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Montag, 31. Dezember 2012

Texas Chainsaw Massacre 2









Texas Chainsaw Massacre 2
(Texas Chainsaw Massacre 2)
mit Dennis Hopper, Caroline Williams, Jim Siedow, Bill Moseley, Bill Johnson, Ken Evert, Harlan Jordan, Kirk Sisco, James N. Harrell, Lou Perryman, Barry Kinyon, Chris Douridas
Regie: Tobe Hooper
Drehbuch: Kim Henkel / Tobe Hooper
Kamera: Richard Kooris
Musik: Tobe Hooper / Jerry Lambert
ungeprüft
USA / 1986

Nachdem die Radiomoderatorin "Stretch" Block in ihrer Sendung den grausigen Mord an zwei Teenagern per Telefonschaltung live mitgeschnitten hat, gerät sie in die Schusslinie der Killer. Niemand anderes als die verrückte und wegen ihrer kannibalistischen Veranlagung landesweit gesuchte Schlachter-Familie aus dem sonnigne Texas steht hinter dem gemeinen Anschlag! Nach über 15 Jahren im Untergrund wagen sie sich wieder ans Tageslicht: Leatherface, sein debiler Bruder Top Chop und ihr irrsinniger Vater, der Koch, sind wieder da. Doch diesmal haben sie die Rechnung ohne Leity Enright gemacht, der - ebenfalls mit Motorsägen bewaffnet - der Familie nachstellt, um sie endgültig zur Strecke zu bringen und den Tod seines Sohnes rächen.


Nachdem das Label Turbine schon das geniale Original von Tobe Hooper vom Index bekommen hat, folgte nun auch der zweite Teil in einer herrlichen Veröffentlichung. Auch hier saß Hooper auf dem Regiestuhl, allerdings hat er die Fortsetzung des Kultwerkes aus dem Jahre 1974 doch etwas anders gestaltet. Die Geschichte beinhaltet nicht mehr diese grandios siffige-und bedrohliche Atmosphäre des Vorgängers, sondern könnte durch etliche Passagen schon fast als Horror-Komödie angesehen werden. Dieser Aspekt ist jedoch keinesfalls als negativ zu bewerten, funktioniert der Film doch auf diese Weise ganz hervorragend und bietet so allerbeste Unterhaltung der phasenweise schon äußerst trashigen Art. So ist es beispielsweise absolut köstlich, den guten Leatherface dabei zu beobachten, wie er sich ganz offensichtlich in die Radio-Moderatorin "Stretch" verliebt und sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit vor dem Rest seiner vollkommen durchgeknallten Familie in Sicherheit bringen will. Dabei ist es insbesondere sehr witzig, das Spiel seiner Augen hinter der obligatorischen Maske zu beobachten, erscheint der Schlächter doch wie ein absolut liebeskranker Troll, der sein Herz verloren hat.

Der vorhandene Humor bezieht sich aber längst nicht nur auf die Hauptfigur, denn das gesamte Szenario offenbart immer wieder herrlich skurrile Passagen, die so richtig auf die Lachmuskeln des Zuschauers abzielen. Teils groteske Situationskomik und herrlicher Wortwitz geben sich die Klinke in die Hand, so das man streckenweise kaum aus dem lachen herauskommt. Nun hat "Texas Chainsaw Massacre 2" jedoch nicht nur jede Menge Humor zu bieten, auch im Bezug auf den Härtegrad wird Einiges geboten. Gestaltete sich der Vorgänger noch so gut wie vollkommen blutleer und überzeugte in erster Linie durch die extrem bedrohliche Grundstimmung, so hat man hier doch auf einige blutige und härtere Passagen zurückgegriffen. Nun sollte man zwar nicht unbedingt ein Splatter-Spektakel erwarten, doch die Steigerung zum Original ist doch relativ gewaltig. Auch in atmosphärischer Hinsicht weiß der Film vollkommen zu überzeugen, nur äußerst sich diese nicht unbedingt durch viel Dichte sondern vielmehr durch ihren sehr kranken Unterton.

Dieser gibt sich vor allem durch die einzelnen Charaktere zu erkennen, wobei hauptsächlich Dennis Hopper als durchgeknallter Rächer und andererseits die total verrückte Sawyer Familie auf den Plan treten. Es ist schon ziemlich erstaunlich, das sich gerade Leatherface" noch als das normalste Familienmitglied präsentiert, denn wenn man seinen psychophatischen Bruder und erst recht den Vater der beiden Prachtburschen betrachtet, erscheint einem der Mann hinter der Maske aus Menschenhaut doch fast schon normal. Aber auch Hopper brilliert in seiner Rolle und läuft ganz besonders in den letzten Minuten der Geschichte zur absoluten Höchstform auf, als er sich in der weit verzweigten Höhle in der die Familie haust einen erbitterten Kampf mit seinen Gegnern liefert. Hier kommen dann auch jede Menge Kettensägen verschiedenster Größen zum Einsatz und man bekommt einen finalen Showdown geliefert, der es nun wirklich in sich hat. Das Ende erinnert dann auch fast an einen Kampf unter Rittern, nur das hier keine Rüstungen getragen werden und die Schwerter durch Kettensägen ersetzt wurden. Es geht ziemlich hart-und blutig zur Sache, was ganz sicher auch die Freunde der etwas härteren Gangart durchaus erfreuen dürfte.

Und so kann man letztendlich von einer in allen Belangen gelungenen Fortsetzung sprechen, die Hooper hier in Szene gesetzt hat. Dennoch sollte man mit etwas anderen Erwartungen an dieses Werk herangehen, als man es bei Teil 1 der Reihe gemacht hat. Manch einen mag es eventuell sogar stören, das hier größtenteils die nötige Ernsthaftigkeit fehlt, andere werden sich dafür über gelungene-und handgemachte SFX freuen, auf die man beim Vorgänger gänzlich verzichtet hat. Im Endeffekt sollte sich jeder selbst ein Bild davon machen, aber ich persönlich liebe diesen Teil gerade aufgrund seiner herrlich skurrilen Note, die ihm einen ganz eigenen Charme verleiht. Das von Turbine veröffentlichte Digi-Pack kann sich absolut sehen lassen und beinhaltet auch wieder eine Menge Extras. Eine würdige Veröffentlichung eines tollen Filmes, der in keiner gut sortierten Sammlung eines Fans fehlen sollte.


Fazit:


Anders als im ersten teil hat Tobe Hooper hier auf eine gelungene Mixtur aus Komik-und Härte gesetzt und dabei einen absolut erstklassigen nachfolger auf den Weg gebracht. Durchgeknallte Charakter, trashiger Humor und ein angemessener Härtegrad ergeben ein Gesamtpaket, das man jedem Fan des Genres nur wärmstens empfehlen kann.


8/10

Samstag, 29. Dezember 2012

Tenebre









Tenebrae
(Tenebre)
mit Anthony Franciosa, Christian Borromeo, Mirella D'Angelo, Veronica Lario, Ania Pieroni, Eva Robins, Carola Stagnaro, John Steiner, Lara Wendel, John Saxon, Daria Nicolodi, Giuliano Gemma
Regie: Dario Argento
Drehbuch: Dario Argento
Kamera: Luciano Tovoli
Musik: Massimo Morante / Fabio Pignatelli / Claudio Simonetti
Ungeprüft
Italien / 1982

In Rom will der Autor Peter Neal sein neues Buch vorstellen. Sein Besuch wird jedoch von einem grausamen Mord überschattet. Das Opfer, eine junge Frau, wird mit durchtrennter Kehle und zerknüllten Seiten von Neals Roman im Mund gefunden. Die Polizei sucht nach einem Zusammenhang mit dem beliebten Autor, dieser hält das Ganze noch für einen Zufall. Doch als es zu neuen Opfern kommt und er selbst in den Fokus des irren Killers rückt, ändert sich seine Einstellung. Zusammen mit seiner Assistentin versucht er, dem tödlichen Treiben auf die Spur zu kommen und gerät dabei sehr schnell selbst in erhebliche Gefahr.


Sieben Jahre nach dem Erscheinen von "Profondo Rosso" und den zwischenzeitlichen Regie-Arbeiten zu den ersten beiden Teilen der "3 Mütter-Trilogie" (Suspiria, Inferno) kehrte Dario Argento 1982 mit "Tenebre" zu seinen Wurzeln zurück und präsentierte dem Zuschauer einmal mehr einen Giallo, der es nun wirklich in sich hat. Dies bezieht sich in allererster Linie auf den vorhandenen Härtegrad, der im Gegensatz zu den meisten anderen Vertretern dieser Gattung fast schon astronomisch hoch angesiedelt ist. Dabei lässt der Meister eine kaum gekannte Blutrünstigkeit erkennen, denn die vorliegende Geschichte beinhaltet so manche wirklich derbe Passage, die man bisher vom italienischen Regisseur nicht unbedingt gewohnt war. Nun wäre es jedoch vollkommen falsch, diesen Film einzig und allein auf seine harten Passagen zu reduzieren und es würde diesem fantastischen Werk auch nicht annähernd gerecht werden. So wartet Argento beispielsweise mit einer in allen Belangen interessanten Story auf die von Beginn an ein ordentliches Tempo vorlegt und zudem auch gleich zu Beginn einige mysteriöse Momente beinhaltet, die der Zuschauer lange Zeit nicht so wirklich zuordnen kann. Das beginnt schon mit der ominösen jungen Frau, die am Anfang am Flughafen zu sehen ist und die erst im späteren Verlauf der Ereignisse eine tragende Rolle einnehmen soll. Erst mit der Zeit stellt sich nämlich heraus, das mit ihr ein kleiner Nebenerzählstrang verbunden ist, der in der ersten Stunde so gut wie gar nichts mit der eigentlichen Geschichte zu tun hat und erst danach eine Gewichtung erfährt, die man bis dahin nicht vorhersehen konnte.

Und gerade dieser Aspekt verleiht diesem Film etwas ganz besonderes, denn während diverse andre Genre-Vertreter nach einer manchmal schon kurzen Zeitspanne sehr vorhersehbar erscheinen, liegt der Fall bei der Erstsichtung von "Tenebre" vollkommen anders. Weist das Szenario doch einige Wendungen auf, die für wirkliche Überraschungsmomente sorgen und das Geschehen durchgehend spannend- und interessant gestalten. Sicherlich kann man durch diverse Andeutungen auch schon vorher auf des Rätsels Lösung kommen, doch Argento hat die Ereignisse so herrlich ineinander verschachtelt und einige falsche Fährten gelegt, das man bei der ersten Sichtung des Filmes schwerlich auf die endgültige Lösung kommen kann. Eine weitere große Stärke sind ganz bestimmt die überaus gut aufspielenden Darsteller, wobei sich der Cast allein schon von den Namen her ganz ausgezeichnet liest. Namen wie John Saxon, Daria Nicolodi, Giuliano Gemma oder auch Anthony Franciosa bürgen hier fast zwangsläufig für ein hohes Maß an schauspielerischer Qualität, was sich im Laufe der Zeit auch keinesfalls als Fehleinschätzung entpuppt. Im Gegensatz zu anderen Werken Argentos fehlt es dem Film eventuell ein wenig an dem ansonsten extrem kräftigen Farbenspiel, "Tenebre" erscheint in dieser Beziehung eher weniger kunstvoll und hinterlässt einen etwas raueren-und nüchternen Eindruck. Das empfand ich allerdings als absolut passend, kommen doch so die eiskalt-und brutal in Szene gesetzten Morde irgendwie besser zur Geltung und hinterlassen einen äußerst authentischen Eindruck.

Wenn man das Gesamtwerk gesehen hat muss man feststellen, das dieses Werk auch einen tiefen Einblick in die Abgründe der menschlichen Seele offenbart. Diverse verbale Andeutungen zu einem noch recht frühen Zeitpunkt geben schon gewisse Hinweise darauf, die jedoch erst kurz vor Schluss auch im Bild ihre Bestätigung erfahren, das hier auch eine starke psychologische Note mitschwingt, die für die Aufklärung des Ganzen von erheblicher Wichtigkeit ist. Erst dann kann man auch die immer wieder eingespielten Szenen erklären, in denen man immer eine wunderschöne Frau in roten Schuhen sieht, die von irgend jemandem ermordet wird. Sieht man diese Passagen zunächst noch als zusammenhanglose Bildfetzen, so kann man sich doch gleichzeitig denken, das sie ein wichtiges Puzzle-Teil darstellen, das für die Gesamtzusammenhänge unbedingt erforderlich ist. "Tenebre" ist insgesamt gesehen ein knallharter Giallo, der dem Zuschauer eine Geschichte voller geheimnisvoller Andeutungen bietet und einen bis ganz kurz vor dem Ende noch weitesgehend darüber im Dunkeln lässt, wie sich die ganzen Abläufe zueinander verhalten. Das damit verbundene Ratespiel beinhaltet einen Verbrauch an Kunstblut, der sich auch in der heutigen Zeit immer noch sehr gut sehen lassen kann. Für einen Giallo geht es phasenweise extrem hart-und derbe zur Sache, so das selbst die Liebhaber der härteren gangart voll auf ihre Kosten kommen dürften.

