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Freitag, 31. August 2012

Rampart - Cop ausser Kontrolle









Rampart - Cop ausser Kontrolle
(Rampart)
mit Woody Harrelson, Jon Bernthal, Stella Schnabel, Jon Foster, Ben Foster, Ruben Garfias, Deadlee, Dominic Flores, Matt McThige, Anne Heche, Billy Hough, Brie Larson, Steve Buscemi, Sammy Boyarsky
Regie: Oren Moverman
Drehbuch: James Ellroy / Oren Moverman
Kamera: Bobby Bukowski
Musik: Dickon Hinchliffe
FSK 16
USA / 2011

Ich bin kein Rassist, ich hasse alle Menschen gleich, erklärt Officer Dave Brown dem Mann von Internal Affairs. Brown ist ein richtig mieser Typ. Er säuft im Dienst, wirft Pillen ein wie Schokodrops, droht, prügelt und bricht Gesetze, wie es ihm gerade passt. Aber als Cop hält er die Straßen von LA frei von kriminellem Ungeziefer, damit seine beiden Töchter und viele andere brave Bürger in Sicherheit leben können. So war es immer schon und das ist auch völlig ok - in seinen Augen. Doch eines verdammten Tages flimmern die Bilder, wie Brown einen Verdächtigen fast totschlägt, über alle TV-Sender. Eine der vielen Videokameras in der Stadt hat alles dokumentiert. Und was das krisengeschüttelte LA Police Department gerade gar nicht brauchen kann, ist ein prügelnder Cop …


Warum dieser Film von vielen Leuten irrtümlich als Actionfilm deklariert wird ist mir schleierhaft, aber gerade diese Fehleinschätzung ist sicherlich der Grund dafür, das "Rampart" viele negative Meinungen nach sich zieht. Wer nämlich einen action-geladenen Cop-Thriller erwartet, geht mit vollkommen falschen Erwartungen an dieses Werk heran, das sich als waschechtes Drama offenbart. Dabei ist der Fokus der Geschichte fast ausschließlich auf die Hauptfigur Dave Brown gerichtet, der hier von einem brillant agierenden Woody Harrelson dargestellt wird. Sicherlich lässt der Film durch die extreme Fokussierung auf den Hauptdarsteller ein wenig das Erzähltempo vermissen, denn Regisseur Oren Moverman rückt auch etliche Kleinigkeiten in den Vordergrund, die dem Zuschauer im ersten Moment eventuell etwas banal erscheinen mögen. Für die Charakter-Beleuchtung des Dave Brown sind diese Dinge jedoch äußerst wichtig und bringen einem den dissozialen Cop viel näher, als man es eigentlich möchte. Es ist nämlich ein höchst unsymphatischer Mensch mit dem man es hier zu tun bekommt und Harrelson's Performance drückt dies auch mehr als überzeugend in jeder einzelnen Einstellung aus. So hat man auch eher selten das Gefühl das es sich hier lediglich um grandioses Schauspiel handelt, es entsteht vielmehr der Eindruck, das der Hauptdarsteller mit seiner Rolle verschmilzt und dadurch für ein absolutes Höchstmaß an Authenzität sorgt.

Obwohl der Film mit etlichen bekannten Darstellern besetzt ist, erscheinen sämtliche Figuren lediglich als notwendige Staffage für ein herausragendes Kammerspiel, das seine enorme Kraft durch die Omnipräsenz seiner Hauptfigur bezieht. Immer mehr entpuppt sich das Geschehen als eine tiefgehende Charakter-Studie eines brutalen Menschen, der sich trotz seiner illegalen Machenschaften immer im Recht fühlt und dabei noch nicht einmal merkt, wie sehr er auch die Menschen verletzt, die ihm eigentlich etwas bedeuten. Denn Brown hat 2 Töchter und auch 2 Ex-Frauen, die zufällig auch noch Schwestern sind. So rücken dann auch die gewöhnungsbedürftigen Familien-Verhältnisse immer wieder in den Vordergrund und sind ein sehr gutes Beispiel dafür, was alles falsch gelaufen ist im Leben des Cops. Hauptsächlich steht jedoch der generellen Menschen-Hass von Brown im Vordergrund, der sich im Prinzip so gut wie nie an die Buchstaben des Gesetzes hält. Es scheint fast so, als wenn für ihn ganz eigene Regeln gelten würden und dennoch ist er immer überzeugt davon, genau das Richtige zu tun.

Sämtliche Ereignisse präsentieren sich dem Zuschauer dabei fast gänzlich ohne Action, was meiner Meinung nach aber überhaupt nicht als negativ zu bewerten ist. Wenn man "Rampart" nämlich von Beginn an als Drama betrachtet, dann funktioniert dieses Werk ganz fantastisch. Zudem beinhaltet die Geschichte eine ganze Menge an Härte die sich jedoch nicht durch explizite Gewaltdarstellungen, sondern durch die Charakter-Studie der Hauptfigur ergibt. Die unglaublich intensive Darstellung eines Woody Harrelson ist es nämlich, die einem hier so manch kalten Schauer über den Rücken jagt. Selten bekommt man eine so faszinierende und vor allem überzeugende Leistung eines Schauspielers geboten, der bei seiner Interpretation auch ganz sicher an seine Grenzen gehen musste. Es ist ganz einfach fantastisch Harrelson zu beobachten, denn seine Gestik und Mimik vermitteln jederzeit den Eindruck, das er sich in diesem Film ganz einfach selbst darstellt. Die dabei entstehende Intensität zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschehnisse und hinterlässt auch beim Betrachter einen sehr nachhaltigen Eindruck.

Letztendlich ist "Rampart" ganz bestimmt ein Film, der die Meinungen extrem spalten wird. Wenn man jedoch mit der richtigen Erwartungshaltung an die Story herangeht, kann man am Ende keinesfalls enttäuscht sein. Es handelt sich auf keinen Fall um einen Actionfilm und selbst die Thriller-Elemente sind nur in einem sehr überschaubaren rahmen vertreten. Viel eher präsentiert sich ein menschliches Drama, das größtenteils wie ein Kammerspiel erscheint und eine herausragende Charakter-Beleuchtung eines kaputten Menschen offenbart. Wer solche Geschichten zu schätzen weiß kommt definitiv auf seine Kosten und dürfte sich auch über mangelnde Action und eine eher ruhige Erzählweise nicht beschweren.


Fazit:


Ich persönlich finde diesen Film schon fast herausragend, kann es aber auch durchaus nachvollziehen das hier längst nicht jeder Geschmack getroffen wird. Die Geschichte jedoch aufgrund einer falschen Erwartungshaltung niederzumachen ist nicht die feine englische Art, zumal der Film ja keine Schuld daran trägt, wenn mancher Verkaufs-Shop ihn irrtümlich als Action-Thriller einordnet. Wenn man weiß was auf einen zukommt, wird man mit einer Story konfrontiert, die ihre ganze Kraft aus der überragenden Performance ihres Hauptdarstellers bezieht, der ganz locker dazu in der Lage ist, die Aufmerksamkeit des Zuschauers für sich zu gewinnen.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch DTS 5.1, DD 5.1 / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1:2,35 (16:9)
Laufzeit: 104 Minuten
Extras: Making Of, Sh*t Dave Brown says, Interviews mit Cast & Crew, Trailer, Trailershow


8/10

Donnerstag, 30. August 2012

Right at your Door









Right at Your Door
(Right at Your Door)
mit Mary McCormack, Rory Cochrane, Tony Perez, Scotty Noyd Jr., Jon Huertas, Max Kasch, David Richards, Nina Barry, Ed Martin, Jenny O'Hara, Will McCormack, Nigel Gibbs, Alejandra Flores
Regie: Chris Gorak
Drehbuch: Chris Gorak
Kamera: Tom Richmond
Musik: tomandandy
FSK 16
USA / 2006

An einem eben noch normalen Morgen in Los Angeles steigen plötzlich dichte Rauchwolken über der City auf und versetzen Brad, der allein zu Hause hockt, in große Sorge um seine Ehefrau Lexi, die vor knapp einer Stunde zur Arbeit in die Stadt aufbrach. Beunruhigende Radiomeldungen wechseln mit Warnungen der Behörden vor Giftgas, und Brad, der Gesellschaft vom Nachbarn bekommt, beginnt, seine Haus hermetisch abzudichten. Als er damit fertig ist, steht die kontaminierte Lexi vor der Tür und begehrt Einlass.


"Right at Your Door" ist das Regie-Debüt von Chris Gorak und präsentiert einen kleinen, aber sehr feinen Katastrophen-Thriller, der insbesondere durch seine beklemmende Grundstimmung zu überzeugen weiß. Das Hauptaugenmerk der Geschichte legt sich hier gar nicht einmal auf die Ausmaße der Bomben-Attentate die in der City von L.A stattfinden, sondern beschäftigt sich mit den Konsequenzen für ein Ehepaar, für das sich eine kaum erträgliche Situation ergibt. Zwar ist das Geschehen einigermaßen mit den üblichen Klischees behaftet, dennoch offenbart sich ein Szenario, das man sich in dieser Art sehr gut vorstellen kann. Die im Mittelpunkt stehenden Eheleute Brad (Rory Cochrane, CSI Miami) und Lexi (Mary McCormack, In Plain Sight), befinden sich in vollkommen unterschiedlichen Situationen, denn während Brad sich in seinem hermetisch abgedichteten Haus scheinbar in Sicherheit befindet, befindet sich Lexi außerhalb der eigenen vier Wände und ist ganz offensichtlich konterminiert. Allein diese Ausgangslage macht dem Zuschauer schon ordentlich zu schaffen, stellt man sich doch fast zwangsläufig die Frage, wie man selbst reagieren würde. Die geliebte Frau aus Angst vor der eigenen Konterminierung nicht in das Haus zu lassen dürfte wohl für jeden Mann eine grauenhafte Vorstellung sein, doch gerade hier zeigt die Geschichte ihre eigentliche Grausamkeit und wirft auch Fragen auf, die moralisch gesehen ans Eingemachte gehen.

Obwohl die Darsteller-Liste recht reichhaltig ausfällt, handelt es sich doch vielmehr um eine Art Kammerspiel mit 2 Personen, denn sämtliche anderen Schauspieler sind nicht mehr als eine nötige Staffage, um die Ereignisse auch authentisch erscheinen zu lassen. Der Großteil der Geschehnisse besteht jedoch lediglich aus der verzweifelten Lage, in der sich die beiden Hauptdarsteller befinden. So fällt dann auch die gesamte Story ziemlich dialoglastig aus, was aber keinesfalls als negative Kritik aufgefasst werden sollte. "Right at Your Door" bietet ein Schreckens-Szenario der ganz besonderen Art, bei dem sich der Betrachter ohne Probleme mit einer Situation identifizieren kann, die kaum beklemmender sein könnte. Trotz-oder gerade wegen der eher ruhigen Erzählweise entfaltet das Szenario eine unglaubliche Wucht und hinterlässt einen extrem intensiven Eindruck, dem man sich unmöglich entziehen kann. Im Prinzip möchte man sich dabei gar nicht vorstellen wie es wäre, wenn man sich selbst in einer solchen Lage befinden würde, doch die meiner Meinung nach sehr realistische Umsetzung des Ganzen lässt einem gar keine Wahl.

Wirklicher Aktionismus offenbart sich eigentlich erst in den letzten Minuten der Geschichte, die eine nicht unbedingt vorhersehbare Wendung erkennen lassen. Dadurch erhält das Geschehen eine äußerst tragische-und makabere Note, an der man wirklich schwer zu schlucken hat. An dieser Stelle entfaltet die Story eine ungeheure Brutalität, die sich jedoch nicht durch explizite Gewaltdarstellungen äußert. Es ist vielmehr eine grausame Notwendigkeit um größere Schäden zu vermeiden, doch die Tragik der Maßnahmen schlägt einem ordentlich auf das Gemüt. Man wird mit einem sehr schalen Beigeschmack aus einer Geschichte entlassen, die über die gesamte Laufzeit wie ein bleierner Mantel auf den eigenen Schultern liegt und zudem auch noch einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt. Es fällt nicht leicht das Gesehene schnell zu verdauen und es vergeht eine geraume Zeit, bis man die Bilder so richtig sacken lassen kann. Zu sehr steht man unter dem Eindruck eines Schreckens-Szenarios, das einem selbst hoffentlich nie widerfahren wird.

Insgesamt gesehen ist "Right at Your Door" ein durchaus realistisch erscheinender Katastrophen-Thriller, der auch die oft zu übertriebene Panikmache in den USA authentisch widerspiegelt. Dabei wird man hauptsächlich lediglich mit Andeutungen und Eventualitäten konfrontiert, denn bis zum bitteren Ende weiß man nicht genau, um was für Bomben es sich eigentlich gehandelt hat. Diese Ungewissheit ist aber gerade die große Stärke dieses Filmes und sorgt für einen exzellent aufgebauten Spannungsbogen, der einen bis zur finalen Einstellung begleitet.


