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Dienstag, 14. Mai 2013

Maniac (2012)









Maniac
(Maniac)
mit Elijah Wood, America Olivo, Nora Amezeder, Liane Balaban, Sammi Rotibi, Megan Duffy, Brian Ames, Sal Landi, Genevieve Alexandra, Akbar Kurtha, Jan Broberg, Morgane Slemp, Dan Hunter
Regie: Franck Khalfoun
Drehbuch: Alexandre Aja / Gregory Levasseur
Kamera: Maxime Alexandre
Musik: Rob
SPIO/JK
Frankreich / USA / 2012

Frank ist Besitzer eines Mannequin Ladens. Er lebt ein eher zurückhaltendes und verschlossenes Leben. Doch dies ändert sich, als die junge und hübsche Anna in sein Leben tritt. Für ihre neue Ausstellung wendet sie sich an Frank. Aus dem Treffen entwickelt sich eine Freundschaft. Doch der Schein trügt. Denn unter der Oberfläche verstärkt sich seine geheime Besessenheit. Je länger die Freundschaft anhält, desto heftiger tritt seine Manie zum Vorschein.


Aus dem Blickwinkel des Mörders


Das langersehnte Remake des Klassikers von William Lustig beinhaltet einige gravierende Neuerungen, die sicherlich teilweise recht gewöhnungsbedürftig und für manchen Fan des Originals nicht so leicht zu verdauen sind. Die gravierendste Änderung dürfte dabei bestimmt der Aspekt sein, das man die Geschichte fast ausschließlich aus der Sicht des Mörders sieht und gerade zu beginn des Geschehens braucht man einige Minuten, um sich an diesen Umstand zu gewöhnen. Manch einer mag sich eventuell gar nicht damit anfreunden können, fehlt hier doch fast gänzlich die körperliche Präsenz eines Joe Spinell, die beim Original doch eine der herausragenden Stärken darstellte. Elijah Wood hingegen ist immer nur in Passagen zu sehen wenn er sein eigenes Spiegelbild betrachtet, oder diverse Visionen und eingestreute Flashbacks das Geschehen bereichern. Nun mag es sicherlich Leute geben, die in diesem Punkt eine Schwäche der Neuauflage erkennen wollen, doch bei genauerer Betrachtung bezieht die Version von Franck Khalfoun gerade aus diesem Aspekt ihre volle Wucht und Stärke. Verhält es sich doch so, das je länger die Geschichte fortschreitet, man als Zuschauer immer mehr mit dem Täter verschmelzt und so fast schon eine Art von Symbiose mit dem offensichtlich psychopathisch veranlagten Frank eingeht. Ohne es eigentlich wirklich zu wollen, schlüpft man nämlich selbst in die Rolle des irren Frauenmörders und vermeint so mit der Zeit sogar den Angstschweiß der Opfer förmlich riechen zu können. Man sieht seine abscheulichen Taten aus einem vollkommen anderen Blickwinkel und muss dabei feststellen, das insbesondere dieser Aspekt eine so dermaßen hohe Intensität freisetzt, das es einen dabei fröstelt. Man kann es schon als absolut genialen Schachzug des Regisseurs ansehen diese Sichtweise gewählt zu haben, denn nur so kann "Maniac" seine volle Wucht und Stärke entfalten, die in praktisch jeder einzelnen Szene des Filmes zum tragen kommt.

Ansonsten wurde das Grundgerüst der Story beibehalten, das vollkommen gestörte Verhältnis zu Frauen wurde bei Frank ganz augenscheinlich durch ein ausgeprägtes Kindheits-Trauma ausgelöst, für das seine Mutter verantwortlich zeichnet. In immer wieder eingestreuten Rückblenden wird dem Betrachter dabei plausibel näher gebracht, wie sehr das Verhalten der Mutter die Seele eines Kindes zerstört haben muss. Dabei ist es hier absolut glänzend gelungen, die Grenzen zwischen Gegenwart, Visionen-und Rückblenden vollkommen fließend zu gestalten, so das sich phasenweise ein fast schon surreal Bilderrausch präsentiert, der den Betrachter regelrecht überschwemmt. Manch einem mag das an diversen Stellen vielleicht etwas wirr erscheinen, doch gerade durch diesen Eindruck kann man sich erst ein wunderbar plastisches Bild davon machen, wie es im Kopf der Hauptfigur aussehen muss. Klare Denkweisen sind nämlich so gut wie ausgeschlossen und wenn Frank einmal nicht von seiner Manie besessen ist reicht schon der kleinste Anlass, um diese wieder hervor zu rufen. Dies merkt man vor allem dann, wenn er darauf angesprochen wird ob er denn eine Freundin habe, löst diese Frage doch Migräne-artige Anfälle bei ihm aus, die er nur mit der Einnahme von Medikamenten bekämpfen kann. All diese Kleinigkeiten sind absolut notwendig, damit man sich überhaupt ansatzweise vorstellen kann, welch ungeheurer Druck auf dem Gehirn des jungen Mannes lasten muss, der immer wieder töten muss, um seine Leiden zumindest für eine gewisse Zeit zu lindern.