Letztendlich aber ist es eine absolute Wohltat, das dieses herrliche Produkt des italienischen Kinos vor allem als Gesamtwerk vollkommen zu überzeugen weiß. Dazu tragen die hervorragenden Darsteller einen nicht unwesentlichen Anteil bei, wobei insbesondere Anthony Franciosa ganz besonders hervorzuheben ist, der den smarten und weltmännischen Schriftsteller Peter Neal ganz ausgezeichnet interpretiert und ihm einen äußerst glaubwürdigen Anstrich verleiht. Doch ganz generell ist dieser Film bis in die kleinsten Nebenrollen absolut perfekt besetzt und man merkt den Akteuren ihre Spielfreude regelrecht an. So kann man im Endeffekt nur eine absolute Empfehlung für diesen herausragenden Genre-Beitrag aussprechen und wer "Tenebre" immer noch nicht kennen sollte, muss diesen Zustand schnellstmöglich ändern, ansonsten verpasst er ein wahres Highlight des Cinema Italiano.


Fazit:


Knallhart, blutig aber auch mit einer psychologischen Note versehen, bekommt der Zuschauer hier um die 100 Minuten erstklassige Filmkost geboten. Ein mehr als gelungener Spannungsbogen, eine einzigartige Grundstimmung und erstklassige Darsteller machen diesen Film zu einem echten Erlebnis. Hinzu kommt ein absolut beachtlicher Anteil an blutigen SFX, die das Geschehen jedoch zu keiner Zeit in ein sinnbefreites Schlachtfest ausarten lassen. Hier wurde genau die richtige Mixtur gefunden, so das es sich im Endeffekt um einen in meinen Augen nahezu perfekten Film handelt, den man sich immer wieder gern anschaut.


9/10

Freitag, 28. Dezember 2012

Prometheus









Prometheus - Dunkle Zeichen
(Prometheus)
mit Noomi Rapace, Michael Fassbender, Charlize Theron, Idris Elba, Guy Pearce, Logan Marshall-Green, Sean Harris, Rafe Spall, Emun Elliott, Benedict Wong, Kate Dickie, Branwell Donaghey, Shane Steyn
Regie: Ridley Scott
Drehbuch: John Spaihts / Damon Lindelof
Kamera: Dariusz Wolski
Musik: Marc Streitenfeld
FSK 16
USA / 2012

Das Jahr 2089. Verstreut über die gesamte Welt entdeckt die Forscherin Elizabeth Shaw (Noomi Rapace) mysteriöse Zeichen, die alle auf dasselbe Ziel im Weltraum deuten. In Begleitung des Androiden David 8 (Michael Fassbender), zwei Vertretern von Weyland Industries (Charlize Theron und Guy Pearce) und dem restlichen Team der „Prometheus“ folgt sie den Hinweisen zu den Ursprüngen des menschlichen Lebens. Ihre gefährliche Expedition führt sie in eine der dunkelsten Ecken des Universums, wo sie sich einem Kampf stellen müssen, der über die Zukunft der Menschheit entscheiden wird.


Wohl kaum ein anderer Film der letzten Jahre hat schon im Vorfeld eine so hohe Erwartungshaltung beim Zuschauer ausgelöst, wie es bei "Prometheus" der Fall ist. Ob der Film diese nun erfüllen konnte muss ein jeder für sich selbst entscheiden, denn die hier erzählte Vorgeschichte der Alien-Quadrilogy hinterlässt in einigen Punkten einen etwas zwiespältigen Eindruck. Selbst als eigenständiges Werk gesehen wirft das Szenario so manche Frage auf, die leider nicht zufriedenstellend beantwortet wird, was einerseits einen etwas schalen Beigeschmack hinterlässt, aber auf der anderen Seite andeutet, das Ridley Scott sich die Möglichkeit offen lässt, die Thematik in einer Fortsetzung weiter auszuarbeiten. Nach dem äußerst offenem Ende liegt diese Möglichkeit förmlich auf der Hand und man kann den Zuschauer einfach nicht mit dieser Produktion zurücklassen, die letztendlich noch ein wenig unrund erscheint. Dabei ist die Inszenierung an sich absolut gelungen, Scott lässt schon in den ersten Einstellungen wieder einmal sein Gespür für eine grandiose Optik erkennen und verwöhnt einen regelrecht mit starken Bildern. Im Bezug auf die Effekte gibt es auch keinerlei Grund zur Beanstandung, was allerdings meiner Meinung nach auch nicht zu befürchten war.

Die eigentliche Schwäche von "Prometheus" liegt vielmehr im Drehbuch begründet, das eher selten eine wirklich flüssige Erzählweise der Ereignisse zulässt. An etlichen Stellen wirkt die Story sogar regelrecht holprig und wirft zudem etliche Fragen auf, die nicht zufriedenstellend beantwortet werden. Woher kommen beispielsweise die sogenannten Konstrukteure, was hat es mit den Hologrammen auf sich und wer hat die Konstrukteure erschaffen, die hier als die Schöpfer des Menschen hingestellt werden? Das sind nur einige offene Fragen, wobei man an dieser Stelle auch durchaus noch einige andere in den Raum werfen könnte. Dadurch wirken die Geschehnisse streckenweise etwas unausgegoren und lassen jede Menge Spielraum für eine weitere Verfilmung, die dann bei diesen Punkten hoffentlich erschöpfende Informationen enthält. Dennoch handelt es sich immer noch um einen überdurchschnittlich guten Film, der insbesondere optisch vollkommen überzeugen kann. Auch in darstellerischer Hinsicht kann man sich nicht beklagen, sämtliche Akteure liefern einen guten Job ab, wobei mir persönlich vor allem Michael Fassbender in der Rolle des Androiden David sehr gut gefallen hat. Ein wenig blass erscheint lediglich Charlize Theron, was jedoch auch in der Tatsache begründet sein kann, das ihre Rolle wenig Möglichkeiten bietet, sich sonderlich in den Vordergrund zu spielen.

Der vorhandene Spannungsbogen enthält leider immer wieder kleinere Einbrüche und kann sich so nicht konstant durch die ganze Geschichte ziehen. Besonders im Mittelteil des Filmes kommt es doch zu einigen Längen und die holprige Erzählweise lässt des Öfteren kleine Nebenerzählstränge zum Vorschein kommen, die sich eher mit unscheinbaren Nebensächlichkeiten beschäftigen. Man merkt also, das "Prometheus" sicherlich nicht so perfekt ist, wie viele Leute es erwartet haben. Vielleicht wurden aber auch ganz bewusst etliche Andeutungen und Rätsel in die Geschehnisse eingebaut, um die Vorfreude beim Betrachter auf eine mögliche Fortsetzung zu schüren, wobei dieser Schachzug aber ein zweischneidiges Schwert wäre da zuerst einmal ein wenig Ernüchterung einkehrt. Nun sollte man den Film aber auch nicht schlechter mach als er in Wirklichkeit ist, beinhaltet er doch in erster Linie einige visuelle Highlights, die für so manch anderes Manko entschädigen. Stellvertretend dafür sei nur die Passage erwähnt, in der die Hauptfigur Elizabeth Shaw (Noomi Rapace) eine Operation an sich selbst vornimmt, um ein Alien aus ihrem Bauch zu entfernen. Auch das gewählte Ende ist streckenweise recht spektakulär ausgefallen und schlägt dann förmlich mit der letzten Einstellung die endgültige Brücke zur Alien-Saga, die man sich meiner Meinung nach auch gleich nach diesem Werk noch einmal anschauen sollte.

Letztendlich kann "Prometheus - Dunkle Zeichen" die in ihn gesetzten Erwartungen keinesfalls gänzlich erfüllen, ist aber dennoch ein überdurchschnittlich guter Film und für jeden Alien-Fan absolutes Pflichtprogramm. Man kann nur hoffen, das Ridley Scott die hier aufgeworfenen Fragen in einer Fortsetzung der Geschichte erschöpfend beantwortet, denn nur so würde sich dann auch ein rundes Gesamtbild ergeben, das man zu diesem Zeitpunkt aber noch längst nicht erkennen kann. Mit der richtigen Erwartungshaltung kommt man hier jedenfalls auf seine Kosten, jedoch sollten die eigenen Ansprüche nicht zu hoch angesiedelt werden, da man ansonsten durchaus eine kleine Enttäuschung erleben könnte.


Fazit:


Den allgemein verbreiteten Hype um diesen Film kann ich nicht ganz nachvollziehen, bleiben doch zu viele offene Baustellen die erst noch geschlossen werden müssen. Als eigenständiges Werk gesehen würde "Prometheus" eventuell etwas besser wegkommen, aber es ist einfach unvermeidlich, den Bezug zu den Alien-Filmen außer acht zu lassen. Doch selbst wenn man das ausschalten könnte, würden immer noch zu viele Fragezeichen im raum stehen, als das man von einem perfekten SCI/FI Abenteuer sprechen könnte.


7,5/10

Mittwoch, 26. Dezember 2012

Mutant Girls Squad









Mutant Girls Squad
(Sento shojo: Chi no tekkamen densetsu)
mit Asami, Noboru Iguchi, Yoshihiro Nishimura, Naoto Takenaka, Tak Sakaguchi, Maya Fukuzawa, Yumi Sugimoto, Maki Mizui, Kanji Tsuda, Cay Izumi, Suzuka Morita, Kotono, Yûya Ishikawa
Regie: Noboru Iguchi / Yoshihiro Nishimura
Drehbuch: Noboru Iguchi / Jun Tsugita
Kamera: Shu G. Momose
Musik: Kou Nakagawa / Takashi Nakagawa
ungeprüft
Japan / 2010

Rin ist ein ganz normales Mädchen - so scheint es. Doch schon bald erfährt ihr Körper eine seltsame und schmerzhafte Veränderung. Zu ihrem 16. Geburtstag offenbart der Vater ihr ein gut gehütetes Geheimnis: Rin ist nicht ganz menschlich. Sekunden später wird die Geburtstagsfeier von wilden Kämpfern überrannt, die Rins Eltern töten. In dieser Extremsituation bricht Rins Mutation hervor - ihr Körper wird zur gefährlichen Waffe! Rin findet Aufnahme bei den Hilkos und wird in deren Kampf gegen die Menschen hineingezogen. Dabei kämpfen die Hilkos mit vollem Körpereinsatz.


Mittlerweile dürfte es keinerlei Neuigkeit mehr darstellen, das aus Japan immer wieder herrlich überzogene-und schrille Trash-Perlen kommen, die zudem meist auch noch sehr blutig ausfallen. Vorliegender Film macht da keine Ausnahme und wartet rein inhaltlich mit einer extrem abstrusen Geschichte auf, die nahezu typisch für das Land des Lächelns ist. Wer hier eine ausgefeilte Story mit tiefer gehenden Charakter-Beleuchtungen erwartet ist vollkommen schief gewickelt, denn von der ersten bis zur letzten Einstellung offenbart sich ein grell-buntes Szenario, das kaum überzogener daher kommen könnte. Dabei haben die Macher dieses Werkes ganz bewusst darauf geachtet, dem Geschehen einen Kunstblut-Anteil beizufügen, der phasenweise schon fast astronomische Ausmaße annimmt, SFX ohne Ende sind da fast schon selbstverständlich, so das sich das Ganze als ziemlich harte Choose herausstellt, die aber durch den äußerst schrägen Humor nicht annähernd so hart erscheint wie beispielsweise ein normaler Horrorfilm.

Hier wird man mit den skurrilsten Dingen konfrontiert, wobei es im Prinzip vollkommen egal erscheint, ob es sich dabei um Kostüme, die wildesten Verwandlungs-Szenen, oder aber auch absolut groteske Körperauswüchse handelt. In gewisser Art und Weise kann man die beteiligten schon als menschliche Transformer bezeichnen, wobei hier Figuren in Erscheinung treten, bei deren Anblick man sich kaum vor lachen halten kann. Es ist eine wahre Pracht sich dem bunten Treiben zu widmen, in dem es fast durchgängig extrem rasant-und temporeich zur Sache geht. Denn bis auf ganz wenige Ausnahmen bietet "Mutant Girls Squad" eigentlich gar keine Möglichkeiten, das man zwischendurch einmal etwas Luft holen kann, reiht sich doch eine unglaubliche Szene an die andere und offenbart dabei ein wahres Sammelsurium der skurrilsten Dinge. Bei Ansicht des Filmes stellt man sich einmal mehr die Frage, wie die Japaner immer wieder auf diese unglaublichen Ideen kommen, die doch normalerweise nur einem ziemlich kranken Hirn entspringen können.

