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Donnerstag, 2. Mai 2013

Der Schwanz des Skorpions









Der Schwanz des Skorpions
(La Coda dello scorpione)
mit George Hilton, Anita Strindberg, Alberto de Mendoza, Ida Galli, Janine Reynaud, Luigi Pistilli, Tom Felleghy, Luis Barboo, Lisa Leonardi, Tomas Pico, Franco Caracciolo, Fulvio Mingozzi
Regie: Sergio Martino
Drehbuch: Ernesto Gastaldi / Eduardo Manzanos Brochero
Kamera. Emilio Foriscot
Musik: Bruno Nicolai
FSK 18
Italien / Spanien / 1971

Nachdem der jungen Witwe Lisa eine Versicherungspolice von 1 Million Dollar ausgezahlt wird, scheint ein Wettlauf um das Geld zu beginnen. Menschen sterben, die Polizei ist ratlos und ein maskierter Killer treibt sein erbarmungsloses Unwesen. Jeder verdächtigt jeden, doch die Wahrheit ist viel schlimmer!


Sergio Martino hat bei seinen Giallo-Beiträgen ein Gespür für äußerst gelungene-und spannungsgeladene Thriller bewiesen, was einem spätestens bei seinem Meisterwerk "Der Killer von Wien" aufgefallen sein dürfte, der kurz nach dem hier vorliegenden Werk erschienen ist. Zwar kann "Der Schwanz des Skorpions" nicht ganz an dessen Genialität heranreichen, doch auch hier wird dem Zuschauer eine sehr atmosphärische und zudem gut durchdachte Story präsentiert, in der einmal mehr Sunny-Boy George Hilton die männliche Hauptrolle spielt, was in diesem Genre durchaus noch öfter der Fall sein sollte. Sieht man den guten Mann doch ansonsten eher an der Seite der wunderschönen und sinnlichen Edwige Fenech, so wurde ihm in diesem Fall mit Anita Strindberg viel eher der Typ unterkühlte Schönheit zugeordnet, was jedoch keinesfalls als negative Kritik zu verstehen ist. Die hübsche Schwedin macht ihre Sache nämlich ganz ordentlich, kann aber auf keinen Fall die durchschlagende Präsenz einer Edwige Fenech erreichen, so das ihr Stellenwert im Geschehen auch keine sonderlichen Ausmaße erreicht. Umso mehr trumpft dafür Hilton auf, der einmal mehr durch eine hervorragende Performance aufwartet.

Der Film lebt hauptsächlich von seinem gekonnten Spannungsaufbau, denn in dieser Beziehung schöpft Martino aus dem Vollen. Immer wieder eingestreute Kleinigkeiten machen es dem Betrachter relativ schwer, sich auf einen Verdächtigen festzulegen, der für die Mordserie verantwortlich zeichnet. Dabei mangelt es keineswegs an Verdächtigen, denn äußerst geschickt werden im Laufe der Zeit immer neue Verdachtsmomente aufgeworfen, die den Kreis der möglichen Mörder nicht unbedingt verkleinern.Es entwickelt sich also im Prinzip das typische Giallo-Muster und dennoch wird man die ganze Zeit über das Gefühl nicht los, das diesem Werk der zarte Anstrich eines Agenten-Thrillers anhaftet. Dabei kann man gar nicht genau definieren woran das eigentlich liegt, aber diversen Passagen wohnt eine ganz spezielle Stimmung bei, die man schwerlich in Worte fassen kann. Vielleicht mag es an der Thematik des Szenarios liegen, denn Hintergrund für die etlichen Morde ist immerhin die Summe von 1.000.000 $ die aus einer Lebensversicherung stammt und mit Peter Lynch (Hilton) wird ein Detektiv der Versicherung damit beauftragt, die Witwe des Toten ein wenig genauer unter die Lupe zu nehmen. In diesem Aspekt wird sicherlich das teilweise aufkommende Agenten-Flair begründet sein, das man dem Film meiner Meinung nach nicht absprechen kann.

Wie dem aber auch sei, "Der Schwanz des Skorpions" zählt in meinen Augen zu den sehr guten Vertretern seiner Art, was in mehreren Punkten begründet ist. Zuerst einmal wären da die verschiedenen Schauplätze des Geschehens, wobei man insbesondere bei den in Griechenland spielenden Szenen fast schon vom Fernweh erfasst wird. Im Gegensatz zum kühlen London herrscht hier Traumwetter vor und man bekommt richtiggehend Urlaubsgefühle, die von den schönen Unterwasser-Aufnahmen noch zusätzlich unterstützt werden. Andererseits muss man ganz bestimmt die herausragende Kameraarbeit von Emilio Foriscot erwähnen, der dem Betrachter brillante Bilder und manchmal auch sehr außergewöhnliche Einstellungen anbietet, die das Film-Erlebnis nennenswert aufwerten. Wenn das Werk überhaupt einen wirklichen Schwachpunkt erkennen lässt, dann ist es ganz sicher die für einen Giallo ansonsten übliche Erotik. Zwar bekommt man die handelsüblichen Liebesszenen zwischen Herrn Hilton und Frau Strindberg serviert, nur erscheinen diese absolut unterkühlt und lassen keinerlei erotisches Knistern erkennen. Und an diesem Punkt muss dann doch noch einmal die gute Edwige Fenech erwähnt werden, denn von ihrer Sinnlichkeit ist weit und breit nichts zu spüren. Zwischen ihr und dem Eisberg Strindberg liegen ganz einfach Welten, so das die erotischen Szenen des Filmes irgenwie künstlich und aufgesetzt erscheinen. Wie erwähnt ist dies aber das einzig wirkliche Manko in einer Geschichte, die ansonsten vortrefflich zu unterhalten weiß.

Letztendlich ist "La Coda dello scorpione" aber immer noch ein Giallo, der sich weit über dem Durchschnitt ansiedelt und sehr atmosphärische wie auch spannende Thriller-Kost bietet. Auch wenn sich die Ereignisse phasenweise fast überschlagen, ist der Eindruck einiger konstruierter Ereignisse immer noch im Rahmen, so das die Story insgesamt recht gut durchdacht daherkommt. Hat Regisseur Sergio Martino schon mit diesem Film einen äußerst guten Genre-Vertreter kreiert, so sollte er kurz danach mit "Der Killer von Wien" ein absolutes Meisterwerk präsentieren, das wohl ohne wenn und aber zum Besten zu zählen ist, was das Sub-Genre des Giallo je hervorgebracht hat. Und das liegt nicht nur in der Tatsache begründet, das man dort Frau Fenech an der Seite von herrn Hilton zu sehen bekommt.


Fazit:


Alles in allem bekommt man hier sehr gute Kost geliefert, auch wenn die kleinen Mankos nicht gänzlich zu übersehen sind. Dennoch ist im Prinzip alles enthalten was ein Film dieser Gattung braucht, lediglich von den weiblichen Darstellerinnen geht keinerlei glaubhafte Erotik aus. Und genau das lässt das Gesamtbild ein wenig unterkühlt erscheinen, was einen noch besseren Gesamteindruck verhindert.


8/10

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