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Sonntag, 3. Februar 2013

Aballay - Der Mann ohne Angst









Aballay - Der Mann ohne Angst
(Aballay, el hombre sin miedo)
mit Pablo Cedron, Nazareno Casero, Claudio Rissi, Mariana Anghileri, Luis Ziembrowski, Anibal Guiser, Lautaro Delgado, Tobias Mitre, Horacio Fontova, Gabriel Goity
Regie: Fernando Spiner
Drehbuch: Fernando Spiner / Valentin Javier Diment
Kamera: Claudio Beiza
Musik: Gustavo Pomeranec
keine Jugendfreigabe
Argentinien / Spanien / 2010

Eine Gang marodierender Gauchos, angeführt von dem skrupellosen Aballay, überfällt eine Postkutsche und tötet alle Insassen. Kurz bevor die Bandidos wieder davon reiten, entdecken sie unter einer Bank den zehnjährigen Sohn eines der Opfer. Aballay lässt den Jungen leben - obwohl er weiß, dass er diesen Moment der Gnade Jahre später bereuen wird. Die Vorahnung erfüllt sich: Zum jungen Mann hernagewachsen, bricht der junge Mann auf, sich an den Mördern seiner Eltern zu rächen, einen nach dem anderen. Bis er eines Tages Aballay gegenüber steht.


Im Normalfall bin ich nicht unbedingt ein echter Western-Fan, doch das vorliegende Werk von Fernando Spiner konnte mich in allen Belangen vollends überzeugen. Umso erstaunlicher empfinde ich diese Tatsache, da einen die Inhaltsangabe teilweise in eine falsche Richtung führen könnte, da sie durchaus ein actionreiches Szenario suggeriert. Dem ist jedoch keinesfalls so, denn "Abalay" ist vielmehr ein sehr ruhiger Vertreter seiner Art und wartet lediglich im letzten Drittel mit einigen eher unspektakulären Action-Passagen auf. Das mag jetzt vielleicht schon etliche Leute abschrecken, doch wer sich aufgrund dieses Aspektes selbst diesen tollen Film verwährt, könnte es letztendlich bereuen. Gerade durch seine ruhige aber sehr intensive Erzähl-Struktur entfaltet "Aballay" eine ungeheuer starke Faszination, die nicht zuletzt von einer großartigen Bildsprache unterstützt wird. So bekommt der Zuschauer herausragende Landschaftsaufnahmen geboten, bei deren Ansicht es einem phasenweise die Sprache verschlägt. Die ausgewählten Schauplätze hinterlassen das genau richtige Western-Feeling und insbesondere die kargen Felsen-Landschaften sorgen für einen extrem nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis.

Die Geschichte an sich ist eine klassische Rache-Story, die sich aber dennoch durch diverse Kleinigkeiten von den ansonsten üblichen Handlungssträngen äußerst wohlwollend abhebt. Hauptsächlich beziehen sich diese Abweichungen auf die namensgebende Hauptfigur "Aballay", denn während des Geschehens vollzieht sich eine nicht zu erwartende Charakter-Wandlung der Figur, die dem Ganzen sehr gut zu Gesicht steht. Und so verhält es sich ganz generell mit dieser argentinisch-spanischen Co-Produktion, die schon mehrfach ausgezeichnet wurde. Meiner persönlichen Meinung nach auch vollkommen zu recht, denn eher selten bekommt man einen Western zu Gesicht, der trotz relativ wenig vorhandenem Aktionismus eine solche Intensität entfaltet und den Betrachter fast schon in eine Art magischen Bann zieht. Es ist ein Film der leisen Töne, die jedoch durch die immense Bildgewalt des Szenarios eine Kraft entfesselt, der man sich unmöglich wiedersetzen kann. Gleichzeitig sind auch diverse Wendungen vorhanden, die einerseits sehr dramatische Züge erkennen lassen und insbesondere am Ende auch noch einen ordentlichen Schuss Tragik hineinbringen, der das Finale perfekt abrundet und auch keinesfalls pathetisch daher kommt.

Obwohl der gesamte Film ein echtes Highlight darstellt, ist es doch vor allem der finale Showdown, der einem so richtig unter die Haut geht. Dabei ist es zwar vollkommen vorhersehbar, das es zu einer Konfrontation zwischen Täter und Opfer kommt, doch ist es in erster Linie der Weg dorthin, der einen mit zwiespältigen Gefühlen zurücklässt. Näher kann man leider nicht auf diesen Aspekt eingehen, denn ansonsten würde man zuviel verraten. Auf jeden Fall aber kann man sagen, das dieses Werk trotz relativ wenig Action absolut lohnenswert erscheint, was auch sicherlich mit in den dargebrachten Schauspielleistungen zu begründen ist. Mit minimalem Einsatz von Mimik und Gestik schaffen es die Akteure nämlich, den maximalen Ertrag zu erbringen. Manchmal ist weniger mehr und dieser Spruch bewahrheitet sich in vorliegendem Fall mehr als eindrucksvoll. Keinerlei Theatralik oder unnützes Overacting, jde einzelne Figur wird äußerst authentisch-und glaubwürdig dargestellt, was als eine der ganz großen Stärken dieses Filmes anzusehen ist.

Und so kann man im Endeffekt eigentlich nur zu einem gänzlich überzeugendem Gesamteindruck gelangen, wobei das selbstverständlich immer im Auge des jeweiligen Betrachters liegt. Der geneigte Action-Junkie wird eventuell ein wenig enttäuscht sein, wer jedoch ein ruhiges-und bildgewaltiges Film-Erlebnis zu schätzen weiß, kommt am Werk von Fernando Spiner auf keinen Fall vorbei. Zusätzlich sollte man auch noch erwähnen, das die rar gesäten Action-Momente aber recht derbe ausfallen und dabei den ansonsten üblichen Härtegrad in einem Western durchaus übersteigen. Insgesamt gesehen ergibt sich jedenfalls ein nahezu perfektes-und rundes Gesamtbild, so das man ohne Bedenken eine absolute Empfehlung für diesen Film aussprechen kann.


Fazit:


Immer wieder gibt es diese Filme an die man eigentlich ohne größere Erwartungen herangeht, um dann letztendlich eine sehr positive Überraschung zu erleben. "Aballay - Der Mann ohne Angst" ist definitiv in diese Kategorie einzuordnen und stellt ein wirklich starkes Stück Film dar, das sich keine Freund niveauvoller Western-Kost entgehen lassen sollte.


8/10

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