Fazit:


Manchmal sind es gerade die kleinen und eher unscheinbaren Filme, die den größten Eindruck hinterlassen. Das Werk von Chris Gorak zählt in meinen Augen zu diesen Werken, bietet es doch eine erstklassige Geschichte mit einem durchaus realistischen Hintergrund. 2 hervorragend agierende Hauptdarsteller und eine beklemmend-düstere Atmosphäre runden runden dabei ein Film-Erlebnis ab, das einen auch noch lange nach seiner Sichtung beschäftigt.


8/10

Dienstag, 28. August 2012

Another American Crime









Another American Crime
(The Afflicted)
mit Leslie Easterbrook, Kane Hodder, J.D Hart, Michele Grey, Katie Holland, Daniel Jones, Cody Allen, Matthew M. Anderson, Constance Collins, Anthony Garner, Anthony Osment, Ron Stafford, Tammy Trull
Regie: Jason Stoddard
Drehbuch: Jason Stoddard
Kamera: Lee Dashiell
Musik. Keine Information
Keine Jugendfreigabe
USA / 2010

Maggie ermordet im Affekt ihren Ehemann und lässt seine Leiche verschwinden. Mit der Erziehung der vier Kinder auf sich alleine gestellt, erbaut sie eine nach außen glücklich erscheinende Familienidylle, die in Wirklichkeit jedoch von Angst und Schmerz geprägt ist. Getrieben von der gestörten religiösen Überzeugung im Namen Gottes zu handeln, fängt sie an, ihre Kinder unvorstellbar zu misshandeln. Dem sadistischen Wahnsinn der eigenen Mutter hilflos ausgeliefert, beginnt für die Kinder ein Leidensweg, der direkt in die Hölle führt und nur durch den Tod ein Ende zu finden scheint...


Angelehnt an den wahren Fall der Theresa Knorr erzählt der Film eine Geschichte, die man als Zuschauer im ersten Moment eigentlich nicht glauben möchte. Thematisch ähnlich gelagert wie "An American Crime" oder "Jack Ketchum's Evil" handelt es sich auch hier um ein familiäres Szenario, das einem tief unter die Haut geht und dabei einen sehr bitteren-und nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis hinterlässt. Es ist der religiöse Fanatismus einer Mutter (Leslie Easterbrook), der mit zunehmender Laufzeit in den puren Wahnsinn abgleitet und dabei extremste Züge erkennen lässt, die man kaum in Worte fassen kann. Leicht verwundert bin ich persönlich über die eher negativen Bewertungen dieses Regie-Erstlings von Jason Stoddard, hat der gute Mann doch ein waschechtes Horror-Drama geschaffen, das einem streckenweise eiskalte Schauer über den Rücken jagt. Einerseits ist dies auf jeden Fall dem glänzenden Schauspiel von Leslie Easterbrook zu verdanken, die den Part der vollkommen wahnsinnigen Mutter glänzend darstellt. Andererseits ist es die Thematik des Filmes, die zwar nicht unbedingt durch explizite Gewaltdarstellungen ihre Schockwirkung entfaltet, aber dennoch äußerst brutal auf den Betrachter einwirkt.

Was soll man von einer Mutter halten die erst ihren Mann tötet und danach ihre Kinder in jeder erdenklichen Form peinigt und demütigt? Diese Frage stellt man sich nicht nur einmal während der gut 80 Minuten Laufzeit, ohne dabei am Ende jedoch auch nur annähernd eine Antwort zu finden. Vielmehr steht man die ganze Zeit über zu sehe unter Schock, denn das Geschehen eröffnet einem ein Familienleben, das dieser Beschreibung in jeder Weise spottet. Das Verhalten der Mutter gerät immer mehr außer Kontrolle, aus anfänglichem Fehlverhalten gegenüber ihren Kindern entwickelt sich in kurzer Zeit eine Gewaltspirale, die durch nichts mehr aufzuhalten ist. Immer mehr eskaliert die häusliche Gewalt und der hohe Alkohol-Konsum der Mutter lässt sämtliche Hemmungen verschwinden. Sie zwingt ihre Töchter zur Prostitution und selbst der Einsatz von Schuss-Waffen gehört zum Repertoire des Familien-Oberhauptes. Sicherlich kann man sich während der Abläufe an manchen Punkten die Frage stellen, warum die Kinder nicht früher etwas gegen ihre Unterdrückerin unternommen haben, doch wenn man sich die Situation einmal genau vor Augen hält, erübrigt sich die Frage von ganz allein.

Möglichkeiten hätte es so einige gegeben und dennoch wird es wohl noch ein Rest von Liebe gewesen sein, der die Kids von Gegenmaßnahmen abgebracht hat. Und so kommt es letztendlich auch zu Todesfällen unter den Geschwistern, die psychische Wirkung des Filmes wird immer intensiver und wirkt auf einen selbst wie ein Schlag in die Eingeweide. Man wird dabei wirklich an die Grenzen seiner Vorstellungskraft gebracht, da man sich gar nicht vorstellen möchte, das eine Mutter ihren Kindern die hier dargestellten Dinge antun könnte. Und so zählt "Another American Crime" dann auch ganz sicher zu den Geschichten, die ihren Härtegrad nicht durch viel Blut offenbaren, sondern sich vielmehr im Kopf des Betrachters festsetzen, für den die Andeutungen diverser Dinge schon vollkommen ausreichend sind. Qualitätsmäßig kann das Werk zwar nicht ganz an die weiter oben genannten Filme heranreichen, aber dennoch wird man mit einem Szenario konfrontiert, das man nicht so schnell vergessen wird. Bekommt man doch die tiefsten Abgründe einer menschlichen Seele präsentiert und erlebt dabei eine immer weiter ausufernde Gewaltspirale, die letztendlich in einem mehr als nur tragischem Schluss endet, der einen mit einem sehr schalen Beigeschmack aus dieser Geschichte entlässt und den man erst einmal verdauen muss.

Jason Stoddard hat meiner Meinung nach ein intensives-und schockierendes Regie-Debüt abgeliefert, das man nicht einfach so an sich vorbeiziehen lassen sollte. Im Prinzip hat der Film die Wirkung eines Auto-Unfalls, denn man möchte gar nicht so wirklich hinschauen, kann sich aber der grausamen Faszination des Geschehens nur schwerlich entziehen. Eine sehr gut aufgelegte Hauptdarstellerin und eine gut umgesetzte Thematik sorgen hier für ein Film-Erlebnis, das man sicherlich nicht so schnell wieder vergisst. Am liebsten würde man sich dabei einreden das es sich nur um eine fiktive Geschichte handelt, doch die Anlehnung an einen wahren Fall belehrt einen eines Besseren.


Fazit:


Fassungslos muss man mit ansehen, wie eine Mutter immer mehr dem Wahnsinn verfällt und dabei ihre gesamte Familie ins Unglück stürzt. Ihr Verhalten gegenüber den Kindern ist dabei so abstoßend und kalt, das man es kaum glauben möchte. Die Eskalation der Ereignisse ist schockierend und trifft einen mit der Wucht eines Keulenschlages. Das Ende der Story setzt dem Ganzen dann noch die Krone auf und ist dermaßen bitter, das es in einem selbst die kalte Wut aufsteigen lässt.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Bild: 1,85:1 (16:9)
Laufzeit: 83 Minuten


7/10

Sonntag, 26. August 2012

Tausendschönchen - Kein Märchen









Tausendschönchen - Kein Märchen
(Sedmikrasky)
mit Ivana Karbanova, Jitka Cerhova, Marie Ceskova, Jirina Myskova, Marcela Brezinova, Julius Albert, Oldrich Hora, Jan Klusak, Josef Konicek, Jaromir Vornacka, Vaclav Chochola
Regie: Vera Chytilova
Drehbuch: Vera Chytilova
Kamera: Jaroslav Kucera
Musik: Jiri Slitr / Jiri Sust
FSK 16
Tschechoslowakei / 1966

Am Anfang waren zwei Mädchen: Marie 1 und Marie 2 hocken in einem Schwimmbad. Wenn sie ihre Arme und Beine bewegen, quietscht es als öffne der Prinz die seit 100 Jahren verschlossene Tür zum Zimmer Dornröschens. Beide sind sich einig: Die Welt ist verdorben. Also beschließen sie, ab jetzt eben auch verdorben zu sein. Gesagt, getan und wie es sich für zwei verdorbene und quietschende Mädchen gehört, ohrfeigen sie sich aus dem Schwimmbad erstmal direkt ins Paradies. Von da an tun sie, was ihnen gefällt: Es wird geschlemmt und sich daneben benommen bis am Ende nicht mal mehr der Film selbst vor ihnen sicher ist.


Zum wiederholten Male ist es ein Film aus der ehemaligen Tschechoslowakei, der in das Programm des Labels Bildstörung aufgenommen wurde. Im Prinzip ist das ein untrügliches Zeichen dafür das es sich um ein sehr außergewöhnliches Werk handeln muss, doch "Tausendschönchen" setzt dem Ganzen noch einmal die absolute Krone auf. Dabei sollte man sich von der ersten Minute an darauf einstellen das hier nicht eine ansonsten übliche Erzählstruktur vorliegt, denn die Geschichte lässt eigentlich zu keiner Zeit einen roten Leitfaden erkennen, der sich durch die Ereignisse zieht. Vielmehr offenbart sich ein recht wilder Mix aus aneinandergereihten Szenen, die phasenweise sogar einen ziemlich wirren Eindruck hinterlassen. Doch gerade darin liegt der ganz besondere Reiz dieses Filmes der die anarchistischen Handlungen seiner beiden Hauptdarstellerinnen eben durch diesen Drehstil besonders gut in den Vordergrund rückt. Was sich durch die Inhaltsangabe eventuell als Drama ankündigt, entpuppt sich schon nach wenigen Minuten viel eher als bissige Satire, die mit einem enorm hohen Anteil Gesellschaftskrutik angereichert wurde. Schon der Vorspann des Filmes hat es in sich und präsentiert dem Zuschauer Bilder der Zerstörung, denn etliche Bombeneinschläge und generelle Zerstörung durch Waffengewalt hinterlassen einen bleibenden Eindruck.

Und so geht es dann auch fröhlich weiter, denn die beiden Hauptfiguren Marie 1 und Marie 2 lassen es sich während ihres anarchistischen Treibens auch nicht nehmen, ihre Umwelt auf eine andere Art und Weise zu zerstören. Dies geschieht jedoch mit einer ordentlichen Portion Humor, der zumeist äußerst bissig daher kommt, an etlichen Stellen aber auch geradezu Slapstick-artige parat hält, die den Betrachter an die gute alte Stummfilm-Zeit erinnern. Untermalt wird das alles von einem immer absolut passenden Score, der nahezu perfekt auf die jeweiligen Szenen abgestimmt ist. Durch die im Prinzip vollkommen fehlende Struktur in der Erzählweise entsteht größtenteils der Eindruck, das man es mit wild aneinandergereihten Video-Clips zu tun hat, die eine extrem berauschende Wirkung ausstrahlen. Dabei wird man fast ganzzeitig in einen sogartigen Strudel hineingerissen, aus dem es kein Entrinnen gibt. Ob man es nun will oder nicht, man kann sich der Faszination des Geschehens auf keinen Fall entziehen, was ganz sicher auch an der erstklassigen Kamera-Arbeit und dem genialen Farbenspiel liegt, das einen förmlich in eine Art magischen Bann zieht.

Die teils wilden Kamera-Fahrten und ganz besonders das ständig wechselnde Farbenspiel hinterlassen ein Gefühl, als wenn man sich selbst auf einem äußerst wilden Drogen-Trip befinden würde. Es ist einfach grandios mitanzusehen, wie innerhalb einer Szene zwischen schwarz-weiß und kräftigen Farbeinstellungen hin-und hergewechselt wird, so das es manchmal schon fast in den Augen schmerzen kann. Es ist schon ein wahres Feuerwerk an visuellen Tricks das hier auf einen einwirkt und die wilde Aneinanderreihung der einzelnen Szenen tut ihr Übriges, um beim Betrachter eine sehr nachhaltige Wirkung zu hinterlassen. "Tausendschönchen" ist sicherlich ein Film, der nicht unbedingt die breite masse anspricht, der Drehstil des Geschehens dürfte dabei bei vielen Leuten eher auf Ablehnung stoßen. Für die Freunde außergewöhnlicher Filmkunst dürfte sich jedoch eine Geschichte offenbaren, die absolut frech, bissig und insbesondere anarchistisch daherkommt. Gerade der letzte Punkt trieft schon fast aus jeder einzelnen Einstellung und wird durch das großartige Schauspiel der beiden Hauptdarstellerinnen noch einmal gesondert in den Focus gerückt.