Doch gerade diese außergewöhnliche Note ist es, die ein solches Werk zu einem regelrechten Fest für Freunde des schrägen-und schlechten Geschmacks macht, kann man ein solches Szenario doch unmöglich mit normalen Maßstäben messen, oder gar eine uneingeschränkte Empfehlung dafür aussprechen. Zu speziell gestalten sich die unglaublichen Ereignisse zwischen Mensch und Mutant und man sollte schon ein sehr ausgeprägtes Faible für blutigen Trash haben, um überhaupt etwas mit diesem Szenario anfangen zu können. Und blutig geht es wirklich zur Sache, der rote Lebenssaft wird in rauen Mengen vergossen und das abtrennen von Gliedmaßen ist so hoch angesiedelt, das selbst eine ungefähre Schätzung nicht so einfach sein dürfte. Das Ganze ist selbstredend vollkommen überspitzt dargestellt, so das einem die Szenerie gar nicht einmal so hart vorkommt, wie der Bodycount es vermuten lässt.

Über Sinn und Unsinn des Inhaltes braucht man sich keinerlei Gedanken zu machen, denn die recht dünne Rahmenhandlung ist lediglich als nötige Staffage anzusehen, damit sich überhaupt so etwas wie ein roter Faden durch das blutige Spektakel zieht. Wer Filme wie "The Machine Girl" oder auch "Tokyo Gore Police" zu schätzen weißß, der dürfte auch an dieser Trash-Granate seine wahre Freude haben, wobei ich die beiden genannten Titel noch als etwas besser bezeichnen würde. Dennoch muss sich auch "Mutant Girls Squad" nicht verstecken und bringt einem einmal mehr eine sehr ausgeprägte Vorliebe der Japaner für vollkommen abgedrehte Filme näher. Einfach den Kopf leerlaufen lassen und sich an einer abstrusen Schlachte-Platte erfreuen, die auf jeden fall jede Menge Kurzweil beinhaltet und dabei nicht mit überdrehtem Humor spart


Fazit:


Schrill, grell-und vollkommen überzeichnet präsentiert sich wieder einmal eine japanische Produktion, die man ausschließlich nach ihrem Unterhaltungswert beurteilen sollte. Sinn-und Verstand sind hier absolute Fremdworte, herrlicher Trash und jede Menge blutige Passagen sind absoluter Trumpf. man sollte schon vorher wissen auf welche Art von Film man sich hier einlässt, denn nur dann kann man auch seine helle Freude an diesem Spektakel haben.


7/10 Trash-Granaten

Montag, 24. Dezember 2012

The Amazing Spider-Man









The Amazing Spider-Man
(The Amazing Spider-Man)
mit Andrew Garfield, Emma Stone, Rhys Ifans, Denis Leary, Martin Sheen, Sally Field, Irrfan Khan, Campbell Scott, Embeth Davidtz, Chris Zylka, Max Charles, C. Thomas Howell, Jake Keiffer
Regie: Marc Webb
Drehbuch: James Vanderbilt / Alvin Sargent
Kamera: John Schwartzman
Musik: James Horner
FSK 12
USA / 2012

Peter Parker wächst bei seinem Onkel Ben und seiner Tante Mary auf. Selbst als junger Mann hat er nicht verkraftet, dass seine Eltern spurlos aus seinem Leben verschwunden sind, als er noch ein kleiner Junge war. Nun glaubt er, einen Hinweis gefunden zu haben, was mit ihnen geschehen sein könnte. Seine Nachforschungen führen ihn zu Dr. Curt Connors, den ehemaligen Partner seines Vaters. Als Peter von einer Spinne gebissen wird, überschlagen sich die Geschehnisse.


Ob es überhaupt nötig gewesen wäre schon jetzt ein Reboot zu Sam Raimis Film aus dem Jahr 2002 zu drehen muss ein jeder für sich selbst entscheiden, doch die hier vorliegende Neuverfilmung hält leider nicht das, was sich so mancher wohl von ihr erwartet hat. Eigentlich bin ich ziemlich unvoreingenommen an die Neuauflage herangegangen, muss im nachhinein jedoch zugeben, das mir die 2002er Spinne erheblich besser gefallen hat. Das ist gar nicht einmal auf den neuen Hauptdarsteller bezogen, denn dieser macht seine Sache trotz eines recht kindlichen Aussehens verhältnismäßig gut, es ist vielmehr die Geschichte, die mich auf keinen Fall überzeugen konnte. Das man sich so weit wie möglich von Raimis Story weghalten wollte, wird eigentlich schon nach wenigen Minuten klar und gegen Neuerungen an sich ist ja auch nichts einzuwenden, allerdings hätte man dem Szenario durchaus ein wenig mehr Spannung und Pepp verleihen können. So aber präsentiert sich doch ganz allgemein ein Szenario, das fast vollkommen ohne Höhepunkte auskommen muss und eine ganze Zeit lang sogar ziemlich vor sich hin plätschert, was nicht unbedingt die Konzentration des Zuschauers fördert, sondern vielmehr zu einigen Ermüdungserscheinungen führen kann. Denn wirklich unterhaltsam gestalten sich die ersten gut 70 Minuten nicht wirklich, wird man doch hauptsächlich mit der äußerst langatmigen Einführung in die Ereignisse konfrontiert, die sich nicht gerade sehr unterhaltsam präsentiert.

Zwar gestaltet sich das Geschehen dann in der Folgezeit weitaus actionreicher, doch ganz ehrlich gesagt hatte ich etwas mehr Spektakel erwartet. Die vorhandenen Action-Passagen sind zwar allesamt sehenswert, bieten jedoch keinerlei neue Impulse und wirken phasenweise schon etwas abgedroschen. Es gibt wirklich überhaupt nichts Überraschendes und das ist höchstwahrscheinlich das größte Defizit eines Filmes, den man sich meiner Meinung nach auch durchaus hätte sparen können. Das gesamte Szenario erscheint irgendwie vollkommen lieblos dahin geklatscht und bietet auch durch die Abweichungen innerhalb der Geschichte keinesfalls etwas, das einen in Begeisterungsstürme ausbrechen lassen würde. Ich möchte hier keinesfalls missverstanden werden und den Film auch nicht schlechter machen als er in Wirklichkeit ist, aber ein echter Funke will zu keiner Zeit überspringen. In dieser Beziehung muss man dann doch feststellen, das die Filme von Raimi ganz generell weitaus interessanter gestaltet waren und einem insbesondere mehr Abwechslung geboten haben, als es das Werk von Marc Webb je tun wird. Sein Inhalt der Story vermag nicht zu überzeugen und erscheint an etlichen Stellen viel zu uninspiriert, was für mich jedenfalls eine ziemliche Enttäuschung darstellt.

Bis auf Hauptdarsteller Andrew Garfield konnten mich die anderen Darsteller in keinster Weise überzeugen, ein Martin Sheen und eine Sally Field hinterlassen hierbei schon fast den Eindruck einer Fehlbesetzung. Aber auch der Rest wartet nicht gerade mit herausragenden Performances auf, um es einmal diplomatisch auszudrücken, teilweise erscheint das Schauspiel sogar seltsam maskenhaft und aufgesetzt, so das man insgesamt gesehen auch in diesem bereich erhebliche Abstriche machen muss. Und so zieht sich ein wahrer Wulst von Mankos durch diesen Film, der in keiner Phase auch nur annähernd an das 2002er Werk herankommt. Für einen Blockbuster, der fast 100.000.000 § mehr gekostet hat als die Version von Sam Raimi wird eigentlich herzlich wenig geboten und man fragt sich ehrlich gesagt, wo das ganze Geld (230.000.000 §) geblieben ist. Zumindest ist es sicherlich nicht für das eher schwache Drehbuch ausgegeben worden, das dem Betrachter eine phasenweise fast schon langweilige Geschichte aufzwingt, an der man keinen wirklichen gefallen finden kann.

Vielleicht bin ich der etlichen Comic-Verfilmungen einfach müde, eventuell ist es aber auch dieser eher mittelmäßige Neu-Aufguss, der mir definitiv keinen überzeugenden Eindruck vermitteln konnte. Eine schwache Story, maximal mittelmäßige Darsteller und keinerlei echte Überraschungsmomente sind nicht sonderlich fördernd für einen guten Gesamteindruck, den "The Amazing Spider-Man" zumindest bei mir nicht hinterlassen konnte. Eine Teilschuld daran trägt auch der Widersacher des Titelhelden, denn "The Lizard" (Dr. Curt Connors) hat mir überhaupt nicht gefallen und lässt zudem auch keinen sonderlich bedrohlichen Eindruck zurück, wie es beispielsweise beim grünen Kobold der Fall war. Da war die Darstellung eines Willem Dafoe doch schon in eine ganz andere Kategorie einzuordnen als die doch eher blasse Performance eines Rhys Ifans, der in diesem Film eine Menge schuldig geblieben ist. Letztendlich kann man sich diesen unnötigen Aufguss eines Superhelden durchaus einmal anschauen, aber einen wirklich nachhaltigen Eindruck hinterlässt das Werk von Marc Webb auf keinen Fall, wobei eine geplante Fortsetzung im Prinzip nur besser werden kann.


Fazit:


Eine bessere Geschichte, bessere Darsteller und ein wenig Spannung hätten diesem Film sicherlich gut zu Gesicht gestanden. So aber kann ich jedem nur raten, lieber zur Trilogie von Raimi zu greifen, denn jeder einzelne Teil ist weitaus besser und interessanter als diese unnötige Neuauflage, die man nicht zwangsweise gesehen haben muss.


6/10

Samstag, 22. Dezember 2012

Gesetz der Rache









Gesetz der Rache
(Law Abiding Citizen)
mit Jamie Foxx, Gerard Butler, Colm Meaney, Bruce McGill, Leslie Bibb, Michael Irby, Gregory Itzin, Regina Hall, Emerald-Angel Young, Christian Stolte, Annie Corley, Richard Portnow, Viola Davis, Michael Kelly
Regie: F. Gary Gray
Drehbuch: Kurt Wimmer
Kamera: Jonathan Sela
Musik: Brian Tyler
FSK 16
USA / 2009

Der gutbürgerliche Clyde Shelton wird eines Nachts von Einbrechern überfallen, die seine Frau und seine Tochter auf grausame Weise ermorden. Die Täter werden schon bald gefasst, doch Shelton steht vor einem Trümmerhaufen. Da nimmt sich der ambitionierte Staatsanwalt Nick Rice des Falls an, der sich jedoch gezwungen sieht, die Strafverhandlung zu Gunsten des Mörders und zum Nachteil dessen Komplizen zu führen. Der Mörder kommt dadurch mit einem blauen Auge davon. Doch Shelton kann die Sache nicht belassen und sorgt für seine ganze eigene Vorstellung von Gerechtigkeit.


Rache-Thriller gibt es wie Sand am Meer, doch nur wenige hinterlassen beim Zuschauer einen wirklich bleibenden Eindruck. Klassiker wie "Ein Mann sieht eot" nehmen dabei sogar eine Ausnahmestellung ein und wissen auch nach Jahrzehnten immer noch zu begeistern. Mit "Gesetz der Rache" bekommt man es nun aber mit einer Geschichte zu tun die sich doch ziemlich von den ansonsten üblichen Szenarien abhebt, denn was in anderen Genre-Vertretern in gut 90 Minuten erzählt wird, ist in vorliegendem Film eigentlich schon nach gut 30 Minuten abgehandelt und dient eigentlich nur als notwendige Einführung in ein Geschehen, das man als geradezu brillant bezeichnen kann. Und so geht die Story dann auch sofort mit den ersten Szenen in die Vollen, ohne jede Vorwarnung wird der Zuschauer in das kalte Wasser geworfen und mit der Tat an sich konfrontiert, als 2 Einbrecher die Familie von Clyde Shelton (Gerard Butler) bestialisch töten. Danach wird auch im Rekordtempo die Gerichtsverhandlung und die daraus entstehenden Folgen für die Täter abgehandelt, so das man das Geschehen im Prinzip nach einer halben Stunde abhaken könnte. Doch da wo andere Filme dieser Art enden, beginnt "Gesetz der Rache" erst und es entwickelt sich ein perfides Katz-und Maus Spiel, das gut 10 Jahre nach der abscheulichen Tat einsetzt.

Als Aufhänger gilt wie so oft das ziemlich fragwürdige Rechtssystem in den USA, in dem immer wieder gewöhnungsbedürftige Deals abgeschlossen werden, die für die Hinterbliebenen der Opfer zumeist nicht nachvollziehbar und ein regelrechter Schlag ins Gesicht sind. Diese Erfahrung hat auch Shelton gemacht, der nun nach 10 Jahren das Recht selber in die Hand nimmt, wobei die Rache an den beiden Tätern längst nicht das Ende der Fahnenstange darstellt. Es eröffnet sich vielmehr ein mörderisches Spiel mit allen Personen die am damaligen Prozess beteiligt waren, wobei Staatsanwalt Nick Rice (Jamie Foxx) als Hauptgegner auszumachen ist, da er den Deal mit den Verbrechern abgeschlossen hatte. Was sich nun im Laufe der Zeit entwickelt kann man schon fast als Massensterben bezeichnen, denn immer mehr Beteiligte des Prozesses verlieren auf brutalste Art ihr Leben. An dieser Stelle stellt sich jedoch keinesfalls die Frage wer hinter diesen Morden steht, sondern vielmehr der Aspekt, wie Shelton die Morde begehen kann und wer ihm dabei hilft. Der gute Mann sitzt ja schließlich in Isolations-Haft und spielt förmlich mit allen Beteiligten. Selbstverständlich stellt sich mit der Zeit heraus, das man es hier mit einer Art taktischem Genie zu tun hat und manch einem mag das etwas zu klischeelastig vorkommen, doch wie Regisseur F.Gary Gray das Ganze ins Bild gesetzt hat, ist schon absolut faszinierend und zieht einen förmlich in seinen Bann. Immer tiefer taucht der Betrachter in das geheimnisvolle Geschehen ein und gerät dabei schon fast in eine Art Fieber-Rausch, denn der dramaturgisch erstklassig aufgebaute Spannungsbogen sorgt fast durchgehend dafür, das man sich am liebsten die Fingernägel abkauen möchte.