Elijah Wood in der Hauptrolle des Killers zu sehen, mag für viele Leute unvorstellbar sein und auch ich musste mich nach der damaligen Bekanntgabe der Besetzung erst einmal mit diesem Gedanken vertraut machen. Dem Schauspieler haftet nun einmal die Rolle des Frodo aus "Der Herr der Ringe" an und wie um alles in der Welt sollte der gute Mann mit dem Baby Face glaubhaft die Rolle des geisteskranken "Maniacs" spielen? Sein Schauspiel nun bis in das kleinste Detail zu bewerten fällt dabei nicht gerade leicht, denn aus den weiter oben angeführten Gründen ist er ja nicht allzu oft im Bild zu sehen. Dennoch liefert er eine wirklich gelungene Performance ab und auch rein optisch hat sich so Einiges geändert. Mit Bart-Ansatz und vor Wahnsinn flackernden Augen hat der Mime so gar nichts mehr von dem niedlichen Hobbit, der Mittelerde vor dem Untergang bewahrt hat. Aus dem Jüngling ist mittlerweile ein Mann geworden, der mit markanten Gesichtszügen ganz hervorragend in diese Rolle hineinpasst. An einer Stelle des Szenarios fällt das ganz besonders ins Auge, gibt es doch einen Mord auf dem Gelände eines Auto-Handels, der eben nicht aus den Augen des Mörders zu sehen ist. An dieser Stelle kann man Wood in voller körperlicher Präsenz bei der Arbeit beobachten, wie er eine junge Frau auf brutalste Art und Weise tötet. Als er ihr die Haare von der Kopfhaut abschneidet, ist für einen kurzen Moment der ganze Wahnsinn-und gleichzeitig die totale Befriedigung im Gesicht abzulesen, das einem hier ein eiskalter Schauer über den Rücken läuft.

Zum Abschluss sollte man auch keinesfalls den Härtegrad dieses Filmes außer acht lassen, da dieser es streckenweise wirklich in sich hat. Die Morde wurden teils richtig derbe in Szene gesetzt, so das auch die Freunde der etwas härteren Gangart voll auf ihre Kosten kommen werden. Dennoch artet die Neuauflage des Klassikers zu keiner Zeit in ein sinnloses Splatter-Gore Spektakel aus, wie man es in der heutigen Zeit ja oft genug serviert bekommt. Die vorhandenen Szenen sind vollkommen ausreichend und untermalen auf perfekte Weise die unglaubliche Intensität, die von der gesamten Geschichte ausgeht. Khalfoun hat sich also nicht dazu hinreißen lassen den Gesetzen des Marktes zu folgen und dabei explizite Gewaltdarstellungen in den totalen Fokus seiner Erzählung zu rücken. Denn auch wenn es stellenweise äußerst hart zur Sache geht, so steht doch die psychische Verfassung eines Mannes im Vordergrund, der an der vorherrschenden Einsamkeit in seinem Leben zu Grunde geht und dabei seine Befriedigung im Töten junger Frauen findet, die er stellvertretend für seine Mutter bestraft. Und so kann man im Endeffekt von einem mehr als gelungenen Remake sprechen, das man zwar vom Grundgerüst der Geschichte her mit dem Original vergleichen kann, aber ansonsten als absolut eigenständiger Film zu betrachten ist, der durch die vielen Neuerungen einen extrem nachhaltigen Eindruck hinterlässt.


Fazit:


Franck Khalfoun hat meiner persönlichen Meinung nach alles genau richtig gemacht und hat nicht den Fehler begangen, hier eine 1:1 Kopie zu präsentieren. Allein der Aspekt, das die Geschichte fast ausschließlich aus der Sicht des Mörders zu sehen ist, verleiht dem Werk einen Hauch von Genialität. Natürlich liegt es wie immer im Auge des jeweiligen Betrachters, doch "Maniac 2012" ist ein teilweise verstörendes, aber immer unglaublich intensives Film-Erlebnis, das man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Gelegentliche Schweißausbrüche inbegriffen, wurde einem Klassiker neues Leben eingehaucht und eben dieser verstörende Aspekt eingebaut, das man eigentlich durch die neue Betrachtungsweise selbst zum Täter wird. Welche Version nun die bessere ist lässt sich dabei schwerlich beantworten, haben doch bei Varianten unglaubliche Stärken, unterscheiden sich aber bis auf die Kern-Thematik ganz erheblich voneinander. Ich bin jedenfalls glücklich beide Filme in meinem Besitz zu haben un d kann nur eine unbedingte Empfehlung für diese grandiose Neuauflage aussprechen.


9/10

1 Kommentar:

andy T. hat gesagt…

Ich persönlich fand den Film und das Konzept aus der Sicht des Mörders sehr gut umgesetzt auch wenn es nicht ganz neu ist hat mich das doch sehr überzeugt.
Natürlich kann ich keinen Vergleich zum Origenal ziehen da ichdies noch nicht uncut gefunden habe.
Das Remake ist meiner Meinung nach eines der besten der Remake Welle.