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Freitag, 1. Februar 2013

Men Behind the Sun









Men Behind the Sun
(Hei tai yang 731)
mit Hsu Gou, Tie Long Jin, Zhaohua Mei, Zhe Quan, Gang Wang, Runsheng Wang, Dai Yao Wu, Andrew Yu
Regie: Tun Fei Mou
Drehbuch: Mei Liu / Wen Yuan Mou
Kamera: keine Information
Musik: keine Information
ungeprüft
Hongkong / 1988

"Men Behind the Sun" erzählt die wahre Geschichte des japanischen Gefangenenlagers 731, einem bakteriologischen Versuchslabor im besetzten China zur Zeit des Zweiten Weltkrieges. Auf der Suche nach einer ultimativen biologischen Waffe (um die chinesische Bevölkerung unter Kontrolle zu halten), werden unter der Leitung des sadistischen Generals Ishii extrem grausame Experimente mit chinesischen und russischen Gefangenen durchgeführt...


Immer wieder trifft man auf Filme, die einem schon aufgrund der behandelten Thematik unter die Haut gehen. Wenn diese Werke dann auch noch auf wahren Begebenheiten beruhen, ist die Wirkung auf den Zuschauer umso intensiver und hinterlässt einen äußerst nachhaltigen Eindruck. "Men Behind the Sun fällt ganz eindeutig in diese Kategorie, wobei das dargestellte Geschehen längst nicht nur aufgrund einiger wirklich derber Passagen einen ganz enormen Härtegrad entfacht. Es ist eine Geschichte voller Abartigkeiten, bei denen sich einem ein extrem tiefer Einblick in die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele offenbart und der eigene Verstand möchte es im Prinzip kaum für möglich halten, was hier Menschen von anderen Menschen angetan wird. Die dargestellten Experimente der Japaner an menschlichen Versuchstieren sind abscheulich und ekelerregend und an so mancher Stelle möchte man am liebsten den Blick vom heimischen Bildschirm abwenden, erliegt aber andererseits der grausamen Faszination des Gesehenen, das man nicht so schnell wieder aus dem Gedächtnis streichen kann. Auf die einzelnen Torturen möchte ich auch gar nicht weiter eingehen, doch selbst Hartgesottene Film-Freunden dürfte an manchen Stellen das Blut in den Adern gefrieren. Trotz etlichen harten Szenen ist es gar nicht einmal die visuelle Härte die einem so richtig zu schaffen macht, es ist vielmehr die psychische Komponente, die hier die Ereignisse in dem Konzentrationslager unauslöschlich in das Gehirn einbrennen.

Einen Großteil der Story macht die Ausbildung einiger Jungen aus die rein optisch nicht älter als 12 - 14 Jahre alt sein können. Im eisigen Klima der Mandschurai soll hier aus jungen Knaben der perfekte Soldat geformt werden, wobei eiserne Disziplin und absolut blinder Gehorsam die wichtigsten Ausbildungs - Merkmale der Japaner sind. Man kann sich bei den gezeigten Bildern nur schwerlich vorstellen, was sich im Inneren der Jungen abspielen muss, die früh in ihrer Kindheit mit Abscheulichkeiten konfrontiert werden, die man phasenweise kaum in Worte fassen kann. Das die Auswirkungen der brutalen Ausbildung die verschiedenste Wirkung hinterlässt, wird an einigen Beispielen sehr gut in Szene gesetzt. Während manche der Jungen schon relativ schnell verrohen, kann man bei anderen klare Risse in der Seele erkennen und dennoch nur ansatzweise nachvollziehen, welche seelischen Schäden bei diesen Kindern zurückbleiben. Ein weiterer äußerst gut herausgearbeiteter Aspekt ist sicherlich das Selbstwertgefühl der japanischen Soldaten, die sich ihren Gegnern vollkommen überlegen fühlen. Ganz besonders kommt dies gegenüber den chinesischen Versuchs-Objekten zur Geltung, die eigentlich noch nicht einmal als sogenannte Untermenschen auftreten, sondern bei den Männern aus Japan den Rang eines Baumstammes einnehmen. Diese Bezeichnung und Einordnung eines Menschen ist dermaßen entwürdigend, das es einem wirklich die Sprache verschlägt und man zu Beginn der Meinung ist, das man sich irgendwie verhört hat.

Die Behandlung der menschlichen Laborratten ist dementsprechend auch vollkommen emotionslos und gleichgültig, das einem so manches Mal die Haare zu Berge stehen. Wenn man dann auch noch die sadistische Freude in den Gesichtern der Folterer sieht, kann einem Angst und Bange werden. Das alles wurde extrem realistisch und glaubwürdig ins Bild gesetzt, so das man die ganze Zeit über das Gefühl nicht zur Seite schieben kann, sich in einem real stattfindenden Szenario zu befinden. Dieser Eindruck wird auch durch die leicht dokumentarische Note des Filmes noch zusätzlich unterstützt, so das sich letztendlich eine Intensität aufbaut, die einem richtig schwer zu schaffen macht. "Men Behind the Sun" ist alles andere als leichte Kost und siedelt sich zudem jenseits jeglichen Mainstreams an. Zartbesaitete Menschen sollten sich darüber im Klaren sein das es sich keinesfalls um leicht verdauliche Kost handelt, sondern vielmehr um eine auf wahren Begebenheiten beruhenden Geschichte, die definitiv ihre Spuren hinterlässt. Zudem sollte man das Werk von Tun Fei Mou auf keinen Fall nur auf die expliziten Gewaltdarstellungen reduzieren, denn die Beleuchtung der Ereignisse ist ein wahrer Tiefschlag in die Eingeweide.

Im Endeffekt handelt es sich einmal mehr um einen Film, bei dem eine Bewertung nicht gerade leicht fällt. Vergibt man eine hohe Punktzahl wird man eventuell sofort als abartig eingestuft, weil einem unterstellt wird, das man sich ausschließlich an den gezeigten Abartigkeiten ergötzt hat. Und dennoch werde ich dieses Werk hoch bewerten, da die vorhandene-und wirklich grausame Thematik ganz einfach erstklassig und schonungslos umgesetzt wurde. Dazu gehört natürlich auch das Einfügen diverser Brutalitäten, um den realistischen Anstrich zu wahren. Denn sein wir doch einmal ehrlich, hier handelt es sich um keinen Kindergeburtstag, sondern um die abartigsten Experimente an Menschen, die man sich nur vorstellen kann. Und genau das hätte man kaum besser in Szene setzen können, als es in vorliegendem Film der Fall ist.


Fazit:


Die dunkle Seite der menschlichen Seele wird einem hier einmal mehr eindrucksvoll vor Augen geführt. Aus echter Überzeugung und einer arroganten Selbstüberschätzung heraus stellt sich ein Volk über das andere. Die Einordnung als Baumstämme ist dabei die so ziemlich schlimmste Bezeichnung für einen Menschen, die ich je gehört habe. Sadistische Triebe werden unter dem Deckmantel von Experimenten zum Ausdruck gebracht und es ist absolut schockierend, mit welcher Eiseskälte die Japaner bei der Sache sind. Wer einen empfindlichen Magen hat sollte besser auf diesen Film verzichten, der doch mehr als nur einmal dafür sorgen kann, das sich einem der Magen umdreht.


9/10

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