Es ist schon als schlichtweg genial zu bezeichnen, was hier aus einer eigentlich simplen Rache-Story gemacht wurde, die nur ganz am Ende ein wenig an Qualität einbüßt, denn das gewählte Ende kommt einem im Gegensatz zu den vorherigen Ereignisse seltsam banal vor und zerstört ein klein wenig den bis dahin herausragenden Gesamteindruck. Strotzt die Geschichte doch in den ersten gut 90 Minuten nahezu vor Innovation und grandiosen Einfällen und offenbart auch immer wieder herausragende Wendungen, so sind die letzten gut 15 Minuten eher das Gegenteil. Meiner Meinung nach sollte man diesem letzten Teil des Filmes aber nicht zuviel Gewichtung beimessen, denn es fehlt dem Drehbuch lediglich an der nötigen Konsequenz, die eingeschlagene Richtung auch vollends durzuziehen. Für viele andere mag hier ein großes Defizit zu bestehen, jedoch ist "Gesetz der Rache" insgesamt gesehen ein viel zu guter Film, um wirklich große Punktabzüge vornehmen zu können. Ein absoluter Höhepunkt ist dabei auch sicherlich das Schauspiel der Akteure, denn bis in die kleinsten Nebenrollen ist das Werk absolut perfekt besetzt. Hervorheben muss man dennoch die beiden Hauptdarsteller, denn Foxx und Butler liefern hier beide eine sagenhafte Performance ab, mit der sie alle anderen Darsteller ein wenig in den Hintergrund rücken.

Letztendlich handelt es sich hier um einen herausragenden Vertreter seiner Art, der bis auf die etwas schwächelnde Schluss-Phase Thriller-Kost vom Feinsten bietet. Etliche Wendungen und jede Menge Überraschungsmomente vermitteln dem Betrachter fast durchgehend ein Gefühl der absoluten Hochspannung und es ist so gut wie unmöglich, sich der vom Geschehen ausgehenden Faszination zu entziehen. Einmal mehr wird dabei das korrupte Srafsystem der USA an den Pranger gestellt, das in vielen Fällen keine wirkliche Gerechtigkeit beschert. Die Art dieses System zu bekämpfen wird hier extrem drastisch und intensiv dargestellt und auch, wenn manche Passage im ersten Moment einen vielleicht eher unglaubwürdigen Eindruck hinterlässt, entfaltet sich im Endeffekt ein recht authentischer Eindruck, der das Gesamtbild nahezu perfekt abrundet.


Fazit:


"Gesetz der Rache" beginnt da, wo andere Rache-Thriller enden und präsentiert einem eine geniale Geschichte, die bis auf die letzten 15 Minuten hochklassige Filmkost bietet. Auch das etwas banale Ende stellt für mich persönlich kein großes Hindernis dar, hier eine hohe Bewertung abzugeben, was selbstverständlich wie immer im Auge des jeweiligen Betrachters liegt. Auf jeden Fall aber sollte man sich diesen höchst intensiven Film einmal anschauen, denn Spannung und Kurzweil ohne Ende sind definitiv vorprogrammiert.


9/10

Donnerstag, 20. Dezember 2012

Blutiger Schatten










Blutiger Schatten
(Solamente nero)
mit Lino Capolicchio, Stefania Casini, Craig Hill, Massimo Serato, Juliette Mayniel, Laura Nucci, Attilio Duse, Gianfranco Bullo, Luigi Casellato, Alfredo Zammi, Alina Simoni, Emilio Delle Piane
Regie: Antonio Bido
Drehbucj: Marisa Andalo / Antonio Bido
Kamera: Mario Vulpiani
Musik: Stelvio Cipriani
ungeprüft
Italien / 1978

Das Grauen schleicht durch die Gassen von Venedig. Eine Serie grässlicher Morde bestimmt das Nachtgeschehen und hält die Menschen in Angst und Schrecken. Stefano, ein junger Wissenschaftler, besucht seinen Bruder Paolo, der in Venedig als Pfarrer arbeitet. Als er aber die Malerin Sandra trifft, verliebt er sich in sie. Das junge Glück wird von den momentanen Schrecken und einem blutigen Schatten getrübt. Okkultismus und geheimnisvolle Kräfte scheinen ihre Finger im Spiel zu haben. Plötzlich macht Stefano eine schreckliche Entdeckung...


Nach "Die Stimme des Todes" aus dem Jahre 1977 folgte hier nur ein Jahr später gleich der zweite Giallo, der unter der Regie von Antonio Bido entstanden ist. Dabei gehen die Meinungen über "Blutiger Schatten" bei den Fans so manches Mal ziemlich auseinander, bietet der Film für viele nicht mehr als den absoluten Durchschnitt, für andere jedoch ein absolutes Highlight des Genres. Ich persönlich zähle mich hier zur zweiten Gruppe, denn die hier erzählte Geschichte hat mich von der ersten Sekunde an in ihren Bann gezogen. Das liegt hauptsächlich an der wirklich erstklassigen Atmosphäre, die sich durch das gesamte Geschehen zieht und dabei äußerst dicht-und stimmungsvoll daher kommt. Als zweite große Stärke ist sicherlich der gezogene Spannungsbogen auszumachen, denn Bido hat es meisterlich verstanden, die vorhandene Schraube kontinuirlich immer fester anzuziehen, so das sich erst kurz vor dem Ende alles entladen kann und dem Zuschauer ein Täter präsentiert wird, mit dem man nicht unbedingt rechnen konnte.

Die wirklichen Zusammenhänge der Mord-Serie werden sehr lange im Dunkeln gehalten und so manche bewusst gelegte Fährte führt einen hier in die Irre, bevor sich zum Ende hin alles lückenlos aufklärt. So ist auch die Aufmerksamkeit des Betrachters jederzeit gewährleistet, der sich nur zu gern an diesem geheimnisvollen Rätselspiel beteiligt, bei dem man immer wieder kleinere Puzzle-Teilchen serviert bekommt, die man in mühsamer Kleinarbeit zusammensetzen muss. Als mögliche Täter werden dabei einige der Charaktere präsentiert, nur fehlt es im Prinzip an jeglichen Motiven, die hier die Morde erklären könnten. Doch gerade dieser Aspekt sorgt meiner Meinung nach für jede Menge Thrill, fischt man doch selbst die ganze Zeit über eher im Trüben und versucht sich seinen eigenen Reim auf das Ganze zu machen. Als Anhaltspunkt dient lediglich die Eröffnungs-Szene des Filmes, die mit zunehmender Laufzeit immer wieder eingespielt wird und letztendlich auch untrennbar mit der Motivlage des Killers verbunden ist. Ein weiteres Indiz ist ein Gemälde, das innerhalb der Geschehnisse noch einen ganz wesentlichen Anteil an der Aufklärung der mysteriösen Story haben soll.

Mit der Lagunen-Stadt Venedig hat Bido den nahezu perfekten Schauplatz für sein Szenario gewählt und insbesondere die in der Nacht spielenden Passagen in den engen Straßen sorgen hier phasenweise für eine echte Gänsehaut, die durch die exzellente Geräusch-Kulisse noch zusätzlich untermalt wird. Die dabei bedrohlich aufkommende Atmosphäre geht keinesfalls spurlos an einem vorbei und man kann förmlich spüren, wie sich die Geschichte dem nächsten Mord annähert, der so sicher kommt wie das Amen in der Kirche. Die Kills an sich sind dabei eher blutarm und recht harmlos in Szene gesetzt worden, doch "Blutiger Schatten" hat reißerische Momente auch überhaupt nicht nötig, versteht es der Film doch auch ohne explizite Gewaltdarstellungen jederzeit, in jeder Beziehung zu punkten. Vielleicht hätte sich der ein oder andere ein wenig mehr Spektakel gewünscht, doch in seiner Gesamtheit hat Antonio Bido hier einen Genre-Vertreter kreiert, der absolut stimmig ist und einen herausragenden Gesamteindruck hinterlässt.

Letztendlich liegt es natürlich im Auge des jeweiligen Betrachters, doch für mich persönlich stellt dieses Werk einen der absolut besten Vertreter seiner Gattung dar, den man sich immer wieder gern anschaut. Ein atmosphärischer Giallo, der wirklich sämtliche Zutaten beinhaltet, die dieses Genre so sehenswert erscheinen lassen. Man kann Bido nur jede Menge Respekt für diesen Film zollen, der einen von der ersten bis zur letzten Minute in seinen Bann zieht und der einen Strudel von Ereignissen in Gang setzt, die sich bis zum bitteren Ende extrem geheimnisvoll und mysteriös gestalten.


Fazit:


Von vielen Leuten eher als Durchschnitt abgestempelt, beinhaltet "Blutiger Schatten" eine Story, die durchgehend äußerst spannend und atmosphärisch zu unterhalten weiß. Der Film sollte in keiner gut sortierten Sammlung fehlen, beinhaltet er doch einen ziemlich hohen Wiedererkennungswert und eignet sich jederzeit für eine neuerliche Sichtung.


8,5/10

Dienstag, 18. Dezember 2012

Der Samariter - Tödliches Finale









Der Samariter - Tödliches Finale
(The Samaritan)
mit Samuel L. Jackson, Luke Kirby, Ruth Negga, Alan C. Peterson, Gil Bellows, Aaron Poole, Tom McCamus, Deborah Kara Unger, Tom Wilkinson, Rob Archer, Diana Leblanc, Rufus Crawford, Andrew Butcher, Frank Moore
Regie: David Weaver
Drehbuch: Elan Mastai / David Weaver
Kamera: Francois Dagenais
Musik: Todor Kobakov / David Whalen
FSK 16
USA / 2012

25 Jahre Knast für den erzwungenen Mord an seinem Freund und Partner haben aus Foley einen einsamen und müden Mann gemacht, der nur noch in Frieden leben will. Doch Ethan, der Sohn des Toten, hat Pläne, für die er einen erfahrenen Betrüger der Extraklasse braucht. Einen wie Foley. Denn 8 Millionen Dollar zieht man niemandem leicht aus der Tasche. Ethan ahnt, dass Foley vermutlich nicht mitspielen will, und so hat er vorsorglich ein teuflisches Netz um den Mörder seines Vaters gesponnen, in dem der sich mit jeder Bewegung mehr verfängt. Doch nichts ist, wie es scheint, und Foley kein Insekt, das einfach nur hilflos zappelt …


Schon seit längerer Zeit ist Samuel L. Jackson längst nicht nur in diversen Blockbustern zu sehen, der gute Mann hat sich mittlerweile zu einem echten Vielfilmer entwickelt und taucht so auch ziemlich oft in eher kleineren Produktionen auf. Im Gegensatz zu anderen Darstellern gelingt es dem charismatischen Schauspieler jedoch fast immer, den Zuschauer durch seine schauspielerischen Fähigkeiten zu überzeugen, wie es auch in vorliegender Geschichte einmal mehr der Fall ist. Die Rolle des scheinbar ausgebrannten Ex-Knackis scheint ihm dabei wie auf den Leib geschneidert und obwohl man sich ganz generell nicht über die Leistungen der gesamten Darsteller-Riege beschweren kann, sticht Jackson hier ganz eindeutig heraus und füllt die Geschichte mit einer unglaublichen Omnipräsenz. Regisseur David Weaver, der bisher eigentlich keinen wirklich herausragenden Film auf den Weg gebracht hat erzählt hier eine von Anfang bis Ende sehr spannende Story, die neben den erstklassigen Performances der Protagonisten in erster Linie von den etlichen Wendungen lebt, die der Story-Plot immer wieder zu bieten hat. Dabei handelt es sich doch im Prinzip um einen recht deutlichen und fast schon banalen Handlungsstrang, doch die vielen eingebauten Überraschungsmomente machen aus einer eher simplen Geschichte einen echten Hingucker.

