkrieges nun vollends zu den Akten gelegt wird und prinzipiell keine weitere Rolle spielt.

Xavier Gens hat das gesamte Szenario äußerst geschickt bewerkstelligt, der Zuschauer wird beispielsweise in eine Lage versetzt, in der jegliches Zeitgefühl abhanden kommt. Zu keiner Zeit erfährt man, wie lange sich die Personen schon in dem Keller befinden, was phasenweise schon für eine gewisse Orientierungslosigkeit sorgen kann. Dieser Schachzug ist meiner Meinung nach jedoch vollkommen bewusst eingesetzt worden, verleiht er den Abläufen doch eine weitaus intensivere Wirkung. Und diese Wirkung steigert sich praktisch im Minutentakt und lässt dabei die von Beginn an schon äußerst beklemmende Grundstimmung in schier schwindelerregende Höhen ansteigen. Ist man selbst durch den aggressiven Einstieg in die Geschichte schon genügend schockiert worden, so wird dieser Zustand mit zunehmender Laufzeit immer weiter gesteigert. Dabei ist es in der Folgezeit nicht einmal die Ausgangsposition des Atomkrieges die einen erstarren lässt, sondern vielmehr der menschliche Krieg der sich innerhalb des Keller-Komplexes abspielt. Kam es dort schon zu Beginn unter den Überlebenden zu einigen Auseinandersetzungen und Machtspielchen, so war dies nur ein sogenannter Probelauf für die folgenden Ereignisse.

Aus Menschen werden regelrechte Bestien, Dinge wie Vergewaltigung und Mord stehen auf einmal auf der Tagesordnung und als Betrachter ist man regelrecht davon geschockt, in wie weit sich Menschen doch verändern können, wenn sie sich in einer schier aussichtslosen Lage befinden. Anstatt zusammenzuhalten wird erbarmungslos gegeneinander gekämpft, gefoltert und bis aufs Tiefste gedemütigt. Umgangssprachlich wird ja immer wieder gesagt, das jeder Mensch auch ein Tier in sich habe und wenn diese Aussage auch nur irgendeine Bedeutung hat, dann wurde sie durch Xavier Gens extrem gut und kompromisslos in Szene gesetzt. Während einige aus der Gruppe zu beginn noch versuchen, sich ihre Menschlichkeit zu bewahren, tendieren andere wiederum in eine ganz andere Richtung und scheinen sich an einem selbst erworbenen Machtgefühl regelrecht zu berauschen. Psychische-und physische Folter werden wie ein Spiel angewendet, bei dem die männlichen Täter sichtbare Freude erkennen lassen. Sadismus und Genuss an der Demütigung anderer Menschen treten in den Focus des Geschehens, das immer mehr die dunkle Seite der Seele in den Vordergrund rückt.

Der Umgang mit der vorherrschenden Situation lässt dabei so unterschiedliche Aspekte erkennen, das es einem selbst stellenweise wirklich eiskalt den Rücken runter läuft. Dabei eskaliert die Gewaltspirale immer mehr und eine vollkommen Eskalation der Gewalt ist definitiv nicht mehr aufzuhalten. Die ganze Szenerie ist zudem mit einer absolut grandiosen Atmosphäre versehen, die dem Ganzen eine unglaublich realistische Note verleiht, was im vorliegenden Fall für äußerste Beklemmung beim Zuschauer sorgt. man möchte sich überhaupt nicht vorstellen, wie man selbst in einer solchen Situation reagieren würde und möchte das Geschehen nur zu gern weit von sich fernhalten. Dieser Versuch misslingt jedoch gründlich, denn die Ereignisse strahlen eine viel zu große Faszination aus, als das man sich nicht gedanklich mit ihnen auseinandersetzen würde. Das liegt auch an den ganz hervorragend agierenden Darstellern, die allesamt eine wirklich überzeugende Performance abliefern und so den sehr guten Gesamteindruck des Filmes noch zusätzlich etwas aufwerten. Natürlich gibt es auch wieder genügend Leute, die Etliches an diesem Werk zu bemängeln haben, doch für mich persönlich hat Xavier Gens einen absolut überzeugenden Film abgeliefert. Spannung von der ersten bis zur letzten Minute, eine tiefgehende Beleuchtung der einzelnen Charaktere und eine Ausgangslage, die vollkommen in den Hintergrund gerät sind neben der herausragenden Grundstimmung die absoluten Höhepunkte eines Filmes, der ganz schön unter die haut geht und einen sehr nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis hinterlässt.


