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Sonntag, 30. September 2012

Die City Cobra









Die City Cobra
(Cobra)
mit Sylvester Stallone, Brigitte Nielsen, Reni Santoni, Andrew Robinson, Brian Thompson, John Herzfeld, Lee Garlington, Art LaFleur, Marco Rodríguez, Ross St. Phillip, Val Avery, David Rasche
Regie: George P.Cosmatos
Drehbuch: Paula Gosling /Sylvester Stallone
Kamera: Ric Waite
Musik: Sylvester Levay
Ungeprüft
USA / 1986

Als in Los Angeles ein Serienkiller, bekannt als “Der Schlitzer” sein Unwesen treibt, der es in erster Linie auf Frauen abgesehn hat, wird der Polizist Marion Cobretti, genannt “Cobra”, auf den Fall angesetzt. Er hat auch bald eine Frau gefunden, die ihm als Zeugin helfen kann. Dadurch begibt diese sich jedoch in Gefahr, weil der Killer es jetzt auf sie abgesehen hat. Also fasst “Cobra” einen Entschluss: Er fährt mit der Frau und einem Kofferraum voller Waffen in ein Motel, um sich dort zu verschanzen und auf den Angriff des Schlitzers zu warten.


Und wieder einmal haben wir es mit einem herrlichen Relikt der 80er Jahre zu tun, in dem Sylvester Stallone in seiner wohl mit Abstand coolsten Rolle zu sehen ist. Seine Darstellung des Macho-Cops "Cobra" ist dabei sicherlich einer der Höhepunkte dieses B-Actioners, denn lässiger kann man einen Cop wohl kaum interpretieren. In der sogenannten "Zombie-Abteilung" ist er für die Fälle verantwortlich die kein anderer Polizist haben will, oder die lediglich durch die Anwendung extremster Gewalt zu lösen sind. Mit seinen Methoden stößt er dabei immer wieder auf Ablehnung bei seinen Vorgesetzten, doch seine Erfolgs-Quote spricht eine ganz eindeutige Sprache. So kann man sich also sehr gut ausmalen, das die hier erzählte Geschichte mit jeder Menge Action-Passagen angereichert ist, in denen es ordentlich zur Sache geht. Wilde Verfolgungs-Jagden und die wildesten Schießereien stehen dabei absolut im Vordergrund und dem Zuschauer offenbart sich ein Szenario, das ganzzeitig extrem kurzweilige Action-Unterhaltung garantiert.

Auch atmosphärisch hat das Werk eine ganze Menge zu bieten, insbesondere die in der Nacht spielenden Sequenzen zeichnen sich dabei durch eine ungeheure Dichte aus und sorgen dabei für so manch kalten Schauer, der einem über den Rücken läuft. Die Story an sich ist derweil ziemlich einfach gehalten und beinhaltet keinerlei Tiefe, was bei einem Film dieser Art aber auch nicht wirklich zu erwarten ist. Als Rahmenhandlung jedoch vollkommen ausreichend konzentriert sich das Geschehen vollkommen auf den Aspekt, eine Augenzeugin (Brigitte Nielsen) vor einer Gruppe mordender Fanatiker in Sicherheit zu bringen, die sich selbst als Wegbereiter einer neuen Welt ansehen. Wie sich die Ereignisse entwickeln ist dabei keine sonderliche Überraschung, denn das Szenario ist doch relativ vorhersehbar und läuft selbstverständlich auf einen finalen Showdown zwischen Gut und Böse hinaus, der äußerst actionreich in Szene gesetzt wurde. Als Gegenpart zu Stallone konnte man für die Figur des "Night-Slashers" mit Brian Thompson genau den richtigen Darsteller verpflichten, denn allein rein optisch passt er nahezu perfekt in die Rolle des gnadenlosen Schlächters.

Seine Performance ist absolut authentisch und auch wenn hier sicherlich kein herausragendes Schauspiel zu erwarten ist, verleiht er seiner Figur ein sehr hohes Maß an Authenzität und Glaubwürdigkeit. Ganz generell kann man mit den gezeigten Leistungen der Darsteller-Riege zufrieden sein, selbst Brigitte Nielsen weiß in ihrer Rolle durchaus zu überzeugen. Zudem ist die gute Frau in diesem Film auch wirklich hübsch anzusehen, denn zur damaligen Zeit war ihr Körper noch nicht von etlichen Schönheits-Operationen gezeichnet, so das die gesamten Proportionen ihres Körpers zueinander passten. Das ist aber lediglich ein netter Nebeneffekt einer Geschichte, in der ganz eindeutig die Action im Vordergrund steht und bei diesem Aspekt kommt der geneigte Fan vollends auf seine Kosten. Es passt ganz einfach alles wirklich sehr gut zusammen, jede Menge Action, ein konstanter Spannungsbogen und eine herrlich dichte Grundstimmung sorgen für ein äußerst kurzweiliges Film-Erlebnis, das man sich auch nach fast 30 Jahren immer wieder gut anschauen kann.

Letztendlich zählt "Die City Cobra" sicherlich zu den Action-Granaten der 80er Jahre und präsentiert einen Sylvester Stallone in absoluter Höchstform. Nie hat der gute Mann cooler agiert, daran ändert auch sein Filmname Maria Cobretti nichts. Vielmehr ist dies als witzige Anekdote und genialer Kontrast zu seinen Methoden anzusehen, mit denen er hier dem Verbrechen zu Leibe rückt. Regisseur George P. Cosmatos (Rambo II, Leviathan) hat mit seinem Film einen absolut zeitlosen Action-Kracher kreiert, bei dem man sich einfach locker zurücklehnen kann und das actiongeladene Szenario genießt.


Fazit:


Meiner Meinung nach zählt "Die City Cobra" definitiv zu Stallone's besten Filmen und hat auch im Laufe der Zeit rein gar nichts von seiner Faszination eingebüßt. Körperlich und optisch noch in absoluter Höchstform räumt die Action-Ikone gnadenlos auf und kann es dabei natürlich auch locker mit einem zahlenmäßig weit überlegenem Gegner aufnehmen. Ob das Ganze dabei realistisch erscheint ist im Prinzip vollkommen irrelevant, denn dieser Film macht einfach nur Spaß und gute Laune.


8/10

Freitag, 28. September 2012

Altitude - Tödliche Höhe














 Altitude - Tödliche Höhe
(Altitude)
mit Jessica Lowndes, Julianna Guill, Ryan Donowho, Landon Liboiron, Jake Weary, Mike Dopud, Ryan Grantham, Chelah Horsdal, Ian Robison, Michelle Harrison, Teghan Gentles, Seth Ranaweera
Regie: Kaare Andrews
Drehbuch: Paul A. Birkett
Kamera: Norm Li
Musik: Jeff Tymoschuk
FSK 16
Kanada / USA / 2010

Die junge Pilotin Sara plant einen letzten gemeinsamen Ausflug mit ihren Freunden, bevor sie nach Montreal umziehen wird. Anstatt jedoch mit dem Auto zu fahren, hat sie kurzerhand eine Cessna gechartert und ihren neuen, etwas merkwürdigen Freund Bruce ebenfalls eingeladen. Schon kurz nach dem Start kommt es zu einer technischen Fehlfunktion der Maschine. Doch das ist erst der Anfang: Der Treibstoff wird knapp, und die Stimmung unter den fünf Passagieren ist zum Zerreißen gespannt. Als letzten Ausweg wagt Cory den Versuch, in schwindelerregender Höhe von außen das Höhenruder zu reparieren. Doch in der unbekannten Höhe, außerhalb des Fliegers, sind andere übernatürliche Kräfte am Werk, die den Flug zu einem wahren Überlebenskampf machen.


Ich kann durchaus nachvollziehen, das dieses Regie-Debüt von Kaare Andrews die Meinungen extrem spaltet. Dem Zuschauer offenbart sich nämlich eine Geschichte, die während der Laufzeit von gut 90 Minuten eine totale Richtungsänderung erfährt, die man vor allem zu Beginn noch überhaupt nicht absehen kann. Dabei scheint sich zu Beginn ein ganz normaler Katastrophen-Thriller zu entfalten, der jedoch mit zunehmender Spielzeit immer mehr Fantasy-Elemente erkennen lässt, die man eine geraume Zeit gar nicht so richtig zuordnen kann. Hier liegt aber meiner Meinung nach die große Stärke eines Filmes, den ich als sehr ambitioniert-und auch innovativ bezeichnen möchte, denn die gefundene Mischung kann sich als Gesamtbild jederzeit sehen lassen. Dennoch darf man einige Defizite nicht übersehen, denn das Szenario bietet auch die ein oder andere Passage, die jenseits jeglicher Realität angesiedelt ist. Damit ist aber keinesfalls die übernatürliche Thematik gemeint, die nach dem ersten Film-Drittel ganz klar die Oberhand gewinnt, sondern ganz einfach diverse Verhaltensweisen diverser Protagonisten. Als bestes Beispiel kann man hier wohl den vollkommen unglaubwürdigen Versuch anführen, das man in einer immensen Höhe versucht, das offensichtlich beschädigte Höhenruder des Propeller-Flugzeuges von außen zu reparieren, was bei den vorherrschenden Temperaturen auf jeden Fall zum Tod durch erfrieren geführt hätte.

Andererseits ist diese Sequenz aber äußerst förderlich für die vorherrschende Spannung, denn als Betrachter fiebert man auf jeden Fall sehr stark mit. Ganz generell ist der vorhandene Spannungsbogen als konstant zu bezeichnen, auch wenn sich das Geschehen räumlich gesehen fast ausschließlich in dem kleinen Flugzeug abspielt. Hier herrscht schon nach einer relativ kurzen Zeitspanne eine sehr dichte Grundstimmung, bei der sich eine unterschwellige Aggression unter den Passagieren breit macht. Daraus beziehen die Ereignisse auch ihre größte Stärke und die Darsteller tragen durch ihr gelungenes Schauspiel eine Menge dazu bei, das man die Faszination der Story förmlich wie ein Schwamm in sich aufsaugt. Auch wenn man hier gewisse Dinge frühzeitig erkennen kann, bleibt die eigentliche Lösung des mysteriösen Geschehens lange Zeit im Dunkeln und stellt am Ende durchaus eine echte Überraschung dar.

Natürlich hat der finale Showdown recht wenig mit Realität zu tun, doch darauf ist "Altitude - Tödliche Höhe" auch überhaupt nicht ausgelegt. Kaare Andrews hat sich scheinbar ganz bewusst für eine übernatürliche Note entschieden, die der Geschichte auch sehr gut zu Gesicht steht. Nun gibt es wie fast immer wieder etliche Menschen die auch dieses Werk mit ihren Kritiken gnadenlos niedermachen, was eventuell aber auch in einer vollkommen falschen Erwartungshaltung begründet sein kann. Natürlich handelt es sich um kein Meisterwerk, doch kaum lässt ein Regie-Neuling einmal etwas Innovation in eine Geschichte einfließen, ist es auch wieder nicht richtig. Dabei beinhaltet "Altitude" im Prinzip doch alles, was für ein zugegebenermaßen außergewöhnliches Film-Erlebnis notwendig ist. Beginnend wie ein normaler Thriller werden mit der Zeit dezente Horror-Elemente beigefügt und der Story-Verlauf schlägt danach eine vollkommen andere Richtung ein, die angefüllt ist mit SCI/FI-und Fantasy-Elementen. Vielleicht ist das für einige Leute ganz einfach eine zu starke Kombination, oder manch einer hat den Film ganz einfach nicht verstanden. Und natürlich kommt dann auch noch der persönliche Geschmack hinzu, der die hier gefundene-und sehr außergewöhnliche Mixtur einfach nicht akzeptieren will.

Wie dem aber auch sei, den Regie-Erstling von Kaare Andrews als schlecht oder konfus zu bezeichnen, ist meiner Meinung nach nicht unbedingt objektiv. Das Werk hat sicherlich auch seine Schwachstellen, doch der positive Eindruck überwiegt doch recht stark. Vielleicht erscheint das Szenario an einigen Stellen schon etwas zu innovativ, aber das ist doch weitaus besser, als wenn man immer wieder den gleichen Käse vorgesetzt bekommt. Wenn man sich der hier erzählten Geschichte öffnet und nicht immer in den gleichen eingefahrenen Schienen denkt, wird man mit einem sehr interessanten Film belohnt, den man sich auch durchaus mehrmals anschauen kann. Mir persönlich hat "Altitude" äußerst gut gefallen und ich kann dieses außergewöhnliche Werk nur jedem wärmstens empfehlen, der nicht alltägliche Genre-Kombinationen zu schätzen weiß.


Fazit:


Einige kleinere Defizite können auf keinen Fall darüber hinwegtäuschen, das es sich im vorliegendem Regie-Debüt um eine sehr ambitionierte Arbeit handelt, bei der auch einmal Mut bewiesen wurde, indem man die Geschichte mit Elementen versehen hat, die dem Ganzen eine ganz außergewöhnliche Note verleihen. Viel Spannung, jede Menge Übernatürliches und gut agierende Jung-Darsteller sind fast schon eine Garantie für einen tollen Film-Genuss.


