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Samstag, 16. Februar 2013

Julia X









Julia X
(Julia X)
mit Valerie Azlynn, Kevin Sorbo, Alicia Leigh Willis, Joel David Moore, Ving RhamesSaxon Sharbino, Meg Rains, Gregg Brazzel
Regie: P.J. Pettiette
Drehbuch: Matt Cunningham / P.J. Petiette
Kamera: Jason Goodman
Musik: keine Information
SPIO/JK
USA / 2011

Was als verlockendes Internetdate mit einem geheimnisvollen Traummann beginnt, entwickelt sich für die attraktive Julia schnell zum Albtraum. Der Fremde entpuppt sich als perverser Serienkiller, der seine Kicks davon bekommt, unschuldige Frauen genussvoll zu quälen. Gefesselt und geknebelt wird Julia mit einem glühenden Eisen mit einem "X" gebrandmarkt und verschleppt. Doch noch ist sie nicht bereit, sich kampflos ihrem Schicksal zu fügen.


Nun habe ich ihn endlich auch gesehen, den einerseits von vielen Seiten gefeierten, aber auch von einigen Leuten verdammten "Julia X", der ganz offensichtlich die Fan-Gemeinde in verschiedene Lager spaltet. Irgendwie kann man das auch durchaus verstehen, hat P.J. Pettiette hier doch ein Regie-Debüt an den Tag gelegt das vollkommen abgefahren daherkommt und so ganz bestimmt nicht jeden Geschmack treffen dürfte. Zuerst einmal sollte man anmerken das dieses Werk gar nicht einmal so leicht einzuordnen ist. Soll man die Geschichte als ernstzunehmenden Horror-Thriller ansehen, der mit jeder menge Folter-Passagen selbst einem Vertreter wie "Hostel" alle Ehre macht, oder handelt es sich vielmehr um eine rabenschwarze-und bitter-böse Horror-Komödie, der durchgehend eine ironische Note und jede Menge Sarkasmus beiwohnt? Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte und genau dieser Aspekt macht aus "Julia X" alles andere als einen Horrorfilm von der handelsüblichen Art. Nach meiner persönlichen Ansicht ist es eine Story in 3 Akten, die durch ihre fast schon kammerspielartige Inszenierung etwas ganz Besonderes darstellt. In den ersten gut 30 Minuten bekommt man ein reines 2 Personen-Stück geboten, um im Mittelteil die Darstellerzahl phasenweise auf 4 zu erhöhen und im letzten Drittel des Werkes bekommt man es dann größtenteils mit einem Trio zu tun.

Die wenigen Schauspieler sind jedoch auch vollkommen ausreichend, um dem Zuschauer ein Szenario zu bieten, das sich doch ganz erheblich von den üblichen Genre-Vertretern abhebt. Schon der Beginn des Filmes wirft einen ohne jegliche Vorwarnung sofort in das Geschehen und verzichtet dabei selbst auf den dezentesten Anflug einer Einführungs-Phase. Julia wird von ihrem Peiniger an einen fremden Ort gebracht und soll dort von dem Serienkiller gefoltert und später wohl auch getötet werden. Schon zu diesem frühen Zeitpunkt wird allerdings klar, das man es hier nicht mit dem üblichen und jammernden Opfer-Typ einer Frau zu tun hat, denn die junge Frau weiß sich ihrer Haut zu wehren und dreht den Spieß mit der Zeit sogar um. An dieser Stelle zieht dann die erste von mehreren Wendungen in die Geschichte ein, denn Julia erhält Unterstützung von ihrer jüngeren Schwester Jessica. Beide zusammen entfachen nun ein vollkommen anderes Spiel, in dem der Täter zum Opfer wird und einiges über sich ergehen lassen muss. Weiter möchte ich auch gar nicht auf die weiteren Abläufe eingehen, denn ansonsten würde man manch einem höchstwahrscheinlich die Spannung nehmen. Eines kann man aber doch leicht anreißen, denn in der Folge entwickelt sich das Geschehen zu einem Kampf der Psychophaten, der absolut brillant und extrem unterhaltsam in Szene gesetzt wurde.