Fazit:


Was hier als nukleare Katastrophe beginnt entwickelt sich zu einem Krieg, der auf einer ganz anderen Ebene stattfindet. Gens gewährt dabei einen tiefen Einblick in die dunkelsten Winkel der menschlichen Seele und verleiht seiner Geschichte dabei eine unglaublich starke Intensität. Das Szenario kann einen nicht vollkommen unberührt lassen und hinterlässt zudem einen äußerst schalen Beigeschmack. Ganz normale Menschen verwandeln sich in reißende Bestien, deren Egoismus lediglich durch ihre Freude am Leid anderer noch übertroffen wird. Ein sehenswerter Film mit guten Schauspielern, den man sich unbedingt anschauen sollte.


8/10

Sonntag, 13. Mai 2012

Ein Toter spielt Klavier









Ein Toter spielt Klavier
(Taste of Fear)
mit Susan Strasberg, Ronald Lewis, Ann Todd, Christopher Lee, John Serret, Leonard Sachs, Anne Blake, Fred Johnson
Regie: Seth Holt
Drehbuch: Jimmy Sangster
Kamera: Douglas Slocombe
Musik: Clifton Parker
FSK 16
Großbritannien / 1961

Um sich Zugang zur Villa der Applebys zu verschaffen und herauszufinden, was mit Mr. Appleby passiert ist, gibt sich eine alte Freundin als die gelähmte Penny Appleby aus. Obwohl man ihr sagt, dass der Hausherr sich auf einer Geschäftsreise befindet, sieht sie ihn zu ihrem Schrecken tot in mehreren Räumen das Hauses. Während Applebys Frau Jane ihr einreden will, dass sie unter Halluzinationen leidet, behauptet der Chauffeur, dem Penny sich anvertraut, dass Jane sie in den Wahnsinn treiben will. Sie ahnt nicht, dass die Ehefrau und der Chauffeur einen perfiden Plan verfolgen und, nachdem sie Appleby bereits aus dem Weg geräumt haben, nun auch dessen Tochter ermorden wollen...


Wenn man von den Filmen aus den legendären britischen Hammer-Studios spricht, denkt man dabei fast zwangsläufig an die Frankenstein-und Dracula-Verfilmungen, die in den 60er-und 70er Jahren entstanden sind. Dabei haben die berühmten Studios durchaus auch andere Genre-Perlen produziert, die leider viel zu oft nicht die Beachtung finden, die sie eigentlich verdient hätten. "Ein Toter spielt Klavier" zählt ganz eindeutig zu diesen Werken, bietet der 1961 erschienene Film doch eine herrlich atmosphärische Gruselgeschichte, in der anscheinend übernatürliche Dinge vor sich gehen. Zwar wird schon durch die Inhaltsangabe ziemlich klar, das die Geschehnisse alle irdischen Ursprungs sind, was den äußerst gelungenen Spannungsaufbau der Geschichte aber überhaupt nicht beeinträchtigt. Schon der Hauptschauplatz der riesigen Villa in der Nähe von Nizza überzieht den Zuschauer größtenteils mit wohligen Schauern, was durch die s/w Optik des Filmes noch zusätzlich hervorgehoben wird.

Nun erscheinen zwar einige Ereignisse des Story-Plots ein wenig zufällig und nicht ganz logisch nachvollziehbar, doch diese eher unwesentlichen Drehbuchschwächen können den insgesamt äußerst guten Gesamteindruck nicht sonderlich schmälern. Viel zu sehr zieht einen das unheimlich anmutende Szenario in seinen Bann und eine herausragende Hauptdarstellerin (Susan Strasberg) ist nicht nur ein optisches Highlight, sie überzeugt zudem mit einer absolut brillanten Performance und drückt der Geschichte so ganz unweigerlich ihren ganz persönlichen Stempel auf. Was mich persönlich am meisten überrascht hat ist die Tatsache, das hier weit und breit nichts von dem theatralischen Schauspiel zu sehen ist, das viele Werke dieser Zeit beinhalten. Man bekommt keinerlei übertriebene Mimik-oder Gestik zu sehen, die gesamte Darsteller-Riege agiert eher sehr realistisch und glaubhaft.