7,5/10





Mittwoch, 26. September 2012

Kriegerin









Kriegerin
(Kriegerin)
mit Alina Levshin, Jella Haase, Sayed Ahmad, Gerdy Zint, Lukas Steltner, Uwe Preuss, Winnie Böwe, Rosa Enskat, Heymon Maria Buttinger, Klaus Manchen, Andreas Leupold, Najebullah Ahmadi, Anne Laszus
Regie: David Wnendt
Drehbuch: David Wnendt
Kamera: Jonas Schmager
Musik: Johannes Repka
FSK 12
Deutschland / 2011

Marisa ist Anfang 20, Neonazi und schlägt zu, wenn ihr jemand dumm kommt. Sie lebt in einer ostdeutschen Kleinstadt, hasst Ausländer, Politiker, den Kapitalismus, die Polizei und alle anderen, denen sie die Schuld dafür gibt, dass ihr Freund Sandro im Knast landet und ihre Welt aus den Fugen gerät. Der Sommer hält noch mehr Ärger für sie parat: Die 15-jährige Svenja drängt in Marisas Clique, macht ihr den Platz streitig, und der afghanische Flüchtling Rasul sucht sich ausgerechnet ihren Badesee zum Schwimmen aus.


Mit etlichen Preisen ausgezeichnet weckt "Kriegerin" schon im Vorfeld gewisse Begehrlichkeiten beim Zuschauer, behandelt der Film doch zugleich auch eine sehr sensible Thematik, die leider Gottes immer wieder aktuell ist. Bei der filmischen Umsetzung des Themas ist dabei ganz sicher ein besonderes Fingerspitzengefühl des Regisseurs gefragt, besteht doch immer die Gefahr, das man entweder zu lasch oder aber zu aggressiv die rechtsradikale Szene darstellt, die auch in vorliegender Geschichte ein äußerst wichtiger Bestandteil ist. Nun gibt es nicht wenige Leute die Regisseur David Wnendt hier den Vorwurf machen das gerade dieser Aspekt viel zu selten in den Vordergrund gerückt wird und man kaum einen wirklichen Einblick in eine Gruppierung erhält, die vom rechten Gedankengut verseucht ist und viele Dinge eher nur oberflächlich angekratzt werden. Auf den ersten Blick mag dieser Eindruck eventuell auch wirklich entstehen, doch betrachtet man diesen herausragenden Film einmal etwas genauer dann müsste man eigentlich feststellen, das die Geschichte viel tiefer geht, als es einem der erste Eindruck vermittelt. Wnendt ist es nämlich ganz ausgezeichnet gelungen, den Focus seiner Geschichte auf 2 Figuren zu richten (Marisa & Svenja), deren vollkommen unterschiedliche Leben im Vordergrund stehen und dabei den Großteil eines Szenarios einnehmen, das trotzdem zu keiner Zeit den rechtsradikalen Hintergrund aus den Augen lässt. Sicherlich werden etliche Dinge lediglich thematisch angerissen, doch gerade dadurch kann dieser Film meiner Meinung nach seine volle Intensität entfalten, die den Zuschauer mit der Wucht eines Keulenschlages genau in die Eingeweide trifft.

Gleich zu Beginn wird man beispielsweise mit der gnadenlosen Brutalität und dem extremen Frendenhass der Neo-Nazis konfrontiert, die Ausländer in einer Straßenbahn ohne Rücksicht auf Verluste auf das Übelste malträtieren. Zugegebenermaßen handelt es sich hier um eine der wenigen Passagen in der es zu expliziten Gewaltdarstellungen kommt, doch "Kriegerin ist auch vielmehr darauf ausgerichtet, einen mit psychischer Gewalt zu konfrontieren. Und gerade diese tritt mit einer ungeheuren Wucht zu Tage und entsteht vor allem dadurch, das David Wnendt den rechtsradikalen Hintergrund und die Aktionen der Gruppierung nur oberflächlich anschneidet. Dadurch spielt sich viel im Kopf des Betrachters ab und es bleiben einem etliche Möglichkeiten, sich die verschidendsten Szenarien vorzustellen. Meiner persönlichen Meinung nach erscheint das gesamte Geschehen so um ein Vielfaches intensiver, als wenn man eine weitaus drastischere Sichtweise gewählt hätte. Durch diese Darstellung der Ereignisse bleibt so genügend Freiraum die beiden Hauptfiguren exzellent darzustellen, wobei insbesondere Alina Levshin in der Rolle der Marisa eine sensationelle Performance an den Tag legt. Ihr Hass gegen Ausländer ist sehr offensichtlich, jedoch bekommt man zunächst keine Erklärung dafür geliefert, wodurch dieser eigentlich entstanden ist. Das Aufeinandertreffen mit dem jungen Asylbewerber Rasul wird zu einer schicksalhaften Begegnung und soll ihr Leben auf eine sehr dramatische Art und Weise beeinflussen. Ihr Weltbild gerät aus den Fugen und es findet ein Umdenken statt, das sehr emotional und fast schon ergreifend in Szene gesetzt wurde.

Auf der anderen Seite haben wir die gerade einmal 15-Jährige Svenja, die sichtlich unter den gewöhnungsbedürftigen Erziehungsmethoden ihres Stiefvaters leidet. Ihr spießbürgerliches Umfeld erscheint für das junge Mädchen wie eine Zwangsjacke, die sie unbedingt loswerden will. Während sich nun Marisa gedanklich immer mehr aus der rechten Szene löst, driftet Svenja immer tiefer in die Gruppierung der Neo-Nazis ab und insbesondere dieser Kontrast ist es, der diesem Film eine unglaubliche Stärke verleiht. Nun gibt es nicht wenige Leute die behaupten, das die Präsenz der beiden Hauptfiguren dafür verantwortlich ist, das sich die anderen Charaktere der Geschichte nicht richtig entfalten können, was ich selbst jedoch vollkommen anders sehe. Natürlich verhindert die durchgehende Omnipräsenz der beiden Mädchen eine tiefer gehende Beleuchtung der anderen Figuren, doch ist dies in meinen Augen vollkommen bewusst so gestaltet worden. Einzelne und kleine Szenen reichen vollkommen aus, um dem Zuschauer die einzelnen Figuren näher zu bringen. Manche Bildschnipsel sind dabei weitaus aussagekräftiger, als wenn man jede Figur eingehend beleuchtet hätte. Als eines von etlichen Beispielen soll hier stellvertretend der Großvater von Marisa stehen, der zwar eher selten im Bild zu sehen ist, aber durch eine einzige Szene zum Ende des Filmes eine Aussage trifft die dem Zuschauer vor Augen führt, warum das junge Mädchen überhaupt zu dem rechten Gedankengut gekommen ist. Man könnte jetzt noch etliche weitere Beispiele anfügen, doch sollte man sich diesen Film ganz einfach selbst ansehen, um meine Sichtweise der Dinge eventuell besser zu verstehen.

Wnendt ist es ganz einfach sensationell gelungen, seiner Geschichte durch einzelne Dialoge und kleine Sequenzen eine ungeheure Aussagekraft zu verleihen, die einen äußerst nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis hinterlässt. Und so werden meiner Meinung nach die von anderen erwähnten Schwächen zu der absoluten Stärke eines Werkes, das ich durchaus als kleines Meisterwerk bezeichnen möchte. Der herausragende Gesamteindruck wird auch noch durch den Aspekt untermauert, das die Geschichte auch trotz aller Härte immer noch genügend Freiraum für schöne Momente lässt. Stellvertretend dafür steht ganz sicher eine Szene am Schluss, als Marisa ihren Blick auf das offene Meer richtet. Wenn man in diesem Moment nur einmal ihre Augen und den gesamten Gesichtsausdruck beobachtet, dann sieht man eine verträumte junge Frau, die im Prinzip charakterlich vollkommen anders gestrickt ist, als einem die vorangegangenen gut 100 Minuten suggeriert haben. Der Schluss-Akkord von "Kriegerin" ist dann sowieso der absolute Höhepunkt eines Werkes, das ganz generell ziemlich stark unter die Haut geht. Doch der am Ende gewählte Kontrast zwischen Schönheit und Brutalität ist dermaßen aufwühlend, das einem schon die Tränen in die Augen treten können. Diese Auffassung wird bestimmt nicht von jedem geteilt, doch mich hat diese deutsche Produktion regelrecht begeistert. Selten hat mich in den letzten Jahren ein Film dermaßen aufgewühlt und die unterschiedlichsten Emotionen in mir hervorgerufen, denn zwischen Wut, totalem Unverständnis und emotional sehr berührenden Passagen wird alles geboten, was man sich nur denken kann.

Letztendlich handelt es sich einmal mehr um einen Film, der die Meinungen sicherlich in zwei Lager spalten wird. Manch einer wird Schwächen erkennen, die aber eigentlich als absolute Stärken angesehen werden sollten. Auf den ersten Blick mag "Kriegerin" eine eher oberflächlich beleuchtete Geschichte über die Neo-Nazi Szene sein, doch bei genauerer Betrachtung offenbart sich ein Geschehen, das man kaum besser hätte in Szene setzen können. Zudem kann man sich über grandioses Schauspiel sämtlicher Akteure freuen, denn bis in die kleinsten Nebenrollen ist dieses Werk perfekt besetzt. Dennoch muss man die Performance von Alina Levshin ganz besonders hervorheben, denn die Darstellung der Marisa hat den Preis als beste weibliche Hauptrolle auch redlich verdient.


Fazit:


Endlich einmal wieder ein deutscher Film der wirklich zu begeistern weiß. Wird man ansonsten eher mit diversen Pseudo-Komödien zugemüllt, so ist mit David Wnendt's Werk ein absolut ambitionierter und in allen Belangen gelungener Beitrag erschienen, den man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Wuchtig, kräftig und extrem emotional präsentiert sich eine Story, die dem Zuschauer merklich unter die Haut geht und auch ihre Spuren hinterlässt.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch DTS 5.1, DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1:2,35 (16:9)
Laufzeit: 102 Minuten
Extras: Making Of, Interviews, Behind the Scenes, Unterrichtsmaterial, Trailer, Trailershow


10/10

Dienstag, 25. September 2012

Motel Massacre









Motel Massacre
(Mountaintop Motel Massacre)
mit Bill Thurman, Anna Chappell, Will Mitchel, Vurginia Londans, Major Brock, James Bradford, Amy Hill, Marian Jones, Gregg Brazzel, Jill King, Rhonda Atwood, Foster Lilton, Linda Blankenship
Regie: Jim McCullough Sr.
Drehbuch: Jim McCullough Jr.
Kamera: Joseph M. Wilcots
Musik: Ron Di Iulio
Ungeprüft
USA / 1983

In einem unheimlichen Bergmotel gehen mysteriöse Dinge vor. Evelyn, die Besitzerin dieses einsamen und abgelegenen Motels, trägt durch ein tragisches Unglück die Schuld am Tod ihrer Tochter Lorri. Nach deren Beerdigung lernt sie, was es bedeutet, nackte Angst zu haben. Die tote Tochter kehrt in einer schauerlichen Geistergestalt zu ihr zurück. Das entsetzliche Erlebnis läßt sich nicht wie ein Alptraum abschütteln: immer grauenvoller und peinigender werden die ständigen Hetzjagden dieser Erscheinung. Langsam verliert Evelyn ihren Verstand und wandelt sich zu einem blutrünstigen Menschenschlächter. Wie praktisch, dass neue Gäste eintreffen...


Die recht reißerische Inhaltsangabe kann hier schon gewisse Erwartungen beim Zuschauer schüren, geht man doch von einem Slasher aus, der ziemlich blutrünstig ausfallen dürfte und zudem auch noch eine spannende Geschichte verspricht. Letztendlich hapert es jedoch ein wenig an der Umsetzung des Ganzen, denn "Motel Massacre" kann die in ihn gesetzten Erwartungen nur teilweise erfüllen. Gerade in der ersten Filmhälfte zieht sich das Geschehen doch arg in die Länge und braucht eine geraume Weile, bis die Ereignisse ein wenig in Fahrt kommen. Doch auch danach gestalten sich die Abläufe nicht sonderlich temporeich und auch der vorhandene Härtegrad bewegt sich in einem extrem überschaubaren Rahmen. Dennoch übt der Film eine gewisse Faszination aus, was sicherlich in der vorhandenen Grundstimmung begründet liegt. Diese kann man ohne Übertreibung als Höhepunkt in einer ansonsten eher lauen Story ansehen, denn rein atmosphärisch weiß das Werk durchaus zu überzeugen.