Was mir persönlich besonders gut gefallen hat ist die Tatsache, das alle Chraktere so gezeichnet sind, das man zu keinem von ihnen überhaupt eine Beziehung aufbauen kann. Einige Leute sehen darin eher einen negativen Kritikpunkt, doch in meinen Augen handelt es sich vielmehr um einen genialen Schachzug des Regisseurs, entfallen doch Emotionen wie Mitleid oder Abneigung und man kann das blutige Spektakel vollkommen neutral beobachten. Im Prinzip bekommt hier jeder was er letztendlich verdient, so abgedroschen sich diese Phrase auch anhören mag. Und so kann man dann auch das teils blutige-und phasenweise recht derbe Treiben genüsslich auf sich einprasseln lassen und erfreut sich zudem an dem stellenweise rabenschwarzen Humor, der in etlichen Passagen zum Ausdruck kommt. Sei es durch skurril anmutende Situationskomik oder die vorhandenen Dialoge, die zudem auch noch eine ziemlich vulgäre Umgangssprache an den Tag legen. Nicht jedem mag das gefallen, aber für das hier dargestellte Szenario scheint es absolut passend und untermalt die Härte-und Brutalität der Situation noch zusätzlich. Auch das dargebrachte Schauspiel der 3 Haupt-Charaktere empfand ich als äußerst gelungen, insbesondere der Anti-Schauspieler Kevin Sorbo hat mich zum ersten mal wirklich in einer Rolle überzeugt. Fällt der gute Mann ansonsten nicht unbedingt durch überragende schauspielerische Fähigkeiten auf, so ist seine Performance als Serienkiller eine wahre Pracht.

Abschließend sollte man auch noch erwähnen, das sich das gestörte Verhalten der beiden jungen Frauen durch einige eingesetzte Rückblenden erklärt, die Bilder aus deren Kindheit zeigen. Dies dient zwar durchaus zum besseren Verständnis, macht die beiden Charaktere aber auch keinen Deut sympathischer, was aber absolut gewollt erscheint. Letztendlich ist "Julia X" ein vollkommen abgefahrener Mix aus Folter, Horror-und bitter-böser Komödie, der mir selbst extrem gut gefallen hat. Das die Meinungen über diesen Film auseinander gehen ist absolut nachvollziehbar, denn allein schon die Erzählweise des Filmes ist ziemlich außergewöhnlich. Gerade darin liegt aber auch der besondere Reiz der Geschichte, die mal so dermaßen vom ansonsten üblichen Einheitsbrei abweicht, das manch einer die Genialität dieses Regie-Debüts anscheinend nicht erkennen kann. Hier ist ein Stück Film entstanden das man sich unbedingt anschauen sollte um sich selbst ein Urteil zu bilden und wenn man sich auf das Gesehene einlassen kann, wird man mit einer erfrischenden-und teilweise auch innovativen Story konfrontiert, die im Prinzip gegen fast alle Regeln des Genres verstößt. Ich kann jedenfalls nur eine dicke Empfehlung an alle aussprechen, die auch mal eine etwas andere Mischung bevorzugen, als man sie in den meisten Fällen serviert bekommt.


Fazit:


"Julia X" ist anders, vollkommen abgefahren und nicht immer logisch. Insbesondere aus diesen Atributen bezieht das Werk jedoch seine Kraft und Brillanz, die immer wieder durchschimmert. Durch die eher unsympathische Zeichnung der Figuren kann man sich den Film absolut wertfrei anschauen und sich an einem streckenweise sehr blutigen Szenario erfreuen, das so manch derbe Passage beinhaltet. Sarkasmus, Ironie und etliche Story-Wendungen sorgen für eine Menge Abwechslung und die ständigen Änderungen bei den Machtverhältnissen sind maßgeblich dafür verantwortlich, das der dramaturgische Spannungsaufbau als jederzeit gelungen bezeichnet werden kann.


9/10

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