Als größtes Plus des Szenarios ist sicherlich die extrem dichte-und bedrohliche Atmosphäre auszumachen, die den Zuschauer über die gesamte Laufzeit hin begleitet. Obwohl es sich um keinen reinen Horrorfilm handelt, entsteht durch diesen Gesichtspunkt diese einzigartige Grusel-Atmosphäre, die ganz besonders in diesen alten Klassikern zum Tragen kommt. Hinzu kommen die eingebauten Wendungen des Plots, die sich insbesondere in den Schlussminuten zu erkennen geben und einer sehr spannenden Geschichte ein würdiges Ende bereiten. In einer Nebenrolle ist mit Christopher Lee auch einer der Stars der damaligen Hammer-Produktionen zu sehen, doch in dieser Produktion läuft ihm die grandios aufspielende Susan Strasberg ganz eindeutig den Rang ab, da ihr Schauspiel ganz einfach nur als grandios zu bezeichnen ist.

Auch wenn der deutsche Filmtitel es vermuten lässt, spielt hier natürlich nicht wirklich ein Toter Klavier. Dennoch ist der Titel auch irgenwie Programm, die Zusammenhänge dafür ergeben sich im Laufe des Geschehens und deuten durchaus an, das die Titelwahl nicht gerade die Schlechteste war. Wer die alten Klassiker zu schätzen weiß kommt an diesem Film nicht vorbei, der wirklich sämtliche Zutaten beinhaltet, die man für ein spannendes-und atmosphärisches Filmerlebnis benötigt. Tolle Kulissen, brillante Darsteller und ein äußerst unheimliches Ambiente verleihen der Geschichte einen hohen Wiedererkennungswert und sorgen für erstklassige Unterhaltung, die man sich immer wieder gut anschauen kann.


Fazit:


"Ein Toter spielt Klavier" zählt vielleicht nicht unbedingt zu den bekanntesten Produktionen der berühmten Hammer-Studios, ist aber definitiv ein Film den man kennen sollte. Subtil aufkommender Horror kriecht dem Betrachter dabei wie schleichend unter die Haut und strahlt dabei eine unglaubliche Faszination aus, der man sich keinesfalls verweigern kann.


8/10

Freitag, 11. Mai 2012

The Boys from Guerrero City









The Boys from Guerrero City
(Asalto al cine)
mit Gabino Rodriguez, Juan Pablo de Santiago, Angel Sosa, Paulina Avalos, Dolores Heredia, Susana Salazar, Maria Galia, Gabriela Reynoso, Juan Manuel Bernal, Roberto de Loera, Carlos Valencia, Javier Olivan
Regie: Iria Gomez Concheiro
Drehbuch: Iria Gomez Concheiro / Juan Pablo Gomez
Kamera: Alberto Anaya
Musik: Keine Information
FSK 16
Mexiko / 2011

Negus, Chale, Sapo und Chata sind seit ihrer Kindheit Freunde und leben im gefährlichsten Viertel von Guerrero, Mexiko. Ihr Lebenssinn besteht aus Abhängen, Kiffen und Herumtreiben in Skate Parks, sie lieben Graffiti und Hip Hop Sessions. Ohne Geld und mit einer unsicheren Zukunft kommen sie auf die durchgeknallte Idee, das lokale Kino auszurauben, um damit all ihre Probleme zu lösen. Doch damit fangen die Probleme erst an, denn mit der erhofften Beute, die jeder für sich verplant, ist ihre Freundschaft in Gefahr - das einzige, was sie noch zu verlieren haben.


Abseits jeglicher Hollywood-Klischees präsentiert Iria Gomez Concheiro mit seinem bemerkenswerten Regie-Erstling ein Bild von Tristesse-und Hoffnungslosigkeit, das durch eindrucksvolle Bilder untermauert wird. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen dabei 4 junge Leute, deren Leben scheinbar keinerlei Zukunftsperspektiven zu bieten hat. Ihr Alltag besteht lediglich aus Kiffen und Abhängen im gefährlichsten Viertel der mexikanischen Stadt Guerrero, dessen optisches Bild von Armut geprägt ist. Der Film beinhaltet keinerlei großartige Action, im Prinzip passiert eigentlich während der gesamten Laufzeit nicht besonders viel. Das mag sich jetzt für manch einen im ersten Moment etwas langweilig anhören, doch gerade aus diesem Aspekt bezieht die Geschichte ihre Intensität und Stärke. Wird einem doch durch die größtenteils vorhandene Ereignislosigkeit das trostlose Leben der Jugendlichen besonders intensiv vor Augen geführt und gleichzeitig eine herausragende Charakter-Beleuchtung der Hauptfiguren präsentiert. Concheiro hat sich genügend Zeit genommen, dem Zuschauer die wichtigen Personen der Story sehr gut näher zu bringen, der Zuschauer kann schon innerhalb kürzester Zeit einen starken Bezug zu den Figuren herstellen, die auch durchaus Symphatiepunkte für sich gewinnen können.