Das war es dann aber auch schon mit den wirklich positiven Eindrücken, der Rest bewegt sich lediglich im unteren Durchschnitts-Bereich. Nun sollte man bei Horrorfilmen im Allgemeinen nicht unbedingt von Logiklöchern oder unlogischen Verhaltensweisen der Charaktere sprechen, doch was einem hier geboten wird, ist schon etwas zu dick aufgetragen. Einmal ganz davon abgesehen das die Darsteller nicht gerade durch herausragende Leistungen aufwarten, ist ihr Verhalten phasenweise so hanebüchen, das einem die Haare zu Berge stehen. Selbst für einen Horrorfilm wird die Geduld des Zuschauers auf eine harte Probe gestellt und man fragt sich ganz automatisch, ob hier bewusst trashig agiert wird. Meiner Meinung nach ist das jedoch nicht der Fall, denn Regisseur Jim McCullough Sr. scheint schon den Eindruck erwecken zu wollen, das es sich hier um einen ernstgemeinten Genre-Beitrag handelt. Diesen Eindruck kann man allerdings nur bedingt teilen, zu konfus und völlig an den Haaren herbeigezogen erscheinen die Aktionen diverser Charaktere. Trotzdem verleiht insbesondere dieser Aspekt der Geschichte auch einen gewissen Charme, was das gewonnene Gesamtbild dennoch nicht sonderlich aufwertet.

Echte Spannung will auch nicht so richtig aufkommen, zu vorhersehbar sind die Ereignisse. Nun kann es eventuell am offensichtlich geringen Budget des Files liegen das man hier kein besseres Endergebnis in Szene gesetzt hat, doch etliche andere billig produzierte Horrorfilme sind ein eindeutiger Beweis dafür, das man auch mit verhältnismäßig wenig Geld eine ganze Menge bewerkstelligen kann. "Motel Massacre" ist jedoch in die Kategorie Film einzuordnen, die man sich ruhig einmal anschauen kann, die aber auch aufgrund mangelnder Substanz sehr schnell wieder in Vergessenheit geraten und keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Lediglich die äußerst schlechte deutsche Synchronisation wird man nicht so schnell vergessen, zudem erscheinen die Dialoge sehr künstlich und aufgesetzt. An einigen Stellen ist das Ganze dann auch noch asynchron, was doch einen störenden Eindruck hinterlässt.

Letztendlich liegt hier ganz bestimmt kein Meilenstein des Genres vor, denn bis auf einen gewissen Unterhaltungswert und eine gelungene Atmosphäre hat dieses Werk aus den goldenen 80er Jahren recht wenig zu bieten. Schlechte Schauspieler, fehlende Spannung und zu viele unlogische Momente trüben das Seh-Vergnügen doch ganz erheblich. Aus der Geschichte an sich hätte man eine Menge mehr herausholen können, doch scheinbar fehlendes Talent des Regisseurs hat eine bessere Umsetzung verhindert. So muss man sich im Endeffekt mit einem eher unterdurchschnittlichen Film zufrieden geben, den man nicht zwangsläufig gesehen haben muss.


Fazit:


Die eher unfreiwillig trashige Note des Filmes wird eine ganz bestimmte Zielgruppe sicherlich ansprechen, dennoch bekommt man hier nichts Halnes und nichts ganzes geboten. Das gesamte Szenario wirkt irgendwie unrund und lässt doch eine Menge Wünsche offen.


4/10

Sonntag, 23. September 2012

Solomon Kane









Solomon Kane
(Solomon Kane)
mit James Purefoy, Mark O'Neal, Robert Orr, Richard Ryan, Frantisek Deak, Christian Dunckley Clark, Ian Whyte, Thomas McEnchroe, Andrew Whitlaw, Robert Russell, James Babson, Marek Vasut
Regie: Michael J. Bassett
Drehbuch: Michael J. Bassett / Robert E. Howard
Kamera: Dan Laustsen
Musik: Klaus Badelt
FSK 16
Frankreich / Großbritannien / Tschechische Republik / 2009

Solomon Kane, ist ein gefürchteter Soldat des 16. Jahrhunderts, bewaffnet mit einem Arsenal an tödlichen Waffen. Wegen seiner brutalen und grausamen Taten gegen seine Feinde macht Kane schließlich Bekanntschaft mit dem Gesandten des Teufels. Während dieser die dunkle Seele Solomons fordert, entscheidet der sich fortan für ein Leben in Frieden und Gerechtigkeit. Als jedoch eines Tages eine dunkle und zerstörerische Macht Kanes Land bedroht, muss er seinen Schwur des Friedens brechen. Ein letztes Mal zieht er in den Kampf, wohl wissend, dass dieser sein Schicksal und das eines ganzen Volkes für immer verändern wird...


Solomon Kane basiert auf der Figur einer Romanreihe des amerikanischen Autors Robert E. Howard und stellt einen durch etliche Schlachten kampferfahrenen Recken dar, der weder Tod noch Teufel fürchtet. Ob sich diese filmische Umsetzung nahe an den Romanen orientiert mag ich nicht zu beurteilen, da ich die literarische Vorlage nicht kenne, doch der Film ist ein absolut überzeugender Mix aus verschiedenen Genres. In der Hauptsache mit allen Zutaten des Abenteuerfilms ausgestattet, wird die Geschichte zudem noch mit herrlichen Fantasy-Einflüssen und diversen Horror-Elementen angereichert, so das sich für den Zuschauer letztendlich eine wirklich sehenswerte Genre-Kombination ergibt, die von der ersten bis zur letzten Minute erstklassige Unterhaltung bietet. Regisseur Michael J. Bassett hat mit James Purefoy genau den richtigen Darsteller für den Titelhelden gewinnen können, denn man nimmt dem guten Mann die Rolle als gnadenloser Kämpfer jederzeit ab. Seine Performance ist jedoch nur ein einzelner Baustein in diesem erstklassig dargestellten Szenario, das sich der ungeteilten Aufmerksamkeit des Betrachters ganzzeitig gewiss sein kann.

Dafür sorgt allein schon die wirklich spannende Geschichte, die zudem mit einer erstklassigen Grundstimmung ausgestattet ist. Denn in der Welt des Solomon Kane herrscht Hoffnungslosigkeit und Tristesse vor, was durch die wunderbar blass gehaltenen Bilder ganz besonders in den Vordergrund gerückt wird. Es ist eine schmutzige Welt, die dunkel und düster erscheint und in der ständig anhaltender Dauerregen zusätzlich dafür sorgt, das sich die deprimierende Atmosphäre auch auf einen selbst überträgt. Phasenweise fühlt man sich wie von einer zentnerschweren Last erdrückt und kann ein aufkommendes Gefühl der Beklemmung keinesfalls ignorieren. Die Stimmung schlägt einem ziemlich auf das Gemüt und entfaltet gerade durch diesen Aspekt ihre volle Intensität. Passend dazu sind dann auch die beigefügten Horror-Elemente, denn dämonische Kräfte herrschen über das Land und vernichten die Einwohner. Dabei erscheint die Böse Seite der Geschichte fast selbstverständlich in schwarz und unterstützt die bedrohlichen Züge des Filmes ungemein. Der Kampf zwischen Gut und Böse wird ja nun in unzähligen Filmen jeglicher Genres immer wieder gern gezeigt, doch in "Solomon Kane" ist er durch den Einsatz blasser Farbfilter genau so dargestellt, wie man ihn sich immer wieder in der eigenen Fantasie vorstellt.

Hier erscheint das Leben keinesfalls lebenswert, positive Eigenschaften sucht man vergebens und selbst das Wetter in dieser trostlosen Welt lässt keinen einzigen Sonnen-Schimmer erkennen. Einzig und allein Solomon Kane ist die einzige Hoffnung der Menschen und obwohl der kampferprobte Recke dem Kämpfen abgeschworen hat, wird er durch geschickte Manipulation der dämonischen Kräfte zu einer alles entscheidenden Schlacht gezwungen, die zu allem Überfluss auch noch in seinem ehemaligen zu Hause stattfindet. Dieser finale Showdown ist dann im Prinzip auch das Einzige, das man mit etwas negativer Kritik versehen könnte, fällt der finale Endkampf gegen eine überdimensional große Teufelsgestalt doch etwas unspektakulär aus, an dieser Stelle hätte man durchaus etwas mehr bewerkstelligen können. Dies stellt jedoch lediglich ein kleines Manko dar, denn ansonsten ist das Gesamtbild doch absolut überzeugend. Besonders haben mir vor allem die variierenden Tempowechsel innerhalb der Erzählung gefallen, wird man doch einerseits mit einer eher ruhigen-und bedächtigen Erzählweise konfrontiert, um dann andererseits immer wieder mit temporeichen Action-Passagen konfrontiert zu werden, in denen es ordentlich zur Sache geht.

So kann man letztendlich festhalten, das es sich hier um einen in allen Belangen überzeugenden Genre-Mix handelt, der dem Zuschauer jede Menge Abwechslung bietet und zudem noch eine äußerst spannende Geschichte erzählt. Gute Darsteller und eine extrem dichte Grundstimmung runden ein gelungenes Gesamtwerk ab, das man unbedingt gesehen haben sollte. Hier wurde wirklich alles für ein gelungenes Film-Erlebnis getan und das merkt man auch in jeder einzelnen Einstellung. Einige Kritiken im Netz lassen zwar eventuell etwas anderes vermuten, denn so manches Mal kommt dieser tolle Film gar nicht so gut weg. Mir persönlich ist das vollkommen unverständlich, präsentiert sich doch allein schon optisch gesehen eine Welt voller Tristesse, die so dermaßen authentisch erscheint, das man die aufkommende Hoffnungslosigkeit förmlich mit jeder einzelnen Faser des eigenen Körpers spüren kann. So taucht man ganz tief in das Geschehen ein und wird zu einem teil des Kampfes zwischen Gut und Böse, der auch einen nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis hinterlässt.


Fazit:


Mich persönlich hat der Film von Michael J. Bassett (Wilderness) sehr beeindruckt und absolut fasziniert. Die äußerst düstere Inszenierung der Geschichte ist als absoluter Höhepunkt anzusehen, doch auch der gesamte Rest erscheint mehr als nur sehenswert. Abenteuer, Fantasy-und Horror ergeben eine explosive Mixtur, die man sich auch gern mehr als nur einmal anschaut.


8/10

Samstag, 22. September 2012

Excalibur









Excalibur
(Excalibur)
mit Nigel Terry, Helen Mirren, Nicholas Clay, Cherie Lunghi, Paul Geoffrey, Nicol Williamson, Robert Addie, Gabriel Byene, Keith Buckley, Liam Neeson, Patrick Stewart, Clive Swift, Katrine Boorman
Regie: John Boorman
Drehbuch: Thomas Malory / Rospo Pallenberg
Kamera: Alex Thomson
Musik: Trevor Jones
FSK 12
Großbritannien / USA / 1981

Excalibur erzählt vom Aufstieg des jungen König Arthur zum König der Briten, den Heldentaten der Ritter der Tafelrunde auf der Suche nach dem heiligen Gral, von den Betrügereien auf Schloß Camelot und von den Hexenkünsten des Zauberers Merlin. Klirrende Schwerter, blutige Schlachten, schimmernde Rüstungen, dunkle Verliese und bezaubernde Burgfräulein zeigen eine Zeit, in der Ehre, Treue, Mut und Heldentum noch hohe Ideale waren.


Ritterfilme gibt es wie Sand am Meer und nicht gerade wenige davon thematisieren die Legende um den sagenhaften König Arthur und die Ritter der Tafelrunde. Doch kein zweites Werk kommt dabei so düster-und dunkel daher wie John Boorman's "Excalibur". Hier wird auch der Ritterstand nicht mit dem ansonsten üblichen Glanz und Gloria dargestellt, vielmehr entpuppt sich die Geschichte als dunkles Schauermärchen, das einem phasenweise sogar kalte Schauer über den Rücken jagen kann. Trotz seiner mittlerweile über 3 Jahrzehnten auf dem Buckel fasziniert dieser Film immer wieder aufs Neue und zieht den Zuschauer dabei in einen Strudel aus Ritterfilm und einem schaurigen Horrormärchen, das durch seinen sehr starken Fantasy-Einfluss eine wirklich explosive Mischung darstellt, die einen immer wieder in ihren fast schon hypnotischen Bann zieht. Dennoch gibt es genügend Leute, die der Geschichte meiner Meinung nach vollkommen zu Unrecht etliche Schwächen andichten, die sich aber nach genauer Betrachtung nicht wirklich erkennen lassen. Wenn es überhaupt etwas zu beanstanden gibt dann ist es sicherlich der Aspekt, das der Erzählfluss der Ereignisse durch einige immense Zeitsprünge ein wenig ins Stocken gerät. Nicht selten kommt es nämlich vor, das von einer Szene zur anderen etliche Jahre vergehen, wodurch das Gesamtbild sicherlich ein wenig getrübt wird. Die Erzählung erscheint dadurch ein ums andere Mal ein wenig holprig und unausgegoren, doch eine ausführlichere Schilderung hätte aus diesem Projekt ganz sicher ein undurchführbares Mammut-Programm gemacht, das man wohl kaum hätte realisieren können.

