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Freitag, 30. November 2012

Bereavement - In den Händen des Bösen









Bereavement - In den Händen des Bösen
(Bereavement)
mit Alexandra Daddario, Spencer List, Brett Rickaby, Michael Biehn, Nolan Gerard Funk, Kathryn Meisle, Peyton List, John Savage, Greg Wood, Ashley Wolfe, Andrea Havens, Tom McNutt
Regie: Stevan Mena
Drehbuch: Stevan Mena
Kamera: Marco Cappetta
Musik: Stevan Mena
SPIO/JK
USA / 2010

Martin Bristoll ist sechs Jahre alt als er von seiner Hinterhofschaukel entführt wird. Der geistesgestörte Graham Sutter hält ihn auf seinem heruntergekommenen ehemaligem Schlachthof gefangen. Er zwingt ihn Zeuge seiner brutalen und abscheulichen Morde zu werden. Die Schreie seiner willkürlich ausgewählten Opfer verschwinden in den Weiten der Landschaft. Fünf Jahre lang bleibt Martins Aufenthaltsort im Verborgenen, bis die 17-jährige Allison Miller zu Ihrem Onkel aufs Land zieht. Als Allison ihre neue Umgebung erkundet, macht sie beunruhigende Entdeckungen an dem nahe gelegenem Farmhaus


Ich bin wirklich überrascht, wie teilweise negativ oder gerade einmal durchschnittlich der Film von Stevan Mena bei den Kritiken im Netz wegkommt, da wird von oberflächlich beleuchteten Charakteren oder gar teils mangelnder Spannung geredet, was ich persönlich gar nicht nachvollziehen kann. Zugegebenermaßen bietet zumindest der erste Punkt einen teilweise gerechtfertigten Ansatz zur Kritik, denn bis auf die Figur der 17-Jährigen Allison werden die anderen Charaktere wirklich nicht tiefgehender beleuchtet. Hierbei sind es wohl hauptsächlich der offensichtlich geisteskranke Killer Sutter und sein Opfer Martin, die den Unmut vieler Leute auf sich ziehen, denn die Entfaltung dieser beiden Personen hält sich in wirklich überschaubaren Grenzen, was man jedoch durchaus auch als positiven Aspekt ansehen kann. Gerade der kleine Martin hinterlässt durch seine schweigsame und eingeschüchterte Art einen teils sehr verstörenden Eindruck beim Zuschauer, der ganz automatisch mit dem Jungen mitleidet und die offensichtlich zerbrochene Seele fast in seinen kleinen Augen zu erkennen glaubt. Dieser Punkt ist insbesondere für das harte Ende der Geschichte nicht unwesentlich, denn hier wird man mit einem Paukenschlag konfrontiert, der einen mit ungeheurer Wucht in die Eingeweide trifft und einen äußerst bitteren-und nachhaltigen Eindruck hinterlässt. Zwar könnte man nun sehr wohl argumentieren, das der finale Showdown eventuell vorhersehbar war, was aber letztendlich rein gar nichts an dessen brutaler Wirkung ändert.

Auch die Einführung des Killers ist meiner Meinung nach absolut ausreichend, man bekommt die nötigen Informationen die man braucht, auch wenn diese nicht unbedingt sehr reichhaltig ausfallen. Doch durch viele kleine Andeutungen und diverse Selbstgespräche des Psychophaten ergeben sich etliche Ansätze für seine Beweggründe, so das genügend Freiraum für die eigene Fantasie gelassen wird, welche ganz offensichtlich in der Kindheit liegenden Gründe dazu geführt haben, das hier ein echter Serienkiller geformt wurde. Das verleiht dem Film eine ganz besondere Note, es liegen nicht alle Einzelheiten auf dem Tisch, wodurch ein Freiraum für eigene Interpretationen entsteht und das tut dem geschehen insgesamt gesehen eher gut, als das man diesen Punkt als störend empfinden würde. Natürlich liegt das immer in der Sichtweise des jeweiligen Betrachters, denn manch einer hätte sich eine absolut schlüssige Story mit jeder Menge Erklärungen gewünscht, doch was von vielen als Schwäche ausgelegt wird, kristallisiert sich viel eher als absolute Stärke heraus. Womit wir auch schon bei der oft erwähnten mangelnden Spannung wären, auch hier kommt es auf die persönliche Empfindung an. "Bereavement" bezieht seinen Spannungsbogen hauptsächlich aus der Situation an sich, in der sich der kleine Martin befindet. Seine Beziehung zu seinem Entführer bleibt größtenteils recht schwammig und ist nicht immer leicht zu deuten. Wirkt der Junge doch einerseits vollkommen eingeschüchtert und ängstlich, so startet er doch andererseits sogar einen Befreiungsversuch für eine junge Frau, die auch von dem eiskalten Killer getötet werden soll.

So ist es ganz besonders die Figur des Jungen, die dem Zuschauer hier phasenweise echte Rätsel aufgibt, auf die man erst wenige Minuten vor dem Ende eine grauenhafte Lösung offenbart bekommt. Dort zeigen sich dann letztendlich die wahren Folgen der 5 Jahre in Gefangenschaft und man wird das Gefühl nicht los, das in diesem Moment ein vorher scheinbar ruhender Vulkan zum Ausbruch kommt und alles das ausspuckt, was er über einen langen Zeitraum in sich reingefressen hat. Vielleicht fehlen mir an dieser Stelle die richtigen Worte, aber genau das waren die Empfindungen, die ich in diesem Moment ganz immens gespürt habe. Auch wenn "Bereavement" von den expliziten Gewaltdarstellungen gar nicht einmal so stark bestückt ist, entfaltet das Szenario eine unglaubliche Härte, die auch von einer mehr als bedrohlichen Grundstimmung noch zusätzlich verstärkt wird. Außerdem sollte man erwähnen, das die hier vorgestellte SPIO/JK Fassung leider um gut 1,5 Minuten erleichtert wurde, aber momentan die einzige Möglichkeit darstellt, dieses tolle Werk auch in deutscher Sprache zu genießen. Stevan Mena hat hier wirklich eine Geschichte ins Bild gesetzt, die einem im Minutentakt immer tiefer unter die Haut geht und bleibende Spuren hinterlässt. Selbst lange nach dem Abspann kann man das Gesehene nicht einfach abstreifen und beschäftigt sich im Kopf noch eine lange Zeit mit den grausamen Ereignissen und muss dabei ständig an einen kleinen Jungen denken, der diese schier unfassbare Grausamkeit 5 Jahre lang miterleben musste.

Letztendlich handelt es sich um ein echt starkes Stück Film, das man sich keinesfalls mal nebenbei anschauen sollte, denn hier sollte man sich wirklich die Zeit-und die Ruhe nehmen, eine unglaublich harte Story auch richtig auf sich wirken zu lassen. Wenn man dazu in der Lage ist und sich auf die Ereignisse einlässt, dann wird man mit einem Szenario belohnt, das weitaus härter-und brutaler Einfluss auf einen selbst nimmt, als wie 100 Horrorfilme, in denen mit Kunstblut nur so um sich geschüttet wird. Echte Härte entsteht in der eigenen Fantasie und die in diesem Fall oftmals nur angedeuteten Tötungen sind ein Paradebeispiel dafür, das es nicht immer unzählige SFX sein müssen um eine Gewaltspirale in Gang zu setzen, die etliche unschuldige Menschen das Leben kostet.


Fazit:


Auch wenn viele das anders sehen mögen, "Bereavement" ist ein echter Schocker und verfehlt die gewünschte Wirkung beim Betrachter auf keinen Fall. Freiraum für eigene Interpretationen, gut agierende Darsteller und ein nicht zu verachtender Härtegrad ergeben hier einen sehr explosiven Mix, den man sich als Fan des Genres auf keinen Fall entgehen lassen sollte.


8/10

Mittwoch, 28. November 2012

Masks









Masks
(Masks)
mit Michael Balaun, Lucyna Bialy, Lisa Blaschke, Susen Ermich, Franziska Breite, Zübeyde Bulut, Lena Coskuner, Malin Dodin, Oliver Gruca, Diana Klutt, Alexander Lammers, Katja Lawrenz, Norbert Losch
Regie: Andreas Marschall
Drehbuch: Andreas Marschall
Kamera: Sven Jakob
Musik: Sebastian Levermann / Nils Weise
keine Jugendfreigabe
Deutschland / 2011

Stella, die lange vergeblich versucht hat, sich erfolgreich bei einer Schauspielschule zu bewerben, wird überraschend an der "Matteusz Gdula"-Privatschule angenommen. Stella ist ehrgeizig, aber nicht sehr talentiert, was sie schnell zur Zielscheibe des Gespötts der anderen Schauspielschüler macht. Nur in der schüchternen Cecile, die in der Schule zu leben scheint, findet sie eine neue Freundin. Von ihr erfährt sie von Gdula, dem geheimnisvollen Gründer der Schule, der eine fragwürdige Schauspielmethode entwickelt hat. In den 70er Jahren kamen in seiner Theatergruppe mehrere Schüler ums Leben. Gdula brachte sich um, seine Methode wurde verboten. Als eine Schülerin spurlos verschwindet, vermehrt merkwürdige Geräusche aus dem geschlossenen, baufälligen Flügel der Schule dringen und die Lehrerschaft ihren Fragen zu Gdula und seiner Methode ausweicht, ahnt Stella, dass jemand Gdulas Lehre noch praktiziert. Sie hat daraufhin nur noch ein Ziel: An der Methode teilzunehmen. Selbst, wenn es sie das Leben kosten sollte..


Ohne zu wissen was eigentlich auf mich zukommt, bin ich an diese deutsche Produktion herangegangen, denn was soll man von einem Film erwarten, der unter der Regie von Andreas Marschall entstanden ist, dessen Schundwerk "Tears of Kali" mir immer noch auf den Magen schlägt. Das dann zudem auch noch ein Projekt vorliegt, in dem angeblich dem italienischen Giallo gehuldigt werden soll reizte mich dann aber doch so sehr, das ich diesem Film eine faire Chance geben wollte. Und was soll man sagen, die Sichtung hat sich meiner Meinung nach mehr als gelohnt, mit "Masks" gibt es endlich mal wieder etwas Erwähnenswertes aus deutschen landen, das sich im Spannungsbereich ansiedelt und einen wirklich absoluten Mix aus Mystery/Thriller-und Horrorfilm bietet. Das einem die Geschichte dabei von Anfang an ziemlich bekannt vorkommt ist alles andere als Zufall, hat sich Marschall doch ganz bewusst Dario Argentos Meisterwerk "Suspiria" als Vorlage genommen. Böse Zungen könnten das als negative Kritik auslegen und "Masks" damit die Eigenständigkeit absprechen, doch damit würde man dieser Produktion auf keinen Fall gerecht werden. Dafür enthält das Szenario nämlich zu viele eigene Ideen seines Regisseurs, zudem beinhaltet das Geschehen immer wieder herrliche Überraschungsmomente, die durchaus für ein gewisses Maß an neuen Ideen sprechen.

Diese Hommage an das italienische Genre-Kino ist absolut gelungen und besticht von der ersten Minute an durch eine Grundstimmung, die man einfach nur als herrlich dicht-und extrem mysteriös bezeichnen kann. Dabei beweist Marschall ein gutes Händchen für besondere Momente, in denen sich eine immense Spannung aufbaut, die sich dann zumeist in gelungenen und perfekt eingesetzten Schockmomenten entlädt. Hier liegt wohl die ganz große Stärke des Filmes, denn obwohl die Anlehnung an "Suspiria" sehr stark zu spüren ist, gibt es immer wieder diese Phasen, in denen man dennoch überrascht wird. Atmosphärisch gesehen möchte ich dieses Werk sogar als echte Bombe bezeichnen, die bedrohlichen und unheimlichen Züge verstärken sich mit zunehmender Laufzeit immer mehr, so das man vor dem heimischen Bildschirm wirklich mitfiebern kann und auf die Lösung des Rätsels wartet das die Geschichte umgibt.

Auch die musikalische Untermalung des Ganzen hat mir sehr zugesagt, wuchtige Klänge wechseln sich mit langsam anschwellenden Tönen ab, so das in etlichen Passagen sogar eine wohlige Gänsehaut beim Zuschauer aufkommen kann. Dadurch ist man dann im Prinzip auch der durchgehend vorhandenen Faszination der Ereignisse ausgeliefert und ergötzt sich stellenweise regelrecht an einem Film, dem man die vorhandene Klasse auf keinen Fall zugetraut hätte. Dieser relativ hohe Qualitäts-Pegel ist auch den richtig gut agierenden Schauspielern zu verdanken, unter denen sich ganz offensichtlich einige junge Talente befinden, von denen ich persönlich bisher eigentlich niemanden kannte. Und dennoch gibt es sicherlich auch kleinere Defizite die man keinesfalls verschweigen sollte. So fehlt gegenüber den italienischen Vertretern ganz eindeutig das extrem kräftige Farbenspiel und manchmal vermisst man auch die geniale Kamerafahrten, die der italienische Giallo oftmals zu bieten hat. Hier handelt es sich jedoch um Kritik auf hohem Niveau, denn ehrlich gesagt hätte ich es kaum für möglich gehalten, überhaupt einmal einen Film dieser Machart aus Deutschland zu sehen. Vielleicht mag sich das jetzt für manch einen etwas zu euphorisch anhören und mir fehlt ein klein wenig Objektivität, aber "Masks" hat mich absolut nachhaltig beeindruckt.