Letztendlich handelt es sich einmal mehr um eine Veröffentlichung von Bildstörung, die wohl hauptsächlich einer eher kleinen Zielgruppe zugänglich ist. Das breite Mainstream-Publikum wird wohl kaum etwas mit diesem experimentellem Film anfangen können, der die Verdorbenheit der Welt auf eine teils ineinander verschachtelte Art zum Ausdruck bringt, die man manchmal erst auf den zweiten Blick erkennt. Unter den bisher bei Bildstörung erschienenen Film-Perlen nimmt "Tausendschönchen" noch einmal einen ganz besonderen Stellenwert ein, ist die Geschichte doch extrem gerade für die damalige Zeit extrem provokant und bringt dies auch in jeder Szene äußerst gut zum Ausdruck. Es handelt sich um ein filmisches Kleinod, das unverständlicherweise schon fast in Vergessenheit geraten ist, aber nun in einer würdigen Veröffentlichung endlich auch in Deutschland erhältlich ist. Über die Qualität braucht man keine großen Worte verlieren, denn einmal mehr handelt es sich um ein DVD-Release das keine Wünsche offen lässt und auch wieder mit etlichen Extras ausgestattet ist, so wie man es von dem Independent-Label gewöhnt ist.


Fazit:


Wenn man auf den außergewöhnlichen Film fixiert ist, dann dürfte Bildstörung wirklich die erste Adresse in Deutschland sein. Es ist immer wieder erstaunlich, welche wahren Film-Perlen ans Tageslicht kommen und in einer qualitativ hochwertigen Veröffentlichung erscheinen. Vorliegendes Werk macht da keine Ausnahme, denn dieses filmische Kleinod reiht sich nahtlos in die Reihe der erstklassigen Drop Outs ein und bietet einen Film-Genuss der ganz besonderen Art.


Die DVD:

Vertrieb: Bildstörung
Sprache / Ton: Deutsch / Tschechisch DD 2.0 Mono
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,33:1 (anamorph 16:9)
Laufzeit. 73 Minuten
Extras: Streng limitiert: Mit exklusiver Soundtrack-CD, Audiokommentar von Daniel Bird und Peter Hames, Dokumentation über die Enststehung des Films (ca. 30 Min.), Booklet


9/10

Freitag, 24. August 2012

Woman Knight









Woman Knight
(Jian hu nu xia Qiu Jin)
mit Rose Chan, Kevin Cheng, Terri Doty, Pat Ha, Yi Huang, Suet Lam, Yu-Hang To, Anthony Wong Chau-Sang
Regie: Herman Yau
Drehbuch: Erica Lee / Sean Whitley
Kamera: Kwong-hun Chan
Musik: Chun Hung Mak
FSK 16
China / 2011

Qiu Jin wird geboren im von Ausländern besetzten China und von gebildeten Eltern zu einem freien Geist erzogen. Als Teenager beginnt sie sich für soziale Gerechtigkeit zu interessieren und schließt sich verschiedenen als Schüler- und Sportclubs getarnten Widerstandsgruppen an. Aus einer unglücklichen Ehe flieht sie um 1900 zum Studium nach Japan, von wo sie als geschulte Aktivistin in die Heimat zurück kehrt und in den bewaffneten Untergrundkampf gegen die lokalen Vertreter der Marionettenregierung zieht.


Wieder einmal bekommt eine gut ins Bild gesetzte Geschichtsstunde aus China serviert, in deren Mittelpunkt das Leben der Widerstandskämpferin Qiu Jin steht. Wie sehr sich die hier erzählte Geschichte an den wahren historischen Ereignissen bewegt mag man wohl eher schwer beurteilen, doch Herman Yau (Ip Man Zero) ist es gelungen, ein bildgewaltiges Szenario zu kreieren, in dem auch große Teile der Ip Man Crew mitwirken. Der Film an sich ist wohl eher als Drama anzusehen, wurde jedoch auch mit etlichen gelungenen Action-Passagen versehen, so das insgesamt eine äußerst kurzweilige Mischung entstanden ist, die den Zuschauer die ganze Zeit über erstklassig unterhält. Erzählt wird das Geschehen aus der Sicht der Haupt-Figur, die von einer gänzlich überzeugenden Rose Chan dargestellt wird. Ihrer Performance ist es zu verdanken, das man von Beginn an eine starke Beziehung zu Qiu Jin herstellen kann und die junge Frau mit etlichen Symphatiepunkten versieht. Die Ereignisse beginnen mit der Inhaftierung der Widerstandskämpferin, die von Regierungsbeamten gefoltert wird und kurz danach hingerichtet werden soll. Während der Haft lässt Qiu Jin dann ihr Leben noch einmal an sich vorbeiziehen und so bekommt man in etlichen Rückblenden einen sehr guten Einblick in die Taten und Handlungen einer Frau, die sich durch nichts von ihrem eingeschlagenen Weg abringen lässt.

Yau ist es ganz hervorragend gelungen seiner Geschichte die genau richtige Balance zu verleihen, bekommt man doch einerseits einen guten Überblick über die damalige Politik in China und erfährt eine Menge über die Stellung des weiblichen Geschlechts, andererseits enthält der Film jede Menge erstklassiger Kampf-Choreographien, in denen es auch ordentlich zur Sache geht. Ganz besonders der Aspekt das Frauen eine unterwürfige-und fast menschen unwürdige Position eingenommen haben, wird dabei äußerst eingehend beleuchtet. An diesem Punkt rückt dann auch das hervorstechende Schauspiel von Rose Chan immer stärker in den Mittelpunkt, denn ihr schier unbändiger Wille sich gegen die Unterdrückung und Entwertung aufzulehnen, ist ein absoluter Höhepunkt dieses beeindruckenden Werkes. Doch auch in den Kampf-Passagen schlägt sich die junge Frau ganz hervorragend, wobei einige Nahkämpfe eventuell ein wenig überzogen dargestellt werden. Hier handelt es sich jedoch lediglich um eine kleine Kritik auf sehr hohem Niveau, denn prinzipiell erscheinen die einzelnen Kämpfe realistisch-und authentisch. Nicht nur Martial Arts Szenen stehen im Vordergrund, es werden auch etliche Sequenzen gezeigt, in denen es zu kleineren Schlachten zwischen Regierungs-Soldaten und Widerstandskämpfern kommt.

Das Ganze gestaltet sich über die gesamte Laufzeit von knapp 2 Stunden extrem spannend-und interessant, selbst in den eher dialoglastigen Teilen der Story kommt nie so etwas wie Langeweile auf. Dafür ist die Thematik viel zu faszinierend und die filmische Umsetzung zu gekonnt. Sicherlich muss man diverse Abstriche zu den historischen Ereignissen machen, da diverse Dinge für das filmische Werk bestimmt etwas "frisiert" wurden, doch kann man sich die Abläufe in ihrer Gesamtheit durchaus in der hier gezeigten Form vorstellen. Das liegt ganz sicher auch an der erstklassig agierenden Darsteller-Riege, denn neben der überragenden Hauptdarstellerin wissen auch die anderen Akteure allesamt zu überzeugen. Zwar geraten diese durch die vorherrschende Omnipräsenz der Hauptfigur alle etwas in den Hintergrund, nehmen allerdings trotzdem einen wichtigen Stellenwert in der Geschichte ein.

Das tragische Ende ist dann verhältnismäßig kurz und schmerzlos, wobei man fast schon den asiatischen Hang zum Melodram etwas vermisst. Hier jedoch erscheint der Schluss vielmehr sachlich-und nüchtern, was den gewonnenen Gesamteindruck noch einmal zusätzlich aufwertet. Insgesamt gesehen kann man wohl ohne Übertreibung behaupten, das "Woman Knight" ein weiterer Beitrag des asiatischen Kinos ist, an dem es relativ wenig auszusetzen gibt. Eine faszinierende Geschichte, erstklassige Darsteller und eine mehr als gelungene Kombination aus Drama-und Martial Arts machen dieses Werk zu einem in keder Beziehung lohnenswertem Film-Erlebnis, das man sich keinesfalls entgehen lassen sollte.


Fazit:


"Woman Knight" bietet eigentlich alles, was einen beeindruckenden Film ausmacht. Tolle Kämpfe einerseits, aber auch eine tiefergehende Geschichte die auch noch mit herausragenden Darstellern besetzt ist. So macht Geschichtsunterricht wirklich Spaß, auch wenn diverse Dinge für die filmische Umsetzung eventuell etwas abgeändert wurden. Auf jeden Fall aber kann man hier eine bedenkenlose Empfehlung aussprechen, denn gut 2 Stunden tolle Filmkost sind hier vorprogrammiert.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot elite
Sprache / Ton: Deutsch / Mandarin DD 5.1
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 115 Minuten
Extras: Trailershow


8,5/10

Donnerstag, 23. August 2012

Sisters' Hood









Sisters' Hood - Die Mädchengang
(Sket)
mit Ashley Walters, Lily Loveless, Riann Steele, Aimee Kelly, Emma Hartley-Miller, Adelayo Adedayo, Varade Sethu, Richie Xampbell, Kate Foster-Barnes, Michael Maris, Ashley Chin, Leon Ajikawo
Regie: Nirpal Bhogal
Drehbuch: Nirpal Bhogal
Kamera: Felix Wiedermann
Musik: Chad Hobson
FSK 16
Großbritannien / 2011

Kaylas ältere Schwester wird in den Sub-Urbs von London von Schlägern fast tot geprügelt. Nun hat sie niemanden mehr und ist ganz allein. Einsam und auf Rache sinnend schließt sie sich der knallharten Mädchengang der männerhassenden Danielle an. Mit ihnen plant sie einen Rachefeldzug gegen die Täter...


Das Cover der deutschen DVD verspricht einen Film, der bis an die Grenzen geht und dabei knallhart und kompromisslos daherkommt. Und tatsächlich, das Langfilm-Debüt von Nirpal Bhogal kann durchaus halten, was dem Zuschauer versprochen wird. Wer nun aber einen reinen Ghetto-Film mit weiblichen Schlägern erwartet sieht sich schnell getäuscht, denn "Sisters' Hood" bietet weitaus mehr, als man im Vorfeld erahnen kann. Zumeist sind es ja gerade diese Filme an die man mit nicht allzu hohen Erwartungen herangeht, die sich dann aber letztendlich als absolut positive Überraschung herausstellen. So verhält es sich auch bei vorliegender Geschichte, die einem in typisch britischem Stil schon einmal Schauplätze anbietet, die trostlos und voller Tristesse erscheinen. Im Mittelpunkt steht dabei die blutjunge Kayla, von der es auch eine tiefergehende Charakter-Beleuchtung gibt, die einem die Figur des Mädchens sehr nahe bringt. Niemals würde man auf die Idee kommen, das die bildhübsche Teenagerin in düsteren Rachegedanken abtaucht, doch der Mord an ihrer älteren Schwester schreit förmlich nach Vergeltung und Kayla ist definitiv nicht von diesem Gedanken abzubringen.

Obwohl diese Thematik sich wie ein roter Faden durch die gesamte Geschichte zieht, handelt es sich keinesfalls um einen reinen Rache-Thriller, vielmehr ist es Nirpal Bhogal ganz fantastisch gelungen, eine außergewöhnlich gute-und intensive Mixtur aus Sozial-Drama, Millieu-Studie und Gangfilm auf den Weg zu bringen, der phasenweise wirklich harten Stoff bietet. Insbesondere die Passagen in denen sich die Mädchengang zu explizit dargestellter Gewalt hinreißen lässt, sorgen beim Zuschauer für einen sehr nachhaltigen Eindruck. Dabei ist es vollkommen egal wo es zu den körperlichen Auseinandersetzungen kommt, die rohe und harte Umsetzung der Szenen geht unter die Haut und und ist dabei erschreckend realistisch. Phasenweise entsteht dabei sogar eine sehr schockierende Wirkung, eskaliert die Gewalt doch zumeist ohne jegliche Vorwarnung, so das man sich selbst nicht dazu in der Lage fühlt, auf irgendeine Art und Weise zu reagieren. Stattdessen muss man die Brutalität erst einmal sacken lassen, mit der die Mädchen allerdings nur gegen das männliche Geschlecht vorgehen. Während der Story erfährt man auch die Hintergründe dafür und kann aus einer gewissen Sichtweise heraus sogar so etwas wie Verständnis für die Mädels aufbringen. Natürlich gelten dabei deren Schicksale keineswegs als Entschuldigung, machen das Verhalten aber ein wenig verständlicher.

Das "Sisters' Hood" nicht ausschließlich auf brutale Schlägereien ausgelegt ist, macht das Werk nur noch symphatischer. Man bekommt einen ziemlich tiefen Einblick in das trostlose Leben einiger Teenager die ganz einfach den Kampf aufgenommen haben, um in einer von Männern dominierten Welt zu überleben. Dies ist bei dem sozialen Umfeld der Gang auch sicher notwendig, geht es doch in ihrer Umgebung sehr rau zur Sache, was im Laufe der Zeit auch immer wieder thematisiert wird. Mit einer Laufzeit von gerade einmal 76 Minuten ist der Film relativ kurz geraten, doch hat man damit auch etwaigen Längen vorgebeugt und für ein äußerst kurzweiliges Film-Vergnügen gesorgt. Trotz dieser kurzen Laufzeit gelingt es aber fast spielend, das die Geschehnisse viel Intensität erzeugen und den Zuschauer nicht unberührt lassen. Dabei geht es zudem immer spannend zur Sache und die Story zieht einen allein schon wegen ihrer trostlosen Grundstimmung wie magisch in ihren Bann, der realitätsnahe Eindruck der Ereignisse tut sein Übriges, um einen vor dem heimischen Bildschirm zu fesseln.