Zudem sind die wichtigsten Ereignisse der Legende alle vorhanden und im Gegensatz zu anderen Verfilmungen hält hier auch der übernatürliche Aspekt Einzug. So wird beispielsweise der Figur des Zauberers Merlin sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt, was dem Gesamtbild des Filmes sehr gut zu Gesicht steht. Dafür wurde andererseits auf unnötigen Prunk verzichtet, denn lediglich die Bilder des Raumes in dem sich die Tafelrunde einfindet sorgen für ein wenig Glanz in diesem ansonsten sehr rauen Szenario. Ganz generell lebt die Geschichte hauptsächlich von ihren grandiosen Bild-Kompositionen, die eine ungeheure Intensität auf den Betrachter ausüben. Gleichzeitig erscheint das Ganze sehr authentisch und glaubhaft, denn so wie es hier dargestellt wird, kann man sich das dunkle Zeitalter wirklich äußerst gut vorstellen. Kein unnötiger Pomp und keine Ritter, die lediglich oberflächlich als unfehlbare Edelmänner dargestellt werden. Hier hat jeder einzelne Charakter seine Stärken, doch auch die nur zu menschlichen Schwächen werden wunderbar herausgearbeitet. Das gesamte Werk wirkt dabei keinesfalls wie einer der üblichen Hollywood-Blockbuster, was allein schon durch die extrem dunklen Einflüsse der vorherrschenden übernatürlichen Elemente verhindert wird. Ein überwiegender Teil der Geschichte ist nämlich bewusst schaurig-und düster gehalten, in diversen Passagen meint man sogar dezente Horror-Einflüsse erkennen zu können.

Das alles zusammengenommen hebt "Excalibur" ganz entschieden von anderen Genre-Vertretern ab und räumt ihm eine absolut einzigartige Stellung ein. Das Schwert selbst steht dabei selbstverständlich die gesamte Zeit über im absoluten Mittelpunkt und entscheidet über Wohlstand oder Elend eines ganzen Königreiches. Ich kann mich an keinen anderen Film mit dieser Thematik erinnern, der diese Sichtweise so eindrucksvoll in den Vordergrund rückt und dabei eine solch absolut hypnotische Story um eine Waffe aufbaut, die als Schicksal für ein ganzes Volk steht. Einen ganz großen Anteil am guten Gesamteindruck haben hier auch die großartigen Schauspieler, bis in die kleinsten Nebenrollen ist der Film absolut perfekt besetzt. Heutige Superstars wie Gabriel Byrne, Helen Mirren oder auch Liam Neeson geben sich in eher kleineren Nebenrollen die Ehre und agieren ebenso fantastisch wie die Hauptdarsteller. An dieser Stelle möchte ich ganz besonders Nigel Terry in der Rolle des König Arthur und Nicol Williamson als Merlin erwähnen, die dem Film durch ihre brillante Performance ihren ganz eigenen Stempel aufdrücken. Man müsste also eigentlich erkennen, das die positiven Eindrücke ganz eindeutig überwiegen und dieses Werk zu einem fantastischen Film-Erlebnis machen. Die düstere Grundstimmung, jede Menge fantastische Kämpfe und kraftvolle Bilder stehen einer manchmal etwas stockenden Erzählweise gegenüber, die man letztendlich wohl nur durch eine weit längere Laufzeit hätte vermeiden können.

Insgesamt gesehen ist "Excalibur" im Bezug auf die vorhandene Thematik immer noch das Beste, was die große Filmwelt zu bieten hat. Die hier gefundene Mixtur aus Ritterfilm und übernatürlichen Elementen ist dabei die ganz große Stärke und beinhaltet irgend etwas Magisches, das man nur schwerlich in Worte fassen kann. Man muss diesen Film selbst gesehen haben, um diese Emotionen nachvollziehen zu können, die eigentlich die ganze Zeit über wie eine zentnerschwere last auf den Schultern des Zuschauers liegen und dabei auch durchaus ein beklemmendes Gefühl auslösen, das man beim besten Willen nicht abstreifen kann. Großartige-und ausdrucksstarke Bilder, fantastische Landschaftsaufnahmen und eine in etlichen Passagen regelrechte Grusel-Atmosphäre lassen die Grenzen zwischen Realität-und Fantasy nicht nur einmal verschwimmen und entführen einen in eine Art Horror-Märchen mit einem nicht zu verachtenden Anteil des Ritterfilms.


Fazit:


Düster, rau und übernatürlich, all diese Beschreibungen treffen auf "Excalibur" zu. Hinzu kommt auch noch der Punkt, das hier für eine 12er Freigabe ein erstaunlicher Härtegrad vorhanden ist, der so manch weitaus höher eingestuftem Film alle Ehre machen würde. Für mich persönlich handelt es sich hier um das Beste, was je zur Legende des König Arthur und seiner Tafelrunde verfilmt wurde. Wer diesen grandiosen Film noch nie gesehen hat, sollte diesen Zustand unbedingt ändern, denn auch nach über 30 Jahren hat das Werk rein gar nichts von seiner einzigartigen Faszination eingebüßt.


9/10

Freitag, 21. September 2012

Last Bullet - Showdown der Auftragskiller









Last Bullet - Showdown der Auftragskiller
(One in the Chamber)
mit Dolph Lundgren, Cuba Gooding Jr., Claudia Bassols, Billy Murray, Louis Mandylor, Leo Gregory, Lia Sinchevici, Andrew Bicknell, Patricia Poienaru, Aaaron McPherson, Alexandra Murarus, Arin Panc, Zane Jarcu
Regie: William Kaufman
Drehbuch: Banjamin Sharabani / Derek Kolstad
Kamera: Mark Rutledge
Musik: John Roome
Keine Jugendfreigabe
USA / 2012

Das Geschäft läuft gut für den eiskalten Auftragskiller Ray (Cuba Gooding Jr.), da rivalisierende Gangs versuchen, die Gewalt in der Stadt an sich zu reißen. Als er jedoch eines dieser Auftragsziele verfehlt, ruft er den Zorn der Russenmafia in Form von Attentäter Aleksey „The Wolf“ (Dolph Lundgren) hervor. Getreu seinem Kodex, spürt der Profikiller Ray auf und entdeckt, warum dieser so viel Zeit in der Stadt verbracht hat. Der Grund ist die attraktive Janice (Claudia Bassols), dessen Vater Ray vor Jahren umbringen musste und die er seitdem still und heimlich bewacht und vor weiterem Unheil zu beschützen versucht. Doch genau das macht sie unweigerlich zu einem bedeutenden Puzzleteil im bevorstehenden, explosiven Showdown der beiden Auftragskiller …


Sicherlich haben Cuba Gooding Jr. und auch Dolph Lundgren schon bessere Zeiten gesehen, wobei die wirklich guten Filme der beiden Darsteller schon etwas länger zurückliegen. Umso überraschter ist der Zuschauer dann auch nach der Sichtung des vorliegenden B-Actioners, der meiner Meinung nach wieder an die besseren Zeiten anknüpfen kann. Jede Menge gut in Szene gesetzter Action-Passagen und eine phasenweise sogar etwas tiefer gehende Geschichte sorgen hier für eine Menge Kurzweil und auch das Schauspiel der beiden Haupt-Charaktere kann sich durchaus sehen lassen. Dabei stehen die beiden Hauptdarsteller ganz eindeutig im Focus des Geschehens, wobei der restliche Cast zumeist nicht über den Status eher kleinerer Nebenrollen hinauskommt. Insbesondere Dolph Lundgren weiß hier durch eine starke Performance zu überzeugen und ist gleichzeitig für einen herrlich humorigen Anstrich des Geschehens verantwortlich, das dadurch trotz aller Ernsthaftigkeit extrem cool-und lässig erscheint. So wirkt der alte Schwede in seiner optischen Erscheinung keinesfalls wie ein eiskalter Auftragskiller, sondern hinterlässt vielmehr den Eindruck eines ziemlich durchgeknallten Typen, der Wert auf schrille Klamotten legt und dessen wichtigstes Utensil sein kleiner Hund ist, der eigentlich immer an seiner Seite weilt.

Doch trotz des vorhandenen Humors und der stellenweise recht witzigen Dialoge geht es hier eher hart-und kompromisslos zur Sache, 2 in Prag ansässige russische Verbrecher-Familien bekriegen sich gegenseitig und nehmen dabei die Dienste der beiden Auftragskiller in Anspruch, um sich gegenseitig auszulöschen. Dabei kommt es durchaus zu diversen Verwirrungen, denn vor allem Ray (Cuba Gooding Jr.) wechselt während der Geschichte die Auftraggeber und tötet so für beide Seiten. Das er dabei dann selbst in Bedrängnis gerät und ausgeschaltet werden soll versteht sich dabei fast von selbst und so ist es lediglich eine Frage der Zeit, bis er auf seinen Konkurrenten Aleksey (Dolph Lundgren) trifft. Die Begegnung verläuft jedoch vollkommen anders als erwartet, wodurch die Geschichte an sich dann auch eine Wendung nimmt, die man nicht unbedingt vorhersehen konnte. So warten die Ereignisse dann auch mit einigen kleineren Überraschungsmomenten auf, was dem Gesamtbild auf jeden Fall sehr zuträglich ist.

In einem Neben-Erzählstrang erfährt man dann auch noch eine Menge über die "Beziehung" zwischen Ray und der jungen Janice (Claudia Bassols), durch die der Killer immer wieder mit den Schatten seiner Vergangenheit konfrontiert wird. In diesem Teil des Filmes erfährt das Szenario sogar ein wenig inhaltliche Tiefe und erscheint an diversen Stellen auch recht emotional. Das Ganze wirkt jedoch zu keiner Zeit kitschig oder zu dick aufgetragen, viel eher zieht ein menschlicher Aspekt in die Geschichte ein, den man so nicht unbedingt erwarten konnte. Dennoch steht selbstverständlich die Action im Vordergrund und in dieser Beziehung hat Regisseur William Kaufman wirklich gute Arbeit geleistet. So bekommt der Zuschauer etliche sehenswerte Schießereien geboten und auch diverse Nahkämpfe wurden äußerst gut in Szene gesetzt. Der geneigte Fan kommt hier also voll auf seine Kosten und kann sich über mangelnde Abwechslung nun wirklich nicht beklagen.

Insgesamt gesehen ist "Last Bullet" sicherlich kein Überflieger, aber auf jeden Fall ein absolut sehenswerter B-Actioner, der die Zeit wie im Flug vergehen lässt. Insbesondere das Schauspiel von Dolph Lundgren ist meiner Meinung nach ein absoluter Höhepunkt eines Filmes, den man als überdurchschnittlich gut einstufen kann. Eine gute Geschichte, sehr gut agierende Hauptdarsteller, etliche gut anzusehende Action-Passagen und herrlich lässiger Humor ergeben im Endeffekt ein äußerst unterhaltsames Gesamtwerk, das man bedenkenlos weiterempfehlen kann.


Fazit:


"Last Bullet" ist ein absolut gelungener B-Movie, der dem Betrachter auch eine Seite von Dolph Lundgren zeigt, die man bisher eigentlich weniger kannte. War bisher doch immer sein stoischer Gesichtsausdruck und seine Kampfkunst als Markenzeichen auszumachen, so entdeckt man hier eine humorige Seite an dem Darsteller, die ihm sehr gut zu Gesicht steht. So offenbart sich letztendlich ein sehr kurzweiliges Film-Vergnügen, das man keinesfalls verpassen sollte.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch / Niederländisch
Bild: 1,78:1 (16:9)
Laufzeit: 88 Minuten


7/10

Dienstag, 18. September 2012

Straw Dogs (Original)









Straw Dogs - Wer Gewalt sät
(Straw Dogs)
mit Dustin Hoffman, Susan George, Peter Vaughan, T.P McKenna, Del Henney, Jim Norton, Donald Webster, Ken Hutchison, Len Jones, Sally Thomsett, Robert Keegan, Peter Ame, Cherina Schaer, Colin Welland
Regie: Sam Peckinpah
Drehbuch: David Zelag Goodman / Sam Peckinpah
Kamera: John Coquillon
Musik: Jerry Fielding
FSK 16
Großbritannien / USA / 1971

David ist Mathematiker. Ein kühler Kopf. Aber damit hat er nicht gerechnet: In dem idyllischen Dorf, in dem er Ruhe und Frieden suchte, wird seine Familie zum Opfer von Terror und Haß. Die Bewohner demütigen ihn Tag für Tag. Seine Frau wird vergewaltigt. Als David einen geisteskranken Mörder vor der Lynchjustiz retten will, rottet sich der blutgierige Mob vor seinem Haus zusammen. Die Wut der Verzweiflung treibt den nüchternen Rechner in einen Blutrausch


Aufgrund der knappen Inhaltsangabe könnte man sehr schnell auf den Gedanken kommen, das Sam Peckinpah's Meisterwerk "Straw Dogs" ein stinknormaler Rape and Revenge Film ist, der sein Hauptaugenmerk weniger auf eine inhaltsvolle Geschichte, sondern vielmehr auf einen hoch angesiedelten Härtegrad legt. Mit sämtlichen dieser Vermutungen liegt man jedoch ziemlich daneben, offenbart sich doch eine Gesellschafts-Studie, die man wohl kaum besser hätte in Szene setzen können. Der für seine unangenehm berührenden Filme bekannte Regisseur legt dabei sehr viel Wert auf eine eher ruhige Erzähl-Struktur und vermittelt dem Zuschauer dabei einen teils beschaulichen Eindruck, spielt die Geschichte doch in einem kleinen Dorf in England das fast schon jenseits der modernen Zivilisation angesiedelt ist. Hier scheint die Welt noch in Ordnung, doch dieser Eindruck trügt ganz gewaltig. Denn obwohl in der ersten Stunde eigentlich nicht wirklich etwas Wesentliches passiert, hat Peckinpah seinem Werk von der ersten Minute an eine sehr beklemmende Grundstimmung verpasst, die sich hauptsächlich in Kleinigkeiten zu erkennen gibt. Schon in der Eröffnungs-Passage wird ziemlich offensichtlich, das zwischen einigen Männern des Dorfes und David's Frau Amy ein angespanntes Verhältnis besteht, das eindeutig in einer gemeinsamen Vergangenheit begründet liegt. Es entsteht sofort eine knisternde Spannung und dem Zuschauer ist auf der Stelle klar, das dem Ganzen eine ungeheure Aggression beiwohnt, die im Laufe der Zeit immer stärker zum Ausdruck kommen soll. Zwar sind in diesem Moment die wirklichen Ausmaße noch nicht zu erkennen, doch von Beginn hängt den Geschehnissen etwas sehr Unheilvolles und Bedrohliches bei, das man zunächst noch nicht richtig greifen kann.