Letztendlich liegt in meinen Augen ein in fast allen Belangen überzeugendes Gesamtpaket vor, das in vielen Momenten auch das italienische Flair versprüht. Eine sehr interessante-und hervorragend umgesetzte Geschichte, ein äußerst gelungener Spannungsaufbau, sehr talentierte Jung-Darsteller und eine ausgezeichnete Atmosphäre machen eine Sichtung für jeden Fan dieser Film-Gattung absolut erforderlich. Hinzu kommt auch noch ein ordentlicher Härtegrad, denn es gibt einige herrlich blutige Kills zu verzeichnen, die man in dieser Form nicht zwangsweise erwarten konnte.


Fazit:


Es ist wohl nicht sonderlich übertrieben, wenn man "Masks" als deutschen Giallo bezeichnet. Der Film beinhaltet im Prinzip alle Zutaten des Sub-Genres und schwächelt lediglich auf hohem Niveau. Andreas Marschall hat die meisten Dinge vollkommen richtig gemacht und präsentiert einen Genre-Beitrag, der sich nun wirklich sehen lassen kann.


objektiv 7/10

mit Giallo-Bonus 8,5/10

Dienstag, 27. November 2012

Phenomena









Phenomena
(Phenomena)
mit Jennifer Connelly, Daria Nicolodi, Dalila Di Lazzaro, Patrick Bauchau, Donald Pleasence, Fiore Argento, Federica Mastroianni, Fiorenza Tessari, Mario Donatone, Francesca Ottaviani, Michele Soavi
Regie: Dario Argento
Drehbuch: Dario Argento
Kamera: Romano Albani
Musik: Simon Boswell / Goblin
Ungeprüft
Italien / 1985

Jennifer Corvino ist die Tochter eines reichen Filmstars. Sie geht auf ein Mädchengymnasium in der Schweiz. Doch dort in der Gegend treibt ein grausamer Killer sein Unwesen. Er lauert jungen Frauen auf und tötet sie hinterlistig und brutal. Jennifer bekommt seltsame Alpträume und beginnt zu Schlafwandeln. Dabei wird sie Zeugin eines Mordes. Sie entdeckt, dass sie außergewöhnliche Fähigkeiten besitzt und Insekten scheinbar mit ihr kommunizieren. Jennifer lernt den Insektenforscher Professor McGregor kennen und freundet sich mit dem alten Mann an. Dieser versucht, dem Killer mit Hilfe von Insekten auf die Spur zu kommen. Doch tatsächlich kommt Jennifer selbst der Gefahr immer näher.


Mit "Phenomena" hat Dario Argento einen Horrorfilm geschaffen, den man wohl ohne zu übertreiben als sehr außergewöhnlich bezeichnen kann. So kann insbesondere bei der Erstsichtung des Werkes ein durchaus zwiegespaltener Eindruck beim Zuschauer entstehen, denn der dargebotene Bilderrausch muss erst einmal richtig eingeordnet werden. Das fällt zunächst gar nicht einmal so leicht, konfrontiert einen der italienische Regisseur doch einerseits mit recht heftigen Splatter-Effekten, um auf der anderen Seite ein Szenario zu präsentieren, das schon märchenhafte-und romantische Züge erkennen lässt. Dies drückt sich ganz besonders in der Bildsprache der Geschichte aus, denn der Wechsel zwischen rasanten-und harten Einstellungen und eher beschaulich-ruhigen Passagen entfaltet eine absolut einzigartige Atmosphäre, die man kaum in Worte fassen kann sondern selbst erlebt haben muss. Nicht umsonst wird "Phenomena" von vielen Leuten als schauerlich-schönes Horror-Märchen beschrieben, denn dieser Eindruck manifestiert sich schon nach einer relativ kurzen Zeitspanne im Kopf des Zuschauers. Die Grundstimmung des Szenarios hinterlässt eine fast schon hypnotische Wirkung und phasenweise werden immer wieder surreale Einflüsse eingestreut, die die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen lassen.

Von Beginn an lässt das Geschehen äußerst mysteriöse-und geheimnisvolle Einflüsse erkennen, die im Verlauf der Story immer stärker zum Vorschein kommen. Dennoch konzentriert man sich gar nicht einmal so sehr auf die Suche nach dem Mörder, sondern erfreut sich vielmehr an den einmal mehr berauschenden Bildern, die einem Argento hier präsentiert. Dabei ist es der faszinierende Kontrast zwischen absoluter Härte und wunderschönen Momenten, der einen absolut in seinen Bann zieht. So werden selbst immer wieder eingestreute Aufnahmen von sich im Wind bewegenden Bäumen zu einem absoluten Erlebnis und sind dabei meiner persönlichen Meinung nach ein nicht unwesentlicher Bestandteil einer absolut herausragenden Gesamt-Komposition. Manch einer mag das eventuell als nichtssagend abtun und diese Einstellungen für vollkommen überflüssig ansehen, doch gerade dieses immer wieder eingestreute Windspiel verleiht dem Ganzen eine sehr bedrohliche Note. In meinen Augen liegt in diesen Szenen sogar etwas Symbolik und man kann es so auslegen, das ein großer Sturm aufzieht, der Zerstörung und den Tod mit sich bringt. Die musikalische Untermalung der Geschichte tut dann ihr Übriges, um diesen Eindruck größtenteils noch zu verstärken, denn einmal mehr ist hier wieder ein fantastischer Score der Band Goblin zu hören, deren Klänge ganz einfach absolut unverwechselbar sind.

Doch vollkommen anders als beispielsweise in "Profondo Rosso" sind hier nicht ausschließlich Instrumental-Klänge zu vernehmen, Argento greift hier phasenweise auf knallharte Heavy-Metal Musik zurück und kombiniert diese mit den Klängen von Goblin. Die dabei entstehende Mischung ist extrem außergewöhnlich und erscheint in einigen Passagen auch durchaus verstörend. Um diesem hervorstechenden Mix dann noch einmal aufzuwerten, braucht man nur an die Beziehung der Hauptfigur Jennifer zu den Insekten zu denken, denn dieser Aspekt des Geschehens verleiht dem Szenario dann sogar etwas Übersinnliches. Insbesondere die Einstellungen, in denen ganze Schwärme von Insekten dem Mädchen in bedrohlichen Situationen zur Hilfe eilen sind nahezu atemberaubend in Szene gesetzt. Aber auch die visions-artigen Träume, die während Jenniffer's Schlafwandelns gezeigt werden, sind teilweise aus der Sicht der possierlichen Tiere dargestellt, was im Zusammenhang mit allen anderen Komponenten einen Gesamteindruck entstehen lässt, den man nur als absolut einzigartig beschreiben kann. Und so sollte man bei diesem Film auch eine ganz eigene Messlatte für eine Bewertung anlegen, denn normale Maßstäbe werden hier vollkommen außer Kraft gesetzt. Eher selten offenbart sich eine Story, die einerseits harte-und kompromisslose Horrorkost anbietet, auf der anderen Seite jedoch märchenhafte-und romantische Züge erkennen lässt. "Phenomena" entführt den Betrachter in eine ganz eigene Welt, in der die Grenzen zwischen realität und Fiktion manchmal nicht mehr zu erkennen sind. Gerade darin liegt aber auch die ganz große Stärke dieses Filmes, der ein wahres Meisterwerk der Ästhetik ist und einen in einen sogartigen Strudel der Ereignisse zieht, aus dem es scheinbar kein Entrinnen gibt.

Auch in darstellerischer Hinsicht wird man hier bestens bedient, wobei vor allem die damals gerade 15-Jährige Jennifer Connelly (Dark Water) durch eine glänzende Performance ins Auge fällt. In diesem Alter schon eine solche Omnipräsenz glaubwürdig darzustellen, zeugt von großem Potential. Selbst ein gut aufspielender Donald Pleasence sowie auch alle anderen Akteure geraten mehr oder weniger in den Hintergrund, wobei die jeweiligen Spielanteile ihrer Rollen auch nicht unbedingt sehr viel Möglichkeit zur Entfaltung bieten. So kann man insgesamt gesehen von einem wirklich fantastischen Genre-Beitrag reden, den Dario Argento hier geschaffen hat. Bei der Erstsichtung höchstwahrscheinlich für jeden etwas gewöhnungsbedürftig und schwer einzuordnen, wird nichtsdestotrotz eine Geschichte erzählt, von der durchgehend eine gewaltige Faszination ausgeht, die sich ganz zwangsläufig auf den Zuschauer überträgt. Schaurig, brutal, aber auch unglaublich schön, das sind wohl die treffendsten Schlagworte, die dieses Meisterwerk am besten beschreiben. Eine unglaubliche Bildgewalt und ein extrem außergewöhnlicher Genre-Mix in Verbindung mit einem herausragenden Score entführen einen in eine ganz eigene Welt, in der die üblichen Normalitäten keinerlei Geltung haben. Phasenweise wird man in einen regelrechten Rausch versetzt, der auch lange nach dem Abspann noch anhält.


Fazit:


Es kann durchaus möglich sein, das "Phenomena" nicht jeden Geschmack trifft, für mich handelt es sich jedoch um eines der besten Werke, das unter der Regie von Dario Argento entstanden ist. Neben erstklassiger Horrorkost offenbart sich dem Betrachter ein wahrer Bilderrausch und einige übernatürliche Momente, was letztendlich für eine brillante Gesamt-Komposition sorgt, die man unbedingt gesehen haben sollte. Bei der kürzlich erschienenen Veröffentlichung von Ascot Elite handelt es sich um die in Deutschland längste und frei käufliche Version, allerdings fehlen dennoch gut 10 Sekunden zur ungeschnittenen Version.


9/10

Sonntag, 25. November 2012

The Human Centipede









The Human Centipede
(The Human Centipede (First Sequenze)
mit Dieter Laser, Ashley C. Williams, Ashlynn Yennie, Akihiro Kitamura, Andreas Leupold, Peter Blankenstein, Bernd Kostrau, Rene de Wit, Sylvia Zidek, Rosemary Annbella, Mauricio d'Orey
Regie: Tom Six
Drehbuch: Tom Six
Kamera: Goof de Koning
Musik: Patrick Savage / Holeg Spies
ungeprüft
Großbritannien / Niederlande / 2009

Zwei amerikanische Studentinnen touren quer durch Europa. Beim Stopp in Deutschland verfahren sich die beiden auf dem Weg zur Party und haben auf einer verlassenen Waldstrasse eine Reifenpanne. Die beiden stoßen auf ein abgelegenes Haus, in dem der wohl genialste, aber auch bizarrste Chirurg, den Deutschland zu bieten hat, wohnt. Er hegt den abstrusen Plan, aus verschiedenen Körpern eine Art menschlichen Tausendfüßler zusammenzunähen. Und die ersten Opfer hat er dafür schon gefunden…


Wieder einmal bekommt man es mit einem Film zu tun, der die zwiespältigsten Gefühle in einem selbst auslöst, bietet das Werk von Tom Six doch eine Grundidee, die von vielen Leuten als innovativ-von anderen lediglich als absolut krank und abartig angesehen wird. Die Wahrheit liegt sicherlich irgendwo in der Mitte und so kommt es in vorliegendem Fall ganz extrem auf die jeweilige Sichtweise des Zuschauers an, um diesen Film einigermaßen objektiv zu bewerten. Man könnte sich die Sache auch relativ einfach machen und die Hauptfigur Dr. Heiter als eine Art modernen Frankenstein ansehen, jedoch erscheint das hier vorgenommene Experiment so dermaßen abwegig und pervers, das man den guten alten Dr. Frankenstein damit richtiggehend beleidigen würde. Schon die Grundidee der Geschichte hier einen menschlichen Tausendfüssler zu erschaffen, erzeugt bei einem ein Gefühl von Ekel und Abscheu und genau daraus bezieht das Geschehen dann auch seine ganz eigene Faszination. Im Gegensatz zum 2011 erschienenen Nachfolger "The Human Centipede 2" hält man sich hier nämlich im Bezug auf visuelle Härte recht vornehm zurück und präsentiert lediglich einige wenige etwas blutigere Einstellungen. Stattdessen legt Tom Six das Hauptaugenmerk auf die psychische Wirkung seines Szenarios, die einem dann auch durchgehend äußerst stark unter die Haut geht.