"The Boys from Guerrero City" ist ein wirklich beeindruckendes Drama, das gleichzeitig eine eindringliche Millieu-Studie darstellt. Durch den trostlosen Alltag der Jugendlichen macht sich schon nach wenigen Minuten eine äußerst schwermütige Grundstimmung breit, die sich wie eine zentnerschwere Last auf die Schultern des Zuschauers legt. Dieses Gefühl kann man die gesamte Laufzeit über nicht ablegen und taucht immer tiefer in den sogartigen Strudel aus Tristesse und Hoffnungslosigkeit ein, der vom Geschehen ausgeht. Man möchte keinesfalls mit den Teenagern tauschen, denen sich keinerlei Perspektive für ein besseres Leben bietet. Dementsprechend offenbart sich natürlich auch deren Einstellung zum Alltag, denn Dinge wie Schule oder Ausbildung im Allgemeinen spielen hier keinerlei Rolle. Die Darsteller tragen hier einen großen Teil zu einem erstklassigen Gesamteindruck bei, ist das Schauspiel doch in jeder Phase extrem authentisch, was den realistischen Eindruck der Geschehnisse ganz besonders untermalt.

Ein wenig Action hält dann aber doch noch Einzug in die Geschichte, als die Freunde das örtliche Kino überfallen, um sich mit dem erbeuteten Geld persönliche Wünsche zu erfüllen. Wenn man sieht wofür sie das Geld ausgeben kommt ein kindlich naiver Aspekt zum Vorschein, handelt es sich doch lediglich um Dinge, die für uns selbst absolut selbstverständlich erscheinen, in dieser Geschichte aber etwas ganz Besonderes darstellen. Durch den Überfall wird jedoch auch das Verhältnis der Kids untereinander auf eine harte Probe gestellt, die tiefe Freundschaft scheint sogar zu zerbrechen. Jeder reagiert anders auf die Ereignisse, was für etliche Spannungen untereinander sorgt. Ganz generell sollte man an dieser Stelle erwähnen, das die Charaktere der einzelnen Figuren nahezu perfekt herausgearbeitet wurden, das emotionale-und ausdrucksstarke Schauspiel der Akteure ist dabei ein prägendes Highlight eines Filmes, der phasenweise auch stark unter die Haut geht. Unverbrauchte und sehr talentierte Jungdarsteller liefern durch die Bank Leistungen ab, die man ehrlich gesagt nur als grandios bezeichnen kann. Das bezieht sich aber im Grunde genommen auf das gesamte Szenario, denn sämtliche Zutaten wurden hervorragend zusammengefügt, so das sie letztendlich ein überragendes Gesamtbild entstehen lassen, das nachhaltig beeindruckt.

Iria Gomez Concheiro beweist mit diesem Regie-Debüt sein Gespür fürs Detail und hat die für ein solches Drama wichtigen Punkte brillant hervorgehoben. Hier hält man sich nicht einen Moment mit Nebensächlichkeiten auf, der Focus des Geschehens ist ganzzeitig auf die relevanten Dinge gerichtet. Nur so konnte sich der mehr als realistische Eindruck entwickeln, den die Geschichte beim Zuschauer hinterlässt. Imposante Bilder, starke Charaktere und authentische Kulissen sind dabei die wichtigsten Bestandteile eines Dramas, über das man auch noch lange nach der Sichtung des Filmes nachdenkt.


Fazit:


Es ist immer wieder faszinierend, zu welch imposanten Regie-Erstlingen manch ein Regisseur in der Lage ist. Schon dort trennt sich nur allzu oft die Spreu vom Weizen und man kann sehr gut erkennen, ob Talent vorhanden ist. Von Concheiro wird man hoffentlich auch in der Zukunft noch eine Menge hören und sehen, denn "The Boys from Guerrero City" dürfte lediglich der Startschuss für eine tolle Regie-Karriere sein.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch / Spanisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,78:1 (16:9)
Laufzeit: 108 Minuten
Extras: Trailershow