Letztendlich sind es auch die erstklassigen Leistungen der diversen Jung-Darsteller, die zum überdurchschnittlich guten Werk beitragen, sind sie doch ein ganz wichtiger Bestandteil des Ganzen. So kann man dann auch ohne Übertreibung feststellen, das es sich hier um ein rundum gelungenes Langfilm-Debüt eines Regisseurs handelt, der hoffentlich noch weitere Filme dieser Qualität entstehen lässt. Wie fast immer haben die Briten einmal mehr ein bewegendes-und hartes Stück Film auf den Weg gebracht, das man sich unter keinen Umständen durch die Lappen gehen lassen sollte, denn die hier gefundene Mischung aus mehreren Genres kann sich jederzeit sehen lassen.


Fazit:


Britische Produktionen wissen im Prinzip in jedem Genre zu überzeugen und auch "Sisters' Hood" macht da keine Ausnahme. Roh, rau und stellenweise sehr brutal wird hier unverschönt eine Geschichte erzählt, die authentisch erscheint und einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Freunde des britischen Filmes sollten unbedingt zugreifen, ansonsten entgeht ihnen eine ganze Menge Qualität.


Die DVD:

Vertrieb: Sunfilm
Sprache / Ton: Deutsch DTS 5.1, Deutsch DD 5.1 / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 77 Minuten
Extras: Trailer


8/10

Dienstag, 21. August 2012

Vamperifica









Vamperifica
(Vamperifica)
mit Martin Yurkovic, Dreama Walker, Creighton James, Bonnie Swencionis, Jeff Ward, Josh Alexander, Darwin Shaw, Maria-Christina Oliveras, Darlene Violette, Vincent Quintilani, Cj Diehl
Regie: Bruce Ornstein
Drehbuch: Bruce Ornstein / Martin Yurkovic
Kamera: Dan Stoloff
Musik: Keine Information
Keine Jugendfreigabe
USA / 2011

Carmen (Martin Yurkovic) ist ein eher extravaganter junger Mann, dessen Traum darin besteht, als erfolgreicher Schauspieler Karriere zu machen. Bis dahin genießt er seine Zeit in der Stadt gemeinsam mit seinen Freunden und lebt in den Tag und auch in die Nacht hinein. Eines Nachts trifft er plötzlich auf zwei Vampire. Diese tun natürlich das, was in ihrer Natur liegt, und Carmen wird gebissen. Was dann jedoch geschieht, konnte keiner ahnen: Carmen ist ein wiedergeborener Vampirfürst, der bereits 100 Jahre auf dem Buckel hat. Nun sollte er natürlich eine verantwortungsvolle Stellung einnehmen und über den Vampiren als eine Art König regieren. Carmen will davon aber nichts wissen, da er sein vorheriges (menschliches) Leben als weitaus angenehmer empfindet - wenn man von den neugewonnen, spannenden Kräften einmal absieht. So muss er sich nun entscheiden, welches Schicksal er als das seine erachtet...


Schaut man sich einmal diverse Kritiken zu vorliegendem Film an, dann gibt es zumeist höchstes durchschnittliche Bewertungen, wobei manche den Film sogar regelrecht niedermachen. Dabei handelt es sich doch im Prinzip um einen recht charmanten Genre-Vertreter des Vampirfilms, der durchaus sehenswerte Ansätze zu bieten hat und gut 100 Minuten kurzweilige Unterhaltung bietet. Die negativen Meinungen kommen wohl hauptsächlich dadurch zustande, das die Geschichte prinzipiell ziemlich schwer einzuordnen ist, denn für eine waschechte Vampir-Komödie ist der Humor teilweise sehr unterschwellig und nicht unbedingt auf den ersten Blick ersichtlich, für einen wirklich ernsten Beitrag nimmt sich der Film allerdings viel zu sehr selbst auf die Schippe. So kann man Regisseur Bruce Ornstein eigentlich nur den Vorwurf machen, das die letzte Konsequenz nicht zu erkennen ist und das Geschehen dadurch phasenweise ein wenig unentschlossen erscheint. Ansonsten aber präsentiert sich ein Szenario, das in erster Linie durch seine Haupt-Figur Carmen (Martin Yurkovic) geprägt wird und der junge Mann macht seine Sache meiner Meinung nach richtig gut.

Schon seine Erscheinung verleiht dem Ganzen einen netten Farbtupfer, denn Carmen ist von seiner Erscheinung her ein äußerst exzentrischer Typ. Hinzu kommt der Aspekt das der junge Mann ganz offensichtlich homosexuell ist, obwohl dieser Punkt zu keiner Zeit direkt angesprochen wird. Aber sein ganzes Auftreten deutet ziemlich eindeutig in diese Richtung, denn seine Körpersprache und sein gesamtes Auftreten lassen eigentlich keine anderen Schlüsse zu. Dadurch kommt es oft genug zu sehr witzigen Situationen, manche davon kann man sogar schon als skurril bezeichnen. Das mag für Freunde des Genres zunächst etwas gewöhnungsbedürftig erscheinen, verleiht der Geschichte jedoch eine Menge Charme und hebt sie allein schon dadurch von anderen Genre-Kollegen ab. Ganz generell enthält die Story eine ganze Menge Humor, wobei dieser teilweise erst auf den zweiten Blick zu erkennen ist. Andererseits gibt es immer wieder exzellente Situationskomik und jede Menge Wortwitz, der streckenweise auch recht schwarzhumorig daherkommt.

Und selbst im Bezug auf Härte offenbaren sich diverse Passagen, in denen es blutig und hart zur Sache geht. Zwar nicht im Übermaß vorhanden, sind diese Szenen dennoch eine gelungene Ergänzung des Ganzen und steigern den Unterhaltungswert des Filmes ungemein. Manch einem mögen die entsprechenden Stellen gar nicht einmal so hart vorkommen, denn zumeist präsentieren sie sich in eher witzigen Situationen, so das man das Ganze viel eher mit einem Lächeln quittieren kann. Obwohl mir dieser Beitrag wirklich gut gefallen hat, kann ich auch die negativen Meinungen über den Film nachvollziehen, denn "Vamperifica" ist sicherlich ein Vampirfilm der längst nicht jeden Geschmack treffen wird. Die abgefahrene Geschichte ist einerseits eine durchaus gelungene Mixtur, kann sich aber zu keiner Zeit wirklich für eine Richtung entscheiden. In der Hauptsache lebt das Geschehen von seinem in meinen Augen glänzend agierenden Hauptdarsteller, der die Rolle des scheinbar homosexuellen Vampirs hervorragend interpretiert. Die Schwäche des Werkes ist sicherlich das streckenweise fehlende Vampir-Feeling, denn in diesem Punkt hinkt dieser Vertreter anderen Beiträgen sichtlich nach.

Insgesamt gesehen handelt es sich bestimmt um keinen Beitrag, der das Genre revolutioniert und dennoch geht von "Vamperifica" eine ganz eigenartige Faszination aus, die man sich gar nicht so richtig erklären kann. Irgend etwas hat dieser Film, das einen in seinen Bann zieht und bis zum Ende nicht mehr los lässt. Natürlich werden viele Leute das wieder einmal vollkommen anders sehen, doch von meiner Seite aus kann ich jedem nur empfehlen, sich diesen außergewöhnlichen Vampirfilm einmal zu Gemüte zu führen, denn unterhaltsam ist das Werk allemal.


Fazit:


Und wieder einmal ein Film, der die Geschmäcker in zwei Lager spalten wird. Für manch einen ein Totalausfall, für andere eine etwas unentschlossene Mixtur aus Horror-und Komik. Ich ordne mich in die zweite Gruppe ein, denn vom reinen Unterhaltungswert hat "Vamperifica" doch eine ganze Menge zu bieten, auch wenn der Film längst kein Meisterwerk ist.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Bild: 1,78:1 (16:9)
Laufzeit: 100 Minuten
Extras: Trailershow


7/10

Sonntag, 19. August 2012

Sick Boy









Sick Boy
(Sick Boy)
mit Skye McCole Bartusiak, Marc Donato, Debbie Rochon, Cas Rooney, Greg Dorchak, Pierre Kennel, Teresa Valenza, Joe Anderson, Alex Cogburn, Glori Renee Euwer, David Harper, James Ireland
Regie: Tim T. Cunningham
Drehbuch: Tim T. Cunningham
Kamera: Sean C. Cunningham
Musik: Matt Linder
Keine Jugendfreigabe
USA / 2011

Nichts ist einfacher als der Job als Babysitter. Dies denkt sich auch die junge Lucy, als sie für eine Freundin einspringt und statt ihrer den Sohn von Dr. Helen Gordan hütet. Dass der kleine Junge aufgrund einer seltenen Krankheit seinen Raum nicht verlassen darf, erweckt anfänglich nicht ihr misstrauen doch das soll sich schnell ändern. In Lucy wächst der Verdacht, dass Dr. Helen Gordan ein düsteres Geheimnis zu verbergen versucht. Sie ahnt nicht, welcher grausamen und tödlichen Wahrheit sie mit ihrem Verdacht auf die Spur kommt...


Manchmal sind es gerade die eher kleinen und unspektakulären Horrorfilme, die dem Zuschauer ein hohes Maß an Spannung bereiten. Auch "Sick Boy" fällt ganz eindeutig in diese Kategorie, eröffnet sich doch eine Geschichte die den Großteil ihrer Spannung aus dem Unbekannten bezieht. So dauert es bei einer Laufzeit von gerade einmal knapp 80 Minuten fast eine geschlagene Stunde, bis ein wenig Aktionismus Einzug in das Geschehen hält, wobei die Zeit bis zu den letzten actionreichen Minuten aber keineswegs langweilig erscheint. Gekonnt hat Regisseur Tim T. Cunningham es geschafft seiner eher ruhig erzählten Geschichte das richtige Maß an subtilem Horror beizumischen, so das die aufkommende Grusel-Stimmung sehr schleichend langsam aufkommt. Die Einführung in das Szenario gestaltet sich dabei fast schon banal, denn in den ersten gut 30 Minuten deutet im Prinzip überhaupt nichts darauf hin, das sich mit zunehmender Laufzeit ein wirklich spannendes Horror-Erlebnis entwickelt, das zwar nicht unbedingt sehr innovativ, dafür aber umso atmosphärischer daherkommt.

Hauptsächlich wird man mit dem Charakter der Hauptfigur Lucy konfrontiert und erkennt dabei ziemlich schnell, das es sich bei ihr um eine nicht sehr entscheidungsfreudige Person handelt. Kein Job macht ihr Spaß und durch die ständigen Kündigungen ihrer diversen Arbeiten kommt es zu starken Spannungen in ihrer Beziehung. Als sie dann als Ersatz für eine Freundin einen Babysitter-Job annimmt, schlägt der Film eine vollkommen andere Richtung ein und die zu Beginn kaum vorhandene Grundstimmung des Werkes verdichtet sich fast schlagartig. Seine Kraft bezieht das Geschehen dabei aus mysteriösen Andeutungen, die während des Bewerbungs-Gespräches zwischen Lucy und Dr. Helen Gordan aufkommen. An dieser Stelle hält das Unbekannte-und Mysteriöse Einzug in die Story, denn das zu beaufsichtigende Kind bekommt man nicht zu Gesicht, da es anscheinend an einer unbekannten Krankheit leidet und sein Zimmer nicht verlassen kann. Weitere Informationen erhält man nicht und gerade dadurch kriecht einem der aufkommende Horror immer tiefer unter die Haut, wodurch die folgenden Ereignisse eine immer stärker werdende Intensität erkennen lassen, die sich ganz automatisch auch auf den Betrachter überträgt.

Sicherlich weckt "Sick Boy" dabei eventuell größere Erwartungen als das Ende letztendlich erfüllen kann, was im Endeffekt aber auf keinen Fall einen negativen Eindruck hinterlässt. Der Film lebt ganz eindeutig davon, das der Spannungsbogen ganz kontinuirlich immer weiter ansteigt und man fast sehnsüchtig auf eine Entladung wartet, zu der es jedoch erst in den letzten gut 15 Minuten kommt. Dort präsentieren sich dann auch einige zugegebenermaßen eher dünne Erklärungsversuche für das unheimliche Geschehen, die meiner Meinung nach aber vollkommen ausreichend sind, um einen mit einem befriedigendem Gefühl aus der Geschichte zu entlassen. Manch einer hätte sich bestimmt eine spektakulärere Erklärung gewünscht, doch im Endeffekt dient diese sowieso nur dazu, das Ganze einigermaßen nachvollziehbar darzustellen. Der letzte Teil des Plots trifft den Zuschauer dann auch noch ziemlich wuchtig, denn hat die erste Stunde eigentlich überhaupt keine Action beinhaltet, so erfährt das gruselige Geschehen nun eine ganz erhebliche Tempo-Steigerung und enthält auch einige recht blutige Passagen. Diese hat man schon fast nicht mehr erwartet, doch insbesondere dieser schlagartige Tempowechsel in Kombination mit Gewaltdarstellungen sorgt noch einmal für zusätzliche Faszination, der man sich keinesfalls entziehen kann.