Es ist insbesondere der wohl dosierte Spannungsaufbau der einem hier sichtlich zu schaffen macht, denn Peckinpah lässt die Aggressionen und die Gewaltspirale lange Zeit eher unterschwellig köcheln, um dann im letzten Drittel des Filmes eine Eskalation in Szene zu setzen, die einen mit der Wucht eines Keulenschlages in die Eingeweide trifft. Und obwohl man im Prinzip die ganze Zeit über auf eine Explosion der aufgestauten Gefühle wartet, ist die eskalierende Gewalt letztendlich so roh und brutal, das man eine geraume Zeit braucht, um das Gesehene so richtig zu verdauen. An dieser Stelle sollte man dann auch Hauptdarsteller Dustin Hoffman erwähnen, dessen Performance als ruhiger und nüchterner Mathematiker eine einzige Augenweide ist. Denn vor allem seine charakterliche Veränderung zum Ende hin ist geradezu schockierend, verwandelt sich der junge und sehr besonnene Mann in eine reißende Bestie, die in einen regelrechten Blutrausch gerät. Hier liegt wirklich ein außerordentlich gutes Beispiel für herausragendes Schauspiel vor, das man ja von Hoffman eigentlich aus allen seinen Filmen her kennt. Erschreckend für den Betrachter ist dabei die wie vollkommen normal erscheinende Berechenbarkeit, mit der er sich seiner Gegner erledigt. Selbst in einer schier aussichtslosen Situation bleibt die Hauptfigur immer kühl und geht bei seinen Handlungen mit einer fast schon mathematischen Nüchternheit an die Sache heran und schafft es dabei auch noch absolut authentisch und glaubhaft zu erscheinen.

Was mich an diesem Film am meisten fasziniert hat ist der Aspekt, das hier keineswegs ein gnadenloser Rachefeldzug für die Vergewaltigung an seiner Frau vorliegt, was man aufgrund der Inhaltsangabe durchaus vermuten könnte. An dieser Stelle haben die Macher nämlich einen Neben-Erzählstrang eingebaut, der das ganze in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt. David weiß überhaupt nichts von den Geschehnissen, die seiner Angetrauten widerfahren sind, sondern versucht ganz einfach, einen Fremden vor dem wütenden Mob zu retten. An dieser Stelle wird es meiner Meinung nach schon ziemlich makaber, denn erstens handelt es sich um einen Mörder und zweitens bestraft David unwissend die Peiniger seiner Frau, die aber auch ihn schon die ganze Zeit über mit Kleinigkeiten gedemütigt hatten. Dabei rückt auch der Aspekt scheinbarer Feigheit in den Vordergrund, denn Amy hatte ihren Mann schon viel früher darum gebeten, etwas gegen die Männer zu unternehmen, die ihr teils schwer beschädigtes Anwesen renoviert haben. Seine nüchterne und zurückhaltende Art im Bezug auf diesen Wunsch erscheint dem Zuschauer wirklich phasenweise wie die pure Feigheit, weshalb auch die zum Ende hin auftretende Charakter-Änderung umso intensiver auf einen einwirkt. Sam Peckinpah hat vor allem diese Gegensätze absolut hervorragend ins Bild gesetzt, was es einem auch streckenweise sehr schwer macht, das Gesehene überhaupt zu ertragen. So wird man nicht nur einmal an die eigenen Grenzen geführt und hat auch des Öfteren mit den eigenen moralischen Werten zu kämpfen. Hinzu kommt auch noch die schier brachiale Gewalt die im letzten Drittel zum Vorschein kommt, denn ist man zuvor lediglich mit der Zuspitzung der immer dichter werdenden Atmosphäre konfrontiert worden, so ist es von einer Minute zur anderen vorbei mit unterschwellig aufkeimender Gewalt. Die bis hierhin köchelnden und aufgestauten Emotionen erfahren eine Eskalation von Brutalität und Gewalt, die einen förmlich aus dem Sessel haut. Dabei sind es gar nicht einmal literweise Blut und etliche explizite Gewaltdarstellungen, sondern vielmehr die Summe aus allem zusammen, die den Betrachter hier das Fürchten lehren. Und obwohl man sich selbst die ganze Laufzeit über innerlich auf einen spektakulären Showdown vorbereiten wollte, trifft einen das Szenario fast unvorbereitet. Man kann noch so sehr auf diverse Dinge eingestellt sein, doch wenn sie dann wirklich mit einer solch ungeheuren Wucht auf einen einschlagen, ist das etwas vollkommen anderes.

Zu meiner absoluten Schande muss ich eingestehen, das mir dieses Meisterwerk bisher vollkommen unbekannt war. Die nun erfolgte erste Sichtung ist jedoch als eines der intensivsten und härtesten Film-Erlebnisse zu bezeichnen, die mir je vergönnt waren. Und selbst nach nunmehr über 40 Jahren hat dieses Werk anscheinend gar nichts von seiner brutalen Faszination verloren, denn streckenweise sitzt man wirklich mit geöffnetem Mund vor dem heimischen Bildschirm und kann kaum glauben, was man dort gerade gesehen hat. "Straw Dogs" ist ein in allen Belangen absolut zeitloser Klassiker, der einem so richtig unter die Haut geht und zudem einen extrem nachhaltigen Eindruck hinterlässt. Grandiose Darsteller und ein alles überragender Dustin Hoffman sind allein schon ein Grund, sich diesen außergewöhnlich beeindruckenden Film anzuschauen. Doch auch ansonsten eröffnet sich ein Gesamt-Paket, das rundum stimmig daher kommt.


Fazit:


Auch in der heutigen Zeit kann man "Straw Dogs" immer noch als hartes und brutales Meisterwerk bezeichnen. Spielt sich in der ersten Stunde noch Vieles im Kopf des Betrachters ab, so bekommt man danach Geschehnisse präsentiert, die brachial und absolut kompromisslos in Szene gesetzt wurden. Ich bin jetzt schon auf die Sichtung des kürzlich erschienenen Remakes gespannt, das es jedoch extrem schwer haben dürfte, an das Original heranzukommen.


10/10

Sonntag, 16. September 2012

Kinder des Zorns: Genesis









Kinder des Zorns: Genesis - Der Anfang
(Children of the Corn: Genesis)
mit J.J Banicki, Dusty Burwell, Kai Caster, Billy Drago, Kelen Coleman, Barbara Nedeljakova, Tim Rock, Derek Joe Talsma, Duane Whitaker
Regie: Joel Soisson
Drehbuch: Joel Soisson
Kamera: Alexandre Lehmann
Musik: Jacob Joffee
FSK 16
USA / 2011

Nachdem ihr Auto in der Wüste den Geist aufgibt, fliehen Tim und Allie in ein entlegenes Refugium, in dem sie von Preacher und seiner Frau Oksana empfangen werden. Sie sollen sich auf keinesfalls außerhalb der ihnen zugewiesenen Räume bewegen. Als aber Schmerzensschreie aus den Randgebäuden nicht länger zu leugnen sind, macht sich Allie trotz des Verbots auf die Suche nach ihrer Quelle. Sie entdeckt, dass sie sich in den Fängen eines Kults befinden, der einer Gottheit huldigt, die sich im Körper eines Jungen befinden soll.


Fast 30 Jahre ist es nun her, das die Kurzgeschichte von Stephen King ihre erste Verfilmung erfuhr und wohl kaum einer hätte damals gedacht, das daraus eine der größten Horrorfilm-Reihen entstehen sollte. Nimmt man einmal die TV-Neuverfilmung von 2009 heraus, handelt es sich mittlerweile um den achten Teil der Saga um die mordenden Kinder und ehrlich gesagt ist der Film gar nicht einmal so schlecht geraten. Das Geschehen spielt sich in einer wüsten-ähnlichen Landschaft in Californien ab und man hat stellenweise wirklich das Gefühl, sich hier weit abseits jeglicher Zivilisation zu befinden. Das sorgt von Beginn an für eine herrlich dichte Grundstimmung, die im Laufe der Zeit sogar gruselige Züge erkennen lässt. Das liegt hauptsächlich an Billy Drago, der hier in der Rolle eines mysteriösen Predigers zu sehen ist und durch sein merkwürdiges Verhalten für so manchen Gänsehaut-Schauer sorgen kann.

Die Geschichte beinhaltet im Prinzip keine großartigen Action-Momente und auch im Bezug auf Härte sollte man bei einer 16er Freigabe keine großen Erwartungen haben. Dafür lebt das Geschehen ganz eindeutig von etlichen geheimnisvollen Momenten, die in stattlicher Anzahl vorhanden sind. Hinzu kommt ein durchaus gelungener Spannungsaufbau, der den Zuschauer sehr gut an die Ereignisse bindet. Dennoch verläuft das Ganze einigermaßen vorhersehbar, denn wenn man die Film-Reihe die ganzen Jahre über verfolgt hat, offenbaren sich nicht gerade geniale Neuerungen. Dennoch beinhaltet die Story einige sehr gute Ansätze, die man jedoch insgesamt gesehen noch weitaus besser hätte herausarbeiten können. Wirkliche Höhepunkte sollte man nicht erwarten, doch gerade für Fans der Reihe dürfte dieses Werk durchaus interessant sein.

Auch im darstellerischen Bereich gibt es nichts zu bemängeln, das Schauspiel ist äußerst solide und insbesondere die Performance von Billy Drago kann man schon als kleines Highlight ansehen. Seine gruselige Ausstrahlung ist die perfekte Ergänzung zur von Haus aus sehr dichten Atmosphäre des Filmes und verleiht dem Ganzen auch streckenweise etwas sehr Bedrohliches. Davon lebt auch das gesamte Szenario, dessen ruhige Erzählweise zudem eine gewisse Intensität erzeugt, die sich auch auf den Zuschauer überträgt. Und so kann man durchaus feststellen, das "Kinder des Zorns: Genesis - Der Anfang" auf jeden Fall ein sehenswerter Beitrag der Film-Reihe ist, auch wenn man nichts sonderlich Spektakuläres erwarten sollte.


Fazit:


Mir persönlich hat dieser Teil recht gut gefallen, denn ich bin ein bekennender Fan der "Kinder des Zorns". Und auch wenn der Film sicherlich kein Meisterwerk ist, sollte man ihn sich ruhig einmal zu Gemüte führen. Spannende-und kurzweilige Unterhaltung bekommt man allemal geboten, denn bei einer laufzeit von gerade einmal knapp 78 Minuten entstehen keinerlei Längen.


Die DVD:

Vertrieb: Sunfilm
Sprache / Ton: Deutsch DTS 5.1, Deutsch DD 5.1 / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,85:1 (16:9)
Laufzeit: 78 Minuten
Extras: Trailer


6/10

Samstag, 15. September 2012

Racket









Racket
(Il Grande Racket)
mit Fabio Testi, Vincent Gardenia, Renzo Palmer, Orso Maria Guerrini, Glauco Onorato, Marcella Michelangeli, Romano Puppo, Antonio Marsina, Salvatore Borghese, Joshua Sinclair, Daniele Dublino, Anna Zimmermann,
Regie: Enzo G. Castellari
Drehbuch: Enzo G. Castellari / Massimo De Rita
Kamera: Marcello Masciocchi
Musik: Guido De Angelis / Maurizio De Angelis
Ungeprüft
Italien / 1976

Nico Palmieri (Fabio Testi), Inspektor bei der Polizei in Rom, kämpft aufopferungsvoll unter Einhaltung aller Gesetze gegen die Schutzgelderpresser der Mafia. Da eben diese Gesetze ihm immer wieder einen Strich durch die Rechnung machen und die Delikte sich mittlerweile auf Mord, Vergewaltigung und Drogen ausweiten, wirft er das Gesetzbuch weg und regelt die Angelegenheit auf seine Art und Weise. Gemeinsam mit den Opfern bildet er eine schlagfertige Truppe, die die Gangster ein für alle Mal eliminieren will...