8/10

Mittwoch, 9. Mai 2012

Kill List









Kill List
(Kill List)
mit Neil Maskell, MaAnna Buring, Harry Simpson, Michael Smiley, Emma Fryer, Struan Rodger, Esme Folley, Ben Crompton, Gemma Lise Thornton, Robin Hill, Zoe Thomas, Gareth Tunley, Jamelle Ola
Regie: Ben Wheatley
Drehbuch: Ben Wheatley / Amy Jump
Kamera: Laurie Rose
Musik: Jim Williams
Keine Jugendfreigabe
Großbritannien / 2011

Acht Monate sind vergangen, seit für Ex-Soldat Jay ein Job als Auftragskiller in einer Katastrophe endete. Der Vorfall in Kiew hat körperlich wie seelisch schlimme Spuren hinterlassen. Trotzdem wird Jay von seinem Partner Gal zu einem neuen Auftrag gedrängt, der beiden eine düstere und verstörende Welt offenbart, die Jay einmal mehr die Kontrolle verlieren lässt - seine Angst und Paranoia führen ihn direkt ins Herz der Finsternis.


Immer wieder trifft man auf Filme, die aufgrund ihrer gewöhnungsbedürftigen Erzählstruktur einen sehr zwiespältigen Eindruck beim Zuschauer hinterlassen. "Kill List" dürfte ganz eindeutig in diese Kategorie fallen, offenbart sich einem doch ein wilder Streifzug durch die verschiedensten Genres, so das es eigentlich ziemlich schwer fällt, das Werk von Ben Wheatley richtig einzuordnen. So bekommt man im ersten Drittel ein waschechtes Beziehungs-Drama geboten in dem eigentlich rein gar nichts darauf hindeutet, das der Story-Plot mit zunehmender Laufzeit noch diverse andere Richtungen einschlagen soll. Im Mittelteil bekommt man es dann mit einem phasenweise knallharten Actioner zu tun, der einige extrem harte Szenen anbietet die eine schon fast schockierende Wirkung auf den Betrachter haben können. Erst gut 20 Minuten vor dem Ende verwandelt sich das Szenario dann in einen Horror-Thriller mit okkultem Hintergrund, so das man es letztendlich insgesamt gesehen mit einem Film zu tun hat, der immerhin 3 Genres miteinander verbindet.

Wie aber soll man nun das Gesamtwerk bewerten, das einerseits richtig gute Ansätze zum Vorschein bringt, in seiner Gesamtheit doch ein wenig unausgegoren und unrund erscheint? Diese Frage ist wohl im Endeffekt einzig und allein durch den jeweiligen Geschmack des Zuschauers zu beantworten, denn manch einer mag das Werk als absolut genial ansehen, wohingegen andere rein gar nichts mit der teils konfus erscheinenden Geschichte anfangen können. Ich persönlich sehe die Wahrheit irgendwo in der Mitte, denn "Kill List" schafft es durchaus, eine starke Faszination auf einen auszuüben. Ben Wheatley hat es insbesondere durch die Vermischung der Genres geschafft, gewisse Erwartungen zu wecken die sich jedoch letztendlich nur teilweise erfüllen sollen. Durch die gewöhnungsbedürftige Einführungsphase in die Story wird Interesse geweckt, kann man doch überhaupt nicht erkennen, in welche Richtung das geschehen im Endeffekt tendieren wird. So baut sich dann auch ein gewisser Spannungsbogen auf, der aber immer wieder mit kleineren Einbrüchen versehen ist, die das Sehvergnügen erheblich stören. Gerade die Leute, die sich an der Inhaltsangabe des Filmes orientieren könnten eine ziemlich herbe Enttäuschung erleben, offenbart sich doch der Horror-Anteil des Szenarios erst wenige Minuten vor dem Ende.

Dennoch gestalten sich die bis dahin gezeigten Ereignisse keineswegs uninteressant, geht doch eine kaum zu beschreibende Faszination von den Abläufen aus, die jedoch überhaupt nicht auf einen Horror-Anteil des Filmes hindeuten. Vor allem der Mainstream orientierte Horror-Fan dürfte auf eine harte Geduldsprobe gestellt werden und manch einer wird sich den Film wohl gar nicht bis zum Ende anschauen. Dieser Umstand wäre auch durchaus nachvollziehbar, denn "Kill List" ist teilweise schwerer Stoff, den man erst einmal verdauen muss. Zwischen Genialität und Enttäuschung angesiedelt bietet der Film einen Story-Plot, den man im Prinzip nur schwer einordnen kann. Sicherlich ist es immer wieder lobenswert, wenn ein Regisseur etwas Außergewöhnliches bewerkstelligen möchte, in dem er mehrere Genres miteinander vereint, doch Ben Wheatley hat sich meiner Meinung nach in seinem eigenen Konzept verfangen und die streckenweise genialen Ansätze nicht konsequent herausgearbeitet.