Tim T. Cunningham hat mit "Sick Boy" sicherlich keinen perfekten Film auf den Weg gebracht, aber es handelt sich um einen richtig gelungenen Horrorfilm den man sich unbedingt anschauen sollte. Hier wurde mit wirklich minimalistischen Mitteln eine maximale Wirkung erzielt, was bei einem selbst für ein ausgezeichnetes-und jederzeit spannendes Film-Erlebnis sorgt. Bei einem geschätzten Budget von gerade einmal 50.000 $ zeigt sich einmal mehr, das nicht immer viel Geld eine Garantie für tolle Filme ist. Es sind oft die einfachsten Mittel, mit denen man für eine extrem dichte Atmosphäre sorgen kann, die dem Zuschauer so manch kalten Schauer über den Rücken jagt. Mir persönlich hat dieses Werk jedenfalls richtig gut gefallen, so das ich bedenkenlos eine Empfehlung an alle Freunde des gepflegten Grusel-Feelings aussprechen kann.


Fazit:


Ich glaube das man "Sick Boy" durchaus als kleinen aber sehr feinen Geheim-Tipp einstufen kann, der in der ersten Stunde einzig und allein durch die grandiose Grundstimmung punktet. Liebhaber des harten Horrors werden wohl nicht so auf ihre Kosten kommen, beschränkt sich dieser Aspekt doch lediglich auf die letzten Minuten eines Filmes, der in seiner Gesamtheit einen äußerst gelungenen Eindruck hinterlässt.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 80 Minuten
Extras: Trailer, Trailershow


8/10

Samstag, 18. August 2012

Sector 7









Sector 7
(7-gwanggoo)
mit Ji-won Ha, Sung-kee Ahn, Ji-ho Oh, Ae-ryeon Cha, Han-wi Lee, Cheol-min Park, Sae-Byeok Song, Jeong-hak Park
Regie: Ji-hoon Kim
Drehbuch: Je-gyun Yun
Kamera: Keine Information
Musik: Keine Information
FSK 16
Südkorea / 2011

Auf einer Bohrinsel im Pazifik liegen die Nerven blank. Erst findet man kein Öl, dann kommt es zu seltsamen Vorfällen, nachdem man zuvor bei Probebohrungen auf winzige amphibienhafte Lebewesen gestoßen ist. Zunächst geben sich die Arbeiter untereinander die Schuld, Sündenböcke sind schnell ausgemacht. Dann jedoch muss man feststellen, dass aus kleinen Kreaturen große wurden, und man relativ schutzlos einem ernsthaften Ungezieferproblem gegenüber steht. Auch scheint es so, als sei das Problem hausgemacht.


Nach dem 2006er Überraschungserfolg "The Host" durfte man nun auf den neuesten Monsterfilm aus Südkorea gespannt sein. Dabei wurde mit "Sector 7" ein Film präsentiert, der schon durch seine räumlich begrenzte Location einer Bohrinsel eine fast klaustrophobische Grundstimmung verspricht, die sich jedoch leider erst in der zweiten Filmhälfte wirklich entfalten kann. Das gilt aber prinzipiell für das gesamte Monster-Szenario, wird doch fast der gesamte erste Teil der Geschichte mit einer etwas zu lang geratenen Einführung gefüllt, die man durchaus kürzer hätte gestalten können. So wird beispielsweise versucht dem Zuschauer die einzelnen Charaktere etwas näher zu bringen, doch dieser Versuch gestaltet sich eher als misslungen. Zu blass-und konturlos präsentieren sich die einzelnen Figuren, zu denen man während der gesamten Laufzeit nie wirklich eine Beziehung aufbauen kann. Das mag eventuell auch an dem seltsamen Helden-Phatos liegen, der irgendwie so gar nicht in das Geschehen hineinpassen will. Dieser Aspekt äußert sich aber keineswegs nur im schier aussichtslosen Kampf gegen die später erscheinenden Monster, sondern auch in der Anfangsphase des Filmes. Wird dem Betrachter doch das Gefühl suggeriert, das es in Korea eine unglaubliche Ehre sein muss nach Öl zu bohren, denn nur so sind diverse Verhaltensweisen der Protagonisten zu erklären.

Dieser Aspekt sorgt leider für einige unfreiwillig komische Passagen, die meiner Meinung nach fehl am Platz sind und die man sehr wohl hätte vermeiden können. Zusätzlich kommt dadurch zu Beginn auch keine echte Spannung auf und es dauert eine geraume Weile, bis sich ein wirklicher Spannungsaufbau zu erkennen gibt. Dieser ist dann jedoch durch die Vorhersehbarkeit der Ereignisse ein wenig eingeschränkt, denn es fällt einem nicht wirklich schwer, die kommenden Aktionen im Voraus zu erkennen. Dennoch muss man zugeben, das die Geschichte ziemlich kurzweilig-und unterhaltsam erzählt wird, woran auch die Tatsache nichts ändert, das man das erste Monster erst nach gut 40 Minuten zu Gesicht bekommt. Die Darstellung des mordenden Biestes ist sogar ziemlich gut gelungen und es entwickelt sich eine actiongeladene zweite Filmhälfte, in der das Tempo mit einem Schlag rasant ansteigt. Wurde man bisher darüber im Unklaren gelassen woher die Monster kommen, so wird man nun auch über die Hintergründe aufgeklärt und erfährt, das es sich um eine hausgemachte Bedrohung handelt. Nun kann man auch die Einführung in die Story richtig deuten, die mit einer Sequenz aus dem Jahre 1965 begonnen hat und nun endlich einen Sinn ergibt, den man bisher vergeblich gesucht hat.

Trotz einiger offensichtlicher Defizite ist "Sector 7" kein schlechter Film, doch die eventuell etwas zu hoch angesetzten Erwartungen an den Film können leider nur bedingt erfüllt werden. Mangelnde Charakter-Beleuchtungen, unfreiwillig aufkommender Humor und die Vorhersehbarkeit der Abläufe verhindern hier einen besseren Gesamteindruck, der bei etwas mehr Liebe zum Detail auf jeden Fall möglich gewesen wäre. Vom reinen Unterhaltungswert ist das Werk aber absolut sehenswert, man sollte nur nicht so stark auf diverse Dinge achten, die ein wenig gewöhnungsbedürftig erscheinen. Dazu zählt auch das zugegebenermaßen actionreiche Finale, das vollkommen unglaubwürdig erscheint. Wird doch die Plattform der Bohrinsel als Rennstrecke dargestellt, auf der die einzig Überlebende mit einem Motorrad vor dem Monster flüchtet. Action-Fans werden bei diesem finalen Showdown sicherlich begeistert sein, doch der Realitätsgehalt der Szenen ist nicht unbedingt hoch angesiedelt. Aber gut, wir reden hier über einen Monsterfilm, wo solche Ansprüche höchstwahrscheinlich sowieso nicht gestellt werden sollten und man sich von Anfang an auf eher seichte Filmkost einstellen sollte.

Letztendlich wird dieser Film sicher die Meinungen spalten, denn der teils vorhandene trashige Anstrich ist nicht jedermanns Sache. Ob "Sector 7" besser ist als der vielgerühmte "The Host" muss jeder für sich selbst entscheiden. Unterhalten wird man definitiv, nur sollte man keine zu hohen Ansprüche haben, da diese letztendlich nicht erfüllt werden. Dazu fehlt es doch an einigen Ecken und Enden und man hätte nicht 2 so vollkommen verschiedene Filmhälften präsentieren dürfen. Zudem wäre eine bessere Beleuchtung der einzelnen Figuren wünschenswert gewesen, kann man doch kaum Sympathie für die einzelnen Charaktere aufbringen, wodurch sich auch das Mitleid bei deren Tötungen in überschaubaren Grenzen bewegt.


Fazit:


Leider kann "Sector 7" nicht ganz die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllen. Dennoch offenbart sich eine Geschichte, die man sich durchaus anschauen kann und die vom reinen Unterhaltungswert her auch lohnenswert erscheint. Höhere Ansprüche sollte man jedoch nicht unbedingt haben, denn ansonsten stellt sich am Ende vielleicht eine kleine Enttäuschung ein.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot elite
Sprache / Ton: Deutsch DD 5.1
Bild: 1,85:1 (16:9)
Laufzeit: 89 Minuten
Extras: Trailer, Trailershow


6/10

Freitag, 17. August 2012

TJ - Next Generation









TJ - Next Generation
(The Bodyguard 2)
mit Petchai Wongkamlao, Jacqueline Apitananon, Sushin Kuan-Saghaun, Surachai Sombutchareon, Janet Khiew, Garrett Brawth, Erich Fleshman, Philip Hersh, Tony Jaa, Jonathan Samson
Regie: Petchai Wongkamlao
Drehbuch: Petchai Wongkamlao
Kamera: Keine Information
Musik: Keine Information
FSK 16
Thailand / 2007

Khum Lhau gehört zu der berüchtigten Nhong Wai Luem Anti- Teror-Einheit. Seine aktuelle Mission führt nach Thailand, um eine akute Bedrohung durch die zwielichtige Firma GRSM zu stoppen. Diese häuft unter dem Deckmantel der Firma Waffen an, um die berüchtigte Anti-Terror-Einheit endgültig auszulöschen und so ungestört ihren terroristischen Aktivitäten nachgehen zu können. Jetzt liegt es an Khum Lhau der Gefahr, die das Land bedroht, ein Ende zu bereiten.


Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller in Personalunion, vielleicht ist diese vielseitige Belastung ganz einfach etwas zu viel für den guten Petchai Wongkamlao gewesen. Anders ist diese doch ziemlich gewöhnungsbedürftige Action-Komödie aus Thailand nämlich kaum zu begründen, die zwar einerseits einen recht hohen Unterhaltungswert offenbart, aber andererseits doch entschieden zu viel von dem teils grotesken-und sehr albernen asiatischen Humor beinhaltet, der mir persönlich überhaupt nicht gefällt. So wird einem im Prinzip schon in den Anfangsminuten recht schnell klar, in welche Richtung die Geschichte tendieren wird, neben reichlich Action enthält das Geschehen nämlich gleich zu Beginn eine Menge an Humor parat, der jedoch ganz sicher nicht alle Geschmäcker treffen wird. Vor allem die vorgestellten Charaktere werden dabei als stark überzeichnet und größtenteils schon vollkommen dämlich dargestellt, so das man die ganze Story von Beginn an alles andere als ernst nehmen sollte.

Zwar legt Wongkamlao hier ein ordentliches-und sehr rasantes Erzähltempo an den Tag und auch in Sachen Action wird eine ganze Menge geboten, doch das ständige Einstreuen extrem überzogener Passagen trübt das Sehvergnügen doch ganz erheblich. Freunde dieser Filmgattung mögen das bestimmt vollkommen anders sehen, doch wer einen eher ernsthaften Film erwarten sollte, der wird am Ende sicherlich ziemlich enttäuscht sein. Dabei verspricht die Inhaltsangabe doch viel eher ein interessantes-und spannendes Agenten-Szenario, nach dem man allerdings ganzzeitig vergeblich suchen muss. Stattdessen offenbart sich fast schon eine Art Persiflage, bei der auch die Geschichte an sich einige Wünsche offen lässt. Auch das Mitwirken von Tony Jaa sollte man nicht zu hoch bewerten, denn wer den herausragenden Martial Arts Künstler in einer Hauptrolle wähnt, wird einen derben Rückschlag erleiden, hier handelt es sich wohl eher um eine geschickte Marketing Strategie, um einen maximal durchschnittlichen Film an den Mann zu bringen.

Nun ist es mit dem hier dargestellten Humor immer so eine Sache, denn eine bestimmt nicht gerade kleine Fan-Gemeinde wird in diesem überzogenen Szenario vielleicht sogar ein regelrechtes Spektakel sehen und diese Ansicht sei ihr auch durchaus gegönnt, wer jedoch etwas Anspruchsvolleres erwartet, wird hier auf keinen Fall auf seine Kosten kommen. Selbst die enthaltenen Action-Sequenzen sind streckenweise so hirnverbrannt, das man sich nur mit der flachen Hand vor den Kopf schlagen möchte. Wenn man die Sache ganz genau nimmt, müsste man das Werk sogar fast schon als üblen Trash bezeichnen, denn die größtenteils vorhandene Dummheit der Ereignisse ist so hanebüchen, das es einem die Sprache verschlägt. Dieser Eindruck wird zudem auch noch durch die absolut sinnbefreiten Dialoge unterstützt, doch ernstzunehmende Wortwechsel wären in diesem Intermezzo auch fehl am Platz gewesen.