"Il Grande Racket", wie der Film von Enzo G. Castellari heisst, ist meiner Meinung nach mit das Beste, was man unter den italienischen Policiesco-Filmen finden kann. Knallhart und kompromisslos wurde hier eine exzellente Geschichte äusserst spannend und sehr atmosphärisch in Szene gesetzt und zudem noch mit einem Actionanteil versehen, der sich gewaschen hat. Dabei lässt der Plot von Beginn an keinerlei Zweifel daran, das es größtenteils sehr actionlastig zur Sache geht, das Geschehen aber zu keiner Zeit in blinden Aktionismus verfällt. Castellari ist es hervorragend gelungen, die eigentliche Thematik des Filmes niemals ausser acht zu lassen und schafft es dabei perfekt, besonders die vollkommene Hilflosigkeit der Polizei in den Vordergrund zu rücken, der durch Gesetzesvorgaben die Hände im Kampf gegen eine Verbrecherorganisation gebunden sind. Besonders zu spüren bekommt das immer wieder Inspektor Palmieri, der trotz größter Bemühungen nichts gegen die Schutzgelderpresser unternehmen kann. Ganz egal, ob er mit legalen oder manchmal auch illegalen Mitteln gegen sie vorgeht, immer wieder gelingt es den sehr gut organisierten Verbrechern den Hals aus der Schlinge zu ziehen. Zudem sind die Gangster auch keineswegs zimperlich in der Wahl ihrer Mittel, so das die Einschüchterungsversuche bei ihren Opfern durchaus Wirkung zeigen, denn kein Betroffener will eine Aussage machen.

Im Prinzip hört sich die Geschichte eigentlich recht banal an und es handelt sich auch um keine Thematik, die man nicht schon oft genug in einem Film gesehen hätte, doch in vorliegendem Fall sind sämtliche Komponenten so gut aufeinander abgestimmt, das es der Zuschauer mit einem in wirklich allen Belangen sehr überzeugendem Gesamtpaket zu tun bekommt, dessen Unterhaltungswert schwerlich zu überbieten ist. Dabei handelt es sich aber bei weitem nicht nur um seichte Unterhaltung, denn "Racket" geht auch insbesondere im Bezug auf die vorhandenen Mafia-Strukturen ziemlich in die Tiefe, so bekommt man im Laufe der Zeit einen äusserst guten Eindruck über die Hirarchie in der Organisation und muss auch den zu Beginn des Filmes gewonnenen Eindruck revidieren, das es sich lediglich um ein paar Schutzgelderpresser handelt, die lediglich einem Boss unterstehen. Denn die Organisation ist weitaus größer und hat ihre Finger in so ziemlich allen Verbrechens-Sparten, die man sich so vorstellen kann. Diese Zusammenhänge ergeben sich allerdings erst in der zweiten Filmhälfte, die ihren absoluten Höhepunkt aber in ihrem furiosen und actiongeladenen Showdown hat, den man nicht besser hätte in Szene setzen können. Dem geneigten Action-Fan wird hier das Herz im Leibe in ungeahnten Höhen schlagen, geht es doch so richtig rund und das auch noch auf einem qualitativ äusserst hohem Niveau.

Und dabei ist doch eigentlich die gesamte Laufzeit über wirklich schon genug los, es gibt etliche Schießereien und Schlägereien zu sehen und nie überkommt den Zuschauer dabei das Gefühl, das es sich um stupide Prügel-Action handeln würde. Castellari hat seiner Geschichte in jeder Beziehung sehr viel Stil und Niveau verliehen, so das sich "Racket" wirklich von vielen anderen Genre-Vertretern äusserst wohlwollend abhebt. Hier kommt ein jeder auf seine Kosten, sei es nun der reine Action-Liebhaber oder der Freund nieveauvoller Filmkost, denn beide Dinge ergänzen sich ganz hervorragend. Zudem ist der Film auch noch mit einem ganz ausgezeichneten Darsteller-Ensemble ausgestattet, denn die Story ist bis in die kleinsten Nebenrollen absolut perfekt besetzt. Auch wenn sämtliche Schauspieler einen richtig guten Job abliefern, muss man Fabio Testi in der Rolle des Inspektor Palmieri ganz besonders hervorheben, denn er verleiht dem von ihm dargestellten Charakter enorm viel Glaubwürdigkeit und Authenzität. Ist er einerseits der knallharte Inspektoe, so lässt ihm die Rolle auch genügend Freiraum für echte Emotionen und sehr menschliche Regungen, die den gewonnenen Gesamteindruck des Werkes noch zusätzlich unterstreichen und hervorheben.

Insgesamt kann man hier nur von einem absolut gelungenen Film sprechen, der bei weitem nicht nur durch die etlichen Action-Passagen zu überzeugen weiss. Eine erstklassige Geschichte, ein exzellenter Spannungsaufbau, erstklassig agierende Darsteller und eine herausragende Atmosphäre sind die idealen Zutaten für einen aussergewöhnlich guten Film, den "Racket" ganz sicher darstellt. Wenn man vielleicht auch bisher kein großer Fan des italienischen Kinos gewesen sein solte, so kann sich das nach der Sichtung dieses Filmes durchaus ändern, denn das Werk von Enzo G. Castellari zählt meiner bescheidenen Meinung nach zum Besten, was das Cinema Italiano zu bieten hat.


Fazit:


Auch wenn dieser Film mittlerweile schon über drei Jahrzehnte auf dem Buckel hat, versprüht er immer noch die gleiche Faszination und Intensität wie zur damaligen Zeit. Die perfekte Mixtur aus Polizei-Thriller und knallhartem Actionfilm sorgt hier für ein nahezu brillantes Sehvergnügen, an dem man seine helle Freude hat. Dabei ist es vollkommen egal, ob man lediglich tolle Action sehen will, oder ob man zu den Menschen gehört, die eine interessante Geschichte bevorzugen. Jeder wird bestens bedient, so das man für diesen Film nur eine absolute Empfehlung aussprechen kann.


9/10

Donnerstag, 13. September 2012

Alyce - Außer Kontrolle









Alyce - Außer Kontrolle
(Alyce)
mit Jade Dornfeld, Tamara Feldman, James Duval, Eddie Rouse, Larry Cedar, Yorgo Constantine, Megan Gallagher, Rena Owen, Tracey Walter, Bret Roberts, Max Williams, Whitney Anderson
Regie: Jay Lee
Drehbuch: Jay Lee
Kamera: Jay Lee
Musik: Billy WhiteAcre
Keine Jugendfreigabe
USA / 2011


Nach einer Partynacht im Drogenrausch stößt Alyce (Jade Dornfeld) unabsichtlich ihre beste Freundin Carrol (Tamara Feldman aus HATCHET) vom Hausdach. Zwar überlebt Carrol mit schwersten Verletzungen aber kann nicht mehr sprechen. Fortan wird Alyce von schrecklichen Schuldgefühlen und bizarren Visionen heimgesucht. Sie flüchtet sich in eine Welt aus Sex, Drogen und Gewalt und verliert jeglichen Boden unter ihren Füßen: Gefangen in einem düsteren Wahn, beginnt Alyce zu töten und von Mal zu Mal scheint es ihr mehr Spaß zu machen. Sie hinterlässt ein grausame blutige Spur.


Was soll man zu einem Film sagen, in dem einmal mehr eine Menge an Potential verschenkt wurde, sa das man als Zuschauer letztendlich doch mit einem äußerst zwiespältigem und eher unbefriedigendem Gefühl zurückgelassen wird. So ergeht es einem bei "Alyce - Außer Kontrolle", der einem als knallharter Horror-Thriller angekündigt wird, im Endeffekt aber doch viel eher eine gewöhnungsbedürftige Mischung aus Drama-und Thriller darstellt. Bei einer Laufzeit von gut 90 Minuten werden dabei auch noch gut 75 Minuten regelrecht verschenkt, indem Regisseur Jay Lee (Zombie Strippers) seine Geschichte mit streckenweise ziemlich wirren Bildschnitten angereichert hat, die einem die eigentliche Thematik des Filmes nicht unbedingt sehr nahe gebracht wird. Schuldgefühle durch Drogen zu verarbeiten ist dabei nicht unbedingt ein innovativer Theman-Ansatz, haben doch etliche Filme der vergangenen Jahre eindrucksvoll unter Beweis gestellt, das am Ende selten etwas Gescheites dabei herauskommt, da die Macher anscheinend nicht wirklich dazu in der Lage sind, sich mit dem Thema wirklich eindringlich auseinanderzusetzen.

Jay Lee macht da leider keine Ausnahme, versucht seinem Werk aber zumindest etwas Pep zu verleihen, indem er immer wieder schwarzhumorige Elemente eingebaut hat, die sich insbesondere in einigen Dialogen erkennen lassen. Besonders hervorstechend ist hierbei der recht gelungene Showdown des Geschehens, in dem vor allem Hauotdarstellerin Jade Dornfeld eine gute Performance an den Tag legt, was im Endeffekt eine kleine Entschädigung für die zuvor herrschende Langeweile ist, die doch in etlichen Passagen stark zum Ausdruck kommt. So ist es beispielsweise auch kaum nachzuvollziehen, das der Betrachter über eine Stunde lang eher wirre und teils unzusammenhängende Bilder zu sehen bekommt, die im wahrsten Sinne des Wortes wie ein schlechter Trip erscheinen. Nun könnte man zwar argumentieren, das dadurch der Drogen-Absturz der jungen Alyce besonders gut zum Ausdruck kommt, doch ehrlich gesagt wäre an dieser Stelle etwas weniger weitaus mehr gewesen. Phasenweise ist es nämlich schon fast etwas ermüdend den streckenweise bizarren Bildern zu folgen, die wie Video-Clips aneinandergereiht sind und einem manchmal schon in den Augen schmerzen.

Auch die Story an sich verliert dadurch etwas an Struktur, was man durchaus hätte vermeiden können. Und dann wäre da auch noch die Sache mit der gnadenlosen Härte, die recht großspurig in Vorankündigungen versprochen wurde und die erst in den letzten gut 15 Minuten in Erscheinung tritt. Zugegebenermaßen wird man ohne jegliche Vorwarnung mit einem Härtegrad konfrontiert der sich wirklich sehen lassen kann und das Geschehen offenbart einige richtig derbe Szenen, doch warum muss es diese nicht mehr für möglich gehaltene Wendung in so geballter Form sein? Der Film an sich wird dadurch leider nicht sonderlich aufgewertet, obwohl einige Gorehounds das eventuell vollkommen anders beurteilen werden. Brachial und wuchtig schlägt einem dabei eine Brutalität entgegen die zwar einerseits nett anzusehen ist, die Geschichte letztendlich aber nicht wirklich retten kann. Zu unausgegoren und unrund erscheinen einem die gesamten Abläufe, zudem erscheinen die Ereignisse auch nicht gerade sehr glaubwürdig. Zu überspitzt wird Vieles dargestellt und auch das Verhalten einiger Charakter sorgt nicht gerade für ein Höchstmaß an Authenzität, wobei die meisten der Figuren auch nur sehr oberflächlich vorgestellt werden, wodurch man kaum eine Beziehung zu ihnen aufbauen kann.

Insgesamt gesehen kann der Film leider nicht das halten, was man sich vielleicht von ihm verspricht, lediglich die Darstellung von Jade Dornfield kann man größtenteils als gelungen bezeichnen. Ansonsten bietet der Film einige gute Ansätze, die jedoch leider nicht konsequent ausgearbeitet werden oder aber zu überspitzt ins Bild gerückt wurden. Auch das wirklich harte-und extrem schwarzhumorige Finale kann die zuvor offensichtlich in Erscheinung tretenden Defizite nicht übertünchen, so das sich nicht mehr als ein maximal durchschnittlicher Gesamteindruck ergibt. Es wird aber dennoch ganz sicher viele Leute geben, die diesem Werk ein weitaus besseres Zeugnis ausstellen, denn wie immer liegt alles im Auge des jeweiligen Betrachters. Meine persönlichen Erwartungen konnte "Alyce - Außer Kontrolle" aber nicht erfüllen, denn dafür erscheint das Gesamtbild ganz einfach viel zu unausgeglichen.


Fazit:


Und wieder einmal ist es mehr als schade, das eine interessante Thematik nur halbherzig umgesetzt wurde. Dabei hätte man hier viel mehr herausholen können, wenn man die ersten gut 75 Minuten nicht so derbe verschenkt hätte. Statt Innovation bekommt man jegliche Klischees serviert und wild-wirre Visionen tragen auch nicht dazu bei, den Unterhaltungswert in die Höhe schießen zu lassen. Einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt der Film leider nicht, wird aber dennoch ganz bestimmt eine eigene Fan-Base finden, die ihn weitaus höher einstuft, obwohl sich mir die Gründe dafür nicht wirklich offenbart haben.