Natürlich ist das Geschehen auch mit einigen typischen Klischees behaftet, denn auch hier bewahrheitet sich der übliche Spruch, das Ex-Knackis trotz sämtlicher guter Vorsätze immer wieder von ihrer Vergangenheit eingeholt werden. Was Weaver jedoch aus dieser Thematik herausgeholt hat ist absolut bemerkenswert, denn die Umsetzung wirkt doch herrlich erfrischend und ist mit etlichen frischen Impulsen angereichert worden. "Der Samariter" entpuppt sich dabei als ein eher ruhiger Thriller, der sich vor allem in der ersten Filmhälfte genügend Zeit für eine ausführliche Beleuchtung der einzelnen Charaktere nimmt. Rein optisch gesehen erinnert das Szenario phasenweise an den Film noir, der Zuschauer wird mit teils düsteren Schauplätzen konfrontiert, die irgendwie auch das Gefühl von Tristesse und Hoffnungslosigkeit verbreiten. Das steht dem Gesamtbild sehr gut zu Gesicht und entfaltet trotz mangelnder Action-Passagen einen äußerst intensiven Eindruck der Ereignisse, die manchmal schon ein starkes Gefühl der Schwermut aufkommen lassen.

Nachdem sich im Laufe der Zeit immer mehr Zusammenhänge erkennen lassen, die insbesondere das Leben der Hauptfigur Foley (Jackson) auf den Kopf stellen, überkommt einen schon die düstere Vorahnung, das die Geschichte keinesfalls mit einem Happy End enden wird. Diese Ahnung soll sich dann letztendlich auch bestätigen, wobei ich nicht weiter darauf eingehen möchte, um niemandem die Spannung zu nehmen. Es handelt sich aber auf jeden Fall um einen finalen Shodown, der nahezu perfekt in das Szenario hineinpasst, auch wenn dadurch ein extrem tragischer Hauch in das Geschehen einzieht, der einen mit einem bitteren Beigeschmack aus diesem äußerst sehenswerten Film entlässt. "Der Samariter" ist meiner Meinung nach ein echter Geheim-Tipp und bietet Filmkost der gehobenen Klasse. Ein glänzend aufspielender Samuel L. Jackson ist hierbei sicherlich als das absolute Highlight anzusehen, doch auch in allen anderen Punkten weiß das Werk durchgehend zu überzeugen.

Letztendlich hat David Weaver hier eine ganze Menge richtig gemacht, wobei die Auswahl der Darsteller als absolut perfekt bezeichnet werden kann. Die glaubwürdige Darstellung der jeweiligen Charaktere ist ein ganz wichtiger Bestandteil des Gesamtwerkes, denn nur so kann das Szenario auch die gewünschte Wirkung beim Betrachter hinterlassen. Eine sehr wendungsreiche Geschichte, viel Spannung und eine in manchen Phasen herrlich düstere Grundstimmung runden ein überzeugendes Gesamtbild sehr gut ab, so das man hier bedenkenlos eine Empfehlung aussprechen kann.


Fazit:


Eine ruhige Erzählweise der Ereignisse lässt hier dennoch ein hohes Maß an Intensität entstehen. Diverse Wendungen-und Überraschungsmomente peppen eine vom Prinzip her banale Gauner-Geschichte gewaltig auf und lassen das gesamte Szenario in einem vollkommen anderen Licht erscheinen. Hinzu kommen etliche emotionale Momente, die vor allem zum Ende hin eine sehr tragische Note erkennen lassen, so das streckenweise auch gewisser Tiefgang zu erkennen ist.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch DTS 5.1, DD 5.1 / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 90 Minuten
Extras: Making Of, Deleted Scenes, Interviews, Trailer, Trailershow


7,5/10

Montag, 17. Dezember 2012

Horror Express









Horror Express
(Horror Express)
mit Christopher Lee, Peter Cushing, Alberto de Mendoza, Silvia Tortosa, Julio Pena, Angel del Pozo, Telly Savalas, Helga Line, Alice Reunheart, Jose Jaspe, George Rigaud, Victor Israel, Faith Clift, Juan Olaguivel, Barta Barri
Regie: Eugenio Martin
Drehbuch: Arnaud d'Usseau / Julian Zimet
Kamera: Alejandro Ulloa
Musik: John Cacavas
FSK 18
Großbritannien Spanien / 1973

Der englische Forscher Alexander Saxton entdeckt 1905 im Eis ein gefrorenes Monster, halb Mensch und halb Affe. Dieser Fund wird gut behütet im Gepäckwagen des Transsibirien-Express verstaut und auf die Reise geschickt. Eine Zugfahrt des Grauens beginnt. Das alte Fossil verschwindet und mehrere Menschen sterben. Alle werden mit völlig ausgebluteten Augen aufgefunden. Können Dr. Welles und Forscher Saxton das Geheimnis lösen?


Allein schon die Tatsache, das hier mit Christopher Lee, Peter Cushing und Telly Savalas drei ganz große Leinwandhelden in einem Film zusammen agieren, macht das Werk von Eugenio Martin zu einem abslut sehenswerten Filmvergnügen und auch wenn Savalas erst zum Ende hin in der skurrilen Rolle als Kosake auftritt ist es ein Fest für die Augen, diesen drei Größen ihrer Zeit bei ihrem Job zuzuschauen, der sich wie gewohnt in erstklassigem Schauspiel widergibt, wie man es als Zuschauer nicht anders gewöhnt ist. Doch es sind längst nicht nur die darstellerischen Leistungen, die diesen herrlichen Gruselfilm zu einer wahren Perle des Genres machen, das leider nie die Beachtung erhalten hat, die es im Grunde genommen verdient hätte. So sind es wohl hauptsächlich die Liebhaber solcher Klassiker, die in den Genuss einer wirklich interessanten Geschichte kommen, die zwar durchaus so manches Logikloch offenbart, über das man aber nur zu gern hinwegschaut, da der Rest des Filmes einfach wirklich gut aufeinander abgestimmt ist.

Das absolut Herausragende ist wohl mit ziemlicher Sicherheit die absolut gelungene Grusel-Atmosphäre, die sich fast im Minutentakt immer mehr verdichtet und auch ihre richtig bedrohlichen Momente beinhaltet, an denen man sich erfreuen kann. Hinzu kommt auch der dramaturgisch sehr gelungene Spannungsbogen, der sich langsam aber stetig immer weiter aufbaut und sich auch bis in die letzten Szenen dieser Geschichte aufrechterhalten kann, ohne dabei irgendwelche Einbrüche zu verzeichnen. Sicherlich wird die jüngere Generation nicht so viel mit dem Szenario anfangen können, das für viele Leute eventuell etwas angestaubt erscheinen mag, aber gerade durch diesen Aspekt einen ganz eigenen Charme beinhaltet, dem man als Fan dieser Klassiker ganz einfach erliegen muss. Selbst einige etwas härtere Passagen sind vorhanden, was insbesondere bei Gruselfilmen der 70er Jahre nicht unbedingt als Selbstverständlichkeit anzusehen ist. Zwar kann man die beinhaltete Härte keinesfalls mit heutigen Maßstäben messen, jedoch passen die diversen Szenen absolut perfekt in das Gesamtbild, das man von diesem herrlichen Grusel-Klassiker gewinnt.

Auch die vorhandenen Effekte der damaligen Zeit sind äusserst sehenswert in Szene gesetzt worden und auch die Darstellung des Monsters weiss zu gefallen, auch wenn viele Leute das gerade in der heutigen Zeit der zumeist vollkommen überladenen Effekt-Spektakel vollkommen anders sehen werden. Jedoch ist es gerade dieser Aspekt, der diese Film-Gattung so ganz besonders und unverwechselbar macht und ihr einen absolut unverwechselbaren Charme verleiht, den man als Zuschauer allerdings selbst spüren muss, da man ihn kaum in Worte fassen kann. Dazu zählt ganz bestimmt auch so manch eher naive Darstellung einiger Dinge, denn wenn man sich einmal die Passagen etwas genauer anschaut in denen der "Horror Express" in Großaufnahme gezeigt wird, merkt man doch ziemlich eindeutig, das es sich wohl um eine Modelleisenbahn handeln muss. Was hier dann für Einige wohl eher kitschig oder gar dilletantisch aussehen mag, verleiht diesem Film einen unglaublichen hohen Wiedererkennungswert und macht eine Sichtung für echte Liebhaber des Gruselfilmes unverzichtbar.

Letztendlich ist "Horror Express" eine fast vergessene Perle des Genres und ein Film, der einfach nur viel Spaß macht. Etwaige Logiklöcher in der erzählten geschichte kann man dabei gewissentlich übersehen, wird man doch in allen anderen Belangen mit erstklassiger Gruselkost bedient, die vor allem in atmosphärischer Hinsicht mehr als nur überzeugen kann. Hinzu kommt ein wirklich überzeugendes Darsteller-Ensemble, aus dem sicherlich die drei weiter oben genannten Schauspieler absolut herausragen. Wer diesen Film noch nicht gesehen hat, sollte diesen Zustand schnellstens ändern, ansonsten entgeht ihm ein wahrer Klassiker des Genres, der schon fast in Vergessenheit geraten ist.


Fazit:


Eugenio Martin hat mit "Horror Express" einen absolut zeitlosen Genre-Klassiker geschaffen, der auch nach nun fast 40 Jahren überhaupt nichts von seiner Faszination und seinem Charme verloren hat. Gerade Freunde älterer Filme dürften hier voll auf ihre Kosten kommen, wobei man allerdings anmerken sollte, das dieser Film durchaus dazu in der lage sein dürfte, auch die jüngere generation zu begeistern.


9/10

Sonntag, 16. Dezember 2012

La Petite Mort









La Petite Mort
(La Petite Mort)
mit Manoush, Andreas Pape, Ines Zahmoul, Anna Habeck, Annika Strauss, Magdalena Kalley, Martin Hentschel, Tanja Kanus, Susanne Gerne, Oliver Maack, Stefan Naas, Lars Rohnstock, Marc Rohnstock
Regie: Marcel Walz
Drehbuch: Marcel Walz
Kamera: Andreas Pape / Marcel Walz
Musik: Michael Donner
ungeprüft
Deutschland / 2009

10 Stunden trennen sie von Sommer, Sonne und Strand. Simon, dessen blinde Freundin Ninja und die aufgeweckte Dodo müssen vor ihrem Abflug nach Mallorca, in Frankfurt umsteigen. Genug Zeit, um sich noch die Stadt anzuschauen. Doch nachdem sie ausgeraubt werden, landen sie zufällig im Maison de la petite mort, Schauplatz für die abscheulichen Perversitäten und blutgetränkten Spielchen der High Society Frankfurts. Hausherrin Fabienne und ihre missratenen Töchter Dominique und Angelique bewirtschaften das Etablissement. Bestialische Folterungen, ekelerregende Morde und die Fieber-Phantasien unsagbar kranker Hirne, erwarten die jungen Urlauber.


Immer wieder machen diverse deutsche Amateur-Produktionen auf sich aufmerksam und im unendlich tiefen Sumpf der meisten eher miesen Werke sticht dann doch einmal ab und zu ein Film heraus, der sich recht wohlwollend vom üblichen Einheitsbrei abhebt. "La Petite Mort" von Marcel Walz (Schlaraffenhaus) ist meiner Meinung nach in diese Kategorie einzuordnen, wobei der Film längst nicht perfekt ist und auch einige der üblichen Mankos aufweist. Nicht umsonst wird die Geschichte als deutsches Pendant zu Eli Roth's Folterfilm "Hostel" angesehen, denn die Geschehnisse lassen doch sehr starke Ähnlichkeiten erkennen. So kann man sich als Zuschauer auch ziemlich gut ausmalen, das man im Laufe der Zeit mit etlichen Perversitäten konfrontiert wird, die einem einen tiefen Einblick in die Abgründe der menschlichen Seele gestatten. Dabei beginnt alles relativ harmlos, in den ersten gut 20 Minuten wird man mit eher belanglosen Dingen konfrontiert und muss sich mit langweiligen Dialogen auseinandersetzen, die nicht unbedingt für einen hohen Unterhaltungswert sorgen. Marcel Walz versucht in diesem Zeitraum, die Haupt-Figuren in den Vordergrund zu stellen und ihnen ein gewisses Profil zu verleihen, damit der Betrachter einen Bezug zu ihnen herstellen kann. Doch leider gelingt dies nur teilweise, da die Skizzierung doch eher oberflächlich ausfällt und die Darsteller nicht sonderlich symphatisch erscheinen. Für den weiteren Verlauf ist das in meinen Augen ein nicht unwesentlicher Aspekt, denn trotz der später auftretenden Grausamkeiten entwickelt man im Prinzip nicht sonderlich viel Mitleid mit den Opfern, die viel zu blass und jederzeit austauschbar dargestellt werden.

Nachdem man die langatmige Einführungs-Phase in die Geschichte hinter sich hat, geht es dann aber so richtig zur Sache und die Geschichte schlägt eine Richtung ein, in der das Hauptaugenmerk auf extrem harte und gut gemachte SFX gelegt ist. Bei diesen merkt man dann auch sofort, das mit Olaf Ittenbach ein echter Könner am Werk war und wohl sichtlich Freude daran hatte, den Zuschauer mit einigen richtig derben Effekten zu schocken. In diesem Punkt eröffnet sich dann auch das absolute Highlight dieses Werkes, das aber auch ansonsten noch etwas zu bieten hat. Das Szenario ist nämlich mit einer erstklassigen Grundstimmung ausgestattet, die äußerst düster-und auch bedrohlich daherkommt. In der Location des schmierigen Etablissements wird einem ein starkes Gefühl der Beklemmung vermittelt, das man auch bis zum Ende nicht mehr abschütteln kann. In dieser Beziehung gibt es an "La Petite Mort" wirklich nichts auszusetzen, denn handwerklich und atmosphärisch ist der Film absolut gelungen, es sind vielmehr einige andere Dinge, die den Gesamteindruck ein wenig nach unten drücken und ein besseres Urteil verhindern.