Letztendlich bleibt dann ein Plot übrig, der durchaus das Interesse des Zuschauers weckt, dieses aber im Endeffekt nicht wirklich befriedigen kann. Hier hätte man durchaus mehr bewerkstelligen können, denn genügend Potential ist auf jeden Fall vorhanden. Eher selten bekommt man ein Geschehen präsentiert, in dem man es mit so offensichtlichen Gratwanderungen innerhalb der Genres zu tun kriegt und die Grundidee des Ganzen ist auch absolut sehenswert. In der Umsetzung hapert es dann doch ein wenig, fehlt es dem Gesamtbild doch offensichtlich an der nötigen Konsequenz, um zu einem gänzlich überzeugendem Gesamteindruck zu gelangen. Hierzu hätte es dann auch bessere Schauspielleistungen benötigt, denn die Akteuren erscheinen doch in etlichen passagen eher farblos und blass, so das man kaum eine Identifikation zu den einzelnen Figuren herstellen kann.


Fazit:


"Kill List" ist letztendlich ein Film, der sich meiner Meinung nach maximal im oberen Durchschnittsbereich ansiedeln kann. Die von vielen hervorgehobene Genialität des Geschehens konnte sich mir nicht offenbaren, vielmehr hinterlässt die Geschichte einen sehr zwiespältigen Eindruck, den man durchaus hätte vermeiden können. Wer einen reinen Horror-Thriller erwartet sollte die Finger von der DVD lassen, denn diese Erwartung wird keinesfalls erfüllt.


6/10

Montag, 7. Mai 2012

The Reeds









The Reeds
(The Reeds)
mit Anna Brewster, Geoff Bell, Daniel Caltagirone, Emma Catherwood, O.T. Fagbenle, Scarlett Alice Johnson, Will Mellor, Scarlett Sabet, Natai Pauwels, Karl Ashman, Reece Chapman, James Marriot
Regie: Nick Cohen
Drehbuch: Mark Anthony Galluzzo / Chris Baker
Kamera: Dennis Madden
Musik: Vincent Watts
Keine Jugendfreigabe
Großbritannien / 2009

Sechs junge Leute aus der Stadt brechen auf zu einer Kahnpartie über das das von breiten Kanälen durchzogene und wogendem Schilf gesäumte Hochmoor der Reeds. Schon bald nach dem Ablegen müssen sie feststellen, dass sie dort nicht so alleine sind, wie sie zunächst dachten. Erst tauchen Jugendliche auf, die sie mit Gesten provozieren und seltsamen Gebräuchen huldigen. Dann, im Schutz der Nacht, schlägt ein maskierter Killer zu und dezimiert die Ausflügler einen nach dem anderen. Den eingeschüchterten Überlebenden bleibt nichts übrig, als sich selbst zu helfen.


Wohin man auch schaut, die Kritiken zu diesem britischen Horrorthriller fallen eher durchwachsen aus. Und zugegebenermaßen erfindet die Geschichte das Rad auch nicht neu, bietet aber dennoch durchgehend sehr spannende Unterhaltung. Phasenweise lassen sich sogar leichte Parallelen zu "Kinder des Zorns" erkennen, auch wenn man die beiden Filme nicht wirklich miteinander vergleichen kann. Seine größte Stärke bezieht der Film sicherlich aus der erstklassigen Atmosphäre, entwickelt sich doch ziemlich schnell ein sehr düsteres-und unheimliches Szenario, das man zu Beginn noch gar nicht so richtig einordnen kann. Regisseur Nick Cohen hat es nämlich recht gut verstanden, die wahren Zusammenhänge des unheilvollen Geschehens weitesgehend im Hintergrund zu halten und dem Zuschauer erst kurz vor dem Ende eine lückenlose Aufklärung der mysteriösen Szenerie anzubieten.

Dennoch ist es keinesfalls ausgeschlossen, das der geübte Kenner dieser Art von Film schon einigermaßen frühzeitig die Zusammenhänge erkennen kann, denn wenn man der Geschichte konzentriert folgt, sind schon einige Details zu erkennen, die in eine ganz bestimmte Richtung deuten. Die erstklassig ausgewählten Schauplätze sorgen hier für eine gepflegte Gänsehaut beim Zuschauer und man möchte keinesfalls mit den Protagonisten tauschen, die im dichten Schilf ganz auf sich allein gestellt sind. Einer nach dem anderen muss sein junges Leben lassen, wobei insbesondere die Umstände als äußerst mysteriös zu bezeichnen sind. Hinzu kommt noch eine Gruppe von Teenies die man zu Beginn überhaupt nicht in die Geschichte einordnen kann, die aber für die Auflösung des rätselhaften Geschehens eine ganz wesentliche Rolle einnehmen.