So wird beispielsweise die notwendige Operation nur ansatzweise ins Bild gerückt und man bekommt erst das Endprodukt serviert. Damit entsteht dann jedoch ein so immenser Härtegrad im Kopf des Betrachters, der jede explizite Gewaltdarstellung um ein Vielfaches übertrifft. Der Versuch, sich in die makabere Situation der Opfer hinein zu versetzen gelingt fast spielend, so das man sich selbst in die Opferrolle begibt, was die Intensität des Gesehenen noch zusätzlich unterstützt und ein extremes Gefühl der Beklemmung auslöst. Die schier unerträglichen Schmerzen der Protagonisten vermeint man am eigenen Körper zu spüren und die aussichtslose Lage hämmert sich wie in Stein gemeißelt in das eigene Hirn. Hinzu kommt die Darstellung eines Dieter Laser, der die Rolle des psychophatischen Chirurgen auf eine Art und Weise interpretiert, die einem das Blut in den Adern gefrieren lässt. Der aufkommende Wahnsinn offenbart sich dabei in Mimik-und Gestik, insbesondere der fanatische Gesichtsausdruck des Mannes sorgt für eine ganzzeitig vorhandene Gänsehaut und lässt die Ereignisse äußerst hart-und brutal erscheinen. Die Abartigkeit des Experimentes braucht überhaupt keine Unterstützung durch visuelle Härte, die Vorstellungskraft des Zuschauers ist nämlich vollkommen ausreichend, um hier den absoluten Horror zu entfachen, der mit der Wucht eines Dampfhammers auf einen einprügelt.

Es ist im Prinzip vollkommen egal wie man zu diesem Film steht, Tom Six ist es auf jeden Fall erstklassig gelungen ein Szenario zu schaffen, das einen in eine Strudel der Abartigkeit und Perversion hineinzieht, aus dem man sich unmöglich befreien kann. Obwohl man vom Geschehen angewidert ist, kann man seinen Blick nicht vom heimischen Bildschirm lösen und erliegt der grausamen Faszination einer Geschichte, die einen sehr nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis hinterlässt. Dabei ist es vor allem der tiefe Einblick in die dunklen Abgründe einer menschlichen Seele, der einem am meisten zu schaffen macht. Die hoffnungslose Situation der Opfer tut ihr Übriges, um hier Ekel und Abscheu aufkommen zu lassen, die Ungläubigkeit über das Gesehene verwandelt sich dabei immer mehr in eine Art Schockzustand, aus dem es bis zum bitteren Ende kein Entkommen gibt. Phasenweise fühlt man sich wie paralysiert und kann im Prinzip keinen klaren Gedanken fassen, zu stark wird man in den Sog der Ereignisse hineingezogen und kämpft gegen den aufkommenden Ekel an, der durch die eigene Vorstellungskraft immer wieder aufkommt.

"The Human Centipede" gehört meiner Meinung nach zu den Filmen, die man nur schwerlich als gut oder schlecht einstufen kann. Einerseits ist man wirklich von der Geschichte angewidert und stellt sich immer wieder die Frage, wie krank doch das Gehirn des Regisseurs sein muss, um überhaupt auf eine so abartige Idee zu kommen, andererseits geht vom Geschehen eine so eigenartige Faszination aus, das man den Blick unmöglich abwenden kann. Ganz bewusst wurde hier auf übermäßige visuelle Härte verzichtet und auf die psychische Wirkung gesetzt, die sich wie ein freigesetzter Virus immer tiefer im Kopf des Betrachters festsetzt. Die dabei entstehenden Gefühle sind extrem intensiv und man ist hin-und her gerissen zwischen Schockzustand, Ekel und Abscheu. Ob man sich dieses Werk unbedingt mehrmals anschauen muss wage ich zu bezweifeln, einen Blick ist die Geschichte jedoch auf jeden Fall wert.


Fazit:


Immer wieder gibt es Horrorfilme, die über das Normale hinausgehen und "The Human Centipede" zählt in meinen Augen ganz eindeutig dazu. Der hier dargestellte Horror offenbart sich insbesondere im Kopf des Betrachters und braucht keine großartigen SFX, um seine volle Wirkung zu erzielen. Wer darauf erpicht ist, sollte sich unbedingt den zweiten teil anschauen, der in dieser Beziehung weitaus mehr zu bieten hat. Hier jedoch wird hauptsächlich äußerst intensives Kopf-Kino geboten, das einen gut 90 Minuten lang so intensiv bearbeitet, das man eine geraume Zeit braucht, um das Gesehene erst einmal sacken zu lassen, bevor man wieder zur Normalität übergehen kann.


7/10

Samstag, 24. November 2012

Axed









Axed
(Axed)
mit Jonathan Hansler, Andrea Gordon, Nicola Posener, Christopher Rithin, Henry Douthwaite, Brandon Francis
Regie: Ryan Lee Drisoll
Drehbuch: Ryan Lee Driscoll
Kamera: Edward Wright
Musik: Aleksandar Dimitrijevic
keine Jugendfreigabe
Großbritannien / 2012

Kurt Wendell hat seinen Job verloren, und kann es nicht über's Herz bringen, seiner Familie die Wahrheit zu sagen. Er nimmt seine zwei Kinder und seine Frau und fährt mit ihnen in ein abgelegenes Ferienhaus, weitab von der Zivilisation um. Was wie ein gemütliches Wochenende auf dem Lande beginnt, entwickelt sich zu einem Ausflug des Grauens. Denn mit der Axt in der Hand entlädt sich die aufgestaute Wut in Kurt. Und keiner wird ihm entkommen....

Wenn Daddy zum Psycho wird



Volle 10 Jahre nach seinem Regie-Debüt wartet Regisseur Ryan Lee Driscoll nun mit seinem zweiten Versuch auf und hat mit "Axed" eine Geschichte auf den Weg gebracht, die sich im ersten Moment sogar recht interessant anhört. Und in den ersten Minuten bietet das Werk auch ganz nette Ansätze, wobei vor allem der vorhandene Zynismus von Hauptdarsteller Jonathan Hansler sehr gut zur Geltung kommt und beim Zuschauer doch einige Erwartungen auf ein unterhaltsames Film-Erlebnis weckt. Doch die damit verbundenen Hoffnungen verlaufen ziemlich schnell im Sand, offenbart sich doch in der Folgezeit ein Szenario, das einen nicht wirklich vom Hocker haut. Zuerst einmal sollte man vielleicht anmerken, das man sich den Härtegrad des Geschehens an maximal 3 Fingern abzählen kann, denn bis auf ganz wenig Kunstblut wird in dieser beziehung auf absoluter Sparflamme gekocht. Das wäre ja noch durchaus zu verschmerzen, wenn wenigstens der Rest dieses Filmchens kurzweilige Unterhaltung anbieten würde. Doch auch in dieser Richtung haben sich die Macher nicht gerade sonderlich viel einfallen lassen um den Betrachter bei Laune zu halten, so das man im Endeffekt doch leider nur einmal mehr mit einer dieser halbgaren Geschichten konfrontiert wird, aus denen wirklich etwas hätte werden können, wenn man doch nur das vorhandene Potential ausgeschöpft hätte.

Davon kann jedoch überhaupt keine Rede sein, denn bis auf die phasenweise gelungene Performence von Hansler bietet sich eigentlich kaum etwas, was man lobenswert erwähnen könnte. So fehlt es den Geschehnissen beispielsweise vollkommen an einem annähehernd konstantem Spannungsaufbau, entpuppen sich die Ereignisse doch als dermaßen vorhersehbar, das man gedanklich schon nach relativ kurzer Zeit in den Leerlauf schaltet und sich lediglich darüber freuen kann, das die eigenen Vorahnungen jederzeit ins Schwarze treffen. Das trägt nicht unbedingt zu einem gesteigerten Interesse bei, das dann durch die äußerst unlogischen Verhaltensweisen der Darsteller noch weiter nach unten gedrückt wird. Hierbei geben sich die Ehefrau und die beiden Sprüßlinge gegenseitig die Klinke in die Hand, denn deren dümmlichen Handlungen gehen schon fast auf keine Kuhhaut mehr. Deuten doch etliche Hinweise darauf hin das mit dem Familienoberhaupt etwas nicht in Ordnung sein kann, so dauert es doch eine gefühlte Ewigkeit, bis die strunzdummen Familienmitglieder endlich einmal merken, in welche Richtung der Hase läuft und das ihr geliebter Daddy ihnen ans Leder will.

Damit ist es jedoch noch längst nicht getan, denn ab diesem Zeitpunkt schlagen die Ereignisse eine Richtung ein, die ich schon fast als abstruss und vollkommen an den Haaren herbeigezogen bezeichnen möchte. Der durchgeknallte Psycho wird nun durch das absurde Verhalten seiner Lieblinge förmlich dazu eingeladen, das er ihnen das lebenslicht auspusten kann. So ist es vollkommen unverständlich das man trotz unzähliger Möglichkeiten überhaupt nicht auf die Idee kommt, ebentuell vor Psycho-Dad zu flüchten. Als man sich dann endlich einmal dazu entschließt einen Versuch zu starten, erfährt die Geschichte dann die üblichen Klischees, um diesen Versuch zu torpedieren. Für manch einen mag das eventuell wie skurrile Situationskomik erscheinen, doch ehrlich gesagt habe ich das ganz anders empfunden. Denn bis auf den phasenweise gelungenen Zynismus lässt "Axed" im Prinzip alles vermissen, was den trockenen-und bissigen britischen Humor so auszeichnet. Darum kann ich auch die Bezeichnung Komödie in keinster Weise nachvollziehen, mit der dieses Werk von vielen Leuten in Verbindung gebracht wird. Eigentlich ist nämlich bis auf ganz wenige Ausnahmen überhaupt nichts witzig an diesem Film, noch nicht einmal unfreiwillig komische Passagen lassen sich erkennen. Vielmehr offenbart sich der zum Großteil misslungene Versuch, eine Mischung aus Slasher-und Drama in Szene zu setzen, die hauptsächlich an der Unbeholfenheit der Darsteller scheitert, die mit Ausnahme von Hansler nicht gerade mit viel Können aufwarten können.

Am schlimmsten agiert dabei Sohnemann Jay (Christopher Rithin) der einem schon fast leid tun kann und durch seine ungelenke Performance phasenweise zum fremd schämen einlädt. Die Interpretation einer weinerlichen Memme ist dabei stellenweise schon richtigehend nervtötend, doch durch den unlogischen verlauf der Geschehnisse wundert es einen nicht wirklich, das gerade dieses Weiei am Ende eine entscheidende Rolle spielen soll. Und so präsentiert sich hier letztendlich ein Filmchen das man nicht wirklich gesehen haben muss, denn bis auf ein wenig Schwung zu Beginn und ein wenig Zynismus hat das Werk von Ryan Lee Driscoll wirklich kaum etwas zu bieten, das einem nachhaltig im Gedächtnis haften bleiben würde. Keinerlei Spannung, dümmlich agierende Figuren und eine totale Vorhersehbarkeit der Ereignisse sind nicht unbedingt positive Merkmale für einen Film, der sich letztendlich unterhalb des normalen Durchschnittes ansiedelt.


Fazit:


Und wieder einmal bekommt man es mit einem der unzähligen Filme zu tun, von denen man sich weitaus mehr erwartet hat. Einige nette Ansätze und äußerst viel Leerlauf sind jedoch keinesfalls ausreichend, um in vorliegendem fall von einer guten Inszenierung zu sprechen.


4/10

Freitag, 23. November 2012

Blind









Blind
(Beul-la-in-deu)
mit Ha-Neul Kim, Seung Ho Yoo, Hie-bong Jo, Yang Yeong-jo, Mi-Kyeong Kim, Choong-seon Park, Park Bo-Geom, Dal-i, Wong Poong Yeon, Eun-seok Choi, Dae-hwan Oh, Min-ji Song, Sa Hee
Regie: Ahn Sang-hoon
Drehbuch: Min-senk Choi
Kamera: Keine Information
Musik: Keine Information
FSK 16
Südkorea / 2011

In einer regnerischen Nacht steigt die blinde Soo-ah in ein Taxi. Plötzlich fährt das Auto etwas Großes an. Obwohl der Fahrer behauptet, dass es sich um einen Hund handelt, ist sich die junge Frau sicher, dass er lügt. Bei der Polizei will ihr jedoch niemand glauben. Was kann eine blinde Frau schon gesehen haben? Erst als sich ein zweiter Zeuge, ein Teenager, meldet, wendet sich das Blatt. Allerdings widersprechen sich beide Aussagen, und was zunächst wie eine Fahrerflucht aussieht, stellt sich bald als die Tat eines Serientäters heraus. Ein Killer, der alles daran setzt, die beiden einzigen Zeugen mundtot zu machen.


Einmal mehr stellen die Südkoreaner mit diesem Film unter Beweis, das sie im asiatischen Raum zu den absoluten Größen zählen, wenn es darum geht qualitativ hochwertige Produktionen auf den Weg zu bringen. "Blind" ist dabei eine ausgezeichnete Kombination aus Thriller-und Drama, wobei sich die jeweiligen Anteile der Genres ungefähr die Waage halten. Ahn Sang-hoon erzählt mit seiner zweiten Regiearbeit eine teils rührende, andererseits jedoch auch jeder Zeit äußerst spannende Geschichte, die trotz ihrer etlichen spannenden Momente auch genügend Freiraum für menschliche Emotionen lässt, was dem Film in seiner Gesamtbetrachtung sehr zu Gute kommt. Zu Beginn wird man mit einem Rückblick konfrontiert, in dem einem kurz die Ereignisse geschildert werden, die zur Erblindung der Hauptfigur Min Soo-ah führten, bevor die Geschichte dann 3 Jahre später fortgesetzt wird. In einem eher ruhigen Erzähltempo wird nun einerseits die Figur der Min sehr eingehend beleuchtet, doch auf der anderen Seite offenbart sich das geschehen um einen Frauenmörder, dessen Bekanntschaft die junge Frau auf eine eher zufällige Art und Weise macht.