In erster Linie sind hier die Darsteller zu nennen, die nicht unbedingt mit sehr viel Talent ausgestattet sind. natürlich sollte man dabei nicht vergessen das es sich hier um eine Amateur-Produktion handelt, doch gibt es auch genügend Beispiele dafür, das auch in solchen Filmen gutes Schauspiel keine Seltenheit ist. Hier aber fühlt man sich phasenweise an eine Daily-Soap erinnert, die Darstellungen der Akteure wirken stellenweise künstlich und aufgesetzt, in etlichen Passagen verspürt man sogar ein wenig Theatralik. Das kommt dem Ganzen leider nicht unbedingt zu Gute, sondern verwässert den ansonsten recht guten Eindruck des Geschehens. Mit besseren Schauspielern wäre weitaus mehr möglich gewesen und die Geschichte hätte einen noch intensiveren Eindruck hinterlassen, als es so schon der Fall ist. Denn eines muss man diesem Werk auf jeden Fall lassen, die Wirkung auf den Betrachter ist keinesfalls zu unterschätzen. Und damit meine ich nicht nur die knallharten Effekte, sondern auch die Situation an sich, in der sich die Opfer befinden. Auch wenn man mit ihnen selbst aus den schon erwähnten Gründen nicht sonderlich viel Mitleid empfindet, so hinterlässt ihre aussichtslose Lage doch einen Beigeschmack, der extrem bitter ist. Der eigene Verstand will sich weigern das Gesehene zu akzeptieren, mann will einfach nicht glauben das Menschen zu solchen Dingen fähig sind, wie sie hier in Szene gesetzt wurden.

Letztendlich muss man Marcel Walz zugestehen, das er mit "La Petite Mort" einen wirklich guten-und sehenswerten Amateur-Film auf den Weg gebracht hat, der aber auch nicht frei von einigen Defiziten ist. Die ziemlich belanglose Einführungs-Phase und die eher schlechten Schauspielleistungen der Protagonisten verhindern ein weitaus besseres Gesamturteil. Dennoch ist dieser Film absolut sehenswert und überzeugt vor allem durch die sehr stimmige Grundstimmung, sowie die exzellenten SFX von Olaf Ittenbach. Wer Filme wie "Hostel" mag sollte auf jeden Fall einen Blick riskieren, denn im Bezug auf Härte und auch Wirkung steht diese Produktion dem amerikanischen Vorbild in nichts nach.


Fazit:


Trotz der erwähnten Mängel siedelt sich diese Produktion auf jeden Fall über dem Durchschnitt an und und Jung-Regisseur Marcel Walz lässt phasenweise Talent für eine wirklich gelungene Inszenierung erkennen. Allerdings sollte er sich in Zukunft mit etwas besseren Darstellern umgeben, um seinen Filmen noch mehr Profil und Aussagekraft zu verleihen.


6/10

Samstag, 15. Dezember 2012

ID:A









ID:A
(ID:A)
mit Tuva Novotny, Flemming Enevold, Carsten Bjornlund, Amaud Binard, John Buijsman, Rogier Philipoom, Jens Jorn Spottag, Marie Louise Wille, Francoise Lebrun, Koen Wouterse, Finn Nielsen, Henrik Prip
Regie. Christian E. Christiansen
Drehbuch: Tine Krull Petersen
Kamera: Ian Hansen
Musik: Kristian Eidnes Andersen
FSK 16
Dänemark / 2011

Als sie im eiskalten Wasser des Flusses in Südfrankreich zu sich kommt, weiß Ida nichts mehr über sich. Totaler Gedächtnisverlust! Woher stammt die frische Narbe auf ihrem Bauch? Woher hat sie den Seesack voller Geld und die Pistole und vor allem: Wer sind die beiden Männer, die sie verfolgen? Ist sie etwa in das Attentat verwickelt, das in der Nähe passiert ist? Ida geht auf die Suche nach sich selbst. Die Spur führt nach Dänemark. Dort findet sie einen berühmten Sänger, der ihr Ehemann ist. Doch hinter der kultivierten, luxuriösen Fassade stimmt etwas nicht. Langsam tastet sie sich an den blutigen Cocktail aus Terror und Angst heran, der sie schließlich quer durch Europa gehetzt hat ...


Aufgrund der Inhaltsangabe ergeben sich doch sofort thematische Ähnlichkeiten mit dem Film "Die Bourne Identität" und so begibt sich der Zuschauer auch hier auf eine spannende Reise um die Identität der Hauptfigur zu lüften, bei der es sich dieses Mal jedoch um eine junge Frau handelt. Nun sollte man allerdings nicht in die Erwartung verfallen, das sich das Werk von Christian E. Christiansen als eine rasante-und actiongeladene Geschichte entpuppt, tritt doch von Beginn an eine eher sehr ruhige-und bedächtige Erzählweise der Ereignisse in Kraft, die aber dennoch durchaus intensive Momente enthält. Es handelt sich um einen Film der stillen Töne, was jedoch keinesfalls als negative Kritik angesehen werden soll, denn "ID:A" schafft es meiner Meinung nach jederzeit, den Zuschauer für sich zu gewinnen und sich seiner Aufmerksamkeit sicher zu sein. Dabei beziehen die Geschehnisse ihren Spannungsbogen hauptsächlich aus dem Aspekt, das man sich als Betrachter auf dem gleichen Wissensstand mit der Hauptfigur befindet die in mühsamer Kleinarbeit versucht, ihre Identität wieder zu finden.

Zugegebenermaßen beinhaltet das Szenario gerade in der ersten Filmhälfte kleinere Schwächen, so erscheint insbesondere der Punkt ein wenig an den haaren herbeigezogen, wie Ida durch einen extremen Zufall in einem Opernsänger ihren Ehemann wieder erkennt. Hier liegt aber im Prinzip auch die einzige Schwäche eines Filmes, der ansonsten durchgehend interessant gestaltet ist und zudem am Ende auch eine durchaus schlüssige Lösung für die Ereignisse anbietet, mit denen man sich im Laufe der Geschichte auseinandersetzt. Dabei offenbart "ID:A" zwei vollkommen verschiedene Filmhälften an, denn während man sich im ersten Teil des Filmes in der Gegenwart befindet und die Hauptdarstellerin auf der verzweifelten Suche nach Anhaltspunkten für die Wiederherstellung ihrer Erinnerungen begleitet, so beschäftigt sich der Rest der Geschichte hauptsächlich mit den Ereignissen, die zur Amnesie der jungen Frau geführt haben. Denn auf einmal setzt ihre Erinnerung wieder ein, was durch eine gewalttätige Auseinandersetzung mit ihrem Ehemann ausgelöst wird, der übrigens für die Lösung des Rätsels eine nicht gerade unwichtige Rolle einnimmt.

Auch das Tempo der Ereignisse erfährt im zweiten Abschnitt eine gewisse Steigerung und es zieht sogar ein Wenig Action in die Geschichte ein, wobei sich jedoch alles in einem jederzeit überschaubaren Rahmen bewegt und das Ganze nie in ein überladenes Action-Spektakel ausartet. Nach der eher bedächtigen Einführungs-Phase wäre das aber auch nicht besonders glaubhaft gewesen und der Regisseur hat hier genau die richtige Mischung gefunden, um dem Szenario auch eine authentische Note zu verleihen. So ergibt sich dann letztendlich auch ein Gesamtbild, das man bis auf minimale Defizite als sehr gelungen bezeichnen kann, lediglich der schon erwähnte Aspekt des Zufalls im Bezug auf das Wiedererkennen des Ehemannes wirkt ein wenig störend. Ansonsten aber präsentiert sich ein Euro-Thriller, der sich oberhalb des normalen Durchschnittes ansiedelt und ein mysteriöses Rätsels um die Identität einer jungen frau erzählt, das zum Ende hin lückenlos aufgeklärt wird und einen mit einem äußerst befriedigendem Gefühl aus der Geschichte entlässt.

Insbesondere Hauptdarstellerin Tuva Novotny kann durch ihre glänzende Performance jederzeit überzeugen und verleiht der von ihr dargestellten Figur sehr menschliche Züge. Man bekommt es nicht mit einer unter Amnesie leidenden Superheldin zu tun, sondern mit einer ganz normalen jungen Frau, die durch bedrohliche Ereignisse in ein Netz von Terror und Gewalt gerät. Dabei offenbart sie etliche menschliche Schwächen, um andererseits in diversen Momenten aber auch eine nicht zu vermutende Stärke an den Tag legt. Dieser Aspekt wird durchgehend absolut erstklassig in den Vordergrund gerückt und macht das Ganze sehr symphatisch. Auch die anderen Darsteller liefern durch die Bank einen ordentlichen Job ab, veblaßen jedoch ein wenig durch die Omnipräsenz der Hauptdarstellerin, die ganz eindeutig im Focus der Geschichte steht.


Fazit:


Auch wenn es sich bei "ID:A" sicherlich nicht um einen Highspeed-Thriller handelt wird man mit einem Film konfrontiert, der bis auf einige kleine Mankos vollends überzeugen kann. Gerade die eher ruhige Erzählweise sorgt für etliche intensive Momente und lässt genügend Freiraum für eine ausführliche Charakter-Beleuchtung der Hauptfigur. Insgesamt gesehen hat mich diese dänische Prodution voll überzeugt, so das ich auf jeden Fall eine dicke Empfehlung aussprechen kann.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch DTS 5.1, DD 5.1 / Dänisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 2,35:1 (16:9)
Laufzeit: 104 Minuten
Extras: Making of, Deleted Scenes, Interviews, Originaltrailer, Trailershow


7,5/10

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Famine









Famine
(Famine)
mit Beth Cantor, Christopher Patrick Donoghue, Nathan Durec, Dustin Elkins, Karyn Halpin, Glenn Hoffmann, Des Larson, Christopher Lomas, Gustavo MacSerna, Thabi Maphoso, Ady Mejia
Regie: Ryan Nicholson
Drehbuch: Ryan Nicholson / Jeff O'Brien
Kamera: Matt Leaf
Musik: Keine Information
ungeprüft
Kanada / 2011

2 Jahre sind vergangen als der allseits beliebte Lehrer Herr Balszack bei einem üblem Streich fast zu Tode kam. Die "24 Hour Famine", eine Wohltätigkeitsveranstaltung der Abschluss-klasse der "Sloppy Secondary" Schule, ist in vollem Gange als plötzlich der Strom ausfällt. Eine Tour de Force nimmt ihren Lauf und wer die Nacht überlebt, wird sie nie mehr vergessen. Wer ist der geheimnisvolle Psychopath, verkleidet als Schulmaskottchen, der sich fröhlich durch die Schüler metzelt um seinen unstillbaren Hunger der ganz anderen Art zu befriedigen?


Die Filme von Ryan Nicholson haben sich noch nie dadurch ausgezeichnet das sie inhaltlich sonderlich viel hergeben, vielmehr handelt es sich zumeist um Szenarien, in denen ein hoch angesiedelter Härtegrad das Geschehen bestimmt. Nicht anders verhält es sich bei "Famine", denn vom filmischen Standpunkt aus gesehen handelt es sich eigentlich um einen echten Rohrkrepierer. Das beginnt schon mit der recht hanebüchenen Story und zieht sich wie ein roter Faden auch durch sämtliche anderen Komponenten, die dieser Film beinhaltet. So bekommt der Zuschauer beispielsweise ein Schauspiel der Akteure geboten das jeder Beschreibung spottet und die Dialoge sind so dermaßen dämlich, das man sich vor lachen kaum halten kann. Doch genau diese eher negativen Eigenschaften sind es, die ein Werk von Nicholson auszeichnen, der gute Mann schafft es einfach immer wieder, etliche negative Dinge so extrem unterhaltsam darzustellen, das man an seinen Filmen einen Riesen-Spaß hat und bestens unterhalten wird.

Der Höhepunkt des größtenteils extrem skurrilen Treibens sind hier ganz eindeutig die vorhandenen SFX, denn Nicholson lässt es in dieser Beziehung einmal mehr so richtig krachen. Die meisten Kills sind äußerst hart und sehr blutig dargestellt, zudem enthalten sie alle diese herrlich überzogene Note, die man auch aus anderen Werken des Regisseurs kennt. Es ist schon streckenweise recht grotesk, wie hier ein Schüler nach dem anderen sein Leben verliert und man kann die Geschehnisse nur schwerlich ernst nehmen. Das ist aber vollkommen beabsichtigt, präsentiert sich doch ein Slasher, der vom Trash-Gehalt her im oberen Drittel anzusiedeln ist. Nun sollte man jedoch keinerlei Erwartungen an einen gelungenen Spannungsaufbau haben, denn die Ereignisse sind doch im Prinzip vollkommen vorhersehbar und beinhalten keinerlei Überraschungsmomente. Das ist aber auch gar nicht weiter schlimm, denn "Famine" legt sein Hauptaugenmerk auf Dinge wie Härte und extrem skurrile Situationskomik, die zumeist absolut überzogen dargestellt wird.