Die DVD:

Vertrieb: Sunfilm
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,85:1 (16:9)
Laufzeit: 90 Minuten


5/10

Mittwoch, 12. September 2012

Der Mönch









Der Mönch
(Le Moine)
mit Vincent Cassel, Deborah Francois, Josephine Japy, Sergi Lopez, Catherine Mouchet, Jordi Dauder, Geraldine Chaplin, Roxane Duran, Frederic Noaille, Javivi, Martine Vandeville, Ernst Umbauer,
Regie: Dominik Moll
Drehbuch: Matthew Lewis (Roman) / Dominik Moll
Kamera: Patrick Blossier
Musik: Alberto Iglesias
FSK 16
Frankreich / Spanien / 2011

Als kleines Baby wird Ambrosio vor den Pforten eines spanischen Klosters ausgesetzt. Die Kapuzinermönche nehmen sich des Jungen an und erziehen ihn zu einem gottesfürchtigen Prediger, der die Menschen mit seinen hypnotischen Worten in seinen Bann schlägt. Für Ambrosio besteht kein Zweifel, dass sein Glaube über jede Versuchung erhaben ist. Doch seine Überzeugung wird schon bald auf eine schwere Probe gestellt: Mit der Ankunft eines mysteriösen Novizen nehmen unerklärliche Dinge ihren Lauf. Und Ambrosio bekommt bald zu spüren, wie unfassbar süß die Sünde schmecken kann. Wahnsinn und Raserei halten Einzug im Kloster und der Mönch steckt mittendrin...


Mit "Der Mönch" hat Dominik Moll einen wirklich erstklassigen Okkult-Thriller kreiert, der auf der literarischen Vorlage des britischen Schriftstellers Matthew Lewis aus dem Jahre 1796 basiert. Dabei handelt es sich um eine faszinierende Geschichte in der unerschütterlicher Glaube, Sünde und die oft zitierte Scheinheiligkeit der katholischen Kirche im Vordergrund stehen. Ziemlich schnell kristallisiert sich so auch eine Handlung voller Gegensätze heraus, was dem Ganzen schon von Haus aus eine äußerst interessante Note verleiht. Dabei beginnt der Film mit 3 verschiedenen Erzählsträngen, die am Anfang noch keinen richtigen Zusammenhang erkennen lassen, im Endeffekt jedoch perfekt zusammen laufen und ein nahezu perfektes Gesamtbild ergeben. Ganz generell ist es spätestens nach dem ersten Drittel des Filmes nicht sonderlich schwer zu erkennen, auf was die ganzen Ereignisse letztendlich hinaus laufen, doch sollte dies keinesfalls als negativer Gesichtspunkt betrachtet werden. Moll hat seine Erzählung nämlich jederzeit äußerst spannend in Szene gesetzt und setzt zudem auf sehr kräftige Bilder, deren Faszination immer stärker auf den Zuschauer überspringt. Insbesondere die dabei entstehenden Kontraste hinterlassen einen nachhaltigen Eindruck, denn ist das karge Leben der Mönche im Kloster herrlich düster dargestellt, so präsentiert sich das Leben außerhalb der Mauern doch richtig bunt-und farbenprächtig. Dadurch erhält das Szenario auch einen sehr authentischen Anstrich, so das man sich selbst äußerst gut mit der damaligen Zeit und den gegebenen Lebensumständen anfreunden kann.

Im Mittelpunkt steht aber ganz eindeutig der Mönch Ambrosio, der von einem überragenden Vincent Cassel dargestellt wird. In dieser Rolle bemerkt man einmal mehr die Vielschichtigkeit des französischen Schauspielers, der ohne übertriebene Mimik-und Gestik eine absolut perfekte Performance abliefert. Die asketischen Gesichtszüge des Franzosen heben die Glaubwürdigkeit des von ihm dargestellten Charakters noch einmal zusätzlich hervor und man kann förmlich spüren, wie Cassel sich mit der Rolle identifiziert. In jeder einzelnen Einstellung zeigt sich dabei, das er hier streckenweise sogar über die eigenen Grenzen gehen musste, denn anders ist sein inbrünstiges Schauspiel schwerlich zu erklären. Für die Abläufe der Story ist diese schauspielerische Hingabe jedoch auch unbedingt notwendig, denn nur so können die charakterlichen Veränderungen des Mönches ihre volle Intensität entfalten und den Betrachter in ihren Bann ziehen. Es ist absolut faszinierend Cassel dabei zu beobachten, wie aus einem tugendhaften und streng gläubigen Mann eine Person wird, die immer mehr den Sünden des Fleisches verfällt und dabei schon fast die Züge eines Besessenen erkennen lässt. Denn nicht selten überkommt einen das Gefühl, das der Mönch von einem Dämon ergriffen wurde, der für die Wesensänderung verantwortlich zeichnet.

Absolut herausragend ist der Aspekt, das Dominik Moll seinem Werk sehr viel Spielraum für eigene Interpretationen eingeräumt hat. Streckenweise kann man sich nämlich gar nicht so sicher sein ob die ganzen Ereignisse wirklich passieren, oder ob sich das Ganze lediglich in der Fantasie des Haupt-Protagonisten abspielt. Hatte dieser doch durch einen Insekten-Biss eine Nahtod-Erfahrung und ist dabei fast ums Leben gekommen. Spätestens an dieser Stelle ziehen dann auch die mysteriösen Momente in die Geschichte ein, deren Grundstimmung sich auf einmal immer mehr verdichtet und sogar dezente Grusel-und Horror Elemente erkennen lässt. Diese gehen ganz eindeutig von der Figur des Mönches aus der immer wieder von Visionen heimgesucht wird, die dem ganzen etwas sehr geheimnisvolles verleiht. Es entstehen etliche Gänsehaut-Momente und ohne es richtig zu merken, taucht man selbst immer tiefer in die Geschehnisse ein. Man wird in einen fast schon diabolischen Strudel hinein gerissen und die okkulte Seite des Filmes kommt immer stärker zum tragen. Das Geschehen wird immer symbollastiger und die religiöse Thematik kommt immer stärker zur Geltung. Nun sollte man jedoch auf keinen Fall einen waschechten Horror-Thriller erwarten, vielmehr kommt der Grusel-Faktor sehr unterschwellig zur Geltung und kriecht einem mit der Zeit immer tiefer unter die Haut.

Das alles geschieht eigentlich nicht unbedingt temporeich, denn Moll setzt hier viel eher auf eine äußerst ruhige-und bedächtige Erzählweise. Doch nur so kann der Film auch seine volle Intensität entfalten und die gewünschte Wirkung auf den Zuschauer ausüben. Meiner Meinung nach enthält das Szenario auch keinerlei Längen, denn selbst die im ersten Moment vielleicht etwas zähflüssig erscheinenden Passagen sind immens wichtig für das Gesamtbild, das man im Endeffekt eigentlich nur als sehr gut bezeichnen kann. Dennoch bin ich mir ziemlich sicher, das dieser Film die Meinungen extrem spalten könnte, denn Freunde temporeicher Erzählungen werden hier keinesfalls auf ihre Kosten kommen. Wer jedoch einen faszinierenden Okkult-Thriller mit einem grandiosen Vincent Cassel zu schätzen weiß, der müsste regelrecht begeistert sein. Insbesondere das letzte Drittel der Geschichte ist dann als absolutes Highlight zu verbuchen, hier erfährt die Bildgewalt der Ereignisse noch einmal eine ganz andere Dimension und konfrontiert einen mit einer Wucht, die man kaum in Worte fassen kann. Das Ende des Filmes ist zwar keine wirkliche Überraschung mehr da man doch frühzeitig erkennen kann, auf was die Ereignisse letztendlich abzielen. Dennoch ist alles sehr stimmig und entlässt einen mit einem sehr befriedigendem Gefühl aus einer Geschichte, die sehr nachhaltig im Gedächtnis verankert ist.


Fazit:


Nicht unbedingt temporeich, sondern vielmehr ruhig und bedächtig erzählt "Der Mönch" eine Geschichte, die jederzeit faszinierend und spannend daher kommt. Ein überragender Hauptdarsteller und extrem kraftvolle Bilder versetzen einen glaubhaft in das Spanien des frühen 18. Jahrhunderts. Dabei wird man mit einer Thematik konfrontiert, die für etliche gruselige Momente sorgt und einen von der ersten bis zur letzten Minute in ihren Bann zieht. Man kann sich den Ereignissen auf keinen Fall entziehen und wird mit einem Film-Erlebnis belohnt, das man nicht so schnell vergessen wird.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutasch / Französisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,35:1 (16:9)
laufzeit: 96 Minuten
Extras: Trailer, Originaltrailer, Trailershow, Making Of


8,5/10

Dienstag, 11. September 2012

In Time - Deine Zeit läuft ab









In Time - Deine Zeit läuft ab
(In Time)
mit Justin Timberlake, Cillian Murphy, Amanda Seyfried, Shyloh Oostwald, Johnny Galecki, Colin McGurk, Olivia Wilde, Will Harris, Michael William Freeman, Jesse Lee Soffer, Aaron Perilo, William Peltz
Regie: Andrew Niccol
Drehbuch: Andrew Niccol
Kamera: Roger Deakins
Musik: Craig Armstrong
FSK 12
USA / 2011

Die nahe Zukunft: Geld wurde als offizielle Währung durch Zeit ersetzt. Mit 25 hören die Menschen auf zu altern. Sie sind genetisch so ausgestattet, dass sie nur noch ein Jahr lang überleben können, es sei denn sie schaffen es, Zeit zu gewinnen. Die Reichen können sich Tausende von Jahren und somit ewige Jugend und Unsterblichkeit erkaufen, während die Armen betteln, leihen und Minute für Minute stehlen, nur um den Tag zu überstehen. In dieser Welt lebt Will Salas. Als ein reicher Fremder in sein Leben tritt und kurz darauf stirbt, wird Will fälschlicherweise des Mordes beschuldigt. Seine Flucht gelingt ihm, indem er die attraktive Sylvia, die Tochter eines reichen Zeitmoguls, als Geisel nimmt. Als der kompromisslose Timekeeper Raymond die Verfolgung aufnimmt, beginnt für Will ein Wettlauf gegen die Zeit...


"Zeit ist Geld", diese Aussage hört man im realen Leben oft genug. In vorliegendem Science/Fiction Thriller von Andrew Niccol jedoch entscheidet sie über Leben und Tod. Thematisch gesehen kann sich der Zuschauer auf eine wirklich interessante Geschichte einstellen die in der nahen Zukunft angesiedelt ist, jedoch etliche Aspekte beinhaltet, die man aus dem eigenen Gegenwart her kennt. Denn auch in dieser düsteren Zukunftsvision offenbart sich eine 2 Klassen-Gesellschaft aus wenigen Privilegierten und der breiten Masse der Menschen, die im wahrsten Sinne des Wortes um ihr Überleben kämpfen müssen.So hat "In Time" dann auch eine ziemlich offensichtlich in den Vordergrund tretende Gesellschaftskritische Note, die jedoch im Laufe des Filmes etwas abflacht, da der Focus doch ganz eindeutig auf die beiden Hauptfiguren des Geschehens gerichtet ist. Dennoch kann man die Mixtur aus Spannung, Thrill und Sozialkritik meiner Meinung nach als sehr gelungen ansehen, bietet die Story doch von Anfang bis zum Ende erstklassige-und sehr kurzweilige Unterhaltung.

Sicherlich fällt der sozialkritische Aspekt ein wenig dem Mainstream zum Opfer denn die Ereignisse wurden doch ganz eindeutig so in Szene gesetzt, das sie ein möglichst großes Publikum ansprechen. Ob man das nun unbedingt als negativ betrachten sollte ist dabei jedem selbst überlassen, doch die Geschichte erscheint von den Zutaten her ziemlich ausgeglichen und behandelt die Thematik streckenweise sogar tiefer, als man es eventuell vermuten mag. Justin Timberlake weiß in der Rolle des Außenseiters durchaus zu gefallen und erscheint einem sogar fast schon wie ein moderner Robin Hood, besteht sein Ansinnen doch lediglich darin, die breite Masse der Menschen mit genügend Lebenszeit zu versorgen, damit die ungerechte Verteilung des kostbaren Gutes ein Ende hat. Und so entwickelt sich innerhalb kürzester Zeit ein sehr temporeiches-und spannendes Szenario, das einen wirklich bei Atem hält und kaum Passagen anbietet, in denen man wenigstens einmal kurz durchschnaufen könnte.

Immer wenn man meint einmal zur Ruhe zu kommen, kündigt sich sogleich die nächste Tempo-Steigerung an und wilde Verfolgungs-Jagden sorgen für eine ordentliche Adrenalin-Zufuhr. Dabei wird jedoch immer darauf geachtet, das die Gesellschaftskritik nie gänzlich in den Hintergrund gerät, immer wieder gibt es diverse Kleinigkeiten und Passagen, die diesen Aspekt in Erinnerung rufen. Einige Szenen hinterlassen dabei sogar einen recht schalen Beigeschmack, so bekommt man beispielsweise immer wieder leblose Körper von Menschen zu sehen, deren Zeituhr ganz einfach abgelaufen ist. Das diese Dinge dann auch noch als Notwendigkeit für eine natürliche Auslese dargestellt werden ist schon äußerst makaber, denn sieht man andererseits die Lebensuhren der Privilegierten, dann bleibt ein bitterer Beigeschmack. So kann man die Story auch ohne Probleme auf unsere Gegenwart ummünzen und muss die Zeit lediglich durch Geld ersetzen, um das Gesehene sehr authentisch nachvollziehen zu können.