Der in der Inhaltsangabe geschilderte Unfall dient nun für eine in der Folge teils wilde Hetzjagd, denn selbstverständlich will der Killer die beiden einzigen Zeugen des Unfalls aus dem Weg räumen, was jedoch nicht so ganz leicht fällt, wie dieser sich das vorstellt. Die Geschichte wandelt nun immer wieder zwischen den angesprochenen Thriller-und Drama Anteilen, uhne aber eines der beiden Elemente sonderlich zu bevorzugen. Es entwickelt sich vielmehr eine äußerst sehenswerte und ausgewogene Mischung, die den Zuschauer nebenbei immer tiefer in die Ereignisse hineinzieht und fast schon zu einem Teil des Ganzen macht. Teilweise kommt in einem selbst sogar der berühmte Beschützerinstinkt durch, denn man verspürt das unbedingte Verlangen, die symphatische junge Frau vor dem Mörder zu schützen, da sie durch ihre Sehbehinderung doch fast vollkommen schutzlos erscheint. Dennoch fiebert man aber auch bei den starj ausgeprägten Thriller-Anteilen mit, denn die Ereignisse verdichten sich immer mehr und es scheint lediglich eine Frage der Zeit zu sein, bis der gnadenlose Killer sein Ziel erreicht und die junge Min töten kann.

Diese erfreut sich aber der Unterstützung eines Polizei-Inspektors und eines männlichen Teenagers, der gleichzeitig der einzige wirkliche Augenzeuge des Unfalls war. So langsam aber sicher zieht sich die Schlinge um den hals der beiden zeugen trotzdem immer dichter zusammen, was man auch an der zunehmend dichter werdenden Grundstimmung des Filmes ersehen kann. Die rührenden Passagen treten etwas in den Hintergrund und die Spannungsschraube wird ganz kontinuirlich immer fester angezogen, so das sich auch auf den handflächen des Betrachters mit der Zeit ein leichter Schweißfilm bildet. Das alles erreicht Ahn Sang-hoon mit fast spielerischer Leichtigkeit und muss dabei noch nicht einmal auf explizite Gewaltdarstellungen zurückgreifen. Es sind die Ereignisse an sich die einen hier ganz unweigerlich in ihren bann ziehen und für eine ungeheure Faszination sorgen, der man sich unmöglich entziehen kann. Trotz verhältnismäßig wenig Tempo erscheint alles unglaublich intensiv und die relativ wenigen rasanten Passagen sind wohl dosiert, so das sämtliche Abläufe zu keiner Zeit hektisch oder überzeogen erscheinen. Letztendlich läuft dann das Ganze auf den fast unausweichlichen Showdown zwischen dem Killer und den Zeugen hinaus, der sich in einem Waisenhaus abspielt, in dem Min groß geworden ist.

Zu diesem Zeitpunkt geht der Film dann auch in atmosphärischer Hinsicht noch einmal in die Vollen, spielt sich das Szenario doch in der Nacht und bei einsetzendem Dauerregen ab. An dieser Stelle wird einem dann noch einmal ein ordentlicher Adrenalin-Schub verabreicht, denn bis zur endgültien Entscheidung vergehen einige Minuten, in denen man die Spannung förmlich fühlen kann. Übrigens ist es auch keinesfalls ein negativer Kritikpunkt, das man die Identität des Mörders praktisch von Beginn an kennt, ist die Story doch viel eher auf die folgenden Geschehnisse und nicht auf ein munteres Rätselraten ausgelegt. So kann man letztendlich ohne Übertreibung behaupten, das mit "Blind" ein weiterer Höhepunkt aus Asien den Weg zu uns gefunden hat, denn diese Geschichte sollte man sich auf jeden Fall anschauen. Sämtliche Zutaten sind so perfekt miteinander vermischt worden, das hier ein rundum gelungenes-und sehr ausgewogenes Gesamtbild entsteht, das eine Sichtung fast zwingend erforderlich macht. Ausgezeichnet agierende Darsteller sorgen zudem für eine äußerst glaubwürdige Inszenierung, an der jeder Liebhaber guter Filme seine helle Freude haben dürfte.


Fazit:


Asien ist ein wirklich gutes Pflaster für hochwertige Film-Produktionen, wie einem mit "Blind" einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis gestellt wird. Die gelungene Mixtur aus Thriller-und Drama beschert dabei ein richtig tolles Filmvergnügen, das man sich definitiv nicht durch die lappen gehen lassen sollte.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch DD 5.1
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 111 Minuten
Extras: Trailer, Trailershow


8/10

Dienstag, 20. November 2012

Piranha 2









Piranha 2
(Piranha 3DD)
mit Danielle Panabaker, Matt Bush, Katrina Bowden, Jean-Luc Bilodeau, David Koechner, Chris Zylka, Adrian Martinez, Paul James Jordan, Meegan Tandy, David Hasselhoff, Christopher Lloyd, Ving Rhames, Clu Gulager
Regie: John Gulager
Drehbuch: Patrick Melton / Marcus Dunstan
Kamera: Alexandre Lehmann
Musik: Elia Cmiral
Keine Jugendfreigabe
USA / 2012

Der Piranha-Schwarm ist wieder hungrig. Nach dem Blutbad im Lake Victoria zieht er weiter flussaufwärts und landet in dem Wasserpark Big Wet, wo sich zum Feiern und schnellen Sex entschlossene Teenager zusammengefunden haben. Die mutierten Biester richten ein Blutbad von unvorstellbaren Ausmaßen an. Nur die entschlossene Maddy und ihre beiden Freunde Barry und Kyle sind bereit, den Piranhas entgegen zu treten. Dazu müssen sie allerdings selbst ins Wasser. Und das ist noch nicht die letzte Überraschung.


2 Jahre ist es nun her, das Alexandre Aja die blutrünstigen Urzeit-Piranhas auf die Menschheit losgelassen hat. Nun ist unter der Regie von John Gulager (Feast 1 - 3) die Fortsetzung erschienen und die kleinen Killerfische gehen wieder auf Beutejagd. War schon beim ersten Teil nicht gerade eine inhaltsvolle Geschichte vorhanden, so ist die Rahmenhandlung in vorliegendem Film noch ausgedünnter, was jedoch nicht zwangsläufig als nachteil angesehen werden muss. "Piranha 2" zielt vielmehr in die Komödien-Richtung und nimmt sich selbst zu keiner Zeit ernst. Im Gegenteil, die Story bedient eigentlich jedes Klischee und nimmt sich selbst ordentlich auf die Schippe, was fast schon zwangsläufig für einen sehr hohen Unterhaltungswert sorgt. Und so wird dann auch der Zuschauer fast durchgehend mit den unmöglichsten Situationen konfrontiert, die vor Ironie und stellenweise vorhandenem Sarkasmus nur so strotzen.

Als bestes Beispiel für diese Behauptung kann man das Mitwirken von David "The Hoff" Hasselhoff" ansehen, der sich mit einem ordentlichen Schuss Selbstironie selbst darstellt und in der Rolle als Lifeguard auftritt, die ihn vor etlichen Jahren berühmt gemacht hat. Die Stärke dieses Filmes ist ganz sicher die wunderbar skurrile Situationskomik, die gesamten Abläufe erhalten dadurch eine herrlich trashige Note und beschwören so manchen herzhaften lacher hervor, den man sich beim besten Willen nicht verkneifen kann. Dabei geraten insbesondere einige der Akteure in Situationen die so dermaßen haarsträubend erscheinen, das einem die haare zu Berge stehen. Man merkt sämtlichen Schauspielern jederzeit an, das sie hier wirklich richtig Spaß an der Sache hatten und dieser Eindruck überträgt sich auch durchaus auf den Betrachter. Da vergisst man gern einmal, das die Geschichte keinerlei Substanz beinhaltet, denn hier steht ganz eindeutig der hoch angesiedelte Fun-Faktor im Focus des Geschehens.

Die Freunde der härteren Gangart müssen sich jedoch eine geraume Weile gedulden, bis "Piranha 2" auch seine Alterseinstufung rechtfertigen kann, denn größtenteils wird man mit eher harmlosen Passagen konfrontiert, bevor dann in den letzten Minuten auch ein ansehnlicher Härtegrad Einzug in das skurrile Treiben hält. Doch ehrlich gesagt ist das gar nicht weiter schlimm, denn die herrlich sinnbefreite Story bietet so viel Kurzweil, das man das Fehlen wirklich harter Szenen gar nicht so stark merkt, man erfreut sich vielmehr an etlichen grotesk anmutenden Momenten, in denen sich die Protagonisten befinden. Da bekommt man Piranhas geboten, die sich am Geschlechtsteil eines jungen Mannes festgebissen haben, ein anderer hat wiederum mit einem Killerfisch zwischen seinen Pobacken zu kämpfen. Diese und andere Szenen sind im Überfluss vorhanden, so das man sich gut vorstellen kann, das es sich um ein ziemlich witziges Szenario handelt, das John Gulager einem hier präsentiert.

Es ist also definitiv zu empfehlen das man nicht mit zu hohen Erwartungen an diesen Film herangeht, sondern sich stattdessen auf ein äußerst witziges-und trashiges Filmvergnügen einstellt, das aufgrund seiner knapp bemessenen Laufzeit von gerade einmal knapp 70 Minuten keinerlei Längen aufweist. Der Spaß an einem skurrilen treiben steht ganz eindeutig im Vordergrund und wenn man mit genau dieser Erwartungshaltung an "Piranha 2" herangeht, kommt man durchgehend auf seine Kosten. Ein paar nette blutige Effekte am Ende runden die ganze Sache sehr gut ab, so das man dieses Werk guten Gewissens weiterempfehlen kann.


Fazit:


Eine Geschichte, die inhaltlich gerade einmal einen halben Bierdeckel ausfüllt, einige blutige Szenen und jede Menge Trash vom Feinsten ergeben ein extrem vergnügliches Filmerlebnis, das man sich bestimmt nicht nur einmal anschaut. John Gulager hat seine Sache wirklich gut gemacht und seine Geschichte mit ordentlich Humor bestückt, so das hier ein Großangriff auf die Lachmuskeln des Zuschauers stattfindet.


7/10 Trash-Granaten

Sonntag, 18. November 2012

The Viral Factor









The Viral Factor
(Jik Zin)
mit Jay Chou, Nicholas Tse, Ling Peng, Bing Bai, Andy On, Kai Chi Liu, Carl Ng, Tin Chiu Hung, Philip Keung, Elaine Jin, Deep Ng, Andrew Dasz, Steven Dasz, Brad Dirk Martin, Jared Robinson
Regie: Dante Lam
Drehbuch: Dante Lam / Candy Leung
Kamera: Kenny Tse
Musik: Peter Kam
Keine Jugendfreigabe
Hongkong / 2012

Eine Eliteeinheit wird beim Auftrag einen Spezialisten für Biochemische Waffen aus dem Land zu schleusen aufgerieben. Jon (Jay Chou), der einzige Überlebende, macht sich auf eine atemlose Hetzjagd durch mehrere Länder um die Entführer an der Entwicklung eines tödlichen Virus zu hindern. Plötzlich steht er seinem Bruder (Nicholas Tse), von dessen Existenz er nicht wusste, gegenüber. Doch dieser kämpft auf der falschen Seite. Kann Jon seinen Bruder überzeugen und Asien vor dem tödlichen Virus retten? Im Kampf gegen eine Armada von Gegnern legen sie Kuala Lumpur in Schutt und Asche…


Der asiatische Filmmarkt hat in den vergangenen Jahren etliche herausragende Filme aus den verschiedendsten Genres hervorgebracht und auch das neue Werk von Dante Lam ist ganz eindeutig in diese Kategorie einzuordnen. Mit "The Viral Factor" bekommt man es nun mit einem ausgezeichneten Action-Thriller zu tun, der sich auch keineswegs hinter diversen Hollywood-Blockbustern verstecken muss. Von der ersten Minute an offenbart sich dabei ein Szenario, das fast durchgehend mit einem extrem hohen Tempo daherkommt und mit etlichen Action-Sequenzen durchzogen ist. Im Mittelpunkt des Geschehens stehen 2 Brüder, die im Prinzip auf verschiedenen Seiten stehen, sich aber im Laufe der zeit zu einer Einheit entwickeln und ein gemeinsames Ziel verfolgen. Dante Lam ist es ganz vortrefflich gelungen, hier eine tolle Mixtur aus Action-und ein wenig Familiendrama zu schaffen, denn neben einem rasanten Action-Kracher bietet der Film auch genügend Freiraum, um die tragische Familiengeschichte der beiden Brüder eingehender zu beleuchten. Dabei sind die jeweiligen Anteile von Action-und Drama ausgezeichnet verteilt und ergeben in der Summe ein absolut überzeugendes Gesamtergebnis.