Letztendlich kommt es wie eigentlich immer auf den persönlichen Geschmack an und das ist auch gut so. Deswegen wird "TJ - Next Generation" wohl vor allem die jüngere Generation ansprechen, die diesem skurrilen treiben eventuell sogar etwas aufgeschlossener gegenübersteht und Stärken in der Geschichte erkennt, die sich meinen Augen verschließen. Eventuell bin ich aber auch einfach nur zu alt für solchen Mumpitz, der mich zu keiner Zeit so richtig überzeugen konnte. Bis auf einige wenige wirklich lustige Stellen konnte ich dem Ganzen nämlich nichts abgewinnen und lediglich einige nette Action-Passagen retteten den Film davor, als absoluter Rohrkrepierer in meine persönliche Filmgeschichte einzugehen.


Fazit:


Was viele andere Leute sicherlich amüsieren wird, hat bei mir viel eher die pure Langeweile ausgelöst. Vollkommen übertriebene Komik und extrem dümmlich gezeichnete Charaktere sind neben der mangelnden Spannung die größten Defizite eines Filmes, der lediglich mit einigen gut gemachten Action-Szenen aufwarten kann. Das reicht allerdings längst nicht aus, um eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen zu können, denn "TJ - Next Generation" wird wohl hauptsächlich einer ganz bestimmten Zielgruppe gefallen, die sich an einem schrägen Agenten-Klamauk erfreuen kann.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch DD 5.1
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 95 Minuten
Extras: Trailershow


3/10

Mittwoch, 15. August 2012

Atomic Hero









Atomic Hero
(The Toxic Avenger)
mit Andree Maranda, Mitch Cohen, Jennifer Prichard, Cindy Manion, Robert Prichard, Gary Schneider, Pat Ryan, Mark Torgl, Dick Martinsen, Chris Liano, David N. Weiss, Dan Snow
Regie : Michael Herz / Lloyd Kaufman
Drehbuch : Lloyd Kaufman
Kamera : James A. Lebovitz / Lloyd Kaufman
Musik : Mark Hoffman / Dean Summers (Titelmusik)
SPIO / JK
USA / 1985

Melvin Junko ist der größte Loser aus Tromaville. Er arbeitet als Putzhilfe im örtlichen Fitnesssclub und wischt dort die Fußböden, während die restliche Jugend der Kleinstadt dort dem hemmungslosen Körperkult der 80er Jahre frönt. Wegen seiner tollpatschigen Art und seinem nicht gerade kinokompatiblen Aussehen ist Melvin ein ständiges Opfer für üble Scherze und Belästigungen aller Art, das regelmäßige in-den-Pool-schubsen ist davon wohl noch die harmloseste. Ein besonders bösartiger Scherz endet schließlich damit, dass Melvin in einem Rosa Tütü durch das ganze Fitnessstudio gejagt wird. Melvin kann sich vor der andauernden Demütigung nur durch einen Sprung aus dem Fenster retten. Anstatt jedoch seinen Peinigern zu entfliehen, landet er kopfüber in einem Fass mit radioaktiv verseuchtem Giftmüll auf der Ladefläche eines zufällig vor dem Fitnesssstudio parkenden Lastwagens. Unter unglaublichen Schmerzen mutiert er vom Nerd zum Monster Superhelden "Toxic Avenger". Ausgestattet mit unglaublicher Körperkraft und einem Instinkt für das Gute wird er von nun an in Tromaville gründlich aufräumen.


Dieser Film war die Geburtsstunde des wohl skurrilsten Helden, den das Horror-Genre bis heute gesehen hat. Hier handelt es sich um keinen der üblichen psychopathischen Serienkiller, sondern um einen durch Giftmüll mutierten Superhelden, der eine ganz eigene Auffassung davon hat, der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen. Genau dieses Ziel hat sich "Toxie" auf seine Fahne geschrieben und dazu sind ihm alle Mittel recht. Egal, ob es sich um Verbrecher oder aber um korrupte Politiker handelt, wer sich nicht richtig verhält, bekommt die ganze Härte Toxies zu spüren und das endet nicht gerade selten mit dem Ableben der jeweiligen Personen. Und bei den Tötungsarten ist unser "Atomic Hero" durchaus variabel und manchmal auch sehr innovativ.

Ganz nebenbei gilt gerade dieses erste Abenteuer des skurrilen Helden als geniale Satire auf den zur damaligen Zeit besonders stark ausgeprägten Körperkult, der fast überall auf der Welt herrschte und prangert so auch unbarmherig die Oberflächlichkeit der Menschen an, die diesen Kult ausgeübt haben. Aber auch besonders gezielte und sehr gesellschaftskritische Seitenhiebe sind unter anderem die Markenzeichen dieser Troma-Produktion.

Kaum ein anderer Film der Troma-Schmiede, die ja ganz besonders für extrem überzogenen Trash bekannt ist, bringt die Attribute des Horror / Trashfilms so genial und überzeugend zur Geltung wie dieser hier. Egal, ob es sich um die vollkommen überzogenen Splatter / Gore Effekte handelt, die zwar technisch nicht dem höchsten Niveau entsprechen, aber ungemein unterhaltend sind, oder ob es um den überdimensionalen Kunstblutverbrauch geht, alles ist so stark übertrieben in Szene gesetzt, das dabei ein sehr hoher Unterhaltungsfaktor entsteht. Und dann ist da noch der für Troma-Filme berühmte Fäkalhumor, der zwar nicht Jedermanns Sache ist, doch wenn man damit etwas anfangen kann, den Fun-Faktor noch einmal stark in die Höhe schnellen lässt.

Hinzu kommen die vollkommen grotesken Charaktere, wie zum Beispiel Toxies blinde Freundin Claire, die einfach so herrlich überzogen dargestellt werden, das es eine wahre Freude ist. Selbst der Geschlechtsakt zwischen Toxie und Claire wird hier zu einem absoluten Erlebnis, da die beiden es so wild miteinander treiben, bis es qualmt und das im wahrsten Sinne des Wortes. Man könnte hier jetzt noch etliche andere Beispiele nennen, die diesen Film absolut sehenswert machen, doch kann man sich nur selbst ein Urteil erlauben, wenn man diese brillante Mixtur aus übertriebenem Humor und jeder Menge Splatter / Gore Szenen als Gesamtwerk in einem Stück gesehen hat.

"Atomic Hero" lässt im Prinzip lediglich 2 Möglichkeiten offen, entweder man liebt den sympathischen Helden, oder man kann gar nichts mit ihm anfangen. Dazwischen gibt es eigentlich nichts, denn dafür ist der Film zu kontrovers. Auf jeden Fall zähle ich zu den Leuten, die Toxie lieben und sich jedesmal wieder über ihn und seine haarsträubenden Abenteuer amüsieren können.


10/10

Montag, 13. August 2012

Exodus









Exodus
(Exodus)
mit Reza Ali, Vladimir Jacsik, Muhim Ahmed, Carlos Yesiloz, Odera Muriel Ojukwu, Delroy Moore, Muska Khpol, Jack Greenbough, Aston Fredericks, Bernard Hill, Ger Ryan, Harcus Copper, Justin Smithers
Regie: Penny Woolcock
Drehbuch: Penny Woolcock
Kamera: Jakob Ihre
Musik: Malcolm Lindsay
FSK 16
Großbritannien / 2007

Eine biblische Geschichte in neuem Gewand: Wir schreiben die nahe Zukunft. Der Pharao - ein rechtsextremistischer Politiker - kommt an die Macht. Er säubert die Straßen von allen Menschen, die seiner Meinung nach die Gesellschaft verschandeln: Kleine Kriminelle, Alkoholiker, Süchtige, Asylanten, Flüchtlinge. Sie werden in Ghettos gebracht, Arbeitslager, die sie nicht verlassen dürfen. Moses, der Sohn von Pharao, findet eines Tages heraus, dass er gar nicht der Sohn des privilegierten Politikers ist, sondern der Sohn eines Flüchtlings, der 20 Jahre zuvor ins Ghetto kam. Und so schreibt es diese Geschichte: Moses beginnt einen gnadenlosen Kampf gegen seinen Vater, um die Menschen im Ghetto zu befreien. Kann er sie in das gelobte Land führen?


In gekonnter George Orwell Manier hat Regisseurin Penny Woolcock mit "Exodus" eine düstere Zukunftsversion geschaffen, die sich zudem noch die biblische Geschichte des Monumental-Klassikers "Die zehn Gebote" zum Vorbild nimmt. Zugegebenermaßen ist die Geschichte an einigen Stellen mit etwas gewöhnungsbedürftigen Zutaten versehen, erscheint im Gesamtbild jedoch überwiegend stimmig und hinterlässt einen überdurchschnittlich guten Eindruck beim Zuschauer. Die Anlehnung an den biblischen Hintergrund verleiht dem Ganzen etwas sehr Reizvolles, doch sind es insbesondere die diversen Änderungen der Abläufe, die meiner Meinung nach als absolute Höhepunkte anzusehen sind. Diese geben sich vor allem im letzten Filmdrittel zu erkennen, denn wo "Die zehn Gebote" doch mit einem eher harmonischen Ende daherkommt, hinterlässt vorliegendes Werk einen sehr schalen Geschmack beim Betrachter. Von einem Happy End meilenweit entfernt bekommt man ein eher hartes-und sehr tragisches Finale geboten, das aber ganz hervorragend in das gewonnene Gesamtbild hineinpasst und ein Szenario abrundet, das die ganze Zeit über wie eine zentnerschwere Last auf den eigenen Schultern liegt.

Selbst bei der Namensvergabe bei den Hauptfiguren hat man sich an dem grandiosen Monumentalfilm aus dem Jahre 1956 orientiert, denn im Mittelpunkt des Geschehens stehen mit dem Pharao Man, Moses und Zippora gleich 3 bekannte Charaktere aus dem Bibel-Epos. Die Geschichte wurde lediglich in die nahe Zukunft verlegt und erzählt von einem totalitär geführten Staat, in dem unliebsame Menschen in einem riesigen Ghetto leben müssen, das sarkastischerweise den Namen "Dreamland" trägt. Woolcock's Story ist dabei herrlich düster gezeichnet und beinhaltet trotz fehlender Gewaltdarstellungen einen ziemlich hohen Härtegrad, der sich hauptsächlich im Kopf des Zuschauers abspielt. Ausgelöst wird dieser vor allem durch düstere Ausgangslage der unter der Knechtschaft des Pharao lebenden Menschen, denn die Lebensumstände im Ghetto spotten jeglicher Beschreibung und vermitteln ein Gefühl der Tristesse-und Hoffnungslosigkeit. Doch auch die Abweichungen von der biblischen Geschichte sorgen für eine starke Beklemmung, erscheint doch beispielsweise die Figur des Moses nicht lediglich als Retter in der Not, seinem Charakter werden fast schon terroristische Züge beigemischt. So bringen seine Methoden-und Taten einen selbst phasenweise in einen moralischen Zwiespalt, kann man doch den Drang nach Freiheit durchaus nachvollziehen, muss dabei aber die Notwendigkeit gewisser Aktionen sehr wohl in Zweifel ziehen. So entsteht dann auch ein sehr angespanntes Verhältnis zwischen Moses und seiner Frau Zippora, die ihn im Laufe der Geschichte selbst als Mörder bezeichnet.

Und der Retter der Unterdrückten ist in der Wahl seiner Mittel wirklich nicht unbedingt wählerisch, was seiner Figur auch nicht nur Symphatiepunkte beim Betrachter einbringt. Gerade dieser Aspekt verleiht den Ereignissen jedoch auch etwas ganz Außergewöhnliches und hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis. Das kann man auch ganz generell auf die letzten Minuten des Filmes beziehen, denn nachdem die Unterdrückten endlich ihre Freiheit erlangt haben, gestalten sich die Abläufe keinesfalls so, wie man es aus der Bibel-Verfilmung her kennt. In dieser Phase erlangt die Geschichte wohl die größte Intensität und kriecht einem ganz extrem unter die Haut. Hier herrscht nämlich nicht in erster Linie die Freude über das Ende eines Lebens im Ghetto vor, es entwickelt sich vielmehr eine Gewaltspirale, die in unglaublich kurzer Zeit vollkommen außer Kontrolle gerät und durch nichts mehr zu stoppen ist. Gewalt löst Gegengewalt aus, diese Botschaft ist absolut unmissverständlich und wird auch sehr gut zum Zuschauer transportiert. Diese Abänderung der Geschichte ist für mich persönlich ein absolutes Highlight, wie auch die persönlichen Konsequenzen für Moses, der die Folgen-und Konsequenzen seiner Handlungen nun hilflos mit anschauen muss. Mehr möchte ich wirklich nicht verraten, um dem Ganzen nicht jede Spannung zu nehmen.