Und dann wäre da auch noch der für Nicholson typische Fäkal-Humor, der auch in vorliegender Geschichte im Überfluss vorhanden ist. Einerseits offenbart sich dieser in etlichen verbalen Auseinandersetzungen der Protagonisten und auf der anderen Seite gibt es auch immer wieder sexuelle Anspielungen im Bild zu sehen. Das dilletantische Schauspiel sorgt dabei dafür das etliche Passagen urkomisch erscheinen, wobei der vorhandene Humor ganz sicher nicht jeden Geschmack treffen wird. An Szenarien wie diesem scheiden sich zumeist die Geister, für die einen ist ein solcher Film der absolute Bodensatz, für die anderen handelt es sich um ein Highlight des Trash-Films, an dem man sich regelrecht ergötzen kann. Beide Seiten kann man dabei verstehen und muss ganz einfach nach dem eigenen Geschmack entscheiden. Ich persönlich mag ganz einfach diese absolut hirnrissigen Geschichten die vollkommen bewusst total überzogen dargestellt werden. Etliche Aspekte, die man im Normalfall als negative Gesichtspunkte einordnen würde werden hier zu den Stärken einer Story, die vollkommen überdreht und extrem trashig daherkommt und so für allerbeste Unterhaltung sorgt.

Neben den sehenswerten SFX sollte man bei "Famine" ganz besonders auf die darstellerischen Leistungen achten, das an Dilletantismus nur schwerlich zu überbieten ist. Die Handlungsweisen der Akteure sind teilweise so an den haaren herbeigezogen, das man nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen kann. Der Umgang untereinander und die vorhandenen Dialoge setzen dem Ganzen dann die Krone auf und runden eine echte Trash-Perle gnadenlos gut ab. Für diesen Film muss man schon fast zwangsweise 2 Bewertungen abgeben, rein filmisch gesehen ist er nämlich eine absolute Katastrophe, doch für die Freunde des schlechten Geschmackes offenbart sich ein absolutes Highlight, das man auf keinen Fall verpassen sollte.


Fazit:


Da hat der gute Ryan Nicholson mal wieder einen Film gedreht, der die Meinungen extrem spalten wird. Wer einen ernst gemeinten Genre-Beitrag erwartet sollte besser die Finger von der DVD lassen, wer jedoch eine richtig harte-und blutige Trash-Granate sehen möchte, kommt an diesem Werk auf keinen Fall vorbei und wird eine Sichtung keinesfalls bereuen.


als Film 3/10

als Trash 8/10

Dienstag, 11. Dezember 2012

Maximum Conviction









Maximum Conviction - Keiner kann sie stoppen
(Maximum Conviction)
mit Steven Seagal, Steve Austin, Michael Pare, Aiiyah O'Brien, Steph Song, Bren Foster, Sharlene Royer, Kirby Morrow, Zak Santiago, Lauro Chartrand, Christopher Gordon, Teach Grant, Phillip Mitchell
Regie: Keoni Waxman
Drehbuch: Richard Beattie
Kamera: Nathan Wilson
Musik: Michael Richard Plowman
SPIO/JK
USA / 2012

Als der ehemalige Black-Ops-Agent Tom Steele und sein Partner Manning beauftragt werden bei der von der Regierung geheim gehaltenen Stilllegung einer maroden Gefängnisanstalt auszuhelfen, müssen sie auch die Ankunft von zwei mysteriösen weiblichen Häftlingen bewachen. Kurz darauf wird das Gebäude von einer Söldner-Elitetruppe unter der Leitung von Chris Blake überfallen. Dessen Ziel: Die beiden Neuankömmlinge. Als die wahren Identitäten der Frauen aufgedeckt werden, beginnt Steele zu begreifen, das hier viel mehr auf dem Spiel steht als er sich jemals hätte vorstellen können…


Keoni Waxman präsentiert mit "Maximum Conviction" einen recht unterhaltsamen B-Actioner, der jedoch nicht wirklich etwas Neues bietet. Es habdelt sich vielmehr um eine typische Seagal-Story, in der der in die Jahre gekommene Recke einmal mehr durch seine üblich-stoische Art auffällt und wieder einmal fast im Alleingang zum Helden mutiert. Ihm zur Seite steht mit Steve Austin ein wahres Kraftpaket, das für einen Film dieser Art geradezu prädestiniert ist. Und so kann man sich als geneigter Fan sicherlich schon denken, das hier nicht unbedingt die Geschichte an sich im Vordergrund steht, denn rein inhaltlich passt die Rahmenhandlung durchaus auf einen Bierdeckel. Das ist aber gar nicht einmal weiter schlimm, denn dieses Werk sollte man wohl schon aus Prinzip lediglich nach seinem Unterhaltungswert beurteilen und dieser fällt zugegebenermaßen recht ordentlich aus.

Dennoch sollte man schon im Vorfeld gewisse Abstriche bei den eigenen Erwartungen machen, denn das Szenario bietet keinerlei Innovation und erinnert stellenweise schon an Genre-Vertreter wie beispielsweise Stirb langsam, wobei sich dies ausschließlich auf Ähnlichkeiten in der Story bezieht, denn in Sachen Qualität bewegt man sich hier doch in einem eher überschaubaren Rahmen. Und so entwickelt sich eine wilde Hatz innerhalb einer Gefängnisanstalt, bei der sich zwei Gruppen bekriegen. Es kommt zu einigen Schießereien und auch mehrere Nahkämpfe werden immer wieder eingestreut. Zudem lassen Seagal und Austin einige coole Sprüche los, doch das war es dann auch ehrlich gesagt schon. An einigen Stellen erscheint das Geschehen dann auch manchmal etwas monoton, denn wirkliche Abwechslung bekommt der Zuschauer nicht geboten. Zu oft hat man schon solche-oder ähnlich gelagerte Szenarien gesehen, als das man nun in wahre Begeisterungsstürme ausbrechen würde.

Von den Darstellern sollte man keine Wunderdinge erwarten, das wäre bei dieser Film-Gattung wohl aber auch etwas zuviel verlangt. Gerade die beiden Hauptdarsteller agieren sehr routiniert und überzeugend, wohingegen beispielsweise Michael Pare in seiner Rolle vollkommen untergeht und zu keiner Zeit auch nur ansatzweise zur Entfaltung kommt. Dennoch sind die schauspielerischen Leistungen meiner Meinung nach vollkommen ausreichend, zumal man das Hauptaugenmerk höchstwahrscheinlich sowieso auf die vorhandenen Action-Passagen legt. Diese wurden ordentlich in Szene gesetzt, stellen aber auf keinen Fall echte Höhepunkte dar, denn in dieser Beziehung hat man schon weitaus Besseres gesehen.Man merkt also, das sich "Maximum Conviction" nicht als absoluter Kracher präsentiert den sich manch einer eventuell erwartet hat, doch die Qualität des Filmes ist absolut ausreichend, um ihn etwas oberhalb des normalen Durchschnittes anzusiedeln.

Letztendlich haben wir es mit einem typischen B-Movie zu tun, in dem es stellenweise ganz gut zur Sache geht. Überraschungsmomente oder Innovation sollte man nicht erwarten, dafür gibt es einige etwas härtere Szenen zu sehen. Insgesamt gesehen bewegt sich der Härteanteil jedoch in einem jederzeit überschaubaren Rahmen, so das man auch bei diesem Aspekt nichts Herausragendes erwarten sollte. Man hat schon viele schlechtere Werke von Seagal gesehen, aber an die großen Zeiten kann auch "Maximum Conviction" nicht heranreichen. Trotzdem kann man hier nicht viel falsch machen, wenn man eine Vorliebe für Action-Filme hat und wird durchgehend relativ kurzweilig unterhalten.


Fazit:


Eine nette aber nicht neue Rahmenhandlung und genügend Action-Sequenzen sorgen hier für Kurzweil, ansonsten sollte man aber keine großen Ansprüche an diesen Film stellen. Seagal hat schon bessere Zeiten erlebt, kann jedoch durch seine Routine und altbekannte Coolness die etlichen Pfunde Übergewicht einigermaßen wettmachen, die man ihm deutlich anmerkt.


Die DVD:

Vertrieb: Splendid
Sprache / Ton: Deutsch / Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch / Niederländisch
Bild: 1,78:1 (16:9)
Laufzeit: 94 Minuten
Extras: Behind the Scenes, Featurette, Interviews


6/10

Sonntag, 9. Dezember 2012

Und erlöse uns nicht von dem Bösen









Und erlöse uns nicht von dem Bösen
(Mais ne nous delivrez pas du mal)
mit Jeanne Goupil, Catherine Wagener, Bernard Dheran, Gerard Darrieu, Marc Dudicourt, Michel Robin, Veronique Silver, Jean-Pierre Helbert, Nicole Merouze, Henri Poirier, Serge Frederic, Rene Berthier
Regie: Joel Seria
Drehbuch: Joel Seria
Kamera: Marcel Combes
Musik: Claude Germain / Dominique Ney
FSK 16
Frankreich / 1971

Die beiden 14jährigen Klosterschülerinnen Anne und Lore interessieren sich nicht sonderlich für das, was Mädchen ihres Alters normalerweise so umtreibt. Statt sich mit so profanen Dingen wie Jungs abzugeben, lesen sie nachts lieber heimlich unter der Bettdecke die Werke von Lautréamont und Baudelaire und huldigen, ganz dem verführerischen Reiz des Verbotenen erlegen, hingebungsvoll ihrer einzig wahren Liebe, dem Teufel. Angefacht von ihrer Leidenschaft für das Böse und dem Plan, ihrem Liebsten zu imponieren, um sich ihm bei einem Hochzeitsritual vollends hingeben zu können, beginnen die beiden in den Sommerferien, den Männern aus ihrem Dorf gemeine Streiche zu spielen. Was als Spiel aus Verführung und Demütigung beginnt, gerät aber zusehends außer Kontrolle…


Einmal mehr hat das Label Bildstörung eine absolut provokante Film-Perle ausgegraben, die erstaunliche Ähnlichkeiten zum tschechischen Film "Tausendschönchen" aufweist. Auch hier stehen zwei junge Mädchen im Mittelpunkt der Geschichte, die sich durch ihr Verhalten äußerst stark von der Menge abheben und durch ihre provokanten Taten für jede Menge Aufsehen sorgen. Anne und Lore schwören nämlich der Kirche ab und huldigen dem Satan, so das man den im Film-Titel geäußerten Wunsch "Und erlöse uns nicht von dem Bösen" durchaus wörtlich nehmen kann. Anders als in "Tausendschönchen" handelt es sich in vorliegendem Fall aber nicht um eine anarchistische Attacke zweier Außenseiterinnen gegen die bessere Gesellschaft, denn beide kommen aus guten Familien, wobei Anne sogar aus einer echten Aristokraten-Familie stammt. Gerade dieser Tatsache ist es aber auch geschuldet, das die Mädchen anscheinend aus dem spießbürgerlichen Mief entkommen wollen, denn schaut man sich als Zuschauer einmal die familiären Verhältnisse an, schnürt es einem die Luft zum atmen ab. Strenge Regeln und absolute Monotonie kennzeichnen das Leben der beiden Mädchen, für Spaß und die Entfaltung einer eigenen Persönlichkeit scheint dabei kein Platz zu sein. Zudem müssen beide auch noch eine Klosterschule besuchen, in der es streng und extrem gläubig zur Sache geht. Und so fassen sie den Beschluss sich dem Satan zuzuwenden und schwören der Kirche ab, so das man das gesamte Szenario schon als äußerst krasse Blasphemie ansehen kann.

In der Folge denken sich die Teenager immer boshaftere Streiche aus und provozieren vor allem die Männer in ihrer Umgebung mit sexuellen Provokationen. Dabei sollte man anmerken, das die beiden Hauptdarstellerinnen im Film 14 Jahre alt sind und vom Optischen her auch so wirken, jedoch beim Dreh des Filmes schon 19 und 21 Jahre alt waren. Das optische Erscheinen der hübschen Mädchen kommt dem Gesamtbild sehr zu Gute, kann man ihnen doch einerseits die kindliche Naivität im Gesicht ablesen und verspürt doch andererseits den Aspekt des Frühreifen, der nicht nur visuell sondern insbesondere in den provokanten Dialogen extrem gut zur Geltung kommt. Hier liegt auch die meiner Meinung nach größte Stärke der Geschichte, denn obwohl die Handlungen der Mädchen immer boshaftere Züge erkennen lassen, liegt jederzeit ein Hauch von Verspieltheit und kindlicher Naivität über den Ereignissen. Dadurch entsteht eine noch höhere Intensität und der Zuschauer steht dem Ganzen mit ziemlich zwiespältigen Gefühlen gegenüber. So werden beispielsweise auch durch lediglich kleine Szenen durchaus Gründe präsentiert, warum man die Abkehr der beiden Mädchen vom sogenannten Guten begründen könnt, wären da die lüsternen Blicke des Pfarrers bei der Beichte, oder aber auch die Andeutung lesbischer Liebesspiele zweier Nonnen beim Blick durch ein Schlüsselloch.