Die Geschichte verfügt über einen konstant ansteigenden Spannungsaufbau und hält den Betrachter bis zur letzten Minute bei Atem, die Erholungsphasen innerhalb der Story beschränken sich nämlich wirklich auf ein absolutes Minimum. Durch die hervorragenden Kamerafahrten werden einem die waghalsigen Stunts sehr gut näher gebracht und sorgen zudem für ein teilweise schon sehr schweißtreibendes Filmvergnügen der Extraklasse. Immer wieder wird das Tempo der Ereignisse angezogen und man fragt sich dabei ganz unweigerlich, über welche Kondition die Protagonisten verfügen, die in einem permanenten Dauereinsatz über ihre Grenzen hinausgehen müssen. Die beiden Haupt-Charaktere Kon und Man Young liefern hier körperliche Höchstleistungen ab, denn unzählige Schießereien, jede Menge Nahkämpfe und die wildesten Verfolgungsjagden führen sie an die Grenzen der körperlichen Belastbarkeit. Nun kann man sich hierbei sicherlich die berechtigte Frage stellen, ob die ein oder andere Passage nicht sogar ein wenig unrealistisch erscheint, doch in einem solchen Action-Spektakel sollte man nicht zwangsläufig auf die Glaubwürdigkeit diverser Abläufe pochen.

Dennoch ist insbesondere die Figur des Jon ein wenig fragwürdig, läuft der gute Mann doch mit einer Pistolenkugel im Kopf herum, die er sich bei einem Anschlag zu Beginn des Filmes eingefangen hat. Da die Ärzte ihm dann auch noch eine Zeitspanne von gerade einmal 2 Wochen genannt haben bis er unter einer vollständigen Lähmung leidet und er zudem unter immer stärkeren Kopfschmerzen leidet, ist sein Kampfeinsatz während der gesamten Laufzeit etwas kritisch und wenig glaubwürdig anzusehen. Das soll aber keinesfalls den gewonnenen Gesamteindruck dieses Filmes schmälern, der beste Unterhaltung auf höchstem Niveau anbietet. Fast typisch für einen asiatischen Film ist auch "The Viral Factor" nicht ganz frei vom üblichen Schuss Melodramatik, der ganz besonders am Ende der Geschichte zum Ausdruck kommt. Es bewegt sich jedoch alles in einem angenehmen Rahmen, so das der Abschluss des Ganzen zwar etwas tragisch, aber keinesfalls übertrieben oder gar schnulzig erscheint.

Insgesamt gesehen ist hier ein nicht immer glaubwürdiger, aber nichtsdestotrotz absolut überzeugender Film entstanden, der auch höheren Ansprüchen genügen dürfte. Eine jederzeit spannende Geschichte, überzeugend agierende Schauspieler und jede Menge tempreiche Action-Passagen ergeben ein Gesamtbild, das sich definitiv weit über dem üblichen Durchschnitt ansiedelt. Untermalt von einem wuchtigen Score bietet "The Viral Factor" Action-Kino vom Feinsten und offenbart bei einer Gesamtspielzeit von gut 2 Stunden keinerlei langatmige Momente, die das Sehvergnügen trüben würden. Ein wenig Familiendrama lässt zudem auch noch genügend Freiraum für einige sehr emotionale Momente, so das man letztendlich von einem absolut ansprechenden Gesamtpaket reden kann.


Fazit:


"The Viral Factor" ist ein weiteres Beispiel dafür, was für tolle Filme immer wieder aus dem asiatischen raum kommen. Dabei handelt es sich längst nicht mehr nur um die typischen Japan-Grusler wie "Ring", denn auch sämtliche anderen Genres bringen immer wieder hochklassige Produktionen hervor, die sich locker mit den üblichen Hollywood-Produktionen messen können.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Mandarin DD 5.1
Untertitel: Deutsch / Niederländisch
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 123 Minuten
Extras: Making Of


8/10

Freitag, 16. November 2012

The Devil's Double










The Devil's Double
(The Devil's Double)
mit Dominic Cooper, Ludvine Sagnier, Raad Rawi, Philip Quast, Mimoun Oaissa, Khalid Laith, Dar Salim, Nasser Memarzia, Mem Ferda, Pano Masti, Akin Gazi, Amrita Acharia, Elektra Anastasi
Regie: Lee Tamahon
Drehbuch: Michael Thomas / Latif Yahia
Kamera: Sam McCurdy
Musik: Christian Henson
FSK 16
Belgien / Niederlande / 2010

Schon allein die Tatsache, der Sohn von Saddam Hussein zu sein, ist für Uday eine Gefahr. Doch der Erstgeborene des irakischen Diktators ist auch sonst nicht gerade zimperlich, wenn es darum geht, sich Feinde zu machen. Ein Doppelgänger soll ihn in kritischen Momenten vertreten. Die Wahl fällt auf den Soldaten Latif (Dominic Cooper), der jedoch nur zwangsweise mitspielt und immer tiefer in die rücksichtslosen Geschäftsgebaren Udays hineingerät. Als er versucht, dem Teufelskreis zu entkommen, hat das schwerwiegende Folgen.


Basierend auf den Erzählungen des echten Latif Yahias erzählt dieser eindrucksvolle Film dessen Zeit als Doppelgänger von Sadam Husseins ältesten Sohnes Yuday. In wie weit sich die hier dargestellten Ereignisse auch wirklich so ereignet haben mag man nicht zu beurteilen, jedoch hinterlassen sie einen durchaus glaubwürdigen Eindruck beim Zuschauer, auch wenn diverse Passagen sicherlich etwas ausgeschmückt wurden, um den Film noch interessanter zu machen. Ob dies überhaupt notwendig war lasse ich einmal dahingestellt, denn die Geschichte hinterlässt ganz generell einen sehr bitteren Geschmack, was insbesondere in den Handlungen und im Charakter des Uday begründet liegt. Der Titel "The Devil's Double" ist hier absolut passend gewählt, stellt sich doch die Figur des Uday als wahrer Teufel in Menschengestalt dar. Seine Taten und Handlungen sind so unberechenbar und streckenweise absolut grausam, das es der eigene Verstand kaum glauben will. Die Willkür und totale Unberechenbarkeit des Charakters ist so heftig, das sich niemand in seinem Umfeld sicher sein kann, was in der nächsten Minute passieren kann. An dieser Stelle kommt das herausragende Schauspiel des Hauptdarstellers Dominic Cooper ins Spiel, der in einer Doppelrolle absolut fantastisch agiert.

Hierbei war es sicherlich nicht leicht 2 vollkommen unterschiedliche Charaktere gleichzeitig zu spielen, wobei die Darstellung des Sohnes des ehemaligen Diktators ganz bestimmt herausragt. Dem Zuschauer präsentiert sich dabei die Skizzierung eines Mannes, der ziemlich offensichtlich ein totaler Psychopath ist, dem ein Menschenleben anscheinend genau so viel bedeutet, wie der Dreck unter einem Fingernagel. Was er will das nimmt er sich und zwar ohne jegliche Rücksicht auf Verluste. Insbesondere dieser Aspekt wird in der Geschichte ganz hervorragend herausgearbeitet und hinterlässt bei einem selbst so etwas wie absolute Fassungslosigkeit darüber, wie gleichgültig doch einige Menschen mit anderen umgehen. Das Schauspiel von Cooper bleibt einem hier sehr nachhaltig im Gedächtnis, doch ebenso kann er in der Rolle des Latif überzeugen, der charakterlich gesehen das genaue Gegenteil darstellt und dies auch im laufe der Ereignisse des Öfteren zum Ausdruck bringt. Der dadurch entstehende Kontrast ist eine der größten Stärken dieser belgisch-niederländischen Co-Produktion, die einem phasenweise etliche kalte Schauer über den Rücken jagt.

Fast durchgehend verspürt der Betrachter während des Geschehens eine extrem starke Beklemmung die man unmöglich abschütteln kann. Man kann es kaum fassen, wie selbstverständlich Menschen gedemütigt und getötet werden, nur weil der Sohn des Diktators ein wenig Spaß im Leben haben will. Die fast schon grausame Faszination die dabei von der Hauptfigur ausgeht, kann man kaum in Worte fassen. Wenn das Ganze nicht so ernst wäre könnte man in etlichen Einstellungen sogar lachen, denn die Performance des Dominic Cooper bietet sehr wohl etliche Momente die auf eine groteske Art komisch erscheinen, doch kehren diese letztendlich nur die psychopathische Veranlagung des Uday Hussein heraus. Ich kann mir äußerst gut vorstellen, das der Hauptdarsteller bei dieser Doppel-Performance sicherlich an seine Grenzen herangehen musste, denn 2 so unterschiedliche Menschen darzustellen ist sicherlich kein Kinderspiel. Und gerade aus diesem Grund kann man die Darbietungen gar nicht hoch genug einschätzen, ist Cooper doch das uneingeschränkte Highlight in dieser faszinierenden Geschichte. Diese ist aber auch ganz generell mehr als nur interessant, zudem beinhaltet sie ein ordentliches Tempo, so das zu keiner Zeit auch nur der Anflug von Langeweile aufkommen kann. Zu sehr schlägt einen das Geschehen in seinen Bann und versetzt einen dabei manchmal schon in eine Art Schockzustand, der aufgrund der schier unglaublichen Ereignisse einsetzt.

"The Devil's Double" ist ein grandioser Einblick in das Leben eines Teufels in Menschengestalt. Wie glaubhaft das Szenario dargestellt wird mag ich nicht zu beurteilen, doch kann man sich bildhaft vorstellen, das hier Vieles nicht dem reich der Fantasie entspringt. Umso stärker ist auch die Wirkung des Filmes, der einen äußerst nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis hinterlässt und den Zuschauer auch noch lange nach der Sichtung beschäftigt. Man ist definitiv froh darüber, das man nicht selbst in einem land geboren ist, in dem die hier dargestellten Ereignisse überhaupt möglich sind, denn allein schon die Sichtung vor dem heimischen Bildschirm nimmt einen dermaßen mit, das man hinterher erst einmal eine gewisse Zeitspanne vergehen lassen muss, bis man sich vom Gesehenen wieder erholt hat. Das Werk von Lee Tamahon sollte man sich auf jeden Fall einmal zu Gemüte führen, gewährt es doch einen tiefen Einblick in den kranken Geist eines Mannes, dessen größte Lust es war, andere Menschen auf sadistische Art und Weise zu erniedrigen und zu quälen.


Fazit:


Ein absolut brillant aufspielender Hauptdarsteller und eine faszinierende Geschichte sorgen für ein Filmerlebnis, das man nicht so schnell vergessen wird. Stellenweise bietet "The Devil's Double" dabei sogar einige Momente, die auf eine grausame Art so etwas wie Situationskomik enthalten, über die man jedoch keinesfalls lachen kann. Insgesamt gesehen ist hier ein beeindruckender Film entstanden, den man sich keinesfalls entgehen lassen sollte.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch DTS 5.1, DD 5.1 / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,85:1 (16:9)
Laufzeit: 104 Minuten
Extras: Kommentar vom Regisseur Lee Tamahori, Making Of, Interview mit Latif Yahia, Interview mit Dominic Cooper


8/10

Donnerstag, 15. November 2012

Battleship









Battleship
(Battleship)
mit Taylor Kitsch, Alexander Skarsgard, Rihanna, Brooklyn Decker, Tadanobu Asano, Hamish Linklater, Liam Neeson, Peter MacNicol, John Tui, Jesse Plemons, Gregory D. Gadson, Jerry Ferrara, Joji Yoshida
Regie: Peter Berg
Drehbuch: Jon Hoeber / Erich Hoeber
Kamera: Tobias A. Schliessler
Musik: Steve Jablonsky
FSK 16
USA / 2012

Kaum ein Offizier hat je in der US Navy derart schnell Karriere gemacht wie Alex Hopper (Taylor Kitsch). Aber dann begeht er einen Fehler, der ihn die Laufbahn kosten könnte: Er verliebt sich ausgerechnet in Sam (Brooklyn Decker), die Tochter seines Admirals (Liam Neeson). Gemeinsam mit seinem älteren Bruder Stone, der bereits Kommandeur eines Kriegsschiffes ist, wird er zu einem internationalen Seemanöver in den Pazifik geschickt.
Mitten auf dem Ozean wird die Flotte von den gigantischen High-Tech-Kampfmaschinen einer außerirdischen Macht angegriffen. Jetzt heißt es Privates zurück zu stellen um sich im Kampf um das Schicksal der Erde zu bewähren.



Schiffe versenken im Blockbuster-Format


So kurz und knapp könnte man das Werk von Peter Berg (Hancok) beschreiben, denn der Spiele-Klassiker wurde hier einmal kurz in das Gewand eines Filmes gepackt. Doch ganz so leicht sollte man es sich dann auch nicht machen, denn "Battleship" bietet ein absolut sehenswertes Szenario, das man jedoch nicht zwingend nach seiner Glaubwürdigkeit beurteilen konnte. Außerirdische Invasoren sind ja nun wirklich keine sensationelle Neuigkeit, wurde diese Thematik doch schon unzählige Male verfilmt und dabei in den unterschiedlichsten Versionen dargestellt. Hier wurde eine nicht sonderlich glaubhafte, dafür jedoch umso unterhaltsame Variante gewählt, in der es nach einem ruhigen Beginn schon nach relativ kurzer Zeit ordentlich zur Sache geht. Dabei enthält das Geschehen wirklich sehenswerte Effekte, was man aber bei einem geschätzten Budget von über 200.000.000 $ auch durchaus erwarten kann.