Insgesamt gesehen ist "In Time" sicherlich kein perfekter Film, eventuell hätte man diese nahe Zukunftsvision auch etwas düsterer gestalten können. Andererseits bekommt man es jedoch mit einem erstklassig unterhaltenden Werk zu tun, das in meinen Augen auch durchaus zum nachdenken anregt. In erster Linie handelt es sich aber um einen wirklich temporeichen SCI/FI Thriller, der jederzeit spannend daherkommt und dabei eine sozialkritische Note beinhaltet, die man ohne Probleme auch auf unsere Gegenwart ummünzen kann. Auch wenn eine Gleichstellung der menschen durch genügend Ressourcen sicher möglich wäre, wird es immer eine 2 Klassen-Gesellschaft geben, in der sich die Spreu vom Weizen trennt.


Fazit:

"In Time" ist ein absolut empfehlenswerter Film, der eine immer aktuelle Problematik anspricht. Das diese phasenweise nur oberflächlich angekratzt wird, dürfte bei der Sichtung eigentlich kein negativer Kritikpunkt sein, denn insgesamt gesehen kann sich die hier gefundene Mischung jederzeit sehen lassen. Spannung, Sozialkritik und jede Menge Thrill sorgen für Filmkost der äußerst kurzweiligen Art, die man sich keinesfalls entgehen lassen sollte.


8/10

Sonntag, 9. September 2012

Todesparty 3 - Monster im Nachtexpress









Monster im Nachtexpress
(Terror Train)
mit Ben Johnson, Jamie Lee Curtis, Hart Bochner, David Copperfield, Derek Mc Kinnon, Sandee Currie, Timothy Webber, Anthony Sherwood, Howard Busgang, Steve Michaels, Greg Swanson, Vanity, Joe Boushel
Regie: Roger Spottiswoode
Drehbuch: T.Y Drake
Kamera: John Alcott
Musik: John Mills-Cockell
Ungeprüft
Kanada / USA / 1980

Vor Jahren erlaubten sich die Mitglieder einer Universität auf einer Party einen bösen Scherz mit einem schüchternen Mitschüler und erniedrigten ihn. Der Schock brachte ihn in die Psychiatri. Jahre später ist der Abend der Abschlussfeier gekommen und die ehemaligen Beteiligten des Bösen Scherzes ahnen nicht, dass sich das Grauen selbst auf die Party eingeladen hat. Und hinter einer Maske versteckt sich ein Killer, der nur Eines im Sinn hat...Töten !


Trotz des irreführenden Beititels "Todesparty 3" hat das Werk von Roger Spottiswoode nichts mit den beiden Teilen von 1986 bzw. 1989 zu tun, was allein schon aus der Tatsache hervorgeht, das dieser Film aus dem Jahre 1980 stammt. Eine Zeit also, in der etliche Slasher gedreht wurden, die im Fahrwasser von "Halloween" und "Freitag der 13." auf den gleichen Erfolgszug aufspringen wollten. Den meisten Titeln blieb dies allerdings verwehrt, doch bei "Terror Train" handelt es sich um einen wirklich sehenswerten Genre-Vertreter, der viel Spannung und eine ausgezeichnete Grundstimmung verspricht. Thematisch gesehen sollte man jedoch keine Wunderdinge erwarten, präsentiert die Geschichte doch ein altbewährtes Schema, das jedoch ganzzeitig für erstklassige-und extrem kurzweilige Unterhaltung sorgt. Als Schauplatz dient ein Zug den sich einige Schulabgänger für eine ausgedehnte Abschlussfeier gemietet haben, doch die geplante Party gestaltet sich vollkommen anders, als es sich die Teenager erwartet haben. Es ist nämlich ein Mörder an Bord, der sich für die Demütigungen rächen will, die ihm Jahre zuvor zugefügt wurden.

Diese Ausgangslage sorgt für ein stetig ansteigendes Spannungs-Level, weiß man doch überhaupt nicht unter welcher Maske sich der Killer verbirgt. Wie nicht anders zu erwarten verläuft der Plot zwar etwas vorhersehbar, denn das etliche Jugendliche ihr Leben lassen müssen dürfte keine allzu große Überraschung darstellen. Im Bezug auf die Identität des Täters verhält es sich jedoch etwas anders, denn obwohl recht frühzeitig der Verdacht auf eine bestimmte Person gelenkt wird muss man sich doch bis wenige Minuten vor dem Ende gedulden, bis die Identität endgültig gelüftet wird. Ob sich der eigene Verdacht bestätigt wird natürlich nicht verraten, um die Spannung nicht zu beeinträchtigen. Die vorhandenen Kills sind zumeist leider nur im Ansatz zu sehen was schon fast zwangsläufig dazu führt, das sich der gesamte Film recht blutarm gestaltet. Das ist jedoch letztendlich gar nicht weiter schlimm, denn "Terror Train" lebt sowieso hauptsächlich von seiner äußerst dichten Atmosphäre, die durch den räumlich eingegrenzten Schauplatz innerhalb des Zuges noch zusätzlich hervorgekehrt wird.

Interessant dürfte auch die Besetzungsliste dieses Slashers sein, denn neben der unangefochtenen "Scream-Queen" Jamie Lee Curtis ist in einer gar nicht einmal so kleinen Nebenrolle der weltberühmte Magier David Copperfield zu sehen, der seine Sache gar nicht einmal so schlecht macht. Ganz generell bekommt man im Prinzip das für diese Art Film typische Schauspiel geboten, niemand spielt sich sonderlich in den Vordergrund, doch die Leistungen in diesem Film gehören auf jeden Fall zu der besseren Art. Die ansonsten vollkommen unlogischen Verhaltensweisen der Protagonisten sind hier eher Mangelware, im Vergleich zu anderen Genre-Werken geht es streckenweise schon fast logisch zur Sache. Natürlich gibt es dennoch immer noch einige Szenen bei denen man sich an den Kopf fassen möchte, doch diese geben sich in einem sehr überschaubaren Rahmen zu erkennen.

In seiner Gesamtheit ist der Film sicherlich zu den besseren Slashern der 80er Jahre zu zählen und hebt sich äußerst wohlwollend von anderem Schrott ab, der auch in dieser Zeit produziert wurde. Und auch wenn manch einem eventuell etwas die nötige Härte fehlen mag, bekommt man absolut sehenswerte Genre-Kost geboten. Viel Spannung, gut agierende Darsteller und eine herrlich bedrohliche Stimmung sorgen für eine angenehme Gänsehaut beim Zuschauer und die Tatsache das die Identität des Killers bis zum Ende im Dunkeln gehalten wird tut ihr Übriges, um einen wirklich bei Laune zu halten. Roger Spottiswoode ist hier ein wirklich toller Beitrag gelungen, der in keiner gutsortierten Sammlung fehlen sollte.


Fazit:


Slasher-Freunde können hier bedenkenlos zugreifen, denn auch ohne explizite Gewaltdarstellungen und viel Blut offenbart sich eine Geschichte, die zwar nicht sonderlich innovativ, dafür aber jederzeit sehr spannend und stimmungsvoll daherkommt.


7,5/10

Freitag, 7. September 2012

Howling - Der Killer in dir









Howling - Der Killer in dir
(Ha-wool-ling)
mit Kang-ho Song, Na-yeong Lee, Jang In-ho, In-gi Jeong, Jeong Jin, Young Jin Jo, Min-ho Lee, Sung-min Lee, Bo-ra Nam, Jeong-geun Sin
Regie: Ha Yoo
Drehbuch: Asa Nonami
Kamera: Kong Pyung-jae
Musik. Keine Information
FSK 16
Südkorea / 2012

Auf einem verlassenen Parkplatz geht ein Mann plötzlich in Flammen auf, auf der verkohlten Leiche lassen sich seltsame Bissspuren finden. EIn paar Tage später stirbt wieder eine Person unter rätselhaften Umständen: Offensichtlich wurde das Opfer von einem Wolf zerfleischt! Die unerfahrene Polzistin Eun-yeong ind ihr desillusionierter Partner Sang-gil sind überzeugt, dass es eine Verbindung gibt zwischen diesen Morden. Als kurz darauf eine weitere Leiche mit ähnlichen Bisswunden gefunden wird, steht schnell fest, dass es sich um einen Serienkiller mit außergewöhnlichen Methoden handeln muss! Auf der fieberhaften Suche nach dem Täter geraten die ungleichen Detectives in einen Sumpf aus Drogen, Menschenhandel und Kinderprostitution...


Längst hat sich Südkorea in der Filmwelt einen guten Namen gemacht und wartet vor allem immer wieder mit äußerst guten Produktionen im Bereich des Thrillers auf. Mit "Howling - Der Killer in dir" liegt nun das neueste Werk von Ha Yoo (Blood and Flowers) vor, in dem er eine sehr spannende Geschichte um einen mysteriösen Serienkiller erzählt. Die Story entpuppt sich dabei als recht komplex denn hat es zu Beginn noch den Anschein das der Fall recht schnell zu den Akten gelegt werden kann, entwickelt sich mit der Zeit ein Geschehen, das stark ineinander verschachtelt ist und dabei immer größere Kreise zieht. Die Ermittlungen gestalten sich viel komplizierter, als die Ermittler es sich vorstellen können und insbesondere die junge Polizistin Eun-jeong und ihr Partner Sang-gil bringen immer neue Gesichtspunkte an das Tageslicht, die letztendlich einen wirklich perfiden Racheplan aufdecken.

Von der ersten Minute an baut das Szenario eine Menge Spannung auf und während der gesamten Laufzeit sind überhaupt keine Längen zu entdecken. Hinzu kommt eine ausgezeichnete Grundstimmung, die streckenweise sogar recht düstere-und mysteriöse Züge erkennen lässt. Das sorgt beim Zuschauer für ein angespanntes Sehverhalten und gleichzeitig für höchste Konzentration, denn ständige Wendungen innerhalb der Geschichte lassen die Gesamtzusammenhänge erst ziemlich spät erkennen. Immer wieder werden einem mögliche Täter präsentiert, die sich dann jedoch in der Opfer-Rolle wiederfinden. Die Ereignisse erscheinen so in der Art eines Puzzle-Spiels, das man erst mit zunehmender Laufzeit zusammensetzen kann. Für ordentlich Spannung und die nötige Abwechslung bei den Abläufen ist also gesorgt und in dieser Beziehung kann sich der Film auch wirklich sehen lassen. Etwas anders gestaltet sich das Ganze im Bezug auf die einzelnen Charaktere, denn hier bekommt man doch einige gewöhnungsbedürftige Dinge präsentiert, die phasenweise nicht unbedingt realistisch erscheinen. Dabei bezieht sich die Kritik gar nicht einmal auf das Schauspiel der Akteure, denn auch dieses bewegt sich auf einem guten Niveau.

Vielmehr ist es der Umgang der einzelnen Figuren miteinander, der beim Betrachter ein wenig auf Ablehnung stößt. Es ist besonders der Umgang der männlichen Ermittler mit ihrer neuen Kollegin, denn bei diesem Aspekt geht es streckenweise schon fast frauenfeindlich zur Sache. Sexuelle Anspielungen, eine komische Art der Degradierung und sogar körperliche Übergriffe hinterlassen nicht gerade einen sehr glaubwürdigen Eindruck. Dabei geht es manchmal schon weit über normales Mobbing heraus und eine gewisse Macho-Haltung der Ermittler ist nur schwerlich zu übersehen. Lediglich der zu Beginn auch mehr als negativ eingestellte Partner der jungen Polizistin entwickelt mit der Zeit einen gewissen Respekt für sie und ist mit ihr am Ende sogar schon freundschaftlich verbunden. Hier liegt aber auch der im Prinzip einzige Schwachpunkt eines Thrillers, der ansonsten in allen Belangen überzeugen kann.

Insgesamt gesehen kann sich "Howling - Der Killer in dir" wirklich sehen lassen und bietet Thriller-Kost der besseren Art. Zum Ende hin beinhaltet das Geschehen dann auch noch tragische Züge, was bei einer asiatischen Produktion aber nicht wirklich überraschen kann. Actionmäßig sollte man nicht zuviel erwarten, denn bis auf einige Hunde-Attacken bekommt man in dieser Beziehung eher wenig geboten. Das hat die Geschichte aber auch gar nicht nötig, überzeugt sie doch dafür mit einer sehr spannenden Erzählweise und einer tollen Atmosphäre. Hinzu kommt die wirklich außergewöhnliche Methode des Killers seine Opfer zu ermorden, denn hierzu bedient er sich im wahrsten Sinne des Wortes tierischer Hilfe.


Fazit:


Wer gut inszenierte-und spannende Thriller zu schätzen weiß, kann bei diesem Werk nichts falsch machen. Ein Serienkiller mit äußerst außergewöhnlichen Methoden sorgt für erstklassige Unterhaltung und kann durch seine Beweggründe sogar einige Symphatiepunkte beim Zuschauer sammeln. Ein Schuss Melodram und eine Portion Tragik runden das Ganze sauber ab und so kann man nur von einem wirklich überzeugendem Gesamtpaket sprechen, das man jederzeit weiterempfehlen kann.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Koreanisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch / Niederländisch
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 110 Minuten


7/10