Zu bemängeln sind bei "The Reeds" leider die viel zu oberflächlich ausgefallenen Charakter-Zeichnungen der einzelnen Figuren, zu denen man dadurch nie einen richtigen Zugang findet. So fällt es einem dann auch sichtlich schwer wirklich Mitleid für die Opfer zu empfinden, lediglich Hauptfigur Laura versteht es einige Symphatiepunkte zu sammeln. Ich persönlich habe das jedoch nicht als weiter schlimm empfunden, geht doch von der Geschichte genügend Faszination aus, um über dieses Manko großzügig hinwegzusehen. Der gelungene Spannungsaufbau und das unheimliche Momentum ziehen einen unwillkürlich in ihren Bann, es entsteht eine wahre Gänsehaut-Atmosphäre, der man sich beim besten Willen nicht entziehen kann.

Auch wenn "The Reeds" ganz sicherlich kein Ausbund an Innovation ist bietet der Film durchaus sehenswerte Genre-Kost, aus der man allerdings noch etwas mehr hätte herausholen können. Dennoch kann ich die teilweise schlechten Kritiken nicht ganz nachvollziehen, vielleicht sollte man nicht immer mit übersteigerten Erwartungen an einen Film herangehen. Im Prinzip hat Nick Cohen gar nicht einmal viel falsch gemacht, lediglich eine etwas bessere Ausarbeitung einiger Details hätte den guten Gesamteindruck noch zusätzlich aufgewertet. Dazu zählen ganz eindeutig die Charakter-Beleuchtungen der einzelnen Figuren, ansonsten handelt es sich um einen unheimlichen Horrorthriller, dessen Sichtung auf jeden Fall lohnenswert erscheint.


Fazit:


Nicht herausragend, aber überdurchschnittlich gut geraten erzählt "The Reeds" eine äußerst atmosphärische Story. Viele spannende Momente, eine ordentliche Prise Mystery und für viele vielleicht sogar ein überraschendes Ende sorgen für kurzweilige-und gute Genre-Unterhaltung, der man auf jeden Fall eine Chance geben sollte.


7/10

Samstag, 5. Mai 2012

Die purpurnen Flüsse 2 - Die Engel der Apocalypse









Die purpurnen Flüsse 2 - Die Engel der Apocalypse
(Les Rivières pourpres 2 - Les anges de l'apocalypse)
mit Jean Reno, Benoît Magimel, Camille Natta, Johnny Hallyday, Gabrielle Lazure, Christopher Lee, Augustin Legrand, Serge Riaboukine, André Penvern, Francis Renaud, David Saracino, Michaël Abiteboul
Regie: Olivier Dahan
Drehbuch: Luc Besson / Jean-Christophe Grange
Kamera: Alex Lamarque
Musik: Frankii Elliott / Colin Towns
FSK 16
Frankreich / Großbritannien / Italien / 2004

Als die Mönche des Klosters Lothaire ein Kruzifix aufhängen, geschieht etwas Unglaubliches: Plötzlich schießt Blut aus der Wand! Eine mystische Erscheinung? Nein, ein grausamer Mord, denn in der Wand entdeckt Kommissar Niemans eine eingemauerte Leiche. Im Laufe seiner Ermittlungen trifft er bald auf seinen ehemaligen Polizeischüler Reda, der parallel einen ähnlichen rätselhaften Fall bearbeitet. Und ihre Spuren kreuzen sich nicht zufällig. Gemeinsam stoßen sie schnell auf weitere Ritualmorde, apokalyptische Vorzeichen und ein rätselhaftes versiegeltes Buch, das ein grausames Geheimnis verbirgt. Doch wie steht schon in der Offenbarung geschrieben: "Und als das Siegel aufbrach, da geschah ein großes Erdbeben und die Sonne wurde finster und der Mond wurde wie Blut.