Rein von der Action her gesehen bietet die Story eine ganze Menge, da schaut man auch ganz gern einmal über die etlichen Klischees hinweg, mit denen die Geschichte behaftet ist. So sind es selbstverständlich lediglich eine Handvoll Menschen die die Welt vor dem Untergang bewahren und mit Taylor Kitsch in der Hauptrolle ist es ein regelrechter Rebell, der die Hauptverantwortung dafür trägt. Außerdem sind die Außerirdischen auch hier in Sachen Technologie der Menschheit extrem überlegen, so das es eigentlich unmöglich erscheint die Erde vor dem Untergang zu bewahren. Doch wie es in Filmen dieser Art prinzipiell immer der Fall ist, kommt es selbstverständlich vollkommen anders, wobei der Sieg über die Invasoren am Ende fast schon ein wenig zu leicht erscheint. Das ist aber im Prinzip absolut egal, denn einmal mehr handelt es sich hier um den typischen Hollywood-Filmstoff, aus dem wahre Helden geboren werden.

Und das wird eigentlich schon am Beginn der Story klar, denn Taylor Kitsch ist diese Rolle wie auf den Leib geschneidert. Da wird am Anfang gesteigerter Wert darauf gelegt hier einen wirklichen Rebellen darzustellen, der einfach in den Tag hineinlebt und für den regeln ein absolutes Fremdwort sind. Selbst bei der Navy schafft man es nicht ihm die Flausen aus dem Kopf zu treiben und der gute Mann eckt trotz großartiger Fähigkeiten überall an. Spätestens jetzt müsste jedem klar werden, das sich in seiner Person am Ende die Wandlung vom Saulus zum Paulus vollzieht, denn anders ist das weitere Geschehen kaum denkbar. So entwickelt sich zwar ein recht vorhersehbares Szenario, worunter der Unterhaltungswert des Filmes aber zu keiner Zeit leidet. Herrliche Feuergefechte zwischen den Menschen und den Invasoren sind die Folge, wobei der Action-Gehalt sich nun wirklich sehen lassen kann. Man bekommt Popcorn-Kino bester Art zu sehen und sollte "Battleship" weniger danach beurteilen, ob sich das Gesehene in dieser Art auch wirklich glaubhaft darstellt.

Auch die darstellerischen Leistungen bewegen sich im soliden bereich, lediglich ein Liam Neeson ist in seiner kleinen Nebenrolle als Admiral ehrlich gesagt verschenkt, bietet der Charakter doch keinerlei Möglichkeit sich richtig zu entfalten. Zwar kann man das auch auf die anderen Figuren beziehen, dort findet jedoch zumindest eine oberflächliche Beleuchtung statt, die einem die für die Story wichtigen Personen ein wenig näher bringt. In einer weiteren Nebenrolle ist beispielsweise auch mit Rihanna eine der im Moment erfolgreichsten Sängerinnen zu sehen, die ihre sache sogar ordentlich macht, ohne sich aber besonders in den Vordergrund zu spielen. Und so bietet das Werk von Peter Berg insgesamt sehr sehenswerte Filmkost, die man jedoch nicht unbedingt nach ihrem Nährwert bewerten sollte. Einfach den Kopf leerlaufen lassen und sich an einem unterhaltsamen SCI/FI-Action Kracher erfreuen, der durchweg äußerst temporeich gestaltet ist und eine Menge an Action bietet, die sich im oberen Qualitäts-Bereich einordnet.


Fazit:


Auch wenn "Battleship" alles andere als glaubhaft daherkommt und mit unzähligen Klischees beladen ist, fühlte ich mich grandios unterhalten. Eine nette Variante der Invasion durch Außerirdische, jede Menge Action und einige Helden, die selbstverständlich die Welt vor dem Untergang bewahren sind Grund genug, sich das Werk zumindest einmal anzuschauen.


7/10

Dienstag, 13. November 2012

V/H/S - Eine mörderische Sammlung









V/H/S - Eine mörderische Sammlung
(V/H/S)
mit Calvin Reeder, Lane Hughes, Kentucker Audley, Adam Wingard, Hannah Fierman, Mike Donlan, Joe Sykes, Drew Sawyer, Jas Sams, Joe Swanberg, Sophia Takal, Kate Lyn Sheil, Drew Moerlein
Regie: Matt Bettinelli-Olpin / David Bruckner
Drehbuch: Glenn McQuaid / David Bruckner
Kamera: Eric Branco / Andrew Droz Palermo / Victoria K. Warren / Michael J. Wilson
Musik: keine Informationen
keine Jugendfreigabe
USA / 2012

Als eine Gruppe Kleinkrimineller von einem unbekannten Dritten angeheuert wird, in einem heruntergekommenen Abbruchhaus im Nirgendwo ein seltenes Stück Filmmaterial zu besorgen, bemerken diese bald, dass die Aufgabe nicht so leicht zu erledigen ist, wie sie dachten. Im Wohnzimmer thront eine Leiche vor zahlreichen alten Fernsehern, umringt von Stapeln VHS-Kassetten. Auf der Suche nach dem richtigen Tape sehen sie sich einer schier endlosen Zahl grauenerregender Videos ausgesetzt – jedes verstörender als das Vorherige.


Die Rahmenhandlung dieser Ansammlung diverser Found Footage Horrorkurzfilme ist schnell erzählt und in der Inhaltsangabe schon recht ausführlich beschrieben, wobei man auf den Inhalt der jeweiligen Episoden nicht weiter eingehen sollte, um niemandem die Spannung zu nehmen. Einmal mehr präsentiert sich mit "V/H/S" ein Film, der die Meinungen ganz sicher extrem spalten wird, denn der Drehstil mit der berühmt-berüchtigten Wackelkamera ist ja nicht jedermanns Sache. Und gerade hier kommt diese ganz extrem zum Einsatz, so das es phasenweise äußerst anstrengend für den Zuschauer ist, dem Geschehen überhaupt konzentriert folgen zu können. Die einzelnen Episoden an sich sind allesamt durchaus interessant und bieten dabei von Grusel bis zu härteren Horror-Passagen so ziemlich alles, was das Herz begehrt, lediglich die teils extrem verwackelten Bilder beeinträchtigen den Seh-Genuss. Manche Szenen sind wirklich äußerst schwer zu erkennen, was mit der Zeit schon ein wenig nervend ist, dennoch ziehen einen die einzelnen Kurzfilme irgendwie in ihren Bann und strahlen dabei eine ganz eigene Faszination aus, der man fast zwangsweise erliegt.

Die harten-und streckenweise blutigen Szenen sind gut über die gesamte Spielzeit verteilt, es eröffnet sich also keinesfalls eine Schlachteplatte, die aus reinem Gemetzel besteht. Vielmehr entwickelt sich eine sehr bedrohliche Grundstimmung, die in den einzelnen Episoden mal etwas besser oder auch schlechter zur Geltung kommt, insgesamt gesehen aber ein durchgehend herrliches Horror-Feeling zum Ausdruck bringt, an dem man als Genre-Fan seine helle Freude haben kann. Wie bei eigentlich allen Filmen dieser Machart liegt die große Stärke in dem Aspekt begründet, das hier durch den Drehstil ein sehr authentischer Eindruck der Ereignisse entsteht. Man hat jederzeit das Gefühl ein Teil der Geschehnisse zu sein und sich live in diesem Horror-Szenario zu befinden, das ganzzeitig sehr intensiv auf einen einwirkt. So fühlt man sich auch sichtlich unwohl in der eigenen Haut und ist so gut wie wehrlos gegen ein aufsteigendes Gefühl der Beklemmung, das sich mit zunehmender Laufzeit immer weiter verstärkt.

Obwohl ich nicht gerade ein bekennender Fan der Wackelkamera bin, hat mir dieses Werk erstaunlicherweise sehr gut gefallen, lediglich einige hektische Szenen waren dabei als Defizit auszumachen. Dennoch kann man für "V/H/S" keine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen, denn Leute die zu Schwindel-Anfällen neigen sollten besser die Finger von diesem Film lassen. Für alle anderen präsentiert sich ein durchaus innovatives-und kreatives Werk, das richtig gute Unterhaltung anbietet. Allerdings sollte man sich nicht an offenen Enden und unbeantworteten Fragen stören, denn beide Dinge sind im Prinzip in jeder einzelnen Geschichte im Überfluss vorhanden. Andererseits wird so jede Menge Spielraum für eigene Interpretationen gelassen, wodurch die Geschichten einen ganz eigenen Reiz entwickeln. Man sollte also ganz genau wissen, auf welche Art von Film man sich hier einlässt, um am Ende keine Enttäuschung zu erleben.

Letztendlich läuft es bei "V/H/S" auf den ganz persönlichen Geschmack des Zuschauers hinaus und wer mit Found Footage Kurzfilmen nichts anfangen kann, sollte erst gar nicht zur vorliegenden DVD greifen. Wer jedoch dieser Film-Gattung zugetan ist, wird mit teilweise kreativer Horror-Kost belohnt und dürfte sich auch an einer durchgehend vorhandenen Gänsehaut erfreuen, die bei den gezeigten Ereignissen fast zwangsläufig entstehen dürfte.


Fazit:


Einmal mehr werden die Lager der Fans ganz sicher in 2 Lager gespaltet, denn manch einer wird dieses Werk als unnötigen Schund abtun, während andere ihre Begeisterung kaum verheimlichen können. Die Wahrheit liegt wohl wie fast immer in der Mitte und so sollte man dem Film auf jeden Fall eine Chance geben, um sich ein eigenes Urteil zu bilden.


7/10

Montag, 12. November 2012

The Red Queen kills 7 Times









The Red Quuen kills 7 Times
(La Dama rossa uccide sette volte)
mit Barbara Bpuchet, Ugo Pagliai, Marina Malfatti, Marino Mase, Pia Giancaro, Sybil Danning, Nino Korda, Fabrizio Moresco, Rudolf Schündler, Maria Antonietta Guido, Carla Mancini, Bruno Bertocci
Regie: Emilio Miraglia
Drehbuch: Emilio Miraglia
Kamera: Alberto Spagnoli
Musik: Bruno Nicolai
Ungeprüft
Deutschland / Italien / 1972

Eine alte Legende erzählt von einer schwarzen Königin, die die rote Königin, ihre Schwester, im Streit töten wird. Doch letztere wird nicht in ihrem Grab ruhen, sondern zurückkehren und sieben Menschen umbringen. Ihr letztes Opfer wird die verhasste Schwester sein Die beiden Schwestern Kitty und Evelyn sind seit jüngster Kindheit zerstritten. Bei einem Handgemenge passiert ein Unfall und Evelyn stirbt. Um den Totschlag zu vertuschen, wird die Leiche im Kellergewölbe versteckt und angegeben, dass Evelyn spurlos in den USA verschwunden sei. Als in Kittys Umgebung plötzlich Morde geschehen, steht die Polizei vor einem Rätsel. Alle Indizien deuten auf Kittys Liebhaber, ihren Boss Martin Hoffmann. Die Zeugen sprechen jedoch von einer Frau im roten Umhang, die Evelyn zum verwechseln ähnlich sieht


Dieses Werk von Emilio Miraglia ist ein wirklich exzellenter Vertreter aus dem Genre der Giallis, der sich zudem noch durch die Mischung mit dezenten Grusel-und Mystery Elementen wohlwollend von den meisten anderen Filmen seiner Art abhebt. In erster Linie überzeugt der Film durch seinen dramaturgisch erstklassigen Spannungsaufbau, der den Zuschauer von Beginn an in seinen Bann zieht. Dabei legt sich die vom Geschehen ausgehende Faszination wie eine zweite Haut über den Betrachter und die enthaltenen Grusel-und Mystery Elemente tun ihr Übriges, um für ein ganzzeitig extrem spannendes Sehvergnügen zu sorgen. So ist es dann auch nicht besonders verwunderlich, das sich eine immer dichter werdende und sehr mysteriöse Atmosphäre entfalten kann, die sich auch bis in die letzten Passagen des Szenarios aufrechterhalten kann, das einem zum Ende hin sogar noch einen gewissen Überraschungseffekt bietet, mit dem man nicht wirklich rechnen konnte. Dieser Effekt bezieht sich nicht unbedingt auf den eigentlichen Täter, sondern vielmehr auf die Gesamtzusammenhänge, die sich erst ganz am Ende dieses tollen Filmes eröffnen.

Emilio Miraglia hat es ausgezeichnet verstanden, dem Zuschauer immer wieder kleinere Hinweise zu geben, die auf die Identität des Mörders hindeuten. Gleichzeitig werden aber auch mehrere Personen in den Täterkreis einbezogen und es werden etliche falsche Fährten gelegt, die letztendlich in die Irre führen. Besonders lobenswert erscheint aber vor allem der Aspekt, das die endgültige Auflösung der mysteriösen Morde nicht vorzeitig zu erkennen ist, denn die Zusammenhänge bleiben doch fast die ganze Laufzeit über eher im Dunkeln. Dadurch ist es jederzeit gewährleistet, das man sich seiner eigenen Vermutungen niemals wirklich sicher sein kann, was ganz automatisch dazu führt, das die Konzentration des Zuschauers zu keiner Zeit sinken lässt. Und so kann man dann auch diesen fantastischen Giallo richtig genießen, der einem durch den Einfluss der dezenten Grusel-und Mystery Passagen sogar phasenweise ein richtig gelungenes Horror-Feeling vermittelt, das man wie ein Schwamm in sich aufsaugt. Dennoch steht hier ganz eindeutig der Giallo im Vordergrund, der aber durch die aussergewöhnliche Mixtur eine ganz eigene Faszination und Dynamik entwickelt, die dem gewonnenen Gesamtbild sehr zuträglich ist und den gewonnenen Gesamteindruck noch einmal zusätzlich aufwertet.