Letztendlich war es sicherlich ein mutiger Versuch, eine biblische Thematik in ein neues Gewand zu packen, doch mich persönlich hat Penny Woolcock's Variante von "Die zehn Gebote" absolut überzeugt. Vor allem ist die Vision eines totalitären Staates ja auch nicht vollkommen realitätsfremd, hat man ähnlich gelagerte Szenarien doch auch schon in der Wirklichkeit erleben müssen. Phasenweise erinnert der Film doch auch stark an die Zeit des Nazi-Regimes in Deutschland, denn gewisse Ähnlichkeiten sind keinesfalls von der Hand zu weisen. Trotz einiger nicht ganz stimmigen Momente ist das Werk in seiner Gesamtheit absolut empfehlenswert und stellt ein erstklassiges Drama dar, das hauptsächlich durch seine düster-und beklemmende Grundstimmung jederzeit überzeugen kann. Auch im darstellerischen Bereich gibt es nichts zu bemängeln, sämtliche Schauspieler liefern eine sehr gute Performance ab und tragen so ihren Anteil zu einem tollen Film-Erlebnis bei, das man sich keinesfalls entgehen lassen sollte.


Fazit:


"Die zehn Gebote" in einer düsteren Zukunftsversion, die doch streckenweise vielmehr an die jüngere Vergangenheit erinnert. So kurz und knapp könnte man "Exodus" beschreiben, doch das würde dem Film nicht gerecht werden. Trotz einiger kleiner Schwächen bietet sich insgesamt ein wirklich toller Film, dessen Botschaft auch wirklich beim Zuschauer ankommt. Ich fühlte mich bestens unterhalten und kann das Werk nur wärmstens weiterempfehlen.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 106 Minuten


8/10

Sonntag, 12. August 2012

Skyline









Skyline
(Skyline)
mit Eric Balfour, Scottie Thompson, Brittany Daniel, Crystal Reed, Neil Hopkins, David Zayas, Donald Faison, Robin Gammell, Tanya Newbould, J. Paul Boehmer, Byron McIntyre, Jackie Marin, Tony Black
Regie: Colin Strause / Greg Strause
Drehbuch: Joshua Cordes / Liam O'Donnell
Kamera: Michael Watson
Musik: Matthew Margeson
FSK 16
USA / 2010

Nach einer wilden Partynacht wird eine Gruppe von Jugendlichen in L.A. von einem unerklärlichen Lichtphänomen geweckt, um sich kurz darauf in spurlos aufzulösen. Dasselbe Spektakel spielt sich weltweit auch in anderen Großstädten ab. Bald stellt sich heraus, dass es sich um eine außerirdische Macht handelt, die auf diese Weise nach und nach die gesamte Menschheit auszulöschen versucht. Ein Wettlauf der Übriggebliebenen gegen die Zeit und das Ende der Zivilisation beginnt - doch die Lage scheint aussichtslos.


Schon bei "Alien vs. Predator 2" haben sich die Strause-Brüder nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert, doch was nun mit "Skyline" unter ihrer Regie entstanden ist spottet phasenweise jeglicher Beschreibung. Dabei haben sie in technischer Hinsicht mit einem für einen Film dieser Art äußerst bescheidenen Budget von gerade einmal 10.000.000$ eine ganze Menge auf die Beine gestellt, denn von der Ausstattung und den Effekten her kann sich der Film durchaus sehen lassen und kann auch ohne Probleme mit weitaus höher budgetierten Werken mithalten. Auch in Sachen Action muss man sich nichts vorwerfen lassen, denn in dieser Beziehung wird der Zuschauer sehr kurzweilig und gut unterhalten. Das Manko liegt in der Geschichte an sich, die phasenweise so dermaßen an den Haaren herbeigezogen erscheint, das einem auch die letzten Haare ausfallen wollen. In diesem Bezug von diversen Logiklöchern zu sprechen würde der Sache nicht wirklich gerecht werden denn Logik scheint ganz generell nicht vorhanden, ansonsten wäre dieser filmische Schwachsinn nicht erklärbar.

Viele Leute mag das nicht weiter stören, andere werden eventuell das Argument anbringen, das man SCI/FI Filme doch sowieso nicht an nachvollziehbaren Ereignissen messen sollte. Dabei sollte man jedoch nicht vollkommen außer acht lassen, das ein Geschehen dem Betrachter zumindest ansatzweise plausibel näher gebracht werden sollte, doch von diesem Ansatz ist man hier mindestens so weit entfernt wie die Erde vom Mond. Das Drehbuch ist im Prinzip eine einzige Frechheit und offenbart ein strunzdummes Szenario, das bis auf einen gewissen Unterhaltungswert rein gar nichts zu bieten hat. Das eröffnet sich einem nicht nur in den schauspielerisch maximal durchschnittlichen Leistungen der Akteure, sondern insbesondere im an Dümmlickeit kaum zu überbietenden Verhalten, das den einzelnen Charakteren zugedacht wurde. Streckenweise wird man ganz einfach das immer stärker aufkommende Gefühl nicht los, das die Macher des Filmes unter ständigem Drogen-Einfluss gestanden haben müssen, als sie sich diese skurrile Story ausgedacht haben.

So gut wie nichts erscheint nämlich in irgendeiner Art durchdacht, was sich ganz besonders auf Hintergrundinformationen über die plötzliche Invasion der Aliens bezieht. Diese hat man ganz einfach volkommen weggelassen und überlässt alles der Interpretation des Zuschauers, der sich aber beim besten Willen keinen Reim auf dieses unzusammenhängende Szenario machen kann. Auch bekommt man überhaupt keine außerirdischen Wesen zu Gesicht, stattdessen treten immer nur hochentwickelte Maschinen auf den Plan, die jedoch anscheinend viel zu blöd sind, um eine Stadt komplett in Schutt und Asche zu legen. Und dann wären da auch noch die Gegenmaßnahmen der US-Armee, die ganz ehrlich gesagt zum Unsinnigsten zählen, das man in den letzten Jahren vorgesetzt bekommen hat. Da wird eine Atombombe in eines der großen Raumschiffe geschossen die über Los Angeles in Stellung gegangen sind, doch die Folgen der atomaren Explosion sind dann so unglaubwürdig, das man es kaum fassen kann. Damit meine ich jetzt nicht die Folgen für die Aliens, sondern die für die Protagonisten die sich in einem Hochhaus befinden. Die Kameraführung zeigt zwar Verwüstungen auf dem Boden, aber trotz einer ziemlich geringen Entfernung zum getroffenen Raumschiff erreicht noch nicht einmal eine Druckwelle das Hochaus. Lediglich der grelle Explosionsblitz ist deutlich zu erkennen, auf eine Zerstörung des Gebäudes wartet man jedoch vergebens.

Das sind nun lediglich einige offensichtliche Mankos in einer Story, die zudem mit teilweise unglaublich dummen Dialogen gespickt ist und auch ansonsten schon fast als abstrus zu bezeichnen ist. Dafür spricht insbesondere das gewählte Ende, das einem anscheinend den Grund näher bringen soll, warum die Invasion überhaupt stattfindet. Anstatt aber zumindest an diesem Punkt mit einigen plausiblen Erklärungsversuchen aufzuwarten, lassen die Gebrüder Strause das Ganze nun vollkommen entgleisen und geben ihr Werk fast schon der Lächerlichkeit preis, warten sie doch mit einer Art Cliffhanger auf, der eine Fortsetzung dieser komischen Geschichte suggeriert. Anders ist nämlich die lächerliche und unsinnige Schluss-Sequenz kaum zu erklären, die man hier auf die Menschheit loslässt. Andererseits wäre ein anders geartetes Ende völlig unpassend gewesen, denn nur so kann "Skyline" den insgesamt ziemlich schlechten Gesamteindruck bestätigen, den man schon die ganze zeit über gewonnen hat. Und so kann man letztendlich ohne Übertreibung behaupten, das man diesen Film nicht wirklich gesehen haben muss, stellt er doch nichts anderes dar als gut 90 Minuten verschwendete Lebenszeit, die man besser hätte vergeuden können.


Fazit:


Was manche Regisseure so auf die Beine stellen, geht wirklich auf keine Kuhhaut und ist mit normalen Worten kaum zu erklären. "Skyline" ist leider ein absoluter Reinfall, da können auch die unterhaltsamen Action-Passagen nichts dran ändern. Zu hanebüchen und absolut unlogisch ist die geschichte an sich, die sich größtenteils schon selbst der Lächerlichkeit preisgibt. Vielleicht wollten die Macher das Publikum auch lediglich für dumm verkaufen, denn anders kann man sich kaum einen Reim auf diese obskure Geschichte machen.


3/10

Samstag, 11. August 2012

Freiwild - Zum Abschuss freigegeben

Freiwild - Zum Abschuss freigegeben
(Blooded)
mit Nick Ashdon, Neil McDermott, Oliver Boot, Mark Dexter, Tracy Ifeachor, Sharon Duncan-Brewster, Joseph Kloska, Adam Best, Jay Taylor, Cicely Tenannt, Isabella Calthorpe
Regie: Edward Boase
Drehbuch: James Walker
Kamera: Kate Reid
Musik: Ilan Eshken / Jeff Toyne
FSK 16
Großbritannien / 2011

Im Oktober 2005 werden 5 junge Leute bei ihrem Jagdausflug in den Highlands von Schottland von Unbekannten gekidnapped. Fast nackt werden sie in der Einsamkeit der Wildnis ausgesetzt und nun selbst wie wilde Tiere gejagt. Die Jäger sind eine Gruppe extremer Tierschutz-Aktivisten, die ihre Beute bei ihrem grausamen Kampf ums Überleben dabei filmt. Doch so leicht geben die Gejagten nicht auf…


Wenn der Jäger zum Gejagten wird


Im Stile einer Pseudo-Dokumentation präsentiert sich das Langfilm-Debüt von Edward Boase, das zugegebenermaßen als sehr gelungen eingestuft werden darf. Dies liegt hauptsächlich in der Situation der 5 Jugendlichen begründet, die in den schottischen Highlands auf die Jagd gehen wollen und dabei und ziemlich schnell selbst zur Zielscheibe für fanatische Tier-Aktivisten werden. Aufgezogen ist das Ganze im Stil einer Mockumentary a la "The Blair Witch Project, wobei es sich hier defintiv um keinen Film handelt, der den von vielen verpönten Wackelkamera-Drehstil beinhaltet. Viel eher das Gegenteil ist der Fall, denn "Freiwild" ist durchzogen von erstklassigen Kamerafahrten und bietet dabei glasklare und wunderbar aufgenommene Bilder, von denen insbesondere die bildgewaltigen Landschaftsaufnahmen einen sehr bleibenden Eindruck hinterlassen. Aufgrund der Inhaltsangabe könnte man nun einen ziemlich blutigen Survival-Thriller erwarten, doch in dieser Beziehung hält sich der Film sehr vornehm zurück, was jedoch keinesfalls als negativ zu bewerten ist.

Das Hauptaugenmerk legt sich vielmehr auf die bedrohliche Lage der 5 Hauptpersonen, die sich auf einmal in einer mehr als bedrohlichen Lage befinden und dabei um ihr Leben fürchten müssen. Bei diesem Punkt mag für viele Leute eventuell eine Schwäche des Werkes erkennbar sein, denn durch die Tatsache das die Betroffenen ihre eigene Geschichte erzählen weiss man doch ziemlich schnell, das es bei den Ereignissen keine Todesopfer gegeben hat. Darus könnte man nun folgern, das sich der Spannungsbogen in einem eher beschaulichen Rahmen bewegt, doch mit dieser Vermutung liegt man ziemlich daneben. Denn trotz dieser Vorhersehbarkeit ist es Edward Boase vortrefflich gelungen, dem Geschehen eine starke Faszination zu verleihen, die sich zwangsläufig auch auf den Betrachter überträgt. Dabei ist es auch vollkommen unerheblich das es sich lediglich um eine Pseudo-Doku handelt, denn die Geschehnisse vermitteln einem jederzeit das Gefühl, das man eine wahre Geschichte zu sehen bekommt.

Dieser Umstand ist auch den richtig guten Darstellern zu verdanken, die allesamt eine sehr gute-und vor allem glaubhafte Performance abliefern und so ihren Teil zu einem äußerst authentischen Szenario beitragen. Weiterhin entfaltet sich ganzzeitig der Effekt, das man sich als Zuschauer sehr gut mit den Ereignissen identifizieren kann. Nicht selten entsteht dabei das Gefühl, das man sich selbst in dieser bedrohlichen Lage befinden würde, wodurch man auch die nackte Angst und Panik der Protagonisten jederzeit glaubwürdig nachvollziehen kann. Zudem ist die Geschichte auch im letzten Drittel mit einem Plot-Twist angereichert worden, der noch einmal für einen zusätzlichen Adrenalin-Schub sorgt. Es ist schon erstaunlich, wie ein so wie hier dargestellter Film auf einen wirken kann, denn obwohl man ganz genau weiß das es sich um keine realen Ereignisse handelt, entsteht während der Sichtung ein vollkommen anderes Gefühl, das während der gesamten Laufzeit eine extreme Beklemmung auslöst und einen so fast zu einem Teil der Story macht.