Diese dezenten Andeutungen sind vollkommen ausreichend, um die schon oft ins Bild gesetzte Doppelmoral der Kirche anzuprangern und den Beweggründen der beiden Teenies Vorschub zu leisten. Die Art der Darstellung ist das Besondere in diesem Szenario, denn Regisseur Joel Seria war sehr wohl darauf bedacht, dem Geschehen eine gewisse Anrüchigkeit zu verleihen, dabei jedoch nie die verspielte Note außer acht zu lassen, die phasenweise sogar einen heiteren Eindruck hinterlässt. Umso schockierender wirken dann die folgenden Ereignisse, denn das Spiel der beiden jungen Grazien mit dem Feuer nimmt zum Ende hin sehr dramatische Formen an. Die Provokationen steigern sich immer mehr und das Szenario nimmt eine Wendung, die einem mit dem gewählten Finale einen Tiefschlag in die Eingeweide versetzt. Auf einmal ist nichts mehr von der Heiterkeit zu verspüren, die selbst die boshaftesten Streiche der Mädchen begleitet hat und auch die kindliche Naivität ist gänzlich verschwunden. Stattdessen entfaltet sich eine regelrechte Schock-Starre, in die man mit den letzten Bildern des Filmes versetzt wird. Das abrupte Ende wirkt dann auch sehr nachhaltig und man braucht eine geraume Weile, bis man das Gesehene einigermaßen verdaut hat. Dennoch rundet gerade der Aspekt das es hier kein Happy End gibt die Geschichte perfekt ab und entlässt einen aus einem Film, den man insgesamt nur als absolut grandios bezeichnen kann. Zu diesem Eindruck trägt insbesondere das herausragende Schauspiel der beiden Haupt-Darstellerinnen bei, denn Jeanne Goupil (Anne) und Catherine Wagener (Lore) liefern eine Performance ab, die man nur als absolut brillant bezeichnen kann.

"Und erlöse uns nicht von dem Bösen" ist ein absolutes Meisterwerk des provokanten Filmes und bietet dem Betrachter ein Szenario, das ihn in einen absoluten Zwiespalt der Gefühle versetzt. Der Kontrast zwischen kindlicher Naivität und absoluter Boshaftigkeit ist dermaßen frappierend, das man hin-und her gerissen ist zwischen aufkommender Symphatie für zwei verspielte Mädchen und der strikten Ablehnung ihrer boshaften Taten gegenüber ihren Mitmenschen. Es ist ein äußerst schmaler Grat zwischen Gut und Böse auf dem man sich hier bewegt und die Umsetzung des Ganzen ist so perfekt gelungen, das man einfach nur applaudieren kann. Trotz der fast durchgehend vorhandenen heiteren Note entfaltet der Film gerade durch diesen Gesichtspunkt eine ungeheuer starke Intensität und ist ein absoluter Schlag in die Magengrube, von dem man sich erst nach einer gewissen zeit wieder erholen kann. Man muss sich dieses Werk einfach selbst anschauen, um sich ein Bild von der teils verstörenden Wirkung zu machen, die das Szenario beim Zuschauer hinterlässt.


Fazit:


Über 4 Jahrzehnte hat es gedauert, bis dieser fantastische Film dank Bildstörung nun auch endlich bei uns eine würdige Veröffentlichung erfahren hat. Dabei hat das Label einmal mehr sein Gespür für die außergewöhnlichen Film-Perlen eindrucksvoll unter Beweis gestellt und dem Zuschauer ein Geschenk gemacht, das man nur zu gern dankend annimmt. Wie immer hat man die DVD auch wieder mit üppigem Bonus-Material ausgestattet, so das man letztendlich nur eine dicke Empfehlung an jeden aussprechen kann, der ganz besondere Werke zu schätzen weiß.


Die DVD:

Vertrieb: Bildstörung
Sprache / Ton: Französisch DD 2.0 Mono
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,66:1 (anamorph 16:9)
Laufzeit: 97 Minuten
Extras: Interview mit Regisseur Joel Siera, Interview mit Hauptdarstellerin Jeanne Goupil, Hellish Creatures, Exclusives Booklet


10/10

Freitag, 7. Dezember 2012

The Dark Knight Rises









The Dark Knight Rises
(The Dark Knight Rises)
mit Christian Bale, Gary Oldman, Tom Hardy, Joseph Gordon-Levitt, Anne Hathaway, Marion Cotillard, Morgan Freeman, Michael Caine, Matthew Modine, Alon Aboutboul, Ben Mendelsohn, Burn Gorman
Regie: Cjristopher Nolan
Drehbuch: Jonathan Nolan / Christopher Nolan
Kamera: Wally Pfister
Musik: Hans Zimmer
FSK 12
Großbritannien / USA / 2012

Acht Jahre sind vergangen, seitdem Batman die Verbrechen von Two-Face auf seine Kappe genommen hat und für immer aus Gotham vertrieben wurde. Acht Jahre, in denen der fragile Frieden in der Metropole Bestand hatte. Doch als der nihilistische Bane die Stadt mit Terror von ungeahntem Ausmaß überzieht und der Polizei ihre Grenzen aufweist, hat Bruce Wayne keine andere Wahl. Er muss sein Versteck verlassen und den Schwarzen Rächer wieder zu Leben erwecken: Nur Batman kann die Stadt retten, die ihn zu ihrem größten Feind erklärt hat.


Das war er nun also, der angebliche Abschluss der Batman-Trilogie, der schon im Vorfeld die unterschiedlichsten Meinungen auf den Plan gerufen hat. Einerseits durchaus verständlich, denn hat doch der Vorgänger "The Dark Knight" einen überdimensional großen Schatten gworfen, so das vorliegender Film im Prinzip von Beginn an kaum eine faire Chance hatte. Wie sollte Christopher Nolan beispielsweise die brillante Performance eines Heath Ledger in der Rolle des Jokers toppen und gleichzeitig einen würdigen Abschluss in Szene setzen, der auch als Gesamtpaket nur annähernd an seinen schier übermächtigen Vorgänger herankommen kann? Die Antwort liegt eigentlich auf der Hand, denn man braucht sich nur vorliegenden Film anzuschauen, der weitaus besser gelungen ist als es so manche Kritik vermuten lassen könnte. Sicherlich liegt das am Ende wie immer im Auge des jeweiligen Betrachters, doch die oft angesprochenen angeblichen Schwächen dieses Werkes kann ich persönlich überhaupt nicht nachvollziehen. Der größte Kritikpunkt liegt dabei wohl augenscheinlich in der Figur des Schurken Bane, dem angeblich die charakterlich tiefer gehende Skizzierung fehlt. Dabei ist hier doch der nahezu perfekte Gegenspieler für Batman gefunden worden, wobei man selbstverständlich nicht unbedingt den Vergleich zu Ledgers Performance in der Rolle des Jokers ziehen sollte, die auf ihre ganz besondere Art für immer absolut einmalig bleiben wird. Dennoch liefert Tom Hardy eine absolut überzeugende Leistung ab und verleiht dem Schurken eine äußerst bedrohliche Ausstrahlung, die sich den ganzen Film über mehr als deutlich bemerkbar macht.

Ein weiteres Manko soll die mit gut 160 Minuten üppige Laufzeit des Filmes sein, was mich zu Beginn ehrlich gesagt auch ein wenig verschreckt hat. Nach der Sichtung des Werkes muss ich jedoch feststellen, das ich keinerlei Längen oder gar überflüssige Szenen erkennen konnte, denn jede einzelne Einstellung ist für das gewonnene Gesamtbild absolut notwendig und wertet den Gesamteindruck letztendlich nur noch auf, als das es ihm schaden würde. Nolan hat hier ganz bewusst den Focus nicht nur auf die wie immer sensationellen Action-Passagen gelegt, sondern seiner Geschichte sehr wohl eine Menge an Tiefe verliehen, um diesen abschließenden Teil nicht nur als sehr gelungenen und eigenständigen Film, sondern als grandiosen und schlüssigen Abschluss seiner Trilogie zu präsentieren, der möglichst keine Fragen offen lässt. Das ist ihm auch hervorragend gelungen, schließt sich doch mit dem Werk der Kreis und man kommt auch thematisch gesehen wieder zu den Anfängen zurück, die mit "Batman Begins" ihren Anfang hatten. Zeitlich gesehen siedelt sich dieser Teil übrigens 8 Jahre nach den Geschehnissen des Vorgängers an und Batman hat sich vollkommen zurückgezogen, was gleichzeitig natürlich auch auf Bruce Wayne zu beziehen ist, der sich in die einsamen Winkel seines Herrenhauses zurückgezogen hat. Dabei präsentiert sich ein Mann, der rein gar nichts mehr von seiner ehemaligen Stärke erkennen lässt, vielmehr bekommt man einen ehemaligen Superhelden präsentiert, der aufgrund körperlicher Gebrechen fast schon wie ein Pflegefall erscheint, aber auch innerlich gebrochen daher kommt.

Nichts ist mehr zu sehen vom ehemaligen Helden der Stadt Gotham City, denn der ehemals strahlende Held scheint physisch wie auch psychisch am Ende seiner Kräfte zu sein. Dadurch werden der Figur sehr menschliche Züge verliehen, die erkennbaren Schwächen der Fledermaus lassen den Charakter nur noch symphatischer erscheinen, als es schon vorher der Fall war. Und diese bisher kaum gekannten Schwächen erstrecken sich nicht nur über die Anfangsphase der Story, sondern ziehen sich wie ein roter Faden durch das gesamte Szenario. Auch dieser Aspekt mag manch einem Fan nicht so wirklich schmecken, möchten viele doch viel lieber den glänzenden Helden in schwarzer Rüstung sehen, der keine Mankos erkennen lässt. Dabei ist es doch insbesondere die hier zur Schau gestellte Verletzlichkeit, die dem Ganzen einen ganz eigenen Stempel aufdrückt. Endlich bekommt man einmal einen Helden präsentiert, der nicht mit spielerischer Leichtigkeit agiert, sondern vielmehr auch des Öfteren an seine Grenzen geführt wird, was auch im ersten Aufeinandertreffen mit seinem Gegner Bane sehr gut zum Ausdruck kommt. Hier muss Batman nämlich seine wohl empfindlichste Niederlage einstecken, ist er doch absolut chancenlos und hoffnungslos unterlegen. Auch in diesem Punkt hat Nolan meiner Meinung nach alles richtig gemacht und seiner Geschichte eine Menge Tiefgang verliehen, wobei die darauf folgende "Auferstehung" des Helden auch nicht einfach banal eingefügt wurde, sondern einen sehr detaillierten Kampf eines gebrochenen Mannes gegen sich selbst zeigt, der etliche Widerstände überwinden muss, bevor er den kampf gegen das drohende Unheil wieder aufnehmen kann.

Insgesamt gesehen ist "The Dark Knight Rises" ein in allen Belangen sehr überzeugender Abschluss einer Trilogie, die im Bereich der Comic-Verfilmungen ihresgleichen sucht. Absolut perfekt besetzt und in sich stimmig präsentiert sich ein äußerst atmosphärischer Film, der durch das vorhandene Ende doch noch die Hoffnung aufkeimen lässt, das hier noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Jede Menge Action, aber in erster Linie eine wirklich tolle Story sorgen auf jeden Fall für ein grandioses Film-Erlebnis, das auch bei einer Laufzeit von gut 160 Minuten zu keiner Zeit auch nur den Anflug von Langeweile aufkommen lässt. Wie sich dieser Teil nun in der Trilogie einordnet muss ein jeder für sich selbst entscheiden, doch meiner Meinung nach sollte man an dieser Stelle sowieso das Gesamtwerk von Nolan würdigen, das insgesamt gesehen absolut herausragend daher kommt. Auch wenn "The Dark Knight" sicherlich vollkommen zu Recht das absolute Highlight darstellt, nehmen sich alle 3 Teile nicht viel und unterscheiden sich lediglich durch kleinere Nuancen.


Fazit:


Bei kaum einem anderen Film gingen in der letzten Zeit die Meinungen so weit auseinander, wie es bei "The Dark Knight Rises" der Fall ist. Von vielen Leuten als schwächster Teil der Reihe abgestempelt, offenbart sich vielmehr ein bildgewaltiges Szenario, das kaum Wünsche offen lässt. Dabei liegt das Hauptaugenmerk des Szenarios längst nicht nur auf den spektakulären Action-Sequenzen, sondern bietet auch eine richtig gute Geschichte mit Tiefgang, die zudem auch noch mit erstklassig aufspielenden Darstellern besetzt ist, denen man die Spielfreude jederzeit anmerken kann.


9/10