Ein weiterer hervorzuhebender Pluspunkt dieses Werkes ist sicherlich die Tatsache, das man selten so viele gutaussehende Frauen in einem Giallo gesehen hat. Natürlich ist das nicht der wichtigste Punkt, aber für den optischen Eindruck dürfte das nicht ganz unerheblich sein. Ganz generell ist der Film in optischer Hinsicht absolut überzeugend, besticht er doch durch das gewohnt kräftige Spiel mit den farben, das man den italienischen Filmen der damaligen Zeit kennt. Phasenweise erscheint das Geschehen wie ein extrem kräftiger Farbenrausch, was man insbesondere an den jeweiligen Inneneinrichtungen diverser Wohnungen erkennen kann, in denen sich Teile der Geschichte abspielen. Streckenweise tun die Farbkompositionen schon fast in den Augen weh, denn die damals modernen Farb-Kombinationen waren doch äusserst grell und aus heutiger Sicht könnte man sich gar nicht vorstellen, das besispielsweise einige hier gezeigte Tapeten oder Kleidungsstücke einmal als modisch gegolten haben. So bekommt man also auch noch eine aus optischer Sicht perfekte Zeitreise zurück in die 70er Jahre, was auch gleichzeitig für ein hohes Maß an Authenzität sorgt.

Letztendlich kann ich bei "The Red Queen kills 7 Times" nur zu einem absolut überzeugenden Gesamteindruck gelangen, für mich persönlich zählt dieser Film sogar zu den besten Giallis, was manch einer sicherlich nicht so sehen wird. Doch schon bei der ersten Ansicht dieses Werkes habe ich mich in diese Gesamtkomposition verliebt, die durch eine dramaturgisch erstklassig aufgebaute Geschichte zu überzeugen weiss. Sehr viel Spannung, eine bedrohliche und teils gruselige Grundstimmung und ein teilweise überraschendes Ende ergeben eine Kombination, die man nur als absolut sehenswert bezeichnen kann. Hinzu kommt eine Darsteller-Riege, die durch gelungenes Schauspiel die ganze Sache nahezu perfekt abrundet und insbesondere die vielen bildhübschen Darstellerinnen sind ein herrlicher Farbtupfer, der vor allem die männlichen Zuschauer begeistern dürfte. So handelt es sich letztendlich um ein Gesamtpaket, das man kaum besser hätte schnüren können und an dem man als Liebhaber italienischer Giallis einfach nicht vorbeikommt.


Fazit:


"The Red Queen kills 7 Times" ist meiner Meinung nach ein hervorragender Vertreter seiner Art, in dem alle Komponenten perfekt ineinander übergehen und der durch den Einfluss einiger Horror-Elemente etwas sehr Aussergewöhnliches an sich hat. Die gefundene Kombination der verschiedenen Genres machen dieses Werk zu etwas ganz Besonderem und garantiert gleichzeitig für ein absolut packendes Filmerlebnis, das sich kein Freund dieser Film-Gattung entgehen lassen sollte. Geschickt eingefügte Wendungen sorgen dafür, das man ganzzeitig der Faszination des Geschehens erliegt, die einen wie eine zweite Haut einhüllt und erst mit Beginn des Abspanns wieder freigibt.


9/10




Samstag, 10. November 2012

Grave Encounters









Grave Encounters
(Grave Encounters)
mit Sean Rogerson, Juan Riedinger, Ashleigh Gryzko, Mackenzie Gray, Merwin Mondesir, Arthur Corber, Michele Cummins, Luis Javier, Shawn Macdonald, Bob Rathie, Alex Sander, Ben Wilkinson
Regie: The Vicious Brothers
Drehbuch: The Vicious Brothers
Kamera: Tony Mirza
Musik: Quynne Cradock
FSK 16
Kanada / 2011

2003 gingen Lance Preston und seine Crew der Geisterjäger-Reality-TV-Serie "Grave Encounters" für eine Episode in die verlassene Collingwood-Psychiatrie, von wo seit Jahren über ungeklärte Phänomene berichtet wird. Sie schließen sich für eine Nacht im Hospital ein, denn für eine gute Sendung macht man alles. Doch schnell müssen sie feststellen, dass sie es mit einer Macht zu tun haben, die alles, was sie bisher erlebt haben, in den Schatten stellt. Das Gebäude ist nicht einfach nur verflucht oder von Geistern besessen, es lebt selbst und macht keine Anstalten seine neuen Bewohner jemals wieder gehen zu lassen. Verloren in einem Labyrinth von schier endlosen Gängen und Korridoren und terrorisiert von den Geistern früherer Patienten gleiten Lance Preston und seine Crew selbst immer tiefer in den Wahnsinn. Jahrelang wurden die Aufnahmen, die in dieser Nacht entstanden, zurückgehalten, erst jetzt, ist die Welt reif für ihre Veröffentlichung.


Einmal mehr muss eine fiktive Dokumentation im Found-Footage Stil dafür herhalten, damit dem geneigten Genre-Fan das Fürchten gelehrt werden soll. Dabei fährt die erste Regiearbeit der Vicious Brothers auf einer ähnlichen Schiene wie die "Paranormal Activity-Filme" und versucht mit ziemlich geringen Mitteln eine maximale Wirkung zu erzielen. Dienen Werke wie "PA" jedoch meiner persönlichen Meinung nach lediglich als etwas bessere Einschlafhilfe, so kann vorliegende Geschichte zumindest in der zweiten Filmhälfte absolut überzeugen und offenbart stellenweise herrliche Gruselkost. Die ersten gut 30 Minuten kann man im Prinzip vernachlässigen, jedoch sind sie für das Gesamtbild nicht gerade unerheblich. Hier bekommt man nämlich einen recht sarkastischen Einblick in das sogenannte Reality-TV, der mit einigen wunderbaren Spitzen garniert ist. Es kristallisiert sich nämlich ziemlich schnell heraus, das eigentlich keiner aus dem "Grave Encounters-Team" wirklich an paranormale Aktivitäten glaubt und das es lediglich darum geht, für möglichst hohe Einschaltquoten zu sorgen. Um diese zu erreichen ist im Prinzip jedes Mittel recht und so werden auch gern einmal ein Gärtner mit Geld dazu gebracht, eine angebliche Geistererscheinung zu beschreiben die er nie gesehen hat, oder es wird ein angebliches Medium in das Team eingefügt, das nichts anderes ist als ein schlecht bezahlter Schauspieler.

So gestaltet sich die Einführung in die Ereignisse recht bissig und unterhaltsam, wobei die daraufhin folgenden Geschehnisse so gar nichts mehr Witziges an sich haben. Als Location hat man sich eine stillgelegte psychatrische Anstalt ausgesucht in der es angeblich spuken soll und was von der Crew zunächst noch mit einem müden Lächeln abgetan wird, entwickelt sich zu einem wahren Horror-Szenario. Der Film schlägt auf einmal eine vollkommen andere Richtung ein und beinhaltet im Gegensatz zu einer Schlaftablette wie "Paranormal Activity" einen stetig ansteigenden Spannungsaufbau. Offenbaren sich zunächst eher kleinere Ereignisse wie beispielsweise ein sich selbst öffnendes Fenster, so steigert sich der aufkommende Horror und die damit verbundenen Phänomene zu einem Szenario des Schreckens. Die dabei enthaltenen Schockmomente sind wohl platziert und jagen dem Betrachter aufgrund des Überraschungsmomentes so manchen Schrecken in die Glieder. Ganz anders als bei diversen eher müden Genre-Beiträgen kann man sich hier sehr gut in die Lage der Protagonisten hineinversetzen und spürt auch die immer bedrohlicher werdende Atmosphäre, die sich fast im Minutentakt zusehends verdichtet.

Dabei entwickelt das Geschehen mit zunehmender Laufzeit eine immer stärkere Intensität, manche Szenen erscheinen dabei so wuchtig-und kraftvoll, das man sich herrlich dabei erschrecken kann. Auch die Darsteller sind dabei ein nicht unwichtiger Bestandteil des Ganzen, denn insbesondere der Übergang von anfänglicher Heiterkeit zum puren Grauen kommt äußerst glaubhaft und authentisch beim Zuschauer an, so das der gewünschte Effekt des Reality-Tv's auch wirklich streckenweise vorhanden ist. Ein weiterer erfreulicher Aspekt des Filmes ist die Idee der Regisseure, den Schauplatz der Klinik als wandelbar darzustellen. Die Versuche die Klinik zu verlassen scheitern nämlich allesamt kläglich, Ausgänge entpuppen sich auf einmal als endlos lange Flure und das ganze Gebäude erscheint als eine Art Labyrinth, aus dem es scheinbar kein Entkommen gibt. Dieser Punkt verdichtet die vorherrschende Grundstimmung noch einmal zusätzlich und plötzlich auftretende Geisterscheinungen sorgen für eine erhöhte Adrenalin-Zufuhr beim Betrachter, der nun vollends der Faszination der Ereignisse ausgeliefert ist. Die einzige Schwachstelle des Filmes ist für mich die musikalische Untermalung des Ganzen, denn hier hätte ein etwas wuchtigerer Score noch einmal für einen Bonuspunkt gesorgt. Ansonsten gibt es nicht wirklich etwas zu beanstanden, außer das man das Finale noch ein wenig einfallsreicher hätte gestalten können.

Insgesamt gesehen hat mich "Grave Encounters" wirklich sehr positiv überrascht, denn eigentlich hatte ich mich auf einen ähnlich langweiligen Film wie "Paranormal Activity" eingestellt. Umso schöner das es ganz anders gekommen ist, auch wenn die ersten 30 Minuten nicht wirklich darauf hingedeutet haben. Und so kann man durchaus von einem in seiner Gesamtheit sehr gelungenen Regie-Erstling sprechen, den die Vicious Brothers da auf die Beine gestellt haben. "PA" wäre gern das gewesen was "Grave Encounters" letztendlich ist, nämlich ein herrlich gruseliger Low Budget Film im Found Footage Stil, der überwiegend sehr unterhaltsame und gruselige Horrorkost bietet, die man sich auch gern öfter anschauen kann.


Fazit:


Trotz einiger Vorbehalte und anfänglicher Skepsis hat mich dieser Film sehr gut unterhalten und auch überzeugt. Auch wenn ich nicht unbedingt ein Riesen-Fan dieser Filmart bin, kann ich die DVD bedenkenlos weiterempfehlen, denn spannende-und teilweise actionreiche Horrorkost dürfte den meisten Genre-fans in jedem Fall sehr zusagen.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot elite
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,78:1 (16:9)
Laufzeit: 90 Minuten
Extras: Originaltrailer, Behind the Scenes, Interviews mit dem Regisseur und den Hauptdarstellern, Making Of, Trailershow


7/10

Donnerstag, 8. November 2012

Doomsday Book









Doomsday Book
(In-lyoo-myeol-mang-bo-go-see)
mit Doona Bae, Joon-ho Bong, Ji-hee Jin, John D. Kim, Kang-woo Kim, Jun-hee Ko, Dong-seok Ma, Hae-il Park, Seung-beom Ryu, Song Sae-Byok
Regie: Jee-woon Kim / Pil-Sung Yim
Drehbuch: Jee-woon Kim / Pil-Sung Yim
Kamera: Sung-min Ha / Ji-yung Kim
Musik: Mowg
FSK 12
Südkorea / 2012

Das Ende der Welt naht und die Menschheit ist dem Untergang geweiht: In "Heaven's Creation" erlangt ein Roboter in einem Tempel Erleuchtung und wird daraufhin vom Elektrotechniker Pak Do-won und dem Tempelpriester Hye-joo vor seinen habgierigen Herstellern beschützt. In "A Cool New World" sieht sich die Menschheit einem tödlichen Virus gegenüber. Ein junger Mann verwandelt sich unaufhaltsam in einen blutrünstigen Zombie. Im dritten Kapitel "Happy Birthday" freundet sich ein Maschinenbau-Absolvent mit einer künstlichen Intelligenz an. Ihnen steht jedoch der unaufhaltsam bevorstehende Meteoriteneinschlag mit dem drohenden Ende allen irdischen Lebens im Weg …


2 Regisseure erzählen 3 Kurzgeschichten, die sich irgendwie alle mit dem Ende der Welt beschäftigen. Dabei ist diese Ansammlung von Kurzgeschichten für manch einen sicherlich etwas gewöhnungsbedürftig, doch insgesamt gesehen entpuppt sich dieses Werk als äußerst interessante Mischung aus Drama, SCI/FI-und Fantasy, wobei die einzelnen Geschichten zudem noch eine humoristische Note beinhalten, die dem Gesamtwerk sehr gut zu Gesicht steht. In der ersten Episode wird die Menschheit von einem Virus befallen, durch den sich die Menschen nach und nach in Zombies verwandeln. Normalerweise erscheint das inhaltlich nicht gerade innovativ, doch ist es in diesem Fall die Umsetzung des Ganzen, die erfrischend daherkommt und den Auslöser für die Seuche auf herrlich sarkastische Art und Weise beleuchtet. Dabei offenbaren sich sogar Momente die einen gewissen Ekel-Faktor beinhalten und gleichzeitig eine gewisse Gesellschaftskritik beinhalten, die ziemlich realistische Züge erkennen lässt. Und auch wenn diverse Passagen im ersten Moment eher unfreiwillig komisch erscheinen, so steckt doch ein tieferer Sinn hinter ihnen, den man eventuell erst bei genauerer Betrachtung erkennen kann.