Letztendlich ist "Freiwild - Zum Abschuss freigegeben" ein wirklich überzeugendes Langfilm-Debüt und beschert einem gut 75 Minuten sehenswerte Filmkost. Die kurze Laufzeit mag für manch einen ein Manko sein, doch meiner Meinung nach ist hier genau das richtige Maß gefunden worden, um erst gar keine Längen aufkommen zu lassen. Allerdings handelt es sich bei diesem Film wohl eher um ein einmaliges Erlebnis, denn ob man bei einer weiteren Sichtung die gleiche Faszination verspürt, wage ich ernsthaft zu bezweifeln. Dennoch sollte man sich dieses gelungene Werk auf keinen Fall entgehen lassen, denn spannende-und kurzweilige Unterhaltung ist auf jeden Fall vorprogrammiert.


Fazit:


Im Normalfall bin ich nicht unbedingt ein Fan dieser Pseudo-Dokumentationen, doch "Blooded", wie der Film im Original heißt, konnte mich in allen Belangen überzeugen. Vor allem die sehr gute Kameraarbeit und die ausgezeichneten Darsteller sind hierbei besonders hervorzuheben, denn diese beiden Dinge sind die großen Stärken eines Filmes, in dem man sich phasenweise als Teil der Ereignisse fühlt.


Die DVD:

Vertrieb: Sunfilm
Sprache / Ton: Deutsch DTS 5.1, DD 5.1 / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,78:1 (16:9)
Laufzeit: 77 Minuten
Extras: Making Of, Unseen Interview, Kurzfilm-Home Video, Trailer


7/10

Donnerstag, 9. August 2012

Weiblich, tödlich sucht - Wer ist Carrie?









Weiblich, tödlich sucht - Wer ist Carrie?
(The Perfect Roommate)
mit Boti Bliss, Ashley Leggat, William R. Moses, Jon McLaren, Peter J. Gray, Cinthia Burke, Peter Michael Dillon, Sean Tucker, Teresa Donovan, Christie Watson, Luigi Saracino, Charles Ebbs
Regie: Curtis Crawford
Drehbuch: Christine Conradt
Kamera: Bill St. John
Musik: Keine Information
FSK 12
USA / 2011

Carrie Remington schlägt sich als Kellnerin durch ihr nicht besonders aufregendes Leben. Ihre gerade vollzogene Scheidung setzt ihrer aktuellen Pechsträhne die Krone auf. Um einen Schlussstrich zu ziehen, folgt sie eine Annonce und zieht zur Untermiete in Ashley Dunfields Wohnung. Zunächst könnte Ashley nicht zufriedener sein mit ihrer neuen Wohngenossin, doch dann beginnt sie, sich für die Vergangenheit von Carrie zu interessieren. Und auf einmal scheint es gar keine gute Idee mehr zu sein, mit ihr zusammenzuwohnen.


Nicht nur der Titel des Filmes lässt Ähnlichkeiten zu Barbet Schroeders "Weiblich, ledig, jung sucht" aus dem Jahre 1982 erkennen, auch die Geschichte an sich ist durchaus ähnlich aufgezogen. Der gravierendste Unterschied liegt sicherlich darin begründet, das vorliegende Story von Custis Crawford zwar recht routiniert inszeniert wurde, es jedoch an der nötigen Klasse fehlt, damit man als Zuschauer wirklich warm mit dem Geschehen wird. Zu vorhersehbar gestalten sich die Handlungsabläufe, so das im Prinzip nie ein echter Spannungsaufbau entstehen kann. So fällt es dann auch ziemlich schwer hier so etwas wie echten Thrill zu erkennen, es fehlt ganz einfach an jeglichen Überraschungsmomenten und die Ereignisse gestalten sich vollkommen unspektakulär. Die vorliegende Thematik wurde einfach schon zu oft und auch noch weitaus besser in Szene gesetzt, zudem lässt Crawford auch nicht unbedingt Neuerungen oder innovative Ansätze erkennen. Und so dürften vor allem bei Kennern des Genres äußerst schnell Ermüdungserscheinungen und Langeweile aufkommen, für Neueinsteiger dürfte eine Sichtung allerdings durchaus lohnenswert erscheinen.

Insbesondere die Darsteller hinterlassen hier doch einen sehr blassen Eindruck, streckenweise erscheint das Schauspiel fast lustlos und jeder einzelne Charakter wirkt absolut austauschbar. Die größte Schwäche des Filmes ist aber sicherlich das löchrige Drehbuch und die absolut belanglose Umsetzung einer Story, aus der man ganz bestimmt weitaus mehr hätte herausholen können. Anstatt jedoch mit neuen Ansätzen aufzuwarten, greift der Regisseur auf im Prinzip solide Zutaten zurück, die aber in ihrer Zusammensetzung dermaßen uninspiriert erscheinen, das zu keiner Zeit eine wirkliche Faszination von den Ereignissen ausgeht. Der Funke will also nicht überspringen und so muss man sich phasenweise richtiggehend durch die Geschichte quälen, die streckenweise recht ermüdend daherkommt.

Hierfür steht stellvertretend das Ende des Filmes, denn wer zumindest ein spektakuläres Finale erwartet, wird letztendlich eine ganz herbe Enttäuschung erleben. Ist das Werk bis dahin schon ohne jegliche Höhepunkte ausgekommen, so setzt der Schluss-Akkord dem Ganzen dann noch die Krone auf. Keine Ahnung, was Crawford sich dabei gedacht hat, aber das Finale ist an Einfallslosigkeit echt schwer zu überbieten. So ist es dann auch nicht weiter verwunderlich, das "Weiblich, tödlich sucht" einen äußerst unvollständigen Eindruck hinterlässt, stellt man sich doch fast automatisch die Frage, ob ganze Kapitel aus der deutschen DVD entfernt wurden. Ich möchte den Film wirklich nicht schlechter machen als er in Wirklichkeit ist, doch spannende-und interessante Thriller-Kost sieht beim besten Willen anders aus.

Letztendlich dürfte sich das Werk lediglich für Neueinsteiger-und Vielseher eignen, die sich einfach die Zeit vertreiben wollen. Eine echte Empfehlung kann mann leider nicht aussprechen, da es einfach an allen Ecken und Enden fehlt. Ein schwaches Drehbuch, eine lieblose Umsetzung der Thematik, fehlende Spannung und blasse Darsteller sind nicht gerade das, was einen Film in irgendeiner Weise aufwertet, doch gerade diese Mankos sind leider im Überfluss vorhanden, was im Endeffekt nur zu einem unterdurchschnittlichen Gesamteindruck reicht.


Fazit:


Dieser Film ist nichts Halbes und nichts Ganzes und lässt zudem so ziemlich alles vermissen, was einen wirklich guten Thriller auszeichnet. Die fehlende Spannung und die total vorhersehbaren Abläufe sind dabei der absolute Todesstoß für ein Werk, das nicht wirklich einen nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis hinterlässt.


Die DVD:

Vertrieb: Sunfilm
Sprache / Ton: Deutsch DTS 5.1, DD 5.1 / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,85:1 (16:9)
Laufzeit: 89 Minuten
Extras: Trailer


4/10

Mittwoch, 8. August 2012

The Clinic









The Clinic
(The Clinic)
mit Tabrett Bethell, Freya Stafford, Andy Whitfield, Clare Bowen, Sophie Lowe, Boris Brkic, Marshall Napier, Elizabeth Alexander, Marcel Bracks, Adrienne Pickering, Slava Orel, Anni Finsterer, Harold Hopkins
Regie: James Rabbitts
Drehbuch: James Rabbitts
Kamera: Brad Shield
Musik: Jason Fernandez / Kirke Godfrey / Angela Little
FSK 16
Australien / 2009

Die hochschwangere Beth und ihr Verlobter halten auf ihrer Reise in einem ziemlich schmierigen Motel. ie bleibt im Zimmer zurück, während er etwas zu essen besorgt. Doch als ihr Verlobter zurückkommt, ist Beth verschwunden. Stunden später wacht Beth in einer Badewanne voller Eis wieder auf und erkennt, dass ihr Baby entbunden wurde. Sie ist alleine in einem von der Außenwelt isolierten Krankenhaus und der schlimmste Albtraum einer jeden Mutter hat begonnen - ihr Kind ist weg! Beth ist nicht gewillt aufzugeben und fest entschlossen, zu überleben um ihr Kind zu finden. Wie weit kann sie gehen, um ihr eigenes Kind zu retten?


Australien hat sich längst als Fundgrube für exzellente Horrorfilme etabliert und in den letzten Jahren so einige wirklich sehenswerte Genre-Filme präsentiert. Nun kann sich "The Clinic" sicherlich nicht mit Werken wie beispielsweise "Wolf Creek" oder "Storm Warning" messen, doch der Regie-Erstling von James Rabbitts ist immerhin ein kleiner und fieser Horror-Thriller, der grundsolide Unterhaltung bietet. Die Thematik des Filmes ist sicherlich nicht besonders neu und in einigen Passagen erinnert die Geschichte auch ein wenig an den deutschen Film "Fleisch", wobei sich die Kernaussagen der beiden Storys doch noch ziemlich stark unterscheiden. Rabbitts erzählt seine Geschichte in einem eher ruhigen-und nicht sonderlich temporeichen Stil, was aber gerade dafür verantwortlich zeichnet, das die hier dargestellten Ereignisse ziemlich intensiv-und wuchtig auf den Betrachter einwirken. Das es sich thematisch gesehen um illegalen Kinderhandel dreht wird eigentlich sehr schnell klar, doch was sich im Endeffekt wirklich hinter den ominösen Ereignissen verbirgt, ist erst kurz vor dem Ende in vollem Umfang zu erkennen.

Insbesondere der finale Showdown offenbart nämlich Zusammenhänge, die jenseits jeglicher Moral angesiedelt sind und bei denen es einem selbst eiskalt über den Rücken läuft. Bis die Gesamtzusammenhänge zu erkennen sind, wird man mit mehreren jungen Frauen konfrontiert, die alle das gleiche grausame Schicksal teilen. Alle waren hochschwanger und sind auf einem verlassenen Fabrikgelände aufgewacht. Dort hat man ihnen ihre ungeborenen Kinder per Kaiserschnitt aus dem Leib entfernt, ohne das den Frauen die Beweggründe dafür bekannt sind. Die nun stattfindende Suche nach den Babys gestaltet sich nicht sonderlich actionreich, bietet aber dennoch genügend interessante Passagen, da die Damen sich einem lange Zeit unsichtbaren Gegner stellen müssen der sie anscheinend unbedingt töten will. Hier liegt dann auch die Stärke dieses Filmes, wird doch die Frage nach dem warum in den Raum geworfen. Daraus bezieht das Geschehen auch den Großteil seiner Spannung, da man sich wirklich bis kurz vor dem Ende gedulden muss, bis die Ereignisse auch bis ins Detail aufgeklärt werden.

Nicht selten entsteht im Laufe der Ereignisse der Eindruck, das man es hier mit einer Art perverser Studie zu tun hat, in der man das Verhalten von Müttern ergründen will, denen ihre Neugeborenen gestohlen wurden. Dafür spricht auch der Aspekt, das man die Verantwortlichen für das abartige Treiben immer nur als vor Monitoren sitzende Beobachter zu sehen bekommt, die ganz genau das Verhalten der unterschiedlichen Frauen beobachten. Erst als zum Schluss nur noch die Hauptfigur Beth am Leben ist, lüftet sich der Schleier der Ereignisse und auch die Verantwortlichen geben sich wirklich zu erkennen. Die endgültige Wahrheit ist dann ein echter Tiefschlag in die Eingeweide und verleiht dem Ganzen einen äußerst schalen Beigeschmack. Man selbst ist geschockt darüber, welch perverse Spielchen manche Menschen mit anderen treiben, um sich daran lediglich zu bereichern. Die Eiseskälte der Täter ist dabei das Erschreckenste überhaupt und man stellt sich ganz unweigerlich die Frage, ob solche Personen überhaupt positive Emotionen entwickeln können.

Für zusätzliche Spannung sorgt zumindest streckenweise der Neben-Erzählstrang, in dem Beth's Verlobter verzweifelt nach ihr sucht und sich dabei auch mit dem Gesetzeshüter der Kleinstadt anlegt, in der die Entführung stattgefunden hat. Dabei hat Rabbitts aber zu keiner Zeit den wesentlichen Bestandteil des Geschehens außer acht gelassen, den das Hauptaugenmerk ist immer auf die Ereignisse in der verlassenen Fabrik gerichtet. Und diese Location erweist sich auch als absolut perfekt, verleiht sie dem Ganzen doch eine herrlich dreckige-und siffige Grundstimmung, der man sich beim besten Willen kaum entziehen kann. Und so sollte man im Prinzip zu einem durchaus gelungenem Gesamteindruck gelangen, denn "The Clinic" ist letztendlich ein sehr sehenswerter Genre-Beitrag, der ein äußerst stimmiges Gesamtbild präsentiert.


Fazit:


Sicherlich handelt es sich in vorliegendem Fall um keinen Überflieger, aber immerhin um einen sehenswerten Thriller der zudem auch mit gut agierenden Darstellern besetzt ist. Einige kleinere Logiklöcher in der Story kann man getrost übersehen, da man insgesamt gesehen mit einem sehr stimmigen Szenario konfrontiert wird, das allemal lohnenswert erscheint.


7/10