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Dienstag, 19. Februar 2013

Die Wiege des Bösen









Die Wiege des Bösen
(It's Alive)
mit John P. Ryan, Sharon Farrell, James Dixon, William Wellman Jr., Shamus Locke, Andrew Duggan, Guy Stockwell, Daniel Holzman, Michael Ansara, Robert Emhardt, Nancy Burnett, Diana Hale
Regie: Larry Cohen
Drehbuch: Larry Cohen
Kamera: Fenton Hamilton
Musik: Bernard Herrmann
FSK 18
USA / 1974

"Es ist soweit", flüstert Lenore Davies ihrem Mann eines Nachts ins Ohr. Sehnsüchtig haben die Eheleute sich die Geburt ihres zweiten Kindes herbeigewünscht. Auf dem Weg ins Krankenhaus kündigt sich unter großen Schmerzen eine schwere Entbindung an. Alles sei gut, versichern die Ärzte, doch die folgenden Tage verändern das Leben einer bis dahin normalen Familie und versetzen eine ganze Stadt in Panik. Bis die Polizeisirenen verstummen und in einer dunklen Nacht das Grauen seinen Höhepunkt erreicht, vergeht eine mörderische Zeit...


Der Name Larry Cohen steht stellvertretend für sehenswerte Low Budget Produktionen, was bei diesem Regisseur durchaus als Kompliment zu verstehen ist. Auch dieser erste Teil der sogenannten "Wiegen-Trilogie" aus dem Jahre 1974 macht da keine Ausnahme, merkt man dem charmanten Filmchen doch zumeist das offensichtlich geringe Budget an, was dem ganzen aber andererseits auch gerade seinen unvergleichlichen Charme verleiht. Mit nunmehr fast vier Jahrzehnten auf dem Buckel versteht es "Die Wiege des Bösen" auch in der heutigen Zeit immer noch, durchgehend nette Retro-Horrorkost zu offenbaren, die aus heutiger Sicht sicherlich eher trashig erscheint, was bei der damaligen Veröffentlichung des Filmes aber sicher nicht der Fall war. Wenn man das Geschehen einmal etwas genauer betrachtet stellt man sogar fest, das die hier erzählte Geschichte phasenweise sogar einen gewissen inhaltlichen Tiefgang erkennen lässt. Anstatt sein Szenario nämlich mit expliziten Gewaltdarstellungen auszustatten, hat Cohen zudem auch die Eltern-Kind Beziehung generell in den Mittelpunkt gestellt, wobei die emotionale Belastung von Mutter und Vater sehr im Vordergrund stehen.

Die richtigen Horror-Elemente halten sich prinzipiell in einem eher überschaubaren Rahmen, man sollte hier auch keinesfalls sonderliche Härten oder äußerst blutige Passagen erwarten. Teilweise ist dieser Umstand auch sicherlich den niedrigen Produktionskosten zuzuschreiben, denn für teure Effekte war anscheinend nicht genügend Geld vorhanden. Das tut dem Ganzen aber keinerlei Abbruch, denn auch wenn die Morde des Killer-Babys lediglich im Ansatz zu erkennen sind und das Baby an sich nur ganz selten zu erkennen ist, baut die Geschichte einen ordentlichen-und sehr soliden Spannungsbogen auf. Auch in atmosphärischer Hinsicht gibt es keinerlei Grund zur Beanstandung, phasenweise lassen sich sogar einige bedrohliche Züge erkennen, so das ein herrliches Gruselgefühl entstehen kann. Natürlich sollte man die Sache immer aus der damaligen Sicht sehen, denn für heutige Verhältnisse ist der Film zugegebenermaßen ziemlich altbacken und dürfte gerade die jüngere Generation nicht sonderlich ansprechen.

Nostalgiker hingegen dürften dieses Werk durchaus zu schätzen wissen und jede Menge Spaß an diesem Trilogie-Auftakt haben. Die trashige Note der Geschichte verleiht den Ereignissen teilweise eine unfreiwillig komische Note, stellvertretend dafür sei nur die Szene genannt, in der eine Horde schwerbewaffneter Polizisten in einen Vorgarten stürmen und dann mit gezogenen Waffen einem niedlichen Baby gegenüberstehen, das durch seinen herrlich verwunderten Blick die pure Situationskomik auslöst. Allein schon aufgrund solch kleiner Highlights ist "Die Wiege des Bösen" wunderbarerer Retro-Horror auf gehobenem Niveau und eignet sich auch nach nunmehr fast 40 Jahren immer wieder für eine neuerliche Sichtung, die man keinesfalls bereuen wird. In diversen Fan-Kreisen hat das Werk nicht umsonst einen gewissen Kultstatus erreicht und wird von vielen Leuten sogar als kleiner Klassiker des Genres angesehen, wobei nicht jeder Horror- Fan diese Einschätzung teilen wird.

Letztendlich handelt es sich bestimmt nicht um ein Meisterwerk des Genres, doch Larry Cohen hat mit diesem Film den Grundstein für eine Trilogie gelegt, die sich auch heute noch sehr großer Beliebtheit erfreut. Kein harter und brutaler Horror, sondern vielmehr eine charmant-gruselige Story mit ein wenig Tiefe, die sich manch einem vielleicht nicht unbedingt auf den ersten Blick offenbart. Schaut man jedoch etwas genauer hin, kann man ganz bestimmt den innerlichen Konflikt der Eltern nachvollziehen, die ihr mordendes Kind trotz allem nicht sterben sehen wollen.


Fazit:


Vier Jahrzehnte auf dem Buckel und immer noch so sehenswert wie am ersten Tag, das ist mein persönlicher Eindruck von diesem wunderbar trashigen Filmchen, das dem Zuschauer durchgehend kurzweilige-und phasenweise gruselige Unterhaltung bietet. Nach heutigen Maßstäben bestimmt etwas angestaubt, lohnt sich eine Sichtung auf jeden Fall, denn mit der richtigen Erwartungshaltung kommt man voll auf seine Kosten.


7/10

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