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Montag, 29. April 2013

Der Satan mit dem Skalpell









Das Geheimnis der blutigen Lilie
(Perché quelle strane gocce di sangue sul corpo di Jennifer?)
mit Edwige Fenech, George Hilton, Paola Quattrini, Giampiero Albertini, Franco Agostini, Oreste Lionello, Ben Carra, Carla Brait, Gianni Pulone, Carla Mancini, Georges Rigaud, Annabella Incontrera
Regie: Giuliano Carnimeo
Drehbuch: Ernesto Gastaldi
Kamera: Stelvio Massi
Musik: Bruno Nicolai
Ungeprüft
Italien / 1971

In einem mehrstöckigen Wohnkomplex mitten in Rom werden nacheinander mehrere attraktive junge Frauen ermordet. Das Fotomodell Jennifer gerät in einen Mordfall, bei dem um sie herum mehrere Menschen blutig einem Schlitzer zum Opfer fallen. Wer ist der Mörder?



Giuliano Carnimeo's Werk ist ein wirklich waschechter Giallo und beinhaltet sämtliche Zutaten, um dem Zuschauer ein wunderbares Rätsel-Spiel zu präsentieren, an dem dieser durchgehend seine helle Freude hat. Dabei erscheint die Geschichte zwar teilweise recht arg konstruiert und nicht gerade logisch, doch ist dies in vorliegendem Fall keinesfalls als negative Kritik anzusehen. Das Szenario macht nämlich richtig Spaß und lässt die Identität des Killers bis kurz vor dem Ende im Dunkeln, so das man gern einmal über die ein-oder andere inhaltliche Schwäche hinwegsehen kann. Verdächtige werden einem wirklich zur Genüge offenbart und einige Verhaltensweisen der durch die Bank misstrauisch erscheinenden Protagonisten verführen einen nicht selten dazu, sich auf einen Mörder festzulegen und etliche bewusst gelegte falsche Fährten führen in die Irre. Carnimeo achtet dabei ganz besonders darauf, das die einzelnen Figuren nicht zu offensichtlich in Verdacht geraten, dennoch ergeben sich im Laufe des Filmes immer wieder neue Kleinigkeiten und Indizien, die mehrere Figuren in den Kreis der möglichen Täter rücken. Und so entwickelt sich auch recht schnell ein dramaturgisch erstklassiger Spannungsaufbau, der von einer größtenteils knisternden Grundstimmung untermalt wird. Mit zunehmender Laufzeit bekommt man immer bedrohlichere Passagen geboten, was auch durch die erstklassige Geräuschkulisse und die musikalische Untermalung ganz besonders hervorgehoben wird.

Weist das Drehbuch stellenweise kleinere Defizite auf, so wird dies durch die kräftige Farbgebung und die herausragende Kameraarbeit von Stelvio Massi wieder ausgeglichen, teilweise bekommt der Betrachter wirklich wunderschön eingefangene Sequenzen zu Gesicht, so das man durchaus von einem visuellen Hochgenuss sprechen kann. Und auch das dargebotene Schauspiel kann sich jederzeit sehen lassen, wobei ich besonders Edwige Fenech und George Hilton hervorheben möchte. Hier wird für beide Geschlechter etwas geboten, denn handelt es sich bei Hilton doch um einen typischen Womanizer der damaligen Zeit, so ist Frau Fenech wohl ganz eindeutig der unerfüllte Wunsch so manchen Männer-Traumes. Natürlich spielt die gute Frau hier wieder einmal ein Modell und es ist allein schon ein absoluter Genuss, ihr beim posieren zuzusehen. Man kann ins Träumen geraten und schnell vergessen, das man sich in einem Film befindet. Es ist immer wieder erstaunlich, welche Sinnlichkeit von dieser wunderschönen Schauspielerin ausgeht, die Männerherzen höher schlagen lässt.

Dabei rückt sie das erotische Vollblutweib ebenso gut ins Licht wie die ängstliche-und schutzbedürftige Person, die in dieser Geschichte mit den Altlasten ihrer Vergangenheit zu kämpfen hat. Mimik-und Gestik sind dabei immer nahezu perfekt, so das ihre Performance auch einen sehr glaubwürdigen Eindruck hinterlässt. Doch auch die anderen Akteure brauchen sich nicht zu verstecken, wobei einem sofort das äußerst ungleiche Ermittler-Duo der Polizei ins Auge fällt. Da ist auf der einen Seite der ermittelnde Komissar Enci (Giampiero Albertini), der einen sehr ernsten und manchmal fast schon bärbeißigen Eindruck hinterlässt. Dabei scheut er auch nicht davor zurück, in einem Verhör einmal seine Rechte kreisen zu lassen. Ihm gegenüber steht dann sein Assistent Redi (Franco Agostini), der allein optisch gesehen das genaue Gegenteil darstellt. An dieser Stelle kann man sich teilweise das Schmunzeln schwerlich verkneifen, denn der gute Redi wirkt doch zumeist wie ein trotteliger Lakai, dem selbst das Ausführen von Befehlen an so manchen Stellen schwerfällt. Diese skurrile Kombination sorgt jedoch für eine Menge Erheiterung und zeigt aber auch gleichzeitig auf, das sich das Team trotz der auffälligen Unterschiede im Endeffekt ganz gut ergänzt. Und so kann man in schauspielerischer Hinsicht im Prinzip überhaupt nichts bemängeln, was auch nicht in jedem Film dieser Art der Fall ist.

Letztendlich ist "Der Satan mit dem Skalpell" (so der Alternativ-Titel) ein absolut sehenswerter Vertreter seiner Art, der trotz manch konstruiert erscheinender Phasen eine wirklich spannende Geschichte erzählt. Zudem beinhaltet der Film auch im Gegensatz zu den meisten Genre-Kollegen eine kleine Seltenheit, denn ist der ominöse Mörder ansonsten eigentlich immer mit schwarzen Handschuhen ausgestattet, so hat man hier auf eine beige-farbene Variante zurückgegriffen. Sicherlich keine Sensation, aber immerhin ein Umstand, der doch Erwähnung finden sollte. denn ich kann mich auf Anhieb an keinen anderen Giallo erinnern, in dem das auch der Fall war. Wer also ein Liebhaber des Sub-Genres ist, sollte sich dieses Werk auf keinen Fall entgehen lassen, da die vielen positiven Aspekte ganz eindeutig überwiegen und das manchmal leicht schwächelnde Drehbuch den insgesamt hervorragenden Eindruck kaum schmälern kann.


Fazit:


Manch einer mag es vielleicht anders sehen, aber "Der Satan mit dem Skalpell ist ein ganz ausgezeichneter italienischer Giallo, bei dem man sich nur zu gern am Rätselspaß beteiligt. Falsche Fährten, gekonnt eingebaute Neben-Erzählstränge, jede Menge Spannung und eine glänzend aufgelegte Darsteller-Riege sorgen hier für ein Film-Erlebnis, das sich meiner persönlichen Meinung nach weit über dem Durchschnitt ansiedelt. Nachdem es den Film ja die ganzen Jahre nur mit deutschen Untertiteln erhältlich war, gibt es mittlerweile auch eine Doppel-Veröffentlichung unter dem Namen "Drops of Blood", in der man das Werk nun endlich auch in deutscher Sprache genießen kann. Der zweite Film der VÖ ist "Der Schwanz des Skorpions", der auch ganz eindeutig zu den besten Vertretern seiner Art gehört, so das die Anschaffung der großen Hartbox durchaus lohnenswert erscheint.


8,5/10

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