Nach dieser temporeichen Episode bekommt man eine eher ruhige Story erzählt, in der ein Roboter die spirituelle Erleuchtung erlangt und deshalb von seinen Schöpfern als Gefahr angesehen wird. Das mag sich im ersten Moment sogar etwas dämlich anhören, doch das Geschehen offenbart sich als fast schon philosophische Story, die einen starken Eindruck auf den Zuschauer hinterlässt. Bei der optischen Darstellung des Roboters werden ganz unweigerlich Ähnlichkeiten zu einem Film wie "I Robot" wach, obwohl die Geschichte an sich in eine vollkommen andere Richtung tendiert. Man verspürt hier sogar einen Hauch von Melancholie und empfindet echtes Mitleid mit einer Maschine, die sich viel menschlicher darstellt als ihre Schöpfer, die sie aus purer Angst vernichten wollen. Auch hier ist ein tieferer Sinn zu erkennen, zudem präsentiert sich diese Episode auch absolut humorlos und regt viel eher zum nachdenken an. Selbst als Betrachter kann man die entstehende Beklemmung verspüren, die durch die Ereignisse ausgelöst werden und fühlt sich die ganze Zeit über seltsam befangen, was meiner Meinung nach ein untrüglicher Beweis dafür ist, das man sich auch wirklich mit dem gesehenen auseinandersetzt.

Die letzte Kurzgeschichte ist dann der mit Abstand skurrilste Teil des Gesamtwerkes und löst in einem auch die zwiespältigsten Gefühle aus. Präsentiert sich doch einerseits fast schon eine absurde Komödie, so hinterlässt das Ganze auf der anderen Seite auch einen bedrohlichen Eindruck. Hier wird der Untergang der Welt durch die Bestellung einer Billardkugel ausgelöst, was für sich allein genommen schon als regelrecht grotesk angesehen werden kann. Die Umsetzung des Szenarios ist dann aber so dermaßen an den haaren herbeigezogen, das man sich diverse Schmunzler beim besten Willen nicht verkneifen kann. Und dennoch beinhaltet die Story auch sehr bedrohliche Züge, insbesondere bei den letzten Bildern entfacht das Geschehen eine herrlich postapokalyptische Grundstimmung, die dem Betrachter unter die Haut geht. Wohl eher selten wurde der Weltuntergang auf eine so witzige, aber gleichzeitig auch beklemmende Art dargestellt, so das man diese abschließende Episode auch als Höhepunkt eines Werkes ansehen kann, das sicherlich nicht jeden Geschmack treffen wird, da der Spagat zwischen skurriler Momente-und ernsthafter Hintergründe ziemlich gewagt erscheint.

Mir persönlich hat "Doomsday Book" jedoch ausnehmend gut gefallen, haben die Asiaten hier doch einmal ihr Gespür für Ironie-und beißendem Sarkasmus unter Beweis gestellt. Der teils vollkommen überzogene Humor ist in vorliegendem Fall einmal nicht als negativ anzusehen, sondern stellt vielmehr eine sehr ernsthafte Thematik auf herrlich skurrile Art und Weise dar. Von mir gibt es jedenfalls eine dicke Empfehlung für diese außergewöhnliche Ansammlung von Kurzgeschichten, die auf jeden Fall beste-und extrem kurzweilige Unterhaltung bieten und ganz nebenbei auch noch einen nachhaltigen Eindruck beim Zuschauer hinterlassen.


Fazit:


Es ist schon etwas sehr Außergewöhnliches, was die beiden Regisseure Jee-woon Kim und Pil-Sung Yim hier auf die Beine gestellt haben, denn "Doomsday Book" präsentiert sich als ein Film, der im Prinzip jenseits des üblichen Mainstreams angesiedelt ist. Witzige-und streckenweise extrem skurrile Momente in Kombination mit sehr nachdenklich stimmenden Passagen ergeben ein Gesamtwerk, das man als überdurchschnittlich gut bewerten kann.


7/10

Mittwoch, 7. November 2012

Deep Red









Rosso - Die Farbe des Todes
(Profondo Rosso)
mit David Hemmings, Daria Nicolodi, Gabriele Lavia, Macha Méril, Eros Pagni, Giuliana Calandra, Piero Mazzinghi, Glauco Mauri, Clara Calamai, Aldo Bonamano, Liana Del Balzo, Vittorio Fanfoni
Regie: Dario Argento
Drehbuch: Dario Argento / Bernardino Zappodi
Kamera: Luigi Kuveiller
Musik: Goblin / Giorgio Gaslini
Ungeprüft
Italien / 1975

Ein seltsam leerer Platz, ein einsam beleuchtetes Diner mit bewegungslosen Gästen, davor zwei Menschen auf ihrem nächtlichen Streifzug. Urplötzlich beobachtet Marc, einer dieser Nachtgestalten, einen entsetzlichen Mord an einem Fenster. Er eilt zum Tatort, durch einen Gang voller alptraumhafter Gemälde. Der Täter scheint bereits verschwunden, doch irgendetwas glaubt Marc am Tatort gesehen zu haben, das den entscheidenden Hinweis liefern könnte. Was ist es, das er und der Zuschauer in jener Nacht gesehen haben? Ein plötzlich verschwundenes Gemälde? Eine Reflektion im Spiegel? Vielleicht sogar der Mörder selbst? Marc und der Zuschauer machen sich auf die Suche nach dem Geheimnis dieser Nacht, nach einem lang zurückliegenden furchtbaren Ereignis - und auch nach der eigenen Erinnerung.


Nachdem Dario Argento gleich mit seinen ersten 3 Regie-Arbeiten das Sub-Genre des Giallo bereichert hat und damit gleichzeitig seine sogenannte Tier-Rrilogie schuf, entstand 1975 mit "Profondo Rosso" einer der besten Giallo's überhaupt, der auch bis in die heutige Zeit die meisten Fans regelrecht in Verzückung versetzt. Dabei gibt es nicht wenige Menschen, die hier eine teilweise nicht ganz logische-und fragwürdige Geschichte erkennen und in einigen Punkten mag das wohl auch durchaus der Fall sein. Nichtsdestotrotz ändert das überhaupt nichts an der vorhandenen Klasse eines Filmes, der in seiner Gesamtheit immer wieder aufs Neue fasziniert und dem Zuschauer ein extrem interessantes Szenario bietet, das insbesondere durch die unglaubliche Bildgewalt überzeugt, die hier durchgehend sehr stark zur Geltung kommt. Einmal mehr ist es Argento's Spiel mit den Farben, das einen fast unweigerlich in den Bann zieht und stellenweise schon eine fast hypnotische Wirkung hinterlässt. Erstklassige Kamerafahrten tun dabei ihr Übriges, um den Betrachter immer tiefer in das größtenteils mysteriöse Geschehen hineinzuziehen, so das man sich letztendlich in einem sogartigen Strudel wiederfindet, aus dem es beim besten Willen kein Entkommen gibt. Auch wenn die Geschichte einige vielleicht nicht ganz sinnvolle Momente beinhaltet, offenbart sie insgesamt gesehen absolut hochklassige Filmkost aus Italien, denn die Abläufe der Ereignisse bieten einem ein wunderbares Puzzle, das man mit zunehmender Laufzeit immer weiter zusammensetzen kann.

Tief ineinander verschachtelt werden dem Zuschauer immer kleine Häppchen hingeworfen, die erst kurz vor dem Ende einen Überblick über die Gesamtzusammenhänge offenbaren, wodurch sich der dramaturgisch erstklassig aufgebaute Spannungsbogen bis zur letzten Minute aufrecht erhalten kann, ohne dabei irgendwelche Einbrüche erkennen zu lassen. Selbst einige auf den ersten Blick scheinbar belanglose Einstellungen wirken wie einzigartige Mosaiksteinchen, die ein absolut herausragendes Ganzes erkennen lassen. Lediglich der von Argento an einigen Stellen eingebaute Humor mag auf den ein oder anderen etwas gewöhnungsbedürftig erscheinen, doch selbst dieser Aspekt ist meiner Meinung nach eine absolut perfekte Ergänzung einer Story, die einen von der ersten bis zur wirklich letzten Minute vollkommen fesselt. Untermalt wird alles von einem grandiosen Score, für den einmal mehr die Band Goblin verantwortlich zeichnet, deren Musik einfach absolut unverwechselbar erscheint. Dabei ist insbesondere die immer stärker anschwellende Musik in den Spannungs-Passagen ganz besonders hervorzuheben, unterstützt sie doch zusätzlich die von Haus aus schon grandios dichte Atmosphäre der Geschehnisse und löst auch beim Betrachter ein äußerst intensives Gefühl aus, da man förmlich auf die Entladung der dadurch aufgebauten Spannung hinfiebert. Argento zögert diese Momente sehr gekonnt hinaus und versetzt einen damit phasenweise in einen Zustand, das man es kaum noch aushalten kann, die dabei entstehende Intensität kann man nicht wirklich in Worte fassen, man muss sie einfach selbst erleben.

In schauspielerischer Hinsicht hat "Profondo Rosso" auch eine ganze Menge zu bieten, denn mit David Hemmings (Blow Up) und Daria Nicolodi (Shock, Phenomena) hat man vor allem die beiden Hauptrollen nahezu perfekt besetzt. Die teilweise stattfindenden Neckereien der beiden untereinander lockern das Szenario streckenweise ein wenig auf und sorgen dafür, das man wenigstens für einige kleinere Momente einmal durchatmen kann, bis man sich gleich darauf wieder auf die geheimnisumwitterten Abläufe konzentriert, die einen ganzzeitig mit einer Art Bannstrahl an sich binden. Zu der vorhandenen Faszination der kräftigen Bildsprache des Filmes tragen sicherlich auch die wunderbaren Schauplätze bei, ich möchte hier nur an die Einstellung erinnern, in der sich Carlo und Marc in einem meterweiten Abstand voneinander auf einem großen Platz darüber unterhalten, welche Beobachtungen Marc in der Wohnung der Ermordeten gemacht hat und sich nun nicht mehr erinnern kann. Das Aufziehen der Kamera und die damit verbundene Großeinstellung der Location hinterlässt einen gigantischen Eindruck und verbleibt nachhaltig im Gedächtnis des Betrachters. Solche Momente gibt es wirklich in großer Anzahl und diese sind in meinen Augen zu den absoluten Höhepunkten dieses Werkes zu zählen.

Insgesamt gesehen handelt es sich hier wohl um eine der mit Abstand besten Arbeiten von Dario Argento, der mit "Profondo Rosso" einen zeitlosen Klassiker geschaffen hat, der im Laufe der Jahre rein gar nichts von seinem einzigartigen Reiz eingebüßt hat. Ganz egal wie oft man sich diese Geschichte auch anschaut, sie schafft es immer wieder spielend, einen von der ersten Einstellung an in ihren hypnotischen Bann zu ziehen. Nicht umsonst wird dieser Film von etlichen Fans regelrecht verehrt und besitzt vollkommen zu recht den Status, zu den allerbesten Vertretern seiner Art zu zählen. Zu den etlichen bisher erschienenen Veröffentlichungen hat sich vor Kurzem auch eine Version von Ascot Elite gesellt, die zwar leicht gekürzt, aber dennoch durchaus zu empfehlen ist. Erstens handelt es sich um eine Kürzung von gerade einmal knapp 15 Sekunden, zum anderen sind die Schnitte gut gesetzt und für Neueinsteiger nicht zu erkennen. Gerade für diese erscheint diese DVD empfehlenswert, denn wenn man einmal für kleines Geld in das Genre hineinschauen möchte, ergibt sich hier die Möglichkeit dazu. Echte Sammler werden selbstverständlich nicht darauf anspringen, müssen aber auch einen höheren Preis für ein paar Sekunden mehr bezahlen.


Fazit:


Rein filmisch handelt es sich hier um eine echte Granate, auch wenn die Geschichte vom Logischen her eventuell diverse Fragen nicht beantwortet. Ich persönlich kann locker darüber hinwegsehen und mich jedesmal wieder an einem farbenprächtigen Giallo ergötzen, den jeder Fan in der Sammlung haben sollte. Argento zieht hier wirklich alle Register und präsentiert eine Gesamt - Komposition, vor der man sich nur ehrfurchtsvoll verneigen kann.


9,5/10