Ganze 4 Jahre musste man warten bis dem genialen ersten Teil eine Fortsetzung zu teil wurde, der dem Vorgänger auch in nichts nachsteht. Dieses Mal zeichnete Olivier Dahan für die Regie verantwortlich und hat ebenso wie zuvor Mathieu Kassovitz eine absolut faszinierende Geschichte in Szene gesetzt, die von Anfang bis Ende eine Menge Spannung beinhaltet. Durch die religiöse Hintergrund-Thematik entfaltet sich dabei eine herrlich dichte Grundstimmung, die dem gesamten Geschehen eine absolut prickelnde Note verleiht. Bis zur Auflösung der teils mysteriösen Ereignisse enthält die Geschichte sogar etwas Übersinnliches das sich in erster Linie auf die scheinbar unbesiegbaren Mönche bezieht, die als offensichtlich überirdische Wesen dargestellt werden. Aus diesem Aspekt bezieht das Szenario eine Menge an Kraft und Intensität, gleichzeitig sind die geheimnisvollen Kuttenträger hauptsächlich für die erstklassigen Action-Passagen verantwortlich, die dieser Film beinhaltet. Ganz generell liegt der Story eine äußerst temporeiche Erzählstruktur zu Grunde, die jedoch niemals hektisch oder gar überzogen erscheint.

Wie schon im Vorgänger hat man auch hier auf altbewährte Methoden zurückgegriffen, so treffen die beiden Hauptfiguren wieder fast zufällig aufeinander, da sich scheinbar verschiedene Fälle zu einem einzigen zusammenfügen. Leider ist dieses Mal Vincent Cassel nicht mit an bord, doch auch Benoît Magimel gibt eine erstklassige Figur an der Seite von Jean Reno ab. Der Umgang der beiden untereinander ist einer der Höhepunkte des Filmes, teilweise grandiose Situationskomik und erstklassiger Wortwitz sorgt dabei einmal mehr für eine Prise niveauvollen Humor, der die ansonsten düsteren Ereignisse ein wenig auflockert. Hauptsächlich geht es jedoch wieder einmal extrem spannend zur Sache und die Geschichte zieht einen ganz unweigerlich in einen sogartigen Strudel aus religiösen Hintergründen und ganz normalen Verbrechern, die ein neues Europa errichten wollen. Bis es jedoch zur endgültigen Auflösung der geheimnisumwitterten Abläufe kommt, müssen die Ermittler eine Menge an brenzligen Situationen meistern, um Licht in das Dunkel zu bringen.

Auch wenn dieser zweite Teil dem Vorgänger rein qualitätsmäßig in nichts nachsteht, ist die vorliegende Story nicht ganz so tiefgründig ausgelegt wie in Teil 1. Das liegt aber sicherlich in der Sichtweise des jeweiligen Betrachters, denn Geschmäcker sind nun einmal verschieden. Wenn man diesen Gesichtspunkt überhaupt als so etwas wie negative Kritik ansehen kann, dann handelt es sich jedoch lediglich um kleinere Nuancen, denn ansonsten gibt es wirklich keinerlei Grund zur Beanstandung. Gerade im Bereich des Schauspiels bekommt man auch hier wieder erstklassige Kost geboten, insbesondere das Mitwirken von Schauspiel-Legende Christopher Lee ist als ein weiteres Highlight zu verbuchen. Auch wenn seine Rolle eher minimal ausgefallen ist, weiß er dennoch voll zu überzeugen und spielt den Fiesling vom Dienst einfach nur grandios.

So kann man "Die purpurnen Flüsse 2 - Die Engel der Apocalypse" insgesamt nur ein hervorragendes Zeugnis ausstellen, denn so manche Fortsetzung könnte sich eine dicke Scheibe von diesem erstklassigen Thriller abschneiden. Für mich selbst ein klein wenig schwächer ausgefallen wie Teil 1 bietet das Werk dennoch absolut herausragende Genre-Kost, die man sich immer wieder gut anschauen kann. Insbesondere die einmal mehr sehr düster gehaltene Grundstimmung sorgt für absoluten Nervenkitzel der Extraklasse und sorgt für ganzzeitig äußerst intensive Thriller-Unterhaltung.


Fazit:


Wenn alle Fortsetzungen eines Filmes so gut ausfallen würden, könnte man beruhigt etliche Blindkäufe tätigen. Selbst ein Wechsel auf dem Regiestuhl hat im Prinzip keinerlei negative Auswirkungen, was auch nicht sehr oft der Fall ist. Und so kann man dann auch bedenkenlos eine Empfehlung für diesen fantastischen Film aussprechen, der sich im Thriller-Genre ganz weit oben ansiedelt.


8/10